Lehrbuch der qualitativen und quantitativen Mineralanalyse

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Regalen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von im Rahmen eines Projekts

Overview

Lehrbuch der qualitativen und quantitativen Mineralanalyse is an 1899 historical mining reference by Koninck, Lucien Louis de, preserved in the Mountain Man Mining research library, focused on determinative mineralogy.

This 1899 document, Lehrbuch der qualitativen und quantitativen Mineralanalyse, is preserved in the Mountain Man Mining Library for research and reference. Original source: archive.org.

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Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Regalen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von im Rahmen eines Projekts, mit dem die BĂŒcher dieser Welt online verfĂŒgbar gemacht werden sollen, sorgfĂ€ltig gescannt wurde.

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Science Cemer Library

Mineralanalyse.

Zweiter Band.

Lehrbuch

Der

Qualitativen Und Quantitativen

Mineralanalyse

Von

Dr. L. L. De Koninck,

Ingenieur honoraire des Iines, Professel'r ordinaire a l'University de Lice.

Deutsche Ausgabe

UNTER Mitwirkung von Professor De Koninck bearbeitet

Von

Dr C. Meineke,

Professor, Vorstand des lNSTiTriE> fĂŒr Chemie L'ND Hygiene von Proffssor Dr. C. Meimke und Genossen zu \Vie,<haden.

Zweiter Band.

Mit 89 Figuren im Text.

Nach dem Tode des Bearbeiters der deutschen Ausgabe herausgegehe.n von DR- A. WESTPHAL,

Berlin,

Verlag von Rudolf MĂŒcKtNBERGER.

Alle Rechte, Dam entlieh das der Uebersetzung in fremde Sprachen, bleiben vorbehalten.

Vorwort

des Herausgebers zum zweiten Bande.

D.

'em nunmehr erscheinenden zweiten Bande möchte der Unterzeichnete einige Worte zur ErlÀuterung voranschicken.

Die ersten Bogen des Bandes waren bereits gedruckt, als der schon seit lĂ€ngerer Zeit leidende Bearbeiter der deutschen Ausgabe, Herr Professor Meineke, schwer erkrankte, wodurch die eigene Revision seiner ersten Niederschrift zwecks Umgestaltung in das endgĂŒltige Manuscript auf lange Zeit ins Stocken gerieth bezw. zum Stillstand kam.

Nach dem Tode des Herrn Professor Meineke wurde ich — damals noch Assistent von Herrn Geheimrath Landolt in Berlin — von Herrn Professor De Koninck und der Verlagshandlung mit der weiteren Herausgabe des Werkes betraut, wo- fĂŒr ich meinen Dank auszusprechen hier nicht unterlassen möchte.

Der Umstand, dass wohl meistens ein grosser Schritt nöthig ist von einer so umfangreichen ersten Niederschrift bis zum druckfertigen Manuscript, und ferner die Thatsache, dass unvorhergesehene störende Ereignisse eintraten, Hessen die endgĂŒltige Drucklegung leider nur sehr langsam fortschreiten. Zwischen dem Erscheinen des ersten und des zweiten Bandes liegt daher ein Zeitraum von fast 4 Jahren. Aus dieser Verzögerung ist dem zweiten Bande jedoch naturgemĂ€ss auch ein Vortheil erwachsen, und darauf möchte hier hingewiesen werden dĂŒrfen: soweit es fĂŒr das Werk nĂŒtzlich erschien, haben die Resultate der analytischchemischen Arbeiten der letzten Jahre Aufnahme finden können und gefunden.

Griesheim am Main, im Herbst 1903.

A. Westphal.

Inhaltsverzeichniss

zum zweiten Bande.

(Die Zifl'ern zeigen die Seitenzahlen an.)

Seite

Berichtigungen und ZusÀtze XIX

Atomgewichtstabelle 1903 XXJII

Zweiter Theil.

Die eigentliche Analyse (Fortsetzung). Capitel X. Die Gruppe des Cadmiums und des Silbers i

Cadmliim 1

Eigenschaften des Cadmiums 1. Eigenschaften der Cadmium&alze 1.

Bestimmung des Cadmiums 4

A. Durch WĂ€gung 4. B. Durch Titrimetrie 9. C. Durch Colonmetrie 9.

Kupfer 10

Eigenschaften des Kupfers 10. Eigenschaften der Cuproverbindungen 10. Eigenschaften der Cuprisalze 12.

Bestimmung des Kupfers 16

A. Durch WĂ€gung 16. B. Durch Titrimetrie 30. C. Durch Colorimetrie 39.

Wismuth 40

Eigenschaften des Wismuths 40. Eigenschaften der Bismuthisalze 41.

Bestimmung des Wismuths 43

A. Durch WĂ€gung 43. B. Durch Titrimetrie 48. C. Durch Colorimetrie 49. D. Durch Gasometrie 49.

Blei 50

Eigenschaften des Bleis 50. Eigenschaften der Bleisalze 50. Eigenschaften der Bleioxyde 54.

Bestimmung des Bleis 55

A. Durch WĂ€gung 55. B. Durch Titrimetrie 60. C. Durch Colorimetrie 64. D. Durch Gasometrie 65. Die Bestimmung des Bleis fĂŒr technische, vorzugsweise hĂŒttenmĂ€nnische Zwecke 65. Bestimmung des disponiblen Sauerstoffes in den Oxyden des Bleis 69.

Quecksilber 70

Eigenschaften des Quecksilbers 70. Eigenschaften der Mercurisalze 71- Eigenschaften der Mercurosalze 76.

Vm luhaltsverzeichniss.

Seite

Bestimmung des Quecksilbers 79

A. Durch WĂ€gung 79. B. Durch Titriractrie 84. 1. Verfahreu, welche auf die Mercurosalze anwendbar sind 85. 2. Verfahren, welche auf die Mercurisalze anwendbar sind 86. C. Durch Colorimetrie 87.

ßUber 87

Eigenschaften des Silbers 87. Eigenschaften der Silbersalze 88.

Bestimmung des Silbers 90

A. Durch Wagung 90. B. Durch Titrimetrie 98.

Aufbuohung der Metalle der Cadmiumgruppe in Gemischen 107 Bereitung von Schwefelwasserstoff 111.

Anfbuchung der Metcdle der Gruppe des Silbers in Gemischen 114

Scheidungsverfahren 115

A. Allgemeine Verfahren. 1. Die Metalle der Gruppen des Cadmiums und des Silbers und diejenigen der Gruppen des Eisens, des Baryums und des Kaliums 115. 2. Die Metalle der Gruppen des Cadmiums und des Silbers und diejenigen der Gruppen des Baryums und des Kaliums 116. 3. Die Metalle der Silbergruppe und diejenigen der Gruppen des Cadmiums, des Eisens, des Baryums und des Kaliums 117. B. Specielle Verfahren 117. Cadmium und Zink 117. Cadmium und Mangan 118. Cadmium und Eisen 118. Cadmium und Aluminium 119. Cadmium und Chrom 119. Cadmium und Alkalien 119. Kupfer 119. Kupfer und Cadmium 119. Kupfer und die Metalle der Gruppen des Eisens, Baryums und Kaliums 121. Kupfer und Nickel (oder Cobalt) 123. Kupfer und Zink 123. Kupfer und Mangan 124. Kupfer und Eisen 124. Kupfer und Aluminium 125. Kupfer und Chrom 125. Kupfer und Baryum oder Strontium 125. Wismuth und Kupfer 125. Wismuth und Cadmium 127. Wismuth und die Metalle der Gruppen des Eisens, des Baryums und des Kaliums 128. Wismuth und Zink 128. Wismuth und Nickel 128. Wismuth und Cobalt 128. Wismuth und Mangan 129. Wismuth und Aluminium 129. Wismuth und die Metalle der Gruppen des Baryums und des Kaliums, ausgenommen Magnesium 129. Wismuth und die Alkalien 129. Metallisches Blei und Bleioxyd 129. Bleioxyd und Bleisuperoxyd 129. Blei und Wismuth 130. Blei und Kupfer 131. Blei und Cadmium 131. Blei und die Metalle der Gruppen des Eisens, des Baryums und des Kaliums, ausgenommen Mangan 132. Blei und die Metalle der Gruppen des Eisens und des Kaliums 132. Blei und Mangan 132. Blei und Baryum 132. Blei und die Alkalien 133. Mercurisalze und Mercurosalze 133. Quecksilber und Silber, Blei, Wismuth, Kupfer, Cadmium 133. Quecksilber (Mercurosalz) und Blei, Cadmium oder Kupfer 134. Quecksilber (Mercurisalz) und Blei, Cadmium oder Kupfer 134. Quecksilber und Blei 134. Quecksilber und Wismuth 135. Quecksilber und Kupfer 136. Quecksilber und Cadmium 136. Quecksilber und die Metalle der Gruppen des Eisens, des Cadmiums und des Arsens 137. Quecksilber und die Metalle der Gruppen des Eisens, des Baryums und des Kaliums 137. Quecksilber und Mangan 137. Quecksilber und Aluminium 137. Silber 138. Silber und Quecksilber 138. Silber und Blei 138. Silber und Wismuth 139. Silber imd Kupfer 140. Silber und die Metalle der Gruppen des Eisens, des und des Kaliums 140.

Inhalt sverzeichniss. IX

Seite

Capitel XI. Gruppe des Arsens I4i

Zinn 141

Eigenschaften des Zinns 141. Eigenschaften der Stannosalze 142.

Eigenschaften der Stannisalze 14G.

Bestimmung des Zinns 149

1. Verfahren, welche direct auf das Metall und seine Legirungen anwendbar sind. A. Durch WĂ€gung 149. B. Durch Titrimetrie 149. C. Durch Colorimetrie 150. 2. Verfahren, welche direct auf Stannosalze anwendbar sind. A. Durch WĂ€gung 150. B. Durch Titrimetrie 152. 3. Verfahren, welche auf Stanniverbindungen anwendbar sind. Durch WĂ€gung 153. Umformungsverlahren 155.

Antimon 155

Eigenschaften des Antimons 155. Eigenschaften der Antimonio salze 156. Eigenschaften der Antimoniisalze 160.

Bestimmung des Antimons 161

A. Durch WĂ€gung 162. B. Durch Titrimetrie. 1. Verfahren, welche auf Antimoniiverbindungen anwendbar sind 165.

2. Verfahren, welche auf Antimonioverbindungen anwendbar sind 166. C. Durch Colorimetrie 168. Umformungsverfahren 168.

Arsen 169

Eigenschaften des Arsens 169. Eigenschaften der Arsenoverbindungen 170. Eigenschaften der Arseniverbindungen 177. Reactionen der Verbindungen des Antimons und des Arsens

im Marsh'schen Apparate 181

Bestimmung des Arsens 186

1. Verfahren, welche direct auf Arseno Verbindungen anwendbar sind. A, Durch WĂ€gung 186. B. Durch Titrimetrie 187. C. Durch Colorimetrie 188. 2. Verfahren, welche direct auf Arseniverbindungen anwendbar sind. A. Durch WĂ€gung 188. B. Durch Titrimetrie 190. C. Durch Colorimetrie 191. Umformungs verfahren 191.

Gold 192

Eigenschaften des Goldes 192. Eigenschaften der Goldsnlze 194.

Bestimmung des Goldes 196

A. Durch WĂ€gung 196. B. Durch Titrimetrie 199.

Platin 199

Eigenschaften des Platins 199. Eigenschaften der Platinsalze 200.

Bestimmung des Platins 201

A. Durch WĂ€gung 201. B. Durch Titrimetrie 202.

Aufsuchung der Metalle der Arsengruppe in Qemi sehen . . 203 1. Aufsuchung von Zinn, Antimon und Arsen 203. 2. Aufsuchung des Goldes und des Platins 207.

A. Allgemeine Verfahren. 1. Alle Metalle der Gruppe des Arsens von denjenigen der Gruppen des Eisens, Baryums und Kaliums 209. 2. Die Metalle der Gruppe des Arsens (Gold und Platin ausgeschlossen) von denjenigen der Gruppen des Eisens, Cadmiums und Silbers 210. 3. Die Metalle der Gruppe des Arsens (Gold und Platin ausgeschlossen) von den Metallen der Gruppen des Baryums und Kaliums 211. B. Specielle Verfahren. Zinn (Stannoverbindung) und Zinn (Stanniverbindung) 212. Zinn und die Afetalle der Gruppen des Silbers und des Cadmiums in Legirungen 212.

X InbaltsverzeichDiss.

Seite Zinn und Silber 212. Ziun und Quecksilber 213. Zinn und Biei 213. Zinn und Kupfer 214. Zinn und Cadmium 215. Zinn und die Metalle der Gruppen des Eisen, Baryums und Kaliums 215. Zinn und Nickel oder Cobalt 215. Zinn und Zink 215. Zinn und Eisen 215. Antimon (Antimonioverbindungen) uod Antimon (Auiimoniiverbindungen) 216. Antimon und Zinn 216. Antimon und die Metalle der Gruppen des Silbers, des Cadmiums und des Eisens (ausgenommen Eisen, Mangan und Wismuth) 219. Antimon und Silber 219. Antimon und Quecksilber 219. Antimon und Blei 220. Antimon und Kupfer 221. Antimon imd die Metalle der Gruppen des Eisens, Baryums und Kaliums 222. Antimon und Nickel, Cobalt, Eiseu, Mangan 222. Antimon und Nickel oder Cobalt 222. Arsen (Arsenii) und Arsen (Arsenal) 222. Arsen und Antimon 223. Arsen und Zinn 226. Arsen und die Metalle der Gruppen des Silbers, Cadmiums, Eisens, Baryums und Kaliums 227. Arsen und die Metalle der Gruppen des Cadmiums und Eisens (Chrom ausgeschlossen) sowie die Metalle der alkalischen Erden 228. Arsen und Silber 228. Arsen und Quecksilber 229. Arsen und Blei 229. Arsen und Wismuth 230. Arsen und Kupfer 230. Arsen und Cadmium 231. Arsen und die Metalle der Gruppe des Eisens 232. Arsen und die Metalle der Gruppe des Eisens (Chrom und Aluminium ausgenommen) 232. Arsen und Nickel oder Cobalt 232. Arsen und Zink 233. Arsen und Mangan 233. Arsen und Eisen 233. Arsen und die Metalle der Gruppe desßaryumS 233. Arsen und die Alkalien 233. Gold und alle Metalle ausser Silber 233. Gold und Zinn, Antimon oder Arsen 234. Gold und die Metalle der Gruppen des Silbers, Cadmiums und Eisens 234. Gold und Silber 234. Gold und Quecksilber 235. Gold und Blei, Wismuth, Kupfer 235. Gold und die Metalle der Gruppen des Baryums und Kaliums 235. Platin und Gold 235. Platin und Zinn, Antimon, Arsen 236. Platin und die Metalle der Gruppen des Silbers, Cadmiums und Eisens 236. Platin und die Metalle der Gruppen des Baryums und Kaliums 236.

Capitel XII. Aufsuchung aller Metalle 237

Allgemeine Bemerkungen 237

Aufsuchung aller Metalle in einer neutralen oder sauren

Lösung, welche frei von Phosphaten ist 239

Erste, sog. classische Methode 239. Zweite Methode 244. Dritte Methode 248. Vierte Methode 249. FĂŒnfte Methode 250.

Aufsuchung von Gold und Platin 250

Aufsuchung sÀmmtlicher Metalle in einer sauren oder

neutralen Lösung, welche Phosphate enthalten kann . 251 Erste Methode 252. Zweite Methode 254. Dritte Methode 254.

Die Metalloide. Capitel XIII. Sauerstoff und einwerthige Metalloide 256

Sauerstoff 256

Eigenschaften des Sauerstoffes 256

Bestimmung des freien Sauerstoffes 257

Durch Gasoinetrie 257.

Scheidungsverfahren, Sauerstofl" und Ammoniak 2G0.

iDhaltsverzcichniÀs. XI

Seile

Eigenschaften der Oxyde 260

Bestimmung des Sauerstoffes in den Oxyden 261

Wasserstoff 268

Eigenschaften des Wasserstoffes 263

Bestimmung des Wasserstoffes 264

1. Freier Wasserstoff in Gasgemischen 264. A. Durch WĂ€gung 264. B. Durch Gasomctrie 264. 2. Gebundener Wasserstoff 265.

Scheidungsverfahren. Wasserstoff und Sauerstoff 265. Wasserstoff und Ammoniak 265.

Eigenschaften des Wassers 266

Eigenschaften der Hydrate 266

Bestimmung des Wassers 267

1. Bestimmung des Wassers in festen oder flĂŒssigen Substanzen 268. 2. Bestimmung des Wassers in Gasen. A. Durch WĂ€gung 274. B. Durch Gasometrie 274. Scheidangsverfahren 276. Wasser und Wasserstoff 276. Wasser und Sauerstoff 276. Wasser und Ammoniak 276.

Eigenschaften des Wasserstofifsuperoxydes 277

Bestimmung des WasserstofTsuperoxydes 278

A. Durch WĂ€gung 278. B. Durch Titrimetric 279. C. Durch Gasometrie 270. D. Durch Colorimetrie 280.

Eigenschaften des Chlors 280

Eigenschaften des Broms 282

Eigenschaften des Jods 288

Bestimmung des freien Chlors 285

A. Durch WĂ€gung 285. B. Durch Titrimetrie 285.

Bestimmung des freien Broms 286

A. Durch WĂ€gung 286. B. Durch Titrimetrie 286.

Bestimmung des freien Jods 286

A. Durch WĂ€gung 286. B. Durch Titrimetrie 286. Jodometrie 287. Jodometrische ludicatoren 288. Die jodometrischen Reagentien und ihre Anwendung 291. C. Durch Gasometrie 302. D. Durch Colorimetrie 302.

Scheidungs verfahren. Chlor und Sauerstoff 303. Chlor und Metallsalze 303. Brom und Chlor in freiem Zustande oder mit einander verbunden 303. Freies Brom und Melallsalze 304. Jod, Brom und Chlor in freiem Zustande oder mit einander verbunden 304. Bemerkung 304.

Eigenschaften der Chloride 304

Eigenschaften der Bromide 307

Eigenschaften der Jodide 309

Auffindung der Chloride, Bromide und Jodide in einem Gemische 312 A. Es liegen in Wasser leicht lösliche Salze vor 312. Auffindung der Jodide und der Bromide 312. Auffindung der Chloride 314. B. Es liegen in Wasser unlösliche oder wenig lösliche Salze vor 315. Bestimmung der Chloride 315

A. Durch WĂ€gung 315. B. Durch Titrimetrie 316.

Bestimmung der ChlorwasserstoffsÀure (SalzsÀure) 310

1. Chlorwasserstoff in Lösung. A. Durch WÀgung 319.

B. DuTch Titrimetrie 320. C. Durch Dcnsimetrie 321. 2. Gas-

XII Inbaltsverzeichniss.

Seite förmiger Chlorwasserstoff. A. Durch WÀgung 321. B. Durch Titrimetrie 322. C. Durch Gasoraetrie 322.

Bestimmung der Bromide 322

A. Durch WĂ€gung 322. B. Durch Titrimetrie 323. C. Durch Colorimetrie 323.

Bestimmung der Jodide 323

A. Durch WĂ€gung 323. B. Durch Titrimetrie 325. C. Durch Colorimetrie 327.

Scheidungsverfahren. Chlor der Chloride und freies Chlor 327. Chlor der Chloride und Metalle 328. Brom der Bromide und freies Brom 329. Bromid und Chlorid 329. Brom der Bromide und Metalle 333. Jod der Jodide und freies Jod 333. Jodid und Bromid 333. Jodid und Chlorid 335. Jodid, Bromid und Chlorid 336. Jod der Jodide und Metalle 337-

Eigenschaften der Hypochlorite 338

Eigenschaften der Hypobromite 340

Eigenschaften der Hypojodite 341

Bestimmung der Hypochlorite 342

A. Durch WĂ€gung 342. B. Durch Titrimetrie 342. C Durch Gasometrie 343.

Bestimmung der Hypobromite 345

Scheidungsverfahren. Hypochlorit und Chlorid 345. Unterchlorige SĂ€ure und Metalle 345. Hypobromit und Hypochlorit 345.

Eigenschaften der Bromate 348

Eigenschaften der Jodate 349

Aufsuchung der Chloride, Hypochlorite und Chlorate in einem

Gemische 350

Bestimmung der Chlorate 351

A. Durch WĂ€gung 351. B. Durch Titrimetrie 352.

Bestimmung der Bromate 352

A. Durch WĂ€gung 352. B. Durch Titrimetrie 353.

Bestimmung der Jodate 353

A. Durch WĂ€gung 353. B. Durch Titrimetrie 353. C. Durch Colorimetrie 353.

Scheidungsverfahren. Chlorat und Hypochlorit 354. Chlorat und Chlorid 354. Chlorat, Hypochlorit, Chlorid und freies Chlor 355. ChlorsÀure und Metalle Jodat und Jodid 35G.

Eigenschaften der normalen Cyanide 357

Eigenschaften der Perrocyanide der Metalle der Gruppen des

Baryums und des Kaliums

Eigenschaften der Ferricyanide der Metalle der Gruppen des

Baryums und des Kaliums 362

Eigenschaften der Cyanate 363

Eigenschaften der Sulfocyanide 366

Bestimmung der Cyanide 367

1. Cyanide der Metalle der Alkalien, der alkalischen Erden und des Wasserstoffs (BlausÀure). A. Durch WÀgung 367. B. Durch Titrimetrie 368. 2. M er cur i Cyanid. Durch WÀgung 369. 3. Andere normale Cyanide. Durch WÀgung 370. 4. Ferrocyanide und Ferricyanide. A. Durch

Inhaltsverzeichoiss. XIII

Seite Wagung 371. B. Durch TUrimetrie 372. C. Durch Gasometrie 374.

Bestimmung der Cyanate 374

A. Durch WĂ€gung 374. B. Durch Titrimetric 375. C. Durch Gasometrie 376.

Bestimmung der Sulfocyanide 377

A. Durch WĂ€gung 377. B. Durch Titrimetrie 377. C. Durch Colorimetrie 378.

Scheidungsverfahren. Cyanid und Chlorid, Bromid, Jodid 378. Cyan der normalen Cyanide und Metalle 379. Ferrocyanid und Ferricyanid 379. Ferrocyanid oder Ferricyanid und Chlorid, Bromid oder Jodid 370. Ferrocyan oder Ferricyan und Metalle 380. Cyanat und Cyanid 380. Cyanat und Chlorid 381. CyansÀure und Metalle 382. Sulfocyanid und Cyanid 382. Sulfocyanid und Chlorid, Bromid oder Jodid 382. Sulfocyanwasserstoff und Metalle 383.

Fluor 383

Eigenschaften der Fluoride 383

Bestimmung der Fluoride 386

A. Durch WĂ€gung 386. B. Durch Titrimetrie 390. C. Durch Gasometrie 390.

Bestimmung der Flusssfture 391

A. Durch WĂ€gung 391. B. Durch Titrimetrie 391. C. Durch Densimetrie 391.

Scheidungsverfahren. Fluoride und Chloride, Bromide oder Jodide 391. Fluor und die Metalle 332.

Capitel XIV. Zweiwerthiges Metalloid 393

Schwefel 393

Eigenschaften des Schwefels 393

Bestimmung des Schwefels 395

A. Durch WĂ€gung 395. B. Durch Titrimetrie 400. Scheidungsverfahren 401.

Eigenschaften des Schwefelwasserstoffes 401

Eigenschaften der Sulfide 402

A. Normale, in Wasser lösliche Sulfide 402. B. Hydrosulfide (Sulfhydrate) oder saure Sulfide 404. C. In Wasser losliche Polysulfide 404. D. In Wasser unlösliche Sulfide 405.

Bestimmung des Schwefelwasserstoffes 407

1. Schwefelwasserstoff in Losung. A. Durch Wagung 407.

B. Durch Titrimetrie 408. C. Durch Colorimetrie 410. 2. Gas- förmiger Schwefelwasserstoff. A. Durch WÀgung 410. B. Durch Titrimetrie 413. C. Durch Gasometrie 415. D. Durch Colorimetrie 415.

Bestimmung der Sulfide 415

1. In Wasser lösliche normale Sulfide und Hydrosulfide.

A. Durch WÀgung 415. B. Durch Titrimetrie 418. C. Durch Colorimetrie 419. 2. In Wasser lösliche Polysulfide 420. 3. In Wasser unlösliche Sulfide. A. Durch WÀgung 421.

B. Durch Titrimetrie 426. C. Durch Colorimetrie 427. Scheidungsverfahren. Schwefelwasserstoff in Lösung 427. Schwefelwasserstoff in Gasgemischen 428. Lösliches Sulfid und Chlorid 428. Sulfid und Hydrat in Lösung 429. Schwefel der löslichen Sulfide und Metalle 429. Unlösliches Sulfid und

XIV luhaltsvcrzeichniss.

Seite Fluorid 429. Unlösliches Sulfid und Chlorat 430. Schwefel der unlöslichen Sulfide und Metalle 430.

Eigenschaften der Hyposulfite 431

Bestimmung der Hyposulfite 433

A. Durch WÀgung 433. B. Durch Titrimetrie 434. Scheidungsverfahren. Hyposulfit und lösliches Sulfid 43i. Hyposulfit und Chlorid, Bromid oder Jodid 435. Unterschweflige SÀure und Metalle 435. Eigenschaften des Schwefeldioxyds bez. der schwefligen SÀure . 436

Eigenschaften der Sulfite 438

Bestimmung der schwefligen SĂ€ure bez. des Schwcfeldioxyds . 440

1. In Lösung. A. Durch WÀgung 440. B. Durch Titrimetrie 441.

2. In gasförmigem Zustande. A. Durch WÀgung 442. B. Durch Titrimetrie 442. C. Durch Gasometrie 443.

Bestimmung der Sulfite 444

A. Durch WÀgung 444. B. Durch Titrimetrie 444. Scheidungsverfahren 444. Schwcfeldioxyd und Chlorwasserstoff 445. Schwefeldioxyd und Wasserdampf 445. Schwefeldioxyd und Sauerstoff 445. Sulfit und Hyposulfit 445. Sulfit und lösliches Sulfid 440. Sulfit und Chlorid, Bromid oder Jodid 44G. Schweflige SÀure und Metalle 447.

Eigenschaften der Sulfate 447

Aufsuchung von Sulßden, Hyposulfiten, Sulfiden und Sulfaten

der Alkalimetalle in einem Gemische 449

Bestimmung der Sulfate 449

A. Durch WĂ€gung 449. B. Durch Titrimetrie 452. C. Durch Gasometrie 455.

Bestimmung der SchwefelsÀure 45G

A. Durch WĂ€gung 456. B. Durch Titrimetrie 457. C. Durch Densimetrie 457.

Scheidungsverfahren. SchwefelsÀure und Sulfat 458. SchwefelsÀure und SchwefelsÀure - Anhydrid 458. Sulfate und Sulfite 458. SchwefelsÀure und SchwefligsÀure -Anhydrid 459. Sulfate und Hyposulfite 459. Sulfat, Sulfit, Hyposulfit und Sulfid 460. Sulfat und unlösliches Sulfid 461. Sulfat und Fluorid 461. Sulfat und Sulfocyanid 461. Sulfat und Ferricyanid, Ferrocyauid oder Cyanid 462. Sulfat imd Chlorid, Bromid oder Jodid 462. SchwefelsÀure und Metalle 462.

Capitel XV. Dreiwerthige Metalloide 466

Stickstoff 466

Eigenschaften des Stickstoffes 466

Bestimmung des Stickstoffes 466

Durch Gasometrie 467.

Scheidungsverfahren. Stickstoff und Chlor, Sauerstoff, Wasserdampf, Ammoniak 467. Stickstoff und Wasserstoff 467.

Eigenschaften des Stickoxyduls 468

Bestimmung des Stickoxyduls 468

Eigenschaften des Stickoxyds 468

Bestimmung des Stickoxyds 470

A. Durch WĂ€gung 470. B. Durch Titrimetrie 470. C. Durch Gasometrie 471.

Eigenschaften des Stickstoffdioxyds 471

Bestimmung des Stickstoffdioxyds 472

lohaltsverzeichniss. XV

Seite

Eigenschaften der Nitrate 472

Bestinnmung der Nitrate 477

A. Durch WĂ€gung 478. B. Durch Titrimetrie 48G. C. Durch Gasometrie 496. D. Durch Colorimetrie 507.

Bestimmung der SalpetersÀure 507

A. Durch WĂ€gung 50. B. Durch Titrimetrie 508. C Durch Densimetrie 508.

Scheidungsverfahren. Nitrat und Sulfat 509. Nitrat und Sulfit 509. Nitrat und Hyposulfit 50J>. Nitrat und in Wasser unlösliches Sulfid 510. Nitrat und in Wasser lösliches Sulfid 510. Nitrat und Chlorat oder Perchlorat 510. Nitrat und Jodat 510. Nitrat und Hypochlorit 510. Nitrat und Jodid 510. Nitrat und Chlorid, Bromid 511. Nitrat und Wasser 511. SalpetersÀure und Metalle 511.

Eigenschaften der Nitrite 511

Auffindung von Nitriten und Nitraten in einem Gemische beider 514

Bestimmung der Nitrite 515

A. Durch WĂ€gung 51 ĂŒ. B. Durch Titrimetrie 51 G. C. Durch Gasometrie 517. D. Durch Colorimetrie 517.

Scheidungsverfahren. Nitrit und Nitrat 518. Nitrit und Sulfat 518. Nitrit und Chlorid 519. Salpetrige SĂ€ure und Metalle 519.

Phosphor 519

Eigenschaften des Phosphors 519

A. Der weisse Phosphor 519. B. Der rothe Phosphor 521.

Bestimmung des Phosphors 521

Durch WĂ€gung 521.

Scheidungsverfahren. Weisser Phosphor und rother Phosphor 522. Phosphor und andere Substanzen 522.

Eigenschaften der Phosphide 523

Bestimmung der Phosphide 523

Scheidungsverfahren 525.

PhosphorsÀuren 525

Eigenschaften der Orthophosphate 52G

Eigenschaften der Pyrophosphate 531

Bestimmung der Phosphate 531

A. Durch WĂ€gung 532. B. Durch Titrimetrie 550. C. Durch Gasometrie 556. D. Durch Colorimetrie 55().

Scheidungsverfahren. Phosphat und Phosphid 556. Phosphat und Nitrat 557. Phosphat und Sulfat 557. Phosphat und Sulfit oder Hyposulfit 557. Phosphat und Sulfid 558. Phosphat und Fluorid 558. Phosphat und Chlorid, Bromid oder Jodid 558. Phosphor sÀure und Metalle der Gruppen des Arsens, Silbers und Cadmiums 559. PhosphorsÀure und Metalle der Gruppen des Silbers, Cadmiums und Eisens 559. PhosphorsÀure und Metalle der (Truppen des Silbers, Cadmiums, Eisens, Bar}'ums und Kaliums 559. PhosphorsÀure und Metalle der Gruppe des Silbers 5*30. PhosphorsÀure und Metalle der Gruppe des Bar)'um6 560. Phospbor- sÀure und die Metalle der Gruppen des Baryums und des Kaliums 56<.). PhosphorsÀure und die Metalle der Gruppe des Kaliums 561. Phosphor sÀure und Prisen, Aluminium, Calcium, Magnesium 562. PhosphorsÀure und Zinn 565. PhosphorsÀure und Antimon 5()6. PboRphorsÀure und Arsen 566. PhosphorsÀure und Blei 566.

XVI InhaltsverzeichDiss.

Seite PhosphorsÀure uod Kupfer 566. PhosphorsÀure und Chrom 567. PhosphorsÀure und Eisen 567. PhosphorsÀure und Calcium 567.

Bor 567

Eigenschaften der Borate 567

Bestimmung der Borate 570

A. Durch WÀgung 570. B. Durch Titrimetrie 573. Scheidungsverfahren 579. Borat und Phosphat 579. Borat und Sulfat 580. Borat und Fluorid 580. Borat und Chlorid 580. BorsÀure und Alkalimetalle 580. BorsÀure und Magnesium 580. BorsÀure und die Metalle der Baryumgruppe 581. BorsÀure und Calcium 581. BorsÀure und andere Metalle 581.

Capitel XVI. Vierwerthige Metalloide 582

Sllicium 582

Eigenschaften der Silicide 582

Bestimmung der Silicide 582

Scheidungsverfahren 583.

Eigenschaften des Siliciumdioxyds oder KieselsÀure- Anhydrids . 584

Eigenschaften der KieselsÀuren und der in Wasser löslichen Silicate 585

Eigenschaften der in Wasser unlöslichen Silicate 586

Bestimmung des KieselsÀure-Anhydrids 587

Bestimmung der Silicate 588

A. Durch WĂ€gung 588. B. Durch Colorimetrie 594. Scheidungsverfahren. KĂŒnstliches KieselsĂ€ure-Anhydrid oder KieselsĂ€ure und Quarz 595. Silicate und Quarz 595. Silicat und Silicid 597. Silicat und Borat 598. Silicat und Phosphat 599. Silicat und Sulfat 600. Silicat und Sulfid 601. Silicat oder Quarz und Fluorid 601. Silicat und Chlorid 603. Silicat und Wasser 604. KieselsĂ€ure und Metalle, welche nicht Alkalimetalle sind 604. KieselsĂ€ure und Metalle, einschliesslich der Alkalimetalle 606. KieselsĂ€ure und Chrom 608. KieselsĂ€ure und Eisen 608.

Eigenschaften der Silicofluoride 610

Bestimmung der Silicofluoride 611

A. Durch WĂ€gung 611. B. Durch Titrimetrie 611. C. Durch Densimetrie 611.

Scheidungsverfahren. Wasserstoffsilicofluorid und Kiesel- sÀure 612. Wasserstoffsilicofluorid und FluorwasserstoffsÀure 612. Wasserstoffsilicofluorid und Chlorwasserstoff 612. Wasserstoffsilicofluorid und Metalle 612.

Kohlenatoflf 612

Eigenschaften des Kohlenstoffes 612

Bestimmung des Kohlenstoffes 613

A. Durch WĂ€guDg 613. B. Durch Titrimetrie 618. C. Durch Gasometrie 618.

Scheidungsverfahren. Kohlenstoff und Sulfid 619. Kohlenstoff und Schwefel 619. Kohlenstoff und Chlorid oder Bromid 619. Kohlenstoff und andere Stoffe 620.

Eigenschaften der Metallcarbide 620

Bestimmung der Carbide 621

Bestimmung des Kohlenstoffes in Metallen und Legirungen,

speciell der Eisensorten 622

1. Bestimmung des Gesammt-Kohlenstof f es in Eisensorten. A. Durch WĂ€gung 622. B. Durch Gasometrie 625.

InlialtsverzeicliDiss. XVII

Seite 2. Bestimmung des Graphit - Kohlenstoffes in Eisensorten 625. 3. Bestimmung des Carbid-Kohlenstoffes in Eisensorten. Durch Colorimetrie 626.

Scheidungsverfahren. Carbid-Kohlenstoif und Graphit-Kohlen- Stoff 627. Carbid und Sulfid, Phosphid oder Silicid 627.

Eigenschaften des Kohlenoxyds 628

Bestimmung des Kohlenoxyds 629

A. Durch WĂ€gung 629. B. Durch Titrimetrie 630. C. Durch Grasometrie 630. D. Durch Colorimetrie 631.

Scheidungsverfahren. Kohlenoxyd imd Chlorwasserstoff 631. Kohlenoxyd und Wasserstoff 631. Kohlenoxyd und Sauerstoff 632. Kohlenoxyd und Stickstoff 632. Kohlenoxyd und Ammoniak 632. Eigenschaften des Kohlendioxyds (KohlensÀure - Anhydrid,

Eigenschaften der Carbonate 633

Bestimmung der KohlensÀure 634

1. In gasförmigem Zustande (Kohlendioxyd). A. Durch WÀgung 634. B. Durch Titrimetrie 637. C. Durch Gasometrie 639.

2. Geloste KohlensÀure 640. A. Durch WÀgung 640. B. Durch Titrimetrie 640. C. Durch Gasometrie 640.

Bestimmung der Carbonate 641

A. Durch WĂ€gung 641. B. Durch Titrimetrie 649. C. Durch Gasometrie 649.

Scheidungsverfahren. KohlensĂ€ure und neutral Gase oder Wasserdampf 653. KohlensĂ€ure und Schwefel dioxyd 654. Kohlen- sĂ€ure und Schwefelwasserstoff 654. KohlensĂ€ure und Chlor 654. KohlensĂ€ure und Chlorwasserstoff 655. Carbonate 655. Carbonat und Kohlenstoff 656. Neutrales Carbonat und saures Carbonat 656. Carbonat und Sulfit oder Hyposulfit 657. Carbonat und Sulfid 658. Carbonat und Fluorid 659. Carbonat und Cyanid 659. Carbonat und Chlorid, Bromid oder Jodid 659. Carbonat und Gemische, welche unter dem EinflĂŒsse einer SĂ€ure Chlor oder Brom abgeben 660. Carbonat und Superoxyd 661. Carbonat und Wasser 661. Carbonat und Hydrat 662. KohlensĂ€ure und MMaUe 663.

Capitel XVII. Allgemeine qualitative Analyse . . 664

Vorversuche zur AufsuchuDg der Metalle 664

Vorversuche mit einer flĂŒssigen Substanz 666. Besondere Vorversuche fĂŒr alkalische FlĂŒssigkeiten 671. Vorversuche mit einer festen Substanz 672. Löslichkeitsprobe 673. Aufsuchung der Metalle in einer alkalischen FlĂŒssigkeit . . 677

Aufsuchung der Metalle in einer festen Substanz 678

Aufiiuchung der Metalle in einer Legirung 680

Verfahren, um in Wasser und in den ĂŒblichen SĂ€uren

unlösliche Substanzen in Lösung ĂŒberzufĂŒhren . . . 683 Aufschliessen durch Alkalicarbonate 683. Aufschliessen durch Oxyde des Calciums, des Baryums, des Bleis oder durch basisches Wismuthnitrat oder BorsĂ€ure 684. Aufschliessen durch FlusssĂ€ure 684. Oxydirende Schmelzung 685. Schwefelnde Schmelzung 685. Aufschliessen durch Kaliumbisulfat 686. Aufschliessen durch gasförmiges Chlor 686. Aufschliessen durch dampfförmiges Brom 687. Aufhuohung der freien Metalloide, der SĂ€uren, der Anhydride

und der verschiedenen Arten von Salzen 688

XVIII Inhaltsverzeichniss.

Seite

Einleitung 688. Anwendung allgemeiner Reagentien 692. Verfahren beim Aufsuchen der Metalloide 706. Lösung oder in Wasser losliche Substanz, gegen Lakmus neutral 707. oder in Wasser lösliche Substanz, gegen Lakmus sauer 709. Lösung oder in Wasset lösliche Substanz, gegen Lakmus alkalisch 711. Feste, in Wasser nicht oder sehr wenig lösliche Substanz 713. Besonderer Fall einer Legirung 716. Allgemeine Au&uehung der Metalloide ohne BĂŒcksicht auf

ihren Verbindungszustand 718

Berichtigungen und ZusÀtze zu Band II.

Seite 2, ZeĂŒe 19 von oben: Statt (1887) lies (1885). 2, Z. 22 V. o. Statt (1878) lies (1877). 4, Z. 1 Ton unten: Statt (1896) lies (1897). „ 6, Z. 1 V. u. Statt chm. Analyse lies analyt. Chemie.

9, Z. 4 V. u. Statt (1898) lies (1898,99). „ 10, Z. 1 V. u. Statt (1880) lies (1879).

„ 14. Ad die Fussnote anzufĂŒgen: Nach G. Rauter (Z.angew. Ch. 1895,

315) ist der Niederschlag Capriferrocyanid. „ 18, Z. 8 V. u. Statt 1 (1864) lies 1864 Heft 1. „ 18, Z. 7 V. u. Statt III, Suppl. lies ErgĂ€nzungsband III. „ 28, Z. 2 V. 11. Statt 64 lies 66. „ 24, Z. 10 V. u. Statt/, de Pharm, [3] 17, 125 lies/, de pharm, et de

chim. [3] 17 (1850). 125. M 24, Z. 9 V. 11. Statt 18 lies 13 (1860). „ 24 Z. 8 V. u. Statt 89 lies 89 (1865). „ 24, Z. 7 V. 11. Statt 178 lies 178 (1865). ,, 24, Z. 8 V. u. Statt 1880 lies 89 (1880). „ 24 Z. 2 V. u. Statt 68 lies 13 (1878). „ 28, Z. 6 V. 11. Statt (1862) lies (1892). „ 28, Z. 2 V. 11. Statt Nr. 47 lies 819. „ 31, Z. 3 V. u. Statt 406 lies 407.

„ 31, Z. 1 V. 11. Statt B. 22 (1890) lies Th. Poleck: Ä 22 (1889). „ 32, Z. 4 V. u. Statt (1883) lies (1882). „ 33, Z. 12 V. u. Statt November lies 869. „ 33, Z. 10 V. u. Statt (1859) lies (1858/59). M 34, Z. 2 V. 11. Statt lies statt 1851 lies 1851. „ 36, Z. 9 11. 8 V. u. Statt 7 lies 7 (1871); statt 10 (1857), 65 lies

[6] 2 (1862), 313. „ 36, Z. 6 V. a. Statt Rev. lies Rec.

Statt 1871 lies 1 (1871); statt Cornwell lies Cornwall.

Statt Chem. Soc. lies/ ch. Soc.

Statt Bleichlorides lies Bleisulfides.

Statt Chem. Soc. 1891, I lies/ ch. Soc. 59 (1891).

Statt Cornwell lies Cornwall; statt 37 lies 27.

u.

u.

u.

o.

u.

u.

Z. 2 V.

u.

Z. 6 V.

u.

Z. 2 V.

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Z. 3 V.

u.

Z. 8 V.

u.

Z. 1 V.

u.

Z. 4 V.

u.

Z. 4 V.

u.

U.

U.

U.

U.

U.

U.

U.

XX Berichtiguogen und ZusÀtze.

Seite 57, Z. 2 v. u. Statt 6. Aufl., 1875 lies 6. Aufl., I (1875). Statt 122 lies 221. Statt (1875) lies (1873). Statt GrÀger lies Graeger. Statt April 1893 lies 55 (1893), April. Statt 1889 lies 48 (1889). Statt Ann. lies Po£;. Ann.

Statt Ann. de phys. 426 lies Ann. de eh. et de phys. 1 (1816), 422. 72, Z. 2 V. u. Vor Inaug.-Dlssert. einzufĂŒgen: Beitraget. Trennung d. Quecksilbers v. d. Metallen der sog. Arsen-und Kupfer - Gruppe. Statt 12 lies 2L Statt 2579 lies 2759. Statt quantitativen lies qualitativen. Statt 8 lies 9. Statt 1868 lies 5 (1863).

Statt 1874 lies 4 (1874), 1; statt [2] lies [N.F.]. Statt 190 (1877) lies 190 (1878).

Hinter Kohner schalte ein: Ueb. d. Best. d. Cadmiums u. d. Trennung d. Cadmiums vom Kupfer. 123, Z. 4 V. u. Statt 3 lies 4.

127, 2a. 2 â–Œ. u. Hinter Jungfer schalte ein: Der gegenwĂ€rtige Mans- f eider KupferhĂŒttenprocess u. ĂŒber neue Methoden sur Bestimmung geringer Mengen Wismuth u. Antimon im Handelskupfer. Statt Rostock lies Freiberg. 142, Z. 4 V. u. Streiche die I.

Statt U2 lies 36. Streiche das A.

Statt St. Leger lies Saint-Leger; statt pharm, lies de eh.

Statt April 1898 lies [3] 7 (1898), April. Statt (1850) lies (1851). Statt (1864) lies (1863). Statt 3 lies 3 (1827).

Statt (1870), 296 lies (1873), 206; Ward: Am. Chem. 4 10;. Statt 16 lies 16 (1840). Statt 1 lies 29.

Statt BÀöm lies BÀöm. Statt (1881) lies (1880). Hinter 1. cit. schalte ein: S. 174. Statt Tomiczek lies

Statt Vademecum lies Taschenbuch fĂŒr die Soda-, Pott- Ammoniak- Fabrikation, 3. Aufl. (1900), 143. Statt Colorists lies Colourists. Statt 40 lies [3J 40. Statt 40 lies [3] 40. Statt 545 lies 353. Statt Ann. 321 (1901) lies Pogg. Ann. [4J 4 (1901), 99. Statt (1889) lies (1889), II. Statt 28 lies [2J 28. Statt 15 lies [2J 15. Statt 28 lies [2] 2a Statt Gaulthier lies Gaultier.

Z, 2 V.

u.

Z. 15 V

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Z. 6 V.

u.

pharm

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Z. 3 V.

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Z. 1 V.

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Z. 7 V.

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Z. 4 V.

u.

Z. 2 V.

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Z. 12 V

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Z. 5 V.

u.

Z. 6 V.

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Z. 8 V.

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u.

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Z. 13 V

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Z. 2 V.

u.

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Z. 4 V.

u.

Z. 1 V.

u.

Seite 218, Z. 7 v. u.

n

M

Berichtigungen und ZusÀtze. XXI

Statt Lancelot lies Launcelot.

Hinter IiÖBung seize ein Komma.

Statt Metalle lies Metalloide.

Statt [2] lies [N.F.]. Statt a889) lies (1888/89). Statt 10 lies [5] 10. Statt (1883) lies (1882). Statt (1887) lies (1886). Statt (1863) lies (1857).

Statt etzte lies letzte.

Statt August lies 151.

Statt 26 lies [2] 26; statt 60 lies [2J 60. 846, Z. 21 u. 12 V. u. Statt UuterchlorsÀure - Anhydrid lies

Chlorte troxyd bezw. UnterchlorsÀure. 846, Z.8v. u. Statt UnterchlorsÀure- Anhydrid lies Cblortetroxyd. Statt dieses Anhydrid lies Cblortetroxyd. Statt Nr. 153 (1900) lies 1900, 153. .Statt Vielleicht könnte man lies Man kann. Statt (1877) lies (1878). Statt 28 lies [3] 23.

Statt Z. Ch. lies Z. Ch.u. Pkys.\ statt (1877) lies (1878). Statt 27 lies [3] 27- Statt 1 lies 1 (1897). Statt (1877) lies (1878). Statt Fremy lies Frimy. Statt (1890) lies (1892). Statt (1884) lies (1883). Statt Sulfhydrate lies Hydrosulfide (Sulfhydrate).

Statt alkalisch lies alkalischen. Statt 80 lies [2] 89. Statt Fremy lies Fremy. Statt 27 lies [2] 27. Statt (1884) lies (1885). Statt (1848) lies (1847). Statt (1853) lies (1854). Statt (1884) lies (1885). Statt Carno lies Carnot:. Statt 50 lies [2] 50. Statt 1805 lies 1805, 231.

Statt be lies be-.

Z. 8

u.

Z. 2

u.

Z. 5

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Z. 4

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Z. 8

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Z. 2

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Z. 2

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Z. 7

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Z. 7

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Z. 2

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Z. 6

u.

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Atomgewichtstabelle

herausgegeben von der

Internationalen Atonig:ewlclits - CommUslon.

Hl

H 1

Capitel X.

Die Gruppe des Cadmiums und des Silbers.

Cadmium.

Eigenschaften des Cadmiums.

882. l'*'. Das Cadmium ist ein grau weisses Metall, wie das Zinn; es ist dehnbar, leicht schmelzbar (315¼— 320<>) und leicht flĂŒchtig {860).

Bei Luftzutritt erhitzt, oxydirt es sich; das Cadmiumoxyd, CdO, ist dunkelbraun und nicht flĂŒchtig.

2. Das Cadmium löst sich in verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure und SalzsĂ€ure unter Entwickelung von Wasserstoff, aber viel weniger schnell als das Zink, nĂŒt welchem es manche Aehnlichkeiten hat:

Cd+2Ha=-:CdClj + 2H. SalpetersÀure und Königswasser lösen es viel schneller.

3. Wie das Zink, so fallt auch das Cadmium eine grosse Anzahl von Metallen aus den Lösungen ihrer Salze, so z. B. Kupfer, Zinn, Antimon und selbst Arsen. Diese Reductionen vollziehen sich in sauren Lösungen mit CadnĂŒum viel regelmĂ€ssiger als mit Zink, weil genes Metall in SĂ€uren weniger löslich ist, wĂ€hrend das Zink eine stĂŒrmische Reaction giebt.

Das Cadmium bildet nur eine Reihe von Salzen; sie entsprechen dem Oxyde CdO.

Eigenschaften der Cadmiumsalze.

883. 1. Die Cadmiumsalze sind farblos; sie röthen Lakmus nur sehr schwach.

2. Sie werden weder durch Wasser noch durch SalzsÀure gefÀllt.

3*. Schwefelwasserstoff fÀllt aus den neutralen oder schwach sauren Lösungen der Cadmiumsalze Cadmiumsulfld, CdS: CdSO + HgS CdS + HjSO.

Die Farbe des Niederschlages schwankt, je nach den UmstÀnden,, unter welchen es erhalten wird, zwischen Hellgelb und Orange i). Bei ge-

N. von Klobukow: /. prakt. Ch. [N. F.] 80 (1889), 412; G. Bncliner: Ch.-Z. U (1887), 1087 u. 1107.

De Koninck-Meineke, Mineralanalyse. II. 1

2 Cadmium.

wohnlicher Temperatur ist das CadiĂŒimasulfid in sehr verdĂŒnnten SĂ€uren nicht löslich, wohl aber in conceittrirt/r SalzsĂ€ure und in concentrirter SalpetersĂ€ure; beim ErwĂ€rmen löst es sich auch in Schwefel- sĂ€ure von massiger Concentration (1 : 5). Es ist unlöslich in Alkalihydraten und in Alkalisulfiden, und unterscheidet sich hierdurch von den Arsensulfiden, mit welchen es sonst durch die gleiche gelbe Farbe verwechselt werden kann. Es ist femer in Kaliumcyanid unlöslich. Die Gegenwart dieses Salzes hinder daher die FĂ€llung durch Schwefelwasserstoff nicht (vergl. § 896, Nr. 3).

Cadmiumjodid zeigt ein von den anderen Cadmiumsalzen abweichendes Verhalten gegen Schwefelwasserstoff. Behandelt man seine reine, wĂ€ssrige Lösung mit diesem Reagens, so wird sie dunkelgelb gefĂ€rbt und schwach getrĂŒbt, jedoch ohne dass ein wirklicher Niederschlag entsteht. Die gelbe FlĂŒssigkeit kann filtrirt werden, ohne ihre Farbe zu verĂ€ndern. Setzt man aber zu der FlĂŒssigkeit ein fremdes Salz, z. B. Ammoniumchlorid, so scheidet sich das Sulfid vollstĂ€ndig ab

Die Beobachtung, dass Cadmiumsulfid in Ammoniumsulfid etwas löslich sei 2), wird von anderer Seite als ungenau bezeichnet

4. ThioessigsÀure*) fÀllt das Cadmium aus seinen Lösungen

De Koninck: Exercices d'analyse qualitative (1887) S. 77. Ueber Cadmiumsulfid in colloidem Zustande vergl. die Abhandlung von E. Prost: Bull, de VAcad. r. des Sc. de Belg. [3] 14 (1887), 312.

Dieses Reagens wurde von Schiff und Tarugi {B. 27 (1894), 3437; vergl. Cap. Xn, § 1348) als Ersatz fĂŒr Schwefelwasserstoff vorgeschlagen. Die von den Verfassern veröffentlichten Mittheilungen geben noch nicht genĂŒgende AufklĂ€rungen ĂŒber die Reactionen der ThioessigsĂ€ure gegen saure Metalllösungen unter verschiedenen Bedingungen. Wir nehmen deshalb noch Anstand, das Reagens an die Stelle des Schwefelwasserstoffes treten zu lassen.

Nach einer spĂ€teren Veröffentlichung von Tarugi {Gazz. chin. ital. 26 (1895), I, 341 ; Ch.-Z. Repert. 19 (1895), 201) entsteht in der KĂ€lte zunĂ€ das Thioacetat des betr. Metalles, bisweilen auch gleichzeitig Sulfid; erwĂ€rmt man nun oder setzt man das Reagens sogleich der heissen Metalllösung zu, so scheidet sich das Metall vollstĂ€ndig als SulĂŒd aus. Das in der KĂ€lte sich ausscheidende Cadmium-Thioacetat (CHg — CO S).Cd ist ein weisses amorphes Pulver, welches beim Kochen mit Wasser in Sulfid ĂŒbergeht; diese Umsetzung wĂŒrde eine RĂŒckbildung von ThioessigsĂ€ure neben Bildung von EssigsĂ€ure voraussetzen:

(CH, — CO . + H.,0 (CHg — CO SH) + (CH3 — CO OH) + CdS .

Bewirkt man dagegen die Abscheidung des Cadmiumsulfides direct durch Zusatz

zu der heissen Cadmiumlösung, so kann man sich vorstellen, dass sich das zuerst

sich bildende Thioacetat mit einem zweiten MolekĂŒle des Cadmiumsalzes nur unter

Bildung von EssigsÀure und der SÀure des Cadmiumsalzes umsetzt (De Koninck):

(CH3 — CO . S),Cd + CdCLj + 2H2O 2CdS + — CO OH)+ 2HC1.

Neuerdings ist von Vojjtherr das Ammoniumdithiocarbonat als Ersatz fĂŒr Schwefelwasserstofl' und fĂŒr Schwefelammonium empfohlen worden {B. . pharm. Ges. 8 (1898), 228). Der Vorschlag verdient Beachtung, ist aber, unseres Wissens, von anderer Seite noch nicht geprĂŒft worden. Vermuthlich kann ĂŒbrigens auch das Ammoniumdithiocarbaminat die gleiche Verwendung finden (vergl. J. Klein: Rep. anal. Ch. 7 (1887), 629 u. 645).

Eigenschaften der Cadmiumsalze. 3

beim Erhitzen als Sulfid, unter den im Uebrigen gleichen Bedingungen wie Schwefelwasserstoff.

5. Alkalisulfide wirken wie Schwefelwasserstoff:

CdClg + Cd S + 2 NHCl. Aus ammoniakalischer Lösung, welche gleichzeitig viel Zink enthÀlt, wird durch Alkalisulfide ein weisser Niederschlag gefÀllt i).

Analog den Alkalisulfiden wirkt das Ammonium-Thioacetat.

6. Ammoniak bewirkt, wenn es in kleiner Menge zu der Lösung eines Cadmiumsalzes gesetzt wird, die Entstehung eines weissen Niederschlages von Hydroxyd welcher in einem Ueberschusse des Reagens sehr leicht löslich ist:

CdSO + 2 NH3 + 2 HgO +

7. Die Hydrate der fixed Alkalien geben denselben Niederschlag, welcher aber in einem Ueberschusse des Reagens nicht lös- lich ist (vergl. § 657, Nr. 7).

8. Die Carbonate der fixed Alkalien fallen aus den Cadmium- lösungen weisses Cadmiumcarbonat :

Der Niederschlag ist in einem Ueberschusse des Reagens unlöslich; er ist leicht löslich in Kaliumcyanid.

Das Cadmiumcarbonat wird durch GlĂŒhen leicht in braunes Cadmiumoxyd ĂŒbergenĂŒhrt.

9. Ammoniumcarbonat ruft, wie die anderen Alkalicarbonate, einen Niederschlag von Cadmiumcarbonat hervor, welcher in einem Ueberschusse des Reagens, selbst in Gegenwart von Ammoniumchlorid, sehr wenig löslich ist.

10. Kaliumcyanid erzeugt einen weissen Niederschlag von Cadmiumcyanid, welcher in einem Ueberschusse des Reagens und in Ammoniak löslich ist. Schwefelwasserstoff fallt aus diesen Lösungen Cadmiumsulfid (siege Nr. 3).

11. Kaliumsulfo Cyanid fallt die Cadmiumsalze nicht, auch nicht nach Zusatz von schwefliger SÀure (vergl. § 896, Nr. 13).

12. Kalium Chromat giebt in der KÀlte keinen Niederschlag; beim ErwÀrmen dagegen entsteht in neutraler Lösung ein lebhaft gelb gefÀrbter Niederschlag von basischem Cadmiumchromat

13. Zink fÀllt das Cadmium aus seinen Lösungen:

CdSO + Zn Cd + ZnSO.

14. Flussmittel werden von den Cadmiumverbindungen nicht gefÀrbt.

') Et. Ol i vier, nicht veröffentlichte Versuche, ausgefĂŒhrt im Laboratorium von Prof. De Koninck. Der Niederschlag enthĂ€lt Cadmium, Zink und Schwefel in dem VerhĂ€ltnisse CdZnSg; er ist also ein Doppelsulfid oder Doppelhydrosulfid.

4 Bestimmung des Cadmiums.

15*. Beim Erhitzen mit Soda auf Kohle in der reducirenden Löthrohrflamme werden die Cadmiumverbindungen reducirt; das verflĂŒchtigte Cadmium lager auf der Kohle einen braunen, an den RĂ€ndern in Gelb ĂŒbergehenden, in dĂŒnnen Schichten blau und grĂŒn schillernden, „Pfauenauge" genannten Oxydbeschlag ab.

16*. Den sog. Bunsen'schen Reactionen unterworfen, kennzeichnen sich die Cadmiumverbindungen durch verschiedene sehr charakteristische Merkmale (siege die Tabelle Bd. I, Seite 184).

Der Metallbeschlag ist schwarz und glĂ€nzend; an den RĂ€ndern geht er in Braun ĂŒber; in SĂ€uren ist er sehr leicht löslich.

Der Oxydbeschlag, welcher sich ringörmig um das Metall, bisweilen in kurzer Entfernung von diesem, absetzt, ist braunschwarz, an dĂŒnnen Stellen schmutzig braun; er lĂ€sst sich nur schwer vom Metallbeschlage unterscheiden.

Das Ganze ist von einem ausgedehnten weissen BeschlĂ€ge (nach Bunsen) Suboxyd) bedeckt, welcher bei Befeuchten mit einer neutralen Lösung von Silbernitrat eine intensive und charakteristische violette, auf Zusatz von Ammoniak nicht verschwindende FĂ€rbung annimmt (von reducirtem Silber herrĂŒhrend?).

Der Jodidbeschlag ist farblos und wird auch durch Ammoniak oder durch Stannochlorid nicht gefÀrbt.

Der Sulfidbeschlag ist lebhaft gelb; ĂŒberschĂŒssiges Ammoniumsulfid verĂ€ndert ihn nicht.

884. I. Durch GlĂŒhen. Das Hydrat, das Carbonat und das Nitrat des Cadmiums können, wenn sie rein oder nur von flĂŒchtigen, nicht reducirend wirkenden Bestandtheilen begleitet sind, ebenso wie die entsprechenden Zinkverbindungen, durch einfaches GlĂŒhen in Cadmiumoxyd ĂŒbergenĂŒhrt werden.

Das Hydrat und das Carbonat, besonders das letztere, verlangen zu ihrer UeberfĂŒhrung in Oxyd hohe Temperaturen. Man hat daher beim GlĂŒhen dieser Verbindungen besondere RĂŒcksichten auf die Reducirbarkeit des Oxydes zu Metall und auf die FlĂŒchtigkeit des Metalles zu nehmen.

Vielleicht ist auch dieser Beschlag Metall in besonderer Form, vergleichbar mit derjenigen des Zinkstaubes und der SchwefelblĂŒthe. Ueber Cadmiumsuboxyd und einige ihm entsprechende Salze vergl. H. N. Morse und H. C. Jones: Am. eh. 12 (1890), 488.

-) Vergl. Follcnius: Beitr. z. Kenntn. d. Cadmiums, insbes. z. quantit. Best. dess., Z. anal. Ch. 13 (1874), 272 if. und 411fr.; Kohner: Ueber d. Best. d. Cadmiums u. d. Trennung des Cadmiums vom Kupfer Inaug.-Dissert. Berlin 1886, im Auszuge: Z. anal. Ch. 27 (1888), 213; P. E. Browning und L. C. Jones: Z. anorg Ch. 13 (1896), 110.

A. Durch WĂ€gung. 5

Es ist bekannt und macht sich besonders leicht bei der Bestimmung des Cadmiums durch GlĂŒhen unangenehm bemerkbar, dass Piatingefasse bei starkem GlĂŒhen Gase diffundiren lassen. Es kann daher leicht vorkommen, dass beim GlĂŒhen von Cadmiumoxyd in Platintiegeln ĂŒber dem Bunsenbrenner reducirende Gase in den Tiegel gelangen und eine theilweise Reduction des Oxydes zu Metall bewirken, welches sich verflĂŒchtigt und zum Theil noch im Tiegelraume wieder oxydirt, so dass die oberen TiegelwĂ€nde mit Oxyd beschlagen. Follenius) bringt deshalb die zu bestimmende Cadmiumverbindung auf ein Asbestfilter in einem Rohre aus schwer schmelzbarem Glase und glĂŒht sie in diesem unter Zuleitung eines trockenen Luftstromes. Nimmt man indessen das GlĂŒhen in einer Muffel vor, so ist eine Reduction nicht zu befĂŒrchten.

Durch Anwendung eines Asbestfilters lassen sich die Verluste, welche beim EinÀschern eines PapierfiUers leicht auch dann eintreten, wenn man dasselbe vorher mit Ammoniumnitrat getrÀnkt hatte, vermeiden. Unter keinen UmstÀnden ist es bei der Bestimmung des Cadmiums gestattet, erhebliche Mengen des Niederschlages am Filter zu lassen, wenn dasselbe verascht werden soll.

Ist man auf die Anwendung von Papierfiltem angewiesen, so thut man am besten, den Niederschlag möglichst vollstĂ€ndig vom Filter zu entfernen, den an demselben haften gebliebenen Theil in etwas Salpeter- sĂ€ure zu lösen, die Nitratlösung in einem geeigneten Platinoder Porzellan-Gefasse aufzufangen, sie abzudampfen und fĂŒr sich oder mit der Hauptmenge des Niederschlages vereinigt zu glĂŒhen und zu wĂ€gen.

Das Cadmiumnitrat lĂ€sst sich durch massig gesteigerte Temperatur vollstĂ€ndig zersetzen und in Oxyd ĂŒberfĂŒhren. Man kann daher die mit dem GlĂŒhen des Hydrates oder des Carbonates in einem Platintiegel verbundenen Gefahren umgehen, indem man den ganzen IJiederschlag in SalpetersĂ€ure löst und das eingedampfte Nitrat in Oxyd ĂŒberfĂŒhrt Ist der Niederschlag, besonders der des Carbonates, bedeutend, so wird man auch in diesem Falle gut thun, ihn möglichst vom Filter zu entfernen, ihn in der bedeckten Platinschale, in welcher er in Oxyd ĂŒbergenĂŒhrt werden soll, in SalpetersĂ€ure zu lösen, die Lösung des am Filter haften gebliebenen Theiles nachfliessen zu lassen und das Ganze zuerst auf dem Wasserbade, spĂ€ter, mit der Vorsicht, dass man keine Verluste durch Spritzen erleidet, auf dem Sandbade oder, besser, in einem geeigneten Luftbade allmĂ€hlich stĂ€rker bis zur Zersetzung des Nitrates zu erhitzen, und durch massages GlĂŒhen ĂŒber einem Bunsenbrenner, welchem man vortheilhaft einen pilzförmigen Flammenverbreiter (Fig. 9, S. 12) aufgesetzt hat, die Zersetzung zu vervollstĂ€ndigen.

Hat man das Cadmium als Chlorid in Lösung, so lĂ€sst sich auch dieses in Oxyd ĂŒberfĂŒhren, wenn man schon beim Eindampfen der

L. cit.

Lösung so viel gelbes, in Wasser aufgeschlĂ€mates, reines Mercurioxyd zusetzt, dass beim Beginne des spĂ€teren GlĂŒhens ein reichlicher Ueberschuss von letzterem vorhanden ist (vergl. § 662 a).

Kleine Mengen von Cadmiumsulfat lassen sich durch starkes GlĂŒhen ebenfalls in Oxyd ĂŒberfĂŒhren. FĂŒr grössere Mengen ist jedoch das folgende Verfahren vorzuziehen.

885. IL Durch Ueberfohren in wasserfreies Sul&t). Das Verfahren ist fĂŒr alle Verbindungen des Cadmiums geeignet, welche sich durch Behandeki mit SchwefelsĂ€ure in Sulfat ĂŒberfĂŒhren lassen. Wenn wir als Beispiele solcher Verbindungen das Hydrat, das Carbonat, das Chlorid, das Nitrat, das Sulfid anfĂŒhren, so ist die grosse Anwendbarkeit des Verfahrens in der analytischen Praxis ersichtlich.

Die festen Verbindungen (Hydrat, Carbonat, Sulfid) lassen sich direct durch Behandeln mit SchwefelsĂ€ure in Sulfat umwandeln; hat man dieselben, wie es wohl gewöhnlich der Fall sein wird, als Nieder- Ă€ge auf einem Filter gesammelt, so entfernt man die Hauptmenge von demselben und behandelt sie fĂŒr sich mit geeignet verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure so, dass man keine Verluste durch Spritzen erleidet, und wĂ€ das Filter mit heisser verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure nach. Die vereinigten Lösungen werden zuerst auf dem Wasserbade abgedampft. Die zum Abrauchen der ĂŒberschĂŒssigen SchwefelsĂ€ure erforderliche Temperatur erreicht man durch langsames Steigern derselben auf einem Sandbade oder auf einem Asbestteller ĂŒber einem Pilzbrenner. Erscheint die Masse vollstĂ€ndig trocken, so erhitzt man lĂ€ngere Zeit zur massigen Rothgluth und wĂ€gt den aus wasserfreiem Cadmiumsulfate bestehenden RĂŒckstand.

Ist eine Cadmiumlösung (Chlorid, Nitrat) in Sulfat ĂŒberzufĂŒhren, so dampft man dieselbe mit so viel SchwefelsĂ€ure ab, dass beim spĂ€teren stĂ€rkeren Erhitzen weisse DĂ€mpfe von SchwefelsĂ€ure entweichen.

Das wasserfreie Cadmiumsulfat kann lange Zeit auf massige Rothgluth erhitzt werden, ohne Zersetzung zu erleiden. Seine Farbe muss nach dem Erkalten weiss sein. Der geringste Stich in Gelb ist ein Beweis, dass eine theilweise Zersetzung und Umwandlung in Oxyd stattgefunden hat. Ist das der Fall, so ist der Fehler leicht zu verbessern, indem man die Masse mit schwach verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure anfeuchtet und die Operation des Abrauchens wiederholt.

886. in. Durch Ealiamoarbonat. Man fĂ€llt das Cadmium heiss durch Kaliumcarbonat genau so, wie bei der Bestimmung des Zinks durch Natriumcarbonat (§ 663) angegeben ist. Ammoniumsalze dĂŒrfen nicht zugegen sein. Der Niederschlag wird nach einem der in den beiden vorigen Paragraphen beschriebenen Verfahren behandelt.

Das Cadmiumcarbonat resist, wie es scheint, leichter Natriumsalze

Rosc-Finkcner: Handb. d. ehem. Analyse II, 149.

A. Durch WĂ€gung. 7

mit sich, als Kaliumsalze ; das ist der Grund, weshalb man Kaliumcarbonat als FÀJlungsmittel den Vorzug giebt. Auch die Natur des Cadmiumsalzes ist auf das Mitreissen von Alkalisalzen von Einfluss So fÀllt der Niederschlag aus Sulfatlösungen stÀrker durch Sulfate, als aus Chloridlösungen durch Chloride oder aus Nitratlösungen durch Nitrate verunreinigt aus.

Ist die Menge des Niederschlages bedeutend, so muss man ihn zunĂ€ schwach glĂŒhen und dann mit heissem Wasser auskochen, bevor man ihn in der angegebenen Weise weiter behandelt.

88 7 IV. Durch EiJiliydrat. Man kann das Cadmium aus seinen Lösungen, welche keine Ammoniumsalze enthalten dĂŒrfen, auch durch Kalihydrat als Hydrat niederschlagen. In diesem Falle ist ebenfalls Kalihydrat dem Natronhydrate vorzuziehen, wie ĂŒberhaupt fĂŒr dieses Verfahren der FĂ€llung das Gleiche gilt, was bei der FĂ€llung durch Kaliumcarbonat gesagt wurde.

Im Allgemeinen vermeidet man, wo es angeht, auch bei der Bestimmung des Cadmiums die FĂ€llung durch fixe Alkalihydrate, in RĂŒcksicht auf die in der Regel nur geringe Reinheit dieser Reagentien, wie sie im Handel vorkommen, auf die Angreifbarkeit der GlasgefĂ€sse durch sie, wie auf die schwierige Auswaschbarkeit der erhaltenen NiederschlĂ€ge.

888. V. Als Sulfld. 1. In saurer Lösung. Die schwach saure, ziemlich verdĂŒnnte Chloridoder Sulfat-Lösung, welche erhebliche Mengen von Nitraten nicht enthalten darf, wird bei gewöhnlicher Temperatur mit Schwefelwasserstoff gesĂ€ttigt.

Den Niederschlag lÀsst man unter Abschluss der Luft, d. h. in bedecktem GefÀsse, absitzen, sammelt ihn auf einem tarirten Filter, wÀ ihn mit heissem, etwas Schwefelwasserstoff enthaltendem Wasser und dann mit Alkohol aus und wÀgt ihn nach dem Trocknen bei 100Ÿ.

Hat man Grund zu befĂŒrchten, dass dem Sulfide freier vSchwefel beigemischt ist, so lĂ€sst man dem Auswaschen mit Alkohol ein Auswaschen mit Schwefelkohlenstofif und dann wieder ein Auswaschen mit Alkohol folgen*), bevor man trocknet. Einfacher noch entfernt man den Schwefel, indem man den Niederschlag mit einer ziemlich concentrirten Lösung von Natriumsulfit behandelt).

2. In alkalischer Lösung. Die einen Ueberschuss von Ammoniak enthaltende Lösung wird mit Ammoniumsulfid, oder, wie bei 1, mit Schwefelwasserstoff gefallt. Das so erhaltene Cadmiumsulfid wird wie bei 1 weiter behandelt; es lÀsst sich jedoch schwieriger auswaschen, als das aus saurer Lösung gefÀllte.

Dieses Verfahren ist auch bei Gegenwart von Nitraten anzuwenden.

FoUenius: 1. cit.

') Das erste Auswaschen bezweckt die Entfernung des Wassers, welches, weil es sich mit Schwefelkohlenstoff nicht mischt, die BerĂŒhrung desselben mit dem Schwefel hinder wĂŒrde. Durch das letzte Auswaschen soll der nicht immer ganz reine Schwefelkohlenstoff entfernt werden.

Bestimmuog des Cadmiums.

Im Gegensatze zu manchen anderen SulfidfÀllungen sei femer bemerkt, dass es durch die Anwesenheit von Kaliumcyanid nicht beeinflusst wird.

Auf die Bestimmiuig des Cadmiums als Sulfid ist das Rose* sehe Verfahren (GlĂŒhen im Wasserstoffstrome) nur mit Vorsicht anwendbar. Es scheint, dass nicht sowohl die FlĂŒchtigkeit des Sulfides an sich, als vielmehr die Zersetzung desselben durch Wasserstoff bei erhöhter Temperatur dem Verfahren entgegensteht. Denn benutzt man statt des Wasserstoffes Schwefelwasserstoff, so bleibt das Cadmiumsulfid unver- Ă€ndert; mit dieser Modification wĂŒrde also das Rose* sehe Verfahren anwendbar sein.

Bei Vermeidung von zu starkem und zu anhaltendem GlĂŒhen eines Gemisches von Cadmiumsulfid und Schwefel lĂ€sst sich indessen der Ueberschuss von letzterem absublimiren, bevor das Sulfid zerlegt wird).

889. VI. Als Pyrophosphat. Aus neutralen Cadmiumlösungen, welche Ammoniumsalze , aber kein freies Ammoniak enthalten dĂŒrfen, fĂ€llen Alkaliphosphate Cadmium-Anmioniumphosphat. Dasselbe kann mit reinem Wasser ausgewaschen und dann durch GlĂŒhen in Cadmiumpyrophosphat ĂŒbergenĂŒhrt werden, aus dessen Gewicht die Menge des Cadmiums zu berechnen ist*). Das Verfahren ist von Kohner geprĂŒft, aber nicht als empfehlenswerth befunden worden).

880. VII. Durch Elektrolyse in essigsaurer Lösung). Man neutralisirt die Lösung, welche das Cadmium als Chlorid oder als Sulfat enthalten kann, aber frei von Nitraten sein muss, mit Natriumcarbonat, sĂ€uert dann mit EssigsĂ€ure ganz schwach an, fĂŒgt etwa 3 gr Natriumacetat hindu und elektrolysirt bei einer Temperatur von 45 mit einem Strome von 0,2 bis 0,7 Ampere auf jeden Quadratdecimeter bedeckter ElektrodenflĂ€che. Das verdampfende Wasser muss immer wieder ersetzt werden, so dass der Rand des Niederschlages stets bedeckt bleibt. Man wendet nicht mehr als 0,5 gr Cadmium an.

Man erhÀlt eine zusammenhÀngende Metallschicht, ausser etwa am Boden der Schale. Das Auswaschen muss bei geschlossenem Strome geschehen. Gewogen wird nach dem Trocknen bei 100.

Wendet man bei der Elektrolyse eine zu hohe Temperatur an, so können sich basische Salze ausscheiden ; der Versuch ist dann zu verwerfen.

891. VIII. Durch Elektrolyse in oxalsaurer Lösung A. C 1 a s s e n bestimmt das Cadmium, indem er die durch einen Ueberschuss von

Uebcr das Verhalten des Cadmiumsulfides beim GlĂŒhen an der Luft, unter Wasserstoff, Schwefelwasserstoff, KohlensĂ€ure vergl. Folleuius: l. cit. S. 421fr.

Carnot und Promont: C. r. 101 (1885), 59; Z. anal. Ch. 25 (1886), 410.

L. cit.

von Miller und Kiliani: Kurzes Lehrb. d. anal. Ch., 2. Aufl. (1891), S. 217; Smith: Sill. Am. J. [3] 17 (1879), 60; J. Riban: TV. d*anal. ch. quant. par elcctr. (1899), S. 169.

op. cit. S. 171.

B. Durch Titrimctric. C. Durch Colorimetrie. 9

Ammoniumoxalat oder besser von Kaliumoxalat erhaltene Lösung durch einen sehr schwachen Strom (0,2 cc Knallgas in 1 Minute) elektrolysirt. Ferner sind folgende elektrolytische FĂ€llungen vorgeschlagen. Beilstein und Jawein) arbeiten mit cyanidhaltigen, alkalischen Lösungen (vergl. Best, des Zinks § 666). Vortmann) giebt der zu elektrolysirenden Lösung einen Zusatz von Mercurichlorid, um das Cadmium in Form von Amalgam zu erhalten. Smith und Wallace) elektrolysiren das Sulfat in Anwesenheit von ĂŒberschĂŒssigem Natriumphosphat und etwas Phosphor- sĂ€ure.

R Durch Titrimetrie.

892. Man kennt bis jetzt keine, dem Cadmium ausschliesslich eigenthĂŒmliche Reaction, welche in einfacher Weise eine Titration dieses Metalles gestattet.

Als das beste Verfahren ist wohl dasjenige von P. von Berg*) zu bezeichnen, nach welchem das Cadmiumsulfid mit einer bekannten Menge Jod und mit SalzsĂ€ure behandelt wird: nach Ermittelung des verbliebenen Jodrestes lĂ€sst sich die Menge des Cadmiums aus der in Jodwasserstoff ĂŒbergenĂŒhrten Jodmenge berechnen (vergl. das analoge Verfahren zur Bestimmung des Zinks § 678).

Nach Fleischer wird das Cadmiumsulfid mit einer durch Schwefel- sĂ€ure genĂŒgend angesĂ€uerten Lösung von Ferrisulfat behandelt; das entstandene Ferrosulfat:

CdS + Jg CdSO + FcgCSOJg + S wird mit Kaliumpermanganat titrirt, und aus dem Verbrauche an letzterem lÀsst sich die Menge des vorhandenen Cadmiums berechnen.

Femer lÀsst sich das Cadmium , gleich wie das Zink , in seiner ammoniakalischen Lösung durch Natriumsulfid titriren.

Endlich kann man das Cadmium aus seinen neutralen Lösungen durch OxalsÀure und Alkohol fÀllen s), den ausgewaschenen Niederschlag durch SchwefelsÀure zersetzen und die OxalsÀure durch Permanganat titriren. Dieses Verfahren kann aber von nur sehr beschrÀnkter Anwendbarkeit sein, weil die durch OxalsÀure zu fallende Cadmiumlösung frei von Alkalisalzen sein muss.

C. Duroh Colorimetrie.

893. Sehr kleine Mengen von Cadmium lassen sich recht gut bestimmen, indem man die Lösung mit Schwefelwasserstoff -Wasser be-

B. 12 (1879), 759; Rimbach empfiehlt dieses Verfahren ganz besonders: Z. anal. Ch. 87 (1898), 284.

Wolcott Gibbs: SĂŒl. Am. J. [2] 44 (1867), 213; Z. anal. Ch. 10 (1871), 342; Leison: Ch. N. 22 (1870), 210.

10 Kupfer. Eigenschaften des Kupfers.

handelt und den gelben Farbenton, welchen das Gemisch annimmt, mit den Farbentönen von FlĂŒssigkeiten, welche man durch gleiche und gleichzeitige Behandlung von Cadmiumlösungen bekannten Gehaltes darstellt, vergleicht.

Diese Lösungen erhĂ€lt man nach der directed Methode aus Cadmiumsulfat, welches man durch GlĂŒhen des krystallisirten Salzes leicht wasserfrei darstellen kann.

Kupfer.

Eigenschaften des Kupfers.

884. 1*. Die Farbe des Kupfers ist ein diesem Metalle eigenthĂŒmliches und als solches bekanntes Roth. Der Bruch des reinen compacten Metalles hat einen eigenartigen Seidenglanz. Es ist in hohem Grade dehnbar. An der Luft erhitzt, oxydirt es sich, indem sich zunĂ€ rothes Cuprooxyd, CugO, dann schwarzes Cuprioxyd, CuO, bildet.

Das Kupfer schmilzt bei 1054 C. und ist nicht flĂŒchtig.

2. Bei Abschluss der Luft wirkt SalzsÀure auf Kupfer nicht ein; ebenso verhÀlt sich kate SchwefelsÀure; dagegen löst letztere SÀure, heiss und concentrirt angewandt, das Kupfer unter Entwickelung von schwefliger SÀure:

Cu + 2H2SO4 CuSO + 2H2O + SO2. In SalpetersÀure und in Königswasser ist das Kupfer schon in der KÀlte leicht löslich:

3 Cu + 8HNO3 + 2N0 + dHgO.

3. Das Kupfer fÀllt manche Metalle, so namentlich das Quecksilber, das Silber und das Arsen, aus ihren sauren Lösungen.

4. Es reducirt Ferrichlorid zu Ferrochlorid , gleichzeitig in Cuprochlorid ĂŒbergehend:

FegClg + 2Cu FegCl + CugCla- Mit Cuprichlorid reagirt es entsprechend der Formel: CuClj + Cu CugClg.

5. Das Kupfer bildet zwei Reihen von Verbindungen:

A. die Cuproverbindungen, entsprechend dem Oxyde CuO,

B. die Cupriverbindungen, entsprechend dem Oxyde CuO. Die letzteren sind fĂŒr die Analyse die bei weitem wichtigsten.

Eigenschaften der Cuproverbindungen.

895. 1. Die Cupro -Sauerstoffsalze sind als solche nicht bekannt und, wenn sie ĂŒberhaupt existiren, sehr unrestĂ€ndig; sie

Eigenschaften der Cuproverbinduugen.

zerfallen in Cuprisalz und metallisches Kupfer oder auch in Cuprooxyd und SÀure. Anders verhalten sich die binÀren Verbindungen und die Cyanverbindungen, welche bestÀndig sind.

2. Das Cuprooxyd ist von lebhaft rother Farbe und schmelzbar; das Cuprosulfid ist blauschwarz (als Mineral unter dem Namen „Kupferindig" bekannt); die ĂŒbrigen Verbindungen, auf welche man bei der Analyse stösst, sind im Allgemeinen weiss oder wenigstens weisslich und am Lichte mehr oder weniger verĂ€nderlich, ebenso wie die entsprechenden Silberverbindungen.

3. Das Cuprochlorid ist weiss und unlöslich in Wasser, löslich dagegen in concentrirter SalzsÀure) und in den Lösungen von Chloriden mancher Metalle, so namentlich von Alkalichloriden, mit welchen es Doppelchloride bildet. Die Lösung in Cuprichlorid besitzt eine intensiv braunschwarze Farbe (Cupro-Cupri-Salz.). Alle diese Lösungen werden durch viel Wasser unter Ausscheidung von weissem, krystallinischem und sehr dichtem Cuprochloride zerlegt.

An der Luft geht das Cuprochlorid in grĂŒnes Cupri-Oxychlorid ĂŒber: CugClg + O CugOClg.

4*. Schwefelwasserstoff bewirkt in den Cuprolösungen die FÀllung von blauschwarzem Cuprosulfid, welches an der Luft viel weniger verÀnderlich ist als das Cuprisulfid (siege § 896, Nr. 3): CU2CI2 + HjS CU2S + 2HC1.

Das Cuprosulfid ist in SalpetersÀure und in Kaliumcyanid löslich.

5. Ammoniak und Ammoniumcarbonat fÀllen die Lösungen von Cuprochlorid nicht; die ammoniakalische Lösung ist farblos, blÀut sich aber sehr schnell an der Luft, indem sie Sauerstoff aufnimmt.

6*. Die Hydrate der fixed Alkalien bewirken einen gelben Niederschlag von Cuprohydrat, welcher beim Kochen der FlĂŒssigkeit in Cuprooxyd ĂŒbergeht und in Folge dessen roth wird.

Die Gegenwart von Alkalitartrat verhindert die FÀllung nicht (vergl. § 896, Nr. 6).

7. Die Carbonate der fixed Alkalien bilden einen gelben Niederschlag (von Cuprocarbonat?), welcher unter Einwirkung der WĂ€rme dunkler wird und in Oxyd, CugO, ĂŒbergeht.

8. Chlor, Brom, SalpetersĂ€ure und die sonstigen ĂŒblichen Oxydationsmittel fĂŒhren die Cuprosalze in Cuprisalze ĂŒber.

Ebenso wirken die Ferrisalze, welche selbst zu Ferrosalzen werden: CugO + + HSO, 2CuS0, + + HO ; CU2CI2 + FegClß 2CUCI2 + FegCl.

9. Die Lösimgen von Cuprochlorid absorbiren Kohlenoxyd. Diese Eigenschaft ist in RĂŒcksicht auf dieses Gas von Wichtigkeit.

lieber die Löslichkeit des Cuprochlorides in SalzsÀure vergl. Le Chatelier: C. r. 08 (1884), 814, sowie Engel: Bull. Soc. eh. [3] 1 (1889), 693.

12 Eigenschaften der Cuprisalze.

Eigenschaften der Cuprisalze.

896. 1*. Die wasserhaltigen Cuprisalze sind blau oder grĂŒn; die wasserfreien sind weiss, gelb, braun oder roth, je nach ihrer Art und ihrem physikalischen Zustande (in festem Zustande oder in Lösung).

2. Unter dem EinflĂŒsse von SalzsĂ€ure nehmen die Cuprilösungen einen gelben Ton an, und zwar einen um so intensiveren, je mehr die SĂ€ure vorherrscht und je heisser und concentrirter die Lösung ist.

Diese Lösung wird von Stannochlorid entfĂ€rbt, indem das Cuprichlorid in farbloses Cuprochlorid ĂŒbergeht (vergl. § 569 Nr. 18): 4CuCl2 + SngCl 2CU2CI2 + 2SnCl4.

In concentrirter und besonders in gleichzeitig heisser Lösung entsteht auf Zusatz von Bromwasserstofif sehr intensiv Johannisbeerroth gefÀrbtes Cuprobromid

3. Schwefelwasserstoff giebt in kalten, neutralen oder sauren Lösungen einen Niederschlag von Cuprisulfid, CuS:

CuSO + HgS CuS + H2SO4.

Der unter diesen UmstÀnden erhaltene Niederschlag oxydirt sich leicht an der Luft: CuS + 4 O CuSO.

LĂ€sst man Schwefelwasserstoff auf eine kochende, SalzsĂ€ure enthaltende Lösung einwirken, so lösen sich die ersten, sofort entstehenden Mengen Sulfid unter dem EinflĂŒsse des Cuprichlorides wieder auf und es bildet sich Cuprochlorid: CuS + CuCl CU2CI2 + S.

Auch findet man in der FlĂŒssigkeit SchwefelsĂ€ure, deren Bildung ihre ErklĂ€rung wohl durch folgende Reaction findet 2):

CuS + SCuCIg + 4H2O CUSO4 + 8HC1 + 4Cu2a2.

Das Cuprisulfid wird leicht von SalpetersÀure gelöst. Es ist in Kaliumcyanid leicht löslich; diese letztere Lösung ist farblos, da sie das Kupfer im Cuprozustande enthÀlt (siege § 919). Die Gegenwart von Kaliumcyanid hinder daher die FÀllung des Kupfers durch Schwefelwasserstoff und durch Alkalisulfide (siege Nr. 4).

4. Die Alkalisulfide erzeugen denselben Niederschlag wie Schwefelwasserstoff) : CuClg + KjS CuS + 2 KCl.

Cupribromid reagirt mit Stannobromid nicht glatt, d. h. die Reduction zu Cuprobromid ist, je Dach der Temperatur des Gemisches, mehr oder weniger vollstĂ€ndig; daher kommt es, dass eine Lösung von Cupribromid, welche in der KĂ€lte durch eine Stannolösung entfĂ€rbt worden ist, unter dem EinflĂŒsse der WĂ€rme eine mehr oder weniger starke RothfĂ€rbung annimmt, selbst in einem hermetisch verschlossenen GefĂ€sse, z. B. in einem zugeschmolzenen Rohre. (Nicht verĂ¶ĂŸentlichte Versuche von De Koninck und Lecrenier.)

Ueber die Reaction der Cuprisalze mit Bromwasserstoff und Kaliumbromid vergl. G. Deniges: C. r. 108 (1889), 568; Bull. Soc. eh. [3] U (1894), 1024; P. Sabatier: das. S. 683.

De Koninck: nicht veröflfentlichte Versuche; siege auch Th. Kl i che: Arch. der Pharm. 228 (1890), 374.

Nach Felo uze {Ann. de eh. et de fhys. [3] 16 (1846), 417) entsteht durch Natriumsulfid in der WĂ€rme Oxysulfid. Th. Kl i che (l. cit.; B. 28 (1890), 2859) hat nachgewiesen, dass der Niederschlag ein Gemisch von CuS und CuS ist.

EigeDScbaften der Cuprisalze. 13

In Ammoniumsulfid ist das Cuprisulfid etwas löslich; genĂŒgend ver- dĂŒnnte Lösungen der Sulfide der fixed Alkalien nehmen nur Spuren davon auf, concentrirte dagegen bemerkenswerthe Mengen).

5*. Setzt man Ammoniak in sehr geringer Menge zu einer Cupri- lösung, so entsteht ein grĂŒnblauer Niederschlag, welcher in einem Ueberschusse des Reagens sehr leicht löslich ist. Die so erhaltene Lösung zeichnet sich durch ein intensives Blau aus (vergl. § 681, Nr. 5).

Diese Reaction ist ausnehmend empfindlich; die BlaufĂ€rbung tritt noch mit grosser Deutlichkeit auf, wenn man Ammoniak zu einer Cupri- lösung setzt, welche so verdĂŒnnt ist, dass sie fĂŒr sich vollkommen farblos erscheint.

Der Farbenton der ammoniakalischen Cuprilösimg Àndert sich mit der Menge des Ammoniaks und mit der Natur des angewandten Salzes.

Auf Zusatz von Kaliumcyanid verschwindet die Farbe, indem sich lösliches Cupro-Kalium- Cyanid bildet. Die Reaction ist sehr complicit und die entstehenden Producte können sich mit den Versuchsbedingungen Àndern 2).

In dieser Cyanidlösung entsteht durch Schwefelwasserstoff kein Niederschlag von Cuprisulfid (siege Nr. 3).

Mercuricyanid wirkt nicht in der gleichen Weise wie die Alkalicyanide).

6*. Durch die Hydrate der fixed Alkalien entsteht ein volumi- nöser hellblauer Niederschlag von Cuprihydrat:

CuSO -f- 2NaOH + NaSO.

Erhitzt man ihn in Gegenwart eines Ueberschusses von Alkali, so vird er schwarz, indem er in das Oxyd CuO ĂŒbergeht.

Die Gegenwart von Alkalitartrat (z. B. von Seignettesalz) hinder die Bildung des Niederschlages durch Alkalien; die alkalische Lösung ist lebhaft und ziemlich dunkelblau gefĂ€rbt, sie wird ebenso wie die ammoniakaĂŒsche Lösung durch Kaliumcyanid entfĂ€rbt.

In sehr concentrirter , ĂŒberschĂŒssiger Kali-oder Natron -Lauge ist Cuprioxyd mit intensive blauer Farbe etwas löslich, selbst wenn die Lauge ganz frei von organischen Substanzen ist).

7. Die Carbonate der fixed Alkalien geben einen hellerĂŒnen Niederschlag von basischem Cupricarbonat :

2 CuSO -f- 2NaC03 + HO + 2 NaSO + COg.

Dieser Niederschlag ist in Ammoniak löslich.

Ueber die Reaction z wischen Kaliamcyanid und ammoniakalischemCiiprichlorid vergl. E. Fleurant: C. r. U4 (1892), 1060.

Diese Thatsache wurde zuerst von Ruelle um das Jahr 1740, spÀter von anderen Forschem beobachtet, von Berzelius aber bestritten. Sie fand BestÀtigung durch Rivot, Beudant und Daguin {Ann. d. M. [5J 4 (1853), 221), und neuerdings durch De Koninck (nicht veröffentlicht).

14 Eigenschaften der Cuprisalze.

8. ruft denselben Niederschlag hervor; ein Ueberschuss des Reagens löst ihn zu einer dunkelblauen FlĂŒssigkeit (vergl. § 681, Nr. 6).

9. Kalium-Ferrocyanid giebt mit neutralen oder sauren Lösungen, selbst bei grosser VerdĂŒnnung, einen braunvioletten Niederschlag von Cupri- Kalium-Ferrocyanid, selbst bei Anwesenheit eines Ueberschusses von Kupfersalz

K8Fe2Cyi2 + SCuClg KgCugFejOyig + 6 KCl. In sehr stark verdĂŒnnten Lösungen erhĂ€lt man nur eine in Violett gehende FĂ€rbung. Das Cupri-Kalium-Ferrocyanid ist in Ammoniak löslich; durch die Hydrate der fixed Alkalien wird es, unter FĂ€llung von Cuprihydrat, zersetzt.

10. Setzt man zu einer neutralen oder schwach sauren Cuprilösung Natriumhyposulfit, so entfĂ€rbt sie sich, wahrscheinlich in Folge der Bildung von Cupro-Natrium-Hyposulfit; dann trĂŒbt sie sich und schliesslich erhĂ€lt man, besonders beim ErwĂ€rmen, einen blauschwarzen Niederschlag von Cuprosulfid, gemischt mit reichlichen Mengen von Schwefel.

11. Versetzt man die Lösungen der Cupri- Alkali -Tart rate (Nr. 6) mit Glykose oder Milchzucker, so trĂŒben sie sich beim ErwĂ€rmen und geben einen gelben Niederschlag von Cuprohydrat, welcher sich schnell in schön roth gefĂ€rbtes Cuprooxyd umwandelt (siege § 895, Nr. 6). Ueberschuss von Zucker ist zu vermeiden, sonst wird der Niederschlag schmutzig braun.

12. Auch Hydroxylamin reducirt die alkalischen Cuprilösungen:

4 CuO + 2 NHOH 2 CugO + SHgO + NgO.

13. Kaliumsulfocyanid giebt in concentrirten Cuprilösungen einen wenig bestÀndigen schwarzen Niederschlag von Cuprisulfocyanid;

2 KCyS -f CuSO + K2S0. Hatte man vor dem Reagens zu der Cuprilösung schweflige SÀure zugesetzt, so wirkt dieselbe reducirend und unter diesen UmstÀnden bewirkt Kaliumsulfocyanid einen weissen Niederschlag von Cuprosulfocyanid :

2 KCyS + 2 CuSO -f SOg + 2 HO + 2 KHSO + H2SO,, Dieser Niederschlag ist in Wasser und in verdĂŒnnten SĂ€uren ganz unlöslich.

14. Kaliumjodid giebt, in Gegenwart eines Reductionsmittels (schweflige SÀure), mit Cuprilösungen einen weissen Niederschlag von Cuprojodid:

2 KJ + 2 CuSO + SO2 + 2 H2O Cu,J2 + 2 KHSO + H.SOj. Fehlt das Reductionsmittel, so wirkt das Kaliumjodid selbst als solches: es bildet sich ein weisser Niederschlag von Cuprojodid und

') F. Reindel: J. prakt. Ch. 103 (18GS.), 16G.

Eigenschaften der Cuprisalze. 15

Jod, welches letztere die FlĂŒssigkeit braun fĂ€rbt. Der Verlauf der Reaction ist folgender. ZunĂ€ findet die einfache Umsetzung

CUSO4 + 2 KJ CuJa + K2SO4 statt; dann zersetzt sich das unrestÀndige Cuprijodid:

2CuJ2 Cuj2 + 2J.

Das Cuprojodid ist in einem Ueberschusse einer concentrirten Lösung von Kaliumjodid loslich.

Cuprichlorid und -bromid, sowie Cuprisalze in Gegenwart von Alkalichlorid oder -bromid werden von schwefliger SĂ€ure, besonders in der WĂ€rme, ebenfalls reducirt

15*. Ein blanket StĂŒck Eisen (ein Messer, eine Nadel u. dergl.), in eine Cuprilösung getaucht, fallt daraus Kupfer in Form eines glĂ€nzenden und fest haftenden rothen Ueberzuges.

Zink, Cadmium, Magnesium wirken wie Eisen, nur ist das abgeschiedene Kupfer schwammig und haftet nicht an dem FĂ€llungsmittel.

Befindet sich die Cuprilösung in einer Platinschale, so Ă€gt sich das Kupfer zum grössten Theile auf dem Platin als rother, fest haftender Ueberzug nieder; es findet unter dem EinflĂŒsse eines aus dem Platin und dem anderen Metalle gebildeten galvanischen Elementes ein elektrolytischer Vorgang statt.

16*. Beim Erhitzen mit Soda auf Kohle oder am KohlenstĂ€chen (§ 196) im Reductionsfeuer werden die Cupriverbindungen reducirt; man erhĂ€lt ein KĂŒgelchen metallischen Kupfers, welches an seiner Farbe, Dehnbarkeit und Oxydirbarkeit leicht zu erkennen ist. Es bildet sich kein Beschlag, weil das Kupfer nicht flĂŒchtig ist.

17*. Mit SalzsĂ€ure befeuchtet und in die nicht leuchtende Flamme gehalten, fĂ€rben Cupriverbindungen die letztere in Folge von VerflĂŒchtigung von Cuprichlorid grĂŒn (siege § 178).

18*. Mit Borax oder Phosphorsalz geschmolzen, geben Kupferverbindungen im oxydirenden Feuer eine in der Hitze grĂŒne Perle; beim Erkalten wird dieselbe, wenn das Kupfer nicht in sehr grossen Mengen vorhanden ist, blau oder blau grĂŒn, sonst dunkelgrĂŒn. Im Reductionsfeuer wird die Perle in der Hitze farblos und bleibt auch so bei schnellem AbkĂŒhlen. LĂ€sst man langsam erkalten, oder erwĂ€rmt man nach schnellem AbkĂŒhlen wieder langsam, so wird die Perle blutroth, ohne undurchsiditig zu werden, oder sie wird ziegelroth und trĂŒbe.

Diese auffallende Erscheinung rĂŒhrt zweifellos daher, dass in der geschmolzenen Perle ein Cuprosalz gelöst ist, welches wie andere Cuprosalze farblos ist; dieses Salz wird bei einer niedrigeren Temperatur zersetzt und giebt rothes, schmelzbares und kr}'stallisirbares Cuprooxyd. Ein schnelles Erstarren der Perle lĂ€sst dem Cuprosalze keine Zeit zur Zersetzung: die Perle bleibt daher farblos. Ein weniger schnelles Erstarren ermöglicht eine Ausscheidung von Cuprooxyd, aber nicht den Uebergang in den krystallinischen Zustand: die Perle wird roth, bleibt

Iß Bestimmung des Kupfers.

aber durchsichtig. Ein langsames Erkalten endlich ermöglicht ein Krystallisiren des Cuprooxydes: die Perle wird ebenfalls roth, aber gleichzeilig trĂŒbe.

Der Zusatz einer Zinnverbindung zu der Kupferperle lÀsst die soeben beschriebene Erscheinung sehr deutlich erkennen, wÀhrend sie ohne jensen Zusatz nur sehr schwer hervorgerufen werden kann. Die Wirkung des Zinns hierbei ist noch nicht aufgeklÀrt).

Bestimmung des Kupfers. A. Durch WĂ€gung.

897 I. Durch Alkalihydrate. Die Cupriiösung, welche von Ammoniak und jeder Spur organischer Substanzen frei sein muss, wird mit einer Lösung von reinem Natronhydrat oder Kalihydrat bis zur alkalischen Reaction versetzt und dann gekocht, bis der anfangs blÀu- liche und flockige Niederschlag schwarz und körnig geworden ist und sich schnell absetzt Man ninunt die FÀllung in einer Porzellanschale oder noch besser in einer Platinschale vor.

Der Niederschlag wird zwei-oder dreimal durch Decantiren ausgewaschen, wobei man nach jedem Wasserzusatze aufkocht; schliesslich vollendet man das Auswaschen mit heissem Wasser auf dem Filter, bis das Waschwasser beim Verdunsten keinen RĂŒckstand hinterlĂ€sst.

Man kann den Niederschlag, ohne ihn vom Filter zu trennen, erhitzen, thut aber gut, nach dem vollstĂ€ndigen Veraschen des Filters die Masse mit etwas SalpetersĂ€ure zu befeuchten, zu trocknen und allmĂ€hlich auf RothglĂŒhen zu bringen. Das so erhaltene Cuprioxyd wird gewogen.

Der Zusatz von SalpetersĂ€ure bezweckt, die geringen Mengen Kupfer, welche beim Veraschen des Filters zu Metall oder zu Oxydul reducirt sein können, wieder in Oxyd ĂŒberzufĂŒhren.

Das auf diese Weise erhaltene Oxyd enthĂ€lt stets, auch nach sorg- fĂ€ltigem Auswaschen, geringe Mengen Alkali, welche sich jetzt durch heisses Wasser leicht und vollstĂ€ndig entfernen lassen. Dieses nachtrĂ€g- liche Auswaschen des geglĂŒhten Niederschlages, welchem man die gleiche Behandlung, wie oben angegeben wurde, folgen lĂ€sst, darf bei erheblichen Kupfermengen nie unterbleiben.

Statt das Oxyd als solches zu wÀgen, kann man es auch in einem Ros ersehen Tiegel oder in einem Glasrohre (§ 903) durch Erhitzen in einem Strome von reinem Wasserstoff zu Metall reduciren und dieses wÀgen. Die Reduction gelingt sehr leicht bei verhÀltnissmÀssig wenig hoher Temperatur.

Es ist die Behauptung aufgestellt 2), dass grosse Mengen von Alkalinitraten die vollstÀndige FÀllung des Kupfers nach dem beschriebenen Verfahren hinder. Die Beobachtung bedarf jedoch der BestÀtigung.

Man beobachtet dieselben Erscheinungen bei der Fabrikation von Glasern, welche durch Kupferoxyde gefÀrbt werden (Kupferrubin und Aventurin). Clowes und Coleman: Quant, ehem. analysiSy 2. Aufl., S. 75.

A. Durch WĂ€guĂŒg. J7

Manche kĂ€ufliche Alkalihydrate enthalten organische Substanzen in solchen Mengen, dass durch sie die vollstĂ€ndige FĂ€llung des Kupfers gehindert werden kann. Kommt dieser Fall vor, so muss man das Filtrat vom Niederschlage mit SalzsĂ€ure ansĂ€uern, aufkochen und in dasselbe einen Strom von Schwefelwasserstoff leiten. Die geringe Menge Sulfid, welche man so nachtrĂ€glich erhĂ€lt, sammelt man auf einem Filter und fuhrt sie durch Rösten bei hoher Temperatur in Oxyd ĂŒber, welches man entweder fĂŒr sich oder mit der Hauptmenge wĂ€gt (siege § 899).

Wahrscheinlich wĂŒrde man diese geringen Mengen leichter gewinnen können, wenn man sie aus dem alkalischen Filtrate durch etwas Glykose oder Milchzucker oder Hydroxylamin fĂ€llt (siege § 903).

898* 11. Durch Alkalioarbonate. Die Anwendung der Alkalihydrate als FĂ€llungsmittel giebt stets der Besorgniss Raum, dass durch sie Verunreinigungen in den Niederschlag eingefĂŒhrt werden, welche sich nicht immer in einfacher Weise entfernen lassen; es sind das, neben KieselsĂ€ure, hauntsĂ€chlich Oxyde des Eisens und des Aluminiums. Absolute Garantie fĂŒr Reinheit bietet dagegen das Natriumcarbonat. Nach H. Rose) soll dieses Reagens die Cuprisalze nicht vollstĂ€ndig fallen. Diese Angabe ist leicht erklĂ€rlich, wenn die FĂ€llung in der KĂ€lte geschieht. Denn das sich bildende Alkalibicarbonat ist im Stande, Cupricarbonat in Lösung zu halten. Die FĂ€llung gelingt aber nach W. Gibbs) durchaus, falls die Kupferlösung genĂŒgend verdĂŒnnt ist (1 gr Metall in 1 Liter), wenn man das FĂ€llungsmittel in nur geringem Ueberschusse anwendet und die Lösung sodann lĂ€ngere Zeit, etwa /g Stunde, im Sieden erhĂ€lt Das anfangs ausgeschiedene blaugrĂŒne Carbonat geht unter diesen UmstĂ€nden in Oxyd ĂŒber, wird schwarz und finkörnig. Dieser Niederschlag ist ganz frei von Alkali.

Dummington) befördert die Bildung von schwarzem, sich gut absetzendem Cuprioxyde dadurch, dass er, nachdem die Lösung bei Siedehitze einen geringen Ueberschuss von Natriumcarbonat erhalten hat, eine sehr geringe Menge einer verdĂŒnnten Alkalilösung zusetzt.

899. III. Durch Schwefelwasserstoff. Die mit SalzsĂ€ure angesĂ€uerte Kupferlösung, welche das Metall als Sulfat, oder, besser, als Chlorid enthalten und frei von Nitraten sein muss, wird zum lebhaften Sieden erhitzt und gleichzeitig mit einem Strome von Schwefelwasserstoff behandelt, welchen man am Boden des GefĂ€sses eintreten lĂ€sst. Die Einwirkung dieses Reagens muss so lange fortgesetzt werden, bis nicht allein die ĂŒber dem Niederschlage stehende FlĂŒssigkeit farblos) geworden ist, sondern bis man sieht, dass die nach kurzem Absitzen geklĂ€rte FlĂŒssigkeit durch einige Blasen von Schwefelwasserstofif, welche man von Neuem eintreten lĂ€sst, nicht die geringste TrĂŒbung erleidet.

Rose-Finkener: Handb. d, anal. Ch. II, 175.

Stil. Am./, [2] 44 (1867), 213; Z. anal. Ch. 7 (1868), 258.

In Gegenwart von SalzsÀure entsteht Cuprocblorid (§ 896, Nr. 3).

De Koninck-Meineke, Mineralanalyse. II. 2

Unter diesen UmstÀnden erhÀlt man einen blauschwarzen, schweren Niederschlag, welcher sich an der Luft nicht leicht oxydirt).

Den Niederschlag sammelt man auf einem Filter und wĂ€ ihn schnell mit siedendem Wasser aus. Nach dem Trocknen trent man ihn möglichst vom Filter, verascht dieses fĂŒr sich, vereinigt Asche imd Niederschlag in einem gewogenen Rose'schen Tiegel (Fig. 173), bestreut das Ganze mit reinem Schwefel und glĂŒht es unter einem Strome von Wasserstoff 2).

Nach Wegscheider soll man 600 bis 700 nicht ĂŒberschreiten, weil bei höhere Temperatur etwas Kupfer reducirt wird. Wendet man statt des Wasserstoffes Schwefelwasserstoff an, so wird zwar dieser Fehler vermieden, dafĂŒr enthĂ€lt das GlĂŒh- product leicht etwas zu viel Schwefel.

BefĂŒrchtet man, dass durch den Gasstrom vor dem Beginnen des GlĂŒhens etwas von dem Niederschlage verstĂ€ubt werden könnte, so erhitzt man nach dem ZusĂ€tze von Schwefel ganz gelinde, bis dieser schmilzt und mit dem Niederschlage eine gesinterte Masse bildet, und lĂ€sst erst erkalten, bevor man das Gas zuleitet.

Das Product, welches man durch das GlĂŒhen erhĂ€lt, ist Cuprosulfid, CugS, und wird gewogen.

Die Anwendung des Rose* sehen Tiegels ist mit UmstĂ€nden verknĂŒpft und das Arbeiten mit ihm ist zeitraubend. Man hat deshalb versucht, diese Art des GlĂŒhens durch Rösten bei zuletzt hoch gesteigerter Temperatur zu ersetzen, um das Sulfid in Oxyd ĂŒberzufĂŒhren. Nach eigenen Erfahrungen) gelingt die UeberfĂŒhrung durchaus gut, wenn man das Rösten bei möglichst niedriger Temperatur beginnt, um ein Schmelzen des Sulfides zu hinder, und es bei möglichst hoher Temperatur, bei welcher etwa entstandenes Sulfat zersetzt wird, beendet. Lebhafte LuftzufĂŒhrung begĂŒnstigt den Processi). GegenĂŒber der Bestimmung als Sulfid hat das Verfahren den weiteren Vorzug, dass man das Filter nicht fĂŒr sich einzuĂ€schern braucht). An sich ist diese Zwischenoperation auch fĂŒr die Bestimmung des Kupfers als Sulfid nicht erforderlich; denn das etwa entstandene Oxyd oder Sulfat wird durch den zugesetzten Schwefel sehr leicht in Sulfid ĂŒbergenĂŒhrt; aber die hohe und schlanke Form, welche die Rose'schen Tiegel gewöhnlich haben, ist wenig geeignet, um die letzten Reste von Filterkohle schnell vollstĂ€ndig zu verbrennen.

') F. Mohr: . d. k. layer. Akad. 1 (18G4), 79.

'') Brunner: Pogg. Ann. IH, Suppl. (1851), 289; Rivot: C. r. 38 (1854), 868; Rose: Pogg. Ann, UO (1860), 120.

Meineke: nicht veröffentlichte Versuche.

Walther Hempel: Z. anal. Ch. 18 (1879), 407; Nissenson und Neumann: Ch.-Z. 19 (1895), 1591.

A. Durch WĂ€guog. jg

Nach F. W. Schmidt!) lĂ€sst sich die UeberfĂŒ des Sulfides in Oxyd durch Zusatz von Mercuricyanid in ammoniakalischer Lösung begĂŒnstigen (vergl. § 578).

E. Ulrici*) glĂŒht das Kupfersulfid, nachdem er das Filter fĂŒr sich verascht hat, in bedecktem Porzellantiegel, welchen er von Zeit zu Zeit vom Feuer nimmt und auf wenige Secunden öfl&iet. Durch diese Behandlung soll eine Verbindung CuS + CuO entstehen. Zweifellos bildet sich aber gleichzeitig sehr leicht etwas Sulfat 3). Dadurch verliert das Verfahren natĂŒrlich seinen Werth.

899 a. IV. Durch ThioessigsĂ€are. Setzt man ThioessigsĂ€ure oder Ammonium -Thioacetat zu einer kalten Kupferlösung, so wird zu- nĂ€ das vorhandene Cuprisalz in Cuprosalz ĂŒbergenĂŒhrt und dieses als braungraues Cupro-Thioacetat gefallt. Beim ErwĂ€rmen geht der Niederschlag in Cuprosulfid ĂŒber. Dieses wird sofort gefallt, wenn die Kupfer- lösung heiss war (vergl. Bd. II, S. 2, Fussnote 4).

900 V. Durch Natriumhyposolflt. Setzt man zu emer heissen Kupferlösung, welche freie SchwefelsĂ€ure oder SalzsĂ€ure enthalten darf, aber frei von Nilraten sein muss, Natriumhyposulfit, so tritt zunĂ€ EntfĂ€rbung ein; dann scheidet sich ein brĂ€unlicher Niederschlag ab, welcher bei fortgesetztem Erhalten der FlĂŒssigkeit nahe am Siedepunkte und auf weiteren Zusatz des Reagens schwarz wird. Man fart nun vorsichtig mit dem ZusĂ€tze des Reagens fort, bis sich ein Ueberschuss desselben durch eine milchige Abscheidung von Schwefel zu erkennen giebt, und erhĂ€lt im Kochen, bis sich der Niederschlag (ein Gemisch von Cuprosulfid und Schwefel) zusammengeballt hat und die FlĂŒssigkeit vollkommen klar erscheint.

Der Niederschlag kann sofort filtrirt und mit heissem Wasser ausgewaschen werden, was ausserordentlich leicht, und ohne dass man eine Oxydation zu fĂŒrchten hat, von statten geht. Er wird wie der durch Schwefelwasserstoff erhaltene weiter behandelt, d. h. entweder in reines Sulfid durch GlĂŒhen unter Wasserstoff oder in Oxyd durch Rösten ĂŒbergenĂŒhrt.

Dieses Verfahren ist in hohem Grade zu empfehlen, um so mehr als das Natriumhyposulfit ein Mittel zur Scheidung des Kupfers von manchen Metallen bildet, welche durch Schwefelwasserstoff mit ihm gefĂ€llt wĂŒrden.

901. VI. Durch Kaliuinoder Ammonium - Sulfocyanid und flchwefljge SÀure Die neutral oder schwach saure, von Nitraten freie Lösung wird mit einem Ueberschusse von schwefliger SÀure versetzt;

') B. 27 (1894), 225. J.prakt. Ch. 107 (1869), 110.

Busse: Z. anal. Ch. 17 (1878), 55. — Ich habe ebenfalls nur UDgĂŒnstige Resultate erhalten. (Meineke.)

Rivot: C. r. 88 (1854), 8G8; Busse: Z. anal. Ch. YI (1878), 53.

dann fĂŒgt man nach und nach eine Lösung von Alkali-Sulfocyanid hindu, bis die Bildung eines weisslichen Niederschlages von Cupro - Sulfocyanid aufgehört hat.

Der Niederschlag kann in zweierlei Weise weiter behandelt werden:

1. Er kann auf einem tarirten Filter gewogen werden. Der auf dem tarirten Filter gesammelte Niederschlag wird mit kaltem Wasser ausgewaschen und, nachdem er 12 Stunden lang bei 105 bis 110Âź getrocknet ist, gewogen.

2. Er kann in Sulfid ĂŒbergenĂŒhrt werden. Der Niederschlag wird geröstet, bis die Cyan Verbindung vollstĂ€ndig zestört ist; das Product wird, mit Schwefel gemischt, in einem Rose' sehen Tiegel unter Wasserstoff geglĂŒht und giebt alsdann Cuprosulfid (siege § 899).

901a. VII. Darob Ammonium-Dithiooarbaminat Aus einer heissen, schwach sauren Lösung von Cuprisulfat oder Cuprichlorid, welche frei von Nitraten sein muss, wird durch Ammonium-Dithiocarbaminat das entsprechende Cuprisalz gefallt. Der gelbe Niederschlag setzt sich nach kurzem Kochen gut ab, wird von verdĂŒnnten SĂ€uren, ausser Salpeter- sĂ€ure, nicht zersetzt, verĂ€ndert sich nicht an der Luft und kann mit heissem Wasser ausgewaschen werden. Durch GlĂŒhen mit Schwefel unter Wasserstoff wird er in Cuprosulfid ĂŒbergenĂŒhrt und dieses wird gewogen.

902. VIII. Durch Kaliungodid oder JodwasserstofibÀiire und schweflige SÀure 2). Das Verfahren ist dem unter Nr. VI (§ 901) angegebenen Verfahren analog; man erhÀlt einen Niederschlag von Cuprojodid, welchen man auf einem bei 100 tarirten Filter wÀgen kann.

F. E. Browning) behandelt die Lösung des als Sulfat vorhandenen Kupfers mit Kaliumjodid allein, verjagt das freie Jod durch Abdampfen und nimmt mit Wasser auf.

903 IX. Durch FĂ€llung als Cuproozyd. Wir beschreiben das Verfahren so, wie es seit langer Zeit, nach Angabe von J. S. Stas, in der MĂŒnze zu BrĂŒssel bei der Analyse von MĂŒnzlegirungen, welche aus Nickel und Kupfer hergestellt sind, angewandt wird*).

Man ninmit 1 gr der Legirung, also ungefĂ€hr 0,75 gr Kupfer, in Arbeit. Die Lösung, welche das Kupfer als Chlorid enthĂ€lt und ein Volumen von etwa 100 cc einnimmt, wird mit Kalihydrat neutralisirt; dann löst man in ihr 4 gr neutrales Natriumtartrat, Na2C4H40e, 2H2O, und rĂŒhrt um, bis sich ein blĂ€ulicher Niederschlag von Cupritartrat bildet. Nun setzt man nach und nach Kalilauge zu, bis sich der Niederschlag wieder gelöst hat. Sobald dieser Punkt erreicht ist, fĂŒgt man weiter etwa die doppelte Menge Kalilauge nach.

J. Klein: Heuert, d. anal. Ch. 7 (1887), 629 u. 645.

Das Verfahren ist wenig bekannt und unseres Wissens in seinen Einzelheiten nicht beÀchricben. Vergl. auch Nihoul: Ch.-Z. 17 (1893), 500, und 18 (1894), 881.

A. Durch WĂ€gung. 21

In diese alkalische Lösung giesst man eine Lösung von 0,75 gr Milchzucker und erwÀrmt auf 60 bis 70 bis das Kupfer vollstÀndig gefallt ist.

Der rothe Niederschlag, Cuprooxyd, wird schnell mit heissem Wasser decantirend ausgewaschen. Die Waschwasser lĂ€sst man zwei Filter, welche ĂŒber einander in zwei Trichtern angebracht sind, passiren. Diese Vorsicht ist nöthig , denn in Folge der feinen Vertheilung des Niederschlages wĂŒrden ohne sie merkenswerthe Spuren verloren gehen.

Filtration und Auswaschen dĂŒrfen nicht unterbrochen werden, damit nicht eine Oxydation des Cuprooxydes durch die Luft eintritt, welche ein Lösen durch die alkalische Tartratlösung zur Folge haben wĂŒrde.

Nach beendetem Auswaschen trocknet man den Niederschlag, entfernt ihn möglichst von dem Filter, welches die Hauptmenge enthĂ€lt, und verascht beide Filter. Asche und Niederschlag fĂŒhrt man dann mit HĂŒlfe einer Rinne aus Glanzpapier in ein gewogenes, schwer schmelzbares Glasrohr von etwa 150 mm LĂ€nge und 12 mm innerem Durchmesser ĂŒber, welches auf einer Seite, wie die Fig. 174 angiebt, ausgezogen ist.

Dieses Rohr legt man nun in einen Halter und erwĂ€rmt es durch einen Brenner, welchen man mit der Hand unter ihm her fĂŒhrt, wĂ€hrend man gleichzeitig durch einen Kautschukschlauch, welcher ĂŒber das ausgezogene Ende gezogen ist, Luft durch den kleinen Apparat saugt. Diese Operation hat den Zweck, die organische Substanz, welche der Niederschlag

merklicher Menge zurĂŒckhĂ€lt, zu ver-brennen

. Nach erfolgter Oxydation leitet , . -i j

man durch den Apparat einen Strom Fig. 174.

reinen und trockenen Wasserstoffes und

erwÀrmt wieder, bis das Oxyd vollstÀndig zu Metall reducirt worden ist.

Das reducirte Metall schĂŒttet man nun auf ein kleines Filter und wĂ€ es mit heissem Wasser aus, um das Alkali, welches von dem Oxyde zurĂŒckgehalten war, zu entfernen. Nach dem Trocknen und Ein- Ă€schern des neuen Filters bringt man Kupfer und Asche in das tarirte Glasrohr zurĂŒck, erhitzt zuerst \viewer unter Luftzutritt, dann in einem Wasserstoffstrome und lĂ€sst jetzt unter letzterem vollstĂ€ndig erkalten. Schliesslich bringt man das Rohr und seinen Inhalt auf die Waage.

Wir haben das Verfahren in seinen Einzelheiten, mit welchen es in dem Laboratorium der BrĂŒsseler MĂŒnze fĂŒr die genannten Bestimmungen ausgefĂŒhrt wird, beschrieben. Im laufenden Betriebe wĂŒrde man manche Vereinfachungen einfĂŒhren können; so könnte man namentlich das Oxyd, statt es zu reduciren, durch Rösten vollstĂ€ndig in Cuprioxyd ĂŒberfĂŒhren und in diesem Falle einen Go och 'sehen Tiegel, welcher eine dicke Asbestlage enthalten mĂŒsste, mit Saugvorrichtung anwenden.

904 X. Durch nnterphosphorige SĂ€ure Das Verfahren ist

') Z. anal. Ch. 7 (1868), 256; vergl. auch F. Mawrow uod W. Muthmann: Z. anorg, Ch, U (1896), 268.

von Gibbs auf Grund der Beobachtung von A. Wurtz, dass aus Lösungen von Cuprisalzen durch unterphosphorige SĂ€ure Kupferwasserstoflf als rothbrauner Niederschlag vollstĂ€ndig gefĂ€llt wird, ausgearbeitet worden. Die FĂ€llung wird ausgefĂŒhrt, indem man zu der schwach sauren Lösung ein Alkalihypophosphit setzt und auf 80 bis 90 erwĂ€rmt; sie ist vollstĂ€ndig, wenn die Lösung nur Sulfate enthĂ€lt. Da der Kupferwasserstoff schon bei 60 in Kupfer und Wasserstoff zerfĂ€llt, kann er durch massages Erhitzen in einem Wasserstoflfstrome leicht in metallisches Kupfer ĂŒbergenĂŒhrt werden.

Wir beschrĂ€nken uns auf diese kurzen Angaben, weil das Verfahren, obwohl es den Vorzug hat, dass es in Gegenwart von Sulfaten des Eisens, Mangans, Nickels und Zinks anwendbar ist, doch wenig Eingang gefunden hat, und weil es wohl noch genauerer PrĂŒfung auf seine ZuverlĂ€ssigkeit bedarf.

905. XL Durch den Oewichtsverlust eines Kupferbleches. Bringt man einen Streifen von reinem Kupferblech in eine Lösung, welche das Kupfer als Cuprichlorid enthÀlt, so wird dieses zu Cuprochlorid reducirt und das Kupferblech verliert eine dem zu bestimmenden Metalle gleiche Menge:

CuClj -f- Cu CujClg. Dieses Verfahren, welches dem Fuchs 'sehen Verfahren zur Bestimmung des Eisens (§ 581) nachgebildet ist, wurde von Runge in saurer und von Levol in ammoniakaliseher Lösung angewandt; die Resultate sind nicht befriedigend. Wir erwÀhnen das Verfahren nur aus theoretischem Interesse.

906. XIL Durch Zink) oder Cadmium-) (die sog. schwedische Probe). Das Verfahren hat den Vorzug, von keinem der gewöhnlichen Begleiter des Kupfers in seinen Erzen, ausser von Silber, Arsen und Antimon, beeintrĂ€chtigt zu werden. Wir werden unten angeben, wie diese Metalle unschĂ€dlich gemacht werden können. Wir bemerken hier nur hinsichtlich des Bleies, welches ein hĂ€ufiger Begleiter des Kupfers in den Erzen ist, dass dieses durch Umwandlung der Metalle in Sulfate leicht geschieden werden kann. Eine Sulfatlösung, welche man in dieser Weise erhĂ€lt, ist fĂŒr das Verfahren ĂŒberhaupt die geeignetste.

Man behandelt die, eventuell durch Filtration geklĂ€rte, Sulfat- lösung, welche nicht zu viel freie SĂ€ure enthalten darf, am besten in einer Platinschale mit einem blanket StĂŒcke Zink oder Cadmium. Letzteres Metall ist vorzuziehen, weil es weniger stĂŒrmisch als ersteres aufgelöst wird, fast keine Entwicklung von Wasser-

') Pfaff: Handh.d.anaL Ch., 1. Ausg. (Altona 1822), S. 269; 2. Ausg. (1825), S. 294. Unter den spÀteren zahlreichen Litteraturangaben ist vorzugsweise zu verweisen auf F. Mohr: Z. anal. Ch. 1 (1862), 143.

-) A. Classen:/. prakt. Ch. 96 (1865), 259.

A. Durch WĂ€gUDg. 23

Stoff veranlasst, sondern vielmehr direct durch Substitution wirkt und einen am Platin stÀrker haftenden Niederschlag giebt). Ist die Kupfer- lösung nicht zu concentrirt und angemessen sauer, so lager sich fast alles Kupfer, durch einen elektrolytischen Vorgang, als zusammenhÀgender Niederschlag auf der Platinschale ab.

Nach beendeter FÀllung decantirt man vorsichtig die klare Lösung, ersetzt sie schnell durch kochendes (luftfreies) Wasser, nimmt das angelöste Zink oder Cadmium heraus und reinigt es von anhaftendem Kupfer durch vorsichtiges Reiben zwischen den Fingern und Abspritzen mit frisch ausgekochtem Wasser. Das decantirende Auswaschen wiederholt man bis zum Aufhören der sauren Reaction, dann wÀ man mit Alkohol nach, trocknet schnell in einem Luftbade und wÀgt.

Die Waschwasser imd den Alkohol fĂ€ngt man zur Vorsicht in einem Becherglase auf. Sollten Kupfertheilchen mit ĂŒbergegangen sein, so setzen sich diese zu Boden und es kann die ĂŒberstehende FlĂŒssigkeit zum grössten Theile von ihnen abgegossen werden; nachdem das geschehen, sammelt man sie auf einem kleinen Filter. Dieses verascht man in einem gewogenen Porzellantiegel. Man befeuchtet dann die Asche mit etwas SalpetersĂ€ure und verjagt den SĂ€ureĂŒberschuss. Durch GlĂŒhen erhĂ€lt man die geringe Menge Kupfer, um welche es sich stets nur handeln kann, als Cuprioxyd, welches man wĂ€gt.

EnthĂ€lt die zu analysirende Substanz so viel Silber, dass es fĂŒr die Kupferbestimmung beachtet werden muss, so ist dieses durch einen vorsichtigen Zusatz von sehr verdĂŒnnter SalzsĂ€ure aus der Lösung zu entfernen, bevor diese, wie es gewöhnlich erforderlich ist, von anderen angelösten Stoffen durch Filtration getrennt ist.

UmstĂ€ndlicher ist die Entfernung von Arsen und Antimon. Ersteres kann durch Rösten der Substanz unter Zusatz von Kohle verflĂŒchtigt werden. Antimon bleibt nach dem Abrauchen mit SchwefelsĂ€ure, behufs Ueberfiihrung der Metalle in Sulfate, zum grössten Theile in in Wasser unlöslichem Zustande zurĂŒck. Sehr betrĂ€chtliche Mengen von Antimon erfordern aber complicirtere Verfahren, z. B. Schmelzen des RĂŒckstandes nach dem Abrauchen der SchwefelsĂ€ure mit Kalihydrat in einem Silbertiegel und Auslaugen des entstandenen Kalium- Antimoniates mit Wasser; in dem jetzt verbliebenen RĂŒckstand wird das Cuprioxyd mit SchwefelsĂ€ure zur FĂ€llung vorbereitet.

EnthĂ€lt die zu fallende Lösung Arsen oder Antimon, so besitzt der Kupferniederschlag nicht die diesem Metalle eigenthĂŒmliche rothe Farbe, sondern hat ein mehr oder weniger schmutziges, selbst schwarzes Aussehen.

Dieses in seinen wesentlichsten Punkten beschriebene Verfahren war lange Zeit auf den KupferhĂŒtten in vorwiegender Anwendung, nachdem

') Auch Magnesium ist als FĂ€lluDgsmittel vorgeschlagen: A. Villiers und F. Borg: C, r. 110 (1893), 1524. Ebenso Aluminium: Low: Ch. Centrlbl. 64 (1895), n, 64.

man die frĂŒher ĂŒblichen dokimastischen Verfahren auf trockenem Wege, welche wir spĂ€ter kurz besprechen werden, als den AnsprĂŒchen der Zeit nicht mehr entsprechend erkannt hatte, und bevor die elektrolytischen Verfahren, welche wir in dem folgenden Paragraphen beschreiben werden, in der jetzt ĂŒblichen Weise ausgebildet worden waren.

908. Bestimmung durch Elektrolyse. Kein Metall lÀsst sich auf elektrolytischem Wege so leicht mit grösister quantitative Sicherheit abscheiden, wie das Kupfer. An ihm gelangte die elektrolytische Methode zuerst zu allgemeiner Anwendung.

Bereits im Jahre 1850 bediente sich Gaultier de Claubry) des elektrischen Stromes zum toxikologischen Nachweise von Kupfer und anderen Metallen, und 1860 empfahl Bloxam) dieses physikalische HĂŒlfsmittel zu dem gleichen Zwecke. Die elektrolytische Bestimmung des Kupfers wurde aber zuerst von Wolcott Gibbs im Jahre 1864 vorgeschlagen 3), dessen Mittheilung auch kurze Angaben ĂŒber die elektrolytische FĂ€llung des Nickels enthĂ€lt. Er bediente sich Bunsen* scher Elemente. Um dieselbe Zeit hatte sich bereits Luckow*) mit der quantitativen „Elektro-Metall-Analyse" befasst. Dadurch, dass er die zwar Ă€chere Ströme liefernden, aber durch Constanz sich auszeichnenden M ei dinger' sehen Elemente benutzte, fand sein Verfahren ausgedehnte Anwendung und wurde schliesslich in dem Laboratorium der Mansfelder Kupferschiefer bauenden Gewerkschaft) zu dem heutigen Grade der Vollkommenheit ausgebildet.

909. XIII. Durch Elektrolyse in salpetersaurer Lösung'*). Es ist dieses das von Luckow angegebene Verfahren. Die Elektrolyse ist auf Kupferchloridlösungen und in Anwesenheit freier SalzsÀure nicht anwendbar; statt eines reinen metallischen Ueberzuges erhÀlt man an der negative Elektrode einen schmutzig gefÀrbten, Chlor enthaltenden Niederschlag, wÀhrend an der positive Elektrode Chlor gasförmig entweicht. Elektrolysirt man eine Lösung von Cuprisulfat, welche freie SchwefelsÀure enthÀlt, so gelingt es zwar, das Kupfer vollstÀndig auszufÀllen, aber die letzten Mengen erfordern sehr lange Zeit zur Abscheidung.

Bei sehr lange fortgesetzter Einwirkung des Stromes hat man auch eine schliessliche Bildung von Sulfid beobachtet.

Am schnellsten und am glattesten verlÀuft die elektrolytische FÀllung

Ch. Soc. Quart./. 13, 12.

Die Litteratur ist sehr reichhaltig geworden. Wir verweisen ausser den in Fussnote 4 u. 5 angegebenen Stellen vorzugsweise auf: Luckow: Z. anal. Ch. 19 (1880), 1 ff.; von Miller und Kiliani: op. cit, S. 207; Ohl: B.- u. H.Z. 1880, S. 104; Riebe: Ann, de ch. et dephys. [5] 63, 525; Lecoq de Boisbaudran: Bull. Soc. Ch. [2] 7 (1867), 468. Siehe auch Ullgren: Z. anal. Ch. 7 (1868), 255 u. 442.

A. Darch WĂ€guog.

des Kupfers aus salpetersaurer Lösung, welche nur Nitrate enthĂ€lt. In diesen Zustand lĂ€sst sich jedoch das Kupfer auf bequeme Weise nur aus dem Metalle oder seinen Legirungen ĂŒberfĂŒhren. Bei der Analyse von Erzen und ihnen Ă€hnlichen Producten wandelt man sĂ€mmtliche Metalle in Sulfate um, entfernt den hierzu erforderlichen Ueberschuss von Schwefel- sĂ€ure möglichst vollstĂ€ndig durch Abrauchen und nimmt den RĂŒckstand mit salpetersĂ€urehaltigem Wasser unter ErwĂ€rmen auf. Die Menge der SalpetersĂ€ure richter man am besten so ein, dass die zur Elektrolyse gelangende FlĂŒssigkeit 2 bis 3% Volumens concentrirte SalpetersĂ€ure (1,36 spec. Gew.) enthĂ€lt

Die, nöthigenfalls filtrirte, Lösung bringt man in ein Becherglas, an welchem ziemlich nahe dem oberen Rande ein als U eberlauf dienender

setzt man in das Becherglas die Platin- Elektroden ein, welche fĂŒr geringe

Kupfermengen die in Fig. 176, fĂŒr

grössere die in Fig. 177 abgebildeten

Formen haben. Als positive Elektrode

dient der spiralörmige, starke Platindraht, welcher auf dem Boden des Glases

stehen kann, als negative der kurze

Kupfer niederschlÀgt. Diese Elektroden

werden so eingesetzt, dass ihre unteren

RĂ€nder von der unteren Spirale einige

Millimeter entfernt sind. Um den an der Innenseite der negative Elektroden sich entwickelnden Gasen freien Abzug zu gewÀhren und Nebenreactionen, welche durch Polarisation entstehen, zu verhindern, sind dieselben seitlich aufgeschlitzt Der Kupferlösung giebt man ein solches Volumen, dass sie nur etwa 2/3 des Cylinders oder Kegels bedeckt.

Nun schliesst man den Strom, und es bedarf der Fortgang der elektrolytischen Abscheidung keiner Beaufsichtigung, wenn man der Constanz der Stromquelle, als welche man M ei ding er* sehe Elemente in irgend einer Form oder eine ThermosĂ€ule u. s. w. benutzen kann, sicher ist. Bei Benutzimg starker Ströme regulirt man dieselben auf 0,5 bis 1 Ampere fĂŒr den Quadratdecimeter OberflĂ€che. In industriellen Laboratorien pflegt man den Verlauf der Analyse so einzurichten, dass die FĂ€llung ĂŒber Nacht geschieht.

Glaubt man annehmen zu dĂŒrfen, dass die FĂ€llung vollstĂ€ndig ist, so fĂŒllt man die FlĂŒssigkeit so weit auf, dass mm von ihr ein einige Millimeter hoher Streifen der blanket Elektrode bedeckt wird. Bleibt dieser Streifen, auch bei weiterer Einwirkung des Stromes von etwa

Fig. 176.

Fig. 177.

Stunde, frei von jeder Spur eines Kupfemiederschlages, so kann man die Analyse als beendet betrachten.

WĂŒrde man jetzt den Strom öffaen und die negative Elektrode mit dem Kupfemiederschlage herausheben, um sie durch Eintauchen in reines Wasser abzuwaschen, so wĂŒrde, auch bei schnellster AusfĂŒhrung dieser Hantirung, etwas Kupfer von der sauren FlĂŒssigkeit wieder aufgelöst werden. Man bewirkt daher das Auswaschen bei geschlossenem Strome in der Weise, dass man durch einen Trichter mit langem Rohre reines Wasser auf den Boden des Becherglases gelangen lĂ€sst und durch dasselbe die saure FlĂŒssigkeit verdeĂ€ngt, welche durch das seitliche Ansatzrohr (Fig. 175) abfliesst; man leitet so lange Wasser zu, bis die abfliessende FlĂŒssigkeit nicht mehr sauer reagirt. FĂ€ngt man letztere auf, so können andere darin enthaltene Stoffe bestimmt werden.

Mit dem Kupfer können unter den beschriebenen UmstÀnden an der negative Elektrode noch folgende Metalle abgeschieden werden: Gold, Platin, Zinn, Selen, Arsen, Antimon, Silber, Quecksilber, Blei, Cadmium, Wismuth. Je nach den UmstÀnden wird man daher der Elektrolyse geeignete Scheidungsverfahren vorausgehen lassen.

FĂŒr gewöhnlich wird man jedoch nur Arsen, Antimon, allenfalls Silber zu berĂŒcksichtigen haben, theils wegen des nur selten vorkommenden gemeinschaftlichen Auftretens der ĂŒbrigen erwĂ€hnten Metalle mit dem Kupfer, theils weil sie durch die beschriebene, der Elektrolyse voraufgegangene Behandlung bereits abgeschieden sind.

Sollte Silber in bemerkenswerthen Mengen in der Lösung vorhanden sein, so ist dasselbe durch vorsichtigen Zusatz verdĂŒnnter SalzsĂ€ure leicht zu entfernen; in der Regel wird man sogar die Silbermenge annĂ€hernd genau kennen, so dass man hiemach den Zusatz einer entsprechend eingestellten SalzsĂ€urelösung bemessen kann.

Arsen, Antimon und Selen scheiden sich erst aus, nachdem alles Kupfer gefĂ€llt ist. Bei sorgfaltiger Beobachtung ist es möglich, die Elektrolyse abzuschliessen, bevor ein Niederschlag jener Elemente beginnt Ihre Anwesenheit ii) oder vielmehr auf dem elektrolytisch gefĂ€llten Kupfer giebt sich durch eine dunkle FĂ€rbung desselben zu erkennen. Ist diese dunkle FĂ€rbung dennoch eingetreten, so verfĂ€hrt man in folgender Weise Man wĂ€ den Niederschlag, genau wie oben beschrieben ist, durch VerdrĂ€ngen aus, trocknet die herausgenommene Elektrode und glĂŒht sie; dadurch werden Arsen und Selen verflĂŒchtigt, wĂ€hrend ein Theil des Antimons zurĂŒckbleiben kann. Dann stellt man Alles wieder zusammen, wie es fĂŒr eine Elektrolyse erforderlich ist, mit dem Unterschiede, dass die Elektrode mit dem Kupferniederschlage die positive ist, und fĂŒllt das Becherglas bis zur geeigneten Höhe mit verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure. Das Kupfer, auch der durch das GlĂŒhen oxydirte Theil desselben, löst

Mansfelder Ober-Berg-und HĂŒtten-Direction:

A. Durch WĂ€gung. 27

sich schnell auf, wĂ€hrend das Antimon, von welchem stets nur sehr geringe Mengen vorhanden sind, so gut wie gar nicht angegriffen wird und entweder in der FlĂŒssigkeit suspendirt bleibt oder zu Boden sink Nun schaltet man den Strom um, so dass die Kupferelektrode wieder zur negative wird, und elektrolysirt, wie wir oben angegeben haben. Dieses Verfahren ist aber nur anwendbar, wenn Arsen und Antimon von vornherein in sehr geringen Mengen vorhanden waren ; grössere Mengen scheidet man besser vor der Elektrolyse ab.

Um die Abscheidung der besprochenen Metalle zu verhindern, kann man auch die Elektrolyse unterbrechen, bevor alles Kupfer abgeschieden ist, und den in Lösung gebliebenen Rest des Kupfers nach einem anderen Verfahren, z. B. durch FÀllung als Sulfid, bestinmien. Man wendet diese umstÀndliche Theilung der Bestimmung z. B. bei der Analyse des Handelskupfers (Werkkupfer) an, um die in der Regel nur in sehr kleinen Mengen vorhandenen verunreinigenden Metalle so zu sagen zu concentriren und ihre Beslimmimg, welche in Gegenwart grosser Mengen von Kupfer mit Schwierigkeiten verbunden ist, zu erleichtern.

EigenthĂŒmlich verhĂ€lt sich das Blei. WĂ€hrend sich dieses Metall unter der Einwirkung des elektrischen Stromes aus einer reinen, neutralen oder auch schwach salpetersauren Lösung theils regulinisch am negative, theils als Hyperoxyd am positive Pole abscheidet, Ă€gt es sich auch bei Anwesenheit von nur geringen Mengen freier SalpetersĂ€ure ausschliesslich in der letzteren Form nieder, wenn die Lösung auch nur sehr geringe Mengen Kupfer enthĂ€lt. Ist das Blei in geringen Mengen gegenĂŒber dem Kupfer in der Lösung vorhanden, so ist es bereits vollstĂ€ndig gefallt, bevor die Lösung entkupfert ist, und beeintrĂ€chtigt die Bestimmung nicht. Waltet es dagegen vor, wie es z. B. bei der Analyse von Kaufblei oder von Bleierzen der Fall sein kann, so ist es vor der Elektrolyse abzuscheiden.

Zu erwĂ€hnen ist noch, dass grosse Mengen von Eisen, wenigstens wenn sie im Ferrizustande vorhanden sind, die elektrolytische Abscheidung des Kupfers sehr erschweren, unter UmstĂ€nden sogar ganz verhindern können, weil die Ferrisalze auf das gefĂ€llte Kupfer lösend wirken und sich aus den entstandenen Ferrosalzen immer wieder zurĂŒckbilden i).

910 XIV. Durch Elektrolyse in saurer Oxalatlösung Das neutral Cuprisalz wird in einer kalt gesÀttigten Lösung von Ammonium- Oxalat gelöst; unter diesen UmstÀnden beginnt man die Elektrolyse mit einem Strome, welcher in der Minute 3 bis 4 cc Knallgas liefert (etwa 0,3 bis 0,4 Ampere) und setzt mit dem Fortschreiten der Analyse nach

Es ist zu berucksichtigCD , dass die Gegenwart der SalpetersĂ€ure, vielleicht auch der durch die Elektrolyse sich entwickelnde Sauerstoff, die Oxydation der Ferrosalze sehr begĂŒnstigt.

-) A. Classen und R. Schelle: B. 21 (1888), 2898.

Bestimmung des Kupfers.

und nach eine concentrirte Lösung von OxalsÀure hindu, so dass die Lösung stets sauer gehalten wird.

Der Kupferniederschlag kann bei offenem Strome ausgewaschen werden. Bei diesem elektrolytischen Verfahren verwendet man vorzugsweise eine Schale (Fig. 178) oder einen Tiegel nach Riche (Fig. 179) zur Aufnahme des Kupfers.

Eine Temperatur von 40 bis 50Âź beschleunigt die Elektrolyse. Der Hauptvorzug dieses Verfahrens besteht in der Schnelligkeit, mit welcher es sich ausfĂŒhren lĂ€sst; man erhĂ€lt in 3 bis 4 Stunden bis zu 2 gr Kupfemiederschlag. Leider steht seiner Anwendung die Anwesenheit fremder Metalle hĂ€ufig störend entgegen i).

911. XV. Durch Elektrolyse in ammoniakalischer Lösung Man behandelt die Lösung mit Ammoniak, bis sich der anfangs entstandene Niederschlag wieder aufgelöst hat; dann setzt man von demselben Reagens (0,96 spec. Gew.) 20 bis 35 cc hindu, je nachdem die Menge des zu bestimmenden Metalles geringer ist als 0,5 gr oder zwischen 05 und 1 gr liegt; schliesslich löst man 3 bis 4 gr .Vmmoniumnitrat in der FlĂŒssigkeit auf.

Die StromstÀrke soll sich zwischen 0,5 und 2 Ampere auf den Quadratdecimeter OberflÀche bewegen.

Man befördert sehr die Schnelligkeit der Elektrolyse durch Bewegen der FlĂŒssigkeit; man kann sie dadurch und ausserdem erhĂ€lt man dadurch einen schöneren Niederschlag.

Mit einem Strome von 1,7 Ampere ist es möglich, in 2 Stunden 1,5 gr Kupfer niederzuschlagen.

Das Verfahren gestattet auch die Anwendung von Chloridlösungen;

nach RĂŒdorf f setzt man in diesem Falle 2 bis 3 gr Natriumoder

Kalium-Nitrat und dann 10 cc Ammoniak auf 400 cc Kupferlösung zu.

Bemerkenswerth ist ferner, dass nach diesem Verfahren Arsen mit

dem Kupfer nicht niedergeschlagen wird.

BeeintrĂ€chtigt wird es durch den Umstand, dass sich das Kupfer quantitative nur schwer in ammoniakalische Lösung ĂŒberfĂŒhren lĂ€sst, wenn

Fig. 178.

Fig. 179.

Man hat auch vorgeschlagen, das Kupfer aus ameisensaurer Lösung (Hill Sloane Warwick: Z. anorg. Ch. 1 (1862), 285), sowie aus einer Lösung, in welcher es als pyrophosphorsaures Doppelsalz enthalten ist (Alb. Brand: Z. anal. Ch, 28 (1889), 591), zu fÀllen.

von Miller und Kiliani: op. cit. S. 207 ; Mc Cay: CA .-Z. 14 (1890), 509: Drossbach: r//.-Z. 16 (1892), Nr. 47 ; F. Oettel: CZ/.-Z. 18 (1894), 879: Rudorff: B. 21 (1888), 3050; Riban: op. cit. S. 147.

A. Durch WĂ€gung. 29

grössere Mengen von Eisen, Aluminium, Mangan zugegen sind, und dass andere Metalle, welche hĂ€ufig Begleiter des Kupfers sind, wie Zink, Nickel, Cobalt, ebenfalls in die ammoniakalische Lösung ĂŒbergehen und mit dem Kupfer mehr oder weniger vollstĂ€ndig gefallt werden.

912. XVL Durch Elektrolyse in Lösung von Kaliumcyanid Die elektrolytische Bestimmung des Kupfers lĂ€sst sich auch in der Art ausfĂŒhren, dass man das durch Schwefelwasserstoff gefĂ€llte Sulfid in Kaliumcyanid löst, die Lösung mit 20 cc einer starken Lösung von Ammoniumcarbonat versetzt, auf etwa 250 cc verdĂŒnnt, 1 bis 2 Minuten kocht und bei etwa 70Âź elektrolysirt, indem man von Zeit zu Zeit Ammoniumcarbonat zusetzt.

913. XVII. BestĂŒ des Kupfers als Metall auf trocknem Wege. Die hierher gehörigen Verfahren haben ausschliesslich zur Werthbestimmung von Kupfererzen und kupferhaltigen Producten Anwendung gefunden. Sie sind jetzt wohl mit nur geringen Ausnahmen*) aus den Laboratorien der KupferhĂŒtten durch die besprochenen gewichtsanalytischen Verfahren (schwedische Probe, Elektrolyse) oder auch durch einige Titrir verfahren, welche wir noch kennen lernen werden, verdeĂ€ngt worden. Zu ihrer AusfĂŒhrung ist grosse praktische Uebung erforderlich.

Bevor die Handelsund VerkehrsverhĂ€ltnisse in die heutigen Bahnen gelenkt waren, beschrĂ€nkte sich der Betrieb der HĂŒttenwerke mehr oder weniger auf die Verarbeitung der Erze, welche in der NĂ€he derselben gewonnen wurden, oder richtiger, fĂŒr deren Verarbeitung die Schmelzwerke angelegt worden waren. Die Art der Erze war daher auf den einzelnen Werken annĂ€lied stets die gleiche oder wenigstens die Ă€hnliche, und es genĂŒgte die ThĂ€tigkeit verhĂ€ltnissmĂ€ssig untergeordneter Beamten, um den Betrieb durch Untersuchungsverfahren, welche dem eingefĂŒhrten Schmelzprozesse möglichst Ă€hnlich und angepasst waren, zu controUiren. Dem entsprechend unterschied man hauntsĂ€chlich zwei Kategorien von Verfahren: die deutsche und die englische Kupferprobe.

Nach dem deutschen Verfahren wird das Erz geröstet und dann unter Zusatz von redudrenden Flussmitteln (Soda, Borax und Weinstein oder sog. schwarzem Fluss) und von Arsen oder Antimon oder Blei, wenn diese Metalle nicht etwa bereits in reichlicher Menge vorhanden sind, in Tiegeln aus feuerfestem Thone, welche in einen Windofen gesetzt werden, auf unreines, sog. Schwarzkupfer verschmolzen. Der Zusatz der genannten Metalle hat den Zweck, den Kupferregulus möglichst leichtflĂŒssig zu machen. Dieser wird alsdann in einer Mufifel auf einem „Garscherben" unter Zusatz von Borax bei Luftzutritt eingeschmolzen und in Fluss

') Thomas Moore: Ch.N.52 (1885), 20, u. 53 (1886), 209; Z. anal. Ca. 27 (1888), 649.

-) Neuerdings ist indessen die Anwendung der trocknen Probe wiederum empfohlen worden. Vergl. B.- u. H. Z. 54 (1895), 236.

gehalten, bis man an gewissen Kennzeichen, welche ein geschulter Probirer leicht zu beurtheilen vermag, erkennt, dass die fremden Bestandtheile, aber noch kein Kupfer, verschlackt sind; in diesem Momente nimmt man den Scherben schnell aus der Muffel und kĂŒhlt ihn durch Eintauchen in Wasser schnell ab. Der entschlackte Regulus, welcher unter dem Hammer gut dehnbar sein muss, wird gewogen.

Bei der englischen Kupferprobe sucht man nach dem Rösten des Erzes nicht direct Schwarzkupfer zu erhalten, vielmehr schiebt man eine Zwischenschmelzung, oder auch wohl mehrere, ein, durch welche erst ein Regulus von Schwefelverbindungen, ,, Stein**, erhalten wird und durch welche bereits eine Verschlackung von Metallen, welche die Reinheit des schliesslich zu gewinnenden Kupfers beeintrÀchtigen können, bewirkt wird. Schliesslich wird wieder ein Schwarzkupfer-Regulus erhalten, welcher unter Zusatz von Salpeter in einem Tiegel raffinirt wird. Diese englische Probe erfordert noch viel mehr Uebung als die deutsche.

Ueber die Einzelheiten der trocknen Proben findet sich in den HandbĂŒchern ĂŒber Probirkunde z.B. von Kerl, von Percy, von Balling und von anderen Autoren das NĂ€here; wir glauben auf diese verweisen und uns auf die ErwĂ€hung der Verfahren des historischen Interesses wegen beschrĂ€nken zu dĂŒrfen, lun so mehr, als keynes von ihnen auf eine der Analyse entsprechende Genauigkeit Anspruch erheben kann: giebt doch z. B. die englische Kupferprobe im Durchschnitte etwa o weniger Kupfer, als die Verarbeitung der Erze im Grossen!

B. Durch Titrimetrie.

914. Vorbemerkungen. Sowohl die technische Wichtigkeit als der hohe Werth des Kupfers geben genĂŒgend Veranlassung, nach schnell und sicher ausfĂŒhrbaren Verfahren zur Bestimmung dieses Mel alles zu suchen. Gerade in dieser Hinsicht hat bei vielen anderen Metallen und bei vielen Producten der chemischen Industrie die Maassanalyse den entschiedenen Sieg ĂŒber die Gewichtsanalyse errungen; nicht der Fall ist das aber in der Technologie des Kupfers. Wohl ist die Zahl der zur Bestimmung des Kupfers vorgeschlagenen maassanalytischen Verfahren nicht unbedeutend und hat man die verschiedensten Eigenschaften des Kupfers und seiner Verbindungen in diesem Sinne zu verwerthen gesucht Es felt auch nicht an solchen maassanalytischen Verfahren, welche unter ganz bestimmten Voraussetzungen und nach ErfĂŒllung bestinmiter Vorbedingungen durchaus genaue Bestimmungen des Kupfers gestatten. Sobald aber diese Verfahren auf Producte, welche neben dem Kupfer noch andere Metalle enthalten, angewandt werden sollen, pflegen jene Vorbedingungen zu fehlen, und es sind, um sie zu erfĂŒllen, mehr oder weniger umstĂ€ndliche Scheidungen erforderlich. Sie können indessen der schliesslichen Bestimmung des Kupfers durch WĂ€gung namentlich dann den

B. Durch Titrimetrie. 31

Rang streitig machen, wenn eine grössere Anzahl von Bestimmungen gleichzeitig auszufuhren ist und wenn die geeigneten Vorrichtungen namentlich fĂŒr die Elektrolyse fehlen.

Aber auch hiervon abgesehen bitten viele derjenigen Eigenschaften der Kupferverbindungen, welche eine maassanalytische Bestimmung des Kupfers ermöglichen, so viel theoretisches Interesse, dass wir die in Vorschlag gebrachten maassanalytischen Verfahren — und zwar auch solche, welche heute wieder aufgegeben sind — möglichst vollstĂ€ndig in unsere Besprechung aufaehmen wollen.

Wir lassen noch eine Vorbemerkung vorausgehen, welche sich specicU auf den am hĂ€ufigsten anzutrefifenden Begleiter des Kupfers in Erzen und HĂŒttenproducten, auf das Eisen, bezieht i). Ferri-und Cupri- Salze zeigen gegen Ammoniak das beide Metalle so ausserordentlich unterscheidende Verhalten, dass jene durch das genannte Reagens vollstĂ€ndig gefallt, diese dagegen vollstĂ€ndig gelöst werden. Es gelingt aber die Scheidung beider Metalle ebenso schwierig oder richtiger noch schwieriger, als die Scheidung des Eisens von Zink, Nickel, Cobalt durch dasselbe Reagens. Auch die auf der Anwendung von Carbonaten, Acetaten, Sulfaten der Alkalien beruhenden Verfahren der Scheidung des Eisens von anderen Metallen sind nur wenig genau. Erfordert daher eine maassanalytische Bestimmung des Kupfers in eisenreichen Substanzen eine Scheidung beider Metalle, so bewirkt man dieselbe am besten durch Abscheidung des Kupfers in Form von Metall (durch Zink, Cadmium etc.) oder von Sulfid (Schwefelwasserstofif, Hyposulfit, Thioacetat).

915* L Durch Natriumsulfid. 1. In alkalischer Lösung). Man lĂ€sst zu der ammoniakalischen, auf 75Âź C. erhitzten Lösung aus einer BĂŒbette eine titrirte Lösung von Natriumsulfid fliessen, bis die letzte Spur von BlaufĂ€rbung verschwunden ist.

Die Natriumsulfid -Lösung wird experimentell durch reines Kupfer, genau unter den bei der Analyse herrschenden UmstÀnden, eingestellt.

Pelouze, der Erfinder des Verfahrens, drĂŒckt die Zusammensetzung des Niederschlages durch die Formel 5CuS + CuO aus. Die Existenz eines solchen oder ĂŒberhaupt eines Kupferoxysulfides erscheint jedoch nicht genĂŒgend erwiesen. Nach neueren Untersuchungen 8) ist der Niederschlag vielmehr als ein Gemisch von Cupround Cupri -Sulfid zu betrachten, dessen Bildung durch folgende Formeln verstĂ€ndlich wird: CuS-fCuOCugO + S; CugO + NaS + H2O CugS + 2NaOH.

Nach dem allgemeineD Plane unseres Buches gehören die folgenden Bemerkungen in den Abschnitt, welcher die speciellen Scheidungsverfahren behandelt. Wir glauben aber uns nicht zu streng an das Schema binden zu sollen, wenn diese Bemerkungen im Zusammenhange mit dem bereits Gelernten verstÀndlich sind.

Pelouze: Ann. de eh. et de phys. [3J 16 (1846), 417, u. 17 (1846), 393; /. prakt. Ch. 37 (1846), 449, u. 38 (1846), 406; Riegel: Arch. Pharm. [2] 66 (1848), 21; KĂŒ: J. prakt. Ch. 88 (1863), 486.

Th. Kliche: Archiv der Pharm. 228 (1890), 374; /?. 22 (1890), 2859.

Jedenfalls ist seine Zusammensetzung von mancherlei Umstanden, wie Temperatur, Menge freien Ammoniaks, Art und Menge der vorhandenen Ammoniumsalze etc., abhÀngig, so dass man bei dem Versuche und bei der Titerstellung nur schwierig gleich zusammengesetzte FÀllungen erhÀlt. ErfahrungsgemÀss fallen auch trotz aller Vorsicht die Resultate nach dem angegebenen Verfahren ungleichmÀssig aus, so dass es in den am meisten an der Frage interessirten Laboratorien, nÀmlich denjenigen der Kupferwerke, nicht mehr angewandt wird, auch nicht in der spÀter angegebenen) Modification, nicht eine ammoniakalische , sondern eine alkalische Tartrat- lösung zu titriren.

Nach Mohr 2) soll man NiederschlĂ€ge von constanter Zusammensetzung erhalten, wenn man bei der FĂ€llung eine 35 — 40 nicht ĂŒbersteigende Temperatur anwendet.

Neuerdings ist das Verfahren mit den Modificationen empfohlen), dass die FĂ€llung ohne jede Temperaturerhöhung vorgenommen und die Endreaction durch TĂŒpfelversuche mit einer mit EssigsĂ€ure angesĂ€uerten Lösung von Kaliumferrocyanid bestimmt wird.

2. In saurer Lösung*). Die Schwierigkeit des Verfahrens liegt in erster Linie in der Vermeidung von Verlusten an Schwefelwasserstoff, welcher durch die Einwirkung der freien SĂ€ure auf das Natriumsulfid entwickelt wird; diese Verluste sind um so mehr zu befĂŒrchten, als man, um einen leicht sich zusammenballenden und abklĂ€renden Niederschlag zu erhalten, die FlĂŒssigkeit erwĂ€rmen muss.

Man lĂ€sst in die mit heissem Wasser auf etwa 200 cc verdĂŒnnte, stark salzsaure, in einer Yg Flasche befindliche Kupferlösung die Natriumsulfidlösung in kleinen Mengen fliessen und schĂŒttelt die verstopfte Flasche nach jedem ZusĂ€tze heftig um, damit der freigewordene Schwefelwasserstoff absorbirt wird. Durch das UmschĂŒtteln wird auch das Zusammenballen des Niederschlages begĂŒnstigt, so dass an dem Aufhören der Bildung eines solchen die Endreaction zu erkennen ist.

Die Annahme, dass unter diesen UmstÀnden das Kupfer ausschliesslich als Cuprisulfid, CuS, ausfallt, ist nicht zutreffend (vergl. § 896, Nr. 3), und vomit kann man von dieser Modification des Verfahrens keine zuverlÀssigen Resultate erwarten.

916. IL Durch Silbemitrat. Die löslichen Silbersalze reagiren mit einer grossen Anzahl von Sulfiden in dem Sinne, dass Silbersulfid und die den ursprĂŒnglichen Sulfiden entsprechenden löslichen Salze entstehen.

Die Anwendung dieser Reaction ist fĂŒr die Bestimmung des Kupfers

Casamajor: Ann. de eh. et de pkys. [5] 26 (1883), 141. Mohr-Classen: Titrirmethode, 7. Aufl. (1896), S. 523. A. BorntrÀger: Z. angew. Ch. 1898, 517. Mohr-Classen: op. cit. S. 493.

B. Durch Titrimetrie. 33

ebenso wie fĂŒr die Bestimmung des Zinks (§ 676), des Bleis und des Quecksilbers empfohlen.

Was das Kupfer betrifft, so kann das Verfahren nur dann genau sein, wenn das gefÀllte Kupfersulfid von sicher bekannter Zusammensetzung ist.

917. HI. Ferrooyanid Die Kupferlösung wird mit Ammoniak im Ueberschusse behandelt, dann mit EssigsĂ€ure sauer gemacht und in eine Flasche ĂŒbergespĂŒlt; nun lĂ€sst man eine titrirte Lösung von Kalium-Ferrocyanid nach und nach, in kleinen Portionen, jedesmal stark umschĂŒttelnd, einfliessen, bis der letzte Tropfen des Reagens in der geklĂ€rten FlĂŒssigkeit keine TrĂŒbung mehr herv'orruft.

Das Verfahren ist, trotzdem es schon lange bekannt ist, kaum eingehend geprĂŒft, weĂŒ es durch die Gegenwart anderer Metalle, namentlich von Zink und Mangan, beeinflusst wird, ohne dass es sich durch besondere VorzĂŒge vor anderen Verfahren auszeichnet

917a. IV. Dtiroh Kaliumxaiithogeiiat). Man lÀsst in die mit EssigsÀure angesÀuerte Kupferlösung eine titrirte Lösung von Kaliumxanthogenat Aethylkaliumdithiocarbonat] einfliessen, solange noch ein Niederschlag von gelbem Cuprixanthogenat entsteht.

Man verfĂ€hrt genau wie bei der Bestimmung durch Kaliumferrocyanid, d. h. man setzt das Reagens in kleinen Portionen unter heftigem UmschĂŒtteln hindu und beobachtet, ob durch einen weiteren Zusatz des Reagens eine TrĂŒbung entsteht. — Allgemeinere Anwendung hat auch dieses Verfahren nicht gefunden.

918. V. Durch Stannochlorid). Stannochlorid reducirt das Cuprichlorid, besonders in der WĂ€rme, zu Cuprochlorid :

4CuCl2 + SugCl 2CU2CI2 + 2SnCl4. WĂ€hrend das Cuprichlorid, in stark saurer imd heisser Lösung, eine intensiv grĂŒnlichgelbe Farbe besitzt, sind das Cuprochlorid und die Chloride des Zinns farblos. Man kann daher, wenn man eine Lösung von Stannochlorid in eine Lösung von Cuprichlorid fliessen lĂ€sst, das Ende der Reaction an dem Verschwinden jeglicher FĂ€rbung erkennen.

0 Balling: Oesterr. Z. f. B.- u. H.-JV. 29 (1881), 17. Diese und Àhnliche Reactionen sind bereits vor mehr als 60 Jahren von An t hon prakt. Ch. 10 (1837), 353) stndirt worden. Vergl. auch Watson Smith: /. Soc. of ehem. Ind. U (1892), November.

M. Galletti: Nach einer im Jahre 1856 der K. Akad. d. Wiss. in Turin vorgelegten Abhandlung: Rep. de ch. appL 1 (1859), 410.

°) Donath und Hattensaur haben vorgeschlagen, das Kupfer wie das Zink (§ 674) durch Kaliumferrocyanid in ammoniakalischer Tartratlösung zu bestimmen (CÄ.-Z. 14 (1890), 324); die zu Grunde liegende Reaction verlĂ€uft nicht glatt.

H. Schwarz: Dingl, 190 (1868), 220 und 295; 191 (1869), 285; Mansfeldsche O.-B.- u. H.-Dir. Eisleben: Z. anal. Ch. 8 (1869), 39 und 462.

Mulder: Scheik. Verhandel. en Onderz. III. Deel, I. Stuck (1860), 37; F. Weil: C. r. 70 (1870), 993; Z. anal. Ch, 9 (1870), 297 und 17 (1878), 438. - Mulder (1. cit.) wendet als Indicator Indigo an, welcher erst nach vollstÀniger Reduction der Cuprisalze entfÀrbt wird.

De Koninck-Meineke, MineralanaJyse. II. 3

Wie man sieht, ist das Verfahren dem entsprechenden Verfahren der Eisenbestimmung (§ 583) genau nachgebildet. Man fĂŒhrt es in der Art aus, dass man zu der concentrirten Cuprilösung, welche keine Nitrate und keine Ferrisalze enthalten darf, einen sehr reichlichen Ueberschuss von rauchender SalzsĂ€ure giebt, zum Kochen erhitzt und die Stannolösung zufliessen lĂ€sst, ohne das Kochen zu unterbrechen, bis jeder gelbliche Farbenton verschwunden ist).

Man muss sehr schnell und unter möglichstem AusschlĂŒsse der Luft, z. B. in einem kleinen Kolben, arbeiten.

Ueber Bereitung der Stannolösung vergleiche § 584. Der Titer der Lösung kann mit einer abgewogenen Menge von reinem Cuprisulfat (CuSO, 5H2O) bestimmt werden.

Um die Endreaction deutlicher erkennbar zu machen, ist ein Zusatz von Kaliumbromid vorgeschlagen worden. Allerdings hat Cupribromid einen tief dunkelrothen Farbenton; indessen reagirt es mit Stannochlorid ungleichmÀssig, so dass, je nach der Temperatur, das Cupribromid durch das Stannosalz, andererseits aber auch das Stannichlorid durch Cuprobromid reducirt werden kann).

Das Verfahren mit Stannochlorid ist sehr einfach ausfahrbar und wird auch von fremden Metallen, auf deren Gegenwart man rechnen kann, mit Ausnahme von Eisen, nicht beeinflusst. Sehr störend wirkt aber die Neigung des Cuprochlorides , Sauerstoff zu absorbiren, welche dieses Salz in viel höhere Grade besitzt, als das Ferrochlorid.

Pelouze hat, im Zusammenhange mit dem Natriumsulfid -Verfahren (§ 915), vorgeschlagen, das Kupfer in tartroalkalischer Lösung durch Stannochlorid zu titriren; Kupfer wird als Cuprooxyd gefallt und die Endreaction besteht in dem vollstÀndigen Verschwinden der blauen Farbe %

919, VL Durch Kaliumoyanid. Dieses von Parkes) herrĂŒhrende Verfahren beruht darauf, dass die Cupriammoniumsalze in ammoniakalischer Lösung durch Kaliumcyanid in farbloses Kaliumcuprocyanid ĂŒbergenĂŒhrt werden. Die Reaction verlĂ€uft jedoch keineswegs glatt nach einer Formel. Je nach der Menge des vorhandenen freien Ammoniaks, welches nöthig ist, um das Cuprisalz zu lösen, der Menge und Art der vorhandenen Ammoniumsalze, dem Grade der VerdĂŒnnung imd der Temperatur können unberechenbare Nebenreactionen auftreten, z. B. ein Freiwerden von Cyan, welches wiederum mit Ammoniak in Wechselwirkung tritt, unter Bildung complicirter Verbindungen Das Verfahren ist daher

Man wendet mit Vortheil die in Fig. 146 (Band I, S. 202) dargestellte Form der BĂŒbette an.

De Koninck und Lecrenier: nicht veröffentlichte Versuche; veil. auch Fussnote 1 zu § 896, Nr. 2.

Mining J. 1851.

B. Darch Titrimetrie. 35

oft mit mangelnden Erfolgen angewandt, aber auch sehr oft wieder zu erneuten Versuchen aufgenommen worden.

Namentlich bei der Analyse von eisenreichen Substanzen konnte es nie befriedigen, solange man versuchte, das Eisen vom Kupfer durch einfache Ammoniakfallung zu scheiden, nicht allein, weil diese Scheidung langwierig ist, wenn sie vollstĂ€ndig sein soll, sondern namentlich auch, weil sich die Menge der Ammoniumsalze mit Sicherheit nicht bemessen lĂ€sst. — Steinbeck hat aber gezeigt, dass man sehr genaue Resultate erhĂ€lt, wenn man erst das Kupfer durch Zink in metallischem Zustande abscheidet, dasselbe in gemessener Menge SalpetersĂ€ure löst, diese Lösung mit gemessener Menge Ammoniak genĂŒgend ammoniakalisch macht und sie auf ein bestimmtes Volumen oder mit einer gemessenen Menge Wasser ver- dĂŒnnt. Statt durch Zink, kann man das Kupfer auch als Sulfid, z. B. durch Schwefelwasserstoff oder Natriumhyposulfit, abscheiden; es ist dann anzurathen, das filtrirte und ausgewaschene Sulfid zu rösten, das entstandene Oxyd mit SalpetersĂ€ure zu behandehi, die Lösung abzudampfen, den RĂŒckstand in gemessenen Mengen SalpetersĂ€ure, Ammoniak und Wasser aufzunehmen und diese Lösung zu titriren. Es genĂŒgt, die Reagentien und Wasser in Messcylindem abzumessen.

Die Titrirung geschieht in der Art, dass man die titrirte Kaliumcyanidlösung bei gewöhnlicher Temperatur unter bestĂ€ndigem UmrĂŒhren zufliessen lĂ€sst, bis die anfangs intensiv blaue Farbe nur noch schwach erkennbar ist; dann setzt man das Reagens tropfenweise zu, rĂŒhrt tĂŒchtig um und beobachtet nach einigen Secunden, ob noch eine schwache, zuletzt oft leicht violette FĂ€rbung vorhanden ist.

Durch die vorbereitenden Arbeiten hat man es ganz in der Gewalt, sehr kleine FlĂŒssigkeitsmengen zu titriren und das Ende der Reaction auf Zusatz einer sehr kleinen Menge der titrirten Lösung zu erkennen.

Der Titer der Kaliumcyanidlösung wird experimentell gestellt, am besten mit reinem Kupfer; zur Herstellung der Lösung wendet man die gleichen Mengen SalpetersĂ€ure, Ammoniak und Wasser, alles mit einem Messcylinder abgemessen, wie bei Herstellung der zu bestimmenden Kupferlösung, an. — Je nach dem Gehalte des zur VerfĂŒgung stehenden Kaliumcyanides wendet man 20 bis 25 gr des Salzes fĂŒr Herstellung von 1 Liter einer Lösung mit dem ungefĂ€hren Titer Tcu 0,006 gr an.

Von fremden gelösten Metallen sind Blei, Antimon imd Arsen von keinem merkbaren EinflĂŒsse auf die Titrirung; andere Metalle können unter den obwaltenden UmstĂ€nden kaum in Betracht kommen.

Die Cyankaliumlösung behĂ€lt ihren Titer sehr lange Zeit, Monate lang, wenn sie sorgfĂ€ltig, gegen Luft und Licht möglichst geschĂŒtzt, aufbewahrt wird. Bei hĂ€ufiger Benutzung empfiehlt sich die Aufbewahrung in schwarzen Standflaschen mit Hebervorrichtung und unter einer Schicht von Vaselinöl.

BezĂŒglich verschiedener Modificationen des Verfahrens verweisen wir auf die Litteratur untenstehender Fussnote), und bemerken nur noch, dass sich nach De Koninck und Olivier*) zur Titration auch eine alkalische Tartratlösung eignet, welche man durch Seignette-Salz und das Hydrat oder Carbonat, oder besser Bicarbonat, eines Alkali erhĂ€lt.

920. VIL Duroh Ealiumjodid). Die Cuprisalze geben bei der Reaction mit Kaliumjodid Cuprojodid und Jod in proportionalen Mengen. Bestimmt man das letztere, so erfÀhrt man die entsprechende Menge Kupfer.

Um befriedigende Resultate zu erhalten, giebt R. Fresenius*) die folgenden Bedingungen an.

Man bringt 10 cc der Jodidlösung (1 : 10) und dann die schwach saure, concentrirte Cuprilösung, welche 0,1 bis 0,2 gr Kupfer als Sulfat enthÀlt, in eine Flasche mit eingeschliffenem Stopfen; man verstopft die Flasche, lÀsst die Einwirkung etwa 10 Minuten dauern und titrirt dann das Jod durch Natriumhyposulfit, mit StÀrke als Indicator (§ 532).

Die Hyposulfitlösung wird in der bei der Bestinunung der Chromate angegebenen Weise bereitet (§ 533).

Die Gegenwart von SalzsĂ€ure ist fĂŒr die Bestimmung des Kupfers nachtheilig; es ist klar, dass das Verfahren bei Anwesenheit von Salpeter- sĂ€ure, Prrisalzen etc. nicht anwendbar ist. Welche Vorsicht man auch anwenden mag, ganz genaue Resultate erhĂ€lt man niemals. Indessen ist das Verfahren von verschiedenen Autoren empfohlen worden). Neuerdings hat M. Willenz) empfohlen, die essigsaure Lösung, welche man durch UebersĂ€ttigen mit Ammoniak und dann mit EssigsĂ€ure erhĂ€lt, mit Kaliumjodid zu behandeln.

Zu untersuchen wĂ€re, ob man nicht bessere Resultate erhĂ€lt, wenn man dem Verfahren die fĂŒr die jodometrische Bestimmung des Eisens empfohlene Form giebt (§ 587).

92 VIII. Durch Ammoniumsulfocyanid In Gegenwart von Reductionsmitteln, besonders in Gegenwart von schwefliger SĂ€ure oder eines Alkalisulfites, werden Cuprisalze durch Sulfocyanide vollstĂ€ndig gefallt (§ 901). Man könnte auf diese Reaction eine directe Titrirung grĂŒnden, wenn nicht die Gegenwart des Reductionsmittels die Anwendung eines Ferrisalzes als Indicator hinderte. Deshalb wendet der Autor des

') Fleck: Pofyt. Centrhl. 1859, 1313; Wolfskron: Oest. Z, f. B.- u. H.-IV. 13 (18G5), Nr. 20; Kirpitschow: Z. Ch. [2] 7, 207; Flajolot: Ann. d. MIO (1857), 65 u. A. m.

Nicht veröffentlichte Versuche.

De Haen: Ann. 91 (1854), 237; Lobry de Bruyn und van Leent: Rev. trav. ch. des Pays-Bas 10 (1891), 119; E. O. Brown: Ch. Soc. Quart. J. 10 (1857), 65.

Anl. z. quant. ch. Anal., 6. Aufl. (1875), I., S. 335.

Lobry de Bruyn und van Leent: 1. cit.

B. Durch Titrimetrie. 37

Verfahrens die ZurĂŒcktitrirung an. Man setzt also einen Ueberschuss des Sulfocyanides zu und bestimmt dann diesen Ueberschuss durch Silbernitrat, nachdem man den Niederschlag des Cuprosulfocyanides entfernt hat.

Behufs AusfĂŒhrung einer Bestimmung nach diesem Verfahren bringt man die Cuprilösung, welche von jeder Spur von Chloriden sowohl wie von Nitraten frei sein muss, das Kupfer also nur in Form von Sulfat enthalten darf, in einen geaichten Kolben von 250 oder 500 cc Inhalt; dazu setzt man einen geringen Ueberschuss von schwefliger SĂ€ure; dann erwĂ€rmt man und lĂ€sst einen Ueberschuss einer titrirten Lösung von Ammonium - Sulfocyanid zufliessen. Nun fĂŒllt man mit Wasser bis an- nĂ€hernd zur Marke auf, mischt durch tĂŒchtiges SchĂŒtteln und kĂŒhlt die FlĂŒssigkeit ab. Hat diese die Temperatur des Arbeitsraumes angenommen, so fĂŒllt man genau bis zur Marke auf (Marke auf Einguss), mischt nochmals, filtrirt durch ein trockenes Filter, welches in einen vollkommen trockenen Trichter eingesetzt ist, und fangs das Filtrat in einem durchaus trockenen GefĂ€sse auf (partielle Filtration). Von dem klaren Filtrate entninunt man 100 oder 200 cc, setzt eine Lösung von Eisenalaim (Ammonium-Ferri- Sulfat) hindu, bis eine dauernde RothfĂ€rbung durch Fern -Sulfocyanid entsteht imd lĂ€sst eine titrirte (z. B. normale) Lösung von Silbemitrat zufliessen, bis die FĂ€rbung vollkommen verschwunden ist.

Das Ergebniss dieser ZurĂŒcktitrirung muss mit der Zahl, welche das VerhĂ€ltniss zwischen dem Gesammtvolumen und dem Volumen der in Arbeit genommenen FlĂŒssigkeit giebt, multiplicirt werden.

Das Volumen des Niederschlages kann unberĂŒcksichtigt bleiben.

Herstellung der Lösungen. Die Silbemitrat-Lösung wird nach der directed Methode bereitet.

Die Lösung des Ammonium- Sulfocyanides erhĂ€lt man, indem man etwa 8 gr des kĂ€uflichen PrĂ€parates auf 1 Liter FlĂŒssigkeit löst; ihren Titer bestimmt man durch die Silberlösung, indem man nach Zusatz von verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure und von Eisenalaun als Indicator verfĂ€hrt, wie oben angegeben ist.

922 IX. Durch FĂ€llung als Cuprooxyd und Bestinmiung des letzteren mittels Ferrisalze. Das Verfahren umfasst zwei verschiedene Operationen, von welchen jede mit verschiedenen HĂŒlfsmitteln ausgefĂŒhrt werden kann; aus den verschiedenen möglichen Combinationen lassen sich also verschiedene Verfahren ableiten.

Gewinnung des Cuprooxydes. Mittel). Man versetzt die Cuprilösung mit einem Alkalitartrate, z. B. mit Seignette-Salz, und dann mit einem Alkalihydrate. Nun erwÀrmt man auf dem Wasserbade und giebt Milchzucker oder Glykose hindu (siege § 903).

Bei dieser Operation können organische Substanzen mitgerissen werden, wodurch das Endresultat fehlerhaft wird.

') H. Schwarz: Ann. 84 (1852), 84; Drn/. 190 (1868), 222,

2*" Mittel). Man fÀllt das Kupfer durch ein Alkali -Sulfocyanid und schweflige SÀure (siege § 901), sammelt den Niederschlag und behandelt ihn in der WÀrme mit einem Alkalihydrate.

Bestimmung des Cuprooxydes. Mittel. Der gut ausgewaschene Cuprooxyd-Niederschlag wird mit dem Filter in eine Lösung von Ferrisulfat oder Eisenalaun, welche stark mit SchwefelsÀure angesÀuert ist, gebracht*). Das Oxyd löst sich auf, wobei es einen Theil des Ferrisalzes zu Ferrosalz reducirt:

Nach beendigter Auflösung titrirt man das Ferrosalz mit Kaliumpermanganat.

2*" Mittel. Der ausgewaschene Niederschlag wird mit einer sauren Lösung von Ferrichlorid behandelt:

CujO + + 2 HCl 2 CuClj -f- FeCl + HgO. Dann bestimmt man das P"'errochlorid durch Titriren mit Kaliumchromat oder -Dichromat (s. § 594).

Da das Kaliumpermanganat gegen organische Substanzen empfindlicher ist als die ChromsĂ€ure, so verdient das zweite Mittel den Vorzug, wenn das Cuprooxyd durch das erste Mittel erhalten war. Dagegen bringt die Titrirung mit einem Chromate den Uebelstand mit sich, dass man zum Erkennen der Endreaction auf einen TĂŒpfelversuch angewiesen ist.

923. X. Durch FÀllung als Cuprojodid und Bestimmung des letzteren mittels eines Ferrisalzes Dieses Verfahren ist dem vorigen analog. Man setzt zu der Cuprilösung einen Ueberschuss von Stannochlorid, dann, um das Absitzen des spÀter entstehenden Niederschlages zu befördern, Ammoniumchlorid, und endlich Kaliumjodid, von letzterem einen zu grossen Ueberschuss möglichst vermeidend.

Nach lÀngerem ruhigen Stehen sammelt man den Cuprojodid-Niederschlag auf einem Filter, wÀ ihn mit einer Lösung von Ammoniumchlorid bringt ihn in einen Kolben, in welchem sich eine Lösung von Ferrisulfat befindet, und erhitzt zum Sieden. Es findet folgende Reaction statt:

Cuj2 + 2 2CuS0, + + 2J. Das Kochen setzt man so lange fort, am besten unter Zuleitung eines Stromes von Wasserdampf, bis das Jod vollstÀndig ausgetrieben ist. Dann bestimmt man das Ferrosalz durch Pemianganat oder Chromat.

Es ist ersichtlich, dass die einer gegebenen Menge Kupfer entsprechende Menge Ferrosalz hier doppelt so gross ist, als sie bei dem vorigen Verfahren war.

— Ohne ein besonderes Verfahren construiren zu wollen, bemerken

E. Fleischer: Ch. N. 19 (1869), 206; Z. anal. Ch. 9 (1870), 255.

E. Fleischer: 1. cit.

Zum Sammeln des Cuproniederschlages bedient man sich mit Vortheil eines Gooch 'sehen Tiegels und einer Saugpumpe.

Mit reinem Wasser geht der Niederschlag trĂŒb durch. Auch bei dieser Filtration sind ein Gooch 'scher Tiegel und eine Saugpumpe am Platze.

C. Durch Colorimetrie. 39

wir, mit dem Autor des Verfahrens, dass man auch, bei Anwendung eines Destillationsapparates, das ĂŒbergehende Jod sammeln und durch Natriumhyposulfit oder Alkaliarsenit bestimmen kann.

— Auch könnte man das Kupfer durch Kaliumjodid und eine abgemessene Menge einer titrirten Lösung von Stannochlorid fallen und es durch ZurĂŒcktitriren des Stannochlorides in dem Filtrate durch Jod) bestimmen.

924 XI. Durch FaUung des Kupfers als Metall und Bestiinmung desselben mittels eines Ferrisalzes). Die saure, salzsaure oder schwefelsaure Lösung wird mit reinem Zink (oder Cadmium) behandelt, wodurch das Kupfer als Metallschwamm gefallt wird. Nach Entfernung des ZinkĂŒberschusses sammelt man das Kupfer, wĂ€ es schnell aus und behandelt es bei Luftabschluss mit einer sauren Lösung von Ferrichlorid:

Cu + Fe2CV, CuCl2 + FegCl. Dann bestimmt man das Ferrochlorid durch Permanganat oder Chromat.

Das Kupfer löst sich in dem Ferrichloride nur langsam auf; man kann diese Reaction durch ErwÀrmen beschleunigen.

Wie man sieht, ist auch dieses Verfahren dem Verfahren IX analog.

925* XIL Durch metallisches Eisen. Die sehr schwach saure, von Nitraten und Ferrisalzen freie Lösung \vird in einem geschlossenen Kölbchen unter Luftabschluss mit blanket Eisendraht behandelt:

2 CuSO + 2 Fe 2 Cu -f Nach beendigter FĂ€llung bestimmt man das Ferrosalz, wie oben angegeben.

925 a. Bemerkung. Von diesen zahlreichen Verfahren kann, hinsichtlich der Genauigkeit, keynes mit den besten gravimetrischen Verfahren, besonders mit den elektrolytischen und dem auf der FĂ€llung durch Schwefelwasserstoff beruhenden, den Kampf aufnehmen. Die meisten von ihnen sind in den HandbĂŒchern der Analyse nicht einmal beschrieben.

R. Fresenius beschreibt in der 6. Auflage seiner vortrefif liehen Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse (1875) detaillirt nur die Verfahren von De Haen (VII), von Parkes (VI), von Pelouze (I) und von Weil (V).

In der 2. Auflage von Chemisch -technische Analyse von J. Post (1888 — 91) werden nur die Verfahren von Volhard (VIII), von Parkes und von Weil citirt.

Die Wichtigkeit des Gegenstandes hat uns veranlasst, diesen Theil weiter auszufĂŒhren und auch solche Verfahren, welche heute verlassen sind, anzugeben.

C. Durch Colorimetrie. 926* Durch Ammoniak. Das Verfahren beruht darauf, dass

-) Carl Mohr: Ann. 92 (1854), 97; Ann. de eh. et de phys. [3] 48 (1854), 352.

40 Wismuth. Eigenschaften des Wismuths.

Cuprisalze in Ammoniak mit intensiv blauer Farbe löslich sind. Es ist schon sehr alt).

Bei seiner Anwendung muss man sich in Erinnerung halten, dass der Farbenton der Lösung mit der Natur des Cuprisalzes und mit der Menge des Ammoniaks wechselt (§ 896, Nr. 5). Man wird daher am besten mit einer Farbenscala und nicht durch VerdĂŒnnung oder mit einem Colorimeter arbeiten; man wird femer darauf Bedacht nehmen, dass zur Farbenscala Sulfat oder Chlorid oder Nitrat verwandt wird, je nachdem die zu analysirende Substanz schwefel-, salzoder salpetersauer ist, sowie darauf, dass alle FlĂŒssigkeiten gleichen Ammoniakgehalt haben.

— Bei sehr kleinen Kupfermengen könnte man vielleicht auch die FĂ€rbung benutzen, welche in sauren Cuprilösungen entweder durch Schwefelwasserstoff 2) oder durch Kaliumferrocyanid hervorgerufen wird.

Wismuth.

Eigenschaften des Wismuths.

927. 1*. Das Wismuth ist ein röthlichweisses, kr\'slallinisches, zerreibliches Metall. Es schmilzt bei 267Âź, verflĂŒchtigt sich erst bei Weissgluth. Es bietet ausgesprochene Analogien mit dem Antimon.

Bei Luftzutritt geschmolzen wird es in Oxyd, BijOg, umgewandelt, welches, wie BleiglÀtte, gelblich und schmelzbar ist.

2. SalzsÀure greift das Wismuth nicht an, wenn nicht gleichzeitig die Luft einwirkt, wie es auch bei Antimon der Fall ist"*). Salpeter- sÀure löst es unter Bildung von Nitrat:

Bi -f 4 HNO3 -r -f N( ) + 2 K,0. Königswasser fĂŒhrt es in Chlorid ĂŒber. Concentrirte, heisse Schwefel- sĂ€ure löst es unter Entwickelung von schwefliger SĂ€ure: 2 Bi + G Jg + 6 HgO + 3 SO.

3. Das Wismuth bildet nur ein basisches Oxyd: Bismuthioxyd Bi203, und die entsprechende Reihe von Salzen. Die frĂŒher fĂŒr Bismuthooxyd, BigOa, gehaltene Substanz ist als Metall erkannt (siege § 928, Nr. 13).

Ausserdem bildet das Wismuth eine WismuthsĂ€ure HBiOg, das entsprechende Anhydrid Big O5 und ein Superoxyd Bi204. Ausser der Anwendung der SĂ€ure zur Bestimmimg des Mangans (§ G45) und der FĂ€llung des Superoxydhydrates durch ammoniakalisches Wasserstoffsuperoxyd (§ 928, Nr. 6) haben diese Verbindungen fĂŒr die Analyse keine Wichtigkeit.

') Jacquelain: 6". r. 22 (1846), Casaceca: 6*. r. 26 (1848),273; Pelouze: ebeudas. S. 275; Heine: Bergwfrd. 1, 33 u. 17, 405; Jahrb. k.k,geoLR.'A.\ (1850), 415.

-') Et. Olivier: nicht veröffentlichte Versuche.

') A. Ditte und R. Metzner: C. r. 115 1303.

Eigenschaften der Bismuthisalzc. 41

Eigenschaften der Bismuthisalze.

928. 1. Die Bismuthisalze sind farblos.

2*. Die löslichen Salze werden durch Wasser zersetzt; es bildet sich unlösliches basisches Salz und freie SÀure , welche die weitere Zersetzung hinder:

+ 2 K3O + 2 HNO3. Um ein Bismuthisalz aufzulösen, muss man daher Wasser, welches reichlich mit SÀure versetzt ist, anwenden.

Setzt man zu der Lösung eines Bismuthisalzes, welche keine sehr betrÀchtliche Menge SÀure enthÀlt, Wasser, so veranlasst dieses die Bildung und FÀllung eines basischen Salzes; diese Reaction ist besonders scharf bei dem Chloride:

BiCle + HO BiOCl + 2 HCl.

Man erhĂ€lt daher schon bei Zusatz der Lösung eines Chlorides, z. B. von Ammoniumchlorid, und selbst von verdĂŒnnter SalzsĂ€ure, zu einer Lösung von Bismuthinitrat einen weissen Niederschlag von Oxychlorid.

Alkalitartrate hinder die FĂ€llung der basischen Salze nicht.

3*. Die Bismuthilösimgen geben, wenn sie von einem sehr grossen SĂ€ureĂŒberschusse frei sind, mit Schwefelwasserstoff einen braunschwarzen Niederschlag von Bismuthisulfid BigSg:

Dieses Sulfid ist in nicht zu concentrirten Alkalisulfiden, in ver- dĂŒnnten kalten SĂ€uren, in Alkalien und in Kaliumcyanid unlöslich; dagegen ist es löslich in concentrirten SĂ€uren, namentlich SalpetersĂ€ure, und auch in einer sehr concentrirten Lösung von Kaliumsulfid, mit welchem es ein krystallisirbares Doppelsulfid Bi2S3, 4K2S,4H20 bildet. Die Lösung dieses Doppelsulfides ist roth und wird von Wasser zersetzt).

4. Alkalisulfide wirken in gleicher Weise wie Schwefelwasserstoff:

5. Ammoniak fĂ€llt weisses Bismuthihydrat welches in einem Ueberschusse des Reagens unlöslich ist. Nach lĂ€ngerem Stehen des FlĂŒssigkeitsgemisches geht es theilweise, nach dem Trocknen bei 100 vollstĂ€ndig in Bismuthimetahydrat ĂŒber 2).

Dieses Hydrat wird beim Behandeln mit einer alkalischen Stanno- lösung schwarz (siege unten, Nr. 13). Man hĂŒte sich vor einer Verwechselung mit Mercurisalzen, welche ein ganz Ă€hnliches Verhalten zeigen.

6. Die Alkalihydrate geben die gleiche Reaction wie Ammoniak, jedoch ist der Niederschlag in einem Ueberschusse von Alkalien, besonders in der WÀrme, löslich).

Durch gleichzeitige Einwirkung von Ammoniak oder Alkalien und

A. Ditte: C r, 120 (1895), 186; A. Westphal: unveröffentlichte Versuche. A. Westphal: nicht veröffentlichte Untersuchungen; siege auch Arppe: Pogg, Ann. 64 (1847), 237.

A. Westphal: nicht veröffentlichte Beobachtung.

Wasserstoffsuperoxyd entsteht ein gelber Niederschlag von Superoxydhydrat, welches beim GlĂŒhen Bismuthioxyd hinterlĂ€sst.

7. Natriumcarbonat fallt weisses, voluminöses, basisches Carbonat Big welches in einem Ueberschusse des Reagens un- löslich ist. Die FĂ€llung wird durch WĂ€rme begĂŒnstigt.

8. Dieselbe Reaction tritt mit Ammoniumcarbonat ein.

9. Auf Zusatz von Alkalichromat oder -Dichromat zu Bismuthi- lösungen erfolgt FĂ€llung von Bismuthichromat als gelber, schon in ge- nĂŒgend verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure oder SalzsĂ€ure löslicher Niederschlag. Die Zusammensetzung des Chromates schwankt je nach den UmstĂ€nden, unter welchen es entstanden ist); in der Regel ist es ein basisches, oder normales, Chromat:

2 + K2Cr207 + 2 HgO + 2 KNO3 + 4 HNO3. Die Wismuthchromate sind in Ammoniak unlöslich, in den fixed Alkalihydraten, namentlich bei Einwirkung der WÀrme, aber löslich*).

10. Phosphate und Arsenate geben weisse NiederschlĂ€ge von Bismuthi- Phosphat und -Arsenat, welche in verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure nur wenig löslich sind.

11. JodsÀure und Alkalijodate fÀllen die Bismuthisalze ebenfalls (siege § 943).

12. Kaliumjodid erzeugt in Bismuthilösungen einen grauschwarzen Niederschlag, welcher mit gefĂ€lltem Jod Aehnlichkeit hat; er ist Bismuthijodid Bijj. In einem Ueberschusse des Reagens löst sich derselbe leicht zu einer intensiv orangegelben FlĂŒssigkeit auf.

Cadmiumjodid ruft denselben Niederschlag hervor; ein Ueberschuss dieses Reagens löst ihn aber nicht oder nur sehr wenig.

In sehr verdĂŒnnten, schwach sauren Lösungen entsteht durch Kaliumjodid, besonders bei gleichzeitiger Einwirkung von WĂ€rme, ein orangefarbener Niederschlag von Oxyjodid BiOJ.

12a. Unterphosphorige SÀure, hydroschweflige SÀure und manche andere stark reducirend wirkende Reagentien fÀllen metallisches Wismuth. Der Niederschlag entsteht nicht in Gegenwart von WasserslofEsuperoxyd oder er verschwindet auf nachtrÀglichen Zusatz dieses Reagens. In der WÀrme und bei Anwesenheit von Alkali fÀllt auch Formaldehyd das Wismuth als Metall).

13*. Wenn man in eine alkalische Stannolösung, welche man durch Zusatz eines grossen Ueberschusses von Natriumhydrat zu einer Lösung von Stannochlorid dargestellt hat, eine Bismuthilösung giesst, so entsteht fast unmittelbar ein intensiv schwarzer Niederschlag, welchen man bisher fĂŒr Bismuthooxyd BigOg hielt Die Anwesenheit von Tartraten hinder die Reaction nicht. Nach L. Vanino und F. Treubert*)

'-) A. Westphal: unveröffentlichte Versuche.

L. Vanino und F. Treubert: B. 31 (1898), 1303 und 82 (1899), 1072.

A. Durch WĂ€gung. 43

ist der Niederschlag metallisches Wismuth, welches nach den Versuchen von A. Westphal auf Grund folgender Reaction entsteht): 2 + 6 NaOH 2 + 6 NaNOg, 2 + 3 NajSnOg 2 Bi + 3 NagSnOg + 3 RO.

14. Die Bismuthisalze fÀrben Flussmittel nicht.

15*. Auf Kohle oder einem KohlenstĂ€chen in der reducirenden Flamme mit einem der ĂŒblichen Flussmitlel erhitzt, geben Wismuthverbindungen Körner von metallischem Wismuth; gleichzeitig setzt sich auf der Kohle ein schwacher, gelblicher Beschlag ab, welcher in der Hitze dunkler gefĂ€rbt ist, als nach dem Erkalten.

16*. Auf Kohle mit einem Gemische gleicher Volumina von Schwefel und Kaliumjodid erhitzt, geben Wismuthverbindungen einen charakteristischen rothen Beschlag von Bismuthijodid

Im geschlossenen Rohre mit einem Gemische von 5 Gewichtstheilen Schwefel und 1 Gewichtstheil Kaliumjodid erhitzt, setzen Wismuthverbindungen, in ziemlich grosser Entfernung von der Erhitzungsstelle, einen rothen Ring von Jodid ab.

17*. Nach Bunsen's Verfahren geben die reducirbaren Wismuthsalze imverkennbare BeschlĂ€ge von Metall, Oxyd, Jodid und Sulfid (siege Tabelle Bd.I, S. 184). Der Metallbeschlag ist schwarz, an den RĂ€ndern braun; er löst sich langsam in verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure. Der Oxydbc schlag ist gelb und wenig in die Augen fallen; mit einer alkalischen Stannolösung befeuchtet, giebt er intensiv schwarzes Wismuthmetall; kein anderes Oxyd weist eine Ă€hnliche Reaction auf. Der Jodidbeschlag ist ausserordentlich charakteristisch; er zeigt Farbentöne von Braunschwarz auf Braun, Roth oder Rosa, je nach der StĂ€rke seiner Ablagerung; er verschwindet unter dem EinflĂŒsse von Wasserdampf, erscheint aber nach dem Trocknen wieder. Durch AmmoniakdĂ€mpfe geht die Farbe in Gelb ĂŒber (Oxyjodid?); durch ErwĂ€rmen wird der Beschlag wieder braun. Der Sulfidbeschlag ist braun.

WÀhrend der Reduction der Wismuthverbindungen in der Flamme erscheint der obere Theil derselben blÀulich gefÀrbt.

Bestimmung des Vismuths. A. Durch WĂ€gung. 929 I. Durch QlĂŒhen. Das Hydrat, das Superoxydhydrat, das Carbonat und die Nitrate des Wismuths können, wenn sie nicht von feuerbestĂ€ndigen und reducirenden Substanzen begleitet sind, durch einfaches GlĂŒhen in Oxyd Bi203 ĂŒbergenĂŒhrt werden.

Bei hoher Temperatur schmilzt das Oxyd imd greift Porzellan heftig an.

Siehe auch Biltz: EinfĂŒhrung in die unorg. Chemie (Kiel, 1898), S. 101. von Kobell: Sitzber. d. k. hayr. Akad. d. Wiss. 1871, 167; B. Cornwell: Ch. N. 26 (1872), 150.

930. n. Durch UeberfĂŒ in basiBches Nitrat). Man

dampft die Lösung, welche das Wismuth als Nitrat und keine andere SĂ€ure als SalpetersĂ€ure oder EssigsĂ€ure enthalten soll, beinahe zur Trockne; den RĂŒckstand nimmt man mit Wasser auf, welches man wieder durch Verdampfen verjagt, und wiederholt diese Operation zwei-oder dreimal, bis die entweichenden DĂ€mpfe nicht mehr sauer reagiren. Schliesslich nimmt man den RĂŒckstand nĂŒt einer 2 böigen Ammoniumnitrat -Lösung auf, sammelt das basische Nitrat auf einem Filter und wĂ€ es mit der gleichen Lösung aus.

Nach dem Trocknen fĂŒhrt man das Nitrat, nach L, durch GlĂŒhen in Oxyd ĂŒber. ZunĂ€ verascht man das Filter und behandelt das Product, welches metallisches Wismuth enthĂ€lt, mit etwas SalpetersĂ€ure; dann verjagt man den Ueberschuss der SĂ€ure, fĂŒgt die Hauptmenge des Niederschlages hindu und glĂŒht das Ganze..

Man kann auch die vom Filter mechanisch nicht entfernbaren kleinen Mengen des Niederschlages in SalpetersÀure auflösen (§ 140).

Das basische Wismuthnitrat resist leicht solche Metalle mit sich, welche ebenfalls geneigt sind, basische Salze zu bilden, z. B, Eisen, Quecksilber, Kupfer.

931* in. Dnroh Ammoniumcarbonat. Man behandelt die wĂ€ssrige concentrirte Lösung mit Ammoniumcarbonat in geringem Ueberschusse, lĂ€sst einige Zeit auf dem Wasserbade digeriren und filtrirt. Der mit Wasser ausgewaschene und getrocknete Niederschlag wird unter den oben bei dem basischen Nitrate angegebenen Vorsichtsmaassregeln geglĂŒht.

932* IV. Dnroh SchwefelwaBserstoff. Die Lösung darf keine irgendwie erheblichen Mengen von SalpetersĂ€ure enthalten; eventuell ist sie von dieser durch Abdampfen zu befreien. Sie wird alsdann mit Wasser, welches man, um die Ausscheidung von basischem Salze zu verhindern, mit EssigsĂ€ure versetzt hat, verdĂŒnnt und mit Schwefelwasserstoff, welcher eingeleitet wird, gesĂ€ttigt.

Den Niederschlag sammelt man auf einem gewogenen Filter, wÀ aus, trocknet bei 100 und wÀgt. Ein zu langes Trocknen ist zu vermeiden, weil das Bismuthisulfid leicht Sauerstoff aus der Luft aufnimmt.

Im Allgemeinen ist das Verfahren nicht empfehlenswerth.

Man kann ein GlĂŒhen im Rose* sehen Tiegel, wie bei der Bestimmung des Kupfers, nicht anwenden.

Ein anderes Mittel, dem Niederschlage eine zum WÀgen geeignete Form zu geben, besteht darin, dass man ihn durch Kaliumcyanid reducirt-) und das so entstandene Metall wÀgt.

Man bewirkt die Reduction, indem man den Niederschlag vom Filter entfernt, dieses fĂŒr sich verascht und dann das Ganze in einem Porzellan-

') Löwe: /. praJSrt. Ch. 74 (18,5S), 344.

'-) H. Rose: Pogg. Ann. 91 (1S54). 104, und UO (1860), 136.

A. Durch WĂ€gung. 45

tiegel mit etwa der vier-bis fĂŒnffachen Menge Kaliumcyanid schmilzt; man russ das Schmelzen ziemlich lange und bei hoher Temperatur vornehmen.

Nimmt man die geschmolzene Masse mit Wasser auf, so erhĂ€lt man das Wismuth in Form von KĂŒgelchen, welche man zuerst mit Wasser, dann mit Alkohol abwĂ€, darauf trocknet und wĂ€gt.

Es ist auch vorgeschlagen*), das Sulfid durch ammoniakalisches Mercuricyanid in Oxyd ĂŒberzufĂŒhren.

In der Regel wird man die FĂ€llung durch Schwefelwasserstoff nicht zur Bestimmung, sondern nur zur Scheidung anwenden, das Sulfid wieder in SalpetersĂ€ure lösen und die Bestimmung nach einem anderen Verfahren ausfĂŒhren.

933. V. Durch FĂ€llung als Oxychlorid 2). Die Wismuthlösung wird durch Ammoniak neutralisirt, aber nicht so weit, dass man einen bleibenden Niederschlag erhĂ€lt; ist das Wismuth als Chlorid in der Lösung, so giesst man diese in eine grosse Menge Wasser; ist die Lösung salpetersauer oder schwefelsauer, was besser ist, so nimmt man statt reinen Wassers eine verdĂŒnnte Lösung von Ammoniumchlorid.

Das Wismuth wird als Oxychlorid gefallt. Nachdem sich dieses vollstĂ€ndig abgesetzt hat, ĂŒberzeugt man sich an einem Theile der klaren FlĂŒssigkeit, dass auf Zusatz von Wasser und eines Tropfens Ammoniumchlorid eine weitere TrĂŒbung nicht erfolgt. Den Niederschlag sammelt man auf einem Filter, wĂ€ ihn mit Wasser aus und trocknet und schmilzt ihn mit Kaliumcyanid wie bei dem vorigen Verfahren; das Schmelzen kann aber bei niedrigerer Temperatur geschehen und die Reduction erfolgt leichter und schneller.

Das reducirte Wismuth wird gewogen.

934. VL Durch Blei. Man behandelt die saure, essigsaure Lösung mit einem ganz blanket Streifen Blei. Das Wismuth wird gefallt. Ist das vollstĂ€ndig geschehen, so nimmt man den Bleistreifen heraus, wĂ€ das gefĂ€llte Metall durch Decantation mit kaltem, vorher ausgekochtem Wasser aus und spĂŒlt es in eine gewogene Schale. Die letzten, nach dem Abgiessen verbleibenden Reste von Wasser entfernt man durch Verdampfen; man wĂ€gt schliesslich entweder das bei 150Âź getrocknete Metall oder das Oxyd, welches man erhĂ€lt, wenn man das Metall mit SalpetersĂ€ure behandelt, die Lösung zur Trockne dampft und das Product glĂŒht.

Man wendet dieses Verfahren bei schnell auszufĂŒhrenden Bestimmungen zu Betriebszwecken an, besonders in Gegenwart von Blei.

935. VIL Als Arsenal). Die Lösung wird möglichst genau

F. W. Schmidt: siege § 578.

Salkowski:/./ra>&/. Ch, 104 (1868), 170.

mit Ammoniak neutralisirt, dann mit ArsensÀure oder einem Alkaliarsenate und schliesslich mit reichlichen Mengen Wasser versetzt Der Niederschlag wird auf ein tarirtes Filter gebracht, bei 120Ÿ getrocknet und gewogen. Das Product entspricht der Formel BiAs04, YgHgO.

Man kann den Niederschlag auch glĂŒhen. Zu dem Zwecke entfernt man ihn möglichst vollstĂ€ndig vom Filter, verascht dieses mit grösister Vorsicht, so dass möglichst keine Reduction stattfindet, befeuchtet die Asche mit concentrirter SalpetersĂ€ure, verdampft diese, vereinigt den RĂŒckstand mit dem Hauptniederschlage und glĂŒht. Das wasserfreie Arsenat entspricht der Formel BiAs04.

Obwohl das Verfahren seinem Autor nicht sehr genaue Resultate gegeben hat, scheint es doch in RĂŒcksicht auf seine Einfachheit einer wiederholten PrĂŒfung werth.

Vielleicht könnte man die ArsensÀure durch PhosphorsÀure oder, besser noch, durch Ammoniumphosphat ersetzen.

936. VIII. Als Chromat 1). Die das Wismuth als Nitrat enthaltende Lösung wird durch Abdampfen möglichst neutralisirt und dann in einen nicht gar zu grossen Ueberschuss einer heissen Lösung von Kalium- (oder Ammonium-?) Dichromat gegossen.

Man erhitzt einige Minuten auf Siedehitze. Der Niederschlag, welcher orange und in seiner ganzen Masse dicht sein muss, wird auf einem tarirten Filter gesanmielt, nachdem er vorher durch Decantiren mit heissem Wasser ausgewaschen war, bei 120° getrocknet und gewogen.

Das Verfahren leidet an dem Uebelstande, dass es verschiedene Bismuthichromate giebt 2).

937. IX. Als Sulfat. Man behandelt die Wismuth Verbindung, welche keine anderen Metalle sowie keine durch SchwefelsĂ€ure nicht zersetzbaren und nicht flĂŒchtigen Substanzen enthalten darf, mit SchwefelsĂ€ure, dampft die Sulfatlösung in einer gewogenen Platinschale ab und wĂ€gt das Wismuth als Sulfat, nachdem die letzten Reste von SchwefelsĂ€ure durch schwaches GlĂŒhen entfernt worden sind.

Marignac) hat dieses Verfahren zur Bestimmung des Atomgewichtes des Wismuths angewandt. Bailey**) sowohl wie A. Classen) bestreiten seine völlige ZuverlÀssigkeit, weil bei einer Temperatur, welche zum vollstÀndigen Verjagen der freien SchwefelsÀure erforderlich ist, schön eine Zersetzung des normalen Sulfates beginnen kann.

938. X. Durch Elektrolyse in Oxalatlö Es hÀlt sehr schwer, das Wismuth als zusammenhÀngenden und am Platin fest-

Pearson: Phil. Mag. [4] 11 (1856), 204; Baumann: Z. angew. Ch. 1891, 330-

J.praki. Ch. [N. F.] 43 (1891), 133; Z. anal. Ch. 30 (1891), 396.

Classen und von Reis: B. 14 (1881), 1626; Classen: op. cit. S. 77.

A. Durch WĂ€gung. 47

haftenden Niederschlag zu erhalten; fĂŒr alle FĂ€lle muss man eine zu dicke Auflagerung vermeiden, indem man die ElektrodenflĂ€che recht gross wĂ€hlt und nicht zu grosse Mengen Wismuth in Arbeit nimmt.

Man setzt zu der Wismuthlösung einen grossen Ueberschuss von Ammoniumoxalat und elektrolysirt kalt durch einen sehr schwachen Strom, welcher am Voltameter in der Minute etwa 0,1 cc Knallgas giebt.

Zu Beginn der Operation kommt es leicht vor, dass sich an der positive Elektrode ein Niederschlag von Wismuthsuperoxyd abscheidet, derselbe verschwindet aber nach und nach von selbst.

Der Wismuthniederschlag wird bei unterbrochenem Strome zuerst mit Wasser, dann mit reinem absolute Alkohol ausgewaschen, bei niedriger Temperatur getrocknet und gewogen.

Wenn sich beim Auswaschen Theilchen des Niederschlages abblĂ€ttern, so sammelt man sie auf einem Filter und wĂ€gt das Oxyd, welches man durch Behandeln mit SalpetersĂ€ure und GlĂŒhen des Nitrates erhĂ€lt.

938 a. XL Durch Elektrolyse in Fyrophosphatlösang. Nach RĂŒdorff verfĂ€hrt man am besten so, dass man die Nitratlösung, welche höchstens 0,1 gr des Metalles und nur wenig freie SalpetersĂ€ure enthalten darf, mit einer gesĂ€ttigten Lösung von Natriumpyrophosphat versetzt, bis der anfangs entstandene Niederschlag sich wieder gelöst hat, wozu auf 0,1 gr Wismuth etwa 50 cc erforderlich sind, dann 20 cc einer ge- sĂ€ttigten Lösung von Kaliumoxalat, 20 cc einer gesĂ€ttigten Kaliumsulfat- lösung und so viel Wasser zusetzt, dass das FlĂŒssigkeitsquantum etwa 120 cc betrĂ€gt. Diese Lösung wird mit einem Strome von 4 Meidinger- Elementen elektrolysirt. Das Wismuth, welches oft erst nach 20 Stunden vollstĂ€ndig gefĂ€llt ist, wird durch Behandeln mit SalpetersĂ€ure und GlĂŒhen des Nitrats in Oxyd ĂŒbergenĂŒhrt und als solches gewogen.

939. XII. Durch Elektrolyse in jodirter Lösung, in Gegenwart von Queoksilber 3). Man löst in der salzsauren Lösung ein bekanntes Gewicht von Mercurichlorid, welches etwa das Doppelte bis FĂŒnffache des zu bestimmenden Wismuths an Quecksilber enthĂ€lt, und setzt eine concentrirte Kaliumjodidlösung hindu, bis sich der anfangs entstandene Niederschlag wieder gelöst hat. Dann verdĂŒnnt man geeignet nĂŒt Wasser und elektrolysirt mit einem Strome, welcher zuerst 6 bis 8 cc Knallgas in der Minute giebt, welchen man aber bald auf ein Drittel ermĂ€ssigt und nach und nach wieder verstĂ€rkt, bis er zuletzt wieder seine ursprĂŒngliche StĂ€rke hat.

Am positive Pol scheidet sich Jod in schwammigem Zustande ab). Man erkennt, dass sowohl das Wismuth wie das Quecksilber vollstÀndig

') Z. angew. Ch. 1892, 199. G. Vortmann: B. 24 (1891), 2760.

Es wÀre zu versuchen, dieser Jodabscheidung vorzubeugen, indem man der zu elektrolysirenden Losung Natriumsulfit zusetzt.

48 Bestimmung des Wismuths. B. Durch Titrimetrie.

gefĂ€llt sind, daran, dass eine kleine Probe der FlĂŒssigkeit auf Zusatz von Natriumsulfit und Ammoniumsulfid klar bleibt.

Nun setzt man, ohne den Strom zu unterbrechen, ein Alkalihydrat in concentrirter Lösung unter UmrĂŒhren hindu, bis der Jodniederschlag verschwunden ist, lĂ€sst den Strom noch eine Stunde lang einwirken und wĂ€ das Amalgam mit Wasser und dann mit Alkohol aus. Nach dem Trocknen wĂ€gt man. Zieht man von dem Gewichte des Amalgams das Gewicht des dem zugesetzten Mercurichlorid entsprechenden Quecksilbers ab, so erhĂ€lt man das Gewicht des Wismuths.

940. Sonstige elektrolytische Verfehren. G. Vortmann\) empfiehlt auch die Elektrolyse der Chloridlösung nach Zusatz von Mercurichlorid und VerdĂŒnnen mit Alkohol; femer weist er auf die Möglichkeit hin, dass, stets in Gegenwart von Quecksilber, eine mit WeinsĂ€ure oder mit Ammoniumtartrat versetzte Nitratlösung befriedigende Resultate giebt.

Thomas und Smith wenden eine Sulfatlösung oder eine saure Citratlösung oder eine Lösung mit Ammoniumeitrat an.

B. Durch Titrimetrie.

Man kennt kein einfaches und empfehlenswerthes Verfahren zur titrimetrischen Bestimmung des Wismuths. Alle vorgeschlagenen Verfahren sind indirect, d. h. sie beruhen auf der FĂ€llung des Wismuths als ein Salz von bekannter Zusammensetzung und auf der Bestimmung der diesem Salze entsprechenden SĂ€ure.

941 I. Durch Chromat. Man fÀllt das Wismuth als Chromat (§ 936), wÀ den Niederschlag aus und bestimmt ihn als Chromat, z. B. mittels Ferrosulfat (§ 527).

942. II. Durch Oxalat). Die möglichst wenig saure Chromat- lösung wird mit einem Ueberschusse von concentrirter EssigsĂ€ure, dann mit einer im Ueberschusse abgemessenen, titrirten Lösung von Kaliumoxalat versetzt. Der entstehende Niederschlag entspricht der Formel Nach Absitzen und Filtriren bestimmt man den Oxalat- ĂŒberschuss durch Kaliumpermanganat (siege § 464).

943 III. Durch Jodat*). Man lÀsst in die essigsaure Wismuth- lösung eine im Ueberschusse abgemessene titrirte Lösung von JodsÀure fliessen; das Wismuth wird als Jodat gefallt. In dem Filtrate bestimmt man den JodsÀure- Ueberschuss, indem man Kaliumjodid und Schwefel- sÀure zusetzt und das nach der Formel

HJO3 + 5 KJ -f 5 H2SO4 5 KHSO. + 3 H2O + 6 J ausgeschiedene Jod durch Hyposulfit titrirt.

') von Reis: B. 1175; Pattison, Muir and Robbs: C/im. Soc. 1882, 1.

Buisson et Ferray: Mon. sci'ent. de QuesnevĂŒle [3J 3 (1873), 900; Z. anal. Ch, 13 (1874), 61.

C. Durch Colorimetrie. D. Durch Gasometrie. 49

944. IV. Durch Arsenat). Man fallt das Wismuth als Arsenat (siege § 935) durch einen Ueberschuss einer titrirten Lösung von Natriumarsenat, filtrirt und bestimmt den Ueberschuss durch Uranylnitrat.

Diese letztere Titrirung wird ebenso ausgefĂŒhrt wie diejenige der Phosphate durch dasselbe Reagens.

Das Verfahren ist nicht besonders empfehlenswerth.

— Wir erwĂ€hnen noch, dass De Koninck) versucht hat, das Wismuth durch Stannochlorid als Metall zu fallen und dann dieses Metall durch Ferrisulfat und Kaliumpermanganat zu titriren (vergl. Bestimmung des Kupfers, § 922). Obwohl De Koninck nach diesem Verfahren keine befriedigenden Resultate erhalten, bleibt es doch der Aufmerksamkeit der Anal3iker empfohlen, um es in geeigneterer Form wieder aufzunehmen.

C. Durch Colorimetrie.

945. Man hat eine colorimetrische Bestimmung sehr kleiner Mengen von Wismuth vorgeschlagen, davon ausgehend, dass es als orangegelbes Oxyjodid gefallt wird, wenn man Kaliumjodid auf eine schwach saure Bismuthisulfatlösimg einwirken lÀsst).

Das Verfahren erfordert sehr grosse Aufmerksamkeit, weil ein Ueberschuss von Kalimnjodid den Niederschlag auflöst. Wahrscheinlich wĂŒrde das Cadmiumjodid den Vorzug verdienen (siege § 928, Nr. 12). Vielleicht könnte man auch ein colorimetrisches Verfahren darauf grĂŒnden, dass die Lösung in Kaliumjodid intensiv gelb gefĂ€rbt ist.

D. Durch Gasometrie. 946* Nach Baumann*) erhĂ€lt man das Chromat BigCrgO als dichten, orangegelben Niederschlag, wenn man eine möglichst wenig saure Lösimg von Bismuthinitrat in eine heisse Lösung von Kaliumdichromat giesst Den Niederschlag filtrirt man nach 10 Minuten langem Kochen, wĂ€ ihn mit heissem Wasser aus imd löst ihn in SalzsĂ€ure; die Lösung spĂŒlt man in das EntwickelungsgefĂ€ss eines Azotometers oder Nitrometers ĂŒber und bringt sie, nach weiterem ZusĂ€tze von Schwefel- sĂ€ure, mit Wasserstoffsuperoxyd in BerĂŒhrung. Dadurch wird die Chrom- sĂ€ure unter Entbindung der Ă€quivalenten Menge Sauerstoff reducirt. Durch Auffangen des letzteren und Bestimmen seines Volumens erhĂ€lt man die vorhanden gewesene Menge ChromsĂ€ure, aus welcher sich die Menge des Wismuths berechnen lĂ€sst (vergl. § 541).

Nicht veröffentlichte Versuche.

F. B. Stones: /. Soc, of ch, Ind, 6 (1887), 416.

Z. angew. Ch. 1891, 330.

De Koninck-Meineke, Mineralanalyse. II.

50 Blei. Eigenschaft eD des Bleis.

Blei.

Eigenschaften des Bleis.

947 1*. Das Blei ist blaugrau, weich und dehnbar. Es schmilzt bei 335Âź und verflĂŒchtigt sich in Weissgluth. Bei Luftzutritt stark erhitzt, verbrennt es und geht in schmelzbares, gelbes Bleioxyd PbO (GlĂ€tte) ĂŒber.

2. SalzsĂ€ure) und SchwefelsĂ€ure greifen es bei Luftabschluss nicht an; SalpetersĂ€ure, auch verdĂŒnnte, löst es leicht:

3 Pb + 8 HNO3 3 + 2 NO + iHgO. Da das entstehende Bleinitrat in concentrirter SalpetersĂ€ure schwer löslich ist, verdĂŒnnt man zum Auflösen von Blei die SĂ€ure in genĂŒgender Maasse; anderenfalls wĂŒrde das ausgeschiedene Nitrat imzersctztes Metall umhĂŒllen und gegen fernere Angriffe durch die SĂ€ure schĂŒtzen.

3. Es sind verschiedene Oxyde des Bleis bekannt (§ 948 a), aber nur eine Reihe von Salzen, welche dem normalen Oxyde PbO entsprechen.

Eigenschaften der Bleisalze.

948 1. Die Bleisalze sind farblos und im Allgemeinen in Wasser wenig löslich.

2. Das Bleichlorid ist in kaltem Wasser ziemlich schwer löslich (1:135), aber leicht löslich in heissem Wasser. Behandelt man eine genĂŒgend concentrirte, kate Bleilösung mit SalzsĂ€ure oder einem ge- lösten Chloride, so fĂ€llt weisses, je nach der Concentration mehr oder weniger schuppig-krystallinisches Bleichlorid aus:

Im Allgemeinen wird die Löslichkeit des Bleichlorides durch kleine Mengen SalzsÀure verringert, durch einen grossen Ueberschuss der SÀure merklich vergeöassert, so dass völlige Lösung erfolgen kann.

Das Bleichlorid ist in den Lösungen von Natriumacetat und anderen Alkalisalzen mit organischen SÀureradikalen sowie in Natriumhyposulfit löslich. Es ist unlöslich in Alkohol.

3*. Die neutralen oder schwach sauren Lösungen geben mit S c h w e f e l - Wasserstoff einen schwarzen Niederschlag von Bleisulfid: + HgS PbS + 2 HNO3.

EnthĂ€lt die Lösung SalzsĂ€ure, so entsteht bisweilen ein rother, dem Antimonsulfide Ă€hnlicher Niederschlag Pb2SCl2 2), welcher wenig bestĂ€ndig ist und durch lĂ€ngere Einwirkung des Reagens und auch schon auf Zusatz von Wasser in schwarzes PbS ĂŒbergeht.

Anders kann sich jedoch das legirte Blei verbalten. So fand z. B. De Koninck, von SalzsÀure vollstÀndig gelöst wurde. (Nicht veröffentlichte Beobachtung.)

F. Parmentier: C. r. 114 (1892), 298. Es giebt auch ein entsprechendes Sulfobromid, welches bestÀniger ist als das Sulfochlorid.

Eigenschaften der Bleisalze. 51

In verdĂŒnnten SĂ€uren ist das Bleisulfid nicht löslich, auch nicht in Alkalien, Alkalisulfiden und Kaliumcyanid. Concentrirte und auch schwach verdĂŒnnte SalzsĂ€ure löst es leicht; leitet man daher in eine salzsaure Bleilösung Schwefelwasserstoff, so kann die Lösung unverĂ€ndert bleiben; sie trĂŒbt sich aber auf genĂŒgenden Zusatz von Wasser wĂ€hrend des Einleitend, indem schwarzes Bleisulfid gefallt wird. Die Gegenwart von Caldumchlorid (und wahrscheinlich auch von anderen Chloriden) erhöht die Löslichkeit des Bleichlorides 1).

SalpetersĂ€ure mittlerer Concentration löst das Bleisulfid unter Bildung von Nitrat; sehr concentrirte SalpetersĂ€ure wirkt als Oxydationsmittel und fĂŒhrt das Sulfid in Sulfat ĂŒber:

3 PbS + 8 HNO3 3 PbSO + 8 NO + 4 HO.

4. Alkalisulfide fallen Bleisulfid, welches in einem Ueberschusse des Reagens voUkonunen unlöslich ist:

Giesst man Natriumpolysulfid in einen Ueberschuss einer Bleisalz- lösung, so entsteht ein rothbrauner Niederschlag, welcher sehr imbestÀndig ist und nach kurzer Zeit schwarz wird*).

5. Ammoniak giebt weisse NiederschlÀge von basischen Salzen, welche in einem Ueberschusse des Reagens nicht ganz unlöslich sind-):

3 + 4 NH3 + 2 HjO + 4 NHNOg , 4 PbClg + 6 NH3 + 3 H2O PbOgClg + 6 NH4CI. In essigsaurer Lösung bildet sich nur ein schwacher Niederschlag, und zwar um so weniger, je höher die Temperatur ist; in Gegenwart von Ammoniumacetat kann die ammoniakalische FlĂŒssigkeit sogar klar bleiben. Es erklĂ€rt sich das durch die aussergewöhnliche Löslichkeit des basischen Bleiacetates.

6. Alkalihydrate geben weisses, amorphes, normales Bleihydroxyd:

Der Niederschlag ist in einem Ueberschusse des Reagens leicht löslich, indem sich ein Plumbit des Kaliums (KgPbOg) oder des Natriums bildet. In Gegenwart eines Silbersalzes entsteht ein gelber Niederschlag von Silberplumbit, welcher in Alkalien unlöslich ist; seine Constitution ist noch nicht sicher bekannt*).

Ein Zusatz von Brom zu einer Alkaliplumbitlösung bewirkt die FÀllung von braunschwarzem Bioxyd).

Wa sserstoffsuperoxyd, in eine Alkaliplumbitlösung gegossen, ruft denselben Niederschlag von Bioxyd hervor; dieser bleibt aber nicht be-

K. H. Mertons: Pharmac. Centrh.Z (1893), 278.

Nicht veröffentlichte Beobachtung von De Konin ck.

') Unveröffentlichte Versuche von A. Westphal.

Wöhler: Pogg. Ann. 41 (1837), 344; H. Rose: Pogg. Ann. 5()3. Krutwig: B. 15 (1882), 307; Aston: . Soc. 1891, I, 1093; F. Bullnheimer: B. 31 (1898), 1287.

52 Eigenschaften der Bleisake.

stehen, sondern verschwindet unter Entwickelung von Sauerstoff) (vergl. § 611, Nr. 4).

Dagegen wird durch ammoniakalisches Wasserstoffsuperoxyd das Blei als Superoxydhydrat vollstĂ€ndig gefĂ€llt. Der Niederschlag ist flockig und sein Aussehen erinnert an Ferrihydrat, nur dass seine Farbe viel heller ist. Beim Stehen und besonders beim ErwĂ€rmen ninmit der Niederschlag blĂ€ttrig-krystallinisches GefĂŒge an.

7. Mit Carbonaten der fixed Alkalien erhÀlt man Nieder- Àge von basischen Carbonaten, welche in einem Ueberschusse des Reagens nicht ganz unlöslich sind und deren Zusanunensetzung mit Temperatur und Concentration wechselt.

8. Ammoniumcarbonat fallt normales Bleicarbonat PbCO,, welches in einem Ueberschusse des Reagens fast ganz unlöslich ist:

+ AmgCOg PbCOs + 2 AmNOg. 9*. Kaliumchromat ruft in den neutralen oder essigsauren Blei- lösungen einen gelben Niederschlag von Bleichromat hervor: + KCrO PbCrO + 2 KNO3. Dieses Salz ist in EssigsĂ€ure unlöslich, schwach löslich in ver- dĂŒnnter SalpetersĂ€ure, löslich, wie fast alle Bleiverbindungen, in Alkalihydrat, auch löslich in ammoniakalischem Ammoniumtartrat, aber viel weniger als das Bleisulfat.

10. Alkaliphosphate fallen weisses Tribleiphosphat welches in verdĂŒnnter EssigsĂ€ure unlöslich ist.

11. Ammoniummolybdat fallt aus einer essigsauren Bleilösung weisses Bleimolybdat PbMoO, welches in EssigsÀure unlöslich ist

12. Kaliumjodid ruft in nicht zu verdĂŒnnten Bleilösungen einen lebhaft gelben Niederschlag von Bleijodid hervor, welcher in 1200 Th. kalten und in etwa 200 Th. siedenden Wassers löslich, in einem Ueberschusse des Reagens nicht erheblich löslich ist.

Mit Kaliumjodid in sehr concentrirter Lösung bildet aber Bleijodid ein weisses Doppeljodid, welches in der WÀrme sehr leicht löslich ist. Auf Zusatz ziemlich reichlicher Mengen kalten Wassers wird dieses Doppelsalz zerlegt und es scheidet sich Bleijodid ab.

13. Kaliumcyanid fÀllt aus neutralen Lösungen des Acetates und des Nitrates weisses Bleicyanid, welches in Wasser und in Lösungen neutraler Alkalisalze unlöslich ist.

14*. SchwefelsÀure und Sulfatlösungen fÀllen aus neutralen oder sauren Bleilösungen einen weissen, körnigen, sehr schweren Niederschlag von Bleisulfat 2):

+ H2SO4 PbSO + 2HNO3 .

De Koninck: nicht veröffentlichte Beobachtungen.

Bei der Benutzung von SchwefelsĂ€ure ist darauf zu achten, dass die Saure verdĂŒnnt angewandt werde, um ein plötzliches starkes Erhitzen der FlĂŒssigkeit und dadurch leicht entstehende UnglĂŒĂ€lle zu verhĂŒten.

Eigenschaften der Bleisalze. 53

Das Bleisulfat ist in reinem Wasser fast ganz unlöslich; es ist un- löslich in Alkohol. Viel concentrirte SchwefelsĂ€ure löst geringe Mengen Bleisulfat in der KĂ€lte sehr langsam, in der Hitze bedeutend schneller, vollstĂ€ndig auf, die verdĂŒnnte SĂ€ure dagegen nichts i). SalzsĂ€ure und SalpetersĂ€ure lösen merkliche Mengen, besonders in der WĂ€rme.

Es ergiebt sich hieraus, dass aus einer sehr verdĂŒnnten Lösung und aus einer Lösung, welche erhebliche Mengen SalzsĂ€ure oder SalpetersĂ€ure enthĂ€lt, das Blei als Sulfat nur dann vollstĂ€ndig gefallt wird, wenn man der FlĂŒssigkeit einen geringen Ueberschuss von SchwefelsĂ€ure giebt, dann, um die genannten SĂ€uren zu entfernen, stark concentrirt und schliesslich wieder mit Wasser aufnimmt.

Das Bleisulfat ist in Alkalihydraten und in einer ammoniakalischen Lösung von Ammoniumtartrat löslich. Setzt man zu dieser Lösung eine SÀure, vornehmlich SchwefelsÀure, so fallt das Bleisulfat in Folge der Neutralisation des Lösungsmittels wieder aus.

Femer ist das Sulfat sehr löslich in den Hyposulfiten der Alkalien und in Ammoniumacetat; auch ist es ziemlich löslich in Alkalichloriden imd in vielen anderen Salzen.

Durch Behandeln mit einer Lösung von Alkalicarbonat wird das Bleisulfat in Carbonat ĂŒbergenĂŒhrt (vergl. § 482, Nr. 9).

Bei schwacher Rothgluth ist Bleisulfat bestÀndig; durch starkes Erhitzen wird es zersetzt 2).

15. Die Hypochlorite der Alkalien, ebenso Brom und Chlor fallen in Gegenwart von basischen Oxyden oder Hydroxyden einen dunkelbraunen Niederschlag von Bleisuperoxyd (s. Nr. 6 u. § 611, Nr. 16 u. 17).

16. Wasserstoffsuperoxyd fÀllt unter gewissen Bedingungen ebenfalls Bleisuperoxyd (vergl. Nr. 6).

17. Kaliumpermanganat bewirkt ebenfalls die FÀllung von Bleisuperoxyd, wenn ein basisches Oxyd, z. B. Zinkoxyd, zugegen ist; dem Niederschlage ist Mangansuperoxyd beigemischt, welches durch die Reduclion des Permanganates entsteht (vergl. § 611, Nr. 15): + KgMngOg + 2ZnO SEbO-f 2Mn02 + 2 KNOg +

18. Zink und Cadmium fallen das Blei aus seinen neutralen oder sauren Lösungen in Form metallischer BlÀttchen:

Pb CI2 + Zn Zn Clg + Pb.

19. Blei salze fÀrben Flussmittel nicht.

A. Westphal: nicht veröft entlichte Versuche.

") Die Natur und selbst die Zusammensetzung des Niederschlages (3 PbO 2Mn02) dĂŒrfte noch nicht als aufgeklart zu betrachten sein. Behandelt man ihn mit verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure oder SalpetersĂ€ure, so entsteht eine violette Lösung, welche genau der Farbe des Permanganates gleicht. Die Constitution könnte auch durch die (dualistische) Formel SPhO-j-BjO ihren Ausdruck finden. — Wir machen bei dieser Gelegenheit auf die vielfachen Analogien zwischen dem Bleioxyde und dem Manganoxyde aufmerksam.

54 EigeDschaften der Bleioxyde.

20. Auf Kohle im Reductionsfeuer mit Soda erhitzt, werden Bleisalze leicht reducirt imd geben dehnbare MetallkĂŒgelchen. Gleichzeitig entsteht auf der Kohle ein gelblicher Beschlag von Oxyd. Unter gleichen UmstĂ€nden mit Schwefel und Kaliumjodid erhitzt, geben sie einen gelben Jodidbeschlagi). (Vergl. § 928, No. 16.)

21*. In den Reductionsraum einer Flamme gebracht, fĂ€rben sie den Flammenkörper violett und die Spitze blass blaugrĂŒn.

Die verschiedenen charakteristischen BeschlÀge, welche man nach dem Bunsen'schen Verfahren erhÀlt, sind: Metall-, Oxyd-, Jodidund Sulfid-Beschlag.

Der Metallbeschlag ist schwarz, sammetartig oder glĂ€nzend, leicht löslich in verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure.

Der Oxydbeschlag ist blassgelb, in geringer Menge nicht sichtbar; Stannochlorid giebt, auch in Gegenwart eines Alkalihydrates, mit diesem Oxyde keine bemerkenswerthe Erscheinung, wodurch es sich vomWismuthoxyde unterscheidet; mit einer alkalischen Lösung eines Alkalihypobromites befeuchtet, verwandelt es sich in braunes Superoxyd, dessen Farbe in Braungelb ĂŒbergeht 2).

Der Jodidb e schlag ist intensiv gelb; Wasserdampf bringt ihn nicht zum Verschwinden, wohl aber Anmioniakdampf; beim Erhitzen erscheint er wieder.

Unter dem EinflĂŒsse von Schwefelwasserstoffgas oder von Ammoniumsulfid-DĂ€mpfen nehmen die BeschlĂ€ge des Oxydes und des Jodides eine ganz eigenthĂŒmliche mahagonibraune Farbe an (Oxysulfid?); bei lĂ€ngerer Einwirkimg des Reagens wird der Beschlag schliesslich grauschwarz (Bleisulfid). (Siehe die Tabelle Bd. I, S. 184.)

948a. Die wichtigsten Verbindungen des Bleis mit Sauerstoff sind: Bleioxyd PbO; Mennige, welche man wesentlich als eine der Formel entsprechende Verbindung ansieht; Bleisuperoxyd, PbOg. Ihre besonderen auffÀlligsten Eigenschaften sind folgende:

1*. Farbe: das Bleioxyd ist gelb; die mennigartigen Oxyde roth; das Superoxyd braunschwarz.

2. Die Oxyde, welche mehr Sauerstoff enthalten als das Oxyd PbO, geben, auf genĂŒgend hohe Temperatur erhitzt, den das normale Oxyd ĂŒbersteigenden, sog. disponiblen Sauerstoff ab.

3*. SalpetersÀure löst das Bleioxyd ohne Zersetzung auf: PbO + 2 HNOg + HgO.

1) Cornwell: Ch. N. 84 (1876), 37. — von Kobell (l. cit.) hat die Reaction schon 1871 angegeben.

De Koninck: nicht bekannt gegebene Reaction. Vergl. § 612: Eigenschaften der Manganioxyde.

BestimmuDg des Bleis. A. Durch WĂ€gUDg. 55

Sie zersetzt die intermediĂ€ren Oxyde, die Mennige, unter ZurĂŒcklassung von Superoxyd:

PbgO + 4HNO3 + PbO + 2 HgO.

Auf das Superoxyd ist sie ohne Wirkung, vorausgesetzt natĂŒrlich, dass nicht gleichzeitig reducirend wirkende Substanzen vorhanden sind.

4. SalzsĂ€ure fuhrt das normale Bleioxyd in Chlorid ĂŒber, ohne dass Chlor entwickelt wird:

PbO + 2 HCl PbClj + HgO.

Alle Oxyde mit mehr Sauerstoff geben mit SalzsÀure Bleichlorid und Chlor:

PbjO + 8 HCl 3 PbClj + 2 Cl + 4 H2O, PbOg +4HCl PbCl2 + 2Cl+2H20.

Bei allen diesen Reactionen ist die Menge des frei werdenden Chlors dem disponiblen Sauerstoffe proportional, d. h. demjenigen Sauerstoffe, welchen die Verbindungen mehr enthalten, als zur Bildung von Bleioxyd mit dem in ihnen enthaltenen Blei nöthig ist (vergl. § 612, Bemerkung).

5. Das Bleioxyd ist ohne Einwirkung auf OxalsÀure in Gegenwart von SchwefelsÀure oder SalpetersÀure.

Die Mennige und das Bleisuperoxyd dagegen geben, in gleicher Weise behandelt, Sulfat oder Nitrat, bei gleichzeitiger Entwickelung von KohlensÀure:

PbgO + H2C2O4 + 3 H2SO4 3 PbSO + 4H2O + 2 CO2 PbOg + H2C2O4 + H2 SO4 PbSO + 2 H2O + 2 COj.

Die Menge der frei werdenden KohlensÀure ist dem disponiblen Sauerstoffe der betr. Verbindung proportional.

Bestimmung des Bleis. A. Durch WĂ€gung.

948. I. Durch GlĂŒhen. Man erhĂ€lt das Blei als Oxyd unter genau denselben Bedingungen \ne das Wismuth (§ 929), durch GlĂŒhen des Hydroxydes, des Carbonates, des Nitrates und femer der Mennige und des Bleisuperoxydes. Wie das Wismuthoxyd greift auch das Bleioxyd in geschmolzenem Zustande die Porzellantiegel sehr stark an.

950* 11. Dnroh Ammoniumearbonat. Man behandelt die Blei- lösung mit Ammoniumcarbonat in geringem Ueberschusse und etwas Ammoniak und erwĂ€rmt massig. Der mit Wasser ausgewaschene und getrocknete Niederschlag wird durch massages GlĂŒhen in Oxyd ĂŒbergenĂŒhrt. Da das Bleioxyd sehr leicht redudrbar ist, muss man mit allen den Vorsichtsmaassregeln arbeiten, welche wir gelegentlich der Bestimmung des Wismuths angegeben haben (§ 931).

951 ni. Durch SchwefelsÀure. Von allen Verfahren zur Bestimmung des Bleis ist dasjenige durch SchwefelsÀure das weitaus wichtigste.

Je nach verschiedenen UmstÀnden ist die Art zu arbeiten in verschiedener Weise abzuÀndern.

Ist die Bleiverbindung ein Oxyd oder ein Derivat einer flĂŒchtigen SĂ€ure oder ist sie mit flĂŒchtigen Substanzen gemischt, so bringt man die Probe in eine tarirte Schale, setzt SchwefelsĂ€ure im Ueberschusse hindu und verjagt diesen Ueberschuss durch Abdampfen; schliesslich erhitzt man zu massigem GlĂŒhen.

Ist die Lösung, welche das Blei enthĂ€lt, durchaus frei von Substanzen, welche in Gegenwart von SchwefelsĂ€ure durch Alkohol gefallt werden können, so giebt man verdĂŒnnte SchwefelsĂ€ure in einem Ueberschusse hindu und dann das doppelte Volumen des Gemisches an Alkohol von 95 /q; nachdem man wĂ€hrend mehrerer Stunden hat absitzen lassen, filtrirt man, wĂ€ den Niederschlag mit Alkohol aus und trocknet.

Das GlĂŒhen erfordert gewisse Vorsicht. Hat man den Niederschlag so weit als möglich vom Filter entfernt, so verascht man dieses in einem Porzellantiegel, befeuchtet die Asche mit einigen Tropfen SalpetersĂ€ure, fĂŒgt dann einen Tropfen SchwefelsĂ€ure zu, vereinigt hermit die Hauptmenge des Niederschlages und erhitzt, indem man die Temperatur all- mĂ€hlich bis zur dunklen Rothgluth steigert.

EnthĂ€lt die zu analy sirende Bleilösung ausser Blei andere Substanzen, welche durch Alkohol gefĂ€llt werden, so operirt man in folgender Weise. Die ziemlich concentrirte Lösung wird mit einem starken Ueberschusse von ca. öO/ßiger) SchwefelsĂ€ure versetzt; nach gutem AbklĂ€ren filtrirt man und wĂ€ den Niederschlag mit sehr verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure aus; alsdann nimmt man das Filtrat zu einer etwaigen Weiterbehandlung fort und wĂ€ mit Alkohol aus. Schliesslich wird der Niederschlag, wie vorstehend angegeben wurde, behandelt.

Das Auswaschen mit Alkohol hat zum Zweck, die SchwefelsĂ€ure, von welcher das Papier durchdrungen ist, zu entfernen. WĂŒrde man das unterlassen, so wĂŒrde die beim Trocknen des Niederschlages concentrirter werdende SĂ€ure das Filter verkohlen, es brĂŒchig machen und alle weiteren Operationen nĂŒndestens sehr erschweren.

Wir haben bereits gesagt, dass SalpetersĂ€ure und SalzsĂ€ure das Bleisulfat ziemlich leicht lösen. EnthĂ€lt daher die Bleilösimg diese SĂ€uren, so mĂŒssen sie durch Abdampfen entfernt werden, entweder vor oder, besser, nach dem ZusĂ€tze von SchwefelsĂ€ure, jedenfalls aber vor dem ZusĂ€tze von Alkohol, wenn dieser angewandt werden darf.

Das Abdampf ungsproduct nimmt man, je nach den UmstĂ€nden, mit Wasser und Alkohol oder mit sehr verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure auf.

') Siehe § 948, Nr. 14, ĂŒber die Löslichkeit des Bleisulfates.

A. Durch WĂ€gung, 57

952. IV. Duroh Alkalichromato). Ist die Lösung neutral, so sĂ€uert man sie mit EssigsĂ€ure an; ist sie sauer, so neutralisirt man sie theilweise mit und giebt einen Ueberschuss von Alkaliacclat hindu. Die FĂ€llimg geschieht durch Ammonium-oder Kalium -Monochromat, von welchem man so viel zusetzt, dass die FlĂŒssigkeit gerade gefĂ€rbt wird. Die Bestimmung wird so weitergefĂŒhrt, wie die Bestimmung der Chromate durch ein Bleisalz (§ 525).

953* V. Als Chlorid. Dieses selten anwendbare Verfahren besteht darin, dass man die Lösung mit einem Ueberschusse von SalzsĂ€ure behandelt, dann durch Abdampfen stark concentrirt, den RĂŒckstand mit Alkohol, welchem man etwas Aether zugesetzt hat. aufnimmt, das Bleichlorid auf einem gewogenen Filter sammelt und nach dem Trocknen bei 100 wĂ€gt. Das Auswaschen muss mit Ă€th erhaltigem Alkohol geschehen.

954. VI. Durch Schwefelwasserstoff. Das Blei kann aus alkalischer Lösung, d. h. in Gegenwart eines Alkalihydrates oder eines Tartrates, oder auch aus saurer Lösung als Sulfid gefallt werden. In letzterem Falle ist es gut, wenn keine Chloride vorhanden sind, weil sich in deren Gegenwart die Bildung von Chlorosulfid kaum vermeiden lĂ€sst), welches weder durch Schwefelwasserstoff, noch selbst durch Schwefelammonium in reines Sulfid ĂŒbergenĂŒhrt wird.

EnthĂ€lt die Lösung, wie es gewöhnlich der Fall ist, SalpetersĂ€ure, so ist ein etwaiger grosser Ueberschuss dieser SĂ€ure durch Abdampfen zu entfernen; ausserdem muss aber die Lösung stark verdĂŒnnt werden. Bei Abwesenheit fremder Metalle, welche, wie z. B. das Zink, durch Schwefelwasserstoff aus essigsaurer Lösung gefallt werden, setzt man vortheilhaft ein Alkaliacetat hindu.

In welcher Art man aber das Sulfid fÀllen mag, stets ist darauf zu achten, dass man in der KÀlte arbeitet.

Der auf einem Filter gesammelte und mit der ĂŒblichen Vorsicht ausgewaschene Niederschlag kann in einem Rose 'sehen Tiegel nach Zusatz von Schwefel unter Wasserstoff oder in einem Strome von Schwefelwasserstoff geglĂŒht werden. Es ist aber nicht ganz leicht die richtige Temperatur zu treffen; glĂŒht man zu schwach, so bleibt leicht etwas ĂŒberschĂŒssiger Schwefel zurĂŒck und bei zu hoher Temperatur erhĂ€lt man ein zu geringes Gewicht, theils weil sich Bleisulfid verflĂŒchtigt, theils weil sich eine niedrigere Schwefelungsstufe bildet 3).

Am sichersten behandelt man das Sulfid, indem man es in Sulfat ĂŒberfĂŒhrt. Man entfernt es möglichst vollstĂ€ndig vom Filter imd verascht dieses fĂŒr sich in einem gewogenen, gerĂ€umigen Porzellantiegel. Das kann bei verhĂ€ltnissmĂ€ssig sehr niedriger Temperatur geschehen, so dass das Filter eben verglimmt und eine BleiverflĂŒchtigung ausgeschlossen

') W. Diehl: Chem. Ind. 6 (1883), 157.

R. Fresenius: Anl, z. qitant. Anal., 6. Aufl., 1875, S. 314.

A. Souchay hat das Verfahren speciell studirt (Z. anal. Ch. 4 (1865), G3).

ist. Nun bringt man die Hauptmenge des Niederschlages hindu und lĂ€sst in den mit einem Uhrglase möglichst bedeckt zu haltenden Tiegel tropfenweise starke SalpetersĂ€ure fliessen, etwa aus einer Pipette, bis man aus dem Aufhören nitroser DĂ€mpfe schliessen kann, dass eine weitere Einwirkung nicht mehr stattfindet. Alsdann erwĂ€rmt man, anfangs ohne das Uhrglas abzunehmen; erst wenn auch jetzt ein weiterer Angriff durch die SĂ€ure nicht mehr stattfindet, spritzt man das Uhrglas mit recht wenig Wasser ab, setzt, unter Vermeidung eines zu grossen Ueberschusses, massig verdĂŒnnte SchwefelsĂ€ure hindu, dampft vorsichtig zur Trockne und erhitzt zu massigem GlĂŒhen. Sollten nicht deutlich erkennbare, schwere, weisse DĂ€mpfe von SchwefelsĂ€ure beim Abrauchen entweichen, so setzt man etwas warmed Wassser und nochmals SchwefelsĂ€ure hindu und ver- fĂ€hrt in gleicher Weise. WĂ€gt man Tiegel und Inhalt, so erfahrt man aus der Gewichtszunahme die Menge de§ erhaltenen Bleisulfates.

955 VII. Durch FĂ€llung als Superozyd. Dieses neuerdings) wieder aufgenommene Verfahren besteht darin, dass man die Bleilösung durch Alkalihydrat stark alkalisch macht und mit einem nĂŒt BromdĂ€mpfen beladenen Luftstrome (vergl. Bestimmung des Mangans § 623) behandelt. Unter diesen UmstĂ€nden wird das Blei als Superoxyd gefallt, welches man auf einem FĂŒter sammelt und entweder durch einfaches GlĂŒhen in Oxyd oder durch Abrauchen mit SchwefelsĂ€ure und GlĂŒhen in Sulfat ĂŒberfĂŒhrt.

Man kann auch, und das scheint im Vergleiche zu dem angegebenen Verfahren den Vorzug zu verdienen, das Blei durch ammoniakalisches Wasserstoffsuperoxyd als Bleisuperoxydhydrat fallen.

956. VIII. Durch Schmelzen mit Kaliumcyanid. Fast alle Bleiverbindungen (die Chromate machen eine Ausnahme) können durch Schmelzen mit Kaliumcyanid, Ă€hnlich wie die Wismuth Verbindungen (vergl. § 932), zu Metall reducirt werden, welches man nach Behandeln der Schmelze mit Wasser als KĂŒgelchen gewinnt.

Wir erwÀhnen dieses Verfahren nur, aber nicht als besonders empfehlenswerth .

957. Bestimmung durch Elektrolyse). Man kann durch Elektrolyse das Blei entweder am negative Pole als Metall, wie viele andere Metalle, oder am positive Pole als Superoxyd vie das Mangan abscheiden.

Wirkt der Elektrolyt nicht reducirend und hat er das Bestreben,

') Das Verfahren wurde zuerst von Rivot, Beudant und Dagain {Ann. d. M. [5] 4 (1853), 122) angegeben und dann von H. Rose {Pogg. Ann. UO (1860), 411) nĂ€her studirt. KĂŒrzlich ist es wieder von L. Mcdicus {B. 26 (1892), 2490) in Vorschlag gebracht worden.

') A. Classen: op. cit. S. 79; G. Vortmann: i9. 24 (1891), 2756; W. C. May; Sill. Am. J. [3] 6 (1875), 255; Mansfelder Ober-B.- u. H.-Dir.: Z. anal. Ck. U (1872), 9; Riban: op. cit. S. 153; B. Neumann: Ch.-Z. 20 (1896), 381.

A. Durch WĂ€gung. 59

das Metall aufzulösen, so erhÀlt man das Superoxyd; im entgegengesetzten Falle kann man das Metall erhalten.

Das so erhaltene Metall bildet einen nur schwer haftenden und wenig zusammenhÀngenden Niederschlag; es hat die weitere unvortheilhafte Eigenschaft, dass es sich beim Auswaschen und Trocknen leicht oxydirt. Diesem Uebelstande kann man durch Amalgamation vorbeugen (G. Vortmann).

958. IX. SSlektrolytische FÀlong des BleiB als Metall aus saurer Lösung (G. Vortmann). Man löst das zu analysirende Bleisalz und gleichzeitig eine gewogene Menge Mercurichlorid in Wasser. Zu der Lösung setzt man 3 bis 5 gr Natriumacetat und dann einige Cubikcentimeter einer concentrirten Lösimg von Kaliumnitrit. Es entsteht ein weisser Niederschlag, welchen man in EssigsÀure auflöst Erst die so erhaltene, gelbe, ganz klare Lösung unterwirft man der Elektrolyse.

Sollte sich wÀhrend des Elektrolysirens an dem positive Pole Superoxyd ausscheiden, so bringt man dieses durch einige Tropfen der Nitritlösimg zum Verschwinden.

Der Niederschlag von Bleiamalgam wird bei unterbrochenem Strome schnell nach einander mit Wasser, mit Alkohol und mit Aether ausgewaschen, sodann in einem Luftstrome und endlich in einem Exsiccator getrocknet.

959. X. Elektrol3rtische ESllung des Bleis als Metall aus alkalischer Lösuxig (G. Vortmann). Das Verfahren, welches der Verfasser selbst wegen der Leichtigkeit, mit welcher sich das Blei unter den Versuchsbedingungen oxydirt, nicht besonders empfiehlt, besteht darin, dass man die Bleilösung nach Zusatz von Mercurichlorid, Natriumtartrat, Natronhydrat und einem Ueberschusse von Kaliumjodid, ohne welches letztere das Quecksilber gefallt wĂŒrde, elektrolysirt.

960. XL Elektrolytisohe FĂ€llung des Bleis als Superoxyd). Das Blei wird in Nitrat ĂŒbergenĂŒhrt; die Lösung darf höchstens 1 gr Metall enthalten und muss frei von Chloriden sein. Man setzt ihr concentrirte SalpetersĂ€ure (1,36 sp. G.) zu, deren Menge von der Temperatur, bei welcher man arbeiten will, und von der anzuwendenden Stromdichte abhĂ€ngig ist.

Andererseits ist der Strom von dem Zustande der Elektroden-OberflĂ€che abhĂ€ngig. Ist die OberflĂ€che vollstĂ€ndig glatt und blank, so genĂŒgt ein Strom von Amperes auf den Quadratdecimeter, wĂ€hrend bei einer matten OberflĂ€che ein Strom von 0,5 Amperes erforderlich ist, um einen haftenden Niederschlag su erhalten.

A. Classen) erzielt nach Mattirung der OberflÀche durch Sand

Nach von Miller und Kiliani: op. dt. S. 182. Siehe auch A. Kraichgauer: B. 27 (1894), 315 und Z. anorg. Ch. 9 (1895), 89. Ä 27 (1894), 1(>3.

einen haftenden Niederschlag mit einem Strome von 1,3 bis 1,7 Amp. bei einer Temperatur von 50 bis 60Âź.

Die Menge der SalpetersÀure lÀsst sich nach folgenden Maassgaben regeln :

fĂŒr einen Strom von bei Elektrolysirung Volumen Âź/q 0,05 Amp. auf 1 Qdm in der WĂ€rme 2

WĂ€rme und Bewegung der FlĂŒssigkeit befördern in hohem Grade die Schnelligkeit der Elektrolyse.

Der Niederschlag ist im Allgemeinen schwarz; ist seine Menge sehr gering, so erscheint er braun und irisirend. Ist die als Elektrode dienende Schale in gutem Zustande, so haftet er sehr gut und ist bisweilen krystallinisch. Man wÀ ihn mit Wasser bei unterbrochenem Strome aus.

Lösen sich wĂ€hrend des Auswaschens Theile des Superoxydes ab, so sammelt man sie auf einem kleinen Filter und bestimmt sie, nach UeberfĂŒhren in Oxyd durch GlĂŒhen, fĂŒr sich.

Die mit einem Uhrglase bedeckte Elektrodenschale wird auf etwa 200Ÿ erhitzt, um das Superoxyd vollstÀndig zu entwÀstern.

Ist die zu elektrolysirende Lösung zu wenig sauer, so kann sich Blei als Metall an der negative Elektrode abscheiden. Setzt man die Operation unnöthig lange fort, nachdem die FĂ€llung vollstĂ€ndig war, so löst sich Superoxyd wieder auf. Wendet man endlich einen zu schwachen Strom an, bei gleichzeitig vorhandenem grossed SĂ€ureĂŒberschusse, und arbeitet man in der KĂ€lte, so wird der Niederschlag nicht haftend.

Um die Schale zu reinigen, spĂŒlt man mit einer warmen Lösung von OxalsĂ€ure in verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure aus.

961. XII. Durch Beduotion zu Metall mittels Zink oder Cadmium oder Elisen. Die meisten Bleiverbindungen werden durch Zink oder Cadmium in Gegenwart von SalzsÀure zu metallischem Blei reducirt. Auch Bleisulfid verhÀlt sich so, nachdem es zuerst als Chlorid gelöst worden ist. Ausserdem wird diese Verbindung (Bleiglanz) durch Schmelzen mit Eisen zu Metall reducirt.

In Anbetracht der Wichtigkeit des Gegenstandes, werden wir diesen Verfahren unter der Ueberschrift: „Technische Bestimmung des Bleis" einen besonderen Abschnitt widen, aber erst, nachdem wir die anderen allgemeinen Verfahren zur Bestimmung des Bleis besprochen haben werden.

B. Durch Titrimetrie.

962. I. Durch Natriumsulfid. Flores Domonte) titrirt das Blei in der WĂ€rme, in Gegenwart eines Ueberschusses von Kalihydrat,

H. Schwarz: Ueher die Maassanalyse (Braunschweig 1850), S. 86.

B. Durch Titrimetrie. 61

mit einer titrirten Lösung von Natriumsulfid bis zum Aufhören der Bildung eines Niederschlages.

Nach Mohr soll das Bleisulfid Alkalisulfid mitreissen, wodurch das Verfahren ungenau wird.

Vor einigen Jahren ist das Verfahren von F. Casamajor) wieder aufgenommen worden.

963. IL Durch Einwirkung von Silbemitrat auf Bleisulfld. C. B allin g hat vorgeschlagen, das Blei wie das Zink (§ 676) durch Zersetzung des gefÀllten Sulfides mittels Silbernitrat zu bestimmen.

Das Verfahren dĂŒrfte sich praktisch nicht bewĂ€hren, weil es kaum möglich zu sein scheint, weder aus salzsaurer noch aus alkalischer Lösung reines Bleisulfid zu fĂ€llen.

Dasselbe Hindemiss steht auch dem von J. Hanns*) angegebenen Verfahren entgegen, das Bleisulfid mit Ferrisulfat zu behandeln und das gebildete Ferrosalz durch Permanganat zu titriren (vergl. die Bestimmung des Zinks § 677).

964. III. Durch Kaliumsulfot. Mohr hat folgendes Verfahren beschrieben: Die neutral Bleilösung wird mit einer titrirten Sulfatlösung so lange versetzt, bis ein TĂŒpfelversuch auf Papier, welches mit Kaliumjodid getrĂ€nkt ist, keine Spur einer GelbfĂ€rbung (Bleijodid) mehr hervorruft.

Die Sulfatlösung wird nach der directed Methode bereitet.

965. IV. Durch Alkalimetrie. Derselbe Forscher Ă€gt fĂŒr die Bestimmung des Bleis das folgende allgemeine Verfahren vor. Das Blei wird als Carbonat gefĂ€llt und dieses wird dann alkalimetrisch bestimmt. Das Verfahren ist zu allgemein, als dass es eine hĂ€ufige Anwendung finden könnte (siege § 348).

966. V. Durch EaUumferrocyanid). Man lĂ€sst in die Blei- lösung eine titrirte Lösung von Kaliimiferrocyanid einfliessen, bis ein TĂŒpfelversuch mit Ferrichlorid keine BlaufĂ€rbung mehr giebt.

967. VI. Durch ein AlkaJichromat). Dieses Verfahren verdient wohl den Vorzug vor allen anderen titrimetrischen Verfahren zur Bestinmiung des Bleis. Es lÀsst sich in doppelter Form anwenden:

A. Directe Titrirung. Die neutral oder sehr schwach saure Bleilösung wird durch Zusatz eines Alkaliacetates essigsauer gemacht. Ist das Blei als Sulfat vorhanden, so ist dieses durch Behandeln mit einer nicht zu verdĂŒnnten Lösung von Ammoniumacetat in Lösung ĂŒberzufĂŒhren. Die Lösung wird zum Kochen erhitzt und mit einer titrirten Lösung von Kaliumchromat oder -Dichromat versetzt, bis ein leichter

Ann. de eh. et de fkys. [5] 26 a882), 141. Z. anorg. Ch. VI (1898), 111. GrÀger: /. CA. 96 (1865), 330.

H. Schwarz: Bingl. 127 (1853), 55 und 169 (1863), 284; W. Diehl: Z. anal. Ch. 19 (1880), 306.

Ueberschuss dieses Reagens entweder an der schwach gelben FĂ€rbung der FlĂŒssigkeit oder durch eine TĂŒpfelprobe mit Silbemitrat, welches einen rothen Niederschlag bewirkt, erkannt wird.

Die Chromatlösung wird nach der directed Methode (§528) hergestellt; den Titer kann man maassanalytisch durch reines Bleinitrat controlliren.

B. Durch ZurĂŒcktitriren. Man giebt zu der Bleilösung einen geringen Ueberschuss von titrirter Chromatlösung unter den soeben angegebenen Bedingungen, filtrirt und bestimmt den Ueberschuss im Filtrate nach einem der Verfahren, welche wir bei Bestimmung der Chromate (§§ 527 ff.) beschrieben habeni).

968* VII. Durch Anmiomunimolybdat). Das Verfahren beruht darauf, dass Bleimolybdat, PbMoO, in verdĂŒnnter EssigsĂ€ure un- löslich ist und dass ein lösliches Molybdat mit Tannin eine, noch bei sehr grosser VerdĂŒnnung erkennbare, blutrothe bis gelbliche FĂ€rbung annimmt.

Man macht die Bleilösung wie bei dem vorigen Verfahren essigsauer und lĂ€sst in dieselbe eine titrirte Lösung von Ammoniummolybdat fliessen. Der entstehende Niederschlag von weissem Bleimolybdat setzt sich, besonders beim UmrĂŒhren, schnell ab. Man könnte also die Endreaction schon am Aufhören der Bildung eines Niederschlages erkennen. Der Verfasser zieht aber eine TĂŒpfelprobe vor, welche er so ausfĂŒhrt, dass er einen Tropfen der geklĂ€rten FlĂŒssigkeit auf einer Porzellanplatte mit einem Tropfen Tanninlösung in BerĂŒhrung bringt, bis sich ein geringer Ueberschuss von Anrnioniunmaolybdat durch das Entstehen einer deutlichen OrangefĂ€rbung zu erkennen giebt.

Die titrirte MolybdĂ€nlösung wird am besten experimentell bereitet Man löst 20 gr reines krystallisirtes Ammoniummolybdat in 700 bis 800 cc Wasser, nimmt die verbleibende TrĂŒbung durch verdĂŒnotes Ammoniak fort und fĂŒllt auf 1 Liter auf. Ein Cubikcentimeter dieser Lösung entspricht etwa 0,025 gr Bleioxyd (0,232 gr Blei). Zum Einstellen dieser Lösung kann man Bleimetall, welches im Handel in grosser Reinheit vorkommt, benutzen, indem man aus ihm nach der directed Methode eine neutral Lösung von Bleinitrat herstellt. Die Tanninlösung enthalte auf 30 cc Wasser etwa 1 gr reinstes kĂ€ufliches Tannin.

Das Verfahren scheint einer genauen PrĂŒfung wohl werth zu sein.

969. VUI. Durch Kaliumpermanganat. Margueritte 3), welchem

H. Schwarz wandte das Verfahren der Titrirung durch Chromat in der Art an, dass er das Bleichromat durch eine gemessene Menge eines Ferrosalzes zersetzte und den Ueberschuss von Ferrosalz durch Kaliumpermanganat bestimmte {NachtrÀge zur Maassanalyse 1853, S. 31). Siehe auch A. S. Cushman und J. Hayes: /. am. eh. Soc. 17 (1895), iMX).

C. Schindler: Z. anal. Ch. 27 (1888), 137; H. Alexander: The Engineering and Mining /., April 1893.

Nach H. Schwarz: lieber die Maassanalyse S. 87. Wir haben keine Abhandlung von Margueritte ĂŒber dieses Verfahren finden können.

wir die EinfĂŒhrung des Kaliumpermanganates in die Analyse zur Bestimmung des Eisens verdanken, hat, nach H. Schwarz, die Anwendung dieses Reagens auch zur Bestimmung des Bleis vorgeschlagen. Er lĂ€sst das Permanganat auf eine heisse alkalische Bleilösung einwirken und erhĂ€lt nach der Formel

3PbO + KjMngOs + HO 3PbOj + 2Mn02 + 2K0H einen aus Bleisuperoxyd und aus Mangansuperoxyd bestehenden Niederschlag. Die Beendigung der Reaction wird, wie bei der Ă€hnlichen Manganbestimmung (siege § 634), an der FĂ€rbung der FlĂŒssigkeit erkannt

In dieser Form hat das Verfahren offenbar keine befriedigenden Resultate gegeben; es ist daher auch in Vergessenheit gekommen. In verÀnderter Form ist es von Haswell) wieder aufgenommen worden.

Die Aehnlichkeiten , welche die Reactionen der Bleisalze und der Manganosalze zeigen, treten bei dem ursprĂŒnglichen Margueritte'schen Verfahren deutlicher hervor, als bei dem HaswelT sehen. Bei jenem sollen drei MolekĂŒle Bleioxyd mit einem MolekĂŒl Permanganat reagiren, ebenso wie bei der titrimetrischen Bestimmung des Mangans durch Permanganat: 3 MnO + Kj MnOg + HgO 5 MnOg + 2K0H.

Nach Haswell dagegen treten fĂŒnf MolekĂŒle Bleioxyd mit einem MolekĂŒl Kaliumpermanganat in Reaction:

5 PbO + KgMnjOa + HO öPbOg + 2 MnO + 2 KOH.

Der "entstehende Niederschlag ist nach Haswell ein Mangano-Kaliumplumbat, welches aus der neutralen Lösung der Bleisalze unter gleichzeitiger Abscheidung der entsprechenden SÀure ausfallt:

+ KgMngOg + öHO Mn2K2Pb50i3 + IOHNO3.

Um diese freigewordene SĂ€ure zu neutralisiren, lĂ€sst Haswell die Reaction in Gegenwart von Zinkoxyd, wie es auch bei der maassanalytischen Bestimmung des Mangans durch Permanganat geschieht, vor sich gehen. Unter diesen UmstĂ€nden ist in dem Niederschlage das Kalium- MolekĂŒl durch ein Zinkatom ersetzt: 5 PNOg), -f 5 ZnO + KgMnOg MnZuPhgOg + 4 + 2 KNO3.

Auch nach Haswell wird die Endreaction durch FĂ€rbung der FlĂŒssigkeit durch einen kleinen PermanganatĂŒberschuss angezeigt.

Bei Ausfuhrung der Bestimmung ist zu beachten, dass die letzten Bleireste aus verdĂŒnnter Lösung (0,0013 gr Blei in 1 cc) nicht gefĂ€llt werden, wohl aber, wenn die Lösung jetzt schwach alkalisch gemacht wird.

Es ist ersichtlich, dass die beiden angegebenen, verschiedenen Reactionen zwischen Bleisalz und Permanganat in den Wettbewerb treten, und dass vomit das Schlussresultat je nach dem Grade der vorhandenen VerdĂŒnnung schwanken muss.

') Dingl. 241 a881), 393; Repert. anal. Ch. 1 (1881), 324; Z. anal. Ch. 21 (1882), 264.

64 Bestimmung des Bleis. C. Durch Colorimetrie. D. Durch Gasometrie.

In der That scheint auch das Verfahren, so interessant es in theoretischer Hinsicht ist, in die Praxis keinen Eingang gefunden zu haben.

Nach ganz neuen Versuchen i) ist das VerhĂ€ltniss zwischen Blei und Permanganat in hohem Grade von der Zusammensetzung und der Temperatur der Lösung, sowie von der Dauer der Titration abhĂ€ngig. Die Zusammensetzung des Niederschlages muss daher sehr verĂ€nderlich sein; mit kalter verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure behandelt, giebt er UebermangansĂ€ure und scheint demnach ein basisches Permanganat zu enthalten.

970. IX. Durch OxalsĂ€ure und Permanganat. Hempel hat das bei der Bestimmung des Calciums angewandte Verfahren (§§464 fif.) auf die Bestimmung des Bleis ĂŒbertragen. Mohr 2) hat nach demselben stets erheblich zu wenig Blei gefunden, als Folge einer geringen Löslichkeit des Bleioxalates.

— Wir weisen zum ĂŒsse dieses Abschnittes darauf hin, dass aus einer Verbindung von constanter Zusammensetzung, in welcher mehr Sauerstofif enthalten ist, als die Verbindung Bleioxyd erfordert, durch Bestimmung des „disponiblen** Sauerstoffes (siege unten § 976) ebenfalls ein titrimetrisches Verfahren zur Bestimmung des Bleis abzuleiten mög- lich ist. Zu diesem Zwecke wĂ€re die vorherige UeberfĂŒhrung einer vorhandenen sauerstoffarmen Bleiverbindung in eine sauerstofFreichere natĂŒrlich erforderlich. Solche Verbindungen Hessen sich vielleicht nach dem Has well - sehen Verfahren (siege oben § 969) oder durch Oxydation einer alkalischen Bleilösung mit einem Hypochlorit oder mit Brom oder durch FĂ€llung von Bleisuperoxydhydrat durch ammoniakalisches Wasserstoffsuperoxyd erhalten. Es ist uns nicht bekannt, ob derartige Versuche analytisch ausgefĂŒhrt worden sind.

C. Durch Colorimetrie.

971. Man kann nach Pelouze Spuren gelösten Bleis, z. B. in TrinkwÀstern, bestimmen, indem man die mehr oder weniger deutliche FÀrbung, welche eine solche Bleilösung beim Behandeln mit Schwefelwasserstoff annimmt, mit den in gleicher Weise hervorgerufenen FÀrbungen von Bleilösungen mit bekanntem Gehalte vergleicht.

Die zu bestimmende Bleimenge darf aber nur sehr gering sein; ist sie einigermaassen betrĂ€chtlich, so ball sich das Bleisulfid zusammen, anstatt homogen suspendirt zu bleiben: die FlĂŒssigkeit wird, wie man sagt, entmischt) (vergl. § 926).

') De Koninck und Leduc: nicht veröffentlichte Versuche, Mai 1899. 2) Z. anal. Ck. 12 (1873), 141.

Siehe Bischof: Z. anal, Ch. 18 (1879), 73; A. Liebreich: CĂ€.-Z. 22 (1898), 225.

Die Bestimmung des Bleis fĂŒr technische Zwecke. C5

D. Durch Q-asometrie.

972 Das anzuwendende Verfahren ist dasselbe, welches Baumann) zur Bestimmung des Baryums und des Wismuths vorgeschlagen. Wir können auf die bezĂŒgl. Abschnitte verweisen.

Die Bestimmung des Bleis fĂŒr technische, vorzugsweise hĂŒttenmĂ€nnische Zwecke.

Die Bestimmung des Bleis in BleiprĂ€paraten der chemischen Industrie, welche fast alle, mit Ausnahme etwa des Sulfates, leicht in eine fĂŒr die Bestimmung, namentlich die titrimetrische Bestimmung, geeignete Form ĂŒbergenĂŒhrt werden können, bietet keine Schwierigkeiten. Sie ist aber weniger leicht in Bleierzen auszufĂŒhren, welche vorzugsweise aus Bleiglanz (Bleisulfid) bestehen. Behandelt man dieselben mit SalpetersĂ€ure, so erhĂ€lt man stets Bleisulfat, welches nun erst von der stets vorhandenen unlös- lichen Gangart (Quarz, Thonschiefer, Schwerspath etc.) geschieden werden muss. Als Lösungsmittel ist man aber bei der Analyse der Bleierze auf die SalpetersĂ€ure angewiesen. In der nie oder nur ganz ausnahmsweise fehlenden Gangart liegt also die eine Schwierigkeit fĂŒr eine technische Bestimmung des Bleis, an welche gewöhnlich auch der Anspruch gestellt wird, dass sie mit möglichst einfachen HĂŒlfsmitteln und auch von wenig geschulten HĂ€nden ausgefĂŒhrt werden soll. Eine andere Schwierigkeit bietet die hĂ€ufige Anwesenheit von Kupfer und Antimon enthaltenden Mineralien. Hat man das Blei in essigsaurer Lösung erhalten, so steht seiner Titration durch Alkalichromat (siege § 967) Nichts entgegen.

973. I. Durch UeberfĂŒhren in Sulfat und Scheidung desselben von der Gangart. Man behandelt die Probe mit SalpetersĂ€ure, fĂŒhrt durch Abrauchen mit SchwefelsĂ€ure alles Blei in Sulfat ĂŒber, filtrirt das Gemisch von Bleisulfat und Gangart und wĂ€ es in geeigneter Weise aus. Nun spritzt man es vom Filter in das zuerst angewandte Gefass zurĂŒck und behandelt es unter schwachem ErwĂ€rmen mit einer massig concentrirten Lösung von Ajnmoniumacetat oder von basischem Ammoniumtartrat Die Lösung, welche das Blei enthĂ€lt, giesst man durch dasselbe Filter in ein frisches Becherglas und wĂ€ mit warmed Wasser aus.

Das Filtrirpapier hĂ€lt mit grosser HartnĂ€ckigkeit geringe Mengen der alkalischen oder auch der essigsauren Bleisulfatlösung zurĂŒck. Man wendet deshalb zuletzt ganz wenig heisse und verdĂŒnnte SalzsĂ€ure zum Auswaschen an.

Man kann das gelöste Blei aus der Lösung durch Schwefelwasserstoff fallen und das Bleisulfid durch Behandeln mit SalpetersĂ€ure und SchwefelsĂ€ure in einem gewogenen, gerĂ€umigen Porzellantiegel in Sulfat ĂŒberfĂŒhren (siege § 954).

') Z, angew. Ch. 1891, 329. De Koninck-Meineke, Mineralanalyse. II.

ß(5 Die Bestimmung des Bleis fĂŒr technische Zwecke.

In dieser Form der gewichtsanalytischen Bestimmung giebt das Verfahren auch in Gegenwart von Kupfer und Antimon sehr sichere Resultate ; es erfordert aber eine gewisse Uebung.

974. IL Durch Behandeln mit Zink (oder Gadminm) in Gegenwart von SalzsĂ€ure. Behandelt man Bleisulfid mit Zink und Salz- sĂ€ure, so scheidet sich das Blei als schwammige, metallische Masse aus, unter Entwickelimg von Schwefelwasserstoff. In gleicher Weise erfolgt die Abscheidung des Metalles durch Zink aus einer Lösung von Bleichlorid. Man kann ĂŒberhaupt die Bildung von Bleichlorid als Zwischenvorgang bei der angegebenen Zersetzung des Bleisulfides ansehen. Das abgeschiedene und ausgewaschene metallische Blei kann nun durch Behandeln mit SalpetersĂ€ure von der unlöslichen Gangart ohne Schwierigkeiten geschieden werden.

Stör er hat dieses Verhalten der Bleiverbindungen zuerst zur Bestimmung des Bleis in Erzen angewandt i). Ueber den Werth des Verfahrens gehen die Urtheile der Chemiker aus einander 2). A. Eckenroth 3) machete nun die Beobachtung, dass Bleisulfid in Bleichlorid löslich ist und dass das gelöste Bleisulfid sich der Einwirkung des Zinks entzieht. Die Löslichkeit wird aber vermindert und ganz aufgehoben bei geeigneter VerdĂŒnnung. Man erreicht eine vollstĂ€ndige Zerlegung des Bleiglanzes und Ausscheidung des Bleies als Metallschwamm, wenn man 0,5 gr des Bleierzes in einem Kölbchen von etwa 200 cc Inhalt nĂŒt 25 cc SalzsĂ€ure (1,12 sp. Gew.) und 25 cc Wasser ĂŒbergiesst, auf das Kölbchen einen kleinen RĂŒckflusskĂŒhler, oder statt dessen ein langes, grades Glasrohr, setzt, um die Wasserverdampfung zu verhindern, und etwa 15 Minuten im Sieden erhĂ€lt.

Dass die FlĂŒssigkeit bleifrei ist, erkennt man nach Rössler daran, dass ein hinzugefĂŒgtes StĂŒckchen Magnesiumband vollstĂ€ndig verschwindet, wĂ€hrend sich um dasselbe Flocken von reducirtem Blei bilden, wenn noch nicht alles Blei abgeschieden ist.

Das abgeschiedene schwammige Blei wird durch Decantiren und wiederholtes Aufgiessen von Wasser*) ausgewaschen und kann nun zur Bestimmung benutzt werden, entweder indem man es in SalpetersĂ€ure löst und das Nitrat durch Chromat titrirt oder behufs gewichtsanalytischer Bestimmung in Bleisulfat oder in Bleioxyd ĂŒberfĂŒhrt, oder indem man das metallische Blei wĂ€gt.

Das letztere Verfahren stösst, abgesehen davon, dass neben abgeschiedenem Blei auch unlösliche Gangart vorhanden ist und dass das

2) Vergl. u. a.: Z. anal. Ch. 10 (1871), 491; ebendas. U (1872), 460. Vergl. auch Stolba: /. prakt. Ch. 101 (18G7), 150; Mohr: Z. anal. Ch. 12 (1873), 142: C. Rössler: Z. anal. Ch. 24 (1885), 1.

Gewöhnliches destillirtes Wasser löst etwas Blei auf; man wendet deshalb zum Auswaschen besser Brunnenwasser an.

Die Bestimmung des Bleis fĂŒr technische Zwecke. 67

Blei auch andere durch Zink fallbare Metalle, namentlich Kupfer, ent- hĂ€lt, auf die Schwierigkeit, dass das schwammige Metall sehr leicht durch den Sauerstoff der Luft oxydirt wird. Mohr) hat versucht, es in Amalgam ĂŒberzufĂŒhren, indem er es in einem Porzellantiegel mit Quecksilber in BerĂŒhrung brachte.

In sehr interessanter Weise hat C. Rö ssler 2) das Problem gelöst. Er verfÀhrt in folgender Weise:

Der BleischwaiĂŒm wird in einen Reagircylinder ĂŒbergespĂŒlt. Die saure, ĂŒber dem Blei stehende FlĂŒssigkeit wird abgegossen und durch etwas Wasser ersetzt; dann neutralisirt man sie durch in Wasser aufgeschlĂ€mates Calciumcarbonat. Nun giebt man ein gewogenes StĂŒckchen von Wood'schem Metall) hindu, etwa zwei-bis dreimal so schwer, als das zu bestimmende Blei, erwĂ€rmt und bringt gleichzeitig mittels eines Glasstabes Blei und Wood'sches Metall in innige BerĂŒhrung; in dieser Weise bewirkt man ein Aufsaugen des ersteren durch das letztere. Ist diese Aufsaugung vollstĂ€ndig geschehen, so dass die vereinigten Metalle als glĂ€nzende Legirung erscheinen und in der FlĂŒssigkeit keine Theilchen des Metallschwanunes suspendirt sind, so bringt man die nun entstandene Legirung durch EĂŒntauchen des Reagircylinders in kaltes Wasser schnell zum Erstarren, nimmt das Korn heraus, wĂ€ es ab, trocknet und wĂ€gt es. Die ermittelte Gewichtszunahme ist das Gewicht des zu bestimmenden Bleis.

FĂŒhrt man das Legiren des Bleis mit dem Wo od* sehen Metalle in geschickter Weise aus, so geht in die Legirung keine unlösliche Gangart ĂŒber).

EnthĂ€lt das Erz Kupfer, welches durch Einwirkung von Zink und SalzsĂ€ure ebenfalls metallisch ausgeschieden wird und in die Legirung ĂŒbergeht, so sind die Metalle, nach Auflösen des Erzes, in Sulfate ĂŒberzufĂŒhren; die ĂŒber dem Bleisulfate stehende FlĂŒssigkeit wird durch ein kleines Filter decantirt und die geringen, auf letzteres gelangten Mengen von Bleisulfat werden auf dem Filter in SalzsĂ€ure gelöst, so dass die Lösung in den Reagircylinder, in welchem alle Operationen vorgenommen wurden, einfliesst; aus ihr und der nicht angegriffenen Hauptmenge des Bleisulfates wird durch Zink und SalzsĂ€ure das Blei als Metallschwamm abgeschieden, welcher, wie vorher angegeben wurde, weiter behandelt wird.

Selten sind die zur VerhĂŒttung gelangenden Bleierze ganz frei von Antimon. Um dieses zu entfernen, behandelt man das Erz in einem

20 Th. reines Wismuth, 10 Th. Blei, 5 Th. Cadmium, 5 Th. Zinn; diese Legirung schmilzt bei 68¼ C. Wood giebt die Zusammensetzung der nach ihm benannten Legirung wie folgt an: 4 Th. Blei, 1 — 2 Th. Cadmium, 2 Th. Zinn [SilL Am. J. [2] 80 (1860), 271).

Das Verfahren wurde im Laboratorium von Professor De Koninck durch Ch. Goossens geprĂŒft und gab gute Resultate.

Die Bestimmung des Bleis fĂŒr technische Zwecke.

PorzellanschĂ€chen mit SalzsĂ€ure, dampft zur Trockne und erhitzt den Ruckstand stĂ€rker, auf mindestens 230 bei welcher Temperatur das Antimonchlorid verflĂŒchtigt wird. Den verbliebenen RĂŒckstand behandelt man wie ein frisches Erz, event. unter BerĂŒcksichtigung eines Kupfergehaltes, in der angegebenen Weise.

975. UI. Durch Schmelzen mit geeigneten Flussmitteln in Gegenwart von metallischem Eisen. Obwohl die vorher beschriebenen Verfahren zu einer Bestimmung des Bleis fĂŒr hĂŒttenmĂ€nnische Zwecke sehr gut geeignet sind, haben sie doch nicht vermocht, die sog. Bleiprobe auf trockenem Wege, welche durch einen Schmelzprocess das im Erze enthaltene Blei unmittelbar als Metall ergiebt, aus den Laboratorien der BleiĂŒtten zu verdeĂ€ngen. Nach wie vor wird dieses Verfahren, so wenig es auch strengen AnsprĂŒchen an Genauigkeit GenĂŒge leistet, der Werthbestimmung der Bleierze zu Grunde gelegt. Es ist hier nicht der Platz, die GrĂŒnde hierfĂŒr ausfĂŒhrlich darzulegen. Die Geschwindigkeit, mit welcher die Bleibestimmung auf trockenem. Wege auch von analytisch nicht geschulten Persönlichkeiten ausgefĂŒhrt werden kann, und der Umstand, dass der erhaltene Bleiregulus zur Bestimmung des Silbers, dessen Gehalt von hervorragendem EinflĂŒsse auf den Werth der Bleierze ist und fĂŒr dessen Bestimmung ein auch nur annĂ€hernd genaues analytisches Verfahren auf nassem Wege felt, benutzt werden kann, tragen in erster Linie dazu bei, dass die Schmelzprobe als die maassgebende angesehen wird. Die ihr anhaftenden Fehlerquellen, von welchen wir als die wichtigsten die VerflĂŒchtigung von Blei einerseits und Aufnahme von Kupfer und Antimon durch den Bleiregulus andererseits erwĂ€hnen wollen, gleichen sich hĂ€ufig so aus, dass die Resultate von der Wirklichkeit nicht so abweichen, wie man anzunehmen geneigt ist. In der Regel nĂ€hern sie sich der Wahrheit auf etwa Yg Procenteinheit.

X Wir werden nicht auf alle Modificationen,

unter welchen die Schmelzprobe angewandt wird, eingehen, sondern kurz, dem Zwecke unseres Buches entsprechend, nur die sog. Belgische Probe besprechen. Sie verdient vor allen Àhnlichen Verfahren den unbedingten Vorzug.

Zu ihrer AusfĂŒhrung dient ein gemauerter, mit den nöthigen Vorrichtungen zur Regulirung des Zuges versehener Windofen, von dessen Einrichtung die nebenstehende Abbildung Fig. 180 eine Anschauung geben möge. Nachdem man in dem Schachte A einen zwischen verbrennenden Koks stehenden, aus dickwandigem Schmiedeeisen getriebenen Tiegel zum GlĂŒhen gebracht hat, hebt man ihn heraus und beschickt ihn mit der abgewogenen (20 bis 25 gr) und in ein Ă€hnlich wie ein Filter

?

t

A

Fig. 180.

Bestimmung des disponiblen Sauerstoffes in den Oxyden des Bleis. ()9

gefaltetes Papier eingepackten Probe, sowie dem erforderlichen Flussmittel. Als solches wendet man gewöhnlich ein Gemisch von etwa vier Raumtheilen wasserfreier Soda, vier Raumtheilen calcinirtem Borax und einem Raumtheil Weinstein an. Man fĂŒllt mit diesem den Tiegel bis an den Rand, setzt ihn wieder in die glĂŒhenden Koks und hĂ€lt die ZĂŒge des Ofens offen, bis das Gemisch anfangt in Fluss zu gerathen. Nun schliesst man die Zugregister, so dass der Tiegel in einer reducirenden AtmosphĂ€re steht. Ist Alles wohl geschmolzen, so hebt man den Tiegel heraus und giesst seinen Inhalt, nachdem man alle an den WĂ€nden hĂ€ngenden BleikĂŒgelchen durch RĂŒtteln und Aufstossen mit dem am Boden liegenden Regulus vereinigt hat, in ein geeignetes eisernes Gefass aus. Nach dem Erkalten trent man den Regulus durch einige Hanmier- Ă€ge von der Schlacke, reinigt ihn sorgfaltig durch HĂ€mmern von letzten Schlackentheilchen und wĂ€gt ihn.

Besser ist noch, die Schlacke langsam so vollstĂ€ndig wie möglich zu decantiren, bis das Blei blossgelegt ist; dann lĂ€sst man einige Augenblicke abkĂŒhlen, bis die Schlacke, welche weniger schmelzbar als das Metall ist, erstarrt; endlich wird das Blei allein in eine besondere halbkugelförmige Form von Messing gegossen. Auf diese Weise wird es direct ganz rein und zur WĂ€gung geeignet erhalten. Die ganze Hantirung erfordert eine gewisse Geschicklichkeit.

Der leere Tiegel kann sofort mit einer frischen Probe beschickt werden.

Die ganze Procedur einer Schmelzung nimmt nur etwa 10 bis IT) Minuten in Anspruch.

Von dem im Erze enthaltenen Kupfer und Antimon geht ein grosser Theil in den Regulus ĂŒber und wird als Blei bestimmt. Sind beide Metalle in erheblichen Mengen vorhanden, so kann der Regulus so spröde werden, dass er unter dem Hammer zerfĂ€llt.

Ferner findet man im Regulus alles im Erze enthaltene Silber; dieses kann, wie wir spÀter kennen lernen werden, durch Cupellation bestimmt werden.

Um nach dem Verfahren auf trockenem Wege sehr kleine Bleimengen, z. B. in Schlacken, zu bestinunen, ist vorgeschlagen worden), der zu schmelzenden Probe eine gewogene Menge gepulvertes Silber zuzusetzen; das Blei erhÀlt man dann aus der Differenz zwischen dem Gewichte des erfolgenden Regulus und dem Gewichte des zugesetzten Silbers.

Bestimmung des disponiblen Sauerstoffes in den Oxyden

des Bleis.

9 7 6. Der Sauerstoff, welchen die Mennige und das Bleisuperoxyd in grösserer Menge, als zur Bildung des Bleioxydes PbO erforderlich ist, enthalten, kann nach den Verfahren bestimmt werden, welche wir frĂŒher bei der Bestimmung des diponiblen Sauerstoffes in den Manganioxyden

') W. Stahl: B.- u. H. Z. 1889, 237.

70 Quecksilber. Eigenschaften des Quecksilbers.

beschrieben haben. Diese Bestimmung lĂ€sst sich besonders genau chlorometrisch ausfĂŒhren, indem man das Oxyd durch gasförmige ChlorwasserstoffsĂ€ure zersetzt i) (§ 650).

Auch kann man schnell und mit genĂŒgender SchĂ€rfe das folgende, namentlich fĂŒr technische Zwecke praktische Verfahren anwenden.

977. Durch OxalsĂ€ure und Frmanganat Man behandelt das Oxyd mit verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure, welcher man einen Ueberschuss einer titrirten Lösung von OxalsĂ€ure oder eines reinen Oxalates zugesetzt hat. Man erwĂ€rmt massig und titrirt nach beendigter Zersetzung den Rest der OxalsĂ€ure mit Permanganat zurĂŒck (§ 647) 3).

Quecksilber.

Eigenschaften des Quecksilbers.

978. 1*. Das Quecksilber ist silberweiss und bei gewöhnlicher Temperatur flĂŒssig, wie die griechische Wurzel seines latinisirten Namens „Hydrargyrum" andeutet; es erstarrt bei 40Âź unter Null und siedet bei 35 GÂź unter gewöhnlichem Luftdrucke. Es verflĂŒchtigt sich aber bereits bei 100Âź merklich. Mit Wasser auf dessen Siedepunkt gebracht, wird es von dem Dampfe mitgerissen. An der Luft ist das Quecksilber unter den gewöhnlichen UmstĂ€nden ganz unverĂ€nderlich.

Das Quecksilber bildet mit verschiedenen Metallen sehr leicht Amalgame, besonders mit Zinn, Blei, Cadmium, Kupfer und Gold, aber nicht mit Eisen und Platin; die OberflÀche von Kupfer und Gold erscheint dann wie versilbert; beim Erhitzen verschwindet aber die silberweisse Farbe.

2. SalzsĂ€ure und verdĂŒnnte SchwefelsĂ€ure greifen es nicht an; heisse, concentrirte SchwefelsĂ€ure löst es unter Entwickelung von schwefliger SĂ€ure:

Hg + 2 H,SO, HgSO, + 2 HO + SO2.

3. SalpetersĂ€ure fĂŒhrt das Quecksilber in Mercurooder in Mercuri-Nitrat ĂŒber, je nach Temperatur, nach der relativen Menge der angewandten SĂ€ure und ihrer Concentration :

6Hg + 8HNO3 + 4H2O + 2N0 3Hg + 8HNO3 3Hg + 4H.2O + 2N0.

4. Königswasser löst das Quecksilber und bildet Mercurichlorid, 5*. In BerĂŒhrung mit JoddĂ€mpfen erwĂ€rmt, geht das Quecksilber

in gelbes oder rothes Mercurijodid ĂŒber; das gelbe Jodid wird durch Reibung roth.

6. Das Quecksilber bildet zwei Reihen von Verbindungen:

A. die Mercuriverbindungen, entsprechend dem Oxyde HgO,

B. die Mercuroverbindungen, entsprechend dem Oxyde HggO.

De Koninck und Lecrenier: R. univ. d. M. [3] 18 (1891), 47. -) F. Lux: Z, anal. Ch. 19 (1880), 153.

Siehe auch H. Forestier: Z. angew. Ch. 1898, 176, und C. Reichard: Ch.-Z. 22 774.

Eigenschaften der Mercurisalze. 71

Eigenschaften der Mercurisalze.

979. Ini Vergleiche mit anderen Metallsalzen besitzen die Mercurisalze ganz besondere Eigenschaften, unter welchen namentlich diejenige hervorzuheben ist, dass sie sich gegen gewisse Reagentien verscliieden verhalten, je nach der Art des angewandten Salzes. Die Sauerstoffsalze, deren vomehmlichster ReprÀsentant das Nitrat ist, reagiren anders als die Haloidverbindungen; ganz ausnehmend verhÀlt sich das in Wasser lösliche Cyanid.

Das Kalium-Mercuri-Jodid, ein wichtiges Reagens, besitzt ebenfalls bemerkenswerthe Eigenschaften.

1. Die neutralen und sauren Mercurisalze sind farblos, die basischen sind weiss, gelb oder braun.

2. Die Halogenverbindungen und das Cyanid werden von Wasser nicht verÀndert; die Sauerstoffsalze (Nitrat, Sulfat) werden beim Behandeln mit reichlichen Mengen Wasser, besonders in der WÀrme, unter Bildung eines basischen Salzes zerlegt:

+ 2H2O - Hg,0, + 4HNO3. Die entstehende freie SÀure wirkt der vollstÀndigen Zersetzung entgegen.

3. Wirkt eine geringe Menge von Schwefelwasserstoff auf Mercurilösungen ein, so erhÀlt man gewöhnlich einen weissen Niederschlag von sulfobasischem Salze

3 HgCla + 2 K, S Hg SCl. + 4HCI, -f 2H2S + 4HNO3. Bei fortgesetzter Einwirkung des Reagens wird der Niederschlag allmÀhlich gelb, dann braun und schliesslich schwarz; das ist dann erst das Mercurisulfid HgS. Das Mercuricyanid giebt diese Zwischenverbindungen nicht, sondern direct das Sulfid.

Das Mercurisulfid ist an der Luft unverÀnderlich und in den meisten einfachen SÀuren, selbst in SalpetersÀure, unlöslich; concentrirte Jodwasserstoff sÀure jedoch löst es, selbst in der KÀlte, unter Entwickelung von Schwefel Wasserstoff 2); leicht löslich ist es in Königswasser und in Bromwasser. Es ist femer in Kaliumcyanid unlöslich, und fast unlöslich, besonders in der WÀrme, in Ammoniumsulfid und in den Alkalisulfhydraten, dagegen sehr leicht löslich in den Sulfiden des Kaliums und des Natriums und der Metalle der Baryumgruppe, indem ein Doppelsulfid, z. B. HgNaSg, entsteht.

Weil das Mercurisulfid in Ammoniumsulfid und in den Sulfhydraten der Alkalien und der alkalischen Erden unlöslich ist, wird es gefallt, wenn man die Lösung in einem normalen Sulfide mit Ammoniumchlorid behandelt oder mit Schwefelwasserstoff sÀttigt:

HgxNJajSg + 2NH,C1 HgS + + 2NaCl, HgNajSg + IS HgS + 2NaHS.

H. Rose: Ann. 13 (1828), 59; Guibourt: Ann. de phys. 1, 426. A. Kekule: Ann., Supplem. II (1862), 401.

Bei andauernder BerĂŒhrung mit diesem Reagens geht das schwarze, amorphe Sulfid in rothes, krystallinisches Sulfid (kĂŒnstlicher Zinnober) ĂŒber.

72 Eigenschaften der Mercurisalze.

Wasser zersetzt die Alkalisulfide mehr oder weniger, unter Bildung von Hydrat und Sulfhydrat:

NaS + KjOrNaHS + NaHO; daher fallt auch Wasser, in grosser Menge angewandt, theilweise Mercurisulfid aus den Alkali- Quecksilber- Doppelsulfiden wieder aus, besonders beim ErwÀrmen.

Die Alkalihydrate haben das Bestreben, diese Zersetzung der Sulfide zu hinder; ihre Gegenwart begĂŒnstigt daher die Löslichkeit des Mercurisulfides in Alkalisulfiden; es ist aber ihre Gegenwart nicht unbedingt erforderlich, trotz der Behauptung mancher Autoren.

In Gegenwart von Zinksulfid oder von Cadmiumsulfid entstehen, bei der Einwirkung von Natriumsulfid auf Quecksilbersulfid, Doppelsulfide von Quecksilbersulfid und Zinksulfid oder von Quecksilbersulfid und Cadmiumsulfid, welchen Natriumsulfid das Quecksilbersulfid nicht vollstÀndig entzieht).

In Gegenwart von Stannisulfid löst sich das Mercurisulfid merklich in Ammoniumsulfid, indem gleichzeitig das Stannisulfid in Sulfostannat ĂŒbergeht-).

4. Die Alkali Sulfide rufen dieselben NiederschlÀge hervor wie Schwefelwasserstoff.

5. Ammoniak fÀllt aus Lösungen des Mercurichlorides und des Mercurinitrates weisse NiederschlÀge von 'Amido-oder Imido-Salzen (Mercuriamidochlorid, Trimercuridiimidonitrat etc.):

HgCl + 2 NH3 + NHCl + CNH3 -f

Das Amidochlorid ist in Ammoniak, auch in Gegenwart von Ammoniumchlorid, wenig löslich; dagegen ist die Nitratverbindung in Gegenwart von Ammoniumnitrat leicht löslich.

In einer Lösung von Mercuri Cyanid bewirkt Ammoniak keinen Niederschlag; in einer Lösung von Mercuri-Kalium-Jodid entsteht ein weisser Niederschlag von Mercuriamidojodid; ist ein Alkali zugegen (Nessler's Reagens), so entsteht ein gelbbrauner Niederschlag von Mercurioxyamidojodid (siege § 386, Nr. 4).

Die verschiedenen angegebenen Verbindungen kann man sich durch folgende Constitutionsformeln ausgedrĂŒckt vorstellen:

Mercuri-Amido- Trimercuri-Diimido- Mercuri-Oxyamido-

Chlorid Nitrat Jodid

DeKoniiick und Nihoul: nicht veröfTentlichte Versuche, 1889; K. BĂŒ low: Inaug.-Dissert., Göttingen 181H).

Eigenschaften der Mercurisalze. 73

6. Natronhydrat und Kalihydrat rufen, wenn sie zu einer Lösung von Mercuri chlor id oder Mercurinitrat gesetzt werden, anfangs braune NiederschlĂ€ge von basischen Salzen hervor; diese gehen in gelbes Oxyd ĂŒber, wenn das Alkali in genĂŒgender Menge vorhanden ist:

HgClg + 2 NaOH HgO + 2 NaCl + H.O.

Die Gegenwart von Alkalichloriden in sehr grosser Menge verzögert oder verhindert mehr oder weniger die vollstÀndige FÀllung, wenigstens in der KÀlte; der in der WÀrme entstehende Niederschlag ist krystallinisch, sehr dicht und dunklroth i).

Die Alkalibromide wirken in gleichem Sinne und noch energischer 2).

Das Mercuricyanid und das Mercuri-Kalium-Jodid werden durch Alkalien nicht verÀndert.

7. Die fixed Alkalicarbonate reagiren Àhnlich wie die entsprechenden Hydrate: sie fÀllen aus den Lösungen des Chlorides und des Nitrates einen braunen Niederschlag von basischem Carbonat:

4 HgClg + 4 NagCOg + 8 NaCl + 3 COg.

In der WĂ€rme geht das basische Carbonat unter Freiwerden von KohlensĂ€ure in Oxyd ĂŒber:

+ C02.

Auf das Cyanid und das Doppeljodid wirken die fixed Alkalicarbonate nicht ein.

8. Ammoniumcarbonat reagirt genau so wie Ammoniak, mit dem einzigen Unterschiede, dass die Reactionen von einem Freiwerden von KohlensÀure begleitet sind:

HgCl, + + NH.Cl + HO + CO.

9. Baryumcarbonat zersetzt die Mercuri-Sauer st off salze unter Bildung brauner basischer Salze; auf die Halogenverbindungen ist es ohne Einwirkung 3) (siege Fussnote 3 auf Seite 411, Bd. I).

10. Kaliumjodid ruft in den Mercurilösungen (Chlorid und Nitrat) einen lebhaft zinnoberrothen Niederschlag von Mercurijodid hervor, welcher in einem Ueberschusse des Reagens leicht und auch in Mercurichlorid löslich ist.

Cadmiumjodid giebt denselben Niederschlag, welcher in einem Ueberschusse des Reagens unter Bildung eines Doppel sales ebenfalls löslich ist.

11. Kaliumsulfo Cyanid bewirkt in der Mercurinitratlösung einen weissen Niederschlag von Mercurisulfocyanid (Pharaoschlange), löslich in einem Ueberschusse des Reagens imd in Mercurinitrat.

De Koninck: nicht veröffentlichter Versuch.

Vergl. H. Arctowsky: Z. anorg. Ch. 9 (1895), 178.

74 Eigenschaflen der Mercurisalze.

12*. Stannochlorid, in kleiner Menge zu einer Lösung von Mercurichlorid gesetzt, erzeugt einen weissen Niederschlag von Mercurochlorid :

4HgCl2 + SngCl 2HgCl2 + 2SnCl4.

Um die Reaction mit den Sauerstofifsalzen gut hervorzurufen, ist die Mitwirkung von SalzsÀure erforderlich:

+ SnCl + 8HC1 2Hg2Cl2 + 2SnCl4 + 8HNO3.

Wird das Stannochlorid im Ueberschusse angewandt, so wird auch das Mercurochlorid reducirt und man erhÀlt einen grauen Niederschlag von metallischem Quecksilber:

2 HggCIg + SnaCl 4Hg + 2 SnCl.

Die WĂ€rme begĂŒnstigt diese Reaction.

Eine alkalische Lösung von Stannochlorid bewirkt sogleich eine grauschwarze FÀllung von metallischem Quecksilber (vergl. § 928, Nr. 13).

13. Ferrosulfat reducirt die Mercuri- Sauerstoffsalze zu Metall; es ist ohne Einwirkung auf die Halogenverbindungen und das Cyanid.

14. Schweflige SÀure reducirt das Mercurichlorid zu Mercurochlorid, besonders leicht in der WÀrme ; die Gegenwart eines sehr grossen Ueberschusses von Alkalichlorid i) oder Bromid*) beeintrÀchtigt die Reaction.

15. Alkalinitrite reduciren die Mercurisalze nicht (vergl. § 980, Nr. 17).

16. Phosphorige SÀure ruft in der Lösung von Mercurichlorid, oder in den Lösungen der Sauerstofifsalze auf Zusatz von SalzsÀure, einen Niederschlag von Mercurochlorid hervor:

2 HgCIg + H3 PO3 + HgO -- HggCla + H3 PO + 2 HCl.

In der KĂ€lte geht die Reaction darĂŒber nicht hindus.

Unterphosphorige SĂ€ure ruft denselben Niederschlag ein Ueberschuss des Reagens, besonders wenn es schnell zugesetzt wird, scheidet jedoch metallisches Quecksilber aus*).

17. Ein blanker Kupferstreifen, in die neutral oder saure Lösung eines Mercurisalzes gelegt, bedeckt sich mit einem grauen Ueberzuge von metallischem Quecksilber, welcher bei schwachem Reiben Silberglanz annimmt.

Erhitzt man den amalgamirten Kupferstreifen, so verflĂŒchtigt sich das Quecksilber und der Streifen nimmt wieder die rothe Farbe des Kupfers an.

Andere Metalle, wie Zink, Cadmium, Magnesium reduciren die Mercurisalze ebenfalls.

M H. Debray: 1. cit.

-) De K Ollin ck: nicht veröfFentlichter Versucli.

Eigenschaften der Mercurisalze. 75

Ein sehr empfindliches Mittel, Quecksilber aufzufinden, ist ein KnÀuel von Zinkdraht und Golddraht, oder ein mit Zinkdraht umwickelter goldener Ring: das Quecksilber Àgt sich auf dem Golde nieder).

18*. Werden die Mercuriverbindungen einer genĂŒgend hohen Temperatur ausgesetzt, so verfluchtigen sie sich oder werden zersetzt. In allen FĂ€llen ist der RĂŒckstand frei von Quecksilber.

Nimmt man die Operation in einem geschlossenen Rohre vor, so erhÀlt man an dem kalten Theile desselben einen Anflug, welcher sich je nach der Natur der Verbindung wie folgt verschieden verhÀlt:

Das Chlorid wird ohne Zersetzimg verflĂŒchtigt und verdichtet sich in Form weisser Nadeln.

Das Jodid giebt einen gelben oder einen gelben und rothen Beschlag; der gelbe Beschlag ist nur eine allotropische, unrestĂ€ndige Modification; die geringste Reibimg lĂ€sst ihn in die bestĂ€ndige rothe Modification ĂŒbergehen.

Das Sulfid verflĂŒchtigt sich ohne erkennbare Zersetzung und bildet einen schwarzen Ring; das Pulver des sublimirten Sulfides ist roth.

Das Oxyd und die Sauer st off salze werden zerlegt und geben metallisches Quecksilber; der Beschlag besteht aus spiegelnden, glĂ€nzenden KĂŒgelchen.

Das Nitrat giebt einen halb gelben, halb rothen Beschlag, welchen man fĂŒr das Jodid halten könnte, obwohl die Farben weniger lebhaft sind; der rothe Beschlag ist Mercurioxyd, der gelbe, welcher sich beim Reiben nicht verĂ€ndert, wie es das Jodid thut, ist basisches Nitrat; beide verdanken ihre Entstehung einer neuen Oxydation der Quecksilber- dĂ€mpfe durch die nitrogen Producte, welche gleichzeitig mit dem Metalle verflĂŒchtigt werden).

19*. In geschlossenem Rohre mit reinem Natriumcarbonat oder mit Kaliumcyanid und Natriumcarbonat erhitzt, werden die Mercurisalze zersetzt; es bilden sich DĂ€mpfe von Quecksilber, welche an den kalten Theilen zu metallischen KĂŒgelchen verdichtet werden und hier einen silberĂ€hnlichen Ring bilden.

Diese Reaction vollzieht sich in zwei Phasen: zuerst entsteht Mercurioxyd und dann wird dieses zersetzt:

+ NaCOj HgO + 2 NaNOg + CO., HgO Hg + a

FĂŒr ein gutes Gelingen der Reaction ist wichtig, dass das zu erhitzende Gemisch vollstĂ€ndig trocken ist, weil andernfalls das sich gleichzeitig mit dem Quecksilber condensirende Wasser dieses nicht deutlich erkennen lĂ€sst; auch muss das Rohr ganz rein sein. Man muss daher

') Dieses Mittel ist bereits von Accum: A practical Treatise on chemual Tests, 2. Ed. (1818), S. 308, angegeben.

-) De Koninck: nicht veröffentlichte Versuche.

76 Eigenschaften der Mercurosalze.

das Gemisch vor seiner Einfuhrung in das Rohr trocknen, indem man es in einem kleinen Tiegel schwach erwÀrmt, und muss es so in das Rohr bringen, dass nichts an den WÀnden haften bleibt (siege § 185).

Das abgelagerte Quecksilber kann man dann in Jodid ĂŒberfĂŒhren, was leicht geschieht, indem man ein BlĂ€ttchen Jod in das Rohr bringt imd schwach erwĂ€rmt (siege § 978, Nr. 5).

20. Nach dem Bunsen*schen Verfahren behandelt, geben die Mercuriverbindungen metallische Ablagerung ohne Oxydbeschlag. Diese Ablagerung ist auf der ganzen Schale verbreitet, grau, staubartig, nicht zusanmienhĂ€ngend. BromdĂ€mpfen ausgesetzt, verschwindet sie, indem sie in Mercuround Mercuri-Bromid umgewandelt wird. Der bromirte Beschlag wird durch Stannochlorid reducirt; der Einwirkung von Jodwasserstoff ausgesetzt, \vird er grĂŒnlich (Mercurojodid), roth (Mercurijodid) oder gelb (Bromojodid). SchwefelwasserstoflfdĂ€mpfe wandeln ihn in schwarzes Sulfid um, welches in Natriumsulfid löslich ist (siege Tabelle Bd. I, S. 184).

Eigenschaften der Mercurosalze.

980. 1. Die neutralen wie sauren Mercurosalze sind farblos, die basischen sind gelb.

Sie werden zum grössten Theile leicht zersetzt, indem Mercurisalz und metallisches Quecksilber nach folgendem Schema entstehen:

(siege Nr. 5, 6, 8, 9, 12, 13, 14 und 17).

2. Wasser zersetzt die Mercuro-Sauerstoffsalze unter Bildung von basischen Salzen; dagegen ist es ohne Einwirkung auf die Halogenverbindungen (vergl. § 979, Nr. 2):

+ H,0 + 2Hno3.

3*. SalzsÀure und nicht reducirend wirkende Chloride rufen in einer Mercurolösung einen weissen Niederschlag HgClj (Calomel) hervor:

Das Mercurochlorid ist in SĂ€uren unlöslich, löslich in Königswasser und in Chlorwasser, welche es in Mercurichlorid ĂŒberfuhren; auch in Brom Wasser ist es löslich:

HggCIa + 2 Br - HgCl + HgBr.

Saure verdĂŒnnte Lösungen von Ferrisalzen, ChromsĂ€ure, liebermangansĂ€ure wirken langsam in der KĂ€lte auf Mercurochlorid; dieses wird unter Reduction des Reagens und unter Bildung von Mercurisalz gelöst.

Von Ammoniak wird es, ohne gelöst zu werden, in schwarzes Mercuro -Amido - Chlorid ĂŒbergenĂŒhrt :

Eigenschaften der Mercurosalze. 77

Dieses Amidochlorid giebt beim Behandeln mit SalpetersĂ€ure eine Lösung von Mercuronitrat und einen RĂŒckstand von Mercurochlorid:

Es ist allem Anscheine nach nicht ausgeschlossen, dass Ammoniak auch in dem Sinne der Formel:

HgjCl, + 2NH3 + Hg + NH,Cl, also in dem Sinne der allgemeinen Formel in Nr. 1 wirkt und dass das schwarze Product ein Gemisch von Quecksilber und der Mercuri Verbindung ist, welches seine dunkle Farbe dem ausgeschiedenen Quecksilber verdankt i).

Das Mercurochlorid ist in einer Lösung von Mercurinitrat leicht löslich, aber nicht in Mercurichlorid. Um es aus einer Lösung, welche Mercurinitrat enthĂ€lt, vollstĂ€ndig zu fallen, muss man genug SalzsĂ€ure oder Alkalichlorid zusetzen, um alles Nitrat durch Wechselzersetzung in Chlorid ĂŒberzufĂŒhren.

4. SchwefelsĂ€ure ruft in genĂŒgend concentrirten Mercurolösungen einen weissen Niederschlag von Mercurosulfat hervor, welcher in 500 Th. Wasser löslich ist.

5. Durch Schwefelwasserstoff entsteht in den Mercurolösungen ein schwarzer Niederschlag, bestehend aus Mercurisulfid und metallischem Quecksilber:

Behandelt man diesen Niederschlag mit concentrirter SalpetersÀure, so wird das Quecksilber gelöst und das entstandene Mercurinitrat giebt, indem es sich theilweise mit dem Sulfide verbindet, weisses sulfobasisches Nitrat (vergl. § 979, Nr. 3).

Bei Behandeln mit Natriumsulfid löst sich der Niederschlag theilweise, unter ZurĂŒcklassung von metallischem Quecksilber. Natriumpolysulfid löst den ganzen Niederschlag.

6. Die Alkalisulfide geben das gleiche Niederschlagsgemisch von Quecksilber und Mercurisulfid.

Die Polysulfide geben ausschliesslich Mercurisulfid: HgaCNOg) + Am,S2 - 2HgS+ 2 AmNOg.

7. Wir haben oben bereits die Wirkung des Ammoniaks auf das Mercurochlorid kennen gelernt. Auf die Sauerstoflfsalze wirkt es weniger glatt; mit dem Nitrate z. B. giebt es einen schwarzen Niederschlag, welcher ein wenig bestÀndiges Gemisch von Mercurooxyd und Amidonitrat ist Letzteres ist vielleicht ebenfalls ein Gemisch, und zwar von Quecksilber und der Mercuriverbindung (siege Nr. 3).

8. Natron-und Kalihydrat fĂŒhren die Mercurosalze in schwarzes, in einem Ueberschusse des Reagens unlösliches Mercuro-

Siehe Barfoed: /. prakt. Ch. [N. F.] 39 (1889), 211; Pesi: Gazz. eh. ÜaL 12 (1891), 569.

78 Eigenschaften der Mercurosalze.

oxyd ĂŒber. Der Niederschlag enthĂ€lt immer neben einer gewissen Menge Mercurooxyd, welche 80 /o erreichen kann, wesentliche Mengen von Quecksilber und von Mercurioxyd i). Kocht man die FlĂŒssigkeit, so spaltet sich der Niederschlag in gelbes Mercurioxyd und Quecksilber; dieses Gemisch ist Ă€rzlich:

Hg,0 HgO + Hg.

9. Die Carbonate der fixed Alkalien geben, im Ueberschusse angewandt und in der KĂ€lte, einen grĂŒnlichen Niederschlag von basischem Carbonat; beim ErwĂ€rmen zersetzt sich dieses in Mercurioxyd, Quecksilber und KohlensĂ€ure.

10. Ammoniumcarbonat giebt dieselben Reactionen wie Ammoniak, nur entwickelt sich bei seiner Anwendung KohlensÀure:

11. Kaliumchromat und -Dichromat bewirken in Mercuro- lösungen einen rothen Niederschlag von Mercurochromat. welcher beim Stehen körnig wird:

+ KgCrO; + HO 2Hg2CrO, + 2KNO3 + 2HNO3. Das Mercurochromat ist in verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure unlöslich (vergl. die umgekehrte Reaction § 521, Nr. 9).

12. Kaliumjodid* ruft einen olivengrĂŒnen Niederschlag von Mercurojodid hervor; ein Ueberschuss des Reagens bringt denselben wieder zum Verschwinden und hinterlĂ€sst einen grauen RĂŒckstand von Quecksilber; die Lösung enthĂ€lt Mercuri- Kalium -Jodid:

13. Kaliumsulfocyanid giebt einen grauen Niederschlag von weissem Mercurisulfocyanid, gemischt mit Quecksilber.

14. Kaliumcyanid giebt einen grauen Niederschlag von reducirtem Quecksilber; die Lösung enthÀlt Mercuricyanid:

Hg,(N03), + 2 KCy Hg + HgCj', + 2 KNO3. 15*. Stannochlorid giebt einen grauen Niederschlag von reducirtem Quecksilber. WĂ€rme begĂŒnstigt die Reaction.

16. Ferrosulfat giebt anfangs einen weissen Niederschlag von schwerlöslichem Mercurosulfat, welcher spÀter, besonders in der WÀrme, zu Quecksilber reducirt wird. Die Halogenverbindungen werden nicht reducirt.

17. Nitrite fÀllen aus Lösungen von Mercurosalzen Quecksilber (vergl. § 979, Nr. 15). Diese Reaction ist nicht, wie man glauben könnte, eine eigentliche Reduction, sondern eine Zerlegung des entstandenen Mercuronitrites in Mercurisalz und Quecksilber 2).

18. Chlor, Brom, Königswasser, concentrirte und heisse

Barfoed: /. prakt. Ch. [N. F.] 38 (1888), 441. '') De Koninck: Ch.-Z. 19 75().

Bestimmung des Quecksilbers. A. Durch WĂ€guug. 71)

SalpetersĂ€ure, Kaliumpermanganat in Gegenwart einer SĂ€ure fĂŒhren die Mercurosalze in Mercurisalze ĂŒber:

19. Kupfer, Zink, Cadmium, Magnesium reduciren die Mercurosalze wie die Mercurisalze.

20*. Auf trockenem Wege zeigen die Mercuroverbindungen im Allgemeinen dieselben Reactionen wie die Mercuriverbindungen (siege § 979. Nr. 18 bis 20).

In geschlossenem Rohre geben sie in der Regel Quecksilber und die entsprechende Mercuriverbindung, wenn diese bestÀndig ist.

Mercurochlorid jedoch wird ohne Zersetzung sublimirt.

Bestimmung des Quecksilbers. A. Durch WĂ€gung).

981, I. Durch Gewichtsverlust. Liegt metallisches Quecksilber oder eine bestimmte Mercurooder Mercuriverbindung, allein oder in einem Gemische von ausschliesslich feuerbestĂ€ndigen und in der Hitze unverĂ€nderlichen Substanzen, vor, so erhĂ€lt man das Gewicht des Metalles oder der Verbindung sehr einfach in der Weise, dass man eine bestimmte Menge der Probe stark glĂŒht, entweder bei Luftzutritt oder unter Wasserstoff, und den unter diesen UmstĂ€nden entstandenen Gewichtsverlust ermittelt.

982. IL Als Mercurisulfid. Um das Quecksilber nach diesem Verfahren zu bestimmen, muss es in der Lösung als Mercurisalz vorhanden sein. Einem Mercurosalze fĂŒgt man Brom bis zu dauernder schwacher GelbfĂ€rbung hindu, dessen Ueberschuss man durch ErwĂ€rmen der FlĂŒssigkeit auf dem Wasserbade unter Einleitung eines Stromes von Luft oder von KohlensĂ€ure verjagt.

Man kann nun in zweierlei Weise das Mercurisulfid erhalten: 1. Durch Schwefelwasserstoff. In die saure Lösung, welche, wenn sie Mercurinitrat enthĂ€lt, verdĂŒnnt und kalt sein muss, aber warm und concentrirter sein darf, wenn Chlorid oder Sulfat vorliegt, wird Schwefelwasserstoff bis zur SĂ€ttigung geleitet. Der Niederschlag wird auf einem tarirten Filter gesammelt, mit Wasser ausgewaschen und gewogen, nachdem er bei 100 getrocknet ist, wenn das Filter aus Papier, bei 110 bis 120 wenn es aus Asbest besteht.

Ist dem Mercurisulfide Schwefel beigemischt, so lÀsst man der Auswaschung mit Wasser eine solche mit neutralem Natriumsulfit und dann eine neue Auswaschung mit Wasser folgen.

Weil ein grosser Theil der Verfahren zur Bestimmung des Metalles fĂŒr alle Quecksilberverbindungen geeignet ist, haben wir hier die Verfahren nicht nach den Arten der Verbindungen, auf welche sie anwendbar sind, gruppirt.

80 Bestimmung des Quecksilbers.

2. Durch Ammoniumsulfid). Alan neutralisirt die Lösung an- nĂ€hernd mit Natriumcarbonat und fĂŒgt dann mit etwas Natronhydrat versetztes Natriumsulfid hindu, bis der anfangs entstandene Niederschlag wieder vollstĂ€ndig verschwunden ist; nun erhitzt man die FlĂŒssigkeit zum Kochen, giesst eine concentrirte Lösung von Anunoniumnitrat hindu und setzt das Kochen fort, bis alles Ammoniak, höchstens bis auf einen unbedeutenden Rest, ausgetrieben ist.

Der imter diesen UmstÀnden sich wieder bildende Niederschlag von Mercurisulfid ist compacter als der durch Schwefelwasserstoff erhaltene; man behandelt ihn weiter wie diesen letzteren.

983 III. Als Mercurochlorid. Es sind zwei Möglichkeiten zu berĂŒcksichtigen, je nachdem, ob das Quecksilber als Mercurosalz oder als Mercurisalz vorliegt.

1. Mercurolösung. Die saure, ziemlich verdĂŒnnte Lösung wird kalt mit Natriumchlorid behandelt; nachdem sich der Niederschlag vollstĂ€ndig abgesetzt hat, sammelt man ihn auf einem tarirten Filter, wĂ€ ihn mit Wasser aus und wĂ€gt ihn nach dem Trocknen bei 100Âź.

2. Mercurilösung. Man behandelt die saure FlĂŒssigkeit mit Natriumchlorid und phosphoriger SĂ€ure 2) in der KĂ€lte; nach lĂ€ngerem Absitzen sammelt und wĂ€gt man den Niederschlag, wie oben angegeben ist.

L. Vanino und F. Treubert bewirken die Reduction durch unterphosphorige SÀure, und zwar, da dieses Reagens leicht die weitergehende Reduction zu metallischem Quecksilber bewirkt (vergl. § 979, Nr. 12), in Gegenwart von Wassers toffsuperoyd

984. IV. Durch Stannoohlorid. Man sÀuert die Lösung, welche keine Nitrate enthalten darf, stark mit SalzsÀure an, erwÀrmt sie auf dem Wasserbade und versetzt sie mit einer durchaus klaren Lösung von Stannochlorid , bis der mehr oder weniger voluminöse, weisse Niederschlag, welcher sich zuerst bildet, vollstÀndig zu Quecksilber reducirt ist, welches, auf ein kleines Volumen zusammenschrumpfend, am Boden des GefÀsses sich absetzt.

Nach lĂ€ngerem ruhigen Stehen decantirt man die klare FlĂŒssigkeit, sucht alle kleinen QuecksilberkĂŒgelchen mit HĂŒlfe eines Glasstabes zu einer einzigen Kugel zu vereinigen und wĂ€ das Quecksilber decantirend, zuerst mit SalzsĂ€ure enthaltendem Wasser, um eine Abscheidung basischer Zinnverbindungen zu hinder, und spĂ€ter mit reinem Wasser aus. Darauf lĂ€sst man das Quecksilber in einen kleinen tarirten Tiegel rolled, entfernt das anhaftende Wasser durch Auftupfen von Streifen Filtrirpapier, trocknet im Exsiccator ĂŒber SchwefelsĂ€ure vollstĂ€ndig und wĂ€gt.

Statt reiner phosphoriger SĂ€ure benutzt man in der Regel ein Gemisch verschiedener SĂ€uren, welches man durch langsame Oxydation von Phosphor in feuchter Luft erhĂ€lt, ein Gemisch, welches man frĂŒher als PhosphatsĂ€ure bezeichnete. Das Verfahren ist von H. Rose: Ann. 110 (1860), 529, angegeben.

A. Durch WĂ€gung. gl

Sollte sich das Quecksilber nach dem angegebenen Verfahren nicht leicht zu einer Kugel vereinigen lassen, so spĂŒlt man es zunĂ€ in einen Reagircylinder ĂŒber und erwĂ€rmt es mit etwas verdĂŒnnter Salz- sĂ€ure und einigen Tropfen Stannochlorid; den gewĂŒnschten Zweck erreicht man dann bald durch rĂŒttelndes Bewegen des Cylinders.

Wenn man aus irgend einem Grunde die Anwendung von Zinnverbindungen vermeiden will, so kann man statt des Stannochlorides phosphorige oder unterphosphorige SĂ€ure benutzen; in der WĂ€rme reduciren diese die Quecksilbersalze zu Metall.

Das Verfahren giebt, welches Reductionsmittel man auch anwenden mag, in der Regel etwas zu niedrige Resultate.

985. V. Durch Elektrolyse in saurer Lösung). Die elektrolytische Bestimmung des Quecksilbers bietet in keiner Weise Schwierigkeiten. Man kann mit dem Chloride, dem Sulfate, dem Nitrate arbeiten und zur Noth auch mit unlöslichen Verbindungen, welche in der FlĂŒssigkeit suspendirt sind (Analyse des Zinnobers).

Die Lösung, welche bis zu 2 gr Metall enthalten kann, aber von erheblichen Mengen SalzsĂ€ure und fremder Chloride frei sein soll, wird mit SalpetersĂ€ure (spec. Gew. 1,36) versetzt, so dass letztere 1 bis 5 Vol.-Proc. der FlĂŒssigkeitsmenge ausmacht, je nachdem sie von anderen Metallen frei ist oder solche in relativ mehr oder weniger grossen Mengen enthĂ€lt.

Die Elektrolyse wird kalt ausgefĂŒhrt, mit einem Strome von 1 Ampere auf den Quadratdecimeter ElektrodenflĂ€che, wenn die Lösung nur Quecksilber enthĂ€lt, mit einem Strome von nur Ampere, wenn sie noch andere Metalle enthĂ€lt.

Der Quecksilbemiederschlag bildet auf der Platinschale entweder einen gleichmÀssigen Ueberzug oder Tröpfchen; er wird bei geschlossenem Strome ausgewaschen und nach dem Trocknen im Exsiccator gewogen.

Weil Alkohol die Neigung hat, den Niederschlag azulösen, wendet man zum Auswaschen reines Wasser an.

886. VI. Duroh Elektrolyse in Jodidlösung Wenn man die Lösung eines Mercurisalzes, namentlich des Chlorides, in einem Ueberschusse von Kaliumjodid, dem elektrischen Strome aussetzt, so scheidet sich an der positive Elektrode ein Niederschlag von Jod aus (siege § 939). Ist nun das Quecksilber an der negative Elektrode fast vollstĂ€ndig ausgefallt, so setzt man Natronhydrat hindu, bis beim UmrĂŒhren alles Jod verschwunden ist, und lĂ€sst den Strom noch etwa Yg Stunde lang einwirken. Das Quecksilber kann bei offenem Strome ausgewaschen werden.

Dieses Verfahren ist nicht empfehlenswerth, wenn das Quecksilber allein zu bestimmen ist.

von Miller und Kiliani: op, cit. S. 192; A. Classen: op. cit. S. 82; Clarkc: B. U (1878), 1409.

G. Vortmann: Ä 24 (1891), 2579; Riban: op. cit. S. 163.

De Koninck - Meineke, Mineralanalyse. II. 6

g2 Bestimmung des Quecksilbers.

987. VII. Durch Elektrolyse in Sulfidlösung i). Man löst Quecksilbersulfid in Natriiunsulfid , setzt Natronhydrat hindu und elektrolysirt.

Ob die FĂ€llung aus dieser Lösung vollstĂ€ndig ist, erkennt man daran, dass letztere sich auf Zusatz von Ammoniumchlorid oder Ammoniumnitrat nicht trĂŒbt.

Am Anfange der Stromeinwirkung kommt es vor, dass sich die positive Elektrode mit einem Ueberzuge von Sulfid bedeckt; dieser verschwindet aber spĂ€ter und es bleibt auf dieser Elektrode nur Schwefel zurĂŒck 2) .

Der Verfasser des Verfahrens giebt nicht an, dass der Niederschlag bei geschlossenem Strome ausgewaschen werden soll; bei Gegenwart von Alkalipolysulfid ist das aber nöthig.

— Man hat noch weitere VorschlĂ€ge fĂŒr die elektrolytische Bestimmung des Quecksilbers gemacht, z. B. in Oxalatlösung, in ammoniakalicher Lösung und besonders in Cyanidlösung.

988. VIII. Durch Caldumcxyd). Alle Quecksilberverbindungen, mit Ausnahme der jodhaltigen, werden bei hoher Temperatur durch Calciumoxyd reducirt.

Zur Anwendimg des Verfahrens bedient man sich eines schwer schmelzbaren Glasrohres von 40 bis 50 cm LĂ€nge und 10 bis 12 mm innerer Weite, welches auf einer Seite geschlossen ist In dasselbe fĂŒllt man zunĂ€ auf eine LĂ€nge von 5 bis

6 cm Calciumoxalat*), gepulverten Magnesit oder ein anderes, durch Hitze leicht zersetzbares Carbonat (Fig. 181, a — ö).

Auf diese erste Lage schĂŒttet man gebrannten, angelöschten Kalk in feinen Körnern — c).

Die abgewogene, das Quecksilber enthaltende Substanz wird in einem Mörser mit recht glatter FlĂ€che mit so viel pulvrigem gebranntem Kalk innig gemischt, dass das Gemisch im Rohre weitere 6 cm — d) ausfĂŒllt Man fĂŒhrt die Mischung in das Rohr mittels eines kurzstieligen Trichters ein , reinigt Mörser und Pistill durch zwei-bis dreimal wiederholtes Nachreiben mit etwas Kalk, den man jedesmal in das Rohr nachschĂŒttet — e) und fĂŒllt dieses schliesslich bis auf einige Centimeter vom offenen

G. Vortmann: B. 24 (1891), 2759; E. F. Smith:/, anal, and appl. Ch. 6 (1891), 202.

Man wĂŒrde diese Nebenreaction zweifellos vermeiden, wenn man der FlĂŒssigkeit Natriumsulfit zusetzte, wie es A. Lecrenier fĂŒr die Elektrolyse des Antimons angegeben hat {Ch.-Z. 13 (1889), 121H).

') H. Rose: Pogg. Ann. HO (1860), 54G; Erdmann und Marc band: / prakt. Ch. 81 (1844), 385.

Unter dem EinflĂŒsse massiger Hitze giebt das Calciumoxalat einen Strom von Kohlenoxyd.

A. Durch WĂ€gung. 83

Ende mit finkörnigem, aber nicht gepulvertem Kalk — /), so dass die Masse porös ist und den Gasen und DĂ€mpfen leichten Austritt gestattet. Damit der Inhalt des Rohres fest liegt, legt man nun noch einen Bausch von Asbest oder ein zu einem kleinen Cylinder zusammengerolltes Kupfergewebe auf den Kalk. Hierauf zieht man das offene Rohrende aus, indem man es gleichzeitig so umbiegt, wie Figur 181 {g) zeigt.

Das so hergerichtete Rohr wird horizontal in einen Ofen gelegt; die ausgezogene Spitze wird in einen kleinen Kolben, welcher etwas Wasser enthĂ€lt, eingefĂŒhrt, so dass sie nur 1 bis 2 mm in das Wasser eintaucht.

Man erhitzt nun, von borne beginnend) und allmĂ€hlich rĂŒckwĂ€rts schreitend, das Rohr auf Rothgluth, wobei man dafĂŒr sort, dass das den reinen Kalk enthaltende RohrstĂŒck bereits in Gluth ist, bevor die Hitze den Theil des Rohres erreicht, in welchem sich die zu analysirende Substanz befindet.

Unter diesen UmstĂ€nden wird das Quecksilber verflĂŒchtigt und in dem ausgezogenen und umgebogenen Theile des Rohres condensirt. Schliesslich erhitzt man das Calciumoxalat bezw. das Carbonat, welches sich am geschlossenen Rohrende befindet, um einen schwachen Gasstrom zu erzeugen, welcher die kleine, als Dampf in den leeren Theilen des Apparates zurĂŒckgebliebene Menge Quecksilber austreibt.

Nun schneider man die Spitze an der Umbiegungsstelie g ab, spĂŒlt das in ihr condensirte Quecksilber in den Kolben und fĂŒhrt dann aUes erhaltene Quecksilber in einen tarirten kleinen Tiegel ĂŒber, in welchem man es, wie oben (§ 984) beim Slannochloridverfahren beschrieben ist, trocknet und wĂ€gt

— Um das Kalkverfahren auf Quecksilberjodide anzuwenden, muss man, da dieselben durch Calciumoxyd allein nicht vollstĂ€ndig zersetzt werden, bis Âźs vorderen kömigen Kalkes durch spiralörmig so zusammengerolltes Kupfergewebe ersetzen, dass es das Rohr dicht aus- fĂŒllt 2). Das auf Rothgluth erhitzte Kupfer zersetzt die DĂ€mpfe der Quecksilberjodide, welche der Reduction durch Calciumoxyd entgangen sein könnten.

Nach H. Rose 3) werden die Jodide durch Kaliumcyanid vollstÀndig zersetzt; er wendet ein Gemisch von 1 Th. Kaliumcyanid und 2 Th. gebranntem Kalk an.

/

Bei allen derartigen Apparaten bezeichnet man als „vorderen" denjenigen Theil, aus welchem die Producte entweichen sollen, und als „hinteren" den entgegengesetzten; dieser kann geschlossen, wie in vorliegendem Falle, oder offen sein, so dass man einen Gasstrom eintreten lassen kann.

In dieser Form stellt das Kupfer eine sehr poröse Masse dar, welche der Einwirkung der es durchdringenden Producte eine grosse OberflĂ€che darbietet. Dieses Verfahren wurde schon 1829 von Jordan fĂŒr den quantitativen Nachweis des Quecksilbers angegeben (Jahrb. Ck. u. Phys. 8 (1829), 339). Pogg. Ann. U8 (1863), 165.

g4 Bestimmung des Quecksilbers.

989. IX. Das Vei&hren von Eschka). Das Verfahren wird zur schnellen technischen Bestimmung des Quecksilbers in Erzen, welche das Metall im Wesentlichen als Sulfid enthalten, angewandt; wir erwÀhnen es ganz besonders wegen seiner Eigenart.

Die fein gepulverte, gewogene Substanz wird in einem tiefen Porzellantiegel mit der HĂ€lfte hires Gewichtes an EisenfeilspĂ€nen 2) gemischt; ĂŒber das Gemisch schichtet man eine Lage reiner EisenspĂ€ne und bedeckt den Tiegel mit einem tarirten Deckel von Feingold, welcher Schalenform hat und dicht auf dem Tiegelrande aufliegt. In die Vertiefung des Deckels giesst man destillirtes Wasser, um das Quecksilber zu condensiren; nun erhitzt man den Tiegelboden massig: das Quecksilber wird verflĂŒchtigt, verdichtet sich an dem Golddeckel und amalgamirt sich mit demselben. Nach beendeter Operation reinigt man den Deckel durch Abspritzen mit Alkohol, trocknet ihn in einem Exsiccator und wĂ€gt ihn von Neuem. Durch Erhitzen des Deckels macht man ihn fĂŒr einen neuen Versuch bereit.

Im Wesentlichen lÀuft das Verfahren auf das von Jordan (siege § 988, S. 83, Fussnote 2) angegebene Mittel zum qualitativen Nachweise des Quecksilbers hindus.

990. X. Nach M. C. Schuyten) werden die SauerstoflFsalze, die Chloride und das Oxyd, mögen diese Verbindungen gelöst oder in Wasser suspendirt sein, durch Natriumsuperoxyd zu Metall redudrt. Man fĂŒgt das Reagens zu der gelösten oder suspendirten Substanz, solange noch ein Niederschlag entsteht, und erwĂ€rmt gelinde. Das hierdurch reducirte Metall wird in einen tarirten Tiegel gebracht und, nachdem es im Exsiccator getrocknet ist, gewogen.

Das Sulfid wird unter diesen UmstÀnden nicht zu Metall reducirt

B. Durch Titrimetrie.

991. FĂŒr die titrimetrische Bestimmung des Quecksilbers hat man in höhere Grade, als fĂŒr die gewichtsanalytische, die Verfahren, welche auf Mercuroverbindungen anwendbar sind, von den fĂŒr Mercuriverbindungen geeigneten zu imterscheiden; fĂŒr die allgemeine Bestimmung des Quecksilbers, ohne RĂŒcksicht auf seinen Verbindungszustand, ist keynes direct geeignet.

Wenn man daher ein Verfahren der zweiten Gruppe (fĂŒr Mercuriverbindungen) auf Mercurosalze anwenden will, muss man diese entsprechend umformen, z. B. durch Brom (siege § 982); umgekehrt kann man bisweilen auch ein Mercurisalz nach seiner Reduction zu einer Mercuro Verbindung bestimmen (§ 995).

') Oesterr. Z. f. B.- u. H.-W. 20 (1872), Nr. 9. Die FeilspĂ€ne mĂŒssen gaoz frei von Fett sein. Ch,-Z, 20 (1896). 239.

B. Durch Titrimctrie. 85

1. Verfahren, welche auf die Mercurosalze anwendbar sind.

992. I. Durch Natriumchlorid. Man lĂ€sst in die kate Lösung des Mercurosalzes, welche nur eine saure Lösung des Nitrates sein kann, eine titrirte Lösung von Natriumchlorid bis zu einem gewissen Ueberschusse einfliessen; dann filtrirt man (partielle Filtration [§ 65] ist hier besonders am Platze), neutralisirt das Filtrat durch aufgeschlĂ€mates Calciumcarbonat bis zur beginnenden leichten TrĂŒbung, und titrirt den Ueberschuss des Chlorides durch Silbernitrat, mit Anwendung von Kaliumchromat als Indicator, zurĂŒck.

In Gegenwart von Mercurisalzen ist das Verfahren nicht anwendbar, weil diese einer genauen Bestimmung des Chlors durch Silbemitrat hinderlich sind.

993. IL Durch Jod). Man sammelt das durch FĂ€llung mittels Natriumchlorid erhaltene Mercurochlorid auf einem Filter und wĂ€ es aus; dann bringt man es in einer verschliessbaren Flasche mit einer titrirten Lösung von Jod in Kaliumjodid in BerĂŒhrung. Nach lĂ€ngerer Digestion löst sich das Mercurochlorid, indem es in Mercuri - Kaliumjodid ĂŒbergeht:

Uga, + 6KJ + 2J 2HgK J, + 2KC1.

Schliesslich bestimmt man den JodĂŒberschuss mittels einer titrirten Lösung von Natriumhyposulfit durch doppelte ZurĂŒcktitrirung, d. h. indem man zuerst einen Ueberschuss von Natriumhyposulfit dazu giebt und diesen mit einer titrirten Jodlösung zurĂŒckbestimmt.

Der Verfasser giebt keinen Grund an, weshalb er den JodĂŒberschuss nicht direct mit Hyposulfit titrirt.

994. UI. Durch Kaliumpermangaiiat). Man fallt das Quecksilber durch Natriumchlorid, sammelt den Niederschlag imd wĂ€ ihn aus. Dann durchstösst man das Filter und spĂŒlt den Niederschlag in eine Flasche ab, in welcher man ihn mit einem Ueberschusse von litrirtem Kaliumpermanganat und verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure behandelt. Nun verschliesst man die Flasche und schĂŒttelt zwei bis drei Minuten tĂŒchtig um. Nach dieser Zeit bestimmt man den Ueberschuss von Permanganat mittels einer titrirten Lösung von OxalsĂ€ure oder von einem Ferrosalze.

A. HaswelP) titrirt das Mercurochlorid mit HĂŒlfe von Permanganat, indem er seine Eigenschaft, Ferrisalze in Gegenwart von Stannichlorid zu reduciren, benutzt: 4-H2SO,

Das entstandene Ferrosalz wird durch Permanganat bestimmt.

1) Hempel: Ann. UO (1859), 176. Hempel: Ann. 107 (1858), 98. J?ep. anal. Ch. 2 (1882), 84.

86 Bestimmung des Quecksilbers. C. Colorimetrie.

2. Verfahren, welche auf die Mercurisalze anwendbar sind.

995. I. Doroh Jod oder Permanganat. Man fÀllt das Quecksilber als Mercurochlorid durch phosphorige SÀure und Natriumchlorid (§ 983) und behandelt den Niederschlag, wie oben angegeben, mit Jod (§ 993) oder mit Kaliumpermanganat (§ 994).

Das Mercurochlorid kann man auch in der Weise erhalten, dass man die Mercurilösung erst mit Natriumchlorid, wenn das Quecksilber nicht als Chlorid vorhanden ist, dann mit Ferrosulfat und Kalihydrat und schliesslich mit verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure behandelt i). Das entstehende Ferrohydrat reducirt die Mercuriverbindung, und nach der Einwirkung der verdĂŒnnten SchwefelsĂ€ure, welche die Hydrate löst, bleibt Mercurochlorid angelöst zurĂŒck.

996* II. Durch Kaliumjodid*). Dieses Verfahren beruht auf der Entstehung von löslichem Kalium-Mercurijodid KHgJ und auf der Thatsache, dass auf Zusatz eines Mercurisalzes zu der Lösung des Doppeljodides ein rother Niederschlag von Mercurijodid entsteht: K,HgJ, + HgCl, 2HgJ3 + 2 KCl.

Man wendet umgekehrte Titrirung an (§221): die das Quecksilber als Mercurichlorid enthaltende Lösung lĂ€sst man aus einer BĂŒbette in 10 ccm einer titrirten Kaliumjodidlösung mit THg 0,01 gr fliessen, bis ein schwacher, bleibender rother Niederschlag entsteht.

Den Titer der Jodidlösimg stellt man am besten experimentell mit reinem Mercurichlorid.

Das Verfahren giebt nur dann befriedigende Resultate, wenn man immer unter fast identischen UmstÀnden hinsichtlich Concentration etc. arbeitet; denn die Löslichkeit des Mercurijodides in Kaliumjodid schwankt mit der Concentration der Lösung und wird wahrscheinlich auch noch durch die Gegenwart fremder Salze beeinflusst.

997 IlL Durch Natriumhyposulfit. J. Scheerer hat ein Verfahren auf folgende Reaction hin gegrĂŒndet:

Das Quecksilber kann auch als Nitrat vorhanden sein.

Man setzt das Hyposulfit so lange hindu, bis kein Niederschlag mehr entsteht.

Es ist nicht vorauszusetzen, dass das Verfahren sehr genaue Resultate giebt.

998. IV. Das Idebig'sche Ver&hren). Natriumphosphat giebt mit Mercurinitrat einen weissen Niederschlag, dieser Niederschlag entsteht nicht mit Mercurichlorid; ferner wird, wenn man Natriumchlorid zu Mercurinitrat setzt, das Quecksilber in Mercurichlorid ĂŒbergenĂŒhrt.

Personne: Bull. Soc. eh. 1868, 274.

Silber. Eigenschafteu des Silbers. 37

Dieses verschiedene Verhalten der Mercurisalze hat Liebig zu der Bestimmung des Quecksilbers in zweierlei Weise benutzt. Die rationellste besteht in umgekehrter Titration: man lĂ€sst die möglichst neutral, das Quecksilber nur in Form von Mercurinitrat enthaltende Lösung in ein bekanntes Volumen von titrirtem Natriumchlorid, welchem Natriumphosphat zugesetzt ist, fliessen, bis dauernde TrĂŒbung entsteht.

Das Verfahren ist nicht besonders befriedigend.

— Von anderen Verfahren wollen wir noch das von R. Namias) vorgeschlagene erwĂ€hnen: es beruht auf der Reduction durch Stannochlorid.

C. Durch Colorimetrie. 999. Durch Schwefelwasserstoff. Zur Bestimmung des Quecksilbers in sehr verdĂŒnnten Lösungen, welche als Desinfectionsmittel benutzt werden, hat man die UeberfĂŒhrung des Metalles in Sulfid und Vergleichung der entstehenden FĂ€rbung mit FĂ€rbungen, welche unter gleichen UmstĂ€nden in Lösungen von bekanntem Gehalte entstehen, vorgeschlagen (vergl. § 971).

Silber.

Eigenschaften des Silbers.

1000 1*. Das Silber ist ein weisses, glĂ€nzendes, sehr dehnbares Metall, welches bei 954Âź schmilzt). Es verĂ€ndert sich an der Luft in geschmolzenem Zustande nicht, absorbirt aber Sauerstoff (22 Vol.), welchen es beim Erkalten wieder abgiebt („Spratzen", siege § 1002, S. 94). Bei der durch KnallgasgeblĂ€se erzeugten Temperatur ist es flĂŒchtig und kann destillirt werden.

2. Chlor Wasserstoff sÀure ist auf das Silber ohne IDinwirkung. Heisse und concentrirte SchwefelsÀure löst es unter Freiwerden von schwefliger SÀure:

2 Ag + 2 HSO, AgSO, + 2 HO + SO.,. SalpetersÀure löst es sehr leicht:

3 Ag-f 4HNO3 3 AgNOg + 2H2O + NO. Königswasser fĂŒhrt es in unlösliches Chlorid ĂŒber.

3. Das Silber wird von den geschmolzenen Hydraten und Nitraten der Alkalien sehr wenig angegriffen.

4. Schwefelwasserstoffund Alkalisulfide brÀunen oder Àrzen es bei Zutritt der Luft in Folge einer Bildung von Sulfid.

— Das Silber bildet, soweit bekannt, nur eine Reihe bestĂ€niger Salze; sie entsprechen dem Oxyde AggO und nĂ€hern sich in manchen Eigenschaften den Mercurosalzen.

88 Eigenschaften der Silbersalze.

Eigenschaften der Silbersalze.

1001* 1. Die Mehrzahl der Silbersalze ist farblos oder gelb; viele von ihnen sind in Wasser unlöslich oder schwer löslich; manche Àrzen sich am Tageslichte; das Nitrat besitzt diese Eigenschaft nicht, wenn es rein ist.

ChlorwasserstoffsĂ€ure und lösliche Chloride rufen in Lösungen, besonders in solchen, welche freie SalpetersĂ€ure enthalten, einen weissen, kĂ€sigen Niederschlag von Silberchlorid, AgCl, hervor, welcher sich beim UmrĂŒhren und ErwĂ€rmen zusammenballt: AgNOg + HCl AgCl + HNO3.

Ist die Menge des gelösten Silbers sehr gering, so entsteht nur eine milchige TrĂŒbung, welche sich Ă€usserst langsam absetzt.

Am Tageslichte erleidet das Silberchlorid eine oberflĂ€chliche Zersetzung, es giebt Chlor ab und wird anfangs violett, spĂ€ter schwarz, in Folge einer theilweisen Reduction zu Argentochlorid (ChlorĂŒr) oder zu Silber 1).

Es ist in verdĂŒnnten SĂ€uren unlöslich.

Concentrirte SalzsĂ€ure und concentrirte Lösungen von Alkalichloriden sowie von manchen anderen Chloriden, z. B. Calciumchlorid, Ferrichlorid, Cuprichlorid, wirken merklich lösend ein, besonders in der WĂ€rme. Beim VerdĂŒnnen dieser Lösungen wird das Chlorid wieder gefallt, aber als kötiger Niederschlag.

Die besten Lösungsmittel fĂŒr das Silberchlorid sind: Ammoniak, Ammoniumcarbonat, Natriumhyposulfit und Kaliumcyanid; es bilden sich lösliche ammoniakalische Verbindungen oder Doppelsalze.

Das Silberchlorid ist auch in Mercurinitrat löslich; Natriumacetat fÀllt es aus dieser Lösung.

Bei 260Âź schmilzt es, ohne Zersetzung zu erleiden; nach dem Erkalten bildet es eine hornartige, gelbliche Masse.

In einem Wasserstoffstrome erhitzt, wird es zu Metall reducirt.

Mit Zink oder Cadmium, bei gleichzeitiger Anwesenheit von Wasser, in BerĂŒhrung gebracht, wird es allmĂ€hlich in seiner ganzen Masse reducirt*), mag es vorher geschmolzen gewesen sein oder nicht: 2 AgCl + Cd 2Ag + CdCl.

Die Gegenwart von SalzsĂ€ure oder SchwefelsĂ€ure begĂŒnstigt die Reduction, wahrscheinlich, weil diee SĂ€uren gute Leiter der Elektrici- tĂ€t sind.

3. Kaliumjodid erzeugt einen ganz hellgelben Niederschlag von Silberjodid, welcher fast dieselben Eigenschaften wie das Chlorid

Die letzte Arbeit ĂŒber diesen Gegenstand, welcher eine grosse Zahl von Abhandlungen veranlasst hat, ist von Bechamp veröffentlicht: ßull. Soc. eh. [3] 6 a891), 836.

') Zuerst von Arfwedson etwa 1S17 beobachtet.

Eigenschaften der Silbersalze. 89

besitzt, nur in Ammoniak nahezu unlöslich ist; hingegen geht das Jodid mit Ammoniak eine weisse Verbindimg von Silber - Ammonium- Jodid ein.

4. Schwefelwasserstoff fÀllt aus den neutralen oder schwach sauren Silberlösungen schwarzes Silbersulfid:

2 Ag NO3 + HS AgaS + 2 H NO3. Dieses Sulfid ist in Alkalisulfiden, in verdĂŒnnten SĂ€uren und in Kalium Cyanid unlöslich.

Von SalpetersÀure wird es leicht gelöst.

5. Alkalisulfide rufen denselben Niederschlag hervor:

6*. Giesst man zu einer neutralen Silberlösung vorsichtig verdĂŒnotes Ammoniak, so entsteht ein heller, graubrauner Niederschlag von Oxyd , Agg O , welcher in einem Ueberschusse von Ammoniak und in Ammoniumsalzen sehr leicht löslich ist.

Um die Reaction hervorzurufen, verfĂ€hrt man am besten so, dass man die Lösung mit sehr verdĂŒnntem Ammoniak ĂŒberschichtet (§158); man sieht bald an der BerĂŒhnmgszone den Niederschlag in Polge von Diffusion entstehen.

Auf Zusatz von Kaliumjodid zu einer ammoniakalischen Silber- lösung entsteht ein weisser Niederschlag von Silber- Ammonium -Jodid, wenn das Ammoniak in starkem Ueberschusse vorhanden ist, im anderen Falle entsteht ein gelblicher Niederschlag von einfachem Jodid.

7. Die fixed Alkalien geben denselben Niederschlag wie Ammoniak, und ein Ueberschuss von ihnen löst ihn nicht

Ist ein Bleis alz in genĂŒgender Menge zugegen, so bewirken die fixed Alkalien einen lebhaft gelben Niederschlag, dessen Zusammensetzung der Formel AggPbOg oder AggPbgOg zu entsprechen scheint (vergl. § 948, Nr. 6).

8. Die Carbonate der fixed Alkalien fallen gelbliches Silbercarbonat.

9. Ammoniumcarbonat ruft denselben Niederschlag hervor; ein Ueberschuss dieses Reagens löst ihn aber leicht.

10. Kaliumcyanid bildet einen Niederschlag von Silbercyanid, welcher dasselbe Aussehen hat wie das Silberchlorid und wie dieses in verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure unlöslich ist. Es löst sich in Ammoniak und in einem Ueberschusse des Reagens. Letzteres bildet das Doppelcyanid KAgCyj. Auf Rothgluth erhitzt, zersetzt sich das Silbercyanid und lĂ€sst metallisches Silber zurĂŒck:

AgCy Ag + Cy.

11. Die löslichen Sulfo Cyanide fĂ€llen aus Silberlösungen weisses Silbersulfocyanid , welches in verdĂŒnnten SĂ€uren unlöslich ist. Eine Lösung von Ferrisulfocyanid wird daher entfĂ€rbt.

12. Kaliumchromat ruft, in neutralen Silberlösungen, einen dunkelrothen Niederschlag von Silber Chromat hervor (s. § 521, Nr. 8):

2 AgNOg + KCrO AgsCrO + 2 KNOg. Der Niederschlag ist in Wasser kaum, in verdĂŒnnten SĂ€uren, auch in EssigsĂ€ure, und in Ammoniak sehr löslich. Mit der Lösung eines Chlorides behandelt, geht er in Silberchlorid ĂŒber:

AgoCrO + 2 NaCl 2 AgCl + NaCrO.

13. Behandelt man eine ammoniakalische Silberlösung mit einer ammoniakalischen Lösung von Cuprochlorid), so wird das Silber pulverförmig gefÀllt.

Man kann sich die Reaction durch nachstehende Formel veranschaulichen, wenn sie auch die Mitwirkung der in der FlĂŒssigkeit vorhandenen Ammoniumverbindungen nicht berĂŒcksichtigt: 2 AgCl + CaCU 2 Ag + 2 CuCIg.

14. Ferroverbindungen, namentlich Ferrosulfat, reduciren Silbernitrat wie auch Silbersulfat in wÀssriger und in schwach schwefelsaurer Lösung, besonders leicht bei ErwÀrung, zu hellgelbem, pulvrigem, mitunter auch rein weissem, krystallinischem Silber.

15. Kupfer, Cadmium, Zink scheiden aus neutralen oder sauren Lösungen der Silbersalze metallisches Silber ab.

16*. Auf Kohle mit Soda im Reductionsfeuer erhitzt, geben die Silbersalze weisse, glĂ€nzende, dehnbare MetallkĂŒgelchen, welche sich in der Oxydationsflamme nicht verĂ€ndern.

Da das Silber bei der Temperatur, bei welcher man diese Reaction gewöhnlich ausfĂŒhrt, nicht flĂŒchtig und unter diesen UmstĂ€nden auch nicht oxydirbar ist, erhĂ€lt man keinen Beschlag.

Erhitzt man aber das Silber bei sehr hoher Temperatur andauernd, so kann ein schwacher, rothbrauner Beschlag von Oxyd entstehen (Plattner). In Gegenwart von Blei oder Antimon oder noch besser in Gegenwart beider Metalle entsteht, wenn auch schwierig, ein carmoisinrother Beschlag.

Die Reduction der Silberverbindungen lÀsst sich auch an einem KohlenstÀchen bewerkstelligen (siege § 196).

17. Nach dem Bunsen'schen Verfahren der Flammenreactionen geben die Silberverbindungen keine BeschlÀge.

Bestimmung des Silbers.

A. Durch WĂ€gung.

Auf trockenem Wege.

1002. I. Durch Abtreiben (Cupellation). Dieses Verfahren ist der Gewinnung des Silbers durch hĂŒttenmĂ€nnischen Betrieb nachgebildet.

') Mao bereitet diese ammoniakalische Lösung kurz vor ihrer Verwendung, indem man eine Lösung von Cuprichlorid und von Ammoniumchlorid mit SpĂ€nen von metallischem Kupfer zum Sieden erhitzt, bis EntfĂ€rbung eingetreten ist, und dann einen Ueberschuss von Ammoniak hinzufĂŒgt.

A. Durch WĂ€gung. 91

Seine Anwendung datirt Jahrhunderte lang zurĂŒck, so lange, als man im Grossbetriebe das Silber aus Bleierzen durch die noch heute in ihren GrundzĂŒgen in Anwendung stehenden Processe gewinnt.

Das Verfahren der Bestimmung des Silbers durch Abtreiben ist dann anwendbar, wenn eine Legirung des Silbers mit Blei vorliegt: wir werden im folgenden Paragraphen darauf zurĂŒckkommen, wie solche Legirungen herzustellen sind, wenn die zu untersuchende Substanz das Silber in einer anderen Form enthĂ€lt. Das Verfahren beruht auf den Thatsachen, dass Blei, bei Luftzutritt und bei entsprechend hoher Temperatur geschmolzen, leicht, Silber dagegen unter diesen Umstanden nicht oxydirt wird, sodann darauf, dass Bleioxyd schmelzbar ist, und dass femer Legirungen von Blei und Silber, unter solchen UmstĂ€nden behandelt, in der Art zerlegt werden, dass beide Metalle sich so verhalten, als wenn sie unverbunden neben einander bestĂ€nden. Sorgt man dafĂŒr, dass das sich bildende Bleioxyd regelmĂ€ssig entfernt wird, so bleibt schliesslich das Silber in reinem Zustande zurĂŒck. Beim Abtreiben erfolgt diese Entfernung des Bleioxydes in der Weise, dass man es von einer porösen Unterlage, auf welcher die Legirung geschmolzen wird, aufsaugen lĂ€sst.

So einfach die Grundlagen des Verfahrens auch sind, so erfordert doch seine richtige AusfĂŒhrung einen nicht ganz geringen Grad von Uebung und Beobachtung. Auf alle bei ihm in Betracht kommenden Einzelheiten einzugehen, liegt ausserhalb des Planes unseres Buches; wir verweisen hinsichtlich ihrer auf die reichliche und vortreffliche Fachliteratur, welche die „Probirkunst" behandelt). Unsere Aufgabe ist, die sich abspielenden VorgĂ€nge theoretisch zu eröstern.

Zur AusfĂŒhrung des Verfahrens bedient man sich gewöhnlich eines Muffelofens (siege § 11), in welchem die zu erhitzende Probe mit dem Heizmateriale in keine directe BerĂŒhrung kommt. Man wendet jetzt hĂ€ufig solche mit Gasfeuerung versehenen Oefen an, welche vor den fĂŒr festes Brennmaterial, namentlich den fĂŒr Steinkohlen eingerichteten Oefen den besonderen Vortheil haben, dass die anzuwendende Temperatur leicht und schnell reguUrt werden kann. Die Muffeln werden oft in der RĂŒckwand und den SeitenwĂ€nden mit Oeflfnungen versehen, um den Blei- dĂ€mpfen Abzug zu gestatten. Das ist nicht praktisch, weil durch diese Einrichtung zu heftiger Zug in der Muffel entsteht, wodurch, wie wir unten sehen werden, starke Silberverluste in Folge einer VerflĂŒchtigung veranlasst werden.

Als poröse Unterlage dienen kleine NĂ€pfchen, „Cap ellen'* (Fig. 18 2), welche durch Pressen angefeuchteter, gemahlener Knochenasche mit oder ohne Zusatz sog. ,,Aescher" (Seifensiederasche) in geeignete Formen her- Fig. i82. gestellt werden. FĂŒr den Erfolg des Abtreibens ist es von Wichtigkeit,

Vergl. besonders die Werke von Plattner, Kerl, Balling, Berthier, Percy u. A.

dass die Capellen, welche kÀuflich zu haben sind, den richtigen Grad von PorositÀt zur leichten Aufnahme des Bleioxydes besitzen, ohne indessen zu leicht zerbrechlich zu sein. In den Probirlaboratorien pflegen Capellen verschiedenster Grösse, welche Bleimengen von 1 bis 30 gr und mehr fassen, vorrÀthig zu sein.

Ein noch geeigneteres Material zur Herstellung der Capellen ist ein Gemisch von fein geschlÀmmtem Thon mit sehr feinem Sande. Solche Capellen sind weniger zerbrechlich und glatter als die soeben bezeichneten und nehmen das Bleioxyd mit gleicher Leichtigkeit auf.

Je nach seiner Grösse kann man nach Bedarf die Muffel des Ofens mit 4, 6, 12 und mehr Capellen besetzen, so dass sich die einzelnen mit den RĂ€ndern beinahe berĂŒhren. Man benutze nie mehr als die in zwei Reihen, von welchen die vordere etwa 5 cm von der Muffel- öffnung entfernt liegt, aufgestellten Capellen, um die fĂŒr das Abtreiben gĂŒnstigsten VerhĂ€ltnisse möglichst gleichmĂ€ssig fĂŒr alle Proben herstellen zu können.

Man erhitzt nun die Capellen auf helle Rothgluth und setzt erst dann in jede mit einer geeigneten Zange eine der abgewogenen Proben des zu untersuchenden silberhaltigen Bleis, welche man durch kurzes Schliessen der Muffel durch einen Vorsetzer zum schnellen Einschmelzen bringt. WĂŒrde man die Proben in die nicht genĂŒgend heissen Capellen setzen, so wĂŒrden nicht allein Bleikörnchen an den RĂ€ndern hĂ€ngen bleiben und hierdurch Verluste verursacht werden, sondern es wĂŒrden auch in den Poren eingeschlossene Luft, KohlensĂ€ure oder Wasser, welche erst bei hoher Temperatur vollstĂ€ndig entweichen, ein Herausschleudern von bereits geschmolzenem Blei verursachen.

Oeffnet man die Muffel nach kurzer Zeit (etwa nach einer Minute), so bitten sich folgende Erscheinungen dar. Man sieht in der durch das kate Metall etwas abgekĂŒhlten und daher Ă€cher roth glĂŒhenden (apelle das geschmolzene Metall mit schwach convexer, glĂ€nzender OberflĂ€che stĂ€rker glĂŒhen als die Capelle selbst, wĂ€hrend gleichzeitig mehr oder weniger dichte DĂ€mpfe von Bleioxyd, der „Blei rauch'*, aufsteigen. FĂŒr den erfahrenen Probirer geben das Aussehen und die Bewegung dieses Rauches wichtige Anhaltspunkte fĂŒr die Beurtheilung, wie der Process des Abtreibens verlĂ€uft. Der Rauch soll sich wolkenartig und langsam aus der Muffel herausbewegen.

Viel wichtiger jedoch ist die fortgesetzte Beobachtung der Capelle mit ihrem Inhalte. Die OberflĂ€che des eingeschmolzenen Metalles ĂŒberzieht sich sofort mit einer dĂŒnnen Haut von Bleioxyd, welche bestĂ€ndig nach der Wandung der Capelle abfliesst, hier in dem Winkel zwischen der convexen OberflĂ€che des Metallbades und der Höhung der Capelle, ein schmales rothes RĂ€ndchen bildend, sich staut, und gleichmĂ€ssig von der porösen Capellenmasse aufgesogen wird. Das sich hier sammelnde geschmolzene Bleioxyd erscheint minder stark glĂŒhend als die Metall-

A. Durch Wagung. 03

OberflĂ€che, weil letzterer durch die Oxydation des Bleis eine grosse WĂ€rmemenge zugefĂŒhrt wird, wĂ€hrend die Capelle selbst, welche ausschliesslich in den heissen MuflfelwĂ€nden ihre WĂ€rmequelle hat, weniger heiss ist. Ist diese WĂ€rmemenge so gross, dass die Capelle selbst hellglĂŒhend ist, so wird das in dem bezeichneten Winkel sich sammelnde Bleioxyd schnell aufgesogen, ein rothes RĂ€ndchen ist nicht sichtbar, das sich neu bildende Bleioxyd fliesst schnell ab und zieht mechanisch Blei- kĂŒgelchen mit ihrem Silber in die Capellenmasse hinein: es entsteht ein Silberverlust durch den „Capellenzug". Wird dagegen die Capelle in Folge mangelnder WĂ€rmezufuhr von aussen zu kalt, so erkaltet auch das Bleibad, das Bleioxyd beginnt kleine Schollen zu bilden, welche, trĂ€ge abiliessend, ebenfalls silberhaltiges Blei mit sich nehmen; das RĂ€ndchen wird breiter und breiter, bedeckt mit einer dicken Schicht das Bleibad und bringt dieses zum Erstarren: die Probe ist ,, erfroren". Ist bereits eine Probe, bei welcher das RĂ€ndchen eine erhebliche Breite angenommen, nicht mehr als durchaus zuverlĂ€ssig zu betrachten, so ist eine erfrorene Probe durchaus zu verwerfen, weil eine fĂŒr den Process zu hohe Temperatur erforderlich ist, irni das erstarrte Metall und die erkaltete Capelle wieder auf Treibhitze zu bringen.

Je mehr Blei in Bleioxyd ĂŒbergenĂŒhrt und als solches von der Capelle aufgenommen wird, um so mehr reichert sich der Silbergehalt in dem zurĂŒckbleibenden Blei an; letzteres wird immer schwerer schmelzbar. Es ist erforderlich, die Temperatur durch Ă€ussere WĂ€rmezufuhr (stĂ€rkere GaszufĂŒhrung, bei Heizung mit festem Brennmaterial Oeflfnung der Zugschieber u. dergl.) entsprechend zu erhöhen. Dabei muss die Capelle, namentlich an ihrem oberen Theile, kĂŒhler bleiben als das Bleibad; man erkennt den richtigen Verlauf des Abtreib ens in diesem Stadium daran, dass sich an den kĂ€lteren CapellenrĂ€ndem ein Kranz von zarten, glĂ€nzenden Bleioxydkry stalled, die „FederglĂ€tte", absetzt; sie sind das Product der Verdichtung von BleioxyddĂ€mpfen, welche aus dem heissen Bleibade aufsteigen.

Ist das Blei bis auf einen sehr kleinen Rest entfernt und das HĂ€utchen des sich noch bildenden Bleioxydes sehr dĂŒnn, so scheint das Metall in lebhaft kreisende, in treibende Bewegung zu gerathen; seine OberflĂ€che erglĂ€nzt in Regenbogenfarben, bis plötzlich das reine Silber als glĂ€nzend weisses Korn erscheint. Diese Erscheinung nennt man den „Silberblick"; sie tritt nur dann auf, wenn die Temperatur genĂŒgend hoch ist, um auch das reine Metall in Schmelzfluss zu erhalten.

Es ist ersichtlich, dass die richtige AusfĂŒhrung des Treibens haupt- sĂ€chlich von der richtigen Regulirung der Temperatur abhĂ€ngt; die Resultate werden um so richtiger, je weniger man sich von der in der betreffenden Phase gerade erforderlichen Hitze entfernt.

Hat das Silber geblickt, so lĂ€sst man es möglichst langsam ab- kĂŒhlen und erstarren. Wie w wissen (§ 1000, Nr. 1), absorbirt geschmolzenes

Silber Sauerstoff, welcher beim Erkalten wieder entweicht Ein schnelles AbkĂŒhlen bewirkt ein plötzliches Entweichen dieses Gases; dasselbe durchbricht explosionsartig die dĂŒnne, zuerst erstarrte Kruste und resist, wie die aus einem vulcanischen Krater entweichenden Gase, Theilchen des Silbers mit sich, dieselben oft ĂŒber den Rand der Capelle hinausschleudemd: ,,Spr atzen" nennt der Probirer diese unangenehme Erscheinung.

Nach völligem Erstarren hebt man das Silberkom, welches an seiner unteien FlĂ€che glatt sein muss und keine Wurzeln zeigen darf, mit einer Flachzange heraus, putt mit einer weichen BĂŒrste die ihm anhaftende Capellenmasse ab und wĂ€gt es.

Von anderen Metallen, welche das abzutreibende Blei ausser Silber enthalten könnte, kommen in der Praxis nur folgende zur BerĂŒcksichtigung :

Wismuth ist wie das Blei leicht schmelzbar und oxydirbar und das sich bildende Oxyd ist ebenfalls, wie das Bleioxyd, schmelzbar. Seine Anwesenheit hinder daher die Bestimmung des Silbers durch Abtreiben nicht. ErwĂ€hnenswerth ist aber folgende Thatsache. Da das Wismuth sich weniger leicht oxydirt als das Blei, verbleibt es in der Metalllegirung, bis das Blei fast vollstĂ€ndig entfernt ist. WĂ€hrend das Bleioxyd die Capellenmasse rein gelb fĂ€rbt, erscheint dieselbe in der nĂ€chsten lmgebung des erstarrten Silberkornes grĂŒnlich, wenn in dem Blei eine auch nur Ă€usserst geringe Menge Wismuth enthalten war. Im hĂŒtten- mĂ€nnischen Betriebe benutzt man bisweilen diese Eigenschaft des Wismuths, indem man die letzten Mengen Bleioxyd (GlĂ€tte), in welchen sich das Wismuth angereichert hat, fĂŒr sich auffangt.

Kupfer wird, wenn Blei in genĂŒgender Ueberschusse vorhanden ist, als Oxyd (Cuprooxyd) von dem Bleioxyd gelöst und ebenfalls in die Capelle ĂŒbergenĂŒhrt. In einer Legirung von Kupfer und Silber kann daher letzteres durch Abtreiben ebenfalls bestimmt werden, wenn ihr eine reichliche Menge Blei zugesetzt wird. Die Resultate fallen aber weniger genau als beim Abtreiben einer reinen Blei-Silber-Legirung aus, weil das schwer schmelzbare Kupfer die Anwendung einer höheren Temperatur bedingt.

Antimon beeintrĂ€chtigt in kleinen Mengen das Abtreiben nicht; grössere Mengen (etwa ĂŒber 5 — 6 Âź/q) machen die Resultate ungenau, weil das Antimonoxyd nur schwierig von der Capellenmasse aufgenommen wird ; noch grössere Mengen bewirken ein Springen und Bersten der Capelle.

1003. IL Durch Beduction in Gegenwart von Blei und Abtreiben. Soll das Silber in einem Bleierze bestimmt werden, so schmilzt man dasselbe nach einem der bei der Bestimmung des Bleis auf trockenem Wege angegebenen Verfahren (§ 975) und treibt den erhaltenen Regulus ab.

EnthÀlt das Erz wenig oder kein Blei, so setzt man dieses als Metall

A. Durch WĂ€gung. 95

oder Oxyd dem Erze in genĂŒgender Menge zu. Kupferreiche Erze oder Producte behandelt man vortheilhaft vorher mit SalpetersĂ€ure, fallt etwa gelöstes Silber durch einen oder einige Tropfen SalzsĂ€ure, sammelt das Ungelöste auf einem Filter und schmilzt es mit einem bleiischen ZusĂ€tze. Antimonhaltige Erze und Producte verlangen eine entsprechende Vorbehandlung, durch welche das Antimon in Lösimg ĂŒbergenĂŒhrt wird.

1004. in. Durch einfaches GlĂŒhen. Das Oxyd, das Sulfid, das Nitrat, das Carbonat, das Cyanid des Silbers, ferner die von organischen SĂ€uren derivirenden Silbersalze, alle diese Substanzen, mögen sie fĂŒr sich oder von flĂŒchtigen oder verbrennbaren Stoffen begleitet vorliegen, hinterlassen metallisches Silber, wenn man sie an der Luft oder in geschlossenem Tiegel, je nach den UmstĂ€nden, glĂŒht.

1005. IV. Durch GlĂŒhen unter Wasserstoff. Erhitzt man das Chlorid, Bromid, Nitrat, Sulfat oder Sulfid des Silbers in einem Wasserstoffstrom in einem Rose*schen Tiegel, so tritt leicht Reduction zu metallischem Silber ein.

Da zu diesem Verfahren eine nur massig hohe Temperatur erforderlich ist, so kann man bei ihm ein Kugelrohr aus schwer schmelzbarem Glase benutzen. Der anzuwendende Apparat, welcher Art er auch sein mag, wird vorher tarirt und man erfÀhrt aus der Zunahme des Gewichtes das Gewicht des Silbers.

Das Silberjodid wird unter diesen UmstĂ€nden nicht reducirt; man muss es daher, um es dem Verfahren zugĂ€nglich zu machen, erst durch Erhitzen in einem Chlorstrome in Chlorid ĂŒberfĂŒhren, welches alsdann unter Wasserstoff erhitzt wird.

Auf nassem Wege.

1006. V. Durch BrCduction mittels Cadmium Das Cadmium oder, statt seiner, das Zink reducirt lösliche Silbersalze leicht; das gefÀllte Silber kann dann ohne Schwierigkeiten gesammelt und gewogen werden.

Dieses Verfahren kann auch auf das Chlorid, Bromid und Jodid, besonders nachdem dieselben geschmolzen sind, angewandt werden. Man legt in diesem Falle ein StĂŒck Cadmium auf die Substanz und bedeckt das Ganze mit schwefelsĂ€urehaltigem Wasser. Die Reduction pflanzt sich allmĂ€hlich durch die ganze Masse fort, indem sich ein elektrolytischer Vorgang abspielt. Ist alles Silber reducirt, so nimmt man das angelöst gebliebene Cadmium heraus, wĂ€ das Silber mehrere Male mit siedendem Wasser aus, bis das Waschwasser durch einen Tropfen Silbemitrat nicht mehr getrĂŒbt wird, glĂŒht massig und wĂ€gt.

Um sich zu ĂŒberzeugen, dass die Reduction vollstĂ€ndig und der Niederschlag gut ausgewaschen war, löst man das Silber in verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure auf: es muss eine vollkommen klare Lösung entstehen.

A. Classen: /. prakt, Ch. 97 217.

Auch die reducirende Wirkung des Hydroxylamins hat man zur Bestimmung des Silbers benutzt). Wir glauben uns auf diese Notiz be- Ă€nken zu dĂŒrfen, da uns weitere PrĂŒfungen ĂŒber die VorzĂŒge des Verfahrens nicht bekannt geworden sind.

1007. VI. Als Silberohlorid. Dieses Verfahren ist das bei weitem wichtigste. Man behandelt die neutral oder schwach saure, massig verdĂŒnnte Lösung mit verdĂŒnnter SalzsĂ€ure 2), welche man nach und nach unter tĂŒchtigem UmrĂŒhren zusetzt, solange noch ein Niederschlag entsteht. Nun erwĂ€rmt man auf einem Wasserbade und lĂ€sst in dem bedeckt gehaltenen GefĂ€sse absitzen, bis die FlĂŒssigkeit vollkommen klar geworden ist.

Der Niederschlag von Silberchlorid wird erst durch Decantiren, dann auf dem Filter mit heissem Wasser ausgewaschen und getrocknet.

FĂŒr die Bestimmung des Gewichtes geben wir dem folgenden Verfahren den Vorzug. Die Hauptmenge des Silberchlorides wird vom Filter möglichst vollstĂ€ndig abgetrennt und vorlĂ€ufig bei Seite gestellt. Das Filter wird dann verascht, entweder direct in einem Porzellantiegel oder an einer ĂŒber einen Porzellantiegel gehaltenen Platinspirale. Der Wasserstoff der Cellulose bewirkt eine Reduction von Silberchlorid; die Asche enthĂ€lt demnach reducirtes Silber. Man befeuchtet sie daher im Porzellan - tiegel mit 2 oder 3 Tropfen SalpetersĂ€ure, erwĂ€rmt etwas und setzt, nachdem das Metall vollstĂ€ndig gelöst ist, 1 oder 2 Tropfen SalzsĂ€ure hindu. Nun bringt man den bei Seite gestellten Niederschlag hindu, erwĂ€rmt auf dem Wasserbade, bis das Ganze trocken geworden ist, und dann allmĂ€hlich stĂ€rker bis zum Schmelzen*). Nach dem Erkalten wĂ€gt man. Der Vortheil dieser Art zu arbeiten liegt darin, dass das durch das SĂ€uregemisch frei werdende Chlor dem Silberchloride seine ursprĂŒngliche Farbe, welche es unter dem EinflĂŒsse des Lichtes verloren hatte, wiedergiebt. Man kann daher die Bestimmung des Silbers ohne jeden Nachtheil bei Tageslicht vornehmen. Das gilt aber, wie wir schon hier bemerken wollen, nicht fĂŒr die Bestimmung des Chlors in derselben Form.

Zur Controle kann man das gewogene Silberchlorid durch Wasserstoff reduciren (§ 1005) und dann das Silber wÀgen.

Man könnte das Silberchlorid auch auf einem tarirten Filter bei 100Ÿ trocknen oder das Silber auch als Bromid oder als Jodid bestimmen; doch sind diese Verfahren, ohne Vortheile zu bitten, nur umstÀndlicher.

') A. Lainer: Monatsh. Ch. 9 (1888), 533.

Muss die Lösung neutral gehalten werden, so wendet man statt der Salz- sÀure Natriumchlorid an.

Es wird bisweilen die Anleitung gegeben, nur bis zum beginnenden Schmelzen zu erhitzen. Nach Versuchen, welche Dr. Nihoul im Laboratorium von Professor De Koninck ausgefĂŒhrt hat, kann man ohne Nachtheil das Silberchlorid weit ĂŒber seinen Schmelzpunkt erhitzen (nicht veröffentlichte Versuche).

A. Durch WĂ€gung. 97

1008. VII. Als Cyanid. Dieses Verfahren, welches die Umkehrung des Verfahrens zur Bestimmung der Cyanide durch Silbersalze darstellt, bietet weder Vortheile gegenĂŒber dem vorigen, noch besonderes Interesse. Man wendet es aber bei der Scheidung von Quecksilber an.

1009. VIII. Durch FĂ€Unng als Sulfid. Man behandelt die Silberlösung, welche alkalisch, neutral oder, was am besten ist, schwach sauer sein kann, mit Schwefelwasserstoff. Den Niederschlag von Silbersulfid sammelt man auf einem tarirten Filter und behandelt ihn wie das Cadmiumsulfid (§ 888), oder, einfacher und besonders rathsam. falls dem Niederschlag Schwefel beigemengt ist, man röstet ihn oder glĂŒht ihn in einem Rose' sehen Tiegel unter Wasserstoff; in diesen beiden letzteren FĂ€llen erhĂ€lt man metallisches Silber (§§ 1004 u. 1005).

Unter Umstanden, besonders wenn man Veranlassung hat anzunehmen, dass das Silbersulfid nicht ganz rein ausgefallen ist, und wenn es sich um nur sehr kleine Silbermengen handelt, kann man mit Vortheil den Niederschlag auf einer Capelle mit dem Filterchen, bis zu dessen Veraschung, glĂŒhen, Blei zusetzen, abtreiben (§ 1002) und das erhaltene Silberkömehen wĂ€gen.

1010. IX. Durch Elektrolyse in CyaxĂŒdlösuug Von allen Silberlösungen ist diejenige die bei weitem geeignetste, welche man erhalt, indem man das Silbersalz mit so viel Kaliumcyanid behandelt, dass das lösliche Doppelsalz entsteht.

Man giebt zur neutralen Silberlösung reines Kaliumcyanid, bis der anfangs entstandene Niederschlag wieder klar gelöst ist, oder man löst, wenn ein unlösliches Silbersalz, wie Chlorid, Bromid, Oxalat, vorliegt, dieses direct in Kaliumcyanid und elektrolysirt die Lösung mit einem schwachen Strome (etwa Viooo Ampere oder 0,025 bis 0,035 cc Knallgas in der Minute). Den weissen, gut haftenden Niederschlag wÀ man aus, ohne eine andere Vorsicht anzuwenden, als schnell zu arbeiten.

1011. X. Duroh Elektrolyse in ammoniakaUscher Lösung). Die Nitratoder Sulfat-Lösung, welche höchstens 0,5 gr Silber enthalten isoll, versetzt man mit Y5 hires Volumens an 10 %igem Anmioniak sp. G. 0,96) und Y20 einer 10% igen Lösung von Anunoniumsulfat. Man elektrolysirt warm mit einem Strome von loo Vioo Ampere auf den Qaadratdecimeter ElektrodenflĂ€che. Der Niederschlag kann bei unterbrochenem Strome ausgewaschen werden; das Auswaschen muss aber sehr sorgfĂ€ltig geschehen, da leicht Salze aus der FlĂŒssigkeit zurĂŒckgehalten werden.

1012. XL Durch Elektrolyse in salpetersaurer Lösung 3). Man sÀuert die Lösung, welche das Silber als Nitrat oder als Sulfat enthalten

Classen: op. cit. S. 92; J. Riban: op. cit. S. 158.

Krutwig: B. 15 (1882), 1267; von Miller und Kiliani: op. cit. S. 175. H. Fresenius und Bergmann: Z. anal. Ch, 19 (1880), 324; von Miller und Kiliani: op. cit. S. 175.

De Koninck-Meineke, Mineralanalyse. II. 7

kann, mit 3 /q hires Volumens an concentrirter, etwa 57 Salpeter- sÀure (sp. G. 1,36) an und elektrolysirt dann warm mit einem Strome von YiQo bis loo Ampere auf den Quadratdecimeter ElektrodenflÀche. Der wenig haftende Niederschlag muss bei geschlossenem Strome ausgewaschen werden; er wird, bei 100 getrocknet, gewogen.

Wendet man einen zu starken Strom an oder sĂ€uert man nicht genĂŒgend an, so scheiden sich am positive Pole Krystalle von Silbersuperoxyd ab, oder vielmehr von einem Producte, welches man lange als solches betrachtet hat; nach Hampe) soll es ein Gemisch von Superoxyd [AgO] und einem basischen Peroxydnitrat [(AgO), NjOg +XH3O] sein. O. Sulc*) giebt ihm die Formel AgyNOi und ebenso E. Mulder und J. Heringa); AgNO 2Ag804 -f AgNOg.

B. Duroh Titrimetrie.

1013. Wir werden zunĂ€ die gewöhnlichen, d. h. diejenigen Verfahren besprechen, welche in analytischen Laboratorien angewandt werden, wenn die Bestimmimg des Silbers nicht in einem besonders hohen Grade der Genauigkeit ausgefĂŒhrt werden soll und besonders wenn durch sie, unter Anwendung von ZurĂŒcktitrirung, die umgekehrte Bestimmung anderer Substanzen bezweckt wird. Einen besonderen Paragraphen werden wir dann dem von Stas modificirten Gay-Lussac'schen Verfahren widen, wie es fĂŒr eine absolut genaue Bestimmung des Silbers in MĂŒnzlegirungen z. B. in der MĂŒnzwerkstĂ€tte in BrĂŒssel ausgefĂŒhrt wird.

1014 I. Durch Natriumchlorid. (Das einfache Gay- Lussac'sche Verfahren*).) Die mit SalpetersĂ€ure angesĂ€uerte Silberlösung wird in eine Flasche gebracht, welche mit gut schliessendem und, damit an ihm bei seinem Herausnehmen möglichst wenig FlĂŒssigkeit hĂ€ngen bleibt, spitz zulaufenden Stopfen versehen ist.

Nun lĂ€sst man eine titrirte Lösung von Natriumchlorid zufliessen und schĂŒttelt tĂŒchtig, um das Silberchlorid zum Zusammenballen zu bringen. In die hierdurch geklĂ€rte FlĂŒssigkeit lĂ€sst man weitere 1 bis 2 Tropfen der Chloridlösung fliessen und bildet sich nach der Menge des

') CA.-Z. 14 1779. Die Analyse ergab: Ag 79,53 7o ; O 14,89 Vo'* 1.75 % ; H,0 3,80 7o J Summa : 99,97.

3) Rec. trav. ch. des Pays-Bas 15, I (1896), 236.

FĂŒr ein eingehendes Studium dieses wichtigen Verfahrens sind folgende Quellen zu empfehlen:

Gay-Lussac: Instruction sur Vessai des matures d'argent par la voi'e humĂŒĂŒ Paris 1832; ĂŒbersetzt von Liebig unter dem Titel: VollstĂ€niger Unterricht ĂŒber das Verfahren Silber auf nassem Wege zu probiren Braunschweig 1833.

M u 1 d e r : Die Silber - Probirmethode , ĂŒbersetzt von Dr. Chr. G r i m ni ,. Leipzig 1859.

E. össer: Die MĂŒnztechnik, Hannover 1884.

Ausserdem vergl. : Kerl: Metallurgische Probirkunst\ Mohr-Classen: Titrirmethoden.

B. Durch Titrimetrie. 99

entstandenen Niederschlages, sowie nach der Art und Weise seiner Bildung ein Urtheil ĂŒber das weiter zuzusetzende Volumen von Chloridlösung. In dieser Weise fart man fort, bis ein Tropfen der Chloridlösung nicht die geringste TrĂŒbung mehr hervorruft.

Der einzige Uebelstand dieses Verfahrens liegt in der Langsamkeit, mit welcher es ausgefĂŒhrt werden muss, wenn man nicht Gefahr laufen will, mit dem ZusĂ€tze der titrirten Lösung zu weit zu gehen. Wenn das trotz aller angewandten Sorgfalt geschehen ist, so ist eine solche ĂŒbestĂŒrzte Analyse doch nicht zu verwerfen; man braucht nur von einer titrirten Lösung von Silbemitrat so viel in abgemessener Menge zuzusetzen, dass Silber wieder im ĂŒeberschusse vorhanden ist, und diesen durch erneuten Zusatz von Natriumchlorid auszuscheiden.

Dieses Verfahren ist in Gegenwart von Quecksilber nicht anwendbar

Herstellung der titrirten Lösung von Natriumchlorid. Natriumchlorid (NaCl, M.-G. 58,37; N.-G. 58,37 gr) ist leicht in vollkonmien reinem Zustande zu erhalten und man kann daher die titrirte Lösung pach dr directed Methode bereiten. Die so hergestellte Lösung kann man controliren und entweder auf eine bestimmte Menge von reinem Silbemitrat oder auf die salpetersaure Lösung einer bekannten Menge von chemisch reinem Silber genau einstellen).

Gewöhnlich wendet man eine zehntelnormale Lösung oder eine FlĂŒssigkeit mit TAg 0,010 gr an.

Das Natriumchlorid kann man bei diesem Verfahren durch Kaliumbromid, durch ChlorwasserstoffsÀure oder BromwasserstoffsÀure ersetzen.

Bereitung der titrirten Lösung von Silbernitrat. Auch diese Lösung wird, entsprechend der vorigen, gewöhnlich zehntelnormal hergestellt, oder mit Ta 0,010 gr. Sie lÀsst sich sehr genau mittels krystallisirten, reinen, gepulverten und getrockneten Silbemitrats (AgNOg, M.-G. 169,55, N.-G. 169,55 gr) nach der directed Methode bereiten.

Die titrirte Silberlösung ist, wenn sie gegen Licht (in einer schwarzen oder braunen Flasche) und gegen Staub geschĂŒtzt aufbewahrt wird, von unbegrenzter Haltbarkeit. Eine Lösung von ganz reinem Silbemitrat in von Chlor, Staub und organischen Substanzen gĂ€nzlich freiem Wasser hĂ€lt sich sogar im pollen Sonnenlicht, ebenso wie die Lösung von Natriimichlorid. Es belohnt sich daher die kleine MĂŒhe, beide Lösungen so gegen einander einzustellen, dass ihre Titer genau gleichmĂ€ssig sind.

1015* Variante. Um dem oben bezeichneten Uebelstande einer LTeberstĂŒrbung der Bestimmung vorzubeugen, hat Mohr die Anwendung

') Gay-Lu8sac: Ann. de eh. et de fhys. [2] 68 (1835), 318; [3] 17 (1846), 232. Levol: daselbst [3] 16 (1846), 503.

') Ueber die DarstelluDg von reinem Silber verweisen wir auf die classische Arbeit von J. S. Stas: Untersuchungen ĂŒber die Gesetze der chemischen Proportionen y ĂŒber die Atomgewichte und ihre gegenseitigen VerhĂ€ltnisse, ĂŒbersetzt von Dr. L. A ronstein, Leipzig 1867, S. 32. 40 u. 113. — Vergl. auch Z. anal. Ch. 6 (1867), 425.

von Kaiiumchromat als Indicator vorgeschlagen. In durchaus neutraler oder höchstens ganz schwach durch Natriumbicarbonat alkalisirter Lösung ruft Kaiiumchromat mit löslichen Silbersalzen einen rothen Niederschlag von Silberchromat hervor, dessen Eigenschaften wir oben (§ 521, Nr. 8) besprochen haben.

Mit Benutzung dieser AbĂ€nderung verfahrt man in folgender Weise. Man neutralisirt, wenn nöthig, die Silberlösung durch Natriumcarbonat bis zur ganz schwach sauren Reaction und hebt diese durch aufgeschlĂ€mates Calciumcarbonat oder Zinkcarbonat auf, von welchen mn so viel zusetzt, dass eine schwache TrĂŒbung bestehen bleibt. In diese Mischung giesst man eine verdĂŒnnte Lösung von Kaiiumchromat bis zu deutlicher Rosa- fĂ€rbung und lĂ€sst nun die titrirte Natriumchloridlösung einlaufen, bis der Niederschlag, welcher anfangs von Silberchromat röthlich gefĂ€rbt erscheint, diese FĂ€rbung in Folge der Umwandlung des Silberchromates in Chlorid vollstĂ€ndig verloren hat.

Besser lĂ€sst sich die Endreaction beobachten, wenn man ZurĂŒcktitrirung anwendet: man giebt zunĂ€ einen kleinen Ueberschuss von Natriumchlorid, neutralisirt, fĂŒgt einige Tropfen Chromatlösung hindu und titrirt den ChloridĂŒberschuss durch Silbernitrat zurĂŒck, bis der Niederschlag von einer kleinen Menge Silberchromat röthlich gefĂ€rbt wird.

1016. IL Durch Alkaliflulfooyanide i) : KCyS (M.-G.=: 96,99; N.-G. 96,99 gr); AmCyS (M.-G. 75,97; N.-G. 75,97 gr). Zu der sauren Lösung, welche das Silber als Nitrat oder als Sulfat enthalten muss, setzt man Ferrisulfat oder besser, weil das Salz leichter rein zu erhalten ist, Ammonium-Ferri-Sulfat (Eisenalaun) hindu und lÀsst alsdann eine titrirte Lösung von Kaliumoder Ammonium-Sulfocyanid zufliessen, bis die Mischung einen bleibenden röthlichbraunen Ton annimmt, welcher durch eine Spur von Ferri-Sulfocyanid veranlasst wird.

Um die Reaction scharf hervortreten zu lassen, muss man eine ziemlich reichliche Menge des Ferrisalzes anwenden, z. B. 3 bis 4 cc einer kalt gesĂ€ttigten Lösung von Eisenalaun auf 100 cc FlĂŒssigkeit Ferner ist es erforderlich, dass das angewandte Sulfocyanid frei von Chlorid ist, weil sonst das neben dem Silbersulfocyanid entstehende Silberchlorid mehr oder weniger stark auf das am Ende der Reaction gebildete Ferrisulfocyanid reagirt und daher Unklarheit ĂŒber die Endreaction lĂ€sst; diese Chlorid - Reaction tritt jedoch nicht sofort ein, und bei einiger Uebung lĂ€sst sich auch bei einem Chloridgehalte die Endreaction daran

') Dieses Verfahren ist unter dem Namen „Vol bardisch es Verfahren*' bekannt, jedoch mit Unrecht. Die erste Idee, Sulfocyanide in Gegenwart von Ferrisalzen zu benutzen, stammt von P. Charpentier, Probirer an der Pariser MĂŒnze. P. Charpentier: Bull, de la Soc. des Ing. civ. de France, 1870, S. 325; R. univ. d. M. 88 (1873), 302.

Volhard: Sitz.-Ber. d. k, bayer. Akad. der IViss.y 1874; /. prakt. Ch. [2J 9 (1874), 217; DeKoninck: Ch.Z, 16 1558.

B. Durch Titrimctrie. 101

erkennen, dass der rĂ¶ĂŒĂŒiche Farbenton nicht so zu sagen augenblicklich verschwindet.

Das Ammoniumsulfocyanid lÀsst sich anscheinend leichter chloridfrei erhahen, als das Kaliumsalz; das wÀre ein Grund, ersterem den Vorzug zu geben.

Bereitung der Lösung. Die Alkalisulfocyanide sind nicht in einer fĂŒr die directe AbwĂ€gung geeigneten Form zu erhalten. Man löst deshalb fĂŒr die Bereitung einer annĂ€hernd zehntelnormalen TiterflĂŒssigkeit etwa S gr des Ammoniumsalzes oder 10 gr des Kaliumsalzes auf 1 Liter der zu erhaltenden FlĂŒssigkt und bestimmt dann den Titer dieser FlĂŒssigkeit mit einer bekannten Menge von reinem Silber oder von Silbemitrat.

Der so gefundene Titer wird etwas höher sein als zehntelnormal; man kann ihn dann durch geeignete VerdĂŒnnung auf zehntelnormal bringen.

In Gegenwart von Quecksilber ist das Verfahren nicht anwendbar, und natĂŒrlich ebenfalls nicht in Gegenwart gefĂ€rbter Salze.

1017* in. Duroh JodstÀrke Jod reagirt mit Silbernitrat in der Art, dass sich Jodid und Hypojodit oder Jodat bilden: 2 AgNOg + 2J + HO - AgJ + AgJO + 2HNO3 , 6 AgNOs + 6J + SHjO - 5AgJ + AgJO + 6HNO3. In allen FÀllen ist, wie die Formeln zeigen, das VerhÀltniss zwischen Jod und Silber das gleiche.

In Folge dieser Reactionen wird die JodstÀrke durch gelöste Silbersalze entfÀrbt.

Um diese Reaction zu benutzen, lĂ€sst man eine litrirte Lösung von JodstĂ€rke in die neutral Silberlösung fliessen, bis das Gemisch dauernd ganz leicht blau gefĂ€rbt ist, nachdem man der SĂŒberlösung Calciumcarbonat zugesetzt hat, um die sich bildende SalpetersĂ€ure zu neutralisiren.

Bereitung der Lösung. Man verreibt 2 gr Jod mit 15 gr StĂ€rke, welche mit G bis 8 Tropfen Wasser befeuchtet sind, und erwĂ€rmt das Gemisch in einem verstopften Kölbchen eine Stunde lang auf dem Wasserbade. Behandelt man das Product mit Wasser, so erhĂ€lt man eine dunkelblaue FlĂŒssigkeit, deren Titer nun zu bestimmen ist.

Zu dem Zwecke benutzt man eine titrirte Lösung von Silbernitrat mit TAg- 0,001 gr.

In RĂŒcksicht auf die ĂŒbermĂ€ssig grosse VerdĂŒnnung der TiterflĂŒssigkeit ist das Verfahren nur bei Bestimmungen sehr kleiner Silbermengen anwendbar; die meisten Metalle, welche gewöhnlich neben dem Silber vorhanden sind, machen seine Anwendung unmöglich.

101 8. IV. Duroh Kalium jodie). Dieses Verfahren ist bis zu einem gewissen Grade eine Modification des vorigen; es beruht darauf, dass das Jod des Kaliumjodides durch salpetrige SĂ€ure dauernd nur in Abwesenheit von Silbersalzen frei gemacht wird.

') Pisani: Jnn. d. mines [5] 10 (185B), a3; C. r. 43 (IHiV), lllS. H. Vogel: Pogg. Ann. 124 (1S6.Ö), 347.

Man setzt zu der sauren Siiberlösung eine kleine Menge von Kalium oder Natrium-Nitrit, welches ganz frei von Chlorid sein muss, und klare StĂ€rkelösung; dann lĂ€sst man eine titrirte Lösung von Kaliumjodid zufliessen, bis zur dauernden Bildung von JodstĂ€rke, welche in Folge dos gelblichen Tones des Silberjodides der Mischung ein grĂŒniches Aussehen giebt.

Bereitung der Lösung. Man kann allenfalls nach der directed Methode verfahren. Da es aber nicht ganz leicht ist, vollkommen reines Kaliumjodid zu erhalten, bestimmt man den Titer besser durch Silber oder durch Silbernitrat.

Bemerkung. Ein gutes Verfahren zur titrimetrischen Bestimmung des Silbers in ammoniakalischer Lösung wĂŒrde manche Vortheile bitten.

(t. Deniges) hat ein Verfahren vorgeschlagen, welches darin besteht, dass er zu der ammoniakalischen Silberlösung einen Ueberschuss von Kaliumcyanid setzt und mit Silbemitrat, unter Anwendung von etwas Kaliumjodid als Indicator, zurĂŒcktitrirt: die Endreaction wird durch eine schwache TrĂŒbung von Silberjodid, welches in Ammoniak unlöslich, in Kaliumcyanid aber löslich ist, angezeigt.

Vielleicht liesse sich auch eine titrirte Lösung von Kaliumjodid anwenden, wenn es gelingt, fĂŒr den geringsten Ueberschuss desselben einen guten Indicator zu finden.

1019. Bestimmang des Silbergehaltes in Legimngen. Wir haben bereits (§ 1002 f.) ausfĂŒhrlich beschrieben, wie das Silber in Legirungen mit Blei durch Cupellation bestimmt wird. Die diesem Verfahren anhaftenden Fehlerquellen machen sich noch empfindlicher bemerkbar, wenn die Legining, ausser den angegebenen, noch andere Metalle, wie namentlich Kupfer, enthĂ€lt, oder wenn eine Legirung von Silber und Kupfer unter Zusatz von Blei cupellirt wird. Es sind aber gerade die Legirungen von Silber und Kupfer, welche eine sehr scharfe Bestimmung des Silbers verlangen, weil sie zur Herstellung von MĂŒnzen und von btisonders werthvollen HandelsgegenstĂ€nden Verwendung finden. Auf sie beziehen sich die folgenden Abschnitte.

Wir haben im Vorhergehenden zwei vortreffliclie Verfahren der Bestimmung des Silbers auf titrimetrischem Wege kennen gelernt: das Natriumchlorid -Verfahren von Gay-Lussac und das von Charpentier und Volhard ausgearbeitete Sulfocyanid -Verfahren. Letzteres hat indessen in die Laboratorien der MĂŒnzwerkstĂ€tten, der Scheideanstalten u. s. w., kurz als officielles Verfahren kaum Eingang gefunden. Der Grund liegt wohl ausschliesslich darin, dass bereits seit vielen Jahrzehnten das Gay- Lussac' sehe unter BerĂŒcksichtigung alier denkbaren Fehlerquellen ausgearbeitet ist. Wir werden uns daher ausschliesslich mit diesem Verfahren und seinen wirbligsten Modificationcn zu beschĂ€ftigen haben.

B. Durch Titrimctrie. 103

Zum VerstĂ€ndnisse der Bestimmung des Silbers durch eine titrirte Lösung von Natriumchlorid genĂŒgt es nicht zu wissen, dass durch die Einwirkung von Natriumchlorid auf ein gelöstes Silbersalz unlösliches Silberchlorid entsteht:

NaCl + AgNOg AgCl + NaNOg.

Diese Reaction verlĂ€uft nĂ€mlich nicht vollkommen glatt. Mulder hat vielmehr bewiesen, dass durch Vermittelung des entstandenen Natriumnitrates geringe, und zwar einander Ă€quivalente Mengen Silbernitrat und Natriumchlorid neben einander in Lösung bestehen können, wenn gewisse, genau Ă€quivalente Mengen dieser beiden Verbindungen schon auf einander eingewirkt haben. Dieser von Mulder als „neutraler Punkt" bezeichnete Gleichgewichtszustand) wird jedoch aufgehoben, sobald man jetzt entweder Silbemitrat oder Natriumchlorid zusetzt: durch das eine wie das andere Salz entsteht ein weiterer Niederschlag von Silberchlorid. Hatte man die FlĂŒssigkeit genau halbirt, so sind die Niederschlagsmengen genau gleich, welche man durch vorsichtigen Zusatz einerseits von Silbemitrat, andererseits von Natriumchlorid bis zu dem Punkte, bei welchem ein neuer Niederschlag nicht mehr auftritt, erhĂ€lt. Dieses Verbal tniss wird auch durch die Menge des entstandenen Natriumnitrates nicht geĂ€ndert, d. h. es bleibt stets dasselbe, mögen nun grössere oder geringere Mengen Silbemitrat mit Ă€quivalenten Mengen Natriumchlorid in Reaction getreten sein; wohl aber werden die absoluten Mengen der im Gleichgewicht gelöst bleibenden Salze durch Vermehrung des Natriumnitrates verĂ€ndert. So befinden sich bei Erreichung des neutralen Punktes und bei einer Temperatur von 15 — 17 1 mgr Silber und 0,54 mgr Natriumchlorid in Lösung, wenn 1 gr Silber angewandt war; dagegen 3 mgr Silber und 1,G2 mgr Natriumchlorid, wenn der Versuch mit 3 gr Silber ausgefĂŒhrt war.

In entsprechendem Sinne macht sich der Einfluss der Temperatur bemerkbar: bei höhere Temperatur sind die absoluten Mengen der beiden in der Lösung neben einander bestehenden Salze grösser als bei niedrigerer; ihre relativen Mengen sind aber stets die gleichen, d. h. einander Àquivalent.

BesĂ€ssen wir ein einfaches Mittel, den neutralen Punkt genau zu erkennen, so wĂŒrde dasselbe diese Endreaction bei der Titrirung von Silbernitrat durch Natriumchlorid genau angeben. Weil aber ein solches Mittel felt, so zieht man vor, mit dem ZusĂ€tze von Natriumchlorid zu der Silberlösung so weit zu gehen, dass auf erneuten Zusatz von Natriumchlorid ein Niederschlag nicht mehr entsteht, also so weit zu gehen, dass Natriumchlorid in einem geringen LTeberschuss vorhanden ist. Da jedoch, wie wir soeben gezeigt haben, die Menge dieses Ueber-

Diese Gleichgewichtserscheinung steht keineswegs vereinzelt da; sie tritt vielmehr bei vielen Reactionen, durch welche eine schwer lösliche Verbindung entsteht, auf (siege § 42).

Schusses von der vorhandenen Menge Natriumnitrat und von der Temperatur abhÀngig ist, erreicht man eine der Empfindlichkeit der Reaction entsprechende Genauigkeit der vSilberbestinmiung, d. h. genaue Abmessung derjenigen Menge Natriumchlorid, welche auf Silbemitrat nicht mehr einwirkt, nur dann, wenn man die Titerstellung und Bestimmung unter fast genau gleichen UmstÀnden vornimmt, also stets die gleichen Silbermengen bei der gleichen Temperatur titrirt, d. h. die Titration durch Vergleich anwendet.

Wie Mulder gezeigt hat, wird der neutral Punkt durch andere Nitrate, welche ausser Natriumnitrat unter den vorliegenden UmstĂ€nden vorhanden sein können, also durch Nitrate der sog. Schwermetalle und namentlich des Kupfers, merklich nicht beeinflusst. Man wĂŒrde also von der zu untersuchenden Legirung so viel einwĂ€gen können, dass die in der Legirung enthaltene Menge Silber derjenigen, welche bei der Titerstellung angewandt war, gleich ist. Gewöhnlich verfahrt man jedoch mn alle UmstĂ€nde möglichst gleichartig zu gestalten, so, dass man zusammen mit der Legirung genau so viel reines wSilber auflöst, dass bei den beide Versuchen gleiche Silbermengen vorliegen und dass man vor dem Schlussresultate die Menge des zugesetzten Silbers in Abzug bringt

In allen FĂ€llen ist es erforderlich, dass man den Silbergehalt der zu untersuchenden Legirung annĂ€hernd kennt. Mit genĂŒgender Genauigkeit, erforderlichen Falles unter Benutzung einer Correctionstabelle , erfahrt man ihn durch eine Cupellation (vergl. § 1002).

Ein weiterer Umstand, welcher bei der in Rede stehenden Untersuchung zu berĂŒcksichtigen ist, ist die Lichtempfindlichkeit des entstehenden Silberchlorides. Durch den Einfluss des Sonnenhchtes wird dasselbe bekanntlich geschwĂ€rzt, in Folge der Bildung einer niedrigeren Chlorverbindung. Dieses sich abspaltende Chlor wird, unter den herrschenden LImstĂ€nden, schnell in Chlorwasserstoff ĂŒbergenĂŒhrt, durch welchen eine entsprechende Menge Silber gefallt wird. Durch diesen Fehler wĂŒrde man also bis zur Endreaction weniger Natriumchlorid verbrauchen, als der zu bestinunenden Silbermenge entspricht. Den schĂ€dlichen Einfluss des Sonnenlichtes schliesst man gewöhnlich dadurch aus, dass man das (lefĂ€ss mit der zu titrirenden Silberlösung in eine inner schwarz lackirte MetallhĂŒlse stellt und es aus dieser bei den jeweiligen ZusĂ€tzen von Natriumchlorid nur kurze Zeit so weit heraushebt, als zur Beobachtung der obersten FlĂŒssigkeitsschicht erforderlich ist. Stas wendet ausserdem die Vorsicht an, dass er die Titrirung nur in einem RĂ€ume vornimmt, welcher durch gelbe FensterglĂ€ser sein Licht erhĂ€lt.

Die zur Titrirung des Silbers in den Probirlaboratorien benutzten TiterflĂŒssigkeiten sind:

eine normale Lösung von Natriumchlorid, mit TAg 0,010 gr, eine Zehntellösung von Natriumchlorid, mit Taj — 0,001 gr, eine Zehntellösung von Silber in SalpetersĂ€ure, von welcher 1 CG 1 mgr Silber enthĂ€lt.

B. Durch Titrimctric. 105

Aus den angegebenen Titerwerthen ist ersichtiich, dass hier unter „Normallösungen** nicht solche Lösungen zu verstehen sind, welche man allgemein als normal bezeichnet.

Die Bereitung der Normallösung von Natriumchlorid geschieht am sichersten nach der directed Methode unter Benutzung von krystallisirtem, durchsichtigem Steinsalze (sal gemmae)\ man löst von demselben 5,4217 gr fĂŒr jedes Liter der zu bereitenden Normallösung.

Die Zehntellösung von Natriumchlorid erhĂ€lt man durch VerdĂŒnnen der vorigen Lösung auf das genau zehnfache Volumen.

Die Zehntel -Silberlpsung bereitet man ebenfalls direct durch Auf- lösen von 1 gr Silber in SalpetersĂ€ure und AuffĂŒllen auf 1 Liter. Man vergewissert sich, ob ganz gleiche Volumina beider Lösungen sich gegenseitig genau fallen, dadurch, dass je eine Probe der ĂŒber dem Silberchlorid stehenden filtrirten FlĂŒssigkeit weder von Natriumchlorid noch von Silbemitrat getrĂŒbt wird, oder dass beide Proben gleiche TrĂŒbung geben (vergl. S. 103). Man hat ĂŒbrigens diese Silberlösung nur fĂŒr den selten eintretenden Fall, dass ein Versuch ĂŒbestĂŒrzt worden war, nöthig.

Apparate. Bei AusfĂŒhrung der Versuche verfahrt man in der Art, dass zunĂ€ durch die Normallösung von Natriumchlorid fast die ganze Menge des vorhandenen Silbers bis auf wenige Milligramme gefallt wird. Der kleine verbliebene Rest wird sodann durch die Zehntellösung gefallt. ÂŁs kommt also ganz besonders darauf an, die Normallösung mit grösister SchĂ€rfe abzumessen. Man bedient sich zu dem Zwecke einer Pipette, welche durch festes Einklemmen bei allen Versuchen in gleicher Lage erhalten wird. Die FĂŒllung derselben geschieht von unten in der Weise, dass man ihre Ausfiussspitze durch einen mit einem Quetschhahne versehenen Gummischlauch mit der die Lösung enthaltenden Vorrathsflasche verbindet. Vortheilhaft verwendet man eine solche Pipette, welche, bis oben hin gefĂŒllt, genau das bei jedem Versuche anzuwendende gleiche Volumen der Lösung aufnimmt (wie wir schon hier bemerken wollen, genau 100 cc), und an welche dicht an der oberen Oeffnung eine trichter- förmige Rinne angeschmolzen ist, in welcher sich etwa ĂŒberfliessende Lösung sammelt (Stas'sche Pipette).

Die Zehntellösung kann man aus einer BĂŒbette zufliessen lassen. Gewöhnlich verwendet man aber Pipetten von 1, 0,5 und 0,25 cc Inhalt. Mulder lĂ€sst die Zehntellösung in Tropfen aus einem besonders von ihm constrmrten Apparate einfliessen und notirt die Zahl derselben. Stas wendet Pipetten von 10 cc Inhalt an, welche genau 25 Tropfen auf 1 cc geben.

Zum Auflösen des Silbers sowohl wie der zu untersuchenden Legirungen bedient man sich Flaschen von ca. 250 cc Inhalt, welche durch gut eingeschliffene, nach inner zu spitz zulaufende Stopfen verschliessbar sind.

AusfĂŒhrung des Verfahrens selbst. Man wĂ€gt von der zu untersuchenden Legirung 1 gr und, nachdem man annĂ€hernd ihren Gehalt an Silber bestimmt, so viel reines Silber ab, dass man im Ganzen etwa<

106 Bestimmung des Silbers. B. Durch Titrimetrie.

mehr als 1 gr, z. B. 1,002 gr, Silber erhĂ€lt. Hatte die Vorprobe ergeben, dass 1 gr der Legirung z. B. 0,540 gr Silber enthĂ€lt, so wĂ€gt man dazu 0,462 gr reines Silber. Das Ganze löst man in 5 bis 10 cc SalpetersĂ€ure von 1,25 sp. Gew., vertreibt durch gelindes ErwĂ€rmen im Wasserbade, auch wohl unter ZufĂŒhrung eines schwachen Luftstromes mittels eines kleinen HandgeblĂ€ses, die nitrogen DĂ€mpfe, setzt die Flasche in die lichtschĂŒtzende HĂŒlse und lĂ€sst 100 cc Normal - Natriumchlorid- lösung aus der oben angegebenen Pipette zufliessen. Nachdem man die Flasche durch eine schwarze Kappe vollkommen gegen das Sonnenlicht geschĂŒtzt, bewirkt man durch heftiges SchĂŒtteln ein Zusammenballen des Niederschlages und KlĂ€rung der FlĂŒssigkeit. In Laboratorien, in welchen viele SĂŒberbestimmungen neben einander auszufĂŒhren sind, bedient man sich besonderer SchĂŒttelapparate, in welche eine grössere Anzahl SchĂŒttelflaschen gesetzt werden können. Es gilt jedoch als Regel, mit dem KlarschĂŒtteln nicht unnöthig lange zu warten, weil durch lĂ€ngeren Verzug der Niederschlag die Eigenschaft, leicht zusammenzuballen, einbĂŒsst.

Nunmehr hebt man die Flasche aus der HĂŒlse so weit heraus, dass man ihre OberflĂ€che beobachten kann, setzt einen Cubikcentimeter Zehntel- Natriumchloridlösung hindu, schĂŒttelt klar, und fĂ€hrt so fort, bis kein Niederschlag mehr entsteht. An dem Aussehen der durch diese ZusĂ€tze entstehenden TrĂŒbungen vermag ein geĂŒbter Probirer zu erkennen, ob er sich der Endreaction nĂ€hert; dementsprechend nundert er die spĂ€teren ZusĂ€tze, je nach dem Grade der verlangten Genauigkeit, auf y,

In genau gleicher Weise wird der Titer bestimmt, nachdem man die annÀhernd gleiche Menge Silber, welche bei der Hauptprobe vorhanden ist, bei unserem obigen Beispiele 1,002 gr, eingewogen hat.

Die Titration ist beendet, wenn durch den letzten Zusatz der Zehntel- lösung ein Niederschlag nicht mehr entstanden ist. Zwar ist in diesem Falle ein kleiner Ueberschuss von Natriumchlorid angewandt worden, und ein solcher konnte auch schon nach dem vorletzten ZusÀtze vorhanden sein. Man kann daher den letzten Zusatz ganz und von dem vorletzten ZusÀtze die HÀlfte von der verbrauchten Zehntellösung in Abzug bringen. Das angegebene Verfahren der Titration durch Vergleich macht aber eine solche Correction unnöthig, da bei Bestimmung und Titerstellung in genau gleicher Weise und mit gleichen oder fast gleichen Silbermengen gearbeitet wurde.

Die mit vorhandenen Daten auszufĂŒhrende Berechnung bedarf kaum einer ErlĂ€uterung. Man hat nur von der bei der Titration gefundenen, aus dem verbrauchten Volumen Natriumchloridlösung direct abzulesenden Silbermenge die zusammen mit der Legirung eingewogene Silbermenge abzuziehen.

Von anderen Metallen, welche ausser Kupfer und Silber in einer zu untersuchenden Legirung vorhanden sein können, ist nur Quecksilber auszuschliessen; bei Gegenwart von Antimon und Wismuth giebt man nach dem Auflösen 1 gr WeinsÀure hindu und titrirt alsdann.

Aufsuchung der Metalle der Cadmiumgnippe in Gemischen. 107

1020. Modification des Gay - Lussac'ache Verfahrens von J. S. Stas). Nach Beobachtungen von J. S. Stas ist Silberbromid in kaltem Wasser, auch wenn es stark mit SalpetersĂ€ure angesĂ€uert ist, vollstĂ€ndig unlöslich; es können daher Bromwasserstoff und Silbemitrat, selbst in den kleinsten Mengen, nicht neben einander bestehen. Es giebt also in diesem Falle keinen neutralen Punkt, d. h. wenn man vollkommen chlor freie BromwasserstoffsĂ€ure in eine Lösung von Silbernitrat giesst, welche eine Ă€quivalente Menge Silber enthĂ€lt, so ist die Reaction vollstĂ€ndig glatt: in der Lösung ist weder Silber noch Brom enthalten; ebenso wenn man umgekehrt verfahrt. Auf Veranlassung von Stas wurde aus diesen GrĂŒnden in dem Laboratorium der MĂŒnze zu BrĂŒssel das Natriumchlorid durch BromwasserstoffsĂ€ure ersetzt.

Es kann nach dem Gesagten keinem Zweifel unterliegen, dass die Titration des Silbers durch BromwasserstoffsĂ€ure theoretisch richtiger ist, als diejenige durch Natriumchlorid. Trotzdem hat sie sich, wie es scheint, in anderen LĂ€ndern nicht einzubĂŒrgern und die alte Titration durch Natriumchlorid nicht zu verdeĂ€ngen vermocht, wohl aus rein praktischen GrĂŒnden, welche einerseits darin bestehen, dass die Fehlerquellen des alten Gay-Lussac'schen Verfahrens namentlich durch Mulder's Arbeiten genau erkannt sind und dass man auch die Mittel zu einer sehr zuverlĂ€ssigen Correction derselben gefunden, andererseits darin, dass die Bereitung vollkommen reiner normaler Lösungen von Bromwasserstoff mit viel grösseren UmstĂ€nden verknĂŒpft ist, als diejenige der normalen Lösungen \'on Natriumchlorid. Wir glauben daher, uns an dieser Stelle auf den Hinweis auf die Stas 'sehe Modification beschrĂ€nken zu dĂŒrfen.

Aufsuchung der Metalle der Cadmiumgruppe In Gemischen.

1021. Die in Betracht kommenden Metalle sind: Quecksilber (Mercurisalze), Blei, Wismuth, Kupfer (Cuprisalze) und Cadmium.

Von diesen fĂŒnf Metallen giebt nur das Kupfer gefĂ€rbte Salze, und diese sind im Allgemeinen blau oder grĂŒn. Ist die Lösung vollkommen farblos, so kann sie daher merkliche Mengen von Kupfer nicht enthalten; eine deutliche blaue oder grĂŒne FĂ€rbung dagegen deutet mit Sicherheit auf die Anwesenheit dieses Metalles.

Zur nĂ€heren PrĂŒfung unterwirft man die Lösung der Einwirkung von Schwefelwasserstoff, oder, nach dem Vorschlage von R. Schiff und N. Tarugi, von Thio essigsaure, bez. Ammoniumthioacetat (§ 883, Nr. 4).

Zur FÀllung, besonders zur vollstÀndigen FÀllung der Sulfide ist es erforderlich, dass die in der Lösung enthaltene SÀuremenge-) gewisse Grenzen

Ann. de ch, et de phys. 25 (1H7"2), 22, und [5] 3 (1574), 145 u. 280; C. r, 67 (18G8), 1107, und 73 (1871), 998. Relativ, nicht absolut.

108 AufsuchuDg der Metalle der Cadmiunigruppe in Gemischen.

nicht ĂŒberschreitet; diese Grenzen sind von der Temperatur der FlĂŒssigkeit, der Art der SĂ€ure und dem zu fallenden Metalle abhĂ€ngig i).

Man darf nicht vergessen, dass durch die Reaction des Schwefelwasserstoffes auf die Salze SĂ€ure frei wird, z. B. : CdClj + HoS CdS + 2HC\ . Damit die so entstehenden SĂ€uren ĂŒber ein zulĂ€ssiges relatives Maass nicht hinausgehen, muss die Lösung entsprechend verdĂŒnnt sein. Diese VerdĂŒnnung befördert ausserdem die Einwirkung des Schwefelwasserstoffes, indem durch sie die Menge des von der FlĂŒssigkeit aufzunehmenden Gases vermehrt wird.

Femer machen wir noch ganz besonders darauf aufinerksam, dass

SalpetersĂ€ure, wenn sie nicht sehr verdĂŒnnt ist, besonders in der WĂ€rme,

auf den Schwefelwasserstoff zersetzend einwirkt und die Bildung

1 eines sehr unbequemen Niederschlages von Schwefel veranlasst.

I Kurz, es gilt als allgemeine Regel, dass man nur eine

' kate 2), verdĂŒnnte '-') und schwach saure Lösung der Einwirkung

des Schwefelwasserstoffes unterwirft und dass die Lösung die

Metalle als Chloride oder auch als Sulfate enthÀlt

Sind diese Bedingungen erfĂŒllt, so lĂ€sst man einen langsamen Strom von Schwefelwasserstoff in die Lösung bis zu ihrer SĂ€ttigung damit eintreten. Es ist sehr zu empfehlen, diese Operation aufmerksam zu verfolgen und zu beobachten, ob und wie sich das iussehen des Niederschlages nach und nach, durch successives Ausfallen der Metalle, verĂ€ndert; man kann in dieser Weise bereits Andeutungen ĂŒber die Natur der vorhandenen Metalle erhalten.

Um eine FlĂŒssigkeit mit Schwefelwasserstoff zu sĂ€ttigen, verfahrt man am besten in der Art, dass man sie in ein ziemlich edges Gefass bringt, so dass sie eine SĂ€ule von betrĂ€chtlicher t lg. 183. Höhe bildet, und dass man das Schwefelwasserstoffgas mög- lichst unmittelbar ĂŒber dem Boden aus einem sehr lang und dĂŒnn ausgezogenen Rohre (Fig. 183) eintreten lĂ€sst. Dadurch theilt sich der Gasstrom in zahlreiche kleine Blasen und bietet eine grosse OberflĂ€che:

Das relative Maass fĂŒr die Leichtigkeit, mit welcher die durch Schwefelwasserstoff fĂ€llbaren Metalle in Gegenwart dieses Reagens durch Chlorwasserstofi in Lösung gehalten werden, findet seinen Ausdruck durch die Reihe: Pb, Cd, Sb. Sn, Hg, Bi, Cu, Ag, As, Au und Pt. Die FĂ€llung der letzten drei Metalle wird durch die AciditĂ€t der Lösung ĂŒberhaupt nicht gehindert (Martin: J. praki. Ch. 67 ll.VJ, .-371; siege auch SchĂŒrmann: Ann. 248 (1889), 32<)).

-') Das Kupfer fÀllt jedoch aus salzsaurer Lösung lesser in der WÀrme aus (siege § 89(>, Nr. 3). Wenn Kupfer als Chlorid vorhanden ist, thut man gut, die Kupferlösung bei Hejjinn des Einleitens warm zu halten und dasselbe fortzusetzen, bis die Lösung erkaltet ist.

Durch Zusatz von Wasser können basische Salze, z. B. Wisniuthsalze, ausfallen: das Ă€ndert aber nichts an den weiteren Vornahmen, weil diese Salze durch Schwefelwasserstoff ebenso wie die in Lösung betindlichcn Salze in Sulfid ĂŒbergenĂŒhrt werlen.

Aufsuchung der Metalle der Cadmiumgruppe in Gemischen. 109

ebenso bleiben Gas und FlĂŒssigkeit lĂ€ngere Zeit mit einander in BerĂŒhrung. Alle diese UmstĂ€nde befördern die Absorption des Gases ausserordentlich.

Dass eine FlĂŒssigkeit mit Schwefelwasserstoff gesĂ€ttigt ist, erkennt man an dem deutlichen GerĂŒche i) nach diesem Reagens, nachdem man das GefĂ€ss von dem Entwickelungsapparate abgenommen und das ĂŒber der FlĂŒssigkeit angesammelte Gas durch Blasen entfernt hat

Nach vollstĂ€niger SĂ€ttigung lĂ€sst man den Niederschlag sich absetzen und giesst etwas von der FlĂŒssigkeit, wenn sie noch trĂŒbe ist, durch ein kleines Filter in einen Reagircylinder; setzt man nun das gleiche Volumen Wasser hindu und beobachtet man kein Entstehen einer neuen TrĂŒbung, auch nicht nachdem man noch einige Blasen Schwefelwasserstoff hat hinzutreten lassen, so kann man sicher sein, dass die FĂ€llung der Sulfide vollstĂ€ndig und namentlich nicht durch zu grosse AciditĂ€t der FlĂŒssigkeit beeintrĂ€chtigt ist.

Entsteht dagegen eine TrĂŒbung, so verdĂŒnnt man die ursprĂŒngliche FlĂŒssigkeit und sĂ€ttigt sie von Neuem mit Schwefelwasserstoff.

Alle Sulfide der Metalle der Cadmiumgruppe sind schwarz, oder fast schwarz, ausgenommen das Cadmiumsulfid, welches gelb ist); ist daher der Niederschlag rein gelb, so enthÀlt er ausschliesslich Cadmium und man braucht in diesem Falle die Untersuchung nicht fortzusetzen.

Ist die Farbe des Niederschlages dunkel, so fĂ€hrt man in folgender Weise fort. Man lĂ€sst ihn in dem GefĂ€sse, in welchem man die FĂ€llung bewirkt hat, absitzen, decantirt die klare FlĂŒssigkeit durch ein Filter, bringt dann den Niederschlag selbst auf das Filter und wĂ€ ihn vollstĂ€ndig mit Wasser, welches eine Spur Schwefelwasserstoff enthĂ€lt, aus. Dann nimmt man den Niederschlag vom Filter ab und digerirt ihn, erst kalt, dann unter schwachem ErwĂ€rmen, mit SalpetersĂ€ure (1,2 sp. G.). Man muss möglichst vermeiden, diese SĂ€ure in zu grosser Menge und zu concentrirt anzuwenden, weil sie das Bleisulfid in Sulfat verwandeln könnte, welches, wenigstens theilweise, mit dem nicht zersetzten Theil der Sulfide auf dem Filter zurĂŒckbleiben wĂŒrde.

Durch die Einwirkung der SalpetersĂ€ure werden die Sulfide des Bleis, des Kupfers, des Wismuths und des Cadmiums unter Bildung von Nitraten aufgelöst; das Quecksilbersulfid bleibt angelöst in Form von schwarzen Flocken zurĂŒck.

Ein etwaiger gelber RĂŒckstand kann nur von Schwefel herrĂŒhren, welcher sich durch die Oxydation von Schwefelwasserstoff durch die SalpetersĂ€ure ausscheidet. Dieser Schwefel kann Theilchen schwarzer Sulfide einschliessen , diese dem lösenden EinflĂŒsse der SĂ€ure entziehen und so einen RĂŒckstand bilden, welcher mit Mercurisulfid mehr oder weniger

') Man muss so viel wie möglich vermeiden, Schwefelwasserstoff einzuathmen; er wirkt, wenn er nicht mit sehr viel Luft vermischt ist, stark giftig.

Die ersten Blasen des Reagens können einen weissen oder gelblichen Niederschlag von snlfobasischem Mercurisalz hervorrufen (siege § 979, Nr. 3).

wo Aufsuchung der Metalle der Cadmiumgruppe in Gemischen.

Aehnlichkeit hat. Ist daher der RĂŒckstand Ă€rzlich oder selbst rein gelb, so muss man ihn doch noch auf Quecksilber prĂŒfen. Zu dem Zwecktfiltrirt maui ihn, nach VerdĂŒnnung der FlĂŒssigkeit, ab und behandelt ihn nun mit möglichst wenig Brom oder Königswasser; die erhaltene Lösung erwĂ€rmt man auf dem Wasserbade, um einen Ueberschuss des Reagens zu verjagen, und versetzt sie mit einem Tropfen Stannochlorid. Ist Quecksilber vorhanden, so erhĂ€lt man einen weissen Niederschlag von Mercurochlorid, welcher unter der Einwirkung eines Ueberschusses des Reagens in reducirtes (graues) Quecksilber ĂŒbergeht (§ 979, Nr. 12).

Zu der Lösung der Nitrate setzt man verdĂŒnnte SchwefelsĂ€ure in geringem Ueberschusse und dampft bis zur Entfernung der SalpetersĂ€ure ab; der mit Wasser aufgenonunene RĂŒckstand hinterlĂ€sst das Blei als Sulfat. Nachdem sich dasselbe abgesetzt hat, filtrirt man es ab, wĂ€ es aus und idenĂŒficirt es durch Behandeln mit ammoniakalischem Ammoniumtartrat, von welchem es vollstĂ€ndig gelöst werden muss (§ 948, Nr. 14). Wenn die zu untersuchende Substanz Blei in nur sehr geringen Mengen enthĂ€lt, so macht dessen Auffindung grosse Schwierigkeit und erfordert eine sehr sorgsame AusfĂŒhrung der Operationen.

Zu dem Filtrate giebt man einen Ueberschuss von Anunoniak. welches weisses, flockiges Bismuthihydroxyd fĂ€llt. Der Niederschlag wird abfiltrirt, ausgewaschen und geprĂŒft, indem man ihn unmittelbar auf dem Filter mit einer alkalischen Stannolösung behandelt, welche ihn in intensiv schwarzes metallisches Wismuth ĂŒberfĂŒhrt (siege § 928, Nr. lo.

Sollte durch Ammoniak ein Niederschlag entstanden sein, welcher sich durch die Stannolösung nicht sofort Ă€rzt, so kann derselbe von Blei herrĂŒhren, welches sich der FĂ€llung durch SchwefelsĂ€ure entzogen hat.

Nur wenn man vorher schlecht gearbeitet hatte, kann der Niederschlag auch ein Mercuri-Amidosalz enthalten, welches ebenso wie event. vorhandenes Blei durch die Behandlung mit dem Stannoreagens grau wird.

Das ammoniakalische Filtrat von dem Bismuthihydroxyde ist blau, wenn Kupfer vorhanden ist; diese FĂ€rbung entsteht durch Auflösen des Cuprihydroxydes in Ammoniak; sie genĂŒgt zur sicheren Erkennung des Kupfers. Ist Kupfer anwesend, so setzt man zu der FlĂŒssigkeit reines Kaliiuncyanid, bis sie farblos geworden ist, und leitet Schwefelwasserstoö' ein; unter diesen UmstĂ€nden wird das Cadmiiun als (gelbes) Sulfid gefallt, wĂ€hrend das Kupfer in Lösung bleibt, da das Kaliumcyanid seine FĂ€llung als Sulfid hinder.

Man kann auch beide Metalle als Sulfide fallen und diese mit Schwefel- sÀure behandeln) (vergl. § 1044) oder die mit Natriumchlorid und Salz- sÀure versetzte Lösung mit Schwefelwasserstoff fÀllen 2) (vergl. § 1048).

Ist das ammoniakalische Filtrat vom Bismuthihydroxyd farblos, so

') A. W. Hofmann: Chem. Soc. Quart. J. 13 (1860), 78. — Ueber andere Verfahren der Aufsuchung von Kupfer und Cadmium siege: F. Mawrow und W. Muthmann: Z. anorg. Ch. 11 (18%), 268; Rivot: C. r. 88 (1854), 868; u. A. m.

A. S. Cushman: Z. anal. Ch. 34 (1895 368.

Bereitung von Schwefelwasserstoff. ] X 1

behandelt man es ohne Zusatz von Kaliumcyanid mit Schwefelwasserstoif, entweder direct, oder besser nach seiner Neutralisation durch SalzsÀure oder EssigsÀure.

Bemerkimg. Man beobachtet hĂ€ufig, wenn man zur Aufsuchung des Cadmiums durch Schwefelwasserstoff gelangt ist, dass sich, statt eines gelben, ein brĂ€unlicher oder schwarzer Niederschlag bildet. Gewöhnlich werden diese FĂ€rbungen durch die Anwesenheit von etwas Mercurisulfid veranlasst und sind ein Beweis, dass auf das Auswaschen des Niederschlages der Sulfide nicht die nöthine Sorgfalt verwandt war. Der begangene Fehler ist in folgender Weise zu erklĂ€ren. Sind die Metalle in der der Analyse imterworfenen Lösung als Chloride vorhanden, was in der Regel der Fall ist, so tritt unter dem EinflĂŒsse von Schwefelwasserstoff folgende Reaction ein:

HgCljj + HsjS HgS 4- 2 HCl. Es entsteht also ChlorwasserstoffsÀure.

War nun der Sulfidniederschlag nicht vollstÀndig ausgewaschen, so verblieb bei ihm auch Chlorwasserstoff. Die SalpetersÀure, welche zum Lösen der Sulfide benutzt wird, bildet dann mit dieser Chlorwasserstoff- sÀure etwas Königswasser, welches Mercurisulfid zu Mercurichlorid löst.

Im weiteren Verlaufe reagirt das Ammoniak, welches man zur FÀllung des Bismuthihydroxydes anwendet, auf das Mercuhsalz in der Art, dass sich eine Amidverbindung bildet, welche in Ammoniak nicht vollstÀndig unlöslich ist; da nun dieses Reagens im Ueberschuss zugesetzt werden muss, so ist die Folge, dass etwas Quecksilber in Lösung bleibt, bis man zum Nachweise des Cadmiums durch Schwefelwasserstoff gelangt.

Die Anwesenheit von Quecksilber in dem schliesslich ammoniakalischen Filtrate lÀsst sich auch durch die Gegenwart von Chlorosulfiden in dem durch Schwefelwasserstoff erhaltenen Niederschlage erklÀren.

Ist dieser Fall eingetreten, so hat man das Cadmium in dem aus Cadmiumsulfid und Mercurisulfid bestehenden Niederschlage in der Art aufzusuchen, dass man ihn, nachdem er ausgewaschen ist, mit ver- dĂŒnnter und heisser SalpetersĂ€ure oder SchwefelsĂ€ure (§ 1044) behandelt; diese SĂ€uren lösen das Cadmiumsulfid und lassen das Mercurisulfid unverĂ€ndert Die salpetersaure oder schwefelsaure Lösung, welche nicht zu sauer und genĂŒgend verdĂŒnnt sein muss, giebt alsdann mit Schwefelwasserstoff gelbes Cadmiumsulfid.

Bereitung von Schwefelwasserstoff.

1022 Dieses Reagens wird fĂŒr den ĂŒblichen Gebrauch bei der Analyse so gut wie ausschliesslich durch Einwirkung verdĂŒnnter SalzsĂ€ure oder SchwefelsĂ€ure auf Ferrosulfid) bereitet: FcgSg -f 4 HCl FeCl + 2 HgS.

Das Schwefeleisen enthĂ€lt meist etwas metallisches Eisen, weshalb dem Schwefelwasserstoff etwas Wasserstoff beigemischt sein kann, ausserdem soll sich eine flĂŒchtige Eisenverbindung beimengen (Kunz- Krause). Ganz reinen Schwefelwasserstoff erhĂ€lt man durch Zersetzung von Baryumsulfid oder den Antimonsulfiden mit SalzsĂ€ure.

112 Bereitung von Schwefelwasserstoff.

Die SalzsÀure hat vor der SchwefelsÀure den Vorzug, dass das durch sie entstehende Ferrochlond leichter löslich ist als das Sulfat, und dass man daher die erstere in concentrirterem Zustande anwenden kann als die letztere, oder, mit anderen Worten, dass man dieselbe Gasmenge mit einem geringeren Volumen von SÀure erzeugen kann.

Verwendung findet der Schwefelwasserstoff meist in Gasform; in FÀllen, wo der Schwefelwasserstoff in ganz kleinen Mengen in Reaction treten soll, lÀsst man ihn vortheilhaft in Form von Schwefel wasserstoffwasser (dieses tropfenweise) einwirken.

FĂŒr die Bereitung sind zahlreiche Apparate verschiedener Construction vorgeschlagen. Ein wirklich brauchbarer Apparat muss folgende Bedingungen erfĂŒllen:

1. Er muss ohne Verluste einen constanten Gasstrom liefern, welchen man nach BedĂŒrfniss genau reguliren kann.

2. Er muss das Gas unter verhÀltnissmÀssig hohem Drucke (20 bis 30 cm WassersÀule) liefern können, wenn es erforderlich ist.

3. Wird er ausser Betrieb gesetzt, so muss er auch ausser Druck gesetzt werden können; anderenfalls wĂŒrde ein Verzehren der zur Bereitung des Gases dienenden Stoffe stattfinden, das sich weiter entwickelnde Gas wĂŒrde durch FlĂŒssigkeit und Stopfen diffundiren und der Apparat wurde seinen Dienst versagen, wenn man ihn gerade nöthig hat.

4. Er muss eine möglichst vollstĂ€ndige SĂ€ttigung der SĂ€ure mit Ferrosalz gestatten; man erreicht das nur durch eine Circulation der FlĂŒssigkeit, welche in der Art geregelt werden kann, dass die mehr oder weniger mit Ferrosalz gesĂ€ttigte SĂ€ure von dem Sulfide ablĂ€uft und fischer oder weniger gesĂ€ttigter SĂ€ure Platz macht.

5. Im Falle des Bruches eines der Apparattheile muss derselbe leicht ersetzt werden können. Das ist z. B. nicht der Fall bei dem classischen Kipp' sehen Apparate.

Der in Fig. 184 dargestellte, von De Koninck*) construirte Apparathat sich in dessen Laboratorium bei jahrelangem Gebrauche auf das beste bewÀhrt.

Die Flasche A, welche am unteren Theile mit zwei einander gegen- ĂŒber stehenden Tubulaturen versehen ist, wird einige Centimeter hoch mit BruchstĂŒcken von Glas oder Porzellan beschickt; auf diese Unterlage bringt man das Ferrosulfid (in StĂŒcken).

Unter dieser ersten Flasche, welche auf einem Holzgestelle steht, befindet sich eine grosse Woulff 'sehe Flasche B niedriger Form mit drei Tubulaturen.

Von der einen Tubulatur der Flasche A reicht ein Glasrohr n durch eine der seitlichen Tubulaturen von B bis auf dessen Boden; ebenso reicht von der anderen Tubulatur von A ein Rohr m durch die andere seitliche Tubulatur von B in diese hinein, aber dicht unter dem Stopfen abschneidend.

An das Rohr m ist ein Arm angeschmolzen, durch welchen es

N. T e c l u : Z. anal. Ch. 88 U 441 : Zur Frage der continuirlichen Gasentwickler. Ch.-Z. 17 (1893), lODi).

Bereitung von Schwefelwasserstoff.

mittels des Kautschukschlauches p mit der Tubulatur der Flasche C (Druckflasche), welche zur SĂ€ureaufnahme dient, in Verbindung steht.

Auf den Hals der Flasche Ay welche das Ferrosulfid enthĂ€lt, ist mittels eines Stopfens ein Rohr mit Hahn aufgesetzt, durch welches sie mit der Waschflasche D in Verbindung steht; aus dieser wird dann das Gas mittels des Einleitungsrohres q der zu behandelnden Lösung zugefĂŒhrt.

Die mittlere Tubulatur von B, welche wĂ€hrend der Benutzung des Apparates dicht verschlossen ist, gestattet ein Entleeren dieser Flasche mit HĂŒlfe eines Hebers, wenn die SĂ€ure gesĂ€ttigt ist und durch frische SĂ€ure ersetzt werden muss.

Nachdem der Apparat so, wie es die Abbildung zeigt, zusammengestellt ist und A mit Ferrosulfid, B und C mit SĂ€ure gefĂŒllt sind, ": braucht man nur den Hahn zu -qS öffnen, um einen Strom von Schwefelwasserstoff" zu erhalten; die SĂ€ure in Cfliesst durch/ ab und steigt durch m nach A auf, wo sie das Ferrosulfid findet. Die Lö- sung von Ferrochlorid, welche höheres specifisches Gewicht i als die SĂ€ure hat, sink durch das Rohr n nieder und breitet sich auf dem Boden der Flasche B aus; je nachdem wie diese Lösung absinkt, steigt eine gleiche Menge nicht gesĂ€ttigter SĂ€ure, welche sich im oberen Theile von B be-

-i*

Fig. 181.

findet, durch m auf und ersetzt die abgeflossene Ferrolösung. In dieser Weise entsteht eine Circulation, durch welche die Entwickelung ihren regelmÀssigen und continuirlichen Verlauf findet.

Die Geschwindigkeit des Gasstromes wird durch den Hahn regulirt, der Gasdruck durch Höher-oder Niedrigerstellen der Flasche C mittels einiger Holzklötze.

Soll die Gasentwickelung unterbrochen werden, so schliesst man den Hahn; dann nimmt man die Druckflasche herunter und setzt sie auf den Tisch neben der Apparat ist jetzt druckfrei. Soll wieder Gas entwickelt werden, so bringt man C wieder in die abgebildete Stellung.

In Ruhestellung muss der Hals der Druckflasche höher liegen als der entsprechende Theil von B, weil sonst die SĂ€ure ĂŒberlaufen könnte.

De Koninck-Meineke, Mincralanalyse. II.

X14 Aufsuchung der Metalle der Gruppe des Silbers in Gemischen.

Aufsuchung der Metalle der Gruppe des Silbers

in Gemischen.

1023* Zu dieser Gruppe gehören Silber und Quecksilber (Mercuroverbindungen). Man setzt zu der geeignet verdĂŒnnten und schwach sauren Lösung verdĂŒnnte SalzsĂ€ure, solange dieses Reagens noch einen Niederschlag hervorruft, rĂŒhrt unter ErwĂ€rmen heftig um, so dass sich der Niederschlag zusammenballt, und lĂ€sst dann absitzen, bis sich die FlĂŒssigkeit geklĂ€rt hat.

Man muss einen zu betrÀchtlichen Ueberschuss der SÀure zur FÀllung vermeiden, weil das Silberchlorid in viel ChlorwasserstoflfsÀure nicht ganz unlöslich ist (siege § 1001, Nr. 2).

Der Niederschlag, welcher aus Mercurochlorid und Silberchlorid bestehen kann, wird auf ein Filter gebracht, mit reinem Wasser ausgewaschen und dann mit ziemlich concentrirtem Ammoniak behandelt.

Ein schwarzer RĂŒckstand, durch die UeberfĂŒhrung des Mercurochlorides in Metall und Amidochlorid veranlasst, zeigt die Gegenwart von Mercurosalzen in der ursprĂŒnglichen FlĂŒssigkeit an.

Die vom RĂŒckstande getrennte ammoniakalische FlĂŒssigkeit enthĂ€lt das Silber; mit einer kleinen Menge von Kaliumjodid behandelt, giebt sie, je nach der Menge des vorhandenen Ammoniaks, einen gelblichen Niederschlag vonSilberjodid oder einen weissen Niederschlag vonSilberjodid- Ammoniak, wenn Silber vorhanden ist.

Der angegebene Gang der Untersuchung kann jedoch zu IrrthĂŒmem Veranlassung geben, besonders wenn Quecksilber in vorherrschender Menge vorhanden ist). Denn das durch die Einwirkung von Ammoniak auf Mercurochlorid entstandene Quecksilber (siege § 980, Nr. 3) reagirt auf das Silberchlorid und scheidet aus ihm Silber ab, so dass man folgende smnmarische Reaction erhĂ€lt:

Besser wird man daher in folgender Weise verfahren: der Niederschlag der Chloride wird, nachdem er vom Filter abgetrennt ist, mit Bromwasser in schwachem Ueberschusse , d. h. bis zu bleibender Gelb- fĂ€rbung, behandelt und massig erwĂ€rmt. Verschwindet er vollstĂ€ndig, so bestand er ausschliesslich aus Mercurochlorid; bleibt ein RĂŒckstand, so beweist dieser die Anwesenheit von Silber; man filtrirt und prĂŒft alsdann die FlĂŒssigkeit durch Behandeln mit Stannochlorid auf Quecksilber nach.

Ein anderes Verfahren besteht darin, dass man den Niederschlag trocknet und im geschlossenen Rohre erhitzt. Das Mercurochlorid wird verflĂŒchtigt und das Silberchlorid bleibt geschmolzen zurĂŒck. Das sublimirte Mercurochlorid kann durch Jod oder durch Jodwasserstoff charakterisirt werden.

J. Barnes: Ch. N. 51 (1885), 97; Pcsi: Gazz. eh. ÜaL 21 (1891), 569; Antony und Turi: das. 23 (1893), 15.

Scheidungsvcrf ahrcn . 115

1024. Bemerkungen. A. Es kommt vor, dass man bei dem zuerst angegebenen Verfahren durch die Behandlung des Niederschlages mit Ammoniak einen geringen schwarzen RĂŒckstand erhĂ€lt, obwohl die untersuchte FlĂŒssigkeit frei von Mercurosalzen war. Dieser schwarze RĂŒckstand ist dann Silbersulfid, dessen Entstehung auf die Absorption von Schwefelwasserstoff oder von DĂ€mpfen des Ammoniumsulfids, welche in der Luft des Laboratoriums nur zu oft vorhanden sind, zurĂŒckzufĂŒhren ist. Im Zweifelfalle muss man sich daher ĂŒberzeugen, ob der RĂŒckstand Quecksilber enthĂ€lt, indem man ihn nach dem mit einigen Tropfen Bromwasser behandelt und die Lösung durch etwas Stannochlorid auf Quecksilber prĂŒft.

Es kann aber auch sein, dass der dunkle RĂŒckstand von reducirtem Silber (siege § 1023) herrĂŒhrt.

B. Ist die zu untersuchende Substanz fest, so kann man sie direct auf trockenem Wege (Versuch im geschlossenen Rohre, § 979, Nr. 19) auf Quecksilber (Mercuround Mercuri -Verbindungen zusammen) prĂŒfen.

Scheidungsverfahren.

A. Allgemeine Verfahren.

L Die Metalle der Gruppen des Cadmiums und des Silbers und diejenigen der Q-ruppen des Eisens, des Baryums und

des Kaliums.

1025. Durch Schwefelwasserstoff. Obwohl es im Principe nur nöthig ist, die saure Lösung mit Schwefelwasserstoff zu behandeln, um die Metalle der Gruppen des Cadmiums und des Silbers von denjenigen der Gruppen des Eisens, des Baryums und des Kaliums zu scheiden, so erfordert die Scheidung, wenn sie vollstĂ€ndig sein und das Verfahren daher als ein allgemeines bezeichnet werden soll, doch gewisse durch die Natur und relative Menge der vorhandenen Metalle bedingte Vorsichtsmaassregeln. Einerseits hinder eine zu starke AciditĂ€t der FlĂŒssigkeit die vollstĂ€ndige FĂ€llung mancher Sulfide, andererseits können, wenn die FlĂŒssigkeit zu wenig sauer oder die AciditĂ€t durch eine schwache SĂ€ure, z. B. EssigsĂ€ure, bedingt ist, Metalle der Eisengruppe, besonders Zink, Nickel .oder Cobalt und sogar Eisen, in Sulfide ĂŒbergenĂŒhrt und als solche gefĂ€llt werden.

Bei complicirten Gemischen ist daher zu empfehlen, das Reagens zunĂ€ auf die so stark saure Lösung einwirken zu lassen, dass sicher kein Metall der Eisengruppe ausfallen kann; dann, nachdem der unter diesen UmstĂ€nden entstandene Niederschlag auf ein Filter gebracht und ausgewaschen ist, verdĂŒnne man das Filtrat, um seine AciditĂ€t so weit herabzudrĂŒcken, dass durch erneute Behandlung mit Schwefelwasserstoff

116 Metalle der Cadmium-und der Silbergruppc.

die Metalle der Gruppen des Cadmiums und des Silbers sicher vollstÀndig gefÀllt werden.

Wenn das Aussehen des zweiten Niederschlages, falls ein solcher ĂŒberhaupt entstanden ist, oder sonstige Erscheinungen darauf hindeuten, dass er ein Metall der Eisengruppe enthĂ€lt, so löst man ihn mittels Salz- sĂ€ure und behandelt diese genĂŒgend verdĂŒnnte Lösung wieder mit Schwefelwasserstoff. In dieser Weise erzielt man meist eine vollstĂ€ndige Scheidung.

Eine der wichtigsten in der beschriebenen Art auszufĂŒhrenden Scheidungen ist diejenige von Kupfer und Zink. Diese Scheidung ist nur dann vollstĂ€ndig, wenn die durch SalzsĂ€ure stark sauer gemachte Lösung wĂ€hrend des Einleitens von Schwefelwasserstoff im Kochen erhalten wird und wenn der Niederschlag nicht mit reinem Wasser, sondern mit durch SalzsĂ€ure angesĂ€uertem Wasser ausgewaschen wird Ohne letztere Vorsicht kann sich wĂ€hrend des Auswaschens, in Folge der VerdĂŒnnung der mit Schwefelwasserstoff ĂŒberladenen FlĂŒssigkeit, mit welcher das Kupfersulfid getrĂ€nkt ist, Zinksulfid ausscheiden, besonders wenn, wie hĂ€ufig empfohlen wird, zum Auswaschen Schwefelwasserstoff enthaltendes Wasser angewandt wird.

Wenn man genöthigh ist, Schwefelwasserstoff aul eine salpetersaure Lösung einwirken zu lassen, so muss man stark verdĂŒnnen und ein Erhitzen vermeiden; im Allgemeinen verfahrt man besser, wenn man die Nitrate vorher durch Abdampfen mit SalzsĂ€ure oder mit SchwefelsĂ€ure zestört.

2. Die Metalle der Gruppen des Cadmiums und des Silbers

und diejenigen der Gruppen des Baryums

und des Kaliums.

1026. Durch Ammoniumsalfid. Diese Scheidung kann so ausgefĂŒhrt werden, wie die Scheidung der Metalle der Eisengruppe von denjenigen der Gruppen des Baryums und des Kaliums (§ 711). Man vermeidet einen Ueberschuss von Ammoniumsulfid und ersetzt das Reagens, um nicht mit Polysulfiden zu thun zu haben, durch Schwefelwasserstoff und Ammoniak.

Im Allgemeinen wird man fĂŒr diese Gruppentrennung ebenfalls Schwefelwasserstoff benutzen (§ 1025). Schwefelanunonium muss nur dann Anwendung finden, wenn man gleichzeitig die Gruppen der Metalle des Eisens, des CadnĂŒums und des Silbers von denjenigen der Metalle der Alkalien und der alkalischen Erden scheiden will. Es ist zu beachten, dass Cuprisulfid in Anmioniumsulfid etwas lösUch ist.

Larsen: Z. anal. Ch. 17 (1878), 312; E. Berglund: das. 22 (1883), 184; W. Dederichs: Pharm. Z. 44 (1899), 178.

Scheidungs verfahren. 117

3. Die Metalle der Silbergruppe und diejenigen der Gruppen

des Cadmiums, des Eisens, des Baryums

und des Kaliums.

1027. Durch SalzsÀure oder ein Chlorid. Man fallt das Silber und das Quecksilber (Mercurosalze) als f hloride durch SalzsÀure oder, wenn die Gegenwart von Alkalien nicht stört, besser durch Natriumchlorid, unter Vermeidung eines betrÀchtlichen Ueberschusses.

In Gegenwart eines Mercurisalzes muss man eine solche Menge SĂ€ure oder Chlorid anwenden, dass die in dem Reagens enthaltene Chlormenge ausreicht, imi alle vorhandenen Metalle in Chloride ĂŒberzufĂŒhren.

EnthĂ€lt das Gemisch betrĂ€chtliche Mengen Blei, so muss man entweder in sehr verdĂŒnnter, heisser Lösung arbeiten oder zu der Lösung vorher eine Substanz setzen, welche die Löslichkeit des Bleichlorides be- gĂŒnstigt; hierzu eignet sich besonders Ammoniumacetat.

EnthĂ€lt die zu analysirende Substanz Wismuth, so muss man den Niederschlag mit Wasser auswaschen, welches stark mit SalpetersĂ€ure angesĂ€uert ist, um zu vermeiden, dass sich, durch die in Folge des Auswaschens eintretende VerdĂŒnnung, auf dem Filter Bismuthioxychlorid bildet.

B. SpecieUe Verfahren.

1028. Vorbemerkung. Wie aus §§ 1025 bis 1027 ersichtlich wird, ist eines der allgemeinen Verfahren fĂŒr jede der möglichenfalls vorkommenden, hierher gehörigen Einzeltrennungen von Metallen aus den verschiedenen Gruppen anwendbar, und in den meisten FĂ€llen wendet man auch eines der allgemeinen Verfahren an. Bisweilen kennt man ĂŒberhaupt kein anderes, was zur ErklĂ€rung scheinbarer LĂŒcken in der folgenden AufzĂ€hung diene, in welcher wir vornehmlich besondere Trennungsverfahren anfĂŒhren.

Cadmium und Zink.

1029 L Durch Kalihydrat oder Natronhydrat in Gegenwart eines Alkalitartrates Zu der salzsauren oder salpetersauren, durch ein Alkali neutralisirten Lösung setzt man einen Ueberschuss von Seignettesalz, dann Kali-oder Natronhydrat. Durch lÀngeres Kochen (lYg bis 2 Stunden) bewirkt man eine vollstÀndige FÀllung des Cadmiums als Hydroxyd; das Zink bleibt in Lösung, man fallt es aus dem Filtrate durch Schwefelwasserstoff,

Dieses Verfahren, welches seit seiner schon ziemlich weit zurĂŒck datirenden Veröffentlichung, soviet w wissen, nicht nachgeprĂŒft worden ist, erfordert allem Anscheine nach mehr oder weniger bestimmte VerhĂ€ltnisse zwischen den Mengen der vorhandenen Substanzen und wĂŒrde dann nicht besonders praktisch sein.

') Aubel und Ramdohr: Ann. 103 (1857), 33.

118 Metalle der Cadmium-und der Silbergruppe.

1030. IL Durch Elektrolyse Die Lösung, welche beide Metalle als Sulfate enthĂ€lt und möglichst genau durch Natronhydrat neutralisirt ist, wird mit einem Strome von Yqq Ampere auf den Quadratcentimeter elektrolysirt NĂ€hert sich die FĂ€llung ihrem Ende, so neutralisirt man die entstandene SĂ€ure, fĂŒgt 3 gr Natriumacetat hindu, erwĂ€rmt auf 45 und setzt die Elektrolyse mit einem Strome von Yqo Ampere fort.

Das Zink bleibt in Lösung.

103 in. Durch Ealiumcyanid Man setzt zu der neutralen oder schwach ammoniakalischen Lösung einen Ueberschuss von Kaliumcyanid und behandelt sie dann mit SchwefelwasserstoflF. Es wird nur das Cadmium gefÀllt.

1032. Man kann das Cadmium selbst in Gegenwart von betrÀchtlichen Mengen Zink durch Colorimetrie 893) bestinunen, wenn das Cadmium nur in sehr geringer Menge vorhanden ist. Zu dem Zwecke fallt man alles Cadmium mit etwas Zink zusammen aus, indem man die Lösung der beiden Metalle mit nur wenig mehr SchwefelwasserstoflF behandelt, als nöthig ist, imi alles Cadmium zu fÀllen. Der helle Niederschlag (siege § 883, Nr. 5), welcher entsteht, wird in SalzsÀure gelöst; die Lösung wird mit Ammoniak neutralisirt und mit Kaliumcyanid versetzt

Diese Lösung ist fĂŒr eine colorimetrische Bestimmung des Cadmiums geeignet.

Cadmium und Mangan.

1033. L Durch Elektrolyse. Man fallt das Mangan elektrolytisch in saurer Lösung; das Cadmium bleibt in Lösimg (vergl. § 813).

1034. IL FÀllung durch Katriumcarbonat und titrimetrische Bestinunung des Mangans. Man verfÀhrt wie bei der Bestimmung von Mangan und Zink (siege § 810).

1035. in. Durch Wasserstofibuperoxyd in ammoniakalischer Lösung). TrÀgt man eine salpetersaure Lösung der beiden Metalle in ein Gemisch von Wasserstoffsuperoxyd und starkem Ammoniak ein, so wird Mangan als Superoxydhydrat vollstÀndig gefÀllt, Cadmium bleibt in Lösung.

Cadmium und Eisen. 1036 L Durch Ammoniak. Diese Scheidung wird ebenso und mit denselben Vorsichtsmaassregeln ausgefĂŒhrt wie diejenige von Eisen und Zink (§ 816).

von Miller u.Kiliani: op. cit. S. 221 ; Iver: Bul/. Soc. c/t. [2] (ISSO), IS; Eliasberg: Z. anal. Ch. 24 (1885), 548; Smith und Knerr: das. 26 (1887), 84.

Et. Olivicr: nicht veröffentlichte Versuche, ausgefĂŒhrt im Laboratorium von Prof. De Koninck.

8) P. Jannasch: Z. anorg. Ch. 8 (1895), 310; ders.: Praktischer Leitfaden der Gewichtsanalyse, S. 70 u. 71 (Anmerkung).

1037. IL Durch Alkaliaoetate. Das Verfahren ist das gleiche wie bei der Scheidung von Eisen und Zink (§ 818 a).

1038. III. Durch Baryumoarbonat. Die Ausfuhrung des Verfahrens haben wir schon öfter besprochen (siege z. B. § 722).

1038 a. IV. Durch Aether. Die Trennung des Eisens vom Ca dmium lĂ€sst sich wahrscheinlich ebenso wie diejenige des Eisens vom Zink etc. ausfĂŒhren (vergl. § 749) und wĂ€re einer Reihe von Versuchen wohl werth.

Cadmium und Aluminium.

1039. Diese Scheidung kann, namentlich wenn Eisen anwesend ist, was gewöhnlich der Fall ist, nach den soeben fĂŒr dieses Metall angegebenen Verfahren ausgefĂŒhrt werden.

Cadmiumi und Chrom.

1040. Es sind fĂŒr diese Scheidung dieselben Verfahren wie fĂŒr die Scheidungen von Zink und Chrom anwendbar (§§ 82 2 ff.).

Cadmium und Alkalien.

1041. Will man die Alkalien nicht in der fĂŒr die Bestimmung des Cadmiums benutzten Probe bestimmen, so kann man letzteres durch Kaliumcarbonat fallen (§886); im anderen Falle wird das Cadmium nach § 1025 abgeschieden.

Kupfer.

1042* Das Kupfer lÀsst sich titrimetrisch durch Stannochlorid auch in Gegenwart der bisher besprochenen Metalle bestimmen, mit Ausnahme von Nickel, Cobalt und Chrom, wie auch von Ferrisalzen, welche durch ihre Farbe das Erkennen der Endreaction hinder. (Ueber die Mittel, um das Verfahren auch in Gegenwart der letztgenannten Verbindungen anwendbar zu machen, siege § 1061.)

Die Elektrolyse in salpetersaurer Lösung ist ein besonders zu beachtendes HĂŒlfsmittel zur Scheidung des Kupfers von anderen Metallen und erleichtert sie in hohem Grade, auch wenn das Kupfer in der zu analysirenden Substanz vorherrscht, z. B. bei der Analyse von Handelskupfer.

1043. I. Durch Kaliumcyanid und Schwefelwasserstoff. Die

Lösung wird mit einem Ueberschusse von Kaliumcyanid versetzt und dann mit einem Strome von Schwefelwasserstoff behandelt: es wird nur das Cadmium gefÀllt.

Um das Kupfer im Filtrate zu bestimmen, muss man, wie immer in Àhnlichen FÀllen, erst die Cyanide zestören (siege § 867).

A. Kohner: Inaug.-Dissert., Berlin 1886; anal. Ch, 27 (1888), 21:).

120 Metalle der Cadmium-und der Silbergruppe.

1044. II. Durch Einwirkung verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure auf die Sulfide Nachdem Kupfer und Cadmium zusammen durch Schwefelwasserstoff gefĂ€llt und die Sulfide auf einem Filter gesammelt und ausgewaschen sind, behandelt man letztere in der WĂ€rme mit SchwefelsĂ€ure, welche mit 5 Vol. Wasser verdĂŒnnt ist. Unter diesen UmstĂ€nden geht nur das Cadmiumsulfid in Lösung.

1045. III. Durch ein Alkalisulfocyanid nnd schweflige SÀure-). Man fÀllt das Kupfer als Cuprosulfocyanid (§ 901); das Cadmium bleibt in Lösung. Um es im Filtrate zu bestimmen, verjagt man den Ueberschuss von schwefliger SÀure durch Kochen und fallt durch Schwefelwasserstoff.

1046. IV. Durch Elektrolyse in saurer Iiösung. Man fallt das Kupfer nach dem in § 909 beschriebenen Verfahren; das Cadmium wird aus dem I-'iltrate am besten durch Kaliumcarbonat gefÀllt.

1047. V. Durch Zink oder Cadmium. Will man nur das Kupfer bestimmen, so kann man es durch Cadmium selbst oder durch Zink bestimmen (§ 906).

1048. VL Durch Behandeln der Sulfide mit einem Alkahchloride und SalzsÀure). Obwohl dieses noch neue Verfahren zu- nÀ nur zur qualitativen Aufsuchung von Cadmium neben Kupfer angewandt ist, erscheint es doch nicht ausgeschlossen, dass es zu quantitativen Scheidungen ausgearbeitet werden kann. Es beruht darauf, dass Cadmiumsulfid durch Behandlung mit einer sauren Lösung eines Alkalichlorides ein lösliches Doppelsalz bildet:

CdS -f 2AmCl + 2HC1 CdCl . 2AmCl + H2S, wÀhrend Kupfersulfide unter diesen UmstÀnden nicht verÀndert werden.

Zur qualitativen Scheidung verfĂ€hrt man in folgender Weise. 2 cc der Lösung, welche beide Metalle enthĂ€lt, werden mit SalzsĂ€ure und 20 cc einer gesĂ€ttigten Natriumchloridlösung versetzt; aus der heissen Lösung wird durch Schwefelwasserstoff nur Kupfersulfid gefallt; dieses wird auf ein trocknes Filter gebracht, wĂ€hrend das Filtrat in einem trocknen Reagircylinder aufgefangen wird. LĂ€sst man nun in letzteres an den WĂ€nden des Reagircy linders entlang einige Tropfen Wasser einlaufen, so bildet sich in Folge der entstehenden VerdĂŒnnung an der BerĂŒhrungsflĂ€che beider FlĂŒssigkeiten ein Ring von gelbem Cadmiumsulfid, wenn dieses Metall zugegen ist.

1049 Wir erwÀhnen noch folgende Verfahren, welche nach Kohner*) nur annÀhernd genaue Resultate geben:

') A. W. Hof mann: Ch. Soc. Quart,/. 18 (1860), 78; Ann. U5 (1860), 286.

Rivot: C. r. 38 (1854), H()8. — Ein analoges, von Pisani angegebenes Verfahren besteht in der FĂ€llung durch Kaliumjodid und schweflige SĂ€ure: C. r. AH (1858), 204; vergl. auch Flajolol: Ann. de ch. et de phys. [3] 89 (1853), 460.

A. S. Cushman: Z. anal. Ch. 84 (1895), 368 ff .

Scheidungs verfahren. 121

Durch eine Mischung von Glycerin und Natronhydrat wird Cadmiumhydroxyd gefallt, wÀhrend Kupfer in Lösung bleibt (Donath)).

BehaP) ersetzt die Glycerinnatronlauge durch eine stark alkalische Lösung von Natriumtartrat, welche bei andauerndem Kochen ( admium als Oxyd fallt, wÀhrend Kupfer in Lösung bleibt.

Durch Ammoniumbenzoat wird aus nicht zu saurer Lösung, welche SalzsÀure, SalpetersÀure 'oder SchwefelsÀure enthalten kann, Cupribenzoat gefÀllt, wÀhrend Cadmium in Lösung bleibt (Gucci)).

Natriumhyposulfit ist zur Scheidung von Kupfer und Cadmium wiederholt empfohlen worden, zuerst von Flajolot*), dann von Vortmann). Aus der schwefelsauren Lösung fallt das Reagens auch beim Kochen kein Cadmium, wÀhrend, wie wir wissen (§ 900), Kupfer unter den gleichen Bedingungen vollstÀndig als Cuprosulfid gefallt wird. Kohner konnte in diesem Niederschlage stets Cadmium nachweisen. A. Carnot") zieht das dem Natriumsalze vor.

Ausser vorstehenden Trennungsverfahren sei noch auf die folgenden, in den letzten Jahren veröffentlichten Verfahren hingewiesen, welche sÀmmtlich die FÀllung des Kupfers und ein In-Lösung-Bleiben des Cadmiums bezwecken:

2. Durch unterphosphorige SĂ€ure).

Kupfer und die Metalle der Gruppen des Eisens, Baryums

und Kaliums.

1050. Vorbemerkung. Es ist nicht empfehlenswerth, das Kupfer in einer Lösung, welche neben ihm Ferriverbindungen, Chromiverbindungen. Aluminium etc. enthĂ€lt, in der Art zu bestimmen, dass man aus ihr die letztbezeichneten Metalle durch Ammoniak oder Ammoniumcarbonat fĂ€llt und das ammoniakalische Filtrat zu einer Bestimmung des Kupfers benutzt. Denn obwohl Kupferverbindungen, besonders in Gegenwart von Ammoniumsalzen, in Ammoniak leicht löslich sind, hĂ€lt der entstehende Niederschlag von Sesquioxyden stets Kupfer mit solcher Hart- nĂ€ckigkeit zurĂŒck, dass diese Oxyde, auch nach mehrfach wiederholtem Lösen und FĂ€llen, kaum ganz frei von Kupfer zu erhalten sind. Sind femer Cobalt, Nickel, Zink anwesend, so bietet die Anwendung des in Rede stehenden

0 Behal: /. de pharm, et de chim. [5] 11 (1885), 553.

Flajolot: Ann. de eh. et de phys. [3] 89 (1853), 460.

') G. Bornemann: Ch.-Z. 28 (1899), 565.

'') F. Mawrow u. W. Muthmann: Z. anorg. Ch. 11 1896), 268.

") H. G. Söderbaum: B. 80 (1897), 902 u. 3014.

Metalle der Cadmium-und der Silbergruppe.

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Ammoniakverfahrens den weiteren Uebelstand, dass diese Metalle vom Kupfer nicht trennbar sind, da sie gleichfalls lösliche Ammoniakverbindungen resp. Ammonium-Doppelsalze bilden.

Wollte man nun das Kupfer in dieser ammoniakalischen Lösung durch Kaliumcyanid titrimetrisch bestimmen, so Hesse sich das bei Anwesenheit von Cobalt oder Nickel deshalb nicht ausfĂŒhren,- weil die Salz- lösungen dieser Metalle mit Ammoniak ebenfalls intensiv gefĂ€rbte FlĂŒssigkeiten liefern, welche durch KaĂŒumcyanid gleichfalls entfĂ€rbt werden.

Ist in der ammoniakalischen Kupferlösung nur Zink, dieses aber in grösserer Menge vorhanden, so wĂŒrde die Titration mittels Kaliumcyanid wiederum schĂ€dlich beeinflusst werden.

Zur Scheidung des Kupfers von den Metallen der alkalischen Erden ist das Ammoniumcarbonat ebenfalls nicht anwendbar, weil auch die entstehenden Carbonate Kupfer hartĂ€ckig zurĂŒckhalten.

1051. I. Durch ein AULailsulfooyanid und schweflige Saure. Dieses bei der Scheidung von Kupfer und Cadnuum bereits angegebene Verfahren (§ 1045) ist ein allgemeines und findet ausserordentlich hĂ€ufig Anwendung als Ersatz fĂŒr Trennungen mittels Schwefelwasserstoff bei Abwesenheit von Baryum und Strontium, welche sonst durch die aus der schwefligen SĂ€ure entstehende SchwefelsĂ€ure als Sulfate mit ausgefĂ€llt wĂŒrden

EnthÀlt die zu analysirende Substanz Alkalien und will man diese in der zur Bestimmung des Kupfers angewandten Probe bestimmen, so ist die Ammoniumsulfocyanidfallung zwar anwendbar; besser nimmt man aber eine besondere Probe in Arbeit.

1052* IL Durch Cadmium. Man fĂ€llt das Kupfer durch Cadmium (§ 906); die anderen Metalle findet man im Filtrate und man bestimmt sie, nachdem man das in Lösung gegangene Cadmium durch Schwefelwasserstoff entfernt hat. Dieses Verfahren steht jedoch gegen das folgende zurĂŒck, und zwar ganz besonders, wenn Zink zugegen ist.

1053. IIL Durch Elektrolyse in saurer Lösung. Man elektrolysirt in Gegenwart von SalpetersÀure oder SchwefelsÀure unter den bei der Bestimmung des Kupfers angegebenen UmstÀnden (§ 909). Alle anderen Metalle bleiben in Lösung, mit Ausnahme von Mangan; dieses scheidet sich aber an der positive Elektrode ab-j (§ G27) und man kann daher, wenn die Menge des Mangans nur gering ist, beide Metalle gleichzeitig in derselben Probe bestimmen.

1054. IV. Durch Natriumoder Ammonium-Hyposulfit. Man bestimmt das Kupfer, indem man es als Cuprosulfid durch Natriumhyposultit

') Wie stets, wenn man geschwefelte Reayentien anwendet, so ist es auch in diesem Falle nöthig, die beiden Metalle vorher als Sulfate abzuscheiden.

Vergl. u. a. RĂŒdorf f: Z angeiv. Ch. 1898, 452. Ueber die elektrolytische Scheidung der Metalle, nachdem dieselben in Oxalate ĂŒbergenĂŒhrt sind: A. Glasten und M. A. von Reis: B, 14 UHHl), 10-27.

oder, wenn man die Gegenwart eines fixed Alkali vermeiden will, durch Ammoniumliyposulfit fÀllt. Alle Metalle der drei Gruppen bleiben in Lösung 1). Ueber die Art der Ausfallung des Kupfers durch Hyposulfite siege § 900.

1055. V. Duroh ThioessigsĂ€iire. Durch ThioessigsĂ€ure oder Ammoniumthioacetat in saurer Lösung lĂ€sst sich das Kupfer von den Metallen der drei Gruppen mit grosser Genauigkeit scheiden. Ueber die AusfĂŒhrung der KupferfĂ€llung vergl. § 899 a.

1056. Duroh reduoirenden Zucker in alkalischer Tartratlösung).

Man fallt das Kupfer als Cuprooxyd (§ 903); wenn man bei der FĂ€llung eine 60 bis 70Âź nicht ĂŒberschreitende Temperatur anwendet, so bleiben Nickel und Cobalt vollstĂ€ndig in Lösung.

Diese beiden Metalle werden in einer besonderen Probe nach Ausscheidung des Kupfers durch Schwefelwasserstoff bestimmt; ihre Bestimmung in dem alkalischen, tartrathaltigen Fil trĂ€te vom Cuprooxyde wĂŒrde nicht praktisch sein.

Kupfer und Zink*.

1057* L Duroh VerflĂŒchtigung). In einer Legirung von Kupfer und Zink (Messing) kann man das Kupfer bestimmen, indem man sie in einem Strome von Wasserstofifgas auf Rothgluth erhitzt. Das Zink wird vollstĂ€ndig verflĂŒchtigt, wĂ€hrend das Kupfer zurĂŒckbleibt und nach dem Erkalten gewogen werden kann.

Dieses Verfahren kann noch in folgender Weise modificirt angewandt werden. Die gewogene Legirung wird mit einer der vorhandenen Kupfermenge etwa gleichen Menge Zinn in einen mit Kohle ausgekleideten kleinen Tiegel gebracht; dieser wiederum wird, mit einem aus Kohle hergestellten Deckel bedeckt, in einen etwas grösseren feuerfesten Tiegel, welcher mit Holzkohlenpulver gefĂŒllt ist, eingesetzt. Nun bedeckt man den Ă€usseren Tiegel, verschmiert den Deckel gut und setzt das Ganze in die Muffel eines Cupellirofens oder in einen gewöhnlichen Ofen.

Durch den Zinnzusatz soll (nach Peligot) eine leichter als reines Kupfer schmelzbare Legirung gebildet und die VerflĂŒchtigung des Zinks begĂŒnstigt werden.

1058 n. Durch Beduction des Kupfers in einem Gemische der Oxyde Nachdem man die beiden Metalle in Oxyde ĂŒbergenĂŒhrt hat, z. B. durch Erhitzen der Legirung in Sauerstoff oder durch FĂ€llen mittels Natriumcarbonat und GlĂŒhen, bestimmt man das Gewicht beider

Vergl. Nissenson und Neumann: Ck.-Z. 19 (1895), 1591.

Siehe besonders § 1025 die Trennung durch Schwefelwasserstoff.

Sainte-Claire-Deville: L'Inst. 21 (1853), 93.

124 Metalle der Cadmium-und der Silbergruppe.

Oxyde und erhitzt sie dann in einem Wasserst ofFstrome. Nur das Kupfer wird hierdurch reducirt; aus der Gewichtsabnahme kann man die Menge des Cuprioxydes berechnen und die des Zinkoxydes aus der Differenz finden.

Wir haben die beiden Verfahren ihrer Eigenart wegen angefĂŒhrt; im Allgemeinen sind sie um so weniger zu empfehlen, als man im Schwefelwasserstoff ein bequemeres Scheidungsreagens besitzt (siege § 1025).

Kupfer und Mangan.

1059. I. Durch FÀllung mittels Natriumoarbonat und titrimetrische Bestimmung des Mangans. Wenn das Gemisch mehr als 1 Atom Kupfer auf 2 Atome Mangan enthÀlt, kann man das bei der Bestimmung des Mangans und des Zinks etc. angegebene Verfahren (§ 810) auch auf die Bestimmung von Kupfer und Mangan anwenden.

1059a. II. Durch WasserstofEbuperozyd und Ammoniak). P. Jan nash trent Mangan von Kupfer, indem er, wie fĂŒr die Trennung von Mangan und Cadmium, die stark salpetersaure 2) Lösung (ca. 10 cc starke SalpetersĂ€ure) in eine Mischung von ĂŒberschĂŒssigem (40 cc) starkem Ammoniak und Wasserstoffsuperoxyd (40 cc) giesst.

Die Spuren Kupfer, welche in den Mangan -Niederschlag gehen, können durch Lösen desselben und nochmalige FÀllung des Mangans von diesem getrennt werden.

Kupfer und Eisen.

1060. I. Durch Ammoniak oder Ammoniumoarbonat. Wir

haben oben (§ 1050) bereits die GrĂŒnde angefĂŒhrt, weshalb dieses Verfahren, trotz seiner scheinbaren Einfachheit, wenig zu empfehlen ist.

Gute Resultate erzielt man, wenn die umgekehrte FĂ€llung mittels Ammoniak und Wasserstoffsuperoxyd nach Jan nash vorgenommen wird.

1060 IL Duroh Aether*). Nach der Rothe' sehen Aetherextractionsmethode wird Eisenchlorid in Àtherischer Lösung erhalten, wÀhrend Kupferchlorid von Aether nicht aufgenommen wird (vergl. § 749).

1061. III. Durch Titrimetrie mittels Stannochlorid. Nachdem das Eisen, wenn erforderlich, in den Fern -Zustand ĂŒbergenĂŒhrt ist, ermittelt man in einem ersten Versuche die Menge Stannolösung, welche nöthig ist, um die FlĂŒssigkeit zu entfĂ€rben (§§ 583 u. 918), d. h. um das Ferrichlorid und Cuprichlorid zu reduciren.

-) Statt SalpetersÀure kann auch Eisessig Anwendung finden. Vergl. P. Jann asch Praktischer Leitfaden der Gewichtsanalyse y S. 52 fF.

Z. anorg. Ch. 8 (1895), 307, 10 (1895), 405—410, u. 12 (1896), 138 (Fussnote); ders.: Praktischer Leitfaden der Gewichtsanalyse S. 52. Ist die Anwesenheit von Wasserstoffsuperoxyd fĂŒr die Trennung besondeis gĂŒnstig? Es wĂ€re unerklĂ€rlich.

Siehe auch C. Friedhcim: Leitfaden fĂŒr die quantitative Analyse, S. 435 ff.

Eine zweite Probe behandelt man mit Zink bis zur vollstĂ€ndigen FĂ€llung des Kupfers; das vom Niederschlage und vom ĂŒberschĂŒssigen Zink getrennte Filtrat wird durch Kaliumchlorat oder Kaliumpermanganat oxydirt; dann bestimmt man die zur Reduction des Ferrichlorides erforderliche Menge Stannochlorid.

Zieht man diese Menge von der bei dem ersten Versuche erhaltenen ab, so erhÀlt man die dem Kupfer entsprechende Menge.

Man kann auch, nach vollstÀniger Reduction und FÀllung durch Zink, das Eisen direct durch Permanganat titriren und die Menge des Kupfers berechnen.

Kupfer und Aluminium.

1062. I. Durch Ammoniak oder Ammoniamcarbonat. Das Verfahren ist aus dem bereits angegebenen Grunde (§ 1050) nicht empfehlenswerth.

1062 a. II. Durch mit Chlorwasserstoff gesÀttigten Aether). Aluminium wird wie bei der im § 749 a besprochenen Trennung von Eisen gefallt; Kupfer bleibt in Lösung.

Kupfer und Chrom.

1063 Durch oxydirendes Schmelzten. Man schmilzt die Substanz mit Natriumcarbonat und einem Alkalinitrate und nimmt die Masse mit Wasser auf; das gebildete Alkalichromat wird gelöst und das Kupfer bleibt als Oxyd im RĂŒckstande.

Kupfer und Baryum oder Strontium.

1064. Durch SchwefelsÀure. Die FÀllung von Baryum und Strontium durch SchwefelsÀure kennen wir bereits; sie bedarf zur Scheidung beider Metalle vom Kupfer keiner AbÀnderung.

Wismuth und Kupfer.

1065. I. Durch Ammoniumcarbonat. Aus einer Lösung beider Metalle wird durch einen Ueberschuss von Ammoniumcarbonat nur das Wismuth gefĂ€llt (§ 931); aber der Niederschlag resist etwas Kupfer mit sich und hĂ€lt dasselbe auch beim Auswaschen zurĂŒck; selbst wiederholtes Lösen und FĂ€llen fuhrt nicht immer zu einer vollstĂ€ndigen Scheidung. Das Verfahren ist daher nicht besonders zu empfehlen.

1065a IL Durch Wasserstofbuperozyd und Ammoniak). Wismuthhyperoxyd wird niedergeschlagen; Kupfer fÀllt nicht aus.

1066. UI. Durch FĂ€Uung als Oxychlorid. Man fallt das Wismuth unter den frĂŒher (§ 933) angegebenen Bedingimgen. Die Vorsicht

F. S. Havcns: Z. anorg. Ch. 18 (1898), 150.

P. Jannasch: 26 (1893), 2908; .: PraktĂŒcher Leitfaden der Gewichtsanalyse, S. 92 fr.

126 Metalle der Cadmium-und der Silbergruppe.

erfordert, den gewogenen Niederschlag auf einen etwaigen Kupfergehalt zu prĂŒfen.

1067. IV. Durch Kaliumcyanid und Natriumcarbonat. Zu der verdĂŒnnten Lösung setzt man Xatriumcarbonat in geringem Ueberschusse, dann Kaliumcyanid, worauf man auf dem Wasserbade erwĂ€rmt. Das Wismuth wird allein gefĂ€llt; jedoch bleiben oft geringe Mengen in Lösung. Umgekehrt hĂ€lt der Niederschlag leicht etwas Kupfer zurĂŒck, wie er auch etwas Alkali zu enthalten pflegt; man kann ihn daher zur Bestimmung nicht direct benutzen.

Das Verfahren ist aus diesem Grunde und weil die Bestimmung des Kupfers im Filtrate eine vorherige Zerstörung der Cyanide erfordert, nicht zu empfehlen.

1068. V. Durch Alkalihydrat in Gegenwart von Glyoerin und redudrendem Zucker). Bei Siedehitze werden Kupfer und Wismuth durch Alkalihydrate und reducirenden Zucker gefÀllt, und zwar genes als rothes Cuprooxyd, dieses als metallisches Wismuth. Ist aber gleichzeitig Glycerin zugegen und vermeidet man eine merkliche Erhitzung des Gemisches, so fÀllt nur Cuprooxyd aus.

Wir beschrÀnken uns auf die kurze ErwÀhung des nicht uninteressanten Verfahrens, ohne auf Einzelheiten einzugehen, weil die vom Verfasser mitgetheilte Beleganalyse ein doch nur annÀhernd genaues Resultat gegeben hat.

1069* VL Durch Chlorgas. Bismuthichlorid ist leicht, Cuprichlorid VerhĂ€ltnis smĂ€ssig schwer flĂŒchtig. Auf dieses verschiedene Verhalten kann man eine Scheidung beider Metalle in einer Legirung grĂŒnden.

Man bringt die fein vertheilte Legirung in einem Porzellanschiffchen in eine schwer schmelzbare Glasröhre, welche einerseits mit einem ver- dĂŒnnte SalzsĂ€ure enthaltenden Condensationsgefasse , andererseits mit einem Chlorentwickelungsapparate in Verbindung steht, und leitet, unter I massigem ErwĂ€rmen, einen Strom von reinem, trockenem Chlorgase durch,

[ Ü Ist die Legirung zersetzt, so zieht man das Schiffchen, welches das

il Kupfer als Cuprichlorid enthĂ€lt, heraus, spĂŒlt das Rohr mit SalzsĂ€ure

j aus und vereinigt diese WaschflĂŒssigkeit mit dem Inhalte des Condensations-

: gefÀsses.

Statt auf die Metalle, kann man das Chlor auch auf die natĂŒrlichen J oder auf die durch FĂ€llung erhaltenen Sulfide einwirken lassen.

Das Chlor wird man zweifellos, wenigstens in vielen FÀllen, durch BromdÀmpfe, gemischt mit Luft (§ 1074), oder, wenn die Metalle in Fonn von Oxyden, Carbonaten, Nitraten oder selbst Sulfiden vorliegen, durch die weniger unangenehme ChlorwasserstoffsÀure 2) ersetzen können.

Nach nicht veröffentlichten Versuchen ist De Koninck der Ansicht, dass in der Analyse öfters gasförmige SalzsÀure mit Nutzen anzuwenden wÀre (siege französ. Ausgabe dieses Lehrbuches (1894), Bd. II, S. 5H3).

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Scheidungsverfahren . 127

Dieses Verfahren ist auf Scheidung des Wismuths von allen Metallen, deren Chloride nicht oder verhĂ€ltnissmĂ€ssig schwer flĂŒchtig sind, anwendbar.

Bemerkung. Ist Wismuth im VerhĂ€ltnisse zum Kupfer in nur sehr kleinen Mengen vorhanden, so kann es vortheilhaft sein, durch eine Vor- fĂ€llung alles Wismuth in einer kleinen Menge Kupfer zu concentriren. Zu dem Zwecke behandelt man die saure Lösung mit Natriimicarbonat, bis der Niederschlag anfĂ€ngt grĂŒn zu werden, und ĂŒberlĂ€sst das Gemisch dann der Ruhe; unter diesen UmstĂ€nden findet man alles Wismuth im Niederschlage

Auch ein umgekehrtes Verfahren könnte anwendbar sein, nĂ€mlich zuerst die Ausscheidung des grössten Theiles des erhaltenen Kupfers durch Elektrolyse der salpetersauren Lösung beider Metalle herbeizufĂŒhren. Wenn auch durch andauernde Einwirkung des elektrischen Stromes alles Wismuth gefĂ€llt wird, so findet doch zunĂ€ die Abscheidung des grössten 'Dieiles des vorhandenen Kupfers statt, bevor das Wismuth niedergeschlagen wird.

W. Hampe*) fĂ€llt Kupfer und Wismuth vollstĂ€ndig durch Elektrolyse, löst die Metalle in SalpetersĂ€ure, zestört die Nitrate durch Abdampfen mit SalzsĂ€ure, entfernt einen Ueberschuss von letzterer durch Verdampfen im Wasserbade, bis der RĂŒckstand eine braune Farbe (wasserfreies Cuprichlorid) angenommen hat, und fallt das Wismuth als Oxychlorid, mit welchem stets etwas Cuprioxychlorid ausfallt (§ 1066); durch nöthigenfalls wiederholte FĂ€llung des Wismuths als Oxychlorid erhĂ€lt man es schliesslich so kupferfrei, dass es aus der mittels SalpetersĂ€ure hergestellten Lösung als Bismuthicarbonat gefĂ€llt werden kann.

Nach dem Verfasser giebt das Verfahren bei der Analyse von Werkkupfer, welches stets nur sehr wenig Wismuth enthÀlt, dessen QualitÀt aber schon durch sehr geringe Mengen dieses Metalles schÀdlich beeinflusst wird, sehr gute Resultate.

Wismuth und Cadmium.

1070. L Durch Fallung als Oxychlorid. Man verfÀhrt so, wie wir bei der Bestimmung des Wismuths angegeben haben (§ 933).

1071. IL Durch FÀllung als basisches Nitrat. Das Wismuth wird durch wiederholtes Abdampfen mit Wasser gefÀllt (§ 930); Cadmium, und ebenso Zink etc. (§§ 1077 u. 1080), bleiben in Lösung.

1072. IIL Durch Alkalichromate. Man fallt das Wismuth als Chromat (§ 936); das Cadmium soll nicht gefÀllt werden.

Das Verfahren ist weniger zu empfehlen als das vorige und verlangt Vorsicht bei der AusfĂŒhrung, weil unter gewissen UmstĂ€nden auch das Cadmium durch Kaliumchromat gefallt wird (§ 883, Nr. 12).

1073. IV. Durch Kaliumcyanid und Natriumcarbonat. Man verfÀhrt wie bei der Scheidung von Wismuth und Kupfer (§ 1067).

P. Jungfer: Inaug.-Dissert., Rostock 1887; Z. anal. Ch, 27 (1888), 63. Z. anal. Ch. 13 (1874), 187.

Metalle der Cadmium-und der Silbergruppe.

1074. V. Durch bromirte Luft. Jannasch und Etz) haben ein Verfahren beschrieben, welches wir hier nur im Princip angeben wollen. Es besteht darin, die Sulfide beider Metalle in einem mit Brom- dĂ€mpfen erfĂŒllten Luftstrome zu erhitzen; das Wismuth wird als Bromid verflĂŒchtigt, wĂ€hrend Cadmiumbromid zurĂŒckbleibt. Das Verfahren ist demjenigen durch trocknes Chlor analog, welches wir frĂŒher (§ 1069) bei der Scheidung von Wismuth und Kupfer beschrieben haben.

1074a VI. Durch WasserstofEbuperoxyd und Ammoniak). Im Niederschlag findet sich Wismuthhyperoxyd, in der Lösung Cadmium; Scheidung wie bei Wismuth und Kupfer (§ 1065 a).

Wismuth und die Metalle der G-ruppen des Eisens, des Baryums und des Kaliums.

1075. I. Durch FĂ€llung als Oxyohlorid. Nachdem man alle Metalle in Chloride ĂŒbergenĂŒhrt hat, fallt man das Wismuth durch Wasser (§ 933). Eisen, wenn es im Ferrizustande vorhanden ist, kann durch dieses Verfahren nicht vollstĂ€ndig geschieden werden; es wird in Folge der Neigung der Ferrisalze, unlösliche basische Salze zu bilden, von dem Bismuthioxychloride theilweise mitgerissen. Dasselbe gilt wahrscheinlich fĂŒr Aluminium und Chrom im Oxydzustand.

1076. II. Durch Blei. Das Blei fallt kein der Eisengruppe angehörides Metall, man kann es daher in Gegenwart dieser Metalle zur FÀllung des Wismuths anwenden (§ 934); dasselbe, und in noch höhere Grade, gilt von den Metallen der Gruppen des Baryums und des Kaliums.

Wismuth und Zink.

1077. I. Durch FÀllung als Oxychlorid oder als basisches Nitrat. Man verfÀhrt genau wie bei der Scheidung von Wismuth und Cadmium (§§ 1070 u. 1071).

1077a. II. Durch Wasserstofuperoxyd und Ammoniak').

Wismuth wird gefÀllt; Zink bleibt gelöst.

Wismuth und Nickel. 1077b. Durch WasserstofEbuperozyd und Ammoniak). Xur

Wismuth fÀllt aus.

Wismuth und Cobalt.

1077c. Durch Wasserstoflfeuperoxyd und Ammoniak). Nur

das Wismuth wird gefÀllt.

') P. Jannasch und Etz: B, 24 (1891), 3746.

'-) P. Jannasch: Z. anor. Ch. 8 (1895), 302; ders.: op. cit, S. 94 f.

P. Jannasch: op. cit., S. 78.

P. Jannasch: op. cit., S. 78.

Wismuth und Mangan.

1078 Bemerkung. Die Anwesenheit von Wismuth beeintrÀchtigt nicht die titrimetrische Bestimmung des Mangans durch Permanganat.

1079. Doroh FĂ€lliing mittels Natriumoarbonat nnd titrimetri* Bohe Bestimmung des Mangans. Man kann das Wismuth und das Mangan gleichzeitig fallen und weiter so verfahren, wie wir bei der Bestimmung des Mangans neben den Metallen der alkalischen Erden (§ 802) des Zinks (§ 810) u. s. w. angegeben haben, vorausgesetzt, dass das Wismuth in genĂŒgender Menge vorhanden ist, um das Doppeloxyd BijOg + BMnOj zu bilden i).

Wismuth und Aluminium.

1079a. Durch mit Chlorwasserstoff gesÀttigten Aether. Wismuth wird vom Aluminium ebenso geschieden, wie Eisen und Kupfer von Aluminium getrennt werden (§§ 749 a u. 1062 a).

Wismuth und die Metalle der G-ruppen des Baryums und des Kaliums, ausgenommen Magnesium.

1080* Durch FÀllung als basisches Nitrat. Die salpetersaure Lösung wird wiederholt mit Wasser abgedampft (§ 930): nur das Wismuth wird gefÀllt.

Wismuth und die Alkalien.

1081. Durch Anmioniumoarbonat. Man bestimmt das Wismuth, indem man es als Carbonat fÀllt (§ 931); die Alkalien gehen in das Filtrat.

Metallisohes Blei und Bleioxyd.

1082. Durch EssigsĂ€ure. In der kĂ€uflichen GlĂ€tte ist oft neben Bleioxyd auch metallisches Blei anzutreffen. Behandelt man nun das Gemisch mit verdĂŒnnter EssigsĂ€ure, so gelingt es, das Oxyd allein zu lösen, wĂ€hrend das metallische Blei angelöst zurĂŒckbleibt.

Bleioxyd und Bleisuperoxyd.

1083. Durch SalpetersĂ€ure. Die Mennige kann man fĂŒr die -rVnalyse als aus Bleioxyd und Bleisuperoxyd zusammengesetzt betrachten.

Beide sind leicht zu scheiden, indem man das Product mit reiner verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure behandelt: das Bleisuperoxyd bleibt angelöst zurĂŒck.

Man kann auch in einer besonderen Probe den ganzen Bleigehalt und in einer anderen Probe den disponiblen Sauerstoff bestimmen (§976); aus beiden Daten lassen sich die Mengen der einzelnen Oxyde berechnen.

1) Krieger: Ann. 87 (1853), 264. De Koninck-Meineke, Mineralanalyse. II.

Metalle der Cadmium-und der Silbergruppe.

Liegt eine reine Mennige vor, so braucht man nur in einem bekannten Gewichte des Productes den disponiblen Sauerstoff zu bestimmen; das Bleioxyd erhÀlt man durch Differenz.

Blei und Wismuth.

Unter der ziemlich grossen Zahl der Verfahren, Blei und Wismuth zu scheiden, geben nur wenige zufriedenstellende Resultate. Wir werden diese hervorheben, und verweisen im Uebrigen auf die diesen Gegenstand behandelnden Untersuchungen von Olav Steen).

1084. I. Durch SohwefelsĂ€ure. Wenn, wie das besonders hĂ€ufig der Fall ist, beide Metalle als Nitrate vorliegen, so verdampft man das Gemisch unter Zusatz von SalzsĂ€ure und nimmt den RĂŒckstand mit so viel SalzsĂ€ure auf, dass ein Tropfen der klaren Lösung durch einen Tropfen Wasser nicht getrĂŒbt wird; eine TrĂŒbung darf erst nut einer grösseren Anzahl von Tropfen Wasser eintreten. Den zu diesem Nebenversuche verwendeten Theil der Probe vereinigt man mit dem Ganzen. Dann fĂŒgt man verdĂŒnnte SchwefelsĂ€ure und, nachdem man nach gutem UmrĂŒhren die Probe wĂ€hrend einiger Zeit sich selbst ĂŒberlassen hat, Alkohol (0,8 sp. G.) hindu. Das ausgeschiedene Bleisulfat wird filtrirt imd mit Alkohol ausgewaschen. Das in Lösung gebliebene Wismuth kann, nach Neutralisation des Filtrates mittels Ammoniaks, durch Wasser als Oxychlorid oder nach einem anderen der bei der Bestimmung des Wismuths angefĂŒhrten Verfahren gefĂ€llt werden.

Man erhĂ€lt nach diesem Verfahren ziemlich gute Resultate ; gewöhnlich findet man etwas zu wenig Blei, und zwar, wie vielfach angenommen wird, in Folge nicht ganz vollstĂ€niger FĂ€llung des Bleisulfates in Gegenwart von viel SalzsĂ€ure. Bei mehrmaligen PrĂŒfungen des obigen Verfahrens hat sich herausgestellt, dass die Umwandlung des Bleis in PbSO unvollstĂ€ndig sein kann. Zwar wird sĂ€mmtliches Blei gefĂ€llt, aber ein Theil desselben ist in Form von PbClj im Niederschlage, und ein Alkoholzusatz — selbst nach lĂ€ngerem Stehen — verhindert dieUmwandlmig des PbCl2 in PbSO nur noch mehr, wĂ€hrend er andererseits die Löslichkeit des Wismuths zu erhöhen scheint, d. h. das MitfĂ€llen von Wismuth mit dem PbSO hinder. Spuren \on Wismuth können trotzdem in den Niederschlag gehen. Die zu niedrigen Bleibefunde können also wohl nur dann eintreten, wenn man den Niederschlag auf gewogenem Filter zur WĂ€gung bringt, denn derselbe wird als PbSO in Rechnung gezogen und ist doch ein Gemenge von PbCi und PbSO. Dampft man hingegen den Niederschlag mit ab, so rgiebt sich ein richtiges Resultat. Hieraus erhellt, dass die als Grund fĂŒr die zu niedrigen Resultate angefĂŒhrte Löslichkeit des PbS04 in HCl

O. Steen: Z angew. Ch. 1895, 530.

-) Heinrich Rose: Handbuch d. anal. Ch. II, 164.

wohl nicht von Belang ist, und dies um so mehr, wenn man in Betracht zieht, dass Alkohol und verdĂŒnnte HjSO gegenwĂ€rtig sind).

1085* IL Durch FÀUnng des Wismuths als basisches Nitrat. Man wendet das bei der Bestimmung des Wismuths beschriebene Verfahren (§ 930) an; nimmt man mit Wasser auf, so löst sich das Bleinitrat, wÀhrend das Wismuth als basisches Nitrat angelöst bleibt

1086 in. trockenes Chlorgas. Man verfahrt wie bei der Scheidung von Wismuth und Kupfer (§ 1069); das Blei bleibt als Chlorid zurĂŒck.

Statt Chlorgas kann man in geeigneten FÀllen auch SalzsÀuregas-), und nach Jannasch, wie bei der Scheidung von Wismuth und Cadmium, Bromluft anwenden.

Blei und Kupfer.

1087. I. Durch SchwefelsĂ€nre. Man verdampft die Lösung beider Metalle unter Zusatz von SchwefelsĂ€ure und erhitzt den RĂŒckstand, bis d]§ ĂŒberschĂŒssige SchwefelsĂ€ure reichlich abraucht. Durch Aufiiehmen mit Wasser bleibt Bleisulfat angelöst zurĂŒck, welches man in der bei der Bestimmung des Bleis (§ 951) angegebenen Weise bestimmt. Die FĂ€llung des Kupfers aus dem Filtrate bietet keine Besonderheiten und keine Schwierigkeiten.

Das Verfahren ist ganz allgemein anwendbar und giebt sehr gute Resultate.

1087 II. Durch KaUumcyanid und Natriumcarbonat. Das Blei wird allein gefÀllt (vergl. § 1067).

1087b. III. Durch WasserstofOuperoxyd und Ammoniak). Bleihyperoxyd fÀllt aus. Kupfer bleibt gelöst.

1088 IV. Durch Elektrolyse in salpetersaurer Lösung). Wie wir frĂŒher gesehen haben, kann durch Elektrolyse der salpetersauren Lösungen das Blei als Superoxyd am positive Pole (§ 957) und das Kupfer als Metall am negative Pole (§ 909) gefĂ€llt werden. In gleicher Weise werden beide Metalle aus einer gemischten Lösung von Bleinitrat und Cuprinitrat gefallt.

EnthÀlt die Losung gleichzeitig noch ein anderes MetaU, welches aus der Nitratlösung elektrolytisch nicht fÀllbar ist, z. B. Zink, so erhÀlt man durch eine Operation, und ohne Zusatz eines Reagens, eine Scheidung der drei Metalle. Es ist das eine der interessantesten Anwendungen der Elektrolyse in der Analyse (Analyse von unreinem Messing).

Blei und Cadmium.

1089 L Durch SchwefelsĂ€ure. Das Verfahren wird genau wie bei anderen Scheidungen des Bleis ausgefĂŒhrt.

A. Westphal: nicht veröffentlichte Untersuchungen. J. B. Moycr: /. Am. ck. Soc. 21 (1899), 642. P. Jannasch: B. 26 (1893), 2329 und 2331. von Miller und Kiliani: op. cit. S. 213.

132 Metalle der Cadmiamund der Silbergruppe.

1089a. IL Durch Wasserstoffaperoxyd und Ammoniak).

Nur Blei wird gefallt Cadmium verbleibt in Lösung.

1089 b. IIL Durch Kaliamcyamd und Nstriomcarbonat (§ 1087 a, vergl. auch § 1067).

1090. IV. Durch Elektrolyse der salpetersauren Lösung. Das

Blei wird, wie uns bekannt ist, am positive Pole als Superoxyd abgeschieden, wÀhrend das Cadmium in Lösung bleibt.

Blei und die Metalle der Gruppen des Eisens, des Baryums und des Kaliums, ausgenommen Mangan.

1091. Die Scheidung des Bleis von Zink, Nickel, Aluminium, Chrom, Alkalierdund Alkalimetallen lĂ€sst sich durch Elektrolyse der salpetersauren Lösung glatt ausfĂŒhren. Bei Anwesenheit von Eisen oder von Cobalt kann das Bleisuperoxyd geringe Mengen dieser Metalle mitreissen. Ist jedoch Mangan zugegen, so wird dieses ebenso wie das Blei gefĂ€llt und es ist daher eine Scheidung dieser beiden Metalle nach diesem Verfahren nicht möglich.

Blei und die Metalle der G-ruppen des Eisens und des Kaliums.

1092. Die Scheidung wird am besten durch SchwefelsĂ€ure ausgefĂŒhrt. Das ausgeschiedene Bleisulfat wird mit verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure ausgewaschen, und erst wenn das vollstĂ€ndig geschehen ist, wird die am Filter haftende SĂ€ure durch Alkohol verdeĂ€ngt; diese alkoholische WaschflĂŒssigkeit wird fĂŒr sich aufgefangen und findet keine weitere Verwendung.

Blei und Mangan.

1093. Durch FĂ€llung mit Natriumoarbonat und titrimetrische Bestimmung. Man fallt mit Natriumcarbonat , glĂŒht den Niederschlag und erhĂ€lt PbMujO + xPbO, wenn das Blei in genĂŒgender Menge vorhanden ist. In dem GlĂŒhproducte bestimmt man den disponiblen Sauerstoff in bekannter Weise (§§ 640 ff. u. 802).

Blei und Baryum.

1094. L Durch Einwirkung von Ammoniumcarbonat auf die Sulfate. Es kommt nicht gerade selten vor, dass man bei einer Analyse ein Gemisch von Sulfaten des Bleis und des Baryums erhĂ€lt; um sie zu scheiden, behandelt man sie zunĂ€ mit einer Lösung von Ammoniumcarbonat, welche das Bleisulfat in Bleicarbonat ĂŒberfĂŒhrt, dagegen das Baryumsulfat unverĂ€ndert lĂ€sst; das Gemisch wĂ€ man alsdann mit Wasser aus, um das entstandene Ammoniumsulfat zu entfernen, und behandelt

es dann mit EssigsĂ€ure oder mit verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure, welche das Bleicarbonat auflösen und das Baryumsulfat zurĂŒcklassen).

1095. II. Durch die Binwirkting yon Lösangsmitteln auf die Solflite. Das Sulfatgemisch wird entweder mit heisser SalzsÀure, oder mit einer anmioniakalischen Lösung von Ammoniumtartrat oder Ammonium* acetate, oder mit einer concentrirten Lösung von Natriumhyposulfit*) behandelt. Alle diese Reagentien lösen das Bleisulfat, aber nicht das Baryumsulfat.

Wendet man Ammoniiunacetat als Lösungsmittel an, so kann man das Bleisulfat aus der Lösung wieder abscheiden, indem man dieselbe mit etwas SchwefelsĂ€ure verdampft und den RĂŒckstand glĂŒht (siege § 951).

Blei und die Alkalien. 1096* Durch Ammoninmoarbonat. Man fÀllt das Blei als Carbonat (§ 950); die Alkalien findet man in dem Filtrate.

Merourisalae und Merourosalze.

1097. I. Durch SalzsÀure oder Nstriumchlorid. Wir haben diesen Fall bereits bei den allgemeinen Verfahren erwÀhnt (§ 1027).

Man kann auch in einer besonderen Probe die Gesammtmenge des Quecksilbers und in einer zweiten Probe das Mercurosalz entweder durch SalzsÀure oder Natriumchlorid (§ 983) oder titrimetrisch (§§ 992 ff.) bestimmen; das Mercurisalz findet man alsdann aus der Differenz.

1097 II. Durch Ammoniumoxalat). In schwach salpetersaurer Lösung wird das Mercurosalz als Oxalat gefallt.

1098* Bemerkung. Die Gegenwart fremder Metalle stört in keiner Weise die Bestinunung des Quecksilbers auf trockenem Wege (§ 988) und auch nicht diejenige durch Stannochlorid; dieses letztere Verfahren verlangt nur die Abwesenheit von Silber, Gold, und bis zu einem gewissen Grade von Blei und Arsen, theils wegen der Unlöslichkeit der betreffenden Chloride, theils wegen der Reducirbarkeit der Verbindungen.

Quecksilber und Silber, Blei, Wismuth, Kupfer, Cadmium.

1099 I. Durch Einwirkung von SalpetersÀure auf das Gemisch der Sulfide. Die das Quecksilber im Mercurizustande enthaltende,

Nachdem R. Fresenius die Ungeoauigkeit eines Ă€hnlichen Verfahrens zur Scheidung von Baryum und Strontium nachgewiesen bat (§ 507), erscheint es wĂŒnschenswerth, dass auch dieses Verfahren einer neuen PrĂŒfung unterworfen wird.

C. A. Peters: Z. anorg. Ch. 24 (1900), 402.

Ist das Quecksilber in dem ursprĂŒnglichen Gemisch in Mercuroform, so muss dasselbe durch Abdampfen des Gemisches mit SalpetersĂ€ure in Mercurisalz ĂŒbergenĂŒhrt werden.

Metalle der Cadmium-und der Silbergmppe.

verdĂŒnnte, schwach salpetersaure oder schwefelsaure oder auch essigsaure Lösung wird mit Schwefelwasserstoff in der WĂ€rme gesĂ€ttigt; das Gemisch der gefĂ€llten Sulfide wird, nach vollstĂ€ndigem Auswaschen, heiss mit SalpetersĂ€ure mittlerer Concentration (auf 1 Theil concentrirter SĂ€ure ITheil Wasser) etwa /g Stunde digerirt; das Mercurisulfid bleibt voUkonunen unlöslich zurĂŒck.

Dieses Verfahren, welches auf die Scheidung des Quecksilbers von allen angefĂŒhrten Metallen anwendbar ist und im Allgemeinen gute Resultate giebt, ist nur bei Gegenwart von Blei weniger zu empfehlen, weil geringe Mengen Bleisulfid zu Bleisulfat oxydirt werden und dem Quecksilbersulfid beigemengt bleiben können.

Man muss sorgfaltig darauf achten, dass bei der Behandlung mit SalpetersÀure auch nicht eine Spur von Chlor zugegen ist, weil sonst Quecksilber in Lösung gehen könnte (s. die Bemerkung zu § 1021, S. 111).

1099 a. 11. Durch GlĂŒhen der Sulfide im Sauerstofibtrom Nur Quecksilber wird verflĂŒchtigt; es wird in bromhaltiger SalpetersĂ€ure aufgefangen. Die ĂŒbrigen Metalle bleiben als Oxyde zurĂŒck. Dieses Verfahren eignet sich namentlich auch zur Trennung des Quecksilbers von je einem der genannten Metalle und ist also als allgemeines anzusehen.

Quecksilber (Mercurosala) und Blei, Cadmium oder Kupfer.

1100. Duroh SalzsĂ€ure oder Natriumohlorid. Man wendet das allgemeine Verfahren an (§ 1027); enthĂ€lt das Gemisch Blei, so muss man mit heissem Wasser (etwa 65Âź C.) auswaschen und die FĂ€llung in ver- dĂŒnnter Lösung vornehmen.

Quecksilber (Mercurisalz) und Blei, Cadmium oder Kupfer.

1101. Durch SalzsÀure und phosphorige SÀure). Mau bestinunt das Quecksilber, indem man es als Mcrcurochlorid fÀllt (§ 983).

In Gegenwart von Blei ist das Verfahren nicht besonders empfehlenswerth.

Quecksilber und Blei.

1102. I. Duroh SchwefelsĂ€ure. Die Lösung der Nitrate \vird mit einem Ueberschusse von SchwefelsĂ€ure versetzt und abgedampft; durch die beim Abdampfen frei werdende SalpetersĂ€ure wird ein etwa vorhandenes Mercurosalz in das Mercurisalz ĂŒbergenĂŒhrt. Die Bestimmung des Bleis fĂŒhrt man in der gewöhnlichen Weise aus; das Quecksilber geht in das lltrat ĂŒber und der Ueberschuss von SĂ€ure verhindert die Bildung eines basischen Quecksilbersulfates.

Ueber die Trennung des Quecksilbers von den Metallen der Arsen-und Cadmiumgruppe durch phosphorige SĂ€ure siege C. vonUslar: Z. aneU. Ch. 84 (1895), 391.

Scheid ungs verfahren . 35

1102 a. IL Durch Kaliumoyanid. Aus der, nöthigenfalls zu neutralisirenden, Lösung wird durch ĂŒberschĂŒssiges Cyankalium Bleicyanid niedergeschlagen, Quecksilber in Lösung gehalten.

1102b UL Dnroh WasserstofOsuperoxyd und Ammoniak). Bleihyperoxydhydrat scheidet sich aus: Quecksilber bleibt in Lösung.

1103. IV. Durch trockenes Chlorgas. Die Metalle oder ihre vSulfide werden in einem Chlorstrom erhitzt (siege § 1069); das sich bildende Mercurichlorid wird verflĂŒchtigt, wĂ€hrend Bleichlorid zurĂŒckbleibt. Das Chlor wĂŒrde wohl durch SalzsĂ€ure ersetzt werden können.

1104. V. Durch Erhitzen in einem Wasserstoffetrom. Liegt ein Amalgam oder ein Gemisch der Oxyde, Carbonate oder Nitrate vor, so kann man eine Scheidung erreichen, indem man die Substanz in emem Wasserstoffstrome erhitzt; das Quecksilber wird \erflĂŒchtigt und zur Bestimmung aufgefangen; das Blei bleibt als Metall zurĂŒck. Eine zu hohe Temperatur ist zu vermeiden.

Das Wasserstoffgas kann durch Leuchtgas, welches durch Ueberleiten ĂŒber Natronkalk gereinigt ist, ersetzt werden.

1105. VI. Durch Elektrolyse). Durch Elektrolyse der Lösung der Nitrate wird das Quecksilber am negative Pole, das Blei als Superoxyd am positive Pole gefallt. Man kann also beide Metalle durch eine Operation bestimmen.

Quecksilber und Wismuth.

1106. L Durch Falliing als Oxychlorid. Die salzsaure Lösung, in welcher das Quecksilber im Mercurizustande vorhanden sein muss, wird durch Wasser gefallt (§ 933); das Mercurichlorid bleibt in Lösung.

Bemerkung. Die FĂ€llung des Wismuths nach diesem Verfahren liefert unsichere Resultate, weil in saurer Lösung die FĂ€llung des Wismuths nicht canz vollstĂ€ndig sein kann; und wĂŒrde man bei Abwesenheit von freier SĂ€ure arbeiten, so wĂŒrde basisches Ouecksilbersalz mit dem Wismuth auscschieden werden können. Man kann das Wismuth noch weniger in Fonn von basischen Nitraten vom (juecksilber scheiden, weil auch das Mercurinitrat unter Bildung eines unlöslichen basischen Salzes durch Wasser zersetzt wird (§ 979, Nr. 2); auch durch Ammoniumnitrat wird dieses basische Salz nicht gut gelöst.

1107* IL Durch Einwirkung von SalpetersĂ€ure auf die Sulfide. Es ist dasselbe, oben in § 1099 fĂŒr die Scheidung von Quecksilber und Silber, Blei etc. beschriebene Verfahren.

1108* IIL Durch Erhitzen im Wasserstoffbtrome. Auch dieses Verfahren entspricht dem bei der Scheidung von Quecksilber und Blei in Amalgamen oder oxvdirten Gemischen 1104) beschriebenen.

C lassen: Quant. cJient. Analyse durch Elektrolyse 3. Aufl. (1S92), S. 111.

Metalle der Cadmium-und der Silbergruppe.

1108 a. IV. Duroh unterphosphorige S&ore und Wasserstoffsuperoxyd). In Gegenwart von Wasserstoffsuperoxyd wird aus einer chloridhaltigen Lösung beider Metalle nur Mercurochlorid gefallt, wÀhrend Wismuth in Lösung bleibt. Unterphosphorige SÀure allein fallt ausser Mercurochlorid, welches durch einen Ueberschuss des Reagens leicht zu Metall reducirt wird, auch metaUisches Wismuth, welches durch nachtrÀglichen Zusatz von Wasserstoffsuperoxyd wieder gelöst wird.

1108 b. V. Duroh WasserstofEliuperoxyd und Ammoniak. Diese Trennung erfolgt genau wie diejenige von Quecksilber und Blei-) (vergl. § 1102 b).

Quecksilber und Kupfer.

1109. L Durch Schwefelwasserstoff in Gegenwart von Ealiumcyanid. Nach Zusatz eines Ueberschusses von Kaliumcyanid wird nur das Quecksilber durch Schwefelwasserstoff gefallt. Die Scheidung beruht auf demselben Verfahren wie diejenige des Kupfers vom Cadmium (§ 1043).

1110. II. Durch Einwirkung von SalpetersÀure auf die Sulfide. Wir haben das Verfahren schon bei der Scheidung des Quecksilbers von Silber etc. (§ 1009) kennen gelernt.

1111. III. Durch trockenes Chlorgas. Man verfÀhrt wie bei der Scheidung von Wismuth und Kupfer (§ 1069) oder von Quecksilber und Blei.

Die Anwendung von bromirter Luft bez. Chlorwasserstoff als Ersatz fĂŒr Chlor, die wir bei der Scheidung von Wismuth und Kupfer an gegeben haben (§ 1069), scheint in diesem wie auch in anderen Ă€hnlichen FĂ€llen befriedigende Resultate zu geben.

1112. IV. Durch Erhitzen in einem Wasserstoffbtrome. Das Verfahren ist auf die Amalgame und auf oxydirte Gemische anwendbar; es ist dasselbe wie dasjenige zur Scheidung von Quecksilber und Blei (S 1104).

Quecksilber und Cadmium.

1113. I. Durch SalzsÀure und phosphorige SÀure Das Quecksilber (Mercurisalz) wird als Mercurochlorid (§ 983) gefÀllt, wÀhrend das Cadmium in Lösung bleibt.

1114 II. Durch Einwirkung von SĂ€uren auf die Sulfide. Nachdem das Quecksilber als Mercurisullid mit dem Cadmium gefallt ist, behandelt man das gut ausgewaschene Sulfidgemisch mit SalpetersĂ€ure, wie frĂŒher angegeben ist (§ 1099), oder mit SchwefelsĂ€ure, welche auf verdĂŒnnt ist, wie bei der Scheidung von Cadmium und Kupfer (§ 1044).

') L. Vanino und F. Treubert: B. 31 129. 2) P. Jannasch: B. 28 (1895), 994.

H. Rose: Pogg. Ann. 110 (1860), 529; C. von Uslar: Z. anai. Ch. 34 (1895), 398.

Scheidungsverfahren. 137

1115. III. Daroh Elektrolyse. Man elektrolysirt die saure Lösung unter den fĂŒr die Bestimmung des Quecksilbers gĂŒnstigsten Bedingungen (§ 985); das Cadmium wird nicht gefallt.

Quecksilber und die Metalle der Qrappen des Eisens, des Cadmiums und des Arsens.

1115 Das Quecksilber wird als Metall durch salzsaures Hydroxylamin aus der tartroresp. nitro-ammoniakalischen Lösung gefallt).

Quecksilber und die Metalle der Gruppen des Eisens, des Baryums und des Kaliums.

1116. Bemerkung. Liegt ein Gemisch vor, welches frei von Halogenverbindungen ist, so kann man, ohne einen Verlust an einem der anderen Metalle zu erleiden, das Quecksilber durch GlĂŒhen entfernen.

Wenn man, in Folge der Gegenwart von Chlor, Brom oder Jod, eine VerflĂŒchtigung von Halogenverbindung zu befĂŒrchten hat, so glĂŒht man unter Zusatz von Alkalicarbonat, vorausgesetzt natĂŒrlich, dass die EinfĂŒhrung von Alkalien nicht aus anderen GrĂŒnden vermieden werden muss.

11 17. L Duroh SalzsĂ€ure und phosphorige SĂ€ure. Das Quecksilber wird als Mercurochlorid gefĂ€llt (§ 983) ; alle ĂŒbrigen Metalle bleiben in Lösung.

1118. IL Durch Elektrolyse. Durch Einwirkung des elektrischen Stromes auf die saure Lösung wird das Quecksilber gefallt (§ 985); von den Metallen der anderen Gruppen wird nur Mangan niedergeschlagen, aber, wie wir wissen, an der positive Elektrode. Trotzdem lassen einige Autoren das Quecksilber von diesen Metallen nur bei Abwesenheit von Mangan elektrolytisch fÀllen.

Wir könnten hier noch eine grössere Anzahl specieller Verfahren anfĂŒhren; da aber keynes von ihnen vor den allgemeinen Verfahren den Vorzug verdient, noch irgend ein specielles Interesse besitzt, so ĂŒbergehen wir sie.

Quecksilber und Mangan.

1118a. Durch Wasserstofflsuperoxyd und Ammoniak-). Beim Eintragen einer salpetersauren (vielleicht auch essigsauren) Lösung der beiden Metalle in Ammoniak und Wasserstoffsuperoxyd fÀllt Manganhyperoxydhydrat nieder, Quecksilber wird in Lösung gehalten.

Quecksilber und Aluminium.

1118 b. Durch mit Chlorwasserstoff gesÀttigten Aether).

Aluminiiun wird nach dem im § 740a erwÀhnten Trennuiigsverfahren niedergeschlagen, wÀhrend Quecksilber gelöst bleibt.

') P. Jannasch: ß, 31 (1898), 2377. P. Jannasch: B. 28 (1895), 995. F. S. Harens: Z. anorg. Ch. 18 (1898), 150.

Metalle der Cadmiumuud der Silbergrappe.

Silber.

11 19 Bemerkung. Wie wir bereits kurz erwÀhnten, wird die titrimetrische Bestimmung des Silbers nach dem Gay -Lussac' sehen Verfahren (§ 1014) durch kein Metall der Gruppen des Cadmiums, des Eisens, des Baryums und des Kaliums gestört, mit Ausnahme des Quecksilbers.

Die von Mohr herrĂŒhrende Variation (§ 1015) ist nur in Gegenwart von Metallen anwendbar, deren Salze farblos und deren Chromate löslich sind (Zink, Cadmium, Calcium etc.).

Die Titrirung durch Sulfocyanide (§ 1016) wird chemisch nur von Quecksilber, sowie von Kupfer, wenn dieses letztere Metall in grösseren Mengen vorhanden ist (mehr als 70 Jq in einer Legirung), gehindert

Nickel, Cobalt, Chrom können durch ihre FÀrbungen die genaue Erkennung der Endreaction stören.

FĂŒr die folgenden Trennungen sei noch einmal auf § 1027 verwiesen.

Silber und Quecksilber.

1120* I. Durch CyanwasserstofflsÀnre. Die Lösung, welche das Quecksilber als Mercuriverbindung enthÀlt und mit SalpetersÀure angesÀuert ist, wird mit CyanwasserstoffsÀure oder Cyankalium behandelt; es wird nur das Silber als Cyanid, aber nicht das Quecksilber gefallt.

Das Silbercyanid kann auf einem tarirten Filter gewogen oder durch Rösten in Metall ĂŒbergenĂŒhrt werden (§ 1001, Nr. 10); in dem Filtrate wird das Quecksilber durch Schwefelwasserstoff gefĂ€llt.

1121* 11. Durch Einwirkung von SalpetersÀure auf die Sulfide. Das Verfahren ist dasselbe wie die entsprechende Scheidung des Quecksilbers von anderen Metallen.

1121a. IIl. Durch trockenes Chlorgas. Das Verfahren ist schon wiederholt besprochen worden (§ 1069).

1122. IV. Durch Elektrolyse. EnthĂ€lt die Lösung genĂŒgende Mengen SĂ€ure, so wird nur das Quecksilber gefallt (§ 985), aber nicht das Silber.

Silber und Blei.

1123. 1. Durch SchwefelsĂ€ure. Das Blei wird als Sulfat gefallt; durch sorgfĂ€ltiges Auswaschen mit verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure kann das Silber vollstĂ€ndig entfernt werden.

1123 a. II. Durch Wasserstofibuperoxyd und Ammoniak Nur das Blei wird gefÀllt.

1124. 111. Durch Kaliumjodid imd SalpetersÀure). Man be-

Benedikt und Gaus: Ch.-Z. 16 (1802). 181; W. Hamp: Ch.-Z. 18 (1894), 1900.

Scheid uogsverfabreu. 139

handelt die Lösung mit Kaliumjodid, bis ein bleibender Niederschlag von Bleijodid entsteht, welchen man an seiner lebhaft gelben Farbe erkeimt; dann kocht man mit einem Ueberschusse von SalpetersĂ€ure auf, bis sich keine JoddĂ€mpfe mehr entwickeln. Nur das Bleijodid wird zersetzt, wĂ€hrend das Silberjodid zurĂŒckbleibt; letzteres trent man durch Filtration von der Lösung, welche das Blei als Nitrat enthĂ€lt.

Dieses Verfahren scheint auf die Scheidung des Silbers von fast allen Metallen anwendbar zu sein; es ist aber nicht versucht.

1124a. IV. Durch Kalium bichromat und Ammoniak). Die Lösung wird mit Kaliumbichromat in Anwesenheit eines Ueberschusses von Ammoniak versetzt. Blei fÀllt aus, Silber bleibt im Filtrat.

1125* V. Durch Cupellation. Wir haben das Verfahren bereits eingehend besprochen (§§ 1002 u. 1003). Es ist, besonders wenn es sich lun sehr kleine Mengen Silber handelt, z. B. 0,01 %, genauer als alle anderen.

1126* Bemerkung. Wenn man auf nassem Wege kleine Mengen Silber neben sehr grossen Mengen Blei bestimmen will, so kann man erst das Silber in einer kleineren Menge concentriren , indem man die Lösung mit einem Ueberschusse von Alkalihydrat behandelt 2). Man erhÀlt so einen gelben Niederschlag (§ 948, Nr. 6), welcher alles Silber enthÀlt imd in welchem dieses letztere ohne Schwierigkeiten nach irgend einem Verfahren bestimmt werden kann.

1126 VL Durch gleichzeitige Anwendung von Glycenn Ammoniak und Natron-oder Kalilauge-). In der Siedehitze fÀllt nur Silber aus.

1126b. VII. Durch Elektrolyse. Geringe Bleimengen (0,05 gr) lassen sich gut aus einer salpetersauren Blei -Silber -Lösung in Form von Superoxyd fÀllen. Silber bleibt in der Lösunf.

Silber und Wismuth.

1127. L Durch trockenes Chlorgas. Man verfĂ€hrt so, wie wir wiederholt beschrieben haben (§ IOC 9 u. andere Stellen). Silberchlorid bleibt zurĂŒck.

1128. II. Durch Cupellation. Da das Wismuth durch Erhitzen bei Luftzutritt in schmelzendes Bismuthioxyd ĂŒbergenĂŒhrt wird, können Legirungen von Silber und Wismuth direct cupellirt werden (§§ 1002 u. 1003). Der Fall kommt praktisch selten vor.

1128 a. III. Durch Ammoniak und Wasserstofilsuperoxyd Das Wismuth wird gefÀllt.

') P. Jannasch: H. 26 1500. J. Krutwig: B. 16 (1882), ;)07. Donath: Monatsh. Ch. 1 (1880), 78!). ♩) P. Jannasch: B. 26 (1893), 1499.

140 Metalle der Cadmium-und der SUbergmppe. ScheiduDgs verfahren.

1128 b. IV. Duroh Absoheidting des Wismuths als basisches Nitrat. (Vergl. § 1071.)

Silber und Kupfer.

1129. I. Durch Cupellation. Wir haben das Verfahren bereits besprochen (§§ 1002 u. 1003) und auch angegeben, dass es vielfach als Vorprobe zur annĂ€hernden Ermittelung des Silbergehaltes einer Kupfer- Silber -Legirung fĂŒr das Gay-Lussac'sche Verfahren benutzt wird. Es erfordert, dass so viel Blei zugegen ist, dass das sich bildende Cupriresp. Cuprooxyd von der Capelle aufgesogen werden kann. Hinsichtlich viewer wichtiger Einzelheiten verweisen wir jedoch auf die Specialwerke ĂŒber metallurgische Probirkunst.

1129 a. IL Durch Kalinmoyanid und SalpetersĂ€ure. In die mit ĂŒberschĂŒssigem Kaliumcyanid versetzte Lösung wird ein Ueberschuss von verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure gegeben. Silbercyanid wird ausgefĂ€llt, wĂ€hrend Kupfer gelöst bleibt.

1129b. IIL Durch Elektrolyse Aus ammoniakalischer Lösung wird nur Silber gefallt.

Silber und die Metalle der Oruppen des Eisens, des Baryums und des Kaliums.

1130. Die allgemeinen Verfahren (§§ 1025 ff.), welche auf der FÀllung des Silbers als Sulfid oder als Chlorid beruhen, sind, neben den titrimetrischen, die besten und die am hÀufigsten angewandten.

Wir verweisen noch auf unsere Besprechungen ĂŒber die Bestimmung des Silbers in Erzen auf trockenem Wege (§§ 1002 u. 1003).

von Miller und Kiliani: Kurzes Ijehrhiich d. analyt. Chemie, 2. Aufl. <1S91), S. 2U.

Capitel XI.

Gruppe des Arsens.

Zinn.

Eigenschaften des Zinns.

1131. 1. Das Zinn (sp. G. 7,29) ist weiss und in der KĂ€lte dehnbar, so dass es zu dĂŒnnen BlĂ€ttern (Stanniol) ausgewalzt werden kann; auf 200 erhitzt, wird es spröde und pulverisirbar. Sein Schmelzpunkt liegt bei 228; bei Löthrohrtemperatur ist es noch nicht flĂŒchtig. Bei Luftzutritt geschmolzen, oxydirt es sich nur oberflĂ€chlich, an der Luft stĂ€rker erhitzt, verbrennt es unter Lichterscheinung zu nichtflĂŒchtigem, unschmelzbarem Stannioxyd (Zinnasche), SnO,. Beim Biegen eines Zinnstabes vernimmt man ein eigenthĂŒmliches GerĂ€usch (Zinngeschrei), welches durch die gegenseitige Reibung der einzelnen Ziimkrystalle verursacht zu sein scheint Zinn findet sich in einer grossen Zahl technisch wichtiger Legirungen, z. B. mit Blei im SchnelUoÜi, mit Quecksilber im Spiegelbelag u. a. m. (vergl. § 1158, Nr. 1).

2*. Concentrirte kate oder heisse, sowie verdĂŒnnte heisse Salz- sĂ€ure lösen es leicht zu Stannochlorid:

2 Sn + 4HCI Sn2Cl4 + 2H2.

Kalte concentrirte SchwefelsÀure greift Zinn nur wenig an; in der Hitze löst sie das Zinn unter Bildung von Stannisulfat und Freiwerden von schwefliger SÀure sowie Abscheidung von Schwefel, welcher seine Entstehung wahrscheinlich der Einwirkung von gleichzeitig entstandenem Schwefelwasserstoff auf einen Theil der schwefligen SÀure verdankt.

Königswasser löst es ebenfalls; es bildet sich Stannichlorid, SnCl, das sich aber sogleich durch Hydrolyse in colloidales Stannihydroxyd, und SalzsÀure umsetzt.

3*. SalpetersĂ€ure mittlerer Concentration greift das Zinn energisch an; in der WĂ€rme wird das Metall vollstĂ€ndig in weisses, amorphes, in der SĂ€ure unlösliches ĂŒbergenĂŒhrt:

3 Sn + 4 HNO3 + HjO 3 + 4 NO.

242 Zinn. EigcDSchaften des Zinns.

Sehr verdĂŒnnte und kate SalpetersĂ€ure löst das Zinn und bildet sehr wenig bestĂ€ndiges Stannonitrat):

4Sn + 8HNO3 + 8 H. Der Wasserstoff in statu nascendi entweicht jedoch nicht, sondern reducirt j

die Àquivalente Menge SalpetersÀure unter Bildung von Ammoniumnitrat : ,

8 H + 2 HNO3 NH4NO3 + 3 HO. DemgemÀss geht der Gesammtprocess nach folgender Formel vor sich:

Jedenfalls entsteht bei dieser Reaction auch Hydroxylamin.

Ist das Zinn mit Eisen gemischt, dann bildet SalpetersÀure ein in Wasser, selbst nach Abdampfen zur Trockne, lösliches Product-). I

Bei Anwesenheit von Phosphaten bezw. Arsenaten bildet sich in 1

SalpetersÀure unlösliches Metastanniphosphat oder Metastanniarsenat. j

4. Kochende, concentrirte Kalilauge oder Natronlauge löst das

Zinn unter Wasserstoffentwickelung zu Kaliumbezw. Natriumstaimat:

Sn + 2 KOH + H2O + 2 H.

5. Das Zinn fÀllt Antimon und Arsen aus ihren Lösungen in Gegenwart von SalzsÀure.

6. Das Zinn bildet Stanno Verbindungen, dem Oxyde entsprechend, und St an ni Verbindungen, dem Oxyde SnOj entsprechend.

Eigenschaften der Stannosalze.

1132. 1. Die Stannosake sind farblos; das weitaus wichtigste ist das Chlorid. Wie aus verschiedenen, nachstehenden Reactionen hervorgeht, ist Stannochlorid eins der stĂ€rksten, wenn nicht das stĂ€rkste Reductionsmittel auf nassem Wege. Daher trĂŒbt sich die klare, wĂ€ssrige Stannochloridlösung an der Luft:

SngCl -f 2 H2O -f O2 2 , und verwandelt sich sogar festes Stannochlorid beim Liegen an der Luft unter Sauerstofifaufnahme in Oxychlorid, SnOClg.

2. Stannochlorid ist ohne VerĂ€nderung in einer kleinen Menge Wasser löslich; in BerĂŒhrung mit einer grossen Menge Wasser wird es theilweise, unter Bildung eines weissen Niederschlages von basischem Chloride, zersetzt:

SnCl, -f 2 H2O -f 2 HCl.

Die Gegenwart von WeinsÀure verhindert diese Zersetzung; ebenso die Gegenwart von Ammoniumchlorid.

3*. Schwefelwasserstoff ruft in sauren Stannolösungen einen braunschwarzen Niederschlag von Stannosulfid, SnjSj, her-

Siehe C. H. H. Walker: /. eh. Soc. 63, I (1893), 845; R. Engel: C. r.

Rose: Pogg. Ann. U2 (1835), 169; F. H. Van Leent: Mon. sc. de QuesnevilU [4] 12 (1898), 866.

Eigenschaften der Stanuosiilze. 143

vor); derselbe ist in den normalen Alkalisulfiden unlöslich oder fast unlöslich, löslich dagegen in den Polysulfiden, mit welchen er Sulfo-Stannate bildet:

SngSg + 2 NagSg 2 NajSnSg. Diese werden durch SĂ€uren unter FĂ€llung von schmutzig-gelbem Stannisulfid zersetzt:

NaSnSg + 2 HCl 2 NaCl + SnS + HS. Das Stannosulfid ist in Ammoniak sowie in einer Lösung von Ammoniumcarbonat oder von Kaliumbisulfit unlöslich, dagegen löslich in Alkalihydraten (vergl. § 1159, Nr. 4). In concentrirter wie auch in heisser verdĂŒnnter SalzsĂ€ure löst es sich unter Bildung von Stannochlorid:

SngSj + 4HC1 SnCl + 2H2S. Von SalpetersĂ€ure wird es in Stannimetahydrat ĂŒbergefohrt; einer Röstung unterworfen, giebt es Stannioxyd.

4. Die normalen Alkalisulfide erzeugen ebenfalls braunes Stannosulfid; mit den Polysulfiden kann man gelbes, in einem Ueberschusse des Reagens lösliches Stannisulfid erhalten:

SngCl + 2 AmgSg 2 SnSg + 4 AmCl.

5. Mit Ammoniak behandelt, geben die Stannolösungen einen weissen, flockigen Niederschlag von Stannohydrat , welcher in einem Ueberschusse des Reagens unlöslich ist:

SnjCl + 4NH3 + 3H2O + 4NH4CI.

6. Natronhydrat und Kalihydrat erzeugen denselben Niederschlag, welcher jedoch von einem Ueberschusse von Alkalihydrat leicht gelöst wird:

+ 4NaOH SnCONa) + SHjO. Von dieser alkalischen Lösung, welche ein ausserordentlich krÀftiges Reductionsmittel ist, werden verschiedene Metalle aus ihren Salzen metallisch niedergeschlagen, z. B. ruft Bismuth initrat in dieser alkalischen Lösung einen schwarzen Niederschlag von metallischem Wismuth (siege § 928, Nr. 13), Bleinitrat einen solchen von metallischem Blei 2) hervor.

In der WÀrme können die Alkalihydrate in Stannolösungen die FÀllung eines Àrzlichen Niederschlages von Stannooxyd veranlassen.

7. Alle Alkalicarbonate geben, in eine Lösung von Stannochlorid gegossen, ebenfalls Stannohydrat:

SnjCl + 2Na2C03 + HO + 4NaCl -f 2CO2. Der Niederschlag ist in einem Ueberschusse des Reagens unlöslich. Die Gegenwart von Alkalitartrat verhindert die FÀllung.

LÀsst man eine concentrirte und siedende Lösung von Natriumcarbonat auf eine Lösung von Stannochlorid einwirken, so erhÀlt man einen Àrzlichen, krystallinischen Niederschlag von Stannooxyd.

Nach Carnot soll SnS, schwarz sein und die gewöhnliche braune Farbe durch SnSj veranlasst werden {C. r. 108 (1886), 258).

L. Vanino und F. Treubert: B. 31 (1898), 1118.

EigeDschaften der Stannosalze.

8. Durch Silbernitrat entsteht in wÀssriger oder salzsaurer Lösung von Stannochlorid je nach Concentration, Temperatur und Mengenver- hÀltniss der auf einander wirkenden Agentien allmÀhlich oder sogleich ein Niederschlag von metallischem Silber, wenn Silbemitrat im Ueberschusse angewandt wird.

Das gefÀllte Silber zeigt verschiedentliche FÀrbungen: gelbbraun, rothbraun, schwarzbraun, blÀulichschwarz und tiefschwarz.

IntermediĂ€r entsteht Silberchlorid, welches bei Anwendung von salzsaurer Stannochloridlösung und einer ungenĂŒgenden Menge Silbemitrat auch nach lĂ€ngerem Kochen der Mischung nur spurenweise zu Silber reducirt wird).

9*. Goldchlorid ruft in der Lösung von Stannochlorid einen braunvioletten Niederschlag (Ca ssius' scher Purpur, Goldpurpur) hervor, ĂŒber dessen Natur die Ansichten noch aus einander gehen; vielfach wurde ihm die Zusammensetzung 2 Au + SnOg zugeschrieben. Nach neueren Untersuchungen stellt er eine Mischung von colloidalem Gold und colloidaler ZinnsĂ€ure in wechselnden Mengen dar.

10*. Mercuri Chlorid, im Ueberschuss schnell in eine Lösung von Stannochlorid gegossen, giebt einen weissen Niederschlag von Mercurochlorid; war die Stannolösung concentrirt, so scheidet sich der Niederschlag kĂ€sig ab; aus einer sehr verdĂŒnnten Lösung gefĂ€llt, hat er ein eigenthĂŒmliches seidenartiges Aussehen. Setzt man nur wenig Mercurichlorid hindu, so dass Stannochlorid im Ueberschusse bleibt, so erhĂ€lt man einen grauen Niederschlag von reducirtem Quecksilber (siege § 979, Nr. 12). In diesem Falle ist die Reaction viel weniger empfindlich.

11. Cuprioxyd und seine Salze werden von salzsaurer Stannochloridlösung zu Cuprochlorid reducirt (vergl. § 896, Nr. 2).

12. Ferrisalz, z. B. Ferrichlorid, wird von Stannochlorid zu Ferro salz reducirt; es entsteht daher in einer Lösung von Ferri-Ferricyanid*) auf Zusatz von Stannochlorid ein blauer Niederschlag.

13. In Gegenwart einer SĂ€ure werden Kaliumpermanganat und die Alkalichromate durch Stannosalze unter Bildung von Stannisalzen reducirt.

14. ArsensÀure wird durch concentrirte SalzsÀure und Stannochlorid in der KÀlte schwer, in der Hitze schnell unter Abscheidung von metallischem Arsen reducirt. Arsenige SÀure wird schon in der KÀlte rasch zu Arsen reducirt (Bettendorf's Reaction). (Vergl. § 1183, Nr. 18.)

15. Antimioniichlorid geht durch Behandeln mit Stannochlorid und concentrirter SalzsĂ€ure in Antimoniochlorid ĂŒber (vergl. § 1169).

A. West p ha 1: unveröffentlichte Beobachtungen.

') Wir verstehen hierunter eine unmittelbar vor dem Gebrauche bereitete Mischung von Ferrichlorid und Kaliumferricyanid. Dieses Reagens, welches die Auffindung einer grossen Anzahl reducirender Stoffe gestattet, ist von Löwenthal (/. prakt. Ch. 60 (1853), 207) angegeben worden.

Eigenschaften der Stannosalze. 145

16. Brom und Jod werden von Stannosalzen in Bromwasserstoff bezw. Jodwasserstoff oder in Bromid bezw. Jodid ĂŒbergenĂŒhrt, je nachdem, ob die Lösung sauer oder alkalisch ist, z. B.:

JodstÀrke wird daher von ihnen entfÀrbt).

Setzt man zu wÀssriger Stannochloridlösung Jod, so wirkt das Jod theils substituirend , theils oxydirend; es bildet sich ein Gemenge von unverÀndertem Stannochlorid mit Monojodstannochlorid (SnClJ), Stannojodid, Stannichlorid und Stannijodid 2). Brom wirkt analog.

17. Stannochlorid reducirt selbst die schweflige SĂ€ure, besonders in der WĂ€rme, unter Bildung von Schwefel oder Schwefelwasserstoff):

Sn2Cl4 + 4 HCl + SO2 2 SnCl + S -f- 2 HO, oder Ist die Lösung stark sauer, so kann Schwefelwasserstoff entweichen ; andernfalls kann dieser durch Einwirkung auf ĂŒberschĂŒssiges Stannochlorid einen braunen Niederschlag oder durch Einwirkung auf entstandenes Stannichlorid einen gelben oder weissen Niederschlag (siege § 1133, Nr. 4) geben oder auch auf andere anwesende Salze einwirken.

Die Bildung von Schwefel kann auch von der Einwirkung des gebildeten Schwefelwasserstoffs auf ĂŒberschĂŒssige schweflige SĂ€ure her- rĂŒhren:

2 HgS-f SO2 2 HgO-f 3 S.

18*. Zink fÀllt das Zinn aus seinen sauren Lösungen*) wie auch aus alkalischer Lösung, vornehmlich in Anwesenheit von Kaliumcyanid), in Form einer schwammigen, grauen, bisweilen krystallinischen Masse.

Cadmium bewirkt dieselbe FĂ€llung von metallischem Zinn, nur weniger stĂŒrmisch und langsamer; das Metall scheidet sich dann oft in Form von krystallinischen, silberweissen NĂ€delchen ab. Vollzieht sich die Reaction in BerĂŒhrung mit einem Platinbleche, so bedeckt sich dieses nicht mit einem schwarzen Ueberzuge (vergl. § 1159, Nr.15).

19*. Durch Eisen wird das Zinn aus einer sauren Lösung von Stannochlorid nicht gefÀllt (vergl. §§ 1133, Nr. 12, und 1159, Nr. 16).

20. Die Stannoverbindungen geben FlĂŒssen keine FĂ€rbung. Einer Perle von Borax oder Phosphorsalz, welche mit einer kleinen Menge Cuprioxyd geschmolzen war, zugesetzt, erleichtem sie in hohem Grade die Erzielung von Cuproperlen (siege § 896, Nr. 18).

') Auch das Reagens JodstÀrke ist unmittelbar vor seinem Gebrauche zu bereiten; es geschieht das durch Zusatz von Jodwasser zu frisch gekochter und klarer StÀösung. Ueber letztere siege Bd. I, S. 417, Fussnote 3.

Henry: Phil. Trans, 1846, 363.

Ueber das mittels Zink gefÀllte Zinn siege L. Vignon: C. r. 107 (1888), 734.

'') G. Buchner: Ch.-Z. 18 (1894), 1904.

De Koninck - Meineke, Mineralanalyse. II. 10

RigenschafteD der Stannisalze.

21. Auf Kohle mit Soda oder auf einem SodastÀchen erhitzt, geben sie weisse, dehnbare Köchen von reducirtem Zinn. Ein Beschlag entsteht nicht.

22. Dem Bunsen'schen Verfahren unterworfen, geben sie keinerlei Beschlag.

23. Im Oxydationsfeuer geben die Zinnverbindungen, soweit sie ĂŒberhaupt zu einer Oxydbildung befĂ€higt sind, Stannioxyd; dieses ist in der WĂ€rme gelblich, nach dem Erkalten weisslich und nimmt mit Cobaltonitrat eine grĂŒnblaue FĂ€rbung an (vergL beim Zink § 657, Nr. 16).

24. Zinn Verbindungen, besonders Stannochlorid, am Platindraht mit SalzsÀure befeuchtet und in die nichtleuchtende Bunsenflamme gebracht, fÀrben dieselbe blÀulichweiss) (vergl. § 1159, Nr. 24).

P

Eigenschaften der Stannisalze.

1133. Es giebt zwei isomere Reihen von Stanniverbindungen; die Verbindungen der einen Reihe heissen normale oder a-Stanniverbindungen, die der anderen Meta-oder ß- Stanniverbindungen.

Die wichtigste a-Stanniverbindung ist das Chlorid, welches man durch Behandeln von Zinn mit Chlor oder mit Königswasser erhÀlt

Die wichtigste ß - Stanniverbindung ist das Hydrat, welches durch Einwirkung von SalpetersĂ€ure auf Zinn erhalten wird) (siege § 1131, Nr. 3).

Die Verbindungen der einen Reihe gehen leicht in den Zustand der Verbindungen der anderen Reihe ĂŒber.

Die Reactionen sind oft identisch; wenn im Folgenden von Stanniverbindungen ohne nÀhere Bezeichnung die Rede ist, so beziehen sich die Angaben unterschiedslos auf beide Reihen.

1. Die neutralen oder sauren Stannisalze sind farblos.

Erhitzt man eine saure Lösung von a-Stannichlorid zum Sieden, so wird das Salz mit dem Wasser ĂŒberdestillirt; diese Erscheinung tritt bei dem ß-Stannichloride nicht auf.

2. Wasser zersetzt die Stannisalze unter Bildung von Hydrat) oder von basischem Salze; die Gegenwart von WeinsĂ€ure verhindert diese Reaction fĂŒr die a- Stannisalze, aber nicht fĂŒr die anderen.

3. Das a-Stannichlorid ist in concentrirter SalzsÀure leicht löslich; das entsprechende Hydrat verschwindet daher, wenn man es mit dieser SÀure behandelt.

Das ß-Stannichlorid dagegen ist in der concentrirten SĂ€ure unlöslich; behandelt man ß-Stannihydrat mit concentrirter SalzsĂ€ure, so wird es in das ß- Chlorid umgewandelt; um dieses letztere aufzulösen, muss man den SĂ€ure -Ueberschuss abgiessen und Wasser zusetzen.

Diese Angabe felt selbst in vollstĂ€ndigeren Tabellen der charakteristischen FlammenfĂ€rbangen ; dieXhatsache scheint demnach wenig bekanntxu sein. (A.Westphal.) Vergl. R. Engel: Jiev, ginir, de Ck. p. et appL 1 (1899), 1. Das gebildete Stannihydrat kann „colloidal" gelöst bleiben.

Eigemehaften der Stannifake.

Das Metastannihydrat ist, wie wir oben gesehen haben (§ 1131, Nr. 3), in SalpetersÀure unlösHch; das normale Hydrat ist in dieser Saui löslieh.

4*. Schwefelwasserstoff ruft in deĂŒ Stannilosungen anfangs einen weissen Niederschlag (sulfobasisches Salz) hervor, welcher bei fortgesetzter Einwirkung des Reagens schmutzig -gelb wird.

Nach Barfoed*) solider durch Schwefelwasserstoff bewirkte Niederschlag immer Hydrat enthalten aber in wechselnden 'Mengen. Der Niederschlag, welchen man aus dem normalen Chloride erhÀlt, ist hellgelb; derjenige aus dem Metachloride ist braungelb.

Ein grosser Ueberschuss von OxalsÀure verhindert die FÀllung (Velffl. § 1159, Nr. 4).

In Gegenwart von erheblichen Mengen von Eisen ist dfir Niederschlag grÀulich, in Folge des Mitfiedlens von etas Ferrosulfid.

Das Stannisulfid ist in den Alkaiisulfiden unter Bildung von Sulfostannat löslich:

SnS, + AmS AmSuSj.

SĂ€uren zerlegen die Sulfostannate und fallen wieder Stannisulfid: Am,SnS3 + 2 HCl 2 AmCl + SnS, + HS.

Die Lösungen der Sulfostannate werden weder durch Quecksilber noch durch Kochen mit Natriumsulfit so zerlegt; dass Stannosulfid wieder gefĂ€llt wird; die Lösungen werden hierbei nur von ĂŒberschĂŒssigem Schicefel befreit und folglich entfĂ€rbt 2).

Ammoniak löst das Stannisulfid; das sogenannte Ammoniumsesquicarbonat löst in der KÀlte nur Spuren.

Eine 10 %ige Lösung von Ammoniumcarbonat löst beim Kochen eine betrÀchtliche Menge von Stannisulfid. SÀttigt man diese Lösung mit SchwefelsÀure, so erhÀlt man einen* voluminösen weisslichen Niederschlag, welcher wasserhaltiges Oxysulfid, SnOSg, zu sein scheint 8).

Kalihydrat löst es unter Bildung von Stannat imd Sulfostannat; Natronhydrat wirkt in demselben Sinne, aber weniger gut: 3 SnS, + 6 KOH 2 KSnSg + KSnOg + 3 HO.

In concentrirter SalzsĂ€ure ist das Stannisulfid schon in der KĂ€lte, in verdĂŒnnter jedoch nur in der Hitze vollstĂ€ndig löslich; es entsteht Stannichlorid (vergl. § 1160, Nr. 3):

SnS2 + 4HC1 SnCl + 2 HjS.

5. Alkalisulfide rufen dieselben NiederschlÀge hervor wie SchwefelwasserstofEl

6. Durch Ammoniak erhÀlt man, wenn man es nach und nach zusetzt, einen weissen Niederschlag von Hydrat;

VĂŒUmi, Seisk. SJtfrt/t., in /. prcOf. Ck. 101' (1867), 368. DeKoniDckt nicht' veröffbitlichte Versncbe: F. W. Schmidt: B. 27 (1894), 2739.

10

EigeDscbaften der Stannisalze.

Sind die Lösungen verdĂŒnnt und frei von einem grossen SĂ€ure- Ueberschusse, so ist der Niederschlag in einem Ueberschusse von Ammoniak löslich; im entgegengesetzten Falle verhindern die entstandenen Ammoniumsalze das Wiederlösen. Giesst man das Ammoniak schnell in einem Ueberschusse hindu, so kann der Fall eintreten, dass gar kein Niederschlag entsteht.

Die FĂ€llung von a-Stannihydrat wird durch Alkalitartrate verhindert; diejenige des ß-Stannihydrates jedoch nicht.

7. Die Alkalihydrate bilden ebenfalls Stannihydrat; der Niederschlag ist in einem Ueberschusse des Reagens mehr oder weniger leicht löslich, je nachdem ein Salz der einen oder der anderen Reihe vorliegt und man Kali-oder Natronhydrat zu der Reaction anwendet). Das Metastannihydrat ist weniger leicht löslich als das normale Hydrat:

8. Die Carbonate des Kaliums und des Natriums geben ebenfalls einen Hydratniederschlag; gleichzeitig entweicht dabei Kohlen- sĂ€ure. Das ß- Stannihydrat ist in einem Ueberschusse des Reagens un- löslich; das a - Stannihydrat ist mehr oder weniger löslich, je nach den Versuchsbedingungen.

9. Ammoniumcarbonat giebt dieselbe Reactioh.

10. Giesst man in eine Lösung von Stannichlorid, welche keinen zu grossen Ueberschuss von SalzsÀure enthÀlt, SchwefelsÀure oder die LösuDg eines Alkali-Sauerstoffsalzes, besonders von Ammoniumnitrat, im Ueberschusse, so wird das Zinn in der WÀrme vollstÀndig als Hydrat gefallt. Diese Reaction könnte sich dadurch erklÀren 2) lassen, dass sich zu- nÀ durch Doppelzersetzung Alkalichlorid und ein Stanni-Sauerstoffsalz bildet und dieses dann durch Wasser zersetzt wird:

SnCl + 4 AmNOg SnCNOg) -f 4 AmCl; + 4 H2O -f 4 HNOg. 11*. Zink, Cadmium und Aluminium fallen das Zinn aus den Stannilösungen; dieser F'Àllung geht eine Reduction des Stannisalzes zu Stannosalz vorher: 2 SnCI -f- 2Cd Sn2Cl4 + 2 CdClj ; SngCl + 2 Cd 2 Sn + 2 CdClj. 12*. Eisen reducirt gelöstes Stannichlorid zu Stannochlorid, fallt aber kein Metall (siege § 1159, Nr. 16). Ebenso wirkt Antimon 3).

Siehe die vorher citirte Abhandlung von Barfoed.

') Auch die Annahme der intermediĂ€ren Bildung von pCoIloidalem" Stannihydrat, welches alsbald durch physikalische Einwirkung der genannten ZusĂ€tze — namentlich in der WĂ€rme — in die gewöhnliche, unlösliche Modification ĂŒbergeht, sei zur ErklĂ€rung erwĂ€hnt.

De Koninck: unveröffentlichte Versuche. Bei der Einwirkung von Eisen auf Stannichlorid nimmt die Lösung eine leichte brĂ€unlichgelbe FĂ€rbung an, welche bis jetzt unerklĂ€rt ist und wegen der Anwesenheit des gebildeten StanDOchlorides nicht von Ferrichlorid herrĂŒhren kann. Vielleicht entsteht diese FĂ€rbung in Folge von Verunreinigungen des Eisens? (De Koninck.)

Bestimmung des Zinns.

13. Durch Schmelzen der Stamiihydrate mit Natronhydrat im Silbertiegel 1) erhĂ€lt man Natriumstannat, welches in verdĂŒnntem Alkohol löslich ist (vergl. § 1159, Nr. 19).

14. Auf trockenem Wege behandelt, verhalten sich die Stanniverbindungen wie die Stannoverbindungen (siege § 1132, Nr. 21 bis 23).

Bestimmung des Zinns.

1134. Unserem gewöhnlichen *Plane gemÀss werden wir nach einander diejenigen Verfahren besprechen, welche direct auf metallisches Zinn (Werkzinn) imd seine Leginmgen, auf die Stannound auf die Stanniverbindungen anwendbar sind.

Wir werden dann die Mittel kennen lernen, durch welche die der einen dieser Kategorien angehörenden Substanzen in Substanzen einer der anderen Arten umgewandelt werden können (Umformungsverfahren).

I. Verfahren, welche direct auf das Metall und seine Legirungen anwendbar sind.

A. Durch WĂ€gung.

11 35. Dnroh SalpetersĂ€ure. Die in Form dĂŒnner BlĂ€ttchen oder feiner FeilspĂ€ne vorliegende Substanz wird in einem bedeckten Gefasse mit ziemlich concentrirter SalpetersĂ€ure (1,3 spec. Gew.) behandelt; es tritt sehr lebhafte Reaction ein. Hat die stĂŒrmische Entwickelung nitroser DĂ€mpfe aufgehört, so erwĂ€rmt man, und ist das Metall vollstĂ€ndig angegriffen, so dampft man zur Trockne. Der RĂŒckstand wird mit Salpeter- sĂ€ure befeuchtet imd mit Wasser aufgenommen; das Metastannihydrat wird mit einer verdĂŒnnten Lösung von Ammoniunmitrat ausgewaschen, dann getrocknet und nach möglichst vollstĂ€niger Abtrennung vom Filter in einem Porzellantiegel bei sehr hoher Temperatur geglĂŒht, nachdem zuerst das Filter in demselben verascht, die Asche sodann mit etwas SalpetersĂ€ure behandelt und letztere wieder abgeraucht worden ist, um das durch das Papier reducirte Metall wieder zu oxydiren.

Der Zusatz von Ammoniumnitrat zu dem Waschwasser bezweckt ein gegen Ende des Auswaschens leicht eintretendes Colloidalwerden des Niederschlages, in Folge dessen er gern durch das Filter geht, zu verhindern. Das Stannihydrat hĂ€lt hartĂ€ckig etwas von den begleitenden Metallen, nĂ€mlich Blei und Kupfer, zurĂŒck. Bei Anwesenheit von Eisen kann dieses Verfahren night angewendet werden (§ 1131, Nr. 3).

B. Durch Titrimetrie.

1136. Bemerkung. Da die Verfahren dieser Kategorie auf der reducirenden Wirkung des Metalles beruhen, sind sie nur dann anwendbar,

Man kann hierzu weder einen Platinnoch einen Porzellantiegel benutzen, weil Platin wie Porzellan durch geschmolzene Alkalibydrate zu sehr angegriffen werden.

Bcstimmuiig des Zinns.

wenn das Zinn von keinen anderen reducirend wirkenden MetaUen oder Verbindungen begleitet ist

1137 I. Dnroh Kaliumpermiinganiit. Die fein vertheilte Substanz wird bei Luftabschluss und unter gelindem ErwÀrmen mit einer massig sauren Lösung von errichlorid behandelt:

Sn+ 2 Fe,Cle SnCl + 2 FejCl. Nach beendigter Lösung verdĂŒnnt man mit kaltem, ausgekochtem Wasser und bestimmt das gemĂ€ss der obigen Formel entstandene Ferrosalz mittels Kaliumpermanganat (siege § 595).

1188. n. Dnroh Ohvomaite. Man ĂŒbergiesst das fein eertheilte Metall mit einem abgemessenen Volumen einer titrirten Lösung von Chromat oder Dichromat (§ 594) und sĂ€uert nach und nach massig mit SalzsĂ€ure an:

3 Sn + 2 KCrjO; + 28 HCl 3 SnCl4 + 4 KCl + 2 CrClg + 14 HO. Nach erfolgter Lösung titrirt man den Ueberschuss des Chromates mit Jod und Natriumhyposulfit (siege § 531) oder nach irgend einem anderen Verfahren.

C. Puroh Colorimetrie.

1139. Surcih Balpetfffrtore. Zur Bestimmung von Spuren von Zinn, welche in manchen Legirungen enthalten sein können, kann man die TrĂŒbungen vergleichen, welche in Folge der Ausscheidung von Metastannihydrat bei der Einwirkung von SalpetersĂ€ure auf die zu untersuchende Legirung einerseits, und auf eine Reihe synthetisch dargestellter Legiiruien von bekanntem Zinngehalte andererseits entstehen). Wie bei allen colorimetrischen Verfahren mĂŒssen die Versuchsbedingungen bei den verschiedenen Legirungen möglichst die gleichen sein. Das Verfahren ist besonders anwendbar auf zinnhaltiges Zink des Handels.

a. Verfahren, direot auf Stannoaalz anwendbar ind. A. Durch WĂ€gung.

1140. I. Duroh SchwefelwasBerstofil Man leitet in die ziemlich verdĂŒnnte und massig saure Stannolösung einen Strom von Schwefelwasserstoff bis zur SĂ€ttigung. Der Niederschlag von StannosulĂŒd wird auf einem Filter gesammelt, ausgewaschen und durch Rösten in Stannioxyd umgewandelt, welches man wĂ€gt.

Auch das StannosulĂŒd hat Neigung, gegen Ende des Auswaschens durch das Filter zu gehen; um das zu verhindern, setzt man dem Waschwasser zuletzt etwas Ammoniumnitrat oder schwach essigsaure Lösung von Ammoniumacetat hindu.

Et. Olivicr: nicht veröffentlichte, im Laboratoriam von Professor DeKoninck ausgefĂŒhrte Versuche.

2. Verfahren, welche direct auf Stannosalze anwendbar sind. 151

Nach dem Trocknen des Sulfides muss man dieses möglichst vollstĂ€ndig vom Filter entfernen; das Filter wird fĂŒr sich verbrannt und die Asche, welche man in einem Porzellantiegel gesammelt hat, wird mit etwas SalpetersĂ€ure behandelt Nachdem der Ueberschuss der Saure verjagt ist, bringt man den Niederschlag selbst in den Tiegel; man hĂ€lt diesen bedeckt und erhitzt ihn langsam und allmĂ€hlich auf Rothgluth; dann nimmt man den Deckel ab und beginnt nun erst mit der eigentlichen Rostung.

Ist das Sulfid vollstĂ€ndig oxydirt, so lĂ€sst man erkalten, bringt ein StĂŒckchen Ammoniumcarbonat in den Tiegel und erhitzt allmĂ€hlich auf sehr hohe Temperatur. Diese Operation hat zum Zwecke, die kleine Menge Sulfat, welche beim Rösten des Sulfides gebUdet worden ist imd noch vorhanden sein kann, zu zersetzen.

1141* U. Durch Cadmitim). In die saure, ziemlich concentrirte Stannolösung stellt man einen Stab aus Cadmium. Das Zinn scheidet sich in Form krystallinischer NĂ€delchen auf dem Cadmium ab; ist die FĂ€llung beendet, so decantirt man die saure FlĂŒssigkeit mög- lichst vollstĂ€ndig, ersetzt sie durch Wasser und trent sodann das Ima vom angelöst gebliebenen Cadmium ab; dann sammelt man ersteres auf einem Filter und wĂ€ es zunĂ€ mit Wasser, zuletzt mit Alkohol aus.

Man kann das Zinn direct als Metall wĂ€gen, wenn man zur Filtration ein bei 100 C. getrocknetes, tarirtes Filter (Go och -Tiegel) angewandt hat, oder es in einem tarirten Porzellantiegel unter einer Decke von Stearin) geschmolzen hat; man kann es aber auch in Oxyd verwandeln, indem man es in einem tarirten Porzellantiegel mit Salpeter- sĂ€ure behandelt, den Ueberschuss der SĂ€ure verjagt und den RĂŒckstand glĂŒht (siege § 1135).

1142. III. Doroh Elektrolyse in salBsaarer Lösung. Man unterwirft die schwach saure Lösung der Einwirkung eines Stromes von 0,5 bis 1 Ampere; der Niederschlag muss bei geschlossenem Strome ausgewaschen werden.

1143. rv. Doroh Elektrolyse in oxalsaurer Lösung). Man setzt zu der möglichst schwach sauren Lösung eine concentrirte Lösung von Ammoniumoxalat, erwÀrmt die Mischung und löst noch 2 bis 4 gr dieses Salzes auf. Die Elektrolyse geschieht ohne ErwÀrmen mit einem Strome, welcher zuerst 2,5 bis 3 , gegen Ende bis 5 cc Knallgas in einer Minute giebt.

Das Auswaschen kann bei offenem Strome geschehen. Es ist nicht zu empfehlen, statt Ammoniumoxalat Kaliumoxalat zu verwenden.

') Nicht veröffentlichte AbÀnderung des Verfahrens von Gay-Lussac. Moissenet: C. r. 51 (lft0), 205.

Classen: op. cit. S. 102; Riban: Tratte anal. eh. quant. par ilectrolyse (1899), S. 135; siege auch J. Bongartz und A. Classen: B. 21 (1888), 2900.

Bestimmung des Zinns.

Classen giebt diesem Verfahren den Vorzug vor dem vorigen.

Nach Heidenreich wird die Bestimmung schneller ausgefĂŒhrt, wenn man der Lösung fĂŒr etwa 0,3 gr Zinn 4 gr Ammoniumoxalat und 9 bis 10 gr OxalsĂ€ure zusetzt und bei 60 bis 65 C. mit einem Strome von 1,0 bis 1,5 Ampere pro Quadratdecimeter ElektrodenflĂ€che elektrolysirt.

R Durch Titrimetrie.

1144. Bemerkung. Mohr) und Lenssen*) haben beobachtet, dass Stannochlorid mit oxydirenden Reagentien, wie Jod, Kaliimipermanganat, ChromsÀure oder Chromaten u. s. w., nicht immer glatt reagirt.

Nach denselben Autoren lÀsst sich daher das Zinn in saurer Lösung durch Chromate, Permangan at oder Jod nicht genau bestimmen.

Die Versuche, auf welchen diese Beobachtung beruht, sind indessen einer Wiederholung werth; wenigstens erachtet De Koninck nach einigen vorlĂ€ufigen Versuchen die oblige Ansicht fĂŒr nicht immer zutreffend. Wir glauben daher, die Verfahren doch angeben zu sollen.

1145. L Durch Jod*). Die directe Bestimmung des Zinns durch Jod ist zuerst von Gaultier de Claubry vorgeschlagen). Er Hess eine alkoholische Jodlösung in die saure Stannochloridlösung fliessen. Jetzt arbeitet man vorzugsweise in alkalischer Lösung).

Man neutralisirt die Stannolösung so genau wie möglich durch Kaliumoder Natrium-Carbonat ; hierauf fĂŒgt man einen Ueberschuss von Seignette- Salz (Natrium- Kalium -Tartrat), dann Kaliumoder Natrimn-Bicarbonat, ebenfalls im Ueberschusse, hindu Nachdem man der Mischung 2 bis 3 cc klare StĂ€rkelösung zugesetzt hat, lĂ€sst man eine titrirte Jodlösung zufliessen, bis eben dauernde BlaufĂ€rbung eintritt'').

1146. II. Durch Chromate-). Man lĂ€sst in die saure Stanno- lösung einen Ueberschuss einer titrirten Kaliumchromatoder -Dichromat- lösung fliessen und bestimmt den Ueberschuss entweder durch eine titrirte FerroflĂŒssigkeit (§ 527) oder jodometrisch (§ 531).

') Mohr-Classcn: Titrirmcthode, 7. Aufl. (1896), 8.290 0'.

Lenssen: /. prakt. Ch. 78 (1859), 200; Ann. U4 (1860), 113.

Nicht veröffentlichte, in Gemeinschaft mit M. Duguet 1891 ausgefĂŒhrte Versuche. (Siehe auch unten Fussnote 8.)

Ueber die Bereitung titrirter Jodlösungen verweisen wir auf die ausfĂŒhrlichen Angaben in dem Abschnitte ĂŒber Jodometrie.

-) C. r. 23 (1846), 101; H. Schwarz: Ueber du Maassanalyse (1850), S. 73.

Lenssen: a. a. O.

") Ueber den Einfluss der Alkalicarbonate in der Jodometrie siege Topf: Z. anal. Ch. 26 (1887), 163, und C. Friedheim: Z. anorg. Ch. 4 (1893), 145.

S. W. Young (/. Am. ch. Soc. 19 (1897), 809) behauptet, dass die Titrirung auch in saurer Lösung genaue Resultate liefert. Vergl. auch R. Job: J. Soc. of ch. Ind. 17 (1898), 325.

Penny: Quart. J. ch. Soc. 4 (1851), 165; Streng: Pogg. Ann. 92 (1854), 57; Crismer: B. 17 (1884 642; A. Fraenkel: Mitth. d. k. k. techn. Ge7cerbe- Mus. N. F. 2 (1892), 223.

3. Verfahren, welche auf StaDniverbinduDgen anwendbar sind. 153

Die Chromatlösung wird, wie wir schon mehrfach bemerkten, nach der directed Methode bereitet

1147* lU. Dnroh Kaliampermanganat Die concentrirte Stanno- lösmig wird mit einem Ueberschusse von Ferrichiorid versetzt und unter Ausschluss der Luft erhitzt; nach beendeter Reaction lĂ€sst man die FlĂŒssigkeit erkalten, verdĂŒnnt sie und titrirt das entstandene Ferrosalz mittels einer Lösung von Permanganat (§ 595).

Das Ferrosalz könnte auch durch eine titrirte Chromatlösung (§ 594) bestinunt werden; in diesem Falle wĂŒrde das Verfahren eine Modification des Verfahrens II sein.

1148. IV. Durch Perri-) oder Capriohlorid). Die Verfahren stellen die Umkehrung der Verfahren zur Bestimmung des Eisens bezw. des Kupfers durch Stannochlorid dar.

3. Verfahren, welche auf Stanniverbindungen anwendbar sind.

A. Duroh WĂ€gung.

1149. Bemerkung. Eine Stannilösung , welche das Metall ab Chlorid enthĂ€lt, darf nicht verdampft werden, weil unter diesen Umstanden Stannichlorid verflĂŒchtigt werden kann (§ 1133, Nr. 1).

1150. I. Dnroh SohwefelwasserstofT. Man verfahrt im Allgemeinen wie bei der Bestimmung der Stannosalze durch dasselbe Reagens.

Nachdem die FlĂŒssigkeit mit Schwefelwasserstofl* gesĂ€ttigt ist, lĂ€sst man an einem warmen Orte stehen, bis der Ueberschuss verschwunden ist.

Der Niederschlag, welcher in Folge seiner Neigung, beim Auswaschen mit reinem Wasser colloidal gelöst zu werden, durch das Filter gehen könnte, wird mit einer schwach essigsauren Lösung von Ammoniumacetat ausgewaschen. Sollte dieses Salz bei einer weiteren Benutzung des Filtrates stören, so wÀ man zuerst mit einer Lösung von Natriumchlorid aus und verdeÀngt dieses durch Ammoniumacetat.

Der Niederschlag wird schliesslich geröstet (siege § 1140).

1151 IL Durch FĂ€lliing in Form von Hydrat). Man fĂ€llt durch Ammoniak oder, besser, man sĂ€ttigt die Lösung möglichst genau mit Ammoniak, indem man davon nur so viel zusetzt, dass ein bleibender Niederschlag gerade noch nicht entsteht, fĂŒgt dann einen Ueberschuss von Ammoniunmitrat hindu und erwĂ€rmt auf einem Wasserbade, bis sich der Niederschlag nicht mehr verĂ€ndert.

Man ĂŒberlĂ€sst nun der Ruhe, ĂŒberzeugt sich von der VollstĂ€ndigkeit der FĂ€llung, indem man eine kleine Probe der klaren FlĂŒssigkeit nach

St. Leger: /. d€ pharm. [3], 24 (1853). 20; Stromeyer: Ann. 117 (1861), Scheurer-Kestner: C. r. 52 (1861), 531. Ch. Mene: C. r. 81 (1850), 82.

E. Mulder: Scheik. Verhandel, en Onderz., III. Deel, 1. Stuck (1860), 37. Löwcnthal:/. Ch. 56 (1852), 366.

Bestimmung des Zinns.

nochmaligem ZusĂ€tze von etwas Ammoniumnitrat erwĂ€nnt, mid wĂ€ den Niederschlag anfangs durch Decantinmg, schliesslich auf dem Filter aus. Durch GlĂŒhen wird der Niederschlag in Oxyd ĂŒbergenĂŒhrt

Bei dem beschriebenen Verfahren kann man das Ammoniumnitrat durch Natriumsulfiat (oder Nitrat?) ersetzen; man zieht aber das erstere Salz vor, wenn seine Gegenwart keine Uebelstande im Gefolge hat

1152. III. Doroh Oadmium. Das Verfahren wird in der gleichen Weise wie bei den Stannosalzen angewandt (§ 1141).

11&8. IV. und V. Durdh lOektrolyBe in saurer Lösung oder in Oxalatlösung. Man verfÀhrt, wie wir bei der Elektrolyse der Stannosalze angegeben haben (§§ 1142 u. 1143).

1154. VI. Ài MektrcBe in ösing Die Lösung kann bis 0,4 gr Zinn enthalten; man neutralisirt sie möglichst genau durch Ammoniak und setzt Ammoniumsulfid, welches aus 10 /oigem Ammoniak (0,96 spec. Gew.) dargestellt ist, hindu.

Die Menge des Sulfides soll 10 bis 15 cc, je nach der Menge ge- lösten Zinns, betragen.

Die Elektrolyse wird eingeleitet mit einem Strome von etwa 0,7 Ampere ; gegen Ende reducirt man die StromstÀrke bis auf 0,3 Ampere. Die Elektrolyse muss ziemlich lange, 5 bis 8 Stunden bei 0,1 gr bis 0,2 gr Zinn, fortgesetzt werden.

Am positive Pole scheidet sich Schwefel aus 2).

Man erkennt das Ende der Operation daran, dass eine Probe der FlĂŒssigkeit mit SalzsĂ€ure einen rein weissen Niederschlag von Schwefel giebt, welcher durch SchĂŒtteln mit PetrolĂ€ther ganz verschwindet

Das gefÀllte Zinn wird bei unterbrochenem Strome schnell ausgewaschen und nach dem Trocknen bei 100 gewogen. Es ist hellgrau und haunt gut Um es aus der Schale zu entfernen, löst man es in SalzsÀure.

Eine zu geringe Menge Ammoniumsulfid veranlasst eine Ausscheidung von Stannisulfid an der Anode.

— FĂŒr die Bestimmung der Stannisalze kennt man kein titrimetrisches Verfahren.

Wir erwĂ€hnen noch die fĂŒr Zinnerze angewandte trockene Probe, welche darauf beruht, das Erz einer reducirenden Schmelzung zu unterwerfen. Als Reductionsmittel wird namentlich schwarzer Fluss oder Kaliumcyanid verwendet

A. Classeu: op. cit. S. 103; von Miller und Kiliani: op. cit S. 220; J. Riban: op. cit. S. 136.

Es wÀre zu versuchen, ob nicht der von Ad. Lecrcnier bei der Bestimmung des Antimons empfohlene Zusatz von Alkalisulfit auch bei der Bestimmung des Zinns befriedigende Resultate giebt.

Siehe die bekannten HandbĂŒcher von Kerl, Balling u. A. ; femer H. 0. Hoffmann: B. u. II. Z. 48 (1890), 342, 350 u. 357; E. H. Miller: /. anal, and appl. Ch. 6 (1892), 441.

'Uinfonniingsv6r6UHreD. 15&

ThaolfoiniiiiigM'eifahreii.

Metall

11&5* Wenn man Zinn bei Abschluss der Luft mit SalssĂ€ure behandelt, erhĂ€lt man Stannochlorid; BerĂŒhrung mit Platin trait viel zur Beschleunigung des Auflösens bei.

Um das Metall zu Stannichlorid zu lösen, behandelt man es mit Königswasser, welches einen Ueberschuss von SalaÀure enthalt, oder mit SalzsÀure und Kaliumchlorat.

11&6. Man formt die Stanno Verbindungen leicht in Stanniverbindungen um, indem man sie mit Chlor, Brom oder Kaliumchlorat in Gegenwart von SalzsÀure behandelt. Mit einem Alkalipolysulfide behandelt, geben die Stanno Verbindungen eine Lösung von Sulfostannat.

Man erhÀlt das in einer Stannolösung enthaltene Zinn, indem man es durch Cadmium oder Zink fÀllt (§ 1141). Cadmium ist, wie in allen analogen FÀllen, vorzuziehen.

Stanniverbindungen.

1157* Es ist nur ein praktisches Mittel zur directed Reduction der Stanniverbindungen zu Stannosalzen bekannt; es besteht darin, dass man sie in salzsaurer Lösung in der WÀrme mit metallischem Eisen behandelt). Diese directe Umformung wird selten angewandt. Im allgemeinen ist es besser, das Metall durch Cadmium (§ 1152), Zink oder Aluminium 2) zu fallen und dieses in SalzsÀure zu lösen.

Eigenschaften des Antimons.

1158 1*- Das Antimon ist ein weisses, krystallinisches, sprödes und daher zerreibliches Metall mit dem spec. Gew. 6,7; ist es durch FĂ€llung erhalten, so ist es schwarz. Es ist bei 425Âź C. schmelzbar*); zu lebhafter Rothgluth erhitzt, verflĂŒchtigt es sich; lĂ€sst man hierbei Luft

') Gaultier de Claubry: C. r. 28 (1846), 101.

A. Fraenkel und J. Fasal: Mitth. d. k. k. techn. Gew.- Mus. N. F. a (1898), 227.

2) Nach Fittica {Ch.-Z. 24 (1900), 5GI und 991) sollen Antimon und auch Arsen keine Elemente, sondern Verbindungen von Phosphor mit Stickstoff und Sauerstoff sein! (Vergl. beim Arsen § 1181.) Antimon wÀre P,N,0.j.

Nach Van Anbei: /. de phys., April 1898, schmilzt es bei 440° C; nach Erdmann: Lehrbuch der anorgunischen Chemie y 2. Aufl. (1900), S. 368, schmilzt reines Antimon erst bei 630°.

Antimon. Eigenschaften des Antimons.

zutreten, so verbrennt der Dampf mit blÀulicher Flamme und es bilden sich weisse Wolken von Antimoniooxyd. In einer Wasserstoff- AtmosphÀre kann es destillirt werden. Die physikalischen Eigenschaften Àhneln denen des Wismuths. Es bildet wichtige Legirungen mit Blei (Letternmetall) und mit Zinn (Britanniametall).

2. In SalzsĂ€ure ist das Antimon vollstĂ€ndig unlöslich; löst es sich, so geschieht es unter dem EinflĂŒsse der Luft oder des in dem Reagens gelösten Sauerstoffes).

Von kalter und verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure wird es nicht angegriffen; heisse und concentrirte SĂ€ure löst es vollstĂ€ndig auf.

3*. SalpetersĂ€ure fĂŒhrt das metallische Antimon in eine oxydirte Verbindung ĂŒber, welche in der SĂ€ure unlöslich ist. Je nach den UmstĂ€nden des Versuches ist das Product Antimoniooxyd, SbO, oder eine dem Anhydride SbjOg entsprechende AntimonsĂ€ure, oder das Oxyd SbjO -), oder ein Gemisch dieser Verbindungen, welche sĂ€mmtlich in WeinsĂ€ure löslich sind. Ein Gemisch von SalpetersĂ€ure und einer Lösung von WeinsĂ€ure löst daher das Antimon; es ist das beste Lösungsmittel fĂŒr dieses Metall 3).

4. In Königswasser ist das Antimon löslich unter Bildung von Antimoniochlorid, SbCla, oder Antimoniichlorid, SbClg, je nach der Einwirkungsdauer.

5. Das Antimon ist unlöslich in den alkalischen Lösungen der Alkalihypochlorite (vergl. § 1181, Nr. 4).

6. Das Antimon bildet zwei Reihen von Verbindungen, welche den Oxyden Sb406 und SbjOj entsprechen: die Antimoniound die Antimonii -Verbindungen; ausser diesen Oxyden existirt das oben genannte Oxyd SbjO (Antimonio -Antimoniat?).

Eigenschaften der Antimon iosalze.

11 59. Das Antimoniooxyd SbjO,; ist in der KĂ€lte weiss, in der WĂ€rme gelblich, leicht schmelzbar und bei hoher Temperatur flĂŒchtig.

2. Die Antimoniosalze sind farblos; das Chlorid, SbClg (Antimonbutter), ist das einzige neutral und lösliche anorganische Antimoniosalz, welches bei der Analyse in Betracht kommt. Ein anderes wichtiges Salz ist der Brechweinstein, Kalium- An timonyl-Tartrat, -f- Ys HjO.

3*. Mit Wasser behandelt, giebt das Antimoniochlorid, je nach Menge und Temperatur des ersteren, weisse, in Alkalihydraten, in Salz-

') A. Ditte und R. Metzner: C. r. 115 (1892), 936. Die Annahme, nur das krystallinische Metall sei in der KÀlte unlöslich, ist hiemach zu berichtigeD.

Indem wir die Schreibweise beibehalten, folgen wir allgemeinem Grcbraach. Da das Molekulargewicht dieses Oxydes noch nicht bestimmt ist, wÀre die einfache Formel SbO richtiger. Vergl. auch Erdmann: op. cit. S. 370.

Eigenschaften der Antimoniosalze.

sĂ€ure oder WeinsĂ€ure lösliche FĂ€llungen von Antimonylchlorid , SbOCU Algarothpulver, Sb405Cl2, oder Antimoniooxyd, Sb406: SbClg + H2O SbOCl + 2 HCl; 4 SbClg + 5 H2O SbOsCl, + 10 HCl; 4 SbClg + 6 HgO SbOß + 12 HCl. Die Anwesenheit der genannten SĂ€uren in geeigneter Menge verhindert daher die Reaction.

Das Antimoniochlorid ist sehr flĂŒchtig; es entweicht schon beim Kochen seiner Lösung, zugleich mit den WasserdĂ€mpfen.

4*. Schwefelwasserstoff föllt aus nicht zu stark sauren Antimonio- lösungen einen flockigen, orangerothen Niederschlag von amorphem Antimoniosulfid: 3 SbCl, + 3 H,S Sb,S, + 6 HCl.

Geschieht die FĂ€llung in der WĂ€rme, so kann man, bei dauerndem Kochen, ein Ă€rzliches und krystallinisches, körniges i) Sulfid erhalten. Bei Abschluss der Luft, z. B. in einer KohlensĂ€ure -AtmosphĂ€re, erhitzt, geht das rothe Sulfid in die Ă€rzliche, krystallinische Modification ĂŒber.

Antimoniosulfid ist in Alkalisulfiden, leichter in Polysulfiden löslich unter Bildung von durch SÀuren zersetzbarem Sulfo-Antimonit bez. -Antimoniat (vergl. § 1132, Nr. 3):

SbgSg + 3 K,S 2 KgSbSg ; 2 KgSbSg + 6HCi SbjSg + 6KCI -f- 3H2S; SbgSg -f 3 KgS + 2 S 2 KgSbS ;

2 KgSbS + 6 HCl SbsSs + 6 KCl + 3 HgS. Es ist wenig löslich in Ammoniak, Ammoniumcarbonat oder Kaliumbisulfit, löslich in Alkalihydraten und hieraus durch SÀuren wieder fallbar: 2 SbaSg + 4 KOH 3 KSbSg + KSbOa + 2 H2O; 3 KSbSjj + KSbO. -f 4 HCl 2 SbaSg + 4 KCl + 2 Hfi. Beim Kochen mit Wasser oder Ammoniumchlorid zersetzt es sich: 2 SbgSg + 6 HgO SbOg + 6 HS ; SbaSg + 6 NH4CI 2 SbClg + 3 (NHJgS. Concentrirte SalzsÀure löst es leicht und vollstÀndig unter Bildung von Antimoniochlorid (vergl. § 1160, Nr. 3):

SbjSg -f 6 HCl 2 SbClg + 3 HgS. Ein grosser Ueberschuss dieser SĂ€ure hinder daher die FĂ€llung durch Schwefelwasserstoff.

WeinsÀure verhindert die FÀllung nicht nur nicht, sondern befördert sie vielmehr in so fern, als der Niederschlag reiner, d. i. frei von basischen Verbindungen ausfÀllt; auch OxalsÀure hinder sie nicht (vergl. § 1133, Nr. 4). .

') S. P. Sharplcs: Am./. 0/ Sc. [2] 50 (1870), 248; Schoefeler: B. 4r (1871), 279.

Eigenschaften' der Antimoniosalze.

5t Die Alkalisulfide wiriaen me Schwefdwasserstoff; ein Ueberschuss des Reagens löst den erzeugten Niederschlag.

6. Das Antimoniochlorid giebt mit Ammoniak einen im Ueber- SchĂŒsse des Reagens unlöslichen weissen Niederschlag von Hydrat

7. Kali-und Natronhydrat fallen einen weissen, in einem grossen Ueberschusse von Alkali unter Bildung verschiedener Antimonite) löslichen Niederschlag.

8. Die Carbonate der fixten Alkalien geben einen, im Ueberschusse des Reagens je nach den Versuchsbedingungen mehr oder weniger löslichen, weĂŒsen Niederschlag; die Reaction ist von einer Entwickelung von KohlensĂ€ure begleitet

9. Ammoniumcarbonat giebt einen weissen, im Ueberschusse des Reagens unlöslichen Niederschlag.

10. Mischt man eine schwach' saure Antimoniolösung mit einem Ueberschusse von Natriumhyposulfit, so erhĂ€lt man, besonders beim Er- wĂ€rmen, einen gelben, dann lebhaft roth werdenden Niederschlag {Antimonroth), welcher fĂŒr ein der Formel SbjOS, entsprechendes Oxysulfid gehalten worden ist, in Wirklichkeit aber einfaches Sulfid sein soll:

2 SbClg + 2 NbjSjOj + 3 HO SbjOS, + 2 NaHSO -f 2 NaCl + 4HCI, oder

2 SbClj + 3 NaSjOg + 3 HO SbSg + 3 NaHSO + 3NaCl + 3 HCL

Die Reaction ist nicht ganz leicht zu erhalten; ein Zusatz von schwefliger SÀure befördert sie.

Man verfÀhrt am besten in folgender Weise: die Antimoniolösung wird mit einem Alkali versetzt, bis ein Niederschlag entsteht; diesen bringt man durch einen Zusatz von schwefliger SÀure und von Hyposulfit im Ueberschusse zum Verschwinden; dann erwÀrmt man, worauf der Niederschlag nach und nach entsteht

— Die Antimonioverbindungen sind Reductionsmittel, aber wenig energisch wirkende, wie einige hier folgende Reactionen zeigen.

11. Die sauren Antimoniolösungen entfÀrben Kaliumpermanganat

12. Das Antimoniochlorid giebt beim ErwÀrmen mit einer Lösung von Goldchlorid BlÀttchen von Gold:

2 AuClg -f SSbClg 2 Au -f 3 SbClj. 13*. Giesst man eine ammoniakalische Lösung von Silbernitrat

Nach Baubigny (C r. U9 (1894), 687) soll der Niederschlag das Sulfid SbyS, sein. Aus der Chloridlösung, in Abwesenheit von WeinsĂ€ure, gefĂ€llt, hĂ€lt es Oxychlorid zurĂŒck, von welchem es nur schwer befreit werden kann und dessen Gegenwart der Ghrund sein soll, dass bei der Analyse des Productes zu wenig Schwefel gefunden wird. — Auch J. H. Long (/. Am. eh. Soc. 18 (1896), 342) spricht sich fĂŒr SbjS, aus, wie schon lange vorher Akermann (nach einer Mittheilung von L. Svanberg im/, pr. CA. 86 (1862), 57). A. Carnot sagt jedoch, dass er die Formel SbOS, bestĂ€tigt gefunden hat {C. r. 108 (1886), 258). Die Frage bleibt offen, lach Baubigny rĂŒhrt diese Reaction von Himly (1842) her.

Eigeotchaften der Antimoniosalz.

in eine alkalische Antimoniolösimg, so* bildet sich ein schwarzer Niederschlag

von reducirtem Silber, welchen man frĂŒher sĂŒs Argentooxyd ansah:

SbO ONa + 2 AgNOg 2 NHj + 4 NaOH 2 Ag + + 2 NHg

14. Eine alkalische Antimoniolösung, welche man z. B. durch Zusatz von Seignettesalz und Natriumbicarbonat zu einer Lösung des Chlorides erhÀlt, entfÀrbt JodstÀrke; es entsteht Alkaliantimoniat (vergl. § 1160, Nr. 9).

15*. Zink und besser, Cadmium fĂ€llen das Antimon aus seinen sauren Lösungen in Form eines schwarzen Pulvers; geschieht die Reduction bei BerĂŒhrung des fallenden Metalles mit einem Plsingegenstande, so bedeckt sich dieser mit einem ziemlich gut haftenden schwarzen Ueberzuge) (vergL § 1132, Nr. 18).

Zinn wirkt wie Cadmium.

16*. Eisen fallt das Antimon in sszsaurer Lösimg langiam beim ErwÀrmen (vergl. § 1133, Nr. 12).

17. Aluminium fÀllt Antimon in alkalischer Lösung.

18*. Lösliche Antimonioverbindungen sowie Lösungen derselben, in einen mit Zink und verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure beschickten Wasserstoffentwickelimgsapparat gebracht, geben relativ viel Antimonwasserstoff, SbHg, welcher mit dem Wasserstoffe zugleich entwickelt wird imd in dem Gasgemische sich durch verschiedene Mittel nachweisen lĂ€sst. (Das Marsh'sche Verfahren. § 1184.) Bei Zugabe der festen Verbindungen SbOg, SbjOg oder SbjO werden nur ganz geringe Mengen von Antimon in Antimonwasserstofif verwandelt*). Wird statt Zink Eisen verwendet, so entsteht ĂŒberhaupt kein Antimonwasserstofif, sondern nur WasserstoffÂź).

Durch Behandeln der Antimoniolösung mit Zink) oder Aluminium und Natronhydrat entsteht ebenfaUs kein Antimonwasserstofif.

19*. Die Sauerstoffund die Schwefel -Antimonverbindungen geben durch Schmelzen mit Natronhydrat und Natriumnitrat oder Natriumsuperoxyd in einem silbernen Tiegel Natriumpyroantimoniat, NajHgSbgOy, welches in kaltem Wasser sowie in verdĂŒnntem Alkohol unlösĂŒch ist (vergl. § 406, Nr. 6 [Bd. I, S. 340]).

20. Mit den Borax-und den Phosphorsalzperlen geben die Antimonioverbindungen keine bemerkenswerthe Reaction. Die Perlen sind im Oxydationsfeuer gelblich: im Reductionsfeuer werden sie, besonders auf Zusatz von Zinn, grau, in Folge der Reduction zu Metall.

21. Auf Kohle geben sie nĂŒtSoda im Reductionsfeuer ein weisses, sprödes Korn; es entwickeln sich dabei weisse DĂ€mpfe, welche zu einem weissen BeschlĂ€ge von SbOg verdichtet werden.

') Diese Reaction last das Aotimon noch in einer Lösung erkennen, welche in 20000 bis 30000 Th. 1 Th. des Metalles enthÀlt. Gegenwart von Zinn oder von Arsen hinder die Reaction nicht (R. Fresenius: Z. anal. Ck. 1 (1862), 444).

Eigenschaften der Antimoniisalze.

22. Im Oxydationsfeuer mit Cobaltonitrat erhitzt, geben die Oxyde des Antimons ein blĂ€u lieh -grĂŒnes, matt aussehendes Product.

23*. Nach dem Bunsen'schen Verfahren erhÀlt man sehr charakteristische BeschlÀge von Metall, Oxyd, Jodid xmd Sulfid.

WĂ€hrend der Reduction ist die Spitze der Flamme grĂŒnlich gefĂ€rbt; ein Geruch macht sich nicht bemerkbar (vergl. beim Arsen § 1182, Nr. 24).

Der M et allbeschlag ist schwarz, bisweilen matt, bisweilen glÀnzend.

Der Oxydbeschlag ist weiss; mit neutralem Silbemitrat befeuchtet und dann mit Ammoniak angehaucht, giebt er einen schwarzen Fleck (siege Nr. 13).

Bei Einwirkung von Jodwasserstoff giebt er orangerothes, dem Sulfide gleichendes Jodid; feuchtes Anhauchen bringt ihn zum Verschwinden; er erscheint aber beim Trocknen wieder. Ammoniak bringt ihn ebenfalls zmn Verschwinden, und zwar dauernd.

Der Sulfidbeschlag ist orange; er verschwindet, aber schwierig, bei lĂ€ngerem Behandeln mit Ammoniumsulfid; unter dem EinflĂŒsse der Luft erscheint er wieder (siege die Tabelle Bd. I, S. 184).

24. Antimonioverbindungen — namentlich Antimoniochlorid — fĂ€rben die nichtleuchtende Bunsenflamme blĂ€ulich.

Eigenschaften der Antimoniisalze.

1160. 1. Die Antimoniisalze sind farblos; die wichtigste Antimoniiverbindung ist das Chlorid, SbCl5. Beim Erhitzen zerfallt das AntimonĂŒchlorid theilweise in Antimoniochlorid und Chlor.

2. Mit Wasser behandelt, giebt das Chlorid verschiedene Oxychloride oder auch AntimonsÀuren je nach der Temperatur und Menge des angewandten Wassers:

SbClg + HgO (Temp. 0) SbOClg + 2 HCl, SbCl5 + 2 HgO SbOCl + 4 HCl, SbClg + 4 HgO HgSbO + 5 HCl, 2 SbCl, + 9 H.O HSboO 2 Kß + 10 HCl. 3*. Durch Einwirkung von Schwefelwasserstoff auf eine Antimoniilösung erhĂ€lt man einen flockigen, orangegelben Niederschlag, welcher fast genau so aussieht, wie das Antimoniosulfid ; er ist aber das Antimoniisulfid, SbgS, welches besonders rein aus einer winsĂ€urehaltigen Lösung von SbCl5 ausfĂ€llt:

2 SbCls + 5 HS SbgS + 10 HCl. . EnthÀlt die Lösung freie SalzsÀure, so sind dem Antimoniisulfide Antimoniosulfid und Schwefel beigemischt; diese Erscheinung erklÀrt sich durch die Einwirkung der SalzsÀure auf das Antimoniisulfid (siege unten)

Otto Bosek hat das Sulfid Sb,.S erhalten (/. o/ the ch, Soc, 67 (1895), S. 515). Siehe auch B. Brauner: daselbst S. 527.

f

BestimmuDg des Antimons.

Das Antimoniisulfid ist in den Alkalisulfiden unter Bildung von Sulfoantimoniaten leicht löslich:

SbgS;, + 3 AmgS 2 AmgSbS. Es ist ferner leicht löslich in den Alkalihydraten:

4 SbgS- + 18 KOH 3 KSbOg + 5 K3SbS4 + 9 H2O, löslich auch in gewissen Mengen von Ammoniak, besonders beim Er- wÀrmen, femer in Natriumoder Kaliumcarbonatlösungen, aber sehr wenig löslich in kaltem Ammoniumsesquicarbonat. Das reine Antimoniisulfid ist in WeinsÀure unlöslich (vergl. § 1159 Nr. 4).

Concentrirte SalzsÀure löst es; es entstehen Antimoniochlorid, Schwefelwasserstoff und angelöst bleibender Schwefel (vergl. § 1159, Nr. 4): Sb.Sj + 6 HCl 2 SbClg + 3 HS + 2 S. Die Sulfoantimoniate 1) werden durch SÀuren, selbst durch Kohlen- sÀure, zersetzt unter Abscheidung von Antimoniisulfid (Goldschwefel).

4. Alkali Sulfide bewirken wie Schwefelwasserstoff einen Niederschlag von Antimoniisulfid.

5. Ammoniak giebt einen weissen Niederschlag von Antimon- sÀure, in einem sehr grossen Ueberschusse des Reagens löslich.

6. Kalihydrat giebt denselben weissen Niederschlag, in einem Ueberschusse ziemlich schwer löslich. Auch Natronhydrat giebt denselben Niederschlag, welcher im Ueberschusse dieses Reagens noch schwerer löslich ist als in Kalihydrat.

7. Die gleichen NiederschlÀge werden von den Carbonaten der fixed Alkalien gebildet; es entweicht KohlensÀure.

8. Ebenso verhÀlt sich Ammoniumcarbonat.

— Die Antimoniisalze in saurer Lösung sind schwache Oxydationsmittel. Die einzige Reaction, welche diese Eigenschaft deutlich zur Erscheinung bringt, ist die folgende.

9*. Das Antimoniichlorid wird durch Behandeln mit Kaliumjodid reducirt unter Ausscheidung von Jod (vergl. § 1159, Nr. 14): SbClj + 2 KJ SbClg + 2 KCl + Jg.

10. Gegen Zink, Cadmium, Zinn, Eisen und Aluminium, sowie im Marsh' sehen Apparate verhalten sich die Antimoniiverbindungen wie die Antimonioverbindungen (siege § 1159, Nr. 15 bis 18).

11. Auf trockenem Wege behandelt, verhalten sich die Antimoniiverbindungen wie alle Antimonverbindungen (siege § 1159, Nr. 19 bis 24).

Bestimmung des Antimons.

FĂŒr eine Antimon-Bestimmung muss das Antimon als Antimoniooder als Antimonii- Verbindung gelöst sein. Die Unterscheidung dieser beiden Gruppen von Verbindungen ist fĂŒr das Antimon weniger wichtig, als fĂŒr

Das wichtigste Sulfoantimoniat ist das Schlippe'sche Salz, Natriumsulfoantimoniat, NagSbS, 9H.O.

De Koninck - Meineke, Mineralanalyse. II. 11

BestimmuDg des Antimons.

andere Metalle; die Bestimmungsverfahren durch WĂ€gung sind fast unterschiedslos auf die Antimoniowie auf die Antimonii -Verbindungen anwendbar. Wir fĂŒhren daher fĂŒr diese Verfahren nicht die Theilung ein, welche wir z. B. fĂŒr Eisen und fĂŒr Zinn angewandt haben.

A. Durch WĂ€gung.

1161. I. Durch Sohwefelwasserstoffl Die schwach salzsaure Lösung wird in einen Erlenmeyer- Kolben gebracht; dann setzt man WeinsĂ€ure hindu, ohne welche das Sulfid etwas Chlorid mitreissen (vergl. § 1160, Nr. 3) und daher ein Fehler entstehen wĂŒrde.

Auf den Kolben setzt man einen doppelt durchbohrten Stopfen, durch welchen das Einleitungsrohr in die FlĂŒssigkeit taught und ein anderes, kurz unter dem Stopfen abgeschnittenes, gebogenes Ableitungsrohr mit einem kleinen, Wasser enthaltenden Waschapparat (Volhard* sehe Vorlage) in Verbindung steht.

gA Ist der Apparat zusammengestellt, so leitet man Schwefel-

[ i Wasserstoff ein; wenn die FlĂŒssigkeit gesĂ€ttigt ist, erhitzt man sie t zum Kochen imd erhĂ€lt sie darin, ohne die GaszufĂŒhrung zu unterbrechen, bis sich der Niederschlag, welcher allmĂ€hlich kömig wird, in seinem Aussehen nicht mehr verĂ€ndert imd gut absetzt.

Man lĂ€sst jetzt etwas abkĂŒhlen und treibt den Ueberschuss von Schwefelwasserstoff durch Einleiten von KohlensĂ€ure oder Luft aus. Die FlĂŒssigkeit der Vorlage, in welcher Spuren von etwa verflĂŒchtigtem Antimoniochlorid aufgefangen sind, wird mit dem Inhalte des Kolbens vereinigt.

Das gefÀllte Sulfid kann in verschiedener Weise zur Bestinunung des Antimons benutzt werden. Die gebrÀuchlichsten) sind:

11 62. 1. Durch WĂ€gutig als Antimonio sulfid. Der Niederschlag wird in einem mit Asbest oder Glaswolle beschickten und tarirten Filterrohre (Fig. 185) 2) gesammelt; nachdem er mit Wasser, dann mit Alkohol und etwa auch Aether ausgewaschen ist, verbindet man den oberen TheĂŒ des Rohres mit einem Apparate, welcher reine und trockene KohlensĂ€ure liefert; man leitet das Gas einige Zeit kalt durch das Rohr, bis die Luft verdeĂ€ngt ist, und erwĂ€rmt allmĂ€hlich und massig den Theil des Rohres, welcher den Niederschlag enthĂ€lt, bis dieser schwarz geworden ist und keinen Schwefel mehr abgiebt, wenn er diesen als Beimengung enthielt, was bei Antimoniiverbindungen stets der Fall ist (vergl. § 1160, Nr. 3).

Fig. 185.

Beilstein nnd v. Blaise {Bull, de VAcad, de St.-PHersbg, N. S. 1 (1889;, 209) schlagen noch eine Behandlungsform vor, nÀmlich Oxydation des Sulfides mit Natronhydrat und Wasserstoffsuperoxyd, zwecks als NaSbO.,.

An Stelle des Filtrirrohres lĂ€sst sich auch ein Gooch -Tiegel (vergl. Bd. I, S.45) gut verwenden. Zur weiteren Behandlung des Sulfides wird der Tiegel am einfachsten mit einem durchlochten Deckel bedeckt, durch welchen genau wie bei einem Rose -Tiegel das Gas — hier KohlensĂ€ure — mittels des bekannten Einleitungsrohres eingefĂŒhrt werden kann, wĂ€hrend der Tiegel erhitzt wird. (A. Westphal.)

A. Durch WĂ€gung.

Man lÀsst dann im KohlensÀurestrome erkalten, nimmt das Filtrirrohr ab, vertreibt die in ihm enthaltene KohlensÀure durch Luft und wÀgt.

1163* 2. Durch WĂ€ als OxyĂ€), Das auf einem gewöhnlichen Filter gesammelte Sulfid wird nach dem Trocknen möglichst vollstĂ€ndig vom Filter abgenommen; man verascht die Theile des Filters, an welchen Partikel des Niederschlages haften geblieben sind) und vereinigt Asche und Niederschlag in einem ziemlich grossen tarirten Porzellantiegel. Denselben bedeckt man dann mit einem Uhrglase und lĂ€sst, indem man dieses lĂŒftet, auf das Sulfid direct — oder bei Anwendung eines durchlochten Uhrglases auf letzteres — erst ganz wenig concentrirte SalpetersĂ€ure (1,4 sp. G.). spĂ€ter rauchende SalpetersĂ€ure tropfen — was man sehr leicht und bequem mittels einer Glasröhre mit enger AusfiussöfEhung bewerkstelligen kann, nachdem man die Röhre in die SĂ€ure eingetaucht und sodann, mit dem Zeigefinger verschlossen, wieder herausgezogen hat (Es empfiehlt sich sehr, nach Jannasch 3), den Tiegel mit dem Sulfid neben einem die rauchende SĂ€ure enthaltenden SchĂ€chen unter einem Becherglas stehen zu lassen, bis der Tiegelinhalt weiss ist.) Nun erwĂ€rmt man auf einem Wasserbade, bis der Schwefel vollstĂ€ndig oxydirt ist, dampft zur Trockne und erhitzt mit einem gewöhnlichen Brenner auf Rothgluth. Man erhĂ€lt so das Oxyd Sb204, welches man wĂ€gt.

Ein GlĂŒhen bei zu hoher Temperatur kann zu Verlusten fĂŒhren, indem eine theilweise Reduction des Productes zu flĂŒchtigem Sb40g stattfindet. Diese Reduction tritt besonders leicht ein, wenn man das Product einer BerĂŒhrung mit den Flammengasen aussetzt; vermeidet man eine solche, z. B. in der Art, dass man das GlĂŒhen in einem Rose'schen Tiegel unter Zuleitung von Luft ausfĂŒhrt, so fallen die Resultate genau aus*).

Da der freie Schwefel durch SalpetersÀure nur schwer oxydirt wird, so thut man gut, wenn dem Sulfidniederschlage erhebliche Mengen freien Schwefels beigemischt sind, diesen durch successive Waschungen mit Alkohol, Schwefelkohlenstoff und wieder Alkohol zu entfernen.

Die UeberfĂŒhrung des Antimonsulfides in Oxyd kann auch auf trockenem Wege geschehen. Man befreit den Niederschlag, um einer möglichen Explosion vorzubeugen, von ĂŒberschĂŒssigem Schwefel, wie eben angegeben ist, mischt ihn in einem tarirten Porzellantiegel mit der etwa 40 fachen Menge seines Gewichtes an reinem, am besten gelbem Mercurioxyd, und erwĂ€rmt langsam, gemĂ€ss dem Fortschreiten der Reaction, welches sich durch das Entweichen der QuecksilberdĂ€mpfe, gegen welche man sich sorgfĂ€ltig schĂŒtzen muss, zeigt. Ist alles Mercurioxyd verschwunden, so erhitzt man auf Rothgluth, lĂ€sst erkalten und wĂ€gt.

Man kann auch diese Partikel in Ammoniumsulfid lösen, die Lösung im Tiegel auffangen, das Ammoniumsulfid durch Abdampfen vertreiben und mit dem RĂŒckstande den Hauptniederschlag vereinigen (Muck: Z. anal. Ch. 26 (1887), 600).

Jannasch: Praktischer Leitfaden der Gewichtsanalyse S. 146.

Bestimmung des Antimons.

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Es ist durchaus erforderlich, sich davon zu ĂŒberzeugen, ob das angewandte Mercurioxyd ohne RĂŒckstand flĂŒchtig ist. Ist das nicht der Fall, so muss man den RĂŒckstand bestimmen, welchen eine gewogene Menge des Oxydes hinterlĂ€sst, fĂŒr die Antimonoxyd -Bestimmung eine ebenfalls gewogene Menge Mercurioxyd anwenden und das Gewicht des hieraus erhaltenen RĂŒckstandes berĂŒcksichtigen.

1164. 3. Ifii/irect Wir haben oben (§ 1159, Nr. 4, u. § IIGO. Nr. 3) gesehen, dass Antimoniosulfid, ebenso wie Antimoniisulfid, mit Salz- sĂ€ure behandelt, immer 3 MolekĂŒle Schwefelwasserstoff auf 2 Atome Antimon liefert.

Um diese Thatsache zur Bestimmung des Antimons zu verwerthen, bringt man den noch feuchten Niederschlag mit dem Filter in einen Kolben, digerirt ihn mit SalzsÀure und bestimmt den frei werdenden Schwefelwasserstoff i) (siege die Bestimmung des Schwefels in Sulfiden).

— Von diesen drei Bestimmungsverfahren verdient das erste den Vorzug.

1165. IL Durch Cadmium, Zinn oder Eisen Das Antimon kann aus seinen sauren Chloridlösungen durch Cadmium oder durch Zinn unter denselben Bedingungen wie das Zinn durch Cadmium (siege §1141) genau gefĂ€llt werden. Es kann ferner, ebenso wie das Zinn, als Metall auf einem tarirten Filter gewogen oder, nachdem es mit SalpetersĂ€ure behandelt ist, durch GlĂŒhen in das Oxyd SbgO umgewandelt werden.

Die FĂ€llung kann auch durch Eisen 3) geschehen; es hĂ€lt aber schwer, ein fĂŒr diesen Zweck genĂŒgend reines Eisen zu erhalten, und die FĂ€llung vollzieht sich weniger leicht als durch die anderen Metalle (siege Scheidung von Zinn und Antimon, § 1262).

1166. III. Durch Elektrolyse in Sulfldlösung Die das Antimon enthaltende Lösung wird so genau wie möglich neutralisirt und dann mit einem Ueberschusse von Natriumsulfid versetzt; zu dieser Lösung, welche durch die Gegenwart von Polysulfiden mehr oder weniger gelb gelarbt ist, setzt man 50 bis 75 cc einer 20% igen Natrium sulfit-Lösung (NaSO, 7H2O); nun erwĂ€rmt man. Das Sulfit bildet mit dem ĂŒberschĂŒssigen Schwefel Hyposulfit und die FlĂŒssigkeit wird entfĂ€rbt.

Nach dem Erkalten elektrolysirt man mit einem Strome von 0,2 Ampere. Das abgeschiedene Antimon haftet gut, wenn sein Gewicht nicht grösser als 0,2 gr ist; es kann bei unterbrochenem Strome ausgewaschen werden.

') Schneider: Pog. Ann. 110 (1860), 634.

Dieses von Gay-Lussac stammende Verfahren ist von A. W. Glasen nÀher untersucht: /.prallt. C/i.92 (1864), 477. Siehe auch Carnot: C. r. 114 (1892), 587, und Mangin: ibid. 119 (1894), 224.

Tookey: /. prakt. Ch. 88 (1863), 435; A.W. Glasen: 1. cit.; Attfield: Z. anal. Ch. 9 (1870), 107.

A. Glassen: op. cit. S. 98, dasselbe 4. Aufl. (1897), S. 190fr.; Ad. Lecrenier: Ck.-Z. 13 (1889), 1218; H. Ost: Z. angew. Ch. 1897, 325; J. Riban: op. cit. S. 131; H. Ost und W. Klapproth: Z. angew. Ch. 1900, 827.

B. Durch Titrimctrie.

Ammoniumsulfid eignet sich fĂŒr die elektrolytische Bestimmung des Antimons weniger gut, als die Sulfide der fixed Alkalien.

1167* IV. Indirect durch Goldohlorid i). Ist das Antimon nur als Antimoniochlorid in der Lösung vorhanden, so kann man es bestimmen, indem man der Lösung Aurichlorid oder besser Aurinatriumchlorid zusetzt, ziemlich lange bei massiger WÀrme digeriren lÀsst und das ge- fÀllte Gold wÀgt. Zum Auswaschen muss man anfangs Wasser, welches stark mit SalzsÀure angesÀuert ist, anwenden.

B. Durch Titrimetrie.

1. Verfahren, welche auf Antimoniiverbindungen

anwendbar sind.

1168. I. Durch Kaliumjodid 2). Man bringt die Antimoniiverbindung mit einem Ueberschusse von reinem Kaliumjodid (vergl. § 1160, Nr. 9) und SalzsÀure oder mit JodwasserstoffsÀure in einen kleinen Destillirapparat, welcher mit einer Kaliumjodid enthaltenden Vorlage verbunden ist

Nachdem man sich vom guten ĂŒsse der Verbindungsstellen ĂŒberzeugt hat, erwĂ€rmt man allmĂ€hlich zum Sieden und unterhĂ€lt diese Temperatur, bis alles frei gewordene Jod ĂŒberdestillirt ist. Man nimmt nun den Apparat aus einander, spĂŒlt den KĂŒhler ab und bestimmt, nachdem man das Waschwasser mit dem Inhalte der Vorlage vereinigt hat. das Jod mit Natriumhyposulfit, unter Anwendung von StĂ€rke als Indicator (siege § 1416).

Man kann das Austreiben des Jods durch Zuleiten eines Stromes von Wasserdampf befördern) (siege § 587, Bd. I, S. 459 u. 460).

Nach Well er*) wird das Resultat selbst durch eine vierfach grössere Menge Kaliumjodid, als nöthig, sowie durch Stannichlorid nicht beeintrÀchtigt.

1169. IL Durch Stannochlorid). Stannochlorid reducirt Antimoniichlorid zu Antimoniochlorid:

2 SbClg + SnCl 2 SbClg + 2 SnCl ; es felt aber jede Endreaction.

Diese Schwierigkeit lÀsst sich umgehen, indem man zu der stark mit SalzsÀure angesÀuerten und heissen Lösung ein abgemessenes Volumen

H. Rose: Pogg. Ann. Tl (1849), 110; A. Levol: Ann. de eh. et de phys. [3] 1 (1841), 504.

'') A. Weller: Ann. 213 (1882), 364; E. F. Herroun: Ch. N. 46 (1882), 101; G. von Knorre: Z. angew. Ch. 1888, 155.

Die Anwendung eines Stromes von Wasserdampf ist um so mehr zu empfehlen, als freies Jod, wenn es in einem grossen Ueberschusse von Kaliumjodid gelöst ist, aus dieser Lösung durch Abdampfen nur sehr schwierig vollstĂ€ndig verflĂŒchtigt werden kann.

I. cit.

F.Jean: Bull. Soc. ch. [3] 9 (1893), 257; siege auch Kessler: Pogg. Ann. 113 (1861), 145, und G. von Knorre: 1. cit.

BestimmuDg des Antimons.

einer titrirten Cuprilösung setzt; diese ertheilt dem Gemische eine intensiv grĂŒnlichgelbe Farbe (siege § 918).

Da Antimoniichlorid in Gegenwart von Cuprochlorid nicht existiren kann, bildet sich dieses erst nach vollstÀniger Reduction des ersteren, und das Volumen Stannochlorid , welches zur vollstÀndigen EntfÀrbung des Gemisches erforderlich ist, entspricht der Summe von Antimon und Kupfer. Zieht man die diesem letzteren entsprechende Menge ab, so erhÀlt man daher die Menge, welche dem Antimon entspricht.

Die Cuprilösung kann man direct mit reinem krystallisirtem Cuprisulfat (CuSO, 5H2O) bereiten; der Titer der Stannolösung wird gestellt, indem man sie auf ein abgemessenes Volumen der Cuprilösung einwirken lÀsst (siege § 918).

11 70. III. Indirect). Das durch FÀllung erhaltene Sulfid wird mit SalzsÀure behandelt und der entwickelte Schwefelwasserstoff durch eins der spÀter beschriebenen Verfahren titrimetrisch bestimmt (vgl. § 1 164).

2. Verfahren, welche auf Antimonioverbindungen anwendbar sind.

1171. I. Durch Jod 2). In alkalischer Lösung fĂŒhrt Jod die Antimonioverbindungen in Antimoniiverbindungen ĂŒber. Um das Antimon in Gegenwart von alkalischen Stoffen in Lösung zu erhalten, muss man, wie beim Zinn (siege § 1145), ein Tartrat anwenden.

Man setzt zu der möglichst schwach sauren Antimoniolösung Seignette- Salz, dann einen Ueberschuss von Kaliumoder Natrium-Bicarbonat. Ist die Menge des zugesetzten Tartrates ausreichend, so bleibt die Mischung klar. Man giebt nun etwas Starkelösung hindu und lÀsst eine titrirte Jodlösung einfliessen, bis die blaue Farbe der JodstÀrke einige Secunden bestehen bleibt:

Sb.Oe + 8 KHCO3 + 4 J2 2 SbO. + 8 KJ + 8 CO + 4 K,0.

1172. Bereitung der Jodlö. Wir werden spÀter (vergl. Jodometrie, §§ 1416 ff.) eingehend die Bereitung titrirter Jodlösungen besprechen; in diesem Falle kann es aber werthvoU sein, wenn man sich eines bekannten Gewichtes von reinem, wasserfreiem Brechweinstein, wie er durch Trocknen bei 100Ÿ erhalten wird, bedient. Dieses Salz entspricht dann der Formel (M.-G. 322,23; N.-G. 161,115 gr) und reagirt mit Jod in alkalischer Lösung nach folgender Gleichung:

+ 2J2 + ONaHCO SbgO + 2KNaC4H06 + 4NaJ

-f 3H2O + 6CO2.

') R. Schneider: Pogg, Ann. UO (1860), 634.

') Györy (Z. anal. Ch. 32 (1893), 415) wendet statt dessen Kaliumbromat und SalzsĂ€ure an : 3 + 4 KBrO., + 4 HCl 6 SbO, -f 4 KCl + 4 HBr. Das aus dem ersten ĂŒberschĂŒssigen Tropfen Bromatlösung und vorhandenem Bromwasserstoff entstehende Brom entfĂ€rbt die durch Methylorange als Indicator rosa gefĂ€rbte Losung. Genau so titrirt derselbe Verfasser arsenige SĂ€ure (vergl. § 1192)

B. Durch Titrimctrie.

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Nach H. Gruener) kann man eine zehntelnormale Brechweinstein- lösung ziemlich lange, ohne dass sie oxydirt wird, aufbewahren, wenn man auf je 1 Liter derselben 20 bis 30 gr WeinsÀure und 1 cc Salz- sÀure zugesetzt hat.

1173. II. Durch Kaliumpermanganat). Die Chloridlösung wird stark mit SalzsÀure angesÀuert (Y,. des Volumens an SÀure von 1,12 sp. G.); in dieselbe lÀsst man eine titrirte Lösung von Permanganat fliessen, bis die RothfÀrbung, wenn auch nur kurze Zeit, bestehen bleibt:

1174. Bereitung der Permanganatlösung. Die gewöhnlich zur Bestimmung des Calciums (§ 4G4) und des Eisens (§ 597) benutzten Lösungen sind fĂŒr die Bestimmung des Antimons zu concentrirt. FĂŒr letztere benutzt man eine Lösung, welche in 1 Liter 1,5 gr Permanganat enthĂ€lt. Zur Titerstellung bedient man sich eines der frĂŒher (§§ 469 ff.) angegebenen Mittel oder einer bekannten Menge von Brechweinstein (siege oben, § 1173). Die Gegenwart der kleinen Menge von WeinsĂ€ure, welche unter der Einwirkung von SalzsĂ€ure auf den Brechweinstein entsteht, ist ohne Belang.

1175. IIL Durch Kaliumdiohromat). Dieses Verfahren, welches ebenfalls von dem Autor des vorigen Verfahrens stammt, wird angewandt, indem man zu der sauren Antimoniolösung (siege § 1173) einen Ueberschuss einer titrirten Lösung von Dichromat (oder Chromat) fliessen lĂ€sst und dann den Ueberschuss mittels einer Ferrolösung durch TĂŒpfelprobe mit Kaliumferricyanid als Indicator (siege §§ 527 ff.) bestimmt:

3 SbClg + KCrgO + 14 HCl 3 SbCI + 2 KCl + + 7 H2O und 3 FejCI + KCtOj + 14 HCl 3 Fe2Cl6 + 2 KCl + CrClg + 7 HO. Die Beziehung zwischen beiden Lösungen wird durch einen besonderen Versuch unter den frĂŒher angegebenen UmstĂ€nden bestimmt, d. h. in der Art, dass man die Ferrolösung in ein bekanntes Volumen (z. B. 10 cc) der mit SalzsĂ€ure angesĂ€uerten Chromatlösung fliessen lĂ€sst, bis der TĂŒpfelversuch durch eine sehr schwache blaue FĂ€rbung angiebt, dass Ferrosalz vorherrscht.

— Das Permanganat verfahren ist einfacher und ebenso genau.

1176. IV. Indireot-*). Das Antimon wird nach § 11G4 besthnmt. J. Hanns behandelt das Sulfid mit Ferrisulfat und SchwefelsÀure;

das gebildete Ferrosalz titrirt er sodann mittels Permanganat.

F. Kessler: Pogg. Ann. 96 (1855), 204 u. 118 (1863), 17; A. Guyartl: Bull. See. eh. 6 (1864), 92.

Kessler: 1. cit.

Causse (C. r. 125 (1897), 1100) titrirt indirect Antimoniooxyd , indem er das durch ADtimonioverbindangen aus JodsÀure (nach: öSbO + 8HJO. lOSb.,).. -f-4J, § 1168 beschriebenen Apparate frei gemachte Jod mit Natriumhyposulfit bestimmt.

Bestimmung des Antimons. Umformungsverfahren.

C. Durch Colorimetrie.

1177. Um sehr geringe Mengen von Antimon zu bestimmen, kann man in der Art verfahren, dass man die FĂ€rbung, welche man durch Behandeln der FlĂŒssigkeit mit Schwefelwasserstoff erhĂ€lt, mit den unter möglichst gleichen Bedingungen in Lösungen mit bekannten Antimongehalten durch Schwefelwasserstofif hervorgerufenen FĂ€rbungen vergleicht i).

Man kann auch colorimetrische Titrirung (§ 223) mittels einer titrirten Lösung von Brechweinstein, welche man nach der directed Methode (siege § 1172) bereitet, anwenden.

ITmformnngsverfahren.

Metall.

11 78. Es ist kein Mittel zu einer directed genauen Umformung des Antimons in eine Antimonio Verbindung bekannt, mit Ausnahme vielleicht einer Behandlung des fein vertheilten Metalles mit Ferrichlorid. Man verwandelt es in Antimoniichlorid, wenn man es in einem Chlorstrome erhitzt und das Product in verdĂŒnnter SalzsĂ€ure auffangt, oder indem man das Metall mit Königswasser oder mit SalzsĂ€ure und Kaliumchlorat oder Kaliumpermanganat behandelt.

Antimonioverbindungen.

1179 Um aus einer Antimonioverbindung das Metall zu gewinnen, behandelt man sie mit Cadmium (siege § 1165). Um eine Antimonioverbindung in eine An timonii Verbindung umzuwandeln, behandelt man sie mit Chlor oder, was schliesslich auf dasselbe hinauskonunt, mit SalzsĂ€ure und Kaliumchlorat oder Kaliumpermanganat Letzteres hat den Vorzug, dass man an der FĂ€rbung der FlĂŒssigkeit genau erkennen kann, wann die Umformung vollstĂ€ndig ist, vorausgesetzt, dass ein ge- nĂŒgender Ueberschuss von SĂ€ure vorhanden ist.

Antimoniiverbindungen.

1180. Man kann aus den Antimoniiverbindungen, ebenso wie aus den Antimonioverbindungen, das Metall durch Cadmium erhalten. Es sind nur zwei Reductionsmittel bekannt, durch welche Antimoniiverbindungen direct in Antimonioverbindungen genau ĂŒbergenĂŒhrt werden können: die JodwasserstoffsĂ€ure (siege § 1168), statt welcher man auch Kaliumjodid in Gegenwart von WeinsĂ€ure und SchwefelsĂ€ure anwenden l?ann2), und die schweflige SĂ€ure Ferner erhĂ€lt man Antimoniochlorid, wenn man die Antimonii Verbindung als Sulfid fĂ€llt und dieses mit Salz- sĂ€ure behandelt (vergl. § 1160, Nr. 3).

E t . 0 1 i V i e r : nicht veröffentlichte, im Laboratorium von Professor DeKoninck ausgefĂŒhrte Versuche.

F. A. Gooch und H. Gruener: SĂ€l. Am. J. [3] 42 (1891), 213. ') O. C. Beek und H. Fischer: Ch. N. 80 (1899), 259.

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Arsen. EigenschafteD des Arsens.

Eigenschaften des Arsens.

1181 1*. Im Handel kommt das Arsen als Mineralspecies (Scherbencobalt, Fliegenstein) und auch als metallurgisches Product in Form krystallinischer Massen vor; in diesem Zustande ist es grau, besitzt Metallglanz und das sp. G. 5,7, ist spröde und daher leicht pulverisirbar, wĂ€hrend eine andere, z. B. durch Zersetzung von Arsenwasserstofif in der Hitze gewonnene Modification amorph, schwarz, fast glanzlos und specifisch leichter (4,7) ist Beim Erhitzen unter Luftabschluss verflĂŒchtigt es sich, ohne vorher zu schmelzen, bei verhĂ€ltnissmĂ€ssig niedriger Temperatur*) (450Âź C.) unter Bildung eines farblosen, bei plötzlicher AbkĂŒhung jedoch scheinbar citronengelbe FĂ€rbung annehmenden Dampfes von intensive Knoblauchgeruch, welcher fĂŒr Arsen charakteristisch ist). Die gelbe FĂ€rbung rĂŒhrt von durch die AbkĂŒhung bewirkter Ausscheidung leinster, gelber Arsenkrystalle her, welche eine interessante allotrope Modification des Arsens darstellen. Im zugeschmolzenen starken Glasrohr auf dunkle Rothgluth erhitzt, schmilzt Arsen unter dem Druck des eigenen Dampfes und erstarrt beim AbkĂŒhlen zu stahlblauen Krystallen.

2*. Arsen oxydirt sich langsam schon beim Liegen an der Luft bei gewöhnlicher Temperatur, schneller in feuchter Luft unter Bildung von Arsenooxyd AsOg. Im offenen Rohre erhitzt, verbrennt das Arsen mit blassblauer Flamme und dem knoblauchartigem Geruch zu Arsenooxyd, welches sich an den kalten Theilen des Apparates zu kleinen, farblosen, regulÀren Octaedern mit ausgesprochenem Diamantglanze verdichtet.

3. SalzsĂ€ure ist auf das Arsen von sehr geringem Einfluss, ebenso verdĂŒnnte SchwefelsĂ€ure. Concentrirte SchwefelsĂ€ure dagegen verwandelt es unter Entwickelung von Schwefeldioxyd in Arsenooxyd bez. arsenige SĂ€ure:

As4 + 6 HgSO + G SO. + G HgO, AsOß -f 6 H2O 4 Hg AsOg.

Nach Fittica (Ch.-Z. 24 (1900), 483 und 561) ist Arsen kein Element, sondern eine Verbindung von Phosphor, Stickstoff und Sauerstoff PNO (vergl. S. 155, FussnoteS), welche durch Einwirkung von Bor in das Fittica'sche Antimon PNO., ĂŒbergenĂŒhrt werden kann (vergl. C/t.-Z. 26 41):

2 PN,0 H- 2 B PNO, + 2 BN. Hierzu vergl. auch Winkler: B. SS (1900), 1693; E. Noelting u. W. Feuerstein: B. 83 (1900), 2684; A. C. Christomanos: CÄ.-Z. 24 (1900), 943.

Ueber die Sublimation des Arsens siege J. W. Retgers: Z. anorg. Ch. 4 (1893), 403, und 6 (1894), 317, ebenso die ĂŒbrigen von demselben citirten Abhandlungen. Femer J. Mc. Leod: Ch, N. 70 (1894), 139.

Arsen und seine Verbindungen, namentlich die gasförmigen und flĂŒchtigen Verbindungen (AsH.,, AsOg) sind sehr giftig. Man arbeite daher mit nicht zu grossen Mengen und unter einem AbzĂŒge!

Eigenschaften des Arsens.

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SalpetersĂ€ure löst das Arsen, indem sie es, je nach Concentration und Temperatur, in Arsenooxyd oder in ArsensĂ€ure H3ASO4 ĂŒber- fĂŒhrt. Königswasser, SalzsĂ€ure mit Kaliumchlorat und Ă€hnliche Oxydationsgemische, auch schmelzende Nitrate, oxydiren es zu ArsensĂ€ure. Von schmelzenden Alkalihydraten wird es imter Wasserstoffentwickelung nur zu Arseniten oxydirt. I-Ă€sst man die SalpetersĂ€ure in Gegenwart von Zinn einwirken, so entsteht Metastanniarsenat, welches in SalpetersĂ€ure unlöslich ist (vergl. die analoge Eigenschaft des Phosphors in den Phosphiden).

4. In alkalischen Lösungen der Alkalihypochlorite ist das Arsen löslich (vergl. § 1158, Nr. 5).

5. Wenn auch das Arsen im analytischen Sinne unter die Metalle eingereiht wird, so hat es doch einen ausgesprochen metalloidischen Charakter (siege § 294). Dieser tritt auch in den arsenreichen Arseniden des Nickels, Cobalts und Eisens, welche sowohl als Mineralien (z. B. Weissnickelkies, Speiscobalt, Arsenkies) wie auch als Zwischenproducte (Speise) bei der hĂŒttenmĂ€nnischen Gewinnung der beiden ersteren Metalle vorkommen, hervor. NaturgemĂ€ss tritt er mit Abnahme des Arsengehaltes immer mehr zurĂŒck und er Ă€assert sich dann, dem Phosphor Ă€hnlich, dadurch, dass er die Metalle hart und spröde macht; Beispiele sind das Bleiarsenid, welches kĂŒnstlich zur Bereitung von Schrot dargestellt wird, der sog. Kupferglimmer u. a. m. In sehr kleinen Mengen findet man das Arsen femer in manchen Handelssorten von Eisen, Kupfer, Zink, Zinn.

Die meisten Arsenide, namentlich die erwĂ€hnten Mineralien, die Speise, das Schrotmetall, der Kupferglimmer, sind in SalzsĂ€ure oder SchwefelsĂ€ure nicht löslich. Arsenhaltiges Zink und Zinn werden von diesen SĂ€uren unter Entwickelung von Arsenwasserstoff neben Wasserstoff gelöst. Ueber das Verhalten arsenhaltiger Eisensorten gegen die beiden SĂ€uren ist Genaues nicht bekannt. Bei der Analyse wird man gut thun, sie, ebenso wie die erstgenannten unlös- lichen Arsenide, durch SalpetersĂ€ure oder oxydirende SĂ€uregemische in Lösung ĂŒberzufĂŒhren.

6. Mit Metalloiden bildet das Arsen, wie das Antimon, zwei Reihen von Verbindungen, welche den Anhydriden AsOg und AsgOj entsprechen.

Eigenschaften der Arsenoverbindungen.

1182 1. Die wichtigsten Arsenoverbindungen sind das Arsenooxyd — welches in verschiedenen Modificationen (krystallisirt und amorph) fast gleichmĂ€ssig hĂ€ufig vorliegt — und die entsprechenden Salze, die Arsenite. Diese sind, sofern sie nicht ein fĂ€rbendes Metall enthalten, farblos.

2. Arsenooxyd ist in Wasser, besonders in warmed Wasser, etwas löslich, jedoch sind die Angaben darĂŒber ausserordentlich schwankend

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Eigenschaften der Arseno Verbindungen.

(z. B. fĂŒr die amorphe Modification und siedendes Wasser von 1:9,33 bis 1:21); diese Lösung schmeckt metallisch, reagirt schwach sauer und kann als Lösung von arseniger SĂ€ure HgAsOg in Wasser angesehen werden, welche mit Basen Salze bildet, z. B. mit Kalkwasser den weissen Niederschlag von Caldumarsenit, mit Magnesia einen ebensolchen von Magnesiumarsenit liefert:

2 H3 AsOg + 3 + 6 HgO, 2H3As03 + 3MgO + 3H,0.

Die Alkaliarsenite — durch Lösen von Arsenooxyd in Alkalihydraten leicht erhĂ€ltlich — sind ebenfalls in Wasser, die ĂŒbrigen Arsenite in SĂ€uren löslich. In verdĂŒnnten SĂ€uren ist Arsenooxyd etwas leichter löslich als in Wasser.

3. In verdĂŒnnter SalzsĂ€ure löst sich Arsenooxyd unverĂ€ndert auf, durch concentrirte heisse SalzsĂ€ure wird es in der Hitze nur theilweise in Arsenochlorid verwandelt; der grösste Theil des Arsenooxydes scheidet sich beim AbkĂŒhlen dieser Lösung als solches wieder aus. Das Arsenochlorid ist sehr flĂŒchtig; erhitzt man Arsenoverbindungen, welche in SalzsĂ€ure löslich sind, mit einem grossen Ueberschusse dieser SĂ€ure, so kann man alles Arsen ĂŒberdestilliren (vergl. § 1183, Nr. 3). F. C. Schneider hat diese Eigenschaft zur Aufsuchung des Arsens in VergiftungsfĂ€llen benutzt 2), und Fyfe hat fast gleichzeitig dasselbe Verfahren beschrieben 3).

4*. Schwefelwasserstoff fĂ€llt in reinem Wasser gelöstes Arsenooxyd nicht, sondern fĂ€rbt nur die Lösung gelb unter Bildung von coUoidalem Arsenosulfid, welches auf Zusatz einer SĂ€ure oder eines neutralen Alkalisalzes zu dieser Lösung in die unlösliche Modification ĂŒbergeht, d. h. mm sogleich als lebhaft gelbes, flockiges Arsenosulfid AsgSg ausfĂ€llt:

As Og + 6 HgS 2 A&jSg + 6 HgO.

Diese Wirkung der SÀuren und Salze ist noch nicht völlig aufgeklÀrt; wir haben Àhnliche Erscheinungen erwÀhnt, z. B. diejenige, welche bei der Einwirkung von Schwefelwasserstoff auf Cadmiumjodid auftritt (§ 883, Nr. 3; siege ferner § 1133, Nr. 10).

In den sauren Lösungen des Arsenooxydes oder der Arsenite, selbst in Gegenwart von conjcentrirter (20%iger) SalzsÀure), Àgt dagegen Schwefelwasserstoff sofort alles Arsen als Sulfid nieder.

Das Arsenosulfid löst sich in siedendem Wasser — noch etwas

Mit frisch bereitetem Ferrihydrat wird alles Arsen aus der wÀssrigen LösuDg der arsenigen SÀure in Form von Ferriarsenit FeAsO,, niedergeschlagen; Ferrihydrat wird als Gegenmittel bei Arsenvergif tnngen gegeben (Antidotum Arsenici).

Phil. Mag. [4] 2 (1851), 487, und /. prakt. Ch. 55 (1852). 103.

Eigenschaften der Arsenoverbindungen.

leichter bei Anwesenheit geringer Mengen SalzsÀure oder SchwefelsÀure i)

— je nach der Erhitzungsdauer bis zu 8 /q von der angewandten Menge Arsenosulfid unter Zersetzung, d. h. Bildung von gelöstem Arsenooxyd und Ent Wickelung von Schwefelwasserstoff:

2 AsoSg + 6 H2O AsOß + G HgS. Das Arsenosulfid ist in den normalen Alkalisulfiden und Alkalipolysulfiden löslich; im ersten Falle unter Bildung von Sulfarsenit:

AS2S3 + 3 AmS 2 Amg AsSg. Ob im zweiten Falle nur Sulfarsenat nach der Formel

AsgSg + 3 AmgS + 2 S 2 Ama AsS gebildet wird, ist nicht bestimmt.

SÀuren zersetzen das Sulfarsenit und fÀllen wieder Arsenosulfid:

2 Amg AsSg + 6 HCl AS2S3 + G AmCl + 3 HgS. Die Alkalihydrate, Ammoniak, die Alkalicarbonate (auch das Am moniumsesquicarbonat) lösen das Arsenosulfid unter Bildung von Arsenitund Sulfarsenit -Salzen:

AsgSg + 3 AmgCOg AmgAsOg + Amg AsSg + 3 CO. Auf Zusatz einer SĂ€ure zu diesem Lösungsgemische bildet sich aus dem Sulfarsenit nach obiger Gleichung sogleich Arsenosulfid zurĂŒck; ein kleiner Theil des Schwefelwasserstoffs, welcher bei dieser Zersetzung des Sulfarsenites entwickelt wird, entweicht, der Rest Ă€gt den Ă€quivalenten (grössten) Theil des Arsens des Arsenites ebenfalls in Form von Arsenosulfid nieder: 2 AmgAsOg + 6 HCl + 3 H2S 6 AmCl + AS2S3 + 6 Auch Kaliumbisulfit löst das Arsenosulfid auf. Das Arsenosulfid ist in SalzsĂ€ure, selbst in concentrirter, unlöslich; heisse SchwefelsĂ€ure fuhrt es unter Entwickelung von Schwefeldioxyd in Arsenooxyd ĂŒber; von concentrirter SalpetersĂ€ure, Königswasser oder Bromwasser wird es unter Bildung von ArsensĂ€ure und von SchwefelsĂ€ure leicht gelöst:

AsoSg + 14 Brg + 20 H2O 2 HgAsO + 3 KßO + 28 HBr. 5. Die Alkalihydrate, Ammoniak und Alkalicarbonate fallen kein Arsen der Arsenolösungen.

6*. Silbernitrat ruft in den genau neutralen Arsenitlösungen einen flockigen blassgelben Niederschlag von Trisilberarsenit AggAsO hervor, welcher nach Reichardt) aus mikroskopisch feinen NÀdelchen besteht; er ist in SÀuren und in Ammoniajf sehr leicht löslich (Hume*)). Kocht man die ammoniakalische Lösung des Silberarsenits lÀngere Zeit

— namentlich unter Ersatz des verflĂŒchtigten Ammoniaks — so findet unter Abscheidung von Silber Oxydation zu Arsenaten statt (vergl. § 1183, Nr. 7).

Decourdemanche: y. . med. 3, 229.

Wand: Arch. der Pharm. [3] 3 (1870), 296; Field: Ch. N. 3 (1861), 114.

Eigenschaften der Arsenoverbindungen.

Die Alkalihydratc zersetzen den Silberarsenit-Niederschlag und geben ein schwarzes, aus Silberoxyd und reducirtem Silber bestehendes Product.

Um den Silberarsenit-Niederschlag zu erhalten, wenn eine saure Arsenolösung vorliegt, bringt man diese in einen Reagircylinder, fĂŒgt Silbernitrat hindu, mischt diese beiden Lösungen und ĂŒberschichtet das Gemisch vorsichtig mit Ammoniak; in Folge der Neutralisation an der BefĂŒhrungszone sieht man daselbst den Niederschlag entstehen.

Eine neutral Lösung kann man auch erhalten, indem man zu der sauren Lösung einen geringen Ueberschuss von Ammoniak giebt und diesen Ueberschuss durch Verdampfen auf dem Wasserbade verjagt.

Liegt eine alkalische Arsenolösung vor, so sĂ€uert man schwach mit SalpetersĂ€ure an und verfĂ€hrt dann weiter wie oben angegeben; rĂŒhrt die AlkalitĂ€t von Ammoniak oder von Ammoniumcarbonat her, so hat man diese Verbindungen einfach duVch Verdampfen zu entfernen.

7. Baryumchlorid bewirkt in einer Arsenitlösung nicht unmittelbar eine FÀllung, aber nach einiger Zeit bildet sich ein reichlicher, gelatinöser, weisser Niederschlag von Baryumarsenit.

Calciumchlorid giebt sofort einen weissen, voluminösen Niederschlag voi;i Calciumarsenit.

8. Magnesiummixtur erzeugt in den Arsenitlösungen keinen Niederschlag (vergl. § 1183, Nr. 10). Magnesiumsalze, z. B. Magnesiumsulfat, in Abwesenheit von Ammoniumchlorid geben einen weissen Niederschlag von Magnesiumarsenit.

9. MolybdĂ€nlösung-*) giebt — wie Magnesiummixtur — keine FĂ€llung (vergl. § 1183, Nr. 15).

— Das Arsenooxyd und die Arsenite sind, besonders in saurer Lösung, ziemlich schwache Reductionsmittel, ebenso wie die Antimoniosalze. Vielfach wirken sie reducirend nur in Gegenwart von Alkali. Wir fĂŒhren die folgenden Reactionen an (Nr. 10 bis 14).

10*. Cuprisulfat, in sehr geringer Menge zu einer wĂ€ssrigen Lösung von Arsenooxyd gesetzt, giebt keinen Niederschlag. Giebt man einige Tropfen Natron-oder Kalilauge dazu, so bildet sich Alkaliarsenit, welches unter Umsetzung mit dem Cuprisulfat gelbgrĂŒnes, flockiges, saures Cupriarsenit ausfĂ€llt (Scheele's GrĂŒn):

H3 ASO3 + CuSO + 2 NaOH CuHAsOg + NagSO + 2 HgO.

Man versteht unter Magnesiummixtur ein Lösungsgemisch von Magnesiumchlorid, Ammoniumchlorid und Ammoniak. Zur Bereitung derselben löse man 55 gr krystall. IIagnesiumchlorid mit 70 gr Ammoniumchlorid in einem Literkolben in 650 cc Wasser und fĂŒlle mit Ammoniak (sp. G. 0,96) bis zur Marke auf.

Man bezeichnet hermit eine Lösung, welche erhalten wird, indem man eine neutral oder ammoniakalische Lösung von Ammoniummoiybdat in ĂŒberschĂŒssige SalpetersĂ€ure giesst. Man bereitet sie, indem man 150 gr Ammoniummoiybdat — event. unter Zugabe einiger Cubikcentimeter conc. Ammoniak — in einem Literkolben in 500 cc warmed Wasser löst, diese Lösung abkĂŒhlt und sodann bis zur Marke mit Wasser auffĂŒllt. Den so erhaltenen Liter FlĂŒssigkeit giesst man in einen Liter reine SalpetersĂ€ure (sp. G. 1,20).

Wird mehr Cuprisulfat angewendet, so mischt sich dem Cupriarseiiit- Niederschlage Cuprihydrat bei und verleiht ihm eine blaugrĂŒne FĂ€rbung. Bei Zugabe von mehr Alkalihydrat löst sich der Niederschlag unter Bildung von Doppelarseniten auf:

CuHAsOg + NaOH CuNaAsOg + HO. Diese Lösung ist blau; beim ErwÀrmen entfÀrbt sie sich und es fÀllt ein rother Niederschlag von Cuprooxyd aus. Die Reaction ver- lÀuft wahrscheinlich nach folgender Formel:

2 CuNaAsOg + 4 NaOH CugO + Nag ASO4 + NagAsOg + 2 HgO.

11'. In Gegenwart eines Alkalihydrats reduciren die Arseno Verbindungen die Quecksilbersalze, indem sie Quecksilber abscheiden:

HgCl + 2 NaOH + Kg AsOg Hg + 2 NaCl + KgAsO + HgO.

12. In alkalischer Lösung, z. B. in. Gegenwart von Alkalicarbonat, entfÀrben die Verbindungen die JodstÀrke:

NagAsOg + NaCOg + J2 NagAsOg + 2 NaJ + CO2. Die frei werdende KohlensÀure stört die Reaction nicht; im Falle eines Ueberschusses von Alkalicarbonat entsteht die entsprechende Menge Bicarbonat.

13. SalpetersĂ€ure wird von Arsenooxyd — je nach den herrschenden Concentratiöns-und TemperaturverhĂ€ltnissen — zu einem Gemisch von Stickstofftrioxyd mit mehr oder weniger Stickstoflfdioxyd reducirt. Das Arsenooxyd geht dabei in ArsensĂ€ure ĂŒber.

13 a. In Gegenwart einer starken SÀure entfÀrben die Arseno Verbindungen Kaliumpermanganat:

5 AsOg + 4 K2Mn208 + 16 HgSO + 18 HgO 20 HgAsO +

+ 8KHS0J 13 b. Unter gleichen Bedingungen reduciren sie Kaliumbichromat: 3 AsOß + 4 KgCrgO; + IG HgSO -f 2 HgO 12 Hg AsO + 4

+

14. Sie reduciren langsam Aurichlorid in der WĂ€rme zu metallischem Gold:

2 AuCIg + 3 Hg AsOg + 3 H2O 2 Au + 3 Hg AsO + G HCl.

15. Die Arsenite reduciren nicht Ferri-Ferricyanid, d. h. eine frisch bereitete Mischung von Ferrichlorid und Kaliumferri Cyanid (vergl. § 1132, Nr. 12).

16*. Stannochlorid reducirt die Arseno Verbindungen (vergl. §1132, Nr. 14) in Gegenwart eines starken Ueberschusses von concentrirter Salz- sÀure; es bildet sich ein brauner Niederschlag von Arsen welcher bei Anwesenheit von ganz wenig Arsenosalz Àusserst fein vertheilt ist und daher lange in Suspension erhalten bleibt:

As.Ot. + 3 SnCl + 12 HCl As + 6 SnCl + ÖHgO.

Die Reaction gewinnt an Empfindlichkeit, wenn man das Stannochlorid in der FlĂŒssigkeit selbst erzeugt, indem man in dieselbe eine blanke Stange Zinn eintaucht.

Die Gegenwart von Antimon stört die in dieser Weise bewerkstelligte Reaction nicht, denn das Antimon wird als schwarze, die FlĂŒssigkeit nicht trĂŒbende Masse ausgeschieden, wĂ€hrend das suspendirte Arsen die FlĂŒssigkeit brĂ€unlich trĂŒbt i).

17*. Zink und besser noch Cadmium fallen aus einer reichliche Mengen SalzsĂ€ure enthaltenden Arsenolösung langsam und — in Folge Bildung von etwas Arsenwasserstoff — nicht vollstĂ€ndig das Arsen in elementarem Zustande; die FlĂŒssigkeit fĂ€rbt sich von dem suspendirt bleibenden Arsen braun 2). Wendet man statt der erwĂ€hnten Metalle Antimon, Blei, Kupfer oder Wismuth an, so erfolgt eine sehr langsame und sehr im vollstĂ€ndige Abscheidung des Arsens, da viel Arsenwasserstoflf) entwickelt wird.

18*. Mit vielen Metallen und verdĂŒnnten MineralsĂ€uren, namentlich mit Zink und verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure (Wasserstoff in statu nascendi) behandelt, geben die sauerstoflfhaltigen Arsenoverbindungen leicht, die schwefelhaltigen sehr schwer, Arsenwasserstoflf AsHg (das Marsh* sehe Verfahren, §§ 1184 flf.):

AsOg + 24 H 4ASH3 + 6 HgO. Unter gewöhnlichen UmstÀnden ist die Reaction nicht vollstÀndig; ein Theil des Arsens wird metallisch gefallt*) (vergl. vorstehende Nr. 17).

Arsenwasserstoff reducirt Silbernitrat in verdĂŒnnter Lösung zu schwarzem, metallischem Silber (vergl. § 1187, S. 184, Fussnote 2 u. 3):

24 AgNOg + 4 AsHj + 6 HO 24 Ag + 24 HNO3 + AsOg.

In concentrirter Lösung bildet sich Silberarsenit, welches mit Silbernitrat

eine gelbe, der Formel AsAgg, SAgNOg entsprechende Verbindung bildet:

6 AgNOg + ASH3 rr: AsAgg, 3 AgNOg + 3 HNO3.

Mit Silbernitrat getrÀnotes Papier wd daher unter der Einwirkung von Arsenwasserstoff grauschwarz oder gelb, je nach der Concentration des Reagens (Hager).

Eisen und verdĂŒnnte SalzsĂ€ure oder SchwefelsĂ€ure bei Gegenwart von Arsenoverbindungen liefert ebenso wie Zink und eine rein wĂ€ssrige Arsenooxydlösung keinen Arsen Wasserstoff), dagegen entsteht Arsenwasserstoff bei der Behandlung einer Arseno Verbindung mit Zink und Natronhydrat'O (vergl. § 1159, Nr. 18).

Et. Olivier: nicht veröffentlichte Versuche, ausgefĂŒhrt im Laboratorium von Professor De Koninck.

') De Koninck: Exercices d'analyse qualitative (1885), S. 113.

Die letzte uns bekannte Arbeit ĂŒber diesen Gegenstand ist die von F. W. Schmidt: Z. anorg. Ch. 1 (1892), 353.

Buchner: Rep. Pharm. 59 (1837), 234; Dupasquier: C. r. 14 (1842), 511.

EigeDschaften der Arsenoverbindongen.

Aluminium und Natronhydrat giebt dieselbe sehr empfindliche Reaction); aus ziemlich concentrirter Lösimg fallt jedoch fast alles Arsen als braunes metallisches Arsen nieder, und nur wenig Arsen wird in Arsenwasserstoff verwandelt -).

19*. Wenn man Arsenwasserstofif aus einer Arseno Verbindung in dem Marsh'schen Apparate entwickelt, so giebt er Reactionen, welche denjenigen des Antimonwasserstoffes analog sind (siege §§ 1 1 84 ff.).

20. Arsenoverbindungen fÀrben die Perlen nicht

21. Auf Kohle mit Soda und Kaliumcyanid erhitzt, werden sie reducirt; das Arsen Avird verflĂŒchtigt und verbrennt unter Ausstossung weisser DĂ€mpfe von Arsenooxyd mit dem ihm eigenthĂŒmlichen Knoblauchgeruch.

122*. Im einseitig geschlossenen Rohre (Fig. 186) erhitzt, giebt das genannte Reductionsgemisch (Soda und Kaliumcyanid) ebenfalls Arsen; dieses verdichtet sich am kalten Theile des Rohres in Form eines braunschwarzen, spiegelnden Ringes. Die Anwesenheit einer p. grossen Menge von Schwefel oder von reducirbaren Metallen kann i6-das Auftreten der Reaction hinder 3).

Damit die Reaction glatt verlĂ€uft, mĂŒssen alle Materialien vollkommen trocken und an dem Rohre darf von den eingefĂŒhrten Stoffen Nichts haften geblieben sein.

Mit Jod behandelt, giebt der Arsenring orangegelbes Jodid (vergl. § 979, Nr. 19, S. 76).

23*. Das Arsenooxyd ist leicht in folgender Weise zu erkennen: Man bringt es auf den Boden eines ausgezogenen und geschlossenen Rohres (Fig. 187), an dessen Verengung man einen Splitter von Holzkohle gelegt hat; man erwÀrmt anfangs diese Stelle, dann schnell das

Ende, um das Arsenooxyd zu

selben werden, sobald sie mit '8r- ii*7. Qj. Kohle in BerĂŒhrung kommen

, reducirt und bilden oberhalb dieser einen Arsenring.

Erhitzt man trocknes Arsenooxyd mit entwÀssertem (geschmolzenem) Natriumacetat gemischt im Reagenzglas, so entsteht Kakodyloxyd, welches durch seinen widrigen, charakteristischen Geruch die Anwesenheit von Arsenooxyd erweist:

AsOg + 8 CHgCOONa 2 (CHg) As,,0 + 4 NaCOg + 4 CO.,. 24*. In die reducirende Zone der Flamme gebracht, geben die unter diesen UmstÀnden reducirbaren Arsenoverbindungen der Spitze der Flamme eine blÀuliche FÀrbung. Gleichzeitig verbreitet sich der schon öfter erwÀhnte Knoblauchgeruch.

-) Nicht veröffentlichte Versuche von De Koninck.

Eigenschaften dtr Arseniverbindungen.

Nach dem Bunsen' sehen Verfahren geben sie auf der Schale Be- Ă€ge, welche den vom Antimon unter den gleichen UmstĂ€nden her- rĂŒhrenden BeschlĂ€gen analog sind.

Der Arsenmetallbeschlag ist schwarz, matt oder spiegelnd, und wird nach den RĂ€ndern zu braun; er ist in SalzsĂ€ure tmd in sehr verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure unlöslich.

Der Oxydbeschlag, mehr oder weniger mit ArsensÀure gemischt, ist weiss; mit einer neutralen Lösimg von Silbernitrat befeuchtet und dann mit Ammoniak angehaucht, giebt er einen gelben Fleck von Trisilberarsenit, begleitet von rothen, aus Silberarsenat bestehenden Theilen.

Alkalische Stannolösung verÀndert den Oxydbeschlag nicht (vergU § 928, Nr. 17).

Der Jodidbeschlag ist lebhaft gelb; er verhÀlt sich wie der entsprechende Antimoniobeschlag, wenn er feuchter Luft und Ammoniak (§ 1159, Nr. 23) ausgesetzt wird, wodurch er sich vom Bleijodide unterscheidet (§ 948, Nr. 21).

Der Sulfidbeschlag ist citronengelb; er verschwindet sehr leicht durch einen geringen Ueberschuss von Ammoniumsulfid -DĂ€mpfen (siege die Tabelle Bd. I, S. 184).

Eigenschaften der Arseniverbindungen.

1183 1. Arsenioxyd, AsjOg, ein weisser, leicht schmelzbarer Körper, ist in Wasser nur langsam, aber in grosser Menge löslich. Diese wÀssrige Lösung schmeckt und reagirt sauer; sie ist als Lösung von ArsensÀure HgAsO aufzufassen (vergl. § 1182, Nr. 2). Sie und die Arseriate sind unter den Arseniverbindungen allein von Wichtigkeit. Die ArsensÀure ist farblos; die Arsenate, welche kein fÀrbendes Metall enthalten, sind weiss.

Die ArsensĂ€ure verhĂ€lt sich analog der PhosphorsĂ€ure. Wie von dieser, so sind auch drei ArsensĂ€uren: die Ortho-, Pyro-und Meta- SĂ€ure bekannt; letztere zwei entstehen — ebenfalls wie die entsprechenden PhosphorsĂ€uren — durch beim Erhitzen erfolgende Wasserabspaltung aus der OrthoarsensĂ€ure. Bei stĂ€rkerer Erhitzung unterscheidet sich jedoch die OrthoarsensĂ€ure von der OrthophosphorsĂ€ure dadurch, dass Arsenioxyd AS2O5 auf diesem Wege erhĂ€ltlich ist, wĂ€hrend man das analoge Phosphorioxyd P2O5 als Endproduct der Wasserabspaltung nicht zu erhalten vermag:

2H3AsO H,As207+H20 (Temp. 140— 180), H4As207 2HAs03 + H20 ( „ 200—206% 2 HAsOg AS2O5 + H2O ( „ schwache Rothgluth). Bei weiterem Erhitzen spaltet dann das Arsenioxyd noch Sauer- 2As20,.-=As,Oe + 2 02.

Stoff ab:

De Koninck-Meineke, Mineralanalysc. II.

Eigenschaften der Arseniverbindangen.

Wir werden nur die OrthoarsensÀure HgAsO und die Orthoarsenate, als die wichtigsten, besprechen.

2. Die ArsensĂ€ure und die Alkaliarsenate sind in Wasser leicht löslich; die ĂŒbrigen neutralen Arsenate sind in Wasser unlöslich oder sehr wenig löslich, aber in SĂ€uren im Allgemeinen löslich. Setzt man daher zu einer wĂ€ssrigen Lösung von ArsensĂ€ure z. B. Kalkwasser in genĂŒgender Menge, so fallt Calciumarsenat nieder:

2 Hg AsO + 3 CagCAsOJg + 6 HgO, wĂ€hrend es in Gegenwart ĂŒberschĂŒssiger SĂ€ure gelöst bleibt.

3. Man kann eine gelöste Arseniverbindung mit SalzsĂ€ure erhitzen, ohne dass Arsen verflĂŒchtigt wird (vergl. § 1182, Nr. 3). Setzt man dem Gemische ein geeignetes Reductionsmittel, wie z. B. Cuprochlorid oder ein Ferrosalz oder Methylalkohol hindu, so bildet sich Arsenochlorid, welches abdestillirt werden kann (vergl. §1182, Nr. 3).

4. In der KÀlte fÀllt Schwefelwasserstoff die wÀssrigen sowie schwach sauren ArsensÀurelösungen erst nach langer Zeit, oft erst nach 24 Stunden; allmÀhlich findet nÀmlich eine, wenigstens theilweise, Reduction zu einer Arsenoverbindung unter Ausscheidung von Schwefel statt:

die Arsenoverbindung wird dann als Arsenosulfid gefÀllt.

Der Niederschlag, welchen man schliesslich erhÀlt, ist daher ein Gemisch von Arsenosulfid mit Schwefel in dem VerhÀltnisse AsgSg + 2 S; er kann ausserdem Arsenisulfid AsgSg enthalten.

Die Einwirkung des Schwefelwasserstoffes auf die ArsensÀure ist in Wirklichkeit sehr verwickelt, weil intermediÀre Producte, wie z. B. H3 ASSO3 (ThioarsensÀure)), entstehen können.

Bei Wasserbadtemperatur geht die FÀllung schneller von statten; der bei Gegenwart von etwas SalzsÀure 2) in der WÀrme gewonnene Niederschlag ist ganz reines Arsenisulfid), AsS.

Kalte Lösungen von ArsensĂ€ure und Arsenaten in concentrirter SalzsĂ€ure liefern beim SĂ€ttigen mit Schwefelwasserstoflfgas sofort Arsenisulfid, kochende ebensolche Lösungen ein Gemenge von Arseniund Arsenosulfid, welch letzteres dabei theilweise zersetzt und verflĂŒchtigt wird).

Alkaliarsenate, in wĂ€ssriger Lösung, werden nach lĂ€ngerem Einleiten von Schwefelwasserstoö" in gelöst bleibende Sulfoarsenate verwandelt, aus welchen bei Zug9.be von verdĂŒnnter Salzoder SchwefelsĂ€ure Arsenisulfid gefallt wird.

Das Arsenisulfid hat dasselbe Aussehen wie das Arsenosulfid; es ist, wie dieses, in SalzsÀure unlöslich, in Kaliumbisulfit, in den Alkalisulfiden,

Bouquet undCloez: Ann. de eh. et de phs. [3] 13 {1Mb) 44; Braunerund Toraicek: Monatsh. Ch. 8 (1887), GOT; Leroy W. Mc Gay: Z. anal. Ch. 27 (1888), 632; Ch.'Z. 15 (1891), 476.

Eigenschaften der Arseniverbindungen.

in Ammoniak, in den Hydraten und Carbonaten der Alkalien, namentlich in Ammoniumcarbonat löslich, indem sich jedoch nicht Sulfarsenate und Arsenate bilden, wie man bisher annahm, sondern Gemische von Sulfarsenaten, Monooxyund Dioxysulfarsenaten, je nach den VersuchsbedinguDgen :

AS2S5 + 6 KOH K3 AsS + K3 AsSOg + 3 HgO oder

2 AS2S5 + 12 KOH K3ASS4 + 3 K3ASS2O2 + G H2O. Behandelt man eine Arsenilösung, welche ein Zink salz enthÀlt, mit Schwefelwasserstoff, so wird das Zink von dem Arsenisulfide ganz oder 1 heilweise mitgerissen, je nach dem VerhÀltnisse, in dem beide Elemente vorhanden sind, und je nach den Versuchsbedingungen. Die Arsenoverbindungen verhalten sich nicht so.

5. ThioessigsÀure fÀllt aus den Arseniverbindungen schon in der KÀlte Arsenosulfid 2).

6. Durch Ammoniak sowie durch die Hydrate und Carbonate der Alkalien werden diejenigen Arsenilösungen, welche keine anderen als Alkalimetalle enthalten, nicht gefallt.

7*. Silbernitrat ruft in den neutralen oder schwach sauren Arseni- lösungen einen chokoladebraunen Niederschlag von Trisilberarsenat hervor, welcher in Ammoniak und in SalpetersÀure sehr leicht löslich ist: K3ASO4 + 3 AgNOg Ag3 ASO4 + 3 KNO3.

Ueber das geeignetste Verfahren, die Reaction hervorzurufen, vergl. das bei der analogen Reaction der Arsenite Gesagte. Aus der ammoniakalischen Lösung dieses Niederschlages wird beim Kochen kein metallisches Silber gefÀllt (vergl. § 1182, Nr. C).

8. Baryumchlorid und Calciumchlorid fÀllen aus Alkaliarsenat- Lösungen weisses, in EssigsÀure lösliches Baryumbez. Calciumarsenat.

9. Cuprisulfat, in eine neutral Arsenatlösung gegossen, ruft einen hell blaugrĂŒnen Niederschlag von saurem Cupriarsenat, CuHAsO, hervor, welcher in SĂ€uren und in Ammoniak, nicht aber in Alkalihydraten, löslich ist (vergl. § 1182, Nr. 10).

10*. Ammoniakalische Arsenilösungen werden durch Magnesiummixtur gefÀllt; es entsteht weisses, krystallinisches, unter dem Mikroskop dieselbe charakteristische Form wie das entsprechende Ammonium-Magnesium-Phosphat aufweisendes, mit demselben isomorphes Ammonium- Magnesium-Arsenat NH4MgAs04 + GHjO), welches in kaltem Wasser

Leroy W. Mc Gay: Ch.-Z. 16 (1891), 476, und 21 (1897), 487; B. 82 (1899), 2471; Z. anorg. Ch. 25 (1900), 459; Weinland und Lehmann: Ch,-Z. 23 (1899), 865; Weinland und Rumpf: Z. anorg, Ch. 14 (1897), 42.

') Schiff und Tarugi: B. 27 (1894), 3437.

Zuerst von Levol beschrieben {Ann, deck, et de phys, [3] 17 (1846), 501 ; C. r. 23 (1846), 57). Es wĂ€re noch zu untersuchen, ob der Niederschlag unter gewissen UmstĂ€nden nicht und Mgj,(AsO), enthĂ€lt, wie Neubauer bezĂŒglich der analogen PhosphorsĂ€ure ermittelt hat. Vergl. M. Austin: Z. awor. CA. 23 (1900), 146.

Eigenschaften der Arseniverbindungen.

wenig löslich (1:15293), in Ammoniak enthaltendem Wasser unlöslich, in SÀuren leicht löslich und aus diesen sauren Lösungen durch Ammoniak wieder fallbar ist: KH2As04+MgCl8 + 2NH3 + 6H20=:(NHJMgAs04,6H20+NH4Cl+KCl.

Wird dieser Niederschlag mit einer Lösung von Silbernitrat befeuchtet, so verwandelt er sich in braunes Trisilberarsenat: (NHJMgAsO,, 6 HO + 3 AgNOg Agg AsO, + MgCNOa) + (NH,)N03

6H2O.

Durch GlĂŒhen wird er in Magnesiumpyroarsenat ĂŒbergenĂŒhrt: 2 6 HgO Mg AsgO + 2 NH3 + 7 H.O.

Die Gegenwart von Ammoniumsulfid hinder die Bildung des Niederschlages von Ammonium- Magnesium -Arsenat in keiner Weise; dagegen wird eine Lösung von Ammonium-Sulfarsenat, welche man durch Auflösen des Arsenisulfides in Ammoniumsulfid erhÀlt, durch das Magnesiumreagens nicht gefallt.

11. Ferrichlorid giebt in den neutralen oder essigsauren Arsenat- lösungen einen gelblichweissen Niederschlag von Ferriarsenat:

FeClß + 2 Na AsO 6 NaCl + FegCAsOJ.

12. Uranylacetat (CHg ruft in denselben Lösungen einen gelatinösen, hell grĂŒngelben Niederschlag hervor; er entspricht der Formel oder je nachdem die Lösung Ammonium Verbindungen, namentlich Ammoniumacetat, enthĂ€lt oder nicht

13. Wismuthnitrat fallt aus ArsensÀure-sowie Dinatriumarsenat- Lösung einen weissen Niederschlag von Wismutharsenat

14. Eine von SalzsĂ€ure oder Chloriden freie Arsenlösung giebt beim Behandeln mit concentrirter SalpetersĂ€ure und ĂŒberschĂŒssigem Zinn weisses Metastanniarsenat, welches in der SalpetersĂ€ure unlöslich ist.

BetrÀgt das Arsen nicht mehr als Y20 Zinns, so geht es vollstÀndig in den Niederschlagt).

15. MolybdÀnlösung, im Ueberschusse in eine Arsenatlösung gegossen, bewirkt in derselben in der KÀlte keinen Niederschlag; in der WÀrme bildet sich langsam ein kötiger gelber Niederschlag-) von Ammoniumarsenimolybdat: AmgAsO, 12 MoOg, 2HNO3, HjO:

KH2AsO + 12 M0O3 + 3 AmNOg + HgO AmgAsO, I2M0O8, 2HNO3, H2O + KNO3. Es hĂ€lt schwer, durch diese Reaction das Arsen vollstĂ€ndig zu fallen. Die Gegenwart einer reichlichen Menge von Anunoniumnitrat (5 bis 10 7o) begĂŒnstigt die Entstehung des Niederschlages.

Das in verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure unlösliche Ammoniumarsenimolybdat löst sich leicht in Ammoniak. Auf diese ammoniakalische Lösung lĂ€sst sich leicht die Reaction Nr. 10 mit Magnesiummischung anwenden.

') A. Levol: de eh. et de phys. [3] 16 (1846), 493.

-) Sonnenschein: /.//-0/&/. 6%. 53 (1851), 343; Struve: das. 58 (1853), 493.

Reactionen der VerbinduDgen des Antimons und des Arseas u. s. w. g 1

Die Reactionen Nr. 6 bis 15 stellen die Arsenate den Orthophosphaten nahe, welche dieselbe Constitution haben (vergl. die Reactionen derselben).

16. Die Arseniverbindungen sind sehr schwache Oxydationsmittel; mit Jodwasserstoff oder mit einem Jodide in Gegenwart von SchwefelsÀure oder SalzsÀure behandelt, machen sie, besonders in der WÀrme, Jod frei:

Hg AsO + 2 KJ + 2 HCl HjAsOg + + 2 KCl + HO.

17. Mit schwefliger SĂ€ure erhitzt, werden die Arseniverbindungen zu Arsenoverbindungen reducirt:

4 Hg AsO + 4 SOj AS4O6 + 4 HgSO + 2 HO.

Ferrochlorid und Cuprochlorid bewirken die gleiche Reduction.

18*. Stannochlorid bewirkt anfÀnglich dieselbe Reduction; spÀter reagirt es auf die entstandene Arsenoverbindung (siege § 1182, Nr. 16, und § 1182, Nr. 14).

19. Die in § 1182 unter Nr. 17, 18 und 19 fĂŒr die Arsenoverbindungen angegebenen Reactionen auf nassem Wege sind auch den Arseniverbindungen eigen. Nur reduciren nach John Clark weder das Zink noch das Aluminium in Gegenwart eines Alkali die Arsenate zu Arseniten. Clark schreibt die von Fresenius erhaltenen entgegengesetzten Resultate der Anwendung unreinen Aluminiums zu).

20. Die Reactionen auf trockenem Wege, § 1182, Nr. 20, 21, 22 und 24, sind bei beiden Reihen von Arsenverbindungen die gleichen.

Reactionen der Verbindungen des Antimons und des Arsens im Marsh 'sehen Apparate.

1184. Wir haben gesehen, dass die Verbindungen des Antimons bei ihrer Behandlung mit Zink und verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure Antimonwasserstofif geben (§ 1159, Nr. 18, und § 1160, Nr. 10), und die Verbindungen des Arsens, bei gleicher Behandlung, Arsen Wasserstoff (§ 1182, Nr. 18, und 1183, Nr. 19).

Die Wichtigkeit dieser Reactionen des Antimons und des Arsens fĂŒr toxikologische Untersuchung, im Verein mit der grossen Analogie, welche sie aufweisen, hat uns veranlasst, sie in einem besonderen Abschnitte und parallel zu behandeln. Wir rather Anfangern, sie gleichzeitig in zwei identischen Apparaten hervorzurufen.

1185. Beschreibung des Apparates. Der Marsh'sche Apparat in seiner praktischsten Form (Fig. 188) besteht zunÀ aus einer weithalsigen Flasche A von etwa 400 cc Inhalt; der etwa 30 mm 2) weite

Alle Dimensionen sind nur als annĂ€hernde zu betrachten ; geringe Abweichungen von ihnen sind fĂŒr die Sache selbst ohne Belang.

Reactionen der Verbindungen des Antimons und des Arsens

f

Hals ist mit einem doppelt durchbohrten Stopfen geschlossen; durch die eine Bohrung geht ein grades Rohr, in dessen oberem Ende ein Trichter mit ausgezogenem Stiel steckt, wÀhrend die andere Bohrung ein horizontal umgebogenes Ableitungsrohr trÀgt.

Das Trichterrohr reicht bis auf 20 bis 25 mm ĂŒber dem Boden in die Plasche hinein; es ist gut, wenn es ziemlich weit (7 bis 8 mm lichte Weite) ist, damit durch dasselbe keine Luft nachgesaugt wird, wenn man vorsichtig eine FlĂŒssigkeit eingiesst.

QDas Ableitungsrohr endigt einige Centimeter unter dem Stopfen; dieser Theil ist leicht ausgezogen und dicht unter dem Stopfen mit einer seitlichen Oeffnung versehen. Durch

diese Anordnung fĂ€llt die im Rohre verdichtete FlĂŒssigkeit in die Flasche zurĂŒck, ohne dass sich Tropfen bilden, welche den regelmĂ€ssigen Austritt des Gases hinder wĂŒrden.

An das Ableitungsrohr schliesst sich ein weiteres Rohr B (12 bis 15 mm innerer Durchmesser) von 10 bis 12 cm LĂ€nge an, welches, zwischen zwei Wattestopfen, Fig. 188. mit granulirtem, trockenem Calciumchlorid gefĂŒllt ist

Es folgt nun ein Rohr C aus schwer schmelzbarem, bleifreiem Glase, von 30 bis 40 cm LĂ€nge und 6 bis 7 mm innerer Weite, welches von 10 zu 10 cm so ausgezogen ist, dass es an diesen Stellen auf etwa 3 mm verengt ist. Das Ende dieses Rohres ist lang ausgezogen und beinahe im rechten Winkel aufgebogen.

Steht kein genĂŒgend schwer schmelzbares Glas zur VerfĂŒgimg, so umwickelt man die zu erhitzenden Theile mit einem Metallgewebe oder dĂŒnnem Kupferblech.

1186. AusfĂŒhrung des Ver&hens. Man bringt in die Flasche 50 bis 60 gr reines granulirtes Zink, giesst durch den Trichter so viel Wasser, dass das Zink davon bedeckt wird, und versichert sich, dass alle Verbindungen gut schliessen. Dann giesst man in die Flasche kate, verdĂŒnnte SchwefelsĂ€ure in solcher Menge, dass der Wasserstoff in langsamem und gleichmĂ€ssigem Strome entwickelt wird, und lĂ€sst die SĂ€ure so lange einwirken , bis alle Luft ausgetrieben ist, woven man sich in folgender Weise ĂŒberzeugt: Man stĂŒlpt ĂŒber das ausgezogene und aufgebogene Ende des Ableitungsrohres einen Reagircylinder, lĂ€sst ihn einige Minuten in dieser Stellung, hebt ihn darauf vorsichtig, ohne ihn umzuwenden, ab und nĂ€hert ihm einen brennenden Körper; wenn sich das Wasserstofifgas fast ohne GerĂ€usch entzĂŒndet, kann man zu den weiteren Operationen ĂŒbergehen; im entgegengesetzten Falle wiederholt man den Versuch, bis er zeigt, dass die Luft aus dem Apparate ausgetrieben ist Nichtbeachtung dieser Vorsicht kann eine Explosion des Apparates herbeifĂŒhren und Veranlassung schwerer UnfĂ€lle sein.

iLĂŒiiuk

im Marsh' sehen Apparate.

im

Sind die beiden Apparate in Ordnung, so entzĂŒndet man das aus dem ausgezogenen Theile der Ableitungsrohre austretende Gas; es muss, solange die Spitze verhĂ€ltnissmĂ€ssig kalt geblieben ist, mit farbloser oder höchstens schwach blĂ€ulicher Flamme verbrennen und darf weder Rauch noch Geruch verbreiten.

Nach einiger Zeit, wenn sich das Glas erhitzt hat, verflĂŒchtigt sich von diesem eine geringe Menge Alkali, welche die Flamme fĂ€rbt. Um diesen Uebelstand zu vermeiden, kann man die Spitze des Rohres mit Platin (etwa mit der Platinspitze eines Löthrohres) bekleiden.

Dann giebt man in den einen Apparat eine sehr geringe Menge einer Antimoniolösung, in den anderen eine Arsenolösung, beide langsam eingiessend, so dass keine Luft in die Flasche dringt. Man beobachtet nun folgende Erscheinungen:

Das Antimonwasserstoffgas verbrennt mit grĂŒnlicher Flamme; es bilden sich weisse DĂ€mpfe von Antimoniooxyd ; es macht sich kein Geruch bemerkbar: 4 SbHg + 6 O2 SbOß + 6 HO.

DrĂŒckt man die Flamme mit einem kalten Körper, etwa einer Platte oder Schale von Porzellan, herunter, so wird die Verbrennung unvollstĂ€ndig; der leichter oxydirbare Theil, der Wasserstoff, verbrennt, AnĂŒmon bez. Arsen lager sich auf dem kalten Körper in Form under Flecken ab;

Arsen.

Die Flamme des Arsen wasserstoffgases

ist fahl blau; sie stösst weisse

DĂ€mpfe von Arsenooxyd und einen

deutlichen Knoblauchgeruch aus:

4 AsHg + 6 O2 AsOg + 6 11,0.

4 SbHg + 3 O2 4 Sb -f 6 HgO. Die Antimonflecken sind in der Mitte schwarz und matt, an den RÀndern grau und glÀnzend.

4 AsHg -f 3 O2 A4 + 6 H.O. Die Arsenflecken sind braunschwarz, weniger matt; die RÀnder sind deutlich braun imd glÀnzende

Wir kommen spĂ€ter auf das verschiedene chemische Verhalten dieser Flecken, durch welches sie sich von einander unterscheiden lassen, zurĂŒck.

Man erhitzt dann die Ableitungsrohre vor den und nahe an den

EinschnĂŒrungen der LĂ€nge nach auf Rothgluth; imter dem EinflĂŒsse der

Hitze werden die Gase zersetzt und die Metalle lager sich in den kalt

gebliebenen EinschnĂŒrungen des Rohres als spiegelnde Ringe ab:

2SbH3 2Sb-f SHjj.

Die Zersetzung des Antimonwasserstoffes beginnt schon bei 150Âź.

Der Antimonring ist grau-schwarz

; der Hauptring, welcher sich an der dem Gaszutritt entgegengesetzten Seite der Erhitzungsstelle abgelagert hat, ist gewöhnlich von einemweniger wichtigenRinge an der Seite des Gaszutrittes begleitet

4AsH3=As4 + 6H2.

Arsen Wasserstoff" wird ers t d u rch eine ĂŒber 230Âź liegende Temperatur zersetzt

Der Arsenring ist braunschwarz, glĂ€nzend; in Folge der FlĂŒchtigkeit des Arsens ist er immer einfach und setzt sich an der dem Gaszutritte entgegengesetzten Seite ab.

Reactionen der Verbindangen des Antimons und des Arsens

Wir werden spÀter das unterschiedliche Verhalten der Ringe angeben.

Verbindet man die Enden der Ableitungsrohre mittels kurzer Ă€uche mit kleinen, verdĂŒnnte Silbernitrat-) oder besser Silbersulfat-Lösung enthaltenden Waschapparaten, so beobachtet man Folgendes:

Antimonwasserstoff ruft einen schwarzen Niederschlagt) hervor; die vom Niederschlage getrennte Lösung ist frei von Antimon.

Arsenwasserstoflf giebt ebenfalls einen schwarzen Niederschlagt); die vom Niederschlag getrennte Lösung ist arsenhaltig und giebt, mit Ammoniak neutralisirt, in Folge des SilbersalzĂŒberschusses die gelbe Silberarsenitfallung. Antimonsowie Arsenwasserstoflf bilden, ĂŒber gepulvertes Silbernitrat geleitet, die gelben Verbindungen SbAgg SAgNOg bez. AsAg 3AgN03).

Diese Reaction ist scheinbar noch empfindlicher, als die der Ringbildung

Antimonhaitigen Arsenwasserstoff leitet man erst ĂŒber Natronkalk, denn ersetzt man die Waschapparate durch Natronkalkröhren, so beobachtet man:

Arsenwasserstoflf geht ohne VerÀnderung durch das Rohr, auch wenn er mit Antimonwasserstoflf gemengt ist.

Antimonwasserstoff wird vollstÀndig zersetzt; auf dem Natronkalk bildet sich eine, der Natur nach wenig bekannte), schwarze Ablagerung, welche verschwindet, wenn sie der Luft ausgesetzt wird.

Meissner und Hankel haben beobachtet, dass Antimonwasserstoff zersetzt wird, wenn er durch eine alkoholische Ammoniakoder besser Kali-bez. Natronhydratlösung geleitet wird).

Schenkel und Riekher haben diese Reaction zu seiner Scheidung von Arsenwasserstoflf benutzt).

') A. W. Hofmann: Ch. oc. Quart./. 18 (1860). 79; Ann. US (1800), 287; Lassaigne:/. . mid. J.e, (585; Marchlewski: B. 24 (1891), 2269.

Nach Vitali {UOrosi 15 (1892), 397, und 16 (1893), 10) ist der schwarze Niederschlag nicht SbAgg (entstanden nach: 3 AgNO + SbK, SbAg, + 3HN0,), sondern ein Gemenge von Ag und HSbOg (entstanden nach: 3 AgNO, SbH, SbAgg + 3HNO, ; SbAg + 3AgNO, SbAgg 3AgN03 ; SbAgg SAgNO, + 3H,0 6Ag + H3Sb03+3HN03).

Nach Vitali (1. cit.) wirkt AsHg genau wie SbH, und nicht, wie Lassaigne (1. cit.) angiebt, unter sofortiger Abscheidung von Ag.

J. Klein: Arch. der Pharm. [3] 27 (1889), 913; D. Vitali (l. dt.).

Fr. Jones (/. ch. Soc. 1 (1876), 641) hĂ€lt diese Verbindung fĂŒr Hydroxylantimonwasserstoff SbH,(OH).

"") Jahrb. prakt. Pharm. 19 (1849), 257.

im Marsh* sehen Apparate.

Die Ringe des Antimons und des Arsens unterscheiden sich durch folgendes Verhalten von einander:

In einem Wasserstofifstrome erhitzt, verĂ€ndern die Antimonringe ihre PlĂ€tze, aber ziemlich schwer; bevor sie verflĂŒchtigt werden, schmilzt das Metall zu KĂŒgelchen, welche unter der Lupe erkennbar sind.

Der Wasserstoff, in welchem die VerflĂŒchtigimg stattfindet, bleibt geruchlos.

Unter gleichen UmstĂ€nden verflĂŒchtigen sich die Arsenringe leicht; das Arsen wird, ohne vorher zu schmelzen, sublimirt.

Der zum Versuche benutzte Wasserstoff verbreitet Knoblauchgeruch.

Bei Erhitzen in einem langsamen Strome von Schwefelwasserstoff treten folgende VerÀnderungen ein:

Die Antimonringe werden in rothes oder schwarzes Sulfid verwandelt, fast ohne Platzver- Ànderung des Stoffes.

Die Arsenringe werden in gelbes, flĂŒchtiges Sulfid verwandelt, welches von dem Gasstrome leicht fortgetrieben wird.

Ein durch die Röhren, welche die Sulfide enthalten, geleiteter, getrockneter Strom von gasförmigem Chlorwasserstoff bewirkt:

Das Antimonsulfid verschwindet schnell.

Das Arsensultid bleibt bestehen.

Die Flecken des Antimons und des Arsens unterscheiden sich durch folgendes Verhalten:

Die Antimonflecken sind in einer concentrirten, schwach alkalischen Lösung von Natriumhypochlorit oder Natriumhypobromit unlöslich.

Mit einem Tropfen Salpeter- sĂ€ure behandelt, geben die Antimonflecken unlösliches Oxyd. Verdampft man den Ueberschuss der SĂ€ure und befeuchtet dann den RĂŒckstand mit einer ammoniakalischen Silberlösung, so entsteht ein schwarzer Niederschlag von reducirtem Silber.

Die Arsenflecken verschwinden unter dem EinflĂŒsse dieses Reagens schnell:

As + 6 NaOCl + 12 NaOH

As + 10 NaOCl +12 NaOH

4 NajjAsO + 10 NaCl + 6 UO.

SalpetersÀure löst das Arsen

auf; die zur Trockne gedampfte

Lösung hinterlĂ€sst einen RĂŒckstand,

welcher mit Silbemitrat einen gelben

Niederschlag von Trisilberarsenit

oder einen braunen

Niederschlag von Trisilberarsenal

giebt.

Bestimmung des Arsens.

Bestimmung des Arsens.

I. Verfahren, welche direct auf Arsenoverbindungen anwendbar sind.

11 88. I. Durch Schwefelwasserstoff. In die mit SalzsÀure angesÀuerte Lösung wird in der KÀlte bei Luftabschluss 2) Schwefelwasserstofif geleitet. Wenn die FÀllung, welche sofort eintritt, vollstÀndig ist, treibt man den Ueberschuss des Reagens durch einen Strom von Kohlen- sÀure aus 3).

Der Niederschlag wird auf einem Filter gesanamelt und mit kaltem Wasser ausgewaschen. FĂŒr die Bestimmung lĂ€sst er sich in verschiedener Weise benutzen:

1189. 1. IVĂ€gung als Arsenosulßd, Man wendet ein tarirtes Filter an und wĂ€gt den bei 100Âź getrockneten Niederschlag. Ist zu befurchten, dass er nichtflĂŒchtige Stofife enthĂ€lt, so verflĂŒchtigt man ihn durch GlĂŒhen, wĂ€gt den etwa verbliebenen RĂŒckstand und zieht sein Gewicht von dem zuerst erhaltenen Gewichte ab.

Um ein tarirtes Filter zu vermeiden, kann man auch so verfahren (siege § 140): Nachdem man den Niederschlag vom Filter möglichst vollstĂ€ndig getrennt hat, löst man die letzten zurĂŒckgebliebenen Theilchen in Ammoniak. Ebenso kann man verfahren, um die geringe Menge Sulfid zu entfernen, welche bisweilen an dem GefĂ€sse, in welchem die FĂ€llung geschehen ist, sehr fest haftet Die ammoniakalische Lösung wird in einer tarirten Schale verdampft; zu dem RĂŒckstande giebt man den bei Seite gestellten Niederschlag, trocknet bei 100Âź und wĂ€gt

1190 2. Durch Oxydation. Der Niederschlag wird mit einem energischen Oxydationsmittel behandelt, so dass er sich in Form von ArsensÀure und SchwefelsÀure oder der entsprechenden Alkalisalze löst

In der Lösung bestimmt man die SchwefelsÀure oder ArsensÀure.

Zum Lösen und Oxydiren stehen verschiedene Mittel zu Gebote (siege die Bestimmung der Sulfide), unter welchen die folgenden besonders zu empfehlen sind: Auflösen in Ammoniak und darauf folgende Oxydation durch Wasserstoflfeuperoxyd*), Auflösen in einem Alkalihydrat und Behandeln mit Chlor oder Brom, oder endlich Auflösen in bromirter Salz- sÀure oder SalpetersÀure).

Siehe die Abhandlungen von Puller: Z. anal. Ch. 10 (1871), 41, und von C. Friedheim und P. Michaelis: Z. anal. Ch, 84 (1895), 505.

Nach Becker {Arch. der Pharm. [3] 86 (1898), 287) wÀre das Vertreiben des Schwefelwasserstoffs unnöthig.

A. Classen und O. Bauer: B. 16 (1883), 1061; siege auch A. Carnot: C. r. 121 (1895), 20.

Siehe auch das Verfahren, welches auf der UeberfĂŒ des Sulfides in Arsenpentoxyd (BÀöm: Z. anal. Ch. 81 (1892), 663) und WĂ€gung dieses Productes beruht (vergl. Umformungsverfahren, S. 191, § 1205).

1. Verfahren, welche direct auf ArsenoverbinduDgen anwendbar sind. 187

11 91. II. Durch Wenn man zu der stark mit SalzsÀure angesÀuerten Arsenolösung Goldchlorid oder, weil es in reinerem Zustande darzustellen ist, Natriumgoldchlorid setzt, so bildet sich langsam ein Niederschlag von reducirtem Golde. Sammelt und wÀgt man diesen, so kann man aus seinem Gewichte die entsprechende Menge Arsen berechnen (vergl. die Bestimmimg des Antimons, § 1167).

Ein analoges Verfahren basirt auf der Reduction von ammoniakalischer Silbemitratlösung

1192. I. Durch Jod). Dieses Verfahren ist die genaue Wiederholung des frĂŒher fĂŒr die entsprechende Bestinunung des Zinns (§ 1145) und die Bestimmimg des Antimons (§ 1171) angegebenen Verfahrens, mit dem einzigen Unterschiede, dass der Zusatz eines Alkalitartrates nicht erforderlich ist. Es ist von besonderer Wichtigkeit in so fem, als das Arsenooxyd eine der Grundlagen der Jodometrie bildet (siege § 1421). Diese Verbindung in vorliegendem Falle zur Titerstellung der Jodlösung zu benutzen, liegt offenbar besonders nahe. Man löst sie zu dem Zwecke in wenig Alkalihydrat, macht die Lösung durch SalzsĂ€ure schwach sauer und setzt Alkalibicarbonat*) hindu.

1193. II. Durch Ealiumdichromat (oder -Chromat) Dieses Verfahren ist die Wiederholung des Antimonbestimmungs-Verfahrens (§1175) %

1194. III. Durch Chlorometrie Wir haben kennen gelemt, wie man Chromate durch Erhitzen mit SalzsĂ€ure und Bestimmen des frei gewordenen Chlors chlorometrisch bestimmen kann (§ 535). Wenn man nun eine bekannte Menge des Kaliumchromates oder -Dichromates einerseits fĂŒr sich, andererseits in Mischung mit der zu bestimmenden Arsenoverbindung in gleicher Weise behandelt, so findet man aus der Differenz zwischen beiden Bestimmimgen das ihr entsprechende Gewicht des Arsens. Ist der Titer der FlĂŒssigkeit, durch welche das Chlor bestimmt wird, bekannt, so genĂŒgt es, das aus dem Gemische frei werdende Chlor zu bestimmen, imd es ist alsdann die Differenz aus dem berechneten und dem gefundenen Chlor in Rechnung zu ziehen.

Bei diesem Verfahren können viele andere Substanzen an die Stelle der Chromate) gesetzt werden.

L. Mayer: /. prakt. Ch, N. F. 22 (1881), 103.

Siehe die Abhandlung von E. Waitz: Z. anal. Ch. 10 (1871), 158.

Vergl. § 1171, S. 166, Fussnote 2, das Verfahren von Györy.

Man kann auch ohne Bedenken die normalen Alkalicarbonate benutzen. Auch Borax ist statt des Blcarbonates vorgeschlagen worden (J. Woolcy: Pharm./, and Trans. [3] 18 (1888), 584).

F. Kessler: Pogg. Ann. 96 (1855), 204, und 118 (1863), 17.

Ueber die Bestimmung durch Permanganat siege Waitz: 1. cit; L. Vanino: Z. anal. Ch. 84 (1895), 426.

Ÿ) Siehe auch Jolles: Z. angew. Ch. 1888, 160; derselbe wendet Kaliummanganat in alkalischer Lösung an.

Bestimmung des Arsens.

C. Durch Colorimetrie.

1195. Durch Zinn. Wenn man eine salzsaure Arsenolösimg mit einem Zinnblech behandelt, so erhĂ€lt man, wenn es sich nur um Spuren von Arsen handelt, eine brĂ€unliche FĂ€rbung der FlĂŒssigkeit, welche man mit der unter gleichen Bedingungen aus einer Lösung, welche eine bekannte Menge Arsen enthĂ€lt, hervorgerufenen FĂ€rbung vergleichen kann).

Dieses Verfahren ist auch auf Arseniverbindungen anwendbar.

Ein dem colorimetrischen nahe stehendes, ebenfalls auf SchĂ€tzung mit dem Auge beruhendes Verfahren besteht darin, dass man mit HĂŒlfe des Marsh' sehen Apparates einen Arsenring hervorruft, welchen man mit einem aus einer bekannten Menge Arsen unter gleichen Bedingungen erzeugten Ringe vergleicht 2).

2. Verfahren, welche direct auf Arseniverbindungen anwendbar sind. A. Durch WĂ€gung.

11 96. I. Durch Schwefelwasserstoff. Man verfahrt wie bei der Bestimmung der Arseno Verbindungen (§ 1188), nur muss die FÀllung in der WÀrme geschehen (bei etwa 70Ÿ C); da die der FÀllung vorhergehende Reduction (siege § 1183, Nr. 4) langsam von statten geht), muss man den Schwefelwasserstoff lange Zeit einwirken lassen.

C. Friedheim*) beschleunigt die Reduction und begĂŒnstigt die FĂ€llung, indem er die Arsenilösung mit schwefliger SĂ€ure redudrt, darauf in einer Druckflasche (Flasche mit eingeschliffenem Stopfen) mit Schwefelwasserstoff sĂ€ttigt und dann die verschlossene und zugebundene Flasche lĂ€ngere Zeit im siedenden Wasserbad erhitzt.

Nach Schiff ist ThioessigsÀure bez. deren Ammoniumsalz besonders zur Arsenbestimmung in Arsenaten geeignet, weil dieses Reagens schon in der KÀlte reducirend wirkt und sofort Arsenosulfid abscheidet.

Der erhaltene Niederschlag muss von dem ihm beigemischten Schwefel befreit werden. Das kann nicht so gut wie bei den in der KÀlte erhaltenen NiederschlÀgen durch successive Auswaschungen mit Alkohol und Schwefelkohlenstoff geschehen, weil ein Theil des Schwefels in Form von

Et. Ol i vi er: nicht veröffentlichte Versuche, ausgefĂŒhrt im Laboratorium von Professor De Koninck.

Sangers: Am. eh. /. 13 (1891), 431; F. A. Gooch und H. P. Moseley: Z. anorg. Ch. 7 (1894), 127. Siehe auch F. W. Schmidt: Z, anorg. Ck. 1 (1892), 353, und Retgers: das. 4 (1893), 405 u. 439.

FĂŒr eine FĂ€llung und WĂ€gung als AsS. muss man, wie neuere Arbeiten (Neher: Z. anal. Ch. 82 (1893), 45; Brauner und Tomiczek: MonaUh. Ch. 8 (1887), 607; Thiele: Ann. 265 (1891), 65; Piloty und Stock: 1. cit.) bestĂ€tigen, die Bunsen'sche Vorschrift (1. cit.) genau einhalten, d. h. zuerst in der Warme, dann bis nach dem Erkalten einen raschen Gasstrom in die schwach salzsaure Arseni- lösung einleiten.

C. Fried heim: Leitfaden fĂŒr die quantitative cJiemische Analyse S. 195-

2. Verfahren, welche direct auf Arseniverbindungen anwendbar sind. JgQ

Schwefelwasserstoff 1) anhaften oder eine andere Ă€tiotrope Modification(?) angenommen haben soll. Man muss vielmehr den Niederschlag in Ammoniak lösen, dann diese Lösung mit SalzsĂ€ure ansĂ€uern imd in die FlĂŒssigkeit einige Blasen von Schwefelwasserstoff leiten. Der so erhaltene, mit Schwefel gemischte Niederschlag kann dann in gewöhnlicher Weise behandelt werden (siege z. B. die Bestimmimg des Cadmiums, § 888). Im Allgemeinen ist das Verfahren fĂŒr Arseniverbindungen weniger zu empfehlen als das folgende, welches vor allen anderen den Vorzug verdient.

1197. IL Duroh MagnesJnmmixtur -). Die Lösung wird neutralisirt oder auch schwach anmioniakalisch gemacht; jedoch darf durch das Reagens kein bleibender Niederschlag entstehen; in manchen FÀllen kann

.man auch durch Zusatz von Ammoniimitartrat die Bildung eines Niederschlages verhindern. Jetzt setzt man Magnesiummixtur und dann in kleinen Antheilen, unter UmrĂŒhren, ohne dass der Glasstab die GefĂ€ss- wĂ€nde berĂŒhrt (vergl. Bestimmung des Magnesiums, § 416, Bd. I, S. 349, Fussnote 2), einen erheblichen Ueberschuss von Ammoniak hindu und lĂ€sst einige Stunden stehen. Die weitere Behandlung der FĂ€llung erfolgt in der bei der Bestimmung des Magnesiums angegebenen Weise, oder — was vielleicht vorzuziehen wĂ€re — man sammelt den Niederschlag auf einem bei 105Âź getrockneten, tarirten Filter. Bei dieser Temperatur ist der Niederschlag wasserfrei, wĂ€hrend er bei 100Âź noch Y2 Wasser halten soU.

1198. IIL Durch ĂŒranylaoetat). Dieses Verfahren hat vor dem vorigen den Vorzug, dass es auf Arsenate anwendbar ist, welche, wie z. B. ganz besonders diejenigen der Metalle der alkalischen Erden, in Ammoniak unlöslich, dagegen in EssigsĂ€ure löslich sind. Leider ist das Verfahren mit anderweitigen misslichen UmstĂ€nden verbunden und giebt nicht befriedigende Resultate.

Man macht die Lösung durch Alkalihydrat oder durch Ammoniak alkalisch und löst den entstandenen Niederschlag in einem Ueberschusse von EssigsĂ€ure. In diese saure Lösung, welche natĂŒrlich ganz klar sein muss, giesst man einen Ueberschuss einer Lösung von Uranylacetat imd erhitzt sie zum Kochen. Der sich bildende gelatinöse Niederschlag von

C. Friedheim und P. Michaelis: Z. anal, Ch. 84 (1895), 526.

Levol: Ann. de ch. et de phys. [3] 17 (1846), 501; H. Rose: Pogg. Ann. 76 (1849), 534; Wood: Sill. Am. J. [3] 6 (1873), 368; M. Austin: Z. anorg.Ch. 28 (1900), 146 etc. Siehe auch Friedheim und Michaelis: 1. cit.

Es wird empfohlen, wegen der — zwar geringen — Löslichkeit des Ammoniummagnesiumarsenats eine Correction anzubringen, welche von Pull er (Z. anal. Ch. 10 (1871), 53) auf 1 mgr Am MgAsO, 6H2O fĂŒr 30 cc des ersten Filtrats, und neuerdings von O. Ducru {Bull. Soc. ch. [8] 28 (1900), auf 1 mgr des wasserfreien Salzes fĂŒr 50 cc der gesammten FlĂŒssigkeit, incl. Waschwasser, taxirt worden ist.

Werther:/. Ch. 48 (1848), 346; Puller: Z. anal. Ch. 10 (1871), 72.

Bestimmung des Arsens.

t .1

Uranylammoniumarsenat wird erst durch Decantiren, dann auf dem Filter gewaschen und danach geglĂŒht.

Das GlĂŒhen des Niederschlages erfordert Vorsicht, um eine Reduction sowohl zu Arsen als auch der Uranylgruppe zu Uran zu vermeiden. Man trent deshalb den Niederschlag möglichst vollstĂ€ndig vom Filter und verascht dieses erst, nachdem man es mit Ammoniumnitrat getrĂ€nkt hat.

Besser ist es noch, die am Filter haften gebliebenen Partikel mit SalpetersÀure in Lösung zu bringen.

Das GlĂŒproduct ist Uranylpyroarsenat, As, O7.

1199. IV. Durch Wismuthnitrat. Die Reaction, welche Salkowski zur Bestimmung des Wismuths (siege § 935) benutzt hat, ist in etwas verÀnderter Form vor wenigen Jahren auf die Bestimmung der Arsenate angewendet worden i).

Die schwache Lösung wird mit einem Ueberschuss von Wismuthnitrat (4 — 5 Th. auf 1 Th. Arsen) versetzt, gekocht und durch Absitzenlassen des Niederschlages geklĂ€rt. Der krystallinische Niederschlag wird auf bei 110 getrocknetem, tarirtem Filter mit verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure (sp. G. 1,33) gewaschen und nach dem Trocknen bei 110 gewogen. Er entspricht der Formel Big (As Hj O. Nach Carnot sind die Resultate fĂŒr kleine Mengen Arsen sehr genau.

Wahrscheinlich wĂŒrde man auch ein gutes Resultat erhalten, wenn man zu der salpetersauren Lösung eine bekannte Menge Wismuth setzt und dann in der bei der Bestimmung dieses Metalles durch Abdampfen etc. angegebenen Weise (siege § 930) fortfĂ€hrt. Der geglĂŒhte, aus Wismutharsenat und Wismuth oxyd bestehende Niederschlag wĂŒrde nach Abzug des bekannten Gewichtes von Wismuthoxyd dasjenige des Arsenioxydes geben.

B. Durch Titrimetrie.

1200. L Durch Uranylsalze. Dieses Verfahren, welches auf der FĂ€llung der Arsenate in essigsaurer Lösung durch eine titrirte Lösung von Uranylacetat oder Uranylnitrat beruht, ist dem entsprechenden Verfahren zur Bestimmung der PhosphorsĂ€ure genau nachgebildet. Da das Verfahren nur fĂŒr diese letztere von Wichtigkeit ist, verweisen wir bezĂŒglich der AusfĂŒhrung auf die bei der PhosphorsĂ€ure gegebene Beschreibung.

Die Endreaction erkennt man durch einen TĂŒpfelversuch mit Kaliumferrocyanid, welches mit löslichen Uranylsalzen eine intensiv braune Farbe giebt. Bei den Arsenaten kann der Titer der Uranylsalz-Lösung durch ein bekanntes Gewicht eines reinen Arsenates (Natriumarsenat) oder von Arsenooxyd bestimmt werden; in letzterem Falle muss das Arsenooxyd durch Kochen mit rauchender SalpetersĂ€ure vorher in ArsensĂ€ure umgewandelt werden.

1201. IL Durch Silbemitrat. Man fĂ€llt das Arsenat durch einen Ueberschuss von titrirter Silbernitratlösung; in der klaren FlĂŒssigkeit

Arsen. Umformungsverfahren.

bestimmt man den SilberĂŒberschuss durch Sulfocyanid (§ 101 G). Die Schwierigkeit des Verfahrens besteht in der Schaffung der Bedingungen, unter welchen die FĂ€llung des Silberarsenates vollstĂ€ndig ist

Dieses Verfahren ist auch dahin abgeÀndert , dass die neutral Lösung, welche das Arsen als Alkaliarsenat enthÀlt, mit Silbemitrat ge- fÀllt, der filtrirte und ausgewaschene Niederschlag in SalpetersÀure gelöst und in dieser Lösung das Silber durch Sulfocyanid titrirt wird.

— Unseres Erachtens ist die Titrirung der ArsensĂ€ure mit HĂŒlfe von Silberlösung am besten in der Form auszufuhren, welche von Crismer) zur Bestimmung der PhosphorsĂ€ure mittels Silberlösung beschrieben worden ist.

1202. lU. Durch Jodwasserstoff 3). Werden Arsenate mit einem Alkalijodide in Gegenwart von SalzsÀure oder, besser noch, direct mit Jodwasserstoff behandelt, so geben sie Jod. Man verfÀhrt wie bei der Bestimmung der Antimonii Verbindungen (§ 1168). Diese Reaction lÀsst sich* besonders umgekehrt zur Bestimmung der Jodide und auch zur Reduction der Arsenate zu Arseniten (§ 1206) benutzen.

C. Durch Colorimetrie.

1203. Man kann die bei den Arseno Verbindungen angegebenen Verfahren (§ 1195) anwenden oder auch, aber weniger gut, wie bei der Bestimmung des Cadmiums (§ 893), die FÀllung mittels Schwefelwasserstoff benutzen.

Umformnngsverfahren.

1 204. Man kennt kein Verfahren, durch welches Arsen in elementarem Zustande oder als Legirung direct quantitative in eine Arseno Verbindung umgeformt werden kann. Leicht erhÀlt man es dagegen in Form von ArsensÀure oder von Arsenat, indem man die arsenhaltige Substanz entweder mit einem energisch oxydirenden Lösungsmittel, wie Königswasser oder rauchende SalpetersÀure etc., behandelt oder mit einem oxydirenden alkalischen Flusse schmilzt (vergl. § 1181, Nr. 3).

Arsenoverbindungen.

1205. Man kann die Arsenoverbindungen praktisch und quantitative nicht in der Weise reduciren, dass man das Arsen in elementarem Zu-

Angegeben von Lunge (Vademecum) zur Bestimmung des Arsens in Pyriten. S. auch J. F. Bennet: /. Am, cfum. Soc. 21 (1899), 431.

Williarason: /. Soc. of Dyers and Colorists 1896, 86; F. A. Gooch und J. C. Morris: Z. anorg. Ch. 25 (1900), 227; F. A. Gooch und Browning: Stil. Am, J. 40 (1890), 66.

Wir wiederholen, das wir das elementary Arsen nur im Sinne der Analyse als Metall bezeichnen.

Gold. Eigenschaften des Goldes.

Stande erhÀlt. Die A r s e n o Verbindungen kann man in A r s e n i Verbindungen umformen, indem man sie oxydirend schmilzt oder, was allgemeiner anwendbar ist, mit rauchender SalpetersÀure oder Königswasser oder Chlor oder Brom oder Kaliumchlorat in Gegenwart von SalzsÀure behandelt Chlor und Brom wirken besonders energisch oxydirend, wenn die Arsenoverbindung in alkalischer Lösung vorhanden ist.

Arseniverbindungen.

1206. BezĂŒglich der Reduction zu Metall gilt, was wir bei den Arsenoverbindungen soeben bemerkten.

Um Arseniverbindungen zu Arsenoverbindungen umzuformen, lĂ€sst man ein saures Reductionsmittel einwirken. Unter diesen nennen wir die schweflige SĂ€ure und ganz besonders das Ferrochlorid*) und das Cuprochlorid). Destillirt man eine Arseniverbindung in Gegenwart feines dieser Chloride und eines grossen Ueberschusses von Salzsaure, so geht das Arsen vollstĂ€ndig als Arsenochlorid in das Destillat ĂŒber, so dass sich oft gleichzeitig Reduction und Scheidung ausfĂŒhren lĂ€sst. Zu demselben Zweck ist auch die Anwendung von Methylalkohol vorgeschlagen worden*).

Auch Jodwasserstoff oder ein Alkalijodid in Gegenwart von ver- dĂŒnnter SchwefelsĂ€ure) ist anwendbar. Das Arsenat wird in einem Kolben mit einem geringen Ueberschusse einer Lösung von Kaliumjodid versetzt; hierzu fĂŒgt man 10 cc verdĂŒnnte SchwefelsĂ€ure (1:1), verdĂŒnnt auf 100 cc und kocht nun die FlĂŒssigkeit auf etwa 40 cc ein. Unter diesen UmstĂ€nden kann eine geringe Spur Jod zurĂŒckbleiben, welche die FlĂŒssigkeit gelb fĂ€rbt und welche man genau binder, indem man tropfenweise verdĂŒnnte schweflige SĂ€ure zusetzt.

Gold.

Eigenschaften des Goldes.

1207* 1*. Das Gold ist im compacten Zustande ein lebhaft gelbes, Ă€usserst dehnbares und glanzvolles Metall mit dem sp. G. 19,3; in feiner Vertheilung ist es braun und glanzlos. Es kann zu so dĂŒnnen BlĂ€ttchen ausgeschlagen werden (Blattgold), dass das Licht hindurchgeht,

') Siehe Holthoff: Z. anal. Ch. 28 (1884), 378.

") E. Fischer: B. 13 (1880), 1778; Hufschmidt: das. 17 (1884). 2245. C lassen und Ludwig (das. 18 (1885), 1110) wenden statt Ferrochlorid Ferrosulfat oder besser Ferro-Ammoniumsulfat an, wenn die Reduction nach der Hafschmidtschen Modification ausgefĂŒhrt wird.

Friedheim und Michaelis: B. 28 (1895), 1414.

Siehe auch die Abhandlung von F. W. Schmidt ĂŒber die vollstĂ€ndige Austreibung des Arsens als Arsenwasserstoff und Umformung in Arsenooxyd durch Silbemitrat (Z anorg. Ch. 1 (1892), 545).

Eigenschaften des Goldes.

und zwar mit grĂŒnem Schimmer. Gold ist vor dem Löthrohre schmelzbar zu einer grĂŒnlichen FlĂŒssigkeit (Schmelzpunkt 1032 bis 1075Âź)), aber nicht flĂŒchtig; es ist nicht oxydirbar. Mit Quecksilber bildet es ausserordentlich leicht ein Amalgam.

2. Weder SalzsĂ€ure, noch SalpetersĂ€ure, noch Schweifel- sĂ€ure, selbst concentrirte und kochende, noch auch FlusssĂ€ure greifen Gold an; ist es mit Metallen, welche in diesen SĂ€uren löslich sind, legit, so werden nur diese gelöst und Gold bleibt angelöst zurĂŒck. Concentrirte, kochende SchwefelsĂ€ure, mit wenig SalpetersĂ€ure gemengt, löst Gold zu einer Lösung, aus welcher beim VerdĂŒnnen mit Wasser metallisches Gold wieder ausfĂ€llt. Chlor und Brom greifen Gold schon in der KĂ€lte lebhaft an. Daher wirken Königswasser und andere Chlor oder Brom entwickelnde Gemische, z. B. Chloride oder Bromide in Gegenwart von Braunstein und SchwefelsĂ€ure, femer Chlor oder Brom enthaltende FlĂŒssigkeiten, nĂ€mlich sogar Chlorwasser oder Bromwasser, lösend auf Gold ein, unter Bildung von Aurichlorid, AuCig, bez. Auribromid, AuBrg. Die königswĂ€ssrige Lösimg liefert — besonders, wenn beim Lösen viel SalzsĂ€ure zugegen war — bei langsamem Verdunsten die langen gelben Nadeln, welche allgemein ,, Goldchlorid** genannt werden, that- sĂ€chlich aber die Verbindung „ChlorwasserstofiFaurichlorid": HCl, AuClg, 4H2O HAUCI4, 4H2O darstellen.

3. Kaliumcyanid selbst in sehr verdĂŒnnter Lösung (0,1 bis 0,25 Âź/o) löst ebenfalls das Gold, namentlich in feiner Vertheilung, wenn Sauerstoff zutreten kann; das Lösungsvermögen nimmt daher zu, wenn die Cyanidlösung eine leicht reducirbare Substanz (z. B. Kaliumferricyanid) enthĂ€lt (Moldenhauer); es bildet sich Kaliumaurocyanid 2) :

4 Au -1- 8 KCy +2HO + 4. KAuCyg + 4 KOH

4. Schmelzende Alkalien, sowie schmelzendes Kaliumbisulfat wirken auf Gold nicht ein.

5. Das Gold bildet nur eine Reihe bestÀniger Salze, die dem Oxyde AugOg entsprechenden* Auris alz e). Wir werden daher haupt- sÀchlich nur diese besprechen und kurzweg als Goldsalze bezeichnen.

1063,5° nach H. Holborn und A. Day {Ann. 321 (1901), welche diese Zahl als Mittelwerth ihrer zahlreichen, Àusserst sorgfÀltigen Schmelzpunkt-Bestimmungen fanden; 1064° nach D. Berthelot: C. r. 120 (1898), 473.

Diese Reaction wird in neuerer Zeit zur Gewinnung des Goldes aus seinen Erzen benutzt; zweifellos kann sie auch zum Nachweise des Goldes dienen.

Nach G. B ÖdlĂ€nder (Z. anew. Ch. 1890, 583) verlĂ€uft die Reaction in zwei Phasen, bei deren erster sich Wasserstoffsuperoxyd bildet, welches in zweiter Phase den Sauerstoff der ersten vertritt:

4Au + 8KCy + 4110 + 2 O., 4KAuCy, + 4KOH -\-2HO,, 2 Au + 4 KCy + H,0, 2KAuCy2 + 2KOH.

Das in vorstehender Fussnote 3 angegebene Kaliumaurocyanid scheint eine Ausnahme zu bilden; in ihm ist jedoch nach BodlÀnder (1. cit., S. 587) das complcxe Ion AuCy, anzunehmen.

De Koninck-Meineke, Mineralanalyse. 11.

194 EigeDschaften der Goldsalze.

Eigenschaften der Goldsalze

1208. 1. Das braune, zerfliessliche, krystallinische Goldchlorid, AuCIg, und seine Verbindungen mit SalzsĂ€ure sowie mit den AlkaJichloriden sind die wichtigsten Goldsalze; sie besitzen lebhaft orangegelbe Farbe. Das Goldchlorid ist in Wasser, in Alkohol und in Aether leicht löslich. Beim Lösen in Wasser bildet sich die Verbindung AuClg, Hg O Hg Au Clg O, eine zweibasische SĂ€ure, von welcher Salze, z. B. AggAuClgO, existiren. Auf ca. 200 erhitzt, zerfallt es in weisses, wasserunlösliches Aurochlorid und Chlor : AuClg AuCl + Clg. Das Chlorwasserstoffaurichlorid HAuCl, 4 HgO (vergl. § 1207, Nr. 2) — ebenfalls Salze bildend, z. B. AgAuCl — , in Wasser sowie auch in Aether löslich, zersetzt sich beim Erhitzen in Wasser, Chlorwasserstoff, Chlor, Aurochlorid und Aurichlorid. Hohen Temperaturen ausgesetzt, werden die genannten Goldsalze vollstĂ€ndig zersetzt: 2AuCl3 2Au + 3Cl2.

2. Schwefelwasserstoff') fĂ€llt in der KĂ€lte aus den sehr ver dĂŒnnten neutralen oder sauren Goldlösungen einen braunschwarzen Niederschlag von Sulfid, AugSg. In der WĂ€rme sowie auf concentrirte Lösungen wirkt Schwefelwasserstoff reducirend und fĂ€llt Gold.

Mit diesen FÀllungen ist die Bildung von SchwefelsÀure verbunden: 8 AuClg + 9 HgS + 4 HgO 4 AugSg +H2SO4 + 24 HCl , 8 AuClg + 3 HgS + 12 HgO 8 Au + 3 HgSO + 24 HCl. Das Sulfid ist unlöslich in allen SÀuren mit Ausnahme von Königswasser; es ist unlöslich in Ammoniumcarbonat.

Es ist fast unlöslich in den normalen Alkalisulfiden, wenig löslich in Anmioniumpolysulfid , leichter löslich in den Polysulfiden des Kaliums und des Natriums; diese Lösungen sind braunroth. SÀuren fallen aus ihnen wieder Aurosulfid 3).

Das normale Ammoniumsulfid reducirt das Goldsulfid: AugSg + AmgS 2 Au + AmgSg.

3. Ammoniumsulfid fÀllt demnach wie Schwefelwasserstoff, je nach den Bedingungen, das Gold als Sulfid oder als Metall.

4. Ammoniak, in eine Aurilösung gegossen, bildet darin einen schmutzig -gelben Niederschlag, welcher, getrocknet, durch einen Schlag oder bei Einwirkung von Hitze heftig explodirt (Knallgold). Nach frĂŒheren Ansichten stellt er ein Aurioxyd-Ammoniak dar, welches sich nach folgender Reaction bildet:

2 AuClg + 10 NH3 + 3 HgO AugOg, 4 NH3 + 6 NHCl. Nach neueren Ergebnissen hat der Niederschlag wechselnde Zusammensetzung und enthĂ€lt hauntsĂ€chlich die Verbindung HgN — Au NH.

Siehe L. Vanino und L. Seemann: B. 32 (1899), 1968. Siehe Antony und Lucchesi: Gazz. eh. ital. 19 (1889), 545. Siehe Riban: Bull. Soc, eh. 28 (1877), 241.

Eigenschaften der Goldsalze.

5. Alkalihydrate fallen gelbes, flockiges Aurihydrat, in einem Ueberschusse des Reagens löslich unter Bildung der Alkalis alz e der frei nicht bekannten MetagoldsÀure, z. B. Kaliummetaaurat,

AuClg + 3 KOH + 3 KCl , + KOH + 2 HgO. Die wÀssrige Lösung dieser Aurate liefert durch einfache Umsetzung viele Metallaurate, z. B.:

+ AgNOg + KNO3.

6*. Stannochlorid ruft in Goldlösungen, je nach ihrer Concentration, eine violette bis braunrothe FĂ€rbung oder einen Niederschlag von gleicher Farbe hervor, welchen man als Cassius'schen Purpur bezeichnet, ĂŒber dessen Formel noch gestritten wird. Gewöhnlich nahm man an, dass dieser Purpur ein von fein vertheiltem Golde gefĂ€rbtes Stannihydrat ist) (vergl. § 1132, Nr. 9). Er könnte aber auch ein Aurostannioxyd AugSngOg sein, dessen Bildung durch die Formel

2 AuClg + SnjCl + 5 HO AugSugO + 10 HCl zu erklÀren wÀre. Nach Zsigmondy) ist er ein Gemenge von colloidalem Gold und co 11 o idaler ZinnsÀure. Der Niederschlag wird von Ammoniak gelöst, von ChlorwasserstoflfsÀure zersetzt

Diese Reaction ist sehr empfindlich; bei einiger Aufinerksamkeit erkennt man durch sie das Gold in einer Lösung von 1 : 5 000 000

7*. Ferrosulfat und die anderen Ferrosalze bewirken in den schwefelsauren oder salzsauren Goldsalzlösungen in der KÀlte sofort eine FÀllung von reducirtem Golde:

Der Niederschlag ist braun und pulverig; ist die Lösung sehr ver- dĂŒnnt, so erscheint die FlĂŒssigkeit, in welcher das Gold alsdann suspendirt bleibt, im durchfallenden Lichte blau.

8. Giesst man eine Lösung von Ferrosulfat in eine sehr verdĂŒnnte Goldlösung, welche Kalihydrat oder Natronhydrat im Ueberschusse ent- hĂ€lt, so nimmt die FlĂŒssigkeit eine PurpurfĂ€rbung an. In einer concentrirteren Lösung erhĂ€lt man einen schwarzen Niederschlag.

9. OxalsÀure reducirt ebenfalls das Aurichlorid; die Reaction ver- lÀuft langsam, schneller beim ErwÀrmen:

2 AUCI3 -f 3 H2C2O4 2 Au + 6 HCl + 6 COj. Das reducirte Gold ist gelb und glÀnzend. Die Reduction wird durch die Gegenwart von SalpetersÀure oder von grossen Mengen Salz- sÀure beeintrÀchtigt.

10. Schweflige SÀure reducirt die Goldlösungen, so dass das

lieber die lösliche Modification siege E. A. Schneider: Z, anorg. Ch. 6 (1894), 80.

Is*

m

BestimmuDg des Goldes.

Licht mit blauer Farbe durchscheint; beim Kochen scheidet sich braunes, pulveriges Gold ab.

10a. Salpetrige SÀure sowie auch Stickoxyd reduciren Goldsalzlösungen ebenfalls zu metallischem Gold.

11. Auch durch Hydroxylaminchlorhydrat, durch Formaldehyd oder Wasserstoffsuperoxyd, letztere in alkalischer Lösung, werden Goldlösimgen gefallt. Wasserstoffsuperoxyd giebt dabei einen schwarzen Niederschlag; wenn die Lösung sehr verdĂŒnnt ist, so erhĂ€lt man nur eine mehr oder weniger tiefe BlaufĂ€rbung, welche noch bei 0,03 mgr Gold in 10 cc FlĂŒssigkeit deutlich ist).

12. In Goldchloridlösungen bewirkt aufgeschlĂ€mates Mercurioxyd einen beim ErwĂ€rmen schnell sich zusammenballenden Niederschlagt) (Goldoxyd?). Ebenso liefern ĂŒberschĂŒssiges Magnesiumoxyd (besser basisches Magnesiumcarbonat) oder Zinkoxyd in siedender Goldchloridlösung braune NiederschlĂ€ge, welche beim Behandehi mit SalpetersĂ€ure gelbrothes Aurihydrat zurĂŒcklassen 8).

13. Kaliumchlorid und Ammoniumchlorid bewirken in den Goldlösungen keine FÀllungen; es bilden sich leicht lösliche Doppelchloride (vergl. § 1219, Nr. 12) bez. die Alkalisalze des Chlorwasserstoflfaurichlorids HAuCl.

13a. Kaliumjodid liefert unter Jodabscheidung gelbgrĂŒnes Aurojodid; die FlĂŒssigkeit fĂ€rbt sich hierbei braunschwarz.

14. Kaliumcyanid giebt einen gelben, im ĂŒberschĂŒssigen FĂ€llungsmittel löslichen Niederschlag; Kalium ferrocyanid erzeugt eine smaragdgrĂŒne FĂ€rbung.

15. Fast alle unedlen Metalle — ausserdem Blei, Quecksilber, Silber und Platin — fĂ€llen das Gold aus seinen Lösungen, wobei sie oft wie vergoldet erscheinen. Setzt man zu einigen Tropfen Goldchlorid- lösung wenig ArsensĂ€ure, darauf einige Tropfen Ferrichlorid und ebensoviel SalzsĂ€ure, dann etwas Wasser und giebt nun ein StĂŒck Zink hinein, so entsteht allmĂ€hlich eine PurpurfĂ€rbung*).

16. Auf Kohle, mit Soda erhitzt, werden die Goldverbindungen leicht reducirt; man erhĂ€lt gelbe, glĂ€nzende Flitter, welche bei hoher Temperatur zu KĂŒgelchen schmelzen.

Bestimmung des Goldes. A. Durch WĂ€gung.

Das Gold wird immer in metallischem Zustande bestimmt;

L. Vanino und L. Seemann: 1. cit., S. 29 u. 361.

L. Ho fl mann und G. KrĂŒss: Ann. 238 (1887), 66.

Pelletier: Ann. de eh. et de phys. 15 (1820), 5 u. 113; siege auch Wittstein: Jahresber. 1866, 264 .

") Carnot: C. r. 97 (1883), 105. Die Rcaction ist noch bei 0,0001 gr Gold in 100 cc FlĂŒssigkeit empfindlich.

A. Durch WĂ€gung.

die Verfahren unterscheiden sich nur durch die Mittel, welche es in dieser Form liefern.

1210 L Durch GlĂŒhen. Man erhitzt die Substanz, entweder fĂŒr sich oder, um die Reduction zu begĂŒnstigen, mit reinem Ammoniumoxalat, oder im Wasserstofifstrom, in einem Porzellantiegel.

Wenn kein anderer feuerbestÀniger Stoff zugegen ist, so erhÀlt man das Gold unmittelbar in reinem Zustande.

Ist ein fremder feuerbestĂ€niger Stoff zugegen, welcher in Wasser, in SalzsĂ€ure oder in SalpetersĂ€ure löslich ist, so muss man das GlĂŒh- product nĂŒt einem dieser Lösungsmittel behandeln und das zurĂŒckbleibende Gold vor seiner WĂ€gung durch Decantiren auswaschen.

Dieses Verfahren ist das einfachste und beste und kann auch zur Bestimmung des Goldes im Chlorid, Sulfid u. s. w. angewandt werden.

1211. 11. Durch SchwefelwasserstofT. Die verdĂŒnnte und von SalpetersĂ€ure freie Lösung wird kalt oder warm mit SchwefelwasserstofFgas gesĂ€ttigt. Der ausgewaschene Niederschlag wird durch GlĂŒhenvollstĂ€ndig reducirt.

1212. in. Durch Magnesium 2). Man fĂ€llt durch Magnesium das Gold als Metall, wĂ€ es, event. unter Zusatz von SalzsĂ€ure, aus, glĂŒht und wĂ€gt es.

1213. IV. Durch andere Verfahren der FĂ€Uung in metallischem Zustande. Man giesst in die von SalpetersĂ€ure freie — event. also durch mehrmaliges Abdampfen mit SalzsĂ€ure von SalpetersĂ€ure befreite — Lösung die Lösung eines Ferrosalzes (Chlorid oder Sulfat) im Ueberschusse und lĂ€sst an einem massig warmen Platze absitzen. Das gefallte'Gold wird auf einem Filter gesammelt, nĂŒt Wasser, welchem etwas SalzsĂ€ure zugesetzt ist, ausgewaschen und nach dem Veraschen des Filters gewogen. Levol empfiehlt statt des Ferrosalzes Antimoniochlorid in ziemlich stark salzsaurer Lösung.

Will man in die Lösung kein Metallsalz bringen, so wendet man schweflige SÀure oder OxalsÀure (auch Ammoniumoxalat) als FÀllungsmittel an. Man setzt diese Reagentien im Ueberschusse zu, giesst dann etwas SchwefelsÀure hinein und erwÀrmt lange Zeit massig. EnthÀlt die Goldlösung viel SalzsÀure, so muss man den Ueberschuss durch Abdampfen vorher entfernen, weil anderen Falles die FÀllung leicht unvollstÀndig bleibt (vergl. § 1208, Nr. 9).

Winkler) hat Hydroxylaminchlorhydrat zur FÀllung des Goldes sehr empfohlen. Ebenso sind Formaldehyd*) wie auch Wasserstoffsuperoxyd) vorgeschlagen worden (vergl. § 1208, Nr. 11).

12 14 V. Durch Mercurioxyd. Bei den soeben beschriebenen

FÀllt man warm, so enthÀlt der Niederschlag schon reducirtes Gold (vergl. § 1208, Nr. 2).

C. Schcibler: B. 2 (1869), 295; A. Villiers und F. Borg: C. r. UÖ (1893), 1524; vergl. § 1223.

B. 22 (1889), 890; siege auch Lainer: Monatsh. Ch. 12 (1891), 639.

L. Vanino und L. Seemann: B. 82 (1899), 1968.

Bestimmung des Goldes.

Verfahren scheidet sich das Gold in so fein vertheiltem Zustande ab, dass leicht ein geringer Theil durch das Filter geht. Um dem Uebelstande vorzubeugen, haben L. Hoff mann und G. KrĂŒss empfohlen, das Gold aus der Chloridlösung durch aufgeschlĂ€mates Mercurioxyd zu fallen (vergl. § 1208, Nr. 12). Der beim ErwĂ€rmen sich zusammenballende Niederschlag lĂ€sst sich gut filtriren und auswaschen. Durch GlĂŒhen verjagt man das beigemischte Mercurioxyd und erhĂ€lt als RĂŒckstand reines Gold, welches gewogen wird.

Die Anwendbarkeit des Verfahrens ist selbstverstÀndlich nur dann möglich, wenn die Lösung keine anderen durch dasselbe Reagens fallbaren Metallsalze enthÀlt.

1215. VI. Durch Elektrolyse). Man setzt zu der Goldlösung Kaliumcyanid in geringem Ueberschusse und elektrolysirt sie mit einem sehr schwachen Strom, welcher nur 0,025 bis 0,035 cc Knallgas in der Minute giebt. Das Gold scheidet sich als glĂ€nzender zusammenhĂ€gender Niederschlag ab, welcher bei unterbrochenem Strom schnell ausgewaschen wird. Um das niedergeschlagene Gold von der Elektrode zu entfernen, muss man es in Königswasser') lösen. Da Königswasser auch die Platinelektrode angreift, sucht man diese zu schĂŒtzen, indem man sie bevor sie tarirt wird, mit einer Schicht von Silber, welche man elektrolytisch auf ihr niederschlĂ€gt (siege § 1010), ĂŒberzieht und das Lösungsmittel nicht lĂ€nger, als nothwendig ist, einwirken lĂ€sst

1216 VII. Dokimastische Bestunmung In derselben Weise,, wie wir beim Silber beschrieben (§ 1003), schmilzt man die Substanz unter Zusatz geeigneter Flussmittel mit Bleioxyd und Kohle in einem Thontiegel oder in einem eisernen Tiegel*) auch zur Bestimmung des in der Regel nur sehr geringen Goldgehaltes in Erzen oder Àhnlichen Stoffen; man erhÀlt einen Bleiregulus, welcher, nachdem er von der Schlacke getrennt ist, auf der Capelle im Muffelofen abgetrieben wird. Bei dieser letzteren Operation muss man zuletzt eine höhere Temperatur anwenden, als bei der Cupellation des Silbers, weil das Gold schwerer schmelzbar ist als dieses.

Es kommt so gut wie niemals vor, dass goldhaltige Stoflfe frei von Silber sind; man erhĂ€lt daher durch Cupellation eine Legirung beider Metalle. Behandelt man diese in dĂŒnnen Platten mit SalpetersĂ€ure, so löst sich nur das Silber und angelöst bleibt das Gold, welches durch Decantiren mit heissem Wasser ausgewaschen wird.

') A.Classen: op. cit. S. 98,dass. 4. Aufl. (1897), S.189; J.Riban: op.cit. S.138.

Dupre (C lassen: op. cit. 4. Aufl. (1897), S. 189) wendet zur Lösung des Goldes ChromsÀureanhydrid in gesÀttigter Natriumchloridlösung, Smith {Ch. CentrbL [4] 3 (1891) I, 811) Kaliumcyanidlösung an.

Auf manche- Einzelheiten, welche auf das Gelingen des Versuches von Einfluss sind, gehen wir hier nicht weiter ein, sondern verweisen auf die Speciallitteratur (siege Bd. II, S. 91, Fussnote).

Ist Blei bereits in genĂŒgender Menge vorhanden, so unterbleibt ein weiterer Zusatz. — Geschwefelte Erze werden am besten in einem eisernen Tiegel geschmolzen; benutzt man einen Thontiegel, so setzt man einige eiserne NĂ€gel zu.

Platin. EigcDschaften des Platins.

Dieses Verfahren ist aber nur dann direct anwendbar, wenn die Legirung nicht mehr als höchstens 28 Ÿ/o Gold enthÀlt bez. 1 Th. Gold auf 2,5 Th. Silber; ist die Legirung goldreicher, so muss sie vorher mit etwas Blei und so viel Silber, dass höchstens der oben bezeichnete Goldgehalt erreicht wird, auf einer Capelle zusanunengeschmolzen und nochmals cupellirt werden).

Legirungen von Gold mit Blei, mit Wismuth oder mit Kupfer werden, wie die Legirungen des Silbers mit denselben Metallen (siege § 1002), mit oder ohne Zusatz von Blei auf der Capelle abgetrieben.

B. Durch Titrimetrie. 1217. Durch Ealiumöxalat. G. B. Franceschi reducirt die Goldlösung durch eine bekannte, im Ueberschuss angewandte Menge von Kaliumoxalat und titrirt den Ueberschuss mit Kaliumpermanganat zurĂŒck -).

Platin.

Eigenschaften des Platins. 1218. 1. Das Platin ist ein graues, dehnbares Metall mit dem sp. G. 21,48. Es ist vor dem Löthrohre nicht zum Schmelzen zu bringen. Sein Schmelzpunkt liegt etwas unterhalb 2000*. An der Luft ist es, auch bei hoher Temperatur, nicht oxydirbar.

2. Einfache SĂ€uren sind ohne Einwirkung auf Platin; ist es jedoch mit einer genĂŒgenden Menge von Silber legit, so wird es gleichzeitig mit diesem letzteren Metalle von SalpetersĂ€ure gelöst, wĂ€hrend heisse concentrirte SchwefelsĂ€ure in diesem Fall nur Silber löst. Königswasser und Gemische, welche Chlor entwickeln, lösen es, indem Platinichlorid, PtCl4, bez. PlatinchlorwasserstofifsĂ€ure, HgPtClß, entstehen.

3. Schmelzende Alkalibisulfate greifen es nicht an 8).

4. Schmelzende Alkalihydrate bilden mit Platin eine gelbe lös- liche Verbindung (Kaliumplatinat, KgPtOg); ein Zusatz von Nitrat be- gĂŒnstigt diese Einwirkung. Alkalisuperoxyde greifen Platin ebenfalls an.

Man bezeichnet dieses Verfahren mit dem althergebrachten Ausdrucke „Inquartation", welcher dadurch entstanden ist, dass man frĂŒher als höchsten zulĂ€ssigen Goldgehalt der Gold -Silber -Legirung 25% annahm; fĂŒr das gesammte Verfahren (Inquartation und Behandeln mit SalpetersĂ€ure) hat mau den technischen Ausdruck „Scheidung durch die Quart". — Vergl. auch hierĂŒber die Special werke ĂŒber Probirkunstu. s. w.; ebenso verweisen wir auf den Artikel „Gold" in Muspratt: Theoretische praktische und analytische Chemie, 4. Aufl., Bd. III {Braunschweig 1889—91).

Boll. chim. farm. 88 (1894), 35. Ueber die Bestimmung des Goldes durch Jodometrie siege H. Peterson: Z. anorg. Ch. 19 (1899), 59, sowie F. A. Gooch und F. A. Morley: ebendas. 22 (1900), 200.

Im Handel findet man indessen hÀufig Platintiegel, welche von schmelzendem Kaliumbisulfat merklich angegriffen werden: löst man die geschmolzene Masse in Wasser, so ruft Schwefelwasserstoff in dieser Lösung einen brÀunlichen Niederschlag hervor. (Meineke.)

Eigenschaften der Platinsalze.

5. Schmelzende Alkalicarbonate greifen das Platin langsam und nur sehr wenig an, z. B. wenn man die Schmelzung in einem Gefasse aus diesem Metalle vornimmt; mit Wasser aufgenommen, giebt die geschmolzene Masse eine nur ganz schwach gelb gefÀrbte Lösung).

6. Auch eine Mischung von Sand und Kohle greift in der Hitze Platin stark an, indem sich sprödes Siliciumplatin bildet.

7. Das Platin bildet Platinosalze, z. B. Pt2Cl4, und Platinisalze, wie PtCl; letztere sind die bestĂ€ndigsten und analytisch wichtigsten; sie sind gemeint, wenn wir von „Platinsalzen** sprechen werden.

Eigenschaften der Platinsalze.

1219 1. Die einzigen wichtigen Platinsalze sind das Chlorid und die Doppelchloride (Chlorplatinate), welche genes mit den Chloriden der Alkalimetalle und der Metalle der alkalischen Erden bildet Das bei der Analyse vielfach Anwendung findende sog. Platinchlorid ist als die SĂ€ure HgPtCIg, Wasserstoffplatinchlorid, aufzufassen, von welcher sich die Doppelchloride, z. B. das Kaliumplatinchlorid KgPtClß, ableiten).

Die Platinsalze sind gelb oder brÀunlichgelb; bei hoher Temperatur erleiden sie Zersetzung:

PtCl4=:Pt+2Cl2.

2. Schwefelwasserstoff) ruft in kalten Platinlösungen zunÀ eine braunschwarze FÀrbung hervor; mit der Zeit erhÀlt man einen braunen Niederschlag von Platinisulfid, der jedoch meist mit metallischem Platin gemengt ist:

PtCl + 2 H.S PtS., + 4 HCl. Beim Kochen entsteht der Niederschlag schnell.

Das Platinsulfid zeigt fast dieselben Löslichkeitserscheinungen wie das Goldsulfid (siege § 1208, Nr. 2)*). Die Löslichkeit des Platinsulfides in Alkalisulfiden oder Alkalipolysulfiden wird durch Gegenwart von Sulfiden der Cadmium-oder Arsengruppe erhöht. Die Lösungen des Platinsulfids in Alkalisulfiden werden durch SÀuren leichter zersetzt, wenn andere Sulfosalze, z. B. des Antimons, Arsens oder Zinns, gleichzeitig mit dem Platin in Lösung sind.

3. Ammoniumsulfid bewirkt unmittelbar FĂ€llung von Platinsulfid.

4. Ammoniak, in kleiner Menge in eine Lösung von Platinchlorid bez. PlatinchlorwasserstoffsĂ€ure gegossen, fallt aus derselben gelbes Ammoniumplatinchlorid; giesst man dagegen die Lösung von Platinchlorid in einen Ueberschuss von Ammoniak, so entsteht kein Niederschlag; die FlĂŒssigkeit wird beim farblos.

5. Kalihydrat bewirkt eine FĂ€llung von Kalium platinchlorid, welches

') De Koninck: Z. anal. Ch. 18 (1879), 569. Siehe auch Bd. I, S. 67, § 69- ') Siehe Bd. I, S. 277, Fussoote 3.

Siehe V. Antouy und A. Lucchesi: Gazz. ch. ital. 26 (1896) I, 218. Riban: Bull. Soc. ch. 28 (1877), 241.

m

BestimmuDg des Platins. A. Durch WaguDg.

selbst in der WÀrme nur in geringem Maasse in einem Ueberschusse des Reagens löslich ist

Natronhydrat bewirkt keinen Niederschlag.

6. Stannochlorid fÀrbt die Platinlösungen braun, in Folge einer Bildung von Platinochlorid, PtjCl:

7. Ferrosulfat, OxalsÀure, schweflige SÀure redudren die angesÀuerten Platinlösungen nicht (vergl. § 1208, Nr. 7 fif.).

8. In Gegenwart von Natronhydrat entsteht durch ein Ferro salz ein schwarzer Niederschlag von reducirtem Platin und Eisenhydroxyden; man isolirt ersteres durch Behandeln des Gemisches mit SalzsÀure (vergl. § 1208, Nr. 8).

9. Kaliumjodid fĂ€rbt verdĂŒnnte und kate Lösungen tief dunkelbraun; beim ErwĂ€rmen entsteht ein schwarzer Niederschlag von Platinijodid (vergl. § 1208, Nr. 13 a).

10*. Mit der Lösung eines Formiats erhitzt, werden die Platinsalze unter Abscheidung von schwarzem metallischem Platin zersetzt (vergl. Bd. I, S. 285):

PtCl + 2 HCOONa Pt + 2 NaCl + 2 HCl + 2 CO2.

11. Auch von Mercurochlorid werden sie reducirt: PtCU + 2 Ug,C\, Pt + 4 HgCl.

12*. Concentrirte Lösungen von Kaliumchlorid bez. Ammoniumchlorid rufen in sauren und kalten Platinlösungen gelbe NiederschlĂ€ge von den Doppelchloriden KoPtClg bez. AmPtClg hervor, deren Eigenschaften wir schon frĂŒher beschrieben haben (siege Bd. I, § 304, Nr. 3, und § 387, Nr. 3).

13. Auf Kohle mit Soda erhitzt, geben die Platin Verbindungen Platin in Form grauer Partikelchen, welche nicht schmelzbar und nicht oxydirbar sind und von dem Magneten nicht angezogen werden.

Bestimmung des Platins. A. Durch WĂ€gung.

1220. L Durch GlĂŒhen. Man verfahrt wie bei der Bestimmung des Goldes (§ 1210); die Reduction wird durch OxalsĂ€ure oder dadurch, dass man unter Wasserstoff im Rose' sehen Tiegel glĂŒht (siege Bestimmung des Kaliums, Bd. I, § 307, S. 285), begĂŒnstigt.

1221. IL Durch Ammoniamchlorid. Die concentrirte und nicht zu saure Platinlösung wird erhitzt und mit einem Ueberschusse einer concentrirten und heissen Lösung von Ammoniumchlorid versetzt. Nach dem Erkalten wird der Niederschlag auf ein Filter gebracht, mit einer kalten und gesĂ€ttigten Lösung von Ammoniumchlorid ausgewaschen, getrocknet und in einem Porzellantiegel vorsichtig geglĂŒht.

Das zurĂŒckbleibende GlĂŒproduct ist metallisches, schwammförmiges Platin, welches gewogen wird (siege § 395).

Bestimmung des Platins.

1222. ni. Durch SohwefelwasserstofC Die FĂ€llung geschieht durch andauerndes Einleiten von Schwefelwasserstoff in die heisse, von SalpetersĂ€ure freie Lösung. Das Sulfid wird durch GlĂŒhen zu Metall reducirt

1223. IV. Durch Magnesium. Die neutral Platinlösung wird warm mit Magnesium unter den in § 310 angegebenen Bedingungen behandelt. Das gefÀllte Platin wird mit EssigsÀure ausgewaschen und gewogen

1224. V. Durch ein Formiat. Die neutral oder schwach saure Lösung wird mit einem löslichen Formiat, z.B. Natriumformiat, erwĂ€rmt. Das gebildete Platin wird auf einem Filter gesammelt, geglĂŒht und gewogen.

I 1224 a. VL Durch Mercorochlorid. Metallisches Platin wird erhalten durch Kochen der Lösung mit einem kleinen Ueberschusse von Mercurochlorid. Der Platinniederschlag wird durch GlĂŒhen vom anhaftenden Mercurosalz befreit.

1224 b. VIL Durch Perrohydrat. In saurer Lösung wird Platin durch Ferrosalze nicht gefĂ€llt; wohl aber reducirt Ferrohydrat die Alkaliplatinate. Diese Reaction wendet man, wie folgt, an: Man setzt zu der Platinlösung ein Ferrosalz (Chlorid oder Sulfat) in geringem Ueberschusse, dann einen Ueberschuss von Natronhydrat oder Natriumcarbon at, und kocht; behandelt man nun das Gemisch mit SalzsĂ€ure, so werden die Eisenhydrate gelöst, wĂ€hrend das reducirte Platin angelöst zurĂŒckbleibt; man sammelt dieses auf einem Filter und wĂ€gt es. Zum Auswaschen benutzt man, wie stets, wenn Eisensalze zu entfernen sind, mit SalzsĂ€ure angesĂ€uertes Wasser; ohne diese Vorsicht bleibt das Filtrirpapier, besonders am Rande, leicht mit Ferrisalz imprĂ€gnirt.

1225. VIII. Durch Blektarolyse 2). Das Platin muss als Chlorid vorhanden sein; man setzt zu der Lösung 2Âź/q hires Volumens verdĂŒnnte SchwefelsĂ€ure (1 Vol. SĂ€ure auf 5 Vol. Wasser) und elektrolysirt mit einem Strome von 0,01 bis 0,03 Ampere auf den Quadratdecimeter bedeckter FlĂ€che. Unter diesen UmstĂ€nden Ă€gt sich das Platin als zusammenhĂ€gender Ueberzug nieder; es kann bei unterbrochenem Strome ausgewaschen werden. Der elektrolytische Ueberzug haftet sehr fest an der Elektrode; man braucht ihn nur mittels Seesand und etwas Wasser zu glĂ€tten, um die Schale von Neuem zu benutzen.

Will man die Elektrode durch einen so gewonnenen Ueberzug nicht dauernd verÀndern, so verfahrt man wie beim Golde (§ 1215).

B. Durch Titrimetrie. 1225 a. Durch Silbemitrat. Auf Kaliumoder Ammoniumplatinchlorid — frei von fremden Chloriden — kann das fĂŒr die Bestimmung des Kaliums (Bd. I, § 311) beschriebene Verfahren Anwendung finden).

') Scheibler: Ä 2 (1869), 295; A. Villiers u. F. Borg: C. r. UÖ (1893). 1524. A. Classen: op. cit. S. 98, dass. 4. Aufl., S. 194; von Miller uod Kiliani: op. cit. S. 262; J. Riban: op. cit. S. 140. De Koninck: Ch.-Z. 19 (1895), 901.

Aufsuchung der Metalle der ArseDgrappe ia GemischeD. 203

Aufsuchung der Metalle der Arsengruppe in Gemischen.

I. Aufsuchung von Zinn, Antimon und Arsen.

1226 Bei einer allgemeinen Analyse, bei welcher man die Metalle in bestimmte Gruppen scheidet, erhĂ€lt man die genannten Metalle als Sulfide, und alle Aufsuchungsmethoden beruhen auf den Eigenschaften dieser Verbindungen. Um diese Methoden in dem einfachsten Falle, welchen wir an dieser Stelle besprechen, anzuwenden, muss man daher in erster Linie durch Schwefelwasserstoff fĂ€llen. Diese Operation erfordert einige Vorsicht. Die vollstĂ€ndige FĂ€llung des Arsens der Arseniverbindungen gelingt nur in der WĂ€rme und bei lĂ€ngerer Einwirkung des Reagens, oder besser, nachdem die Arseniverbindung vorher durch schweflige SĂ€ure, von welcher ein etwa angewandter Ueberschuss sorg- fĂ€llig durch Kochen zu " entfernen ist , in die Arsenoverbindung ĂŒbergenĂŒhrt worden ist; Zinn und Antimon werden vollstĂ€ndig nur gefĂ€llt, wenn die Lösung kalt, verdĂŒnnt und schwach sauer ist.

Setzt man zu der ursprĂŒnglichen Lösung Wasser, so kann ein Niederschlag von basischen Salzen entstehen; wenngleich diese bei dauernder Einwirkung des Reagens ebenfalls in Sulfide ĂŒbergenĂŒhrt werden, so ist es doch besser, ihre Entstehung zu vermeiden. Das folgende Verfahren trĂ€gt diesen verschiedenen UmstĂ€nden Rechnung und giebt befriedigende Resultate.

Die saure, ziemlich concentrirte Lösung wird kalt mit Schwefelwasserstoff gesĂ€ttigt und dann, unter fortgesetztem Einleiten eines langsamen Stromes von Schwefelwasserstoff, auf dem Wasserbade erwĂ€rmt. Wenn das Arsen vollstĂ€ndig gefĂ€llt ist, lĂ€sst man erkalten und leitet wieder Schwefelwasserstoff ein, wĂ€hrend man die Lösung allmĂ€hlich durch Zusatz von kaltem Wasser in jeweilig geringen Mengen verdĂŒnnt.

Wenn die Lösung frei von Arseni Verbindungen ist oder diese vorher reducirt worden sind), so verfahrt man in gleicher Weise, nur mit dem Unterschiede, dass das ErwÀrmen unterbleiben kann.

An die Stelle des Schwefelwasserstoffes kann man die von Schifi vorgeschlagene ThioessigsÀure oder das haltbarere Ammoniumthioacetat treten lassen. Dieses Reagens hat beim Vorhandensein von Arseniverbindungen den Vorzug, dass dieselben bei massigem ErwÀrmen sofort als Arsenosulfid gefÀllt werden (siege § 1183, Nr. 5). Unter den gleichen UmstÀnden werden Zinn und Antimon ebenfalls unmittelbar gefÀllt

Wirkt die Lösung auf Kaliumpermanganat oder JodslĂ€rke rediicirend, so braucht man dieselbe natĂŒrlich nicht mit schwefliger SĂ€ure zu reduciren, blĂ€ut sie dagegen eine Mischung von StĂ€rkekleister und einem löslichen Jodide, so ist sie zu reduciren. Eine stannochloridhaltige Lösung braucht also nicht mit schwefliger SĂ€ure behandelt zu werden. Trotzdem erinnern wir daran, dass, falls dies doch geschieht, eine FĂ€llung von Schwefel oder Sulfiden enstehen wĂŒrde (vergl. § 1132, Nr. 17).

AufsuchiiDg der Metalle der ArseDgruppe in Gemischen.

Der Sulfidniederschlag, dessen Farbe bereits einige weitere Fingerzeige geben kann, wird auf ein Filter gebracht und ausgewaschen, nachdem man sich von der VollstĂ€ndigkeit der FĂ€llung in der bei der FĂ€llung der Sulfide der Cadmiumgruppe angegebenen Weise (§1021) ĂŒberzeugt hat

1227. Erstes Verfithren. Durch SalzsĂ€ure und Eisen. Den gut ausgewaschenen Niederschlag der Sulfide entfernt man vom Filter und behandelt ihn so lange warm mit concentrirter SalzsĂ€ure, bis jegliche Schwefelwasserstoflf-Entwickelung aufgehört hat; die Sulfide des Zinns und des Antimons werden aufgelöst, wĂ€hrend das Arsensulfid, mit Schwefel gemengt, zurĂŒckbleibt. Man trent letztere von der Zinn- Antimonlösung durch Filtration, nachdem man der Lösung etwas Wasser zugesetzt und das Filter, um es gegen die starke SĂ€ure zu schĂŒtzen, mit Wasser stark durchnĂ€sst hat.

Um in dem RĂŒckstande das Arsen mit Sicherheit nachzuweisen, behandelt man ihn mit etwas Königswasser oder Bromwasser und setzt zu der Lösung reichlich Ammoniak und Magnesiummixtur, um den weissen Niederschlag von Ammonium- Magnesium -Arsenat zu erhalten, welchen man an seiner charakteristischen Krystallform (quadratisches System) unter dem Mikroskop als Ammonium-Magnesium- Arsenat identificiren kann; bringt man diesen auf ein Filter, wĂ€ ilin aus und befeuchtet ihn mit einer neutralen Lösung von Silbemitrat, so wird das weisse Doppelarsenat in rothbraunes Silberarsenat verwandelt.

Nach Verjagen des ĂŒberschĂŒssigen Königswassers oder Broms — durch Eindampfen — kann ein Theil der ArsensĂ€urelösung auch im Marsh 'sehen Apparat auf Arsen untersucht werden.

Man kann den RĂŒckstand auch prĂŒfen, indem man ihn in einem geschlossenen Rohre mit KaUumcyanid behandelt: die Gegenwart von Arsen macht sich durch den Arsenring (vergl. jedoch hierzu § 1182, Nr. 22) kenntlich.

In das saure Filtrat des Arsenisulfid-RĂŒckstandes bringt man nach Abdampfen des grössten Theiles des SalzsĂ€ure - Ueberschusses feinen Eisendraht oder feine NĂ€gel; die Lösung nimmt anfangs oft eine gelb- ĂŒche FĂ€rbung) an; das Antimon wird langsam, jedoch vollstĂ€ndig, in Form von schwarzen Flöckchen gefĂ€llt, wĂ€hrend das Zinn als Stannochlorid gelöst bleibt).

Die Ursache dieser FĂ€rbung ist bisher unerklĂ€rt. Von Ferrichlorid kann sie nicht herrĂŒhren, da dieses Salz in Anwesenheit des gleichzeitig gebildeten Stannochlorids nicht bestehen könnte. Sie ist ĂŒberhaupt nicht hellgelb wie die einer Ferrilösung, sondern eher brĂ€unlich. Vielleicht dĂŒrfte man die Ursache in der Anwesenheit eines fremden Körpers oder vielleicht des Kohlenstoffs aus dem Eisen (?) suchen. Diese FĂ€rbungen sind auch mit Stannochlorid ohne Gegenwart von Antimon erhalten worden. (De Koninck: nicht veröffentlichte Beobachtungen.)

Gaulthier de Claubry: C. r, 23 (1846), 101; A. W. Glasen: Z anal. Ch. 4 (1865), 440; Attfield: das. 9 (1870), 107; Tookey: /. prakt. Ch. 88 (1863). 435.

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Aufsuclmiig von Zinn, Antimon und Arsen.

Das Antimon wird auf ein kleines Filter gebracht. Sind die Fleckchen in so geringer Menge vorhanden, dass man vermuthen kann, sie stammen von kohliger, vom Eisen hinterbliebener Masse, so behandelt man sie mit einigen Tropfen Königswasser oder einer Lösung von Brom in SalzsĂ€ure oder eines Gemisches von SalpetersĂ€ure und WeinsĂ€ure und prĂŒft die Lösung mit Schwefelwasserstoff, um event. den charakteristischen Niederschlag von orangerothem Antimonsulfid zu erhalten.

In das Filtrat der schwarzen Antimonflocken (die saure Stannochloridlösung) wird, nachdem der grosse Ueberschuss von SÀure abgestumpft ist, Schwefelwasserstoff geleitet. Zinn wird als braunes Stannosulfid gefallt.

Es ist zu empfehlen, zuerst an einem kleinen Theile der salzsauren Lösung der ursprĂŒnglichen Sulfide einen Versuch mit Cadmium und einem Platinstreifen auszufĂŒhren (vergl. § 1228) und diesem erst die Behandlimg mit Eisen folgen zu lassen.

1228. Zweites Verfahren. Durch SalzsĂ€ure und Cadmium (Zink). Nachdem das Arsen, wie im vorigen Paragraphen angegeben, durch Behandehi der Sulfide mit concentrirter SalzsĂ€ure abgeschieden ist, bringt man in die massig verdĂŒnnte Lösung ein kleines StĂŒck Cadmium und einen Streifen Platinblech, so dass beide in BerĂŒhrung stehen. Ist Antimon in der Lösung, so bildet sich auf dem Bleche ein schwarzer Ueberzug von reducirtem Antimon).

Nach lÀngerem Stehen scheidet sich auch das Zinn in Form kleiner Nadeln oder krystallinischer BlÀttchen ab.

Ist die FĂ€llung beider Metalle beendet, so verdĂŒnnt man die saure FlĂŒssigkeit, in welcher der Niederschlag entstanden ist, lĂ€sst absitzen und decantirt die klare FlĂŒssigkeit, welche man vorlĂ€ufig bei Seite stellt; das angelöste Cadmium sowie das Platinblech nimmt man heraus und behandelt die gefĂ€llten Metalle mit concentrirter SalzsĂ€ure, welch letztere nur das Zinn zu Stannochlorid löst, das Antimon aber nicht angreifen soll.

In der Lösung findet man das Stannochlorid durch einen Ueberschuss von Mercurichlorid, welches einen weissen Niederschlag von Mercurochlorid giebt.

Die zurĂŒckgebliebenen Metallflocken kann man, wie im vorigen Paragraphen angegeben, nach dem Auflösen mit Schwefelwasserstoff auf Antimon prĂŒfen.

Findet man in dem Metallniederschlage kein Zinn, so kann die Schuld darin liegen, dass man der P'Ă€llung durch Cadmium (oder Zink) nicht genĂŒgend Zeit gegönnt hat oder dass die Lösung zu sauer war. Es ist daher zu empfehlen, die bei Seite gestellte Lösung mit Mercuri-

In ErraangeluDg von Cadmium kann man auch Zink anwenden. F leitmann, von dem das Verfahren herrĂŒhrt {Ann. 77 (1851), 126), verwandte zur FĂ€llung Zink. -) R. Fresenius: Z. anal. Ch. 1 (1862), 444.

Aufsuchung der Metalle der Arsengruppe in Gemischen.

I 3p

Chlorid zu prĂŒfen; denn wenn das Zinn nicht gefĂ€llt worden ist, so ist es doch sicher in Stannochlorid ĂŒbergenĂŒhrt.

— Dieses zweite Verfahren ist weniger empfehlenswerth als das erste, wenigstens dann, wenn das zu analysirende Gemisch verhĂ€ltniss- mĂ€ssig nur wenig Zinn enthĂ€lt; auch bietet das erste Verfahren den Vortheil, dass das Zinn durch eine directe Reaction nachgewiesen werden kann.

1229. Drittes Verflahren. Durch AmmoniumbicarbonaL Die vom Filter getrennten Sulfide werden mit einer wĂ€ssrigen, concentrirten Lösung von Ammoniumbicarbonat oder auch -Sesquicarbonat) bei Wasserbadtemperatur digerirt: das Arsensulfid wird gelöst, wĂ€hrend die Sulfide des Zinns und Antimons zurĂŒckbleiben sollen (vergl. §§ 1132, Nr. 3, 1159, Nr. 4, 1182, Nr. 4).

Das Arsen findet man, indem man die ammoniakalische Lösung vorsichtig mit SalzsÀure ansÀuert: das Arsensulfid wird in gelben Flocken wieder gefallt, in welchen das Arsen nach den in § 1227 besprochenen Verfahren nachgewiesen werden kann.

Der RĂŒckstand wird nach einem der beiden ersten Verfahren (§§ 1227 und 1228) auf Zinn und Antimon geprĂŒft.

Das Verfahren durch Ammoniumcarbonat wurde frĂŒher vielfach angewandt; es ist aber nicht mehr als zuverlĂ€ssig zu bezeichnen, nachdem F. W. Schmidt 2) nachgewiesen hat, dass Stannisulfid in dem Ammoniumcarbonate nicht vollstĂ€ndig unlöslich ist. Ferner ist auch AntimonĂŒsulfid nicht ganz unlöslich im angewandten Carbonat und können auch Spuren Arsenisulfid dem Antimomiund Stannisulfid beigemengt bleiben.

1230. Viertes Verfahren. Durch Oxydation und Schmelzen mit Natriumhydrat. Die Sulfide werden warm mit conceutrirter SalpetersĂ€ure behandelt; nach beendeter Oxydation dampft man in einer Porzellanschale zur Trockne, trent den RĂŒckstand ab und schmilzt ihn in einem Silbertiegel mit Natriumhydrat und etwas Natriumnitrat bei ziemlich hoher Temperatur (siege § 1260).

Die geschmolzene Masse wird mit einer geringen Menge warmen Wassers aufgenommen, bis sie erweicht ist, dann mit Wasser ausgezogen, welchem man die HĂ€lfte seines Volumens Alkohol zugesetzt hat. Man erhĂ€lt einen RĂŒckstand von Dinatriumpyroantimoniat, NagHgSbgO- , und eine Lösung, welche das Arsen und das Zinn als Arsenat und Stannat des Natriums enthĂ€lt.

Zur weiteren PrĂŒfung des Antimoniat- RĂŒckstandes kann man ihn

Die wÀssrige Lösung des kÀuflichen Ammoniumcarbonates, ohne Zusatz von Ammoniak. Das kÀufliche PrÀparat, welches man gewöhnlich als Sesquicarbonat bezeichnet, nÀhert sich in seiner elementaren Zusammensetzung sehr dem BicarboDatc oder ist es selbst (siege De Koninck: Mon. sc. de Quesneville [4] 8 (1?04), 522).

B. 27 2739.

Aufsuchung des Goldes und des Platins.

in SalzsÀure und WeinsÀure lösen und diese Lösung mit Schwefelwasser-. Stoff behandeln.

In die mit SalzsĂ€ure angesĂ€uerte, erwĂ€rmte Arsen-Zinnlösung leitet man Schwefelwasserstoff; die gefĂ€llten Sulfide des Arsens und Zinns bringt man auf ein Filter und löst sie in bromirter SalzsĂ€ure oder in SalzsĂ€ure und Kaliumchlorat. Behandelt man diese Lösung mit einem StĂ€ngelchen von Cadmium, so fĂ€rbt sie sich in Folge der FĂ€llung von Arsen schmutzigbraun. Das gleichzeitig gefĂ€llte Zinn wird durch SalzsĂ€ure zu Stannochlorid gelöst und durch Mercurichlorid, wie bei dem zweiten Verfahren (§ 1228), charakterisirt Beide Sulfide können natĂŒrlich auch nach dem ersten Verfahren mittels SalzsĂ€ure getrennt werden.

Dieses Verfahren ist offenbar viel umstÀndlicher als die beiden ersten, ganz abgesehen von der Noth wendigkeit, einen Silbertiegel anzuwenden. Ausserdem ist zu beachten, dass, wenn die Sulfide viel freien Schwefel beigemengt enthalten, beim Digeriren mit der starken SalpetersÀure Explosion eintreten kann. Die getrocknete Masse sollte daher durch Behandeln mit Schwefelkohlenstoff von dem grössten Theil hires beigemengten Schwefels befreit werden.

Sind weiter Arsen und Zinn gleichzeitig anwesend, so entsteht beim Oxydiren mit SalpetersÀure bisweilen wasserunlösliches Stanniarsenat Sng (As anstatt der wasserlöslichen ArsensÀure.

Daher lassen sich Arsen und Zinn nicht durch einfache Digestion mit SalpetersÀure trennen.

Um den Silbertiegel zu umgehen, wird anstatt des Natriumhydrats mit etwas Natriumnitrat auch ein Gemenge von calcinirtem Natriumcarbonat mit Natriumnitrat (1:4) empfohlen.

1231* PĂŒnotes Verfahren. Durch Natriumsuperoxyd und Alkohol. Die Sulfide werden durch Natriumsuperoxyd oxydirt und der Lösung wird Yg hires Volumens Alkohol zugesetzt. Das Antimon wird hierdurch in Natriumpyroantimoniat ĂŒbergenĂŒhrt und als solches gefallt. Man verfĂ€hrt dann weiter, wie im vorigen Paragraphen angegeben ist (vergl. auch §§1261 u. 1286).

2. Aufsuchung des Goldes und des Platins.

1232. Hat man ausser diesen beiden Metallen auch Zinn, Antimon und Arsen aufzusuchen, so muss man zunÀ, wie in dem soeben besprochenen einfacheren Falle, alle gegenwÀrtigen Metalle als Sulfide gewinnen. Der Niederschlag wird dann nach einem der folgenden Verfahren behandelt.

1233. Erstes Verflahren. Auf nassem Wege. Man behandelt den Niederschlag nach einander mit Ammoniumcarbonat, um das Arsen zu entfernen, und dann mit SalzsÀure, welche das Zinn und Antimon auflöst, oder besser noch verfÀhrt man umgekehrt.

Metalle der ArseDgruppe.

In den erhaltenen Lösungen sucht man die drei Metalle nach dem vorstehend beschriebenen Verfahren auf.

Der RĂŒckstand enthĂ€lt die Sulfide des Goldes und des Platins, gemischt mit Schwefel; nach dem Trocknen erhitzt man ihn in einem Porzellantiegel und erhĂ€lt sowohl Gold als Platin in metallischem Zustande.

Man löst die Metalle in Königswasser, verjagt den SĂ€ureĂŒberschuss auf dem Wasserbade, nimmt den erkalteten RĂŒckstand mit Alkohol auf und behandelt diese Lösung mit Ammoniumchlorid, von welchem man jedoch einen erheblichen Ueberschuss vermeidet. Ein gelber Niederschlag, welcher sich unter diesen Umstanden bildet, ist Anmioniumplatinchlorid, welches nicht zu verkennen ist und beim GlĂŒhen einen RĂŒckstand von Platinschwamm giebt.

Das von dem Platinniederschlage getrennte Filtrat giebt schon durch seine Farbe zu erkennen, ob es Gold enthÀlt oder nicht; man setzt Wasser hindu, sÀuert es mit SalzsÀure an und behandelt es mit einer klaren Lösung von Ferrochlorid oder Ferrosulfat : vorhandenes Gold scheidet sich als Niederschlag von sehr charakteristischem Aussehen ab (§ 1208, Nr. 7).

Schon kleine Mengen Platin können auch gut mittels Kaliumjodid nachgewiesen werden, welches, im Ueberschusse zugesetzt, eine dimkelrothe, und bei sehr kleinen Mengen (0,1 mg Platin) noch eine dunkelrosarothe FÀrbung erzeugt.

1234 Zweites Verfahren. Durch gasförmige ChlorwasserstoffsÀure). Die Sulfide werden getrocknet und von dem Filter, auf welchem sie gesammelt sind, getrennt. Nachdem das Filter verascht und die Asche mit den Sulfiden vereinigt ist, wird das Ganze in ein Porzellanschiffchen gebracht; dieses wird in eine Röhre von schwer

Fig. 189.

schmelzbarem Glase (Fig. 189) geschoben, deren eines Ende mit einem Apparate zur Entwickelung von Chlorwasserstoff in Verbindung steht;

') De Koninck und Lecrenier: Z. angew. Ch. 1888, 352; R. univ. d. M. [3] 2 (1888), 98.

Scheidungs verfahren .

an das andere, ausgezogene und in einem rechten Winkel umgebogene Ende schliesst sich eine Volhard'sche, mit SalzsÀure beschickte Vorlage an.

Man leitet nun einen SĂ€urestrom hindurch, wĂ€hrend man den Theil des Rohres mit dem Schiffchen massig erwĂ€rmt; Zinn, Antimon und Arsen werden verflĂŒchtigt, letzteres als Sulfid, die beiden anderen als Chloride; das Gold und das Platin verbleiben im Schiffchen.

Nachdem diese Operation zu Ende gefĂŒhrt ist, zieht man das Schiffchen heraus und prĂŒft seinen Inhalt auf Gold und Platin, wie wir bei dem ersten Verfahren angegeben haben; die Röhre spĂŒlt man mit verdĂŒnnter SalzsĂ€ure in die Vorlage hinein aus, trent das mehr oder weniger mit Schwefel gemischte Arsensulfid durch Filtration und prĂŒft das saure Filtrat auf Zinn und Antimon durch Eisen (§ 1227) oder durch Cadmium (§ 1228).

1235. Drittes Verfahren. Durch Ammoniumchlorid Dieses dem vorigen analoge, aber Àltere Verfahren besteht darin, dass man die Sulfide mit Ammoniumchlorid und Ammoniumnitrat in einem dem vorstehend beschriebenen Àhnlichen Apparate unter Luftzutritt erhitzt.

Auch bei ihm bleiben Gold und Platin im Schiffchen zurĂŒck, wĂ€hrend die anderen Metalle in der Vorlage aufgefangen werden.

Bemerkung. Um ganz kleine Mengen Gold in compacten Substanzen, namentlich in Erzen, aufzufinden, wird man gut thun, nach dem quantitativen Verfahren auf trockenem Wege zu arbeiten (§ 1216).

Scheidungsverfahren.

A. Allgemeine Verfahren.

1. Alle Metalle der Gruppe des Arsens von denjenigen der Gruppen des Eisens, Baryums und Kaliums.

1236* Durch Sohwefelwasserstoff. Man leitet Schwefelwasserstoff in die saure Lösung 2) bis zur SĂ€ttigung. Im Allgemeinen begĂŒnstigt WĂ€rme die Bildung und das Zusammenballen des Niederschlages; ganz besonders ist das beim Golde, Platin, Antimon (§ 1159, Nr. 4) und Arsen, wenn dieses als ArsensĂ€ure vorhanden ist (§ 1183, Nr. 4), zutreffend, in welchem Falle die Anwendung von Schwefelwasserstoff in einer Druck-

') R. Fresenius: Z. anal. Ch. 25 (1886), 200. Vergl. § 1239.

Wie oftmals, so ist auch hier zu unterscheiden zwischen „Lösung" und , Auf- lösung". Daher mag daran erinnert werden, dass die saure Lösung einer ursprĂŒnglich Arsen oder Antimon enthaltenden Substanz genannte Elemente nicht mehr zu enthalten braucht, da dieselben in Form von Arsen Wasserstoff bez. Antimonwasserstoff bei der Auflösung entwichen sein können, was z. B. fĂŒr die schwefelsaure oder salzsaure Lösung von Rohzink zutreffen wĂŒrde {vergl. § 1181, Nr. 5). FĂŒr Gesammtanalysen von Rohzink etc. mĂŒsste daher ein anderes Verfahren, z. B. nach § 1238, angewandt werden.

De Koninck-Meineke, Mineralanalyse. II. 14

Metalle der Arsengnippe.

flasche (vergl. § 1196) sehr gute Dienste leistet. (Es ist nur zu bedenken, dass bei Gegenwart von Baryum oder Strontium die schweflige SĂ€ure, wenn sie — wie in § 1196 — zur Reduction der ArsensĂ€ure vor der Einwirkung des Schwefelwasserstoffes zugegeben wird, in Folge ihrer Oxydation zu SchwefelsĂ€ure FĂ€llung von Baryumbez. Strontiumsulfat veranlasst. Daher ist zu empfehlen, sich von der VollstĂ€ndigkeit der FĂ€llung durch Zugabe von SchwefelsĂ€ure zu vergewissem und dann den Sulfat- Niederschlag abzufiltriren.)

Ist Antimon vorhanden, so ist es förderlich, WeinsÀure zuzusetzen, vorausgesetzt, dass dui;ch dieselbe spÀtere Operationen nicht beeintrÀchtigt werden.

In Gegenwart von Zink und Arsen muss letzteres vor Einwirkung des Reagens in den Arsenozustand ĂŒbergenĂŒhrt werden, um eine scharfe Scheidung zu erreichen (§ 1183, Nr. 4, S. 179).

Da bei Anwesenheit von Goldsalzen oder Ferrichlorid Schwefelwasserstoff die Bildung von SchwefelsĂ€ure (§ 1208, Nr. 2) bewirkt, wĂŒrden Baryum und Strontium als Sulfate mit in den Sulfidniederschlag gehen; sie werden daher vor der Behandlung mit Schwefelwasserstoff durch SchwefelsĂ€ure entfernt (vergl. oben).

d. Die Metalle der Gru|>pe des Arsens (Gold und Fiatin

ausgeschlossen) von denjenigen der Gruppen des Eisens,

Cadmiums und Silbers.

1237. I. Alkalisulflde (nasser Weg). Man kann entweder die Lösung mit Schwefelwasserstoff behandeln und dann den Niederschlag mit einem Alkalisulfide digeriren, oder die möglichst neutralisirte Lösung in eine im Ueberschusse angewandte Menge von Ammoniumsulfid, welchem man Anmioniak zugesetzt hat, oder in eine mit Kalihydrat oder Natronhydrat versetzte Lösung von Natriumsulfid giessen.

In welcher Weise man auch verfahren mag, immer erwĂ€rmt man schwach, filtrirt unter möglichster Abhaltung der Luft imd wĂ€ den RĂŒckstand (Metalle der Gruppen des Eisens, Silbers und Cadmiums) mit einer verdĂŒnnten Lösung des zur Scheidung angewandten Alkalisulfides aus.

Was die Auswahl des anzuwendenden Sulfides betrifft, so hat man sich in Erinnerung zu rufen, dass Nickelsulfid in Ammoniumpolysulfid etwas löslich ist, dass sich das Mercurisulfid in Natriumsulfid löst, und endlich, dass man ein Alkalipolysulfid anwenden muss, wenn das Zinn als Stannoverbindung vorhanden ist. Da die Anwendung eines Polysulfides mit einigen UnzutrĂ€glichkeiten verbunden ist, ist es vorzuziehen, die Stannoverbindung vor der FĂ€llung in eine Stanniverbindung ĂŒberzufĂŒhren; es geschieht das durch Zusatz von Brom zu der Lösung bis zur leichten FĂ€rbung.

Ist Chrom oder Aluminium zugegen, so kann man mit Alkalihydrat versetztes Natriumsulfid nicht anwenden.

Quecksilber kann von Arsen und Antimon geschieden w-erden,

ScheiduDgs verfahren .

indem man zu der Lösung in Kaliumsulfid (auch in Natriumsulfid) Ammoniumchlorid setzt. Bei Gegenwart von Zinn ist das Verfahren nicht anwendbar; ein Theil dieses Metalles wĂŒrde von dem Quecksilber mitgerissen werden, und umgekehrt wĂŒrde Quecksilber gelöst bleiben

1238. II. Durch Alkaliflnlflde (trookner Weg). Dieses Verfahren, welches besonders fĂŒr die Aufschliessung von Legirungen und geschwefelten Erzen geeignet ist, besteht darin, dass man die feingepulverte Substanz mit Kaliumoder Natriumsulfid, oder besser mit einem Gemische von Natriumcarbonat und Schwefel (3 Th. von jedem auf 1 Th. Substanz), oder endlich mit wasserfreiem Natriumhyposulfit in einem bedeckten Porzellantiegel schmilzt.

Bei Anwendung eines jeden dieser Schmelzmittel enthĂ€lt die geschmolzene Masse das Arsen, Antimon imd Zinn als lösliche Sulfosalze, dagegen die Metalle der anderen Gruppen, mit Ausnahme des Quecksilbers, welches verflĂŒchtigt wird, als unlösliche Verbindungen.

Man nimmt daher mit Wasser auf und fart im Uebrigen wie bei dem vorigen Verfahren fort.

Wenn die dem Versuche unterworfene Substanz Eisen enthielt, so kommt es hĂ€ufig vor, dass die alkalische Lösung grĂŒn gefĂ€rbt ist (§ 569, Nr. 4); in diesem Falle muss man Ammoniumchlorid zusetzen, welches dadurch, dass es das Natriumsulfid in Ammoniumsulfid umsetzt, die FĂ€llung der geringen in Lösung gegangenen Menge Eisen erleichtert.

8. Die Metalle der Gruppe des Arsens (Gold und Platin

des Baryums und Kaliums.

1239* Durch Ammoniumchlorid (trockner Weg). Die Substanz wird in einem Porzellantiegel mit 5 Th. Ammoniumchlorid gemischt und langsam bis zur Austreibung der Ammoniumverbindungen erhitzt. Man wiederholt diese Behandlung mehrere Male, bis das Gewicht des RĂŒckstandes sich nicht mehr verĂ€ndert.

Arsen, Antimon und Zinn werden als Chloride verflĂŒchtigt, wĂ€hrend die Metalle der Alkalien und der alkalischen Erden, ebenfalls als Chloride, zurĂŒckbleiben.

Dieses von H. Rose 2) stammende Verfahren glĂŒckt nicht in aUen FĂ€llen; die Arsenate des Calciums) und Magnesiums insbesondere werden nur sehr schwer zersetzt.

Zweifellos wĂŒrde sich die Zersetzung begĂŒnstigen lassen, wenn man dieselbe in einem Rose* sehen Tiegel unter einem Chlorwasserstoffstrome vornehmen wĂŒrde.

Polstorff und BĂŒlow: Arch.cUr Pharm. 229 (1891), 292; C. von Uslar: Z. anal. Ch. 34 (1895), 391.

Pogg. Ann. 73 (1848), 582, 74 (1848), 578, u. 112 (1861), 173. Salkowski:/. prakt. Ch. 104 (1868), 138.

Metalle der Arsengruppe.

B. Specielle Verfahren. Zinn (Btannoverbindung) und Zinn (Btanniverbindung).

1240* Duroh Titrimetrie. Man bestimmt einerseits die Gesammtmenge des Zinns, am einfachsten, wenn die Substanz dazu geeignet ist, indem man die Stanno verbin dĂŒng imd die Stanniverbindung durch Schwefelwasserstoflf fĂ€llt (§§ 1140 u. 1150), oder auch durch Elektrolyse (§ 1153); andererseits ermittelt man den Gehalt an Stannoverbindung titrimetrisch, z.B. durch Jod oder durch Permanganat (§§ 1145 u. 1147)), so dass man den im Stannizustande vorhandenen Theil des Zinns durch Differenz erhĂ€lt

Die Substanz muss unter Luftabschluss aufgelöst werden.

Zinn und die Metalle der Gruppen des Silbers und des Cadmiums in Legirungen.

1241. Durch SalpetersĂ€ure. Die Legirung wird, wenn sie nicht schon in Form dĂŒnner BlĂ€ttchen, wie z. B. Stanniol, vorliegt, mit einem Hammer auf einem Amboss dĂŒnn ausgeplattet oder man bringt sie in sonstiger Weise in einen Zustand feiner Vertheilung, und behandelt sie, wie bei der Bestimmung des Zinns (§ 1135), mit SalpetersĂ€ure. Das Metastannihydrat wird nach Filtration etc. geglĂŒht und das erhaltene Stannioxyd gewogen.

Wenn die Legirung Kupfer, Blei oder Wismuth enthielt, hĂ€lt das Stannihydrat einen Theil der Oxyde dieser Metalle hartĂ€ckig zurĂŒck, worauf ganz besonders bei Anwesenheit von Wismuth RĂŒcksicht zu nehmen ist; das Stannihydrat kann 12 Âź/q Wismuth und mehr zurĂŒckhalten 2). Den vom Stannihydrat zurĂŒckgehaltenen Theil der Oxyde muss man in anderer Weise bestimmen und von dem Gewichte des Stannioxydes abziehen. Diese Scheidung des Zinns vom Kupfer, Blei und Wismuth lĂ€sst sich durch schwefelndes Schmelzen (§ 1238) ausfĂŒhren.

— Das in der Einwirkung von SalpetersĂ€ure auf Zinnlegirungen bestehende Abscheidungsverfahren fĂŒr Zinn lĂ€sst sich auch auf ein Gemisch der Sulfide anwenden; in diesem Falle ist aber die Möglichkeit einer Bildung von Bleisulfat zu berĂŒcksichtigen.

Zinn und Silber.

1242. Bemerkung. Diese beiden Metalle kommen nur in Le-

Eine derartige Zinnbestimmung kommt fĂŒr Analysen des Stannochlorids des Handels in Betracht.

-) C. Lepez und L. Storch: Monatsh. Ch. 10 (1889), 283. Nach Busse {Z. anal. Ch. 17 (1878), 53) erhĂ€lt man fast vollstĂ€ndig reines Stannioxyd, wenn man die Legirung (bis 1,0 gr) mit der neunfachen Menge SalpetersĂ€ure (sp. G. 1,5) ĂŒbergiesst, vorsichtig mit Wasser (etwa die HĂ€lfte des augewandten Volumens HNO,) verdĂŒnnt, nach vollendeter Reaction kocht und hierauf mit heissem Wasser (etwa das Zwanzigfache der zuerst angewandten Menge) verdĂŒnnt. Nach KlĂ€rung, Filtration und Auswaschen mit ganz verdĂŒnnter HNO., wird das Metastannihydrat wie ĂŒblich getrocknet und geglĂŒht.

Scheidongsverf ahren .

girungen zusammen vor; die Scheidung geschieht am einfachsten durch SalpetersÀure (siege § 1241).

1243. Dnroh trooknes Chlor. Erhitzt man die Legirung in einem Strome von trockenem Chlorgas, so wird nur das Zinn verflĂŒchtigt (vergl § 1246).

Zinn und Qneoksilber.

1244. Bemerkang. Die beiden Metalle können als Amalgam zusammen vorkonunen; in Lösung sind sie stets als Mercuriund Stannisalze vorhanden, weil Stannosalze in Gegenwart von Quecksilbersalzen nicht bestehen können und andererseits die einzige lösliche Stanniverbindung, mit welcher man zu thun hat, das Chlorid, nicht gleichzeitig mit Mercurosalzen in Lösung sein kann, da letztere gefallt wÀren.

1245. L Doroh QlĂŒhen im Sauerstofflstrome Quecksilber destillirt ĂŒber, Zinn bleibt als Stannioxyd zurĂŒck.

1245 a. II. Durch Destillation. Liegt ein Amalgam vor, so kann man die Scheidung leicht ausfĂŒhren, indem man die Substanz in einem Strome von Wasserstoff oder von gereinigtem Leuchtgase erhitzt; das Quecksilber destillirt ĂŒber und kann aufgefangen werden; das Zinn bleibt zurĂŒck.

Zinn und Blei.

1246* I. Durch trocknes Chlor. Man verfahrt wie bei frĂŒher besprochenen Ă€hnlichen Scheidungen, z. B. wie bei der Scheidung von Kupfer und Wismuth (§

1246 IL Durch Erhitzen im SalzsĂ€urestrom). Nach Behandlung mit schwachem Königswasser — zur UeberfĂŒhrung des Zinns in Stannisalz — findet durch Destillation im SalzsĂ€urestrom bei 200Âź Trennung des flĂŒchtigen Stannichlorides von dem nichtflĂŒchtigen Bleichlorid statt.

1246 b. IIL Durch directe Sulftirirung mit Schwefel oder Jodschwefel im Schwefelwasserstofitrom und darauf folgende Erhitzung in trocknem Bromdampf Die Substanz wird mit der 6-bis 10 fachen Menge fein zerriebenen Schwefels oder Jodschwefels gemischt und im Schwefelwasserstoflfstrom erhitzt. Die so erhaltenen Sulfide werden darauf dem Bromstrom unterworfen, wobei Stannibromid ĂŒbergeht, wĂ€hrend Bleibromid zurĂŒckbleibt. NatĂŒrlich können die Sulfide auch aui nassem Wege erhalten und nach dem Trocknen verwendet werden.

1246c. IV. Durch concentrirte SchwefelsĂ€ure). Man ĂŒbergiesst die Legirung (ca. 0,5 bis 1,0 gr) in einem Erlenmeyer -Kolben (von ca.

1) P. Jannasch: Z. anorg. Ch. 12 (1896), 132 u. 359.

Jannasch und Remmler haben die Scheidung beider Metalle durch Einwirkung eines Stromes von Bromdampf vorgeschlagen (/?. 26 (1893), 1422).

P. Jannasch: Praktischer Leitfaden der Gewichtsanalyse (1897), S. 172 ff.

P. Jannasch: op. eil. S. 162.

A. Westphal: unveröffentlichte Versuche.

Metalle der Arsengrappe.

500 cc Inhalt) mit etwa 50 cc concentrirter SchwefelsĂ€ure, setzt einen Trichter auf und erhitzt nun so lange und so hoch, bis vollstĂ€ndige, klare Lösung eingetreten ist. Der Lösungsprocess erfolgt anfĂ€nglich langsam, spĂ€ter ziemlich schnell, und naturgemĂ€ss am leichtesten, wenn die Legirung in kleinen Schnitzeln oder FeilspĂ€nen vorliegt. Nach AbkĂŒhung auf Zimmertemperatur spritzt man aus einer Spritzflasche etwa 100 cc kaltes Wasser — erst tropfenweise, dann in langsamem Strahle — durch den Trichter in die Lösimg, unter leichtem Umschwenken des Kolbens Wird nun noch mit 200 bis 300 cc kaltem Wasser unter anhaltendem UmrĂŒhren verdĂŒnnt, so setzt sich das ausgeschiedene Bleisulfat bald vollstĂ€ndig ab, wĂ€hrend alles Stannisulfat in Lösung bleibt*), aus welcher durch Schwefelwasserstoff unter den ĂŒblichen in §§ 1140 und 1150 angegebenen Bedingungen fast sogleich (vergl. § 11 33, Nr. 4) gelbes Stannisulfid gefallt wird.

In der Behandlung der schwefelsauren Stannisulfatlösung mit Ammoniak und Wasserstoffsuperoxyd — in Anlehnung an die durch Jan nash empfohlene Verwendungsart dieser FĂ€llungsmittel — ist ein weiteres und gutes Verfahren zur Bestimmung des Zinns gegeben.

Bemerkung: FĂŒr reine Legirungen hat man auch die densimetrische Methode vorgeschlagen (vergl. § 269). Es wĂ€re einer Untersuchung werth, in welchen Legirungen die Zinnbestimmung durch Ferrichlorid etc. oder durch Chromate etc. (§§ 1137 u. 1138) titrimetrisch ausfĂŒhrbar ist.

Zinn und Kupfer.

1247* L Durch trocknes Chlor. Dasselbe Verfahren wie in § 1246.

1247 a. II. Duroh Erhitzen im SalzsÀurestrom (vergl. § 1246 a).

1247 b. III. Durch directe SulfĂŒrirung etc. (vergl. § 1246 b).

1248. IV. Durch ein Alkali -Sauerstofibalz. Man bestimmt das Zinn, welches im Stannizustande vorhanden sein muss, indem man es durch Ammonimnnitrat oder durch Natriumsulfat fallt (§ 1151); das Kupfer bleibt in Lösung.

Diese Art der VerdĂŒnnung der SchwefelsĂ€ure erfolgte regelmĂ€ssig gefahrlos und ist vielleicht durch die in der concentrirten SĂ€ure gelösten Salze mit bedingt. Die natĂŒrliche, umgekehrte VerdĂŒnnungsart: Eingiessen der SĂ€ure - Salzlösung in viel "Wasser, lieferte mehrmals zinnhaltiges Bleisulfat.

Spuren Bleisulfat können mit dem Stannisulfat gelöst bleiben; sie werden auch durch Zusatz von Alkohol anstatt Wasser als VerdĂŒnnungsund FĂ€llungsmittel nicht ausgefĂ€llt. Dagegen bewirkt Alkoholzugabe in der ursprĂŒnglich klaren Stannisulfat - Lösung eine schwache TrĂŒbung, welche beim ErwĂ€rmen schnell stĂ€rker wird und schliesslich alles Zinn in Form von colloidalem Stannihydrat zu enthalten scheint. Diese dĂŒnn-gallertartige FlĂŒssigkeit klĂ€rt sich selbst nicht bei Zugabe von viel concentrirter SalzsĂ€ure; beim Einleiten von Schwefelwasserstoff giebt sie kein Stannisulfid, sondern bleibt fast unverĂ€ndert, wĂ€hrend die nicht erhitzte, alkoholische, schwefelsaure Stannisulfat-Lösung mit Schwefelwasserstoff Stannisulfid liefert.

Scheidungsverfahren.

Zinn und Cadmium.

1249. I. Durch ein Alkali -Sanerstofbalz. Man verfahrt, wie fĂŒr die Scheidung von Zinn) und Kupfer angegeben ist (§ 1248).

1250* II. Duroh Elektrolyse. Man fÀllt das Zinn in salzsaurer Lösung (§1142); unter diesen UmstÀnden bleibt das Cadmium in Lösung.

Zinn und die Metalle der Gruppen des Eisens, Baryums

und Kaliums.

1251* L Duroh Elektrolyse. Man elektrolysirt, wie bei der oben angegebenen Scheidung von Cadmium, in Gegenwart von SalzsÀure; nur das Zinn wird gefallt.

1252. II. Duroh ein Alkali -SauerstofEbalz. Man fĂ€llt das Zinn durch Ammoniumnitrat (§ 1151). Die Scheidung von Eisen nach diesem Verfahren ist nicht vollstĂ€ndig; es wird Eisen in betrĂ€chtlicher Menge mitgerissen. Dasselbe wĂŒrde wahrscheinlich fĂŒr Aluminium und Chrom zutreffen.

1253* III. Duroh Cadmium. Man fĂ€llt das Zinn in metallischem Zustande (§ 1152); die ĂŒbrigen Metalle bleiben mit dem gebildeten Cadmiumsalze in Lösung.

Zinn und Nickel oder Cobalt.

1254* I. Duroh SalpetersÀure. Legirungen behandelt man, wie bei der Scheidung des Zinns von den Metallen der Gruppen des Silbers und Cadmiums beschrieben.

1255* II. Duroh trooknes Chlor. Das schon wiederholt angegebene Verfahren.

Zinn und Zink.

1256. Durch SalpetersÀure. Die Scheidung ist unmittelbar vollstÀndig (vergl. § 1241).

Zinn und Eisen.

1257* Bemerkung. Die Scheidung des Zinns und des Eisens, hl Leginmgen und in Weissblech, kann nicht durch SalpetersÀure geschehen; einerseits wird Eisen von dem Metastannihydrate mitgerissen, andererseits bleibt Zinn durch das Ferrinitrat gelöst 2). Man muss sich deshalb den allgemeinen Verfahren zur Scheidung der Metalle derselben Gruppe zuwenden.

G. Lunge scheidet das Zinn vom Eisen in Weissblech (verzinntes

Eventuell vorhandenes Stannochlorid — liegt z. B. eine Balzsaure Lösung beider Metalle vor — wird vortheilhaft nach French {Ch. N. 65 (1892), 133) durch Wasserstoffsuperoxyd zu Stannichlorid oxydirt.

H. Rose: Pogg, Ann. 112 (1861), 164; Lepez und Storch: Monatsh. Ch. 10 (1889), 283.

Z. angew. Ch. 1895, 429; siege auch Mastbaum: bend. 1897, 329.

Metalle der Arsengnippe.

Eisenblech) durch Erhitzen desselben in einem Strome von trocknem Chlor bei ziemlich niedriger Temperatur. Auf Legirungen ist das Verfahren nicht anwendbar. P. Jannasch behandelt und trent die Metalle im SalzsÀurestrome (vergl. § 1246 a).

Titrimetrisch wĂŒrde man das Eisen durch Permanganat oder Chromat bestimmen können, nachdem das Zinn durch Cadmium oder durch Zink gefĂ€llt worden ist.

1258* Durch Titrimetrie. Wie in allen analogen FĂ€llen (z. B. § 1240) bestimmt man den Gesammtgehalt an Metall und in einer besonderen Probe den Theil des Metalles, welcher in einem der beiden ZustĂ€nde vorhanden ist; man kann also entweder die Antimonio Verbindung durch Jod (§ 1171) — das ist das beste und einfachste Verfahren — oder die Antimoniiverbindung durch Kaliumjodid (§ 1168) bestimmen.

Es lÀsst sich auch direct das Antimon in jedem der beiden ZustÀnde bestimmen; das ist in diesem Falle ebenso praktisch 2).

Antimon und Zinn.

1259. Bemerkung. Diese Scheidung bietet erhebliche Schwierigkeiten; ein genaues und gleichzeitig einfaches Verfahren scheint noch nicht bekannt zu sein. Unter UmstÀnden Hesse sich das Antimon im Antimoniizustande jodometrisch in Gegenwart von Stannisalz bestimmen

1260. I. Durch Oicydation und Schmelzung mit Natriumhydrat Man behandelt die Metalle, wenn eine Legirung vorliegt, in anderen FĂ€llen die durch FĂ€llung erhaltenen Sulfide mit concentrirter SalpetersĂ€ure (sp. G. 1,4), bis zur vollstĂ€ndigen Oxydation zur höchsten Oxydationsstufe. Man fĂŒhrt die Operation in einer Porzellanschale aus. Man dampft auf dem Wasserbade zur Trockne'*), wĂ€hrend man zuletzt etwas Natriumcarbonat zufĂŒgt; den RĂŒckstand trent man von der Schale ab, bringt ihn in einen Tiegel oder eine Schale von Silber und fĂŒgt auf 1 Theil Oxyd etwa 8 Theile Natriumhydrat hindu.

Die letzten Spuren des RĂŒckstandes können mit HĂŒlfe einiger Tropfen Natronlauge aus der Porzellanschale entfernt werden.

P. Jannasch: op. cit. S. 175.

Siehe auch A. Levol: Ann. de eh. et de phys. [3] 1 (1841), 504.

A. Weller: Ann. 213 (1882), 364; H. Giraud: Bull. Soc. eh. [2] 46 (1886), 504.

Nach A. Seyda (Z. ö. Ch. 3 (1897), 364) darf man nicht ĂŒber 100" erhitzen, um keine wasserfreien Oxyde zu erhalten, da dieselben mit Natriumhydrat nicht zu reagiren scheinen.

Scheidongs verfahren .

Die Masse in dem SilbergefÀsse wird allmÀhlich bis zum feurigen Flusse erhitzt und in diesem Zustande ziemlich lange Zeit erhalten. Es bilden sich Antimoniat und Stannat des Natriums.

Nach dem Erkalten nimmt man mit Wasser auf, und wenn die Masse vollstĂ€ndig zerfallen ist, setzt man Yg des der alkalischen FlĂŒssigkeitsmenge entsprechenden Volumens Alkohol (0,83 sp. G.) hindu.

Das Natriumstannat wird aufgelöst, das Antimoniat bleibt angelöst zurĂŒck.

Wiegt das Zinn stark vor, so ist es gut, das Antimoniat nochmals mit Natriumhydrat zu behandeln, um ihm etwa zurĂŒckgehaltenes Zinn zu entziehen. Schliesslich sammelt man das Antimoniat auf einem Filter und wĂ€ es mit Wasser, welchem man immer mehr und mehr Alkohol zusetzt, und zuletzt mit beinahe reinem Alkohol aus. Zur Bestimmung des Antimons löst man das Antimoniat in einem Gemische von SalzsĂ€ure und Wein- sĂ€ure und fallt mit Schwefelwasserstoff. Das Zinn bestimmt man, indem man das alkalische Filtrat mit Schwefelwasserstoff, welcher Sulfostannat bildet, und dann mit SalzsĂ€ure oder EssigsĂ€ure behandelt, durch welche Stannisulfid gefĂ€llt wird.

Man kann auch, indem man die alkalische Lösung mit Schwefel- sÀure ansÀuert, direct das Zinn als Stannihydrat fallen.

1261* IL Durch Natriumsaperoxyd und Alkohol). Die aut einem Filter gesammelten Sulfide spritzt man in ein Becherglas und wĂ€ das Filter mit möglichst wenig Natriumsulfid aus; die FlĂŒssigkeit lĂ€sst man zu der Hauptmenge der Sulfide fiiessen, welche event. durch weiteren Zusatz von Natriumsulfid vollstĂ€ndig in Lösung gebracht werden. Es ist darauf zu achten, dass die Lösung möglichst concentrirt ist. Nun fĂŒgt man Natriumsuperoxyd hindu, bis die Lösung entfĂ€rbt und klar ist, und dann setzt man ihr Ya Volumens Alkohol (0,833 sp. G.) zu, filtrirt nach 24 Stunden, bringt den Niederschlag mit verdĂŒnntem Alkohol (1 Vol. Alkohol : 3 Vol. Wasser) auf das Filter und wĂ€ mit schwach ver- dĂŒnntem Alkohol (zunĂ€ 1 Vol. Alkohol : 1 Vol. Wasser, zuletzt 3 Vol. Alkohol : 1 Vol. Wasser) aus. Das Antimon hat man als Pyroantimoniat auf dem Filter, das Zinn als Stannat in Lösung. Aus letzterer wird, nach Verjagen des Alkohols 2), das Zinn durch Schwefelwasserstoff gefĂ€llt. Das Antimoniat wird in SalzsĂ€ure und WeinsĂ€ure gelöst und aus dieser Lösung wird das Antimon durch Schwefelwasserstoff gefĂ€llt.

1262. IIL Durch Eisen Man fÀllt das Antimon durch reines Eisen (§ 1165); das Zinn bleibt mit dem entstandenen Ferrosalze in Lösung. Rammeisberg empfiehlt das durch Wasserstoff reducirte Eisen; dieses Metall wird im Ueberschusse der kalten Lösung zugesetzt, der Niederschlag wird auf einem Filter gesammelt, ausgewaschen und in Königs-

Vergl. § 1246 c, S. 214, Fussuote 2.

3) Tookey: /.rÄ. 5ör. 15 (1862), 462; W.L.Cl Ă€sen: /./rö>&/.

Metalle der Arsengruppe.

Wasser gelöst; aus dieser mit WeinsÀure versetzten Lösung wird alsdann das Antimon durch Schwefelwasserstoff gefallt.

1263. IV. Durch Cadmium und SalzsĂ€ure). Zinn und Antimon werden zusammen durch Cadmium gefallt (§§ 1141 und 1165) und zusammen gewogen; das Gemisch wird bei Luftabschluss mit SalzsĂ€ure behandelt, welche das Zinn auflöst. Das zurĂŒckgebliebene Antimon wird wieder gewogen und das Gewicht des Zinns wird aus der Differenz erhalten.

1264. V. Durch Zinn). Man kann das Antimon in Gegenwart von Zinn bestimmen, indem man es aus salzsÀurehaltiger Lösung durch dieses letztere Metall fallt (§ 1165).

1265* Bemerkung. Man kann diese drei letzten Verfahren in folgender Weise combiniren: Nachdem man die beiden Metalle zusammen mittels Cadmium bestimmt hat, bestinunt man das Antimon mittels Eisen oder Zinn; das Zinn erhÀlt man auch in diesem Falle durch die Differenz.

1266 VI. Durch OxalsĂ€ure). Die saure Lösung der Chloride wird mit Kalihydrat neutralisirt, dann mit einem starken Ueberschusse (12 bis 15 gr fĂŒr 0,5 gr Metalle) von fester OxalsĂ€ure versetzt, bis zu 70Âź C. erwĂ€rmt und wĂ€hrend Stunden mit einem Strome von Schwefelwasserstoff behandelt; nur das Antimon wird gefallt.

Um in dem Filtrate das Zinn zu bestimmen, zestört man die OxalsÀure durch Zusatz von Kaliumpermanganat, löst den etwa entstandenen Niederschlag von Superoxyd durch Zusatz von Ferrosulfat und fÀllt schliesslich das Zinn durch Schwefelwasserstoff. Der Werth des Verfahrens wird angefochten, und in der That erhÀlt man das Antimonsulfid nicht ganz frei von Zinnsulfid. Löst man jedoch den Niederschlag in SalzsÀure und wiederholt man die FÀllung in der angegebenen Weise, so erreicht man eine recht scharfe Scheidung. Man kann das Zinn auch elektrolytisch bestimmen, nachdem das Filtrat mit Ammoniak und Schwefelanunonium behandelt worden ist.

1267* VU. Durch Natrianih3npo8ulfLt). Man setzt zu der Lösung Ammoniumchlorid und dann 2 gr krystallisirte OxalsĂ€ure; man neutralisirt nun annĂ€hernd mit Ammoniak, verdĂŒnnt auf 250 bis 300 cc und fallt durch einen Ueberschuss von Natriumhyposulfit (wenigstens

Dieses alte Verfahren ist neiaerdings von Mengin wieder empfohlen {C. r. U9 (1894), 224). Nach Gay-Lussac {Ann, de eh. et de phys. [2] 46 (1831), 222) ist die Trennung mit SalzsÀure von Chaudet erfunden.

F. W. Clarke: Ch. N. 21 (1869), 124; Dewey: Z.anal. Ch. 21 (1882), 115; Vierteljahresschr, prakt. Pharm. 19 (1870), 551; J. Clark: /. onaL and appl. Ch. 6 (1892), 277. Vergleiche auch Jannasch: Prakt. Leitf. dtr Gewichtsanalyse (1897), S. 101, und E. Prost: Bull. Assoc. beige des chim. U (1897/98), 337, und 18 (1899/1900), 323.

A. Carnot: C. r. 108 (1886), 258; Lancelot Andrews rĂŒhmt das Verfahren sehr: /. Am. ch. Soc. 17 (1895), 869.

Scheidangsverfahren.

10 gr auf 1 gr Metall) in der WĂ€rme und indem man von Zeit zu Zeit einen Tropfen SalzsĂ€ure zusetzt, so dass die FlĂŒssigkeit immer deutlich sauer reagirt. Der mit Schwefel gemischte Niederschlag giebt beim Erhitzen in einem KohlensĂ€urestrome Antimoniosulfid SbSg. Das Zinn bleibt in Lösung.

1268. VIIL Durch Elektrolyse Die reinen Sulfide, welche keinen freien Schwefel enthalten dĂŒrfen, werden in etwa 60 cc einer Lösung von reinem Natriumsulfid (1,22 sp. G.), zu welcher man etwas concentrirte, reine Natronlauge, 1 gr Natronhydrat entsprechend, gesetzt hat, gelöst; zur Beschleunigung des Lösens kann man etwas erwĂ€rmen. Nach dem Erkalten elektrolysirt man mit einem Strome, welcher 1,5 bis 2 cc Knallgas (ca. 0,2 Amp.) in der Minute giebt.

Nach 12 Stunden ist das Antimon vollstÀndig gefallt; es wird ohne Stromunterbrechung ausgewaschen; das Zinn bleibt in Lösung. Wendet man, nach neueren Versuchen von Classen, einen Strom von 0,5 Amp. pro qdm FlÀche an und elektrolysirt bei 50 bis 60, dann gelingt die Trennung binnen 2 Stunden.

Wird die vom Antimon - Niederschlag abgeheberte Zinnlösung mit ca, 25 gr Ammoniumsulfat versetzt, Stunde gekocht und dann auf 50 bis 60 abgekĂŒhlt, so kann bei dieser Temperatur das Zinn mit 1 bis 2 Amp. elektrolytisch gefallt werden.

Antimon und die Metalle der Gruppen des Silbers, des

1269* Durch SalpetersÀure. Das Verfahren ist nur auf Legirungen oder auf ein Gemisch von Sulfiden anwendbar. Man verfahrt wie bei der Scheidung des Zinns von denselben Metallen (§ 1241).

Die Scheidung ist nicht scharf; namentlich kann Blei von dem Niederschlage zurĂŒckgehalten werden und immer geht etwas Antimon in Lösung.

Antimon und Silber.

1270. Durch trocknes Chlor. Das Verfahren ist auf Legirungen und Sulfide anwendbar. Die Einzelheiten der AusfĂŒhrungen kennen wir bereits. Liegen die Sulfide vor, so wird die Trennung durch Salz- sĂ€uregas gelingen 2).

Antimon und Quecksilber.

127 L Durch phosphorige SÀure. Man fÀllt nach Zusatz von WeinsÀure imd von Natriumchlorid das Quecksilber durch phosphorige SÀure (§ 983).

Classen und Ludwig: B. 18 (1885), 1108; Classen und Schelle: B- 21 (1888), 2896; Classen: op. cit. 4. Aufl., S. 195; J. Riban: op. cit. S. 202. 2) Siehe T. B. Moyer: /. Am. eh. Soc. 21 (1899), 642.

Metalle der Arsengnippe.

C. von Uslar hat die Genauigkeit des Verfahrens bestÀtigt i).

1272. II. Durch Einwirkuiig von SalzsÀure auf die Sulfide.

Nachdem man beide Metalle durch Schwefelwasserstoft gefallt hat, behandelt man das Sulfidgemisch mit SalzsĂ€ure; diese löst das AntimoDsulfid unter Bildung von Antimoniochlorid, welches durch Jod titrirt werden kann (§ 1171); Mercurisulfid bleibt angelöst zurĂŒck.

1273. III. Durch GlĂŒhen im Saueratofifetrom Nach vollstĂ€niger Oxydation des Sulfidgemisches mittels rauchender SalpetersĂ€ure und nach Verjagung des SĂ€ure-Ueberschusses durch Abdampfen erfolgt das GlĂŒhen im Sauerstoffstrome. SbgO (Antimonio-Antimoniat?) bleibt zurĂŒck, Quecksilber destillirt ĂŒber.

Antimon und BleL

1274. I. Durch trocknes Chlor. Die AusfĂŒhrung ist dieselbe wie bei der Scheidung des Zinns und Wismuths von Blei und anderen Metallen und wie bei der Scheidung des Antimons von Silber. Auch hier wird das Chlor durch SalzsĂ€ure ersetzt werden können — wenigstens fĂŒr die Sulfide).

1274a* II. Durch trocknen Bromdampf. Nach Jannasch ird, wie fĂŒr die Trennung des Zinns und des Wismuths vom Blei, das Sulfidgemisch im Bromstrom erhitzt, wodurch Antimonbromid verflĂŒchtigt wird, wĂ€hrend Bleibromid zurĂŒckbleibt*). Hierzu werden die durch Zusammenschmelzen der Metalle mit Schwefel oder SchwefeljodĂŒr im trocknen Schwefel Wasserstoffs trom erhaltenen Sulfide verwandt oder die auf nassem Wege durch Einwirkung von Schwefelwasserstoff auf die sehr verdĂŒnnte winsĂ€urehaltige Lösung der Metalle gewonnenen Sulfide benutzt.

1275. III. Durch SchwefelsÀure. Hat man antimonhaltiges Blei (Hartblei), die zur Herstellung von Buchdrucklettem etc. verwendete Legirung, zu analysiren, so löst man die Substanz in nicht zu concentrirter SalpetersÀure, welcher man eine concentrirte Lösung von WeinsÀure zugesetzt hat (an Stelle der WeinsÀure kann auch CitronensÀure treten), und fallt den grössten Theil des Bleis durch SchwefelsÀure. Die FÀllung ist nicht ganz vollstÀndig, weil man weder Alkohol zusetzen noch auch concentriren darf, wenigstens nicht so weit, dass SchwefelsÀuredÀmpfe entweichen. Prost) hat indessen festgestellt, dass ein concentrirendes Abdampfen auf dem Wasserbade keine UebelstÀnde mit sich bringt; wenn es gelingt, in dieser Weise die SalpetersÀure zu entfernen, so könnte das Verfahren doch ziemlich genaue Resultate geben. Die Tren-

-) P. Jan nash: op. cit. S. 107 ft.

P. Jannasch: op. cit. S. 98 u. 164.

Nach brieflicher Mittheilung von Professor De Koninck.

nung von Antimon und Blei mittels SchwefelsĂ€ure lĂ€sst sich ebenso wie die in § 124Gc beschriebene Trennung von Zinn und Blei bewerkstelligen i). Man erhitzt die Legirung mit concentrirter SchwefelsĂ€ure, lĂ€sst auf Zimmertemperatur abkĂŒhlen und verdĂŒnnt die FlĂŒssigkeit mit Wasser 2). Bleisulfat fĂ€llt aus, Antimon bleibt in Lösung (vergl. § 1246 c).

Uebrigens haben wir fĂŒr die Scheidung beider Metalle die auf der Anwendung von Alkalisulfiden auf nassem oder auf trocknem Wege beruhenden Verfahren, welche gut zum Ziele fĂŒhren.

— Verschiedene Autoren haben die Anwendung der densimetrischen Methode fĂŒr die Bestimmung der Zusanunensetzung der reinen Antimon- Blei-Legirungen vorgeschlagen

Antimon und Kupfer.

1276* I. Durch trocknes Chlor. Die Art der AusfĂŒhrung kennen wir, z. B. aus § 1069.

1277. n. Durch Chlor (auf nassem Wege). Die Sulfide (oder die von Tartrat freie Lösung) werden mit einer Lösung von Kalihydrat behandelt; in das Gemisch leitet man einen Chlorstrom; das Antimon wird gelöst, wÀhrend das Kupfer angelöst bleibt*).

1277a in. Durch trocknen Bromdampf. Die Behandlung der Metalle bez. des Sulfidgemisches geschieht analog der Zinn-Kupfer-oder der soeben (§ 1274 a) besprochenen Antimon-Blei-Trennung nach Jan na seh.

1278. IV. Durch Alkalisulfocyanid und schweflige SÀure. Man fallt das Kupfer als Cuprosulfocyanid (§901); das Antimon bleibt gelöst.

1278 Bemerkung. Der elektrische Strom fallt nicht allein das Kupfer, sondern auch das Antimon in salpetersaurer Sulfatlösung. Solange sich aber noch Kupfer in Lösung befindet, wird Antimon nicht gefallt.

Dieses Verhalten ist von grosser Wichtigkeit fĂŒr die Analyse des Handelskupfers. In diesem Falle handelt es sich um die Scheidung sehr grosser Kupfermengen von kleinen Antimonmengen ; diese mindestens sehr umstĂ€ndliche Arbeit wird erleichtert, wenn man den grössten Theil des Kupfers elektrolytisch abscheidet; man behĂ€lt dann alles Antimon mit verhĂ€ltnissraĂ€ssig wenig Kupfer in Lösung).

A. Westphal: unveröffentlichte Versuche.

') Alkoholzusatz zum Wasser verhindert auch hier nicht, dass Spuren Blcisulfat gelöst bleiben.

G. Faunce: /. anal, Ch. 1 (1887), 121, u. Z. anal. Ch. 36 (1897), 344; J. W. Richards: /. Am, ch. Soc. 16 (1894), 541; Cl. Winkler: Ch.-Z, 12 (1888), 1129; O. Wachsmuth: /. de pharm. d'Anvers 1886, April; u. A.

Beudant, Daguin, Rivot: C. r. 37 (1858), 126 u. 835; Ann, d. mtnes [5] 4 (1853), 221.

Siehe Hampe: Z. anal. Ch. 13 (1874). 181 ff. Smith und Wallace scheiden Kujifer und Antimon, indem sie die aramoniakalische Tartratlösung, welche das Antimon als Antimoniat enthÀlt, elektrolysiren ; es wird nur das Kupfer gefÀllt (/. anal, and appl. Ch. 7 (1898), 189).

Metalle der Arsengruppe.

Antimon und die Metalle der Gruppen des Eisens, Baryums und Kaliums.

1279. Durch Cadminm. Das Antimon wird als Metall durch ein StÀngelchen Cadmium gefallt (§ 1165).

Der Uebelstand des Verfahrens besteht darin, dass man mit dem Cadmium, an Stelle des ausgeschiedenen Antimons, ein neues durch Schwefelwasserstoff fallbares Metall in das Lösungsgemisch bringt.

Antimon und Nickel, Cobalt, Eisen, Mangan.

1280* Durch Chlor (auf nassem Wege). Man leitet in die ver- dĂŒnnte und mit einem Ueberschusse von Kalihydrat versetzte Lösung Chlor; man erhĂ€lt Kaliumantimoniat, welches gelöst wird, und einen Niederschlag von Fern-, Nickeli-, Cobalti - Hydrat und von Mangansuperoxyd 1).

Es lÀsst sich als sicher annehmen, dass man Brom, vielleicht auch Wasserstoffsuperoxyd, statt Chlor anwenden kann.

Antimon und Nickel oder Cobalt. 1281. Durch trocknes Chlor. Die AusfĂŒ ist dieselbe wie bei der Scheidung des Antimons von Kupfer, Blei imd Silber (siege oben). Auch hier wird das Chlor durch Brom oder SalzsĂ€ure ersetzt werden können.

1282* L Durch Titrimetrie. Man verfÀhrt wie bei der Scheidung der analogen Antimonverbindungen (§ 1258); d. h. man bestimmt in einer Probe das gesammte Arsen und in einer anderen Probe titrimetrisch die Arseno Verbindung, z. B. durch Jod (§ 1192); die Differenz ergiebt den als Arseniverbindung vorhandenen Theil des Arsens. Man kann auch das Arsenat direct bestimmen, doch ist das weniger praktisch.

1283* II. Durch Magnesiummixtur). Man bestinmit zunÀ die ArsensÀure durch FÀUung der ammoniakalischen, reichlich Anmioniumchlorid enthaltenden Lösung mittels Magnesiummixtur (§ 1197). Der Vorsicht halber fallt man doppelt, d. h. man löst das Ammonium-Magnesiumarsenat auf dem Filter in SalzsÀure und fallt das Arsenat ein zweites Mal durch Zusatz von Ammoniak zu der salzsauren Lösung.

Das Filtrat vom Arsenatniederschlage sÀuert man mit SalzsÀure an und fÀllt den als Arsenoverbindung vorhandenen Theil des Arsens durch Schwefelwasserstoff.

Man kann das Arseno-Arsen — ebenfalls durch Differenz — auch erhalten, indem man in einer besonderen Probe das gesammte Arsen

BeudaDt, Daguin, Rivot: 1. cit.

Levol: C. r. 23 (1846), 57; Ann. de eh. et de phys. [3] 17 (1846), 501.

Scheidungsverfahren.

bestimmt und von diesem das durch die FÀllung mittels Magnesiummixtur gefÀllte Arseni- Arsen abzieht.

Arsen und Antimon.

1284* Bemerktmg. Behandelt man eine Legirung, welche Arsen imd Antimon enthĂ€lt, mit SalpetersĂ€ure, so geht ein Theil des Arsens in eine unlösliche Arsenantimonverbindung ĂŒber.

Im Allgemeinen bietet die Scheidung beider Metalle mannigfache Schwierigkeiten.

1285. I. Durch Oxydation and Schmelzang mit Natriumhydrat. Man verfahrt genau wie bei der Scheidung von Antimon und Zinn (§ 1260). Um das Arsen in dem zurĂŒckgebliebenen, vom Natriumantimoniate getrennten Filtrate zu bestinunen, verjagt man den in ihm enthaltenen Alkohol durch Abdampfen, neutralisirt das Alkali durch SalzsĂ€ure und fĂ€llt dann das Arsenat durch Magnesiummixtur und Ammoniak (§ 1197).

1286. U. Durch Natriumsuperoxyd und Alkohol). Die in Natriumsulfid gelösten Sulfide werden durch Natriumsuperoxyd in Antimoniat und Arsenat ĂŒbergenĂŒhrt; aus der so erhaltenen Lösung wird das Antimon durch Zusatz von Ys ires Volumens Alkohol als Pyroantimoniat gefallt (ĂŒber die Einzelheiten vergl. § 1261). Das Arsen bleibt in Lösung und kann durch Magnesiununixtur gefallt werden (siege § 1197), wenn nicht die Menge des Antimons sehr ĂŒberwiegt. In diesem Falle thut man besser, das Arsen durch Schwefelwasserstoff zu fallen und nach einem der frĂŒher angegebenen Verfahren (§§ 1196 fif.) zu bestimmen.

Ist auch Zinn vorhanden, so fÀllt man erst aus der durch Oxydation des Gemisches der drei Sulfide erhaltenen, mit WeinsÀure versetzten Lösung das Arsen durch Magnesiummixtur (siege den folgenden Paragraphen) und aus dem Filtrate von diesem Niederschlage durch Schwefelwasserstoff Antimon und Zinn als Sulfide, welche alsdann, wie in § 1261 angegeben ist, weiter behandelt werden.

1287. III. Durch Magnesiununixtur. Nachdem man, wenn nöthig, das Arsen zur Arsenistufe oxydirt hat (§ 1205), setzt man zu der Lösung CitronensÀure oder WeinsÀure oder ein Alkalitartrat und dann einen Ueberschuss von Ammoniak, wodurch kein Niederschlag entstehen darf; hierauf fallt man das Arsen als Ammonium- Magnesiumarsen at.

Die Anwendung der organischen Verbindungen lÀsst sich umgehen, wenn man in Gegenwart eines Ueberschusses von Ammoniumsulfid fallt; auch in diesem Falle muss alles Arsen im Arsenizustande vorhanden sein (siege § 1183, Nr. 10).

Metalle der Arsengruppe.

1288. IV. Durch Kaliumbisulflt Behandelt man die frisch gefÀllten Sulfide zuerst kalt, dann warm mit KaUumbisulfit, so gehen die Arsensulfide in Lösung, wÀhrend die Sulfide des Antimons (und auch des Zinns) angelöst bleiben.

Die folgende Formel erlÀutert den Vorgang: 2 AS2S3 + 16 KHSO3 4 KH2ASO3 + 6 K2S2O3 + 7 SO2 + 3 S + 4 H2O.

Trotz der AutoritĂ€t Bunsen's hat man erkannt*), dass das Verfahren zu wĂŒnschen ĂŒbrig lĂ€sst, und wir erwĂ€hnen es nur, um vor seiner Anwendung zu warned.

1289. V. Durch Destillation der salzsauren Lösung in Gegenwart eines Beductionsmittels Die zu analysirende Substanz wird in SalzsÀure gelöst, wenn nöthig, unter Zusatz von Kaliumchlorat, um das Arsen als ArsensÀure und das Antimon als Antimoniichlorid zu erhalten.

Zu der Lösung setzt man einen Ueberschuss von Ferrochlorid oder Ferrosulfat oder Ferroammoniumsulfat, oder, wenn es aus irgend einem Grunde als besser erscheint, von Cuprooxyd, welches, indem es sich in der SalzsĂ€ure löst, in Cuprochlorid ĂŒbergeht.

Die FlĂŒssigkeit wird in einem Apparate, welcher so construirt ist, dass durch den Dampf keine Tröpfchen mitgerissen werden und dass der Dampf mit den verbindenden Korkoder Kautschuktheilen möglichst wenig in BerĂŒhrung kommt, der Destillation unterworfen.

Nachdem man etwa des ursprĂŒnglichen Volumens aufgefangen hat, setzt man dem RĂŒckstande rauchende SalzsĂ€ure zu und destillirt von Neuem, bis das Destillat durch Schwefelwasserstoff nicht mehr ge- fĂ€llt wird.

Diese wiederholte Destillation kann man vermeiden, wenn man vor Beginn der Destillation die FlĂŒssigkeit in der KĂ€lte mit Chlorwasserstoffgas vollkommen sĂ€ttigt und darauf unter Zuleitung eines Chlorwasserstoffstromes destillirt). Gooch und Danner destilliren mit Kaliumjodid und SalzsĂ€ure, O. Piloty und A. Stock operiren in einem Strom von SalzsĂ€uregas und Schwefelwasserstoff.

Eine geringe Menge Antimon kann in das Destillat ĂŒbergehen; um eine vollstĂ€ndige Scheidung zu erhalten, unterwirft man daher das Destillationsproduct, nach Zusatz von Ferrochlorid oder von Cuprooxyd, einer

2) NilsoD: Z. anal. Ch. 16 (1877), 417, und 18 (1879), 165; Bunsen: Ann. 192 (1878), 305.

Schneider: Pogg. Ann. 85 (1852), 433; Fyfe: Phil. Mag. [4] 2 (1851:, 487; J.prakt. Ch. 55 (1852), 103; E. Fischer: B. 13 (1880), 1778; F. Hufschmidt: das. 17 (1884), 2245; Classen und Ludwig: das. 18 (1885), 1104; J. Clark: / anal, and appl. Ch. 6 (1892), 277.

F. Hufschmidt: 1. cit.

Scheidnngs verfahren .

neuen Destillation. Friedheim und Michaelis i) wenden als Reductionsmittel Methylalkohol an und rĂŒhmen diese Modification fĂŒr Scheidungen des Arsens von anderen Metallen. Unter den letzteren erwĂ€hnen die Autoren das Antimon nicht ausdrĂŒcklich; dieses könnte wohl auch nur dann ungĂŒnstig wirken, wenn auch Antimoniichlorid durch Methylalkohol zu Antimoniochlorid reducirt wird. Versuche hierĂŒber liegen unseres Wissens nicht vor.

M. Rohmer2) lĂ€sst neben dem Chlorwasserstoffgas einen Strom von Schwefeldioxyd — als Reductionsmittel — eintreten. Um die Wirkung desselben zu unterstĂŒtzen, fugt er 1,5 gr Kaliumbromid oder 1 gr Brom hindu. Beide liefern durch die Einwirkung des Schwefeldioxydes dann Bromwasserstoff. Er erreicht so eine gute Trennung des Arsens auch von Zinn, Blei, Kupfer etc.

O. Ducru) bestimmt das Arsen im Antimon des Handels und in verschiedenen Legirungen, indem er dieselben mit einer salzsauren Lösung von Ferrichlorid destillirt. A. Hollard und L. Bertiaux*) wenden Ferrisulfat und SalzsÀure an.

1290. VI. Durch Elektrolyse). Man löst die Sulfide, wie wir bei der Scheidung von Zinn und Antimon kennen gelernt haben (§ 1268), in Natriumsulfid und Natronhydrat und fallt das Antimon in gleicher Weise durch Elektrolyse.

Das Arsen muss als Arsenal vorhanden sein; etwa vorhandene Arsenoverbindungen mĂŒssen daher vor dem ZusĂ€tze des Natriumsulfides oxydirt werden.

1291* VII. Durch VerflĂŒchtigung in Gregenwart von Kaliumcyanid. Erhitzt man eine Legirung von Arsen und Antimon mit Natriumcarbonat und Kaliumcyanid in einem KohlensĂ€urestrome, so wird das Arsen verflĂŒchtigt

Nimmt man den RĂŒckstand mit Wasser auf, so bleibt Antimon angelöst und kann gewogen werden; das Arsen erhĂ€lt man aus der Differenz der WĂ€gungen vor und nach dem Erhitzen.

Das Verfahren giebt annÀhernd genaue Resultate und könnte, seiner Einfachheit wegen, vielleicht bei technischen Analysen Verwendung finden.

1292. Vni. Durch Schwefelwasserstoff. Der Unterschied der Löslichkeit der Sulfide des Arsens und des Antimons in SalzsÀure lÀsst eine Scheidung beider Metalle zu, indem man die mit viel SalzsÀure (gleiche Volumina der Lösung und rauchender SÀure) versetzte Lösung, welche das Arsen im Arsenozustande enthalten muss*'), mit Schwefelwasserstoff behandelt.

Classen: op. cit. 4. Aufl., S. 236.

De Koninck - Meineke, Mineralanalyse. II.

Die Scheidung ist zwar keine vollstÀndige i); das Verfahren lÀsst sich aber doch anwenden, wenn die Mengen beider Metalle gering sind.

Umgekehrt kann man das Antimon zuerst fallen. Hierzu muss — nöthigenfalls — Arsen zuerst in ArsensĂ€ure ĂŒbergenĂŒhrt werden. Dann wird die kate, concentrirte (ca. 20 cc betragende), ziemlich saure Lösung mit ĂŒberschĂŒssigem Schwefelwasserstoffwasser gemischt. Nach wenigen Augenblicken wird der Ueberschuss durch einen starken Luftstrom verjagt. Arsen bleibt in Lösung-).

Arsen und Zinn.

1293. L Durch Magnesiummixtur. Nachdem erforderlichen Falles das Arsen in ArsensĂ€ure oder in ein Arsenat und folglich das Zinn in eine Stanniverbindung ĂŒbergenĂŒhrt worden ist, behandelt man das Gemisch mit Ammoniak und mit Ammoniumsulfid, so dass man eine klare Lösung von Sulfosalzen erhĂ€lt, oder mit Ammoniak und WeinsĂ€ure, wie bei der Scheidung von Arsen und Antimon).

In der einen wie in der anderen Lösung bestimmt man das Arsen durch Magnesiunmiixtur (§1287).

1294 n. Durch SchwefelwasserstofT). Das Verfahren entspricht dem in § 1292 angegebenen; das Zinn bleibt in Lösung, gleich- gĂŒltig in welchem Zustande es vorhanden ist.

1295. in. Durch Kaliumbisulfit. Das Verfahren ist dasselbe, wie bei dem entsprechenden Verfahren der Scheidung von Arsen und Antimon (§ 1288).

1296. IV. Durch Destillation der salzsauren Lösung in Gegenwart eines Beductionsmittels. Man kann wie bei der Scheidung von Arsen und Antimon — auch unter Anwendung des Schwefeldioxydes als Reductionsmittel — verfahren (vergl. § 1289). Jedoch ist an die grosse, frĂŒher nicht genĂŒgend gewĂŒrdigte FlĂŒchtigkeit des Stannichlorids zu erinnern, derentwegen die Arsen -Zinn -Lösung nicht stark concentrirt werden darf. Die Lösung wird am besten im DestillirgefĂ€ss selbst unter Zugabe von etwas Ferrisulfat ausgefĂŒhrt und darauf das zur Lösung benutzte Königswasser auf dem Wasserbade in einem KohlensĂ€urestrom verjagt In Gegenwart des Ferrisalzes wird das Stannichlorid nicht verflĂŒchtigt

1297* V. Durch VerflĂŒchtigung des Arsensulfldes. Das Gemisch der Sulfide, gleichgĂŒltig in welchem SĂ€ttigungsgrade sie sich befinden, wird in einem Schiffchen unter einem Strome von Schwefelwasserstoff erhitzt. Das entweichende Gas wird mit dem von ihm mitgefĂŒhrten Arsensulfide in Ammoniak aufgefangen. Sobald sich in dem kalten TheĂŒe des

Lesser: laiug.-Dissert., Berlin

Aus C. Graebe: Guide pratique pour Vanalyse quant. (1901), S. 27. W. Hampe: Ch.-Z. 18 1900.

Et. Olivier: nicht veröfFeutlichter Versuch, ausgefĂŒhrt im Laboratoriom von Prof. De Koninck.

ScheiduDgs verfahren.

Rohres kein Niederschlag mehr bildet, zieht man das SchiÂŁchen heraus und spĂŒlt das Rohr mit einer Mischung von Anunoniak und Ammoniumsulfid aus, welche mit dem Vorlageninhalt vereinigt wird, worauf die Bestimmung des Arsens als Ammonium- Magnesium- Arsenat erfolgt, entweder nach Abdampfen der Lösung zur Trockne und Oxydation des RĂŒckstandes nach § 1190, oder nachdem der Vorlageninhalt mit Salz- sĂ€ure ĂŒbersĂ€ttigt und unter Zugabe von Kaliumchloratpulver erwĂ€rmt ist.

Das Zinnsulfid von unbestimmter Zusammensetzung, welches im Schiffchen zurĂŒckgeblieben ist, wird als Stannioxyd bestimmt.

In Àhnlicher Weise kann man auch ein Gemisch von Oxyden beider Metalle nach Zusatz von Schwefel im Schwefelwasserstoflfstrom behandeln.

Das Verfahren rĂŒhrt von Ebelmen) her und ist von H. Rose*) empfohlen.

1297 Bemerkung. Auch die fĂŒr die Trennung des Antimons vom Zinn angegebene OxalsĂ€ure-Methode (§ 1266) mĂŒsste sich hier mit gutem Erfolge anwenden lassen.

FĂŒr die ziemlich schwierige Trennung von Arsen, Antimon imd Zinn — z. B. in Legirung — fĂŒhren besonders zwei Wege zum ZieP).

1. Nach voraufgegangener Behandlung mit SalpetersĂ€ure wird das Oxydationsproduct mit Natriumhydrat*) geschmolzen und darauf durch Ausziehen der Schmelze mit verdĂŒnntem Alkohol Arsen und Zinn gelöst. Natriumantimoniat bleibt zurĂŒck. Den Alkohol der Arsen -Zinn -Lösung verjagt man durch Abdampfen, macht die Lösung salzsauer und fallt mit Schwefelwasserstoff. Die Sulfide trent man nach § 1297.

2. Nachdem durch Königswasser bei Gegenwart von Ferrisulfat (§ 1296) Lösung bewirkt und die ĂŒberschĂŒssige Menge Königswasser im KohlensĂ€ure-Strom verjagt ist, erfolgt die VerflĂŒchtigung des Arsens wie in § 1289 beschrieben. Die rĂŒĂ€ndige Antimon -Zinn -Lösung wird nach der OxalsĂ€ure-Methode (§ 1266) behandelt.

Dieser zweite Weg ist dem ersten noch vorzuziehen.

Arsen und die Metalle der Gruppen des Silbers, Cadmiums, Eisens, Baryums und Kaliums.

1298 L Durch Destillation der SalzsĂ€uren Lösung mit einem Beductionsmittel. Das Verfahren ist ein ganz allgemein anwendbares; wir verweisen auf die schon frĂŒher bei der Scheidung von Arsen und Antimon (§ 1289) sowie von Arsen und Zinn (§ 1296) gegebene Beschreibung.

") Ueber elektrolytiscbe Scheidungsverfabren siege C lassen: op. cit., 4. Aufl., S. 233 ff.

Hampe {Ch.-Z. 18 (1894), 1900) bewirkt die UeberfĂŒhrung des Antimons in Natriumantimoniat auf nassem Wege durch Einwirkung von Natriumsuperoxyd (vergl. § 1286).

Metalle der Arsengruppe.

1299. n. Durch MolybdÀnlösung. Die möglichst neutral (erforderlichen Falles zu neutralisirende) Nitratlösung, welche das Arsen als Arsenat enthalten muss, wird mit einem starken Ueberschusse von MolybdÀnlösung und von Ammoniumnitrat versetzt und lÀngere Zeit massig warm gestellt; eine zu hohe Temperatur, schon die Wasserbadtemperatur, kann leicht eine Ausscheidung von MolybdÀnsÀure veranlassen, wodurch die weiteren Operationen mehr oder weniger erschwert werden können.

Die FÀllung des Arsens als Ammonium -Arsenimolybdat ist vollstÀndig; die anderen Metalle bleiben in Lösung.

Der Niederschlag wird auf einem Filter mit Wasser, welchem man SalpetersĂ€ure und Ammoniumnitrat zugesetzt hat, oder mit verdĂŒnnter MolybdĂ€nlösung ausgewaschen und in massig verdĂŒnntem, warmed Ammoniak gelöst; in dieser anmioniakalischen Lösung wird das Arsen durch Magnesiummixtur bestimmt

Im Allgemeinen ist das Verfahren nur dann zu empfehlen, wenn ausschliesslich das Arsen, aber nicht die gelöst gebliebenen Metalle bestimmt werden sollen, weil dann die umstĂ€ndliche Abscheidimg des MolybdĂ€nĂŒberschusses vorgenommen werden muss. Die ausser Arsen vorhandenen Metalle bestimmt man besser in einer besonderen Probe (vergl. die Bestimmung imd Scheidung der PhosphorsĂ€ure).

Arsen und die Metalle der Oruppen des Cadmiums und EiseuB (Chrom auBgesohloBsen) sowie die Metalle der alkalischen / Erden.

1300. Duroh oxydirendes Schmelzen. Die zu analysirende Substanz wird, wenn nöthig, mit SalpetersÀure oxydirt, dann getrocknet und mit der dreifachen Menge Natrium -Kaliumcarbonat sowie der ein-bis zweifachen Menge Kaliumnitrat gemischt.

Die Mischung wird in einem Platintiegel geschmolzen, die geschmolzene Masse möglichst vollstĂ€ndig aus dem Tiegel entfernt (siege § 68) und mit heissem Wasser behandelt. Dieses löst die alkalischen Flussmittel und das entstandene Arsenat; die anderen Metalle bleiben als Carbonate oder als Oxyde zurĂŒck, mit Ausnahme des Quecksilbers, welches verflĂŒchtigt wird.

Das gelöste Arsen wird schliesslich, nach AnsĂ€uern der alkalischen FlĂŒssigkeit mit SalzsĂ€ure, durch Magnesiummixtur und Ammoniak gefallt.

w

Arsen und Silber.

1301. L Durch SalzsÀure. In der Lösung, welche das Arsen als Arsenooder als Arseni- Verbindung enthalten kann, bestimmt man das Silber durch FÀllung als Chlorid; das Arsen bleibt im Filtrat

1302. n. Durch trocknes Chlor oder SalzsĂ€uregas. Die Legirung oder das Gemisch der Sulfide wird in einem Chlorstrome erhitzt; das Arsenochlorid und das ĂŒberschĂŒssige Chlor werden in einer Vorlage

mit einer Lösung von Alkalihydrat aufgefangen; das Arsen geht in dieser in Arsenat ĂŒber und wird durch Magnesiummixtur bestimmt.

Auf die Sulfide kann man statt Chlor auch SalzsÀuregas einwirken lassen.

Das SalzsĂ€uregas kann auch nach dem Jannasch* sehen Verfahren Anwendung finden, wie es fĂŒr die Arsen-Blei-Trennung kurz angegeben ist (vergl. § 1306).

Bemerkung. Arsen verhindert die titrimetrische Bestimmung des Silbers durch SalzsÀure oder Natriumchlorid oder Sulfocyanid nicht.

Arsen und Queoksilber.

1303. I. Durch FĂ€llung des Quecksilbers als MercurochloricL

Man bestinunt das Quecksilber, je nach der SÀttigungsstufe, in welcher es vorliegt, durch SalzsÀure allein oder unter Zusatz von phosphoriger SÀure (§ 983); das Arsen bleibt in Lösung. Nach von Uslar) giebt das Verfahren genaue Resultate.

13 04. U. Durch GlĂŒhen im Sauerstoffltrom Bei Anwesenheit ĂŒberschĂŒssigen Magnesiumoxydes werden die beiden Oxyde im Sauerstoffstrom erhitzt. (Liegen die Sulfide vor, so werden sie durch Abdampfen mit SalpetersĂ€ure in Oxyde ĂŒbergenĂŒhrt.) Das Quecksilber wird in einer Mischung von verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure und Wasserstoflfeuperoxyd aufgefangen. Arsen bleibt als Magneiumarsenat zurĂŒck.

Arsen und BleL

1305. L Durch SchwefelsÀure. Das Blei wird durch Schwefel- sÀure mit oder ohne Alkohol (§ 951) als Bleisulfat gefallt und in dieser Form gewogen; das Arsen wird dann im Filtrate bestimmt.

1306. IL Durch txocknes Chlor oder SalzsĂ€uregas Die Trennung wird wie bei der Scheidung von Arsen und Silber (§ 1302) entweder mit Chlor oder SalzsĂ€uregas ausgefĂŒhrt.

FĂŒr die Anwendung des SalzsĂ€uregases bei höheren Temperaturen auf trocknem Wege, d. h. z. B. auf ein trocknes Gemenge von ArsensĂ€ure und Bleinitrat — erhalten durch Einwirkung von SalpetersĂ€ure auf die Legirung und vollstĂ€ndiges Vertreiben der SĂ€ure im Luftstrom von 120 C. — , hat P. Jan nash fĂŒr eine Reihe von Arsentrennungen gute Resultate liefernde Verfahren ausgearbeitet. Arsen wird als Arsenochlorid verflĂŒchtigt. Bleichlorid bleibt zurĂŒck.

J. B. Moyer: /. Am. eh. Soc. 21 (1899), 642. Z. anal. Ch. 84 (1895), 404.

3) P. Jannaßch: Z. anorg. Ch. 12 a896), 132 u. 359. J. B. Moyer: loc. cit.

Z. anal. Ch. 88 (1894), 598; B. 27 (1894), 3335; Z. anorg. Ch. 9 (1895), 274, u. 12 (1896), 398.

Metalle der Arsengruppe. Arsen und Wismuth.

1307 FĂŒr diese wichtige Scheidung kennt man nur die frĂŒher beschriebenen Verfahren der Scheidung des Arsens von den Metallen der Cadmiumgruppe.

Arsen and Kupfer.

1308. I. Durch trocknes Chlor oder SalzsĂ€uregas. Man verfahrt bei Anwendung von Chlor in der gleichen Weise wie bei der Scheidung von Arsen und Silber (§ 1302), und fĂŒr SalzsĂ€uregas nach Jannasch analog der Trennung von Arsen und Blei (§ 1306).

1308. II. Durch Chlor (auf nassem Wege). Die Substanz, welche auch ein Gemisch von Sulfiden sein kann, wird in einer Lösung von Alkalihydrat aufgeschlĂ€mmt. Leitet man nun einen Chlorstrom ein, so wird das Kupfer als Oxyd gefĂ€llt und das Arseu in Alkaliarsenat ĂŒbergenĂŒhrt

Wenn die Substanz ein Cupriarsenat oder ein Gemenge von Cuprisalz und ArsensĂ€ure war, oder durch Oxydation geworden ist, so erreicht man die Scheidung ohne Anwendung von Chlor direct durch Erhitzen mit einer Lösung von Alkalihydrat (siege Scheidung von Kupfer und Antimon, § 1277), oder bedeutend besser mit Wasserstofifsuperoxyd enthaltender Natriumhydrat-Lösung, in welche man die Kupfer- Arsen-Lösung eintröfelt. Bei darauf folgendem Kochen fallt schwarzes Cuprioxyd aus, welches sich nach starker VerdĂŒnnung der FlĂŒssigkeit ausgezeichnet filtriren und auswaschen lĂ€sst. Arsen wird als NH4MgAs04 + 6 HjO aus dem Filtrat vom Cuprioxyd, nach erfolgter Neutralisation mit Salpeter- sĂ€ure, durch Magnesiummixtur gefĂ€llt).

1310. IIL Durch VerflĂŒchtigung des Arsensulfides Die mit Schwefel gemischte Substanz wird in einem Rose'schen Tiegel unter Zuleitung von Wasserstoff erhitzt, bis zwei auf einander folgende WĂ€gungen ĂŒbereinstimmen. Das Arsensulfid wird verflĂŒchtigt und das Kupfer bleibt als Cuprosulfid zurĂŒck (vergl. auch § 1297).

Das Verfahren ist kein eigentliches Scheidungsverfahren, weil eines der Elemente der Bestimmung entzogen wird.

1311. IV. Durch ein Alkalisulfocyanid und schweflige Saure. Das Kupfer wird als Cuprosulfocyanid gefÀllt (§ 901); das Arsen bleibt als Arsenit in Lösung.

1312. V. Durch Magnesiummixtur. Zu der Lösung, welche das Arsen als Arseniverbindung enthalten muss, setzt man Ammoniak im Ueberschusse und dann Magnesiummixtur. Das Arsen wird als Ammonium-Magnesiumarsciiat gefÀllt, wÀhrend das Kupfer in Lösung bleibt

P. Jannasch: op. cit. S. 98.

Ebelmen: Ann. de eh. et de phys. [3] 25 (1849), 98; Rivot, Bcudani und Daguin: Ann. d. mines [5] 4 (1853), 267; H. Rose: Z. anal. Ch. 1 (1862), 4l3.

Scheiduugsverfahren.

Es gelingt jedoch nicht, wenigstens wenn grosse Mengen von Kupfer zugegen sind, den Magnesiumniederschlag ganz frei von Kupfer zu erhalten; es ist anzurathen, den ausgewaschenen Niederschlag in SalzsÀure zu lösen und ihn durch Zusatz von etwas Magnesiummixtur und Ammoniak wieder hervorzurufen. In Gegenwart von WeinsÀure erhÀlt man von Anfang an einen durch Kupfer weniger verunreinigten Niederschlag.

1313 VI. Durch Milchzucker. Man kann das Kupfer in Gegenwart von Arsen aus der alkalischen Tartratlösung als Cuprooxyd fallen; das Arsen bleibt in Lösung.

1313 a. VII. Durch Kaliumozalat. Zu einer concentrirten, heissen Cupri - Arseni - Lösung setzt man Kaliumoxalat im Ueberschuss. Beim AbkĂŒhlen fallt fast alles Kupfer als Cupri- Kaliumoxalat sogleich, der Rest nach Zusatz des etwa doppelten Volumens 80 — 90%iger EssigsĂ€ure aus. Arsen bleibt gelöst

1314. Bemerkung. Um sehr kleine Mengen Arsen neben verhÀltniss- mÀssig sehr grossen Mengen von Kupfer zu bestimmen, kann man alles Arsen durch Zusatz von einigen Tropfen absolut arsenfreien Ferrichlorids zur Kupfer- Arsenlösung und durch darauffolgendes UebersÀttigen derselben mit Ammoniak in einem verhÀltnissmÀssig geringen und doch voluminösen Niederschlage gewissermaassen concentriren, vorausgesetzt, dass das Arsen vorher als ArsensÀure vorhanden oder zu ArsensÀure oxydirt worden war. Man erhÀlt ein Niederschlagsgemisch von Ferriarsenat und Ferrihydrat, welches durch etwas mitgerissenes Kupfer verunreinigt ist. Löst man den Niederschlag in SalzsÀure und behandelt man die Lösung unter ErwÀrmen mit Schwefelwasserstoff, so werden Sulfide von Kupfer und Arsen gefÀllt, welche nach einem der soeben beschriebenen oder nach einem der allgemeinen Verfahren geschieden werden.

Wir erinnern ferner daran, dass durch den elektrischen Strom das Arsen aus salpetersaurer Lösung, welche gleichzeitig Kupfer enthÀlt, erst, nachdem dieses gefallt ist, abgeschieden wird. Dieses verschiedene Verhalten beider Metalle findet bei der Analyse des Handelskupfers vortheilhafte Anwendung (vergl. § 1278a).

Arsen und Cadmium.

1315* I. Durch Magnesiummixtur. Man verfÀhrt, wie bei der Scheidung von Arsen und Kupfer (§ 1312) in Gegenwart von Ammoniumtartrat.

Bemerkung. Auch bei dieser Scheidung kann man, entsprechend dem in der Schlussbemerkung zur Scheidung von Arsen und Kupfer (§ 1314) angegebehen Verfahren, das Arsen in einer geringen Menge eines Ferriniederschlages concentriren.

1315 a. U. Durch trocknes SalzsÀuregas auf trocknem Wege. Dieses Verfahren ist bei der analogen Arsen - Blei - Trennung kurz besprochen worden.

Metalle der ArseDgruppe.

Arsen und die Metalle der G-ruppe des Eisens.

13 16. I. Durch Magnesioimniztur. Setzt man zu der das Arsen als enthaltenden Lösung WeinsĂ€ure oder ein Tartrat und dann Ammoniak im Ueberschusse, durch welches in Gegenwart einer genĂŒgenden Menge Tartrat keine TrĂŒbung entstehen darf, so wird das Arsen auf Zusatz von Magnesiummixtur als Arsenat gefĂ€llt

Dieses sehr einfache Verfahren giebt leider nicht besonders scharfe Resultate.

1316 IL Durch trooknes SalssĂ€oregas auf trooknem Wege. Die Trennung vollzieht sich ganz analog den schon erwĂ€hnten Scheidungen nach diesem Verfahren. Nur liegt in diesen FĂ€llen die VerflĂŒchtigungstemperatur des Arsenochlorides höher, nĂ€mlich bei 300 bis 400Âź.

Arsen und die Metalle der Gruppe des Eisens (Chrom und Aluminium ausgenommen).

1317* L Durch VerflĂŒohtiguiig des Arsens als SolflcL Man

erhitzt, wie bei der entsprechenden Scheidung von Arsen und Kupfer (§ 1310), die Substanz mit Schwefel in einem Rose 'sehen Tiegel unter Zuleiten von Wasserstoft.

Ist Cobalt zugegen, so ist nicht darauf zu rechnen, dass die letzten Spuren von Arsen verflĂŒchtigt werden.

Waren nur Zink, Mangan oder Eisen zugegen, so kann man das Arsen aus dem Gewicht der zurĂŒckgebliebenen Sulfide durch Differenz bestinmien.

1318. IL Duroh Wasserstoffluperoxyd und Ifl'atrirunhydrat). Die schwach saure — meist salpetersaure — Lösung wird in ein wĂ€ssriges Lösungsgemisch von Natriumhydrat und Wasserstoffisuperoxyd eingetröfelt und diese Mischung erhitzt. Arsen bleibt in Lösung, aus welcher es als Ammonium - Magnesiumarsenat abgeschieden wird, die ĂŒbrigen Metalle fallen als Superoxyde bez. Superoxydhydrate aus. FĂŒr die Trennung des Arsens von Zink mittels alkalischer Wasserstoffsuperoxyd - Lösung wird Kaliumcarbonat statt Natriumhydrat angewendet.

Dieses Verfahren ist dem bislang am meisten angewendeten Schwefelwasserstoff-Verfahren (§ 1236) an Sicherheit und Schnelligkeit noch ĂŒberlegen.

Arsen und Nickel oder Cobalt. 1319* L Duroh trooknes Chlor. Das Verfahren stimmt mit dem bereits mehrfach beschriebenen ĂŒberein (siege z. B. § 1302).

1319 a. II. Duroh Chlor (auf nassem Wege). Man setzt zu der

Lösung ein Alkalihydrat und leitet Chlor ein.

Nickel und Cobalt werden als Nickelioxyd und Cobaltioxyd gefallt; das Arsen bleibt als Arsenat in Lösung (vergl. § 1280).

P. Jannasch: op. cit. S. 63 ff.

Scbeidungsvcrfahren. 233

1320 in. Barch Ferriohlorid. Das in der Schlussbemerkung zur Scheidung von Arsen und Kupfer (§ 1314) angegebene Verfahren ist in diesem Falle etwas einfacher, weil aus der Lösung des Ferriniederschlages nur Arsen, aber kein Nickel oder Cobalt gefallt wird.

Arsen und Zink. 132 Durch Ferrichlorid. Es gilt das im vorigen Paragraphen Gesagte.

Arsen und Mangan.

1322. Durch Ferrichlorid. Wie soeben angegeben wurde.

Arsen and Eisen.

1323. Durch Titrimetrie. Ist das Eisen verhĂ€ltnissmĂ€ssig im Ueberschusse vorhanden, so kann man beide Elemente zusammen durch Ammoniak fĂ€llen und den Niederschlag glĂŒhen: das Product ist AsjOj und FegOg.

Bestimmt man nun das eine der Elemente, also entweder das Arsen, oder, was leichter ausfĂŒhrbar, das Eisen, so erhĂ€lt man das andere Element indirect durch Berechnung (vergl. die Bestimmung der Phosphor- sĂ€ure).

Ist die Menge des Arsens sehr gering, so muss dieses direct bestimmt werden; denn jeder kleine Fehler bei der Eisenbestimmung wĂŒrde auch einen ganz imverhĂ€ltnissmĂ€ssig grossen Fehler in Bezug auf die indirect Arsenbestimmung mit sich bringen.

Arsen and die Metalle der Gruppe des Baryams.

1324 Durch SchwefelsĂ€ure. Man fĂ€llt die Metalle durch Schwefel- sĂ€ure — wenn Strontium und besonders Calcium (§ 462) zugegen sind, unter Zusatz von Alkohol — ; das Arsen bleibt in Lösung.

Arsen und die Alkalien.

1325. Durch Itlagnesiummixtur. Die Lösung, welche das Arsen als Arsenat enthalten muss, wird mit Ammoniak und Magnesiummixtur behandelt (§ 1197).

In dem von dem Arsenatniederschlage getrennten Filtrate können nöthigenfalls die Alkalien nach Entfernung des Magnesium -Ueberschusses bestimmt werden.

Gold und alle Metalle ausser Silber.

1326* Durch Beductdon. Die salzsaure Lösung wird mit Ferrosulfat oder Ferrochlorid behandelt; das gesammelte Gold wird gewogen (§ 1213).

Metalle der Arsengnippe.

'11

Man kann zur FÀllung auch OxalsÀure oder Hydroxylaminchlorhydrat anwenden.

Gold und Zinn, Antimon oder Arsen.

1327. Durch Chlorwasserstofias). Man fallt die vier Metalle durch SchwefelwasserstoÂŁf; das Sulfidgemisch wird unter Zuleitung von Chlorwasserstoff im Schiffchen erhitzt: Zinn und Antimon werden als Chloride, Arsensulfid als solches verflĂŒchtigt, wĂ€hrend das Gold im Schiffchen zurĂŒckbleibt.

Gold und die Metalle der Gruppen des Silbers, Cadminms

und Eisens.

1328. Diiroh SalpetersĂ€ure). Man behandelt Legirungen von Gold und den bezeichneten Metallen mit SalpetersĂ€ure (1,2 bis 1,3 sp. G.), welche nur das Gold angelöst lĂ€sst. Ist die Legirung so reich an Gold, dass dieses nicht in fein vertheiltem Zustande zurĂŒckbleibt, so muss sie zu einem dĂŒnnen BlĂ€ttchen ausgeplattet werden; das kann entweder mit einem Hammer auf einem Amboss oder durch Auswalzen geschehen. Das letztere Verfahren ist in den Probirlaboratorien, welche mit dieser Scheidung viel beschĂ€ftigt und dementsprechend eingerichtet sind, das ĂŒbliche.

Bei einem etwa 25 % ĂŒbersteigenden Goldgehalte muss die Legirung vor der Scheidung mit einem der Metalle, welches nicht zu schwer schmelzbar ist, zusammen geschmolzen werden; besteht die Legirung im Wesentlichen aus Gold und Silber, so wĂ€hlt man dazu das letztere Metall (siege § 1216), sonst auch wohl Kupfer.

Bei Abwesenheit von Blei kann man auch SchwefelsĂ€ure zur Scheidung benutzen; das Verfahren ist aber unbequemer auszufĂŒhren.

Gold und Silber. 1 3 2 9 Durch Königswasser. Ueberschreitet der Silbergehalt einer Legirung von Gold und Silber nicht etwa 15 Ÿ/q, so lÀsst sich der Silbergehalt leicht bestimmen, indem man die Legirung mit Königswasser behandelt, die Lösung durch Abdampfen stark concentrirt und mit reichlichen Mengen Wasser wieder aufnimmt.

De Koninck und Lecrenier; Z. angew. th. 1888, 352; R. unw. À. M. [3] a (1888), 98.

Das Verfahren der Scheidung von Gold und Silber durch SalpetersĂ€ure ist in den Probirlaboratorien, in den MĂŒnzen und Ă€hnlichen Anstalten durch gesetzliche Vorschriften, welche in einzelnen LĂ€ndern nicht immer genau ĂŒbereinstimmen, geregelt. Wir glauben die Einzelheiten, dem Plane unseres Buches gemĂ€ss, nicht nĂ€her eröstern zu sollen, sondern verweisen auf die HandbĂŒcher ĂŒber Probirkunst (TcrgU § 1002, S. 91, Fussnote). Neuerdings sind weitere Verbesserungen der Scheidung von Gold und Silber von A. Bock {Ch.-Z. 21 (1897), 973, und 22 (1898), 358) vorgeschlagen worden.

Scheidungsverfahren. 235

Man erhÀlt das Silber als Chlorid, welches auf einem Filter gesammelt mid gewogen werden kann.

Es kann indessen leicht vorkommen, dass beim Eindampfen etwas Gold redudrt wird; es ist deshalb sicherer, das ausgewaschene Silberchlorid in Ammoniak zu lösen und so das in ihm event. enthaltene Gold als RĂŒckstand zu gewinnen.

Die Lösung des Silberchlorides wird, nachdem das ĂŒberschĂŒssige Ammoniak durch ErwĂ€rmen ausgetrieben ist, mit SalpetersĂ€ure angesĂ€uert, um das gelöste Silberchlorid wieder zu fĂ€llen. .

Gold und Quecksilber.

1330. Duroh VerflĂŒohtigmig. In einem Amalgame bestimmt man das Gold durch Erhitzen der Substanz auf Rothgluth: das Quecksilber wird verflĂŒchtigt.

Will man dieses direct bestimmen, so muss man einen mit einer Vorlage versehenen Apparat anwenden; man erleichtert die Uebertreibung des Quecksilberdampfes durch Zuleiten eines Gasstromes (Wasserstoff, KohlensÀure, Leuchtgas).

Qold und Blei, Wismuth, Kupfer. 1331* Durch CupeUation. Ueber das Verfahren siege § 1002.

Gold und die Metalle der G-ruppen des Baryums und Kaliums.

1332* L Duroh Beduction auf trocknem Wege. Die einzigen wichtigen Verbindungen des Goldes mit diesen Metallen sind die Doppelchloride. Erhitzt man diese in einem Rose'schen Tiegel unter Zuleitung von Wasserstoff, so werden sie zersetzt, und zwar depart, dass das Gold zurĂŒckbleibt, wenn man das GlĂŒproduct mit reinem oder mit SalzsĂ€ure angesĂ€uertem Wasser aufnimmt

1333* IL Duroh Elektrolyse. Will man in den bezeichneten Verbindungen nur das Gold bestimmen, so kann man das elektrolytische Verfahren (§ 1215) anwenden.

Platin und Gold.

1334. Durch Ammoniumchlorid. Man setzt zu der Lösung der Chloride einen geringen Ueberschuss von Ammoniumchlorid, dampft beinahe zur Trockne und nimmt mit Alkohol auf. Das Gold geht in Lösung.

Das gefĂ€llte Ammoniumplatinchlorid wird durch GlĂŒhen zestört, und das zurĂŒckgebliebene Platin wird gewogen (§ 1220)).

Vergl. auch das Verfahren mittels Wasserstoffsuperoxyd und Natriumbydrat von L. Vanino und L. Seemann: B. 32 (1899), 1968.

I

u

Metalle der ArseDgruppe. Scheidungsverfahren.

Platin und Zinn, Antimon, Arsen. 1335. Durch Chlorwasserstoflas. Man verfahrt wie bei der Scheidung des Goldes von denselben Metallen (§ 1327); das Platin bleibt, ebenso wie das Gold, im RĂŒckstande.

Platin und die Metalle der Gruppen des Silbers, Cadmiums

und Eisens.

1336* Durch SchwefelsĂ€ure Die durch HĂ€mmern oder Walzen ausgeplattete Legirung wird mit SchwefelsĂ€ure, welche nur wenig verdĂŒnnt sein darf, behandelt; das Platin bleibt angelöst zurĂŒck.

War Blei vorhanden, so bleibt bei dem Platin Bleisulfat, welches nach vollstĂ€ndigem Auswaschen des RĂŒckstandes durch Ammoniumtartrat oder Ammoniumacetat oder in anderer Weise aufgelöst wird.

— Man kann nicht, wie beim Golde, die bequemere Scheidung durch SalpetersĂ€ure anwenden, weil diese SĂ€ure auch das Platin in manchen Legirungen auflösen kann.

Platin und die Metalle der Gruppen des Baryums und

Kaliums.

1337. I. Durch Beduction auf trocknem Wege. Man verfÀhrt genau wie bei der Scheidung des Goldes von denselben Metallen (§ 1332).

1338. IL Durch Wasserstoff auf nassem Wege. Die Lösung der Chloride wird unter einer AtmosphÀre von Wasserstoff erhitzt (siege § 440, Mittel); das Platin wird als Metall gefallt

Man darf die in § 440 angegebene Vorsicht, das Wasserstoflfgas durch KohlensÀure zu verdeÀngen, bevor man Luft zutreten lÀsst, nicht versÀumen.

1339. IIL Durch Formiate). Man fallt das Platin durch Er- wĂ€rmen der Lösung nach Zusatz eines Formiates. Das Natriumformiat und das Calciumformiat sind die geeignetsten. Will man keine nichtflĂŒchtigen Stoffe einfĂŒhren, so lĂ€sst sich auch Ammoniumformiat, welches man durch Neutralisiren von AmeisensĂ€ure mit Ammoniak selbst darstellen kann, anwenden.

1340. IV. Durch Elektrolyse. Das Platin wird durch Elektrolyse gefallt (§ 1225); gelöst bleiben die anderen Metalle mit Ausnahme derjenigen, welche durch die zuzusetzende SchwefelsÀure niedergeschlagen werden; man erhÀlt dieselben als Sulfate durch Filtration, bevor man zur Elektrolyse schreitet.

Siehe Bd. I, § 307, S. 285.

Capitel XII.

Aufsuchung aller Metalle.

Allgemeine Bemerkungen.

1341. FĂŒr die Verfahren, welche bei der Aufsuchung sĂ€mmtlicher Metalle zu wĂ€hlen sind, haben wir auf verschiedene Möglichkeiten RĂŒcksicht zu nehmen, welche durch die Natur des zu analysirenden Stoffes, durch seinen physikalischen Zustand und durch besondere UmstĂ€nde, unter welchen er vorliegt, gegeben sind.

Vom Einfachen zum Complicirteren fortschreitend, haben wir folgende FĂ€lle zu unterscheiden:

1. Der Stoff ist eine saure oder neutral Lösung, welche frei von Phosphaten ist.

2. Er ist eine saure oder neutral Lösung, welche Phosphate enthalten kann.

3. Der Stoff ist eine alkalische Lösung.

Mit den Kenntnissen, welche wir bisher erworben Jiaben, können wir nur die durch die beiden ersten FĂ€lle gestellten Aufgaben befriedigend lösen; um eine alkalische FlĂŒssigkeit oder einen festen Körper zu analysiren, mĂŒssen wir die Eigenschaften der Metalloid -Verbindungen kennen. Wir stellen daher die PrĂŒfung solcher Stoffe fĂŒr spĂ€tere Erörterungen zurĂŒck.

Wir werden unten (§ 1355) den Grund kennen lernen, weshalb die Analyse einer Phosphate enthaltenden Lösung verwickelter ist als diejenige einer phosphatfreien Lösung.

Beginnen wir irgend eine Analyse, so stellen wir zunÀ die Frage: mit welchen Substanzmengen muss man arbeiten?

A priori neigt man zu der Annahme, dass die Ergebnisse um so sicherer und um so genauer ausfallen werden, je grösser die in Arbeit genommene Probemenge ist. Diese Annahme ist aber in dieser Allgemeinheit nicht richtig.

Allerdings, wĂŒrde man eine zu geringe Menge des zu analysirenden Stoffes in Arbeit nehmen, so wĂŒrden sich diejenigen Bestandtheile desselben, welche nicht sehr hervorstechende Eigenschaften besitzen (me z. B. das Aluminium oder das Zink, um nur Metalle zu erwĂ€hnen), oder solche, welche in relativ sehr geringer Menge vorhanden sind, leicht der Beobachtung entziehen.

Aufsuchung aller Metalle in einer neutralen oder sauren Lösung,

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Andererseits aber werden, wenn man mit einer zu grossen Substanzmenge arbeitet, die NiederschlĂ€ge zu voluminös, die Filtrationen langwierig und erschöpfende Auswaschungen praktisch unmöglich; hermit sind die Grundlagen zu schweren IrrthĂŒmern gegeben.

Man wird daher gut thun, sich von beiden Extremen fem zu hallen und sich in der Wahl der Menge der Substanz von ihrer mehr oder weniger complicirten Zusammensetzung und von der verhÀltnissmÀssigen Menge, in welcher die einzelnen ihrer Bestandtheile vorhanden sind, leiten zu lassen. Feste Regeln aufzustellen ist nicht möglich; aber die Erfahrung hat doch gewisse Anhaltspunkte kennen gelehrt.

So wird man nur ausnahmsweise mehr als 2 bis 3 gr der Substanz auf einmal in Arbeit nehmen; im Allgemeinen genĂŒgen, wenn von den sĂ€mmtlichen verschiedenen Bestandth ellen erheblich hohe procentuale Mengen vorhanden sind. 0,5 oder 1 gr.

Diese Angaben beziehen sich natĂŒrlich nur auf feste Stoffe. Von Löstmgen dagegen muss man um so grössere Volumina anwenden, je verdĂŒnnter sie sind, oder mit anderen Worten: das anzuwendende Volumen muss eine geeignete Menge gelösten Stoffes enthalten.

Diese Ueberlegungen haben aber nur dann Geltung, wenn man von der zu analysirenden Substanz beliebig grosse Mengen zur VerfĂŒgung hat. Ist das nicht der Fall, so muss man einen Theil (mindestens oder Yg) der Probe zurĂŒckbehalten fĂŒr den Fall, dass der eine oder der andere Versuch missglĂŒckt oder einer NachprĂŒfimg bedarf.

Eine unter gewöhnlichen UmstĂ€nden ausgefĂŒhrte Analyse wird ĂŒber die Natur der in nicht zu geringer Menge vorhandenen einzelnen Bestandtheile befriedigenden Aufschluss geben und bis zu einem gewissen Grade auch eine AbschĂ€tzung der relativen Mengen, in welchen sie vorhanden sind, gestatten.

Hat man Grund, zu vermuthen, dass der eine oder der andere Bestandtheil in so ausnehmend geringer Menge vorhanden ist, dass er der Auffindung entgangen sein kann, so muss man eine grössere Probe auf eine specielle Untersuchung verwenden. Bei dieser befolgt man dann womöglich nicht den allgemeinen Weg, sondern sucht durch eine Reihe möglichst einfacher Operationen die bereits bekannten Bestandtheile zu entfernen und die in minimaler Menge vorhandenen und noch aufzusuchenden Bestandtheile in einem Minimum zu concentriren.

Wir wollen z. B. annehmen, es seen die Alkalien in einer Substanz, welche von ihnen nur Spuren, sonst aber die Metalle sÀmmtlicher Gruppen, auch Magnesium, enthÀlt, nachzuweisen. In diesem Falle wird man nicht nach und nach die Lösung mit SalzsÀure, Schwefelwasserstoff, Ammonium- Sulfid, -Carbonat und -Phosphat behandeln und nach jedem neuen Reagens filtriren, sondern man kann sogleich Ammoniak bis zur alkalischen Reaction, dann, ohne zu filtriren, Ammonium-Sulfid, -Carbonat und -Phosphat zusetzen und den ganzen Niederschlag auf einmal filtriren; sÀuert man

welche frei von Phosphaten ist. 239

dann das Filtrat mit SalzsĂ€ure an, so erhĂ€lt man durch eine zweite Filtration eine FlĂŒssigkeit, welche neben Ammoniumsalzen nur noch die Salze der aufzusuchenden Alkalien enthĂ€lt. Letztere gewinnt man schliesslich als RĂŒckstand durch Abdampfen der FlĂŒssigkeit imd darauf folgendes Verjagen der Ammoniumsalze durch AbglĂŒhen.

Aufsuchung aller Metalle in einer neutralen oder sauren Lösung welche frei von Phosphaten ist.

1342 Welcher Methode man sich auch fĂŒr diese Aufsuchung bedienen mag, immer hat man vorher durch einen Versuch mit einem Alkalihydrate an einer besonderen Probe festzustellen, ob Ammoniumverbindungen vorhanden sind oder nicht (§ 423)).

Die Aufsuchung der Metalle, in engerem Sinne, lĂ€sst sich nach verschiedenen Methoden ausfĂŒhren.

Erste, sog. classische Methode*).

13 43. Zu der ziemlich stark verdĂŒnnten und auf einem Wasserbade auf CO bis 70 erwĂ€rmten Lösung werden 1 bis 2 Tropfen Salz- sĂ€ure gesetzt Entsteht kein Niederschlag, so ist die Lösung frei von Silber-und Mercuro-Salzen und es ist unnöthig, es könnte sogar schĂ€dlich sein, mehr von dem Reagens hinzuzufĂŒgen. Entsteht dagegen ein Niederschlag, so setzt man, unter tĂŒchtigem UmrĂŒhren der FlĂŒssigkeit mit einem Glasstabe, nach und nach, jedesmal kleine Mengen der SĂ€ure hindu, bis sich der Niederschlag nicht mehr verĂ€ndert 3).

Ein anfangs durch die ersten SĂ€uremengen entstehender, dann aber wieder verschwindender Niederschlag wĂŒrde auf die Gegenwart von Wismuth und die Bildung von Bismuthi-Oxychlorid hindeuten (§ 928, Nr. 2)*).

Einen betrĂ€chtlichen Ueberschuss der SĂ€ure muss man vermeiden, in RĂŒcksicht auf eine gewisse Löslichkeit des Silberchlorides und Mercurochlorides in SalzsĂ€ure, und auch weil ein solcher Ueberschuss die spĂ€tere

Man hat alle Erscheinungen, welche der Zusatz von Alkalihydrat hervorruft, zu beachten (vergl. die spÀter beschriebenen Vorversuche).

Diese Methode ist im Wesentlichen zuerst von Heinrich Rose in seinem Handbuch der analytischen Chemie (1. Auflage 1829) mitgetheilt worden. SpÀter hat Remigius Fresenius (geb. 28. December 1818 in Frankfurt a. M., gest. 11. Juni 1897 in Wiesbaden) diese Methode entwickelt und in seiner Anleitung zur qualitativen chemischen Analyse (1. Auflage 1841) veröffentlicht.

Siehe § 1001, Nr. 2, und § 980, Nr. 3, S. 77, Ausnahmen, welche mit der Gegenwart von Mercurinitrat zusammenhÀngen.

Wenn die Lösung Brechweinstein (Antimonyl-Kalium-Tartrat) enthalten sollte, so könnte auch ein im Ueberschuss der SĂ€ure wieder löslicher Antimooio-Niederschlag entstehen. Eine sich langsam bildende milchige TrĂŒbung, welche weder durch WĂ€rme noch durch einen SĂ€ureĂŒberschuss verschwindet, kann von Schwefel herrĂŒhren, welcher von anwesendem, sich zersetzendem HyposulHt stammt.

240 Aufsuchung aller Metalle in einer neutralen oder sauren Losung,

FÀllung einiger Metalle durch Schwefelwasserstoff, wenigstens theilweise, verhindern könnte (§ 1021).

Hat sich ein bleibender Niederschlag gebildet, so ĂŒberlĂ€sst man der Ruhe, aber stets in massiger WĂ€rme, um einer FĂ€llung von Bleichlorid vorzubeugen.

Die abgeklĂ€rte FlĂŒssigkeit decantirt man ĂŒber ein Filter, auf welchem man dann den Niederschlag sammelt.

Das Filtrat stellt man bei Seite, um es durch die Waschwasser nicht zu sehr zu verdĂŒnnen*), und den geeignet ausgewaschenen Niederschlag benutzt man zur Aufsuchung des Quecksilbers und des Silbers (siege § 1023).

Aus dem erkalteten Filtrate scheiden sich bisweilen schuppige, weisse glÀnzende Krystalle von Bleichlorid aus; man nimmt von dieser Erscheinung Notiz und decantirt die Lösung.

Die FlĂŒssigkeit, in welcher SalzsĂ€ure keinen Niederschlag hervorgerufen hatte, oder das Filtrat, welches von dem entstandenen ederschlage getrennt worden ist, wird unter den frĂŒher angegebenen Bedingungen (§§ 1021 u. 1226) mit Schwefelwasserstoff behandelt, um die Metalle der Gruppen des Cadmiums und des Arsens vollstĂ€ndig zu fallen.

Man merit sich die Farbe des Niederschlages oder selbst die nach einander entstehenden FĂ€rbungen, welche er in dem Maasse der Einwirkung des Reagens annimmt, imd filtrirt dann.

Hier, wie in allen Ă€hnlichen Phallen, stellt man das Filtrat bei Seite, ehe man zum Auswaschen des Niederschlages ĂŒbergeht.

1344. Behandlung des Niedersohlages. Der gesammelte und ausgewaschene Niederschlag wird in ein Becherglas gespritzt und bei gelinder WĂ€rme mit einem geringen Ueberschusse von Alkalisulfid in bedecktem Gefasse digerirt). Nach Yi oder Yj Stunde filtrirt mian und

Diese Art vorzugehen lÀsst auch Zeit gewinnen, weil man wÀhrend des Auswaschens des Niederschlages das Filtrat schon weiter behandeln kann.

Die Auswahl des Alkalisulfides ist nicht gleichgĂŒltig. Wir erinnern daran, dasb das Stannosulfid nur in den Polysulfiden der Alkalien loslich ist, dass das Cuprisulfid in Ammoniumsulfid nicht vollstĂ€ndig unlöslich ist und doss sich das Mercurisulfid sehr leicht in den Sulfiden der fixed Alkalien lost.

Ist man sicher, dass keine St anno Verbindungen vorhanden sind, so vermeidet man die Polysuifide, weil diese bei der spĂ€teren Zersetzung der Sulfosalze durch Salz- sĂ€ure nur einen leicht irrefĂŒhrenden Niederschlag #ron Schwefel bewirken wurden.

Weiss man, dass die zu analysirende Mischung Mercurisalze enthĂ€lt, so hĂŒtet man sich vor der Anwendung der Sulfide des Kaliums oder des Natriums.

Ist man, im Gcgentheile, der Abwesenheit von Quecksilber sicher, so gicbt man den SulĂŒden der fixed Alkalien, in der Praxis dem Natriumsulfide, den Vorzag, besonders wenn die Gegenwart von Kupfer bekannt ist oder vorausgesetzt wird.

Wenn jedes besondere Merkmal felt, so muss man Ammoniumpolysulfid anwenden, welches jedoch einen zu grossen Ueberschuss an Schwefel nicht enthalten darf; es entspricht noch am besten der Gesammtheit der Erfordernisse.

Hat man Ammoniurasulfid angewandt und ist in der zu untersuchenden Mischung

welche frei vod Phosphaten ist. 241

wĂ€ den RĂŒckstand zuerst mit Wasser, welches etwas Alkalisulfid ent- hĂ€lt, dann mit reinem oder, besser, etwas Schwefelwasserstoff enthaltendem Wasser aus.

Die Anwendung von Alkalisulfid bei den ersten Auswaschungen hat den Zweck, einer Zersetzung der Sulfosalze durch die KohlensÀure und den Sauerstoff der Luft vorzubeugen.

Die Sulfide der Gruppe des Cadmiums werden, wie frĂŒher beschrieben ist (§ 1021), behandelt, um in ihnen nach einander das Quecksilber, Blei, Wismuth, Kupfer und Cadmium aufzusuchen.

Das alkalische Filtrat wird mit SalzsĂ€ure bis zur deutlich sauren Reaction versetzt; hierdurch werden die Metalle der Arsengruppe wieder als Sulfide gefallt. Nach Filtration von der FlĂŒssigkeit, in welcher sie entstanden sind, dienen sie zur PrĂŒfung auf die einzelnen Metalle nach den frĂŒher angegebenen Verfahren (§§ 1226flf.).

Zur PrĂŒfung, ob die SĂ€ure einen Niederschlag hervorgerufen hat, welcher ausschliesslich aus Schwefel besteht, wie es öfter den Anschein hat, giesst man einen Theil des trĂŒben FlĂŒssigkeitsgemisches in einen Reagircylinder und schĂŒttelt eine Minute lang heftig mit Benzol oder mit PetrolĂ€ther; da diese nur den Schwefel lösen, findet man die geringsten Spuren von Sulfiden auf und zwar nach Absitzen an der Grenzzone der beiden FlĂŒssigkeiten oder an der Cylinderwand

1344a. Behandlung des Filtrates. Das saure, mehr oder weniger mit Schwefelwasserstoff beladene Filtrat der ersten Sulfid- fÀllung wird mit Ammoniak und Ammoniumsulfid (§ 700) oder mit Ammoniak in leichtem Ueberschusse und darauf mit einem Strome von Schwefelwasserstoff behandelt. Die Metalle der Eisengruppe werden gefallt, wÀhrend diejenigen der Gruppen des Baryums und Kaliums in Lösung bleiben. Der Farbe des Niederschlags wird, wie stets, die nöthine Beachtung geschenkt.

Der gesammelte und mit Wasser, welchem eine Spur Ammonium-

Kupfer vorhanden, so wird das gelöste Cuprisnlfid aus der Losung, gleichzeitig mit den Sulfiden des Zinns, Antimons und Arsens, bei der Zersetzung der Sulfosalze durch SalzsÀure wieder gefÀllt.

Bei jeder der zur spĂ€teren Analyse dieser Sulfide anzuwendenden Methoden, besonders aber wenn man zur Trennung des Arsens Ammoniumcarbonat benutzt, folgt das Kupfer stets dem Antimon, und namentlich wird es, wie dieses, durch Cadmium auf dem Platinbleche gefĂ€llt. Zwar mĂŒsste der so erhaltene Kupferfleck roth sein, jedoch ist er, wahrscheinlich in Folge von Spuren von Arsen, welche der Scheidung entgangen, d, h. beim Kupfer geblieben sind, oft mehr oder weniger schwarz, und kann daher leicht mit dem Antimonbeschlage verwechselt werden. Man muss sich also — im Falle der Möglichkeit einer solchen Verwechselung — ĂŒberzeugen, dass das durch Cadmium gefĂ€llte und in SalzsĂ€ure unlösliche Metall wirklich Antimon ist. Zu dem Zwecke löst man es in SalpetersĂ€ure und WeinsĂ€ure und prĂŒft die FlĂŒssigkeit mit Schwefelwasserstoff, welcher einen orangerothen und nicht schwarzen Niederschlag geben muss.

De Koninck - Meineke, Mineralanalyse. II. 16

242 Aufsuchung aller Metalle in einer neutralen oder sauren Losung,

Sulfid oder vielleicht besser Schwefelwasserstoff zugesetzt ist, ausgewaschene Niederschlag dient zur Aufsuchung der Metalle der Eisengruppe nach den frĂŒher (§§ 699 ff.) beschriebenen Methoden.

Das Filtrat, welches von Ammoniumpolysulfid gelb oder bisweilen auch von gelöstem Nickelsulfide mehr oder weniger dunkelbraun gefÀrbt ist, wird andauernd gekocht, bis es nicht mehr ammoniakalische DÀmpfe abgiebt und farblos geworden ist.

Es scheidet sich wĂ€hrend des Kochens ein Niederschlag von Schwefel ab, welchem sich Nickelsulfid, falls es im Filtrat in Lösung war, beigesellt. Ist Nickel anwesend, so filtrirt man, wĂ€hrend eine Filtration sonst, nur des Schwefels wegen, nicht erforderlich ist. Die neutral gewordene Lösung wird dann schwach mit SalzsĂ€ure angesĂ€uert, um das Ammoniumhyposulfit 1) , welches sie enthalten kann, zu zestören, und von Neuem gekocht. Durch Filtration erhĂ€lt man eine farblose FlĂŒssigkeit, welche die von den angewandten Reagentien stammenden Ammoniumsalze und die Metalle der Gruppen des Baryums imd Kaliiuns enthĂ€lt.

Es konamt hĂ€ufig vor, dass die FlĂŒssigkeit trotz der Filtration ein schwach milchiges Aussehen behĂ€lt, herrĂŒhrend von einer geringen Menge Schwefel, welche durch das Filter gegangen ist. Diese TrĂŒbung könnte spĂ€tere Versuche stören. Es ist deshalb anzurathen, sie zum Verschwinden zu bringen. Hierzu werden zwei Mittel angewendet.

1. Man setzt Bromwasser bis zur bleibenden Braunfarbung hindu und erwĂ€rmt; der Schwefel wird hierdurch in SchwefelsĂ€ure ĂŒbergenĂŒhrt:

S 4 HgO + 3 Brg H2SO4 + 6 HBr ;

verschwindet die Farbe nicht durch bosses ErwĂ€rmen, so zestört man den Brom-Ueberschuss durch einige Tropfen Ammoniak. EnthĂ€lt die Lösung Baryum oder Strontium, so entsteht natĂŒrlich durch die Einwirkung des Broms ein Sulfatniederschlag, ein Umstand, welchen man nicht ĂŒbersehen darf.

2. Man setzt zu der Lösung zwei oder drei Tropfen Mercurichlorid und leitet einige Blasen von Schwefelwasserstoff ein; das entstehende Mercurisulfid resist den Schwefel nieder und eine Filtration giebt jetzt mit Sicherheit ein klares Filtrat (siege § 59, Bd. I, S. 52).

Bevor man alle diese Operationen ausfĂŒhrt und an die Aufsuchung der Alkalien und alkalischen Erden geht, ĂŒberzeugt man sich durch einen schnell auszufĂŒhrenden Versuch, ob die FlĂŒssigkeit ĂŒberhaupt irgend welche nichtflĂŒchtigen Salze enthĂ€lt; denn ist das nicht der Fall, so ist die AusfĂŒhrung jener Arbeiten zwecklos.

Dieser Versuch besteht darin, dass man in einer Schale einen sehr kleinen Bruchtheil des Filtrates von den Metallen der Eisengruppe ab-

Aus dem Ammoniumsulfide bildet sich unter dem EinflĂŒsse der Loft Hyposulfit.

welche frei von Phosphaten ist. 243

dampft und den RĂŒckstand glĂŒht. Hinterbleibt noch ein RĂŒckstand nichtflĂŒchtiger Salze, so kann man diesen vortheilhaft zu Versuchen fĂŒr FlammenfĂ€rbungen benutzen (siege §§ 433 u. 494).

Wenn das Filtrat Nickel enthĂ€lt, so ist selbstverstĂ€ndlich dieser Versuch erst mit der vom Nickelsulfide befreiten Lösimg auszufĂŒhren.

1345 Die Aufsuchung der Metalle der Gruppen des Baryums und Kaliums kann in verschiedener Weise geschehen.

1346* L Die saure Lösung, welche man nach Zerstörung event vorhandenen Ammoniumhyposulfits mit SalzsĂ€ure, wie oben angegeben ist, erhalten hat, wird durch Ammoniak alkalisch gemacht, mit Ammoniumcarbonat versetzt und massig gekocht Unter diesen UmstĂ€nden fallen die Metalle der Baryumgruppe vollstĂ€ndig) als Carbonate aus (siege §456, Nr. 4); das Magnesium bleibt, dank den Ammoniumsalzen, welche fast immer in genĂŒgender Menge in der FlĂŒssigkeit vorhanden sind, in Lösung.

Hatte man Grund anzunehmen, dass die vorhandene Ammoniumsalz-Menge nicht ausreichend ist, so setzt man Ammoniumchlorid hindu.

In dem geeignet ausgewaschenen Niederschlage sucht man die Metalle der Gruppe des Baryums auf, nachdem man ihn in verdĂŒnnter SalzsĂ€ure oder SalpetersĂ€ure auf dem FĂŒter aufgelöst imd einen Vorversuch gemacht hat.

Im Filtrate endlich sucht man das Magnesium und dann die Alkalien (§§424flF.).

1347 II. Man lĂ€sst in die saure Lösung einen Tropfen ver- dĂŒnnte SchwefelsĂ€ure fallen; erhĂ€lt man keinen Niederschlag (Baryum ist dann ĂŒberhaupt nicht und Strontium nicht in erheblichen Mengen vorhanden), so setzt man Ammoniak und Ammoniumoxalat hindu, um Kalk nachzuweisen und eventuell abzuscheiden.

War jedoch durch SchwefelsÀure ein Niederschlag entstanden, so setzt man einen Ueberschuss von Ammoniumsulfat hindu, um Baryum und Strontium zu fallen, und filtrirt. In dem Niederschlage sucht man Baryum und Strontium durch Flammenreaction auf; das Filtrat wird, wie vorher, mit Ammoniumoxalat behandelt.

Das vom Calcium -Niederschlage getrennte Filtrat wird zur Aufsuchung der Metalle der Kaliumgruppe benutzt (§§ 423 ff.).

Diese zweite Methode ist nur zu empfehlen, wenn man von vom herein der Abwesenheit von Strontium sicher ist (§ 492).

1347 IIL Es werden nach einander Baryum mittels Ammoniumchromat, Strontium mittels Ammonimnsulfat und Calcium mittels Ammoniumoxalat gefallt. Der jedesmal erhaltene Niederschlag wird abfiltrirt, ausgewaschen und durch Flammenfarbungsversuche geprĂŒft. Im letzten Filtrate sind nur die Metalle der Kaliumgmppe.

Bei Gegenwart von sehr viel Amraoniumsalzen kann die CarbonatTĂ€llung theil weise verhindert werden.

244 Aufsuchuag aller Metalle in einer neutralen oder sauren Lösung,

1348 ErsatE des Sohwefelwasserstoffes durch Ammoniumthioaoetat. Um der lÀstigen Entwickelung von Schwefelwasserstoff enthoben zu werden, haben R. Schiff und N. Tarugi denselben durch ThioessigsÀure , C Hg CO S H , bez. durch Ammoniumthioacetat, ersetzt. Dieses Salz wird durch heisse SalzsÀure unter Entbindung von in statu nascendi sehr energisch wirkendem Schwefelwasserstoff vollstÀndig und ohne Abscheidung von Schwefel zersetzt; ebenso verhÀlt sich die ThioessigsÀure selbst (vergl. § 883, Nr. 4, Fussnote 4).

Die ThioessigsĂ€ure erhĂ€lt man durch Einwirkung von Eisessig auf Phosphorpentasulfid). Zur Bereitung von Ammonium thioacetatlösung wird die SĂ€ure unter Vermeidung eines Ueberschusses in verdĂŒnntem Ammoniak gelöst und diese Lösung auf das dreifache Volumen der SĂ€ure selbst gebracht. Von dieser so verdĂŒnnten Ammonium thioacetatlösung setzt man der zu untersuchenden FlĂŒssigkeit, wenn dieselbe etwa 0,5 bis 1 gr fester Substanz entspricht, bei gewöhnlicher Temperatur bis 2 cc zu, erhitzt bis nahe, aber nicht ganz zum Sieden, und lĂ€sst erkalten.

Aus der stets sauer zu haltenden FlĂŒssigkeit sind jetzt die Metalle der Gruppen des Silbers, Cadmiums und Arsens vollstĂ€ndig als Sulfide gefallt. Es ist besonders werthvoll, dass auch aus Arsenaten das Arsen durch das Reagens beim ErwĂ€rmen als Arsenosulfid vollstĂ€ndig abgeschieden wird.

Der Niederschlag wird wie die durch Schwefelwasserstoff gefÀllten Sulfide untersucht; zur weiteren Untersuchung des Filtrates verwenden die Verfasser jedoch nach wie vor Ammoniumsulfid.

Ob sich diese AbÀnderung der Methode dauernd bewÀhren wird, wird vorzugsweise von der Haltbarkeit der ThioessigsÀure beim Aufbewahren abhÀngen. Das Ammoniumthioacetat ist nicht unbegrenzt lange haltbar; die Verfasser empfehlen vielmehr, das Reagens nach Verlauf von etwa zehn Tagen zu erneuern.

Zweite Methode.

1349. Durch schweflige SĂ€ure Die ursprĂŒngliche FlĂŒssigkeit wird zunĂ€, wie bei der ersten Methode, mit SalzsĂ€ure behandelt, um die Metalle der Gruppe des Silbers aufzufinden und abzuscheiden.

Zu der klaren, eventuell durch Filtration geklĂ€rten FlĂŒssigkeit setzt man etwas verdĂŒnnte SchwefelsĂ€ure oder Ammoniumsulfat; entsteht durch dieses Reagens ein Niederschlag, so fart man mit seinem ZusĂ€tze fort, bis der Niederschlag sich nicht mehr vermehrt, und lĂ€sst wĂ€hrend einer halben Stunde absitzen.

2) B. 28 (1895), 1204; Z. angew. Ch. 1895, 383.

8) Mon. sc. de QuesnevilU [4] 9 (1895), 88. Diese Methode hat Prof. De Koninck seit mehreren Jahren in seinem Laboratorium mit bestem Erfolg angewandt.

welche frei von Phosphaten ist. 245

Der Sulfatniederschlag wird gesammelt und ausgewaschen; er enthÀlt das Baryum und das Strontium als Sulfate, welche Calcium mit niedergerissen haben können); er kann auch Blei enthalten.

Das Baryumsulfat ist so ausserordentlich schwer löslich, dass inan aus dem Ausbleiben eines Niederschlages durch SchwefelsĂ€ure auf die Abwesenheit wesentlicher Mengen dieses Metalles mit Sicherheit schliessen kann*); sehr geringe Mengen Strontium wĂŒrden der FĂ€llung entgehen, namentlich in Abwesenheit von Baryum, imd das Auftreten eines Niederschlages von Bleisulfat hĂ€ngt wesentlich von dem Grade der AciditĂ€t der FlĂŒssigkeit, ihrer Concentration und von den in ihr enthaltenen Salzen ab.

1350* Behandlung des Sul&tniedersohlages. Ein kleiner Theil des Niederschlages wird einem Vorversuche unterworfen, welcher darin besteht, den Niederschlag auf einem StĂŒck Filtrirpapier auszubreiten und einem Strome von Schwefelwasserstoff oder den DĂ€mpfen von Ammoniumsulfid mittels des bei den Bunsen'schen Versuchen angewandten Apparates (Fig. 190) auszusetzen. Bleisulfat wird unter diesen Umstanden schwarz.

Man kann dann den Niederschlag auf einen Platindraht streichen und die FÀrbung beobachten, welche er der Flamme nach Erhitzen im Reductionsfeuer und nach Befeuchten mit SalzsÀure ertheilt (siege § 494).

Ist die Menge des Bleis einigermaassen erheblich, so darf man nicht im Reductionsfeuer erhitzen, weil das reducirte metallische Blei das Fi-iw.

Platin zum Schmelzen bringen wĂŒrde; in diesem Falle muss man sich damit begnĂŒgen, direct SalzsĂ€ure anzuwenden.

— Die systematische PrĂŒfung des Sulfalniederschlages kann in folgender Weise geschehen: man digerirt ihn mit einer Lösimg von Kaliumsulfat und von Kaliumcarbonat, filtrirt, wĂ€ aus und behandelt das Ungelöste mit EssigsĂ€ure, welche die Carbonate des Bleis und Strontiums löst, dagegen das Baryum als Sulfat zurĂŒcklĂ€sst. Letzteres kann alsdann noch durch Flammenreaction identificirt werden. Die essigsaure Lösung, mit einem Strome von Schwefelwasserstoff behandelt, giebt einen schwarzen Niederschlag von Bleisulfid, nach dessen Entfernung man das Strontium aufsucht, z. B. durch Abdampfen der Lösung zur Trockne und PrĂŒfung des RĂŒckstandes durch Flammenreaction.

Man kann auch den Sulfat -Niederschlag durch ein Alkalicarbonat

In Abwesenheit von Baryam und Strontium bleibt Calcium vollstĂ€ndig in Lösung, wenn die FlĂŒssigkeit nicht zu concentrirt ist, was ĂŒberhaupt vermieden werden sollte.

Baryumsulfat ist in Gegenwart von SalzsÀure und von manchen Metallsalzen, namentlich von Ferrichlorid, nicht ganz unlöslich.

246 Auftncliung aller Metalle in einer neutralen oder sauren Losung,

aufschliessen, die Schmelze in Wasser aufnehmen und den SchmelzrĂŒckstand, welcher das Blei als gelbes Oxyd, das Baryum und das Strontium als weisse Carbonate enthĂ€lt, filtriren, auswaschen und hiemach in Essig- sĂ€ure auflösen. In dieser Lösung ermittelt bez. scheidet man von einander in nachstehender Reihenfolge das Blei durch Schwefelwasserstoff, das Baryum durch ein Alkalichromat und schliesslich das Strontium durch ein ÄlkaĂŒcarbonat.

1351. Behandlung des Filtrates. Das vom Sulfatniederschlage getrennte Filtrat wird mit einer concentrirten Lösung von schwefliger SÀure versetzt, bis diese vorherrscht, und alsdann zum Kochen erhitzt, bis der Ueberschuss des Reagens vollstÀndig ausgetrieben ist).

Diese Behandlung bezweckt, die Chromate zu Chromisalzen, die Permanganate zu Manganosalzen, die Ferrisalze zu Ferrosalzen, die Arsenate zu Arseniten zu reduciren; auch die Antimoniiverbindungen werden reducirt; wenn femer die Substanz, oder viehnehr die Lösung, freies Chlor, Brom oder Jod enthielt, sei es, dass dieselben als solche bereits in der Substanz vorhanden oder unter dem EinflĂŒsse der zum Auflösen angewandten SĂ€ure gebildet waren, so werden diese Elemente, ebenso wie die Mehrzahl ihrer Sauerstoffsalze, in die Wasserstoffverbindungen ĂŒbergenĂŒhrt

Man vermeidet bei dieser Arbeitsweise die sonst so hĂ€ufige Abscheidung von Schwefel beim Behandeln mit Schwefelwasserstoff, und erhĂ€lt ausserdem sofort, schon in der KĂ€lte, die FĂ€llung des Arsens und ebenso dessen vollstĂ€ndige Scheidung vom Zink, welche sonst gehemmt wĂŒrde (siege § 657, Nr. 2).

Durch die Einwirkung der schwefligen SĂ€ure kann aber doch ein Niederschlag von Schwefel und gleichzeitig von Sulfid entstehen. Das Auftreten derselben ist ein sicheres Kennzeichen fĂŒr die Anwesenheit von St anno salzen; denn das Stannochlorid reducirt die schweflige SĂ€ure:

der, wie die Formel zeigt, entstehende Schwefelwasserstoff kann aber entweder mit einem Ueberschusse von schwefliger SÀure oder mit dem vorhandenen Stannochlorid bez. entstandenen Stannichloride oder mit anderen vorhandenen Metallverbindungen in Reaction treten (siege § 1132, Nr. 17):

2 HjS + SOj 2 HjO + 3 S,

SugCl + 2 HjS SujjS -f 4 HCl,

SnCl -f 2 HS SnS -f 4 HCl.

Die vollstĂ€ndige Vertreibung hat stattgefunden, wenn der Genich nach Schwefeldioxyd gĂ€nzlich verschwunden ist oder die entweichenden, durch AbkĂŒhlnog condensirten DĂ€mpfe eine Lösung von Ferri-Ferricyanid (Mischung von Ferrichlorid und Kaliumferricyanid) nicht mehr blĂ€uen. Die mit schwefliger SĂ€ure zu redudrende Lösung darf nicht zu sauer sein, da die Reduction dann schwer vollstĂ€ndig wird.

welche frei von Phosphaten ist. 247

Ausserdem könnten durch die schweflige SĂ€ure Mercurooder Cuprosalze gefallt werden; namentlich beim ErwĂ€rmen kann ein Niederschlag von Mercurochlorid durch Reduction von Mercurichlorid i) entstehen; man kann den Niederschlag sammeln und nĂ€her prĂŒfen oder in der FlĂŒssigkeit belassen.

Diese FÀllung von Schwefel und Sulfid sowie diejenige der Mercurooder Cuproverbindimgen Àndert jedoch den Gang des Verfahrens nicht. Es ist bemerkenswerth , dass die Anwesenheit eines so energischen Reductionsmittels, wie es das Stannosalz ist, die Möglichkeit der Anwesenheit jeder durch schweflige SÀure reducirbaren Substanz ausschliesst und in solchen FÀllen daher den Gebrauch dieses Reagens unnöthig macht.

Andererseits kann Stannochlorid nicht in einer Lösung vorhanden sein, welche ein Chromat, Permanganat, Ferrisalz, freies Halogen, Hypochlorit oder selbst Arsenat enthÀlt.

Nachdem der Ueberschuss von schwefliger SĂ€ure — wie eingangs erwĂ€hnt — durch Kochen ausgetrieben ist, sĂ€ttigt man die FlĂŒssigkeit, mag sie klar oder trĂŒbe sein, mit Schwefelwasserstoff und setzt die Analyse wie bei der ersten Methode hinsichtlich der Gruppen des Arsens, des Cadmiums imd des Eisens fort, ausgenonmien allein folgenden Fall: Hat man in dem Niederschlage durch SchwefelsĂ€ure die Anwesenheit von Blei erkannt, so ist es nicht mehr nöthig, danach zu suchen; man umgeht also die MĂŒhe, den in FlĂŒssigkeit verbliebenen Rest dieses Metalles abzuscheiden; man muss aber berĂŒcksichtigen, dass er mit dem Bismuthihydroxyde durch Ammoniak ausfallen wird, d. h. man muss den durch Ammoniak erhaltenen Niederschlag ausdrĂŒcklich auf Wismuth prĂŒfen (§ 1021, S. 110).

Da femer in Folge der Behandlung mit schwefliger SĂ€ure in dem durch Schwefelwasserstoff erzeugten Niederschlage nur Stannisulfid, aber kein Stannosulfid vorhanden sein kann, so kann man bei der Scheidung der Gruppe des Arsens von derjenigen des Cadmiums von der Anwendung von Polysulfiden Abstand nehmen, was einen weiteren Vortheil dieser Methode bedeutet.

FĂŒr diese Gruppen - Scheidung geben wir dem Natriumsulfide gern den Vorzug, wenn die Substanz nicht gleichzeitig Quecksilber und Cadmium enthĂ€lt; der Grund ist der, dass, wenn die Substanz Quecksilber enthĂ€lt, das Mercurisulfid vollstĂ€ndig in Lösung geht und durch SĂ€uren zusammen mit den Sulfiden der Metalle der Arsengruppe wieder gefĂ€llt wird (siege § 979, Nr. 3).

In dem Falle, dass die zu analysirende Substanz Cadmium enthÀlt,

Die Gegenwart einer grossen Menge von Alkalichloriden hinder das Eintreten dieser Reduction (H. Debray: C. r, 94 (1882), 1222).

248 Aufsuchung aller Metalle in einer neutralen oder sauren Losung,

wĂŒrde, weil das Cadmiumsulfid Mercurisulfid zurĂŒckhĂ€lt) (siege § 979, Nr. 3), durch Natriumsulfid keine vollstĂ€ndige Trennung erreicht werden; man zieht daher Ammoniumsulfid vor.

Die FĂ€llung der Metalle der Eisengruppe geschieht, wie bei der classischen Methode, durch Ammoniak und Schwefelwasserstoff oder durch Ammoniumsulfid.

Da Baryum und Strontium bei Beginn der Analyse bereits ausgeschieden wurden, bleiben in der FlĂŒssigkeit nach dieser FĂ€llung nur Calcium und die Kaliumgruppe.

Das Calcimn wird gefunden und abgeschieden durch Ammoniumoxalat, das Magnesium und die Alkalimetalle durch die bekannten Mittel (§§ 423 ff.).

— Die Vortheile der soeben beschriebenen Methode gegenĂŒber der vorhergehenden sind nicht nur die bereits oben angegebenen; diese Methode gestattet ausserdem, mit grösserer Sicherheit kleine Mengen von Baryum zu finden, denn nach der gewöhnlichen Methode findet man dieses Metall erst gegen das Ende der Analyse, nachdem man Ammoniak und Ammoniumsulfid angewandt hat, Reagentien, welche, durch einen möglichen Gehalt an Sulfat und an Carbon at, das Baryum mit den Metallen der Eisengruppe fallen können. Ausserdem kann Baryum auch durch diejenige SchwefelsĂ€ure gefĂ€llt werden, welche durch die Einwirkung von event. vorhandenen Fern-oder Cuprisalzen auf Schwefelwasserstoff gebildet worden sein kann (vergl. § 896, Nr. 3).

Bei der Analyse phosphathaliiger Mischungen kann die Methode bisweilen einen weiteren Vortheil bitten, welchen wir spÀter besprechen werden (§ 1357).

— In Gegenwart von SalpetersĂ€ure in .grossen Mengen ist die Methode nicht praktisch, in RĂŒcksicht auf die Reaction zwischen dieser SĂ€ure und der schwefligen SĂ€ure; kommt dieser Fall vor, so muss man die SalpetersĂ€ure entfernen und die Nitrate zestören, indem man, nach Abscheidung der Metalle der Silbergruppe, mit SalzsĂ€ure abdampft.

Dritte Methode.

1352. Durch Alkaliacetate. Diese Methode, bei welcher man von der Einwirkung der Alkaliacetate auf die den Sesquioxyden entsprechenden Salze Gebrauch macht, ist bei Anwesenheit von Chrom nicht anwendbar (siege § 522, Nr. 9).

Wie bei den vorhergehenden Methoden fallt man die Metalle der Silbergruppe durch SalzsÀure und dann die Metalle der Gruppen des Cadmiums und Arsens durch Schwefelwasserstoff.

Das Filtrat von diesen Sulfiden behandelt man warm in Gegenwart

Polstorff und BĂŒlow: Arck. der Pharm. 229 (1891), 292. Professor De Koninck hat durch Versuche, welche er mit seinem Assistenten Dr. Nihoul ausgefĂŒhrt hat, diese Thatsache bestĂ€tigt gefunden.

welche frei von Phosphaten ist. 249

von Ammoniumsalzen mit Ammoniak, Ammoniumsulfid und Ammoniumcarbonat.

Man erhÀlt so die Metalle der Gruppen des Eisens und Baryums in einem Niederschlage vereinigt, wÀhrend in dem Filtrate von diesem Niederschlage nur noch die Metalle der Kaliumgruppe enthalten sein können. Letztere werden nach bekannten Methoden (§§ 424 ff.) geschieden, und wir haben uns hier nur mit dem Niederschlage zu beschÀftigen.

Man digerirt denselben kalt mit sehr verdĂŒnnter SalzsĂ€ure, welche nur die Sulfide des Nickels und Cobalts, mit Schwefel gemischt, angelöst zurĂŒcklĂ€sst.

In einem Theile der durch Kochen vom Schwefelwasserstoffe befj-eiten Lösung weist man das Eisen, welches als Ferrosalz vorhanden ist, durch Kaliumferricyanid nach.

Zu einem anderen Theile der Lösung setzt man, um die vorhandenen Ferrosalze in Ferrisalze ĂŒberzufahren, etwas SalpetersĂ€ure und concentrirt und neutralisirt ihn theilweise durch Abdampfen. Zu dieser Lösung setzt man nun etwas Ferrichlorid, wenn nicht etwa die zu analysirende Substanz schon grössere Mengen Eisen enthielt, basificirt in der KĂ€lte durch Ammonium-oder Natrium- Carbonat), setzt Alkaliacetat hindu und erhitzt zum Kochen: Eisen und Aluminium werden als basische Acetate gefallt und abfiltrirt.

In diesem Niederschlage findet man das Aluminium, indem man ihn in SalzsÀure löst, die Lösung in einen Ueberschuss von Alkalihydrat giesst, den entstehenden Ferrihydrat- Niederschlag abfiltrirt, das so gewonnene Filtrat mit SalzsÀure ansÀuert und mit Ammoniak wieder schwach alkalisch macht: ein entstehender weisser Niederschlag ist Aluminiumhydroxyd. Man kann auch den Acetat-Niederschlag direct mit Kalilauge kochen: Eisen bleibt angelöst; Aluminium findet sich in der Lösung in eben beschriebener Weise.

In das essigsaure Filtrat vom Eisen-und Aluminium-Niederschlag leitet man Schwefelwasserstoff, um das Zink als Sulfid zu fÀllen.

Nach dessen Abscheidung fÀllt man das Mangan durch Ammoniumsulfid, filtrirt und sucht im Filtrate die Metalle der Baryumgruppe in bekannter Weise auf.

Vierte Methode.

13 53. Combinirte Methode. Die zweite und dritte Methode lassen sich, die Abwesenheit von Chrom vorausgesetzt, in der Weise combiniren, dass man die ursprĂŒngliche Lösung, wie bei der zweiten Methode, nach einander mit SalzsĂ€ure, SchwefelsĂ€ure, schwefliger

Dieser Zasatz bezweckt, die vollstĂ€ndige FĂ€llung des Aluminiums zu be- gĂŒnstigen (§ 553, Nr. 10 u. § 559).

250 Aufsuchung von Gold und Platin.

SĂ€ure und Schwefelwasserstoff behandelt und dann, wie bei der written Methode, zusammen durch Ammoniumsulfid, Ammoniak und Ammoniumcarbonat fallt.

Zu berĂŒcksichtigen ist, dass man in dem Filtrate von einem eventuellen Mangansulfid -Niederschlage nur noch Calcium haben kann, da Baryum und Strontium bereits durch SchwefelsĂ€ure abgeschieden worden sind.

FĂŒnfte Methode.

1353 Durch Baryumcarbonat. H. Rose beschreibt eine Methode abweichender Art, welche hauntsĂ€chlich auf der Einwirkung von Baryumcarbonat auf salzsaure Lösungen begrĂŒndet ist. Wir geben die Methode in grossen ZĂŒgen, mit unerheblichen AbĂ€nderungen, wieder.

Die saure Lösung wird zunÀ zur Abscheidung der Silbergruppe mit SalzsÀure, dann zur Abscheidung von Baryum und Strontium und, mehr oder weniger vollstÀndig, auch von Blei (siege zweite Methode, § 1349) mit SchwefelsÀure behandelt.

Man entfernt dann die SchwefelsÀure durch FÀllung mittels Baryumchlorid. Nachdem der SalzsÀure -Ueberschuss durch Abdampfen zum grössten Theile entfernt ist, setzt man einen Ueberschuss von Bar)'umcarbonat hindu, lÀsst lÀngere Zeit bei gewöhnlicher Temperatur stehen und filtrirt.

Der Niederschlag enthÀlt das Arsen, Zinn, Antimon, Cadmium, Kupfer, Wismuth, Eisen, Alummium und Chrom, vermischt mit dem Ueberschusse des FÀllungsmittels i).

In dem Filtrate sind, ausser dem entstandenen Baryumchloride, enthalten: Blei, soweit es nicht durch SchwefelsÀure gefallt war, Quecksilber, Zink, Mangan, Nickel, Cobalt, Calcium und die Metalle der Kaliumgruppe.

Da die Methode nicht besonders scharf ist, sehen wir von einer Beschreibung der Mittel, welche zur Scheidung der in jeder der beiden gebildeten Gruppen enthaltenen Metalle dienen können, ab.

1354. Die Verfahren zur Aufsuchung von Gold und Platin (§§ 1232 flf.) lassen, wenn man nicht ausschliesslich mit Metallen der Arsengruppe zu thun hat, zu wĂŒnschen ĂŒbrig, sobald, wie es bei einer allgemeinen Analyse der Fall ist, beide Metalle mit den Metallen der

Durch Baryamcarbonat wird Mercurichlorid nicht gefallt, wohl aber die Saaerstoffsalze des Qaecksilbers.

Es wird verlorene MĂŒhe sein, minimal Mengen von Gold und Platin (ebenso auch von Silber) in Erzen und HĂŒttenproducten von complicirterer Zusammensetzung aufzusuchen. Man wird in solchen FĂ€llen mit weitaus grösserer Sicherheit zu einer dokimastischen Bestimmung auf trocknem Wege seine Zuflucht nehmen.

Aufsuchung von Gold und Platin. 251

Cadmium-und Arsengruppe gefallt worden sind. Man kann sich nÀmlich auf die Löslichkeit der Sulfide von Gold und Platin in Alkalisulfiden, wenn erstere gleichzeitig mit Sulfiden der Cadmiumgruppe durch Schwefelwasserstoff gefallt sind, nicht mit Sicherheit verlassen und es ist daher auch nicht sicher, sie bei den anderen Metallen der Arsengruppe, nach Wiederfallung derselben durch eine Saure, wieder zu finden; theilweise wenigstens kann man die beiden Metalle bei den Metallen der Cadmiumgruppe vermuthen.

Antony und Nie coli 2) schlagen folgende Methode vor: Der Schwefelwasserstoff-Niederschlag wird nach dem Auswaschen mit SalzsĂ€ure (1,11 sp. Gew.) erhitzt; diese löst die Sulfide von Antimon, Zinn, Cadmium, Wismuth und Blei. Der RĂŒckstand wird vollstĂ€ndig ausgewaschen und mit SalpetersĂ€ure behandelt: die Sulfide des Kupfers und Arsens gehen jetzt in Lösung, wĂ€hrend die Sulfide des Goldes und Platins, gemischt eventuell nur mit Mercurisulfid, zurĂŒckbleiben. Das Mercurisulfid kann durch einfaches GlĂŒhen entfernt werden, wonach Gold und Platin metallisch zurĂŒckbleiben.

Nach Auflösen in Königswasser prĂŒft man durch Ammoniumchlorid bez. ein Ferrosalz (siege § 1233) auf Platin bez. auf Gold.

Zur Aufsuchung von Gold allein in Erzen, welche Quarz und Schwefelkies enthalten, kann noch folgende Methode dienenÂź): Man schĂŒttelt die Probe, welche, wenn sie Schwefelkies enthielt, vorher „todt**- geröstet, d. h. so geröstet war, dass sie alle Metalle als Oxyd enthĂ€lt, mit Jodtinctur oder mit Bromwasser, trĂ€nkt mit der abgeklĂ€rten FlĂŒssigkeit Filtrirpapier und verascht dasselbe: ist Gold vorhanden, so hat das Papier eine purpurrothe, von fein vertheiltem Golde herrĂŒhrende Farbe, welche auf Zusatz von Bromwasser wieder verschwindet.

Aufsuchung sÀmmtlicher Metalle in einer sauren oder neutralen Lösung, welche Phosphate enthalten kann.

1355 Die Phosphate der Metalle der alkalischen Erden (Baryum, Strontium, Calcium und Magnesium) sind in SÀuren, selbst in EssigsÀure, leicht löslich; setzt man aber zu diesen Lösungen eine Substanz, welche die SÀure zu neutralisiren vermag, namentlich Ajnmoniak oder Ammoniumsulfid, so werden die oben genannten Metalle als dreibasische Phosphate, wie z. B. oder als Ammonium -Doppel -Phosphate, z. B. NH4MgP04,6H20, gefÀllt.

Wendet man daher die im Vorhergehenden fĂŒr phosphatfreie Lösungen beschriebenen Methoden auf phosphathaltige Lösungen an, so können

Riban: Bull. Soc. eh. 28 (1877), 241; Antony nnd Lucchesi: Gazz. eh. ital. 19 (1889), H, 545.

W. Skcy: Ch. N. 22 (1870), 245; Z. anal. Ch. 10 (1871), 251.

252 Aufsuchung sÀmmtlicher Metalle in einer sauren oder neutralen Lösung,

durch AmmontumsuLfid mit den Metallen der Eisengruppe Phosphate der Baryumgruppe und des Magnesiums mehr oder weniger vollstÀndig, je nach der Menge der vorhandenen PhosphorsÀure, ausgefÀllt werden i).

Um die Aufgabe zu lösen, muss man daher entweder die Phosphor- sĂ€ure vor der FĂ€llung der Metalle der Eisengruppe mittels Ammoniumsulfid durch ein geeignetes Mittel abscheiden, oder in dem durch Ammoniumsulfid hervorgerufenen Niederschlage auf die Möglichkeit, dass er Phosphate der alkalischen Erden enthĂ€lt, RĂŒcksicht nehmen. Das zweite Mittel ist complicirter; wir geben dem ersten den Vorzug.

Erste Methode.

1356* Durch Zinn. Die Lösung wird d urch auf einander folgenden Zusatz von SalzsÀure und Schwefelwasserstoff von den Gruppen des Silbers, Arsens und Cadmiums befreit.

Bevor man weiter geht, untersucht man, ob die Gegenwart von Phosphaten bei den spĂ€teren Versuchen schĂ€dlich sein kann, und ĂŒberzeugt sich, wenn die Antwort bejahend ausfĂ€llt, ob ĂŒberhaupt Phosphate vorhanden sind.

Zur Erreichung dieser Zwecke dienen folgende Versuche.

Ein kleiner Theil des Filtrates vom Schwefelwasserstoffniederschlage wird bis zum vollstÀndigen Austreiben des Schwefelwasserstoffes gekocht und dann durch Ammoniak im Ueberschusse alkalisch gemacht; entsteht kein bleibender Niederschlag, so enthÀlt die Lösung sicher nicht gleichzeitig Phosphate imd Metalle der alkalischen Erden; man kann in diesem Falle das ganze Filtrat mit Ammoniak und Ammoniumsulfid behandeln und die Analyse nach der in § 1344 a beschriebenen Methode fortsetzen.

Ruft Ammoniak einen Niederschlag hervor, so sammelt man ihn auf einem kleinen Filter, wÀ ihn drei oder vier Mal mit reinem Wasser aus und löst ihn auf dem Filter mittels einiger Tropfen SalpetersÀure mittlerer Concentration.

Die salpetersaure Lösung fĂ€ngt man in einem Reagircylinder auf und setzt ihr einen grossen Ueberschuss von MolybdĂ€nflĂŒssigkeit zu: ein gelber kötiger Niederschlag, welcher sich in der KĂ€lte langsam, schneller bei gelindem ErwĂ€rmen bildet, zeigt die Gegenwart von Phosphat an.

Giebt auch dieser Versuch ein negatives Resultat, so kann man

Die Gegenwart von Fluoriden und von Oxalaten wĂŒrde, gleich derjenigen von Phosphaten, eine FĂ€llung der Metalle der Baryumgruppe bewirken. Wir Dehoien hier auf beide FĂ€lle keine RĂŒcksicht, auf die Oxalate nicht, weil wir alle or|;aniscfaeD Verbindungen unberĂŒcksichtigt lassen, und auf die Fluoride nicht, weil ihr Vorhandensein eine Seltenheit ist. Uebrigens kann man die Oxalate leicht durch GlĂŒhen der festen Substanz und die Pluoride durch Behandlung derselben mit conccntrirtcr SchwefelsĂ€ure zestören.

welche Phosphate enthalten kann. 253

die Analyse nach den gewöhnlichen Methoden (§§ 1343 ff.) fortsetzen; anderenfalls muss man die PhosphorsÀure abscheiden.

Zu diesem Zwecke benutzt man die Eigenschaft des Zinns, in Metastannihydrat und Metastanniphosphat, welche beide in SalpetersÀure unlöslich sind, verwandelt zu werden, wenn man das Metall mit dieser SÀure in Gegenwart von Phosphaten, aber bei Abwesenheit von Chloriden, behandelt (§ 1131, Nr. 3).

Das Filtrat, von welchem man einen kleinen Theil zu dem vorigen Versuche benutzt hatte, wird mit einer geringenMenge SchwefelsĂ€ure) versetzt; ein etwa entstehender Niederschlag, welcher Baryum und Strontium enthalten könnte, wird behufs nĂ€here PrĂŒfung auf diese Metalle abfiltrirt.

Die klare FlĂŒssigkeit wird mit SalpetersĂ€ure fast zur Trockne verdampft; der RĂŒckstand wird mit der gleichen SĂ€ure aufgenommen; die Lösung wird auf einem Wasserbade erwĂ€rmt und in einem bedeckten GefĂ€sse mit reinem Blattzinn (Stanniol) behandelt, welches man nach und nach zusetzt, bis das" Gewicht des Metalles mindestens das Sieben-bis Achtfache von demjenigen der zu entfernenden PhosphorsĂ€ure betrĂ€gt; ein gar zu grosser Ueberschuss an Zinn ist aber zu vermeiden.

Ist das Zinn vollstĂ€ndig oxydirt, so erwĂ€rmt man die FlĂŒssigkeit einige Secunden zum Kochen, bis sie Neigung zeigt, sich abzuklĂ€ren; dann lĂ€sst man absitzen und filtrirt. Bei richtiger Arbeit enthĂ€lt das Filtrat weder Zinn noch Phosphor.

Das Stanniol enthĂ€lt hĂ€ufig kleine Mengen von Antimon, Blei oder Kupfer, Verunreinigungen, von denen das Antimon bei den Stanniverbindungen bleibt (§ 1158, Nr. 3); aber die beiden anderen Metalle gehen in das Filtrat ĂŒber, gleichzeitig mit den Metallen der Gruppen des Eisens, Bar>'ums und Kaliums. Bevor man die Analyse fortsetzt, muss man dieselben durch Schwefelwasserstoff entfernen, durch welchen gleichzeitig minimal Spuren von Zinn, welche etwa in Lösung gegangen sind, abgeschieden werden

Schliesslich wird die klare Lösung mit Ammoniak, Ammoniumsulfid etc. etc. nach den bekannten Methoden (§ 1344 a) behandelt. Es ist daran zu erinnern, dass Baryum und Strontium schon vorher abgeschieden sind.

Die Zinnmethode ist dem Anscheine nach sehr einfach und wird deshalb von AnfÀngern gewöhnlich bevorzugt; thatsÀchlich ist sie aber langwierig und erfordert viel Sorgfalt und Aufmerksamkeit.

UngefÀhr so viel SÀure, als nöthig ist, um die Metalle in Sulfate zu verwandeli.

Die Behandlung einer salpetersauren Losung mit Schwefelwasserstoff bietet Schwierigkeiten; man thut deshalb gut, das Filtrat vor der FĂ€llung von Blei und Kupfer mit SalzsĂ€ure abzudampfen. Vorhandensein von Zinn in dieser Lösung ist auf eine kleine Menge beim Abdampfen zurĂŒckgebliebener SalzsĂ€ure zurĂŒckzufĂŒhren.

254 Aufsuchung sÀmmtlicher Metalle in einer sauren oder neutralen Losung,

Zweite Methode.

1357* Boroh schweflige SÀure eto. Man behandelt die Lösung mit SalzsÀure, dann mit SchwefelsÀure und schwefliger SÀure und mit Schwefelwasserstoff, wie bei der zweiten Methode zur Aufsuchung der Metalle bei Abwesenheit von Phosphaten (§ 1349).

Das vom Niederschlage der Sulfide getrennte Filtrat wird wie bei der ersten Methode zur Aufsuchung und eventuellen Abscheidung der PhosphorsÀure behandelt oder bei Abwesenheit von Chrom nach den Verfahren, welche mr sogleich als dritte Methode kennen lernen werden, verarbeitet.

Ist die zu untersuchende Substanz frei von Calcium imd Magnesium, so veranlasst die Anwesenheit von Phosphaten keine Schwierigkeiten, weil Baryum imd Strontium schon zu Beginn der Analyse abgeschieden worden sind, und man kann daher die langwierige Entfernung der PhosphorsÀure vermeiden. Es ist das immerhin ein weiterer Vortheil der Methode durch schweflige SÀure, wenn auch ein geringer; denn, abgesehen von Uebungsaufgaben im Laboratorium, wird man nur ganz ausnahmsweise Baryum und Strontium in einer phosphathaltigen Substanz finden, ohne dass gleichzeitig Calcium und Magnesium zugegen sind.

Dritte Methode.

1358* Durch Ferrichlorid. Man kann eine der in den §§ 1352 und 1353 beschriebenen Methoden zur Aufsuchung alier Metalle in Abwesenheit von Phosphaten anwenden, wenn man sĂ€mmtliche vorhandene PhosphorsĂ€ure durch einen Zusatz von Ferrichlorid in genĂŒgender Menge abscheidet.

Die Abscheidung der Gruppen des Silbers, Cadmiums und Arsens geschieht in bekannter Weise durch SalzsÀure und Schwefelwasserstoff; ebenso auch die Scheidung der Gruppen des Eisens und Baryums durch Ammoniumsulfid und Ammoniumcarbonat von der Gruppe des Kaliums, mit dem einzigen Unterschiede, dass von letzterer Gruppe das Magnesium ganz oder theilweise schon als Phosphat gefÀllt sein kann. Wir stellen dieses Filtrat einstweilen bei Seite und befassen uns nur mit dem Niederschlage, welcher ausser den Metallen der Gruppen des Eisens und des Baryums auch Magnesium und PhosphorsÀure enthalten kann.

Der Niederschlag wird zur Abscheidung der Sulfide des Nickels und des Cobalts, welche wiederum fĂŒr sich zu identificiren sind, mit ver- dĂŒnnter SalzsĂ€ure behandelt.

Die filtrirte Lösung wird mit etwas SalpetersĂ€ure erwĂ€rmt und durch Abdampfen concentrirt, um das Ferrosalz in Ferrisalz ĂŒberzufĂŒhren.

Nach dem Erkalten stumpft man die SÀure durch Natriumcarbonat ab und setzt einen Ueberschuss von Natriumacetat in concentrirter Lösung hindu.

welche Phosphate enthalten kann. 255

EnthĂ€lt die zu analysirende Substanz Aluminium oder Eisen, so ruft das Acetat eben Niederschlag von Phosphaten dieser Metalle hervor; ist die Menge grösser als nöthig ist, um Ferriphosphat, zu bilden, so wird aller Phosphor in dieser Form gefallt, und die Lösung nimmt in Folge der Bildung von Ferriacetat, welche durch den Eisen- ĂŒberschuss erst möglich wird, eine rothbraune Farbe an.

Ist die Substanz frei von Eisen oder enthĂ€lt sie davon eine nicht genĂŒgende Menge, d. h. zeigt sich auf den Zusatz von Natriumacetat nicht die eigenthĂŒmliche FĂ€rbung des Eisenacetates, so setzt man zu der FlĂŒssigkeit tropfenweise eine neutral oder vielmehr basische Lösung von Ferrichlorid , bis nach gutem DurchrĂŒhren die rothe Acetatfarbung be stehen bleibt.

Jetzt erwĂ€rmt man die von Ferriacetat gefĂ€rbte Lösung auf dem Wasserbade, bis sich basisches Acetat ausgeschieden hat und die FlĂŒssigkeit entfĂ€rbt worden ist.

Dieser Niederschlag enthÀlt allen Phosphor, alles Eisen und alles Aluminium. Man sanmielt ihn auf einem Filter und wÀ ihn mit heissem Wasser aus. Um in ihm das Aluminium nachzuweisen, kocht man ihn mit Natronhydrat und filtrirt: in diesem Filtrate sucht man das Aluminium durch SalzsÀure und Anunoniak wie bei Abwesenheit von Phosphat.

Im essigsauren Filtrate vom Phosphatniederschlage sucht man Mangan, Zink und die Metalle der alkalischen Erden auf, wenigstens Calcium und Magnesium, wenn bei Beginn der Analyse Baryum und Strontiiun durch SchwefelsĂ€ure bereits abgeschieden waren. Diese Untersuchungen lassen sich nach den bekannten Methoden ausfĂŒhren.

In dem frĂŒher bei Seite gestellten Filtrate, welches die Metalle der Alkalien und auch Magnesium enthalten kann, sucht man diese Metalle unter BerĂŒcksichtigung etwa vorhandener PhosphorsĂ€ure auf; die Gegenwart der letzteren erkennt man leicht durch eine Vorprobe mittels MolybdĂ€nflĂŒssigkeit oder durch Zusatz von Ammoniak und Magnesiummixtur. Blieb in letzterem Falle die Lösung auf Zusatz von Ammoniak klar und entstand erst auf Zusatz von Magnesiummixtur eine TrĂŒbung, so ist bei der PrĂŒfung selbstverstĂ€ndlich auf Magnesium keine RĂŒcksicht zu nehmen.

— Diese Methode ist zwar, wie bereits oben gesagt wurde, in der angegebenen Form nur in Abwesenheit von Chrom anwendbar; in diesem Falle ist sie aber der Methode durch Zinn unbedingt vorzuziehen; sie ist einfacher und sicherer als diese.

Die Metalloide.

Capitel XIII.

Sauerstoff und einwerthige Metalle.

Sauerstoff.

Eigenschaften des Sauerstoffes.

1359. 1. Der Sauerstoff — das auf unserem Planeten verbreitetste Element — ist ein Gas, ohne Farbe, Geruch und Geschmack. Als vollkommenes Gas kann der Sauerstoff selbst durch den stĂ€rksten Druck bei gewöhnlicher Temperatur nicht verflĂŒssigt werden, wĂ€hrend er bei — 119Âź (seiner kritischen Temperatur) schon durch einen Druck von ca. 50 AtmosphĂ€ren (seinen kritischen Druck) zu einer hellblauen FlĂŒssii;- keit verdichtet werden kann. In Wasser ist Sauerstoff nur sehr wenig löslich (etwa 0,03 Vol. in 1 Vol. Wasser von 15Âź C), dagegen ist das Gas in absolute Alkohol etwa zehnmal löslicher als in Wasser.

Ein Liter Sauerstoff wiegt bei 0Âź und 760 mm Luftdruck fast 1,43 gr.

2. Der Sauerstoff nimmt an der Zusammensetzung der atmosphĂ€rischen Luft nur mit 20,9 Volumprocenten theil, d. h. in der atmosphĂ€rischen Luft ist der Sauerstoff sehr verdĂŒnnt. Weniger verdĂŒnnt, belebt er jede Verbrennung (Oxydation) ausserordentlich, so z. B. diejenige eines glimmenden Holz-oder KohlenstĂŒckchens, Baumwollendochtes oder Zunders chwammes.

2a. Sauerstoff verbindet sich mit allen Elementen, ausgenommen Fluor und die Edelgase Helium, Argon etc.

3. Weisser Phosphor absorbirt, bei Anwesenheit von Wasser. Sauerstoff schon in der KĂ€lte, wenn dieser geringe Spannung hat, d. h. wenn er durch andere Gase verdĂŒnnt ist, wie in der atmosphĂ€rischen Luft, oder wenn der Luftdruck merklich unter 760 mm vermindert wird. Die Reaction erfolgt unter phosphorescirendem Leuchten. Manche DĂ€mpfe organischer Stoffe wirken dieser Erscheinung entgegen (vergl. § 1360).

Sauerstoff. Eigenschaften des Sauerstoffes. 257

4*. Der Sauerstoff wird von Cuprolösungen, von Chromochlorid bez. Chromoacetat in salzsaurer Lösung, von Lösungen von Ferro-Alkali-Tartraten und von Ferro-bez. Mangano-Hydrat absorbirt. Letztere, an und fĂŒr sich weiss, brĂ€unen sich allmĂ€hlich durch Sauerstoffaufiiahme, indem Ferri-resp. Manganihydrat entsteht.

Mit Ammoniak benetztes Kupfer vermag gleichfalls Sauerstoff zu absorbiren; die FlĂŒssigkeit wird zuerst tiefblau und nachher durch das ĂŒberschĂŒssige Kupfer wieder entfĂ€rbt.

5. Gelöstes Natriumhydrosulfit, NaHSOg, absorbirt Sauerstoff sehr energisch und geht in Mononatriumsulfit ĂŒber:

2 NaHSO + Og 2 NaHSOg. Das Sulfit oxydirt sich dann langsam zu Sulfat:

2 NaHSOg + O2 2 NaHSO.

6. Die Alkalipyrogallate absorbiren Sauerstoff; hierbei kann sich etwas Kohleuoxyd bilden.

7. Zum RothglĂŒhen erhitztes Kupfer absorbirt Sauerstoff:

2 Cu + O2 2 CuO oder 4 Cu + O3 2 CujjO.

8. Von Alkalien und Natronkalk wird Sauerstoff nicht absorbirt.

9. In Gemischen mit Wasserstoff verpufft Sauerstoff beim Durchschlagen des elektrischen Funkens, sowie in Gegenwart eines dĂŒnnen, zum GlĂŒhen erhitzten Platinoder Palladium-Drahtes, oder bei AnnĂ€herung einer Flamme. Die Contraction, welche die beiden Gase bei ihrer Vereinigung erfahren, wird durch die Formel ausgedrĂŒckt:

O2 + 2H2 2H2O 1 Vol. 2 Vol. 2 Vol. 10*. Sauerstoff blÀut JodkaliumstÀrkepapier nicht, wie es Ozon thut; lÀsst man aber Stickoxyd zutreten, so bilden sich rothe DÀmpfe von Stickstoffdioxyd (UntersalpetersÀure), welche wie Ozon reagiren.

Bestimmung des freien Sauerstoffes). Durch Gasometrie. 1360. I. Durch AbBorption. Nachdem man ein geeignetes Vo-

Ueber die Bestimmung des in GewĂ€stern gelosten Sauerstoffes vergl. haupt- sĂ€chlich folgende Arbeiten: Verfahren von SchĂŒtzenberger und Girardin: C, r. 75 (1872), 879; Encychp, eh. de Fremy 4 (1888), 236; König und Krauch ĂŒber die Verfahren von Bunsen, von Mohr und von SchĂŒtzenberger und Risler: Z. anal. Ch, 19 (1880), 259; Williams und Ramsay: /. eh. See. 48 (1886), 751; Blarez: Ch, Centrbl. [3] 19 (1888), 1132; L. W. Winckler: B. 21 (1888), 2843; verschiedene Artikel in Ch.-Z. 13 (1889), 1188, 1337 u. 1340. Vergl. auch das kĂŒrzlich bekannt gewordene Verfahren von Prof. Dr. Fried r. C. G. MĂŒller mit dessen „Tenax- Apparat", beschrieben in: Vorschriften fĂŒr die Entnahme und Unter stuhung von AbwĂ€stern und FisehwĂ€stern (Berlin 1900, Verlag des Deutschen Fischerei -Vereins), S. 26.

Wir werden uns darauf beschrÀnken, ganz allgemein und kurz das Princip

De Koainck-Meineke, Mineralanalyse. U. 17

258 Bestimmimg des freien Sauerstoffes.

lumen des zu analysirenden Gasgemisches abgemessen hat (§ 75ff.)> bewirkt man durch ein passendes Absorptionsmittel die Absorption des zu bestimmenden Bestandtheils und misst das rĂŒckstandige Gasvolumen. Das Volumen des gesuchten Bestandtheils findet man durch die Differenz.

Auf diesem Principe beruhen fast alle gasometrischen Bestimmungen durch Absorption.

Es mag hier nicht unerwĂ€hnt bleiben, dass fĂŒr manche Gase nach ihrer Absorption ein directed Bestimmungsverfahren mit Vortheil Anwendung finden kann.

Der zu bestimmende Bestandtheil ist in unserem Falle der Sauerstoft.

Die fĂŒr die Absorption des Sauerstoffs am meisten zu empfehlenden Reagentien sind: Phosphor i), Kaliumpyrogallat), sowie Kupfer bei gleichzeitigem Vorhandensein von Ammoniak. De Koninck) hat ausserdem fĂŒr denselben Zweck die Lösung eines Ferro- Alkali -Tartrates vorgeschlagen.

Auch zum RothglĂŒhen erhitztes Kupfer hat gute Resultate gegeben; seine Anwendung ist aber weniger einfach.

Von den vier Reagentien ist der Phosphor das einzige, welches bei Gegenwart von KohlensÀure angewandt werden kann. Kupfer, benetzt mit Ammoniak, giebt eine Cuprolösung, welche Kohlenoxyd und manche Kohlenwasserstoffe, namentlich Acetylen, absorbiren kann.

Die Sauerstoflfabsorption durch Phosphor hört bei einer zu grossen Temperaturemiedrigung auf; schon bei + 7 C. ist sie fast null.

Ein zu grosser Partialdruck setzt der Absorption ebenfalls Widerstand entgegen; endlich wird sie durch die Gegenwart einer grossen Anzahl von Körpern im Gas-oder Dampfzustand (Phosphorwasserstoff. Kohlenwasserstoffe, Alkohol, Terpentin u. a. m.) gehindert.

Unter den verschiedenen, fĂŒr gasometrische Bestimmungen durch Absorption geeigneten Apparaten erscheint als der praktischste die Winkler-HempeTsche Gasburette (Fig. 191) in Verbindung mit der HempeFschen Pipette (Fig. 192).

Um eine Bestimmung auszufĂŒhren lĂ€sst man in die graduirte Bu-

der gasometrischen Verfahren anzugeben, da die Gasanalyse, wie wir bereits bemerkt haben, nicht in den Rahmen dieses Werkes fĂ€llt. FĂŒr alle Einzelheiten der gasometrischen Methode, welche die Analyse der Gase betreffen, verweisen wir auf Specialwerke ĂŒber diesen Gegenstand, besonders:

Bunsen: Gasometrtscfu Methoden 2. Aufl. (Braunschweig 1877);

Cl. Winkler: Anleitung zur ehem. Untersuchung der Industriegase, 2 Theile (Freiberg 187l)/79); ders.: Lehrbuch d. techn. Gasanalyse, 2. Aufl. (Freiberg 1892);

W. Hempel: Gasanalytische Methoden, 2. Aufl. (Braunschweig 1890), und 3. Aufl. (1900).

H. univ. d, M, [3] 14 (1891), 202; Cl. Winkler: Lehrbuch d. techn. Gasanalyse, 2. Aufl., S. 76.

Durch Gasometrie.

bette A eine geeignete Gasmenge eintreten und bestimmt das Volumen bei atmosphÀrischem Drucke (§ 79).

Dann setzt man das obere Ende der BĂŒbette mit der Pipette (Fig. 1 92) durch ein an letztere angefĂŒgtes, doppelt gebogenes Capillarrohr in Verbindung. Man muss dafĂŒr sorgen, dass das Capillarrohr, ebenso wie das manometerförmige S-Rohr, welches einen Theil der Pipette bildet, möglichst mit FlĂŒssigkeit gefĂŒllt, und dass die untere Kugel vollstĂ€ndig mit dem Absorptionsreagens (Pyrogallat oder Ferrolösung) gefĂŒllt ist.

Man ö&et nun den Hahn der BĂŒbette imd lĂ€sst, indem man B hebt, das Gas in die Pipette ĂŒbertreten; hermit hört man auf, sobald die FlĂŒssigkeit der BĂŒbette das S-Rohr gefĂŒllt hat. Man begĂŒnstigt die Gasabsorption durch schĂŒttelndes Bewegen des Reagens. Ist die Absorption, nach einigen Minuten, beendet, so bringt man durch die umgekehrte Hantirung das ĂŒbrig gebliebene Gas in die BĂŒbette zurĂŒck, löst nach Schluss des Hahnes die Pipette aus und bestinmit die Menge des GasrĂŒckstandes unter denselben Bedingungen, welche bei der ersten Messung vorhanden waren.

1361. II. Durch Verbrennung oder Explosion. Zu der abgemessenen Menge des Gases lĂ€sst man reinen Wasserstoff in einer mehr als das Doppelte des zu bestimmenden Sauerstoffes betragenden Menge treten und bestimmt das Volumen des Gemisches. Die chemische Verbindung mit Wasserstoff bewirkt man nun, indem man das Gemenge entweder durch ein capillares (zum mindesten aber sehr edges), Platinoder Palladium-Asbest) enthaltendes und erhitztes Rohr, oder durch ein Rohr mit einem sehr feinen Palladiumdraht, welcher durch einen elektrischen Strom zum RothglĂŒhen gebracht wird, leitet. Man kann die Reaction auch hervorrufen, indem man mittels zweier in die WĂ€nde des Apparates eingeschmolzener PlatindrĂ€hte (Eudiometer von Bunsen, Explosionspipette von Hempel etc.) durch das Gasgemisch einen elektrischen Funken schlagen lĂ€sst.

Asbest, welcher von einer Schicht sehr fein vertheilten Platins oder Palladiums bedeckt ist.

Fiff. 191.

Fig. 192.

260 Sauerstoff. Scheidungsverfahren. — Eigenschaften der Oxyde.

Nach dem Erkalten bestimmt man das Volumen des gasförmig gebliebenen Theiles; die Contraction, d. h. die Differenz zwischen dem Volmnen des Gemisches und dem Endvolumen stellt die Summe des vorhanden gewesenen Volumens Sauerstoff und des doppelt so grossen, im Momente der Reaction (Explosion) zur Bildung von Wasserdampf bez. flĂŒssigem Wasser verbrauchten Volumens Wasserstoflf dar, wie aus der in § 1359, Nr. 9 gegebenen Volumen -Formel erhellt. Demnach ist das gesuchte Volumen Sauerstoff gleich Ya Contraction.

Wendet man das Explosionsverfahren an, d. h. bedient man sich des Funkens, so muss man, wenn das Gemisch Stickstoff enthĂ€lt, dafĂŒr sorgen, dass das VerhĂ€ltniss zwischen dem Volumen des zur Explosion gebrachten Knallgases und dem des rĂŒĂ€ndigen Gases nicht grösser ist als 1 : 6 da sonst Stickstoffverbindungen sich bilden und demgemĂ€ss falsche Resultate erhalten werden können.

Neuerdings hat man vorgeschlagen*), auf ein altes Verfahren zurĂŒckzugreifen, welches von Pries tley herrĂŒhrt unl auf der Reaction zwischeo Sauerstoff und Stickoxyd beruht; De Koninck hat jedoch gezeigt), dass das Verfahren ganz ungenau ist, denn es hat Resultate gegeben, welche zwischen 77,5 und 122,5 /q schwankten.

Scheidungsverfahren. Sauerstoff und Ammoniak. 13 62. In einem Gasgemische bestimmt man das Ammoniak in einem Theile nach einem der frĂŒher (§§ 392 ff.) beschriebenen Verfahren, und den Sauerstoff, je nachdem andere Gase vorhanden sind oder nicht, entweder aus der Differenz oder in einem besonderen Theile gasometrisch, nachdem das Ammoniak durch SchwefelsĂ€ure entfernt ist (§ 894).

1363 1. Die Oxyde, welche sich zum grössten TheUe vom Wasser — in demselben Sinne wie z. B. die neutralen Sulfate von der SchwefelsĂ€ure — ableiten lassen, besitzen, wie das Wasser, keine ausgeprĂ€gten allgemeinen Eigenschaften, an welchen sie direct erkannt werden können.

Sie haben keine ihnen allgemein eigenthĂŒmliche chemische oder physikalische Eigenschaft.

') Wanklyn imd Cooper: Ch. N. 62 (1890), 155 u. 179.

De Koninck: Z. angew. Ch. 1891, 78. Vergl. auch Schenrer-Kestner: C. r. es (1869), 608, und Weber: Pogg. Ann. 127 (1866), 543.

Als Oxyde bezeichnen wir hier ganz allgemein alle Sauerstoff Verbindungen, mit Ausnahme der Hydrate (basischer und saurer), welche spÀter behandelt sind (§ 1375'.

Bestimmung des Sauerstoffes in den Oxyden. 261

2. Die Oxyde der Metalloide (die neutralen, wie CO, NgO etc., und die SÀureanhydride) können nur an besonderen Eigenschaften erkannt werden.

3. Die Metalloxyde sind feste Körper; sie sind weiss, gefĂ€rbt oder schwarz; ihre FĂ€rbung verĂ€ndert sich hĂ€ufig unter dem EinflĂŒsse der Hitze, entweder dauernd oder vorĂŒbergehend (Zink-, Fern-, Mercuri-Oxyd).

4. Die Hitze wirkt in sehr verschiedener Weise auf die Metalloxyde ein: die einen sind ohne Zersetzung flĂŒchtig (AsOgjSbOg); andere werden vollstĂ€ndig zerlegt und hinterlassen als RĂŒckstand das Metall, in Folge dessen Sauerstoff entwickelnd (AgO, HgO); wieder andere verlieren ebenfalls Sauerstoff", geben aber nur ein niedriger oxydirtes Oxyd (Pb02,Mn02, SbgOj); umgekehrt nehmen einige in BerĂŒhrung mit der Luft Sauerstoff" auf (SugOg, CugO); die Mehrzahl bleibt jedoch unverĂ€ndert (FeOgjZnO, CaO etc.).

5. ChlorwasserstoffsÀure löst fast alle) Metalloxyde unter Bildung der entsprechenden Chloride leicht auf; Superoxyde löst sie im Allgemeinen unter Bildung von Chloriden und unter Chlorentwickelung (vergl. § 612, Nr. 2, u. § 948 a, Nr. 4); bei ihrer Einwirkung auf die Superoxyde der Metalle der Alkalien und der alkalischen Erden kann auch Wasserstoffsuperoxyd entstehen:

BaOa + 2 HCl BaCIj + HO,.

6. Mit Jodwasserstoff sĂ€ure oder — was praktisch ziemlich gleichbedeutend ist — mit einem löslichen Jodide und SchwefelsĂ€ure behandelt, entwickeln die Superoxyde Jod:

2 Mn02 + 4 KJ + GHgSO + 4KHSO4 + 2 J2 + 4H2O, und, dem analog, mit BromwasserstoffsÀure Brom.

7. In einem Wasserstoff ströme erhitzt, werden die Oxyde der sog. schweren Metalle der Mehrzahl nach unter Bildung von Wasser zu Metall reducirt:

Fe203 + 3H2 2Fe + 3H,0.

Bestimmung des Sauerstoffes in den Oxyden.

1364. Bemerkung. Im Allgemeinen bestimmt man den gebundenen Sauerstoff nicht direct, ebensowenig wie man bei qualitativen Versuchen seine Anwesenheit direct feststellt. Sein Gehalt ergiebt sich aus den Werthen, welche man durch die Bestimmimg der ĂŒbrigen Elemente erhalten hat, und aus der Ermittelung hires Verbindungszustandes 2). Ausnahmen bilden nur die FĂ€lle, bei welchen Wasserstoff an der Verbindung betheiligt ist (vergl. §§ 1377 ff.).

Einige stark geglĂŒhte Oxyde, 2. B. AlOg und Fe,Oj,, sind fast unlöslich in ChlorwasseretofFsĂ€ure, dagegen werden sie beim Schmelzen mit KHSO (Wirkung des bei ca. 600" nascirenden SchwefelsĂ€ureanhydrids, SOg), Fe,Og auch schon beim Kochen mit massig concentrirler SchwefelsĂ€ure wieder löslich.

') Vergl. § 293 ĂŒber die Art der Analysenberechnung.

262 Bestimmung des Sauerstoffes in den Oxyden.

In einigen besonderen FĂ€llen, welche wir in frĂŒheren Abschnitten behandelt haben (Manganiverbindungen, Bleisuperoxyde etc.) wird ein Theil des Sauerstofies (der disponible Sauerstoff) direct bestimmt; aber diese Bestimmung hat vorzugsweise den Zweck, den SĂ€ttigungsgrad der Elemente, mit welchen der Sauerstoff verbunden ist, zu bestimmen. UngefĂ€hr dieselben VerhĂ€ltnisse liegen z. B. bei der Bestimmung der Chlorale und in einigen anderen FĂ€llen vor.

Es kommt ausserordentlich selten vor, dass man den Gesammt- Sauerstoff fĂŒr sich und direct bestimmt (z. B. in kĂ€uflichen Metallen, wie namentlich Kupfer), und solche Bestimmungen sind auch nur an einigen Metall-Oxyden und Hydroxyden ausfĂŒhrbar.

Man kennt nur die zwei folgenden Verfahren, welche aber auch nur in einzelnen FĂ€llen zum Ziele fĂŒhren.

1365 I. Durch Wasserstoffl Die fein gepulverte Substanz wird in eine Kugelröhre aus schwer schmelzbarem Glase oder in ein Schiffchen, welches seinerseits in ein Rohr eingeschoben wird (Fig. 193), gebrachL

Flg. 193. tarirten Chlorcalciumrohre oder

einem anderen mit einer hygroskopischen Substanz gefĂŒllten, tarirten Apparate und das hintere Ende mit einem Apparate, welcher reines und trocknes Wasserstoflfgas liefert. Nachdem man den Apparat zusammengestellt und sich vom guten ĂŒsse der einzelnen Theile ĂŒberzeugt hat, leitet man kalt einen Strom von Wasserstoff hindurch, bis die Luft vollstĂ€ndig verdeĂ€ngt ist, und erhitzt dann die Substanz. Der Sauerstoff wird in Wasser ĂŒbergenĂŒhrt und dieses wird in dem tarirten Rohre absorbirt (vergl. Bestimmung des Wassers, § 1383flf.).

Nach beendeter Reduction lÀsst man vollstÀndig erkalten, ohne die Wasserstoflfzuleitung zu unterbrechen, und verdeÀngt erst dann den Wasserstoff durch einen Strom trockner Luft*).

Die Gewichtszunahme des Absorptionsapparates entspricht dem Gewichte des aus dem vorhanden gewesenen Sauerstoff gebildeten Wassers, und aus diesem wird daher die Menge des Sauerstoffes berechnet.

') Wenn ein Apparat wie dieser mit einem horizontalen Rohre oder irgend einer anderen analogen Vorrichtnng verschen ist, so bezeichnet man mit „vorderer Theil*' denjenigen, durch welchen die Gase oder DĂ€mpfe austreten, und mit „hinterer Theil" das entgegengesetzte Ende, mag es geschlossen sein oder zur ZufĂŒhrung eines Gases dienen.

') Es ist sehr wichtig, den Wasserstoff vollstĂ€ndig aus dem Absorptionsappaiate zu entfernen, bevor man letzteren auf die Waage zurĂŒckbringt; denn 1 cc Wasserstoff wiegt nur 0,09 mgr, wĂ€hrend 1 cc Luft 1,29 mgr wiegt; jeder Cubikcentimeter Wasserstoff, welcher in dem Apparate bleibt, verursacht also bei der WĂ€gung einen Fehler von 1,2 mgr.

Wasserstoff. Eigenschaften des Wasserstoffes. 263

1365 11. Durch Kohlenozyd Dieses dem ersten ganz analoge Verfahren besteht darin, dass man die Substanz in einem Strom von ganz reinem Kohlenoxyd glĂŒht:

M0 + C0 M + C02. Das gebildete KohlensÀureanhydrid wird in einem tarirten Rohre mit Natronkalk oder in einem Kaliapparat absorbirt, so dass aus ihrer Gewichtszunahme der Sauerstoffgehalt berechnet werden kann.

Wasserstoff.

Eigenschaften des Wasserstoffes.

1366 1. Der Wasserstoff ist ein farbloses, geruchloses, geschmackloses, in Wasser sehr wenig lösliches Gas; ein Volumen Wasser von C. löst nur 0,02 Volvunina Wasserstoff. Ebenso wie Sauerstoff ist Wasserstoff ein vollkommenes Gas (vergl. § 1359, Nr. 1).

Bei — 242 (seiner kritischen Temperatur) kann er durch einen Druck von etwa 15 AtmosphĂ€ren (seinen kritischen Druck) zu einer farblosen FlĂŒssigkeit verdichtet werden. Seine Dichte ist sehr gering, sie ist geringer als die aller bekannten Elemente: 1 Liter Wasserstoff wiegt bei und bei normalem Drucke von 760 mm Quecksilber (im Meeresniveau auf dem 45. Breitengrad) nur 0,08995 gr oder rund 0,09 gr. Dieses Gewicht, als Einheit genommen, nennt man wohl auch das Krith*).

Ein Liter trockne Luft wiegt unter den gleichen UmstÀnden 1,29387 gr.

2. Der Wasserstoff verbrennt an der Luft mit blÀulicher, nicht leuchtender Flamme.

3. Gemischt mit Sauerstoff verpufft er bei höhere Temperatur, z. B. wenn man das Gemisch mit einem brennenden Körper, mit einem rothglĂŒhenden Platinoder Palladium -Draht in BerĂŒhrung bringt, oder beim Durchschlagen des elektrischen Funkens; es bildet sich dabei Wasser. Die durch die Reaction veranlasste Volumen - Contraction wird durch die oben (§ 1359, Nr. #) gegebene Formel ausgedrĂŒckt.

4*. Bei hoher Temperatur mit manchen Sauerstoffverbindimgen, z. B. mit Cuprioxyd oder Bleichromat, in BerĂŒhrung gebracht, entzieht er denselben unter Wasserbildung Sauerstoff:

H2-fCuO H20 + Cu.

5. Der Wasserstoff wird weder von Alkalien, noch alkalischen Pyrogallaten, noch von Phosphor, noch von einer Cuprochlorid-

Nach dem griechichen xpc , Gerstenkorn, figĂŒrlich fĂŒr ein sehr kleines Gewicht (A. W. Hofmann: Introd. to modern chemĂŒtry (1865), S. 131). Das Gewicht von 1 Liter eines reinen Gases unter normalen VerhĂ€ltnissen ist gleich einer Anzahl von Krith, welche durch die HĂ€lfte des MolekĂŒlgewichtes des betreffenden gas- förmigen Körpers dargestellt wird. So wiegt 1 Liter Sauerstoff (0,=: 31,92) 15,96 Krith.

BestimmuDg des Wasserstoffes.

lösung, noch von SchwefelsÀure absorbirt, ebensowenig von Lösungen von Silbernitrat, Kaliumpermanganat oder ChromsÀure).

Bestimmung des Wasserstoffes.

I. Freier Wasserstoff in Gssgemischen.

1367. Es giebt kein Reagens, welches unter den gewöhnlichen Bedingungen der gasometrischen Versuche den Wasserstoff schnell und vollstĂ€ndig absorbirt; alle bekannten Verfahren, ein einziges ausgenommen (§ 1369), beruhen auf UeberfĂŒhrung in Wasser.

A. Durch WĂ€gung. 1368 Durch Cuprioxyd. Man leitet ein bekanntes Volumen des Gasgemisches durch U- Röhren (Fig. 194) oder andere Apparate, welche mit Calciumchlorid, Metaphosphorsaure oder PhosphorsĂ€ureanhydrid beschickt sind, um es zu trocknen 2), und alsdann das trockne Gas durch ein Rohr von schwer schmelzbarem Glase (Verbreimungsrohr), welches Cuprioxyd enthĂ€lt und zur Rothgluth erhitzt ist. Das vordere Ende dieses Rohres trĂ€gt einen tarirten Apparat mit einer hygroskopischen Substanz, welche das durch die Einwirkung des Wasserstoffes auf das Cuprioxyd gebildete Wasser zurĂŒckhĂ€lt (vergl. Bestimmung des Wassers, § 1383).

Zur Beendigung des Versuches leitet man wĂ€hrend des Erkaltens einen Strom trockner Luft durch den Apparat und bringt den Absorptionsapparat auf die Waage zurĂŒck, um die Gewichtszunahme, welche er erfahren hat, festzustellen.

Damit das Verfahren ein genaues Resultat giebt, ist zu empfehlen, in dem tarirten Apparate dieselbe hygroskopische Substanz, welche zum Trocknen des Gasgemenges dient, anzuwenden (vergl. ebenfalls ĂŒber diesen Gegenstand die Bestimmung des Wasse, § 1383).

B. Durch G-asometrie. , 1369. I. Durch Occlusion). Dieses VerfĂ€kren beruht auf der merkwĂŒrdigen Eigenschaft des Palladiums, Wasserstoff unter gewissen Bedingungen zu absorbiren.

Fig. 194.

Diese ReageDtien vermögen, im Gegensatze zum Wasserstoffe, andere Gase, mit welchen gemischt er öfter vorkommt, zu absorbiren.

SchwefelsÀure ist in diesem Falle nicht geeignet, weil sie nach Dittmar und Henderson zur Bildung einer kleinen Menge schwefliger SÀure Veranlassung giebt {Ch. N. 67 (1893), 90).

Vergl. W. Hempel: Gasanal. Methoden, 2. Aufl. (1890), 141; auch hinsichtlich der Einzelheiten verweisen wir auf das Original. Siehe auch A. Tschirikoff: B. 15 (1882), 742.

Wasserstoff. Scheidirngsverfahren. 265

Nachdem das Gas, wenn nöthig, von Sauerstoff und anderen leicht absorbirbaren Bestandtheilen durch geeignete Reagentien befreit ist, wird es gemessen und durch ein U-Rohr, welches 4 bis 5 gr Palladium- Schwamm enthĂ€lt und in Wasser von etwa 95Âź C. eintaucht, in einen SammelbehĂ€lter (z. B. HempeTsche Pipette, Fig. 192, S. 259) ĂŒbergetrieben. Von hier leitet man es wieder in den Messapparat, und wiederholt diese Operation dreimal.

Durch die Messung erhÀlt man aus der Differenz das Volumen des absorbirten Wasserstoffes.

1370* II. Durch Verbrennung oder Explosion. Das Verfahren ist mit dem in § 1361 fĂŒr Sauerstoff beschriebenen identisch.

Nachdem das zu analysirende Gas abgemessen ist, fĂŒgt man Sauerstoff oder atmosphĂ€rische Luft in geeigneter Menge hindu, bestimmt das Volumen des neuen Gasgemisches und vollzieht die Reaction.

Nach Condensation des Wassers ist die durch die Vereinigung des Wasserstoffes mit dem Sauerstoffe veranlasste Contraction gleich dem IY2 stehen des Volumens des vorhanden gewesenen Wasserstoffes.

Wie bei der Bestimmung des Sauerstoffes (§ 1361), ist es bei Anwendung des Explosionsverfahrens wichtig, auf die mögliche Anwesenheit von Stickstoff RĂŒcksicht zu nehmen.

a. Gebundener Wasserstoff.

1371 Ausser in den allerdings hÀufig vorkommenden FÀllen, dass der Wasserstoff an Sauerstoff (vergl. Bestimmung des Wassers, § 1376 ff.) oder an Stickstoff (Ammoniak -Verbindungen) gebunden ist, bestimmt man ihn in Mineralverbindungen nicht direct.

Diese FĂ€lle ausgenonmien, bleiben wohl nur die WasserstoffsĂ€uren zu berĂŒcksichtigen, und bei diesen ergiebt sich die Bestimmung des Wasserstoffes aus der Bestimmung der Verbindungen selbst, nachdem festgestellt ist (was nicht immer ganz leicht ist), dass man es wirklich mit ihnen und nicht mit entsprechenden Metallverbindungen (Chloride, Sulfide etc.) zu thun hat.

Scheidungsverfahren. WasBerstoff und Sauerstoff.

1372. In einem Gasgemische bestimmt man jedes der beiden Elemente in besonderer Probe getrennt. Den Sauerstoff bestimmt man durch Absorption (§ 1360) oder durch Explosion (§ 1361), und den Wasserstoff durch Explosion (§ 1370) oder durch WÀgung (§ 1368) oder endlich durch Occlusion (§ 1369), in letzterem Falle aber erst, nachdem man den Sauerstoff durch Absorption entfernt hat.

WaBserstoff und Ammoniak.

1373. In einer Probe bestimmt man das Ammoniak nach irgend

266 Eigenschaften des Wassers. — Eigenschaften der Hydrate.

einem Verfahren (§§ 392 ff.) und in einer anderen, nach Absorption des Ammoniaks durch SchwefelsÀure, den Wasserstoff.

Eigenschaften des Wassers.

13 74. 1. Das Wasser ist bei gewöhnlicher Temperatur eine farblose, geruchlose, geschmacklose, gegen Lakmus neutral FlĂŒssigkeit Unter normalem Luftdrucke von 760 mm gefriert es bei C. und siedet bei 100Âź. Aber auch bei gewöhnlicher Temperatur verdunstet es. Im luftleeren RĂ€ume siedet es bei g.wöhnlicher Temperatur.

Der Wasserdampf ist leichter als die Luft; ein Liter Wasserdampf wiegt bei 0Âź und bei 760 mm Luftdruck 0,8063 gr.

2*. Im geschlossenen Rohre erhitzt, geben feste Stoffe, welche Wasser enthalten (Feuchtigkeit oder Krystallwasser oder gebundenes Wasser — vergl. § 1376). dieses in Form von Dampf ab. welcher sich in den kalten Rohrtheilen als Beschlag oder als Tropfen, je nach der Menge, verdichtet. Dieses Wasser verhĂ€lt sich gegen Lakmus neutral, vorausgesetzt, dass die untersuchte Substanz nicht gleichzeitig unter dem Einfluss von WĂ€rme ammoniakalische oder saure DĂ€mpfe abgiebt.

3. Wasser in Dampfform (Feuchtigkeit der Gase) wird von gewissen Substanzen absorbirt, welche aus diesem Grunde „hygroskopisch" genannt werden; solche hygroskopischen Körper sind vorzugsweise wasserfreies Calciumchlorid, concentrirte SchwefelsĂ€ure, MetaphosphorsĂ€ure (glasige PhosphorsĂ€ure) und PhosphorsĂ€ureanhydrid.

Eigenschaften der Hydrate.

187 5. 1. Unter den Metallhydraten im engeren Sinne (basischen Hydraten) sind nur die Hydrate der Alkalimetalle (Kalium, Natrium u. s. w.) und der Metalle der Baryumgruppe in Wasser mehr oder weniger leicht löslich. Sie sind farblos und ihre Lösungen haben ausgesprochene alkalische Reaction; sie blÀuen daher rothen Lakmus sowie Resazurin (Lakmoid) und röthen Phenolphtalein und Corallin u. s. w.

Das Magnesiumhydrat und die Hydrate der Metalle der Gruppen des Eisens, Cadmiums, Silbers, Arsens sind in Wasser unlöslich, mit Ausnahme der wenigen, welche als SÀuren bezeichnet werden (SÀuren des Chroms, Mangans, Arsens).

2*. Die löslichen Hydrate rufen in einer anmioniakalischen , von Ammoniumsalzen freien Lösung von Kalium-Quecksilbe jodie den braunen Niederschlag von Oxydimercuriammoniumjodid (vergl. § 386, Nr. 4) hervor, welchen man auch durch das Ne ssler 'sehe Reagens und Ammoniak erhÀlt (De Koninck, Dobbin).

3*. Die Metallhydrate, ausgenommen die Alkalihydrate, werden durch

Bestimmung des Wassers. 267

Hitze zersetzt; im geschlossenen Rohre erhitzt, geben sie Wasser ab und hinterlassen Oxyd, z. B. :

4. Mit einem SÀureanhydrid (KohlensÀureanhydrid, KieselsÀureanhydrid) oder mit Kaliumdichromat behandelt, geben auch die Alkalihydrate Wasser ab:

5*. Die Hydrate der Metalloide (SauerstoflFsĂ€uren) sind fast alle in Wasser sehr leicht und mit stark saurer Reaction löslich; die Siliciumhydrate (KieselsĂ€uren) sind wenig oder gar nicht löslich; die Bor- sĂ€ure ist weiĂŒg lö; diese letzteren röthen Lakmus nicht merklich.

BorsÀure zeigt sogar gegen Curcumafarbstoff schwach alkalische Reaction, denn mit BorsÀure-Lösung getrÀnotes Curcumapapier wird nach dem Trocknen gebrÀunt wie durch Alkalihydrate.

6. Die Hydrate der Metalloide (SauerstoffsĂ€uren) geben, mit den Oxyden der Metalle behandelt,, ein Salz und Wasser, z. ß. mit Bleioxyd behandelt, ein Bleisalz und Wasser:

H2SO4 + PbO PbSO + H,0.

Bestimmung des Wassers.

1376 Das Wasser kann in den zu analysirenden Substanzen in fĂŒnt verschiedenen Formen vorhanden sein:

3. Dampfförmiges Wasser in Gasen;

Das Lösungswasser und das von festen Körpern absorbirte Wasser verfluchtigen sich mehr oder weniger schon bei gewöhnlicher Temperatur an der Luft; beide verschwinden vollstÀndig beim Erhitzen auf 100Ÿ oder auf eine nur unbedeutend höhere Temperatur, bei mittlerem Luftdrucke.

Das in Dampfform mit Gasen gemischte Wasser wird denselben leicht durch BerĂŒhrung mit hygroskopischen Substanzen entzogen.

Das Krystallwasser wird mehr oder weniger energisch von den Substanzen, zu welchen es gehört, festgehalten; bald verschwindet e& schon bei gewöhnlicher Temperatur (verwitternde Salze), bald ist umgekehrt eine sehr hohe Temperatur zu seiner vollstĂ€ndigen VerflĂŒchtigung erforderlich. EnthĂ€lt ein Salz mehrere MolekĂŒle Krystallwasser, so werden einige von ihnen leichter ausgetrieben als die anderen, so dass man, innerhalb gewisser Temperaturgrenzen, eine neue chemische Verbindung erhĂ€lt: Beispiel ist Natriumcarbonat, NagCOg- 10 HgO, welches schon an der Luft bald zu einem feinen, weissen Pulver von der Zusammensetzung NagCO.j-f-

2 HjO zerfallt. Bisweilen bezeichnet man die MolekĂŒle Krystallwasser durch das Symbol aq (aqua).

Verbindungswasser. Dieser Ausdruck ist fĂŒr die Analyse zu- lĂ€ssig und ist auch vom Gesichtspunkte der dualistischen Theorie, welcher er seinen Ursprung verdankt, genau, aber nicht mehr fĂŒr die AnhĂ€nger der neuen Theorien. Man bezeichnet damit das Wasser, welches sich schon beim Erhitzen von Hydroxyl Verbindungen allein oder bei gleichzeitiger Einwirkung gewisser Reagentien auf diese Verbindungen bildet. Erhitzt man z. B. Aluminiumhydroxyd, so zerfĂ€llt es in Wasser und Oxyd:

AI2O5 + 3 HjO.

Dieses Wasser war in gebundenem Zustande vorhanden. Die dualistische Theorie betrachtete auch in der That die Hydrate als aus einer Verbindung des Wassers mit den wasserfreien Oxyden entstanden, aus demselben Grunde, aus welchem sie die Sauerstoflfsalze als Verbindungen eines Metalloxydes (Base) mit einem Metalloidoxyde (SĂ€ureanhydrid) betrachtete. Nach dieser Theorie schrieb man die Formel des Calciimisulfates: CaO, SOg, des Eisenhydroxydes: FeOg, 3H,0, der verschiedenen PhosphorsĂ€uren: HO, P2O5 — 2 HO, PgOj — SHO, POg.

Das Verbindungswasser kann auch durch die Einwirkung von Reagentien frei gemacht werden; so bildet sich Wasser, wenn man PhosphorsÀure mit einem Oxyde, etwa Bleioxyd, behandelt (vergl. 1375, Nr. 6): 2 H3PO4 + 3 PbO + 3 HjO.

I. Bestimmung des Wasssrs in festen oder flQssigen Substanzen.

Diese Bestimmung kann nach zwei Verfahren, nÀmlich durch Bestimmung des Gewichtsverlustes oder durch directe WÀgung geschehen. Beide Verfahren lassen sich in verschiedener Weise ie nach der Natur der zu analysirenden Substanz ausfuhren).

1377* I. Bestimmung duroh QewiohtsyerlUBt. Das Princip des Verfahrens ist ĂŒberaus einfach: Nachdem die zu analysirende Substanz gewogen ist, treibt man das Wasser in Dampfform aus und wĂ€gt den RĂŒckstand. Der Gewichtsverlust entspricht dem Gewichte des Wassers.

Wir wollen nach einander die wichtigsten Mittel, welche man zur Erreichung des gewĂŒnschten Resultates anwenden kann, betrachten.

1378. Mittel: Einfaches GlĂŒhen. Man tarirt einen mit Deckel versehenen Tiegel, bringt in ihn die Substanz und tarirt zum zweiten Male, um das Gewicht der letzteren kennen zu lernen. Nun erhitzt man allmĂ€hlich bis zur beginnenden Rothgluth oder auch stĂ€rker, wenn es nölhig ist; endlich bringt man Tiegel nebst Inhalt, nachdem man ihn im Exsiccator hat erkalten lassen, wieder auf die Waage.

Das Lösungswasser wird auch sehr oft durch Dilferenz bestimmt.

1. Bestimmung des Wassers in festen oder flĂŒssigen Substanzen. 269

Alle WĂ€gungen mĂŒssen schnell und bei bedecktem Tiegel ausgefĂŒhrt werden, um ein Anziehen von Feuchtigkeit aus der Luft zu vermeiden.

Hat man Veranlassung, an der vollstĂ€ndigen Austreibung des Wassers zu zweifeln, so wiederholt man das GlĂŒhen, bis zwei auf einander folgende WĂ€gungen keinen Gewichtsunterschied ergeben oder, wie man sich auszudrĂŒcken pflegt, bis zum constanten Gewichte.

Dieses erste Mittel ist natĂŒrlich nur dann anwendbar, wenn die zu analysirende Substanz unter dem EinflĂŒsse der Hitze alles Wasser und nichts Anderes als Wasser, vertiert und wĂ€hrend der Operation keinen Sauerstoff aufnimmt, d. h. sich nicht oxydirt.

1379. Mittel: GlĂŒhen mit einem Reagens. Gewisse Substanzen verlieren beim GlĂŒhen SĂ€uren; z.B. aus dem Kaliimibisulfate, KHSO4, entweicht nicht nur Feuchtigkeit, sondern auch SchwefelsĂ€ure bez. gebundenes) Wasser und SchwefelsĂ€ureanhydrid:

2KHS04 K2S04 + H2S04, oder 2 KHSO KgSO + HgO + SO3. Um in solchen oder Ă€hnlichen Substanzen das Wasser durch GlĂŒhen zu bestimmen, muss man sie mit einem Reagens, welches fĂŒr sich nicht verĂ€nderlich ist und die SĂ€ure zurĂŒckzuhalten vermag, z. B. Bleioxyd,

Man verfĂ€hrt in diesem Beispielsfalle folgendermaassen: Nachdem das Bisulfat in einem Tiegel gewogen ist, fĂŒgt man frisch ausgeglĂŒhtes Bleioxyd hindu und mischt beide mit einem kleinen Glasstabe, wobei man Sorge trĂ€gt, dass an diesem nichts hĂ€ngen bleibt; das Gemisch bedeckt man mit einer Lage Bleioxyd und tarirt den so beschickten Tiegel. Nach dem GlĂŒhen wĂ€gt man von Neuem: die Differenz zwischen den beiden letzten WĂ€gungen giebt das Gewicht des entwichenen Wassers.

Hat man auf eine nur niedrige Temperatur zu erhitzen, so kann man das Bleioxyd durch Kaliumchromat ersetzen 2).

Die Anwendung von Kalium -Chromat oder -Dichromat lĂ€sst auch die Bestimmung des Wassers durch den Gewichtsverlust in leicht oxydirbaren Substanzen zu; denn diese entnehmen den Sauerstoff dem Chromate statt der Luft, es ist also der Fehler, welcher durch diese letztere Absorption veranlasst wĂŒrde, ausgeschlossen.

Ist das Wasser in einer Substanz zu bestimmen, welche es mit grosser Energie zurĂŒckhĂ€lt (Verbindungswasser), so kann ebenfalls die Anwendung eines Reagens nöthig werden. Man wendet wieder Bleioxyd beim GlĂŒhen an, wenn eine saure Substanz (z. B. PhosphorsĂ€ure) vorliegt, dagegen KieselsĂ€ure -Anhydrid, wasserfreien Borax oder Kalimndichromat, wenn man im Gegentheile in einer basischen Substanz, z. B. in einem Alkalihydrat, das Wasser bestimmen will:

Im Sinne der Definition im § 1376. Vohl: Ann. 84 (1855), 216.

Bestimmung des Wassers.

1380 Mittel: Durch Trocknen in BerĂŒhrung mit Luft. Je nach der Natur der Substanz kann man verschieden verfahren. Wir geben einige der am hĂ€ufigsten angewandten AusfĂŒhrungen an.

Hat man mit einer Lösung zu thun, so kann man dieselbe in einer gewogenen Schale auf einem Wasserbade verdampfen; der RĂŒckstand wird dann in einem Luftbade (§ 32) getrocknet oder auch, je nach seiner Natur, geglĂŒht imd gewogen.

Oefter kommt der Fall vor, dass in einer festen Substanz die Feuchtigkeit bestimmt werden soll. Man wÀgt die Substanz in einem tarirten Apparate ab: dieser besteht aus zwei, mit den RÀndern genau aufeinander geschlififenen UhrglÀsern, welche durch eine Klammer zusammengehalten werden (Fig. 195); man setzt den kleinen Apparat mit Inhalt, jedoch die UhrglÀser von einander gehoben, entweder in einen Exsiccator (§31, Bd. I, S. 21 ff.) oder in ein Wasserluftbad (Fig. 196, vgl. § 32, Bd. L S. 26). bis man glaubt, dass die Substanz vollkommen trocken ist. - und wÀgt; nach wiederholtem Trocknen controlirt man, ob das Gewicht constant geblieben ist. Statt zweier auf einander geschliffener UhrglÀser kann man auch ein sog. WÀgeglÀschen oder, bei wenig hygroskopischen Substanzen, eine Schale, oder besser einen mit einem Deckel versehenen Tiegel benutzen.

1381. Mittel: Durch Trocknen in einem Gasstrome.

Zum Trocknen in einem Gasstrome (Luft, Wasser-

1 eine vorher gewogene L i e b i g'sche Röhre (Fig. 1 97)

l und leitet durch dieselbe mit HĂŒlfe einer passenden

Vorrichtung das durch eine hygroskopische Sub-stand

getrocknete Gas; wenn man das Trocknen durch ErwĂ€rmen unterstĂŒtzen kann, so taught man die Röhre wĂ€hrend des Durchleitens in ein Luft-, Wasser-, Paraffin-etc. -Bad (§ 32, III, Bd. I, S. 27).

Nach Beendigung des Trocknens reinigt man, wenn erforderlich, die Röhre Àusserlich und wÀgt.

Man vermeidet bei diesem Verfahren so viel wie möglich das Erhitzen des Rohres in einem Wasserbade, weil Glas von siedendem Wasser stets mehr oder weniger angegriffen wird, um so mehr, als solche Röhren gewöhnlich aus schlechtem Glase bestehen.

Flg. 196.

Fig. 195.

Fig. 197.

1. Bestimmong des Wassers in festen oder flĂŒssigen Substanzen. 271

Die Wahl des zum Trocknen zu benutzenden Gases richter sich nach folgenden Ueberlegungen : Gewöhnlich benutzt man Luft; muss man aber deren oxydirende Wirkung ausschUessen, so ersetzt man sie durch KohlensĂ€ure; muss man femer gleichzeitig die Absorption sowohl von Sauerstoff aus der Luft durch reducirende Substanzen als auch von KohlensĂ€ure durch alkalische Substanzen vermeiden, so benutzt man Wasserstoff. Stickstoff wĂŒrde fĂŒr alle FĂ€lle sehr geeignet sein; allein die Schwierigkeit seiner Darstellung sowohl in reinem Zustand als auch nach bequemem Verfahren erschwert seine Anwendbarkeit

Bei Anwendung eines der beiden letztgenannten Gase darf man nicht versĂ€umen, nach dem Erkalten und vor dem WĂ€gen einen Strom trockner Luft durch die Lieb ig- Röhre zu leiten. Denn da die specifischen Gewichte der KohlensĂ€ure und des Wasserstoffes erheblich von dem der Luft abweichen, so wĂŒrde man einen Fehler begehen, wenn man die Röhre vor dem Trocknen mit Luft und nach dem Trocknen mit einem der beiden anderen Gase gefĂŒllt wĂ€gen wĂŒrde. Die folgende Rechnung soll die mögliche FehlergrÖsse veranschaulichen:

Unter normalen Bedingungen wiegt 1 cc Luft etwa 1,3 mgr, dasselbe Volumen KohlensĂ€ure 2,0 mgr und 1 cc Wasserstoff 0,1 mgr. Tritt an die Stelle von 1 t c Luft das gleiche Volumen KohlensĂ€ure, so wĂŒrde ein Fehler von 0,7 mgr entstehen, und bei Ersatz von 1 cc Luft durch 1 cc Wasserstoff ein Fehler von 1,2 mgr (vergl. S. 2G2, Fussnote 2).

1382. 5*" Mittel: Durch Trocknen im luftleeren RĂ€ume. Man verfĂ€hrt so, wie beim Trocknen in BerĂŒhrung mit Luft (§ 1380) in der KĂ€lte, nur wendet man statt eines gewöhnlichen Exsiccators die Glocke einer Luftpumpe, unter welcher man die zu trocknende Substanz neben einen hygroskopischen Körper stellt, oder einen besonders construirten Exsiccator an).

1383. IL Durch direote WĂ€giusg. Man versteht darunter, im Gegensatze zu dem Verfahren durch den Gewichtsverlust, dasjenige Verfahren, nach welchem man das Wasser aus der zu analysirenden Substanz austreibt und dieses Wasser in einem tarirten, mit einer hygroskopischen Substanz gefĂŒllten Apparat auffĂ€ngt: aus der Gewichtszunahme des Apparates erfĂ€hrt man das Gewicht des absorbirten Wassers.

In allen FÀllen ist ein Gasstrom erforderlich, um das Wasser in den Absorptionsapparat zu treiben. In der Regel wendet man einen Strom von Luft an; in manchen FÀllen ersetzt man diese aber durch Wasserstoff oder KohlensÀure (§ 1381) oder auch durch Leuchtgas.

Welches Gas man auch anwenden mag, stets muss es, bevor es mit der zu untersuchenden Substanz in BerĂŒhrung kommt, getrocknet und eventuell gereinigt werden; man hat darauf zu achten, dass bei diesem Trocknen derselbe hygroskopische Stoff, welchen auch der tarirte

Es giebt auch Apparate, welche ein Erhitzen der Substanz in einem luftleeren RÀume gestatten; sie werden aber nicht hÀufig angewandt.

Absorptionsapparat enthĂ€lt, zur Anwendung kommt. Der Grund fĂŒr diese Vorsichtsmaassregel liegt darin, dass nicht alle hygroskopischen Stoffe, welche man anzuwenden pflegt, gleich starkes Trocknungsvermögen besitzen), so dass, wenn man zum Trocknen des Gasstromes einen Stoff anwendet, welcher in dem Gasstrom noch eine geringe Menge Feuchtigkeit zurĂŒcklĂ€sst, wie z. B. Calciumchlorid, und wenn im Gegensatze hierzu der Absorptionsapparat das alles Wasser aufnehmende PhosphorsĂ€ure- Anhydrid enthĂ€lt, ein zu hohes Resultat erhalten werden wĂŒrde. Benutzt man beiderseits denselben Stoff, so findet ein Ausgleich statt

Die am hÀufigsten angewandten hygroskopischen Stoffe sind das trockne, wasserfreie, aber nicht geschmolzene Calciumchlorid, reine SchwefelsÀure und MetaphosphorsÀure (glasige PhosphorsÀure); das PhosphorsÀure-Anhydrid ist sehr gut, aber weniger bequem zu handhaben.

Der Apparat, welchen man gewöhnlich zu der Bestimmung des

Wassers durch directe WĂ€gung gebraucht, besteht (Fig. 198) Flg. 198. einem Glasrohre von 30 bis

50 cm LĂ€nge und einem Hehlen Durchmesser von etwa 15 mm, an welches sich auf einer Seite mittels eines durchaus trocknen Kautschuk- (Fig. 199) oder eine andere geeignete Vorrichtung anschliesst. Andererseits

steht das Rohr mit dem Apparate in Verbindung, welcher zum Trocknen des Gasstromes dient. Das Ueberleiten des Gases wird entweder durch einen mit dem Calciumchloridrohre in Verbindung stehenden Aspirator bewirkt, wenn man Luft benutzt, oder durch einen Kipp' sehen, De Koninck'schen (Fig. 184, S. 113) oder einen anderen, mit der Vorrichtung zirni Trocknen des Gasstromes verbundenen Apparat, wenn KohlensĂ€ure oder Wasserstoff angewandt werden muss. Man kann schliesslich auch einen mit dem zu benutzenden Gase gefĂŒllten GasbehĂ€lter (sogenannten Gasometer) oder comprimirte Gase aus den jetzt ĂŒberall erhĂ€ltlichen Stahlflaschen benutzen.

Die zu analysirende Substanz wird in einem Schiffchen von Platin oder Porzellan, welches man spÀter in das Rohr einschiebt, gewogen.

Je nach der Temperatur, welche zur vollstĂ€ndigen Austreibung des Wassers erforderlich ist, erhitzt man das Rohr in einem Luftbade, oder in einem besonderen Ofen, oder auch direct ĂŒber einer Gasflamme.

1384. Wenn die zu analysirende Substanz durch GlĂŒhen andere

Fresenius: Z. anal. Ch. 4 (1865), 177; Morley: Z. anal. Ch. 24 (1885), 533, uDd 27 (1888), 1; Pettenkofer: Sitzgsher. der K. Bayer. Akad. d. Wissensch,, Math.-phys. Cl., 1862, Heft 1, S. 59, und Z. anal. Ch. 1 (1862), 488; J. D. vaD der Plaats: Rec. trav. ch. des Pays-Bas 6 (1887), 45; A. Gautier: C. r. 126 (1898), 1387.

1. BestimmuDg des Wassers in festen oder flĂŒssigen Substanzen. 273

Bestandtheile, ausser Wasser, verliert, welche gleichzeitig mit letzterem vom Absorptionsmittel absorbirt werden (Chlorwasserstoflf, Ammoniak etc.), so muss man die Substanz, wie bei der Bestimmung durch Gewichtsverlust (§ 1379), nach dem AbwÀgen mit einem Reagens mischen, welches das Entweichen dieser Stoffe hinder Wie wir oben gesehen haben, eignen sich hierzu gewöhnlich Bleioxyd imd Kalium-Chromat oder -Dichromat. In Silicaten, welche Fluor enthalten, bestimmt P. Jannasch das Wasser, indem er sie mit Bleichromat erhitzt i).

1385. Statt das Freiwerden von Gasen oder DĂ€mpfen, welche gleichzeitig mit dem Wasser zurĂŒckgehalten werden können, zu hinder, kann man dieselben bisweilen in der Art unschĂ€dlich machen, dass man sie durch ein Reagens in nicht absorbirbare Gase ĂŒberfĂŒhrt

Dieser Fall kommt bei den Nitraten der Schwermetalle vor.

Um das Wasser in diesen Verbindungen zu bestimmen, erhitzt man sie in einem Luftstrome; unter diesen UmstĂ€nden geben sie nitrose DĂ€mpfe, welche, wenn man sie in den Absorptionsapparat gelangen liesse, ein fehlerhaftes Resultat veranlassen wurden. Um dem vorzubeugen, bringt man in den Theil des Rohres (Fig. 198), an welchen sich der Absorptionsapparat anschUesst, eine Rolle von Kupfergewebe und erhitzt dieselbe zum RothglĂŒhen, bevor man das Schiffchen, welches die zu analysirende Substanz enthĂ€lt, erhitzt Auf diese Weise werden die nitrogen DĂ€mpfe, sobald sie mit dem Kupfer in BerĂŒhrung treten, zu Stickstoff reducirt und unschĂ€dlich gemacht, denn der Stickstoff passirt unabsorbirt den Absorptionsapparat

1386. Einige Silicate sind, selbst wenn sie bei sehr hohen Temperaturen fĂŒr sich geglĂŒht werden, nicht vollstĂ€ndig zu entwĂ€stern; man erreicht den Zweck aber, wenn man die Substanz mit einem Alkalicarbonate, am besten mit Natrium-Kalium-Carbonat, das natĂŒrlich vollstĂ€ndig wasserfrei sein muss, schmilzt. Nach diesem Verfahren kann man das Wasser auch in solchen Silicaten bestimmen, welche beim GlĂŒhen ohne diesen Zusatz Chlor oder SiĂŒciumfluorid verlieren*).

L. Sipöcz) beschreibt das Verfahren wie folgt: Das fein gepulverte Mineral wird mit der etwa vierfachen Gewichtsmenge von gut getrocknetem Natrium-Kalium-Carbonat gemischt und das Gemenge in ein gerÀumiges Platinschiffchen gebracht Dieses wird in ein inner glasirtes Porzellanrohr geschoben, welches in ein Luftbad solcher Construction, dass die beiden Rohrenden aus ihm hervorragen, gelegt wird. An das eine Ende bringt man ein Calciumchloridrohr, wÀhrend das andere mit einem Gasometer, welcher reine und trockene Luft liefert, in Verbindung gesetzt wird. Nun erhitzt man eine Stunde lang bei etwa 130Ÿ; bei

2) E. Ludwig: Mineral. MĂŒ., . v, G. Tscher mak, 4. Lief. (1875), S. 211.

De Koninck-Meineke, Mineralanalyse. II. 18

dieser Temperatur verliert das Schmelzmittel jede Spur von Wasser, welches es möglicherweise einschloss.

Jetzt bringt man das Rohr in einen Ofen (z. B. einen kleinen wie fĂŒr Elementar -Analysen construirten Verbrennungsofen), ersetzt das erste Caldumchloridrohr durch ein tarirtes, Calciumchlorid oder SchwefelsĂ€ure enthaltendes Rohr und erhitzt das Porzellanrohr, unter steer Durchleitung eines Luftstromes, zum RothglĂŒhen. Nach Verlauf von Stunden ist die Operation beendet; man lĂ€sst erkalten und wĂ€gt das Absorptionsrohr.

1387* Ist zum Austreiben des Wassers eine nicht sehr hohe Temperatur erforderlich und muss man befĂŒrchten, dass durch ein zu starkes Erhitzen eine Zersetzung der zu analysirenden Substanz eintritt, so ersetzt man die beschriebenen Apparate durch eine Lieb ig 'sehe Röhre (sogenannte Liebig'sche Ente, Fig. 197, S. 270). Man wĂ€gt dieselbe, bringt die Substanz hinein und wĂ€gt wieder: so erfahrt man das Gewicht der Probe.

Man verbindet nun die Röhre an einem Ende mit einem Apparate zum Trocknen eines Gasstromes, an dem anderen Ende mit einem tarirten Rohre zur Wasserabsorption, und taught sie, wĂ€hrend man einen Gasstrom durchleitet, in ein Wasser-, Oel-oder Paraffin -Bad oder in ein besonders dafĂŒr eingerichtetes Luftbad, je nach der Temperatur, welche man erreichen will, und fĂŒhrt den Versuch wie in den anderen beschriebenen FĂ€llen zu Ende. Zur Controlle kann man den Gewichtsverlust, welchen die Lieb ig- Röhre erfahren hat, bestimmen (vergL § 1381).

2. Bestimmung des Wassers In Gasen. A. Durch WĂ€gung.

1388. Durch direote WSgung. Das Verfahren besteht darin, dass man ein abgemessenes Volumen des zu analysirenden Gases durch einen tarirten, mit einer hygroskopischen Substanz gefĂŒllten Apparat leitet und die Gewichtszunahme desselben bestimmt (vergl. § 1383). FĂŒr die Umrechnung des Gewichtes auf das Volumen dient als Basis, dass 1 Liter Wasserdampf von und bei 760 mm Luftdruck 0,8063 gr wiegt.

B. Durch Gasometrie.

1389* Durch Absorption. Man misst in einem graduirten Apparate ĂŒber Quecksilber oder mittels eines trocknen, geaichten Apparates ein fĂŒr die Bestimmung geeignetes Gasvolumen ab, lĂ€sst die Feuchtigkeit durch festes Kalihydrat oder Calciumchlorid oder Schwefelsaure absorbiren und misst dann auf irgend eine Weise das rĂŒckstandige Gasvolumen.

Die Bestimmung des Wassers in der atmosphÀrischen Luft oder in

2. Bestimmung des Wassers in Gasen. 275

anderen Gasen, welche in ziemlich grossen Mengen zur Verfugung stehen, lĂ€sst sich leicht mit HĂŒlfe des RĂŒdorff sehen Apparates i) ausfuhren.

Dieser besteht aus einer dreifach tubulirten Wo ulfe 'sehen Flasche von 1 bis 2 Liter Inhalt; der eine Tubus trÀgt ein Rohr, welches bis auf den Boden der Flasche reicht imd mit einem -Hahne versehen ist; der zweite Tubus trÀgt ebenfalls ein Hahnrohr, welches jedoch nicht in den Apparat hineinreicht und an welches ein kleiner, mit der Flasche communicirender Wassermanometer 2) angeschmolzen ist; der dritte, mittlere Tubus endlich trÀgt eine in Cubikcentimeter getheilte Hahnburette.

Man bestimmt ein- fĂŒr allemal das Volumen des Apparates, indem man ihn genau aus geaichten Pipetten, und fĂŒr die letzten Cubikcentimeter aus der an der Flasche angebrachten BĂŒbette mit Wasser fĂŒllt.

Um merkliche Temperaturschwankungen wÀhrend des Arbeitens zu vermeiden, taught man die Flasche in ein GefÀss mit Wasser, welches die Temperatur des Laboratoriums hat.

Der Versuch wird in folgender Weise ausgefĂŒhrt: Nachdem die Flasche vollstĂ€ndig getrocknet ist, leitet man durch die Hahnrohre einen anhaltenden Strom des zu analysirenden Gases, bis man sicher ist, dass die anfangs im Apparate enthaltene Luft vollstĂ€ndig verdeĂ€ngt ist; wenn möglich, bringt man den Flascheninhalt auf AtmosphĂ€rendruck und liest, nachdem die HĂ€hne geschlossen sind, den Manometerstand ab.

Die BĂŒbette wird bereits vorher genau bis zum Nullpunkte mit concentrirter SchwefelsĂ€ure gefĂŒllt; jetzt lĂ€sst man einige Tropfen der SĂ€ure in die Flasche laufen, auf deren Boden sie sich ausbreiten.

Indem die SĂ€ure den Wasserdampf absorbirt, geht der Druck, welcher anfangs durch den Eintritt des Reagens gestiegen war, bald auf die ursprĂŒngliche Höhe zurĂŒck oder sink auch noch unter diese; in demMaasse, wie die FlĂŒssigkeit in dem mit der AtmosphĂ€re communidrenden Schenkel des Manometers Neigung hat, zu sunken, lĂ€sst man SĂ€ure zufliessen.

Die Wasserdampf-Absorption ist beendet, wenn der Manometerstand sich nicht mehr Àndert. Nun stellt man durch Zufliessenlassen der nöthigen Menge SÀure den im Anfang des Versuches abgelesenen Manometerstand genau wieder her.

Das Volumen der verbrauchten SĂ€ure stellt genau den vom Wasserdampfe eingenommenen Raum dar; und da man den Inhalt des Apparates

') /. Gasheleuchtg. 1865, Nr. 8; Pogg. Ann. 126 (1865), 76.

') Um das Ablesen zu erleichteiD, ersetzt man das Wasser durch eine gefĂ€rbte FlĂŒssigkeit; wir empfehlen dazu eine Lösung von Chromisulfat : sie ist unverĂ€nderlich und giebt im Glase keine Ausscheidungen. Indigolösung, welche bisweilen empfohlen wird, hat den Nachtheil, dass sie sich mit der Zeit entfĂ€rbt.

Man kann den Manometer durch einen Vergleichsapparat mit Differentialmanö- meter von Pettersson (Hempel: Gasanal. Metk., 2. Aufl. (1890), S. 239) ersetzen; dieser bietet den grossen Vortheil, dass jeder Irrthum, welchen Temperatur und Luftr druck durch Schwankungen wÀhrend des Verlaufes der Operation hervorrufen können, fortfÀllt.

276 Wasser. ScheiduDgsverfahreu.

genau kennt, lÀsst sich das relative Volumen Wasserdampf im angewandten Gase berechnen, wenn, wie vorausgesetzt wird, Temperatur und Druck sich nicht geÀndert haben.

Scheidungsverfahren.

1390. Bemerkung. Was wir gelegentlich der Bestimmung des Wassers gesagt haben, genĂŒgt im Allgemeinen, um auch die Aufgabe seiner Scheidung von anderen Stoffen zu lösen. Da die Gegenwart von Wasser ohne Einfluss auf die Bestimmung der Metalle ist, bestimmt man diese in einer besonderen Probe und in einer anderen Probe das Wasser.

Wir können uns an dieser Stelle auf die Verfahren der Abscheidung des Wassers aus feuchten Gasen beschrÀnken.

Wasser und WasserstofC

1391. Man bestimmt das Wasser direct gewichtsanalytisch (§ 1388) oder gasometrisch und ebenso den Wasserstoff durch WÀgung (§ 1368) oder gasometrisch (§§ 13 09 f.).

Man kann auch sehr gut Wasser und Wasserstoff, und zwar beide durch WĂ€gung, in einer Operation bestimmen, indem man das Gas durch einen gewogenen Apparat zur Absorption des Wassers, dann ĂŒber rothglĂŒhendes Cuprioxyd und darauf durch einen zweiten gewogenen Wasserabsorptions- Apparat leitet.

Wasser und Sauerstoff.

1392* Man bestimmt das Wasser gasometrisch durch Absorption (§ 1389) und sodann den Sauerstoff durch Absorption (§ 1360) oder durch Verbrennung (§ 1361), wobei man das mit Wasser beladene Gas anwenden kann.

Wasser und Ammoniak.

1393. In Gemengen von Ammoniakgas und Wasserdampf bestimmt man zuerst beide Verbindungen zusammen, entweder gasometrisch durch Absorption mittels SchwefelsÀure oder gewichtsanalytisch unter Benutzung eines Apparates, welcher mit SchwefelsÀure getrÀnkten Bimsstein oder glasige PhosphorsÀure enthÀlt. In einer besonderen Probe bestimmt man alsdann den Gehalt an Ammoniak entweder gewichtsanalytisch (§ 392) oder alkalimetrisch (§ 393) und berechnet den Wassergehalt aus der Differenz.

Man kennt kein Mittel, das Wasser zu absorbiren, ohne gleichzeitig einen mehr oder weniger grossen Theil des Ammoniaks zu absorbiren, und umgekehrt kann man das Ammoniak durch kein Reagens absorbiren lassen, ohne den Feuchtigkeitsgrad des Gases zu Àndern.

Eigenschaften des Wasserstofßsuperoxydes. 277

Eigenschaften des Wasserstoffsuperoxydes.

1394 1. Das Wasserstoffsuperoxyd, HOj, ist eine dickflussige, bitter, faiblose, in dicker Schicht blau erscheinende, leicht zersetzliche, explosive FlĂŒssigkeit (sp. G. fast genau 1,5), welche sich mit Wasser in allen VerhĂ€ltnissen mischt. Es ist in Aether löslich, welcher es einer wĂ€ssrigen Lösung beim UmschĂŒtteln iheilweise entzieht).

In verdĂŒnnter Wasser-oder Aether-Lösung hĂ€lt sich reines Wasserstoffsuperoxyd verhĂ€ltnissmĂ€ssig gut, besonders in Gegenwart einer SĂ€ure.

Beim Kochen der wÀssrigen Lösung zerfallt das Wasserstoffsuperoxyd in Wasser und Sauerstoff:

2 H2O2 2 HO + Oj.

Diese Zersetzung bewirken bei blosser BerĂŒhrung auch einige Metalle in fein vertheiltem Zustande, z. B. Platin, Gold, Silber, Osmium, femer Mangansuperoxyd, ohne dabei irgend eine VerĂ€nderung zu erfahren (Katalyse). Giebt man zu dem Mangansuperoxyd eine SĂ€ure, so wird dasselbe zu Manganoxydul reducirt (siege Nr. 4).

Dieselbe Zerlegung des Wasserstoffsuperoxyds wird auch von den Oxyden der ellen Metalle Platin, Gold, Silber hervorgerufen. Hierbei geben dieselben ihren Sauerstoff vollstĂ€ndig ab unter ZurĂŒcklassung der betreffenden Metalle:

H20, + Ag20 H20 + 2Ag+02.

Auch mit Ozon reagirt es Àhnlich; beide geben ihren lose gebundenen Sauerstoff ab:

H,0, + 03 H20 + 20,.

2. In Gegenwart eines Alkalihydrates oder von Ammoniak wirkt Wasserstoffsuperoxyd energisch oxydirend; es verwandelt Chromhydroxyd in Chromat:

femer Manganohydrat in eine braune, höher oxydirte Manganverbindung 2), Bleihydroxyd in braunschwarzes Bleibioxyd Wismuthhydrat in gelbes Wismuthsuperoxydhydral , lösliche Schwefelverbindungen (Sulfide der Alkalien, Sulfite und in Sulfate u. s. w.

Aether, in einer nicht ganz gefĂŒllten Flasche aufbewahrt, enthĂ€lt hĂ€ufig Wasserstoffsuperoxyd in nicht unbedeutender Menge. Unreine — z. B. trĂŒbe oder Salze enthaltende, verdĂŒnnte — Wasserstoffsuperoxydlö kann daher durch mehrmalige Extraction des H,0, mittels Aether und vorsichtige Verdampfung dieser Ă€therischen Lösung im Vacoum rein und gleichzeitig concentrirter erhalten werden.

unreinigungen, -wie Eisen-, Mangan-, Aluminium-, Baryum-, Alkali Verbindungen, Salz-, Schwefelund KieselsÀure enthalten.

Vergl. § 611, Nr. 4; Bd. I, S. 481, Fussnote 1.

Vergl. § 928, Nr. 6. — {Praktischer lit/aĂ€en der Grwichtsanafyse, S. 44 ff.) spricht alle drei vorgenannten Verbindungen als Superoxydhydrate an.

278 Bestimmung des Wasserstoffsuperoxydes.

3*. Auch in saurer Lösung wirkt es bisweilen oxydirend; so zerlegt es die Jodwasserstoff sĂ€ure (und blĂ€ut in Folge dessen zugesetzten angesĂ€uerten StĂ€rkekleister) und fĂŒhrt femer Ferro salze in Fe rri salze ĂŒber.

4. HĂ€ufiger wirkt es aber in Gegenwart einer SĂ€ure reducirend: so reducirt es die Manganioxyde, die Permanganate die Hypochlorite u. s. w. Bei diesen Reactionen verliert das Wasserstoffsuperoxyd selbst die gleiche Menge Sauerstoff wie die Verbindung, auf welche es reagirt hat, z. B.:

5*. Die bemerkenswertheste Reaction des Wasserstoflfsuperoxyde s ist die, in welche es mit der ChromsÀure tritt Mit einer sehr kleinen Menge dieser SÀure zusammengebracht, ruft es eine intensiv blaue, Àthereösliche Verbindung hervor (vergl. § 521, Nr. 12).

6*. Die MolybdĂ€nsĂ€ure giebt mit Wasserstoffsuperoxyd, unter gewissen UmstĂ€nden, eine braungelbe FĂ€rbung. Um mit HĂŒlfe dieser Reaction das Wasserstoffsuperoxyd zu entdecken, verfĂ€hrt man am besten in folgender Weise*): Man setzt zu der zu prĂŒfender FlĂŒssigkeit 3 bis 4 cc einer lOprocentigen Lösung von Ammoniummolybdat und darauf einige Tropfen einer 25procentigen Lösung von CitronensĂ€ure. Die geringste Spur Wasserstoffsuperoxyd lĂ€sst die genannte FĂ€rbung entstehen.

Bestimmung des Wasserstoffsuperoxydes A. Durch WĂ€gung**).

1395. Durch QewichtBverlust. Man kann das Wasserstoffsuperoxyd in seiner kÀuflichen Lösung (dem einzigen Producte, in welchem es in erheblicher Menge vorkommt) in der Art bestimmen, dass man es in einem tarirten Apparate auf Kaliumpermanganat oder Miagansuperoxyd in Gegenwart von SchwefelsÀure einwirken lÀsst und den Gewichtsverlust, welchen der Apparat in Folge des Entweich ans von frei werdendem Sauerstoff erleidet, feststellt (vergl. die Bestimmung des Mangans, § 629, und weiter unten der Carbonate durch Gewichtsverlust).

Hinsichtlich der Einfachheit und Genauigkeit hÀlt aber da? Verfahren den Vergleich mit den folgenden nicht aus und wird auch kaum angewandt.

Nach Berthelot {Bull, Soc, eh. 31 (1883;, 140) entfĂ€rbt Wasserstoffsaperoxyd bei — 12° C. das Permingaaat in Gsgeowart von Schwefelsaure ohne Gasent- Wickelung; es soll sieb dabei ein noch Sauerstoff reicheres Wasserstoff juperoxyd, HO,, bilden .

') L. Cr ismer: Bull. Soc. eh. 1891 Seance du 5 Juillet.

Em. Schoene:Z.fl/fö/. CA. 18 (1879), 133; Gutzeit: /%2r.Z 83 (1888). 20 : C. E. Smith: Ch. N. 80 (1899), 194 u. 204; Deroide: Ann. eh. anal. appl. 4 (1899), 292.

Reiche: /. cU phirm. et di ch'.m. 1838, 219; Thoms: Arch. der Pharm. [3] 25 (18S7). 335.

Bestimmung des Wasseerstoffsuperoxydes. 279

B. Durch Titrimetrie.

1396. L Durch Kalinrnpearmanganat Man verdĂŒnnt die das Wasserstoffsuperoxyd enthaltende Lösung, setzt eine reichliche Menge verdĂŒnnte SchwefelsĂ€ure und einige Tropfen einer Lösung von Manganosulfat*) hindu, welches die Reaction begĂŒnstigt; dann lĂ€sst man eine titrirte Lösung von Permanganat bis zur bleibenden RothfĂ€rbung zufliessen.

1397* IL Durch Jodometrie Man giesst die zu untersuchende Lösung von Wasserstoffsuperoxyd in eine Lösung von Kaliumjodid, sÀuert mit SchwefelsÀure an und erwÀrmt auf 40 Ÿ. Das ausgeschiedene Jod wird dann durch Natriumhyposulfit titrirt (§ 1417).

Das Permanganatverfahren wird im Allgemeinen vorgezogen; sind jedoch organische Substanzen zugegen, so verdient das jodometrische Verfahren den Vorzug).

C. Duroh Gasometrie.

1398* ICanganiverbindungen Dieses Verfahren beruht, wie das § 1395 angegebene, darauf, dass Wasserstoffsuperoxyd in Be- rĂŒhrung mit einer Mangani Verbindung (Superoxyd oder Permanganat) bei Gegenwart einer SĂ€ure (verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure) Entwickelung von Sauerstoff veranlasst, welcher zur einen HĂ€lfte von dem Wasserstoflfsuperoxyde, zur anderen HĂ€lfte von dem Reagens stammt (siege § 1394, Nr. 4).

Dieses Verfahren ist die Umkehrung desjenigen Verfahrens, dessen man sich zur Bestimmung des disponiblen Sauerstoffes in Manganiverbindungen bedient und welches wir oben (§ 652) bereits beschrieben haben

1390* Bemerkung. Der Gehalt an Wasserstoffsuperoxyd in dem als solches bezeichneten HandelsprĂ€parate wird theils nach dem Gewichte (procentualer Gehalt an HgOg), theils nach dem Volumen angegeben. In letzterem Falle drĂŒckt man das Ergebniss der Bestimmung in der Art aus. dass man das VerhĂ€ltniss zwischen dem Volmnen des disponiblen Sauerstoffes des PrĂ€parates (auf 0Âź und 760 mm Druck reducirt) und dem Volumen des PrĂ€parates selbst angiebt. So ist ein Wasserstoffsuperoxyd von 10 Volumen eine Lösung, welche auf 1 Liter der FlĂŒssigkeit 10 Liter Sauerstoff liefert).

FĂŒnf Cubikcentimeter von dieser FlĂŒssigkeit mĂŒssen bei der gasometrischen Analyse 100 cc Sauerstoff geben, weil nur die HĂ€lfte dieser 100 cc Sauerstoff vom Wasserstoffsuperoxyd stammt.

Ein Volumen entspricht 0,30382 Gewichtsprocenten.

P. Thenard: C. r. 76 (1873), 1023; Lindncr: Mon. sc. de QuesneviUe [3] 15 (1885), 818.

Engel: Bull. Soc. eh. 1891, Seance dn 10 Avril.

C. E. Smith: 1. cit

°) Man hat fĂŒr die SauerstofTentwickelung statt KaliumpermangaBat auch Chlorkalk vorgeschlagen (D. B. Dott: Ch. N. 80 (1899), 193).

') Krauch: PrĂŒfung der ehem. Reagentien, 3. Aufl. (1896), S. 373.

D. Durch Colorimetrie. 1400. Durch Kaliumjodid und Starke). Das Verfahren beruht darauf, dass Jod in Freiheit gesetzt wird und dass dieses, je nach seiner Menge, StÀrkelösung verschieden stark fÀrbt.

1401. Bemerkung. Die ausserordentlich bemerkenswerthen Analogien, welche sowohl zwischen Chlor, Brom und Jod im freien Zustande als auch zwischen den Chloriden, Bromiden und Jodiden bestehen, lassen es angemessen erscheinen, die Eigenschaften dieser Elemente einerseits und ihrer einfachen Verbindungen andererseits in jedesmaliger unmittelbarer Aufeinanderfolge zu beschreiben. Auf diese Weise werden die Aehnlichkeiten und die Verschiedenheiten am deutlichsten hervortreten.

Hinsichtlich der quantitativen Analyse findet diese rĂ€umliche Aneinanderlegung eine weitere Berechtigung dadurch, dass die Bestinmiungsverfahren fĂŒr diese drei Elemente zum grössten Theile identisch sind imd dass auch die bei Ausfuhrung der Bestimmung anwendbaren Mittel (Reagentien, FĂ€llung, Auswaschen etc.) ĂŒberwiegend ebenso auf die Chloride wie auf die Bromide und Jodide anwendbar sind.

Eigenschaften des Chlors.

1402. 1*. Das Chlor ist ein gelbgrĂŒnes Gas mit erstickendem GerĂŒche, ziemlich schwer (2Y2mal schwerer als Luft) und leicht verdichtbar (bei 0Âź durch einen Druck von 6 AtmosphĂ€ren zu einer gelblichen FlĂŒssigkeit). Das Einathmen von Chlor ist gefĂ€hrlich, weil es zestörend auf die Athmungsorgane wirkt.

Chlor ist an der Luft nicht brennbar; hingegen breimt es in einer WasserstoffatmosphÀre (und umgekehrt Wasserstoff in einer ChloratmosphÀre) in Folge seiner grossen AffinitÀt zum Wasserstoff.

Chlor geht fast mit allen Elementen Verbindungen ein.

Es ist in Wasser etwas löslich; diese Lösung (Chlorwasser) hat dieselbe Farbe wie das Gas und liefert fast alle Reactionen des freien Chlors; bei +8 mit Chlor gesĂ€ttigtes Wasser enthĂ€lt etwa 0,75 /o (2Y2 Volumina) Gas. Wird diese Lösung auf abgekĂŒhlt, so scheiden sich gelbliche Schuppen von der Zusammensetzung Cl, + 10 HjO ab.

Am Lichte verÀndert sich das Chlorwasser; dabei bildet sich unterchlorige SÀure:

+ HgOzHClO + HCl; hauntsÀchlich jedoch findet folgende Reaction statt: der Wasserstoff des Wassers verbindet sich mit dem Chlor zu Chlorwasserstoff und Sauerstoff wird frei : CU + HgO 2 HCl + O.

Eigenschaften des Chlors. 281

Auf dieser Reaction — d. h. auf der Bildung von Sauerstoff, welcher in Stahl nascendi wirkt — beruht grösstentheils die bleichende und desinficirende Wirkung des Chlors. Durch einen Gehalt an Chloriden gewinnt das Chlorwasser an Haltbarkeit

2*. Das Chlor zerlegt die Jodide (Kaliumjodid, Cadmiumjodid) und macht Jod frei:

Clj + 2KJ 2KC1 + Jj.

Um die Reaction deutlich hervortreten zu lassen, setzt man StÀrke- lösung hindu, welche durch das ausgeschiedene Jod blau gefÀrbt wird (siege § 1404, Nr. 3).

Ein mit Cadmiumjodid und StÀrkelösung getrÀnkter Papierstreifen (ozonoskopisches Papier) blÀut sich daher, wenn man ihn der Einwirkung von Chlor aussetzt.

Ist das Chlor im Ueberschusse im VerhÀltniss zu Jod zugegen, so bildet sich Chlorjod JClj oder, bei Gegenwart von Wasser, JodsÀure:

Jj + 3a2=2JCl8, Ja + 5 CI2 + 6 Hg O 2 H JO3 + 10 HCl. 3*. Die Alkali-und Erdalkalihydrate werden in der KĂ€lte in fester Form sowie auch in kalter verdĂŒnnter Lösung durch Chlor in Gemenge von Hypochlorit und Chlorid, in der WĂ€rme in fester Form sowie auch in warmer concentrirter Lösung in Gemenge von Chlorat und Chlorid ĂŒbergenĂŒhrt, z. B.:

2NaOH-f Cl2=NaClO + NaCl-f HgO, und 6 NaOH + 3 NaClOg + 5 NaCl + 3 HO. Mit Wasserstoffsuperoxyd und einem Alkalihydrat geht das Chlor in Alkalichlorid ĂŒber:

+ HjO + 2 KOH 2 KCl + 2 HjO + Oj.

4. Die Arsenite der Alkalien werden durch Chlor in Gegenwart von Wasser in Arsenate umgewandelt:

K, AsOg + H2O -f CI2 KH2 AsO + 2 KCl.

5. Ferrosalze werden durch Chlor in Ferrisalze ĂŒbergenĂŒhrt:

Um diese Reaction deutlich erkennbar zu machen, bedient man sich einer frisch bereiteten Lösung von reinem (nicht Oxyd enthaltendem) Ferrosulfat oder Ferro -Ammoniumsulfat, welcher man Kaliumsulfocyanid zugesetzt hat: das Chlor fĂ€rbt in Folge der Bildung von Ferrisulfocyanid 1) die ursprĂŒnglich farblose Lösung roth.

6. Indigolösung erleidet durch Chlor EntfÀrbung'); es wird

Die Herstellung einer von Ferriverhindungen ganz freien Ferrolosung, d. h. einer Lö, welche sich nicht schon an sich mit Kaliumsulf ocyanid roth fÀrbt, ist ausnehmend schwer und fast unmöglich.

Richtiger mĂŒsste man sagen: eine relative EntfĂ€rbung; dean auch Isatin besitzt ein starkes FĂ€rbungsverroogen (siege § 570, Seite 446, Fussnote 3).

oxydirt und in Isatin (sowie auch in Chlorisatin) umgewandelt:

QeHioNOa + 2 H,0 + 2 CI 2 CgHsNO + 4 HCl. Die Isatinlösung ist gelb.

7. Chlor fÀrbt die schwefelsaure Lösung von Diphenylamin*) intensiv blau.

8. Silbernitrat erzeugt in Chlorwasser einen Niederschlag von Silberchlorid unter gleichzeitiger Bildung von löslichem Silberchlorat:

3 Ci + 6 AgNOg + 3 HjO 5 AgCl + AgClOg + 6 H NO3.

Eigenschaften des Broms

1403 1*. Bei gewöhnlicher Temperatur ist das Brom eine dunkelbraune FlĂŒssigkeit (das einzige flussige Element ausser Quecksilber) von grosser Dichte (sp. G. 3) und dem Siedepunkt + 63 In Folge seiner grossen FlĂŒchtigkeit stösst es schon bei gewöhnlicher Temperatur rothbraune DĂ€mpfe von eigenartigem, dem des Chlors Ă€hnlichem GerĂŒche aus, welche, wie das Chlor, die Athmungsorgane angreifen.

Das Brom ist in Wasser löslich; die kalt gesĂ€ttigte wĂ€ssrige Lösung (Bromwasser) enthĂ€lt ungeßlhr 3Âź/q. Beim AbkĂŒhlen dieser wĂ€ssrigen Bromlösung auf +3Âź scheidet sich das rothe krystallinische Hydrat Brj + 10 HgO aus. Bromide erhöhen die Löslichkeit des Broms sehr erheblich. Gegen kate concentrirte SalzsĂ€ure zeigt das Brom eine etwa viermal grössere Löslichkeit als gegea Wasser.

Unter dem EinflĂŒsse des Lichtes zerlegt auch Brom das Wasser, jedoch viel langsamer als das Chlor:

Br2 + H20 2HBr+0.

Daher ist das Brom in Gegenwart von Wasser aus denselben GrĂŒnden wie das Chlor — Sauerstoff in statu nascendi — noch ein ziemlich energisch wirkendes Oxydationsmittel zu nennen.

2*. Alkohol, Aether, Schwefelkohlenstoff und Chloroform — namentlich die letzteren beiden — sind fĂŒr Brom bessere Lösungsmittel als Wasser; mit einer wĂ€ssrigen Bromlösung geschĂŒttelt, entziehen sie dieser das Brom und fĂ€rben sich dabei, je nach der Concentration, gelb oder braun. Die ersteren werden hierbei langsam oxydirt bez. bromirt.

3*. Jodide werden durch Brom zerlegt wie durch Chlor:

Li Gegenwart von StÀrke erhÀlt man also eine BlaufÀrbung und Ozonoskop- Papier wird von Brom geblÀut.

1 mgr Dlphenylamin in 10 cc SchwefelsÀure gewöhnlicher CoQcentratioD. Diese Reaction kommt einer grossen Anzahl oxydirender Stoffe, z. B. der unterchlongen SÀare, der ChlorsÀure, der salpetrigen SÀure etc., gemeinsam zu.

H. Hager (6%. Centrhl. [3] 10 (1885), 588) wendet eine Mischung von 1 Vol. alkohol. Lösung von Diphenylamin (1 : 30) mit 5 Vol. conc. SchwefelsĂ€ure an, anf welche er vorsichtig die zu prĂŒfence Lösung schichtet.

Vergl. die analogen Reactionen des Chlors, § 1402.

Eigenschaften des Jods. 283

4. Gregen Alkali-sowie Alkalierdhydrate verhÀlt sich Brom cinalog dem Chlor.

Alkalisches Wasserstoffsuperoxyd fĂŒhrt das Brom in Alkalibromid ĂŒber (vergl. § 1402, Nr. 3):

Brg + HjjO, + 2 KOH 2 KBr + 2 HO + O.

5. Brom fuhrt bei Gegenwart von Wasser die Alkaliarsenite in Arsenate ĂŒber.

6. Brom verwandelt Ferro Verbindungen in Ferriverbindungen und fÀrbt daher ein Lösungsgemisch von Ferrosalzen und Kaliumsulf o- cyanid roth.

7. Brom entfÀrbt Indigolösung unter Bildung von Isatin (vergl. § 1402, Nr. 6).

8. Brom fÀrbt die schwefelsaure Lösung von Diphenylamin blau.

9. Silbernitrat giebt mit Brom einen Niederschlag von Silberbromid und Silbe rbromat, welche beide in Ammoniak löslich sind.

1404. 1*. Das Jod ist bei gewöhnlicher Temperatur ein fester, jedoch weicher, zerreiblicher, meist in BlÀttchen krystallisirender Körper von schwarzer Farbe und halbmetallischem GlÀnze (sp. G. etwa 5) ; sein Geruch ist eigenartig, dem des Chlors Àhnlich, doch nicht so erstickend.

Schon bei gewöhnlicher Temperatur, schneller bei ErwĂ€rung, giebt Jod — ohne vorher zu schmelzen — schön violette DĂ€mpfe.

2*. Wasser löst nur wenig Jod; die kalt gesĂ€ttigte wĂ€ssrige Lösung (Jodwasser) enthĂ€lt im Liter nur 0,18 gr. Diese Lösung ist braun und zersetzt sich nur Ă€usserst langsam unter Bildung von JodwasserstoE In Jodiden sowie auch in Jodwasserstoff ist Jod erheblich löslicher und die Farbe derartiger sehr verdĂŒnnter Lösungen neigt mehr nach Gelb.

Alkohol und Aether lösen Jod in erheblicher Menge; die Farbe der Lösungen ist braun.

Schwefelkohlenstoff und Chloroform lösen Jod und fÀrben sich dabei roth violett oder rosa, je nach der Concentration der Lösung. Diese Reagentien entziehen das Jod seiner wÀssrigen Lösung.

3*. StÀrkelösung 2) giebt in der KÀlte mit wÀssriger Jodlösung eine intensiv blaue FÀrbung. Die FÀrbung verschwindet in der WÀrme und erscheint beim Erkalten wieder, wenn die Einwirkung der WÀrme nicht zu lange Zeit gedauert hatte.

Jodwasser giebt die Reaction mit StÀrke viel schÀrfer, wenn eine

Die StĂ€rkelosung muss frisch bereitet oder durch ein wirksames Mittel conservirt sein und vollkommen klar erscheinen. Im strengen Sinne des Wortes handelt es sich nicht um eine Lösung von gewöhnlicher StĂ€rke, sondern um einen sehr verdĂŒnnten Kleister (siege hierĂŒber § 1414).

Spur Alkalijodid, namentlich Kaliumjodid, vorhanden ist). Auch andere Salze, wie Sulfate, sind ihr förderlich.

4. Alkali-sowie Alkalierdhydrate liefern mit Jod stets ein Gemenge von Jodat*) und Jodid:

3 J2 + 6 KOH KJOs + 5 KJ + 3 HO. Wasserstoffsuperoxyd in alkalischer Lösung reagirt auf Jod in der Art, dass sich Jodid bildet und Sauerstoff entweicht (vergl. § 1403, Nr. 4)):

J2+H,0, + 2Koh 2Kj+2H,0 + 0,.

5. Alkaliarsenite werden bei Gegenwart von Monocarbonaten oder Bicarbonaten durch Jod in Arsenate ĂŒbergenĂŒhrt; dabei tritt EntfĂ€rbung der Jodlösung durch Bindung des freien Jods ein:

Jg + KgAsOg + 2 KHCOs K3 AsO + 2 KJ + HO + 2 COj. Ein Zusatz von StÀrkelösung lÀsst, wie in allen Àhnlichen FÀllen, die Reaction deutlicher hervortreten.

6. Schwefelwasserstoff fĂŒhrt Jod in JodwasserstoffsĂ€ure ĂŒber; es scheidet sich dabei Schwefel ab:

J,+H,S 2Hj + S.

7. Schweflige SĂ€ure in kalter verdĂŒnnter Lösung giebt mit Jod SchwefelsĂ€ure und JodwasserstoffsĂ€ure:

J, + HSOg + H,0 + 2 HJ. 8*. Natriumhyposulfit setzt sich mit Jod zu Jodwasserstoff- sÀure und Natriumtetrathionat um:

9. Stannochlorid tritt mit Jod ebenfalls in Reaction und verwandelt es, in Gegenwart von SalzsÀure, in Jodwasserstoff sÀure:

2 J2 + SngCl + 4 HCl 2 SnCl + 4 HJ.

10. Silbernitrat erzeugt in Jodlösungen einen Niederschlag von Silberjodid und Silberjodat; letzteres ist weiss und in Ammoniak löslich; das Jodid ist blassgelb und in Ammoniak unlöslich (s. § 1435, Nr. 2):

3 J, + 6 AgNOg + 3 H2O 5 AgJ + AgJOg -f 6 HNO3.

11. Mit einer Lösung von Kaliumchlorat erhitzt, tauscht Jod seine Stelle mit Chlor aus:

2KC103+J, 2KJO., + Cl2.

12. Beim Erhitzen mit ChromsĂ€ure und SchwefelsĂ€ure wird Jod in JodsĂ€ure, HJO3. ĂŒbergenĂŒhrt. Ebenso bilden sich JodsĂ€ure bez. JodsĂ€ureanhydrid, JoOj, durch ErwĂ€rmen von Jod mit reiner, concentrirter, ca. 99 %iger SalpetersĂ€ure.

IntermediÀr entsteht hö wahrscheinlich Hypojodit (vergl. § 1510).

Diese Reaction spricht fĂŒr die intermediĂ€re Hypojodit- Bildung.

BestiromuDg des freien Chlors. 285

Bestimmung des freien Chlors. A. Durch WĂ€gung. 1405 Durch SĂŒbemitrat. Durch ein reducirend wirkendes Reagens ( Ferrosulfat , ammoniakalisches Wasserstoffsuperoxyd etc.) verwandelt man das Chlor in ChlorwasserstoflfsĂ€ure oder in Chlorid, welche man alsdann mit Silbernitrat bestimmt (§ 1442).

Ist neben dem Chlor ChlorwasserstofFsÀure vorhanden, was hÀufig vorkommt, so ist das Verfahren selbstverstÀndlich nicht direct anwendbar (siege Scheidungsverfahren, § 1482).

B. Durch Titrimetrie.

1406. Zur Bestinunung des freien Chlors bedient man sich vorzugsweise der Titrimetrie. Die Verfahren, welche diese Analysenmethode zulÀsst, sind einfacher und genauer als das eben angegebene WÀgungsverfahren, und die folgenden, auf der oxydirenden Wirkung basirten, sind unabhÀngig von der Anwesenheit von SalzsÀure oder Chloriden.

1407 I. Durch Kaliumjodid) und Nstriumhyposulflt). Man bringt ein abgemessenes Volumen des Gasgemenges oder der FlĂŒssigkeit, welche das zu bestimmende Chlor enthĂ€lt'*), oder auch das durch eine Reaction frei gemachte Chlor (vergl. die Bestimmung der Chromate, § 534, des disponiblen Sauerstoffes in den Manganioxyden, § G50, u. a.) mit einer Lösung von Kaliumjodid, welche frei von Jodat ist, in BerĂŒhrung; das Reagens muss im Ueberschusse vorhanden sein. Das ausgeschiedene Jod wird dann durch eine titrirte Lösung von Natriumhyposulfit bestimmt (siege ĂŒber Jodometrie §§ 1413 ff.).

1408* IL Durch Kaliumarsenit und Jod). Man fangs das Chlor in einer Lösung auf, welche ein abgemessenes Volumen einer titrirten Lösung von Kaliumarsenit enthĂ€lt, und titrirt den Ueberschuss desselben durch eine Jodlösung zurĂŒck (siege ĂŒber Jodometrie §§ 1413 ff.).

1408 in. Durch Ferrosalze. Man lĂ€sst das Chlor mit einem abgemessenen Volumen einer titrirten Lösung von Ferrochlorid oder Ferrosulfat in Reaction treten und bestimmt den Ueberschuss des Ferrosalzes durch ZurĂŒcktitriren mit Permanganat (§ 596) oder Kaliumchromat (§ 594).

Dieses Verfahren ist weniger empfehlenswerth als die vorigen und kommt praktisch nur zur Anwendung, wenn das Chlor gelöst ist.

Bei diesem Versuche kann man das Ferro- Ammonium-Sulfat (Mohrsches

Salz) als Absorptionsmittel fĂŒr das Chlor nicht verwenden, weil das — ,

H. Schwarz: NachtrÀge zur prakt. Anltg. zu Maassanalysen (1853), S. 22.

') Wenn man eine Chlorlösung mit einer Pipette abmisst, rouse man zwischen dieser und dem Mund ein Rohr mit StĂŒcken von Alkalihydrat, Natronkalk oder Natriumhyposulfit einschalten, damit man nicht das in kleiner Menge stets ahduustende Chlor einathmet.

286 Bestimmung des freien Broms. — Bestimmung des freien Jods.

in ihm enthaltene Ammoniumsalz unter Abgabe von Stickstoff ebenMs mit Chlor in Reaction treten und das Resultat daher beeinflussen kann.

1409. IV. Durch Stannoohlorid. An Stelle der Ferrosalze bei dem soeben beschriebenen Verfahren kann man auch eine titrirte Lösung von Stannochlorid anwenden; Vortheile wĂŒrde dieses Mittel jedoch nicht bitten, zumal es an der Luft noch weniger bestĂ€ndig ist als jene.

Bestimmung des freien Broms. A. Durch Wsgung.

1410. Durch Silbemitrat. Man bringt das Brom in eine mit einem reinen Alkalihydrate versetzte Lösung von Wasserstoflfeuperoxyd; es wird dadurch in Bromid ĂŒbergenĂŒhrt, welches nach AnsĂ€uern mit SalpetersĂ€ure durch Silbernitrat bestimmt werden kann.

B. Durch Titrimetrie. 141 Zur titrimetrischen Bestinunung des Broms sind alle die Verfahren, welche wir als zur Bestimmung des Chlors geeignet kennen gelernt haben, besonders die Verfahren mit Kaliumjodid und Natriumhyposulfit (§ 1407) oder mit Kaliumarsenit und Jod (§ 1408) anzuwenden. Diese Verfahren sind einfacher als diejenigen durch WÀgung.

Bestimmung des freien Jods. A. Durch WĂ€gung. 1412. Durch SĂŒbemitrat. Man verfĂ€hrt zunĂ€ wie bei der Bestimmung des Broms, d. h. man fĂŒhrt das freie Jod durch eine alkalische Lösung von Wasserstoffsuperoxyd in eine Jodid Verbindung ĂŒber und bestimmt diese entweder durch Silbernitrat oder nach einem der anderen, weiter unten (§§ 1470 ff.) angegebenen Verfahren i).

B. Durch Titrimetrie.

1413* Unter allen bekannten Elementen ist wohl keynes, welches titrimetrisch mit so grosser SchÀrfe und mit so grosser Sicherheit bestimmt werden kann, wie das freie Jod. Diesen Vorzug verdankt es der FÀhigkeit, einerseits mit mehreren als Indicatoren dienenden Stoffen Verbindungen von hö intensive FÀrbung zu bilden, andererseits mit einer Anzahl von Reagentien sich glatt umzusetzen.

Die Bestimmung des freien Jods bildet ein sehr wichtiges Capitel der Titrimetrie, nĂ€mlich die ,,Jodometrie**, welche hier ausfĂŒhrlicher beschrieben werden soll.

Es wĂ€re zu versuchen, ob nicht die Gewichtsbestimmong des freien Jods ohne seine UeberfĂŒhrung in Jodid, direct durch FĂ€llung mittels Silbemitrat zu bewerkstelligen ist. Das sich bildende Silberjodat wĂŒrde beim GlĂŒhen zu Silberjodid reducirt werden. (De Koninck.)

Jodomctrie. 287

Jodometrie.

Die Jodometrie im Allgemeinen umfasst die Gesammtheit aller jener Verfahren, welche zum Zwecke haben, durch geeignete Reagentien und Operationen einen zu bestimmenden Körper in eine bestimmte Beziehung zu freiem Jod zu bringen und die Menge desselben, welche durch die Reaction entweder verbraucht oder erzeugt wurde, auf titrimetrischem Wege zu ermitteln.

Wenn man zu einer Stannolösung eine titrirte Jodlösung fliessen lĂ€sst, bis ein sehr geringer JodĂŒberschuss durch die Entstehung von Jodstarke angezeigt wird (§ 1145), so ist die verbrauchte Menge der Jod- lösung unmittelbar ein Maass fĂŒr die vorhanden gewesene Menge der Stannoverbindung.

Chromate lassen sich bestinmien, indem man auf sie Kaliumjodid und SchwefelsÀure einwirken lÀsst und das durch die Reaction frei gewordene Jod mit Natriumhyposulfit titrirt (§ 531).

Chromate können aber auch in der Art bestimmt werden, dass man sie durch Kochen mit SalzsĂ€ure zu Chromisalz reducirt, das entweichende Chlor in Kaliumjodid auffangt und das frei gemachte Jod titrirt (§ 534), oder in der Art, dass man das Chlor in einem Ueberschusse von Alkaliarsenit auffangt und den Ueberschuss des Arsenits durch Jod zurĂŒcktitrirt (§ 535).

Diese beiden letzteren Verfahren bezeichnet man auch als chlorometrische Verfahren.

Auf lösliche Chloride, Bromide, Jodide wirkt frisch gefĂ€lltes Silberchromat in der Art ein, dass sich imlösliches Silberhalogenid abscheidet imd das ursprĂŒnglich mit dem Halogene verbundene Metall in lösliches Chromat ĂŒbergeht; wenn man letzteres jodometrisch bestimmt, so erfahrt man die Menge des vorhanden gewesenen Halogenides.

Alle diese und Ă€hnliche Verfahren sind nur Beispiele fĂŒr mancherlei Formen der jodometrischen Methode, welche in ihren ersten Anfangen auf Dupasquier) zurĂŒckzufĂŒhren ist, von Bunsen) verallgemeinert und spĂ€ter von vielen Chemikern auf die Bestimmung der verschiedensten Körper angewandt worden ist.

Wir haben schon vielfach Gelegenheit gehabt und werden sie auch noch weiter haben, bei den einzelnen Elementen sowohl die Verfahren, welche die jodometrische Bestimmung vorbereiten, als auch die Aus- fĂŒhrung der Bestimmung kennen zu lernen. In RĂŒcksicht auf die Wichtigkeit des Gegenstandes halten wir es aber fĂŒr angemessen, an dieser Stelle die wichtigsten jodometrischen Indicatoren und Reagentien, sowie deren Anwendung eingehend und im Zusammenhange zu besprechen.

Nach Mohr-Classcn: Titrirmethode, 7. Aufl. (1896), S. 312. Ann. 86 (1853), 269.

288 BestimmuDg des freien Jods.

1414. I. Die StĂ€rke). Der bei der titrimetrischen Bestimmung des freien Jods im Allgemeinen bevorzugte Indicator ist die StĂ€rke: sie vereinigt sich mit freiem Jod zu intensiv und prachtvoll blau gefĂ€rbter JodstĂ€rke. Ueber die Natur dieser Verbindung gehen die Ansichten weit aus einander; seit Jahrzehnten haben sich an die Erörterungen hierĂŒber lebhafte Controversen geknĂŒpft. Da sie nicht in das Gebiet der analytischen Chemie gehören, können wir uns mit dem kurzen Hinweise begnĂŒgen, dass die JodstĂ€rke von der einen Seite als ein mechanisches Gemisch, von der anderen als eine chemische Verbindung nach festen VerhĂ€ltnissen angesehen wird; vielleicht liegt die Wahrheit in der Mitte und ist die JodstĂ€rke als eine colloidale Verbindung zu betrachten.

Aus einer neutralen oder sauren FlĂŒssigkeit, welche viel freies Jod enthĂ€lt, scheidet sich die JodstĂ€rke als grobflockiger Niederschlag ab, welcher in SĂ€uren und Salzlösungen unlöslich ist. Soll das in ihm enthaltene Jod in Jodid ĂŒbergenĂŒhrt werden, so muss es mit dem anzuwendenden Reagens heftig geschĂŒttelt werden. Ist aber die Menge des vorhandenen Jods sehr gering, so scheidet sich die JodstĂ€rke in so feiner Vertheilimg aus, dass sie sich wie eine Lösung verhĂ€lt: erst nach langem, ruhigem Stehen setzt sich — jedoch nicht immer — ein Niederschlag ab, wĂ€hrend die FlĂŒssigkeit farblos wird 3). In dieser vielleicht colloidalen*) Form ist sie den jodidbildenden Reagentien leicht zugĂ€nglich. Es gilt daher bei der Bestimmung des Jods als Regel, erst dann die StĂ€rke zuzusetzen, wenn die vom freien Jod herrĂŒhrende gelbe Farbe der FlĂŒssigkeit ganz hell geworden ist.

Die StĂ€rke wird in Form eines so dĂŒnnen Kleisters angewandt, dass er dem unbewaffneten Auge als Lösung erscheint. Dass eine solche FlĂŒssigkeit, wenn sie ausschliesslich mit HĂŒlfe von Wasser zubereitet ist, keine oder fast keine StĂ€rke gelöst enthĂ€lt, davon kann man sich leicht ĂŒberzeugen, wenn man sie durch dichtes Papier oder durch Asbest filtrirt: das Filtrat fĂ€rbt sich nicht etwa schön blau, sondern schmutzig rothviolett. Diese FĂ€rbungen werden vermuthlich durch dextrinartige Verbindungen, welche in keiner StĂ€rke fehlen und in Wasser löslich sind, und durch einige gallertartig aufgequollene StĂ€rkekörnchen, welche sich durch das Filter nicht vollstĂ€ndig zurĂŒckhalten lassen, verursacht. Die Filtration

') Die Anwendung eines Indicators ist nicht unbedingt nothing; die Farbe des gelösten Jods kann genĂŒgen, um das Ende der Reaction zu erkennen. Da die Anwendung der nachstehend beschriebenen Indicatoren eine noch genauere Erkennung der Reactionsbeendigung ermöglicht, werden dieselben auch sehr viel benutzt.

Die StÀrke wurde zur Auffindung des Jods zuerst von Strohmeyer, Professor in Göttingen, angewandt (nach Accum: A pract. Treatise on the use and application of ehem. tests, 2. Aufl. (1818), S. 287).

') Dieses Verhalten ist dem des Berliner Blau analog.

Durch Zusatz von ziemlich viel Kochsalz kaim das Jod aus sokĂŒien ver- dĂŒnnten Lösungen gefĂ€llt werden.

Jodomctrische Indicatoren. 289

verlangsamt sich ausserdem nach so kurzer Zeit, dass man schon deshalb die StÀrke nicht als im gelösten Zustande befindlich ansehen kann.

Wenn wir trotzdem hĂ€ufig den Ausdruck StĂ€rkelösung gebrauchen, so geschieht das, weil mit dem ebenfalls hĂ€ufig gebrauchten Ausdrucke StĂ€rkekleister nach dem Sprachgebrauche der Begriff einer zĂ€hflĂŒssigen, fadenziehenden, mehr oder weniger klebrigen Masse verbunden ist; gerade diese Eigenschaft soll die StĂ€rkeflĂŒssigkeit fĂŒr unseen Zweck nicht haben.

Ein als Indicator dienendes StĂ€rkeprĂ€parat von genĂŒgender DĂŒnnflĂŒssigkeit imd Durchsichtigkeit lĂ€sst sich nach verschiedenen Vorschriften bereiten). Wir empfehlen das folgende Verfahren 2). Man verreibt gr StĂ€rke mit ganz wenig kaltem Wasser zu einem dĂŒĂŒssigen Brei und giesst diesen, mit etwas kaltem Wasser nachspĂŒlend, in Yg Liter siedendes Wasser; man lĂ€sst noch einmal' aufkochen, dann erkalten und abklĂ€ren 3); es scheidet sich ein voluminöser Bodensatz ab, von welchem sich die StĂ€rkeflĂŒssigkeit nach einigen Stunden klar abgiessen lĂ€sst.

Beim Eingiessen des kalten StĂ€rkebreis in das siedende Wasser muss man dafĂŒr. Sorge tragen, dass es nĂŒt den heissen GefĂ€sswĂ€nden nicht in BerĂŒhrung kommt; an diesen Stellen wĂŒrde sich ein dicker Kleister abscheiden, welcher sich in der FlĂŒssigkeit nicht vertheilen lĂ€sst. Ist das heisse Wasser in einer Kochflasche enthalten, so bedient man sich daher eines weiten Trichters, welchen man unmittelbar vorher auf die Flasche gesetzt hat und welcher daher noch nicht mit heissem, condensirtem Wasser beschlagen ist. Von einer so zubereiteten StĂ€rke- lösung gebraucht man zu jedem Versuche etwa 3 bis 5 cc.

Im Allgemeinen ist die Haltbarkeit einer rein wÀssrigen StÀrkelösung nicht besonders gross*): nach einiger Zeit pflegt sie mit Jod nicht mehr blaue, sondern violette, und nach sehr langem Stehen braune Farben- töne zu geben. Eine Lösung, welche nicht mehr rein blau fÀrbt, ist zu verwerfen. Als Conservirungsmittel hat man ZusÀtze von SalicylsÀure, Natriumchlorid, Calciumchlorid, ganz besonders aber Zinkchlorid (Mohr))

Am besten in einem engen Standcylinder.

') Vergl. auch Schoene: Z. anal. Ch. 18 (1879), 155.

Sehr bequem lĂ€sst sich jetzt die gewĂŒnschte IndicatorflĂŒssigkeit durch Auf- lösen der kĂ€uflichen „löslichen StĂ€rke" in siedendem Wasser (1 Th. „lösliche StĂ€rke" -j- 100 Th. Wasser) erhalten. FĂŒr die Darstellung der „löslichen StĂ€rke" existiren mehrere Vorschriften, z. B. von Zulkowski: Wagn.Jahresb. 1878, 753; von Lintner: J.prakt. Ch. [2] 84 (1886), 381; von Wroblewski: Ch.-Z. 22 (1898), 375.

Schoene (1. cit.) giebt an, dass sich eine nach seiner Vorschrift bereitete StĂ€rkelösung, wenn sie gegen Staub geschĂŒtzt und kalt aufbewahrt wird, monatelang hĂ€lt. Ich habe eine nach dem angegebenen Verfahren bereitete Lösung auch in heissen Sommern noch nach Wochen durchaus brauchbar gefunden. Man wird gut thun, wenn man eine vor lĂ€ngerer Zeit bereitete, einfache (wĂ€ssrige) Srkelösung benutzen will, sich zu vergewissem, dass dieselbe mit Kaliumjodid und einer SĂ€ure keine BlaufĂ€rbung giebt, welche De Koninck gelegentlich beobachtet hat und auf spontane Bildung von Ammoniumnitrit oder Wasserstoffsuperoxyd zurĂŒckfĂŒhrt.

Mohr-Classen: TĂŒrirmethode, 7. Aufl. (1896), S. 303.

De Koninck-Meineke, Mineralanalyse. 11. 19

290 Bestimmung des freien Jods.

allein oder mit Zinkjodid i) vorgeschlagen. Nach Reinhardt*) erhĂ€lt man eine klare Lösung, welche sich unzersetzt aufbewahren lĂ€sst, wenn man 5 gr fein gepulverte StĂ€rke mit 50 cc Wasser anrĂŒhrt, 25 cc Kalilauge (1 Th. festes Hydrat + 2 Th. Wasser) zufiiessen lĂ€sst und das gelatinöse Gemisch mit 500 cc Wasser und 2 gr Kaliumjodid aufkocht. Bei Verwendung einer solchen Lösung, namentlich wenn das Jod durch Hyposulfit titrirt werden soll, darf man nicht versĂ€umen, sie vor dem Gebrauche mit SalzsĂ€ure oder SchwefelsĂ€ure ganz schwach anzusĂ€uern.

Es ist nicht gleichgĂŒltig fĂŒr die Hervorrufung einer scharfen Reaction mit Jod, welche StĂ€rkesorte man verwendet. StĂ€rke, aus KörnerfrĂŒchten (Weizen, Mais, Reis etc.) gewonnen, giebt zwar, solange Jod in ge- nĂŒgender Menge vorhanden ist, schön blau gefĂ€rbte JodstĂ€rke; mit abnehmender Jodmenge geht aber die Farbe in Violett, Rothbraun, Braun ĂŒber, und diese Misstöne lassen die Endreaction nicht mehr mit der wĂŒnschenswerthen Sicherheit erkennen 8).

Viel besser verhalten sich die aus Wurzelknollen oder Pflanzemnark gewonnenen StÀrkesorten, also z. B. KartoffelstÀrke, Arrow-Root u. Àhnl.; sie sind fast immer brauchbar, wenn sich auch ganz zuletzt ein leiser violetter Farbenton zeigt.

Aus den Körnerfrucht-StÀrken soll sich jedoch ebenfalls eine tadellos schöne StÀrke gewinnen lassen, wenn man die StÀrke in einem Alkalihydrat löst, die Lösung mit EssigsÀure ansÀuert und nun mit Alkohol fallt*).

Die Empfindlichkeit der JodstĂ€rke-Reaction ist ausserordentlich gross: sie lĂ€sst freies Jod unter gĂŒnstigen Bedingungen noch bei einer Ver- dĂŒnnung von etwa 1 : 3 330 000, d. h. in 100 cc FlĂŒssigkeit noch 0,03 mgr Jod deutlich erkennen); es genĂŒgen demnach etwa 0,2 cc einer Viooo normalen Lösung eines mit Jod glatt reagirenden Reagens, z. B. Natriumhyposulfit oder Alkaliarsenit, um die letzten noch erkennbaren Spuren von Jod zum Verschwinden zu bringen.

1415* IL Schwefelkohlenstoff oder Chloroform. Diese beiden Verbindungen sind fĂŒr freies Jod Indicatoren von Ă€hnlicher SchĂ€rfe wie die StĂ€rke. Sie sind gleichzeitig ausgezeichnete Lösungsresp. Trennungsmittel fĂŒr Jod und entziehen letzteres seinen Lösungen in wĂ€ssrigen Lösimgsmitteln; sie nehmen dabei eine intensiv violette oder, wenn die Jodmenge sehr gering ist, eine rosenrothe Farbe an. Man bewirkt diese Trennung des Jods aus seiner ursprĂŒnglichen Lösung durch AusschĂŒtteln (siege § 289): man schĂŒttelt die in einem Scheidetrichter befindliche Jodlösung

Bei der jodometrischen SĂ€urebestimmuDg (§ 861), bei weicher das Jod in statu nascendi auf die StĂ€rke einwirkt, ist es sogar noch bei einer VerdĂŒnnung tod 1:5600000 zu erkennen (Meineke: Ch.-Z. 18 (1894), Nr. 10).

Die jodometrischen Reagentien und ihre Anwendang. 291

mit dem Schwefelkohlenstoff oder dem Chloroform heftig durch und ĂŒber- lĂ€sst dann das Gemisch der Ruhe; der Schwefelkohlenstoff bez. das Chloroform mit dem aufgenonmienen Jod trent sich als untere Schicht von der anderen FlĂŒssigkeit und wird durch den Hahn des Trichters abgelassen. Es gelingt nicht, namentlich nicht bei grösseren Jodmengen, durch einmaliges AusschĂŒtteln das Jod seiner ursprĂŒnglichen Lösung vollstĂ€ndig zu entziehen: wendet man z. B. gleiche Volumina von dieser Lösung und von Schwefelkohlenstoff als neues Lösungsmittel an, so bleibt in der ursprĂŒnglichen Lösimg Y400 vorhandenen Jods zurĂŒck); je grösser das Volumen der ursprĂŒnglichen Lösung im VerhĂ€ltnisse zu dem angewandten Volumen des neuen Lösungsmittels ist, um so grösser ist demnach die Menge des zurĂŒckgehaltenen Jods. Man muss daher, um alles Jod in das neue Lösungsmittel ĂŒberzufĂŒhren, das AusschĂŒtteln mit demselben so oft wiederholen, bis es farblos bleibt

Das in Schwefelkohlenstoff oder in Chloroform gelöste Jod kann direct titrimetrisch durch SchĂŒtteln mit der wĂ€ssrigen Lösung des Reagens bestimmt werden, wobei das Verschwinden der FĂ€rbung die Endreaction anzeigt.

Die genannten Verbindungen finden verhĂ€ltnissmĂ€ssig selten Anwendung, wohl nur dann, wenn die ursprĂŒngliche Jodlösung nicht direct titrirt werden kann, z. B. wenn in ihr das Jod durch ein Nitrit oder ein Ferrisalz in Freiheit gesetzt worden war.

Die jodometrischen Reagentien und ihre Anwendung.

1416* L Das Natriamhyposnlflt (Natriamthiosnl&t). DieReaction zwischen Jod und Hyposulfit findet ihren Ausdruck durch die Formel (vergl. § 1404, Nr. 8):

2 Na,S,03 NaS.Oe + 2 NaJ. Das krystallisirte Natriumhyposulfit hat die Zusammensetzung NaSjOa 5H2O; sein M.-G. ist 247,64, sein N.-G. 247,64 gr.

Die Thatsache, dass die Hyposulfite durch Jod nicht, wie durch Chlor oder Brom, in Sulfate, sondern in Tetrathionate ĂŒbergenĂŒhrt werden, wurde von Fordos und Gelis) aufgefunden. Zur titrimetrischen Bestinmiung des Jods hat Schwarz das Natriumhyposulfit zuerst angewandt; dieses Verdienst des genannten Autors mn den Ausbau der maassanalytischen Methode wird oft ĂŒbersehen. Zwar nahm auch er anfangs an, dass das Reactionsproduct Sulfat sei, aber wenige Jahre spĂ€ter grĂŒndete er die Bestimmung des Jods durch Hyposulfit ausdrĂŒcklich auf die Ueber- fĂŒhrung des letzteren in Tetrathionat*).

Dieses Theiluogsgesetz wurde von Berthelot and Jnngfleisch entdeckt: C. r. 69 (1869), 338.

H. Schwarz: Praktische Anleitung zu Maassanalysen (Braunschweig 1850).

H. Schwarz: NachtrÀge zur ersten Auflage der praktischen Anleitung tu Maassanalysen (Braunschweig 1853), S. 22.

292 Bestimmung dos freien Jods.

Mit Ausnahme etwa der FĂ€lle, in denen die JodflĂŒssigkeit Jodate oder Chlorate oder die entsprechenden Bromverbindungen oder Chromate oder ĂŒberhaupt Verbindungen enthĂ€lt, welche unter der Einwirkung einer SĂ€ure aus Kaliumjodid Jod frei machen, ist es gleichgĂŒltig, ob die zu titrirende Jodlösung neutral oder sauer ist, vorausgesetzt, dass man die Hyposulfitlösung unter UmrĂŒhren in die Jodlösung fliessen lĂ€sst: das Hyposulfit wird alsdann sofort von dem Jod in Beschlag genommen und der Einwirkung der gleichzeitig hindu gelangenden SĂ€ure entzogen. Bei der umgekehrten Titration dagegen, welche Anwendung finden könnte, um z. B. einen erheblichen HyposulfitĂŒberschuss durch Jod zurĂŒckzutitriren, muss die Lösung des letzteren neutral sein. Denn eine wSĂ€ure, welche mit der Jodlösung in die HyposulfitfiĂŒssigkeit gelangt, wĂŒrde bei andauernder Einwirkung eine Spaltung des Hyposulfits veranlassen :

NajSgOg -f 2 HCl 2 NaCl + S + SOg + HgO,

und das entstandene SchwefligsĂ€ureanhydrid wĂŒrde mit Jod in dem Sinne

SO2 -f J2 4- 2 H2O HSO, + 2 HJ reagiren (siege § 1420). Das gespaltene Hyposulfit wĂŒrde also das Doppelte von der Jodmenge, welche bei normalem Verlaufe der Reaction wirksam wird, in Anspruch nehmen.

Gelangt durch die Hyposulfitlösung eine alkalisch wirkende Verbindung in die JodflĂŒssigkeit, so dass diese selbst alkalisch wird, so nimmt die Titrirung einen durchaus imregelmĂ€ssigen Verlauf. Die Veranlassung ist vielleicht, dass Jod mit diesen alkalischen Verbindungen zunĂ€ Hypojodit und erst nach lĂ€ngerem Verlaufe Jodat bildet:

1. 2 KOH + Jj KJO -f KJ -f HgO,

Da mm das in 1 entstandene das Hyposulfit nicht zu Tetrathionat, sondern zu Sulfat oxydirt:

4 KJO + NaSjOg + 2 KOH NaSO + K2SO4 + 4 KJ + HO, so ist klar, dass man bei Anwesenheit von Alkalihydrat zu wenig Hyposulfit verbrauchen muss. Versucht man den Fehler zu verbessern, indem man nach beendigter Titration die FlĂŒssigkeit ansĂ€uert, so wird man zwar eine nachtrĂ€gliche Jodausscheidung erhalten, aber nur so viel, als dem inzwischen entstandenen Jodate entspricht:

KJOg + 5 KJ+ 6 HCl 3 J2 + 6 KCl + 3 HgO; denn das Hypojodit war schon vorher unter der Einwirkung des Hyposulfites zu Jodid reducirt worden i).

') Vergl. ĂŒber die Einwirkung von Hydraten und Carbonaten der Alkalien auf Jod: Schoenbein: /. ra;/. Ch. 385; Lenssen und Löwenthal: das. 86 (1862), 216; Topf: Z. anal. Ch. 26 (1887), 137 ff. Namentlich letztere Abbandlung („Jodometrische Studien"), welche auch als Sonderabdruck erschienen ist ist fĂŒr die Jodometrie von grosser Wichtigkeit.

Die jodometrischen Reagentien und ihre Anwendung. 293

Die anzuwendende titrirte Lösung des Natriumhyposulfits darf daher keine Hydrate oder Carbonate der Alkalien oder des Ammoniums enthalten, es sei denn, dass die JodflĂŒssigkeit so viel freie SĂ€ure enthĂ€lt, dass sie auch nach Beendigung der Titration noch deutlich sauer reagirt.

1417. AosfĂŒ der titiimetrisohen Jodbestimmmig duroh NatritunhypoBUlflt. Man lĂ€sst die titrirte Hyposulfitlösung unter tĂŒchtigem UmrĂŒhren in die neutral oder, sicherer saure JodflĂŒssigkeit einlaufen, bis die gelbe Farbe fast verschwunden ist; dann setzt man 3 bis 5 cc einer klaren O,lprocentigen StĂ€rkelösung hindu, welche sofort deutliche BlaufĂ€rbung hervorruft, lĂ€sst nun die Hyposulfitlösung in Tropfen oder in Bruchtheilen von Tropfen hinzutreten, bis soeben jede Spur von BlaufĂ€rbung verschwunden ist, und liest das verbrauchte Volumen Hypo sulfitlösung ab.

Angenommen, man habe eine Hyposulfitlösung angewandt und die Endreaction sei durch einen Tropfen 0,03 cc hervorgerufen, so kann um höchstens etwas weniger als 0,03 cc 0,74 mgr Hyposulfit, entsprechend 0,38 mgr Jod, zu viel verbraucht worden sein. Um auch diesen Fehler auf eine noch geringere Grösse zurĂŒckzufĂŒhren, titrirt man den kleinen Ueberschuss mit einer sehr verdĂŒnnten (etwa gestellt ist, zurĂŒck, bis soeben die JodstĂ€rkereaction auftritt.

1418 Bereitung der tltrirten Hyposulfitlösung. Das im Handel vorkommende krystallisirte Natriumhyposulfit pflegt, abgesehen von einem wechselnden, mechanisch anhaftendem Wassergehalte, sehr rein zu sein. Zu seiner PrĂŒfung*) genĂŒgt es, festzustellen, dass eine kate Lösung des Salzes durch Phenolphtalein nicht geröthet wird (Carbonat) und dass die Lösung, nachdem das Salz durch Jod in Tetrathionat ĂŒbergenĂŒhrt ist, auf Zusatz von Baryumchlorid nicht getrĂŒbt wird (Sulfit oder Sulfat). Ein von mechanisch anhaftendem Wasser freies PrĂ€parat erhĂ€lt man durch Verreiben des kĂ€uflichen Salzes mit Alkohol, Sammeln auf einem Filter, Auswaschen mit Alkohol und Trocknen an einem kĂŒhlen, der directed Sonnenbestrahlung nicht ausgesetzten Platze).

Wenn es auch nach diesem Verfahren möglich ist, ein Salz von normaler Zusammensetzung zu erhalten, welches, trocken aufbewahrt, als Urmaass fĂŒr jodometrische Lösungen dienen kann, so bietet es doch im Allgemeinen nur einen sehr geringen Vortheil, es zur Bereitung einer titrirten Lösung nach der directed Methode zu benutzen, weil nicht die genĂŒgende GewĂ€hr vorhanden ist, dass die Lösung bei hĂ€ufigem Gebrauche ihren Titer unverĂ€ndert behĂ€lt. Mit Recht giebt man daher der experi-

') Es ist sicherer, die zu titrirende Jodiosimg anzusÀuerD, weil das kÀufliche Natrinmhyposulfit bisweilen geringe Mengen von Carbonat enthÀlt (siege § 1418).

Krauch: Dt€ PrĂŒfung der chemischen Reagentien auf Reinheit 3. Aufl. (1896), S. 292.

294 Bestimmung des freien Jods.

mentellen Methode, bei welcher man das kÀufliche, als rein befundene Salz benutzen kann, den Vorzug.

Man verfahrt in der Art, dass man das der gewĂŒnschten Concentration annĂ€hernd entsprechende Normalgewicht des kĂ€uflichen Salzes in ausgekochtem, wieder erkaltetem Wasser auflöst und die Lösung auf das beabsichtigte Volumen bringt; fĂŒr eine yjQUormsle Lösung wird man also aus etwa 25 gr des Salzes 1 Liter FlĂŒssigkeit herstellen.

1418 Titerstellung doroh Jod. Zur Bestimmung des Titers ist fast nur das eine Verfahren in Gebrauch, nach welchem man die zu titrirende FlĂŒssigkeit in die eventuell angesĂ€uerte Lösung eines bekannten Gewichtes von Jod, unter bestĂ€ndigem UmrĂŒhren oder Umschwenken, einfliessen lĂ€sst, bis deren gelbe Farbe beinahe verschwunden ist, sodann StĂ€rkelösung zusetzt und nun mit dem Zufliessenlassen der Hyposulfit- lösung bis zur EntfĂ€rbung der entstandenen JodstĂ€rke fortfahrt- Einen eventueUen kleinen Ueberschuss von Hyposulfit kann man schliesslich mit einer verdĂŒnnten Jodlösung, deren Werthbeziehung zur Hyposulfitlösung man durch einen besonderen Versuch ermittelt hat, zurĂŒcktitriren.

Um eine bekannte Menge Jod zu erhalten, stehen uns verschiedene Mittel zur VerfĂŒgung.

1*" Mittel: Reines Jod). (At.-G. 126.54; N.-G. 126,54 gr.) Man fĂŒllt in ein etwa 1 cm writes und 4 cm hohes WĂ€geglĂ€schen nĂŒt gut eingeschliffenem Stopfen so viel reines Jod, als ungefĂ€hr 50 cc der Hyposulfitlösung entspricht (fĂŒr eine Yo Lösung 0,63 gr) imd tarirt das Ganze genau; dann entleert man den Inhalt des GlĂ€schens in ein nicht zu weithalsiges Kölbchen von etwa 300 cc Inhalt, welches mit einer sehr concentrirten Lösung von jodatfreiem 2) Kaliumjodid (fĂŒr die bezeichnete Jodmenge 1 gr Kaliumjodid in 1 bis 2 cc Wasser) beschickt ist, und bringt das WĂ€geglĂ€schen abermals auf die Waage; die Differenz zwischen der ersten und der zweiten Tara ist das Gewicht des fĂŒr den Versuch bestimmten Jods. Nachdem man sich ĂŒberzeugt hat, dass alles Jod gelöst ist, verdĂŒnnt man auf 100 bis 150 cc, setzt einige Tropfen SalzsĂ€ure hindu und lĂ€sst die zu bestimmende Hyposulfit- lösung in der oben angegebenen Weise zufliessen.

Ist man der Reinheit des zu Gebote stehenden Jods nicht ganz sicher, so kann man die fĂŒr eine Titrirung ausreichende Menge reinen Jods leicht in folgender Weise herstellen. Von drei UhrglĂ€sern, A, B

Ueber die Bereitung vod reinem Jod siege: J. S. Stas: Unters, ĂŒ. d, Gesetze der chemischen Proportionen, Deutsche Ausg. von Dr. Aronstein (Leipzig 1867), S. 137; Mcineke: Ch.-Z. 16 (1892), 1219 u. 1230. Ueber HygroskopicitĂ€t nnd Trocknen des Jods, sowie Bestimmung des Wassergehaltes: Mcineke: CA.-Z. 16 (1892), 1126 u. 1149. — Das fĂŒr analytische Zwecke bestimmte Jod muss gut gegen Staub geschĂ€tzt aufbewahrt werden, am besten in einem Glase mit gut eingeschliffienem Glasstopfen und ausserdem unter einer Glocke.

Jodat wĂŒrde mit dem Jodide unter der Einwirkung einer SĂ€ure Jod aus-

Die jodometrischen Reagentien und ihre AnwenduDg. 295

und C, deren RĂ€nder genau horizontal abgeschliffen sind und auf einander passen, werden zwei, z. B. A und B, von einer Kllammer zusammengehalten (Fig. 200). genau tarirt. Nun verreibt man kĂ€ufliches Jod („Jodum resublimatum** des Handels) mit oder Y5 seines Gewichtes Kaliumjodid, bringt die Mischung auf das dritte Uhrglas C und erhitzt sehr massig auf einer Asbestoder Metallplatte, bis die anhaftende Feuchtigkeit entwichen ist und lebhaftes Auftreten von JoddĂ€mpfen beginnt. Nun bedeckt man C mit A, bis sich auf letzterem eine genĂŒgende Menge von Jod condensirt hat, hebt das Uhrglas A ab, entfernt von ihm durch Flg. 200. lenses und vorsichtiges Schwenken an der Luft die

nicht condensirten JoddĂ€mpfe, bedeckt es mit B, schiebt die Klammer ĂŒber und bringt das Ganze von Neuem auf die Waage. Die Differenz zwischen beiden Tarirungen giebt das Gewicht reinen Jods). Um das Jod zu lösen, legt man das Uhrglas mit dem Jod auf den Boden eines Becherglases und behandelt es mit concentrirter Lösung von Kaliumjodid. Die Anwendung einer in Vorralh gehaltenen titrirten Jodlösung ist wegen der Unsicherheit hinsichtlich dauernder Titerrichtigkeit nicht besonders zu empfehlen 2). Hat man jedoch eine solche Lösung, deren Titer man mit Sicherheit genau kennt, vorrĂ€lhig, so kann man, vorausgesetzt, dass sie keine freie SĂ€ure enthĂ€lt, die Hyposulfitlösung direct titriren, d. h. in ein abgemessenes Volumen der letzteren die Jodlösung bis zum Auftreten der JodstĂ€rkereaction einfliessen lassen. Das umgekehrte, vorher beschriebene Verfahren verdient indessen den Vorzug, schon aus dem Grunde, weil man an der Abnahme der IntensitĂ€t der FĂ€rbung, sei es der Jodlösung selbst, sei es der JodstĂ€rke, die Endreaction herannahen sieht.

Wir machen noch auf die Beobachtung von R. Fresenius aufmerksam, dass Jod, wenn seine Lösung in Flaschen aus leicht zersetzbarem Glase aufbewahrt wird, zum Theil in Jodat umgewandelt werden kann. Eine solche jodathaltige Lösung muss vor dem Gebrauche ange- sÀuert werden.

Mittel: Jodate). Kaliumjodat und Kaliumbijodat) werden

Durch das angegebene Verfahren wird das Jod von Chlor und Brom, aber nicht von Cyan gereinigt. Ueber Auffindung und Bestimmung von Cyanjod vergl. Meineke: Z. anorg. Ch. 2 (1892), 165.

Nach Wink 1er: Praktische Uehungen in der . Maassanalyse (Freiberg 1888), S. 90 ist eine normale JodlÖsung recht haltbar. Auch reichliche Mengen von Kaliumjodid erhöhen die Haltbarkeit (Meineke).

Vergl. zur Gewinnung einer bestimmten Menge Jod ausjodsÀure und Antimoniooxyd das von Causse angegebene Verfahren (§ 1176, S. 167, Fussnote 4).

Vergl. Gröger: Z, angew. Ch. 1880, 385.

von Than: Miith. d. K. Ungar, Naturw. Ges. 1 (1860), 67; Math, und naturw. B. aus Ungarn 7 (1889), 295; Meineke: Ch.-Z, 19 (1895), 2. — Vergl. auch § 360.

296 Bestimmung des freien Jods.

durch ausreichende Mengen von Kaliumjodid und von SalzsÀure oder SchwefelsÀure glatt unter Abscheidung von freiem Jod zerlegt: KJO3 + 5 KJ + 3 H2 SO4 3 J2 + 3 + 3 KjO, KHaOg) + 10 KJ + 11 HCl 6 J2 + 11 KCl + 6 H,0.

FĂŒr KJO3 ist M..G. 213,45 und N.-G. 35,575 gr, fĂŒr KHfJOg, M.-G. 388,87 und N.-G. 32,4058 gr. Die Gewichte, welche 50 cc einer YiQ normalen Hyposulfitlösung entsprechen, sind also 0,1778 gr KJO3 und 0,1620 gr ist leicht ersichtlich, dass ein kleiner WĂ€gefehler die Richtigkeit der Titerstellung erheblich beeinflussen kann. Da die wĂ€ssrigen Lösungen beider Verbindungen unbegrenzt haltbar sind, ist es daher empfehlenswerth, eine titrirte Lösung des einen oder des anderen Salzes, welche nach der directed Methode hergestellt wird, in Vorraih zu haven. Beide Salze sind in einer fĂŒr diesen Zweck genĂŒgenden Reinheit kĂ€uflich. FĂŒr das Bijodat ist es unerlĂ€sslich, dass das Kaliumjodid erst unmittelbar vor dem Gebrauche zugesetzt wird, weil beide Verbindungen auch ohne SĂ€urezusatz einen Theil des Jods ausscheiden.

Die zuzusetzende Menge Kaliumjodid muss mindestens die theoretisch berechnete sein; ist sie geringer, so bildet sich Hypojodit (vielleicht auch Jodit), welches, wie wir oben (§ 1416) gesehen haben, sulfit zu Sulfat oxydirt Besser wird man zwei-bis dreimal mehr Kaliumjodid nehmen, um das ausgeschiedene Jod in Lösung zu halten.

FĂŒr den vorliegenden Zweck sind beide Salze gleich vortheilhaft zu verwenden. Das Bijodat hat den Vorzug, dass es vielseitiger auf seine Reinheit geprĂŒft werden kann, und zwar einmal acidimetrisch:

KHaOj) + KOH 2 KJOg + H,0, und femer dadurch, dass es auf Zusatz von Kaliumjodid ohne SĂ€ure genau Yj derjenigen Jodmenge ausscheidet, welche es auf Zusatz von Kaliumjodid mit SĂ€ure giebt: 6 + 5 KJ 3 J2 + 1 1 KJO3 -f 3 H2O (vgl. oben die zweite Formel).

Nach Gröger) kann man eine Jodatlösung mit beliebigem Titer herstellen, indem man ein genau bekanntes Gewicht Jod mit so viel Kalilauge behandelt, dass die FlĂŒssigkeit farblos wird, und dann auf ein bestimmtes Volumen verdĂŒnnt. Das zur Titerbestimmung entnonmiene Volumen scheidet seinen ganzen Jodinhalt, welchen man aus dem Grewichte des ursprĂŒnglich angewandten Jods genau kennt, auf Zusatz eines SĂ€ureĂŒberschusses aus.

An Stelle der genannten Kaliumjodate ist auch das Baryumjodat. HjO, empfohlen. In Folge seiner Schwerlöslichkeit, auch in verdĂŒnnten SĂ€uren, lĂ€sst sich dieses PrĂ€parat mit leichter MĂŒhe in grosser Reinheit darstellen. Andererseits erschwert gerade diese Schwerlöslichkeit seine Anwendung, weil sich aus dem Salze nur eine Lösung mit sehr

Die jodometrischen Reagentien und ihre Anwendung. 297

schwachem Titer herstellen lĂ€sst. Diese Schwerlöslichkeit brauchte jedoch kein Grund fĂŒr seine seltene Verwendung zu sein, denn es reagirt auch im festen Zustande regelmĂ€ssig mit Kaliumjodid und einer SĂ€ure.

Mittel: Alkalibromate). Die Alkalibromate sind leicht rein darzustellen und krystallisiren wasserfrei; namentlich das Natriumsalz zeichnet sich durch schöne Krystallbildung aus. Mit einer MineralsÀure imd Kaliumjodid behandelt, scheiden sie aus letzterem die dem Sauerstoffe hires SÀureradicals entsprechende Menge Jod ab:

NaBrOg + 6 KJ + 3 3 Jj + NaBr + 3 + 3 HgO.

FĂŒr NaBrOg ist M.-G. 150,64 und N.-G. 25,107 gr, fĂŒr KBrOg M..G. 166,67 und N.-G. 27,778.

Mittel: Kaliumchromate. Wir haben die Verwendung dieser Verbindungen bereits eingehend besprochen (§ 531 ff.). Ihr Nachtheil liegt in der FÀrbung des resultirenden Chromisalzes.

5' Mittel: Kaliumpermanganat, Hat man eine Lösung von Permangan at in Vorrath, deren Titer man als Function von Calcium (siege § 466) oder von Eisen (siege § 597) kennt, so kann man auch diese zur Titerstellung von Hyposulfit benutzen:

Die Vergleichung mit den Reactionsformeln zwischen Permanganat und Calciumoxydbez. Eisen ergiebt, dassTj =:4,530XTcaohez. 2,265 XFe ist

Die Titerstellung desHyposulfites durch Kaliumpermanganat- Lösung geschieht in der Weise, dass man ein bestimmtes Volumen derselben in eine durch SchwefelsĂ€ure genĂŒgend angesĂ€uerte Lösung von Kaliumjodid, welches in einem massigen Ueberschusse vorhanden sein muss, einfiiessen lĂ€sst und das ausgeschiedene Jod durch das Hyposulfit titrirt.

Von den verschiedenen Mittteln, Jod in bekannter Menge zu erhalten, glauben wir das Kaliumbijodat, besonders in Form titrirter Lösung, am meisten empfehlen zu können.

1418 b. Titerstellimg durch Barynmhyposulflt Das Baryumhyposulfit, BaSgOg, HO (M.-G. -266,66, N.-G. ==266,66 gr), ist leicht durch Vermischen entsprechender Mengen einer Natriumhyposulfitund einer Baryumchlorid-Lösung in Form eines fein krystallinischen Niederschlages zu erhalten, welcher nach dem Waschen mit kaltem Wasser und Trocknen an der Luft vollstĂ€ndig reines Salz darstellt. In Wasser suspendirt, reagirt es leicht mit Jod. Um nun den Titer einer Natriumhyposulfit- Lösung zu bestimmen, operirt man durch Vergleichung (§ 246, Bd. I, S. 227), indem man eine JodlÖsung von xmbekanntem Titer einerseits mit einem bekannten Volumen der zu titrirenden Natriumhyposulfit-Lösung, andererseits mit einer gewogenen, in Wasser suspendirten Menge Bar}'umhyposulfit reagiren lĂ€sst.

Kratschmcr: Z. anal. Ch. 24 a885), 546.

') Plimpton und Charley: /. ch. Soc. 61 (1895), 315; Mutnianski: Z.anal. Ch. 36 (1897), 220.

298 BestimrouDg des freien Jods.

1419. Aufbewahrang der titrirten HypostĂŒfitlÖBmig. Es ist

als ein Mangel empfunden worden, besonders wenn man die Hyposulfit- lösung bei sonst seltenem Gebrauche fĂŒr einen einzelnen Fall schnell zur Hand haben will, dass sie ihren Titer nicht mit genĂŒgender Ver- lĂ€sslichkeit behĂ€lt. Mohr) und neuerdings auch Salz er 2) haben einen Zusatz von 2gr Ammoniumcarbonat (das gewöhnliche kĂ€ufliche Salz) zu 1 Liter der normalen Hyposulfitlösung als ein jahrelang wirksames Conservirungsmittel empfohlen; Topf) wendet zu gleichem Zwecke eine geringe Menge Kaliumcarbonat (in der Absicht, durch dieses die zersetzend wirkende KohlensĂ€ure der Luft zu Bicarbonat zu binden) und gleichzeitig Ueberschichtung mit PetrolĂ€ther zur Abhaltung des Sauerstoffes der Luft an; letzteres Mittel, welchem Vaselinöl wohl vorzuziehen wĂ€re, ist bei Aufbewahrung der Hyposulfitlösung in Standflaschen mit Hebervorrichtung oder dergleichen zum AbfĂŒllen am Platze.

In dem einen wie in dem anderen Falle darf man nicht versĂ€umen, die zu titrirende Jodlösung genĂŒgend anzusĂ€uern (wenn sie nicht bereits angesĂ€uert ist), um den Einfluss des Carbonat- Gehaltes der Hyposulfit- lösung auf das Jod aufzuheben.

1420 IL Die schweflige SĂ€ure. Schweflige SĂ€ure in sehr verdĂŒnnter Lösung wird von Jod ohne Nebenreactionen in Schwefel- sĂ€ure ĂŒbergenĂŒhrt:

H2So3 + J2 + Ho Hso, + 2 Hj.

Diese Reaction wurde von Bunsen*) zu seinen jodometrischen Untersuchungen benutzt.

In concentrirten Lösungen verlĂ€uft jedoch die Reaction nicht glatt ausserdem leidet die schweflige SĂ€ure an dem Uebelstande, dass sie unter dem oxydirenden EinflĂŒsse der Luft sehr schnell verĂ€ndert wird; und endlich erfordert ihre Bereitung sehr grosse Vorsicht. Da sie allen diesen Fehlem keinen Vorzug vor anderen Reagentien, namentlich nicht vor dem Hyposulfite, gegenĂŒberstellen kann, ist man von ihrer Anwendung ganz zurĂŒckgekommen.

1421. IIL Die Alkaliarsenite. Die Arsenite sind zuerst von Penot) zur jodometrischen Bestimmung des wirksamen Chlors im Chlorkalk (Chlorometrie) empfohlen worden; Mohr hat sie als allgemeine jodometrische Reagentien anwendbar gefunden').

Arsenooxyd in wÀssriger Lösung wird durch Jod zu ArsensÀure oxydirt As.Oe + 4 H2O + 4 J2 2 + 8 HJ.

Topf: Z, anal. Ch. 26 (1887), 281; Volhard: Ann, 242 a887), 93.

Bull. Soc. ind. de Mulhouse 1852, Nr. 118.

Mohr-Classen: op. cit., 7. Aufl. (1896), S. 390.

Die jodometrischen Reagentien und ihre Anwendang. 299

Sobald die Menge der entstandenen JodwasserstoffsÀure eine gewisse Grösse erreicht hat, tritt die umgekehrte Reaction ein:

2As205 + 8HJ AsOe + 4H,0 + 4J,; es wird die ArsensÀure unter Jodausscheidung zu arseniger SÀure reducirt (siege §§ 1202 und 1206). Ob die eine oder die andere Reaction eintritt, hÀngt von einem mit den UmstÀnden wechselnden Gleichgewichtszustande ab; Àndert man die UmstÀnde, unter sonst gleichbleibenden Bedingungen, durch Abstumpfung der JodwasserstoffsÀure durch eine Base oder ein basisch wirkendes Salz, so gewinnt die oxydirende Wirkung des Jods wieder die Oberhand.

Wenn man zu einer mit StĂ€rkelösung versetzten wĂ€ssrigen Lösung von Arsenooxyd Jodlösung tröpfeln lĂ€sst, so tritt daher nach einem gewissen Jodverbrauche die JodstĂ€rkereaction auf, welche auf einen minimalen Zusatz eines Alkali wieder verschwindet, nach weiterem ZusĂ€tze von Jod wieder auftritt, nach wiederholtem minimalem ZusĂ€tze von Alkali wieder verschwindet, imd so fort, bis sowohl alle arsenige SĂ€ure oxydirt als auch ein kleiner JodĂŒberschuss vorhanden ist, welcher sich auch auf erneuten minimalen Alkalizusatz durch bleibende JodstĂ€rkereaction zu erkennen giebt.

Aehnlich verlÀuft die Reaction, wenn man statt einer Lösung von arseniger SÀure eine möglichst neutral Lösung eines Alkaliarsenites anwendet; denn auch in diesem Falle entsteht die auf ArsensÀure bez. Arsenate reducirend wirkende JodwasserstoffsÀure:

Kg ASO3 + H,0 + J, Ks AsO, + 2 HJ.

FĂŒgt man jedoch der Arsenitlösung von Beginn an eine genĂŒgende Menge Alkali hindu, so tritt ein wechselndes Erscheinen und Verschwinden der JodstĂ€rkereaction nicht ein, sondern letztere zeigt durch ein einmaliges Auftreten mit grosser SchĂ€rfe die Beendigung der Reaction zwischen Jod und arseniger SĂ€ure an:

K3ASO3 + 2 KOH + J, K3ASO, -f 2 KJ -f H2O.

Ob die arsenige SĂ€ure an Kalium oder Natrium oder Ammonium gebunden angewandt wird, ist im Allgemeinen gleichgĂŒltig. Von Einfluss auf die Reaction ist aber die Natur derjenigen Alkaliverbindung, welche, im Ueberschusse vorhanden, zur Neutralisation der JodwasserstoffsĂ€ure dient.

Die Hydrate der fixed Alkalien verbinden sich mit freiem Jod vorzugsweise zu Jodat und bilden in nur geringem Maasse Hypojodit). Dieses oxydirt die Arsenite zu Arsenaten wie das Jod selbst, genes nicht. Trifft daher eine durch ein Alkalihydrat alkalisch gemachte Arsenitlösung mit Jod zusammen, so geht das in Jodat verwandelte Jod fĂŒr die Titrirung verloren. Die Grenze fĂŒr die Menge freien Alkalis, welche ohne Schaden vorhanden sein darf, ist etwa 1 gr in 50 cc einer normalen Lösung.

Ueber die Bildang von Jodat und Hypojodit unter Einwirkung basischer Substanzen auf Jod vergleiche besonders: Topf: Z. anal. Ch. 26 (1887),

300 Bestimmung des freien Jods.

Abweichend von den Alkalihydraten verhĂ€lt sich Ammoniak: dasselbe bildet beim Zusammentreffen mit Jod Jodstickstoflf, welcher sich unter gĂŒnstigen Bedingungen abscheidet, z. B. wenn man das ammoniakalisehe Arsenit in die nicht zu verdĂŒnnnte Jodlösung fliessen lĂ€sst. Er hat dann das Aussehen von gefĂ€lltem Jod. Er wirkt analog dem H>'pojodite), oxydirt die Arsenite und verschwindet daher auf Zusatz von Arsenitlösung. Trotzdem ist der zulĂ€ssigen Menge freien Ammoniaks ebenfalls eine nicht sehr weite Grenze gesteckt, weil ĂŒber diese Grenze hindus Jodatbildung eintritt.

Alkalicarbonate bilden mit Jod erst nach lÀngerer Zeit Jodate; im Verlaufe einer Titration, bei welcher man das Jod in die Arsenit- lösung fliessen lÀsst, ist die sich bildende Jodatmenge verschwindend klein. Da etwa sich bildendes Hypojodit und freies Jod in ihrer Wirkung auf Arsenite einander vollkommen entsprechen, sind Alkalicarbonate, selbst in sehr grossen Mengen, der Titrirung von Arseniten nicht hinderlich: selbst 10 gr Natriumcarbonat in 50 cc einer normalen Arsenitlösung sind ohne Einfiuss.

Noch weniger ist von den Bicarbonaten, welche auch leichter als die Carbonate vollstĂ€ndig frei von Sulfiden, Sulfiten und HA-posulfiten zu erhalten sind, ein störender Einfiuss auf die Titrirung von Arsenit durch Jod zu befĂŒrchten. Nach Mohr) verlĂ€uft die Reaction am schnellsten in Gegenwart von Ammoniumbicarbonat (vielleicht als Folge einer Bildung von Jodstickstoff. Andere Autoren ziehen das Kaliumbicarbonat entschieden vor.

Aus dem GedÀchtnisse erwÀhnen wir noch, dass auch Borax (Natriumbiborat) zur Neutralisation der JodwasserstoffsÀure vorgeschlagen ist.

1422. AusfĂŒhrung der ĂŒtrimetrischen Jodbestiinmuiig durch Arsenite. WĂ€hrend bei der Jodbestimmung durch Hyposulfit als Regel gilt, das Hyposulfit in die JodflĂŒssigkeit einfliessen zu lassen, besonders wenn letztere saure Reaction hat, ist es bei Anwendung von Arseniten, selbst in Gegenwart von Bicarbonaten, sicherer, die umgekehrte Titration anzuwenden. Der Grund liegt, wie wir oben gesehen haben, darin, dass basische Stoffe mehr oder weniger grosse Neigung haben, mit Jod Jodate zu bilden, deren Jod nicht zur Wirksamkeit kommt.

Es ist daher erforderlich, die zu bestimmende Jodlösung, event. nachdem man etwa vorhandene freie SĂ€ure zum grössten Theile neutralisirt hat, auf ein bestimmtes Volumen zu verdĂŒnnen und sie aus einer BĂŒbette in ein abgemessenes Volumen einer Alkalibicarbonat enthaltenden, titrirten Arsenitlösung (siege den folgenden Paragraphen) einfliessen zu lassen, bis die JodstĂ€rkereaction eintritt. Einen etwaigen kleinen Jod- ĂŒberschuss titrirt man durch eine angemessen verdĂŒnnte, titrirte Arsenit- lösung zurĂŒck.

Topf: 1. cit. S. 189.

Mohr-Classen: op. cit. S. 390.

Die jodotnetiischen Reagentien und ihre Anveudung. 301

1423 Bereitung der titrirten Arsenitlösaxig. Man bereitet die titrirte Arsenillösung stets aus dem Arsenooxyd und mit grosser Sicherheit nach der directed Methode. FĂŒr AsOß ist M.-G. 395,36 und N.-G. 49,42 gr.

Das kĂ€ufliche PrĂ€parat besitzt nicht immer die genĂŒgende Reinheit, selbst wenn es als „purissimum" bezeichnet wird, um es unmittelbar verwenden zu können. Man thut immer gut, es nochmals zu sublimiren, zu welchem Zwecke man sich der einfachen, am ĂŒsse des § 73 a, Bd. I, S. 81 angegebenen Apparate bedienen kann.

Zur Bereitung von 1 Liter normaler Lösung behandelt man 4,942 gr Arsenooxyd mit einer heissen Lösung von Alkalihydrat, bis alles gelöst ist, neutralisirt die massig verdĂŒnnte Lösung mit SalzsĂ€ure, bis soeben wieder eine Ausscheidung von Arsenooxyd beginnt, spĂŒlt mit wenig Wasser in die Literflasche ĂŒber, löst in der FlĂŒssigkeit 15 bis 20 gr Alkalibicarbonat, wodurch sie wieder vollstĂ€ndig klar werden muss, und fĂŒllt auf 1 Liter auf.

Die Arsenitlösung ist, in gut geschlossenen Flaschen oder in Standflaschen mit Heberrohr unter Bedeckung von Vaselinöl aufbewahrt, unbegrenzt lange haltbar. Will man ihren Titer controliren, so wendet man am besten reines Jod (siege § 1418 a, 1*" Mittel) an.

1424 IV. Merourisalze. Man hat eine Bestimmung des Jods durch eine titrirte Lösung von Mercurichlorid vorgeschlagen i) , welche, dank der grossen AffinitÀt zwischen Quecksilber und Jod in statu nascendi, auf der Bildung von Mercurijodid beruht.

Das Verfahren hat aber keine Erfolge aufzuweisen.

De Koninck hat auch versucht, fĂŒr dieselbe Bestimmung das Mercuricyanid anzuwenden, in der Hofihung, die Reactionen 2 Ja + HgCy HgJ, + 2 JCy oder 2 J, + HgCy + 4 KHCO3 HgJa + 2 KJ + 2 KCyO + 4 CO, + 2 HO sich glatt vollziehen zu sehen. Leider stellen sich jedoch Zwischenreactionen ein und die Farbe der als Indicator benutzten JodstĂ€rke verschwindet unregelmĂ€ssig: ein Beweis, dass in dem FlĂŒssigkeitsgemische ein wechselnder Gleichgewichtszustand auftritt und auf eine latte Reaction nicht zu rechnen ist 2).

1425 V. Andere Ver&hren. GegenĂŒber der Einfachheit und SchĂ€rfe der Verfahren durch Arsenit und besonders durch Hyposulfit liegt kein unmittelbares BedĂŒrfhiss, nach anderen Verfahren zu suchen, vor. Zweifellos wĂŒrde man durch Umkehrung manche Verfahren, bei welchen man eine titrirte Jodlösung benutzt, auch auf die Bestimmung des Jods anwenden können, so z. B. das Verfahren der Bestimmung der Antimonioverbindungen (§ 1171).

De Koninck: nicht veröfFentlichte Versuche.

302 Bestimmung des freien Jods.

Man kann das Jod, wie die Jodide, auch in Gegenwart von Chlor - und Brom bestimmen, indem man es bei Anwesenheit von Alkali durch Kaliumpermanganat in Jodat ĂŒberfĂŒhrt und dann das Jodat jodometrisch bestimmt 1) (siege § 1475).

C. Durch GaBometrie.

1426. Dnroh Wasserstofbuperozyd. In Gegenwart eines Alkalihydrats wird Wasserstoffsuperoxyd durch Jod gemÀss der Formel

J2 + 2KOH + H20, 2KJ + 2H20 + 02 zerlegt. Man hat in neuerer Zeit vorgeschlagen*), diese Reaction zur Bestimmung des Jods zu verwenden.

Man bringt in den Zersetzungsraum irgend eines zu gasometrischen Bestimmungen geeigneten Apparates die Lösung von Jod in Kaliumjodid. In dem Zersetzungsraum befindet sich ein kurzer Reagircylinder, welcher Wasserstoffsuperoxyd und die Lösung eines Alkalihydrates enthĂ€lt Ist der Apparat ordnungsmĂ€ssig hergerichtet und auf Null eingestellt, so lĂ€sst man die alkalische Lösung des Wasserstoffsuperoxydes unter bestĂ€ndigem Umschwenken und unter Vermeidung einer ErwĂ€rung der FlĂŒssigkeit durch die Hand zu der Jodlösung treten. Es beginnt sofort eine Entwickelung von Sauerstoff, dessen Volumen mittels der Messröhre des Apparates bestimmt wird. Da die Menge des Sauerstoffs, nach beendeter Zersetzung, der Menge des angewandten Jods proportional ist, so lĂ€sst sich letztere aus dem Volumen des Sauerstoffes mit BerĂŒcksichtigung von Temperatur und Luftdruck berechnen.

Es scheint, dass das Verfahren, welches Gegenstand lebhafter Controversen zwischen Bau mann und Marchlewski geworden ist, trotz der mit ihm erzielten anscheinend guten Resultate noch keinen rechten Eingang in die Laboratoriumspraxis gefunden hat. Wir gehen daher an dieser Stelle auf die Einzelheiten nicht nĂ€her ein, empfehlen aber die in der Fussnote zu diesem Paragraphen angefĂŒhrten Abhandlungen einer sorgfaltigen Beachtung.

D. Durch Colorimetrie.

1427* Dnroh SchwefelkohlenstofT). Die FĂ€rbung, welche Schwefelkohlenstoff durch Jod erhĂ€lt, kann benutzt werden, um letzteres, wenn es in sehr geringen Mengen vorliegt, wenigstens annĂ€hernd colorimetrisch zu bestimmen. Das Verfahren erfordert das Innehalten möglichst gleicher Bedingungen bei AusfĂŒhrung des Versuches und bei Herstellung der colorimetrischen Scala, namentlich in beiden FĂ€llen die Anwendung

M. Gröger: Z. angew. Ch. 1894, 52.

-) Baumann: Z. angew, Ch. 1891, 205, und 1892, 70; Marchlewski: ebcndas. 1891. 392, und 1892, 205.

Chlor, Brom, Jod. Scheidnngsverfahren. 303

gleicher Volumina von Schwefelkohlenstoff. Der Verfasser hat es zur Bestimmung des Jods im Meerwasser benutzt. Das Verfahren kann unter Anwendung von Chloroform anstatt Schwefelkohlenstoff benutzt werden.

Scheidungsverfahren. Chlor und SauerstofH 1428 Um in einem Gasgemenge Chlor und Sauerstoff zu bestimmen, ermittelt man den Chlorgehalt titrimetrisch in einer besonderen Probe, und in einer zweiten besonderen Probe den Sauerstoff in dem GasrĂŒckstande, welchen man erhĂ€lt, wenn man das Gasgemisch durch einen Absorptionsapparat leitet, welcher Kalihydrat oder irgend eine Substanz, welche Chlor allein zurĂŒckzuhalten vermag, enthĂ€lt.

Chlor und Metallsalse. 1429. Wenn die vorhandenen Salze ohne Wirkung auf Kaliumjodid sind, so kann man das Chlor direct in der Lösimg jodometrisch bestimmen (siege § 1407). Im anderen Falle, z. B. in Gegenwart von Ferrisalzen, bringt man die Lösung in einen Destillirapparat, welcher mit einer Vorlage in Verbindung steht; diese enthÀlt Kaliumjodid oder titrirtes Arsenit. Erhitzt man die Lösung im Destillirapparate zum Sieden, bis alles Chlor ausgetrieben ist, so bestimmt man entweder das aus dem Kaliumjodid ausgeschiedene Jod durch Hyposullit bez. Arsenit oder den Hyposulfitbez. Arsenitrest durch Jod (siege § 1407 und § 1408).

Brom und Chlor in freiem Zustande oder mit einander

verbunden.

1430* Diese Scheidung kommt nur bei der Analyse von kĂ€uflichem Brom vor. Man tarirt eine kleine Kugel aus dĂŒnnem Glase, welche man an dem Ende einer ausgezogenen Röhre aufgeblasen hat, lĂ€sst in dieselbe Brom eintreten'), schmilzt an der Lampe zu und wĂ€gt von Neuem, um das Gewicht der Probe kennen zu lernen. Die Kugel bringt man nun in eine Lösimg von Kaliumoder Natriumsulfit, die sauer oder neutral sein kann, oder in eine alkalische Lösung von Wasserstoffsuperoxyd, und zerbricht sie mittels eines Glasstabes; Chlor und Brom werden in Chlorid und Bromid ĂŒbergenĂŒhrt und nach einem der in §§ 1488 flf. beschriebenen Verfahren geschieden.

Man könnte auch, wenn nur Chlor und Brom vorhanden sind, einerseits den Werth des Gemisches, in Jod ausgedrĂŒckt, durch Kaliumjodid

') Zu dem Zwecke erhitzt man die Kugel und taught dann ihr ausgezogenes Ende in das Brom; beim Erkalten zieht sich die Luft zusammen und eine kleine Menge Brom gelangt in das Innere der Kugel. Man erhitzt nun von Neuem, so dass das Brom verflĂŒchtigt wird, und wiederholt die Manipulation. In Folge der Verdichtung des Bromdampfes fĂŒllt sich jetzt die Kugel fast vollstĂ€ndig an.

304 EigeDschaften der Chloride.

und Hypo Sulfit bestimmen und andererseits nach UeberfĂŒhrung des Chlors und des Broms in die Silberverbindungen AgCl und AgBr das Gewicht dieses Silbersalzgemisches feststellen, wodurch der Gehalt an Chlor und an Brom berechnet werden kann (vergl. §§ 1488 flf.).

Freies Brom und Metallsalze. 1431 Die Scheidung geschieht so, wie die Scheidung des Chlors von Metallsalzen (siege § 1429).

Jod, Brom und Chlor in freiem Zustande oder mit einander

verbunden.

1432* Eine derartige Scheidung kann bei der Analyse von kĂ€uflichem Brom oder Jod vorkommen. Bei Brom wird die Probe in einer zugeschmolzenen Kugel (siege § 1430), bei Jod im WĂ€geglĂ€schen oder zwischen UhrglĂ€sern abgewogen. Man behandelt sie dann mit einer Lösung eines Alkalisulfites oder Bisulfites oder mit alkalischem Wasserstoffsuperoxyd, um die Metalloide in Jodide bez. Bromide bez. Chloride ĂŒberzufĂŒhren, und scheidet diese nach einem der weiter unten (§§ 1501 flf.) angegebenen Verfahren.

1432 Bemerkung. Die von uns angegebenen Scheidungsverfahren erschöpfen nicht alle möglichen Combinationen. Unsere Schilderung soll nur ein ungefĂ€hres Bild ĂŒber einige einzuschlagende Wege der Untersuchung geben, da ein genaues Eingehen auf alle Einzelheiten mehr Raum in Anspruch nehmen wĂŒrde, als wir glauben ihnen in RĂŒcksicht auf ihre nicht grosse allgemeine Wichtigkeit widen zu dĂŒrfen. ErwĂ€hnen wollen wir aber ausdrĂŒcklich die Verfahren von Topf zur Untersuchung des kĂ€uflichen Jods) und von Erchenbrecher und Kubierschky zur Untersuchung des kĂ€uflichen Broms 2).

Fast immer laufen die Verfahren zur Scheidung der drei in Rede stehenden Metalloide auf die UeberfĂŒhrung derselben in Alkalihaloide hindus; auf die Scheidung dieser werden wir spĂ€ter nĂ€her eingehen.

Eigenschaften der Chloride.

1433. 1. Die Mehrzahl der Chloride ist in Wasser löslich. Sie sind farblos, wenn sie nicht ein fÀrbendes Metall enthalten.

2*. Silbernitrat erzeugt in sauren und neutralen Chloridlösungen einen weissen, kÀsigen Niederschlag von Silberchlorid: NaCl + AgNOg AgCl + NaNOg.

Z. anal. Ch. 26 (1887), 288. Z. artgew. CA. 1894, 636.

EigeDscfaaften der Chloride. 305

Das Silberchlorid ist in verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure unlöslich, leicht löslich in Ammoniak und ziemlich löslich in Ammoniumcarbonat. (Ueber das Verhalten des Silberchlorides siege auch § 1001, Nr. 2.)

Die Reaction des Silbemitrates mit Chloriden ist jedoch nicht fĂŒr alle FĂ€lle zutreffend. So giebt Mercurichlorid keine vollstĂ€ndige FĂ€llung, selbst bei einem grossen Ueberschusse von Silbersalz. Stannochlorid giebt wohl einen Niederschlag von Silberchlorid, wirkt aber gleichzeitig reducirend. Wasserstoffplatinchlorid und Chlorplatinate geben einen gelben Niederschlag, welcher Platin enthĂ€lt. Und Ă€hnlich, scheinbar normal, verhalten sich noch andere Chloride, z. B. grĂŒnes Chromichlorid.

3. Mercuronitrat bildet in neutralen oder sauren Lösungen einen Niederschlag von weissem Mercurochlorid :

HgaCNOs) + 2 KCl HgCl, + 2 KNO3. Dieser Niederschlag ist in Wasser und in verdĂŒnnten SĂ€uren un- löslich (siege § 980, Nr. 3).

4. Thallosulfat ruft in genĂŒgend concentrirten Chloridlösungen einen weissen Niederschlag von Talloch lorid hervor:

TI2SO4 + 2 KCl 2 TlCl + KSO. Das Thallochlorid ist in etwa 400 Th. kalten Wassers löslich.

5. Bleinitrat und Bleiacetat rufen in einer kalten und concentrirten Chloridlösung einen weissen, krystallinischen Niederschlag von Bleichlorid hervor, welcher in 135 Th. kalten Wassers löslich ist (§ 948, Nr. 2).

6. Das Chlorid und das Nitrat des Palladiums sind auf Chlorid- lösungen ohne Einwirkung.

7. Cuprisulfat und schweflige SÀure, beide gleichzeitig im Ueberschuss in eine ziemlich concentrirte Chloridlösung gegossen, erzeugen darin in der KÀlte sehr langsam, in der WÀrme schneller einen weissen, krystallinischen Niederschlag von Cuprochlorid:

2 CuSO + H2SO3 + 2 NaCl-f H.O CuCl + 2 NaHSO + HSO.

8*. Chloride in festem Zustande veranlassen in BerĂŒhrung mit concentrirter SchwefelsĂ€ure zum grössten Theile eine Entwickelung von ChlorwasserstoffsĂ€ure, aber nicht von Chlor:

H2SO4 + NaCl NaHSO + HCl. Man erkennt die ChlorwasserstoffsĂ€ure an dem scharfen GerĂŒche des Gases, an ihrer Reaction auf feuchtes Lakmuspapier und an den weissen Nebeln, welche sich bei AnnĂ€herung eines mit Ammoniak befeuchteten Glasstabes bilden, oder an der TrĂŒbung, welche ein an einem Glasstabe hĂ€gender Tropfen Silbernitrat- Lösung erleidet.

Das Chlorsilber wird sehr langsam und nur beim ErwĂ€rmen von SchwefelsĂ€ure zersetzt, ebenso die Quecksilberchloride. Silber und Quecksilber haben zu den Halogenen ĂŒberhaupt auffallende AffinitĂ€t.

9. Mit Mangan superoxyd gemischt, geben Chloride bei der Behandlung mit SchwefelsÀure Chlor: 2 MnOg + 6 HgSO -f 4 NaCl 4 NaHSO + -f 2 Clj + 4 H2O.

De Koninck - Meineke, Mineralanalyse. II. 20

Eigenschaften der Chloride.

In Wirklichkeit vollzieht sich diese Reaction in zwei Phasen: in der ersten bildet sich durch Einwirkung der SchwefelsĂ€ure auf das Chlorid ChlorwasserstoffsĂ€ure; dann erst wirkt letztere, unterstĂŒtzt vom Ueberschusse an SchwefelsĂ€ure, auf das Superoxyd.

Chlor, selbst in kleinen Mengen, lÀsst sich leicht durch JodkaliumstÀrke-Papier (ozonoskopisches Papier) erkennen (siege § 1402, Nr. 2).

10. Gelöste Chloride werden durch Alkalinitrit und verdĂŒnnte SchwefelsĂ€ure nicht verĂ€ndert (vergl. § 1435, Nr. 11).

11. Die Alkalichloride werden durch Schmelzen mit Kaliumdichromat nicht zerlegt (vergl. § 1435, Nr. 14).

12*. Giesst man sehr concentrirte SchwefelsÀure oder Dischwe feisÀure (rauchende SÀure) auf ein Gemisch eines durch diese SÀure leicht zersetzbaren Chlorides (Chlorid der Alkalimetalle, der Metalle der alkalischen Erden, des Zinks, Cadmiums u. s. w.) mit Kaliumdichromat oder besser mit ChromsÀureanhydrid und erwÀrmt dann schwach, so entwickeln sich rothbraune DÀmpfe von Chromylchlorid, CrOjClj, welche vollstÀndig den BromdÀmpfen gleichen und sich wie diese zu braunen Tröpfchen verdichten:

K2Cr207 + GHSO-f 4NaCl 2Cr02Cl2 + 2KHS0.J + 4NaHS04 + oder CrOg -f + 2NaCl 2NaHS04 -f CrOCl.

In Wasser aufgefangen, zersetzt sich das Chromylchlorid unter Bildung von ChromsÀure und ChlorwasserstoffsÀure:

CrOgClj + 2 HgO HgCrO -f 2 HCl. Die wÀssrige Lösung ist orangegelb; auf Zusatz von Ammoniak oder eines wird sie in Folge der Bildung von Chromat hellgelb (vergl. § 1434, Nr. 13).

Jodide beeintrÀchtigen die Reaction, Bromide dagegen nicht.

Zum Hervorrufen der Reaction bringt man das Chlorid und das Dichromat oder ChromsĂ€ureanhydrid in eine kleine Retorte mit umgebogenem Halse oder in einen Fractionirkolben (Fig. 201), wobei man darauf Acht geben muss, dass keine Spur des Chromates in den umgebogenen Retortenhals oder in das Ableitungsrohr des Fractionirkolbens gelangt; dann verbindet man das EntwickelungsgefĂ€ss mit einer als Vorlage dienenden U - Röhre (P e 1 i g o t' sches Rohr), welche etwas Wasser enthĂ€lt, giesst auf das Gemisch im EntwickelungsgefĂ€sse SchwefelsĂ€ure und erwĂ€rmt ganz massig. Mit verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure und mit Dichromat kann die Reaction einen ganz anderen Verlauf nehmen, entsprechend der Formel: KgCr./ + 11 H.SO + 6 NaCl - G NaHSC\ + 2 KHSO -f

Kjk&#x27;. 201.

Eigenschaften der Bromide. 307

Auch darf man die gasformigen Producte nicht in Ammoniak auffangen, wie bisweilen angegeben wird, da dasselbe mit dem Chlor ein sehr explosives Product, den Chlorstickstoff, geben kann).

13. Mit SalpetersĂ€ure im Ueberschusse behandelt, hinterlassen die löslichen Chloride beim Abdampfen der Lösung einen RĂŒckstand von Nitrat).

14. Chloride, in die nichtleuchtende Flamme auf einer Phosphorsalzperle, welcher man reichliche Mengen von Cuprioxyd einverleibt hat, oder einfach (nach Beil st ein) auf einem oberflĂ€chlich oxydirten Kupferdraht eingefĂŒhrt, fĂ€rben die Flamme an den der Perle benachbarten Stellen blau und an den entfernteren Stellen grĂŒn. Diese FĂ€rbungen stammen von flĂŒchtigem Cuprichloride, welches sich bildet.

15. Alle Chloride, lösliche wie unlösliche, sowie ĂŒberhaupt alle Chlorverbindungen ohne Ausnahme, bilden beim Schmelzen mit Alkalicarbonat eine Masse, welche das Chlor im Zustande eines Alkalichlorides enthĂ€lt:

2 NaKCOg + 4 AgCl 2 KCl + 2 NaCl + 4 Ag -f- O, + 2 CO,.

Eigenschaften der Bromide.

1434. 1. Die Bromide zeigen grosse Aehnlichkeit mit den Chloriden'); wie diese sind sie farblos, wenn sie nicht ein fÀrbendes Metall enthalten, und sind fast sÀmmtlich in Wasser löslich.

2*. Silbernitrat einer neutralen oder sauren Bromidlösung zugesetzt, bildet darin einen gelblichen, in seinem GefĂŒge dem Chlorid Ă€hnlichen, nĂ€mlich kĂ€sigen Niederschlag von Silberbromid: KBr + AgNOg AgBr + KNO3.

Das Silberbronud ist in verdĂŒnnten SĂ€uren unlöslich, löslich in Ammoniak (aber weniger als das Chlorid), unlöslich in Ammoniumcarbonat, wenigstens in den wĂ€ssrigen Lösungen des Sesquicarbonates oder des Bicarbonates ; Kaliumcyanid und Natriumhyposulfit lösen es leicht.

Das Silberbromid ist ohne Zersetzung schmelzbar; unter Wasserstoff erhitzt, wird es reducirt:

2 AgBr + Hg 2 Ag+ 2 HBr.

Cadmium und Zink reduciren es wie das Chlorid: 2 AgBr + Cd 2 Ag + CdBr.

In einem Chlorstrome erhitzt, wird es vollstĂ€ndig in Chlorid ĂŒber-

Eine Explosion entstand vor mehreren Jahren unter diesen UmstĂ€nden in einem Laboratorium der UniversitĂ€t LĂŒttich.

') Smith: SiV. Am. J. [2] 16 (1853), 416; H. Wurtz: das. [2] 26 (1858), 371.

Man vergleiche die Eigenscb; der Bromide mit denjenigen der Chloride im vorigen Paragraphen.

BezĂŒglich des Vergleiches vo >ilberbromid mit SUberchlorid sei nochmals ausdrĂŒcklich auf § 1001, Nr. 2 verwi

308 Eigenschaften der Bromide.

3. Mercuronitrat erzeugt in den Bromidlösungen einen hellgelben Niederschlag von Mercurobromid, HgjBrg.

4. Thallosulfat ruft in Bromidlösungen einen weissen, in Wasser wenig löslichen Niederschlag von Thallobromid hervor.

5. Bleinitrat und Bleiacetat bilden in genĂŒgend concentrirten Bromidlösungen einen weissen Niederschlag von Bleibromid, welcher in kaltem Wasser wenig, in warmed Wasser etwas mehr löslich ist

6. Palladochlorid giebt mit Bromiden keinen Niederschlag; dagegen fÀllt Palladonitrat braunes Palladobromid:

2 KBr + 2 KNOg + PdBr. Die Gegenwart von Chloriden in erheblicher Menge erschwert oder verhindert sogar die Reaction, indem dieselben durch Umsetzung mit Palladonitrat eine Bildung von Palladochlorid bewirken.

7. ('uprisulfat und schweflige SĂ€ure im Ueberschusse geben in genĂŒgend concentrirten Bromidlösungen in der KĂ€lte nach einiger Zeit, in der WĂ€rme sofort weisses, krystallinisches Cuprobromid, CuBr.

8. Concentrirte SchwefelsÀure zerlegt die löslichen Bromide unter Bildung von BromwasserstoffsÀure, Brom und schwefliger SÀure.

Die Entstehung der ersteren findet ihre ErklÀrung durch die Formel:

KBr + H2SO4 KHSC) + HBr. Das Brom und die schweflige SÀure entstehen durch eine partielle Nebenreaction zwischen der BromwasserstoffsÀure und der SchwefelsÀure: 2 HBr + H2SO4 2 HgO + -f SOg.

9. Die löslichen Bromide geben beim Behandeln mit Schwefel- sÀure und Mangansuperoxyd Brom, leicht an seiner Farbe und an seiner Wirkung auf ozonoskopisches Papier erkennbar. Die Reaction verlÀuft analog derjenigen, welche Chloride unter den gleichen Bedingungen geben.

10*. Chlorwasser, in eine Lösung von Bromiden gegossen, setzt Brom in Freiheit:

2KBr + Cl22KCl + Br2.

Die wĂ€ssrige Lösung wird von dem entwickelten Brom gelb gefĂ€rbt; setzt man einige Tropfen Chloroform oder besser Schwefelkohlenstoff) hindu und schĂŒttelt heftig um, so entziehen diese Substanzen das Brom der FlĂŒssigkeit und fĂ€rben sich gelb oder braun, je nach der Menge des gelösten Broms.

11. Die Alkalinitrite sind ohne Einwirkung auf die mit Schwefel- sÀure angesÀuerten Bromidlösungen.

12. Die Alkalibromide können mit Kaliumdichromat geschmolzen werden, ohne eine Zersetzung zu erleiden (vergl. § 1435, Nr. 14).

') Die Reaction ist mit Schwefelkohlenstoff empfindlicher als mit Chloroform (Fresenius: Z. anal. Ch. 1 (18G2), 46).

Eigenschaften der Jodide. 309

13*. Mit Kaliumdichromat und concentrirter SchwefelsĂ€ure behandelt, geben die Bromide Brom. Selbst das Silberbromid wird unter diesen Umstanden zersetzt, aber langsamer als die löslichen Bromide. Das entwickelte Brom, in Wasser aufgefangen, löst sich darin; die gelbbraune Lösung wird von Ammoniak oder einem Alkalihydrate vollstĂ€ndig entfĂ€rbt in Folge der UeberfĂŒhrung in Bromid und in Hypobromit:

Br + 2 NaOH NaBrO + NaBr + HjO i).

FlĂŒchtige Chromiverbindungen, welche bei der analogen Behandlung der Chloride entstehen (siege § 1433, Nr. 12), bilden sich hierbei nicht.

14. Bromide, mit einer kupferhaltigen Phosphorsalzperle oder mit einem CuprioxydstĂ€chen erhitzt, fĂ€rben die Flamme grĂŒn (siege § 1433, Nr. 14).

15. Alle Bromide, wie ĂŒberhaupt alle Bromverbindungen, geben, mit Alkalicarbonat geschmolzen, eine Masse, welche das Brom als Alkalibromid enthĂ€lt.

Eigenschaften der Jodide.

1435 Die Chloride, Bromide und Jodide bilden eine Reihe, in welcher die Bromide in ihrem Verhalten das Mittelglied darstellen. Die Jodide weisen zwar in ihren Eigenschaften Analogien mit den Chloriden und Bromiden auf; die Analogien zwischen den Eigenschaften der beiden letzteren treten jedoch markanter hervor 2).

1. Die Jodide der Metalle der Gruppen des Kaliums und Baryums sind farblos; ebenso die Jodide des Zinks, des Cadmiums und noch einiger anderer Metalle. Dagegen sind die Jodide des Wismuths, Bleis, Quecksilbers, Silbers etc. gefĂ€rbt, obwohl die ĂŒbrigen Salze dieser Metalle gewöhnlich farblos sind. In Wasser sind die meisten Jodide leichter löslich als die Bromide.

2*. Die neutralen oder sauren Jodidlösungen geben mit Silbernitrat

Viele Anzeichen sprechen dafĂŒr, dass Brom auch durch Ammoniak in Ammoniumbromid und in Ammonium hypobromit, und nicht ausschliesslich in Bromid ĂŒbergenĂŒhrt wird:

Die durch Ammoniak entfĂ€rbte Losung wirkt stark oxydirend, z. B. auf Kaliumsulfid. Schon in der KĂ€lte findet eine lebhafte Gasent Wickelung statt, welche beim ErwĂ€rmen noch stĂ€rker wird, und wird das ErwĂ€rmen genĂŒgend lange fortgesetzt, so verliert die FlĂŒssigkeit ihre oxydirende Kraft:

2 NHBrO 2 NH.Br + O.,. Diese Oxydationswirknng darf bei einigen Titrirungen, z. B. bei der Titriruug des Zinks durch Natriumsulfid oder Kaliumferrocyanid, wenn vorher Mangan durch Brom und Ammoniak abgeschieden war, nicht ĂŒbersehen werden (siege § 671).

Vergl. die Eigenschaften der Jodide mit denjenigen der Bromide (§ 1434) und der Chloride (§ 1433).

einen hellgelben Niederschlag von Silbeijodid, welches in verdĂŒnnten SĂ€uren nicht löslich ist.

Ammoniak löst Silberjodid fast gar nicht, es verwandelt dasselbe aber in ammoniakhaltiges weisses Silberjodid; auch die Ammoniumcarbonate lösen es nicht. In Kaliumcyanid und in Natriumhyposulfit ist Silberjodid leicht löslich.

Silberjodid ist schmelzbar; in einem Wasserstoffstrome erhitzt, wird es nicht reducirt; in einem Chlorstrome erhitzt, wird es in Chlorid ĂŒbergenĂŒhrt.

Cadmium und Zink reduciren das Jodid auf nassem Wege, ebenso wie das Chlorid und das Bromid:

2AgJ + Zn 2Ag + ZnJ2.

3. Mercuronitrat, schnell in leichtem Ueberscliusse einer Jodidlösung zugesetzt, giebt einen gelbgrĂŒnen Niederschlag von Mercurojodid:

2 KJ + Hg,J, + 2 KNOs. Die Umsetzung wird bei umgekehrter FĂ€llung besser erkennbar.

Der Niederschlag wird von Kaliumjodid, unter Bildung von Mercuri- Kalium -Jodid und ausfallendem Quecksilber, zersetzt: HgJ, + 2KJ K,HgJ,+Hg.

4. Thallosulfat giebt einen tiefgelben Niederschlag von Thallojodid, welches in Wasser fast unlöslich ist (1:11000):

2 KJ + TI2SO4 2 TIJ + KgSO. Thallojodid ist auch in Ammoniak unlöslich.

5. Die löslichen Bleisalze erzeugen ebenfalls einen gelben Niederschlag; dieser Niederschlag ist krystallinisch ; er besteht aus Bleijodid, welches in kaltem Wasser sehr wenig, in siedendem Wasser etwas leichter löslich ist und aus dieser Lösung beim Erkalten in Form goldgelber Flitterchen ausfallt.

6*. Palladochlorid ruft in Jodidlösungen einen braunschwarzen Niederschlag von Palladojodid hervor; dasselbe ist in Wasser und in verdĂŒnnten SĂ€uren unlöslich:

2 KJ + PdClg PdJa + 2 KCl.

Mit Palladonitrat entsteht derselbe Niederschlag.

7. Cupro- Ammonium-Chlorid (Lösung von Cuprochlorid in einem LJeberschusse von Ammoniumchlorid) erzeugt auch in den verdĂŒnntesten Jodidlösungen einen weissen Niederschlag von Cuprojodid (Mohr). Die FĂ€llung des Jods in Form von Cuprojodid erhĂ€lt man auch durch Cuprisulfat und schweflige SĂ€ure oder Stannochlorid:

2 KJ + 2 CuSO + SO2 + 2 H2O 2 KHSO4 -f -f Cu,Jj.

8. Die Jodide werden von concentrirter SchwefelsÀure zerlegt; es bildet sich dabei etwas JodwasserstofifsÀure; der Hauptsache nach ver- lÀuft aber die Reaction nach der Formel:

Eigenschaften der Jodide. 311

Das Jod fÀrbt die Lösung braun; erwÀrmt man sie, so entweichen violette DÀmpfe.

9. In Gegenwart von Mangansuperoxyd setzt SchwefelsÀure direct Jod in Freiheit (Berzelius):

10*. Chlorwasser), in kleiner Menge zu einer neutralen oder sauren Jodidlösung gesetzt, entwickelt Jod, welches die wĂ€ssrige Lösung braun, StĂ€rkelösung blau, Schwefelkohlenstoff oder Chloroform rosa bis violett fĂ€rbt; letztere Substanzen erfordern zum Sichtbarwerden der FĂ€rbung lebhaftes UmrĂŒhren oder UmschĂŒtteln.

Im Ueberschusse zugesetzt, lĂ€sst Chlorwasser diese FĂ€rbungen verschwinden, indem es das Jod in Chlorjodid oder in JodsĂ€ure ĂŒberfĂŒhrt (§ 1402, Nr. 2).

11*. Salpetrige SÀure (demnach auch rauchende SalpetersÀure) zersetzt die JodwasserstoffsÀure. Giesst man also die Lösung eines Alkalinitrites in eine durch SchwefelsÀure angesÀuerte Jodidlösimg, so wird Jod in Freiheit gesetzt; man erkennt es durch StÀrkelösung oder durch Chloroform 2).

Ein Ueberschuss des Reagens stört die Reaction nicht (vergl. Nr. 10). Die Reaction erfolgt nach der Formel:

2 KJ + 4 HjjSO + 2 KNO2 4 KHSO + 2 HgO + 2 NO + Ja- 12*. Mit der Lösung eines Ferrisalzes erhitzt, werden die lös- lichen Jodide zersetzt; erhitzt man das FlĂŒssigkeitsgemisch zum Sieden, so wird Jod mit WasserdĂ€mpfen verflĂŒchtigt:

2 KJ + FeCSO,), + K,SO, +],. Wie die Formel zeigt, wird das Ferrisalz zu Ferrosalz reducirt).

13. In saurer Lösung werden die Jodide durch Kaliumpermanganat unter Entbindung von Jod zersetzt; in neutraler oder alkalischer Lösung entsteht Jodat:

1. 10 KJ + KjMnOg + 16 HCl 5 + 12 KCl + MnjCl + 8 HgO;

2. KJ + KgMnOg + HgO KJO3 + 2 MnO + 2 KOH.

Bei Anwesenheit von Alkalicarbonat ist die Umwandlung quantitative

14. Mit Kaliumdichromat geschmolzen, werden die Alkalijodide zersetzt; Jod wird dabei verflĂŒchtigt (vergl. § 1434, Nr. 12 u. § 1433, Nr. 11):

15. Beim Behandeln mit Kaliumchromat oder -Dichromat und

Das Chlor wurde schon von Gay-Lussac als Mittel zum Erkennen des Jods angegeben {Ann. de eh. et de phys. [1] 91 (1814), 5).

Grange: C. r. 88 (1851), 627; Price: Quart. J. ehem. Soc. 4 (1851), 155. Ueber die Einwirkung der Ferrisalze vergl. K. Seubert: Z. anorg. Ch. 5 1894), 334; K. Seubert und A. Dorrer: ebendas. 339 u. 411.

A, Longi und L. Bonavia: Gazz. ch. ital, 28 (1898) I, 325.

312 Auffindung der Chloride, Bromide und Jodide in einem Gemische.

concentrirter oder verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure scheiden die Jodide Jod aus:

Mit Kaliumdichromat und SchwefelsÀure erhitzt, geben die Jodide, auch Silberjodid, JodsÀure i).

In neutraler sowie in alkalischer Lösung sind die Chromate ohne Wirkung.

16. Die Jodide fĂ€rben eine Flamme, in welche man sie auf einer mit Cuprioxyd imprĂ€gnirten Phosphorsalzperle oder auf einem CuprioxydstĂ€chen einfuhrt, glĂ€nzend grĂŒn.

17. Die löslichen wie unlöslichen Jodide, ĂŒberhaupt alle jodhaltigen Substanzen, werden durch Schmelzen mit einem Alkalicarbonate in Alkalijodide ĂŒbergenĂŒhrt.

Auffindung der Chloride, Bromide und Jodide in einem Gemische).

A. Es liegen in Wasser leicht lösliche Salze vor.

1436* Man theilt die zu prĂŒfence Substanz in zwei Portionen: in der einen sucht man die Jodide und Bromide, in der anderen die Chloride auf.

Auffindung der Jodide und der Bromide.

1437. I. Durch salpetrige SĂ€ure oder durch Chlor. Zu der

in einem Reagircylinder befindlichen Lösung setzt man einige Tropfen Chloroform, welche zu Boden sunken; dann sĂ€uert man, wenn die Lösung nicht schon sauer ist, mit verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure an und fĂŒgt einen Tropfen der Lösung eines Alkalinitrites zu; nach tĂŒchtigem SchĂŒttehi lĂ€sst man das Chloroform sich wieder am Boden sammeln: durch frei gewordenes Jod wird es rosa bis violett gefĂ€rbt.

Statt durch salpetrige SÀure kann man das Jodid auch durch Chlor zersetzen; in diesem Falle giesst man in die Lösung ganz wenig Chlorwasser; es ist unbedingt erforderlich, dass ein Ueberschuss im VerhÀltnisse zum Jodide vermieden wird (siege § 1435, Nr. 10).

Nach dieser vorlĂ€ufigen Ermittelung setzt man zu dem FlĂŒssigkeitsgemische, in Portionen und unter UmrĂŒhren nach jedem ZusĂ€tze, concentrirtes Chlorwasser, bis das Jod in JodsĂ€ure ĂŒbergenĂŒhrt und in Folge dessen die FĂ€rbung des Chloroforms verschwunden ist Jetzt wird auch das Brom frei und fĂ€rbt das Chloroform, indem es sich in ihm löst, je nach der Menge, gelb oder braun

Die Gegenwart reducirender vSubstanzen, wie z. B. von Sulfiten, macht die directe Auffindung des Jods und des Broms nach vorstehendem

') D. S. Macnair:/. eh. Soc. 68 (1893), 1051.

Siehe auch die Scheid ungsverf ab ren nnd die Bemerkung § 1503.

Auffindung der Chloride, Bromide und Jodide in einem Gemische. 313

Verfahren unmöglich. Wenn die zu analysirende Substanz Jodstarke in Folge von Reduclion entfĂ€rbt, ist es fĂŒr die Auffindung halogenirter Verbindungen besser, zuerst durch Silbemitrat in saurer Lösung zu fĂ€llen und alsdann den durch Filtration gesammelten und ausgewaschenen Niederschlag weiter zu behandeln (§ 1441). In einzelnen besonderen FĂ€llen könnte man auch die Substanz in Gegenwart eines Alkalihydrats entweder auf trockenem Wege durch Salpeter und Soda, oder auf nassem Wege durch Wcisserstoffsuperoxyd oxydiren.

Ist die Menge des Jodides gross, so muss man behufs Ausscheidung des Jods und seiner UeberfĂŒhrung in JodsĂ€ure so viel Chlorwasser zusetzen, dass das Verfahren aufhört praktisch zu sein. In diesem Falle wendet man, bevor man mit der Abscheidung des Jods beginnt, besser das folgende Verfahren an:

Die massig verdĂŒnnte Lösung, welche das Jodid und Bromid ent- hĂ€lt, wird mit Bleinitrat behandelt, welches man nach und nach, unter UmschĂŒtteln, bis zum Aufhören der Bildung eines gelben Niederschlages zusetzt. Dann filtrirt man. Das Filtrat enthĂ€lt noch etwas Jodid, da das Bleijodid nicht ganz unlöslich ist; man findet aber in ihm vornehmlich Brom, das man nach dem oben beschriebenen Verfahren mit Chlorwasser aufsucht.

1438. II. Durch FenisulfĂ€t und Fermanganat. Die zu untersuchende Substanz und gleichzeitig eine saure Lösung von Ferrisulfat bringt man in einen kleinen Destillirapparat (Fig. 202). Nachdem der Apparat mit einer Vorlage (einer in kaltes Wasser eintauchenden U -Röhre), welche verdĂŒnnten StĂ€rkekleister ent- hĂ€lt, versehen ist, erwĂ€rmt man: enthielt die Substanz ein Jodid, so destillirt Jod ĂŒber und bildet blaue JodstĂ€rke.

Nach dieser Ermittelung entfernt man die Vorlage und fÀhrt mit Erhitzen fort, bis die in einem Reagircylinder aufgefangenen DÀmpfe StÀrke nicht mehr blÀuen, selbst nicht auf weiteren Zusatz von Ferrisulfat, wenn der erste Zusatz vollstÀndig reducirt zu sein scheint.

Ist dieser Punkt erreicht, so bringt man in den Destillirapparat einen Krystall von Kaliumpermanganat und destillirt von Neuem, nachdem man das Ableitungsrohr mit einer frischen, etwas Wasser enthaltenden Vorlage verbunden hat. Jetzt destillirt das Brom ĂŒber und fĂ€rbt das Wasser gelb; dieses giebt, mit einem Tropfen Chloroform oder Schwefelkohlenstoff geschĂŒttelt, an letztere das Brom ab und verliert seine Farbe, was nicht der Fall wĂ€re, wenn die Farbe von kleinen Mengen Ferrisalz, welche mit den WasserdĂ€mpfen ĂŒbergerissen sein könnten, herrĂŒhrte.

Fig. 02.

314 Auffindung der Chloride, Bromide und Jodide in einem Gemische.

Auffindung der Chloride.

1439. I. Durch Silbernitrat. Die ursprĂŒngliche Lösung wird mit SalpetersĂ€ure angesĂ€uert, mit Silbemitrat in geringem Ueberschusse behandelt und dann auf einem Wasserbade erwĂ€rmt, bis sich der Niederschlag vollkommen klar abgesetzt hat. Man sammelt diesen und wĂ€ ihn aus, bis sich das Waschwasser mit SalzsĂ€ure oder mit Kaliumbromid nicht mehr trĂŒbt, d. h. bis jede Spur von löslichen Silber Verbindungen entfernt ist.

Der Niederschlag wird jetzt wĂ€hrend einiger Minuten mit einer geringen Menge einer concentrirten Lösung von Ammoniumcarbonat (ge- wöhnliches kĂ€ufliches Salz) digerirt, welches das Silberchlorid auflöst; man trent durch FĂŒtration den angelöst gebliebenen Theil und setzt zu dem Filtrate einen Tropfen einer Kaliumbromidlösung. Das gelöste Silberchlorid wird in imlösliches und sich niederschlagendes Silberbromid verwandelt Dieser Niederschlag von Silberbromid ist es also , welcher die Anwesenheit von Chlorid in dem der Analyse unterworfenen FlĂŒssigkeitsgemische anzeigt

Aber auch in Abwesenheit von Chlorid erhĂ€lt man eine sehr leichte TrĂŒbung auf Zusatz von Bromid zu dem ammoniakalischen Filtrate. Man kann daher auf die Gegenwart von Chlorid nur dann schliessen, wenn das Reagens einen deutlichen Niederschlag hervorrufu

1 mgr Natriumchlorid, mit 1 gr Kaliumbromid und 1 gr Kaliumjodid — beide ganz chlorfrei — vermischt, kann noch sehr deutlich erkannt werden; eine viel kleinere Menge Chlorid wĂ€re sicher auch noch erkennbar.

Das Verfahren ist selbstredend nur anwendbar, wenn kein anderes in verdĂŒnnten SĂ€uren unlösliches, in Ammoniumcarbonat dagegenlösliches Silbersalz (Cyanid, Sulfocyanid, Jodat etc.) zugegen ist,

1440. IL Durch Chromylohlorid. Die feste und trockne Substanz, welche man eventuell durch Abdampfen einer Lösung in dieser Form gewonnen hat, wird mit einem Ueberschusse von Kaliumdichromat in einem Porzellantiegel bei nicht zu hoher Temperatur geschmolzen. Das Jod wird verflĂŒchtigt (§ 1435, Nr. 14).

Das geschmolzene Product \vird ausgegossen, gepulvert und mit concentrirter oder rauchender SchwefelsÀure in einen kleinen Destillirapparat gebracht. Man verbindet diesen mit einer Vorlage, welche etwas Wasser enthÀlt, und erwÀrmt gelinde : das Bromid giebt Brom, das Chlorid Chromylchlorid CrOgClg; die Gegenwart des letzteren erkennt man daran, dass bei Behandlung mit Ammoniak oder einem Alkalihydrate Grelbfarbung eintritt, da das entsprechende Chromat entsteht (§ 1433, Nr. 12 und § 1434, Nr.

') De Koninck: Z. anal. Ch. 24 (1885), 376.

') Dietzel {Dingl. 100 (1868), 41) sucht Chlorid in einem Jodide auf, indem er von der Entstehung eines basischen Blei-Chlorojodides ausgeht. Das Verfahren ist complicit und wenig empfindlich.

Bestimmung der Chloride. 315

B. Es liegen in Wasser unlösliche oder wenig lösliche Salze vor.

1441. Man wandelt die unlöslichen oder schwerlöslichen Salze in leichtlösliche um. Zu dem Zwecke bringt man die Substanz in einen Reagircylinder und suspendirt sie darin in etwas Wasser, welches mit SchwefelsĂ€ure angesĂ€uert ist; in das Gemisch taught man ein Zinkblech oder besser eine dĂŒnne Stange von Cadmium, lĂ€sst das Metall auf die Salze einwirken, bis keine sichtbare VerĂ€nderung mehr eintritt imd filtrirt. Das Filtrat enthĂ€lt das Chlor, Brom und Jod in Verbindung mit Zink oder Cadmium.

Dieses Verfahren eignet sich namentlich fĂŒr die Salze des Bleis, Quecksilbers und Silbers und fĂŒr die Platinverbindungen.

Nach Macnair) kann man Chlor und Brom in Gegenwart von Jod in einem Gemische von Silbersalzen auffinden, indem man das Gemisch mit Kaliumdichromat und concentrirter SchwefelsĂ€ure behandelt. Es werden nur Chlor und Brom frei, wĂ€hrend Jod in JodsĂ€ure ĂŒbergenĂŒhrt wird.

1442. Durch Silbersalze. Die nöthigenfalls mit SalpetersĂ€ure leicht angesĂ€uerte Lösung wird mit einem geringen Ueberschusse von Silbemitrat versetzt, gelinde erwĂ€rmt und heftig durchgerĂŒhrt, bis sich der entstandene Niederschlag von Silberchlorid zusammengeballt hat. Man lĂ€sst nun ruhig stehen, bis die ĂŒber dem Niederschlage stehende FlĂŒssigkeit vollkommen klar geworden ist.

Ueber das WÀgen des Silberchlorides haben wir das Nöthine bereits bei der Bestimmung des Silbers gesagt (§ 1007).

Als Unterschied zwischen der Bestinmiung des Silbers und derjenigen des (Chlors bez. der Chloride in Form von Silberchlorid ist zu bemerken, dass im letzteren Falle das Sonnenlicht abgehalten werden muss; denn wenn sich das Silberchlorid unter dem EinflĂŒsse der Lichtstrahlen Ă€rzt, so veranlasst das frei werdende Chlor die FĂ€llung einer neuen Menge Silber, wodurch das Resultat naturgemĂ€ss erhöht werden muss, d. h. falsch wird.

Wenn man aus irgend einem Grunde die Anwesenheit von Salpeter- sÀure im Filtrate vermeiden will, so muss man diese SÀure durch Schwefel- sÀure und das Silbemitrat durch Silbersulfat ersetzen.

— In Gegenwart von Quecksilber, Platin, Zinn, Antimon oder Chrom ist das Verfahren nicht anwendbar 8), sondern es mĂŒssen die

') Ch. N, 66 (1892), 5; /. anal, and appl. Ch. 6 (1892), 487.

Ueber den besonderen Fall der ChlorwasserstofTsÀure siege §§ 1451 ff.

Siehe Sckeidungsverfahren § 1483.

Metalle vor der Chlorbestimmung entfernt werden, z. B. durch Schwefelwasserstoff oder Ammoniak, oder auch durch Zink oder Cadmium.

K Duroh Titrimetrie.

1443. I. Durch Silbemitrat; saure Lösung. Das Verfahren ist die Umkehrung des Gay-Lussac' sehen Verfahrens zur Bestimmung des Silbers (§ 1014). Man lÀsst die titrirte Silberlösung in die Chloridlösung fliessen, solange noch ein Niederschlag entsteht. Dieses Verfahren ist kaum noch in Anwendung.

1444. II. Durch SUbemitrat; neutral Lösung. Man giesst in die neutral Chloridlösung einige Tropfen einer etwa 10% igen Kalivunchromatlösung , bis die FlĂŒssigkeit eine hell citronengelbe Farbe angenonamen hat. Dann setzt man eine titrirte Lösung von Silbemitrat hindu, bis der Niederschlag von Silberchlorid, welcher durch die vom Chromate gefĂ€rbte Lösung hindurch gelblich erscheint, eine ganz lease Rosafarbung angenommen hat, welche von Silberchromat herrĂŒhrt. Da das letztere in Gegenwart eines löslichen Chlorides nicht bestehen kann, bezeichnet sein Auftreten das Ende der Reaction.

Am Anfange der Titration entsteht an der Stelle, an welcher das Silbersalz einfallt, eine orange gefĂ€rbte Zone, hervorgerufen durch die Bildung von Silber-Chloro-Chromat; nĂ€hert sich der Versuch dem Ende, so geht die Farbe dieser Zone mehr und mehr in Roth ĂŒber in Folge der Bildung von fast reinem oder schliesslich ganz reinem Silberchromat

Man muss eine nicht zu kleine Menge Kaliumchromat als Indicator anwenden, weil nur bei einem Ueberschusse dieses Salzes die Unlöslichkeit des Silberchromates ihr Maximum erreicht und weil man bei Anwendung einer zu geringen Menge Chromat genöthigh wĂ€re, einen merklichen Ueberschuss an Silbernitrat anzuwenden, damit die Endreaction auftritt 2). Auch muss man bei gewöhnlicher Temperatur arbeiten, da WĂ€rme die Löslichkeit des Silberchromates begĂŒnstigt).

Alle UmstÀnde, welche die Löslichkeit des Silberchromates erhöhen, erhöhen auch die Menge ds zum Erkennen der Endreaction erforderlichen Ueberschusses an Silbernitrat. In diesem Sinne wirkt die Gegenwart verschiedener Salze, namentlich von Ammoniumnitrat*).

Levol {Bull, de' la Soc. Encouragement 1853, Avril) hat Natrium phosphat als Indicator vorgeschlageD ; Mohr hat dann Kaliumarsenat und schliesslich Kaliumchromat empfohlen {Ann, 97 (1856), 335). — Als historisch interessant fĂŒhren wir eine kurze Notiz von de Saint Venant, Chemiker einer Salpeterfabrik, an, welche besagt, dass derselbe das Chlorid in den vom Waschen des Salpeters herrĂŒhrenden WĂ€stern seit 1819 in der Art bestimmt, dass er zu 100 cc des zu imtersuchenden Wassers 100 cc Kalkwasser setzt und nun mit Silbernitrat titrirt, bis der anfangs weisse Niederschlag in Folge der Bildung von Oxyd braun wird (C. r. 23 (1846), 522).

De Koninck und Nihoul: R. univ. d. M. [3] 16 (1891), 42; Z, angew. Ck. 1891, 295.

DeKoninckundNihoul: 1. cit.; W. G. Young: The Analyst IS

R. F. Carpenter:/. Soc. of ehem. Ind. 5 (1886), 286.

Bestimmung der Chloride. 317

Es ist klar, dass das Verfahren in Gegenwart von Metallen, deren Chloride mit Silbemitrat nicht normal reagiren (§ 1442), ferner von ge- fÀrbten Salzen (Nickel, Cobalt etc.) und solchen Salzen, deren Chromate in Wasser unlöslich sind (Baryum, Blei etc.), nicht anwendbar ist.

Um das Verfahren auf eine saure Lösung anzuwenden, muss man diese vorher genau neutralisiren (siege § 1015), wozu man am besten in Wasser aufgeschlĂ€mates Calciumcarbonat anwenden kann; liegt eine alkalische Lösung vor, so sucht man möglichst genau mit SalpetersĂ€ure zu neutralisiren und stumpft, falls man den Punkt ĂŒberschritten hat, den SĂ€ureĂŒberschuss, wie eben angegeben, wieder ab.

Wenn der Niederschlag von Silberchlorid so gross ist, dass er die Endreaction nicht deutlich erkennen lĂ€sst, so setzt man das Silbemitrat so lange zu, bis man deutlich die Gegenwart von Silberchromat beobachtet, und dann 1 bis 2 cc einer schwachen titrirten (z. B. Yq normalen) Lösung von Natriumchlorid, so dass man ĂŒber die Endreaction wieder hindus kommt. Alsdann filtrirt man die möglichst abgeklĂ€rte Lösung, wĂ€ den Niederschlag ein-bis zweimal mit Wasser aus und lĂ€sst in die nun erhaltene verhĂ€ltnissmĂ€ssig klare Lösung abermals Silberlösung bis zur Rosafarbung einfliessen.

1445. III. Duroh Silbemltrat und ein Alkalisulfocyanid. Das Verfahren lĂ€sst sich am genauesten in folgender Weise ausfĂŒhren:

Die schwach saure Lösung des zu bestimmenden Chlorides befindet sich in einem geaichten Kolben; in diesen lĂ€sst man eine titrirte Lösung von Silbernitrat bis zum deutlich eintretenden Vorwalten desselben einfliessen und bewirkt durch tĂŒchtiges UmrĂŒhren das Zusammenballen des Niederschlages. Das verbrauchte Volumen notirt man. Alsdann fĂŒllt man mit destillirtem Wasser bis zur Marke auf, mischt innig und filtrirt partiell.

In einem aliquoten Theile des Filtrates bestimmt man nun den Ueberschuss an Silber durch eine titrirte Lösung von Sulfocyanid (§ 1016) unter Benutzung von Eisenalaun als Indicator.

Ballt sich der Niederschlag von Silberchlorid beim UmrĂŒhren gut zusammen, so dass die ĂŒberstehende FlĂŒssigkeit klar wird, so ist ein Filtriren ĂŒberflĂŒssig; man kann mit einer Pipette direct einen Theil der durch Absitzen geklĂ€rten FlĂŒssigkeit herausnehmen.

In Gegenwart des Silberchlorides direct zurĂŒckzutitriren ist nicht rathsam, weil dieses nicht ohne Einwirkung auf Ferrisulfocyanid ist (siege § 1016).

1446. IV. Duroh Silbemitrat und JodstÀrke. Man arbeitet anfangs wie bei dem vorigen Verfahren, unter Vermeidung eines zu betrÀchtlichen Ueberschusses an Silber, und bestimmt dann diesen Ueberschuss durch eine titrirte JodstÀrkelösung nach Pisani) (§ 1017).

') De Koninck und Nihoul: R. univ. d. M, [3] 10 (1891), 42.

löslichen Chloriden in dem Sinne, dass Silberchlorid und das Chromat desjenigen Metalles, welches ursprĂŒnglich mit dem Chlor verbunden war, entstehen.

Ist dieses Chromat löslich und ist die Losung genau neutral, so erhÀlt man durch Filtration eine Lösung, welche nur so viel Chromat enthÀlt, Is durch die erwÀhnte Reaction entstehen konnte. Bestimmt man dieses Chromat, so kann man die entsprechende Menge Chlorid berechnen.

Bereitung des Silberchromates. Man wÀgt ganz reines Silbernitrat und Kaliumchromat in dem VerhÀltnisse ab, dass auf 7 Th. des ersteren 4 Th. des zweiten kommen; beide löst man getrennt und vereinigt erst die Lösungen. Das Product wird vollstÀndig durch Decantation ausgewaschen und unter Wasser bei Abschluss des Sonnenlichtes aufbewahrt.

AusfĂŒhrung des Verfahrens. Die nicht zu verdĂŒnnte, vollkommen neutral Chloridlösung wird mit einem Ueberschusse des Silberchromates versetzt und dann einige Zeit geschĂŒttelt Durch Filtration*) entfernt man den Ueberschuss von Silberchromat sowie das gebildete Silberchlorid und bestimmt das im Filtrate enthaltene Chromat auf jodometrischem Wege, indem man Kaliumjodid und Salzoder SchwefelsĂ€ure hinzufĂŒgt und das ausgeschiedene Jod durch Natriumhyposulfit titrirt (§ 531).

VergegenwÀrtigt man sich die der Reihe nach auftretenden Reactionen durch ihre Formeln:

2 NaCl + AggCrO NajCrO -f 2 AgCl, und 2 NagCrO + G KJ -f 8 H2SO4 2 NagSO + CrjlSOJy + 3K2SO4 + 3J2 + 8H2O,

so erhellt, dass 3 Atome Jod 2 Atomen Chlor entsprechen.

1448. VL Durch Silberoxalat und Permanganat. Das Verfahren, welches von Bohlig 2) stammt, ist dem vorigen analog und Ă€lter als dieses. Es besteht darin, dass man das Chlorid nĂŒt einem Ueberschusse von Silberoxalat behandelt und, nach Filtration, das gebildete lösliche Oxalat bestimmt. Diese Bestinunung lĂ€sst sich am besten durch Permanganat ausfĂŒhren (vergl. Bestinunung des Calciums, § 464).

Die Anwendung des Verfahrens setzt voraus, dass das Chlorid neutral ist und dass das mit dem Chlor verbundene Metall ein lösliches Oxalat bildet; man kann es daher nur bei der Analyse von Alkalichloriden benutzen.

1449. VII. Durch Alkalimetrie Silberoxyd zerlegt die löslichen Chloride, unter Bildung des entsprechenden Hydrates und von Silberchlorid.

Bei der Anwendung des Verfahrens auf die Chloride der Alkalimetalle, des Baryums und des Strontiums kann man das entstandene

Am besten durch partielle Filtration.

Bestimmung der ChlorwasserstofTsÀure (SalzsÀure). 319

Hydrat durch Filtration trennen und alkalimetrisch bestimmen (§§ 313 flf.). Das Verfahren ist interessant, aber wohl wenig empfehlenswerth.

1450. VIII. Dtirch Jodometrie. Die Empfindlichkeit und Genauigkeit der jodometrischen Methode giebt Veranlassung, nach Mitteln ihrer directed Anwendung auf die Bestimmung der Chloride zu suchen.

Ein solches Verfahren kann darin bestehen i), dass man die Chloride mit SchwefelsĂ€ure und Permanganat in der WĂ€rme und unter einem Strome von KohlensĂ€ure oder Wasserdampf zersetzt und das frei werdende Chlor in einer gekĂŒhlten Vorlage, welche Kaliumjodid enthĂ€lt, auffangt.

In gleicher Weise Hesse sich auch wohl ChromsÀure mit Schwefel- sÀure mittlerer Concentration anwenden.

Bestimmung der ChlorwasserstoffsÀure (SalzsÀure).

1451 Alle SÀuren des Handels, einige SchwefelsÀuren ausgenommen, sind mehr oder weniger concentrirte wÀssrige Lösungen. Abgesehen von ihrer Reinheit hÀngt ihr Werth von ihrer Concentration ab.

Die Bestimmung derselben lĂ€uft auf eine Titerbestimmung hindus. In der Regel wird sie densimetrisch, mittels eines ArĂ€ometers, oder acidimetrisch ausgefĂŒhrt. Ausser diesen allgemeinen Verfahren giebt es aber noch andere, fĂŒr jede SĂ€ure mehr oder weniger eigen thĂŒmliche Verfahren.

I. Chlorwasserstoff in Lösung. A. Durch WÀgung.

1452. I- Durch Silbemitrat. Man entnimmt eine geeignete Menge der zu analysirenden SĂ€ure, verdĂŒnnt sie und bestimmt den Chlorwasserstoff durch FĂ€llung mit Silbemitrat in Form von Silberchlorid (§ 1442).

1453. II. Durch Bleioxyd. Man tarirt eine Schale mit frisch ausgeglĂŒhtem, aber nicht geschmolzenem Bleioxyde; auf das Oxyd lĂ€sst man eine abgemessene Menge SĂ€ure fliessen, verdampft, wenn die Einwirkimg beendigt ist, zur Trockne, glĂŒht massig und wĂ€gt:

PbO -f 2 HCl PbClg + HgO. Die beobachtete Gewichtszunahme p rĂŒhrt von der Substitution eines Atomes SauerstojGf durch zwei Atome Chlor her; sie ist der Menge vorhanden gewesenen Chlorwasserstoffs proportional und gestattet daher eine Berechnung derselben.

FĂŒr 2Cl 70,74, 0 15,96, HCl 36,37 angenommen, giebt die Proportion

mit X die Menge Chlor \asserstoff, welche in der angewandten Probe enthalten war.

320 Bestimmung der Chlor Wasserstoff sÀure (SalzsÀure).

1454. III. Durch Ammoniak). Man lĂ€sst die abgemessene Saure in eine tarirte Schale fliessen, setzt Ammoniak bis zum Eintritt alkalischer Reaction zu, dampft zur Trockne, trocknet in einem Luftbade bei 100 und wĂ€gt den RĂŒckstand.

Wenn das Abdampfen und namentlich das Trocknen zu lange Zeit dauert, so kann das Resultat etwas zu niedrig ausfallen, da unter diesen Bedingungen Ammoniumchlorid merklich flĂŒchtig ist 2).

1455. IV. Duroh Barytimoarbonat. Man behandelt die abgemessene SĂ€ure mit einem Ueberschusse von Baryumcarbonat. Ist die FlĂŒssigkeit vollkommen neutral, so filtrirt man, dampft das Filtrat in einer tarirten Schale ab, glĂŒht massig imd wĂ€gt den RĂŒckstand, welcher wasserfreies Baryumchlorid ist.

1455 V. Durch Kalkspat). Die SĂ€ure wird mit einer bekannten Menge von grobkörnigem, islĂ€ndischem Doppelspat so lange in BerĂŒhrung gelassen, bis sie vollstĂ€ndig neutralisirt ist. Der RĂŒckstand wird gewaschen, getrocknet und gewogen. Aus dem Gewichtsverlust lĂ€sst sich leicht die gesuchte Menge Chlorwasserstoff berechnen.

B. Durch Titrimetrie.

1456. I. Durch Acidimetrie. Man wendet vorzugsweise die Titrirung durch Kalihydrat an. Keiner der fĂŒr acidimetrische Bestimmungen ĂŒblichen Indicatoren ist ausgeschlossen.

Auch die jodometrische Acidimetrie, beruhend auf der Reaction

6 HCl-f KJO3 + 5 KJ - 3 J2 -f 6KCI + 3 HgO,

giebt gute Resultate. Wie die Formel zeigt, entspricht ein Atom Jod einem MolekĂŒl Chlorwasserstoff.

1457. II. Durch Silbermtrat, direct. Nach genauer Neutralisation der genĂŒgend verdĂŒnnten SĂ€ure, wozu man am einfachsten Calciumcarbonat anwendet, bestimmt man das entstandene Chlorid durch SĂŒbernitrat mit Kaliumchromat als Indicator (§ 1444).

1458. in. Durch Silbernitrat und Sulfocyanid. Man neutralisirt annÀhernd durch Natriumcarbonat und bestimmt das Chlorid nach dem in § 1445 beschriebenen Verfahren.

1459. Bemerkung. Alle die angegebenen Verfahren, mit Ausnahme des acidimetrischen , geben falsche Resultate, wenn die SÀure (Chloride enthÀlt. Das acidimetrische Verfahren seinerseits giebt falsche Resultate, wenn die SalzsÀure SchwefelsÀure enthÀlt, was öfter vorkommt Die gewichtsanalytischen Verfahren, das erste ausgenommen, sind ebenfalls

') Schaffgotsch; Pog: Ann. 108 (1859), 64. ') K. Kraut: Z. anorg. Ch. 5 (1894), 278. O. Marsson: Ch. N. 81 (1900), 73.

Bestimmung der ChlorwasserstoffsÀure (SalzsÀure).

ungenau, wenn die SĂ€ure SchwefelsĂ€ure oder nichtflĂŒchtige Nebenbestandtheile enthĂ€lt.

Um ein genaues Resultat zu erhalten, muss man durch einen besonderen Versuch die eventuell vorhandene SchwefelsĂ€ure sowie die Menge des eventuellen RĂŒckstandes, welchen die SĂ€ure beim Verdampfen hinter- lĂ€sst, und femer das in ihm eventuell enthaltene Chlor bestimmen. Diese Bemerkungen gelten, mit leicht findlichen AbĂ€nderungen, auch fĂŒr die Analyse anderer kĂ€uflicher SĂ€uren.

C. Durch Densimetrie.

1460 Die folgende, von Lunge imd Marchlewski) entworfene Tabelle giebt den Chlorwasserstoff- Gehalt wÀssriger Lösungen der reinen ChlorwasserstofiFsÀure bei 15Ÿ C. in Gewichtsprocenten an, auf Wasser von 4Ÿ und WÀgungen im luftleeren RÀume bezogen.

HCl

Specif.

HCl

Specif.

HCl

HCl

Gew.

7o

Gew.

%

Gew.

Vo

Gew.

Vo

Im Handelsverkehre bedient man sich zur Werthbestimmung der kÀuflichen SalzsÀure, wie auch der anderen SÀuren und des Ammoniaks, fast ausschliesslich des ArÀometers (Fig. 205) zwecks Bestimmung der Dichte.

An Stelle des Densimeters, welches von den Apparaten dieser Art allein eine wissenschaftliche Grundlage hat, wendet man leider auch noch das ArÀometer nach Baume an.

3. Gasförmiger Chlorwasserstoff.

A. Durch WĂ€gung.

1461. I. Durch SĂŒbemitrat. Man lĂ€sst den Chlorwasserstoff direct durch eine Lösung von Silbemitrat ab-

Fig. 205.

Z, angew. Ch, 1891, 133; Z. anal. Ch. 80 (1891), 699. De Koninck - Meineke, Mineralanalyse. II.

sorbiren oder man lĂ€sst ihn erst durch eine alkalische FlĂŒssigkeit absorbiren und bestinunt dann das entstandene Chlorid.

1462 II. Duroh direote WÀ. Theoretisch könnte man den Chlorwasserstoff bestimmen, indem man ihn durch ein tarirtes Natronkalkrohr oder einen tarirten Kaliapparat (siege Bestimmung der Kohlen- sÀure) leitet und die Gewichtszunahme ermittelt; da aber gewöhnlich WasserdÀmpfe zugegen sind, welche man nicht entfernen kann, ohne dass gleichzeitig eine Absorption von Chlorwasserstoff stattfindet, ist das Verfahren unsicher. Ausserdem liegt kein Grund vor, dieses Verfahren dem ebenso einfachen und genaueren Verfahren durch Silbersalz vorzuziehen.

B. Durch Titrimetrie.

1463 L Duroh Silbemitrat. Man lĂ€sst ein im Ueberschuss abgemessenes Volumen titrirter Silbernitratlösung den Chlorwasserstoff absorbiren und titrirt den Ueberschuss durch Sulfocyanid zurĂŒck (§ 1445).

1464 II. Durch Acidimetrie. Man bewerkstelligt die Absorption durch eine im Ueberschusse angewandte acidimetrische Lösung imd titrirt den Ueberschuss durch eine alkalimetrische Lösung zurĂŒck.

1465. I. Durch KaliumHydrat. Wie alle sauren Gase, kann man den Chlorwasserstoff durch festes (Methode von Bunsen) oder gelöstes Kaliumhydrat (Apparate von Hempel etc.) absorbiren lassen.

1465 a. IL Durch Natriumsulfat Um Chlorwasserstoff zu absorbiren, ohne gleichzeitig vorhandene KohlensÀure zu entfernen, bringt man in das Gasgemisch Kugeln von krystallisirtem Natriumsulfat, NaSO + 10 HgO. Wahrscheinlich löst das Kry stall wasser dieses Salzes das Gras auf; gleichzeitig entsteht Chlorid und saures Sulfat: NaSO + HCl NaCl -f NaHSO.

Die Absorption ist nicht sehr energisch; man muss daher, um sie vollstÀndig zu machen, mehrere Sulfatkugeln nach einander anwenden.

Bestimmung der Bromide. A. Duroh WĂ€gung.

1466. Durch Silbersalze. Man verfahrt genau wie bei der Bestimmung der Chloride (§ 1442). Nachdem das Filter verascht und die reducirtes Silber enthaltende Asche mit SalpetersÀure behandelt ist, setzt man etwas Bromwasserstoff hindu, oder, falls solcher felt, einfach Bromwasser, imd erhitzt zum Schmelzen.

') In RĂŒcksicht auf die Löslichkeit des Chlorwasserstoffes in Wasser bewerkstelligt man das Abmessen ĂŒber Quecksilber.

Siehe Bunsen: Gasometrische MethocUn.

Bestimmmig der Jodide. 323

B. Duroh Titrimetrie.

1467. Die Bromide werden fast ausschliesslich durch Silberverbindungen bestimmt, wie die Chloride; die fĂŒr diese beschriebenen Verfahren sind fĂŒr jene direct anwendbar.

Die Genauigkeit dieser Verfahren ist bei den Bromiden mindestens ebenso gross wie bei den Chloriden, da das Silberbromid vollkommen unlösHch ist (siege § 1020).

Man kann die Bromide, wie die Chloride, auch jodometrisch bestimmen (§ 1450; siege auch § 1488).

1468. Duroh Chlor. Um kleine Mengen von Bromiden, besonders in Gegenwart von Chloriden, zu bestimmen, ist vorgeschlagen i), in die Bromidlösung titrirtes Chlorwasser einfliessen zu lassen und dieselbe nach jedem ZusÀtze des Reagens zum Sieden zu erhitzen, bis das frei gewordene Brom ausgetrieben ist. Der Versuch ist beendet, wenn nach dem ZusÀtze von Chlor keine FÀrbung mehr eintritt. Sehr genau ist das Verfahren wohl nicht

C. Duroh Colorimetrie.

1469. Heine hat vorgeschlagen, die Bromide zu bestimmen, indem man die FĂ€rbung einer Aetherlösung, welche man erhĂ€lt, wenn die wĂ€ssrige Lösung des Bromides erst mit Aether und dann mit Chlor behandelt und umgeschĂŒttelt wird, mit den FĂ€rbungen vergleicht, welche beim Behandeln titrirter Lösimgen von Kaliumbromid unter den gleichen UmstĂ€nden entstehen.

Bestimmung der Jodide. A. Duroh WĂ€gung.

1470. L Duroh Silbersalze. Man verfahrt wie bei der Bestimmung der Chloride (§ 1442) mit folgenden kleinen AbÀnderungen:

1. Die Lösung mag sauer, neutral oder alkalisch sein, 'immer giesst man in dieselbe zuerst die Lösung des Silbersalzes und sÀuert erst dann, wenn es nöthig ist, an, um das eventuelle Freiwerden von Jod zu vermeiden.

2. Da das Silberjodid durch das Papier nicht reducirt wird, so braucht man die Filterasche nicht mit SalpetersÀure zu behandeln etc., trotzdem ist anzurathen, dass man den Niederschlag möglichst vollstÀndig vom Filter entfernt und letzteres so klein wie möglich wÀhlt.

Man kann auch ein tarirtes Filter anwenden.

1471 n. Durch FalladiumsaJze. Die mit SalzsÀure schwach angesÀuerte Lösung behandelt man mit Palladochlorid oder Pallado-Natrium-

') L. Fignier: C. r. 81 (1850), 898; Ann. de eh. ei de phys. [3] 38 (1851), 303. /. prakt. Ck. 36. (1845), 184. — Fehling hat das Verfahren praktisch gefunden: siege ebendas. 45 (1848), 269.

Chlorid oder endlich mit Palladonitrat. Man ĂŒberlĂ€sst sie ein bis zwei Tage in massiger WĂ€rme der Ruhe, sammelt den Niederschlag auf einem tarirten Filter, wĂ€ ihn mit heissem Wasser aus und wĂ€gt ihn nach dem Trocknen bei 100.

Bequemer ist es, das Palladojodid zu glĂŒhen und das reducirte Palladium zu wĂ€gen.

1472. III. Durch Thallonitrat). Die Alkalijodide können bestimmt werden, indem man sie in concentrirter Lösung mit einem mög- lichst geringen Ueberschusse von Thallonitrat fallt, das Thallojodid auf einem tarirten Filter sammelt, mit einem Minimum von kaltem Wasser (durch Absaugen) auswÀ, und, bei 100Ÿ getrocknet, wÀgt.

Das Thallojodid ist in Wasser nicht ganz unlöslich; auch sonst kann man das Verfehren nicht zur allgemeinen Anwendung empfehlen.

Seitdem jedoch Jannasch den Ersatz des Thallonitrats durch Thallosulf at empfohlen und ausserdem die vollstĂ€ndige Unlöslichkeit des Thallojodids in kaltem, selbst sehr verdĂŒnntem Alkohol — auch bei Anwesenheit von anderen Salzen, z. B. Ammoniumverbindungen — festgestellt hat, ist das Verfahren der Abscheidung des Jods der Alkalijodide in Form von Thallojodid absolut zuveriĂ€ssig geworden*).

1472a IV. Als Cuprojodid). Man fallt die mit SalzsÀure angesÀuerte Lösung mit einer Lösung von Cupro- Ammonium -Chlorid*), welche einen solchen Ueberschuss von Ammoniumchlorid enthÀlt, dass das Cuprochlorid durch Wasser nicht gefÀllt wird.

Das Cuprojodid wird auf einem gewogenen Filter gesammelt und nach dem Trocknen gewogen.

1473. V. Durch Kaliumdiohromat Man bringt das vollkommen trockene Jodid in einen Tiegel, welcher Kaliumdichromat ent- hÀlt, mischt die Substanzen und wÀgt das Ganze; nun erhitzt man bis zum Schmelzen des Gemisches. Jod wird frei (§ 1435, Nr. 14) und seine Menge wird durch die Gewichtsabnahme des Tiegelinhalts gefunden.

Das Verfahren ist nur in Hinsicht auf Kaliumjodid geprĂŒft.

Da das durch die Einwirkung des Jodids auf das Dichromat gebildete Chromioxyd der Menge des Jods proportional ist, kann man auch letzteres bestimmen, indem man die geschmolzene Masse mit Wasser aufnimmt, das Oxyd auf einem Filter sammelt und wÀgt.

') HĂŒb n er: Z. anaL Ch. U (1872), 397.

Vergl. die Angaben ĂŒber das Verfahren etc. in Jannasch: Prakt. Leitfaden d. GewichtsanaL, S. 276 f.

F. Mohr: Z. anal. Ch. 12 (1873), 366; Emil Fleischer: Du Titrirmethode als selbstĂ€ndige quantitative Analyse, S.73; Z enger: Arch. der Pharm, ß] 8 (1873), 137.

Man erhÀlt diese Lösung, indem man KupferspÀne in der Warme in einer Losung von Cuprichlorid und Ammoniumchlorid, weiche mit SalzsÀure angesÀuert ist, digerirt.

BestimmuDg der Jodide. 325

B. Durch Titrimetrie.

1474. I — VU. Die sieben bei der Bestimmung der Chloride angegebenen Verfahren (§§ 1443 — 1449) sind ohne Aendening auf die Jodide anwendbar; nur das Sulfocyanid -Verfahren lĂ€sst sich etwas vereinfachen.

Da das Silberjodid mit Ferrisulfocyanid nicht reagirt, kann man unmittelbar zurĂŒcktitriren , ohne den Niederschlag durch Filtration entfernt zu haben.

Ausser den vorgenannten Verfahren sind noch folgende anwendbar:

14 7 5. VIII. Durch Kaliumpermanganat). Die Jodidlösung wird durch eine geringe Menge Kaliumoder Natrium - Carbonat alkalisch gemacht und zum Kochen erhitzt; jetzt lĂ€sst man Permanganat bis zur deutlichen und bleibenden FĂ€rbung zufliessen und spĂŒlt das Gemisch in einen geaichten Kolben ĂŒber. Nach dem Erkalten fĂŒllt man bis zur Marke auf, mischt durch UmschĂŒtteln und lĂ€sst absitzen. Schliesslich entninmit man einen aliquoten Theil und bestimmt darin den PermanganatĂŒberschuss durch Natrium-Hyposulfit oder -Sulfit, deren Werth zum Permanganat man experimentell ermittelt hat.

Den Permanganattiter kann man am besten durch eine bekannte Menge von Kaliumjodid einstellen.

Zur Ermittelung des WerthverhĂ€ltnisses zwischen der Lösung des Sulfites oder Hyposulfites und der des Permanganates entnimmt man von letzterer 10 cc, setzt etwas Alkalicarbonat hindu, verdĂŒnnt stark mit Wasser und lĂ€sst das Reductionsmittel genau bis zur EntfĂ€rbung zufliessen.

Eine Variante des Verfahrens besteht darin 2), dass man das durch die Einwrkung des Permanganats auf das Jodid gebildete Jodat jodometrisch bestimmt (siege § 1539), nachdem man den PermanganatĂŒberschuss durch etwas Alkohol reducirt und den Niederschlag filtrirt hat.

Die Bestimmung des gebildeten Jodats durch Jodometrie kann auch nach vorheriger AusfÀllung desselben durch Baryumchlorid in Form von Baryumjodat geschehen s).

1476. IX. Durch FerriBslze). Das Verfahren besteht darin, dass das Jod durch ein Ferrisalz freigemacht (Duflos) und dann durch Natriumhyposulfit bestimmt wird.

') Pean de St. Gilles: C. r. 46 (1858), 624; W. Reinige: Z. anal. Ch. 9 (1870), 39; Klemp: ebendas. 20 (1881), 248; Mac Culloch: CA. Centrhl [3] 19 (1888). 419 u. 617.

M. Gröger: Z. angew. Ch. 1894, 52.

H. Schwarz: NachtrÀge zur ersten Aufl. der prakt, Anleitung zu Maass analysen (1858), S. 20. Vergl. G. Topf: Z. anal. Ch. 26 (1887), 299; Stortenhecker: das. 29 a890), 272.

Man bringt das zu untersuchende Jodid mit einem Ueberschusse von ganz nitratfreiem Ferrisalz in einen Destillirkolben, welcher mit einem verdĂŒnnte SchwefelsĂ€ure enthaltenden Hahntrichter versehen ist und an dessen Ableitungsrohr sich zunĂ€ ein kleiner Lieb ig 'scher KĂŒhler, dann eine Volhard'sche Vorlage, mit einigen Cubikcentimetem einer concentrirten Lösung von Kaliumjodid beschickt, anschliesst.

Ist der Apparat zusammengestellt, so lĂ€sst man die SĂ€ure in den Kolben eintreten und erhitzt zum Kochen, bis das frei gemachte Jod ĂŒbergetrieben ist. Dieses wird vom Kaliumjodid aufgenommen und mit Hyposulfit titrirt.

Man kann auch das (in einem geschlossenen Kolben) in Freiheit gesetzte Jod durch AusschĂŒtteln mit Schwefelkohlenstoff in diesem ansanmieln, die Lösung durch einen Scheidetrichter abziehen und mit Hyposulfit, unter UmschĂŒtteln nach jedesmaligem ZusĂ€tze, bis zur EntfĂ€rbung titriren i).

1477. X. Durch Kaliumarsenat). Die auf etwa 100 cc ver- dĂŒnnte Jodidlösung wird mit 20 cc verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure (1 Vol. SĂ€ure und 1 Vol. Wasser) und mit Kaliumarsenat in einen Kolben gebracht, durch welchen man einen KohlensĂ€urestrom leitet. Man destillirt alsdann die FlĂŒssigkeit auf ein Drittel hires Volumens ab. Unter diesen UmstĂ€nden wird das Arsenat reducirt und das Jod verflĂŒchtigt:

4KH2ASO4 + 8KJ + 12H2SO AsOe + I2KHSO4 + lOHO -f 4J2.

Man kann nun nach Belieben das ĂŒbergetriebene und in Kaliumjodid aufgefangene Jod nut Hyposulfit, oder in dem FlĂŒssigkeitsrĂŒckstande die entstandene arsenige SĂ€ure nach Zusatz eines Ueberschusses von Alkalibicarbonat mit Jod titriren (§§ 1421 flf.). Nach Friedheim und Meyer ist indessen das erstere Verfahren vorzuziehen. Nach denselben Autoren ist das Arsenatverfahren in Gegenwart von Bromiden und Chloriden empfindlich, in so fern, als auch diese das Arsenat reduciren, wenn die FlĂŒssigkeit zu concentrirt ist.

1478. XL Durch salpetrige SĂ€ure und Schwefelkohlenstoff. Man setzt das Jod durch ein Alkalinitrit und verdĂŒnnte Schwefelsaure in Freiheit, sammelt es durch AusschĂŒtteln in Schwefelkohlenstoff*) an und bestimmt es, wie oben bei der Anwendung von Ferrisalzen (§ 1476) am ĂŒsse angegeben ist

') A. Villicrs und M. Fayolle: Bull. Soc. eh. [3] 11 (1894), 544.

Gooch und Browning: Sill. Am. J, [3] 89 (1890), 188; Z. anorg. Ch. 4 (1893), 178; Z. anal. Ch. 80 (1891), 60; Friedheim und Meyer: Z. anorg. Ch. 1 (1892), 407.

R. Fresenius: Anl. z. quant. ehem. Anal., 6. Aufl., I, S. 482 u. 695- — Grange empfahl UntersalpetersĂ€ure (StickstoflFdioxyd) : J. prakt. Ch. 66 (1862), 157; vergl. auch R. Fresenius: Z. anal, Ch. 6 (1866), 318.

Chloroform ist nach Finkener (Rose-Finkener: Handb. d. anal. Ch. II, nicht anwendbar, weil es salpetrige SĂ€ure absorbirt.

Chloride, Bromide, Jodide. Scheidungs verfahren. 327

1479. XII. Durch Chlorwasser oder Natriomhypoohlorit

Dieses alte Verfahren besteht darin, dass man in die angesĂ€uerte Jodid- lösung titrirtes Chlorwasser oder eine titrirte Lösung von Hypochlorit einfliessen lĂ€sst. Zu Beginn der Reaction wird Jod ausgeschieden und dieses wird im weiteren Verlaufe in JodsĂ€ure ĂŒbergenĂŒhrt. Wendet man Starkelösung als Indicator an, so ist das Ende der Reaction genau an dem Aufhören der BlaufĂ€rbung zu erkennen. Als Indicator sind auch Chloroform oder Schwefelkohlenstoff (einige Tropfen) vorgeschlagen.

C. Durch Colorimetrie.

1480. 1. Durch Falladochlorid Spuren von Jod kann man bestimmen, indem man die Lösung mit Palladochlorid in kleinem Ueberschusse behandelt und den Àrzlichen Farbenton mit FÀrbungen vergleicht, welche man mit demselben Reagens und titrirten Kaliumjodid- lösungen erhÀlt.

1481. n. Durch salpetrige SĂ€ure Man behandelt die Jodid- lösung mit einem Alkalinitrit und verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure, darauf schĂŒttelt man sie mit einem abgemessenen Volumen von Chloroform oder Schwefelkohlenstoff aus. Die Farbe, welche das eine oder das andere dieser Lösungsmittel annimmt, vergleicht man mit der FĂ€rbung, welche demselben Volumen desselben Lösungsmittels durch eine in genau gleicher Weise behandelte titrirte Jodidlösung mitgetheilt wird.

Man kann zuip Vergleiche auch direct die BraunfĂ€rbung benutzen, welche die FlĂŒssigkeit durch sehr geringe Mengen gelösten Jods annimmt; es ist jedoch zu beachten, dass die Löslichkeit des Jods in der FlĂŒssigkeit unter den obwaltenden UmstĂ€nden in der Regel eine sehr geringe sein wird; deshalb wird die Anwendung eines der vorher genannten Lösungsmittel vorzuziehen sein.

Scheidungsverfahren. Chlor der Chloride und freies Chlor.

1482. Man bestimmt das freie Chlor titrimetrisch (§ 1407 flf.) in einer Probe und das gesammte Chlor in einer anderen Probe; durch die Differenz erhÀlt man das gebundene Chlor.

Zur Bestimmung des gesammten Chlors behandelt man das Gemisch mit schwefliger SÀure oder mit einer Sulfitlösung oder mit irgend einem passenden Reductionsmittel und oxydirt dann einen eventuellen Ueber-

Golfier-Bcsseyre nach einem Citat in H. Schwarz, NachtrÀge etc, S.18; A. und F. Dupre: Ann, 94 (1855), 465.

Köttstorfer: Z. anal. Ch. 17 (1878), 307; M. T. Lecco: ebendas. 85 (1896), 318; A. Gautier: Bull, Soc. ch. [3] 31 (1899), 456; P. Bourcct: ebendas. 554. . auch § 1427.

328 Chloride, Bromide, Jodide.

schuss des Reductionsmittels mit Permanganat. Man erhÀlt so das gesammte Chlor in Form von Chlorid, welches nach einem der bekannten Verfahren zu bestimmen ist.

Man kann die Ueberfuhrung des Chlors in Chlorid auch sehr einfach durch Zusatz von Ferrosulfat oder von Wasserstoffsuperoxyd erreichen.

Chlor der Chloride und Metalle.

1483. 1. Lösliche Chloride. Als allgemeine Regel gilt, die Metalle in einer besonderen Probe nach den gewöhnlichen Methoden zu bestimmen und zwar entweder direct, wenn die Gegenwart von Chlor, wie das gewöhnlich der Fall ist, nicht nachtheilig wirkt, oder erforderlichen Falles nach Ueberfuhrung der Chloride in Sulfate oder Nitrate durch Abrauchen mit SchwefelsÀure bez. mit SalpetersÀure.

In einer zweiten Probe bestinmit man das Chlor durch Silbemitrat auf gewichtsanalytischem oder auf titrimetrischem Wege, entweder direct oder, in manchen FĂ€llen, nach Abscheidung des Metalles.

Das letztere Verfahren muss in Gegenwart von Chromiverbindungen, von Quecksilber (Mercurisalz), Zinn, Antimon, Platin und Palladium angewandt werden.

Das Chrom scheidet man durch Ammoniak ab; man kann es aber auch dadurch unschĂ€dlich machen, dass man es durch Wasserstoffsuperoxyd in ChromsĂ€ure ĂŒberfĂŒhrt. Quecksilber, Antimon, Zinn, Platin und Palladium werden durch FĂ€llung entweder als Sulfide durch Schwefelwasserstoflf oder als Metalle durch Zink oder Cadmium entfernt Palladium und Platin können auch durch Magnesium oder ein Formiat als Metalle gefallt und entfernt werden.

1484. 2. Unlösliche Chloride. Soll das Chlor in einer Substanz, welche Siberchlorid enthĂ€lt, bestimmt werden, so schmilzt man sie in einem Porzellantiegel mit einem Alkalicarbonate; man erhĂ€lt dadiwch metallisches Silber und eine Masse, welche das Chlor als lösliches Aikalichlorid enthĂ€lt. Man muss sich hĂŒten, beim Schmelzen eine zu hohe Temperatur, bei welcher Alkalichlorid verflĂŒchtigt werden könnte, anzuwenden.

Man kann das Silberchlorid auch zersetzen, indem man es in einem Wasserstoffstrome erhitzt und den sich bildenden Chlorwasserstoff in der Lösung eines Alkalihydrates auffÀngt.

Endlich kann man das Silberchlorid in Gegenwart von verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure mit Eisen, Zink oder Cadmium behandeln; das Chlor tritt an das zur Reduction angewandte Metall und das Silber wird zu Metall reducirt.

Dieselben Verfahren sind, mutatis mutandis, zur Zersetzung des violetten, sublimirten, unlöslichen Chromichlorides anwendbar i).

Ueber die Zersetzung des violetten Chromichlorides durch Zink vergl. Meineke: Ann. 261 (1S91), 370.

Scheidungsverfahren. 329

Mercurochlorid wird leicht in der WÀrme durch eine Lösung von Alkalihydrat zersetzt.

Bleichlorid giebt beim Behandeln mit einer Lösimg von Natriumbicarbonat Natriumchlorid und Bleicarbonat, welches man durch Filtration entfernt. Man kann auch das Blei durch Cadmium, Zink oder Magnesium reduciren und das gebildete lösliche Chlorid des betreffenden Metalles durch Lösen in der genĂŒgenden Menge Wasser entfernen.

Brom der Bromide und freies Brom. 1485* Man verfahrt wie bei der Scheidung der entsprechenden chlorirten Stoffe.

Bromid und Chlorid.

i486. Vorbemerkung. Die anzuwendenden Verfahren lassen sich in dir acte und indirect Verfahren scheiden.

Die ersteren beruhen im Allgemeinen darauf, dass aus dem Gemische durch geeignete Reagentien Brom entwickelt und in irgend einer Form bestimmt wird, wÀhrend andererseits das unverÀndert gebliebene Chlorid nach Entfernung des Broms zur Bestimmung gelangt. In manchen FÀllen ist es vorzuziehen, das Bromid durch Differenz zu bestinmien, indem man in einer Probe Bromid und Chlorid zusammen, in einer zweiten Probe das Chlorid allein, nach Entfernung des Broms, durch Silbemitrat fallt.

Wir werden bei den directed Verfahren im Allgemeinen nur die Mittel bezeichnen, durch welche das Brom entwickelt wird; die Bestimmung des Broms ergiebt sich aus den §§ 1410 und 1411 bez. aus den Stellen, auf welche dort verwiesen wird.

Bei den indirecten Verfahren werden Bromid und Chlorid zusammen durch Silbemitrat bestimmt und der gemischte Niederschlag in eine einheitliche Substanz umgewandelt, deren Gewicht ebenfalls festgestellt wird.

A. Directe Verfahren.

1487 L Duroh Kaliumpermanganat). Berglund) entwickelt aus der etwa 50 cc betragenden Lösung des Gemisches das Brom, indem er in der KĂ€lte Kaliumpermanganat und Kaliumbisulfat einwirken lĂ€sst : 6 KBr + KgMngOg + 8 KHSO4 3 Br + 2 MnOg + 8 KgSO + 4 HO. treibt das Brom mittels eines kalten Luftstromes in eine Natronhydrat und etwas Ammoniak enthaltende Vorlage ĂŒber. Das letztere

Wir wollen nur erwÀhnen, dass von Berzelius ein umstÀndliches Verfahren beschrieben ist, und verweisen hinsichtlich desselben auf Rose-Finkener: Handb, d. anal, Ch. U, 621.

330 Chloride, Bromide, Jodide.

Reagens soll etwa entstandenes Hypobromit in Bromid umwandeln. Wir werden spĂ€ter sehen, dass der gleiche Zweck auch durch Wasserstoffsuperoxyd oder ein Alkalisulfit erreicht werden kann. Das in der Vorlage gesammelte Bromid wird durch Silbemitrat bestimmt und ebenso das unzersetzt gebliebene Chlorid, nachdem die in dem Destillirkolben zurĂŒckgebliebene FlĂŒssigkeit, welche von ausgeschiedenem Mangansuperoxyd getrĂŒbt ist, zur Zersetzung des ĂŒberschĂŒssigen Permanganats mit Ammoniak und Wasserstoffsuperoxyd oder mit Natronlauge und Alkohol behandelt und sodann filtrirt worden ist. Nach den von Berglund mitgetheilten Beleganalysen ist eine Entwickelung von Chlor in der KĂ€lte nicht zu befĂŒrchten.

Diese Angabe trifft aber vielleicht nicht fĂŒr jedes MengenverhĂ€ltniss von Bromid zu Chlorid zu, und es wĂ€re daher z. B. fĂŒr den Fall, dass in dem Genusche das Chlorid stark ĂŒberwiegt, nicht unmöglich, dass mit den letzten Th ellen des Broms auch etwas Chlor in die Vorlage ĂŒbergetrieben wird. Man behandelt deshalb besser den Inhalt dieser Vorlage in der gleichen Weise, wie das ursprĂŒngliche Gemisch von Bromid und Chlorid, und erhĂ€lt jetzt in einer neuen Vorlage reines Bromid.

White und nach ihm Schierholz 2) bewirken die Zersetzung des Bromides durch Kaliumpermanganat und Aluminiumsulfat in der WĂ€rme und treiben das entwickelte Brom durch Wasserdampf in die Vorlage ĂŒber. Es scheint, dass nach diesem Verfahren die 2rsetzung des Bromides nicht vollstĂ€ndig gelingt.

Weiss 3) verwendet statt des Aluminiumsulfates Ferrosulfat

P. Jan nash und K. Asch off*) dĂŒrften dem Permanganatverfahren die bis jetzt geeignetste Form gegeben haben, indem sie das Reagens in Gegenwart von EssigsĂ€ure anwenden. Die ziemlich concentrirte, höchstens 50 cc einnehmende Lösung des Gemisches wird mit Permanganat und ganz reiner EssigsĂ€ure behandelt und das entwickelte Brom wird durch einen Wasserdampfstrom in eine Vorlage ĂŒbergetrieben, welche ein Alkalihydrat und Wasserstoffsuperoxyd (oder auch wohl Alkalisulfit) enthĂ€lt.

Das alkalische Wasserstoffsuperoxyd ist zur Reduction von SauerstoflfsÀuren des Broms bez. von Alkalihypobromit (oder gar von Alkalibromat), wie es sich hier in der Vorlage bilden kann, von Lenssen*) empfohlen worden:

NaBrO + HgOj NaBr + HgO + Og oder NaBrOg + 3 H2O2 NaBr + 3 HO + 3 O.

') Ch. N. 57 (1888), 283, u. 58 (1888), 229. Monatsh. Ch, 18 (1892), 1. ') Rep. anal. Ch. 5 (1885), 238. Z. anorg. Ch. 1 (1892), 144.

Auf Beimengungen, wie z. B. Furfurol, wirkt Brom ein, so dass die Resultate, je nach den vorhandenen MengenverhÀltnissen, bis zu 0,5 % niedrig werden können. /. prakt. Ch. 81 a860), 276.

Scheidungsverf ahren . 33 1

Jannasch und Kölitz geben ferner an), dass Alkaliacetat un- gĂŒnstig, Sulfate und Nitrate dagegen gĂŒnstig auf die Entwickelung des Broms wirken. Ist die zu untersuchende Lösung alkalisch, so wird sie genau mit SchwefelsĂ€ure oder SalpetersĂ€ure neutralisirt und dann die erforderliche Menge EssigsĂ€ure hinzugegeben.

1487 a. II. Durch Bleisuperoxyd und EssigsĂ€ure. Dieses von Vortmann*) vorgeschlagene Verfahren beruht darauf, dass aus den Bromiden durch Bleisuperoxyd und verdĂŒnnte EssigsĂ€ure das Brom frei gemacht wird. Wendet man eine EssigsĂ€ure an, welche nicht concentrirter als 2 bis 3 Âź/oig ist, so kann die Zersetzung in der WĂ€rme geschehen imd das Brom mit HĂŒlfe eines Wasserdampfstromes ausgetrieben werden, ohne dass die Chloride eine VerĂ€nderung erleiden.

1487 b. III. Durch Kaliumdichromat und SchwefelsĂ€ure. Dechan) benutzt zur Zersetzung Kaliumdichromat und SchwefelsĂ€ure. Nach Friedheim und Meyer*) werden nur die Bromide zersetzt, wenn man in der Weise arbeitet, dass man das Gemisch der Halogenide mit 20 gr Kaliumdichromat und 20 cc verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure (1:1) zu 200 cc verdĂŒnnt, dann erwĂ€rmt und auf 140 cc einkocht.

Carnot) wendet zu dem gleichen Zwecke ein Gemisch von Chrom- sÀure und SchwefelsÀure an.

1487c IV. Durch Ammoniumpersulfkt. R. Engel) hat vorgeschlagen, das Brom durch Anomoniumpersulfat frei zu machen und bei 70 bis 80Âź durch einen Luftstrom auszutreiben.

Es geht bei diesem Verfahren nicht an, das Brom von Kaliumjodid absorbiren zu lassen und das ausgeschiedene Jod zu titriren, weil die grossen Mengen gleichzeitig ĂŒbergehenden Sauerstoffes zersetzend auf das Kaliumjodid wirken. Der Autor fĂ€ngt das Brom in schwefliger SĂ€ure bez. in einem Alkalisulfite auf und bestimmt das entstandene Bromid gewichtsanalytisch.

1487 V. Durch JodsÀure JodsÀure und Bromwasserstoff reagiren auf einander in dem Sinne:

2 HJO3 + 10 HBr J2 + 5 Brg + 6 HgO.

Z. anorg. Ch. 15 (1897), 66. F. W. KĂŒster erlĂ€utert dieses Verhalten auf Grund der lonentheorie: Verk. der Ges. . Naturf. u. Aerzte 70. Vers, zu DĂŒsseldorf i8g8, 91; Ch. Centrhl. 69 ([5] 2, 1898), II, 311.

Vortmann: Z. anal. Ch. 22 (1883), 565, und 25 (1886), 172. Vergl. auch Berglund: Z. anal. Ch. 24 (1885), 184.

'') Stephan Bugarski: Z. anorg. Ch. 10 (1895), 387. — Da die Reaction zwischen JodsĂ€ure und Jodwasserstoff unregelmĂ€ssig verlĂ€uft, wenn letzteres Salz nicht in mindestens molekularer Menge vorhanden ist, ist das Verfahren mit besonderer Vorsicht anzuwenden, wenn das zu untersuchende Gemisch Jodid enthĂ€lt.

332 Chloride, Bromide, Jodide.

Dagegen ist die JodsĂ€ure bei geeigneter VerdĂŒnnung (in Bezug auf Chlor mindestens Yq normal) ohne jede Einwirkung auf die Chloride,

Die AusfĂŒhrung des Verfahrens ist folgende: Die genĂŒgend saure Lösung der Halogenide erwĂ€rmt man mit ĂŒberschĂŒssigem Kaliumjodat und die frei werdenden Halogene werden mit einem Wasserdampfstrome in einer Vorlage nĂŒt Kaliumjodid aufgefangen; das gesammte, d. h. das in die Vorlage ĂŒbergetriebene und das in der Vorlage aus Kaliumjodid ausgeschiedene Jod wird titrirt. Nach der oben angegebenen Zersetzimgsformel entspricht jedoch nur ein Theil, und zwar Âźs gefundenen Jods dem entwickelten Brom, worauf bei der Berechnung RĂŒcksicht zu nehmen ist.

Der Autor fand, dass bei starkem Vorwalten von BromwasserstoflF ein Theil des ĂŒbergehenden Broms wieder in BromwasserstofF, welcher natĂŒrlich aus dem Kaliumjodid kein Jod ausscheidet, umgewandelt wird. Er empfiehlt in diesem Falle, eine bestimmte Menge Jodat anzuwenden und nach beendigter Zersetzung den Ueberschuss von Jodat gemĂ€ss der Reaction

Hj03 + 5Hj 3J3 + 3H,0

jodometrisch zu bestimmen. Das Chlor wĂŒrde schliesslich bestinmit werden, nachdem das ĂŒberschĂŒssige Kaliumjodid durch Nitrit zestört worden ist.

B. Indirecte Verfahren.

1488. I. Durch Umwandlung der genuiten SĂŒberhalogemde in metallisches Silber. Man lallt Brom und Chlor durch Silbemitrat und wĂ€gt das erhaltene Gemisch von Silberbromid und Silberchlorid. Erhitzt man es dann in einem WasserstofFstrome, so wird es zu metallischem Silber reducirt, welches ebenfalls gewogen wird. Die so erhaltenen Daten gestatten die Berechnung der Gewichte an Chlor und Brom.

Man kann auch die Silbersalze elektrolytisch reduciren, entweder nach Zusatz von verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure oder nach Auflösen in Kaliumcyanid 2).

Ferner kann man die Reduction durch Zink oder besser durch Cadmium bewerkstelligen (siege § 1006).

Das reducirte Silber muss sich in verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure völlig klar lösen.

1489. II. Durch Titrimetrie. Wenn es die Natur der zu analysirenden Substanzen gestattet, kann man auch titrimetrisch verfahren, indem man, unter Anwendung von Kaliumchromat als Indicator, ermittelt, welches Volumen einer titrirten Silberlösung oder, mit anderen Worten, welches Gewicht von Silber zur genauen Ausfallung des Bronudes und Chlorides erforderlich ist Nun setzt man etwas SalpetersÀure hindu, um die geringe Menge mitgefÀllten Silberchromates zu entfernen, sammelt

') Kinnicut: Am. eh./. 4 (1883), 22. Whitfield: das. 8 (1887), 421.

den gemischten Niederschlag der Silberhalogenide aut einem Filter und bestimmt sein Gewicht.

1490. III. Duroh Umwandlung der gefĂ€llten Silberhalogenide in Silberohlorid. Das Gemisch der gefĂ€llten mid gewogenen Halogenide wird in einem PorzellanschiflFchen, das man in ein Rohr aus schwerschmelzbarem Glase geschoben hat, unter Zuleitung eines Chlorstromes erhitzt. Das Silberbromid wird zersetzt imd in Chlorid umgewandelt. Durch die Umsetzung treten 85,37 Th. Chlor an die Stelle von 79,76 Th. Brom; der Differenz, 79,76 — 35,37 44,39, entsprechen daher 187,42 Th. Silberbromid. Bestimmt man also durch eine neue WĂ€gung den Gewichtsverlust, welchen die Silbersalze erlitten haben, so kann man leicht das Gewicht des Silberbromides berechnen und man erhĂ€lt aus der Differenz das Gewicht des Chlorides.

Abgesehen von der Unbequemlichkeit, welche jedes Arbeiten mit Chlorgas mit sich bringt, ist dieses Verfahren unter den indirecten das weitaus empfehlenswertheste.

Man hat auch versucht, das Chlorgas durch das bequemer zu handhabende Chlorwasserstofifgas zu ersetzen; jedoch erfolgt die Umwandlung des Silberbromides in Silberchlorid viel langsamer als durch Chlor i) und deshalb ist die Anwendung des letzteren vorzuziehen.

Brom der Bromide und Metalle.

1491. FĂŒr diese Bestimmungen gilt das bei den Chloriden Gesagte (§§ 1483 u. 1484).

Jod der Jodide und freies Jod.

1492. Man bestimmt das freie Jod in einer besonderen Probe titrimetrisch (§§ 1413 ff.) und in einer zweiten Probe die Gesammtmenge des Jods, nachdem man das freie Jod durch schweflige SÀure, durch Alkalisulfit oder durch alkalisches Wasserstoffsuperoxyd 2) in Jodid umgewandelt hat.

Jodid und Bromid.

1493 Vorbemerkung. Die Scheidung der Jodide und Bromide lĂ€sst sich ebenfalls direct und indirect ausfĂŒhren (siege § 1486). Die directed Verfahren beruhen zum Theil auf FĂ€llung des Jods, wĂ€hrend bei einer anderen Kategorie das Jod in Freiheit gesetzt und durch Destillation vom unverĂ€ndert gebliebenen Bromide getrennt wird. Es hĂ€ngt von den UmstĂ€nden ab, ob man das destĂŒlirte Jod unmittelbar oder durch ein Differenzverfahren bestimmen will.

Nicht veröffentlichte, von Dr. Nihoul im Laboratorium von Professor De Koninck aasgeiĂŒhrte Versuche.

Dieses Reagens wurde von Lenssen angewandt, um das sich bildende Jodat zu zestören (/. prakt. Ch. 81 (1860), 276) (vergl. § 1487).

334 Chloride, Bromide, Jodide.

1493 a. I. Duroh Palladochloiid. Man fÀllt Brom und Jod gemeinschaftlich durch Silbernitrat und bestimmt das Gewicht dieses Niederschlages. In einer besonderen Probe bestimmt man das Jod durch Palladochlorid (§ 1471). Das Gewicht des Broms findet man durch Differenz.

1494 II. Duroh Thallonitrat). In einem Gemische von Broniid und Jodid der Alkalimetalle kann man zunÀ das Jod als Thallojodid (§ 1472) und dann im Filtrate das Brom als Silberbromid bestimmen.

Man tropft die Thallonitratlösung langsam unter bestĂ€ndigem UmrĂŒhren in die ziemlich concentrirte Halogenidlösung, bis man einen weissen, von Thallobromid herrĂŒhrenden Niederschlag entstehen sieht; man bringt diesen durch vorsichtigen Wasserzusatz wieder zum Verschwinden und filtrirt.

1495. ni. Duroh salpetrige SĂ€ure Man bringt eine verdĂŒnnte Lösung des Gemisches mit SchwefelsĂ€ure und einem chlorfreien Alkalinitrit, von welchem man jedoch einen grossen Ueberschuss vermeidet, in einen Destillirapparat, leitet einen Strom von Wasserdampf ein imd fangs sowohl das frei werdende Jod, als die sich entwickelnden nitrogen DĂ€mpfe in einer mit Wasserstoffsuperoxyd versetzten Lösung von Alkalihydrat auf. Diese fĂŒhrt die salpetrige SĂ€ure in SalpetersĂ€ure und das Jod in Jodid ĂŒber. Das Bromid bleibt unzerlegt im Destillirkolben.

1496. IV. Durch Ferrisalze Man behandelt das Gemisch in einem Destillirapparate mit einer sauren Lösung von Ferrisulfat, treibt' das frei werdende Jod durch Kochen ĂŒber, fĂ€ngt es in einer vorgelegten Kaliumjodidlösung auf und bestimmt es titrimetrisch.

Das Ueberdestilliren des Jods lÀsst sich durch Anwendung eines Stromes von Wasserdampf beschleunigen.

Wenn man die Destillation unterbricht, sobald keine Spur von Jod- dĂ€mpfen mehr zu beobachten ist, so bleibt das Bromid vollstĂ€ndig im Destillirkolben zurĂŒck (siege § 587, Bd. I, S. 459 f., u. § 603, Bd. I, S. 474); es kann dann durch Silbemitrat bestimmt werden.

1497. V. Durch Kaliumarsenat. Die Gegenwart von Bromid ist der Bestimmung des Jods nach dem oben (§ 1477) beschriebenen Verfahren durch Kaliumarsenat nicht hinderlich. Man bestimmt das Jod in dieser Weise in einer besonderen Probe und fÀllt in einer anderen Probe das Jodid und Bromid zusammen durch Silbemitrat Die Menge des Bromides erhÀlt man aus der Differenz.

1498. VI. Indireote Bestimmung. Man fallt durch Silberoitrat und wÀgt das Gemisch von Silberjodid und Silberbromid. Darauf erhitzt man dasselbe in einem Chlorstrome, welcher das Ganze in Silberchlorid umwandelt. Durch WÀgen desselben erhÀlt man das Gewicht des im

HĂŒbner und Frerichs: Z. anal. Ch. 11 (1872), 400. Gooch und Ensigu: Sill. Am./. [3] 40 (1890), U5; Jannasch und Aschoff: Z. anorg. Ch. 1 (1892), 144 und 245. Duflos: siege § 587.

Gemische enthaltenen Silbers. Aus diesen Daten lassen sich Brom und Jod berechnen.

Man erhÀlt dasselbe Resultat, wenn man durch FÀllen mittels einer titrirten Silberlösung das zur Ueberfuhrung der Halogene in die Silberverbindungen erforderliche Silber ermittelt (§ 1489) und dann das Gewicht dieses Niederschlages bestimmt.

Man kann auch das Silber in dem gewogenen Niederschlags - Gemisch alektrolytisch oder durch Reduction mittels Cadmium bestimmen (siege § 1488).

1499. VII. Durch Ealiumdiohromat und SchwefelsĂ€ure). Man erhitzt das Gemisch von Silberbromid und Silberjodid in einem Destillirapparate mit Kaliumdichromat und SchwefelsĂ€ure. Das Brom wird frei, wĂ€hrend das Jod in JodsĂ€ure ĂŒbergenĂŒhrt wird (vergl. § 1435, Nr. 15).

Das abdestillirte Brom wird in einer mit den bekannten Reagentien beschickten Vorlage in Bromid ĂŒbergenĂŒhrt und als Silberbromid oder nach Auffangen in Kaliumjodid jodometrisch bestimmt.

Die zurĂŒckgebliebene JodsĂ€ure wird durch schweflige SĂ€ure zu Jodwasserstoff reducirt und als Silberjodid bestimmt.

1499a. VIII. Durch nitrose SchwefelsĂ€ure). Man behandelt das Gemisch mit nitroser SchwefelsĂ€ure in der KĂ€lte. Das frei gewordene Jod trent man von dem unzersetzt gebliebenen Bromide durch AusschĂŒtteln mit Chloroform und bestimmt es durch

Jodid und Chlorid.

1500. In dieser Scheidung kann man die Verfahren, welche wir bei der Scheidung der Jodide und Bromide angegeben haben, benutzen. Wendet man die FÀllung des Jods als Palladojodid an, so kann man Palladonitrat benutzen, dann das Palladium im Filtrate durch Schwefelwasserstoff fÀllen, den Ueberschuss an letzterem durch Zusatz von Fernsulfat zestören und in dem vom Palladosulfide und Schwefel getrennten Filtrate das Chlor bestimmen. Es ist wohl nicht zu bezweifeln, dass man das Palladium einfacher durch Magnesium oder durch ein Formiat fÀllen kann (§ 1483).

Das indirect Verfahren (§ 1490) kann man wieder in folgender Weise anwenden. Man fÀllt und wÀgt gemeinschaftlich Silberjodid imd Silberchlorid, erhitzt das Gemisch in einem Chlorstrome und wÀgt abermals. Der Gewichtsverlust wird durch Ersatz von 126,54 Th. Jod durch

Macnair: /. eh. Soc. 68 (1893), 1051. Das Verfahreo ist auch auf die ScheiduDg von Chloriden und Jodiden anwendbar. Voraussichtlich wird sich das Kaliumdichromat durch ChromsÀureanhydrid ersetzen lassen. Siehe auch H. Baubigny: C. r. 127 (1898), 1219, und 128 (1899), 51.

Ueber die Scheidung als Thallojodid siege HĂŒbner und Spezia: Z.anal. Ch, U (1872), 397; Jannasch und Aschoff: Z. anorg, Ch. 1 (1892), 248.

336 Chloride, Bromide, Jodide.

85,37 Th. Chlor veranlasst; man kann aus ihm das Gewicht des Silberjodides berechnen und findet dann das Gewicht des Silberchlorides aus der Differenz.

Bougaulti) wandelt den gemischten Niederschlag durch Behandeln mit SchwefelsÀure und Zink in metallisches Silber um und berechnet aus dem Gewichte des Metalles die beiden Halogene (siege § 1488).

Endlich kann man in einem Gemisch von Alkalijodid und Alkalichlorid Jod und Chlor*) in der Weise scheiden, dass man das Jod durch Schmelzen mit Kaliumdichromat aus dem entstandenen Gewichtsverlust (§ 1473) bestimmt, dann die Masse mit Wasser auslaugt, die Lösung abfiltrirt, mit SalpetersÀure ansÀuert und schliesslich das Chlor durch Silbemitrat bestimmt.

Jodid, Bromid und Chlorid.

1501* Um in einem Gemische von löslichen Jodiden, Bromiden und Chloriden Jod, Brom und Chlor zu bestimmen, muss man die Verfahren, welche wir vorstehend fĂŒr zwei dieser Halogenverbindungen angegeben haben, in geeigneter Weise combiniren.

Unter den verschiedenen Combinationen helen wir folgende hervor.

1502* I. In einer besonderen Probe fÀllt man alle drei Halogene durch Silbemitrat und wÀgt das Niederschlagsgemisch.

In einer zweiten Probe bestimmt man das Jod durch Palladochlorid-

Nach Entfernung des Palladiums (§ 1500) fĂ€llt man das Filtrat mit Silbemitrat, wĂ€gt den aus Chlorid und Bromid des Silbers bestehenden Niederschlag, glĂŒht ihn in einem Chlorstrome und wĂ€gt abermals; die ermittelte Gewichtsdifferenz giebt das Mittel fĂŒr die Berechnung des Broms.

Man hat sonach Jod und Brom und kann daraus ihre Silberverbindungen berechnen; zieht man die Summe dieser von dem zuerst ermittelten Gewichte der drei Silberhalogenide ab, so erhÀlt man das Silberchlorid.

1502 a. II. Man bestimmt das Jod durch Ferrisulfat (§ 1476) und in dem RĂŒckstande das Chlor und das Brom durch Silbemitrat (§§ 1488 ff.), wobei zu bedenken ist, dass das im RĂŒckstande befindliche Ferrosulfat auf Silbemitrat reducirend wirkt.

1503 Bemerkung. Die Zahl der zur Aufsuchung und Scheidung der Chloride, Bromide und Jodide vorgeschlagenen Verfahren ist ziemlich betrÀchtlich; wir haben von ihnen nur einen Theil beschrieben. Ausser auf der Anwendimg der Silber-, Palladound Thallosalze beruhen sie im Allgemeinen auf der Freimachung von Jod oder Brom durch verschiedene, mehr oder weniger energisch wirkende Oxydationsmittel in Gegenwart saurer Substanzen.

/. de pharm, et de ckim. [6] 10 (1899), 18. Krutwig: B, Yl (1884), 341.

Als Oxydationsmittel hat man die Superoxyde des Bleis, Mangans und Bar}'ums angewandt, ferner das Chlor, die Chromate und das Kaliumpermanganat, die Alkalinitrite, nitrose SchwefelsÀure, Natriumhypochlorit, Monokaliumarsenat, Kaliumpersulfat, Ammoniumpersulfat, die Ferrisalze und JodsÀure.

Als saure Substanzen sind mehr oder weniger verdĂŒnnte Schwefel- sĂ€ure, die sauren Sulfate des Kaliums und Natriums, Aluminium sulfat und EssigsĂ€ure in Vorschlag gebracht worden. Andere organische SĂ€uren könnten noch versucht werden.

Alle diese Verfahren in ihren Einzelheiten zu beschreiben, wĂŒrde uns zu weit fuhren; wir glauben vielmehr, uns auf den theoretischen Hinweis und die Litte raturangabe beschrĂ€nken zu können.

Es sind noch die Verfahren zum Zwecke einer Concentration der Jodide und Bromide in Lösungen, welche von beiden verhĂ€ltniss- mĂ€ssig nur geringe Mengen, aber grosse Mengen von Chloriden enthalten (Mineralwasser z. B.), anzufĂŒhren. Diese Verfahren beruhen darauf, dass man die Chloride durch starken Alkohol, in welchem Chloride sehr wenig, Bromide und Jodide dagegen leicht löslich sind, abscheidet, oder darauf, dass, wenn man eine solche Lösung nach und nach durch Silbernitrat fractionirt fĂ€llt, sich in den ersten Fractionen das Jodid ansammelt, dann das Bromid ausfĂ€llt und an letter Stelle erst das Chlorid 2).

Jod der Jodide und Metalle.

1504. Bemerkung. Hat man ausschliesslich mit Alkalimetallen zu thun, so kann man das Jod in einer besonderen Probe beliebig nach einem der beschriebenen Verfahren bestimmen; dasselbe gilt auch von den Metallen der alkalischen Erden. Vielleicht ist aber bei diesen das Dichromatverfahren (§ 1473) nicht anwendbar; zur Zeit ist wenigstens noch nicht festgestellt, ob die betreffenden Jodide durch Schmelzen mit Dichromat vollstÀndig zerlegt werden.

In einer anderen Probe werden die Metalle nach den ĂŒblichen Verfahren bestimmt, entweder direct oder nach Ausscheidung des Jods (bei der Bestimmung des Kaliums und Ammoniums durch Wasserstoflfplatinchlorid) durch Silbernitrat oder Silbersulfat oder durch SchwefelsĂ€ure.

1) Vortmanp: B. 13 (1880), 325, u. 15 (1882), 1106, und Z. anal. Ch. 22 (1883), 565, u. 25 (1886), 172; MĂŒller und Kircher: B. 15 (1882), 812; E. Hart: Z. anal, Ch. 24 a885), 182; Berglund: Z. anal. Ch. 24 (1885), 184; Friedheim und Meyer: Z. anorg. Ch. 1 (1892), 406; Gooch und Browning: Sill. Am. J. [3] 39 (1890), 188; Gooch und Brooks: ebendas. 40 (1890), 283; Jannasch und Aschoff: Z. anorg. Ch. 1 (1892), 144 u. 245; White: Ch. N. 57 (1888), 187; Weiss: Rep. anal. Ch. 5 (1885), 238, u. A. m. FĂŒr die Bibliographie siege besonders Friedheim und Meyer: 1. cit.

J.prakt. 6%. 45 (1848), 272; Field: Quart. J. ehem. Soc.\0 (1863), 234; Siewert: /. prakt. Ch. 104 (1868), 328; Huschke: Z. anal. Ch. 434.

De Koninck - Meineke, Mineralanalyse. II. 22

338 Eigenschaften der Hypochlorite.

FĂŒr die anderen Metalle wendet man besser eins der folgenden Verfahren an.

1505. I. Diiroh Silbemitrat. Man bestimmt das Jod gewichtsanalytisch durch Silbemitrat (§ 1470) entweder direct, oder, wie bei einigen entsprechenden Chloriden (§ 1483), nach Abscheidung des Metalles.

Das Metall bestimmt man entweder in derselben Probe, nachdem man den Silberuberschuss durch SalzsÀure entfernt hat, oder, und das ist oft vorzuziehen, in einer besonderen Probe.

1506. II. Baroh Ferrisalse. Die Ferrisalze dienen dazu, das Jod in einer besonderen Probe aus den Jodiden frei zu machen und, nach Austreibung durch Destillation, in der VorlageflĂŒssigkeit zu bestimmen (§ 1476), wĂ€hrend das Metall entweder direct oder nach Zersetzung des Jodides durch SchwefelsĂ€ure oder SalpetersĂ€ure bestimmt wird.

1607 Die unlöslichen Jodide werden durch Kochen mit der Lösung eines Alkali-Hydrates oder -Carbonates oder durch Schmelzen mit einem Alkalicarbonate zerlegt.

Die Jodide des Quecksilbers können auch durch Behandeln mit einer concentrirten Lösung von Natriumsulfid, welcher man etwas Natriumhydrat zugesetzt hat, bis zum Auflösen des anfangs entstandenen Mercurisulfides, zerlegt werden; das Sulfomercurat wird dann durch verdĂŒnnte Schwefel- sĂ€ure zersetzt. Der gebildete und in Lösung gebliebene Schwefelwasserstoff wird durch einige Tropfen Cadmiumsulfat entfernt, damit er der schliesslichen Bestimmung des Jods im Filtrate der Sulfide, welche nach einem beliebigen Verfahren ausgefĂŒhrt werden kann, nicht hinderlich wird.

Eigenschaften der Hypochlorite.

1508. 1. Die Hypochlorite entsprechen der nur in wÀssriger Lösung bekannten unterchlorigen SÀure, HCIO; den Hypochloriten sind die entfÀrbenden Chloride (z. B. Chlorkalk), die auch öfter als Bleichchloride bezeichnet werden, nahe verwandt; diese verhalten sich wie ein Gemisch von Hypochlorit, Chlorid und Hydrat Alle diese Verbindimgen sind farblos.

Die einzigen Hypochlorite und Bleichchloride von Wichtigkeit sind diejenigen des Kaliums), des Natriums 2), des Calciums) und des Zinks*);

Chlorkalk.

Var rentrapp s entfÀrbendes Sa!z.

Eigenschaften der Hypochlorite. 339

sie sind auch die bestĂ€ndigsten. Man erhĂ€lt sie im Gemisch mit Chloriden, wenn man die betreffenden Metalloxyde oder -Hydroxyde in der KĂ€lte, theils in fester Form, theils in verdĂŒnnter wĂ€ssriger Lösung oder Suspension mit Chlor behandelt, z. B.:

2 NaOH -t- NaClO + NaCl + HO.

Das Hypochlorit des Ammoniums ist nicht bekannt.

2*. Die Hypochlorite zersetzen sich Àusserst leicht, so z. B. all- mÀhlich schon bei Luftzutritt Hierbei wird durch die KohlensÀure der Luft die schwache unterchlorige SÀure aus ihren Salzen frei gemacht. Durch Kochen ihrer Lösungen werden die Hypochlorite vollstÀndig zersetzt, und zwar liefern concentrirte Lösungen Chlorid unter Entwickelung von Sauerstoff:

2NaC10 2NaClH-02,

wĂ€hrend verdĂŒnnte Lösimgen ein Gemisch von Chlorid und Chlor at geben:

3 NaClO 2 NaCl + NaClO.

Dieser Umsetzung unterliegt das Silberhypochlorit schon bei gewöhnlicher Temperatur; auch Silbernitrat bewirkt sie in den Lösimgen anderer Hypochlorite, wobei Silberchlorid gefÀllt wird und Silberchlorat in Lösung bleibt:

3 NaClO + 3 AgNOg 2 AgCl + AgClOg -f 3 NaNOg.

3. Setzt man zu einer Hypochloritlösung ein Ammoniumsalz, so wird Stickstoff frei:

3 NaClO + 2 NHCl 3 NaCI + 2 HCl + 3 HgO -f Ng.

Durch die Einwirkung der Hypochlorite auf Ammoniak in verdĂŒnnter Lösung entsteht ein Körper, welcher ammoniakalische Silbersalze, alkalische Cuprisalze und Permanganat) reducirt. Es ist wahrscheinlich Hydroxylamin, oder Hydrazin, HgN — NHg.

3 a. ErwÀrmt man eine Hypochloritlösung, z. B. wÀssrige Chlorkalksuspension, mit Metalloxyden wie Cuprioxyd oder Cobaltioxyd, so wird Sauerstoff frei:

+ 2 CogOg CaClj + 4 CoO + 2 O.

Das entstandene Metalloxydul wird durch Hypochlorit wieder in Metalloxyd ĂŒbergenĂŒhrt, so dass der Kreislauf von Neuem beginnen kann.

4. In verdĂŒnnter Lösung mit verdĂŒnnter SĂ€ure behandelt, geben die Hypochlorite unterchlorige SĂ€ure. Namentlich durch Destillation von Hypochloriten, z. R. wĂ€ssriger Chlorkalksuspension, mit BorsĂ€ure erhĂ€lt man eine wĂ€ssrige Lösung reiner unterchloriger SĂ€ure, erkennbar an ihrem, dem des Chlors Ă€hnlichen GerĂŒche und an ihrer Einwirkung auf ozonoskopisches Papier, welches durch sie geblĂ€ut wird (siege Nr. 8).

340 Eigenschaften der Hypobromite.

5. SalzsÀure entwickelt Chlor:

+ 4 HCl CaClg + 2 HO + 2 Clj. Ist Chlorid zugegen, was meistens der Fall ist, so findet daher auch durch die Einwirkung concentrirter SchwefelsÀure auf ein Hypochlorit Chlorentwickelung statt:

NaClO + NaCl + 2 2 NaHSO + HgO + Clg.

6. Die entfÀrben die schwefelsaure Lösung von Indigo.

7. Sie fÀrben Diphenylaminsulfat blau.

8. In eine mit SalzsÀure oder SchwefelsÀure angesÀuerte Jodid- lösung gebracht, setzen sie Jod in Freiheit:

KCIO + 2 KJ + 2 HCl 3 KCl + H2O + J,.

9. Sie fĂŒhren Ferrosalze in Ferrisalze ĂŒber: Fe.CSOJg + NaClO + H2SO4 + NaCl + HgO.

10. Sie fĂŒhren Kaliumars enit in xrsenat ĂŒber: K3 AsOg + NaClO K3ASO4 + NaCl.

11*. Mangano Chlorid erzeugt in alkalischen Hypochloritlösungen einen braunen Niederschlag von Manganbihydroxyd (Mangansuperoxydhydrat) :

MnCl + 2 NaClO + 4 NaOH 2 + G NaCl.

12*. Bleinitrat, in eine alkalische Hypochloritlösung gegossen, giebt einen weissen Niederschlag von Bleihydroxyd, welcher allmÀhlich gelb, dann orange (Plumbo-Plumbi-Hydrat?) und schliesslich braun (Bleisuperoxyd) wird. Die vollstÀndige Reaction findet ihren Ausdruck durch die Formel:

-f 2 NaOH + NaClO PbOg + 2 NaNOg + NaCl + Kfi.

An Stelle des Bleinitrates kann auch Bleiacetat oder auch basisches Bleiacetat treten; in letzterem Falle ist der Zusatz eines Alkalihydrats unnöthig.

13. Wasserstoffsuperoxyd reducirt die Hypochlorite und wird gleichzeitig selbst zersetzt:

KCIO + H2O2 KCl + + Og.

14. Mit einem Reductionsmittel, namentlich Zink oder schwefliger SĂ€ure, behandelt, werden die Hypochlorite in Chloride ĂŒbergenĂŒhrt.

15. Mit einem Alkalicarbonate geschmolzen, verlieren sie Sauerstoff und geben, wie alle Chlorverbindungen, eine Masse, welche nur Chloride enthÀlt.

Eigenschaften der Hypobromite.

1509. Nur die Hypobromite der Alkalien sind von Wichtigkeit. Man erhĂ€lt sie, mit Bromid gemischt, wenn man ein Alkalihydrat in kalter, verdĂŒnnter Lösung mit Brom behandelt:

2 NaOH + Brg NaBr + NaBrO + HgO.

Sie haben grosse Analogie mit den Hypochloriten ; wie diese sind sie farblos und geben auch gleiche Reactionen.

Eigenschaften der Hypojodite. 341

Die unterbromige SÀure ist noch weniger bestÀndig als die unter*

chlorine SĂ€ure. Mit einer SĂ€ure behandelt, namentlich in Gegenwart von Bromid, geben die Hypobromite unmittelbar Brom.

Eigenschaften der H3pojodite.

1510. Die Hypojodite sind ausserordentlich unrestĂ€ndige Verbindungen; schon bei gewöhnlicher Temperatur, schneller beim ErwĂ€rmen, werden sie in Jodat und in Jodid ĂŒbergenĂŒhrt.

Es ist bis jetzt noch nicht gelungen, ein Hypojodit fĂŒr sich oder selbst in einer dem Chlorkalk Ă€hnlichen Verbindung isolirt darzustellen. Dennoch darf man kaum an ihrer vorĂŒbergehenden Bildung zweifeln, z. B. bei der Einwirkung von Jod auf das Hydrat oder namentlich das Carbonat eines Alkalimetalls, wenn auch das Endproduct nach verhĂ€ltnissmĂ€ssig kurzer Zeit Jodat und Jodid ist

Das vorĂŒbergehende Auftreten von Hypojodit ist fĂŒr die analytische Chemie unter UmstĂ€nden von grosser Wichtigkeit. So wird in Folge seiner Bildung Hyposulfit durch Jod in Gegenwart einer alkalisch wirkenden Substanz (Hydrate der Alkali-und Alkali -Erd- Metalle, Carbonate der Alkalimetalle) nicht in Tetrathionat, sondern in Sulfat ĂŒbergenĂŒhrt 2): Na2S203 4- 4 NaJO + HgO 2 NaHSO + 4 NaJ.

Es ist daher bei jodometrischen Bestimmungen durch Hyposulfit mit grösister Sorgfalt darauf zu achten, dass letzteres nicht alkalisch reagirt (PrĂŒfung mit Phenolphtalein).

Arsenige SĂ€ure wird durch Hypojodit in ArsensĂ€ure ĂŒbergenĂŒhrt. Bei jodometrischen Bestimmungen durch Arsenit wirkt daher Hypojodit wie Jod. Die Reaction wird durch die Gegenwart von Alkalicarbonat nicht beeinflusst, wohl aber durch Alkalihydrat, weil Jod, mit letzterem zusammengebracht, sofort reichliche Mengen von Jodat, neben verhĂ€ltniss- mĂ€ssig geringen Mengen von Hypojodit, bildet.

Will man ein Jodat entsprechend der Reaction

KJOg + 5 KJ H- 6 HCl 3 Ja -f 6 KCl + 3 HgO zersetzen und wendet man nicht sofort mindestens die theoretisch erforderliche Menge Kaliumjodid an, so scheint ebenfalls Hypojodit zu

Vergl. hierĂŒber: Schönbein: /. prakl. Ch. 84 (1861), 385 ff.; Lenssen und Löwenthal: ebendas. 86 (1862), 216 ff.; Topf: Z. anal. Ch. 26 (1887), 165ff.; Baumann; Z. angew. Ch, 1891, 205, u. 1892, 70; Lommel: Z.anal. CA. 83 (1894), 417; Lippmann: B. 7 (1874), 1773; Berthelot: ebendas. 10 (1877), 900. Bemerkenswerth ist, dass bei Gegenwart von KJ die Bildung von Jodat aufgehalten wird; es scheint demnach eine etwas bestĂ€ndigere, dem Chlorkalk entsprechende Verbindung zu existiren. Vergl. Schönbein: 1. cit. — Vielfache, vor lĂ€ngeren Jahren von Meineke und von Anton ausgefĂŒhrte, nicht veröffentlichte Versuche bestĂ€tigen den Einfluss von KJ.

Topf: I. cit. S. 167.

342 BestimmuDg der Hypochlorite.

entstehen ; wenigstens wird, wenn man das nun unvollstĂ€ndig ausgeschiedene Jod mit Hyposulfit titrirt, letzteres theilweise in Sulfat ĂŒbergenĂŒhrt i).

Die Alkalihypojodite werden durch alkalisches WasserstoflEsuperoxyd wie die entsprechenden Hypochlorite (siege § 1508, Nr. 13) zersetzt*).

A. Durch WĂ€gung.

1511* Durch SĂŒbersalze. WĂ€re das Hypochlorit frei von Chlorid, was nie vorkommt, so könnte man es bestimmen, indem man es direct mit Silbemitrat behandelt und das entstandene Silberchlorid wĂ€gt. Dieses wĂŒrde % des Chlors des Hypochlorites enthalten (siege § 1508, Nr. 2).

Die Gegenwart von Chlorid nöthigh zu Umwegen; man bedient sich in diesem Falle ausschliesslich titrimetrischer Verfahren.

B. Durch Titrimetrle.

1512* L Durch Jodometrie Man giesst die verdĂŒnnte und kate Lösung des zu bestimmenden Hypochlorites in eine im Ueberschuss angewandte Lösung von reinem Kaliumjodid und sĂ€uert mit SalzsĂ€ure an; das in Freiheit gesetzte Jod (siege § 1508, Nr. 8) wird unmittelbar durch eine titrirte Lösung von Natriumhyposulfit bestimmt (§ 1417)).

1513. n. Durch Ealiumarsenit). Man lÀsst in die Lösung des Hypochlorites eine titrirte Lösung von Kaliumarsenit (§ 1423) fliessen, bis ein herausgenonmiener Tropfen des Gemisches Papier, welches mit Kaliumjodid und StÀrkelösung 7) imprÀgnirt ist (sogen. Jodkalium- StÀrkepapier, ozonoskopisches Papier), nicht mehr blÀut, ein Beweis, dass die etzte Spur von Hypochlorit verschwunden ist.

1514. III. Durch FerrosalBe. Man verfÀhrt genau wie bei der Bestinmiung des Chlors durch dieselben Reagentien (§ 1408 a). Auch

') Meineke: Ch.-Z. 19 (1895), 2. Nach Charlotte F. Roberts entsteht Chloijod {SĂŒl. Am. /. [3] 48 (1894), August).

Baumann: 1. cit.

') Ueber die Einzelheiten der in der Technik ĂŒblichen Verfahren lese man in Special weaken nach, z. B. Lunge: Taschetibttch fĂŒr die Soda- Pottascheund Ammoniak -Fixbrikation, ausfĂŒhrlicher im Handbuch der Soda Industrie desselben Verfassers.

Bunsen: Ann. 86 a853), 265; Wagner: Dingl. 164 (1859), 146; Cl. Winkler: ebendas. 198 (1870), 143.

Da durch die Reaction Jodid wieder zurĂŒckgebildet wird, könnte man sich durch Sparsamkeitsnicksichten dazu verleiten lassen, dieselbe FlĂŒssigkeit zu neuen Versuchen zu verwenden. Man wĂŒrde damit aber einen Fehler begehen; denn Winkler (l. cit.) hat gezeigt, dass. das entstandene Tetrathionat das Resultat stark beeinflusst. Man muss daher stets eine neue Lösung anwenden.

Penot: Bull. Soc. ind. de Mulhouse Nr. 118 (1852).

') 1 gr Kaliumjodid in etwa 100 cc einer klaren, etwa einprocentigen StÀrke- lösung gelöst.

BestimmuDg der Hypochlorite. 343

hier kann man, wie beim Chlor, das Mohr*sche Salz nicht anwenden (§ 1508, Nr. 3).

1515. IV. Dnroh Stannoohloiid und Cuprisulfiit). Man bereitet eine titrirte Cuprisulfatlösung nach der directed Methode aus reinem Salze; von dieser Lösung entnimmt man ein bestimmtes Volumen, setzt einen starken Ueberschuss von rauchender SalzsĂ€ure hindu und lĂ€sst aus einer BĂŒbette eine Lösung von Stannochlorid zufliessen, bis gerade Ent- fĂ€rbung eintritt (§ 918). Man erfahrt so den Werth der Stannolösung. In die in dieser Weise hergenchtete FlĂŒssigkeit bringt man das zu bestimmende Hypochlorit, welches einen Theil des Kupfers wieder in die Cupriverbindung ĂŒberfĂŒhrt. Die Menge desselben erfĂ€hrt man, wenn man jetzt in die FlĂŒssigkeit abermals von der Stannolösung bis zur Ent- fĂ€rbung einfliessen lĂ€sst.

Aus den erhaltenen Daten lÀsst sich die Menge des zu bestimmenden Hypochlorites leicht berechnen.

15 16. V. Durch WasseratofOiaperoxyd und Permanganat). Man giesst die Hypochloritlösung in einen Ueberschuss von titrirtem WasserstofiBsuperoxyd und titrirt den Ueberschuss durch Kaliumpermanganat zurĂŒck (§ 1396).

Der Titer des Wasserstoflfsuperoxydes wird unmittelbar vor oder nach AusfĂŒhrung des Versuches bestimmt, indem man ein geeignet erscheinendes Volumen, z. B. 10 cc, abmisst und, nach Zusatz von ver- dĂŒnnter SchwefelsĂ€ure, Permanganat bis zur FĂ€rbung hinzufliessen lĂ€sst Der Titer des Permanganates wird nach einem der ĂŒblichen Verfahren eingestellt (§§ 466 ft).

— Nur des allgemeinen und historischen Interesses halber wollen wir die Ă€lteren Verfahren von Descroizilles*) und Gay-Lussac*) er- wĂ€hnen, welche auf der Einwirkung der Hypochlorite auf Indigo, auf Kaliumferrocyanid oder Mercuronitrat beruhen; die vorstehend beschriebenen Verfahren sind diesen bei weitem vorzuziehen.

C. Durch Oasometrie.

1517. Durch Wasserstofibuperoxyd). Das Verfahren beruht auf der Reaction

MCIO + HgOg MCI + HjO + Oj.

Man bringt das Hypochlorit in den kleinen Erlenmeyer-Kolben des nachstehenden Apparates (Fig. 206) und lÀsst in den im Kolben

F. Jean: C. r. 80 (1875), 673; Dreyfuss: Bull. See. eh. [2] 86 a881), 202.

Lange: Z. angew. Ch. 1880, 7; Vanino: ebendas. 1880, 80.

") /. des arts et manufact. 1 (1795).

') Siehe Ann. de eh. et de phys. S6 (1824), 162, u. 60 (1835), 225.

Lunge: B. 18 (1886), 868, u. Z. angew. Ch. 1880, 7; Vanino: Z. angew. Ch. 1880, 80 u. 509. Die Reaction als solche ist schon vor langer Zeit beschrieben: Schönbein: /. prakt. Ch. Tl (1859), 269.

Bestimmung der Hypochlorite.

befindlichen Reagircylinder aus einer Pipette Wasserstoffsuperoxyd fliessen. Nachdem der Apparat auf Null unter Luftdruck eingestellt ist, neigt man den Kolben, so dass das Wasserstoffsuperoxyd auf das Hypochlorit fliesst, und misst, nachdem die Reaction beendigt ist, den frei gewordenen Sauerstoff.

Die Dimensionen des Apparates sind an gewisse Grenzen gebunden; sie gestatten daher nicht, mit sehr grossen Substanzmengen zu arbeiten, was bisweilen, bei der Untersuchung des Chlorkalkes z. B., wĂŒnschenswerth ist, damit die Probe dem Durchschnittsgehalte des Productes entspricht.

Ist es erforderlich, grössere Substanzmengen anzuwenden, so kann man folgenden sehr einfachen Apparat anwenden, welcher auch zu anderen Àhnlichen Untersuchungen dienen kann).

Eine kleine Kochflasche, welche mit einem Hahntrichter und einem Ableitungsrohre versehen ist, wird durch letzteres mit einer grösseren Flasche verbunden; diese ist mit Wasser gefĂŒllt, mit einem dreifach gebohrten Stopfen versehen und trĂ€gt, ausser dem Verbindungsrohre zwischen beiden Apparattheilen , einen kleinen Wassermanometer (siege Anm. 2 zu § 1389, S. 275) und einen Heber, dessen Ă€usserer Schenkel durch ein StĂŒck Kautschukrohr mit Quetschhahn verschliessbar ist. Durch diesen Heber kann man Wasser aus der Flasche ablassen.

Um einen Versuch auszufĂŒhren, bringt man die abgewogene Probe in die kleine Zersetzungsflasche, verbindet die Apparattheile und öffnet einen Augenblick den Hahn des Trichters, damit sich der innere Druck mit dem Luftdrucke ausgleicht

Nun giesst man in den Trichter ein abgemessenes Volumen Wasserstoffsuperoxyd und lÀsst es, indem man den Hahn aufdreht, auf das Hypochlorit fliessen. Der sich entwickelnde Sauerstoff bewirkt eine Druckerhöhung im Apparate, welche sich am Manometer bemerkbar macht; indem man nun Wasser durch den Heber der grossen Flasche ausfliessen lÀsst, stellt man, der Sauerstoflfentwickelung Folge leistend, das Gleichgewicht wieder her.

Der Versuch ist beendet, wenn sich, nachdem alles Wasserstoffsuperoxyd in den Apparat eingelaufen und das Trichterrohr unterhalb

Fig. 206.

Siehe Vanino: Z- angew. Ch. 1880, 509.

Bestimmung der Hypobromite. Scheidungsverfabren. 345

des Hahnes mit Wasserstoffsuperoxyd gefĂŒllt ist, keine Gasentwickelung mehr bemerkbar macht und die FlĂŒssigkeit in beiden Manometerschenkeln auf demselben Niveau bleibt.

Indem man in einem Messcylinder das Wasser, welches man aus der grossen Flasche hat ausfliessen lassen, sammelt, erfahrt man das Volumen desselben; diesem Volumen ist das Volumen des entwickelten Sauerstoffes, abzĂŒglich des Volumens des Wasserstoffsuperoxydes, welches man in den Apparat hat gelangen lassen, gleich.

Statt das Wasser zu messen, kann man es auch wÀgen; unter ge- wöhnlichen UmstÀnden kann man 1 gr= 1,002 cc annehmen (§ 82).

Bestimmung der Hypobromite.

1 5 1 8. Die Hypobromite können gewichtsanalytisch oder titrimetrisch, genau so wie die Bromate (§§ 1535 ff.), bestimmt werden.

Das beste Verfahren fĂŒr diese und ĂŒberhaupt fĂŒr die analogen Bestimmungen bietet die Jodometrie.

Scheidungsverfahren. Hypochlorit und Chlorid. 1519 Man bestimmt das Hypochlorit titrimetrisch oder gasometrisch in einer besonderen Probe; in einer zweiten Probe bestimmt man, nachdem die Reduction des Hypochlorites zu Chlorid eingetreten, die Gesammtmenge des Chlors beider Verbindungen. Die Reduction kann durch Zusatz von schwefliger SÀure, von Ferrosulfat, von Wasserstoffsuperoxyd oder endlich durch lÀngeres Kochen mit Ammoniak geschehen.

Unterchlorige SĂ€ure und Metalle.

1520. Um die Metalle zu bestimmen, zersetzt man die Hypochlorite durch Abdampfen mit SalzsĂ€ure oder SchwefelsĂ€ure, je nachdem es wĂŒnschenswerth ist, Chloride oder Sulfate zu erhalten.

Die unterchlorige SĂ€ure wird nach einem der oben beschriebenen Verfahren in einer besonderen Probe bestimmt.

Hypobromit und Hypochlorit.

1521. In Gegenwart von Chlorid oder Bromid (der einzige Fall, welcher in Wirklichkeit vorkommt) bestimmt man einerseits den disponiblen Sauerstoff der beiden Halogensauerstoffverbindungen durch Jodometrie, und andererseits ermittelt man die Gesanmitmenge von Chlor und die Gesammtmenge von Brom, nach Reduction der Sauerstoffverbindungen (siege § 1519).

Mit diesen drei erhaltenen Resultaten ist freilich die Aufgabe nicht streng gelöst; sie ist ĂŒberhaupt bei dem jetzigen Stande unserer Kenntnisse unlösbar.

346 Eigenschaften der Chlorate.

FĂŒr eine wahrscheinliche Berechnung kann man annehmen dass das Brom in höhere Grade als das Chlor die Neigung besitzt, Sauerstoffverbindungen einzugehen; die Resultate kann man also in der Art zusanmienstellen, dass man das Maximum von Hypobromit erhĂ€lt was darauf fĂŒhren kann, die zu analysirende Substanz als frei entweder von Bromid oder von Hypochlorit zu betrachten, ohne dass der Beweis dafĂŒr gefĂŒhrt werden kann.

Eigenschaften der Chlorate.

1522* 1. Die Chlorate leiten sich von der im freien Zustande nur in wÀssriger (bis zu 40%iger) Lösung bekannten, sehr starken Chlor- sÀure, HCIO3, ab.

Diese geruchlose, farblose Lösung zersetzt sich — obwohl die Chlor- sĂ€ure bedeutend bestĂ€niger ist als die unterchlorige SĂ€ure — schon bei dem Versuche, sie im Vacuum stĂ€rker als 40% ig zu concentriren, sowie beim Stehen am Licht. Schneller und vollstĂ€ndig wird sie zersetzt beim ErwĂ€rmen auf ĂŒber 40Âź:

8 HCIO3 2 CI3 4- 3 O2 4 HCIO + 2 HO. Frei von fÀrbenden Metallen, sind die Chlorate farblos; sie sind sÀmmtlich in Wasser mehr oder weniger leicht löslich.

Durch diese Eigenschaften und noch einige andere (Oxydationsreactionen) nehmen sie eine den Nitraten nahe Stellung ein.

2. Concentrirte SalzsÀure zersetzt die Chlorate unter Ent- Wickelung von Chlor und UnterchlorsÀure-Anhydrid, ClgO, dessen unangenehmer Geruch charakteristisch ist:

2 KClOg + 4 HCl 2 KCl + Cl + 0,0 + 2 HjO.

VerdĂŒnnte SalzsĂ€ure zersetzt die Chlorate beim ErwĂ€rmen und giebt nur Chlor:

KCIO3 -f 6 HCl KCl -f- 3 HjO + 3 CJ. Durch ein solches Gremisch wird daher Indigo entfĂ€rbt und werden F'erro salze in Ferrisalze ĂŒbergenĂŒhrt.

3*. LÀsst man ein Köchen von Chlorat in concentrirte Schwefel- sÀure fallen, so bilden sich UeberchlorsÀure und UnterchlorsÀure -Anhydrid); letzteres löst sich in der SchwefelsÀure tmd fÀrbt sie dunkelorangegelb:

3 KClOg + 3 HgSO 3 KHSO + HCIO4 -f + HO.

Das UnterchlorsĂ€ure- Anhydrid verursacht leicht eine Explosion, welche darch die Gegenwart der SchwefelsĂ€ure doppelt gefahrlich wird. Man darf daher den Versuch nur mit sehr kleinen Mengen Substanz in einer bedeckten Schale, nicht in einem Reagircylinder ausfĂŒhren.

Wirkt sehr concentrirte SalzsĂ€ure auf reichliche Mengen Chlorat unter ErwĂ€rmen ein, so scheint sich ebenfalls dieses Anhydrid zu bilden. Es ist auf diese Möglichkeit RĂŒcksicht zu nehmen, wenn man Chlorgas aus Kaliumchlorat und SalzsĂ€ure entwickeln will.

Eigenschaften der Chlorate. 347

VerdĂŒnnte SchwefelsĂ€ure, in eine Chloratlösing gegossen, bewirkt Bildung von ChlorsĂ€ure, welche in Lösung bleibt; durch dieses Gemisch wird Indigo nicht entfĂ€rbt

FĂŒgt man etwas schweflige SĂ€ure hindu, so findet eine Reduction der ChlorsĂ€ure zu einer niedriger oxydirten und weniger bestĂ€ndigen Verbindung statt und durch diese wird Indigo entfĂ€rbt, oder es entsteht — namentlich bei ErwĂ€rung — in Folge von Reduction Chlorwasserstoff, welcher die Bildung von Chlor (vergl Nr. 2) und damit EntfĂ€rbung veranlasst.

4. Diphenylaminsulfat, in SchwefelsĂ€ure gelöst, fĂ€rbt sich durch Chlorate intensiv blau); um diese Reaction hervorzurufen, giesst man in die in einem Reagircylinder enthaltene, sehr verdĂŒnnte Chloratlösung die Lösung des Reagens mit der Vorsicht ein, dass letztere zu Boden sink: an der BerĂŒhrungsstelle der Schichten bildet sich eine blaue Zone (siege Fussnote 1 zu § 1402, Nr. 7, S. 282).

5. Die Chlorate fÀrben eine schwefelsaure Lösung von Brucinsulfat lebhaft orangeroth.

6*. Silbernitrat bewirkt in Chloratlösungen keinen Niederschlag; setzt man aber zu der Mischung schweflige SÀure, so wird das Chlorat zu Chlorid reducirt und es bildet sich ein Niederschlag von Silberchlorid:

AgClO + 3 H2SO3 AgCl + 3 HjSO.

7. In saurer oder neutraler Lösung werden die Chlorate beim Er- wÀrmen mit Zinkstaub reducirt; es bildet sich Chlorid, welches an der Reaction mit Silbemitrat erkennbar ist:

KCIO3 + 3 Zn + 6 CHjCOOH KCl + 3 ZnCCHgCOO), + 3 HO.

8. In neutraler oder alkalischer Lösung werden die Chlorate durch Nitrite nicht reducirt, wohl aber in saurer Lösung.

9. Wasserstoffsuperoxyd reducirt die Chlorate nicht (vergl. § 1508, Nr. 13).

10. ErwÀrmt man trocknes Kaliumchlorat vorsichtig mit Jod, oder bringt man Jod in eine heisse, concentrirte Kaliumchlorat-Lösung, welcher man einige Tropfen SalpetersÀure zusetzt, so findet unter Chlorentwickelung Substitution des Chlors durch Jod statt:

2KCl03+J, 2KJ03-fCl,. Die analoge Substitution des Chlors durch Brom findet nur schwer statt.

11. Chlorate, fĂŒr sich oder mit Alkalicarbonat genĂŒgend hoch erhitzt, verlieren ihren Sauerstoff vollstĂ€ndig. IntermediĂ€r entstehen Perchlorate:

2 KCIO3 KCIO4 + KCl + O2, KCl04=:KCl-f 2O2. Die Chlorate sind daher energisch wirkende Oxydationsmittel auf trocknem Wege.

348 Eigenschaften der Bromate.

Auf glĂŒhence Kohle geworfen, bewirken sie eine lebhafte Verbrennung ohne Explosion; mit leicht oxydirbaren Substanzen (Kohle, Kaliumcyanid oder Kaliumferrocyanid, Zucker, Schwefel, Antimonsulfid etc., auch mit fein vertheilten Metallen, z. B. Magnesiumpulver) verpuffen sie heftig unter der Einwirkung der Hitze oder eines Schlages i).

Eigenschaften der Bromate.

1523 Die Bromate, welche sich von der in ihren Eigenschaften der ChlorsÀure Àhnlichen BromsÀure, HBrOg, ableiten, sind, ebenso wie letztere SÀure selbst, von geringerer Wichtigkeit.

1. Die Bromate sind farblos und im Allgemeinen in Wasser löslich.

2*. Von concentrirter SchwefelsÀure werden sie unter Abgabe von Brom und Sauerstoff zersetzt, wahrscheinlich nach: 4 KBrOg + 4 HgSO 4 KIISO + 4 HBrOg, 4 HBrOg 2 Br + 5 O2 + 2HjO. 2a. Bei Einwirkung von concentrirter SalzsÀure werden Brom und Chlor entwickelt:

2 KBrOg + 12 HCl 2 KCl + Br + 5 Ci + 6 HjO.

3. In Gegenwart einer starken SÀure reducirt Schwefelwasserstoff die Bromate zu Bromiden; es entsteht SchwefelsÀure unter gleichzeitiger Abscheidung von Schwefel oder, wenn das Bromat im Ueberschusse vorhanden ist, erstere allein; in diesem Falle wird auch Brom frei:

5 HgS + 8 HBrOg 4 HgO -f 5 HgSO + 8 Br. 3a. Schweflige SĂ€ure reducirt die Bromate zu Bromiden bez. Bromwasserstoff:

KBrOg + 3 H2SO3 KBr -f 3 , KBr + H2SO4 HBr + Kf ISO.

4. Jedes saure Reductionsmittel setzt bei Einwirkung auf einen Ueberschuss von Bromat Brom in Freiheit 2), so z. B. ein Ferrosalz:

5 FegCSOJg + 2 HBrOg + 5 5 + 6 HgO + Br.

5*. Mit Kaliumjodid geben die Bromate in saurer Lösung Jod: KBrOg + C KJ + G HCl -- 3 J2 + KBr + G KCl + 3 HO.

G*. Silbernitrat ruft einen weissen Niederschlag von Silberbromat, AgBrOg, hervor, welcher in kaltem Wasser fast unlöslich, in heissem Wasser und in Ammonieik löslich ist; durch verdĂŒnnte Salpeter- sĂ€ure wird er weder gelöst noch zersetzt.

7. Mercuronitrat giebt ebenfalls einen in verdĂŒnnter Salpeter- sĂ€ure unlöslichen, weissen Niederschlag von Mercurobromat, SalzsĂ€ure löst dieses unter Bildung von Mercurichlorid bez. -Bromid.

Man sei bei diesen Reactionen vorsichtig und verwende zu ihnen sehr kleine Mengen; die Substanzen mĂŒssen getrennt gepulvert werden. -) Feit und Kubierschky: C/i-Z. 15 (1891), 351.

Eigenschaften der Jodate. 349

8. Die BromsÀure entfÀrbt Indigo selbst bei gewöhnlicher Temperatur.

9. Durch GlĂŒhen verlieren die Bromate ihren Sauerstoff und geben, ohne intermediĂ€r Perbromate zu bilden, Bromid.

Eigenschaften der Jodate.

1524. 1. Die JodsÀure, HJO3*), von welcher die Jodate deriviren, ist, im Gegensatz zur ChlorsÀure und BromsÀure, im freien Zustand in fester Form erhÀltlich. Sie bildet farblose, glÀnzende, specifisch schwere Krystalle (sp. G. 4,63). JodsÀure sowie die Jodate zeigen entweder in steigendem oder in fallendem Grade die Eigenschaften der ChlorsÀure und BromsÀure bez. der Chlorate und Bromate, z. B. hinsichtlich ihrer BestÀndigkeit in zunehmendem, hinsichtlich der Löslichkeit der Jodate in Wasser in abnehmendem Maasse.

Die Jodate, welche von fÀrbenden Metallen frei sind, sind farblos. Im Allgemeinen sind die Jodate wenig löslich.

2*. Silbernitrat erzeugt in den Jodatlösungen einen weissen Niederschlag von Silberjodat, unlöslich in sehr verdĂŒnnter Salpeter- sĂ€ure, löslich in Ammoniak und in Ammoniumcarbonat (vergl. § 1435, Nr. 2):

KJO3 + AgNO, - AgJO, + KNOj.

Reductionsmittel, besonders schweflige SĂ€ure, bewirken eine Reduction des Silberjodates zu Jodid:

AgJOg + 3 H2SO3 AgJ + 3 H2SO,.

3. Mercuronitrat, in eine Jodatlösung gegossen, giebt einen kĂ€sigen, gelblich-weissen, in verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure wenig löslichen Niederschlag von Mercurojodat,

4. Bleinitrat erzeugt einen weissen, kÀsigen Niederschlag von Bleijodat,

5. Baryumchlorid giebt weisses, körniges Baryumjodat, sehr wenig löslich in kaltem Wasser (1 : 3000) und in verdĂŒnnter Salz- sĂ€ure, allmĂ€hlich löslich in SalpetersĂ€ure.

6. Neutrale und alkalische Jodatlösungen werden von Zinkstaub beim Kochen reducirt; es bildet sich Jodid (vergl. Nr. 9):

KJO3 + 3 Zn KJ -t- 3 ZnO.

7. Durch concentrirte SchwefelsĂ€ure wird in Abwesenheit eines Reductionsmittels aus Jodaten kein Jod frei gemacht (vergl. § 1523, Nr. 2); ebenso nicht durch verdĂŒnnte SchwefelsĂ€ure und andere nicht reducirend wirkende SĂ€uren.

Nach neueren Untersuchungen ist die Formel der JodsÀure HJOg entsprechend dem von Rosenheim und Liebknecht {Ann. 308 (1899), 40) bestimmten Moleculargewicht. Die JodsÀure ist demnach zweibasisch.

350 Atifsuchnng der Chloride, Hypochlorite und Chlorate in einem Gemische.

8. Setzt man JodwasserstoffsÀure zu JodsÀure oder, was dasselbe ist, Kaliumjodid zu einer angesÀuerten Jodatlösung, so tritt Jodausscheidung ein:

KJO3 + 5 KJ + 3 H2SO4 3 J2 + 3 K5SO4 + 3 HjjO.

9. Reductionsmittel, in kleiner Menge zu einer sauren Jodat- lösung hinzugefĂŒgt, setzen Jod in Freiheit, indem das anfangs gebildete Jodid auf das im Ueberschusse vorhandene Jodat wirkt (vergl. Nr. 8). In diesem Sinne reagiren Schwefelwasserstoff, schweflige SĂ€ure, Zink, Ferrosulfat. Erstere drei im Ueberschusse bringen das freie Jod zum Verschwinden in Folge der Bildung von Jodwasserstoff bez. Zinkjodid (vergl. § 1404, Nr. 6 u. 7).

10. Bei hoher Temperatur verlieren die Jodate ihren Sauerstoff, ohne intermediÀr Perjodate zu bilden (vergl. § 1522, Nr. 11, u. § 1523, Nr. 9):

2KJ03 2KJ-f30,.

Umgekehrt aber nimmt Kaliumjodid beim Erhitzen an der Luft eine kleine Menge Sauerstoff auf, um eine sehr geringe Menge Jodat zu bilden. Diese Oxydation findet schon bei 230 bis 250 statt, d. h- bei einer Temperatur, welche unter dem Schmelzpunkte des Jodides liegt*).

Aufsuchung der Chloride, H3rpochlorite und Chlorate in einem Gemische.

1525 Es ist daran zu erinnern, dass Hypochlorite, sogar in Lösung, unter dem EinflĂŒsse der WĂ€rme in Chlorid und Chlorat zerfallen: man muss daher durchaus dafĂŒr Sorge tragen, bei der Untersuchung keine Erhöhung der Temperatur, selbst beim Auflösen eines im festen Zustande befindlichen Hypochlorites, eintreten zu lassen.

Man sucht zunÀ das Hypochlorit auf. Zu dem Zwecke giesst man in einen Theil der klaren Lösung, welche durch Kaliumoder Natriumhydrat schwach alkalisch gemacht ist, eine kleine Menge Manganosulfat oder Bleiacetat: ein brauner Niederschlag von Mangan superoxyd oder ein anfangs weisser, schliesslich durch Bildung von Bleibioxyd braunschwarz werdender Niederschlag zeigt die Gegenwart eines Hypochlorites an.

1526. Erster Fall: Die Substanz ist frei von Hypochlorit. Hat die soeben (§ 1525) beschriebene PrĂŒfung auf Hypochlorit die Abwesenheit desselben ergeben, so behandelt man eine zweite Probe der Lösung, nach leichtem AnsĂ€uern durch SchwefelsĂ€ure, mit Silbersulfat: entsteht ein Niederschlag (Chlorid), so giebt man einen geringen Ueberschuss des Reagens hindu und filtrirt. In das Filtrat lĂ€sst man ein bis zwei Tropfen Ferrosulfatlösung oder schweflige SĂ€ure fallen; ist Chlorat zugegen, so wird dieses durch das Ferrosalz bez. die schweflige SĂ€ure

BestimmuDg der Chlorate. 351

reducirt und es entsteht in der FlĂŒssigkeit, welche einen Ueberschuss von Silbersalz enthĂ€lt, ein Niederschlag von Silberchlorid.

1527 Zweiter Fall: Die Substanz enthÀlt Hypochlorit. Wir besitzen kein Mittel, um durch qualitative Analyse festzustellen, ob bei Anwesenheit von Hypochlorit auch Chlorid vorhanden ist; es kann das nur durch quantitative Bestimmungen geschehen. Dieser Uebelstand hat in so fem eine geringe Bedeutung, als man nach der Darstellungsweise der Producte, welche hier allein in Betracht kommen können, von vorn herein die Anwesenheit von Chlorid voraussetzen muss.

Um das Chlorat aufeufinden, mĂŒss man das Hypochlorit durch Reduction zestören, ohne das Chlorat selbst anzugreifen. Man erreicht das, indem man die FlĂŒssigkeit mit WasserstoflEsuperoxyd oder einem alkalischen Arsenit behandelt.

Man entfernt dann das Chlorid, sowohl das ursprĂŒnglich vorhanden gewesene als das aus dem Hypochlorite entstandene, durch FĂ€llung mit Silbersulfat, und prĂŒft das Filtrat durch Ferrosalz bez. schweflige SĂ€ure, wie im ersten Falle.

Bestimmung der Chlorate. JL Durch WĂ€gung.

1528 Durch Bednotion zu Chlorid und Bestimmung des Chlorides durch Silbersalse. Die Reduction der Chlorate zu Chloriden lĂ€sst sich durch verschiedene Mittel ausfĂŒhren.

1528 Mittel; Durch GlĂŒhen. Die Substanz wird mit einem reinen, chloridfreien Alkalicarbonate erhitzt; man behandelt dann die Masse mit Wasser, sĂ€uert mit SalpetersĂ€ure an und fallt mit Silbernitrat (§ 1442).

1530. Mittel: Durch Ferrohydrat). Man setzt zu der Chlor atlösung Ferrosulfat, dann ein chlorfreies Alkalihydrat, bis soeben ein Niederschlag entsteht, und erhitzt Y4 Stunde bei Siedetemperatur. Nach dem Erkalten sÀuert man mit SalpetersÀure an und fallt mit Silbemitrat.

1531 3" Mittel: Durch Zinkstaub Man suspendirt in der neutralen Chloratlösung einen Ueberschuss von reinem oder mit Kupfer ĂŒberzogenem Zinkstaub sĂ€uert schwach mit EssigsĂ€ure an, lĂ€sst etwa 1 Stunde kochen und entfernt dann den MetallĂŒberschuss durch Filtration*). Nach dem Auswaschen mit heissem Wasser wird das ab-

') F. Becker: Ar/, anal. Ch, 1 (1881), 377, und Ding-l. 248 (1882), 499.

Thorpe: /. ch. Soc. [2] 11 (1873), 541; Bathamley und Thompson: ebendas. 53 (1888), 159.

Magnesium kann man hier nicht verwenden (De Konin ck: nicht veröffentlichter Versuch), um so weniger, als die gewöhnliche Handelswaare chlorhaltig ist; Cadmium, in einem Zustande geeigneter feiner Zertheilung, welche man dadurch herbeifĂŒhrt, dass man eine Lösung von Cadmiumsulfat durch Zink fĂ€llt, wĂŒrde vielleicht sehr gut wirken.

gekĂŒhlte Filtrat mit SalpetersĂ€ure angesĂ€uert und sodann mit Silbernitrat gefĂ€llt.

Den mit Kupfer ĂŒberzogenen Zinkstaub erhĂ€lt man, indem man reinen Zinkstaub schnell in schwach saures Wasser, welches etwas Kupfersulfat enthĂ€lt, einrĂŒhrt).

B. Durch Titrimetrie.

1532. I. Durch Ferrosalze. Wie bei allen Verbindungen, welche mit Ferrosalzen glatt reagiren, kann man diese auch zu der Bestimmung der Chlorate verwenden, und zwar entweder, indem man letztere mit einem ferrifreien Ferrosalze (Chlorid oder Sulfat) in Gegenwart einer SĂ€ure behandelt und durch Stannochlorid das entstandene Ferrisalz bestimmt, oder indem man eine bekannte Menge Ferrosalz anwendet und dann den Ueberschuss desselben durch Chromat, Dichromat oder Permanganat zurĂŒcktitrirt (siege § G46).

1533. II. Durch Stannochlorid und Eupfersulfat. Man verfahrt genau wie bei der Bestimmung der Hypochlorite (§ 1515).

1534. III. Durch Ghlorometrie. Man behandelt das Chlorat in festem Zustande in einem kleinen Kolben, welcher mit einer mit Kaliumjodid beschickten Vorlage in Verbindung steht, mit ĂŒberschĂŒssiger Salz- sĂ€ure. Das entwickelte Chlor setzt in der Vorlage eine Ă€quivalente Menge Jod in Freiheit, welche man durch Hyposulfit bestimmt.

Statt SalzsÀure kann man auch Chlorwasserstoffgas anwenden und verfÀhrt dann, wie wir bei der Bestimmung des disponiblen Sauerstoffes in den Manganiverbindungen beschrieben haben (siege § 650).

Will man das Destilliren umgehen, so kann man das Chlorat in einer gut verstopften Flasche mit Kaliumjodid und SalzsÀure auf einem Wasserbade behandeln; auch hierdurch wird die Àquivalente Menge Jod in Freiheit gesetzt und kann nach dem Erkalten titrirt werden).

Bestimmung der Bromate. A. Durch WĂ€gung.

1535. Durch Reduction zu Bromid. Man rcducirt das Bromat durch Zink*), wobei man genau wie bei den Chloraten verfahrt (§ 1531), oder durch schweflige SÀure, und bestimmt das entstandene Bromid als Silberbromid (§ 1466).

Clowes u. Golem an {Quant, ehem. analysis, 2. Aufl., S. 91) wenden als Reductionsmittel Bleinitrit an, ohne Angabe eines Grundes fĂŒr ihre Bevorzugung dieses Reagens.

-) De Koninck und Nihoul: R.univ.d.M. [3] 13 (1891), 70; G.McGowan: Transact. eh. Soc. 1882, 87.

'l Siehe auch E. Felli: Bull. Soc. ind, dÂŁ Mulhouse Nr. 153 (1900).

Bestimmung der Jodate. 353

Bromate lassen sich in Bromide auch durch Schmelzen mit einem Alkahcarbonat, welchem man etwas Alkalioxalat zusetzen kann, ĂŒberfĂŒhren.

B. Durch Titrimetrie.

1536 I. Durch Jodometrie. Man setzt zu der Bromatlösung Kaliumjodid im Ueberschusse und sĂ€uert dann mit verdĂŒnnter SalzsĂ€ure an. Nach einiger Zeit der Digestion in einem geschlossenen GefĂ€sse (bei gelinder Temperatur) bestimmt man das ausgeschiedene Jod durch Hyposulfit.

1537* II* Durch Silbemitrat nach Reduction. Das Bromat wird, wie oben (§ 1585) angegeben, reducirt und durch Titration mit Silbemitrat bestimmt.

Bestimmung der Jodate. A. Durch WÀgung. 1538. Durch Reduction zu Jodid. Das Jodat wird in neutraler Lösung in der WÀrme mit Zinkstaub oder bei gewöhnlicher Temperatur in salpetersaurer Lösung mit schwefliger SÀure reducirt; das entstandene Jodid wird in der, bei Anwendung von Zink filtrirten, Losung durch Silbernitrat bestimmt (§ 1470).

B. Durch Titrimetrie.

1 538. L Durch Jodometrie. Man behandelt das Jodat mit Kaliumjodid und Salzoder SchwefelsÀure im Ueberschusse imd titrirt das ausgeschiedene Jod (§ 1524, Nr. 8).

Dieses, von der Anwesenheit von Chlorid, Bromid und selbst Jodid unabhÀngige Verfahren ist zweifellos das beste.

1540. IL Durch Silbemitrat nach Reduction. Man reducirt das Jodat, wie oben (§ 1538) angegeben ist, zu Jodid und titrirt dieses durch Silberlösung.

C. Durch Colorimetrie.

1541* Um minimal Mengen Jodat, wie sie öfter im Kaliumjodid gdes Handels vorkommen, zu bestimmen, kann man colorimetrisch verfahren, wobei man von der FĂ€rbung ausgeht, welche das unter dem Einfluss einer SĂ€ure, z. B. verdĂŒnnter SalzsĂ€ure, ausgeschiedene Jod der Lösung giebt.

Man kann in diesem Falle nicht, wie in anderen FĂ€llen (siege § 1481), die Lösung mit Chloroform etc. ausschĂŒtteln, weil das in ĂŒberwiegend grosser Menge vorhandene Jodid das Jod in Lösung hĂ€lt und seine Extraction durch ein anderes Lösungsmittel hinder (vergl. das Theilungsgesetz von Berthelot und Jungfleisch, § 1415, S. 291).

Dasselbe Verfahren kann auch fĂŒr die Bestimmung des Natrium-

Fleissner: 1. cit. De Koninck-Meineke, Mineralanalj'se. II. 23

354 Chlorate, Bromate, Jodate.

jodats im Chilisalpeter Anwendung finden, indem die Substanzprobe mit etwas Kaliumjodid und EssigsÀure behandelt wird SalzsÀure darf hier nicht angewendet werden; sie könnte mit dem Nitrat zusammen Jod frei machen.

Scheidungsverfahren. Chlorat und Hypochlorit').

1542 Man trifft eine solche Mischung niemals ohne Chlorid, dadurch wird die Aufgabe complidrt.

Sie lĂ€sst sich in der Art lösen, dass man einerseits das H}'pochlorit titrimetrisch (§§ 1512 u. 1513) oder besser gasometrisch (§ 1517) bestimmt, andererseits das Oxydationsvermögen des Gemisches wie bei der Bestimmung der Chlorate ermittelt (§§ 1532 ff.) und das Chlorat aus den erhaltenen Daten berechnet Bestimmt man das Hypochlorit durch Kaliumjodid (§1512), so muss man eine Temperaturerhöhung vermeiden und in sehr verdĂŒnnter Lösung mit ebenfalls verdĂŒnnter SalzsĂ€ure arbeiten, um zu verhindern, dass nicht auch das Chlorat in Reaction tritt.

Indem man nun in einer written Probe die Menge Silberchlorid ermittelt, welche durch directe Einwirkung eines Silbersalzes auf das Gemisch gefallt wird, und von ihr diejenige Menge abzieht, welche dem Hypochlorit entspricht, erhĂ€lt man die Menge des ursprĂŒnglich vorhandenen Chlorides.

— Man kann auch das Chlorat nach Zerstörung des Hypochlorites titrimetrisch bestimmen. Zu dieser Zerstörung kann man Ammoniak*) anwenden und so lange erhitzen, bis die Entwickelung von Stickstoff aufgehört hat.

— Endlich wĂŒrde man auch, wenn man den als Chlorat oder als Hypochlorit vorhandenen Chlorgehalt kennt, aus der Differenz die Menge des als Chlorid vorhandenen Chlors erfahren, wenn man das Gesammt- Chlor nach Reduction bestimmt.

Chlorat iind Chlorid. 1543 Den Gehalt an Chlorat und Chlorid in einem Gemenge derartiger Salze kann man in verschiedener Weise bestimmen.

Da die Anwesenheit von Chlorid die oxydimetrische Bestimmmig der

R. Auzenat: Mon. sc. de QuesnevĂŒU [4] 14, I (1900), 72.

Die Elektrolyse von Kaliumchloridoder Natriunachlorid - Lösungen — wie sie jetzt im Grossen als fast einziges Verfahren zur Darstellung von Kalilauge bez. Natronlauge angewendet wird — liefert ein Anodenproduct, welches Chlorid und Hypochlorit und freies Chlor, oder Chlorid und Chlorat und freies Chlor, oder gar Chlorid, Hypochlorit, Chlorat und freies Chlor enthĂ€lt. Daher sind Analysen dieser Gemische keine Seltenheit mehr.

Dreyfuss: 1. cit. Vielleicht könnte man auch Wasserstoffsuperoxyd an. wenden.

Chlorate in keiner Weise stört und die Gegenwart von Chlorat der Bestimmung der Chloride nicht hinderlich ist, so kann man beide getrennt in zwei besonderen Proben nach den bekannten Verfahren bestimmen. Man kann femer in einer Probe entweder das Chlorat oder das Chlorid und in einer anderen Probe das Gesammt-Chlor nach Reduction zu Chlorid bestimmen. Endlich kann man auch wirkliche Scheidung ausfĂŒhren, indem man das Chlorid durch Silbersulfat fallt und das Chlorat im Filtrate bestimmt Letzteres geschieht, indem man das Filtrat in der WĂ€rme und in Gegenwart eines Ueberschusses von Silbersalz erst mit schwefliger SĂ€ure, dann mit SalpetersĂ€ure behandelt. Die beiden Mengen Silberchlorid wĂ€gt man getrennt

Wenn die zu analysirende Substanz nur Metalle enthÀlt, deren Carbonat unlöslich ist, so erreicht man eine genaue Trennung, indem man die Lösung mit reinem Silbercarbonate behandelt Dieses tritt mit dem Chloride in die Reaction

CaClj -t- AgjjCOg 2 AgCl + CaCOg ; man sammelt den Niederschlag von Silberchlorid, welcher mit dem Ueberschusse von Silbercarbonat und dem entstandenen Carbonate vermischt ist, und behandelt ihn mit SalpetersĂ€ure: das Silberchlorid bleibt angelöst zurĂŒck.

Das unberĂŒhrt gebliebene Chlorat findet man in dem ersten Filtrate.

Chlorat, Hypochlorit, Chlorid und freies Chlor).

1544 Ein solches Gemisch kann, in Form gelöster Alkali-oder Kalksalze, bei der Fabrikation von Chloraten vorkommen 2). Unter den verschiedenen Combinationen von Verfahren, welche die Bestimmung der einzelnen Bestandtheile gestatten, wollen wir folgende anfĂŒhren.

Man unterwirft eine Probe der Destillation; das freie Chlor geht ĂŒber und wird behufs seiner Bestimmung in Kaliumjodid (§ 1407) oder Kaliumarsenit (§ 1408) aufgefangen.

Die im Destillirkolben zurĂŒckgebliebene FlĂŒssigkeit enthĂ€lt kein Hypochlorit mehr, da dieses in Folge der Erhitzung in Chlorid und in Chlorat ĂŒbergenĂŒhrt worden ist, welche sich den ursprĂŒnglich vorhandenen Salzen gleicher Art zugesellen. Man bestimmt darin die Gesammtmenge der Chlorate durch Ferrosulfat (§ 1532) oder praktischer, um nicht die Anzahl der TitrirflĂŒssigkeiten unnöthigerweise zu vermehren, durch Chlorometrie (§ 1534).

In einer zweiten, von Chlor durch Kochen befreiten Probe bestimmt man die Gesammtmenge der Chloride.

Endlich bestimmt man mittels Natriumhyposulfit in einer nicht er hitzt gewesenen Probe die Menge Jod, welche aus Kaliumjodid durch

') Norton: Ch. N. 66 (1892), 115; Rosenbaum: Z. angew. Ch. 1898, 80.

Siehe auch Fussnote 3 auf S. 354.

den Einfluss von freiem Chlor und von Hypochlorit in Freiheit gesetzt wird (§ 1407 und §§ 1512 u. 1542).

Aus den Resultaten dieser vier Bestimmungen kann man dann die Menge der vier Bestandtheile berechnen.

ChlorsĂ€ure und Metalle. 1545 Man bestimmt in einer Probe die ChlorsĂ€ure, am besten titrimetrisch (§§ 1532 u. 1533), und in einer anderen die Metalle direct oder nachdem die Chlorate durch Abdampfen mit SalzsĂ€ure in Chlorid oder durch SchwefelsĂ€ure und schweflige SĂ€ure in Sulfate ĂŒbergenĂŒhrt worden sind.

Jodat und Jodid.

1546 Der Fall kann fast nur bei der Bestimmung von Jodat und von Jodid in Alkali-Jodiden und -Jodaten des Handels vorkommen.

Man bestimmt das Jodat jodometrisch (§ 1539) und in einer zweiten Probe das Gesammt-Jod nach Reduction des Jodates zu Jodid.

Um das Jodat in Jodiden zu bestimmen, kann man auch colorimetrisch verfahren (§ 1541).

Cyan.

1647* Die einwerthige Gruppe Cyan*), — C N oder — Cy, bildet, wie das Chlor und die anderen halogenen Elemente, mit Metallen einfache Verbindungen und complexe Verbindungen: einfache Cyanide und Doppelcyanide; aber wĂ€hrend z. B. in den Doppelchloriden jedes einzelne Metall vollstĂ€ndig oder fast vollstĂ€ndig seine allgemeinen Eigenschaften, welche es auch in anderen Salzen hat, bewahrt, ist das nicht inmier bei den complexes Cyaniden der Fall; einige verhalten sich vielmehr durchaus abweichend und zwar nicht allein hinsichtlich der Metalle, sondern auch als Cyanide.

Als Beispiele wollen wir nur die Doppelcyanide des Eisens nennen, welche als Salze der FerricyanwasserstoffsÀure unter dem Namen Ferricyanide, z. B. Ferro-Ferricyanid (Turnbuirs Blau), Kalium-Ferricyanid (rothes Blutlaugensalz) (vergl. § 1550), und als Salze der FerrocyanwasserstoffsÀure unter dem Namen Ferrocyanide, z. B. Fern - Ferrocyanid (Berliner Blau), Kalium-Ferrocyanid (gelbes Blutlaugensalz) (vergl. § 1549) bekannt sind. Sie allein sind unter den Doppelcyaniden dieser Art von praktischer Wichtigkeit; in analytischer Hinsicht ist aber noch das Kalium- Cobalti-Cyanid (siege § 691, Nr. 11) zu beachten.

Das isolirte Cyan mit der Formel N C — C N oder CN, ist ein farbloses, stechend riechendes, Ă€usserst giftiges, mit purpurrother Flamme zu Kohlendioxyd und Stickstoff verbrennbares Gas; fĂŒr die praktische Analyse ist es ohne Bedeutung.

Eigenschaften der normalen Cyanide. 357

Wir haben zunÀ diejenige Ciasse von Cyaniden zu betrachten, welche die einfachen Cyanide und die den Doppelchloriden analogen Doppelcyanide (kurz zusammengefasst: die normalen Cyanide) umfasst.

Eigenschaften der normalen Cyanide.

1548. Der Cyanwasserstoff (BlausĂ€ure), HCN oder HCy, ist eine farblose, bei 26,5Âź siedende FlĂŒssigkeit, welche schon unter dieser Temperatur verdunstet; sie mischt sich in allen VerhĂ€ltnissen mit Wasser, mit Alkohol und mit Aether und ist, angewĂŒndet, mit violetter Flamme brennbar. Der Cyanwasserstoff ist eine sehr schwache SĂ€ure (siege Nr. 3), welche Lakmus nicht dauernd röthet

Er besitzt einen ausgesprochenen Geruch nach bitteren Mandeln und ist ein ausserordentlich heftig wirkendes Gift, da schon sein Dampf — eingeathmet — tödten kann; verdĂŒnnt, z. B. mit Luft, eingeathmet, bewirkt er Schwindel.

Sowohl die wasserfreie als die wÀssrige BlausÀure ist im reinen Zustande sehr zersetzlich. Mit Spuren MineralsÀure versetzt, ist sie dagegen lange unzersetzt haltbar.

2. Die Cyanide der Metalle der Gruppen des Baryums und des Kaliums sind in Wasser leicht löslich. Sie sind farblos und besitzen alkalische Reaction. Unter den einfachen Cyaniden der Schwermetalle von einiger Wichtigkeit sind nur das Mercuritmd das Auri- Cyanid löslich.

Das Mercuricyanid, welches sich bisweilen, wie wir an frĂŒhere Stelle (§ 979) gesehen haben, von anderen Mercurisalzen verschieden verhĂ€lt, nimmt auch als Cyanid Reagentien gegenĂŒber, namentlich gegen- ĂŒber dem Silbernitrat, eine Ausnahmestellung ein (siege Nr. C).

Die normalen Cyanide sind ausserordentlich giftig.

3*. Die Cyanide der Metalle der Alkalien und der alkalischen Erden sind durch SĂ€uren leicht, diejenigen der schweren Metalle nur schwierig zersetzbar; es entsteht Cyanwasserstoff, an seinem GerĂŒche) erkennbar:

KCy -f HCl r- KCl + HCy. Selbst KohlensÀure vermag diese Cyanide zu zersetzen und man erhÀlt daher Cyanwasserstoff, wenn man sie mit einer Lösung von Alkalibicarbonat) destillirt:

CaCvjj + 2 KHCO, CaCOg + KCOg + 2 HCy, oder auch nur einige Zeit an der Luft stehen lÀsst.

4. Concentrirte SchwefelsÀure zersetzt in der WÀrme die <yanide unter Bildung von Ammoniumsulfat und Freiwerden von Kohlenoxyd:

KCN + 2 H2SO4 + HgO KHSO + NH4HSO1 + CO.

Man hĂŒte sich vor unnöthigem Einathmen bei event. PrĂŒfung oder Feststellung des Geruches (vergl. Nr. 1).

358 Eigenschaften der normalen Cyanide.

5*. Mit einem festen Alkalihydrate oder mit Natronkalk i) erhitzt, geben die Cyanide Ammoniak und Alkaliformiat:

KCN + 2 HgO KHCOg + NHg. Wie die Formel anzeigt, ist in Wirklichkeit das Wasser, dessen Elemente das Alkalihydrat enthÀlt, das wirksame Reagens (vergl. § 1550 a, Nr. 13).

6*. Silbernitrat ruft in neutralen oder mit SalpetersĂ€ure angesĂ€uerten Lösungen der Cyanide einen weissen, kĂ€sigen Niederschlag von Silbercyanid hervor, welches dem Silberchlorid vollkommen gleicht, z. B. wie dieses in verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure unlöslich, in Ammoniak, in Natriumhyposulfit und in Alkalicyaniden löslich ist*)*).

Das Mercuricyanid macht eine Ausnahme; setzt man zu seiner Lösung Silbernitrat, so entsteht kein Niederschlag, in welcher Menge man das Reagens auch anwenden mag. Das Silbercyanid ist auch in einer Lösung von Mercurinitrat löslich:

2 AgCy + 2 AgNO + HgCy. Concentrirte SalzsĂ€ure zersetzt das Silbercyanid: AgCy + HCl AgCl + HCy. Durch GlĂŒhen wird das Silbercyanid zestört; man erhĂ€lt schliesslich einen RĂŒckstand von metallischem Silber.

7. Mercurioxyd löst sich beim ErwÀrmen in den Cyaniden unter Bildung von Mercuricyanid:

2 KCy + HgO + HgO HgCy + 2 KOH.

8*. Palladochlorid ruft in den Lösungen von Mercuricyanid einen weisslichen Niederschlag hervor, löslich in Kaliumcyanid. Die anderen löslichen Cyanide geben diese Reaction nicht.

9. Mercuronitrat giebt in Cyanidlösungen einen Niederschlag von reducirtem Quecksilber; gleichzeitig wird Mercuricyanid gebildet (vergl. § 980, Nr. 14):

10. Eine mit schwefliger wSĂ€ure versetzte Lösung von Cuprisulfat, im Ueberschuss in eine Cyanid -Lösung gegossen, giebt einen weissen Niederschlag von Cuprocyanid, welcher in verdĂŒnnten SĂ€uren unlöslich ist (vergl. § 896, Nr. 13):

Das Cuprocyanid bildet mit Alkalicyaniden wasserlösliche und durch Schwefelwasserstoff nicht zersetzbare Doppelsalze (siege § 896, Nr. 3 u. 5).

Ein inniges Gemisch von Natriumhydrat und Calciumoxyd.

Man muss daher einen Ueberschuss von Silbemitrat anwenden, um den Niederschlag zu erhalten. Bei dieser Reaction wendet man, wie bei allen analogen Versuchen, besser die umgekehrte FÀllung an, d. h. man giesst die zu prQfende Lösung in das Reagens.

Ueber die Löslichkeit des Silbercyanides vergl. Thaulow: y. prakt. Ch. 31 (1844), 223; G.Gregor: Z CA. 30; O. Brunck: Ä 34 (1901), 1604.

Eigenschaften der normalen Cyanide. 359

11*. Setzt man zu der durch ein Alkalihydrat alkalisch gemachten Lösung eines Cyanides ein wenig Ferro-und Ferrisalz (Sulfat oder Chlorid) und sÀuert dann durch SalzsÀure an, so werden die anfangs gebildeten Eisenhydrate gelöst und es bleibt intensiv blues Ferri- Ferrocyanid (Berliner Blau) ziniick.

Theoretisch erscheint zwar der erste Zusatz eines Alkalihydrates nicht erforderlich, thatsÀchlich ist er es aber dennoch.

Das Mercuricyanid giebt diese Reaction nicht

12*. Mit Ammonium -Polysulfid behandelt, geben die Cyanide beim Abdampfen einen RĂŒckstand, welcher Sulfocyanid enthĂ€lt:

KCy + (NHJS, KCyS +(NH,),S, HgCy, + 2 (NH,),S2 - HgS + 2 (NH,)CyS + (NH,),S.

Das Ammoniumsulfid verschwindet beim Abdampfen.

Der AbdampfrĂŒckstand giebt, in Wasser aufgenommen und sodann filtrirt, eine farblose FlĂŒssigkeit, welche sich auf Zusatz einer siren Lösung von Ferrichlorid, in Folge Bildimg von Ferrisulfocyanid, blutroth fĂ€rbt (siege § 1551, Nr. 9).

Diese Reaction wurde von Liebig) entdeckt.

13*. Mit wasserfreiem Natriumhyposulfit erhitzt, geben die Cyanide eine Masse, welche ebenfalls Sulfocyanid enthÀlt, neben Natriimipoly Sulfid, welches aus dem im Ueberschusse angewandten Hyposulfite entstanden ist: denn dieses Salz zersetzt sich entsprechend der Gleichung:

Dieses Polysulfid ist es, welches das Cyanid in Sulfocyanid ĂŒberfĂŒhrt:

2 AgCy + NaSs AgS + 2 NaCyS + 2 S.

Nimmt man das Product in Wasser auf und filtrirt alsdann, so er- hĂ€lt man eine FlĂŒssigkeit, in welcher SalzsĂ€ure und Ferrichlorid im Ueberschusse die fĂŒr die Sulfocyanide charakteristische rothe FĂ€rbung hervorrufen.

Man muss einen Ueberschuss von Ferrichlorid anwenden, weil die ersten zugesetzten Portionen von dem Schwefelwasserstoff, welcher von der Zersetzung des vom Hyposulfit- Ueberschusse herrĂŒhrenden Alkalisulfides stammt, reducirt werden*).

Vortmann bedient sich zur Auftindimg der Cyanide der Reaction, durch welche dieselben beim Behandeln mit Kaliumnitrit, Ferrichlorid und ver- dĂŒnnter SchwefelsĂ€ure in der WĂ€rme in Nitroprussid ĂŒbergenĂŒhrt werden {Hep. anal. Ch. 6 (1886), 559). Nach dem Erkalten neutralisirt er mit Ammoniak und weist das Nitroprussid mittels Natriumsulfid nach, welches das Product intensiv violett fĂ€rbt (siege § 1609, Nr. 1). De Koninck ist von den Resultaten nach diesem Verfahren nicht befriedigt gewesen.

360 Eigenschaften der Ferrocyanide der Metalle der Gruppen

Eigenschaften der Ferrocyanide der Metalle der Gruppen des Baryums und des Kaliums.

1549. 1. Die Ferrocyanide entsprechen einer SĂ€ure RgFeCyig dem WasserstoflF-Ferrocyanid, welches ziemlich starken SĂ€ure -Charakter besitzt, denn es zersetzt Carbonate und Acetate.

In den Ferrocyan -Verbindungen verhĂ€lt sich das Eisen den FĂ€lungs- Reagentien gegenĂŒber nicht wie in den gewöhnlichen Ferrosalzen; namentlich wird es nicht durch die Hydrate, Carbonate und Sulfide der Alkalien gefĂ€llt.

2*. Die einfachen Ferrocyanide der Alkalien und der alkalischen Erden sind hellgelb und in Wasser löslich (s. § 456, Nr. 11).

3. VerdĂŒnnte und kate SĂ€uren geben bei ihrer Einwirkung auf die Ferrocyanide keinen Cyanwasserstoff. Wohl aber tritt Cyanwasserstoff beim ErwĂ€rmen mit verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure auf:

+ 3 6 HCN + + 3 KSO. Concentrirte SalzsÀure scheidet aus concentrirter wÀssriger Kalium-Ferrocyanid-Lösung die feste, weisse, sich schnell blÀuende SÀure HgEegCyg aus.

4. Mit concentrirter SchwefelsÀure behandelt, geben die Ferrocyanide beim Erhitzen Kohlen oxyd, schweflige SÀure, Ferrisulfat), Kaliumsulfat und Ammoniumsulfat. Die Zersetzung verlÀuft vermuthlich in zwei Phasen, den beiden folgenden Formeln entsprechend:

a. + 22 HgSO + 12 HO FeCSOJ + 8 KHSO +

12C0,

b. Fe,(S0,)2 -f 2 HSO, FeCSOJg + SO + 2 HO.

In der zweiten Phase scheiden sich röthliche Krystalle aus, welche nach Fownes, abgesehen von einem Gehalte an Kr>'stallwasser, die der Formel also dem sogenannten Eisenalaun, entsprechende Zusammensetzung haben 2).

5*. Mit einem festen Alkalihydrate oder mit Natronkalk erhitzt, geben die Ferrocyanide Ammoniak.

6. Mercurioxyd zersetzt sie, es bildet Mercuricyanid.

— Da die Ferrocyanide der Metalle im engeren Sinne im Allgemeinen sowohl in Wasser als auch in verdĂŒnnten SĂ€uren unlöslich sind, so er- hĂ€lt man NiederschlĂ€ge, wenn man irgend eine Lösung eines Metallsalzes in die Lösung eines Ferrocyanides der Alkalien oder der alkalischen Erden giesst. Unter diesen Reactionen sind die folgenden die wichtigsten:

7*. Silbernitrat ruft einen weisslichen Niederschlag von

Nicht veröffentlichte, in meinem Laboratorium von K. Schroeder ausgefĂŒhrte Versuche ergaben, dass das Endproduct der Zersetzung kein Ferrosalz enthĂ€lt. (Meineke.)

Nach Gmelin, //andb. d. organ. Ch. I (1848). S. 371, in The London and Edinburgh Philos, Mag. and Journal (von Brewster, Taylor und Phillips) S4 (1806), 21. Den oben angegebenen Verlauf der Zersetzung haben Versuche, welche in meinem Laboratorium von K. Schroeder ausgefĂŒhrt wurden, bestĂ€tigt. (Meineke.)

des Baryums und des Kaliums. 361

Silber-Ferrocyanid hervor, welcher in Ammoniak und in verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure unlöslich, dagegen in kochender verdĂŒnnter Schwefel- sĂ€ure (1:1), sowie auch in Kaliumcyanid löslich ist

8*. Cuprisulfat giebt mit Kalium-Ferrocyanid einen braunvioletten, in Ammoniak löslichen, in verdĂŒnnten SĂ€uren unlöslichen Niederschlag von Cupri-Ferrocyanid (Hatchett's Braun) oder von Cupri- Kalium-Ferrocyanid 1) (siege § 896, Nr. 9), und mit anderen Ferrocyaniden gleichfalls gefĂ€rbte, wahrscheinlich Ă€hnliche Doppel -Verbindungen.

9. Zinksulfat erzeugt einen weissen Niederschlag von Zink- Ferrocyanid, Zn4Fe2Cyi2 oder von Zink-Kalium-Ferrocyanid, ZngKgFejCyi, welcher in verdĂŒnnten SĂ€uren, in Ammoniak und in Ammoniumsalzen unlöslich ist (vergl. § 657, Nr. 12 u. § 671).

10*. Ferrichlorid giebt einen blauen Niederschlag von Ferri-

Vi Iv

Ferrocyanid (Berliner Blau)*). Ist die Menge des entstandenen Niederschlages sehr gering, so bleibt er in der FlĂŒssigkeit so fein suspendirt, dass man die Mischung fĂŒr eine Lösung halten könnte; erst nach langem Stehen beobachtet man, dass man es in der That mit einem Niederschlage zu thun hat (vergl. § 569, Nr. 14).

Diese Verbindung verhÀlt sich beim Behandeln mit einem Alkalihydrate wie ein Ferrisalz: es wird Ferrihydroxyd gefallt und gleichzeitig entsteht ein Alkali-Ferrocyanid:

Vi Iv

(FeWeCy,) -f 24 NaOH 4 + 3 NaFegCyig, ein Grund, weshalb man das Berliner Blau als Ferrisalz des Wasserstoff- Ferrocyanides auffasst.

Giebt man zu dem Reactionsgemisch wieder SalzsÀure in geringem Ueberschuss, so bildet sich naturgemÀss wieder Berliner Blau.

11. Ferrosalze, welche vollkommen frei von Ferrisalz sind, erzeugen mit Kalium-Ferrocyanid einen weissen Niederschlag (Ferro-Kalium-Ferrocyanid), welcher unter dem oxydirenden EinflĂŒsse der Luft schnell blau wird (siege § 570, Nr. 11). Mit anderen Ferrocyaniden entstehen Ă€hnliche Reactionen.

12. Ferro Cyanide in saurer Lösung entfĂ€rben — wie alle Ferroverbindungen — Kaliumpermanganat und werden in Fe rri Cyanide ĂŒbergenĂŒhrt :

5 KgFejCyia + KjMnOg + 14 H2SO4 5 KFefy-., + 1 2 KHSO + + 8 H,0. Ebenso verhalten sich Ferrocyanide , z. B. Kalium-Ferrocyanid,

Ob der Niederschlag Kalium enthĂ€lt oder nicht, darĂŒber gehen die Meinungen aus einander. Nach G. Rauter (Z. angew. Ck, 1806, 315) ist er reines Cupri- Ferrocyanid, nach F. Reindel \J. prakt. Ch. 108 (1868), 166) ist er Cupri-Kalium- Ferrocyanid, selbst bei Anwesenheit von ĂŒberschĂŒssigem Kupfersalz.

') Die Bildung des „Berliner Blau" wurde schou vor 200 Jahren und zwar zuerst von Diesbach beobachtet.

362 Eigenschaften der FerricyaDide der Metalle der

gegenĂŒber Chlor, Brom oder Bleisuperoxyd sowie salpetriger SĂ€ure; es entsteht an der Farbe erkennbares Kalium-Ferriqranid (vergL § 570, Nr. 13): 13*. Mit wasserfreiem Natriumhyposulfit bez. mit ADcaHpolysnlfid erhitzt, geben die Ferrocyanide Alkali-Sulfocyanid, wie die einfachen Cyanide; das Eisen wird in Kisensulfid umgewandelt (siege § 1548, Nr. 13).

Eigenschaften der Ferricyanide der Metalle der Gruppen des Baryums und des Kaliums.

1550. 1. Die Ferricyanide entsprechen der SÀure HFeCyj, dem Wasserstoff- Fenicyanid. Das Eisen lÀsst sich in diesen Verbindungen durch die gewöhnlichen Reagentien auf nassem Wege nicht aufiKnden.

2*, Die Ferricyanide der Alkalien und alkalischen Erden sind, krystallisirt, rubinroth gefĂ€rbt; gepulvert, sind sie grĂŒnlichgelb. Sie sind in Wasser löslich; die Lösungen sind dunkelgelb, mit einem Stich in GrĂŒn, wie ihr Pulver.

3. Sie verhalten sich SĂ€uren, Alkalihydraten und Mercurioxyd gegenĂŒber Ă€hnlich wie die Ferrocyanide (siege § 1549, Nr. 3 bis 6).

— Wie die Ferrocyanide geben sie mit der MehrĂ€hl der Lösimgen von Metallsalzen NiederschlĂ€ge:

4*. Mit Silbernitrat erhĂ€lt man einen braunrothen Niederschlag von Silber -Ferricyanid, unlöslich in verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure, löslich in siedender verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure (1:1), sowie auch in Kaliumcyanid und vornehmlich in Ammoniak (vergl. die Reaction der Ferrocyanide § 1549, Nr. 7).

5. Cuprisulfat bildet einen gelbgrĂŒnen Niederschlag von Cupri - Ferricyanid.

6. Zinksulfat erzeugt einen brĂ€unlichgelben Niederschlag von Zink-Ferricyanid, ZugFcgCyg, welcher in nicht zu stark verdĂŒnnten SĂ€uren und in Ammoniak löslich ist (vergl. § 657, Nr. 13).

7*. Ferrosulfat giebt einen dunkelblauen Niederschlag von

Iv Vi

Ferro-Ferricyanid, (Turnbulls Blau), welcher dem Berliner Blau sehr Àhnelt (siege § 570, Nr. 12).

Mit einem Alkalihydrate behandelt, giebt das Ferro-Ferricyanid einen Niederschlag von Ferro-Ferri-Hydrat und eine Lösung von Alkali-Ferrocyanid. Die Reaction vollzieht sich in zwei Phasen; in der ersten wird das Ferro-Ferricyanid unter FÀllung von Ferrohydroxyd und Bildung von Alkali -Ferricyanid (vergl. § 1549, Nr. 10) zerlegt:

(„e,),{FeCy,,), + 12 NaOH 3 + 2 NaeFeCy.; in der zweiten Phase wird das Ferricyanid durch einen Theil des Ferrohydrates und das Alkalihydrat zu Ferrocyanid reducirt:

\acFe2Cy12 + 2 NaOH + - NagFegCyig +

des Baryiims und des Kali ums. 363

8. Die Ferrisalze bilden in so fern eine Ausnahme als sie in Lösungen von Ferricyaniden keinen Niederschlag bilden; sie rufen in denselben nur eine verhÀltnissmÀssig schwache brÀunliche FÀrbung hervor (vergl. § 1549, Nr. 10 u. 11).

— Die Ferricyanide sind, besonders in alkalischer Lösung, ziemlich energisch wirkende Oxydationsmittel und leicht zu Ferrocyaniden reducirbar.

9. Sie fĂŒhren in Alkalihydrat gelöstes Chromihydroxyd schon bei gewöhnlicher Temperatur in Alkalichrom at ĂŒber:

3 KßFejCyi, + + 10 KOH 3 KgFejCyij + 2 KCrO + 8 HO.

10. In Gegenwart von SalzsÀure zerlegen die Ferricyanide das Kaliumjodid und geben Jod und Wasserstoff-Ferrocyanid:

KßFe.Cyij + 2 KJ + 8 HCl - HgFeCyi, + 8 KCl + J,.

11. Wasserstoffsuperoxyd und Ferricyanide reduciren sich gegenseitig in alkalischer Lösung unter Entwickelung von Sauerstoff) (s. § 1564).

12. In Gegenwart von Alkalisulfiden sind die Ferricyanide in Lösung nicht existenzfÀhig; sie werden durch dieselben zu Ferrocyaniden unter Ausscheidung von Schwefel reducirt:

13. Schweflige SÀure reducirt die Ferricyanide in saurer Lösung zu Ferrocyaniden.

14. Die Ferricyanide fÀrben Diphenylamin-Sulfat blau.

15*. Mit wasserfreiem Natriumhyposulfit erhitzt, geben die Ferricyanide dieselben Producte wie die Ferrocyanide (siege § 1549, Nr. 13).

1550a* 1. Die Cyanate leiten sich von der CyansĂ€ure bez. HCyO ab. Diese SĂ€ure ist bei gewöhnlicher Temperatur eine farblose, leicht bewegliche, stechend riechende, mit Wasser mischbare FlĂŒssigkeit. Sie ist nur bei sehr niedriger Temperatur (KĂ€ltemischung) bestĂ€ndig; ihre Lösung ist unrestĂ€ndig.

Die wichtigsten Cyanate, die Alkalicyanate, werden leicht, durch Oxydation der Cyanide, namentlich durch Schmelzen derselben mit einem leicht reducirbaren Oxyde, wie Bleioxyd oder Mangansuperoxyd, erhalten: KCy + PbO KCyO + Pb %

Grössere Mengen von Cyaniden in den Cyanaten (Gemische, wie sie in den Handelsmarken der Cyanide vorliegen) verdecken oder verhindern sogar die meisten Reactionen der Cyanate.

Bei der Oxydation der Cyanide auf nassem Wege mittelst Kaliumpermanganat bilden sich verschiedentliche Producte. Man hat dabei festgestellt

364 Eigenschaften der Cyanate.

Die Alkalicyanate sind im trockenen Zustande sehr bestÀndig, selbst bei hoher Temperatur, wie aus ihrer soeben erwÀhnten Darstellungsweise hervorgeht.

Behandelt man ein Cyanat mit einer starken SÀure, so kann man eine polymere Modification der CyansÀure erhalten, deren grösister Theil sich jedoch mit Wasser zersetzt unter Bildung von Kohlendioxyd und Ammoniak, welch letzteres mit dem Ueberschuss der angewandten SÀure ein entsprechendes Salz liefert):

Das entweichende Gas besitzt einen stechenden Geruch, weil eine kleine Menge nicht zersetzter CyansÀure mitgerissen wird.

Die Alkali-und Erdalkalicyanate sind Lakmus gegenĂŒber neutral.

Die Cyanate besitzen keine eigene FĂ€rbung.

2. In BerĂŒhrung mit Wasser unterliegen die Cyanate schon in der KĂ€lte einer allmĂ€hlichen, vollstĂ€ndigen Zersetzung. Sie gehen in Carbonate ĂŒber und liefern ausserdem Ammoniumcarbonat :

+ 4 HjO CaCOg + (NHCOg. WĂ€rme begĂŒnstigt diese Reaction.

3. Die Ammoniumsalze, namentlich das Sulfat, liefern mit Cyanat-Lösung in Folge doppelter Umsetzung das in Wasser sehr leicht lösliche Ammoniumcyanat:

2 + (NHJgSO K,SO, + 2 Dieses Salz erfahrt langsam in der KĂ€lte, sogleich beim Kochen seiner Lösung, eine hö interessante molekulare Umlagerung, indem es in Harnstoff bez. Carbamid, 2), ĂŒbergeht.

4. Baryumchlorid giebt in den (yanat-Lösungen keinen Niederschlag, da Baryumcyanat in Wasser löslich ist. Jedoch trĂŒbt sich die FlĂŒssigkeit in der KĂ€lte nach einiger Zeit, beim Kochen sogleich, und zwar in Folge der Bildung von Carbon at (vergl. Nr. 2). Durch Zugabe von Alkohol wird auch Baryumcyanat gefallt.

Das im Anfang der Reaction gebildete Ammoniumcarbonat kaim

(E. Baudrimont: Mon. sc. de QuesnevĂŒle [3] 10 (1880), 472): salpetrige SĂ€ure, SalpetersĂ€ure, Kohlendioxyd, AmeiseniKlure, OxalsĂ€ure, Ammoniak und Harnstoff.

In alkalischer Lösung bilden sich im Wesentlichen Nitrite.

In schwefelsaurer Lösung erhĂ€lt man, wahrcheinlich gemĂ€ss der Formel: lOKCN + 2 KMn,0„ + 18 H,SO, 5 + 14 KHSO, + 2 Mn,(SOy,

+ 5 CO., + H,0, ' 50°/ der Theorie an Harnstoff.

Bei Behandlung des Cyanides mit Kaliumpermanganat in der KĂ€lte und darauf mit Ammoniumsulfat bei Siedehitze bildet sich Harnstoff (J. Volhard: Ann, 269 (1890), 377), welcher — wenn er nicht das unmittelbare Product der Oxydation ist — eine intermediĂ€re Bildung von Cyanat beweist.

Ueber die BestÀndigkeit der Cyanate bei Gegenwart von Basen und von SÀuren siege Berthelot und Andre: Bull, Soc. eh. [2] 47 (187), 840.

Eigenscbafteu der Cyaoate. 365

durch Umsetzung mit dem noch nicht zersetzten Cyanat Ammoniumcyanat und demgemÀss auch Harnstoff liefern (vergl. Nr. 3).

5. Die Calciumsalze verhalten sich wie Elaryumchlorid.

6. Silbernitrat ruft in neutralen Cyanat-Lösungen einen weissen, kĂ€sigen, in verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure unter Bildung von Ammoniumnitrat und Kohlendioxyd löslichen Niederschlag von Silbercyanat, AgCyO, hervor (vergl. Nr. 1):

+ 2 HNO + H,0 AgXOg + NHNOg + CO., i). Das Silbercyanat ist in Ammoniak, in Kaliumcyanid und in Natriumhyposulfit löslich. Beim Erhitzen zersetzt es sich unter Feuererscheinung und Explosion.

7. Mercurichlorid und -Nitrat liefern nicht sogleich einen Niederschlag. Nach einiger Zeit trĂŒbt sich die FlĂŒssigkeit in Folge der Zersetzung des Cyanates.

8. Mercuronitrat liefert einen voluminösen, grauen Niederschlag, gleichgĂŒltig, ob das Reagens im Ueberschuss ist oder nicht.

9. Bleiacetat giebt in genĂŒgend concentrirten Lösungen einen weissen, in SalpetersĂ€ure löslichen Niederschlag. Wird die Cyanat- Lösung mit einer sehr geringen Spur EssigsĂ€ure angesĂ€uert, um die Anwesenheit von Carbonat zu vermeiden, so nimmt der Niederschlag die Form feiner Nadeln an.

10. Eine zu einer Alkalicyanat-Lösung gegossene Cuprisulfat- Lösung nimmt eine dunklere FĂ€rbung an. In der KĂ€lte entsteht kein Niederschlag sofort, wie auch das Mengen -VerhĂ€ltniss der Reagentien sein mag; in der WĂ€rme entsteht ein hellblauer, voluminöser, zweifellos auf die Bildung von Carbonat zurĂŒckzufĂŒrender Niederschlag (vergl. Nr. 2). Bei Zugabe von schwefliger SĂ€ure entfĂ€rbt sich die Mischung, aber ohne dass ein Niederschlag entsteht.

11. Ferrichloridin möglichst sĂ€urefreier Lösung fallt die Cyanat- Lösungen nicht, jedoch fĂ€rbt sich das FlĂŒssigkeits-Gemisch bald dunkel, alsdann trĂŒbt es sich und giebt schliesslich einen gelben Niederschlag in Folge der Zersetzung des Cyanates.

12. C ob alto Chlorid fÀrbt eine Cyanat - Lösung blau; diese FÀrbung verschwindet nicht durch Zugabe einer Spur von EssigsÀure.

13. Mit festem Kaliumoder Natriumhydrat erhitzt, geben die Cyanate Ammoniak und Alkali carbonat (vergl. § 1548, Nr. 5):

14. Im festen Zustande wie in Lösung mit concentrirter SchwefelsÀure behandelt, liefern die Cyanate Ammoniumsulfat und Kohlendioxyd (vergl. Nr. 1; siege auch § 1548, Nr. 4):

Dns feste Kaliumfaydrat des Handels enthĂ€lt gewöhnlich ein MolekĂŒl Krystall- Wasser.

366 Eigenschaften der Sulfocyanide.

15. Die Cyanate werden durch Aluminium und Alkalihydrat nicht zu Cyaniden reducirt (vergl. § 1551, Nr. 4).

16. Mit Magnesium-Pulver erhitzt, schmelzen die Alkalicyanate; bei dunkler Rothgluth erfolgt eine Àusserst lebhafte Reaction (Feuererscheinung). Das Schmelzproduct enthÀlt Cyanid*), welches leicht an seinen gewöhnlichen Reactionen") zu erkennen ist.

17. Schmilzt man ein Cyanat mit einem Gemisch von Kohle und trocknem Kaliumoder Natriumhydrat, so resultirt gleichfalls Alkalicyanid. Zur Reduction der Alkalicyanate genĂŒgt Kohle allein*):

KCyO + C KCy + CO.

18. Weder durch Verdampfen ihrer Lösung in Gegenwart von Ammoniumpoly Sulfid noch durch Schmelzen mit trockenem Natriumhyposulfit werden die Cyanate in Sulfocyanide verwandelt) (vergL § 1548, Nr. 12 u. 13).

19. Weder durch Kaliumpermanganat in neutraler oder alkalischer Lösung noch durch ChromsÀure werden die Cyanate auf nassem Wege oxydirt.

20." Mit trocknem Kaliumdi Chromat erhitzt, werden sie oxydirt; es entsteht neutrales Chromat und Chromioxyd: 2 + 3 KCrgO NaCrO + 3 KCrO + CrjOg + 2 CO,, + N.

Bigenschaften der Sulfocyanide.

1551* 1. Die Sulfocyanide, auch Thiocyanide oder Rhodanide genannt, entsprechen der im freien Zustand eine farblose, stechend wie EssigsĂ€ure riechende FlĂŒssigkeit bildenden, in wĂ€ssriger verdĂŒnnter Lösung ziemlich bestĂ€ndigen Rhodanwasserstoflf-SĂ€ure, bez. HCyS.

Die von fÀrbenden Metallen freien Sulfocyanide sind farblos.

2. VerdĂŒnnte SĂ€uren zestören bei gewöhnlicher Temperatur die Sulfocyanide nicht. Mit SalpetersĂ€ure erhitzt, geben sie eine rothe FĂ€rbung, dann werden sie zersetzt unter anhaltender Gasent Wickelung — Bildung von Cyanwasserstoff (Vorsicht!) und schwefliger SĂ€ure. Das rothe Product ist unrestĂ€ndig und in Aether unlöslich (vergl. Nr. 9). Concentrirte SalpetersĂ€ure bewirkt eine heftige Reaction und Bildung von SchwefelsĂ€ure.

3. Mit Zink und verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure behandelt, geben die Sulfocyanide Schwefelwasserstoff.

De Koninck: unveröffentlichte Versuche.

De Koninck: unveröffentlichte Versuche.

H. AufschlÀger (Sttzgsber. d. Kais. Akad. d. Wiss. (Wien), Math.-naturw. Classe, Abth. IIb, 101 (1892), 278) hat die Reduction der CyansÀure mittels Zinkstaub in der Rothgluth bewirkt:

2 HCyO + 3 Zn ZnCy, + 2 ZnO + H,.

H. Rose: Traue compUt de chimie analytique, I (Paris 1859), S. 739.

De Koninck: nicht veröflfentlichte Versuche.

Bestimmung der Cyanide. 367

4. Wenn Aluminium in Gegenwart eines Alkalihydrates auf Sulfocyanid einwirkt, so entsteht AlkaHsulfid, erkennbar an der violetten Farbe, welche auf Zusatz von Natrium-Nitroprussid entsteht (§ 1609, Nr. 7),

5. Mit einem festen Alkalihydrate oder mit Natronkalk erhitzt, geben die Sulfocyanide, wie die anderen Cyan Verbindungen, Ammoniak.

6*. Silbernitrat ruft in den neutralen oder sauren Sulfocyanid- Lösungen einen klumpigen, weissen Niederschlag von Silber - Sulfocyanid hervor, unlöslich in verdĂŒnnten SĂ€uren, löslich, besonders beim PIrwĂ€rmen, in Ammoniak:

KCyS + AgNOg AgCyS + KNO3. Das Silber-Sulfocyanid kann durch Zink oder Cadmium redudrt werden, wie das Chlorid (siege § 1001, Nr. 2).

7. Mercuronitrat im Ueberschusse giebt einen Niederschlag von Mercuro- Sulfocyanid, welches aber in Mercuri-Sulfocyanid und metallisches Quecksilber zerfallt, weshalb der Gesammt- Niederschlag von reducirtem Quecksilber grau gefÀrbt ist (siege § 980, Nr. 13).

8. Cuprisulfat und schweflige SĂ€ure zusammen erzeugen einen weisslichen, in verdĂŒnnten SĂ€uren unlöslichen Niederschlag von Cupro- Sulfocyanid (siege § 896, Nr. 13).

9*. Ferrichloridin saurer Lösung fÀrbt die Sulfocyanid-Lösungen intensiv blutroth). Das gefÀrbte' Reactionsproduct ist Àthereöslich (siege § 569, Nr. 13).

10. Die Sulfocyanide sind Reductionsmittel; sie reduciren namentlich Kalium-Permanganat und -Chromate in Gegenwart von Schwefel- sÀure. Femer werden durch sie Arsenale zu Arseniten reducirt.

11. Wie alle sulfurirten Verbindungen, geben die Sulfocyanide mit Soda im Reductionsfeuer Schwefelleber (siege § 1594, Nr. 11), und mit Soda und Salpeter oder Alkalichlorat geschmolzen, Alkalisulfat (siege § 1594, Nr. 10).

Bestimmung der Cyanide.

I. Cyanide dr Metalle der Alkallen der alkalischen Erden und des Wasserstoffs (Bl ausSure)*).

A. Durch WÀgung. 1552* Durch Silbemitrat). Man giesst in die Lösung eine in geringem Ueberschuss abgemessene Menge von Silbemitrat-Lösung, und

Nach KrĂŒss: B. 22 (1889), 2061 rĂŒhrt die FĂ€rbimg von löslichem Ferri- Kalium-Sulfocyanid her. welches der Formel - 3 CySK oder . 9 CySK entsprechen soll.

Ueber die Auffindung und Bestimmung der BlausÀure in offtcinellen WÀstern vergl. G. Gregor: Z anal. CM, 88 (1894), 30.

A. Souchay; Z. anal Ch, 2 (1863), 173; G. Feldhaus: ebd. 3 (1864), 34.

erst dann sĂ€uert man, wenn die Lösung nicht etwa schon sauer ist, mit SalpetersĂ€ure an. Ueberschuss an SalpetersĂ€ure sowie ErwĂ€rung mĂŒssen vermieden werden, da Silbercyanid in warmer, selbst sehr verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure merklich löslich ist).

Verfahrt man anders, d. h. sĂ€uert man vorher die Lösung an, so wĂŒrde man Gefahr laufen, dass Cyanwasserstoff entweicht und sich der Bestimmung entzieht.

Den Niederschlag sammelt man auf einem Filter und wÀ ihn mit kaltem Wasser aus.

Man kann das Silbercyanid entweder durch GlĂŒhen zersetzen und das reducirte Metall wĂ€gen'-*), oder auch das auf einem tarirten Filter gesammelte und bei 100 getrocknete Cyanid wĂ€gen. Zur gegenseitigen ControUe kann man auch beide Verfahren nach einander anwenden.

R Burch Titrimetrie.

15 53. L Durch SilbemitratÂź). Wir setzen voraus, dass das Cyan in einem Alkalicyanide bestimmt werden soll.

Man lÀsst die titrirte Silberlösung (§1014, S. 99)*) in die Lösung des Cyanides einfiiessen. Zu Anfang entsteht kein bleibender Niederschlag, in Folge der Bildung des löslichen Doppelcyanides:

2 KCy + AgNOg (AgCy, KCy) + KNO. Hat diese Reaction ihr Ende erreicht, so bewirkt der geringste weitere Zusatz von Silbersalz eine dauernde TrĂŒbung, welche die Endreaction anzeigt und welche von einer FĂ€llung von Silbercyanid herrĂŒhrt:

(AgCy. KCy) + AgXOj - 2 AgCy + KNO3. Will man nach demselben Verfahren die BlausĂ€ure titriren, so fĂŒhrt man sie durch Zusatz eines Alkalihydrates in Alkalicyanid ĂŒber. Ein Ueberschuss von Alkali schadet ebensowenig wie die Anwesenheit von Chlorid oder ("yanat).

In Gegenwart von Ammoniumsalzen ist das Verfahren, in Folge der Löslichkeit des Silbercyanides in Ammoniak, nicht anwendbar.

— Das oblige Verfahren hat vor einigen Jahren eine AbĂ€nderung erfahren, welche — wie es scheint schon an und fĂŒr sich vortheilhaft — namentlich in so fem Vorzug verdient, als sie die Bestimmung der Cyanide in Gegenwart von Ammonium-V erbindun gen auszufĂŒhren gestattet

Die AbÀnderung besteht darin dass man in ammoniakalischer Lösung mit einer kleinen Menge Kaliumjodid als Indicator arbeitet.

Da Kaliumjodid in Alkalicyaniden löslich, in Ammoniak hingegen

') ThsLulovf. /,trait. Ch. 81 (1844), 223; O. Brunck: B. 84 (1901), 1604.

Man wendet eine wenig concentrirte FlĂŒssigkeit an, z. B. mit Tcy 0,001 gr.

J. W. Mellor: Z. anal. Ch, 40 17.

') G. Denigcs: Ann. d€ ch. et de phys. [7] 6 (1895), 381.

Bestimmang der Cyanide. 369

unlöslich ist, kann sich die animoniakalische FlĂŒssigkeit, in Folge der FĂ€llung einer Spuf von Jodid, nur dann trĂŒben, wenn sie kein freies Cyanid mehr enthĂ€lt, d. wenn — wie in dem ursprĂŒnglichen Verfahren — die Gesammtmenge des Cyanides in das Doppelcyanid AgKCy verwandelt worden ist

— Man kann die Cyanide, bei Abwesenheit von Chloriden, auch bestimmen, indem man eine im Ueberschuss bemessene Menge titrirter Silbemitrat-Lösung hinzufĂŒgt, mit verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure ansĂ€uert, wie fĂŒr eine gewichtsanalytische Bestimmung, imd den Silber-Ueberschuss mit Sulfocyanid titrimetrisch ermittelt) (vergl. § 1445, Bestinmiung der Chloride).

1&64. II. Durch Jod). Jod reagirt mit den Alkalicyaniden gemÀss der Formel:

KCy+J,=KJ + JCy.

Um ein Alkalicyanid nach diesem Verfahren zu bestimmen, setzt man zu der Lösung mit KohlensĂ€ure gesĂ€ttigtes Wasser und lĂ€sst dann die titrirte Jodlösung einfliessen, bis die gelbe, von einem kleinen Jod- ĂŒberschusse herrĂŒhrende Farbe bestehen bleibt.

Um das Verfahren auf BlausÀure anzuwenden, neutralisirt man diese zunÀ durch ein Alkalihydrat und setzt dann KohlensÀure enthaltendes Wasser hindu, bis die Mischung Curomiapapier nicht mehr brÀunt

Wie die Autoren des Verfahrens festgestellt haben und F. Mohr) bestÀtigt hat, kann man StÀrke als Indicator nicht anwenden, da sie das Ende des Versuches sehr unregelmÀssig anzeigt, so dass die Resultate vollstÀndig ungenau werden.

Dieses Verhalten der StÀrke ist nicht aufgeklÀrt Die Anwendung des Kohlendioxydes hat den Zweck, Alkali - Hydrat, -Carbonat imd -Sulfid, welche dem Cyanid beigemengt sein können, in Bicarbonat zu verwandeln.

a. Mereurlcyanld. Durch WĂ€gung. 1555* I. Durch SilbenĂŒtrat. Die Silbersalze geben mit Mercuricyanid keine latte Reaction; man ist daher genöthigh, das Quecksilber zu entfernen, bevor man das Cyan als Silbercyanid fallen kann. Man setzt zu der Lösung, welche das Quecksilbercyanid enthĂ€lt, eine ammoniakalische Lösung von Zinknitrat im Ueberschuss und dann allmĂ€hlich Schwefel Wasserstoff wasser, bis Zinksulfid beginnt, sich abzu-

Fordos und Gclis: /. de pharm, et de chim. 28 (1853), 48; /. pr. Ch. 59 (1853). 255.

Mohr-Classcn: Titrimuthode, 7. Aufl. (1896), S, 330f. Rose und Finkcner: Z. anal. Ch. 1 (1862), 288.

De Koninck-Meineke, Mineralanalyse. II. 24

scheiden. Der Niederschlag, welcher alles Quecksilber enthÀlt, wird durch Filtration entfernt und mit Ammoniak enthaltendem Wasser ausgewaschen.

Das Filtrat, welches frei von Schwefelwasserstoff ist und in welchem sich der Rest des Zinks findet, wird mit Silbemitrat im Ueberschusse versetzt und mit verdĂŒnnter Schwefelsaure angesĂ€uert, wodurch die FĂ€llung des Silbercyanides vollstĂ€ndig wird. Nach vollstĂ€ndigem Absitzen decantirt man die klare FlĂŒssigkeit, ĂŒbergiesst den Niederschlag mit etwas Silbernitrat-Lösung und erwĂ€rmt einige Minuten auf dem Wasserbade.

Diese Behandlung des Niederschlages bezweckt, die Spuren von Zinkcyanid, welche gefallt sein können, in Silbercyanid vmizuwandeln.

Das Silbercyanid wird auf einem Filter gesammelt und, wie oben (§ 1552) angegeben ist, weiter behandelt.

1556* IL Duroh Verbrennung. Man kann das Cyan im Mercuricyanid bestimmen, indem man letzteres, mit Cuprioxyd gemischt, in einem Verbrennungsrohre auf Rothgluth erhitzt und entweder die entstandene KohlensĂ€ure oder, was jedoch weniger leicht auszufĂŒhren ist, den frei gewordenen Stickstoff auffangt In letzterem Falle verfĂ€hrt man wie bei der Elementaranalyse einer organischen Substanz nach Dumas.

Will man nur den Kohlenstoff bestimmen, so ist die Verbrennung auf nassem Wege mit ChromsĂ€ure (siege Bestimmung des Kohlenstoffs) zu empfehlen; die gasförmigen Oxydationsproducte mĂŒssen aber auch in diesem Falle ĂŒber glĂŒhendes Cuprioxyd geleitet werden, bevor sie in den zur Absorption der entstandenen KohlensĂ€ure bestimmten Apparat gelangen. Dieses Verfahren ist wohl fĂŒr alle Cyanide anwendbari).

Bemerkung. Es ist nicht gelungen, wie man in Anbetracht der grossen Verwandtschaft des Quecksilbers zum Jod wohl annehmen könnte, durch dieses Reagens das Mercuricyanid titrimetrisch zu bestimmen') (s.§1424).

Andr# normal Cyanide. Durch WĂ€gung.

1557* L Dnroh Silbemitrat. Man setzt zu der Lösung Silbernitrat im Ueberschuss. Dieses fallt unmittelbar die Cyanide der Alkalien und der alkalischen Erden; aber auch die Metallcyanide, welche sich als Doppelcyanide in der FlĂŒssigkeit befinden können, fallen mit dem Silbercyanid aus.

Nach einiger Zeit sÀuert man mit SalpetersÀiu-e schwach an und er- wÀrmt auf dem Wasserbade; unter diesen UmstÀnden geben die Metallcyanide (wenigstens die meisten von ihnen) ihrerseits Silbercyanid; das

') Mein Assistent K. Schroeder hat eS mit bestem Erfolge zur Bestimmung des Kohlenstoffes im Kaliumferrocyanid benutzt. (Meineke.) -) De Koninck: nicht veröffentlichte Versuche.

Bestimmung der Cyanide. 371

ist namentlich bei den Cyaniden des Nickels, Zinks und Kupfers der Fall,

Sobald man die Zersetzung fĂŒr vollstĂ€ndig erachtet, setzt man Wasser hindu, lĂ€sst erkalten und sammelt das Silbercyanid.

Das durch GlĂŒhen des Cyanides erhaltene metallische Silber wird nach dem WĂ€gen in SalpetersĂ€ure gelöst: man ĂŒberzeugt sich dann davon, dass diese Lösung kein anderes Metall enthĂ€lt.

1558 U. Dtiroh Merouriozyd). Die Cyanidverbindung wird gleichzeitig mit gelbem Mercurioxyd in erheblichem Ueberschusse in Wasser gelöst oder suspendirt; diese Mischung wird dann einige Minuten lang auf Siedehitze gehalten.

Unter diesen UmstÀnden werden die Metalle als Hydroxyde gefallt und das Cyan verbindet sich mit dem Quecksilber zu Mercuricyanid.

Man filtrirt und bestimmt im Filtrate das Cyan nach dem oben (§ 1555) angegebenen Verfahren.

4. Ferrocyanid und Fcrricyanid. A. Buroh W&going.

1569* I. Durch Merouriozyd. Die Ferrocyanide und die Ferricyanide, selbst diejenigen des Eisens (Berliner Blau etc.), werden durch Mercurioxyd vollstĂ€ndig zersetzt; man kann daher das im vorigen Paragraphen fĂŒr die normalen Cyanide beschriebene Verfahren anwenden.

Bemerkung. Trotz ihrer Aehnlichkeit mit den Ferricyaniden werden die Cobalticyanide durch Mercurioxyd nicht zerlegt.

1559 n. Doroh Bestimmung des Bisens). Die Ferrocyanide sind eventuell in Alkali-Ferrocyanide — durch Einwirkung von Alkalihydrat im Ueberschuss in der WĂ€rme — ĂŒberzufĂŒhren. Die klare Lösung wird zur Trockne eingedampft, der RĂŒckstand mit Soda und Salpeter geschmolzen und die Schmelze mit Wasser extrahirt. Im unlöslichen RĂŒckstand wird das gebildete Eisenoxyd bestimmt.

Statt durch Schmelzen kann man die Ferrocyanide, nach Schroeder, auch durch Eindampfen mit concentrirter SchwefelsÀure zestören.

Dieses Verfahren, welches fĂŒr die Bestimmung von Ferrocyaniden vorgeschlagen ist, kann wohl auch direct fĂŒr Ferricyanide Anwendung finden.

1559 ni. Durch Bleisalze Die Lösung des AJkali-Ferro- Cyanids wird mit verdĂŒnnter (4 — 5Âź/tiger) Essigoder SalpetersĂ€ure schwach angesĂ€uert und durch Bleinitrat oder Bleiacetat gefallt. Nach 12 stĂŒndigem Absitzen wird der Niederschlag filtrirt und in einer tarirten

Rose: 1. cit.

') Man benutzt ein Oxyd, welches durch FĂ€llung bereitet und unter Wasser aufbewahrt ist.

') L. De Koninck; Z. angew. Ck, 1888, 463. Siehe auch E. Donath und B. M. Margosches: Z, angew. Ch. 1888, 345.

24

Schale mit wenig verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure (5 Th. H2SO4 + 3 Th. H9O) zur Trockne abgedampft. Nach dem GlĂŒhen erhĂ€lt man einen aus 4PbS04 + Fe203 bestehenden RĂŒckstand, welcher gewogen wird.

Das Verfahren ist nur auf Ferro Cyanide anwendbar.

1559 c. IV. Dnroh Verbrexmiuig. Den Kohlenstoff kann man in den Eisencyaniden durch Oxydation mit ChromsÀure bestimmen (vergl § 1556).

Ferrocyanide.

1560. I. Buroh Kalmmpennangimat Das Verfahren beruht auf der UeberfĂŒhrung dts Ferrocyanides in Ferricyanid bei Gegenwart von SchwefelsĂ€ure. Die folgende Formel giebt den Sinn der Reaction an:

5 KgFejCyij + KMnOg + 44 H3SO4 42 KHSO + Mn,(S04), + 5HeFe,Cyi3 + 8H,0.

Behufs Anwendung des Verfahrens verdĂŒnnt man die Ferrocyanid- lösung so, dass sie nicht mehr als 0,2 % Ferrocyanid enthĂ€lt, sĂ€uert mit verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure stark (damit kein Mangan - Ferrocyanid gefallt wird) an und lĂ€sst dann die titrirte Permanganatlösung hinzufliessen, bis die anfangs rein gelbe, alsbald von gebildetem Ferricyanide schwach grĂŒnliche Farbe der FlĂŒssigkeit in Rothgelb ĂŒbergegangen ist, ein Beweis, dass das Reagens in kleinem Ueberschusse vorhanden ist.

Die titrirte Permanganatlösung kann in gewöhnlicher Weise (§§ 466 ff.) bereitet werden; man kann aber auch ihren Titer auf eine bekannte Menge (etwa 0,2 gr) reinen Kalium-Ferrocyanides, KFegCy + 6 HO, einstellen

1561. U. Durch Alkaliohromate. Dieses Verfahren ist dem vorigen analog. Man arbeitet unter den gleichen Bedingungen mit der Lösung von Kalium -Chromat oder -Dichromat; die Endreaction erkennt man durch einen TĂŒpfelversuch mit Fern -Chlorid oder -Sulfat; sie ist eingetreten, sobald der Versuch nicht die geringste BlaufĂ€rbung mehr giebt. Die titrirte Lösung wird nach der directed Methode bereitet (§ 528).

1562. in. Durch Cuprisiilfbt). Die Lösimg des Ferrocyanides wird mit SchwefelsÀure schwach angesÀuert; dann lÀsst man eine titrirte Lösimg von Cuprisulfat (10 gr CuSO + öHgO auf 1 Liter) bis zur vollstÀndigen FÀllung des Ferrocyanides einfiiessen. Um die Endreaction zu erkennen, giebt man einen Tropfen der Mischung auf Filtrirpapier

Die titrimetrischen Verfahren sind nur auf die loslichen Salze anwendbar; man daher unlösliche Verbindungen vorher zerlegen, indem man sie mit der Lösimg eines Alkalihydrates oder mit Kalkmilch bebandelt.

Siehe auch Gintl: Z. anal. Ck. 6 (1867), 446.

Bohlig: Polyt. Notizbl. 10 a861), 81.

BestimmuDg der Cyanide. 373

und daneben einen Tropfen einer verdĂŒnnten Lösung von Ferrichlorid; solange noch nicht alles Ferrocyanid gefallt ist, entsteht an der BerĂŒhrungsstelle beider FlĂŒssigkeiten eine mehr oder weniger deutliche blaue Linie.

Die CuprĂŒĂ¶sung kann man direct bereiten, da das Cuprisulfat leicht in vollkommener Reinheit zu erhalten ist; viel sicherer geht man aber, wenn man den Titer genau durch reines Kalium -Ferrocyanid controllirt.

Dieses Verfahren giebt zwar nicht ganz scharfe Resultate, vor den vorhergehenden hat es aber den Vorzug, dass es auch bei Gegenwart solcher Substanzen angewandt werden kann, welche, wie z. B. die Sulfocyanide, Permanganat und ChromsÀure redudren*).

1562 IV. Durch Zinkohlorid. Ferrocyankalium kann in durch SalzsĂ€ure schwach angesĂ€uerter Lösung mit Zinkchlorid direct titrirt werden. Das Ende der Titration wird durch TĂŒpfelprobe mit Uranylnitrat erkannt (vergl. Bestimmung des Zinks, § 671, Bd. I, S. 534ff.)*)

Ferricyanide.

1563 L Dnroh Jodometrie). In Gegenwart von SalzsÀure zerlegen die Ferricyanide den Jodwasserstoff: sie werden reducirt und Jod wird frei (vergl. § 1550, Nr. 10):

KeFe,Cy,3 + 2 KJ + 8 HCl HFe.Cyi, + 8 KCl + J,. Nach Carl Mohr erhĂ€lt man eine glattere Reaction in Gegenwart eines Zinksalzes; dieses veranlasst die FĂ€llung von Zink-Ferrocyanid, welches auf Jod ohne Einwirkung ist, wĂ€hrend auf dieses das Wasserstofif-Ferrocyanid, welches sich unter dem EinflĂŒsse der SalzsĂ€ure bildet, nicht vollstĂ€ndig unwirksam ist.

Die AusfĂŒhrung des Verfahrens ist folgende: Man setzt zur Ferri- , cyanideösung Kaliumjodid im Ueberschuss und sĂ€uert mit SalzsĂ€ure an; dann fugt man reines Zinksulfat zu, verdĂŒnnt mit Wasser und titrirt das Jod mit Natriumhyposulfit (§ 1417).

1563 a. 11. Andere Vei&hren. Man reducirt das Ferricyanid zu Ferrocyanid und bestimmt dieses nach einem der obigen Verfahren.

Diese Reduction bewirkt man sehr gut in der Weise, dass man die ziemlich concentrirte Lösung des Ferricyanides in ein edges Glas bringt und darin mit Natriumamalgam behandelt*). Nach beendeter Reduction entfernt man das Quecksilber.

Auch durch Ferrohydrat lassen sich die Ferricyanide reduciren; zu dem Zwecke macht man die Lösung durch ein fixes Alkalihydrat alkalisch,

Es giebt auch ein analoges Verfahren fĂŒr technische Zwecke, welches auf der Anwendung von Ferrisalzen beruht (Rheineck: Ck. Central. [3] 2 (1871), 778).

lieber die Bestimmung des Ferrocyans in der (rasreinigungsmasse siege u. A.: C. Moldenhauer und W. LeyJjold: /. GasheUuchtg. 32 (1889), 155; Gasch bend. 166; Knublauch: bend. 450; Drehschmidt: bend. 86 (1892), 221.

Lenssen: Ann. 91 (1854), 240; C. Mohr: ebendas. 105 a858), 62.

erhitzt zum Kochen und giesst nach und nach Ferrosulfat hindu, bis der anfangs braune Niederschlag (Ferrihydroxyd) Àrzlich wird (Ferro-Ferri- Hydroxyd). Man hat dann nur noch zu filtriren.

Man kann die Reduction auch durch WasserstofOsuperoxyd oder vielleicht auch durch schweflige SĂ€ure bewirken.

C. Durch Gasometrie.

1664. Durch WasserstoflEiraperozyd In Gegenwart eines Alkalihydrates reduciren sich Ferricyanid und Wasserstoffsuperoxyd gegenseitig :

Diese Bestimmung lĂ€sst sich mit den bereits frĂŒher bei Ă€hnlichen Bestimmungen angegebenen Apparaten (Calcimeter, Nitrometer etc., siege § 402) ausfĂŒhren.

Bestimmung der Cyanate.

1666 Die Löslichkeit der meisten Cyanate und ihre UnbestĂ€ndigkeit in Lösung machen die Bestimmung derselben schwierig; femer haben diese Verbindungen bis heute keine grosse Bedeutung fĂŒr die Industrie erlangt, so dass man sich mit der Lösung des Problems ihrer Bestimmung noch nicht viel befasst hat.

Man findet in der Praxis Cyanate nur in den Alkalicyaniden, welche heute im Grossen zur Extraction des Goldes angewendet werden, und nur ihre Analyse verdient ein eigentliches Interesse. Ausser den Cyanaten findet man in diesen Cyaniden noch als Verunreinigungen in Wasser un- lösliche Substanzen und femer Alkali-Chloride, -Hydrate, -Sulfide, -Sulfate und -Carbonate.

A. Durch WĂ€gung.

1565a Durch Verbrennung. Der einzige, unseres Wissens bisher vorgeschlagene, gewichtsanalytische Weg ist die Anwendung der Methode der organischen Elementar -Analyse: Der Kohlenstoff wird auf trocknem Wege in Kohlendioxyd verwandelt und dieses wird direct gewogen (vergl. Bestimmung des Kohlenstoffs).

Nicht alle zur Oxydation der organischen Körper anwendbaren Mittel lassen sich zur Analyse der Alkalicyanate benutzen. Die neutralen oder basischen Oxydationsmittel, z. B. Kupferoxyd, ebenso wie der gas- förmige Sauerstoff, können keine Anwendung finden, da das Alkalimetall mehr oder weniger vollstĂ€ndig den Kohlenstoff in Form von Kohlendioxyd zurĂŒckhĂ€lt. Man wird also Bleichromat oder Kupferoxyd mit Kaliumdichromat anwenden und diese mit dem Cyanat innig mischen mĂŒssen; femer muss in den vorderen Theil der Röhre eine Schicht von granulirtem Kupferoxyd und eine Kupferdrahtnetz-Rolle gelegt werden, genau

Lunge: B. 19 (1886), 868; Quincke: Z. anal. Ch. 81 (1892), 3.

Bestimmung der Cyanate. 375

wie fĂŒr die Analyse organischer, Stickstoff und Alkalimetall enthaltender Verbindungen.

Wir verweisen fĂŒr die Einzelheiten auf Werke, welche die organische Elementar-Analyse behandeln.

Viel einfacher könnte man auf die Cyanate — wie wir glauben — das Verbrennungsverfahren mittels ChromsĂ€ure und Schwefelsaure anwenden (vergl. die Bestimmung des Kohlenstofife), oder endlich sie mit verdĂŒnnter SchwefebĂ€ure behandeln und die dabei entstandene KohlensĂ€ure bestimmen, nothigeufalls nachdem die Gase ĂŒber glĂŒhendes Kupferoxyd geleitet sind, um die Spur mitgerissener CyansĂ€ure zu zestören.

Bemerkung. Eine Bestimmung der Cyanate liesse sich auch ausfuhren, indem man ihren Stickstoff in eine Ammonium-Verbindung ĂŒberfuhrt, entweder durch Wasser oder durch eine SĂ€ure, nöthigenfalls im zugeschmolzenen erhitzten Glasrohr, und das gebildete Ammoniak bestimmt (vergl. §§ 396 ff.) 1).

Man wĂŒrde die Cyanate wahrscheinlich auch bestimmen können, wenn man sie mit ĂŒberschĂŒssiger Calcium-oder Baryum-Chlorid-Lösung erhitzte und die Menge gelten Carbonates bestimmte (vergl. § 1550a, Nr. 4 u. 5):

+ 2 HgO + CaCl, CaCOg -f- KCl + NHCl.

Vielleicht wĂ€re es auch noch möglich, die Bestimmung der Cyanate dadurch auszufĂŒhren, dass man ihre genau neutral Lösung (von eventuellem Carbonat- Gehalt durch Zugabe von Caldunmitrat befreit) mit Silbemitrat versetzt, den Niederschlag sammelt, ihn durch verdĂŒnnte SalzsĂ€ure in Silberchlorid ĂŒberfĂŒhrt und letzteres wĂ€gt. Bei diesem Verfahren wĂ€re auch die Modification denkbar, eine bestimmte ĂŒberschĂŒssig bemessene Menge Silbemitrat anzuwenden und den Ueberschuss zu bestimmen, wobei man vortheilhaft titrimetrisch verfahren wĂŒrde.

B. Durch Titrimetrie 1665b. L Duroh Alkalimetrie). Ein Cyanat neutralisirt gewissermaassen eine SĂ€ure, wie aus nachstehender Formel erhellt: -f 2 HCl -f H,0 KCl + (NHJCl + COjj. Ein Atom eines einwerthigen Metalls im Cyanat entspricht zwei MolekĂŒlen einer einbasischen SĂ€ure.

Die nÀmliche Reaction findet zwischen Silbercyanat und Salpeter- sÀure statt:

Vergl. weiter unten § 1565c die titrimetrische Anwendung dieses Verfahrens von O. Herting: Z. angew, Ch. 1901, 585.

F. Wohler: Gilbert's Ann, [3] 18 (1823), 157; J. W. Mellor: Z. angew, Ch, 1901, 275 u. ZTanaL Ck, 40 (1901), 17. Dieses von Mellor auf das SUbercyanat angewandte Verfahren dĂŒrfte in Abwesenheit von Cyanid verallgemeinert werden können.

Zur Anwendung dieser Reactionep behandelt man das Cyanat, welches vollstĂ€ndig frei von alkalischen Beimengungen, namentlich Carbonaten, sein mĂŒss, mit einem gemessenen Volumen titrirter SĂ€ure im Ueberschuss, erhitzt auf dem Wasserbad wĂ€hrend einer SlXmde) und bestimmt hierauf den SĂ€ure-Ueberschuss, und zwar am besten mit Ammoniak, da die LösuĂŒg Ammonium-Salze enthĂ€lt.

l565c. II. UeberfĂŒ in Ammoiiiak; Die in wenig Wasser gelöste Substanz wird mit SalzsĂ€ure oder SchwefelsĂ€ure in geringem UeberschĂŒss versetzt. Nach Abdampfung zur Trockne auf dem Wasserbade nimmt man mit Wasser auf und bestimmt das gebildete Ammoniak, am besten durch Destillation (vergl. § 397).

Herting fĂ€ngt das Ammoniak in normaler SchwefelsĂ€ure auf imd bestimmt den SĂ€ure-Ueberschuss mit Ammoniak gleicher Concentration unter Anwendung von Fluorescein als Indicator, ohne einen Grund fĂŒr die Ver'ending des letzteren anzufĂŒhren.

Bei Anwesenheit von Cyanid steht zu befĂŒrchten, besonders wenn SchwefelsĂ€ure verwendet wird , dass das Cyanid ebenfalls Ammoniak bildet (siege § 1548, Nr. 4).

C. Duroh GaBometrie.

1565d. Durch Verbrennoog. Man hat auf die Cyanate das elementar - analytische Stickstoff- Bestimmungs- Verfahren fĂŒr organische Körper angewandt, welches darin besteht, die Substanz in einem Rohr mit einem Oxydationsmittel zu erhitzen, um den Kohlenstoff in Kohlendioxyd ĂŒberzufĂŒhren imd den Stickstoff als solchen in Freiheit zu setzen. Das Gemisch passirt eine Alkalilauge, von welcher das erstere Gas absorbirt wird, wĂ€hrend der unabsorbirte, rfestirende Stickstoff gemessen wird. Wir glauben fĂŒr dieses, in seiner Anwendung complicirte Verfahren keine Einzelheiten angeben zu brauchen und verweisen noch einmal auf die Specialwerke.

Bemerkung. Ausser diesem obigen, wie wir glauben einzigen beschriebenen Verfahren, welches bei Gegenwart von Cyaniden nicht anwendbar ist, könnte man eine Bestimmung ausfĂŒhren, indem man das unter der Einwirkung einer SĂ€ure gebildete Kohlendioxyd wie fĂŒr eine Carbonat- Analyse misst, oder wohl auch, indem das Cyanat in Ammoniumsalz verwandelt und der aus letzterem mittels Natriumhypobromit frei gemachte Stickstoff gemessen wird (verge § 402).

') Mellor (l. cit.) erhitzt nur auf j50 ° und setzt die Dauef des Erhitzens nicht fest; nach Herting (1. cit.) ist diese Temperatur fĂŒr eine vollstĂ€ndige und etwas schnelle Umsetzung nicht ausreichend.

O. Herting: 1. cit.

L. cit.

BestimmuDg der Sulfocyanide. 377

Bestimmung der Sulfocyanide. A. Durch WĂ€gung.

1566 L Durch SUbersalse. Die mit verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure oder SchwefelsĂ€ure schwach angesĂ€uerte Lösung wird mit Silber-Nitrat oder -Sulfat behandelt; das gefĂ€llte Silbersulfocyanid wird, nach mehrstĂŒniger Ruhe, auf einem Filter gesammelt und nach 2 — 3 stĂŒndigem Trocknen 1) bei 115 (aber nicht höher) gewogen.

1567. U. Durch Oxydation, Alle gewöhnlich angewandten Oxydationsmittel, sowohl auf trockenem wie auf nassem Wege (siege §§ 1597 ff.), fĂŒhren den Schwefel des Sulifocyanides in SchwefelsĂ€ure bez. in Sulfat ĂŒber. Das einfachste Mittel besteht darin, das Product mit SalpetersĂ€ure in einem Kolben zu erhitzen; die Reaction tritt lebhaft und schnell ein. Welches Mittel man aber auch zur Oxydation anwenden mag, immer wird die entstandene SchwefelsĂ€ure schliesslich durch Baryumchlorid bestimmt.

Ob hier Wasserstoffsuperoxyd mit Ammoniak eine vollstÀndige Oxydation bewirkt, ist unseres Wissens nicht versucht worden.

1568 III. Durdh Verbrennung. Man kann den Kohlenstoff und den Stickstoff nach einem Verfahren der Elementaranalyse fĂŒr schwefelhaltige organische Verbindimgen, namentlich durch Verbrennen mit rothglĂŒhendem Bleichromat, bestinmien Vermuthlich ist auch das CfarcHn: sĂ€ure -Verfahren anwendbar (vergL § 1556).

B. Buroh Titrimetrie.

1569. L Darob SĂŒbemitrat. Das Verfahren ist die Umkehrung des bei der Bestimmung des Silbers durch Sulfocyanid beschriebenen Verfahrens (§ 1016).

Die mit verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure oder SalpetersĂ€ure schwach angesĂ€uerte Lösung wird durch Zusatz von Eisen -Alaun gefĂ€rbt; dann lĂ€sst man die titrirte Silberlösung zutliessen, bis die letzte Spur der rothen FĂ€rbung verschwunden ist. Es wĂ€re wohl besser, die RĂŒcktitririmg durch Kaliumbez; Ammonium-Sulfocyanid anzuwenden.

1570. II. Durch Kaliumpermanganat). Das Sulfocyanid wird in Gegenwart von SchwefelsĂ€ure durch Kaliiunpermanganat oxydirt; man lĂ€sst dieses bis zur dauernden RothfĂ€rbung zuĂŒiessen. Das Permanganat wird mit einer titrirten Lösung von Ammoniumsulfocyanid eingestellt (§ 1016).

1571 ni. Durch Cuprisulfot und Permanganat). Man fÀllt

R. G. Van Name: Z. anarg. Ch. 26 (1901), 235.

Siehe z. B. R. Fresenius: AnleĂŒg. z. quantit, ehem. Analyse 6. Aufl., n (1887), S. 73 fr.

') Erlenmeyer schlug vor, die Permanganatlosungen mit Bleisulf ocyanid einzustellen: Z. Ch, 2 (1859), 202. Vergleiche femer: Volhard: Ann, 190 (1877), 1; Jumeau: /. de pharm, et de chim. 27 (1855), 193; Bull. Soc. ch. [3] 9 (1893), 34ß.

378 Bestimmung des Sulfocyanide.

mit Cuprisulfat und schwefliger SÀure, sammelt das Cuprosulfocyanid, zersetzt es durch Kalilauge und bestimmt das ausgeschiedene Cuprooxyd durch ein Ferrisalz und Permanganat (§ 922). Vielleicht besser, jedenfalls aber einfacher ist es, das Cuprosulfocyanid zu wÀgen (siege § 901, Bd. II. S. 20).

G. Durch Colorimetrie.

1572. Durch FeiriBalae). Man kann die Sulfocyanide schwerlich durch Ferrisalze genau bestimmen, aus denselben GrĂŒnden, aus welchen man umgekehrt das Eisen durch Sulfocyanide nicht leicht genau bestimmen kann (siege § 590). Jedenfalls wird man einen merklichen Ueberschiiss von Eisensalz vermeiden mĂŒssen.

Scheidungs verfahren . Cyanid und Chlorid Bromid Jodid.

1573. Die wichtigsten Verfahren, welche zur Bestimmung dieser verschiedenen Arten von Salzen in einem Gemische anwendbar sind, bestehen in einer gleichzeitigen FĂ€llung durch Silbemitrat, in einer WĂ€gung des bei 100Âź auf einem tarirten Filter getrockneten Niederschlagsgemisches und in einer directed Bestimmung entweder des Cyans oder der Halogene.

Das Cyan kann in der durch ein Alkalihydrat alkalisch gemachten Lösung direct durch Silbernitrat titrirt werden (siege § 1553); erst wenn alles Cyan in Kalium - Silbercyanid ĂŒbergenĂŒhrt ist, beginnt, auch in Gegenwart von Halogeniden, die Bildung eines Niederschlages.

Um die Halogene zu bestimmen, bringt man den Silbemiederschlag mit SalpetersĂ€ure (1,2 sp. G.) und etwas Silbemitrat in ein Einschlussrohr, schmilzt das Rohr zu und erhitzt bis zur Zersetzung des Cyanides; den RĂŒckstand, welcher aus den Silber -Halogeniden besteht, sammelt und wĂ€gt man; das Gewicht des Silbercyanides erhĂ€lt man aus der Differenz.

Man kann fĂŒr Cyanid und Chlorid auch die indirect Methode anwenden. Nachdem das Niederschlagsgemisch gewogen ist, wird es mit SalzsĂ€ure digerirt, welche das Silbercyanid in SĂŒberchlorid ĂŒberfuhrt Die so erhaltene Gesammt- Chloridmenge wird gewogen. Aus der Differenz dieser beiden WĂ€gungen wird die vorhanden gewesene Menge Cyan berechnet. Die Kleinheit der Differenz zwischen den MolekĂŒlgewichten des Cyans und des Chlors beeintrĂ€chtigt jedoch die Genauigkeit der Resultate.

Will man das WÀgen des Niederschlagsgemisches auf einem tarirten Filter vermeiden, so bestimmt man einerseits direct das Cyan und andererseits die Halogene nach Erhitzen der Substanz im zugeschmolzenen Rohr mit Silbemitrat und SalpetersÀure.

') Das Verfahren stammt von T. Herapath: /. eh. Soc. 5 (1852), 27.

Cyan. Scheidungsverfahren. 379

Bemerkung. Das Chlor und das Brom werden sich auch jodometrisch bestimmen lassen (siege §§ 1450 u. 1467), trotz der Gegenwart des Cyanides, da dieses unter den Versuchsbedingungen oxydirt wird.

Cyan der normalen Cyanide und Metalle.

1574. Wenn man das Metall in Gegenwart von Cyan direct fallen kann, sei es durch Schwefelwasserstoff (z. B. Cadmium, Quecksilber), sei es durch ein anderes Reagens oder durch Elektrolyse (z. B. Silber, Kupfer), so bietet die Scheidung keine Schwierigkeiten; anderen Falles aber muss man zur Bestimmung der Metalle erst die Cyanide durch GlĂŒhen, oder Schmelzen mit Soda und Salpeter, oder besser durch Behandeln mit SchwefelsĂ€ure zersetzen.

Das Cyan wird nach einem der im Vorhergehenden beschriebenen Verfahren (§§ 1552 fr.) bestimmt

1575* Sind die zu analysirenden Salze löslich, so bestimmt man in einer Probe das Ferrocyanid durch Kaliumpermanganat (§ 1560) und in einer anderen Probe das Ferricyanid jodometrisch (§ 1563) oder gasometrisch (§ 1564).

Man kann auch, um die Anwendung zweier verschiedener titrirter Lösungen zu vermeiden, das Ferrocyanid wie angegeben bestimmen und dann in einer zweiten Probe das Volumen reducirter Permanganatlösung ermitteln, nachdem das Ferricyanid in Ferrocyanid ĂŒbergenĂŒhrt ist (§ 1563a).

Um unlösliche Ferrocyanide und Ferricyanide zu scheiden, muss man sie vorher in Alkaliverbindungen ĂŒberfĂŒhren, z. B. durch Kaliumhydrat. Bei TurnbulTs Blau ist das wegen der reducirenden Wirkung des Ferro - Radicals nicht möglich (siege § 1550, Nr. 7).

Ferrocyanid oder Ferricyanid und Chlorid, Bromid oder Jodid.

1576 Das Ferrocyanid oder Ferricyanid wird titrimetrisch bestimmt (§§ 1560 ff.). Um das Chlor zu bestunmen, behandelt man die Lösung des Gemisches mit Silbemitrat, sammelt den Niederschlag, schmilzt ihn mit Alkalicarbonat und etwas Alkalinitrat (zur Zerstörung der Cyanidverbindung) und bestimmt in der geschmolzenen Masse das Chlor nach einem beliebigen Verfahren.

Auf dem uoterschicdlichen Verhalten des Silber-Ferrocyanides und des Silbcr- Ferricyanides gegen Ammoniak beruht ein sicherer Nachweis von Alkali-Ferricyanid neben Alkali -Ferrocyanid: Die schwach salpetersaure Losung der Alkalisalze wird mit Silbernitrat im Ueberschuss versetzt, der Niederschlag ausgewaschen und sodann mit kaltem Ammoniak durchgeschĂŒttelt. Entsteht in der filtrirten oder durch Absitzen des Silber -Ferrocyanides klar gewordenen ammoniakalischen FlĂŒssigkeit beim UebersĂ€ttigcn mit verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure oder EssigsĂ€ure ein rothlicher Niederschlag oder auch nur eine röthliche TrĂŒbung, so ist Alkali-Ferricyanid vorhanden.

Dieses Verfahren eignet sich auch zur Scheidung eines Ferrocyanides oder Ferricyanides von einem Bromide oder einem Jodide.

FĂŒr diese Trennungen, wenigstens fĂŒr die Bestimmung von Chlor und Brom, könnte vielleicht die Schmelzung mit Kaliumdichromat Anwendung finden (siege § 1435, Nr. 14).

Farrooyan oder Ferricyan und Metalle.

1577* Um die Metalle zu bestinunen, zestört man die Cyanidverbindungen, indem man die Substanz mit concentrirter SchwefelsÀure erhitzt, oder, wenn man ein Alkalimetall nicht zu bestimmen hat, durch Schmelzen mit einem Gemenge von Alkali -Carbonat und -Nitrat oder -Chlorat, welchem man, um die heftige Reaction zu massigen, Natriumchlorid zugesetzt hat.

Man muss bei dieser Scheidung auf das Eisen, welches dem Ferrobez. Ferricyanid-Radicale entstammt, RĂŒcksicht nehmen. Die Bestinunung des Ferrocyans oder des Ferricyans fĂŒhrt man titrimetrisch aus, wenn das Product dafĂŒr geeignet ist, oder indem man die Substanz mit Mercurioxyd behandelt und das entstandene Mercuricyanid bestimmt (siege § 1559).

Cyanat und Cyanid.

1578 I. Durch Titrimetrie In einer durch Ammoniak alkalisch gemachten Substanz-Probe bestimmt man das Cyanid durch eine titrirte Silbemitrat -Lösung, nachdem man einige Tropfen Kaliumjodid- Lösung als Indicator hinzugesetzt hat (vgl. § 1553). Man wird diese Form des Verfahrens derjenigen, welche in der Titration ohne Zugabe von Ammoniak und Kaliumjodid besteht, vorziehen (§ 1553), und zwar wegen der möglichen Bildung von Ammonium-Salz in Folge der Zersetzung des Cyanates.

Die Anwesenheit von Cyanat ist ohne Einfluss auf das Resultat.

Eine zweite Substanz- Probe wird, wenn nöthig (was gewöhnlich der Fall ist), durch Zusatz von Calciumnitrat genau neutralisirt Hierauf wird der entstandene Carbonat- Niederschlag abfiltrirt und das Filtrat mit Silbemitrat bis zum Aufhören der FÀllung versetzt.

Alles dies geschieht in der KĂ€lte. Das Niederschlags-Gemisch von Silber-Cyanid und -Cyanat wird schnell mit Eiswasser ausgewaschen und darauf mit titrirter SalpetersĂ€ure in massigem Ueberschuss bei etwa 50 behandelt (s. § 1565 b). Nach VerdĂŒnnung, AbkĂŒhung und Filtration bestimmt man im Filtrat den SĂ€ure - Ueberschuss durch eine alkalische FlĂŒssigkeit, am besten Ammoniak 3).

Siehe J. W. Mellor: 1. cit.; nach O. Herting (1. cit.) ist dieses Verfahren der Cyanid-Bestimmung das sicherste und beste fĂŒr die Untersuchung der Cyanide des Handels.

Man hat zu diesem Zweck auch Baryumacetat vorgeschlagen (Woy: Ck. Centrhl. [5] 5 (1901), II. 710).

J- W. Mellor (l. cit.) verwendet Natriumhydrat. Da die Losung ein Ammonium-Salz enthÀlt, bitten die fixed Alkalihydrate nicht nur keinen Vortheil, sondern einen Nachtheil (siege Acidimetrie).

Scheidungsverfahren. 381

E. Victor) bestimmt Kaliumcyanid und Kaliumcyanat neben einander, indem er einerseits dasjenige Volumen zehntelnormaler Silbernitrat-Lösung bestimmt, welches in neutraler FlĂŒssigkeit zur FĂ€llung des Kaliumcyanids und Kaliumqanats nöthig ist, und indem er andererseits das in schwach salpetersaurer FlĂŒssigkeit zur FĂ€llung des Kaliumcyanids nothwendige Volumen der Silbemitrat-Lösung ermittelt Aus der Differenz berechnet er das vorhandene Kaliumcyanat. In beiden FĂ€llen wendet er die KĂŒcktitration mit Kaliumsulfocyanid an.

Es wĂ€re wohl vortheĂŒhaft, das im ersten Falle erhaltene Niederschlags-Gemisch von Silbercyanid und SĂŒbercyanat mit Wasser auszuwaschen, darauf das Silbercyanat in SalpetersĂ€ure zu lösen und in dieser Lösung die Silbermenge direct zu bestimmen.

1578a. IL Durch WSgong). In einer ersten Substanz-Probe bestimmt man das Cyanid durch Silbemitrat (§ 1552), zu welchem Ende man zuerst das Reagens in geringem Ueberschuss hinzufugt und darauf mit SalpetersÀure gerade ansÀuert, um das Cyanat zu lösen. Das Silbercyanid wird gesammelt imd bestimmt.

Eine zweite Probe wird in der WÀrme mit SalpetersÀure behandelt, zur Zerstörung des Cyanides und des Cyanates; hierauf wird in der Lösung das Kalium in Form von Kaliumsulfat bestimmt (§ 306). Zieht man von der gefundenen Gesammtmenge Kalium die dem gefundenen Cyan entsprechende Menge ab, so resultirt leicht die Cyanat -Menge. Ohne das Verfahren zu compliciren, kann es so nur auf ein Product Anwendung finden, welches frei ist von Natrium (sowie von jedem anderen Metall ausser Kalium) und von jedem anderen Kaliumsalz (Chlorid, Sulfat, Carbonat); es ist demnach kaum anwendbar.

Cyanat und Chlorid

1578b In Abwesenheit von Cyanid könnte man Cyanat und (Chlorid trennen, indem man einerseits das Chlorid mit Silbemitrat in saurer Lösung gewichtsanalytisch oder auch unter den nĂ€mlichen Bedingungen und RĂŒcktitration mittels Sulfocyanid (§ 1016) titrimetrisch bestimmt, und andererseits in einer zweiten Probe das Cyanat alkalimetrisch bestimmt (§ 1565 b).

In Gegenwart von Cyanid, welches gewöhnlich vorhanden ist, muss man fĂŒr die Bestimmung des Chlors von vom herein das Cyanid durch Schmelzen mit Natriumcarbonat oder Natrium-Kalium-Carbonat und -Nitrat zestören (siege § 1576), wobei die nöthine Vorsicht zur Vermeidung von plötzlicher Verbrennung zu beobachten ist; fĂŒr die Cyanat-Bestimmung muss man die intermediĂ€re FĂ€llung als Silbercyanat vornehmen (§ 1565 b).

Z. anal. Ch. 40 (1901), 462. Siehe auch das Àltere, von Victor citirte, analoge Verfahren von Feldtmann und Bethel: Proc. of the ehem. and metallurg. Soc. of South Africa 1, 174.

Nach V. Miller und Kiliani: Kurz. Lehrb. d. anal. Ch., 4. Aufl. (1900), S. 518.

382 Cyan. ScheidungsverfahrcD.

CyansÀure und Metalle.

1578c* Da die Cyanate die gewöhnlichen Reactionen der Metallsalze nicht beeinflussen, wie es die Cyanide thun, so bietet die Metall- Bestimmung keine besondere Schwierigkeit. Ausserdem genĂŒgt es, zur Zerstörung der Cyanate die angesĂ€uerte Lösung zu kochen, wobei man nur die Bildung von Ammoniumsalz nicht ĂŒbersehen darf.

Die CyansÀure wird in einer besonderen Probe bestimmt

1579. Um diese Salzarten in einem Gemische von Salzen der Alkalien oder alkalischen Erden zu bestimmen, fallt man beide mit Silbernitrat (§§ 1552 u. 1566) und wÀgt das Niederschlagsgemisch, welches man erhalten hat, auf einem tarirten Filter. Das WÀgen auf tarirtem Filter lÀsst sich durch eine titrimetrische Bestimmung der Silbermenge, welche zur Bildung bez. FÀllung sowohl des Cyanides als des Sulfocyanides erforderlich ist, ersetzen. Das kann durch Resttitration geschehen.

Andererseits bestimmt man das Sulfocyanid am einfachsten, indem man es oxydirt und die entstandene SchwefelsÀure bestimmt (§ 1567)-). Das Cyan erhÀlt man durch Rechnung.

Sulfocyanid und Chlorid, Bromid oder Jodid.

1579 a. Man fÀllt das Sulfocyanid und das Chlorid durch Silbernitrat und wÀgt den Niederschlag auf einem tarirten Filter. In einer zweiten Probe bestimmt man das Sulfocyanid durch Oxydation (§ 1567) und erhÀlt das Chlor durch Differenz).

Hier wĂŒrde vielleicht auch das Schmelzen mit Kaliumdichromat gute Dienste listen können.

Auch hier kann man das zur FÀllung beider Salze erforderliche Silber titrimetrisch bestimmen (siege § 1579).

Will man das Chlor direct bestimmen*), so setzt man zu der Lösung Silbersalz im Ueberschuss, bringt den nicht ausgewaschenen Niederschlag mit SchwefelsĂ€ure, welche mit der HĂ€lfte hires Volumens Wasser verdĂŒnnt ist, in einen Kolben und erhitzt zur Zerstörung des Silber -Sulfocyanides. Ă€rzt sich die Masse (von ausgeschiedenem Kohlenstoff), so setzt man einen Tropfen SalpetersĂ€ure hindu. Schliesslich behandelt man mit Wasser und sammelt das unangegrifFen (?) zurĂŒckgebliebene Silberchlorid.

Ebenso verfÀhrt man, wenn es sich um Bromid oder Jodid handelt

Uebcr die Analyse eines Gemisches von Chlorid, Cyanid, Ferrocyanid, Ferricyanid und Sulfocyanid siege Tei skier: Bull. Soc. eh. [2] 50 (1888), 104. Borchers: J?ep. anal. Ch. 1 (1881), 130. Jumeau: Bull. Soc. ch. [3] 9 (1893), 346. Volhard: Ann. 190 (1877). 45; Borchers: 1. cit.

F'luor. Eigenschaften der Fluoride. 383

BulfooyanwasBarstoff und Metalle.

1580. Man besthnmt das Sulfocyanid durch Oxydation (§ 1567) oder in anderer Weise, wenn die vorhandenen Metalle es erfordern. Die Metalle bestimmt man entweder direct, wenn die Anwesenheit von Sulfo- Cyaniden es erlaubt, oder nachdem der Sulfocyanwasserstofif durch Salpeter* sÀure oder durch concentrirte Schwefelsaure oder durch oxydirende Schmelzung zestört worden ist

Diese Bestimmungen lassen sich mit derselben Probe ausfuhren, wenn man zur Bestimmung des Sulfocyanides die Oxydation durch SalpetersÀure vornimmt.

Fluor.

1581 1. Die Fluoride, die Salze der FluorwasserstofOsÀure, HFl, sind farblos, wenn sie kein fÀrbendes Metall enthalten).

2. Das Silberfluorid ist in Wasser löslich; Silbernitrat bewirkt daher in den Lösungen der Fluoride keine FÀllung.

3. Lösliche Calciumsalze, namentlich das Chlorid, rufen in neutralen Lösungen der Fluoride einen weissen, sehr gelatinösen Niederschlag von Calciumfluorid hervor;

Zusatz von Ammoniak und massige WĂ€rme begĂŒnstigen das Absitzen des Niederschlages.

Caldumfiuorid ist in Wasser fast unlöslich, sehr wenig löslich in EssigsÀure, leichter löslich in MineralsÀuren und in Ammoniumsalzen.

4. Baryumchlorid verhĂ€lt sich wie die Calciumsalze; es bildet einen weissen Niederschlag von Baryumfluorid, welches in genĂŒgend concentrirten MineralsĂ€uren löslich ist.

5*. Die Fluoride werden von concentrirter SchwefelsÀure unter Entwickelung von Fluorwasserstoff zerlegt: CaFlg + HjSO CaSO + 2 HFl.

Fluorwasserstoff ist bei gewöhnlicher Temperatur gasformig (richtiger: dampfförmig, denn durch blouse Temperaturerniedrigung (KĂ€ltemischung) erfolgt VerflĂŒssigung) und farblos; er hat einen stechenden

Die Silicofluoride werden spÀter behandelt.

Das Calci amfluorid ist an sich farblos. Als Mineral (Flussspat) jedoch ist es gewöhnlich violett, grĂŒnviolett (Dichroismus), blau oder gelb gefĂ€rbt. Der Ursprung dieser FĂ€rbungen, welche beim Erhitzen fast augenblicklich verschwinden, ist mit Sicherheit nicht bekannt; vielleicht rĂŒhren sie von organischen Substanzen her.

384 Eigenschaften der Fluoride.

Geruch), Ă€hnlich dem der SalzsĂ€ure, aber doch deutlich von diesem zu unterscheiden. Er wird von . Wasser — mit dem er sich in allen Ver- hĂ€ltnissen mischt — unter bedeutender WĂ€rmeentwickelung absorbiit Wie die SalzsĂ€ure oder andere flĂŒchtige SĂ€uren bildet er bei AnnĂ€herung eines mit Ammoniak befeuchteten Glasstabes weisse Nebel Er ist eine ziemlich starke SĂ€ure und röthet blauen Lakmus.

Von anderen SĂ€uren unterscheidet er sich durch folgende Eigenschaften:

1. er fĂ€rbt Fernambuk-Papier — namentlich feuchtes — strohgelb;

2. er greift Silicate, namentlich Glas, sehr leicht an*).

Um letztere Eigenschaft zur Auffindung des Fluors zu verwenden, bringt man die zu untersuchende Substanz mit concentrirter Schwefel- sĂ€ure in einen Platintiegel und bedeckt denselben mit einer Glasplatte oder mit einem Uhrglase, welches mit einer dĂŒnnen Schicht von Wachs oder Paraffin ĂŒberzogen ist und in diesem Ueberzug einige mit einer nicht zu harten Spitze eingravirte Striche enthĂ€lt. Nun erwĂ€rmt man den Tiegel ganz gelinde wĂ€hrend einer viertel oder halben Stunde und reinigt darauf das Glas vollstĂ€ndig, indem man den grössten Theil des Wachses durch Schmelzen tmd den Rest durch PetrolĂ€ther, Aether oder Terpentinöl entfernt Das Glas ist nun an den durch die Gravinmg freigelegten Stellen rauh oder auch mehr oder weniger tief angefressen, wenn in der untersuchten Substanz Fluor enthalten war.

6*. Wenn das Fluorid mit Kiesel sĂ€ureanhydrid (Quarz, Sand) oder einem Silicate gemischt war, entweicht bei Einwirkung der concentrirten SchwefelsĂ€ure kein Fluorwasserstoff; zwar entsteht dieser zu- nĂ€, er bemĂ€chtigt sich aber sofort des Siliciums und es entweicht nun farbloses, rauchendes Siliciumfluorid, SiFl: SiOj+4HFl SiFl4 + 2H20. Um das Siliciumfluorid zu erkennen, bewirkt man die Reaction in einem kleinen Destillirapparate und Hingt die gasförmigen Producte in ver- dĂŒnntem Ammoniak auf). Sobald Siliciumfluorid und Ammoniak zusammentreffen, zersetzt sich genes und scheidet einen weissen Niederschlag von KieselsĂ€ure ab:

SiFl + 4NH3 + 3HjO H2Si08+4NH4FL

') Die DĂ€mpfe des Fluorwasserstoffes wirken sehr FcbĂ€dlich auf die Athmiuigs- Organe, mfen auch auf der Haut schmerzhafte Empfiodungen und nach Zerstorui der Haut leicht GeschwĂŒre hervor, namentlich aber soUen sie die Hornhaut des Auges anatzeo.

'') Diese Zerstörung (Auflösung) des Glases beruht auf der Bildung von gas- förmigem Siliciumfluorid, SiFl (. Nr. 6):

SiO, + 4 HFl SiFl + 2 H,0.

') Statt einen Destillirapparat und Ammoniak zu verwenden, kann man auch, wenn die Menge Fluorid nicht zu gering ist, folgendermaassen verfahren: Nachdem das Gemisch bis zur Entwickelung der Siliciumfluorid -DÀmpfe entweder in einem Platintiegel oder in einem trocknen Reagirrohr erwÀrmt worden ist, legt man auf

Eigenschaften der Fluoride. 385

Man kann dann filtriren, das Filtrat durch Abdampfen in einer Platinschale concentriren und die Anwesenheit von entstandenem Ammoniimifluorid durch Calciumchlorid feststellen (siege Nr. 3).

NatĂŒrliche, von Kieselsaure freie Mineralien prĂŒft man in dieser Weise auf Fluor, nachdem man sie mit sehr fein gepulvertem Quarzsand, oder besser mit fein gepulvertem Glase, gemischt hat

Um sehr geringe Mengen von Fluor nachzuweisen, bedient man sich des nebenstehend abgebildeten, leicht verstandlichen Apparates (Fig. 207). Der grössere Reagircliynder enthĂ€lt die zu prĂŒfence Substanz bez. das Gemisch derselben mit dem Silicate, der kleinere das verdĂŒnnte Ammoniak; das Verbindungsrohr darf nicht zu eng sein. Ist Fluor vorhanden, so bildet sich am Ende und im Innern des Zuleitungsrohres ein Ring von KieselsĂ€ure, welcher namentlich nach dem Trocknen sichtbar wird).

7. Die BorsĂ€ure und Borate wirken auf Fluorwasserstoff bez. Fluoride in Gegenwart von concentrirter SchwefelsĂ€ure Ă€hnlich wie die Silicate; in ihrer Gegenwart entsteht ebenfalls Fluorwasserstoff, welcher aber sofort f. W7. mit dem Bor reagirt und Borfluorid, BFI3, ein farbloses, stechend riechendes, an der Luft rauchendes, Glas nicht angreifendes Gas liefert Das Borfluorid ist in Wasser sehr leicht löslich (700 bis 800 Vol.), ohne sogleich eine Zersetzung zu erfahren, wie sie das Siliciumfluorid bei Be- rĂŒhrung mit Wasser erleidet Mit der Zeit kann eine Zersetzung eintreten, indem sich Metaborfluorid, HBFI4, bildet

In Gegenwart von Bor stösst die Aufsuchung des Fluors auf grosse Schwierigkeiten.

8*. Die Fluoride werden durch Schmelzen mit Alkali-Bisulfaten zersetzt; in Abwesenheit von KieselsÀure entsteht Fluorwasserstoff:

CaFl, + 2 KHSO4 CaSO + KjSO + 2 HR Benutzt man zur Reaction eine Glasröhre, so wird diese vom Fluorwasserstoff matt; ausserdem kann man das austretende Gas mit Fernambuk- Papier prĂŒfen.

ersteren den an seiner Unterseite mit einem Wassertropfen benetzten Tiegeldeckel bez. hĂ€lt in letzteres — ohne die WĂ€nde za berĂŒhren — einen Glasstab mit daran hĂ€ngendem Wassertropfen. Alsbald traben die DĂ€mpfe den Wassertropfen (Abscheidung von KieselsĂ€ure) und verleihen ihm saare Reaction (Bildung von Wasserstoffsilicofluorid) :

3 SiFl + 4 H,0 HSiO + 2 H,SiFlg.

Der Reaction zwischen Silicium chlor id und Wasser entsprechend, mĂŒsste die Reaction in folgender Weise verlaufen:

SiFl + 4 H,0 + 4 HFL

Nach Hoppe-Seyler (Z. anal. Ch. 24 (1885), 331) kann man in dieser Weise noch 0,2 mgr Fluor entdecken. Siehe auch G. Tamman: Z. anal. Ch. 24 (1885), 328.

De Koninck - Meineke, Mineralanalyse. II. 85

Bestimmung der Fluoride.

9. In der Löthrohrflamme mit vorher geschmolzenem Phosphorsalz erhitzt, geben die Fluoride ebenfalls Fluorwasserstoff:

CaFl, + NaPOg + HgO NaCaPO + 2 HFL Das fĂŒr die Reaction erforderliche Wasser liefert die Flamme.

Erhitzt man das Gemisch in einer Rinne, welche man aus dĂŒnnem Platinblech gebogen und in ein Glasrohr eingeschoben hat, und richter man die Stichfianmie des Löthrohres so, dass sie die gasförmigen Producte in die Glasröhre treibt, so lĂ€sst sich die Gegenwart von Fluor wie vorher (Nr. 8) an dem Mattwerden des Glases und durch Femambuk- Papier erkennen.

10. Die unlöslichen Fluoride zerlegt man durch Schmelzen mit einem Gemische von KieselsÀure und Alkalicarbonat. In Wasser aufgenommen, giebt die geschmolzene Masse eine Lösung, welche das Fluor als Alkalifluorid enthÀlt

Fehlt KieselsÀure, deren Wirkung noch nicht aufgeklÀrt ist, so werden manche Fluoride, namentlich das Calciumfluorid, nicht vollstÀndig zersetzt.

1582. L Durch Caloiumsalze. Liegt ein Alkalifluorid vor, so macht man die Lösung durch Natriumcarbonat zunÀ schwach alkalisch; in Gegenwart von Ammoniumsalzen ist darauf zu achten, dass die Lösung gekocht werden muss, bis nach vollstÀndigem Aufhören der Entwickelung von AmmoniakdÀmpfen die AlkalitÀt eine dauernde ist.

Dann setzt man Calcium - Chlorid oder -Nitrat in geringem Ueberschusse hindu und erhĂ€lt einige Minuten im Kochen. Der entstandene Niederschlag von Calciumfluorid und Calciumcarbonat wird gesanunelt, nĂŒt Wasser ausgewaschen, getrocknet und schwach geglĂŒht. Das Product behandelt man dann mit EssigsĂ€ure, deren Ueberschuss man durch Abdampfen entfernt. Den RĂŒckstand nimmt man mit heissem Wasser auf, welches das Calciumacetat auflöst und das Calciumfluorid zurĂŒck- lĂ€sst. Dieses sammelt man auf einem neuen Filter, wĂ€ es aus, glĂŒht und wĂ€gt es. Alle diese Operationen ninunt man in Piatingefassen vor.

Wenn man das Fluorid durch ein Calciumsalz in neutraler Lösung, d. h. ohne Ueberschuss von Natriumcarbonat, fÀllt, so ist der Niederschlag schwer auszuwaschen und geht durch das Filter.

Das Resultat der Bestimmung kann man vortheilhaft controUiren, indem man das Calciumfluorid in Calciumsulfat ĂŒberfĂŒhrt und dieses wĂ€gt. Man hat zu dem Zwecke nur das Fluorid mit concentrirter SchwefelsĂ€ure in demselben Tiegel, in welchem es gewogen ist, zu behandeln, den

Siehe §§ 1588 ff., welche sich auf den besonderen Fall des Fluorwasserstoffes beziehen.

A. Durch WĂ€gUDg. gj

SĂ€ureĂŒberschuss abzurauchen und das Product auf Rothgluth zu erhitzen (siege § 460).

Liegen andere als Alkali- Fluoride vor, so mĂŒssen erstere in letztere ĂŒbergenĂŒhrt werden, was auf verschiedene Weise bewirkt werden kann.

Ist das fragliche Metall-Fluorid wasserlöslich — ein Fall, der nur selten eintritt - , so genĂŒgt es zur Umwandlung, das Metall durch Natriumcarbonat in geringem Ueberschuss zu fĂ€llen.

Ein anderes Verfahren besteht darin, die Substanz in einem kleinen Platinkolben mit concentrirter SchwefelsÀure zu behandeln und die FluorwasserstoflfsÀure in einer Lösung von Alkalihydrat aufzufangen).

Endlich kann man auch — wie schon Berzelius vorgeschlagen hat — die Aufschliessung mit Natriumcarbonat und KieselsĂ€ure vornehmen (vergl. § 1581, Nr. 10). Die Schmelze wird mit kochendem Wasser ausgezogen, der Auszug filtrirt und das Filtrat lĂ€ngere Zeit gekocht unter wiederholter Zugabe von Ammonium- Carbonat. Nachdem der entstandene Niederschlag von KieselsĂ€ure und Thonerde filtrirt ist, bestimmt man das Fluor im Filtrate.

1583. IL Durch directe WĂ€gung als Silioiiimflnorid Dieses Verfahren, welches eine sehr sorgsame AusfĂŒhrung verlangt, beruht auf der Zersetzung der Fluoride durch SchwefelsĂ€ure in Gegenwart von KieselsĂ€ureanhydrid oder eines Silicates und Auffangen des gebildeten Siliciumfluorides in einem gewogenen Apparate (§ 1581, Nr. 6).

Wir geben nur eine kurze Beschreibung und verweisen hinsichtlich der genauen Vorschriften, deren Innehaltung fĂŒr das Gelingen des Versuches durchaus erforderlich ist, auf die Original -Abhandlung.

Die sehr fein gepulverte Fluorverbindung wird mit der 10-bis 15 fachen Gewichtsmenge Quarz, welcher ebenfalls sehr fein gepulvert und frisch ausgeglĂŒht sein muss, in einen Kolben gebracht; man ĂŒbergiesst dann das Gemisch mit SchwefelsĂ€ure im Ueberschusse und verschliesst den Kolben mit einem doppelt durchbohrten Stopfen, welcher zwei Röhren trĂ€gt. Durch die eine dieser Röhren, welche in die SĂ€ure taught, steht der Kolben mit einem von Luft erfĂŒllten GasbehĂ€lter (sogen. Gasometer) in Verbindung; aus ihm kann zu jeder Zeit ein Luftstrom entnommen werden, welcher durch Natronkalk und reine SchwefelsĂ€ure gereinigt wird. Durch die andere Röhre werden die Gase ab-und in ein System von U -Röhren eingeleitet Die erste dieser Röhren ist leer und dient zur Condensation von DĂ€mpfen und zum Auffangen von Tropfen der Schwefel- sĂ€ure, welche mit ĂŒbergerissen werden können; die zweite enthĂ€lt im vorderen Schenkel StĂŒcke von geschmolzenem Calciumchlorid imd im

JaoDasch und Röttgen: Z. anorg. Ch. 9 (1895), 267.

R. Fresenius: Z.anal. Ch, 5 (1866), 190; siege auch A. MĂŒntz: Encyclop, ch.de Fremy IV.: M/th. anal. appl. aux subst. agric., S. 14; ferner F, Bullnheimer: Z. angry'. Ch. 1901, 101.

hinteren Schenkel solche von Bimsstein, welche mit vollkommen entwĂ€ssertem Cuprisulfat durchsetzt sind): das Calciumchlorid hĂ€lt die in die zweite Röhre gelangten SchwefelsĂ€uredĂ€mpfe, welche aus derselben ChlorwasserstoffeĂ€mpfe entwickeln, zurĂŒck, und das entwĂ€sserte Cuprisulfat absorbirt wiederum die ChorwasserstoffdĂ€mpfe. Die nun folgenden drei U -Röhren sind gewogen. Von ihnen enthĂ€lt die erste in der Biegung Natronkalk, in dem dem Gasstrome zugewandten Schenkel zwischen zwei Wattepfropfen Bimsstein, welcher mit Wasser getrĂ€nkt ist, und in dem anderen Schenkel, ĂŒber dem Natronkalk, Calciumchlorid. Das Wasser und der Natronkalk halten das Siliciumfluorid zurĂŒck; das Calciumchlorid verhindert, dass Wasser vom Gasstrome fortgerissen wird.

Das zweite gewogene Rohr ist in der vorderen HĂ€lfte mit Natronkalk, in der hinteren mit Calciumchlorid beschickt; es hat den Zweck, jede Spur SĂ€ure, welche sich der Absorption im ersten Rohre entzogen haben könnte, zurĂŒckzuhalten.

Die letzte gewogene Röhre enthĂ€lt Glasperlen (oder, mangels dieser, grob gestossenes Glas), welche mit etwas concentrirter SchwefelsĂ€ure benetzt sind; hier werden die letzten Spuren Wasser, welche durch den Luftstrom fortgerissen sind, zurĂŒckgehalten.

Ist der Apparat vollstĂ€ndig zusammengestellt und hat man sich von seinem dichten ĂŒsse ĂŒberzeugt, so erwĂ€rmt man den Kolben allmĂ€h- lich auf 150 bis 160 C, wĂ€hrend man einen langsamen Luftstrom durchleitet; dieser muss so langsam sein, dass er in einzelnen, deutlich zĂ€hlbaren Blasen die vorgelegte SchwefelsĂ€ure passirt.

Um die Temperatur auf der angegebenen Höhe von 150 bis ICO halten zu können, hat man den Entwickelungskolben auf eine durch eine Gasflamme zu erhitzende Platte und daneben einen Àhnlichen, mit Schwefel- sÀure beschickten Kolben, in welchen ein Thermometer eintaucht, so gestellt, dass beide Kolbeninhalte annÀhernd gleichmÀssig erhitzt werden.

Nach 1 bis 3 Stunden, je nach Natur und Menge der Substanz, welche man untersucht, hört man mit dem Erhitzen auf, unterbricht nach dem Erkalten den Luftstrom und wÀgt die tarirten Röhren.

WÀhrend dieser Operation hÀlt man das Ableitungsrohr der zweiten U- Röhre, welche mit dem Kolben in Verbindung bleibt, geschlossen.

Nach geschehener WĂ€gung stellt man den Apparat wieder zusammen und setzt ihn wieder Y2 Stunde in Gang: eine neue WĂ€gung ĂŒberzeugt von einer vollstĂ€ndigen Zersetzung des Fluorides. Sollte eine Gewichtszunahme stattgefunden haben, so fĂ€hrt man in gleicher Weise fort, bis zwei auf einander folgende WĂ€gungen ĂŒbereinstinmien.

1584. IIL Durch UeberfĂŒhrung in EaliimiBiliooflaorid Wie

') Die BimssteinstĂŒcke werden in Cuprisulfat-Lösung eingelegt und sangen sich voll. Hierauf werden sie bis zur vollstĂ€ndigen EntwĂ€sserung des Cuprisulfates erhitzt.

A. Carnot: C. r. U4 (1892). 750 u. 1003; B.ili. Soc. eh. [3] 9 (1893), 71. S. auch A. Liversidge: Ck. N. 24 (1871), 226.

A. Durch WĂ€gung. 389

bei dem vorigen Verfahren wird die Substanz mit SchwefelsĂ€ure und KieselsĂ€ure behandelt; das Siliciumfluorid, welches sich bildet, wird in eine Lösung von Kaliumfluorid geleitet, welche in einem PlatingefĂ€sse oder in einem gefimissten Glase enthalten ist. Es bildet sich Kaliumsilicofluorid, KgSiFlß, welches man auf einem gewogenen Filter sammelt und wĂ€gt.

Anstatt das Siliciumfluorid in einer Lösung von Kaliumfluorid aufzufangen, kann man auch einfach Wasser anwenden, mit welchem es folgendermaassen reagirt:

3 SiFl + 4 HjO 2 HSiFlg + Man hat dann vorgeschlagen, die gefĂ€llte KieselsĂ€ure zu wĂ€gen und aus ihrem Gewicht nach obiger Gleichung das Fluor zu berechnen Jedoch lassen die Resultate zu wĂŒnschen ĂŒbrig. Besser ist es daher, nach Filtration der KieselsĂ€ure aus dem Filtrate durch Kaliumchlorid oder Kaliumacetat und Alkohol Kaliumsilicofluorid zu fallen und dieses zu wĂ€gen). Trotz aller Vorsicht fallen die Resultate auch hier etwas zu niedrig aus, was scheinbar daher ruht, dass, selbst bei Gegenwart eines grossen KieselsĂ€ure -Ueberschusses, eine kleine Menge Fluor in Form von Fluorwasserstoff entweicht

1585. IV. Durch UebeifĂŒhrung in . Man behandelt das gewogene Fluorid mit SchwefelsĂ€ure, verjagt den Ueberschuss der SĂ€ure durch Abdampfen und GlĂŒhen und wĂ€gt das Product. Wie die Formel

CaFlj + HjjSO CaSO + 2 HFl zeigt, werden 2 Fl= 3 7,80 durch SO 95,35 ersetzt ; die Differenz ist 57,55.

Die Gewichtszunahme d, welche die Leberfuhnmg in Sulfat veranlasst hat, lÀsst das Gewicht x des Fluors, welches in der Probe enthalten war, berechnen:

EnthĂ€lt das Fluorid Wasser, so verschwindet dieses wĂ€hrend der Operation. Man muss es in einer besonderen Probe bestimmen, entweder durch einfaches GlĂŒhen (§ 1378) oder, wenn die Substanz durch Erhitzen Fluorwasserstoff entwickelt, durch GlĂŒhen in Gegenwart von Bleioxyd (§ 1379).

Das Verfahren durch UeberfĂŒhren in Sulfat ist zwar nicht von allgemeiner Anwendbarkeit; es leistet aber gute Dienste bei der technischen Untersuchung von Flussspaten, wenn man die Nebenbestandtheile, welche dieses Mineral oft begleiten, berĂŒcksichtigt und wenn Ă€usserste Genauigkeit nicht beansprucht wird. Diese Nebenbestandtheile pflegen zu sein:

') S. Bein: Iep. anal. Ch. 6 (1886), 169.

E. Prost und F. Balthasar: Bull. Assoc. beige des chim. 13 (1899), 453; Z. angew. Ch, 1901, 292. Siehe auch das analoge Verfahren von A. Liversidge: Ch. N. 24 (1871), 226.

Wir wenden hier die „didaktischen Atomgewichte" aus der unter diesem Titel von der Deutschen Chemischen Gesellschaft publicirten Tabelle an.

Kalkspat (CaCOg), Gips (CaSO + 2 HgO), Schwerspat (BaS04) und Thon. Den Kalkspat entfernt man durch EssigsĂ€ure, den Gips durch Natriumhyposulfit, welches ein ausgezeichnetes Lösungsmittel fĂŒr Calciumsulfat ist; den Rest behandelt man mit SchwefelsĂ€ure und glĂŒht den RĂŒckstand, so dass etwa vorhandene Sulfate des Eisens und Aluminiums zersetzt werden. Das so erhaltene GlĂŒhpro duct behandelt man wiederum mit Natriumhyposulfit, welches nur das aus dem Calciumfluorid durch die SchwefelsĂ€ure entstandene Calciumsulfat auszieht: die Menge des letzteren und damit die Menge des vorhanden gewesenen Calciumfluorides lĂ€sst sich durch eine WĂ€gung des Calciimisulfats ermitteln. Es bleiben nun unzersetzter Schwerspat und basische Sulfate des Eisens und Aluminiums zurĂŒck; die fĂŒr die Analyse erforderlichen Bestinunungen in diesem RĂŒckstande lassen sich ohne sonderliche Schwierigkeiten ausfĂŒhren.

Es steht im Belieben, dieses Verfahren je nach praktischem Be- dĂŒrfnisse zu Ă€ndern, z. B. in besonderen Proben die Mengen von Carbonat und Sulfat zu bestimmen und in einer besonderen Probe alle Caldumverbindungen in Sulfate ĂŒberzufĂŒhren und diese zu bestimmen: die Menge des an Fluor gebunden gewesenen Calciums erhĂ€lt man durch Differenz.

B. Durch Titrimetrie.

1586* Duroh SUioiumfluorid Das Fluorid wird in Gegenwart von KieselsÀure mit SchwefelsÀure in einem Strome trockener Luft behandelt; das Siliciumfluorid wird in einer mit Alkohol versetzten Lösung von Kaliumchlorid aufgefangen. Es entsteht ein Niederschlag von Kiesel- sÀure und Kaliumsilicofluorid , wÀhrend eine Àquivalente Menge Chlorwasserstoff frei wird, deren Menge man acidimetrisch durch Ammoniak bestinmit:

3 SiFl + 4 KCl + 4 H2O + 2 KgSiFlg -f- 4 HCl.

Wir wollen auf dieses Verfaliren nicht nĂ€her eingehen, aber doch bemerken, dass man das gewĂŒnschte Resultat wohl einfacher erhalten kann, wenn man das Siliciumfluorid in einer bekannten Menge Alkalihydrat oder auch Ammoniak auffangt und den Ueberschuss des Reagens alkalimetrisch bestimmt. Man vergleiche auch die Bestimmung des Wasserstoffsilicofluorids.

C. Durch Gasometrie.

1587 Als Silioiumflaorid Man behandelt das mit der 20 fachen Menge fein gepulverten Quarzes gemischte Fluorid mit concentrirter SchwefelsÀure bei der Temperatur des Siedepunktes dieser SÀure.

Der kleine Kolben, in welchem man die Operation ausfĂŒhrt, steht mit einer mit Quecksilber gefĂŒllten Gasburette in Verbindung, an welcher

Penfield: Am.ch.J. 1 (1879), 27; Gilbert: Correspondensblatt d. Vereins anal. Chemiker 8 (1880), 114.

W. Hempel: Gasanal. Meth., 2. Aufl. (1890), S. 312; F. Oettel: Z anal. Ch. 25 (1886), 505; W. Hempel und W. Scheffler: Z. anorg. Ch. 20 (1899}, 1.

Bestimmung der FlusssÀure. 391

man das Volumen des gasförmigen Siliciumfluorides ablesen kann. Man muss auf die Menge des von der SÀure gelösten Gases Rucksicht nehmen, am besten, indem man durch Vergleich mit reinem Fluoride arbeitet.

Bestimmung der FlusssÀure. A. Durch WÀgung. 1588 I. Durch CalGiumsalze. Nach Neutralisation der SÀure durch ein Alcalicarbonat in geringem Ueberschusse bestimmt man in dem entstandenen Alkalifluoride das Fluor als Calciumfluorid (§ 1582).

1589. 11. Durch Bleioxyd. Man tarirt eine Schale mit einer geeigneten Menge Bleioxyd, lÀsst die FlusssÀure dazu fliessen und dampft zur Trockne. Die Formel

PbO + 2 HFl PbFl + H3O zeigt, dass ein Atom Sauerstoff" 15,88 durch zwei Atome Fluor 37,80 ersetzt wird, und die Differenz 21,92 ist der Ausdruck fĂŒr 2 MolekĂŒle Fluorwasserstoffe 39,80 1). Das VerhĂ€ltniss

in welchem d die Gewichtszunahme, welche die Schale nebst Inhalt erfahren hat, bezeichnet, giebt das Gewicht des zu bestimmenden Fluorwasserstoffes.

EnthĂ€lt die SĂ€ure nichtflĂŒchtige Stoffe, so sind diese durch einen besonderen Versuch zu bestimmen.

B. Durch Titrimetrie. 1590 Wenn die SĂ€ure rein ist, so kann man direct das acidimetrische Verfahren anwenden; anderen Falles kann man auf das Verfahren § 1586 zurĂŒckgreifen.

1591. Das in der Technik ĂŒbliche Verfahren, den Werth einer kĂ€uflichen SĂ€ure densimetrisch zu bestimmen, ist fĂŒr gewöhnlich auf die FlusssĂ€ure nicht anwendbar, weil diese besondere, aus Platin construirte Apparate erfordert.

Scheidungsverfahren. Fluoride und Chloride, Bromide oder Jodide.

1592. Das einfachste Verfahren besteht darin, dass man in einer Probe das Fluor nach einem der vorstehend beschriebenen Verfahren

Wir wenden auch hier die sogen, „didaktischen Atomgewichte" an. Eine Tabelle der specifischen Gewichte der FlusssĂ€iire hat J. L. C. E ekelt veröffentlicht (Z. angew, Ch, 1898, 298).

392 Fluor. ScheiduDgsverfahreu.

Fluor und die Metalle.

1593. Man operirt wieder mit getrennten Proben. Um die Metalle zu bestinunen, zersetzt man vorher die Fluoride entweder durch Behandehi mit concentrirter SchwefelsÀure (vergl. § 1582, S. 387, das Verfahren von Jannasch und Röttgen) oder, wenn man damit nicht zum Ziele kommt, durch Schmelzen mit Kaliumbisulfat oder durch Aufschliessen mit einem basischen Flussmittel.

Capitel XIV.

Zweiwerthiges Metalloid.

Schwefel.

Eigenschaften des Schwefels.

1594. 1*. Der Schwefel ist in seinem gewöhnlichen Zustande ein fester, geschmackloser, geruchloser, spröder Körper von bekannter gelber Farbe; er konunt in verschiedenen allotropen, in krystallinischen und amorphen Zustanden vor.

Er schmilzt bei 114,5Âź; er kann also in einer FlĂŒssigkeit, namentlich in manchen Salzlösimgen, deren Siedepunkt ĂŒber dieser Temperatur liegt, geschmolzen werden. In diesem Falle hat er das Aussehen gelblicher, öliger Tropfen.

Der Schwefel siedet bei 448 Âź unter Bildung brĂ€unlichgelber DĂ€mpfe, welche bei genĂŒgender AbkĂŒhung ein sehr feines kr}'Stallinisches Pulver bilden (Schwefelblumen); im geschlossenen Rohre erhitzt, schmilzt er und wird braun, dann verflĂŒchtigt er sich und wird an den kalten Stellen des Rohres zu Tropfen condensirt, welche beim Erkalten fest werden.

2*. Der Schwefel ist in Wasser unlöslich; die meisten seiner VarietĂ€ten sind in Schwefelkohlenstoff leicht löslich; 100 Th. dieser FlĂŒssigkeit lösen bei gewöhnlicher Temperatur 35 bis 40 Th. des gewöhnlichen Schwefels (krystallinischen, orthorhombischen).

Er ist im Allgemeinen in Benzol und in PetrolÀther löslich; er ist femer etwas löslich in AethylÀther.

Derjenige Schwefel, welcher sich auf Zusatz von Wasser zu dem Chloride SClg ausscheidet (vergl. Nr. 9), ist in Schwefelkohlenstoff unlöslich; ebenso derjenige, welcher von der Zersetzung der Hyposulfite durch SĂ€uren herrĂŒhrt.

3. Die geringste Spur von gelöstem Schwefel, gleichgiltig in welcher FlĂŒssigkeit gelöst, ist erkennbar, wenn man diese FlĂŒssigkeit mit einem ganz reinen und glĂ€nzenden KĂŒgelchen von Quecksilber schĂŒttelt; dieses ĂŒberzieht sich in Folge der Bildung von Sulfid mit einem schwarzen HĂ€utchen i).

De Koninck hat schon vor langer Zeit {Z. angew. Ch. 1889, 4) diese Reaction als Mittel, Schwefel in kĂ€uflichen) Aether aufzusuchen, angegeben. — Siehe auch Obach:/./rfl*/. Ch. 18 (1839), 258; J. Caravas Gil: Z. anal. CA. 54-

394 Schwefel. Eigenschaften des Schwefels.

4. Normale Alkalisulfide, namentlich das Ammoniumsulfid, lösen alle VarietÀten Schwefel unter Bildung von Poly Sulfiden, z. B.:

5. Die Alkalihydrate lösen Schwefel, besonders in der WÀrme; es entstehen Sulfid und Hyposulfit:

6 KOH + 4 S 2 KS + KSOg + 3 H2O. Ammoniak löst ihn nicht.

6. Der Schwefel löst sich in der WÀrme leicht in Alkalisulfiten; es entsteht Hyposulfit:

Na2S03 + S Na2S203.

7*. An der Luft erhitzt, z. B. in einem offenen Rohre, verbrennt der Schwefel mit hellblauer Flamme; er verwandelt sich in Seh wef lig- sÀure-Anhydrid (Schwefeldioxyd), ein farbloses, erstickend riechendes Gas, welches mit Wasser befeuchtetes blues Lakmuspapier röthet (siege § 1673, Nr. 2).

8*. Energisch wirkende oxydirende Lösungsmittel, wie rauchendeSalpetersĂ€ure, Königswasser, ein Gemisch von Kalium - chlorat und SalzsĂ€ure, Brom in Gegenwart von Wasser u. a. m. fĂŒhren den Schwefel mehr oder weniger schnell in SchwefelsĂ€ure ĂŒber: S + 3 Br2 + 4 H2O H2SO4 + 6 HBr.

9. Schwefel, in einem Chlorstrome erhitzt, giebt zuerst flĂŒssiges SchwefelchlorĂŒr, S2C12, imd dann Schwefel chlorid, SCl; in Wasser aufgefangen, wird dieses Product zersetzt und giebt vorzugsweise SalzsĂ€ure neben einer Ausscheidung von Schwefel; lĂ€sst man einen Ueberschuss von Chlor hinzutreten, so erhĂ€lt man SchwefelsĂ€ure: SCig + 2 CI2 + 4 H2O H2SO4 + 6 HCl.

10*. Mit einem Gemische von Alkalicarbonat und Kalium- Nitrat oder -Chlorat) erhitzt, giebt Schwefel, wie alle Schwefelverbindungen, Alkalisulfat, welches leicht zu erkennen ist, indem man die Masse in Wasser löst, diese Lösung mit SalzsÀure schwach ansÀuert und das Sulfat durch fÀllt (vergl. § 1701. Nr. 2).

11. Eine zweite allgemeine Reaction schwefelhaltiger Substanzen ist folgende: im Reductionsfeuer mit Natriumcarbonat an einem Platindrahte oder auf Kohle erhitzt, geben diese Substanzen eine Schmelzmasse, welche Alkalisulfid enthÀlt und mit dem Namen Schwefelleb er (Hepar) bezeichnet wird.

Um das Alkalisulfid in dieser Masse aufzufinden, taught man sie in einige Tropfen einer sehr verdĂŒnnten Lösung von Natriumnitroprussid), welche man auf einen Tiegeldeckel oder eine Platte von Porzellan gegossen hat; in dem Maasse, wie sich die Schmelze löst, bildet sich in diesem Reagens ein violetter Streifen (§ 1609, Nr. 7).

') Sehr lebhafte Reaction ; man arbeite mit sehr wenig Substanz und mit Vorsicht. -/ J. W. Bailey: Sill. Am. /. [2] U (1851), 351.

Bestimmung des Schwefels. A. Durch WĂ€gung. 395

Man kann auch das Alkalisulfid in der Schmelzmasse erkennen, indem man sie befeuchtet und in solchem Zustande auf eine gut gereinigte Silber- mĂŒnze bringt; diese Ă€rzt sich an der BerĂŒhrungsstelle, in Folge der Bildung von Silbersulfid. Der Sauerstoff der Luft spielt bei der Reaction zweifellos mit, wie aus der Formel

2 Na,S+ 2 HjjO + + 4 Ag 2 AgS- 4 NaOH hervorgeht.

Bemerkung. Das aus Steinkohle erzeugte Leuchtgas enthĂ€lt stets Schwefel ; hĂ€lt man daher eine am Oehr eines Platindrahtes haftende Perle von Alkalicarbonat mehr oder weniger lange Zeit in den reducirenden Theil einer solchen Leuchtgasfiamme, so giebt sie die vorstehend beschriebene Reaction 1). Man wird daher gut thun, diesen Versuch zur Vergleichung durch einen blinded Versuch zu controUiren, oder noch besser fĂŒr ihn eine schwefelfreie Flamme, z. B. die Flamme einer Kerze, und das Löthrohr anzuwenden.

Bestimmung des Schwefels.

A. Durch WĂ€gung.

1595 L Duroh Qeindohtsyerlast. Ist der Schwefel mit feuerbestĂ€ndigen, bei höhere Temperatur weder durch die Luft noch durch den Schwefel selbst verĂ€nderlichen Stoffen gemischt, so bestimmt man ihn durch den Gewichtsverlust, welchen die Substanz durch GlĂŒhen bei Zutritt der Luft erleidet.

1596. IL Durch Schwefelkohlenstoff. Die fein gepulverte Substanz wird mit reinem Schwefelkohlenstoff extrahirt). Dieser wird dann in einem tarirten Apparate durch Abdampfen verjagt; der Schwefel, welcher als RĂŒckstand bleibt, wird bei 100 getrocknet und gewogen.

Man darf das Trocknen nicht unnöthig lange ausdehnen; man wĂŒrde Gefahr laufen, dass sich Spuren von Schwefel verflĂŒchtigen.

Die Entfernung des Schwefelkohlenstoffes geschieht am besten so, dass man die FlĂŒssigkeit in einen kleinen Kolben bringt, der genĂŒgend leicht ist, um ihn auf die Waage zu stellen, dann diesen tarirten Kolben mit einem kleinen Lieb ig 'sehen KĂŒhler verbindet und bei mög- lichst niedriger Temperatur destillirt; zum ĂŒsse nimmt man den KĂŒhler fort und leitet einen Strom trockener Luft in den Apparat.

WĂŒrde man in einer Schale arbeiten , so wĂ€re , abgesehen von der Verunreinigung der Laboratoriumsluft durch unangenehme DĂ€mpfe, die Gefahr vorhanden, dass sich das Product entflammt und der Versuch verloren geht).

'-) Es ist wichtig, sich zu ĂŒberzeugen, dass das Reagens beim Verdampfen bei niedriger Temperatur nicht den geringsten RĂŒckstand hinterlĂ€sst.

Der Dampf des Schwefelkohlenstoffes ist schwer, fliesst, so zu sagen, ĂŒber die OberflĂ€che der Tische und kann so, wie AetherdĂ€mpfe, auf weite Entfernung hin Feuer fangen und Explosion veranlassen.

BestimmuDg des Schwefels.

Fig. 208.

Ist neben dem Schwefel kein bei fluchtiger Stofi vorhanden, so kann man das durch WĂ€gung des Schwefels erhaltene Resultat controUiren, indem man den in Schwefelkohlenstoff unlöslichen RĂŒckstand nach dem Trocknen bei auf einem tarirten Filter wĂ€gt.

Die Extraction des Schwefels durch Schwefelkohlenstoff fĂŒhrt man gewöhnlich so aus, dass man die Substanz in ein Filtrirrohr (Fig. 208) auf eine sorgsam hergerichtete Schicht von Asbest bringt und das Lösungsmittel in kleinen Portionen durchlaufen lĂ€sst, bis die letzten Tropfen beim Abdampfen auf einem Uhrglase nicht den geringsten RĂŒckstand hinterlassen.

Recht vortheilhaft kann man, besonders

wenn man etwas grössere Mengen in Arbeit

nimmt, einen Extractionsapparat mit Circulation

des Lösungsmittels anwenden, d. h. einen Apparat, in

II ' U welchem der durch das Filter gelaufene Schwefelkohlen-

Stoff verflĂŒchtigt und in einem KĂŒhler verdichtet wird,

ILĂ€-/ aus welchem er von Neuem auf die auszuwaschende

f Substanz fliesst.

Unter den verschiedenen Extractionsapparaten, welche ersonnen sind, helen wir besonders denjenigen von Soxhlet hervor, und zwar mit den Modificationen, welche er von FrĂŒhling und von De Koninck erhalten hat.

Der FrĂŒhling'sche Apparat i) (Fig. 209) besteht aus den beiden Haupttheilen a und d, von welchen S in a steckt; 6 ist ein Cylinder aus dĂŒnnem Glase, welcher in seinem unteren Drittel ein Diaphragma in Form eines Trichters trĂ€gt; die Dille dieser Art Trichter wird aus dem Ende eines engen Rohres gebildet, welches an der Cylinderwand hoch-und dann wieder auf den Trichterboden herabsteigt und so einen Heber bildet. Die zu extrahirende Substanz konunt in den vorher mit einem Filter in Form eines Sackes oder eines Eimers-) ausgelegten Cylinder. Der Rand dieses (nicht abgebildeten) Filters muss höher liegen als die obere Biegimg des kleinen Hebers.

Der Àussere Theil des Apparates besteht aus einem grossen Reagircylinder a, welcher unten in zwei concentrische Röhren auslÀuft, von denen nur die innere, sehr enge, mit ihm in directer Verbindung steht; durch das Àussere Rohr c ist der Apparat mittels eines Kork-

Man findet im Handel speciell zu diesem Zwecke von Schleicher & SchĂŒll fabricirte eimerförmige Filter aus reiner Papiermasse.

Fig. S509.

A. Durch WĂ€gung.

Stopfens auf einen kleinen Kolben, welcher den Schwefelkohlenstoff ent- hĂ€lt, aufgesetzt Wird der Schwefelkohlenstoff zum Kochen erhitzt, so steigen die DĂ€mpfe durch das Rohr c hoch, gehen in das seitliche Rohr d ĂŒber, gelangen in den oberen Theil des Extractionsapparates imd von da in den sogen. Liebi gesehen KĂŒhler*), welcher senkrecht mittels eines Korkstopfens oder, wie die Abbildung zeigt, eines eingeschliffenen Stopfens und eines kurzen Kautschukrohres aufgesetzt ist

Der condensirte Schwefelkohlenstoff fliesst in den Apparat zurĂŒck, fĂ€llt auf die zu analysirende Substanz und lĂ€uft durch das Filter. Sobald das Niveau . der FlĂŒssigkeit die obere Biegung des Hebers erreicht hat, saugt dieser an und die FlĂŒssigkeit wird durch das in c befindliche innere Rohr wieder in den Kolben geleitet.

Die unterbrochene Circulation des Schwefelkohlenstoffis wiederholt sich, sobald man erwÀrmt, und bewirkt eine immer wieder erneute Auswaschung der schwefelhaltigen Substanz mit einem stets reinen Lösungsmittel.

Will man nach beendeter Extraction das Gewicht des unlöslichen RĂŒckstandes kennen lernen, so nimmt man den Apparat aus einander, zieht den Cylinder b heraus, legt ihn, um den Schwefelkohlenstoff, mit welchem das Filter und der RĂŒckstand getrĂ€nkt sind, zu verjagen, in ein Luftbad, erhitzt ihn allmĂ€hlich auf 100 lĂ€sst ihn im Exsiccator erkalten und bringt ihn, nachdem man ihn mit einem (auf der Figur nicht abgebildeten) eingeschliffenen Stopfen verschlossen hat, auf die Waage.

SelbstverstĂ€ndlich muss der Cylinder h mit Filter und Stopfen vorher tarirt worden sein. —

Um die BerĂŒhrung der DĂ€mpfe der ExtractionsflĂŒssigkeit mit Kork oder Kautschuk und zu gleichem Zwecke vorgeschlagenen, aber theuren Glasschliffen zu vermeiden, wendet De Koninck*) die folgende Construction (Fig. 210) an.

Flg. 910.

Da Kautschuk von Schwefelkohlenstoff augegriffen wird, kann er hier nicht angewandt werden.

Nur das untere Ende des KĂŒhers ist abgebildet.

Dieses Rohr kommt mit dem flĂŒssigen Schwefelkohlenstoff nicht in Be- rĂŒhrung (vergl. Fussnote 1).

Um den Hals des Kölbchens A, welches die ExtractionsflĂŒssigkeit ent- hĂ€lt, befindet sich eine Rinne, die entweder angeschmolzen oder, wie die Nebenfigur andeutet, aus Kork und einem Glasrohre hergestellt ist. In die mit Quecksilber gefĂŒllte Rinne taught der Glascylinder B, welcher oben durch einen Kork mit weiter Bohrung geschlossen ist Diese Bohrung trĂ€gt den inneren KĂŒhler C, an welchem die DĂ€mpfe der ExtractionsflĂŒssigkeit verdichtet werden, so dass diese an C entlang in das eigentliche Extractionsgefass D fliesst, welches die zu extrahirende Substanz in einer Patrone oder einem Eimerchen von Papier enthĂ€lt und an einem Platinoder Nickeldraht an dem unteren, hakenförmig gebogenen Theile von C hĂ€ngt.

Der Apparat functionirt in gleicher Weise, wie wir soeben beim FrĂŒhling'schen Apparate beschrieben haben.

Nach beendigter Extraction wechselt man D mit dem kurzen Reagircylinder ÂŁ (siege Nebenfigur) aus und destillirt in diesen das Lösungsmittel aus der in A gesammelten FlĂŒssigkeit ĂŒber; war A vorher tarirt, so kann man die Menge der extrahirten Substanz bestimmen, nachdem der Apparat aus einander genommen ist.

— Wenn die den Schwefel begleitenden Stoffe in Wasser unlöslich sind, so kann man die Substanz auch mit der Lösung eines Alkali-Sulfides oder -Sulfites behandeln; sobald aller Schwefel entfernt ist, ninmit man den Ueberschuss des Lösungsmittels durch Auswaschen mit Wasser fort und wĂ€gt den bei getrockneten RĂŒckstand.

Bei Anwendung dieser Lösungsmittel kann man natĂŒrlich den Schwefel nicht direct bestimmen.

1597* in. Durch Oxydation. Das Verfahren besteht darin, dass man den Schwefel in SchwefelsĂ€ure oder in ein Alkalisulfat ĂŒber- fĂŒhrt und ihn durch Baryumchlorid bestimmt (§ 1703), nachdem man die Lösung event. mit SalzsĂ€ure schwach angesĂ€uert hat.

Die Oxydation des Schwefels kann durch verschiedene Mittel, auf trockenem oder auf nassem Wege, geschehen:

1598. Trockener Weg. — Mittel: Durch Schmelzen mit Alkali-Carbonat und -Nitrat oder -Chlorat oder -Perchlorat)

In allen FĂ€llen, in welchen man eine schwefelhaltige Substanz oxydirend zu schmelzen hat, sollte man Steinkohlenleuchtgas zum Erhitzen nicht anwenden; denn da dieses stets Schwefel enthĂ€lt, entsteht bei seiner Verbrennung schweflige SĂ€ure, welche vom alkalischen Flussmittel absorbirt wird; man nimmt besser Spiritus-, Benzinoder Gasolin - Lampen (§§ 13 u. 19). Siehe ĂŒber diesen Gegenstand: Priwosnik: Difigl. 213 (1874), 223, u. B. 2676; Binder: Z anal. Ch, 26 (1887), 607; von Meyer: /.prakL Ch. [N.F.] 42 (1890), 270; J. B. vanLeeuwen: Rectrav.ch. des Pays-Bas U (1890), 103; A. Lieben: Monatsh. Ch, 18 (1892), 286; sowie die Bemerkung zu § 1594, Nr. 11. — Man sollte selbst beim Abdampfen von FlĂŒssigkeiten, namentlich alkalischen, in welchen Schwefel bestimmt werden soll, Leuchtgas vermeiden (Binder: 1. cit.); siege auch Wagn. Jahresh, 1881, 1162. — Lunge setzt den zu erhitzenden Tiegel in ein ihm angepasst ausgeschnittenes Loch einer Asbestjilatte und vermeidet dadurch, dass die Verbrennungsproducte des Gases mit dem Tiegelinhalte in BerĂŒhrung kommen (Z. angew. Ca. 1889,476). Das Verfahren ist empfehlenswerth.

A, Durch WĂ€guDg. 399 I

(Oxydirende Schmelzung). Man bringt die Substanz in einen Platintiegel mit einem Gemische der angegebenen Reagenlien, welches man durch Zusammenreiben von 4 Th. Natriumcarbonat mit 2 Th. Kaliumnitrat oder mit nur 1 Th. Kalium-Chlorat oder -Perchlorat herstellt; von diesem Gemische nimmt man die 10 face Menge der zu analysirenden Substanz.

Bei hohem Schwefelgehalt ist es unbedingt erforderlich, die Reaction zu massigen; zu dem Zwecke verdĂŒnnt man, so zu sagen, das Reagens- I

gemisch durch ein indifferentes Salz, am besten Chlomatrium.

Man erhitzt allmÀhlich zum Schmelzen, erhÀlt die Masse einige 2it

im Flusse und lÀsst erkalten. j

1599. Mittel: Durch Alkalihydrate. Man erhitzt in einer ' Silberschale Kaliumoder Natriumhydroxyd mit einigen Tropfen Wasser ;

in die so erhaltene breiige Masse rĂŒhrt man die zu analysirende Substanz ein, setzt ein Nitrat oder Chlorat oder Perchlorat (gewöhnlich das Kaliumsalz) hindu und erhitzt von Neuem, allmĂ€hlich die Temperatur steigernd, bis zur eigentlichen Schmelzung.

— HempeP) hat das Natriumsuperoxyd, NaOg, fĂŒr Oxydationen auf trockenem Wege empfohlen. Zur Bestimmung des Schwefels kann man das Reagens in reinem Zustande nicht anwenden, weil die Reaction zu lebhaft sein wĂŒrde. Auf 1 Th. der Substanz nimmt man 2 Th. Superoxyd, gemischt mit mindestens 4 Th. wasserfreiem Natriumcarbonat. Die Schmelzung muss im Silbertiegel oder in einer eisernen Schale geschehen (vergl. § 545).

1600. Nasser Weg, — Mittel: Durch rauchende SalpetersĂ€ure oder ein gleichwerthiges Reagens. Die sehr fein gepulverte Substanz wird in einen Kolben gebracht, in dessen Hals ein kleiner Trichter gesteckt ist (Fig. 211); durch diesen giesst man rauchende SalpetersĂ€ure (sp. G. 1,49) im Ueberschuss; dann erwĂ€rmt man auf einem Wasserbade, bis der Schwefel vollstĂ€ndig gelöst und der Ueberschuss der SĂ€ure verdampft ist.

Der Siedepunkt der rauchenden SalpetersĂ€ure liegt unter dem Schmelzpunkte des Schwefels (114Âź); es ist daher nicht zu befĂŒrchten, selbst wenn man direct ĂŒber der Flamme pj erhitzt, dass sich der Schwefel zusammenballt. Wenn man gewöhnliche SalpetersĂ€ure (sp. G. 1,4), welche bei 123Âź siedet, anwendet, so kommt es vor, dass beim Erhitzen zum Kochen der Schwefel schmilzt und sich zu öligen Tropfen vereinigt; unter diesen UmstĂ€nden entzieht er sich der Oxydation.

Man kann zur Oxydation des Schwefels die SalpetersÀure durch

Z. anorg. Ch. 193. Vergl. auch J. Clark: /. eh. Soc. 68 (1893), 1079; EdiDger: Z. anal. Ch. 84 (1895), 362.

Königswasser, durch bromirte SalzsÀure oder SalpetersÀure i) oder durch Kaliumchlorat mit SalzsÀure oder mit SalpetersÀure ersetzen; aber die rauchende SalpetersÀure verdient im Allgemeinen den Vorzug.

1601. Mittel: Durch Chlor). Man erwĂ€rmt die Substanz mit einer Lösung von Kali-oder Natron-Hydrat auf 50 bis 60Âź und leitet einen Chlorstrom in die FlĂŒssigkeit.

1602. Mittel: Durch Wasserstoffsuperoxyd). Man löst den Schwefel in der WÀrme in der Lösung eines Alkalihydrates, setzt WasserstoflEsuperoxyd, welches von SchwefelsÀure und Baryumsalzen frei sein muss, hindu und fart mit ErwÀrmen noch einige Zeit fort An Stelle des Wasserstoffsuperoxyds kann man auch Natriumsuperoxyd anwenden (Hampe).

1603 Mittel: Durch Kaliumpermanganat). Man behandelt die fein gepulverte Substanz in einer Kochfiasche mit einer concentrirten und siedenden Permanganatlösung; zum ĂŒsse setzt man SalzsĂ€ure hindu und fart mit Erhitzen fort, bis alle Manganiverbindungen zersetzt worden sind.

1604. Gemischter Weg, — Mittel. Nach Zulkowski kann man die Oxydation des Schwefels erreichen, indem man ihn in einem Sauerstoflfstrome erhitzt, die hierdurch gebildete schweflige SĂ€ure in einer Lösung von Kalihydrat auffangt und die Oxydation durch Zusatz von Brom zu der alkalischen Lösung vollendet.

Die Condensation und Oxydation der schwefligen SÀure kann man auch durch andere Mittel bewirken (siege Bestimmung der schwefligen SÀure, §§ 1675 u. 1680).

— Man könnte den Schwefel in SchwefelsĂ€ure auch ĂŒberfĂŒhren, indem man ihn in einem Chlorstrome ervĂ€rmt und das Schwefelchlorid in Wasser oder in einer Alkalihydrat -Lösung auffangt (§ 1645); man vermeidet aber gern, wenn es möglich ist, die Anwendung eines Chlorstroms, wegen der Unannehmlichkeiten, welche mit seiner Handhabung verbunden sind.

R Durch Titrimetrie.

1605 Wir werden spĂ€ter sehen, dass man die SchwefelsĂ€ure bez. lösliche Sulfate titrimetrisch bestimmen kann; man könnte also auch den Schwefel in dieser Weise bestimmen, nachdem man ihn in Sulfat ĂŒbergenĂŒhrt hat. Im Allgemeinen sind jedoch die titrimetrischen Verfahren fĂŒr die SchwefelsĂ€ure und daher auch fĂŒr den Schwefel nicht besonders empfehlenswerth.

') De Koninck: BuĂŒ, Ac. roy. d. Sc. dt Belgique [2] 82 (1871), Nr. IL Rivot, Beudant und Dagulo: Ann. d. mims [5] 4 (1853), 221. A. Classen und E. Bauer: Ä 16 (1883), lOöl; Eliasberg: das. 19 (1886), 420.

Scheidungsverfahren. Eigenschaften des SchwefelwasserstolTes. 401

Scheidungsverfahren.

1606 I. Ohne Oxydation. Die bei der Bestimmimg des Schwefels gemachten Angaben genĂŒgen, um aus ihnen Verfahren zur Scheidung dieses Elementes von Substanzen, mit welchen es gemischt vorkommt, abzuleiten, und zwar nicht nur von den Substanzen, von welchen bisher die Rede war, sondern auch von allen anderen.

1607 II. Nach Oxydation. Ist dem Schwefel keine schwefelhaltige Substanz beigesellt, so kann man ihn in SchwefelsĂ€ure oder Sulfat ĂŒberfĂŒhren und dann die Scheidungsverfahren anwenden, welche wir fĂŒr diese Art von Verbindungen angeben werden.

Eigenschaften des Schwefelwasserstoffes.

1608 1*- Der Schwefelwasserstoff, HgS, ist ein farbloses Gas vom sp. G. 1,17 (auf Luft bezogen), dessen intensive und unangenehmer Geruch nach faulen Eiern durchaus charakteristisch ist. Er wirkt sehr stark giftig.

2*. Wasser löst von diesem Gase bei gewöhnlicher Temperatur

(etwa 15) nicht ganz das Dreifache seines Volumens. Die wÀssrige Lösung

(Schwefelwasserstofifwasser) zeigt gegen Lakmus ganz schwach saure Reaction.

Der Luft au sgesetzt,lÀsst diese Lösung mit der Zeit Schwefel ausfallen:

2H2S+02 2H20+2S.

Gleichzeitig bilden sich nicht selten kleine Mengen von SchwefelsÀure: H2S+2 02=H2SO,.

3. JodstĂ€rke wird durch Schwefelwasserstoff entfĂ€rbt, in Folge der UeberfĂŒhrung des Jods in Jodwasserstoff; es entsteht ein Niederschlag von Schwefel:

H,S + J,-2Hj + S.

4. Chlor und Brom zersetzen den Schwefelwasserstoff ebenfalls; der Schwefel wird durch einen Ueberschuss des Reagens in Gegenwart von Wasser in SchwefelsĂ€ure ĂŒbergenĂŒhrt (siege § 1594, Nr. 8).

5. Ferri-Ferricyanid, d.i. Kalium-Ferricyanid zusammen mit Ferrichlorid, giebt mit Schwefelwasserstoff einen blauen Niederschlagt), indem das Ferrisalz in Ferrosalz ĂŒbergenĂŒhrt wird (siege § 569, Nr. 3):

FejCle + HgS FcgCl + 2 HCl + S.

6. Die Alkali-Nitroprusside fÀrben die Lösung von Schwefelwasserstoff nicht (vergl. § 1609, Nr. 7).

7. Schwefelwasserstoff wird von den Alkalihydraten und von Ammoniak unter Bildung von Sulfid energisch aufgenommen:

HgS + 2 NaOH NaS + 2 H2O. — Die neutralen oder schwach sauren Lösimgen der Metallsalze der Gruppen des Silbers, Cadmiums und Arsens erzeugen sĂ€mmt-

Allgemeine Reaction redncirender Substanzen.

De Konin ck-Meineke, Mineralanalyse. II. 26

402 Eigenschaften der Sulfide.

lieh NiederschlĂ€ge von Sulfiden, bisweilen auch von basischen Sulfosalzen, sobald sie mit Schwefelwasserstoff in BerĂŒhrung kommen.

Ebenso verhalten sich die alkalischen Lösungen von Salzen der beiden ersteren Gruppen, z. B. von Silber-, Blei-, Kupfer-, Cadmium-Salzen, wie auch von denjenigen der Eisengruppe, ausgenommen Chrom und Aluminium.

Die vier zuerst genannten Metalle sind in sauren, neutralen wie alkalischen Lösungen specielle Reagentien fĂŒr Schwefelwasserstoff:

8*. Silbernitrat giebt einen schwarzen Niederschlag von Silbersulfid; ein mit diesem Reagens getrÀnotes Papier Àrzt sich, wenn man es der Einwirkung eines Gases, welches Schwefelwasserstoff enthÀlt, aussetzt (siege § 1001, Nr. 4).

Ammoniakalische Silberlösungen verhalten sich ebenso.

9*. Bleiacetat oder Bleinitrat geben genau die analogen Reactionen wie das Silbemitrat (§ 948, Nr. 3).

10*. Cuprichlorid, in verdĂŒnnter kalter, neutraler oder ammoniakalischer Lö, giebt einen schwarzen Niederschlag (§ 896, Nr. 3).

11*. Das Chlorid und das Sulfat des Cadmiums geben einen gelben Niederschlag von Cadmiumsulfid (§ 883, Nr. 3). Mit einem Cadmiumsalze getrĂ€notes Papier ist ein wichtiges Reagens auf Schwefelwasserstoff. —

12. Bei Zutritt der Luft entflammt, verbrennt der Schwefelwasserstoff mit blÀulicher Flamme, Schwefeldioxyd und Wasser gebend :

2 H.S + 3 O2 2 SO2 -f 2 HgO. Bei ungenĂŒgender Luftzutritt, z. B. in einem engen hohen Cylinder, erfolgt Schwefel -Abscheidung.

13. Schweflige SĂ€ure und Schwefelwasserstoff zerlegen sich gegenseitig und geben einen Niederschlag von Schwefel:

2 H.S + HjSOg 3 S -f 3 K,0.

Eigenschaften der Sulfide. A. Normale, in Wasser lösliche Sulfide.

1609. 1. Die einzigen, löslichen normalen Sulfide sind diejenigen der Metalle der Gruppen des Baryums und des Kaliums), das Ammonium inbegriffen.

Diese Sulfide sind farblos; ihre Lösungen besitzen in hohem Grade alkalische Reaction.

2. Der Luft ausgesetzt, verĂ€ndern sich diese Lösungen durch Aufnahme von Sauerstoff; es entsteht Hyposulfit, Sulfit oder Sulfat: 2 NaS + HgO + 20. Na2S.303 + 2 NaOH, Na2S+2 02 -NaSÖ. Ammoniumsulfid bildet unter dem EinflĂŒsse des Sauerstoffs der Luft

') Das Magnesiumsulfid ist in Lösung sehr unrestÀndig.

Eigenschaften der Sulfide. 403

zunÀ Polysulfid, welches die Lösung dunkelgelb fÀrbt; die Reaction vollzieht sich in zwei Phasen:

+ 0, 4NH3 + 2H20 + 2S, (NH,)2S + 4S (NH,),S,. Dann bildet sich Hyposulfit.

3*. SÀuren, selbst EssigsÀure, zerlegen diese Sulfide leicht unter Entwickelung von Schwefelwasserstoff, welcher an seinen im vorigen Paragraphen angegebenen Eigenschaften unzweideutig zu erkennen ist: NaS + 2 HCl 2 NaCl + HgS i). 4*. Die Lösungen von Silber-, Bleiund Kupfer-Salzen, neutral oder alkalische, bewirken in Sulfidlösungen schwarze, die Lösungen von Cadmium-Salzen gelbe NiederschlÀge.

5. Cadmiumcarbonat wirkt durch Umsetzung auf die gelösten Sulfide entsprechend der Formel:

KgS + CdCOg CdS + K2CO3.

6. Manganochlorid und Manganosulfat geben einen röthlichen Niederschlag von Mangano-Sulfid oder -Sulf hy drat (§611, Nr. 3) ; bei der FÀllung wird kein Schwefelwasserstoff entwickelt (vgl. §1610, Nr. 2):

2 KS + MngCl + 2 HgO 4 KCl -f- 7*. Natriumnitroprussid, ruft in Sulfidlösungen eine intensive, aber vorĂŒbergehende, violette, sehr charakteristische FĂ€rbung hervor; in Gegenwart eines Alkalihydrates ist die FĂ€rbung röthlich oder sie entsteht ĂŒberhaupt nicht*).

8. In Gegenwart von Wasser werden die löslichen Sulfide durch Chlor oder Brom in Sulfate ĂŒbergenĂŒhrt:

NaS + 4 HgO -f 4 Brg NaHSO + NaBr + 7 HBr.

9. Wasserstoffsuperoxyd fĂŒhrt die Sulfide in Hyposulfite, dann in Sulfate ĂŒber*):

2 NaS + 4 H2O2 Na2S208 + 2 NaOH + 3 HgO, NaSgOg -f- 2 NaOH + 4 HgO 2 NagSO + 5 HO. 10*. Die Sulfide werden auch durch Schmelzen mit einem oxydirenden

alkalischen Gemische in Sulfate ĂŒbergenĂŒhrt.

11*. Sie geben, wie alle schwefelhaltigen Verbindimgen, beim

Schmelzen mit Natriumcarbonat Schwefelleber (Hepar) (§ 1594,

Will man den Schwefelwasserstoff mittels Metallsalzlösungen (§ 1608, Nr. 8 — 11) auffinden, so benutzt man eine der folgenden Vorrichtungen: Man bewirkt die Reaction der SĂ€ure auf das Sulfid in einem Reagircylinder, auf dessen Oeffnung man entweder die Spitze einer TĂŒte aus Filtrirpapier, welche mit dem Reagens benetzt ist, gesetzt hat, oder, besser noch, man schliesst die Oeffuung durch einen Stopfen mit seitlicher Einkerbung, durch welche das Gas entweichen kann und in dessen Spalte man einen Streifen Papier, welches mit dem zu benutzenden Reagens auf Schwefelwasserstoff getrĂ€nkt ist, eingeschoben hat (Hager: Pharm. Centrk. 24 (1884), 389). Dieselben Vorrichtungen kann man zu allen analogen Zwecken benutzen.

Das Natriumnitroprussid verĂ€ndert sich, wenn es gelöst ist; man bereitet deshalb fĂŒr den augenblicklichen Gebrauch eine frische, sehr verdĂŒnnte Lösung.

C lassen und Bauer: l. cit.

26

404 Eigenschaftea der Sulfide.

B. Sulffhydrate oder saure Sulfide.

1610 1*. Man kennt nur die Sulf Hydrate der Alkalimetalle und der Metalle der alkalischen Erden; sie sind in Wasser löslich und geben, ausser mit den Manganosalzen (§ 1609, Nr. 6), dieselben Reactionen, welche fĂŒr die Sulfide angegeben sind.

Mangano-Chlorid und -Sulfat in neutraler Lösung bewirken einen röth liehen Niederschlag von Manganosulfhydrat; aber diese FÀllung ist von einer Entwickelung von Schwefelwasserstoff begleitet i) (vergl. § 1009, Nr. 6):

4 NaSH + MugCl + 2 HgO + 4 NaCl + 2 HS.

C. In Wasser lösliche Polysulfflde.

161 1*. Die löslichen Polysulfide entsprechen den löslichen Sulfiden; sie sind gelb oder braun gelb gefÀrbt und um so dunkler, je grösser die Anzahl vorhandener Schwefelatome ist; sie haben alkalische Reaction wie die normalen Sulfide und die Sulfhydrate.

Die Polysulfide geben dieselben Reactionen wie die entsprechenden Sulfide, nur mit den aus Nachstehendem ersichtlichen Unterschieden.

2*. Bei der Zersetzung durch SÀuren (§ 1609, Nr. 3) ist die Entwickelung von Schwefelwasserstoff von der FÀllung desjenigen Schwefels begleitet, welchen das Polysulfid mehr enthÀlt, als das entsprechende normale Sulfid:

(NHJ2S5 H- 2 HCl 2 NHCl -f HjjS + 4 S.

Dieser Schwefel bildet einen milchigen Niederschlag von hellgelber, fast weisser Farbe. Unter UmstĂ€nden bildet sich auch das unrestĂ€ndige, flĂŒssige Wasserstofisupersulfid, HgSg.

3 . Mit Quecksilber geschĂŒttelt, treten die gelösten Polysulfide an dieses Metall ihren SchwefelĂŒberschuss ab und werden in normale Sulfide ĂŒbergenĂŒhrt. Das entstandene Mercurisulfid löst sich, wenigstens theilweise, in dem gebildeten normalen Sulfide, ausgenommen in Ammoniumsulfid (§ 979, Nr. 3). Die Lösungen werden entfĂ€rbt Die folgenden Formeln zeigen die Umsetzungen:

4. Durch Einwirkung von Metallsalzen (§1609, Nr, 4 — 6) erhĂ€lt man normales Metallsulfid, gemischt mit dem Schwefel, welchen das Polysulfid im Ueberschusse enthĂ€lt:

NaSg + 2 NaNOg -f- CdS + S,

Zinksalze, welche von anderen Autoren angegeben sind, können hier die Manganosalze nicht ersetzen; denn die neutralen Zinksalze sind durch Schwefelwasserstoflf fÀllbar (§ 657, Nr. 2).

Eigenschafteo der Sulfide. 405

5. Natriumsulfit reducirt in der WĂ€rme die Polysulfide zu normalen Sulfiden und geht in Hyposulfit ĂŒber:

6. Die Alkalicyanide treten mit dem ĂŒberschĂŒssigen Schwefel der Polysulfide in Reaction, um Sulfocyanide zu bilden (§ 1548, Nr. 12).

7. Erhitzt man eine Lösung von Ammoniumpolysulfid zum Kochen, so verflĂŒchtigt sich normales Sulfid und der SchwefelĂŒberschuss scheidet sich aus:

8. Im geschlossenen Rohre erhitzt, geben die Polysulfide Schwefel ab, welcher destillirt; im offenen Rohre verbrennt dieser Schwefel und giebt Schwefeldioxyd.

Bemerkung. Wir können die Reactionen, wie folgt, zusammenfassen : Die Polysulfide verhalten sich wie Gemische von Schwefel und normalen Sulfiden; der Schwefel, welchen sie mehr enthalten, als zur Bildung normaler Sulfide nöthig ist, könnte disponibler Schwefel genannt werden, nach Analogie des „disponiblen Sauerstoffes" in den Manganiverbindungen u. s. w. (§ 612, Bemerkung).

D. In Wasser unlösliche Sulfide.

1612. Nicht oxydirende SĂ€uren, namentlich verdĂŒnnte SchwefelsĂ€ure und besonders SalzsĂ€ure, lösen eine gewisse Anzahl dieser Sulfide unter Entwickelung von Schwefelwasserstoff auf; die Concentration der SĂ€ure, ihre Temperatur, die Natur des Sulfides und sein Aggregatzustand bilden aber ebensoviele Bedingungen, welche die Leichtigkeit, mit welcher die Reaction eintritt, beeinflussen.

Die durch FÀllung erhaltenen Ferro-, Mangano-und Zink- Sulfide sind am leichtesten zu lösen:

Die Sulfide des Arsens und das Mercurisulfid sind in den genannten SÀuren unlöslich- BromwasserstoffsÀure und noch mehr JodwasserstoffsÀure greifen die Sulfide energischer an als ChlorwasserstoffsÀure.

2. Sehr verdĂŒnnte und kate SalpetersĂ€ure wirkt auf die leicht angreifbaren Sulfide in demselben Sinne wie SalzsĂ€ure: ZnS + 2 HNO3 - - + HS.

Ist die SĂ€ure concentrirter, so kann sie, namentlich in der WĂ€rme, auf den in statu nascendi befindlichen Schwefelwasserstoff' einwirken:

3H2S-i-2HN08=-4H,0 + 2NO-|.3S, und man erhÀlt dann schiesslich eine Nitratlösung und einen Niederschlag von Schwefel.

3*. Noch concentrirtere SÀure (rauchende SalpetersÀure) oxydirt den Schwefel und bildet SchwefelsÀure, welche wieder durch ihre Einwirkung auf das entstandene Nitrat schliesslich Sulfat giebt: 3 PbS -f 8 HNO3 3 PbSO.4 -f 4 HgO + 8 NO.

406 Eigenschaiten der Sulfide.

Durch WĂ€rme wird diese Reaction begĂŒnstigt.

Bei Einwirkung auf die Sulfide derjenigen Metalle, von welchen keine Sauerstoffsalze existiren oder deren SauerstofiEsalze durch Wasser zersetzt werden (As, Sb, Sn), giebt concentrirte SalpetersÀure Sauerstoffverbindungen dieser Metalle und SchwefelsÀure:

3 AS2S3 + 28 HNOg + 4 H2O -r 6 H3 AsO + 9 + 28 NO. . 4*. Königswasser, bromirte SalzsĂ€ure, bromirte Salpeter- sĂ€ure, SalzsĂ€ure und Kaliumchlorat, Brom in Gegenwart von Wasser wirken auf die Sulfide in dem gleichen Sinne wie die Salpeter- sĂ€ure ein, sofern diese Reagentien in der nöthigen Concentration und bei der nöthigen Temperatur angewandt werden. Es bilden sich Chloride, Bromide etc. und der Schwefel wird in SchwefelsĂ€ure ĂŒbergenĂŒhrt.

5. In einem Chlorstrom erhitzt, geben die Sulfide Metallchlorid imd Schwefelchlorid. SClgi

CuS + 2 CI2 CuClg + SClj.

Das flĂŒchtige Schwefelchlorid wird von dem Gasstrom fprtgefĂŒhrt; fangs man das Gasgemisch in Wasser auf, so bildet sich SchwefelsĂ€ure: SCI2 + 2 CI2 + 4 HO H2SO4 + 6 HCl.

In analoger Weise wie Chlorgas wirken BromdÀmpfe

6*. In einem offenen Rohre erhitzt, nehmen die Sulfide Sauerstoff auf; der Schwefel verbrennt zu Schwefeldioxyd, die Metalle bleiben als Oxyde (Blei, Kupfer, Eisen, Zink etc.) oder regulinisch (Silber, Gold) zurĂŒck: 2 FegSj + 7 O2 2 Fe203 + 4 SOg, Ag2S+02 2Ag + S02.

Unter gewissen UmstÀnden kann die Oxydation noch weiter gehen, indem sich Sulfat in geringer Menge bildet.

7. Mit einem .\lkalisulfide oder mit einem Gemisch von Schwefel und Alkalicarbonat oder auch nĂŒt wasserfreiem Natriumhyposulfit (§ 16G2, Nr. 15) geschmolzen, geben die Sulfide der Metalle der Arsengruppe in Wasser lösliche Alkali -Sulfosalze; die anderen Sulfide werden nicht verĂ€ndert.

8*. Durch Schmelzen mit einem alkalischen oxydirenden Flussmittel (z. B. Soda und Salpeter) geben die Metallsulfide eine Masse, welche den Schwefel als Alkalisulfat enthĂ€lt 2). Das Metall kann dabei entweder reducirt (z. B. Silber) oder in Oxyd (z. B. Eisen, Zink) oder in ein Alkalisalz einer MetallsĂ€ure (z. B. Mangan, Arsen) ĂŒbergenĂŒhrt werden.

9*. Am Platindraht oder besser auf Kohle im Reductionsfeuer mit einer Sodaperle geschmolzen, geben die Metallsulfide Alkalisulfid (Schwefelleber, Hepar).

') A. Brand: Z. anal, Ch. 26 (1887), 222.

') Die Reaction ist sehr lebhaft; um sie zu massigen, nimmt man zum Gemische Alkalicarbonat im Ueberschuss und setzt auch noch Natriumchlorid hindu (§ 1598); auch thut man gut, mit nicht zu grossen Substanzmengen auf einmal zu arbeiten.

BestimmuDg des Schwefelwasserstoffes. 407

Bestimmung des Schwefelwasserstoffes.

161 3. Die Zahl der fĂŒr die Bestimmung des Schwefelwasserstoffes vorgeschlagenen Verfahren ist ziemlich betrĂ€chtlich; wir werden nur diejenigen besprechen, welche entweder hinsichtlich der Genauigkeit oder Leichtigkeit der AusfĂŒhrung oder hinsichtlich des Princips, auf welchem sie beruhen, ein besonderes Interesse haben.

Man kann die Verfahren in solche, welche auf gelösten Schwefelwasserstoff anwendbar sind, und in solche, welche zur Bestimmung des gasförmigen Schwefelwasserstoffes dienen, unterscheiden.

I. Schwefelwasserstoff in Lösung. A. Durch WÀgung.

1614. I. Durch directe Oxydation. Man giesst die Schwefelwasserstoff-Lösung nach und nach und unter UmrĂŒhren in im Ueberschuss vorhandenes Bromwasser; dann verjagt man diesen Ueberschuss durch Er- wĂ€rmen). Die FlĂŒssigkeit, welche vollstĂ€ndig klar sein muss, wird durch Abdampfen concentrirt und die gebildete SchwefelsĂ€ure schliesslich mittels Baryumchlorid bestimmt (§ 1703).

Man kann auch zur Schwefelwasserstoff-Lösung ein reines Alkalihydrat hinzusetzen und dann das Alkalisulfid durch Einleiten von Chlorgas oder Zugabe von Brom in Sulfat ĂŒberfĂŒhren (§ 1633). Endlich kann man den durch ein Alkalihydrat oder, was in diesem Falle vorzuziehen ist, durch Ammoniak in ein Sulfid ĂŒbergenĂŒhrten Schwefelwasserstoff durch Kochen mit Wasserstoffsuperoxyd im Ueberschuss oxydiren).

1615. n. Durch FĂ€llung und Oxydation. Man behandelt den Schwefelwasserstoff mit einem Metallsalz, welches ihn vollstĂ€ndig als Sulfid zu fallen vermag. Dieses sammelt man; dann bestimmt man darin den Schwefel, nachdem man ihn durch eins der weiter unten bei der Bestimmung des Schwefels in Sulfiden (§§ 1643 ff.) angegebenen Verfahren, am besten durch Bromwasser, in SchwefelsĂ€ure oder Sulfat ĂŒbergenĂŒhrt hat.

Als Metallsalze zur FĂ€llung des Schwefelwasserstoffes sind besonders die folgenden in Vorschlag gebracht worden:

Silbemitrat in neutraler-) oder in ammoniakalischer Lösung; neutrales Bleiacetat;

Acetat oder Nitrat des Bleis in alkalischer Lösung; Cuprichlorid in neutraler oder ammoniakalischer Lösung*); Mercuricyanid mit Zusatz von Ammoniumchlorid

') Die Gegenwart von Brom ist auf die FĂ€llung der SchwefelsĂ€ure durch Baryumsalze zwar ohne Einfluss (M. Lucion: R. untv. d, J/. [3] 2 (1888), 211), doch ist das Brom beim Filtriren fĂŒr den Arbeitenden unangenehm.

8) De Koninck und Dietz: R. univ. d. Af. 28 (1870), 406.

Weil: C. r. 102 (1886), 1487; Friedheim: B. 20 (1887), 59 u. 1483; Weil; das. S. 695.

408 Bestimmung des Schwefelwasserstoffes.

Die Bleisalze sind nicht zu empfehlen, weil ihre Gegenwart bei der Bestimmung der Sulfate Unbequemlichkeiten mit sich bringt.

Die Kupfersalze geben nicht immer ein genaues Resultat; denn ein Ueberschuss des Cuprisalzes kann auf den Sulfidniederschlag oxydirend wirken, und ausserdem kann, da sich das Cuprisulfid an der Luft wÀhrend des Filtrirens leicht oxydirt, ein Theil des Schwefels der Bestimmung verloren gehen (§ 896, Nr. 3).

Am besten wendet man das Silbersalz oder Mercuricyanid an.

Unter den verschiedenen Verfahren zur Oxydation des Schwefels in den gefĂ€llten Sulfiden giebt man dem Verfahren durch Brom den Vorzug (§ 1643). Liegt Silbersulfid vor, so wird dieses in Bromid ĂŒbergenĂŒhrt; nach Entfernung desselben durch Filtration ist die die Schwefel- sĂ€ure enthaltende Lösung frei von jeder festen Substanz, was fĂŒr die Bestimmung der SchwefelsĂ€ure von Vortheil ist. Liegt Mercurisulfid vor, so erhĂ€lt man direct eine von festen Substanzen freie Lösung.

1616. in. Durch ein&ohe F&llung mit sabemitrat. Der Schwefelwasserstoff wird durch eine verdĂŒnnte Lösung von Silbemitrat gefallt; das Silbersulfid wird gesammelt, ausgewaschen, unter Wasserstoff im Rose 'sehen Tiegel geglĂŒht oder einfach geröstet. Das so erhaltene Silber wird gewogen ; 2 Atome Silber entsprechen einem MolekĂŒle Schwefelwasserstoff.

Ist die Menge des Silbersulfides nicht zu gross, so kann man es, auf einem kleinen Filter gesammelt, auf geschmolzenes Blei in eine Capelle setzen, das Silber abtreiben (§ 1002) und das so gewonnene Silberkom wÀgen; die Filterasche stört hierbei nicht

B. Durch Titrimetrie.

1617* L Durch Jod 2). Dieses Verfaliren beruht auf der Reaction:

H2S + J2-2Hj + S.

Damit die Reaction nur nach dieser Formel verlĂ€uft, ist es, wie Bunsen gezeigt hat, erforderlich, dass die Lösung nicht mehr als 0,04 % Schwefelwasserstoff enthĂ€lt. Ist die vorliegende Lösung concentrirter, so muss man sie vorher mit ausgekochtem und kaltem Wasser verdĂŒnnen.

Man setzt zu der FlĂŒssigkeit eine geeignete und, wie immer, an- nĂ€hernd abgemessene Menge StĂ€rkelösung und lĂ€sst eine titrirte Jod- ösung bis zur bleibenden BlaufĂ€rbung zufliessen. Man kann eine oder selbst nur normale Jodlösung benutzen.

Hat die Titrirung einigermaassen lange Zeit gedauert, so kann, in Folge eines P2ntweichens von Schwefelwasserstoff, das Resultat etwas zu

Meineke: nicht veröffentlichter Versuch.

Zuerst von Dupasquier vorgeschlagen {Ann. de eh. et de phys. [2] 78 a840). 310).

1. Schwefelwasserstoff in Lösmig. 409

niedrig ausfallen; man thut dann gut, einen zweiten Versuch zur Controlle anzuschliessen, welcher nun schnell zu Ende gefuhrt werden kann. Da das Volumen der FlĂŒssigkeit im VerhĂ€ltniss zur Menge der zu bestimmenden Substanz nothwendigerweise sehr gross ist, so ist ein parallel auszufĂŒrender Versuch mit dem annĂ€hernd gleichen Volumen Wasser und der gleichen Menge StĂ€rke, welche man bei Aus- fĂŒhrung der Bestimmung angewandt hat, durchaus geboten; er giebt die Jodmenge an, welche man zu viel zugesetzt hat, um die Endreaction mit der gleichen IntensitĂ€t zu erhalten.

— Man kann auch ZurĂŒcktitrirung anwenden, indem man den Schwefelwasserstoff mit Jod im Ueberschusse behandelt und den Ueberschuss durch Natriumhyposulfit bestimmt. In diesem Falle giesst man die Schwefelwasserstoff- Lösung in die abgemessene Jodlösung.

1618. II. Durch Kaliumarsenit. Dieses Verfahren ist nur auf verhÀltnissmÀssig grosse Mengen Schwefelwasserstoff, d. h. auf verhÀltniss- mÀssig concentrirte Lösungen, anwendbar.

Man bringt in einen Maasskolben eine im Ueberschuss abgemessene titrirte Arsenitlösung (§ 1423), giesst den zu bestimmenden Schwefelwasserstoff hindu, verschliesst den Kolben und schĂŒttelt ihn um. Ist der Schwefelwasserstoff absorbirt, so sĂ€uert man schwach mit SalzsĂ€ure an, fĂŒllt den Kolben bis zur Marke mit destilUrtem Wasser, schĂŒttelt um, um das Gemisch homogen zu machen, und filtrirt (partielle Filtration, siege § 65), um das gefĂ€llte Arsenosulfid zu entfernen.

In einem aliquoten Theile des Filtrats bestimmt man nach reichlichem Zusatz von Natriumbicarbonat den ArsenitĂŒberschuss durch Jod (s. § 1422).

1619* III. Durch Silbemitrat. Man mischt die Schwefelwasserstoff-Lösung mit einer im Ueberschusse abgemessenen Menge einer titrirten Lösung von Silbemitrat, filtrirt und bestimmt im Filtrat den Silber- ĂŒberschuss durch Sulfocyanid (§ 1016). NatĂŒrlich ist das Verfahren bei Anwesenheit von SalzsĂ€ure bez. Chlorid u. s. w. nicht direct anwendbar.

— Man hat auch vorgeschlagen den Schwefelwasserstoff durch ĂŒberschĂŒssiges Cuprichlorid zu fallen und den Kupfer -Ueberschuss durch Stannochlorid zurĂŒckzutitriren. Das Verfahren beruht auf einer falschen Grundlage; die UnregelmĂ€ssigkeit der Reaction zwischen Schwefelwasserstoff und Cuprichlorid lĂ€sst keine constanten Resultate erwarten. Mit Cuprisulfat wĂ€re es eher ausfĂŒhrbar.

1620 IV. Durch Acidimetiie. Man giebt zur neutralen Lösung des Schwefelwasserstoffs Wasserstoffsuperoxyd, welchem man eine bekannte Menge einer titrirten Alkalihydratlösung hinzugefĂŒgt hat; nach massigem Er- wĂ€rmen bestimmt man den Ueberschuss an Alkalihydrat 2). Nach der Formel

HjjS + 2 KOH + 4 II2O2 K2SO4 + 6 H,0 nimmt 1 MolekĂŒl Schwefelwasserstoff 2 MolekĂŒle Alkalihydrat in Anspruch.

Weil: C. r. 102 (1886), 1487. Eliasberg: B. 19 (1886), 320.

410 Bestimmung des Schwefelwasserstoffes.

1620 a. V. Durch Ealiumpermanganat). LÀsst man aut eine wÀssrige Lösung von Schwefelwasserstoff Ferrisulfat einwirken, so findet die folgende Umsetzung statt:

Um diese Reaction auf die Bestimmung des Schwefelwasserstoffes anzuwenden, bringt man in eine gut verschliessbare Flasche eine im Ueberschuss abgemessene Menge einer angesĂ€uerten Lösung von Ferrisulfat oder besser von Ferri-Ammonium- Sulfat, lĂ€sst die Schwefelwasserstofflösung zufliessen, verstopft die Flasche und lĂ€sst die beiden Agentien unter öfterem Umschwenken auf einander einwirken. Wenn die Reaction beendet ist (nach etwa einer Stunde wird dies der Fall sein), woven man sich nach schnellem LĂŒften des Stopfens durch den Geruch ĂŒberzeugen kann, titrirt man das entstandene Ferrosulfat durch Kaliumpermanganat. Der ausgeschiedene Schwefel soll auf dieses ohne Einwirkung sein.

C. Durch Colorimetrie.

1621* Durch ein Metallsalz. Wie mau colorimetrisch sehr kleine gelöste Bleimengen durch Schwefelwasserstoff bestimmen kann (§ 971), kann man ebenso auch imigekehrt Schwefelwasserstoff bestimmen, indem man ihn durch eine Lösung von Bleiacetat oder Bleinitrat in Bleisulfid ĂŒberfĂŒhrt.

Statt des Bleisalzes kann man auch Salze anderer Metalle, speciell Cadmiumsalze, anwenden (vergl. die Bestimmung des Cadmiums, § 893).

2. Gasf&rmiger Schwefelwasserstoff-). A. Durch WĂ€gung.

1622* L Durch directe WĂ€gung Man leitet das Gasgemisch, welches den zu bestimmenden Schwefelwasserstoff enthĂ€lt, durch ein oder zwei Röhren mit Calciumchlorid*) oder mit PhosphorsĂ€ure -Anhydrid, um es zu trocknen, dann durch eine oder zwei tarirte U - Röhren, welche zu Yi ihrer LĂ€nge mit gekörntem, von entwĂ€ssertem Cuprisulfat durchsetztem Bimsstein und im letzten, dem Gaszutritt abgewandten Viertel mit Caldumchlorid gefĂŒllt sind.

Das Cuprisulfat hĂ€lt den Schwefelwasserstoff und das Calciumchlorid das Wasser zurĂŒck, welches bei der UeberfĂŒhrung des Sulfates in Sulfid entstehen kann. Ist aller Schwefelwasserstoff in den tarirten Apparat ĂŒbergeleitet, so leitet man durch diesen kurze Zeit einen trocknen Luftstrom

') Vergl. Mohr-CUsscn: d. Titrirniethode, 7. Aufl. (1896), S. 258.

Siehe Marchlewski: Z. anal. Ch. 82 (1893), 25 u. 403.

Das Calciumchlorid muss vollkommen frei von Calciumoxyd bez. -Hydrat sein.

2. Gasföniger Schwefelwasserstoff. 411

und bringt ihn auf die Waage zurĂŒck. Die Gewichtszunahme giebt direct das Gewicht des zu bestimmenden Schwefelwasserstoffes.

— Das Cuprisulfat in dem tarirten Apparate kann durch jede andere Substanz, welche Schwefelwasserstoff zurĂŒckhalten kann, ohne dafĂŒr irgend einen Bestandtheil zu verlieren, ersetzt werden. Die Alkalihydrate sind jedoch hierzu nicht geeignet, weil sie dem Gase etwa beigemischte KohlensĂ€ure gleichfalls zurĂŒckhalten wĂŒrden.

Man könnte zweifellos Bleiphosphat oder auch Bleichromat anwenden, mit welchen man den Bimsstein durchsetzt, indem man ihn in eine Lösung von Bleiacetat, dann in eine Lösung von Natriumphosphat oder von Kaliumchromat taught und darauf auswĂ€ imd trocknet. Diese Salze wĂ€ren wohl sogar geeigneter als Cuprisulfat, welches be- fĂŒrchten lĂ€sst, dass Cuprisulfid oxydirt werden könnte.

1623. n. Durch directe Oxydation. Man leitet das Gasgemisch in einen Absorptionsapparat, welcher mit einem so energisch oxydirenden Reagens beschickt ist, dass es den Schwefelwasserstoff in SchwefelsÀure oder in Sulfat umwandelt, welche man bestinunt.

Die wichtigsten Oxydationsmittel sind:

1. Brom. Man wendet eine Lösung in reinem Wasser oder Salz- sÀure oder Kaliumbromid (10 %) an.

2. Ammoniakalisches Wasserstoffsuperoxyd). Nach beendeter Absorption erwĂ€rmt man die FlĂŒssigkeit, um die Oxydation zu vollenden und um den Ueberschuss von Wasserstoffsuperoxyd oder, richtiger ausgedrĂŒckt, von gebildetem Persulfat welches durch Baryumsalze nicht gefallt werden wĂŒrde, zu zestören.

3. Kaliumpermanganat 3). Um die Absorption des Schwefelwasserstoffs zu fördern, kann man dem Permanganat etwas Kalihydrat zusetzen. Nach vollstĂ€niger Absorption kocht man mit SalzsĂ€ure, bis das i ĂŒssige Permanganat und das anfangs ausgeschiedene Superoxyd reducirt sind, d. h. bis die FlĂŒssigkeit klar und farblos geworden ist Das hierbei erzeugte Chlor kann zur VervollstĂ€ndigung der Oxydation dienen.

— Zur Bestimmung des SchwefelwasserstofEs, wie auch zu anderen analogen Bestimmungen, hat man mannigfache Absorptionsapparate ersonnen*). Ihre Construction muss eine möglichst lange und innige Be- rĂŒhrung des Gases mit dem Reagens gestatten, damit die Absorption, selbst wenn das Gas mit grossen Mengen anderer, indifferenter Gase gemischt ist, vollstĂ€ndig wird.

Fehlt es an einem besonderen Apparate, so kann man eine Reihe

Craig: Ch, N, 46 (1882), 199; Classen: B. 16 (1883), 1061; Eliasberg: das. 10 (1886), 320.

8) Cloez und Guignet: C. r, 46 (1858), 1110; Peter: Bull. Soc. eh. [2] 44 )1885), 16.

Siehe Marchlewski: Z. angew. Ch. 1890, 567.

Bestimmung des Schwefelwasserstoffes.

kleiner Waschflaschen benutzen; diese Vorrichtung hat die UebelstĂ€nde, dass sie eine grosse Anzahl von VerbindungsstĂŒcken, durch welche Cias entweichen kann, erfordert und dass sie zu einem Zurucksteigen Veranlassung geben kann.

Man vermeidet diese UebelstÀnde zum Theil, wenn man die Waschflaschen durch Volhard'sche Vorlagen ersetzt.

Besser wendet man stets besonders construirte Absorptionsapparate an, wie das Zehnkugelrohr von Lunge, die Winkler'sche Spirale oder die Landolt'sche Perlenburette, von welchen wir nachstehend die Beschreibungen geben.

Das Lunge'sche Kugelrohr (Fig. 212) besteht aus zehn, an demselben

Rohre

Kugeln. In normaler* . Stellung

hat dieses Kugelrohr eine Neigung von etwa 30Âź gegen die Horizontale. Das Gas tritt am unteren Ende ein, nachdem es

eine grössere, senkrecht aufgerichtete Kugel passirt hat, welche den Zweck hat, das Reagens bei einem etwaigen ZurĂŒcktreten aufzunehmen. Am oberen Theile befindet sich eine ebenfalls grössere Kugel, welche mit einem Ableitungsrohre fĂŒr die nicht absorbirten Gase versehen ist; diese Kugel nimmt die Tropfen auf, welche der Gasstrom mit sich reissen könnte. Der Gebrauch dieses Apparates erfordert keine nĂ€here Beschreibung. Die Winkler'sche Spirale (Fig. 213) besteht aus einem ver- hĂ€ltnissmĂ€ssig weiten Rohre (etwa 10 mm Durchmesser), welches zwei Spiralwindungen bildet und auf drei FĂŒssen ruht. Das Gas tritt unten durch ein edges Rohr ein, welches zur VerhĂŒtung eines ZurĂŒcktretens mit einer Kugel versehen ist; dieses Fig. 213.

Zuleitungsrohr ragt mit einer ausgezogenen Zuspitzung, durch welche sich das Gas in Blasen theilt, etwas in die Spirale hinein. Die Gasblasen steigen langsam durch die Spirale hoch und entweichen am oberen, zu

Fig. 212.

2. Gasförmiger Schwefelwasserstoff.

einer Kugel aufgeblasenen und mit einem Abzugsrohre versehenen Theile, wie ihn auch der Lunge 'sehe Apparat hat.

Die Perlenburette von Landolt (Fig. 214), modificirt von De Koninck, ist ein Apparat ganz anderer Art als die vorigen. Er besteht aus einem senkrechten Burettenrohre A (etwa mit dem Durchmesser und der LĂ€nge einer auf 1 00 cc geaichten BĂŒbette), welches unten in ein edges, heberartig gebogenes Rohr Z? auslĂ€uft Die BĂŒbette ist mit Glasperlen gefĂŒllt. Durch ein seitliches Rohr Cam unteren Ende treten die Gase ein, die nicht absorbirten Gase entweichen durch einen seitlichen Ansatz am oberen Theile. Auf die BĂŒbette selbst ist ein Hahntrichter B aufgesetzt.

Dieser Apparat eignet sich besonders fĂŒr die Absorption durch in SalzsĂ€ure oder in Bromid gelöstes Brom.

Der Trichter nimmt die Reagens-FlĂŒssigkeit auf; man lĂ€sst von derselben so viel ausfliessen, bis die Perlen in ihrer ganzen Höhe damit durchtrĂ€nkt sind und der Heber gefĂŒllt ist

In dem Maasse, wie das schwefelwasserstoffhaltige Gas zutritt und die Bromlösung entfÀrbt wird, lÀsst man frische Brom- lösimg, immer nur kleine Mengen auf einmal, oder auch tropfenweise, aus dem Trichter zufliessen, so dass die Perlen stets fast in der ganzen Höhe von ihr benetzt sind; der untere Theil, welcher reagirt hat und dadurch entfÀrbt ist, fliesst durch den Heber ab und wird in einem GefÀsse aufgefangen.

Ist aller Schwefelwasserstoff durch die BĂŒbette geleitet, so lĂŒmmt man den Trichter ab imd spĂŒlt den Apparat aus, indem man Wasser durchlaufen lĂ€sst

1624. III. Durch FĂ€Uung und OxydatioxL Man leitet das Gas durch einen Waschapparat oder besser durch eine Reihe kleiner Apparate (V o 1 h a r d'sche Vorlagen), welche eine Silbersalzoder Mercurisalz-Lösung enthalten (§ 1615). Der auf einem Filter gesammelte Niederschlag wird mit einem energisch wirkenden Oxydationsmittel behsuidelt, welches den Schwefel in SchwefelsĂ€ure ĂŒberfĂŒhrt.

1625 IV. Durch einfache FĂ€llung. Man verfahrt, wie soeben angegeben wurde, unter Anwendung einer Silbersalz-Lösung. Das Silbersulfid wird in metallisches Silber ĂŒbergenĂŒhrt und dieses gewogen (§ 1616).

Flg. 214.

B. Durch Titrimetrie. 1626. L Durch Jod. Man leitet das Gas durch einen Absorptionsapparat, in welchem dasselbe in eine lange und innige Be- rĂŒhrung mit dem Reagens kommt*); als solches dient eine bekannte

Wir erwÀhnen noch das Verfahren zur BestimmuDg des Schwefels im Leuchtgase: VerbrennuDg mit Luft und Absorption des gebildeten Schwefeldioxyds durch Bromwasser u. s. w.

- Hier ist besonders die Wink ler'sche Spirale zu empfehlen (Fig. 213, S. 412).

414 Bestimmung des Schwefelwasserstoffes.

Menge einer titrirten und mit so viel Wasser verdĂŒnnten Jodlösung, als ein guter Gang des Apparates erfordert. Ist alles Gas durchgeleitet, so titrirt man den JodĂŒberschuss durch Natriumhyposulfit zurĂŒck (§ 1417). Die Titration mit Jod kann man auch, aber weniger praktisch, in folgender Weise ausfĂŒhren: Man lĂ€sst den Schwefelwasserstoff von einer Alkalihydratlösung absorbiren; dann verdĂŒnnt man die Lösung sehr stark 1617), sĂ€uert ganz schwach mit SalzsĂ€ure an und titrirt schliesslich den zurĂŒckgebildeten Schwefelwasserstoff durch die JodflĂŒssigkeit i).

1627. n. Durch Ealinmarsenit. Man benutzt einen Ă€hnlichen Apparat, wie vorher angegeben, und fĂŒllt ihn mit einer bekannten Menge einer titrirten Arsenitlösung; den Ueberschuss derselben bestimmt man durch Jod (§ 1618).

1628. in. Durch Silbemitrat. Wie die vorigen Verfehren, so unterscheidet sich auch dieses Verfahren nur durch die Art, wie die zu analysirende Substanz zu handhaben ist, von derjenigen, welche wir bei der Bestimmung des gelösten Schwefelwasserstoffes beschrieben haben (§ 1619).

— Unter diesen drei Verfahren verdient das erste den Vorzug, wenn es sich um die Bestimmung sehr kleiner Mengen Schwefelwasserstoff handelt.

1629. IV. Das Osmond'sche Verfahren 2). Dieses Verfahren weicht von dem vorigen nur in der Form ab.

Es besteht darin, dass man das Gas sehr langsam durch eine Reihe ganz kleiner Waschflaschen leitet, von welchen jede die gleiche, genau abgemessene Menge einer sehr schwachen, titrirten Lösung von Silbemitrat oder Silbersulfat oder auch von Bleiacetat enthÀlt; der Inhalt einer Flasche kann z. B. 1,0 oder 0,5 mg Schwefelwasserstoff entsprechen.

Ist die Operation beendet, so zÀhlt man die Anzahl der Flaschen, in welchen sich ein Niederschlag gebildet hat, und schÀtzt die relative <]rrösse des Niederschlages in der letzten Flasche; es sind hermit die zur Berechnung des Gewichtes des Schwefelwasserstoffes erforderlichen Grundlagen gegeben.

Denn wenn g das Gewicht des in jeder Flasche durch das Bleioder Silbersalz gefÀllten Schwefelwasserstoffes, N die Anzahl der Flaschen,

dn welchen eine FĂ€llung stattgefunden hat, -— der Bruchtheil Salz ist,

welchen man als in der letzten Flasche gefallt annimmt, so ist das Gesanuntgewicht G des Schwefelwasserstoffes:

g

Dieses Verfahren ist nur zu einer vergleichenden Bestimmung sehr kleiner Mengen Schwefelwasserstoff anwendbar, denn es ist nicht frei

Siehe auch A. Riemer: St. u, E. 19 (1899), 1064.

-) Bull. Soc. eh. [2] 48 (1885), 70; Arnold und Hardy: Ch. N. 68 (1888), 41 u. 70; Winder: das. S. 95; Marchlewski: Z. anal. Ch. 32 (1893), 41.

BestimmuDg der Sulfide. 415

von Fehlerquellen. Wir erwĂ€hnen es auch nur in RĂŒcksicht auf die Methode, auf welcher es beruht und welche in ihrer Eigenart unseres AVissens eine andere Anwendung noch nicht gefunden hat.

1630. V. Durch Aoidimetrie Man verfahrt so, wie schon § 1620 angegeben ist, d. h. man lÀsst das Gas von einem abgemessenen Volumen einer titrirten Lösung von Alkalihydrat unter Zusatz von genau neutralem Wasserstoffsuperoxyd absorbiren und bestimmt das nicht neutralisirte Alkalihydrat durch eine titrirte SÀure.

C. Durch Q-asometrie.

1631 Durch Absorption). Der Schwefelwasserstoff ist zu leicht löslich, als dass man ihn ĂŒber Wasser messen könnte. Man benutzt daher Apparate mit QuecksilberfĂŒUimg.

Das Princip des Verfahrens ist das allgemeine Princip des Absorptionsverfahrens, d. h. man misst ein geeignetes Volumen des zu analysirenden Gases ab, lĂ€sst den zu bestimmenden Bestandtheil desselben durch ein geeignetes Reagens absorbiren und misst schliesslich das Volumen des RĂŒckstandes (siege Bestimmung des Sauerstoffs, § 1360).

Die Absorption des Schwefelwasserstoffs kann man durch Alkalihydrate, durch oxydirende Substanzen (z. B. ChromsÀure) oder durch Metallsalze (z. B. Bleiphosphat Cadmiimisulfat etc.) bewirken.

D. Durch Colorimetrie.

1632. Durch Cadmiumacetat. Wahrscheinlich wĂŒrde man zur Bestimmung von kleinen, in einem Gasgemische enthaltenen Mengen Schwefelwasserstoff das Wiborgh*sche Verfahren zur Bestimmung des Schwefels in Sulfiden (§ 1 640) mit Nutzen anwenden können. Es besteht darin, dass man das Gas durch ein StĂŒck mit Cadmiumacetat getrĂ€nkter Leinwand von bestimmter OberflĂ€che treten lĂ€sst und die IntensitĂ€t der GelbfĂ€rbung, welche die Leinwand in Folge der Bildung von Cadmiumulfid annimmt, abschĂ€tzt.

Bestimmung der Sulfide.

I. In Wasser lösliche normale Sulfide und Hydrosulflde.

A. Durch WĂ€gung.

1633* L Duroh direote Oxydation. Wie in allen analogen FĂ€llen, bewirkt man die Oxydation auf nassem oder auf trocknem Wege.

a. Nasser Weg. Die besten Oxydationsmittel sind Chlor, Brom und ammoniakalisches Wasserstoffsuperoxyd.

Eliasberg: 1. cit.

Siehe hierĂŒber die Specialwerke von Bunsen, Winkler u. A.

Welches Mittel man auch wĂ€hlen mag, stets fĂŒhrt man das Verfahren in der Weise aus, dass man nach beendeter Oxydation den Ueberschuss durch Kochen austreibt, dann ansĂ€uert und das entstandene Sulfat durch Baryumchlorid bestimmt.

b. Trockner Weg. Man schmilzt die Substanz in einem Platin tiegel mit einem Alkalicarbonat und Kalium-Nitrat oder -Chlorat oder -Perchlorat, oder in einem Eisen-, Nickel-oder besser SUbertiegel mit einem Alkalihydrat und einem der soeben angefĂŒhrten Oxydationsmittel oder mit Natriumsuperoxyd.

In beiden FÀllen nimmt man mit Wasser auf, filtrirt, wenn es nöthig ist, sÀuert an und bestinunt das Sulfat.

— FĂŒr die Alkalisulfide ist der nasse Weg entschieden bequemer als der trockne.

1634. II. Durch Filltmg tind Oxydation. Man verfahrt wie bei der entsprechenden Bestimmung des Schwefelwasserstoffs (§ 1615), d. h. man fallt das Sulfid durch Silbemitrat oder besser Mercuricyanid in geringem Ueberschuss, sĂ€uert leicht mit verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure oder SalzsĂ€ure) an, und bestimmt schliesslich den Schwefel durch Oxydation oder das reducirte Silber.

1635. III. Durch Freimaohen des Schwefels in Form von Schwefelwasserstoff. Man bringt die Substanz mit etwas Wasser in einen Kolben (z. B. einen Fractionirkolben), welcher mit einem Ableitungsrohre und einem Hahntrichter oder einer sonstigen Vorrichtung, um nach Belieben SĂ€ure hinzutreten zu lassen, versehen ist.

Das Ableitungsrohr steht zum Auffangen des sich entwickelnden Schwefelwasserstoffes mit einer Vorlage, deren Art und Form man je nach der Natur des Absorptionsmittels wÀhlen kann, in Verbindung.

Ist Alles hergerichtet, so lĂ€sst man in den Kolben verdĂŒnnte Salz- sĂ€ure oder SchwefelsĂ€ure in kleinen Portionen einfliessen, so dass eine nicht zu heftige Gasent Wickelung stattfindet.

Ist die Zersetzung beendet, so erhitzt man bis beinahe zum Sieden und verdeĂ€ngt den im Kolben und in der FlĂŒssigkeit zurĂŒckgehaltenen Schwefelwasserstoff durch einen Strom von Wasserstoff oder KohlensĂ€ure. Am einfachsten und besten lĂ€sst man zu dem Zwecke eine Lösung von Kaliumbicarbonat in den Kolben fliessen; die freie SĂ€ure in der FlĂŒssigkeit veranlasst eine Entwickelung von KohlensĂ€ure, welche den gelöst gebliebenen Schwefelwasserstoff austreibt.

Bestimmt man den Schwefelwasserstoff durch Absorption in tarirten Röhren (§ 1622), so muss man die KohlensÀure oder den Wasserstoff wieder durch einen Luftstrom verdeÀngen, lun die Röhren in denselben Zustand zu versetzen, welchen sie beim Tariren hatten*).

M Hatte man Silbern! trat angewandt, so ist SalzsÀure ausgeschlossen. Siehe die Fassnote 2 zu § 1365.

1. In Wasser lösliche nonnale Sulfide und Hydrosulfide.

Man hat oft vorgeschlagen, bevor man die SĂ€ure auf das Sulfid einwirken lĂ€sst, die Luft aus dem Apparate durch einen KohlensĂ€ureoder Wasserstoffstrom zu verdeĂ€ngen, um zu vermeiden, dass Schwefelwasserstoff bei BerĂŒhrung mit der Luft unter Ausscheidung von Schwefel, welcher der Bestimmung entzogen wĂŒrde, zersetzt wird.

Wir halten diese Vorsicht nicht fĂŒr nöthig, weil der Schwefelwasserstoff durch die Luft nur sehr langsam zersetzt wird, ausser wenn die Substanz Eisen enthĂ€lt i), z. B. schwefelhaltiges Roheisen.

Wenn das zur Bestimmung des Schwefelwasserstoffs gewĂ€hlte Verfahren erfordert, dass dieser getrocknet wird, so setzt man auf den Entwickelungskolben einen KĂŒhler, um die grösste Menge Wasserdampf zu condensiren, bevor das entwickelte Gas in die eigentlichen Trocknungs- röhren gelangt. Recht empfehlenswerth ist ein Thörner*scher Kolben), d. h. ein Kolben, dessen langer und enger Hals von einem Mantel umgeben ist, in welchem kaltes Wasser circulirt.

Folgende Anordnung eines Apparates fĂŒr die auszufĂŒhrende Bestimmung erachten wir, unter \helen anderen, fĂŒr besonders praktisch und einfach (Fig. 215). Ein Thörner'scher Kolben von ungefĂ€hr 200 cc Fassungsraimi ist mit einem doppelt durchbohrten Stopfen mit zwei dĂŒnnen Röhren versehen: die eine, welche dicht unter dem Stopfen abschneidet, dient zum Ableiten des Gases; die andere taught bis fast auf den Boden, ist hier ausgezogen imd leicht nach oben gebogen, damit in dieselbe keine Gasblasen eindringen können. Diese letztere Röhre steht durch einen mit einem Schrauben -Quetschhahn versehenen kurzen Gummischlauch mit einem kleinen, 40 — 50 cc fassenden und, wie die Abbildung angiebt, montirten Kolben in Verbindung, welcher die verdĂŒnnte SĂ€ure enthĂ€lt; das freie Rohr dieses Kolbens trĂ€gt einen Kautschukschlauch mit einem (auf der Figur nicht abgebildeten) gewöhnlichen Quetschhahn.

Zu der Bestimmung benutzt man diesen Apparat in folgender Weise. Das Sulfid bringt man durch einen Trichter mit langer, bis in den Bauch reichender TĂŒlle in den ersten (Thörner'schen) Kolben imd reinigt die TĂŒlle mit etwas Wasser. Bevor man den zweiten Kolben ansetzt, leitet man, wenn man es fĂŒr nöthig erachtet, in den ersten Kolben einen Strom von KohlensĂ€ure. Ist der Apparat zusammengestellt imd die Vorlage mit dem Ableitungsrohre verbunden, so ruft man in dem kleinen

Fig. ai6.

1) Siehe hierĂŒber bei der entsprechenden Bestimmung der unlöslichen Sulfide (§ 1647). Hier ist der Fall kaum zu berĂŒcksichtigen. Z. ang€w. Ch. 1888, 487. Bequemer noch ist ein kleiner Destillationskolben (siege Fig. 161, Bd. I, S. 331).

De Koninck-Meineke, Mineralanalyse. II.

Kolben einen geringen Druck hervor, indem man durch das Kautschukrohr Luft einblĂ€st und es dann mit dem Quetschhahn verschliesst. Oefl&iet man nun den Schrauben -Quetschhahn an dem verbindenden Kautschukröhrchen, so kann man nach Belieben SĂ€ure in die Sulfidlösung ĂŒberfliessen lassen; diese Operation kann man, so oft es nöthig ist, wiederholen, ohne jedoch blasen zu mĂŒssen, da das lange Rohr als Heber wirkt

Sobald das Sulfid vollstĂ€ndig zersetzt ist, nimmt man den kleinen SĂ€urekolben fort und ersetzt ihn durch einen in gleicher Weise hergerichteten, welcher jedoch eine Lösung von Kaliumbicarbonat enthĂ€lt; von dieser lĂ€sst man nun allmĂ€hlich eine genĂŒgende A4 enge in die saure FlĂŒssigkeit im Entwickelungskolben ĂŒbertreten imd verdeĂ€ngt durch die frei werdende KohlensĂ€ure den noch vorhandenen Schwefelwasserstoff.

Soll auf den KohlensÀurestrom ein Luftstrom folgen, so erzeugt man diesen durch Ansaugen, nachdem der Bicarbonatkolben entfernt ist,

B. Durch Titrimetrie.

1636 L Durch Jod, direot. Die Sulfidlösung wird nnt ausgekochtem und erkaltetem Wasser so weit verdĂŒnnt, dass sie höchstens 0,04 % Schwefel enthĂ€lt; nach AnsĂ€uern mit SalzsĂ€ure wird der Schwefelwasserstoff durch eine Jodlösung titrirt (§ 1617).

Will man eine concentrirtere Sulfidlösung durch Jod titriren, so lĂ€sst man dieselbe in ein abgemessenes und genĂŒgend angesĂ€uertes Volumen der titrirten Jodlösung fliessen und titrirt das ĂŒberschĂŒssige Jod durch zurĂŒck.

Es ist durchaus unzulĂ€ssig, das Jod in die nicht angesĂ€uerte Sulfid- lösung fliessen zu lassen und etwa dann erst anzusĂ€uern, um einen Jod- ĂŒberschuss durch Hyposulfit zurĂŒckzutitriren. Die alkalisch reagirende Sulfidlösung wĂŒrde einen Theil des Jods in Hypojodit ĂŒberfĂŒhren und dieses wieder einen Theil des noch unzersetzten Sulfides zu Sulfat oxydiren, wodurch eine einheitliche Reaction natĂŒrlich unmöglich gemacht wĂŒrde 1) (vergl. § 1416. S. 292).

1637. IL Durch Kaliumarsenit. Man verfahrt genau wie bei der Bestimmung des Schwefelwasserstoffs durch dasselbe Reagens (§ 1618).

1638. IIL Durch Silbemitrat. In Abwesenheit von Chloriden, Cyaniden etc. kann man die löslichen Sulfide bestimmen, indem man sie mit einer abgemessenen Menge einer titrirten Lösung von Silbemitrat behandelt und, nach Entfernung des Silbersulfides, den SilberĂŒberschuss durch Sulfocyanid zurĂŒcktitrirt (§ 1619).

In Gegenwart von Chloriden und anderen Salzen, welche durch eine ammoniakalische Silbernitratlösung nicht gefallt werden, kann man die Sulfide bestimmen, indem man zu ihrer Lösung eine titrirte ammoniakalische Silbemitratlösung fliessen lÀsst, bis kein Niederschlag mehr entsteht-).

G. Topf: Z. anal. Ch. 26 (1887), 278. -) H. Lesteile: C r. 65 (1862), 739.

1. In Wasser losliche normale Sulfide und Polysullide. 419

1639 Ifarmnten, Durch Freimachen des Schwefels in Form von Schwefelwasserstoff. Es bedarf nur einer kurzen ErwÀhung, dass die letztgenannten Verfahren auch in der Art angewandt werden können, dass man aus den Sulfiden den Schwefel in Form von Schwefelwasserstoff frei macht (§ 1635) und diesen bestimmt.

1 639 IV. Durch Ealiompermanganat. Man lÀsst auf das zu bestimmende Sulfid Ferrisulfat im Ueberschuss einwirken, sÀuert mit SchwefelsÀure an und bestimmt das entstandene Ferrosulfat durch Kaliumpermanganat (vergl. § 1620 a).

C. Durch Colorimetrie.

1640. L Durch Cadmiumacetat. Wiborgh) hat fĂŒr die schnelle Bestimmimg des Schwefels im Handelseisen ein Verfahren vorgeschlagen, welches, wie viele andere, auf UeberfĂŒhren des Schwefels in Schwefelwasserstofif durch Einwirkung verdĂŒnnter SalzsĂ€ure oder SchwefelsĂ€ure beruht (siege § 1647). Es bedarf keiner ErlĂ€uterung, dass das Verfahren sowohl auf Sulfide, welche in Wasser löslich sind, als auch auf solche, welche darin unlöslich sind, aber durch SĂ€uren zersetzt werden, angewandt werden kann.

Der entwickelte Schwefelwasserstoff wird gezwungen, durch ein feuchtes StĂŒck Baumwollenstoff von bestinmiter OberflĂ€che, welches mit Cadmiumacetat getrĂ€nkt ist, seinen Ausweg zu nehmen; je grösser die Menge des Schwefelwasserstoffes ist, um so intensive wird der Baumwollenstoff durch das sich bildende Cadmiumsulfid gefĂ€rbt, und nach der IntensitĂ€t der FĂ€rbung lĂ€sst sich die Menge des Schwefelwasserstoffes, welcher das Baumwollenzeug passirt hat, schĂ€tzen.

Der zu benutzende Apparat besteht aus einem Erlenmeyer- Kolben von 250 — 300 cc Inhalt, welcher seitlich mit einem Hahntrichter zum Eingiessen der SĂ€ure versehen ist und auf dem Halse ein cylindrischkonisches, breites, oben umgebogenes RohrstĂŒck trĂ€gt Der obere Rand dieses letzteren muss ziemlich dick und abgeschliffen sein, so dass er eine ebene, kreisförmige OberflĂ€che von einigen Millimetern Breite und 58 — 60 mm Durchmesser bildet Der obere, cylindrische Theil, welcher ebenfalls diesen Durchmesser hat, ist etwa 15 cm lang; der untere, trichterförmige Theil sitzt mittels eines Stopfens oder besser eines Schliffes auf dem Kolbenhalse auf. lieber den Rand zieht man einen Kautschukring von 55 mm innerem Durchmesser, darĂŒber legt man eine nmde Scheibe des mit Cadmiumacetat getrĂ€nkten Baumwollstoffes imd befestigt diese durch Ueberziehen eines zweiten, dem ersten gleichen Kautschukringes; das Ganze wird an der Umbiegung des RohrstĂŒckes durch einen Holzring und Klammern, welche Ring und Umbiegung umfassen, festgehalten.

Die Baumwollstoff- Scheiben werden prÀparirt, indem man sie in

eine Lösung von 5 gr Cadmiumacetat in 100 cc Wasser taught, bis sie durch und durch imprÀgnirt sind; man breitet sie dann auf reiner Leinewand zum Trocknen aus und hebt sie in einem gut verschlossenen KÀstchen auf.

Um die Bestinmiung auszufĂŒhren, fĂŒllt man in den Kolben etwas Wasser, welches zum Sieden erhitzt wird; dann bringt man die Substanz hindu und setzt das RohrstĂŒck auf; ist der Baumwollstoff durch die Wasser- dĂ€mpfe gut angefeuchtet, so lĂ€sst man durch den Hahntrichter die ver- dĂŒnnte SchwefelsĂ€ure zufliessen.

Nach vollstĂ€niger Zersetzung des Sulfides setzt man das Kochen noch 8 — 10 Minuten fort, um allen Schwefelwasserstoff auszutreiben und mit dem Baumwollstofife in BerĂŒhrung zu bringen; dann nimmt man den Apparat aus einander, breitet die Scheibe auf Filtrirpapier aus und vergleicht die FĂ€rbung mit den FĂ€rbungen auf Scheiben, welche man bei gleicher Behandlung nĂŒt bekannten Mengen von Sulfid bez. Schwefelwasserstoff erhalten hat, oder mit eier chromolithographirten Scala welche im Handel kĂ€uflich ist.

1641. U. Durch Silberbleoh Auch dieses Verfahren findet vorzugsweise bei der Bestimmung des Schwefels in unlöslichen Sulfiden, namentlich im Roheisen, Anwendung, ist aber natĂŒrlich auch bei löslichen Sulfiden anwendbar, wie das vorige. Es beruht auf der FĂ€rbung, welche ein Silberblech, aus einer Legirung von Silber (75 %) und Kupfer (25 hergestellt, annimmt, wenn man es wĂ€hrend einer bestimmten Zeit in einer Flasche der Einwirkung von Schwefelwasserstoff, welcher aus dem Sulfide durch verdĂŒnnte SchwefelsĂ€ure firei gemacht wird, aussetzt.

2. In Wasser löslich Polysulffldc.

1642* Man kann in diesen Verbindungen unterscheiden: 1. den gesammten Schwefel, 2. den Schwefel, welchen wir den disponiblen Schwefel genannt haben (§ 1611, Bemerkung), und 3. den Schwefel, welchen man, mangels eines sonstigen kurzen Ausdruckes, als normalen Schwefel bezeichnen könnte und welcher dem normalen Sulfide entspricht.

Der gesanimte Schwefel entspricht offenbar der Summe des disponiblen und des normalen Schwefels.

Der gesammte Schwefel kann nur durch Oxydation bestimmt werden. Man oxydirt entweder direct, wie bei den normalen Sulfiden (§ 1633), und zwar am besten auf nassem Wege (in diesem Falle ist ammoniakalisches Wasserstoffsuperoxyd besonders zu empfehlen), oder nach vorhergegangener FÀllung (§ 1634): der Niederschlag ist in diesem Falle ein Gemisch von Sulfid und Schwefel.

Der normale Schwefel allein wird in Form von Schwefelwasserstoff frei, wenn man ein Polysulfid mit einer SĂ€ure behandelt; man bestimmt ihn

') Eggertz: Dingl, 164 aSGS), 186.

2. In Wasser lösliche Polysulfide. 3. In Wasser unlösliche SulAde. 421

also nach dem Entwickelungs -Verfahren entweder gewichtsanalytisch (§ 1635) oder titrimetrisch (§ 1639).

Den Gehalt an disponiblem Schwefel erhÀlt man am leichtesten aus der Differenz, nachdem man einerseits den gesammten, andererseits den normalen Schwefel bestimmt hat; man kann ihn aber auch direct erhalten, indem man die Substanz bei Siedehitze mit SalzsÀure behandelt und den gefÀllten Schwefel auf einem gewogenen Filter sammelt.

3. In Wasser unlöslices Sulfids') A. Durch WÀgung.

1643. I. Durch direote Oxydation. Nasser Weg. Das fein gepulverte Sulfid wird in einen Kolben gebracht, auf welchen ein kleiner Trichter gesetzt ist (Fig. 216); durch diesen giesst man rauchende SalpetersĂ€ure hindu. Gewöhnlich tritt sogleich eine sehr lebhafte Reaction ein; zeigt sie sich nicht, so ruft man sie durch massages Er- wĂ€rmen hervor. Sobald die mehr oder weniger stĂŒrmische Entwickelung nitroser DĂ€mpfe aufgehört hat, erhitzt man den Kolben auf einem Wasserbade, bis das Sulfid vollstĂ€ndig gelöst ist. Es kommt vor, besonders wenn man zu stark und mit zu schwacher SĂ€ure erwĂ€rmt, dass sich ausgeschiedener Schwefel zu Tröpfchen vereinigt (siege § 1600); in dieser Form entzieht er sich fast vollstĂ€ndig der Oxydation. Tritt dieser Fall ein, so lĂ€sst man die FlĂŒssigkeit erkalten, hebt mit einer Pincette mit Platinspitzen oder einem kleinen Glaslöflfel oder in anderer geeigneter Weise die SchwefelkĂŒgelchen heraus, spritzt sie mit destillirtem Wasser ab, lĂ€sst sie auf Filtrirpapier abtropfen, trocknet sie im Exsiccator und wĂ€gt sie fĂŒr sich. Man ĂŒberzeugt sich, dass dieser Schwefel rein ist, indem man ihn in einem kleinen '

Porzellantiegel verbrennt; hinterlĂ€sst er einen RĂŒckstand, so bestimmt man I

dessen Gewicht und berĂŒcksichtigt dieses bei der Berechnung. j

Die Nitratlösung wird in eine Schale ĂŒbergespĂŒlt und unter Zusatz von SalzsĂ€ure beinahe zur Trockne gedampft, um den SĂ€ureĂŒberschuss zu entfernen und den grössten Theil der Nitrate, welche der Sulfatbestimmung hinderlich sind, zu zestören. Man erwĂ€rmt nun schwach mit einigen Tropfen SalzsĂ€ure, fĂŒgt Wasser hindu, filtrirt erforderlichen Falles und bestimmt das gebildete Sulfat.

— Zur Oxydation der Sulfide kann man auch Königswasser benutzen. Man bedient sich, wie vorher, eines Kolbens und giesst auf das Sulfid zunĂ€ concentrirte SalpetersĂ€ure (1,35 — 1,4 sp. G.) und dann rauchende SalzsĂ€ure (1,19 sp. G.). WĂŒrde man letztere zuerst zugiessen.

Siehe die Arbeit von H. Pellet: R. univ. d. M, [3] 52 (1900), 121. Ueber den Fall, dass Blei vorhanden ist, vergl. § 1661.

SO wĂŒrde man bei einigen Sulfiden Gefahr laufen, dass sich Schwefelwasserstoff entwickelt und daher ein Verlust entsteht. Im Uebrigen ver- fĂ€hrt man weiter, wie bei der Anwendung der rauchenden SalpetersĂ€ure.

— Man kann die Oxydation femer durch bromirte SalzsĂ€ure oder SalpetersĂ€ure) oder durch eine dieser SĂ€uren und Kaliumchlorat bewirken.

— Die Oxydation durch Brom und Wasser in einem zugeschmolzenen Rohre ist fĂŒr schwer angreifbare Sulfide empfehlenswerth.

Ein Rohr aus starkem Glase mit 12 — 15 mm innerem Durchmesser ist an einem Ende rund zugeschmolzen (Fig. 217); in dasselbe bringt man das Sulfid und spĂŒlt die WĂ€nde mit Wasser ab; dann zieht man das andere Rohrende aus (Fig. 218), giesst mittels eines aus- Pl n k gezogenen Trichters Brom hindu und schmilzt endlich n (das Rohr zu (Fig. 219). Ist das Rohr erkaltet, so j schĂŒttelt man, um das Wasser mit Brom zu sĂ€ttigen

1. ' I und das Sulfid in Suspension zu bringen, um und er- J j wÀrmt im Wasserbade oder in einem besonderen Ofen

J J unter Anwendung aller Vorsicht, damit im Falle einer j J Explosion kein UnglĂŒck geschieht.

J Bei diesem Verfahren kann man das Wasser auch

Fig. 217. 318. 21&. durch SalzsÀurc ersetzen.

— Die Metallsulfide, speciell diejenigen der Metalle der Arsengruppe, können auch in folgender Weise oxydirt werden: Man behandelt sie in der WĂ€rme mit der Lösung eines Alkalihydrates imd leitet lĂ€ngere Zeit einen Strom von Chlorgas ein. Nach beendeter Oxydation filtrirt man, um die entstandenen Metalloxyde zu entfernen; zu dem Filtrate setzt man SalzsĂ€ure und erwĂ€rmt bis zur Zersetzung des am Anfange entstandenen Chlorates).

1644. n. Durch directe Oxydation. Trockner Weg. Man mischt das Sulfat mit G — 10 Theilen eines Flussmittels, welches, je nach der grösseren oder geringeren Oxydirbarkeit der Substanz, aus 4 — 8 Theilen Kalium-Nitrat, -Chlorat oder -Perchlorat auf 10 Theile wasserfreies Natriumoder Natrium-Kalium-Carbonat zusammengesetzt ist

Die Reaction ist mit den Chlorverbindungen heftiger als mit dem Nitrat*). Bei sehr leicht oxydirbaren Sulfiden, z. B. bei denjenigen des Antimons, muss man die Reaction so wie so durch Zusatz von ziemlich viel Natriumchlorid abschwÀchen.

Die Mischung wird in einem Porzellantiegel allmÀhlich bis zum ruhigen Schmelzen erhitzt*). Nach dem Erkalten behandelt man die ge-

')DeKoninck: Bull. Ac, roy. d. Sc. de Belgique [2] 82 (1871), Nr. 11. Oxydation durch Chlorkalk ist von Lindemann und Motteu vorgeschlagen {Bull. Ac. roy. d. Sc. de Belgique [3] 28 (1892), 827. Ann. 106 a858), 128. Siebe Fnssnote 1 zn § 1598.

3. In Wasser unlösliche Sulfide.

schmolzene Masse mit siedendem Wasser, filtrirt, dampft das Filtrat nach Zusatz von SalzsĂ€ure im Ueberschuss zur Trockne, um die aus dem Tiegel oder aus der Substanz selbst stammende KieselsĂ€ure abzuscheiden, befeuchtet den RĂŒckstand mit SalzsĂ€ure, nimmt mit Wasser auf, filtrirt erforderlichen Falles wiederum imd bestinmit in diesem Filtrate das Sulfat (§ 1703).

Nach Hempel kann man auch durch Schmelzen des Sulfides mit einem Gemische von Natriumcarbonat und Natriumsuperoxyd in einem Silber-oder Eisentiegel den Schwefel in Sulfat ĂŒberfĂŒhren (vergl. § 1599).

1645. III. Buroh Chlor. Man bringt die fein gepulverte Substanz in die Kugel eines Rohres aus schwer schmelzbarem Glase (Fig. 220) oder besser in einem Porzellanschififchen in ein depart hergerichtetes Rohr, wie Fig. 221 es darstellt Bei der einen wie bei der anderen Vorrichtung ist das rechtwinklig umgebogene Rohr ende an einer einfachen oder doppelten Vorlage befestigt, welche Wasser oder besser eine Lösimg von Alkalihydrat enthÀlt. Das andere Rohrende steht mit einem Apparate in Verbindung, welcher einen leicht zu regulirenden Strom von trocknem Chlorgas liefert).

Flg. 280.

Fig. 221.

Man leitet nun das Chlor einige Zeit bei gewöhnlicher Temperatur durch den Apparat und erhitzt, wenn dieser mit dem Gase angefĂŒllt ist, langsam, ohne den Strom zu unterbrechen. Der Schwefel wird in das Chlorid SCIj ĂŒbergenĂŒhrt, welches in die Vorlage ĂŒbergetrieben und hier unter der Einwirkung des ChlorĂŒberschusses in SchwefelsĂ€ure oder Sulfat umgewandelt wird:

SC\ -j- 2 Clg + 4 HjjO HjjSO + 6 HCl.

Man muss darauf achten, dass der horizontale Theil des Rohres zwischen der Kugel oder dem Schiffchen und der Umbiegung erhitzt wird, damit sich hier keine der verflĂŒchtigten Chloride ablagern.

Ist das Sulfid zersetzt, so schneider man das Rohr an der KrĂŒmmung ab und setzt, ohne das anhĂ€ngende RohrstĂŒck abzunehmen, die Vorlage

De KoDinck: Z. angew. Ch. 1888, 507; R. univ. d. M. [3] 5 (1889), 308.

auf ein Wasserbad; die WasserdĂ€mpfe, welche sich in dem RohrstĂŒcke verdichten, lösen die Metallchloride, welche sich hier gewöhnlich angesetzt haben. Statt dessen kann man auch, wenn man ein grades Rohr mit Schiffchen angewandt hat, dieses herausziehen, einen Luftstrom, welchen man, indem man ihn durch fast siedendes Wasser leitet, mit Wasser- dĂ€mpfen beladen hat, durch das heisse Rohr treiben und in dieser Weise die verdichteten Chloride abspĂŒlen.

An Stelle des Chlors ist von A. Brand das Brom vorgeschlagen, und zwar in Form sog. Bromstangen. Dieselben sind cylindrische Körper aus Kieseiguhr, welche mit Zusatz von etwas Kalk oder Alkalihydrat zusammengefrittet und mit Brom getrÀnkt sind. Sie nehmen von diesem Elemente grosse Mengen mechanisch auf und geben sie beim ErwÀrmen mit Leichtigkeit wieder ab; sie bilden daher eine leicht zu handhabende Quelle eines energischen Oxydationsmittels, welches angenehmer als Chlor anzuwenden ist, weil man es jederzeit in Wirksamkeit treten lassen kann, ohne dass ein besonderer Apparat zu seiner Darstellung erforderlich ist. Man benutzt bei seiner Anwendung den in Fig. 221 dargestellten oder einen Àhnlichen Apparat. Das Schiffchen mit der Substanz schiebt man bis nahe an die Biegung des Rohres, legt in den anderen Theil des Rohres eine Anzahl Bromstangen und verschliesst das Rohr*). Man erwÀrmt nun allmÀhlich, am geschlossenen Rohrende beginnend, die Bromstangen, um die Luft durch Bromdampf zu verdeÀngen, und wenn das geschehen ist, auch das Schiffchen mit der Substanz. Im Weiteren unterscheidet sich das Verfahren nicht von demjenigen mit Chlor.

Endlich sei noch erwÀhnt, dass Brom mit DÀmpfen von SalpetersÀure als energisches Oxydationsmittel empfohlen ist).

Wir machen schliesslich darauf aufmerksam, dass bei Anwendung eines der angegebenen Oxydationsmittel zu allen VerschlĂŒssen und VerbindungsstĂŒcken kein Kautschuk, sondern nur Kork benutzt werden darf, weil jener Schwefel enthĂ€lt.

1646. IV. Durch Böstung). Man erhitzt das fein gepulverte Sulfid in einem Sauerstoffstrome; weitaus der grösste Theil des Sulfid- Schwefels wird in Schwefeldioxyd ĂŒbergenĂŒhrt; gewöhnlich bildet sich aber gleichzeitig auch etwas SchwefelsĂ€ure, welche durch das Metall des Sulfides zurĂŒckgehalten wird oder sich im Rohre condensirt.

Man kann zu diesem Versuche einen gleichen Apparat wie zum

') Als gutes VerschlĂŒ intel empfiehlt der Autor stein angerĂŒhrten Gipsbrei, welchen man auf eine LĂ€nge von etwa 2 cm in das Rohr bringt, darauf setzt man einen gut schliessenden Kork.

♩) Sauer: Z. anal. Ch. 12 (1873), 32 u. 178; Muck: das. 14 (1875), 16; Zulkowski: DingL 241 (1881), 52; Welch: Ch. Ind. 10 (1887), 51; Jannasch: Ch.Z. 14 (1890), 669; /. prakt. Ch. [N. F.] 40 (1889), 233 u. 41 (1890), 566.

3. In Wasser unlösliche Sulfide. 425

AufschlĂŒsse durch Chlor benutzen, besonders aber das Rohr mit dem Schiffchen, weil man in diesem das Sulfid gut ausbreiten kann.

Das Schwefeldioxyd fangs man in Bromwasser oder in ammoniakaiischem WasserstofiGsuperoxyd oder einem Àhnlich wirkenden Oxydationsmittel auf (siege § 1680).

Nach beendeter Röstung zieht man das Schiffchen heraus, spĂŒlt, um die etwa condensirten kleinen Mengen SchwefelsĂ€ure zu gewinnen, das Rohr mit Wasser aus und vereinigt das Waschwasser mit dem Inhalte der Vorlage, um die gesammte SchwefelsĂ€ure zu bestiomien.

Den Inhalt des Schiffchens löst man in SalzsĂ€ure und bestimmt den eventuell von den Metallen als Sulfat zurĂŒckgehaltenen Schwefel),

1647* V. Doroh Bntwiokelung von SchwefelwasserstoflEl Wenn das Sulfid von SalzsĂ€ure oder SchwefelsĂ€ure mittlerer Concentration leicht und vollstĂ€ndig zersetzt wird, so kann man fĂŒr die Bestimmung des Schwefels vortheilhaft das Verfahren zur Bestimmung des Schwefels in löslichen Sulfiden (§ 1635) anwenden.

HĂ€ufig wird nach diesem Verfahren der Schwefel im Roheisen und im Eisen ĂŒberhaupt bestimmt. In diesem Falle erfordert das Verfahren einige Vorsichtsmaassregeln.

In manchen Roheisensorten wird die Schwefelverbindung durch massig verdĂŒnnte SalzsĂ€ure nur schwierig und nicht vollstĂ€ndig imter Entbindung von Schwefelwasserstoff zersetzt 2); es wird behauptet, dass concentrirte SalzsĂ€ure (1,19 sp. G.) stets vollstĂ€ndig wirkt. Femer kann das Ferrosalz, welches sich anfangs bildet, durch Aufnahme von Sauerstoff aus der Luft leicht in Ferrisalz ĂŒbergenĂŒhrt werden, welches den Schwefelwasserstoff unter Abscheidung von Schwefel zersetzen wĂŒrde. De Koninck) hat, um diesem Uebelstande vorzubeugen, vorgeschlagen, der SalzsĂ€ure etwas Stannochlorid zuzusetzen, um das Eisen im Ferro-Zustande zu erhalten.

Nach Treadwell*) wird in Kiesen und Ă€hnlichen durch SalzsĂ€ure nicht angreifbaren Sulfiden und selbst in Substanzen, welche freien Schwefel enthalten, der Schwefel in Schwefelwasserstoff ĂŒbergenĂŒhrt, wenn man die Substanz mit gepulvertem Zinn und concentrirter SalzsĂ€ure behandelt.

Vielleicht wĂŒrde bei einem derartigen Verfahren die SalzsĂ€ure mit Vortheil durch BromwasserstoffeĂ€ure ersetzt werden können, deren zerlegende Einwirkimg auf Sulfide wir bereits hervorgehoben haben.

— Wir glauben an dieser Stelle noch das Verfahren, welches in Creusot zur Bestimmung des Schwefels im Handelseisen benutzt wird'), anfĂŒhren zu mĂŒssen. Es besteht darin, dass man ĂŒber das auf

Wir erwÀhnen auch hier das Eschka'sche Verfahren zur Bestimmung des Schwefels in Steinkohlen (Z. anal, Ch. 18 (1874), 344) und seine Modification von Hundeshagen {CK-Z, 16 (1892), 1070 u. 17 (1893), 454).

C. Meinekc: Z. angew. Ch, 1888, 376.

A. Rollet: Dosage du soufre dans les produits de la mitallurgie du fer, dans les minerais et dans les combustibUs (Creusot 1897).

426 Bestimmung der Sulfide. 3. In Wasser unlösliclie Sulfide.

lebhafte Rothgluth erhitzte Product einen Strom von Wasserstoff gemischt mit KohlensÀure (etwa 3 Vol. Hg und 1 Vol. COg) streichen lÀsst; unter diesen Umstanden giebt der Schwefel Schwefelwasserstoff.

1647 a. VI. Dnroh Ferrichlorid oder Cupriohlorid. Wir er- wĂ€hnen hier ein Verfahren, welches besonders zur Bestimmung des Schwefels in Eisensorten Anwendung gefunden hat. Es beruht darauf, die grosse Menge metallischen Eisens durch eins der genannten Chloride zu eliminiren, den Schwefel, welcher vollstĂ€ndig im RĂŒckstande bleibt, in SchwefelsĂ€ure umzuwandeln und diese als Baryumsulfat zu fĂ€llen.

GintH), von welchem das Verfahren herrĂŒhrt, benutzte Ferrichlorid. Weil dieses Salz in schwach sauren Lösungen zur Ausscheidung von basischen Salzen Veranlassung giebt, ersetzte Meineke*) dasselbe durch Cuprichlorid. Die Einwirkung desselben auf schwefelhaltiges Eisen, welche in mehreren Phasen stattfindet, lĂ€sst sich durch folgende Reactionsformeln veranschaulichen:

X Fe + FeS + (x + 1) CuCl - - (x + 1) FeCL, -r x (u + CuS, xCu + xCun2 2xCuCl, CuS + CuCig 2 CuCl + S.

Das entstandene Cuprochlorid wird durch einen Zusatz von Salz- sĂ€ure in Lösung gebracht. Der schwarze RĂŒckstand, welcher den Schwefel in elementarem Zustande in sehr feiner Vertheilung enthĂ€lt, wird auf einem Asbestfilter mit salzsĂ€urehaltigem Wasser ausgewaschen, und mit Königswasser oder einem anderen energischen Oxydationsmittel behandelt; nachdem wieder filtrirt ist, wird in der durch Kohlenstoffverbindungen oft braun gefĂ€rbten Lösung die SchwefelsĂ€ure durch Baryumchlorid gefĂ€llt).

B. Durch Titrimetrle.

1648. L Durch Freimachen des Schwefels in Form von Schwefelwasserstoff. Man verfÀhrt in der gleichen Weise, wie wir bei der Bestimmung der löslichen Sulfide durch dasselbe Mittel angegeben haben (§ 1639).

Dieses Verfahren ist nicht allgemein, sondern nur auf solche Metallsulfide anwendbar, welche durch SalzsĂ€ure oder SchwefelsĂ€ure mittlerer Concentration leicht und vollstĂ€ndig zerlegbar sind, also z. B. auf Ferrosulfid und Antimonsulfid und die auf nassem Wege dargestellten Sulfide des Mangans und Zinks. FĂŒr das Bleisulfid wird die Reaction durch Zugabe eines StĂŒckes Zink, welches das Blei des Bleichlorides fallt erleichtert**).

Z. anal. Ch, 10 (1871), 280; Z. angew. Ch. 1888. 376.

Meineke hat auch versucht, den Schwefel aus dem RĂŒckstaDde mit Schwefelkohlenstoff und nach Abrauchen des Lösungsmittels in elementarem Zustande zu bestimmen. Die Resultate fielen immer etwas zu niedrig aus. (Nicht veröffentlicht.)

Schwefelwasserstoff, Sulfide. Scheidungsverfahren. 427

1648 n. Duroh Kaliainpermaxiganat). Viele Metallsulfide, auch solche, welche von SÀuren nicht oder nur schwierig gelöst werden, werden durch Ferrisulfat entsprechend der Formel

M''S + + Fe.(SO,), + S zersetzt. Bestinmit man nun titrimetrisch das entstandene Ferrosulfat durch Kaliumpermanganat, so kann man aus diesem Ergebniss das zu bestimmende Sulfid berechnen (vergl. § 1620 a). Das Verfahren ist besonders zur Bestimmung der durch FÀllimg erhaltenen Sulfide des Zinks, Cadmiums. Bleis und Antimons empfohlen worden.

1649* III. Alkalimetrie '). Das Verfahren ist nur fĂŒr technische Analysen zu empfehlen; anwendbar ist es zur Bestimmung des Schwefels in den Sulfiden des Eisens und Kupfers (Kiese, besonders geröstete Kiese). Es besteht im Wesentlichen darin, dass man die sehr fein gepulverte Substanz mit einer Menge von Natrium-Carbonat oder lieber -Bicarbonat, deren alkalischer Werth genau bekannt ist, unter solchen UmstĂ€nden erhitzt, dass durch den Einfluss der Luft oder eines neutralen Oxydationsmittels (Cuprioxyd, Kaliumchlorat) der Schwefel vollstĂ€ndig in Alkalisulfat ĂŒbergenĂŒhrt wird:

FejjSj -f- 3 KClOs + 2 NaCO, 2 NaSO + FeOg + 3 KCl + 2 COg, oder:

4 FeS+ 8 NaHCOg H- 9 Og 2 FeOg + 4 Na2S04 8 COjj + 4 HgO.

Wie die Formeln ergeben, werden ein MolekĂŒl neutrales Carbonat bez. zwei MolekĂŒle Bicarbonat durch ein Atom Schwefel so zu sagen neutralisirt Nimmt man die Masse mit Wasser auf und bestimmt das ĂŒberschĂŒssige Alkalicarbonat alkalimetrisch, so erhĂ€lt man durch Differenz das Gewicht des durch Schwefel neutralisirten Alkalicarbonates, aus welchem man den Gehalt an Schwefel berechnen kann.

C Duroh Colorimetrie.

1649 Man verfahrt in der gleichen Weise, wie in §§ 1640 bez. 1641 angegeben wurde.

Scheidungsverfahren.

SchwefelwasBerstoff in IiÖBung.

1650. I-iegt der Schwefelwasserstoff in einer Lösung vor, so bestimmt

man ihn in einer Probe nach einem der angegebenen Verfahren; die ihn

begleitenden Stoffe werden, je nach dem gewÀhlten Verfahren, in derselben

oder in einer besonderen Probe, nöthigen Falls nach Entfernung des

Mohr-Classen: Uhrh, d, TĂŒrirmeth., 7. Aufl. (1896), S. 260; J. Hanus: Z. anorg, Ch. 17 (1898), 111.

Felonie: C. r. 58 (1861), 685; Kolb: /. dt pharm, et de chim, [4] 10 (1869), 401.

Watson:/. Soc.ofchem. 7 (1888), 305 ; Lunge: Z. angew. CA. 1889,239.

428 Schwefelwasserstoff, Sulfide.

Schwefelwasserstoffs, bestimmt. Der Schwefelwasserstoff kann entweder durch einfaches Kochen der FlĂŒssigkeit oder durch Einleiten eines Gasstromes (Wasserstoff, Luft oder besser KohlensĂ€ure) oder durch Oxydation mittels Chlor, Brom oder eines Ferrisalzes oder endlich durch FĂ€llen mittels eines Metallsalzes (Blei, Cadmium, Kupfer, Silber, Quecksilber) entfernt werden.

Schwefelwasserstoff in Gasgemischen.

1661 In einem Gasgemische mit Wasserstoff oder Sauerstoff kann der Schwefelwasserstoff nach einem beliebigen Verfahren bestimmt werden. Die anderen Gase werden nach Absorption des Schwefelwasserstoffs durch Kalihydrat bestimmt.

In einem Gemische mit Chlorwasserstoff kann der Schwefelwasserstoff ebenfalls nach irgend einem der angegebenen Verfahren bestimmt werden; der Chlorwasserstoff wird in der Art bestimmt, dass man erst beide Gase von reinem oder mit Wasserstoffsuperoxyd versetztem Kalihydrat absorbiren lÀsst, wodurch die Aufgabe zu einer Scheidung eines Alkalisulfides bezw. -Sulfates und eines Alkalichlorides umgestaltet wird.

Lösliches Sulfid und Chlorid.

1652 Vorbemerkungen. Nach R. Fresenius i) kann man Sulfide von Chloriden nicht genau in der Weise scheiden, dass man erstere durch ein Metallsalz fĂ€llt, weil der Metallsulfid-Niederschlag stets Chlor zurĂŒckhĂ€lt, ausgenommen, wenn die FĂ€llung durch ein Silbersalz in ammoniakalischer Lösung geschieht. Wir wollen noch bemerken, dass, ausser bei dem angegebenen Verfahren der SulfidfĂ€llung, bei keinem Verfahren die Anwesenheit des Chlorides der Sulfidbestimmung hinderlich ist

1653* I. Durch neutrales Silbemitrat. Man fÀllt Chlorid und Sulfid zusammen durch Silbemitrat, sammelt den Niederschlag auf einem gewogenen Filter und wÀgt ihn. Dann bestimmt man durch Oxydation (§ 1615), am besten mittels Brom, den Schwefel im Niederschlage und erhÀlt das Chlor durch Berechnung.

NatĂŒrlich kann man den Schwefel auch nach irgend einem anderen Verfahren in einer besonderen Probe bestimmen. Das Verfahren ist selten anwendbar, weil die zu analysirende Substanz nur ausnahmsweise von anderen Stoffen, welche durch Silbersalze unter den angegebenen Versuchsbedingungen fĂ€llbar sind, frei sein wird.

1654. II. Durch ammoniakalisohes Silbemitrat. Durch ammoniakalisches Silbemitrat wird nur das Sulfid gefÀllt, weil das Silberchlorid in einem Ammoniak -Ueberschusse löslich ist. In dem gesammelten Silbersulfid-Niederschlag bestimmt man den Schwefel (§§ 1615 u. 1616), wÀhrend das Chlorid in dem Filtrate durch AnsÀuern mit SalpetersÀure gefÀllt und als Silberchlorid bestimmt wird.

AnUit. z. quantit. ehern, Analyse, 6. Aufl., I. Bd. (1875), S. 666.

Scheiduogsverfahren. 429

1655 IIL Diiroh Wasserstofbuperozyd. Das Gemisch von Sulfid und Chlorid wird mit alkalischem Wasserstoffsuperoxyd bis zur vollstÀndigen Umwandlung des Sulfides in Sulfat behandelt (§ 1633) und letzteres alsdann vom Chloride geschieden (§ 1731).

1656* IV. Duroh Feirisnlftt. Das Sulfid wird in einer besonderen Probe bestimmt In einer anderen Probe wird zunÀ das Sulfid durch Behandeln mit Ferrisulfat imd SchwefelsÀure zersetzt, darauf der ausgeschiedene Schwefel durch Filtration entfernt und im Filtrate das Chlorid durch Silbemitrat bestimmt.

Sulfid und Hydrat in Lösung. 1657* Da die löslichen Sulfide auf alkalimetrische Lösungen wie Hydrate wirken, so kann man eine Scheidung erreichen, wenn man in einer Probe die GesammtalkalinitÀt und in einer anderen nach irgend einem Verfahren den Gehalt an Sulfid bestimmt Eine Berechnung ergiebt die Menge des Hydrates.

Schwefel der löslichen Sulfide und Metalle.

1658* Man bestimmt in einer Probe durch ein geeignetes Verfahren (siege § 1633) den Schwefel und in einer anderen Probe die Metalle, nachdem die Sulfide durch Abdampfen mit SalzsĂ€ure oder lieber SchwefelsĂ€ure in Chloride bez. in Sulfate ĂŒbergenĂŒhrt sind und der etwa ausgeschiedene Schwefel abfiltrirt ist

Sollte die filtrirte FlĂŒssigkeit in Folge kleiner Mengen Schwefel ein milchiges Aussehen haben, so kann man dieses durch etwas Brom zum Verschwinden bringen. Hierbei bilden sich SchwefelsĂ€ure und Bromid, so dass man die Metalle nun natĂŒrlich in Form von Sulfaten bestimmt

Unlösliches Sulfid und Fluorid*).

1659 Ein solches Gemisch kann in manchen Erzen vorkommen. Man bestimmt das Sulfid, ohne auf das Fluorid, welches nicht stört, RĂŒcksicht zu nehmen. In einer zweiten Probe bestimmt man dann das Fluor nach Schmelzen mit einem kieselsĂ€urehaltigen, alkalischen Oxydationsmittel, welches den Schwefel in Sulfat ĂŒberfĂŒhrt (§ 1582 ff.).

Das Aufschliessungsverfahren ist fĂŒr die Bestimmung des Fluors in den Schwefel enthaltenden Mineralien, z. B. den Blenden, deshalb nicht praktisch, weil, wegen hires schwachen Fluor-und gleichzeitig hohen Schwefel- Gehaltes, die zur Untersuchung nöthine Substanzprobe ziemlich gross sein muss.

Die Fluorbestimmungs -Verfahren, welche auf der Entwickelung von Siliciumfluorid beruhen, sind zwar praktischer, aber nicht sÀmmtlich

Siehe E.Frost n. F. Balthasar: Bull. Assoc, beige des chin. 13 (1899), 453; E.Prost: Z.angew. Ch. 1901, 292; F.Bullnheimer: Z, angew.Ch. VOl, 101.

430 Schwefelwasserstoff, Sulfide. ScheiduDgsverfahren.

direct ohne Modification anwendbar wegen der mit der Einwirkung des Sulfides aui die concentrirte SchwefelsÀure verbundenen Bildung von Schwefeldioxyd.

Prost und Balthasar) haben indess bei der Anwendung hires Verfahrens befriedigende, wenn auch ein wenig zu niedrige Resultate erhalten. Bullnheimer) andererseits hat das Fluor in den Blenden nach dem Fresenius* sehen Verfahren (§ 1583) und vornehmlich auch titrimetrisch nach Penfield (§ 1586) bestimmt, indem er dem Gemisch von fluorhaltiger Substanz und KieselsĂ€ure zur Vermeidung der Bildung von Schwefeldioxyd noch ChromsĂ€ure -Anhydrid zusetzte. Auf 2,5 gr Blende wendet er 3 — 5 gr KieselsĂ€ure, 20 gr ChromsĂ€ure -Anhydrid und 100 cc concentrirte SchwefelsĂ€ure an.

UnlöBliohas Sulfid und Chlorat. 1660 In einigen leicht entzĂŒndlichen Gemischen, so namentlich in den sog. FeuerwerkssĂ€tzen, trifft man oft Kaliumchlorat neben Antimonsulfid. Man scheidet beide durch Ausziehen des löslichen Chlorates mit Wasser. In der wĂ€ssrigen Lösung bestimmt man das Chlorat, wĂ€hrend das Sulfid entweder in dem unlöslichen RĂŒckstande oder auch in einer besonderen Probe bestimmt werden kann.

Schwefel der unlöslichen Sulfide und Metalle.

1661. Im Allgemeinen bietet diese Scheidung keine Schwierigkeiten. In der Regel bestimmt man den Schwefel in einer besonderen Probe nach einem Verfahren, welches der Natur der zu untersuchenden Substanz entsprechend zu wĂ€hlen ist. In den meisten FĂ€llen wĂ€hlt man Oxydation des Schwefels zu Sulfat auf nassem oder trockenem Wege, so dass die in Rede stehende Scheidung auf eine Scheidung von Schwefel- sĂ€ure und Metall hinauslĂ€uft (vergl. §§ 1732 — 1735).

Einen besonderen Fall wollen wir aber doch an dieser Stelle er- wÀhnen: es ist der, dass ein Oxydationsverfahren gewÀhlt wird, wenn die Substanz Blei enthÀlt.

Wenn man durch Schmelzung oxydirt (§ 1644), so muss man, nachdem die geschmolzene Masse mit Wasser behandelt ist, in die FlĂŒssigkeit einen KohlensĂ€urestrom einleiten, um das unter der Einwirkung des beim Schmelzen entstandenen Alkalioxydes in Lösung gegangene Blei zu fallen.

Bei der Oxydation auf nassem Wege (§ 1643) bildet sich Bleisulfat; dasselbe sammelt man auf einem Filter und behandelt es (sammy Filier in einem Becherglase) mit einer Lösung von Natriumbicarbonat: es bilden sich durch l'msetzung unlösliches Bleicarbonat und lösliches Natriumsulfat (siege § 948, Nr. 14); das Bleicarbonat wird abfiltrirt und das Filtrat, welches neben dem ĂŒberschĂŒssigen Natriumbicarbonat das

L. cit. L cit.

Eigenschaften der 431

Natriumsulfat enthÀlt, wird mit dem ersten, durch Filtration des Bleisulfats erhaltenen, sauren Filtrat vereinigt.

Oxydirt man die keine anderen Sulfide als Bleisulfid enthaltende Substanz durch rauchende SalpetersĂ€ure, so werden Blei und Schwefel quantitative in Bleisulfat ĂŒbergenĂŒhrt (siege § 1612, Nr. 3), welches direct gewogen werden kann.

Eigenschaften der Hyposuliite

1662 1. Die Hyposulfite leiten sich von der unrestÀndigen unterschwefligen SÀure, HgSjOg, ab, welche bis jetzt noch nicht isolirt worden ist (siege Nr. 2). Man bezeichnet sie auch mit dem Namen ThioschwefelsÀure und ihre Salze demgemÀss vielfach als Thiosulfate.

Sie sind an sich farblos und im Allgemeinen in Wasser löslich.

2*. Wenn man ein Hyposulfit mit verdĂŒnnter SalzsĂ€ure oder SchwefelsĂ€ure behandelt, so bildet sich unterschweflige SĂ€ure. In Folge ihrer UnbestĂ€ndigkeit zersetzt sie sich schnell*), indem sie in Schwefel, welcher sich milchig ausscheidet, Schwefeldioxyd und Wasser zerfĂ€llt:

NagSOy 2 HCl 2 NaCI H.SaOg, HjSjjOg S + SOg + HjO.

WĂ€rme begĂŒnstigt diese Zersetzung 3).

3. Baryumchlorid bildet in genĂŒgend concentrirten Lösungen der Hyposulfite langsam einen krystallinischen, perlmutterartig glĂ€nzenden, weissen Niederschlag von , welcher in kaltem Wasser wenig löslich ist*).

3a. Strontiumnitrat bildet in neutralen, nicht zu concentrirten Lösungen der Hyposulfite keinen Niederschlagt) (vergl. § 1674, Nr. 3a).

4*. Silbernitrat in massigem Ueberschusse ruft in Hyposulfit- lösungen einen weissen Niederschlag von Silberhyposulfit hervor: NagSoOg + 2 AgNOg AggSgOg + 2 NaNOg.

Wir ĂŒbergehen in unserer Darstellung die grosse Classe der ĂŒbrigen PolythionsĂ€uren, weil dieselben, obwohl von grossed theoretischen Interesse, fĂŒr die praktische Analyse doch nur untergeordnete Bedeutung besitzen. Wir verweisen, abgesehen von anderen Arbeiten, vorzugsweise auf die Abhandlungen von Kessler: Auszug aus der Inaug.-Dissert. „De acids polylhionicis" in Ann. 68 (1848), 231, und Ann. 74 (1848), 279.

Ueber die BestÀndigkeit der freien unterschwefiigen SÀure (ThioschwefelsÀure) vergl. Landolt: B. 16 (1883), 2958.

Ueber die Einwirkung von SalzsÀure und SchwefelsÀure siege W. Vaubel: B. 22 (1889), 1686.

1 Th. löst sich in 452 Th. Wasser von gewöhnlicher Temperatur (L. Furminieux: nicht verÖfFentlichter, 1893 im Laboratorium von Prof. De Koninck ausgefĂŒhater Versuch), in 480 Th. Wasser von 1S° C. nach Autenrieth und Windaus: Z. anal, Ch. 87 (1898), 290.

Siehe Autenrieth und Windaus: Z. anal. Ch. 87 (1898), 290.

432 Eigenschaften der HyposulĂŒte.

Das Silberhyposulfit ist unrestĂ€ndig und liefert bei BerĂŒhrung mit Wasser, besonders in der WĂ€rme, schwarzes Silbersulfid und SchwefelsĂ€ure (vergl. § 1674, Nr. 4):

AggSO + HgO AgS + H2SO4 ; in den Lösungen der Alkalihyposulfite, in Ammoniak und in Kalium- Cyanid ist das Silberhyposulfit leicht löslich.

5. Unter den gleichen UmstÀnden giebt Bleinitrat oder Bleiacetat einen weissen Niederschlag von Bleihyposulfit, welches bei Einwirkung von Wasser und eines Ueberschusses des Reagens nach lÀngerer Zeit in ein graues Gemisch von Bleisulfid und Bleisulfat zersetzt wird:

KjSjjOg + 2 KNOg + PbSOg, PbSjjOa + H2O + PbS + PbSO + 2 HNO3. Das Bleihyposulfit ist bestÀniger als das Silberhyposulfit; es ist, wie dieses, leicht in einem Ueberschusse von Alkalihyposulfit und, wie die meisten Bleisalze, in Alkalihydraten löslich.

6. M ang an o Chlorid giebt in Hyposulfitlösungen keinen Niederschlag. Ebenso verhÀlt sich Zinksulfat (Unterschieds-Reactionen der Sulfide).

— Die Hyposulfite sind energisch wirkende Reductionsmittel; die folgenden vier Reactionen (Nr. 7 — 10) fĂŒhren wir als Beispiele dafĂŒr an:

7*. Ferrichlorid fĂ€rbt ihre neutralen Lösungen vorĂŒbergehend violett, was zweifellos von dem gebildeten unrestĂ€ndigen Ferrihyposulfit herrĂŒhrt. Nach kurzer Zeit entfĂ€rbt sich die FlĂŒssigkeit in Folge der Reduction des Ferrisalzes zu Ferrosalz und trĂŒbt sich durch FĂ€llung von Schwefel, wenn Hyposulfit sich im Ueberschuss befindet.

8. Die Hyposulfite geben also mit einem Gemisch von Kalium- Ferriycanid und Ferrichlorid einen blauen Niederschlag.

9. Sie entfÀrben eine saure Lösung von Kaliumpermanganat. 10*. Sie werden in neutraler Lösung von Jod inTetrathionate

ĂŒbergenĂŒhrt:

2Na2S203 + J2 NaS.Oe + 2 NaJ; in alkalischer Lösung bildet sich auch Sulfat (siege Jodometrie). Sie ent- fÀrben daher JodstÀrke.

Ist die ursprĂŒngliche Lösung neutral, so ist auch die Tetrathionat-FlĂŒssigkeit neutral (vergl. § 1674, Nr. 8).

Das Baryumtetrathionat ist löslich; behandelt man daher eine Lösung von reinem mit Jod und dann mit Baryumchlorid, so erhÀlt man keinen Niederschlag (vergl. § 1674, Nr. 8).

Jodcyanid, in Jodwasserstoff gelöst, verhĂ€lt sich gegen Hyposulfite wie Jod; war aber das Jodcyanid in neutraler Kaliumjodidlösung gelöst, so bildet sich neben Tetrathionat auch Sulfat —

11. Chlor oder Brom, im Ueberschusse angewandt, fĂŒhren die Hyposulfite bei Gegenwart von Wasser in Sulfate ĂŒber:

Na2S203 -f 5 H2O + 4 Brj 2 NaHSO + 8 HBr. Ebenso verhÀlt sich Wasserstoffsuperoxyd in alkalischer Lösung.

Bestimmung der HyposolĂŒte. 433

Hypochlorit©, Hypobromite und Hypojodite oxydiren die Hyposulfite ebenfalls zu Sulfaten:

NaSjOs + 4 NaJO + HO 2 NaHSO + 4 NaJ.

12. Natriumnitroprussid fÀrbt die Hyposulfitlösungen nicht (vergl. § 1609, Nr. 7, u. § 1674, Nr. 12).

13*. Mit einem Alkalihydrate und Aluminium behandelt, geben die Hyposulfite Alkalisulfid); nach Einwirkung des Aluminiums fÀrben sie sich daher violett mit Natriumnitroprussid (vergl. § 1674, Nr. 11), wenn nicht zu viel Alkalihydrat vorhanden ist: 6 NajSgOg + 4 AI + 18 NaOH 6 NaSOj + 6 NaS + Na + 9 HjO.

14. Mit Zink und SalzsĂ€ure behandelt, entwickeln die Hyposulfite Schwefelwasserstoff, erkennbar an seinem GerĂŒche, an seiner Wirkung auf Papier, welches mit einer Bleisalzlösung befeuchtet ist, u. s. w. (§ 1608, Nr. 9, u. § 1673, Nr. 10).

15. Beim Erhitzen zersetzt sich das Natriumhyposulfit (das wichtigste von allen Hyposulfiten) und giebt Sulfat und Pentasulfid; letzteres fÀrbt das Product braun:

4 NajSaOg 3 NaSO + NaSg.

Bei genĂŒgend gesteigerter Temperatur giebt das Pentasulfid Schwefel ab.

16*. Am Platindrahte mit Natriumcarbonat im Reductionsfeuer erhitzt, geben die Hyposulfite, wie alle Schwefelverbindungeri, Alkalisulfid (Schwefelleber, Hepar).

17. Mit einem alkalisch oxydirenden Gemische geschmolzen, geben sie, ebenso wie alle Schwefelverbindungen, eine Masse, welche allen Schwefel als Alkalis ulfat enthÀlt.

1663 I- Duroh Oxydation. Man fĂŒhrt den Schwefel der Hyposulfite auf trocknem (§ 1598) oder auf nassem Wege (§ 1600) in SchwefelsĂ€ure bez. in Sulfat ĂŒber.

Die Oxydation auf nassem Wege kann man durch die verschiedenen frĂŒher angegebenen Mittel bewirken. Wendet man zu dieser Operation saure Reagentien an, so muss man das Hyposulfit nach und nach in das im Ueberschusse vorhandene Reagens bringen; bei umgekehrtem Verfahren wĂŒrde man Gefahr laufen, dass sich Schwefeldioxyd entwickelt

1664. II. Durch Silbemitrat. Man setzt zu der Hyposulfit- lösung verdĂŒnnte Silbemitratlösung im Ueberschuss und erwĂ€rmt auf dem Wasserbade. Die HĂ€lfte des Schwefels wird als Silbersulfid gefĂ€llt,

De Koninck: Z. anal Ch. 26 (1887), 26. 2) H. Schiff: Z. anal. Ch. 1 (1862), 443.

De Koninck - Meineke, Mineralanalyse. II, 28

welches man entweder als solches auf einem bei 100 Âź tarirten Filter wĂ€gt oder, was einfacher ist, durch Rösten in metallisches Silber ĂŒber- fĂŒhrt und dann als solches wĂ€gt. Man kann den Schwefel des Silbersulfides auch durch Oxydation, am besten mittels Brom, bestimmen.

1665* lU. Durch SalzsĂ€ure. Die verdĂŒnnte Lösung wird schwach mit SalzsĂ€ure angesĂ€uert und allmĂ€hlich zum Kochen erhitzt; die HĂ€lfte des Schwefels wird gefallt; man sammelt diesen Schwefel auf einem tarirten Filter und wĂ€gt ihn nach dem Trocknen. Dieses Verfahren ist offenbar weniger praktisch, als die beiden vorigen.

B. Durch Titrimetrie.

1666. L Durch Jodometrie. Dieses Verfahren ist die Umkehrung des zur Bestimmung des Jods benutzten Verfahrens (§ 1417).

Man setzt zur Hyposulfitlösung StĂ€rkelösung imd lĂ€sst in der KĂ€lte eine titrirte JodflĂŒssigkeit bis zur BlaufĂ€rbung einfliessen.

Zeigt die Hyposulfitlösung alkalische Reaction, so wendet man umgekehrte Titration an (§ 221), indem man die Hyposulfitlösung in eine bekannte Menge einer angesĂ€uerten Jodlösung fliessen lĂ€sst, oder RĂŒcktitration, indem man die Hyposulfitlösung in ĂŒberschĂŒssige, saure Jod- lösung giesst und den Ueberschuss durch Hyposulfit zurĂŒcktitrirt (vergl. §1676).

1667 IL Durch SĂŒbemitrat. Man kann die H3rposulfite auch in der Weise titriren, dass man ihre Lösung mit einer bekannten Menge Silbemitrat behandelt (vergl § 1662, Nr. 4) und, nach Filtration, den SilberĂŒberschuss durch Sulfocyanid oder in anderer Weise bestimmt (vergl. § 1638).

1668. IIL Durch Aoidimetrie. Man lÀsst auf das neutral Hyposulfit neutrales Wasserstoffsuperoxyd und ein abgemessenes Volumen titrirter Alkalihydratlösung einwirken:

NajSjjOg + 4 HgOj + nKOH NaSO + + 5 HO + (n - 2) KOH. Den Ueberschuss des Alkalihydrates titrirt man durch eine SĂ€ure zurĂŒck (Vergl. das Ă€hnliche Verfahren fĂŒr die Bestimmung des Schwefelwasserstoffes bez. der Sulfide §§ 1630 und 1639.)

Scheidungsverfahren. Hyposulfit und lösliches Sulfid.

1669. L Durch Cadmitimcarbonat. Die Lösung wird mit frisch gefĂ€lltem oder unter Wasser aufbewahrtem Cadmiumcarbonat behandelt und tĂŒchtig umgerĂŒhrt; den Niederschlag, welcher das aus dem lös- chen Sulfid gebildete Cadmiumsulfid enthĂ€lt, sammelt man und bestimmt in ihm den Schwefel.

Eliasberg: B. 19 (1886), 320. Die Anwesenheit eines Sulfites steht der Anwendung des Verfahrens nicht entgegen.

Hyposulfite. ScheiduDgsverfahren. 435

Das Filtrat enthÀlt das zu bestimmende Hyposulfit

Da dieses Filtrat, wenn Alkalisalze vorliegen, in Folge der Bildung von Alkalicarbonat stark alkalisch ist, so muss man, wenn man das Hyposulfit durch Jod direct bestimmen will, die FlĂŒssigkeit durch einen Zusatz von Calciumchlorid neutralisiren (vergl. § 1417).

EnthĂ€lt das zu bestimmende Sulfid ein Polysulfid, so wird der disponible Schwefel mit dem Cadmiumsulfid gefallt; behandelt man nun den Niederschlag mit SalzsĂ€ure, so wird der normale Schwefel in Form von Schwefelwasserstoff frei und der disponible Schwefel bleibt als RĂŒckstand.

Man kann also leicht den Schwefel in jedem seiner ZustÀnde, in welchem er vorhanden ist, bestimmen (§ 1642).

1670. U. Daroh Zinksul&t. Man bestinmit in einer Probe den Gesammt- Schwefel durch Oxydation.

Eine andere Probe behandelt man kalt mit neutralem Zinksulfat, wodurch nur das Sulfid gefĂ€llt wird (vergl. § 1662, Nr. 6). In der durch Filtration (partielle Filtration) vom Zinksulfide getrennten, neutralen FlĂŒssigkeit bestimmt man das Hyposulfit durch Jod.

Das Sulfid erhÀlt man indirect durch Rechnung.

Das Sulfid kann auch direct bestimmt werden, indem eine Substanzprobe, in Wasser gelöst, mit ammoniakalischer Silbemitratlö titrimetrisch behandelt wird, wie Lestelle) fĂŒr die Bestimmung der normalen Alkalisulfide angegeben hat.

Hyposulfit und Chlorid, Bromid oder Jodid.

1671* Da die Silberhalogenide in den Hyposulfiten löslich sind, kann man die Chloride, Bromide oder Jodide nicht direct durch Silbernitrat bestimmen.

Das beste Verfahren besteht darin, dass man zuerst das Hyposulfit durch ammoniakalisches Wasserstoffsuperoxyd in Sulfat ĂŒberfĂŒhrt und dann die Halogene mittels Silbemitrat bestimmt.

Das Hyposulfit bestimmt man am einfachsten in einer besonderen Probe durch Jod.

Untersohweflige SĂ€ure und Metalle.

1672 Man nimmt zwei Proben in Arbeit; in einer bestimmt man die unterschweflige SÀure, in der anderen die Metalle, entweder direct oder nachdem die Hyposulfite durch Kochen mit SalzsÀure oder durch Oxydation zersetzt sind.

436 Eigenschaflen des Schwefeldioxyds bez. der schwefligen SĂ€ure.

Eigenschaften des Schwefeldioxyds bez. der schwefligen SĂ€ure.

1673 1. Das Schwefeldioxyd (SchwefligsĂ€ure- Anhydrid) ist bei gewöhnlicher Temperatur ein farbloses Gas mit dem sauren und eigenthumlichen, erstickenden GerĂŒche verbrennenden Schwefels. Schwefeldioxyd ist etwa 2,2 mal schwerer als Luft.

Als unvollkommenes Gas (d. h. also als Dampf) ist es durch blouse Temperaturemiedrigung (auf ca. — 10 Âź) bei gewöhnlichem Druck oder durch blouse Druckerhöhung (auf ca. 3 Atm.) bei gewöhnlicher Temperatur zu einer farblosen FlĂŒssigkeit verdichtbar.

Es ist nicht brennbar und unterhÀlt auch nicht die Verbrennung kohlenstoffhaltiger Körper.

Dagegen vermag es Feuererscheinung zu liefern, wenn es mit gewissen Metalloxyden, z. B. Bleisuperoxyd, in der Hitze zusammentrifft, wobei chemische Reaction erfolgt:

PbO, + SO2 PbSO.

In kaltem Wasser ist es leicht löslich (bei 0 Ÿ 68 Vol., nach anderen Angaben fast 80 Vol.); in Alkohol ist die Löslichkeit etwa 3mal grösser. Die wÀssrige Lösung giebt beim Kochen nach xmd nach alles gelöste Gas ab.

2. Die Lösung des Schwefeldioxyds in Wasser kann als die Verbindung HgSOg, d. i. als schweflige SÀure, angesehen werden. Sie hat ausgesprochen saure Reaction; sie röthet Lakmus deutlich, wÀhrend trocknes Schwefeldioxyd auf Lakmus nicht einwirkt. Diese wÀssrige Lösung nimmt beim Stehen an der Luft sehr leicht Sauerstoff auf und wird dabei zu SchwefelsÀure oxydirt.

3*. Das Schwefeldioxyd wird energisch absorbirt von Alkalihydraten, von Kalkwasser — welches in Folge der relativen Lös- lichkeit des sich bildenden Calciumsulfites '-') und der grossen Löslichkeit des Bisulfites nicht getrĂŒbt wird — und von Barytwasser, in welchem sich ein weisser Niederschlag von in SalzsĂ€ure löslichem Bariumsulfit bildet:

+ SO2 BaSOg + HgO.

4*. Chlor, Brom und Jod fĂŒhren in Gegenwart von Wasser das Schwefel dioxyd in SchwefelsĂ€ure ĂŒber: S02+2H30+J,=H,SO, + 2HJ.

Das Schwefeldioxyd oder SchwefligsĂ€ure- Anhydrid wird oft kurzweg „schweflige SĂ€ure" genannt. Diese AbkĂŒrbung fĂŒr „SchwefligsĂ€ure - Anhydrid" hat in so fem etwas Richtiges, als SchwefligsĂ€ure - Anhydrid fast nie im trocknen Zustande — SO, — in Betracht kommt, sondern fast ausschliesslich bei Gegenwart von Wasser — das wĂ€re dann HSO, schweflige SĂ€ure — Anwendung findet. Bei der Formalirung der betreffenden Reactionen findet sich fast ebenso oft SOj -f- HO als HjSOg, selbst da, wo die wĂ€ssrige Lösung des SO, Verwendung findet, welche doch als die Verbindung KySOg angesehen wird (vergl. Nr. 2).

Calciumsulfit löst sich zwar nur in ca. 800 Th. Wasser; Kalkwasser ent- hÀlt aber nur etwa Calciumhydrat.

Eigenschaften des Schwefeldiozyds bez. der schwefligen SĂ€ure. 437

LÀsst man Schwefeldioxyd von einer Jodlösung absorbiren, so giebt daher das Product auf Zusatz von Baryumchlorid einen weissen Niederschlag von Baryumsulfat, welcher in SalzsÀure unlöslich ist).

JodstÀrke wird von schwefliger SÀure entfÀrbt.

5*. Ein mit einer Lösung von Kaliumjodat oder -Bijodat*) und StÀrkekleister getrÀnotes Papier wird durch schweflige. SÀure blau gefÀrbt; die Reaction mit dem Jodat vollzieht sich in zwei Phasen: KJ08 + 3SOj + 3H20 HJ + KHS04 + 2H2S04; 5 HJ + KJOs + H2SO4 KHSO4 + 3 HjO + 3 J.

Ist die schweflige SÀure im Ueberschusse vorhanden, so verschwindet die BlaufÀrbung (siege Nr. 4).

6. Schweflige SĂ€ure reducirt die Ferrisalze:

FeClß + HgSOg + H2O FeCl + PlSO + 2 HCl, folglich fĂ€rbt sie eine Mischung von Ferrichlorid imd Kalium-Ferricyanid blau.

7. Sie reducirt sofort Kaliumpermanganat: KgMnaOg + 5 SO + 2 HgO 2 KHSO + + HgSO.

7a. Sie reducirt ChromsÀure und Chromate, besonders leicht bei Gegenwart von SchwefelsÀure oder SalzsÀure: 2 CrOg + 3 S02.=

8. Mercuronitrat wird von schwefliger SÀure reducirt: Quecksilber wird gefÀllt. Ein mit der Lösung des Reagens getrÀnkter Papierstreifen wird daher in einer Luft, welche schweflige SÀure enthÀlt, grau*).

9. Schwefelwasserstoff und schweflige SÀure in Lösung reagiren auf einander: Schwefel wird gefÀllt (§ 1674, Nr. 2).

10. Wasserstoff in statu nascendi, z. B. aus Zink imd SalzsĂ€ure*), reducirt die schweflige SĂ€ure. Bei der Entwickelimg des Wasserstoffs giebt die schweflige SĂ€ure Schwefelwasserstoff, welchen man an seiner Einwirkung auf Bleipapier und besonders an seinem GerĂŒche erkennt:

SOg-f eHHgS+SHjjO.

Es ist anzurathen, zu dieser Reaction eine schwache Losung von Jod in Kaliumjodid zu benutzen , denn wenn man nur Jodwasser anwendet, so könnte dieses ebenfalls durch Chlor entfÀrbt werden und mit Barjnimchlorid einen Niederschlag von Baryumjodat geben, welcher mit dem Sulfate leicht zu verwechseln ist. Ist Jodid im Ueberschusse vorhanden, so kann sich keine JodsÀure bilden, und eine Verwechselung ist ausgeschlossen.

Das Reagens muss frei von Jodid sein; anderen Falles wĂŒrde es unter dem EinflĂŒsse einer jeden Substanz mit saurer Reaction blau werden (siege § 1524, Nr. 8). Im Bijodat kann kein Jodid vorhanden sein.

Nach L. Liebermann {B. 15 (1882), 440) entwickelt man den Wasserstoff besser aus Natriumamalgam statt aus Zink, da das Zink hÀufig Schwefel enthÀlt, so dass auch ohne Anwesenheit von SO, Schwefelwasserstoff entstehen kann. Magnesium giebt weder Schwefelwasserstoff noch Schwefel. (De Koninck.)

43ß Eigenschaften der Sulfite.

Der vorhandene Schwefelwasserstoff kann dann auf den Rest der schwefligen SĂ€ure reagiren (Nr. 9).

10 a, LĂ€sst man gewisse Metalle, z. B. Zink, Eisen, Zinn, Kupfer, auf die wĂ€ssrige Lösung des Schwefeldioyds einwirken, so wird eine WasserstoflFentwickelung zwar nicht sichtbar, jedoch entsteht auch hierbei Wasserstoff, welcher in statu nascendi die schweflige SĂ€ure zu der unrestĂ€ndigen hydroschwe fĂŒgen SĂ€ure reducirt, als deren Formel jetzt H2S2O4 angenommen wird (frĂŒher HjSOg).

11. Kupfer, mit SalzsÀure, welche schweflige SÀure enthÀlt, er- wÀrmt, bedeckt sich mit einem schwarzen Sulfid -Ueberzuge).

12. Auch durch Stannochlorid wird die schweflige SÀure reducirt (s. § 1132, Nr. 13).

Eigenschaften der Sulfite.

1674. 1. Die Sulfite leiten sich von der hypothetischen schwefligen SĂ€ure, HgSOg, ab. Dieselbe kann nicht isolirt werden; sie zersetzt sich in Wasser und ihr Anhydrid (s. Nr. 2).

Die Sulfite sind farblos, wenn sie kein fÀrbendes Metall enthalten; sie sind meist in Wasser löslich.

Die neutralen Sulfite sind geruchlos und reagiren alkalisch, die sauren Sulfite riechen nach SOj und reagiren sauer. Alle Sulfite werden ebenso wie die wĂ€sserige Lösung des Schwefeldioyds schon durch den Luft- Sauerstoff oxydirt imd in Sulfate ĂŒbergenĂŒhrt.

Andererseits werden die Sulfite erst beim ErwÀrmen mit Reductionsmitteln, z. B. mit Kohle, mit Metallen, im Wasserstoffstrom reducirt und zwar meist zu Sulfiden.

Beim ErwĂ€rmen der Sulfite — namentlich der Sulfit-Lösungen — mit Schwefel oder auch Sulfiden gehen die Sulfite in schwefelreichere Verbindungen, z. B. in Hyposulfite, ĂŒber.

2*. Nicht oxydirende SĂ€uren zersetzen die Sulfite unter Freimachung des Anhydrides SOji

NagSOg + 2 -- 2 NaHSO -f HgO + SO.

Sulfite in einer mit SalzsÀure angesÀuerten Lösung zeigen daher die im vorigen Paragraphen angegebenen Eigenschaften.

Wenn man ein Gemisch von Sulfit und Sulfid mit einer SĂ€ure behandelt, so bildet sich ein Niederschlag von Schwefel, denn schweflige SĂ€ure xmd Schwefelwasserstoff, welche beide gleichzeitig entstehen, reagiren auf einander.

Bemerkung. Eine Lösung, welche unter der Einwirkung einer SÀure einen Schwefelniederschlag giebt, kann daher enthalten: ein Poly-

H. Reinsch: Neues Jahrb. d. Pharm. 16 (1861), 277; R. Fresenius: Z, anal. Ch. 1 (1862), 22L

Eigenschaften der Sulfite. 439

Sulfid (§ 1611, Nr. 2), ein Hyposulfit (§ 1662, Nr. 2), ein Gemisch von Sulfid und Sulfit, oder endlich ein Sulfid und Substanzen, welche mit SÀuren einen Stoflf von leichter Oxydationskraft geben, der seinerseits Schwefelwasserstoff zu zersetzen vermag, wie z. B. Jod.

3. Baryumchlorid ruft in neutralen Sulfitlösungen einen weissen, pulvrigen Niederschlag von Baryimisulfit hervor, welcher in Wasser ebenso wie das Sulfat wenig löslich ist (1:46000): NagSOg + BaCl, 2 NaCl + BaSOg.

Dieser Niederschlag ist in SalzsÀure löslich.

3 a. Strontiumnitrat bildef selbst in sehr stark verdĂŒnnten, neutralen Lösungen der Sulfite einen weissen Niederschlag von Strontiumsulfit (löslich in ca. 30000 Th. Wasser, vergl. § 1662, Nr.

3b. Calciumchorid ruft ebenfalls in nicht zu verdĂŒnnten neutralen Sulfitlösungen einen weissen Niederschlag hervor.

4*. Silbernitrat bewirkt unter den gleichen Bedingungen in der

KÀlte einen weissen, kÀsigen Niederschlag von Silbersulfit. Durch

Kochen der Lösung, in welcher es suspendirt ist, wird das Silbersulfit in

graubraunes metallisches Silber umgewandelt (vergl. § 1662, Nr. 4):

AggSOg + HO 2 Ag + H,SO,.

Die gebildete SchwefelsÀure löst sogleich die ihr Àquivalente Menge des Silbersulfit-Niederschlages auf unter Bildung von löslichem Silbersulfat: AgSOg + HSO, AgSO, + SO, + HO.

Das Silbersulfit ist in einem Ueberschuss von Alkalisulfit löslich; in der WÀrme giebt diese Lösung einen Niederschlag von reducirtem Silber. Das Sulfit ist femer in SÀuren, Ammoniak u. s. w. löslich.

5. Bleinitrat giebt einen weissen, bestÀndigen Niederschlag von Bleisulfit

6. Manganochlorid fallt die Sulfite nicht Ebenso verhÀlt sich Zinksulfat (Unterschieds - Reactionen der Sulfide).

7*. Ferrichlorid, in neutraler und kalter Lö, fĂ€rbt die Sulfit- lösungen rothbraun; die FĂ€rbung rĂŒhrt vom Ferrisulfit her. In Gegenwart einer SĂ€ure verschwindet die FĂ€rbung schnell, wenn sie ĂŒberhaupt entstanden war; es wird alsdann das Ferrisalz unter Bildung von Sulfat in den Ferrozustand reducirt (§ 1673, Nr. 6):

NajSOg + FeClg + BO NaSO + FegCl + 2 HCl.

Ferri-Ferricyanid giebt also mit der sauren Lösung eines Sulfites einen blauen Niederschlag (§ 1673, Nr. 6).

8*. Jod fĂŒhrt in Gegenwart von Wasser die Sulfite in Sulfate ĂŒber: KjSOg + HgO -f Ja KSO, + 2HJ.

Die Lösimg giebt daher, nach dem Behandeln mit Jod, auf Zusatz von Baryumchlorid einen Niederschlag von Baryumsulfat, welcher in SÀuren unlöslich ist

') Autenrieth und Windaus: Z. anal. Ch. 37 (1898), 290.

440 Bestimmung der schwefligen Saure bez. des Schwefeldiozyds.

Es ist noch zu bemerken, dass die FlĂŒssigkeit in Folge der Reaction sauer wird (vergl. § 1662, Nr. 10).

9. Chlor und Brom verwandeln, in Gegenwart von Wasser, die Sulfite ebenfalls in Sulfate.

10. Ebenso fĂŒhrt Wasserstoffsuperoxyd in Gegenwart von Alkalihydrat oder von Ammoniak die Sulfite in Sulfate ĂŒber.

11. In Gegenwart eines Alkalihydrates werden die Sulfite durch Aluminium nicht verÀndert (vergl. § 1662, Nr. 13).

12*. In neutraler oder leicht mit Natriumbicarbonat versetzter Lösung geben die Alkalisulfite auf Zusatz von Natriumnitroprussid und von Zinksulfat eine rosa oder rothe FĂ€rbung; ein Zusatz einer sehr verdĂŒnnten Lösung von Kalium-F er ro Cyanid lĂ€sst die FĂ€rbung viel intensive hervortreten; es kann sich, wenn die Menge des Sulfites nicht zu gering ist, ein schön rother Niederschlag bĂŒden).

Ueber die Natur dieses rothen Productes ist Genaues nicht bekannt

Ist die Lösung sauer, so muss man sie mit Natriumbicarbonat neutralisiren; ist sie dagegen alkalisch, so sÀuert man sie zuerst Schwach mit EssigsÀure an und setzt dann Bicarbonat hindu, oder besser, man leitet in die alkalische Lösung einen KohlensÀurestrom.

13*. Im Reductionsfeuer mit Soda geschmolzen, geben die Sulfite Alkali sulfid, wie alle schwefelhaltigen Verbindungen (Hepar, Schwefelleber).

Sulfid entsteht auch, wenn man das Sulfit im geschlossenen Rohre mit wasserfreiem Natriumcarbonat und Magnesiumpulver erhitzt.

14*. Durch Schmelzen mit einem oxydirenden alkalischen Flusse geben die Sulfite Alkali sulfat.

Bestimmung der schwefligen SĂ€ure bez. des Schwefeldiozyds.

1. In Lösung. A. Durch WÀgung.

1675 Durch Oxydation. Man giesst die SulfitflĂŒssigkeit all- mĂ€hlich in Bromwasser, welchem man, um nicht ein zu grosses Volumen anwenden zu mĂŒssen, etwas ĂŒberschĂŒssiges Brom zusetzen kann.

Man kann auch eine Lösung von Brom in rauchender SalzsÀure, welche etwa 4-bis 5 mal mehr Brom als das Bromwasser enthÀlt, anwenden.

Hat man beide FlĂŒssigkeiten vermischt, so verjagt man das ĂŒberschĂŒssige Brom durch Kochen und bestimmt die SchwefelsĂ€ure (§ 1703).

Die Entfernung des Broms ist zwar nicht geboten, um genaue Resultate zu erhalten 2), aber recht empfehlenswerth wegen der BelĂ€stigungen bei der Filtration bromhaltiger FlĂŒssigkeiten.

Bödeer: Ann. 117 (1861), 193. Es entsteht offenbar auch Zink-Ferrocyanid (§ 657, Nr. 12).

Zur Oxydation der schwefligen SĂ€ure kann man sich sehr gut des ammoniakalischen Wasserstoflfsuperoxydes bedienen.

Da die schweflige SÀure in Lösung selten frei von SchwefelsÀure ist, so wird das Verfahren nur ausnahmsweise direct anwendbar sein.

B. Durch Titrimetrie.

167 6. I. Durch Jodometrie Die Reaction zwischen Jod und Schwefeldioxyd in Gegenwart von Wasser verlÀuft nach der Formel:

SO2 + 2H2O + J2-H3SO4 + 2HJ. Giesst man das Jod in die schweflige SÀure, so befindet sich Jodwasserstoff, welcher sich zimÀ bildet, neben einem Reste von schwefliger SÀure und kann diese, wenigstens theilweise und bei gewisser Concentration (mehr als 0,05% SOj), reduciren, entsprechend der Formel:

In Gegenwart eines Alkalibicarbonates findet diese Reduction nicht statt, weil die JodwasserstoffsÀure im Augenblicke hires Entstehens neutralisirt wird 2).

Die angegebene Nebenreaction wird aber auch vermieden, wenn man die schweflige SÀure zu dem im Ueberschusse vorhandenen Jod treten lÀsst.

Diese Ueberlegungen fĂŒhren zu folgenden Arten der AusfĂŒhrung des Verfahrens:

1. Directe Titration in Gegenwart eines Alkalibicarbonates. Man giesst die zu analysirende schweflige SÀure in die im Ueberschuss abgemessene Bicarbonatlösung, setzt dann StÀrkelösung hindu und titrirt mit Jod bis zum Auftreten der JodstÀrkereaction.

2. ZurĂŒcktitrirung mit Natriumhyposulfit. Man giesst die schweflige SĂ€ure allmĂ€hlich in im Ueberschuss abgemessene titrirte Jod- lösung und titrirt dann den Ueberschuss mit Hyposulfit zurĂŒck (§ 1417).

3. Umgekehrte Titration. Man fĂŒllt eine BĂŒbette mit der zu analysirenden Lösung der schwefligen SĂ€ure und lĂ€sst diese in ein abgemessenes Volumen einer titrirten Jodlösung einlaufen, bis die JodstĂ€rke, deren Bildung man zum Erkennen der Endreaction zuletzt durch

Bunsen: Ann. 86 (1853), 278; Rose-Finkencr: Handh. d. anal. Ch., II (1871), 937; Mohr: Z. anal. Ch. 12 (1873), 292; Volhard: Ann. 242 (1887), 93; G. Topf: Z. anal. Ch, 26 (1887), 281; A. Berg: Bull. Soc. ch. [3] 23 (1900), 499; Volhard: ebendas. 673.

Ueber die Reaction zwischen Jod und einem sauren SulĂŒte . die Ab handlung von Spring und Bourgeois: Bull. Soc. ch. [3] 6 (1891), 920. Siehe auch A. Berg: 1. cit.; Pechard: C. r. ISO (1900), 1188.

Dieses Verfahren giebt in der Regel ein etwas zu hohes Resultat, weil Bicarbonat mit Jod zur Bildung einer kleinen Menge Jodat Veranlassung giebt. Mit Monocarbonat kann der Fehler erheblich grösser werden (vergl. Topf; Z. anal. Ch, 26 (1887), 151).

442 Bestimmung der schwefligen SĂ€ure bez. des Schwefeloxyds.

Zusatz von Starkelösung hervorgerufen hat, genau entfĂ€rbt ist (siege hinsichtlich der Berechnung die allgemeinen in § 221 gegebenen GrundzĂŒge).

1677 n. Addinietrie. Man kann die schweflige SĂ€ure durch eine titrirte alkalische FlĂŒssigkeit genau titriren; von Wichtigkeit ist nur die Auswahl des Indicators. Mit Phenolphtalein vollzieht sich der Farbenwechsel, sobald die SĂ€ure vollstĂ€ndig gesĂ€ttigt ist, d. h. wenn das neutral Sulfit, z. B. KSOg, gebildet ist, wĂ€hrend mit Methylorange der Farbenumschlag im Augenblick der Bildung von Bisulfit, KHSOg, eintritt.

Lakmus giebt in diesem Falle keine befriedigenden Resultate i).

1678 in. Durch Ealiumohromate. Man mischt die zu analysirende schweflige SĂ€ure mit einem abgemessenen Volumen einer titrirten Lösung von Kalium -Chromat oder -Dichromat, welcher man SchwefelsĂ€ure zugesetzt hat Das Chromat wird reducirt und gleichzeitig wird das Sulfit in Sulfat ĂŒbergenĂŒhrt:

3 SO2 + KaCrjOy + 2 2 KHSO4 + + HO. Man titrirt nun den Ueberschuss des Reagens durch ein Ferrosalz (§§ 527 flf.) oder direct jodometrisch (§§ 531 f.) zurĂŒck.

Die ChromatflĂŒssigkeit bereitet man nach der directed Methode.

1679 IV. Dnroh Kaliumpermanganat. Man verfahrt wie bei der Chromat-Titration, d. h. man giesst die schweflige SĂ€ure in eine im Ueberschuss abgemessene, titrirte Permanganatlösung und bestimmt den Ueberschuss durch irgend eins der Mittel, welche wir frĂŒher kennen gelernt haben.

a. In gasf5rmiccm Zustande. A. Durch WĂ€gunff.

1680. Durch Absorption und Oxydation. Man lĂ€sst das Gas in einen Waschapparat (siege § 1623) treten, welcher entweder eine reine Lösung von Alkalihydrat oder eine oxydirende FlĂŒssigkeit enthĂ€lt

Im ersteren Falle verfĂ€hrt man wie bei der Bestinunung eines Sulfites, d. h. man fuhrt das gebildete Alkalisulfit durch Chlor oder Brom oder durch Kochen mit Wasserstoffsuperoxyd in Sulfat ĂŒber und bestimmt dieses.

Als directed Oxydationsmittel kann man Brom, ammoniakalisches Wasserstoffsuperoxyd, Kaliumpermanganat oder ChromsĂ€ure anwenden. Letztere ist hier am wenigsten zu empfehlen. Der Versuch wird zu Ende gefĂŒhrt, wie bei der Bestimmung des Schwefelwasserstoffes angegeben ist (§ 1623).

B. Durch Titrimetrie.

1681 L Dnroh Jodometiie. Das Verfahren lÀsst sich, falls man mit einem Gasgemisch zu thun hat (Röstgase), in zweierlei Formen kleiden:

') G. LuDge: Z. angew, Ch. 1895, 22L

2. In gasförmigem Zustande. 443

1. Man leitet ein abgemessenes Volumen des Gases in Wasser, welchem man eine bekannte Menge Jod zugesetzt hat; dann bestinmit man den JodĂŒberschuss durch Hyposulfit.

2. Mittels eines Aspirators saugt man das zu analysirende Gas durch Wasser, welchem man eine bekannte Menge Jod und etwas StÀrkelösung zugesetzt hat; sobald die Farbe der JodstÀrke eben verschwunden ist, hört man mit der Zuleitung des Gases auf).

Man benutzt zu diesem Versuche einen Aspirator, welcher eine genaue Messung des durch die Jodlösung hindurchgesaugten Gasvolumens gestattet.

Wenn V dieses Volumen und v das Volumen des Schwefeldioxyds bezeichnet, welches dem Jod entspricht, beide auf 0 und 760 Tni Druck berechnet, so ist V + v das Gesanmitvolumen des dem Ver-suche

unterworfenen Gases, und der Procentgehalt an SO ist: 100 -37 .

V +v

168 2. II. Durch Addimetrie. Man lĂ€sst das Gas von einem im Ueberschuss abgemessenen Volumen einer titrirten Alkalihydratlösung, welcher man einen geeigneten Indicator (§ 1677) zugesetzt hat, absorbiren und titrirt den Alkalihydrat -Ueberschuss durch eine alkalimetrische FlĂŒssigkeit zurĂŒck.

1683. UI. Durch ein Alkalichromat. Man leitet das Gas durch eine Lösung, welche eine ĂŒberschĂŒssige bekannte Menge eines Alkalichromates enthĂ€lt, und titrirt den Chromat-Ueberschuss jodometrisch oder durch ein Ferrosalz zurĂŒck (§ 1678).

1684. IV. Durch Kaliumpermaiiganat. Man wendet das in § 1679 angegebene Verfahren an in Verbindung mit den durch den Gaszustand gebotenen Modificationen, welche in § 1681 angegeben sind.

C. Durch GaBometrie.

1685. Durch Absorption). Die Absorption des Schwefeldioxyds lĂ€sst sich durch eine Lösung von Alkalihydrat, Jod, ChromsĂ€ure oder Permanganat bewerkstelligen, ferner durch Kugeln, welche aus einem Gemische von Gips imd Mangansuperoxyd geformt und mit Phosphor- sĂ€ure getrĂ€nkt sind 3) (der Gips soll nur als Bindemittel fĂŒr die Absorptionsmasse dienen).

Wegen der Löslichkeit des Schwefeldioxyds in Wasser muss man ĂŒber Quecksilber arbeiten.

F. Reich hat fĂŒr diese Bestimmang einen praktischen Apparat vorgeschlagen, welcher bei technischen Analysen Anwendung findet. In dem schon oft citirten Werke von Winkler: Anleitung zur ehem. Untersuchung der Industriegase findet man das Verfahren mit allen Einzelheiten, welche wir glauben hier ĂŒbergehen zu dĂŒrfen, beschrieben.

') Ueber die Einzelheiten schlage man in Specialwerken nach.

Bestimmung der Sulfite. A. Durch WĂ€gung.

1686. I. Durch djrecte Oxydation. Man fĂŒhrt das Sulfit in Sulfat ĂŒber, entweder auf nassem Wege mittels Chlor, Brom oder Wasserstoffsuperoxyd, oder auf trocknem Wege durch Schmelzen mit einem alkalischen, oxydirenden Flussmittel, als welches, ausser Gemischen von einem Carbonate mit einem Nitrate oder Chlorate eines Alkalimetalles, das Natriumsuperoxyd (§ 1599) sehr geeignet ist. Dann bestimmt man das Sulfat (§ 1703).

1687 II. Durch Destillation. Das Sulfit wird mit Wasser in einen Destillirapparat gebracht, welcher einerseits mit einer eine alkalische oder oxydirende Lösung enthaltenden Vorlage, andererseits mit einem Apparate zur Entwickelung von KohlensÀure in Verbindimg steht. Durch letzteres Gas verdeÀngt man die Luft vollstÀndig, lÀsst dann in den Destillirkolben SalzsÀure in massigem Ueberschuss fliessen und erhitzt ziun Kochen, ohne das Durchleiten von KohlensÀure zu unterbrechen. Das in der Vorlage aufgefangene Schwefeldioxyd wird als SchwefelsÀure bestimmt (§ 1680).

Die KohlensÀure kann auch durch einen Wasserdampfstrom ersetzt werden.

B. Durch Titrimetrie.

1688. I. Directe Titrirung durch Jod. Ist das Sulfit löslich, so setzt man zur Lösung ein Alkalibicarbonat und titrirt mit Jod unter Anwendung von StÀrkelösung als Indicator. Ist das Sulfit in Wasser unlöslich, so zerlegt man es durch Kochen mit Natriumcarbonat, filtrirt und bestimmt im Filtrate das gebildete Natriumsulfit.

1689* IL Durch Destillation und ZurĂŒcktitrirung. Man destillirt, wie oben (§ 1687) angegeben ist. Das Schwefeldioxyd fĂ€ngt man in einer bekannten ĂŒberschĂŒssigen Menge Jodlösung auf und bestimmt den JodĂŒberschuss durch Hyposulfit. WĂ€hrend der Destillation muss man die Vorlage kĂŒhlen, damit kein Jod verflĂŒchtigt wird.

1690 IIL Durch Ealiumchromate. Man oxydirt das Sulfit durch eine im Ueberschuss abgemessene Menge einer titrirten Lösung von Kaliumchromat oder Kaliumdichromat (§ 528), sĂ€uert mit SchwefelsĂ€ure oder SalzsĂ€ure an und bestimmt den ChromatĂŒberschuss durch ems der frĂŒher beschriebenen Mittel (§§ 527 ff.).

An Stelle eines Chromates kann man auch Kaliumpermanganat anwenden (§1679).

Scheidungsverfahren.

1691 Bemerkung. Die Scheidung des Schwefeldioxyds in Lösung ist ebenso wie die der Sulfite (siege unten) zu bewirken; wir wollen zu-

Schwefeldioxyd, Sulfite. Scheidmigsverfahren. 445

nÀ besonders den Fall, dass Schwefeldioxyd aus Gasgemengen zu scheiden ist, ins Auge fassen.

Bohwefeldiozyd und ChlorwaBserBtoffl 1692 Das praktischste Verfahren besteht in getrennten Bestimmungen des Schwefeldioxyds durch Jod (§ 1681) und des Chlorwasserstoffes durch Silbemitrat Zu letzterer Bestimmung durch Silbemitrat benutzt man die FlĂŒssigkeit, welche man durch Absorption der sauren Gase durch eine Kalihydratlösung erhĂ€lt

Sohwefeldioxyd und WaBserdampfl

1693 Man bestimmt das Schwefeldioxyd und den Wasserdampf zusammen in einer Probe durch directe WÀgung, indem man das Gasgemisch in einem gewogenen Apparate, welcher Natronkalk und Calciumchlorid enthÀlt, zur Absorption bringt. In einer zweiten Probe bestimmt man das Schwefeldioxyd allein durch Jod.

Gasometrisch kann man so verfahren, dass man zuerst den Wasserdampf durch Kugeln von Calciumchlorid (nach Bunsen) und dann das Schwefeldioxyd durch Kugeln von Mangansuperoxyd (§ 1685) absorbiren lÀsst.

Bohwefeldioxyd und Sauerstoffl

1694. Nachdem man beide Gase durch Kaliumpyrogallat oder durch die alkalische Lösung eines Ferrosalzes und eines Alkalitartrats (§ 1360) hat absorbiren lassen und das Schwefeldioxyd fĂŒr sich durch Jod bestimmt hat, erhĂ€lt man den Sauerstoff durch Differenz.

Man kann das Schwefeldioxyd auch gasometrisch durch Mangansuperoxyd bestimmen.

Sulfit und HypoBulfit

1695 I. Btiroh Silbemitrat Man behandelt das Lösungsgemisch mit Silbemitrat so, als wĂ€re reines Hyposulfit zu bestimmen (§ 1664). Der gebildete Niederschlag besteht aus Silber, Silbersulfit und Silbersulfid. Durch Waschen mit Ammoniak entzieht man ihm das Silbersulfit; in dem RĂŒckstande bestimmt man alsdann den Schwefel durch Oxydation und erhĂ€lt durch Rechnung die Menge des Hyposulfits.

In einer zweiten Probe bestimmt man den Gesammt-Schwefel durch Oxydation und findet nun durch Rechnung die Sulfitmenge.

1696. IL Indireot durch Jodometrie Wie bei dem vorigen Verfahren bestimmt man den Gesammt-Schwefel durch Oxydation.

In einer besonderen Probe ermittelt man, wie bei einer Sulfitbestinunung, die Jodmenge, welche mit dem Gemische in Reaction treten kann.

') J. Grossmann: Z. anal. Ch. 18 (1879), 79.

446 Schwefeldiozyd, Sulfite. ScheidongSTerfahren.

Aus den Resultaten beider Versuche kann man zwei Gleichungen aufstellen, welche nöthig sind, um die zwei Unbekannten zu ennitteln, welche durch die Aufgabe gefunden werden sollen (§ 291).

1697 IIL Durch StrontiiunMdB und Jodometiie). Das Verfahren beruht auf der Schwerlöslichkeit des Strontiumsulfits in Wasser (1 : 30 000). Man bestimmt in einer Probe die Menge Jod, welche vom Sulfit und vom Hyposulfit zusammen beansprucht wird. In einer zweiten Probe bewirkt man durch Strontiunmitrat Bildung und FĂ€llung des fast unlöslichen Strontiumsulfits und verdĂŒnnt auf ein bestimmtes Volumen, z. B. auf 100 cc. Das Filtrat enthĂ€lt alles Thiosulfat (Hyposulfit), welches man, nach partieller Filtration durch ein trocknes Filter, in einem aliquoten Theile jodometrisch bestimmt.

Hatte man zu den beiden titrimetrischen Bestinmiungen gleiche Mengen der zu untersuchenden Substanz angewandt, so giebt die Differenz der bei beiden Versuchen verbrauchten Volumina der titrirten Jodlösung dasjenige Volumen der letzteren, welche vom Sulfit allein beansprucht worden war.

Nach den Verfassern ist eine Correction fĂŒr die bei dem zweiten Versuche in Lösung gebliebene Menge Sulfit anzuempfehlen. Sie entspricht, wenn man auf 100 cc verdĂŒnnt hatte, fĂŒr jede 10 cc des Filtrates 0,04 cc Yi0 normaler Jodlösung, welche von dem verbrauchten Volumen der Jodlösung abzuziehen sind. Hatte man mit einer Jodlösung von einer anderen Concentration gearbeitet, so ist natĂŒrlich eine Umrechnung erforderlich.

Sulfit und lÖBlioheB Sulfid. 1698 Man kann die Sulfite und Sulfide durch dieselben Verfahren scheiden, welche man zur Scheidung der Sulfide und Hyposulfite anwendet: entweder mittels Cadmiumcarbonat oder durch Zinksalz (§§ 1669 u. 1670).

Bemerkung. In Gegenwart von Sulfit können keine Polysulfide vorhanden sein, denn diese bilden mit den Sulfiten Hyposulfite: NaSg + NaSOg NajS + NaSgOg.

Sulfit und Chlorid, Bromid oder Jodid.

1699* Man verfÀhrt wie bei der Scheidung der Hyposulfite von denselben Halogenverbindungen (§ 1671).

Man kann auch in einer Probe das Sulfit bestimmen und in einer zweiten das Chlorid (weniger gut das Bromid und gar nicht das Jodid) durch Silbernitrat, nachdem man das Sulfit durch reines Ferrisulfat in saurer Lösung in Sulfat ĂŒbergenĂŒhrt hat 2).

') W. Autenrieth und Windans: Z. anal. Ch. 87 (1898), 290.

-) Mit Vortheil könnte man wohl anstatt Ferrisullat auch Kalilauge und

Eigenschaften der Sulfate. 447

Schweflige S&ure und Hetalle. 1700* Man bestimmt die schweflige SĂ€ure direct oder nach FĂ€llung der Metalle durch Natriumcarbonat. Die Metalle werden dann in einer zweiten Probe entweder direct, wenn die Gegenwart von Sulfit nicht hinderlich ist, oder nachdem man die Sulfite durch Oxydation in Sulfate oder durch Abdampfen mit SalzsĂ€ure in Chloride ĂŒbergenĂŒhrt hat, bestimmt.

Eigenschaften der Sulfate.

1701 1. Die SchwefelsÀure, HSO, ist eine sehr energische SÀure; sie bildet neutral und saure Salze.

Die sauren Sulfate des Kaliums und des Natriums haben intensiv saure Reaction; durch Erhitzen verlieren sie Wasser und gehen in Di- Sulfate (Pyrosulfate) ĂŒber:

2 KHSO4 KjSjOt + H,0. Bei noch höhere Temperatur werden die Disulfate in neutrales Sulfat und in SchwefelsÀure- Anhydrid, welches entweicht, zerlegt: K,S407=K,S04 + S08.

Die SchwefelsÀure siedet bei 330 ihr Dampf ist weiss, dicht und wirkt stark reizend.

Beim Kochen einer verdĂŒnnten SchwefelsĂ€ure wird keine SĂ€ure verdampft. Auf dem Wasserbad wird die SchwefelsĂ€ure nicht verflĂŒchtigt.

Die von fÀrbenden Metallen freien Sulfate sind farblos.

2*. Bary um Chlorid und alle anderen löslichen Baryumsalze rufen in Sulfatlösimgen einen weissen Niederschlag von Baryumsulfat (siege § 482, Nr. 9) hervor, welcher auf Zusatz von Wasser oder einer ver- dĂŒnnten SĂ€ure nicht verschwindet

Diese Eigenschaft unterscheidet die Sulfate von allen anderen Salzen von welchen in diesem Buche die Rede ist.

Das Barytunsulfat erfordert zu seiner Lösung mehr als 400 000 Th. reines oder schwach mit SalzsĂ€ure angesĂ€uertes Wasser; in stark salzsauren FlĂŒssigkeiten, ferner in Gegenwart mancher Salzlösungen ist es etwas leichter löslich (vergl. § 482, Nr. 9); aber auch in solchen FlĂŒssigkeiten werden durch einen ĂŒeberschuss von Baryumchlorid die Sulfate vollstĂ€ndig gefallt i). Concentrirte SchwefelsĂ€ure löst das Baryumsulfat beim Erhitzen ziemlich leicht.

Wasserstoffsuperoxyd anwenden, dessen Üeberschuss vor dem AnsĂ€uern und FĂ€llen mit Silbemitrat durch Kochen zersetzt wird.

Dieses Verfahren wĂ€re fĂŒr Chlorid, Bromid und Jodid anwendbar, wahrend dasjenige mit Ferrisulfat nur fĂŒr Chlorid (und allenfalls fĂŒr Bromid) Anwendung finden kann.

Vergl. R. Fresenius und E. Hintz: Z. anal. Ch. 85 (1896), 170; F. W. KĂŒster: Z. anorg. Ch. 12 (1896), 261.

448 Eigenschaften der Sulfate.

Mit Baryumsulfat darf man nicht den Niederschlag verwechseln, welcher entsteht, wenn eine Lösung von Baryumchlorid oder Barjiimnitrat in concentrirte SalzsÀure oder SalpetersÀure gegossen wird; dieser krystallinische Niederschlag ist Baryumchlorid bez. Baryumnitrat, welche beide in den betreffenden concentrirten SÀuren unlöslich sind). Auf Zusatz von Wasser verschwinden diese NiederschlÀge, wÀhrend der amorph aussehende Sulfatniederschlag bestehen bleibt

Behandelt man eine wÀssrige Lösung von Baryumacetat mit Aluminiumsulfat 2) oder die alkoholische Lösung desselben Salzes mit Schwefel- sÀure so fÀllt das Baryumsulfat in gelatinösem, colloidalem Zustande aus.

3. Giesst man eine concentrirte Lösung von Silbernitrat in eine ebenfalls concentrirte und kate Lösung eines Sulfates, so kann ein weisser, krystallinischer Niederschlag von Silbersulfat entstehen: denn dieses Salz ist erst in etwa 200 Th. kalten Wassers löslich.

Unter den UmstĂ€nden, welche gewöhnlich bei Analysen vorliegen, hat man die Ausscheidung dieses Niederschlages nicht zu befĂŒrchten.

4. Bleinitrat und Bleiacetat geben eine weniger sichere Reaction auf Sulfate als die Baryumsalze, weil das Bleisulfat in SÀuren löslicher ist als Baryumsulfat (§ 948, Nr. 14).

In neutralen oder schwach sauren Lösungen entsteht ein weisser Niederschlag von Bleisulfat.

5. Mercuronitrat giebt in der KÀlte ebenfalls einen weissen Niederschlag; er ist schwach lösliches Mercurosulfat Durch ErwÀrmen wird er zersetzt.

6. Die Sulfate sind sehr bestÀndige Salze; im allgemeinen sind oxydirende Reagentien und ebenso Reductionsmittel auf nassem Wege ohne Einwirkung auf sie.

Es giebt jedoch eine Ausnahme: durch concentrirte Jodwasserstoff sĂ€ure im Ueberschuss werden gelöste Sulfate in Jodide ĂŒbergenĂŒhrt, wĂ€hrend der Schwefel in Schwefelwasserstoff umgewandelt wird).

7*. Alle Sulfate, auch Bar}-umsulfat, geben beim Erhitzen im Reductionsfeuer mit Natriumcarbonat Natriumsulfid (Schwefelleber); ebenso werden sie mehr oder weniger vollstÀndig zu Sulfid reducirt, wenn man sie allein im Reductionsfeuer oder im Wasserstoflfstrom bei höhere Temperatur oder im geschlossenen Rohre mit Magnesiumpulver und Natriumcarbonat erhitzt.

8*. Durch Schmelzen mit einem Alkalicarbonate werden alle Sulfate zersetzt und geben eine Masse, welche Alkalisulfat enthÀlt: BaSO + Na2C03 NaSC -f BaCOg.

Hume, citirt von Accum im Jahre 1818.

Bamberger und Benedikt: Monatsh. Ch. 12 (1891), 1.

Aufsachung von Sulfiden, Hyposolfiten etc. in einem Gemische.

Aufsuchxing von Sulfiden, H3n;>08ulfiten, Sulfiten und Sulfaten der Alkalimetelle in einem Gemische).

1702. Nachdem man in einer kleinen Menge der Substanz die Anwesenheit von Sulfid durch Natriumnitropnissid festgestellt hat, behandelt man den Rest der Lösung mit Cadmiumcarbonat) im Ueberschusse; nach genĂŒgender Digestion entfernt man durch Filtration das entstandene Cadmiumsulfid und den Ueberschuss des Reagens. Hinter- lĂ€sst der gut ausgewaschene Niederschlag beim Behandeln mit SalzsĂ€ure einen RĂŒckstand von Schwefel, so rĂŒhrt dieser von einem Polysulfide her, welches ĂŒbrigens schon durch die Farbe der ursprĂŒnglichen Lösung angezeigt sein wird. Das Filtrat theilt man in zwei oder drei Theile.

Den einen Theil behandelt man mit einem KohlensĂ€urestrom, um das Alkalicarbonat, welches durch die Einwirkung des Cadmiumcarbonates auf das Sulfid entstanden ist, in Bicarbonat ĂŒberzufĂŒhren; dann sucht man durch Natriumnitropnissid und Zinksulfat das Sulfit auf (§ 1674, Nr. 12). Die Gegenwart eines Polysulfides schliesst das Vorhandensein von Alkalisulfiten aus. — Einen zweiten Theil benutzt man zur Aufsuchung von Hypo Sulfit durch Aluminium und Natronlauge oder einfach durch SalzsĂ€ure, welche einen Niederschlag von Schwefel bewirkt. — Zur Aufsuchimg von Sulfat behandelt man einen weiteren Theil der Lösung in der WĂ€rme und bei Luftabschluss mit SalzsĂ€ure, indem man ihn bis zur vollstĂ€ndigen Entfernung der vom Sulfit oder Hyposulfit stammenden schwefligen SĂ€ure kocht, dann den gegebenen Falles ge- fĂ€llten Schwefel entfernt und das Filtrat mit Baryumchlorid prĂŒft.

BegnĂŒgt man sich fĂŒr die Aufsuchung von Hyposulfit mit dem Salz- sĂ€ure-Verfahren, so kann diese Aufsuchung und diejenige der Sulfate mit derselben Probe vorgenommen werden 3).

1703* Durch Baryumflalze. Die massig verdĂŒnnte Lösung, welche, wenn sie nicht schon sauer ist, mit SalzsĂ€ure schwach ange- sĂ€uert wird, wird zum Kochen erhitzt; ohne dieses zu unterbrechen, giesst man nach und nach eine ebenfalls kochende Lösung von Baryumchlorid hindu, vermeidet aber einen erheblichen Ueberschuss davon. Die immerhin erforderliche, kleine Menge eines Ueberschusses des FĂ€llungsmittels wĂ€ mit der Menge der vorhandenen SalzsĂ€ure.

') Kynaston: Quart. J. ehern, See. U (1858), 155.

Das Cadmiumcarbonat muss von seioer Bereitung an unter Wasser aufbewahrt werden, wenn es mit gelösten Sulfiden eine gute Reaction geben soll.

P. Browning und ÂŁ. Howe haben eine andere, nach unserer Meinung weniger empfehlenswcrthe Methode beschrieben {Stil. Am. J. [4] 6 (1898), 317; Z. anorg. Ch. 18 (1898), 377).

Siehe $§ 1712 ff. das auf die Bestimmung der kĂ€uflichen Schwefelsaure BesĂŒgliche.

De Koninck-Memeke, Mineralanalyae. 11. 29

Der unter diesen Bedingungen erhaltene Niederschlag ist kömig und setzt sich schnell ab, und sein Auswaschen, welches mit heissem Wasser geschehen muss, bietet keine Schwierigkeiten. Man beginner aber mit dem Filtriren erst nach einiger Zeit, frĂŒhestens nach vollstĂ€ndigem Erkalten der FlĂŒssigkeit 1).

Nimmt man die FĂ€llung in der KĂ€lte vor, so befindet sich der Niederschlag in einem Zustande ausnehmend feiner Vertheilung; er geht dann leicht durch die Filterporen und steigt beim Auswaschen lĂ€ngs der Trichterwand hoch ĂŒber das Filter*).

Nach dem Trocknen entfernt man den Niederschlag möglichst vom Filter und verascht dieses bei niedriger Temperatur, wobei man den Zutritt der Luft begĂŒnstigt, um einer Reduction des Baryumsulfates zu Baryumsulfid möglichst vorzubeugen; nachdem man die Asche mit dem Niederschlage vereinigt hat, erhitzt man das Ganze zum RothglĂŒhen und wĂ€gt.

Es gelingt nicht immer, ja, man kann wohl sagen, es ist eine Ausnahme, dass man nach diesem einfachsten Verfahren wirklich exacte Resultate erhÀlt; und dann ist es in der Regel ein Werk des Zufalls, wodurch sich zwei in entgegengesetzter Richtung wirkende Fehlerquellen ausgleichen. Diese beiden Fehlerquellen sind:

1. Verunreinigung des Niederschlages durch mitgerissene fremde Salze ;

2. Reduction des Baryumsulfates durch die Filterkohle zu sulfid*).

Das Baryumsulfat ist selbst nach dem oben angegebenen Verfahren der FÀ der heissen Sulfatlösung durch allmÀhlii:hen Zusatz einer heissen Lösung von Baryumchlorid unter thunlichster Vermeidung eines Ueberschusses nicht ganz frei von fremden Baryumsalzen zu erhalten. Ferner resist der Niederschlag aus kaliumhaltigen Sulfatlösungen stets mehr oder weniger erhebliche Mengen von Kaliumsalzen mit sich.

Andererseits ist eine theil weise Reduction des Baryumsalzes beim EinĂ€schern der Filterasche nicht zu vermeiden; das entstandene Baryumsulfid wird auch durch Rösten nicht vollstĂ€ndig wieder in Sulfat ĂŒbergenĂŒhrt. Das Vorhandensein von Baryumsulfid ist leicht an dem GerĂŒche nach Schwefelwasserstoff, welcher beim Uebergiessen der Filterasche mit

Siehe R. Fresenius: Z. anal. Ch. 19 (1880), 56.

Durch AnweseDheit mancher Salze scheint das kalt gefĂ€llte Baryumsolfat diese unangenehmen Eigenschaften zu verlieren. In diesem Sinne scheinen z. B. Tetrathionate und Amrooniumchlorid zu wirken. (Nicht veröffentlichte, aber auch nicht genĂŒgend bearbeitete Versuche von Meineke und von Ripper; vergl. § 482, Nr. 9.)

Vergl. hierĂŒber: H.Rose: Pogg, Ann,Z (1861), 627; A. Mitschcrlich: J.prakt. Ch, 88 (1861), 456; R. Fresenius: Z. anal. Ch. 8 (1870), 52; BrĂŒgelmann: Z. anal, Ch. 16 (1877), 19; Th. W. Richards und H. G. Parker: Z. anorg. Ch. 8 (1895), 413.

A. Durch WĂ€gimg. 451

verdĂŒnnter SalzsĂ€ure frei wird, zu erkennen. Die Menge des sich bildenden Baryumsulfides ist, wie leicht erklĂ€rlich, grösser, wenn man das Filter verascht, ohne den Niederschlag abgetrennt zu haben.

EnthĂ€lt die Sulfatlösung Nitrate, Chlorate u. s. w., so gelingt es nie, einen Niederschlag zu erhalten, dessen Gewicht der Menge des zu bestimmenden Sulfates entspricht: man wird letzteres stets zu hoch finden. Diesen Fall, der verhĂ€ltnissmĂ€ssig nicht oft vorkonunt, wollen wir weiter unten besprechen, nachdem wir zunĂ€ den Fall berĂŒcksichtigen, dass die Sulfatlösung an fremden Substanzen Chloride, auch wohl Acetate und Kaliumverbindungen enthielt, und dass der geglĂŒhte Niederschlag durch Kaliumund Baryumchlorid, welche durch Auswaschen nicht zu entfernen waren, und durch Baryumsulfid venmreinigt ist.

Es ist klar, dass man eine Reinigung des GlĂŒhproductes nicht durch Auskochen mit heissem Wasser vornehmen kann, weil dieses wohl die beiden erstgenannten Salze, gleichzeitig aber auch Baryumsulfid entfernen und vomit ein zu niedriges Resultat veranlassen wĂŒrde.

Wollte man das GlĂŒproduct durch Behandeln mit SchwefelsĂ€ure reinigen, um das Baryiunsulfid in Sulfat ĂŒberzufĂŒhren, so wĂŒrde man gleichzeitig auch das vorhandene Baryiunchlorid in Sulfat umwandeln, und das Resultat wĂŒrde zu hoch ausfallen.

M. Ripper) hat daher das folgende Verfahren vorgeschlagen, nach welchem man den Niederschlag ohne Gefahr direct mit dem Filter rösten kann. Man setzt zu dem GlĂŒhproducte tropfenweise Bromwasser, bis dasselbe seine gelbe Farbe nicht mehr verliert, und fĂŒhrt hierdurch das Baryumsulfid in Sulfat ĂŒber. Dann setzt man einige Cubikcentimeter destillirtes Wasser hindu und erwĂ€rmt auf dem Wasserbade, bis der Brom- ĂŒberschuss verjagt ist; nach Zusatz von 1 oder 2 Tropfen SalzsĂ€ure fĂ€hrt man noch einige Zeit (10 Minuten) mit dem ErwĂ€rmen fort. Alsdann filtrirt man und wĂ€ gut mit heissem Wasser aus. Schliesslich wird die saure FlĂŒssigkeit durch ein kleines Filter gegossen, der Niederschlag im Tiegel mit heissem Wasser durch Decantation einige Male ausgewaschen, das ausgewaschene kleine Filter in den Tiegel zurĂŒckgebracht, getrocknet und verascht. Nach Befeuchten mit einem Tropfen Bromwasser oder verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure wird geglĂŒht und hierauf gewogen.

Sind in der zu fallenden Sulfatlösung gewisse Verbindungen, namentlich Chlorate oder Nitrate, vorhanden, so gelingt es, wie schon oben gesagt, auch nach dem soeben beschriebenen Verfahren nicht, ein genĂŒgend reines GlĂŒproduct zu erhalten. Wenn möglich, wird man dafĂŒr Sorge tragen, dass diese schĂ€dlichen Substanzen vor der FĂ€llung zestört oder in irgend einer anderen Weise entfernt werden; ist das aus irgend einem Grimde nicht ausfĂŒhrbar, so muss man zur Reinigung des Niederschlages ein anderes Verfahren anwenden. Am besten erreicht man das ge- wĂŒnschte Ziel wohl in folgender Weise: Man schmilzt den geglĂŒhten

29

Niederschlag mit der vier-bis fĂŒnffachen Menge Natriumcarbonat und erhĂ€lt das Gemisch 15 bis 20 Minuten im Fluss. Die geschmolzene Masse entfernt man aus dem Tiegel, behandelt sie in einer Platinschale mit Wasser und einer reichlichen Menge SalzsĂ€ure, fĂŒgt zwei Tropfen Baryumchlorid hindu und dampft auf dem Wasserbade fast zur Trockne ein; dann befeuchtet man den RĂŒckstand mit concentrirter SalzsĂ€ure, nimmt mit heissem Wasser auf und filtrirt.

In technischen Betrieben sind hĂ€ufig Sulfatbestimmungen in derselben Art von Substanz auszufĂŒhren, bei welchen es genĂŒgt, ein an- nĂ€hernd genaues Resultat, aber dieses möglichst schnell zu erhalten. FĂŒr diesen Zweck und speciell fĂŒr die Bestimmung der SchwefelsĂ€ure in fĂŒr den Handel bestimmter SalzsĂ€ure ist in Vorschlag gebracht, das gefĂ€llte Baryumsulfat nicht zu wĂ€gen, sondern sein scheinbares Volumen zu ermitteln) (vergl. § 74).

B. Barch Titrimetrie.

1 704. Im Allgemeinen beruhen die titrimetrischen Verfahren, welche wir anfĂŒhren werden, wie das gewichtsanalytische Verfahren auf einer FĂ€llung durch ein Baryumsalz. Die Anwendung von Bleisalzen zu gleichem Zwecke ist wiederholt versucht*); wir werden auch ein auf der FĂ€llung durch Bleinitrat beruhendes Verfahren anfĂŒhren, es hat abw nur wenig Anklang gefunden.

1706. I. Durch Baryumohlorid. Direote Titrirmig). Man lÀsst in saure und kochende Sulfatlösung so lange eine titrirte Lösung von Baryumchlorid fiiessen, bis sich ein Niederschlag nicht mehr bildet So einfach und genau das Verfahren auch erscheint, praktisch hat es sich nicht bewÀhrt, weil die Endreaction zu schwer zu erkennen ist

FĂŒr die Bestimmung kleiner Sulfatmengen, z. B. in TrinkwĂ€stern, ist seine Anwendung in der Form, welche wir „Reihentitrirung" genannt haben (§ 222), in Vorschlag gebracht*).

Bisweilen will man nur erfahren, dass die Menge vorhandenen Sulfats eine gewisse Höhe nicht ĂŒbersteigt, z. B. bei Weinanalysen; in diesem Falle setzt man zu einer bestimmten Menge der FlĂŒssigkeit so viel titrirte Baryumchlorid-Lösung, als dem zulĂ€ssigen Maximum genau entspricht, lĂ€sst abklĂ€ren und versucht, ob in der klaren FlĂŒssigkeit durch einen weiteren Zusatz des Reagens noch ein Niederschlag entsteht

Die titrirte Lösung von Baryumchlorid wird nach der directed

Vergl. Levol: Bull, de la Soc. Encouragement 1858, 220.

Gay-Lussac: Ann. de eh. et de phys, 89 (1828), 337; Wildenstein: Z, anal. Ck. 1 (1862), 432; BrĂŒgelmann: das. 16 (1877), 19; vergl. auch Th. W. Richards und H. G. Parker: Z. anorg. Ch, 8 (1895), 413.

MĂŒller: B. 3 (1870), 881; Houzeau: C. r. 87 (1878), 109.

B. Durch Titrimetric. 453

Methode bereitet; das krystallisirte, abzuwÀgende Salz entspricht der Formel BaCl, 2 HO.

1706. II. Durdh Baryumohloxid. Znr&oktitrimzig. Man giebt zu der Sulfatlösung titrirte Baryumchlorid-Lösung im Ueberschuss und ermittelt den Ueberschuss durch eine titrirte Losung von Kaliumchromat) (siege § 489). Man könnte diesem Verfahren auch die Form des folgenden geben.

Liegt ein genau neutrales Alkalisulfat vor, so kann man den Ueberschuss an Baryumchlorid auch mittels einer titrirten Lösung von Natriumcarbonat, unter Benutzung von Phenolphtalein als Indicator, bestimmen: sobald alles Baryum gefallt ist, fÀrbt sich die Lösung roth).

1707* III. Durch Bleinitrat ZurĂŒcktitrirung. Ein dem vorigen ganz analoges Verfahren besteht darin, dass man das Sulfat durch eine bekannte Menge von Bleinitrat fallt, dem Filtrate des entstandenen Bleisulfats eine dem angewandten Bleinitrate genau Ă€quivalente Menge Kaliumchromat zusetzt und dann den Ueberschuss von Kaliumchromat bestimmt, welcher, wie die folgenden Formeln zeigen, dem zu bestimmenden Sulfate genau Ă€quivalent ist:

NaSO + n PMNOj) 2 NaNOg -f PbSO + (n-1) PbCNOa), (n-1) PMNOg) + n KjCrO (n-1) PbCrO + 2 (n-1) KNOg + KgCrO.

H. Schwarz, von weichem dieses Verfahren herrĂŒhrt, titrirte das Kaliumchromat durch ein Ferrosalz zurĂŒck (§§ 527 ff.); natĂŒrlich kann man auch die anderen Mittel, welche wir kennen gelernt haben, z. B. das jodometrische Verfahren, anwenden.

1 708. IV. Duroh SĂŒbemitrat. Das Verfahren besteht darin, dass man das Sulfat in Chlorid umwandelt und dieses durch titrirtes Silbemitrat bestimmt Es ist nur auf nicht saure Alkalisulfate (und natĂŒrlich nur bei Abwesenheit von Chloriden) anwendbar. Die Umwandlung in Chlorid fĂŒhrt man durch Behandeln des Sulfates mit Barvumchlorid in geringem Ueberschusse aus: KgSO + X BaClg 2 KCl + BaSOj + (x— 1) BaClj.

Den Ueberschuss von Baryumsalz fallt man unmittelbar darauf durch Ammoniumcarbonat:

BaClg + (NHJ2CO3 BaCOg + 2 NHCl. entfernt durch Filtration das Sulfat und das Carbonat des Baryums, dampft zur Trockne ein und verjagt das Ammoniumchlorid durch GlĂŒhen*).

Das Verfahren ist zu umstÀndlich und langwierig, um praktisch zu sein, auch ist seine Genauigkeit nicht zweifellos. Um es auf saure Sulfate und auf Sulfate von Schwermetallen anwenden zu können, muss man die Substanz vorher mit Natriumcarbonat behandeln.

Siehe Hempel: Z. anal. CA. 14 (1875), 17; Wildenstein: das. 1 (1862), 323.

Sidersky: Mon. sc. de QuesnevĂŒU [4] 2 (1888), 1132; Gawalowski: Z. anal. Ch. 27 (1888), 725.

NachtrÀge zur prakt. Anleitung zu Maassanalysen (1853), S. 34.

1709. V. Duroh Baryamchromat). Das Verfahren beruht auf folgender Reaction:

Der Ueberschuss von Baryumchromat wird mit dem Sulfate durch Filtration entfernt und das lösliche Chromat, dessen Menge derjenigen des zu bestimmenden Sulfates Àquivalent ist, wird jodometrisch oder in anderer Weise bestimmt

Da sich das feste Baryumchromat mit dem Sulfate nur langsam und vielleicht unvollstĂ€ndig umsetzen wĂŒrde, so wendet man es in Salz- sĂ€ure gelöst an und neutralisirt alsdann. Die Lösung bereitet man, indem man im Ueberschuss bemessenes Chromat mit NormalsalzsĂ€ure digerirt (Andrews); sie enthĂ€lt 2 bis 4Yq Chromat*).

Es ist selbstverstÀndlich, dass das Baryumchromat rein, namentlich von fremden Baryumsalzen und löslichen Chromaten frei sein muss.

Zur AusfĂŒhrung des Verfahrens verdĂŒnnt man die Sulfatlösung so, dass sie nicht mehr als 2/q SOg enthĂ€lt, neutralisirt sie annĂ€hernd und erhitzt sie zum Kochen; dann setzt man nach und nach Baryumchromatlösung hindu, bis ein Ueberschuss davon vorhanden ist, und lĂ€sst noch einige Zeit kochen. Zu der heissen FlĂŒssigkeit setzt man Calciumcarbonat, welches von Sulfat und Salzen des Baryums und Strontiums frei sein muss, bis die Entwickelung von KohlensĂ€ure aufhört, und unterhĂ€lt das Kochen noch eine bis zwei Minuten.

Nun entfernt man das Baryumsulfat nebst dem im Ueberschuss zugesetzten Baryumchromat und Calciumcarbonat durch Filtration der noch heissen FlĂŒssigkeit und wĂ€ den Niederschlag aus, bis das Waschwasser farblos ablĂ€uft.

Zu dem Filtrate setzt man Kaliumjodid und fĂŒr 100 cc FlĂŒssigkeit 5 — 7 cc rauchende SalzsĂ€ure und titrirt schliesslich das ausgeschiedene Jod mit Hyposulfit (§ 531).

An Stelle von Calciumcarbonat kann man zur Neutralisation auch Ammoniak anwenden; man setzt von diesem Reagens einen geringen Ueberschuss hindu, welchen man durch Kochen entfernt. In Gegenwart

') H. Quantin: C. r. 103 (1886), 402; Bull. Soc. eh. [3] 1 (1889), 21; Launcelot W. Andrews: Am. eh. J. U (1889), 567. SpÀter ist das Verfahren von einigen Autoren nochmals erfunden worden, z. B. Stolle: Z. angew. Ch. 1882, 234; Farnsteiner: Ch.-Z. 16 (1892), 182. Aelter als alle diese Veröffentlichungen ist diejenige von H. Schwarz {NachtrÀge zur prakt. Anleitung zu Mcuissanalysen (1853), S. 33); aber seine Versuche, bei welchen er zur Neutralisation Ammoniak anwandte, gaben ihm keine genauen Resultate, weshalb er das Verfahren verliess imd durch ein complicirteres ersetzte.

Nach von Asboth kCh.-Z, 16 (1892), 922) ist die Losung von Baryumchromat in SalzsĂ€ure, welche Stolle vorgeschlagen hat, in Folge einer Bildung von Chromichlorid schneller VerĂ€nderung unterworfen, so dass ein nach fĂŒnf Tagen ausgefĂŒhater Versuch ein um 45 7© falsches Resultat gab. Es ist noch zu prĂŒfen, ob sich die nach Andrews bereitete Lösung ebenso verhĂ€lt; das wird von der Starke der SĂ€ure abhĂ€ngen, vielleicht ist auch das Sonnenlicht von Einfluss.

C. Durch Gasometrie. 455

von Eisen, Nickel pder Zink verdient das Ammoniak den Vorzug; denn wenn man in diesem Falle Calciumcarbonat verwenden wĂŒrde, so wĂŒrden basische Chromate des Eisens, Nickels oder Zinks gefĂ€llt, wodurch das Resultat falsch werden mĂŒsste.

Statt zu filtriren und auszuwaschen kann man auch, nach FĂ€llung in einem geaichten Kolben, das Chromat in einem aliquoten Theile der durch Absitzen des Niederschlages geklĂ€rten oder unter Anwendung partieller Filtration filtrirten FlĂŒssigkeit bestimmen.

1710. VI. Duroh indireote Alkalimetrie. Dieses Verfahren ist dem vorigen analog. Man neutralisirt die Sulfatlösung, welche nur Alkalisalze enthalten darf, ganz genau mit einem Alkali-Carbonate oder -Hydrate; dann lĂ€sst man nach einander unter UmrĂŒhren eine titrirte Baryumchloridlösung im Ueberschuss und ein genau gleiches Volumen einer genau Ă€quivalenten Lösung von Natriumcarbonat hinzufliessen; der sich vollziehende Vorgang ergiebt sich aus folgenden Formeln: X NaSO + m BaClg x BaSO + 2x NaCl + (m— x) BaClg ; (m— x) BaCl + m NaCOg (m— x) BaCOg + x) NaCl + x NaCOg.

Nachdem Baryumcarbonat und Baryumsulfat durch Filtration entfernt sind, enthÀlt das Filtrat diejenige Menge Natriumcarbonat, welche genau der Menge des angewandten Sulfates entspricht. Man bestimmt diese Menge alkalimetrisch mittels einer titrirten Lösung von Schwefeloder SalzsÀure (§§328 u. 329).

Die Lösungen von Barj'umchlorid und Natriumcarbonat werden nach der directed Methode bereitet. Es ist nicht erforderlich, dass ihre Titer genau bekannt sind: aber sie mĂŒssen einander genau, Volumen fĂŒr Volumen, entsprechen. UnumgĂ€nglich nöthig ist daher, dass man sich durch einen besonderen Versuch davon ĂŒberzeugt, dass gleiche Volumina von ihnen zusammengemischt ein neutrales und durch einige Tropfen SchwefelsĂ€ure sich nicht trĂŒbends Filtrat geben.

C. Duroh Gasometrie. 1 7 1 1 Durch Vermittelung von Wasserstofbuperoxyd). Dieses interessante Verfahren ist noch wenig geprĂŒft und ĂŒber seinen Werth gehen die Meinungen aus einander. Die massig saure Sulfatlösung bringt man in einen geaichten Kolben von 100 cc, fallt sie durch eine salzsaure Lösung von Barumchromat (siege § 1709), lĂ€sst eine hale Stunde absitzen und fĂŒgt so viel Wasser hindu, dass das Volumen auf etwa 90 cc kommt; nun setzt man Ammoniak bis zur schwach alkalischen Reaction hindu und fĂŒllt mit Wasser zu 100 cc auf. Nach partieller Filtration entninunt man 25 oder 50 cc des Filtrates, sĂ€uert sie mit 10 cc ver- dĂŒnnter SchwefelsĂ€ure (1 Volumen SĂ€ure auf 5 Volumen Wasser) an und bestimmt das Chromat gasometrisch durch Wasserstoffsuperoxyd (§ 541).

n A. Baumann: Z. angew. Ch, 1891, 139 u. 450; Marchlewski: das. 392.

456 Bestimmung der SchwefelBĂ€ure.

Bestimmung der SchwefelsÀure.

1712. Alle im Vorstehenden angegebenen Verfahren zur Be Stimmung der Sulfate können auch auf die Bestimmung der Schwefel- sĂ€ure angewandt werden. Vorzugsweise benutzt man aber fĂŒr diese, sowie ĂŒberhaupt fĂŒr die im Handel vorkommenden SĂ€uren, die titrimetrischen und densimetrischen Verfahren, ohne indessen die Gewichtsanalyse auszuschliessen (vergl. §§ 1451 ff.)

A. Buroh WĂ€gung.

1713. I. Durch BleioxycL Man tarirt eine Schale, welche fein verriebenes und frisch ausgeglĂŒhtes Bleioxyd im Ueberschuss ent- hĂ€lt, lĂ€sst die zu analysirende SĂ€ure hineinfliessen und dampft zur Trockne: dann spĂŒlt man die Schalenwand mit Wasser ab, um die eventuell auf ihr haften gebliebene SĂ€ure nĂŒt dem Oxyde zu vereinigen, dampft nochmals zur Trockne, glĂŒht massig imd wĂ€gt:

PbO + HjSO PbSO + HgO.

Die Gewichtszunahme ergiebt das Gewicht des SchwefelsÀureanhydrides, welches der vorhanden gewesenen SÀuremenge entspricht.

Das Verfahren ist sehr genau und kann zur Bestimmung des Titers einer alkalimetrisch zu benutzenden SchwefelsÀure (§ 328) angewandt werden.

1714. II. Durch Natriumcarbonat. Thorpe) benutzt ein auf demselben Principe beruhendes, aber weniger praktisches Verfahren. Kr wendet wasserfreies Natriumcarbonat an:

NajCOg + HjjSO NajSO + CO + HO. Die Gewichtszunahme, welche der Differenz der MolekĂŒlgewichte von NaCOg und NaSO entspricht, ist der Menge der SchwefelsĂ€ure proportional und gestattet die Berechnung der letzteren.

1715. IIL Durch Ammoniak). Man bringt eine abgemessene Menge der SÀure in eine tarirte Schale, oder besser in einen tarirlen, kleinen, leichten Kolben mit weitem und ganz kurzem Halse, welcher einen sehr leichten, eingeschliflfenen Stopfen trÀgt (sog. Glycerinkölbchen), setzt Ammoniak hindu, gerade bis zur alkalischen Reaction, und dampft alsdann zur Trockne. Das Product ist neutrales und wasserfreies Ammoniumsulfat, welches man im Luftbade auf 100 erhitzt und nach dem Erkalten wÀgt.

Das angewandte Ammoniak muss sehr rein sein.

Quantitative chemical Analysis, 2. Ed. (London 1877), S. 135.

Weinig: Z. angels, CA. 1802, 204; Eckenroth: Pharm. Z, 87 (1892), 317. De Koninck hat das Verfahren gelegentlich der Titrirung einer alktdimetriscfaeo Losung geprĂŒft (§ 328) und einfach und genau gefunden. Siehe auch Schaffgotsch. Pogg. Ann, 108 (1859), 64, und C. G. Hopkins: /. Am, eh. Soc, 28 a901), 127.

Bestimmimg der Schwefelsaure.

B. Durch Titrimetrie.

1716 Dnroli Addimetrie. Man wĂ€gt oder misst eine geeignete Menge der zu prĂŒfender SĂ€ure ab und lĂ€sst sie (wenn die SĂ€ure Concentrin und ganz besonders, wenn sie rauchend ist), mit Vorsicht) in Wasser fliessen; dann bestimmt man sie acidimetrisch, am besten mit einer Lösung von Kalihydrat (§ 344). Man kann alle Indicatoren anwenden; gewöhnlich benutzt man Phenolphtalem.

Die acidimetrische FlĂŒssigkeit soll man nicht zu schwach wĂ€hlen, etwa Yjo normal, oder, wenn man Methylorange als Indicator wĂ€hlt, normal.

C. Durch Densimetrie.

1717. Es giebt verschiedene Tabellen, welche die specifischen Gewichte von Gemischen von SchwefelsÀure und Wasser und den entsprechenden HSO- Gehalt dieser Gemische angeben. Die neueste ist von Lunge und Tsler) berechnet; wir geben aus ihr einen kurzen Auszug.

Specif.

Specif.

H,So,

Specif.

H,So,

Specif.

H,So,

Gew.

Gew.

Vo

Gew.

7o

Gew.

Vo

U6

Ueber 1,82 verÀndert sich die Dichte der SÀure zu wenig, als dass man von ihrer Bestimmimg zur Analyse der SÀure Nutzen ziehen könnte. Bei sehr hohen Concentrationen tritt die Erscheinung auf, welche wir auch hinsichtlich der EssigsÀure kennen gelernt haben (vergl. § 272): das Maximum des specifischen Gewichtes liegt nicht bei der reinen 100% igen SÀure, sondern bei der SÀure von 97,70% (sp. G. 1,8415).

Die SÀure von 99,95 7o diejenige von 94,80 % label dasselbe specifische Gewicht: 1,8885 (vergl. § 272).

Siehe C!.Winklcr:A-a>&/. VeöunenmderMaassanafyse,2.AvLf[.(lS9S),S.5ßf.

Z, angew. Ch. 1880, 133; Z. anal. Ch. 29 (1890), 669. Spec. Gewicht der SĂ€ure bei 15° bezogen auf Wasser von als Einheit; die Gewichte auf Luftleere reducirt. Vergl. ĂŒber die von Lunge und Isler angegebenen Werthe H. Droop- S.auchS. V. Pickering: CA. lu. 811.

Scheidungsverfahren. SehwefelsÀure und Sulfat.

1718. I- Dnroh Alkohol). Man dampft die FlĂŒssigkeit, welche das Gemisch von freier SĂ€ure und Sulfat enthĂ€lt, auf dem Wasserhade ab; der mit absolute Alkohol aufgenommene RĂŒckstand giebt ein Filtrat, welches die freie SĂ€ure enthĂ€lt; die Sulfate sollen angelöst bleiben.

1719. IL Acidimetrie. Nachdem man die Gesanmitmenge SO3 bestimmt hat, titrirt man eine neue Probe acidimetrisch; man erhÀlt so die Menge der freien SÀure und kann aus der Differenz das Sulfat berechnen.

1720* Bemerkang. Die Gegenwart von Schwermetallen, deren Salze saure Reaction haben und durch Wasser mehr oder weniger zersetzt werden, femer von Alkalimetallen, welche saure Salze bilden, endlich die Gegenwart von anderen Salzen als Sulfate und von anderen SÀuren als SchwefelsÀure macht die Lösung der Aufgabe oft ganz oder fast unmöglich 2).

SchwefelsÀure und SchwefelsÀure- Anhydrid ').

1721 Dieser Fall kommt nur bei der Analyse der kÀuflichen rauchenden SchwefelsÀure vor. Die Lösung der Aufgabe wird complicirter, wenn das Product ausserdem noch schweflige SÀure enthÀlt, was ge- wöhnlich der Fall ist

In Abwesenheit der letzteren bestinmit man die Gesammtmenge von SO3, am besten und genauesten acidimetrisch, und erhÀlt das Wasser aus der Differenz; dann berechnet man aus diesem die entsprechende Menge fljSO und findet schliesslich die Menge SO3 wiederum durch Differenz.

In Gegenwart von schwefliger SĂ€ure, oder richtiger ausgedrĂŒckt, was in diesem Falle von besonderer Wichtigkeit fĂŒr die Berechnung ist, von SchwefligsĂ€ure- Anhydrid, bestimmt man dieses durch einen besonderen Versuch (§ 1723) und stellt die gefundene Menge in die Rechnung ein.

Sulfate und Sulfite. 1722 Man zerlegt das Sulfit, indem man die Lösung bei Luftabschluss mit SalzsÀure behandelt und unter Zuleitung eines Kohlen-

') Die Lösung der Aufgabe ist oft von grosser Wichtigkeit bei der Analyse von Producten der chemischen Industrie. Ueber die Verfahren zur Bestimmung der freien SchwefelsĂ€ure in Aluminiumsulfat ist eine kritische Zusammenstellung in Z. anal. Ch. 29 (1890), 73 gegeben; siege auch G. Lunge und H. von Keler: Z angew. Ch. 1894,672; ĂŒber Analyse des kĂ€uflichen Natriumsulfates vergl. De Koninck: R. univ. d. M. [1] 85 (1874), 366 u. 89 (1876), 394; ĂŒber die Analyse des Essigs ist AusfĂŒhrlicheres in den HandbĂŒchern der technischen Analyse nachzuschlagen.

G. Lunge: Z angew. Ch. 1896, 221. Ueber die Analyse der rauchendeo SchwefelsÀure und des SchwefelsÀure -Anhydrids siege auch Rosenlecher: Z. anaL Ch. 87 (1898), 209; ferner Cl. VVinkler: Prakt. Uebungen in der Maassanalyse, 2. Aufl. (1898), S. 56 f.

sĂ€iirestromes kocht, bis die DĂ€mpfe JodstĂ€rke nicht mehr entfĂ€rben. In dem Destillate kann man die schweflige SĂ€ure und im RĂŒckstande die SchwefelsĂ€ure bestimmen.

Statt der Zerlegung durch SalzsÀure imd Bestinunung der schwefligen SÀure in dem Destillate kann man das Sulfit noch sicherer direct titrimetrisch bestimmen (§ 1688).

Ein drittes Verfahren der Scheidung kann darauf beruhen, dass man einerseits das Sulfat nach Austreibung der schwefligen SĂ€ure, wie soeben angegeben, und andererseits den Gesammt-Schwefel nach lieber- fĂŒhrung der Sulfite in Sulfate (§ 1686) bestimmt; die Sulfite ergeben sich dann aus der Differenz.

Umgekehrt kann man auch die Sulfate aus der Differenz erhalten, wenn man einerseits die Sulfite (titrimetrisch) und andererseits den Gesammt-Schwefel bestimmt.

SchwefelsÀure und SchwefligsÀure-Anhydrid.

1723* Die Aufgabe dieser Scheidung wird u. a. bei der Analyse von Gasen, welche beim Rösten geschwefelter Erze (Pyrit, Blende etc.) entweichen, gestellt. Man bestimmt in ihnen einerseits das Schweflig- sÀure-Anhydrid jodometrisch (§ 1681) und andererseits die Gesammt-AciditÀt nach Absorption durch eine titrirte Lösung von Kalihydrat, unter Anwendung , eines geeigneten Indicators (§ 1677).

Die Ausfuhrung der AciditÀts-Bestimmung ist derjenigen bei der Bestimmung der schwefligen SÀure durch Jod analog), d. h. man lÀsst das Gas durch eine bekannte Menge Alkalihydrat absorbiren und bestimmt den Ueberschuss alkalimetrisch.

Statt der AciditĂ€t kann man auch den Gesammt-Schwefel bestimmen, indem man ein abgemessenes Volumen des zu analysirenden Gasgemisches in einem oxydirenden Reagens (z. B. Bromwasser oder besser alkalisches Wasserstoffsuperoxyd) auffĂ€ngt und die so erhaltene FlĂŒssigkeit mit Baryumchlorid fĂ€llt

Sulfate und Hyposulfite.

1724. Man bestimmt das Hyposulfit, ohne das Sulfat abgeschieden zu haben, am besten durch eine titrirte Lösung von reinem 2) Jod, und alsdann, in derselben Probe, das Sulfat durch FĂ€llung mittels Baryumchlorid. Letztere FĂ€llung bewirkt man in der KĂ€lte in der nur ganz schwach sauren FlĂŒssigkeit; das unter diesen UmstĂ€nden erhaltene Baryumsulfat setzt sich sehr schnell ab, kann nach kurzer Zeit filtrirt werden und lĂ€sst sich leicht mit kaltem Wasser, welchem man anfĂ€nglich eine sehr geringe Menge SalzsĂ€ure zusetzen kann, auswaschen.

G. Lunge: Z angew. Ch. 1890, 563.

') Das Jod muss namcDtlich frei von Cyan sein, weil das Hyposulfit in neutraler Lösung durch Cyanjod zu Sulfat oxydirt wird (vergl. Meineke: Z, anorg. Ch. 2 (1892), 157).

Eine andere Combination von Verfahren fĂŒr diese Scheidung besteht darin, dass man in einer Probe das Hyposulfit nach irgend einem Verfahren, ausgenommen jedoch durch Oxydation, bestimmt, und in einer anderen Probe zunĂ€ das Hyposulfit durch Kochen mit SalzsĂ€ure unter Einleitimg eines KohlensĂ€urestromes zerlegt und sodann im RĂŒckstande das Sulfat bestimmt.

Endlich kann man in einer Probe das Hyposulfit und in einer anderen Probe, nach Oxydation des Hyposulfites, den Gesammt-Schwefel bestimmen. Die beiden erstgenannten Combinationen sind jedoch vorzuziehen, weil man durch sie das Gewicht jeder einzelnen der beiden Salzarten erhÀlt und weil man Bestimmungen durch die Differenz mög- lichst vermeiden sollte.

Bemerkung. Da die Hyposulfite der Alkalimetalle Baryumsulfat merklich lösen, kann man das Sulfat nicht direct durch Baryumchlorid fallen, sondern muss vorher die Hyposulfite zestören i).

Sulfat, Sulfit, Hyposulfit und Sulfid. 1725. Die Bestimmung dieser vier Salzarten in einem Gemische löslicher Verbindungen lÀsst sich in folgender Weise ausfuhren:

1. Man behandelt die Lösung bei Luftabschluss mit Cadmiumcarbonat (§ 1702), durch welches das Sulfid gefallt wird. In dem Niederschlage bestimmt man den Schwefel. Das Filtrat wird auf ein bestimmtes Volumen gebracht, und von dieser FlĂŒssigkeit werden aliquote Theile weiter behandelt

2. Einen dieser aliquoten Theile erhitzt man mit SalzsÀure unter Einleiten von KohlensÀure bis zur vollstÀndigen Zersetzung des Sulfites und Hyposulfites und bis zur vollstÀndigen Austreibung des Schweflig- sÀure-Anhydrids; um den ausgeschiedenen Schwefel zu entfernen, filtrirt man und bestimmt im Filtrate das Sulfat.

3. In einem zweiten Theile des Filtrates fuhrt man das Sulfit und Hyposulfit durch Wasserstoffsuperoxyd oder in anderer Weise in Sulfate ĂŒber und bestimmt den Gesammt-Schwefel, welcher sowohl im Sulfat als auch in den beiden anderen Salzen vorhanden war.

4. In einem written Theile bestimmt man das Hyposulfit durch Silbemitrat (§ 16G4).

Zieht man von dem in 3 erhaltenen Schwefel denjenigen des Sulfates und denjenigen des Hyposulfites ab, so erhÀlt man den Schwefel, welcher dem Sulfite entspricht.

Statt das Hyposulfit direct zu bestimmen, kann man auch in einem Theile des vom Sulfid befreiten Filtrates die Jodmenge ermitteln, welche erforderlich ist, um das Sulfit in Sulfat und das Hyposulfit in Tetrathionat ĂŒberzufĂŒhren. Unter BerĂŒcksichtigung des Gesammt-Schwefels und des Sulfates hat man jetzt alle Grundlagen, um Sulfit und Hyposulfit zu berechnen (§ 1696).

D ob bin: Pharm. J. and Trans. [3] 40 (1900), 182.

ScheiduDgs verfahren. 461

Durch diesen besonders ausgefĂŒhrten Versuch lassen sich die durch die anderen Verfahren erhaltenen Resultate controlliren.

Endlich kann man in aliquoten Theilen des vom Sulfid befreiten Filtrates (1) das Hyposulfit und das Sulfit nach dem von W. Autenrieth und A. Windaus angegebenen Verfahren (§ 1697) jodometrisch bestimmen.

Sulfat und unlÖBliches Sulfid.

1726 Um den in einer Substanz als Sulfat (Baryumsulfat ausgenommen) enthaltenen und den in ihr in Form eines Sulfides vorhandenen Schwefel zu bestimmen, behandelt man das Genusch mit einer Lösimg von Natriumcarbonat, welches nur die Sulfate zersetzt Durch Filtration trent man das gelöste Natriumsulfat von dem angelöst gebliebenen Sulfide.

Dieser Fall kommt bei der Analyse von pyrithaltigen Steinkohlen, Cokes u. s. w., und von einigen Erzen, z. B. Bleiglanz mit Anglesit, vor.

Sulfat und Fluorid.

1727 A. Die Subfitans ist in Wasser löslioh. Man fallt das Fluorid durch Calciumchlorid, imter Vermeidung eines erheblichen Ueberschusses von diesem Reagens, um nicht Calciumsulfat zu fallen. In dem Filtrate bestimmt man das Sulfat.

1728. B. Die Substanz ist in Wasser unlöslich. In der Natur findet man den Flussspat hĂ€ufig mit Schwerspat vermischt In diesem und in Ă€hnlichen FĂ€llen bestimmt man das Fluor, indem man es als Siliciumfluorid frei macht (§ 1583 imd § 1584), oder indem man, wenn die anwesenden fremden Stoffe es gestatten, das Calciumfluorid in Sulfat ĂŒberfĂŒhrt (§ 1585). In letzterem Falle darf vor Allem keine KieselsĂ€ure zugegen sein.

Zur Bestimmung des Sulfates kann man in folgender Weise verfahren: Die Substanz wird durch Schmelzen mit Alkalicarbonat aufgeschlossen; die Masse nimmt man mit Wasser auf und filtrirt. Das Filtrat wird nach Zusatz von SalzsĂ€ure in einer Platinschale abgedampft, nm das AlkalĂŒiuorid zu zersetzen; im AbdampfrĂŒckstande hat man das Sulfat, welches man in gewohnter Weise bestinunt.

Sulfat und Sulfooyanid.

1729* Man kann das Sulfat in Gegenwart von Sulfocyanid durch Baryumchlorid bestimmen. Andererseits hinder die Gegenwart von Sulfat nicht die Bestimmung des Sulfocyanides durch Silbemitrat auf gewichtsanalytischem oder auf titrimetrischem Wege.

Man kann auch in einer Probe das Sulfat und dann in einer zweiten Probe, nachdem das Sulfocyanid oxydirt worden ist (§ 1567),

den Gesammt-Schwefel bestimmen: die Menge des Sulfocyanides ergiebt sich aus der Differenz.

Sulfat und Ferrioyanid Ferrocyanid oder Cyanid.

1730 FĂŒr die Bestimmung des Sulfates imd der Cyanverbindungen wendet man besondere Proben der zu analysirenden Substanz an. Das Sulfat wird durch Baryumchlorid bestimmt; fĂŒr die in der zweiten Probe auszufĂŒhrende Bestimmung der Cyanide ist die Anwesenheit von Sulfat belanglos.

Sulfat und Chlorid, Bromid oder Jodid.

17 31. Das einfachste Verfahren besteht in Bestimmung des Sulfates und der Halogenverbindungen in getrennten Proben.

FĂŒr die Scheidung von Chlorid sind alle Verfahren der Sulfatestimmung gleich gut geeignet, bei der Scheidung von Bromid und namentlich von Jodid muss man aber behufs der Sulfatbestimmung die Anwendung von Chromaten vermeiden.

Eine wirkliche Scheidung in einer einzigen Probe lĂ€sst sich ebenfalls ausfĂŒhren, indem man zuerst entweder das Sulfat durch Baryumnitrat oder die Halogenverbindungen durch Silbernitrat fallt.

SohwefelsÀure und Metalle.

173 2. Im Allgemeinen stehen die Bestimmungen der Schwefel- sÀure und der Metalle einander nicht hinderlich im Wege. In manchen besonderen FÀllen verlangt aber die Natur des Metalles eigenartige Verfahren.

1733. Bisen Die Scheidung von SchwefelsÀure imd Eisen ist eine in der Praxis hÀufig zu lösend Aufgabe, z. B. bei der Analyse der Pyrite und bei der Bestimmung des Schwefels in Eisenerzen oder in Eisensorten, wenn die zu untersuchenden Substanzen mit oxydirenden Lösungsmitteln behandelt worden waren. In diesen und Àhnlichen FÀllen enthalten die Lösungen den zu bestimmenden Schwefel als SchwefelsÀure

Siehe G. Lunge: Z. anal. Ch. 19 (1880), 419; Z. angew, Ch. 1889, 473, u. 1895, 69; Z. anorg, Ch. 19 (1899), 454, u. 21 (1899), 194; R. Fresenius: Z.anal. Ch. 18 (1877), 339, u. 19 (1880), 53; Jannasch und Th. W. Richards: r.prakt. Ch. N. F. 89 (1889), 321; G. Wyrouboff und A. Verneuil: BuU. Soc. ch. [3] 21 (1899), 137; G. Wyrouboff: Bull. Soc. ch. [3] 21 (1899). 1046; F. W. KĂŒster und A. Thiel: Z. anorg. Ch. 19 (1899), 97, 21 (1899), 73, 22 (1900), 424 u. 26 (1900), 319; C. Meineke: BuĂŒ. Assoc. belgedes chim. 18 (1899), 112 u. 278; Z. anal. Ch. 88 (1899), 209 u.351; O. N. Heidenreich: Z. anorg. Ch. 20 (1899), 233; Ch.-Z. 24 (1900), 15; O. Hertling: Z. angew. Ch. 1899, 274; A. Thiel: Ch.-Z. 28 (1899), 1015; Th. W. Richards: Z. anorg. Ch. 28 (1900), 383; Ostwald: Z. physik. Ch. 29 (1899), 340; E. A. Schneider: Z. physik. Ch. 10 (1892), 425; T. S. Gladdiug: /. Am. ch. Soc. 18 (1894), 398, u. 17 (1895), 397.

neben relativ grossen Mengen von Ferrichlorid. Zur Bestimmung der Schwefel- sÀure ist die FÀllung durch Baryumchlorid das einzige anwendbare Verfahren.

ErfahrungsmĂ€ssig fallt das Baryumsulfat aus Lösungen, welche irgendwie erhebliche Mengen von Ferrichlorid enthalten, selbst wenn sie stark sauer sind, stets von Eisen verunreinigt aus, und kann von diesem auch durch Auswaschen mit heisser verdĂŒnnter SalzsĂ€ure nicht befreit werden. Vielleicht wird das Eisen als basisches Sulfat mitgerissen — es verhĂ€lt sich wenigstens so, als ob es so wĂ€re — und dieses bei dem spĂ€teren GlĂŒhen unter VerflĂŒchtigung von SchwefelsĂ€ure zersetzt; daher kommt es, dass das geglĂŒhte Product, obwohl es aus Baryumsulfat und Eisenoxyd besteht, doch ein geringeres Gewicht hat, als es, der vorhandenen SchwefelsĂ€ure entsprechend, haben mĂŒsste.

Man kann indessen ein richtiges oder fast richtiges Resultat in folgender Weise erhalten: Nachdem sich der Niederschlag vollstĂ€ndig zu Boden gesetzt, decantirt man vorsichtig die ĂŒber ihm stehende FlĂŒssigkeit durch ein Filter; man vermeidet dabei, soweit es nur irgend möglich, dass der Niederschlag augerĂŒhrt wird. Nach Aufgiessen von heissem Wasser verfahrt man nochmals in gleicher Weise. Dann verdampft man die FlĂŒssigkeit, welche dem Niederschlag noch anhaftet, ganz oder fast ganz zur Trockne, bringt das Filter hindu, wenn wesentliche Mengen des Niederschlages auf dasselbe gelangt waren, und behandelt das Ganze mit starker SalzsĂ€ure. Erscheint der Niederschlag rein weiss, so verdĂŒnnt man mit siedend heissem Wasser, setzt Baryumchlorid hindu und bestimmt nun das Baryumsulfat in bekannter Weise.

In der Regel erhĂ€lt man aber auch nach diesem Verfahren etwas zu niedrige Resultate, weil, wie es scheint, die stark salzsaure Ferrichloridlösung auch dann noch geringe Mengen von Baryumsulfat in Lösung hĂ€lt, wenn bei der FĂ€llung ein erheblicher Ueberschuss von Baryumchlorid angewandt worden war). Immer wird man gut thun, den grossen Ueberschuss freier SalzsĂ€ure vor der FĂ€llung durch Ammoniak zu neutraĂŒsiren.

Man kennt aber auch eine Anzahl anderer Verfahren, welche bezwecken, den Einfluss des Ferrichlorides auf die FĂ€llung aufzuheben. Sie lassen sich in drei Gruppen einreihen.

Erste Gruppe. Eliminirung des Eisens durch FĂ€llung.

a. Verfahren von Lunge. Es besteht darin, dass man das Eisen bei etwa 70 — 80 C. mit Ammoniak fallt und 10 — 15 Minuten lang bei annĂ€hernd gleicher Temperatur digerirt Nachdem das Ferrihydrat durch Filtration beseitigt und gut ausgewaschen ist, fĂ€llt man in dem schwach mit SalzsĂ€ure angesĂ€uerten Filtrate die SchwefelsĂ€iire durch Baryum Chlorid. Das Verfahren ist besonders fĂŒr die Analyse der cohen Pyrite, in welchen die Menge des Eisens verhĂ€ltnissmĂ€ssig nicht sehr gross ist, empfohlen worden.

') Vergl. R. Fresenius: Z. anal. Ck. 19 (1880), 53.

b. Verfahren von F. W. KĂŒster und A. Thiel. Das Eisen wird in gleicher Weise wie bei dem vorhergehenden Verfahren mit Ammoniak gefallt; dann setzt man, ohne zu filtriren, Baryumchlorid und unmittelbar darauf so viel SalzsĂ€ure hindu, dass das gefĂ€llte Ferrihydrat gerade gelöst wird. Nach lĂ€ngerem Digeriren auf dem Wasserbade bestimmt man das angelöst gebliebene Baryumsulfat.

Zweite Gruppe. UeberfĂŒhrung des Ferrieisens in eine complexe Verbindung mit einer organischen SĂ€ure. Eine Anzahl dieser complexes Verbindungen zeichnet sich, wie wir bei Beschreibung der Eigenschaften der Ferrisalze kennen gelernt haben (§ 569), dadurch aus, dass die gewöhnlichen basischen FĂ€llungsmittel auf sie ohne Einwirkung sind. T. A. Gl ad ding hat zuerst versucht, das Mitreissen von basischem Ferrisulfat durch das Baryumsulfat durch Zusatz von CitronensĂ€ure zu verhindern, jedoch, wie er angiebt, ohne guten Erfolg. Neuerdings haben F. W. KĂŒster und A. Thiel zu gleichem Zwecke OxalsĂ€ure und WeinsĂ€ure angewandt. Das Verfahren besteht einfach darin, dass man zu der sulfathaltigen Lösung eine geeignete organische SĂ€ure im Ueberschusse setzt und bei Siedehitze in gewöhnlicher Weise mit Baryumchlorid fallt

Dritte Gruppe. Reduction des Ferrichlorides zu Ferrochlorid. Frank Johnson*) bewirkt die Reduction durch Natriumhypophosphit. Dieses Verfahren ist wenig geeignet, weil das Reagens im Handel nicht in genĂŒgender Reinheit, namentlich nicht sulfatfrei, zu haben ist; man muss daher eine gewogene Menge desselben anwenden, von der man, durch einen blinded Versuch, weiss, eine wie grosse Menge von Baryumsulfat sie selbst gebildet hat, um dieselbe von der bei der Analyse erhaltenen Gesammtmenge Baryumsulfat in Abzug bringen zu können. Meineke wendet als Reductionsmittel granulirtes Zink') an, welches den gleichzeitigen Vortheil bietet, dass es den grossen Ueberschuss freier SalzsĂ€ure neutralisirt. Man braucht nicht Ă€ngstlich darauf zu achten, dass alles Ferrisalz reducirt ist; es genĂŒgt, dass die FlĂŒssigkeit ihre gelbe Farbe verloren hat. Nach beendigter Reduction wird ĂŒltrirt und in dem Piltrate die SchwefelsĂ€ure durch Baryumchlorid bestimmt

Meineke hat gezeigt, dass namentlich die beiden Verfahren von KĂŒster und Thiel sowie das von ihm angegebene Verfahren der Reduction durch Zink durchaus geeignet sind, sehr kleine Mengen von Schwefel- sĂ€ure neben sehr grossen Mengen von Eisen zu bestimmen, dass sie also ganz besonders bei der Analyse von gerösteven Schwefelkiesen, von Eisenerzen, Roheisen u. dergl. mit Sicherheit angewandt werden können.

Man wĂŒrde zweifellos ebenfalls ein genaues Resultat erzielen, wenn auf folgende Weise verfahren wĂŒrde: Nachdem der Niederschlag so viel

Siehe J. Roszkowski: Z. anorg, Ch, 14 (1897), 1. Ch. N. 70 (1894), 212.

Die Reduction wird sehr befördert, wenn man der Losung einige Tropfen Cadmiumchlorid-LösuDg zufĂŒgt (DeKoninck: Btill. Assoc, beige des chim. 15 (1901), 158).

Scheiduiivrfahren. 465

wie möglich vom Filter angelöst ist, wird letzteres mit einer ein wenig Kaliumnitrat enthaltenden Lösmig von Ammoniumnitrat getrĂ€nkt, darauf wird es getrocknet und verascht. Die Filterasche und der Niederschlag werden in einem Platintiegel mit Kalium - Natriumcarbonat bedeckt und sodann wird bis zum Schmelzen des ganzen Inhalts erhitzt. Das Schmelzproduct wird mit SalzsĂ€ure aufgenonmien und bis zur Lösung des Eisenoxyds erhitzt, worauf man einige Tropfen Baryumchlorid- Lösung hinzugiebt. Das gebildete Baryumsulfat wird auf die ĂŒbliche Weise weiter behandelt 1).

1734. BleL Bleisulfat wird durch Behandeln mit Natriumbicarbonat bei gewöhnlicher Temperatur zersetzt: das Blei geht in unlösliches Carbonat ĂŒber, welches durch Filtration entfernt wird, und die Schwefel- sĂ€ure findet man vollstĂ€ndig im Filtrate als Natriumsulfat.

Auch durch Schmelzen mit einem Alkalicarbonate lĂ€sst sich das Bleisulfat zersetzen. Man nimmt die geschmolzene Masse mit Wasser auf und leitet in die Lösung kurze Zeit KohlensĂ€ure, um Spuren ge- lösten Bleis auszufallen. Auch in diesem Falle geht die SchwefelsĂ€ure als Alkalisulfat in das Filtrat ĂŒber, gleichzeitig mit dem Carbonat-Ueberschusse.

1735. Barynm, Strontiam und Caloiain. Die Sulfate dieser drei Metalle werden mit der 4-bis 5 fachen Gewichtsmenge Alkalicarbonat geschmolzen; das mit Wasser behandelte Product giebt eine Lösung von Alkalisulfat und hinterlĂ€sst einen RĂŒckstand von Carbonaten der Alkalierdmetalle, welche man auf einem FĂŒter sammelt FĂŒr das Calciums ulfat kann man die Alkalicarbonate (Ammoniumcarbonat eingeschlossen) auch auf nassem Wege anwenden.

') Die Zeit felt mir, um dieses Verfahren einigen Versuchen ÂŁn unterwerfen. <De Koninck.)

KoDinck - Mdneke, Miaeralanalyse. II. 80

Capitel XV.

Dreiwerthige Metalloide.

Stickstoff.

Eigenschaften des Stickstoffes.

1736. 1. Der Stickstoff nimmt mit 79,1 Volumprocenten an der Zusammensetzung der Luft Theil; man findet ihn daher in fast allen Gasgemischen, welche zur analytischen Untersuchung gelangen.

2. Der Stickstoff ist ein farbloses, unverbrennliches Gas, ohne Geruch und Geschmack, das fast so schwer wie Luft ist (sp. G. 0,97 auf Luft bezogen). Er unterhÀlt die Verbrennung nicht; er ist in Wasser nur ausserordentlich wenig löslich: dieses nimmt unter gewöhnlichen UmstÀnden in einem Liter nur etwa 15 cc StickstoflF auf.

3*. Der Stickstoff wird von keinem Reagens absorbirt. ausser, bei ziemlich hoher Temperatur, von Magnesium, von Lithium und von einem Gemisch aus 1 Tli. Natrium, 4 Th. Magnesium und 20 Th. Kalk); aber auch diese Reaction ist nicht quantitative. Er reagirt weder mit Wasserstoff noch mit Sauerstoff). Er ist ein in hervorragendem Maasse neutraler Körper.

— Wie ersichtlich, zeichnet sich dieses Gas durch negative Eigenschaften aus, ebenso wie die ihm fast immer beigesellten, neuerdings in der Luft entdeckten Elemente Argonium, Helium u, a. m., welche wir an dieser Stelle nur erwĂ€hnen wollen.

Bestimmung des Stickstoffes.

1737. Das neutral Verhalten des Stickstoffes gegen Reagentien macht es unmöglich, ihn durch WÀgung oder titrimetrisch zu bestimmen; man kann nur gasometrische Verfahren anwenden.

W. Hcmpel: Z, anorg. Ch. 21 (1899), 19. Es bilden sich hier Nitride, z. B. Magnesiumnitrid (Stickstoff- Magnesium), MggN,.

LÀsst man jedoch diirih ein Gemisch von Stickstoff, Wasserstoff und Sauerstoff den elektrischen Funken schlagen, so kann sich eine gewisse Menge Salpeter- sÀure bilden (Bunsen: Gasometrische Methoden). Siehe § 1739. Auch aus Stickstoff und Sauerstoff, bei Anwesenheit von Wasser, können Sauerstoffverbindungen erhalten werden.

Stickstoff. Eigenschaften, Bestimmung, Scheidungsverfahren. 467

Dnroh Gasometrie.

1738 Ans dem Beste oder ans der Differenz. Man kann weder direct noch indirect den Stickstoff quantitative absorbiren lassen; noch weniger kann man ihn quantitative auf andere Gase reagiren lassen und ihn durch Ermittelung der Contraction bestimmen. Man bestimmt ihn ausschliesslich aus dem Reste oder aus der Differenz.

Bei der Restbestimmung entfernt man nach einander alle Gase, welche den Stickstoff begleiten können, und misst den RĂŒckstand.

Bei der Differenzbestimmung bestimmt man alle anderen in dem Gasgemische enthaltenen Bestandtheile und zieht die Menge dieser, in Procenten ausgedrĂŒckt, von 100 ab.

Scheidungsverfahren. Stiokstoff und Chlor, Sauerstoff, Wasserdampf, Ammoniak.

1739* In einem solchen Gasgemische bestimmt man die letzteren Gase durch Absorption und erhĂ€lt den Stickstoff als RĂŒckstand.

In einem Gemische von Stickstoff und Sauerstoff kann man letzteren auch durch Verbrennen mit Wasserstoff bestimmen (§ 1361); man er- hÀlt dann den Stickstoff aus der Differenz.

Wendet man das Explosionsverfahren an, indem man durch das Gemisch einen elektrischen Funken schlagen lĂ€sst, so muss man dafĂŒr sorgen, dass das VerhĂ€ltniss zwischen dem Voliunen des Knallgases (2H + 02) und dem der anderen nicht verbrannten Gase nicht grösser als 1 : 6 ist; anderenfalls wĂŒrde man Stickstoflfverbindungen und daher falsche Resultate erhalten i); wenn nöthig, fĂŒgt man einen Ueberschuss von Wasserstoff hindu.

Stickstoff und Wasserstoff

1740 L Durch Verbrennung oder Explosion. Der Wasserstoff wird durch Reaction mit Sauerstoff (§ 1370), der Stickstoff aus der Differenz bestimmt

Nach dem oben Gesagten wendet man, wenn der Wasserstoff; gehalt hoch ist, zur Bewirkung der Verbrennung lieber atmosphĂ€rische Luft (deren Volumen bei der Rechnung berĂŒcksichtigt wird), als einen grossen Ueberschuss von reinem Sauerstoff an, lun das VerhĂ€ltniss des Volumens Knallgas zum Volumen des RĂŒckstandes unter 1 : 6 zu bringen.

1741. IL Durch Cupriozyd. Die Gegenwart von Stickstoff hinder in keiner Weise die Bestimmung des Wasserstoffes durch WÀgung (§ 1368). In diesem Falle erhÀlt man den Stickstoff aus der Differenz.

Bansen: op. cit.

80

468 Eigenschaften und Bestimmung des StickoxydaU.

Eigenschaften des Stickoxyduls.

1742* 1. Das Stickoxydulgas (Lustgas, Lachgas, als Anaestheticum angewandt) ist farblos, fast geruchlos und besitzt leicht sĂŒsslichen Geschmack; sein sp. G. ist 1,523 (auf Luft bezogen); es ist in Wasser etwas löslich (1 Vol. Wasser von 15 löst davon 0,78 VoL). Es ist gegen Lakmus neutral und wird von Reagentien nicht absorbirt

2*. In reinem Zustande oder durch andere Gase wenig ver- dĂŒnnt, unterhĂ€lt das Stickoxydulgas lebhaft die Verbrennung. Es verhĂ€lt sich in dieser PĂŒnsicht wie Sauerstoff (§ 1359, Nr. 2), unterscheidet sich von ihm aber dadurch, dass es, mit Stickoxyd gemischt, keine röthlichen DĂ€mpfe giebt (vergl. §1359, Nr. 10), was umgekehrt bedeutet, es imterscheidet sich vom Stickoxyd dadurch, dass es nicht mit Sauerstoff reagirt (vergl. § 1744, Nr. 3).

3. Bei hoher Temperatur reagirt das Stickoxydul mit Wasserstoff und gasförmigen Kohlenwasserstoffen:

N,0 + H, + H,0. IVol. IVol. IVol. —

4. Durch rothglĂŒhendes Kupfer wird es zersetzt:

Cu + NOCuO-f Ng. Diese Eigenschaft ist allen Sauerstoffverbindungen des Stickstoffes gemeinsam.

5. In BerĂŒhrung mit Palladium stark erhitzt, wird es in seine Elemente zerlegt:

2 NO 2 Nj -f Oj. 2 Vol. 2 VoL 1 Vol. Das Gasvolumen wird also um die HĂ€lfte vermehrt.

Bestimmung des Stickoxyduls.

1743. Durch Wasserstofll Da das Stickoxydul in Wasser merklich löslich ist, femer bei erhöhter Temperatur mit Wasserstoff und Kohlenwasserstofifen reagirt, und endlich kein Absorptionsreagens fĂŒr das Stickoxydul bekannt ist, bietet seine Bestimmung grosse Schwierigkeit Das am wenigsten fehlerhafte i) Verfahren der Bestimmung durch Wasserstoff besteht darin, dass man eventuell aus dem Gasgemische durch Absorption den Sauerstoff, das Kohlenoxyd und die Kohlenwasserstoffe entfernt, dann Wasserstoff zutreten lĂ€sst und dieses neue Gemisch bei erhöhter Temperatur ĂŒber Palladium leitet.

Es entsteht eine dem ursprĂŒnglichen, zu bestinmienden Gase gleich grosse (Kondensation (§ 1742, Nr. 3).

Eigenschaften des Stickoxyds.

1744. 1. Das Stickoxyd ist ein farbloses Gas, schwach löslich

W in k l e r : AnUitung zur chem . Untersuchung der IndusirĂŒgase II, (1879), 427.

Eigenschaften des Sdckozyds. 4g9

in Wasser (1 Liter Wasser löst unter gewöhnlichen VerhÀltnissen etwa 50 cc), nicht absorbirbar von den Lösungen der Alkalihydrate, ohne Reaction mit SchwefelsÀure (vergl. § 1749, Nr. 3).

Das Stickoxyd ist wesentlich leichter als Stickoxydul, es besitzt das sp. G. 1,038 (auf Luft bezogen). Stickoxyd ist Àusserst schwer verdichtbar.

2*. Kalte Lösungen von Ferrosalzen (Sulfat oder Chlorid) lösen das Stickoxyd in reichlicher Menge; die Lösung ist intensiv braunschwarz. Die Producte, welche diese FĂ€rbung bewirken — unter ihnen herrscht das der Formel Fe2Cl4, 2 NO entsprechende vor — sind wenig bestĂ€ndig; beim ErwĂ€rmen tritt daher gasformiges Stickoxyd unverĂ€ndert wieder aus.

2a. Die Sulfite der Alkalimetalle in schwach alkalischer Lösung absorbiren das Stickoxyd, indem sie feste Verbindungen, z. B. von der Formel bĂŒden).

3*. In BerĂŒhrung mit trocknem Sauerstoff geht das Stickoxyd in Stickstoffdioxyd ĂŒber (röthliche DĂ€mpfe):

2NO + Oj 2N02.

In Gegenwart von Wasser und Sauerstoff im Ueberschusse wird das Stickoxyd in SalpetersĂ€ure ĂŒbergenĂŒhrt: 4 NO + 3 Og + 2 HjO =4HN08.

Herrscht dagegen das Stickoxyd vor, so erhÀlt man gleichzeitig salpetrige SÀure:

4 NO + O2 + 2 HgO 4 HNO2, oder 2NO + 02 + H20 HN02+HN08.

Es gelingt nicht, die Reaction nach der einen oder der anderen Formel zu einem glatten Verlaufe zu bringen).

4. In reinem Zustande ist das Stickoxyd ohne Wirkung auf Jodide und blÀut daher ozonoskopisches Papier nicht (vergl. § 1749, Nr. 5).

5. Kaliumpermanganat in saurer Lösung fĂŒhrt das Stickoxyd in SalpetersĂ€ure ĂŒber:

Ebenso verhÀlt sich ChromsÀure.

Wasserstoffsuperoxyd reagirt in gleichem Sinne, aber nur in Gegenwart eines Alkalihydroxydes*):

2 No + 3 H2O2 + 2 Koh 2 Kn08 + 4 Ho.

6. In BerĂŒhrung mit metallischem Kupfer erhitzt, wird das Stickoxyd zersetzt:

2NO+2Cu 2CuO + N2.

Siehe die Arbeiten von V. Thomas: BuiL Soc. eh. [3] 18 (1895), 385; C. r. 120 (1895), 447, u. 121 (1895), 128 u. 204. E. Divers: /. ch, Soc. 75 a899), 82. ") De Koninck: Z. angew. Ch. 1881, 78. Wilfahrt: Landw, Vers.-St, 29 (1883), 439.

Bestimmung des Stickoxyds.

Bestimmung des Stickoxyds. A. Durch WÀgung. 1745. Durch directe WÀgung. Es ist vorgeschlagen, das Stickoxyd in der Weise zu bestimmen, dass man es von einer Lösung von ChromsÀure absorbiren lÀsst (siege § 1761)).

Das Verfahren giebt schon mit fast reinem Stickoxyd, wie es durch Reduction von Nitraten erhalten wird, keine sehr befriedigenden Resultate; um so weniger genau kann es daher in seiner Anwendung auf Gasgemische sein.

B. Durch Titrimetrie. 1746* I. Durch Kaliumpermanganat. Man leitet das Gas durch einen Waschapparat, welchen man mit einer bekannten Menge stark mit SchwefelsĂ€ure angesĂ€uerten und entsprechend verdĂŒnnten Permanganates gefĂŒllt hat.

Der Apparat muss so construirt sein, dass das Gas mit dem Reagens

möglichst lange in recht innige

BerĂŒhrung kommt. Ein Lunge'sches Kugel -Rohr (Fig. 222) eignet sich dazu besonders gut

Die sich vollziehende Reaction kennen

Fig. 222.

Nach beendeter Oxydation des Stickoxyds titrirt man den Ueberschuss von Permanganat durch eine Lösung von Wasserstoffsuperoxyd, deren Werth in Bezug auf das Permanganat bekannt ist, zurĂŒck (siege § 1396).

EnthÀlt das Gas gleichzeitig nitrose DÀmpfe, so sind diese vorher zu entfernen, indem man sie durch concentrirte SchwefelsÀure absorbiren lÀsst

1747. IL Durch alkaJisches WasserstofOiuperoxyd. Man lÀsst das Stickoxyd durch eine bekannte Menge eines Alkalihydrates, welchem man Wasserstoffsuperoxyd zugesetzt hat, absorbiren. Es entsteht Nitrat. Bestimmt man nun das frei gebliebene Alkalihydrat, so erhÀlt man aus der Differenz die Menge Alkalihydrat, welche neutralisirt worden ist; hieraus lÀsst sich das Stickoxyd berechnen*).

Winkler: Lekrb. d. Uchn. Gasanalyse, 2. Aufl. (1892), S. 126.

Wilfahrt: I. cit

Ueber andere Verfahren siege Bestimmung der Nitrate, §§ 1763 ff.

Eigenschaften des Stickstoffdioxyds. 471

C. Duroh QaBometrie.

1748. Duroh Absorption. Die Absorption des Stickoxyds bewirkt man entweder mit Hilfe einer concentrirten Lösung von Ferrosulfat oder durch Kaliumpermanganat, welches in verdĂŒnnter Schwefel- sĂ€ure gelöst ist Auch WasserstoflEsuperoxyd ist vorgeschlagen*); jedoch giebt dasselbe keine genauen Resultate.

E. Divers*) absorbirt das Stickoxyd durch eine concentrirte, schwach alkalische Lösung von Alkalisulfit (siege §1744, Nr. 2a)

Eigenschaften des StickstofFdioxyds.

1749. 1*. Das Stickstoffdioxyd (frĂŒher UntersalpetersĂ€ure genannt) ist bei gewöhnlicher Temperatur ein braunrothes Gas (röthliche DĂ€mpfe), von eigenthĂŒmlichem, sehr unangenehmem, erstickendem GerĂŒche (giftig), welches durch AbkĂŒhung zu einer bei 0Âź fast farblosen FlĂŒssigkeit (StickstoflFtetroxyd, NjO) verdichtet werden kann. Es verhĂ€lt sich in den meisten FĂ€llen wie ein Gemisch der Anhydride der salpetrigen SĂ€ure und der SalpetersĂ€ure:

4No,=N203 + N,05.

2. Alkalihydrate absorbiren das Stickstoffdioxyd unter Bildung von Nitrit und Nitrat:

2 NOjj + 2 KOH KNOj + KNOj + H,0. Kaltes Wasser im Ueberschusse wirkt in gleichem Sinne:

2 NO2 + HjO HNO2 + HNOg.

In geringer Menge wirkt es (ebenso wie warmed Wasser) in dem Sinne der folgenden Formel:

3 No2 +H2O 2 Hno +N0.

Unter dem EinflĂŒsse von Sauerstoff und Wasser kann sich ausschliesslich SalpetersĂ€ure bilden:

2 NO2 + O + HjO 2 HNOg.

3. Concentrirte SchwefelsÀure absorbirt energisch das Stickstoflfdioxyd; es entsteht SalpetersÀure und eine der Formel entsprechende Verbindung (NitroschwefelsÀure, NitrosulfonsÀure oder NitrosylschwefelsÀure genannt) :

HjSO + 2 NOjj HNOg + Durch Behandeln dieser Lösung mit metallischem Quecksilber erhÀlt man dengesammten Stickstoff in Form von Stickoxyd (W. Crum'sche Reaction).

4. Kaliumpermanganat sowie Wasserstoffsuperoxyd fuhren das Stickstoffdioxyd in SalpetersĂ€ure ĂŒber.

De Koninck: nicht veröffentlichte Versuche.

L. cit.

Siehe auch G. v. Knorre und K. Arndt: Ä 82 (1899), 2136.

472 Bestimmung des Stickstoffdiozyds.

5. Durch Vermittelung der salpetrigen SĂ€ure, welche in BerĂŒhrung mit Wasser entsteht, zersetzt das Stickstofifdioxyd gelöste Jodide und blĂ€ut in Folge dessen befeuchtetes ozonoskopisches Papier (§ 1435, Nr. 11).

6. In BerĂŒhrung mit metallischem Kupfer erhitzt, wird es wie die anderen Stickstofif-Sauerstoff- Verbindungen zersetzt (§ 1742, Nr. 4).

Bestimmung des Stickstoffdioxyds

1750. In der concentrirten SchwefelsÀure findet man bisweilen NitroschwefelsÀure, von SalpetersÀure begleitet.

Diese Lösung, in welcher man das Stickstofifdioxyd als solches annehmen könnte, verhÀlt sich wie ein Lösungsgemisch von salpetriger SÀure und SalpetersÀure, und bei der technischen Analyse (Schwefel- sÀurefabrikation) betrachtet man sie als solche.

Man bestinunt gewöhnlich den Gesammt-Sticksloflf mittels des Nitrometers (siege § 1776) und die salpetrige SĂ€ure fĂŒr sich durch Kaliumpermanganat (§ 1808).

Diese Bestimmungen erfordern besondere Maassnahmen, hinsichtlich welcher wir auf die Specialwerke verweisen

Eigenschaften der Nitrate.

175 1. Die neutralen Nitrate sind sÀmmtlich in Wasser löslich; die in Wasser unlöslichen basischen Nitrate sind in SÀuren leicht löslich. Die neutralen Nitrate sind farblos, wenn sie nicht ein fÀrbendes Metall enthalten.

2*. Mit SchwefelsÀure behandelt, geben die Nitrate keine röthlichen DÀmpfe; die entstandene SalpetersÀure ist bestÀndig.

FĂŒgt man zu dem Gemische etwas Wasser und einen Streifen Kupfer oder ein anderes ReductionsnĂŒttel, so wird die SalpetersĂ€ure zersetzt; es bildet sich Stickoxyd, welches in BerĂŒhrung mit der Luft Stickstoffdioxyd giebt:

8 HNOg + 3 Cu 3 + 4 HO + 2 NO, 2NO + 02 2NOj.

3. Bei Abschluss der Luft mit concentrirter SchwefelsÀure und Quecksilber behandelt, scheiden die Nitrate allen Stickstoff in Form von Stickoxyd aus (W. Crum; Nitrometer § 1776).

4. Durch Erhitzen nĂŒt KieselsĂ€ure, wasserfreiem Borax oder Kaliumdichromat werden die Nitrate zersetzt; dabei ent-

') Siehe die AbhandluDgen von Lunge: Ditigl. 63, 155 u. 235.

W i n k 1 e r : Anleitung zur chem, Untersuchung der Industriegase ; Lange: Taschenbuch fĂŒr die Soda-, Pottascheund Ammoniak -Fabrikation u. a.; siege auch Lunge: Ä 10 (1877), 1075.

EigenschafteD der Nitrate. 473

weichen Zersetzungsproducte des wohl zuerst entstandenen SalpetersÀure- Anhydrides, NjOji

5. Durch Erhitzen mit concentrirter SalzsĂ€ure im Ueberschusse werden die Nitrate vollstĂ€ndig in Chloride ĂŒbergenĂŒhrt; es entstehen Stickoxyd und Chlor:

2 KNO3 + 8 HCl=r 2 KC1+ 2 N0 + 3 Cl + 4 HO. oder Àquivalente dampfförmige Producte.

6. Die Nitrate werden durch Destillation mit EssigsÀure nicht zersetzt (vergl. § 1805, Nr. 3), es sei denn, dass ein reducirender Körper zugegen ist; in diesem Falle kann das Destillat salpetrige SÀure enthalten.

7. Lösungen von Nitraten, welche mit SchwefelsÀure angesÀuert sind, werden durch Kaliumjodid-StÀrke nicht gefÀrbt.

Setzt man aber dem Gemische metallisches Zink oder besser Cadmium zu, so tritt allmĂ€hlich BlaufĂ€rbung ein, indem die Salpeter- sĂ€ure in salpetrige SĂ€ure ĂŒbergenĂŒhrt wird:

HNO3 + Cd + HNOj + CdSO + HO.

Gleichzeitig können aber auch andere Producte entstehen. So beobachtete Hager*), dass bei der Einwirkung von SalpetersÀure oder von einem gelösten Nitrate auf Zink in Gegenwart von SchwefelsÀure in der KÀlte eine Verbindung sich bildet, welche eine tartroalkalische Cuprisalzlösung reducirt und Cuprooxyd fÀllt. Es erscheint kaum zweifelhaft, dass diese Verbindung Hydroxylamin ist*):

Maumene') fand Hydroxylamin in den Producten der Einwirkung von Zinn auf Alkalinitrate in Gegenwart von SalpetersÀure.

Ferner kaim sich auch Ammoniak bilden:

HNO3 + 4 Zn + -i SO4 NHg + 4 ZnSO + 3 Kfi.

Bei einem vorhandenen Ueberschusse von SchwefelsĂ€ure entstehen natĂŒrlich die Sulfate der beiden Stickstoff basen.

In welchem Sinne die Bildung der verschiedenen Producte eintritt, ist von vielerlei UmstĂ€nden abhĂ€ngig: die Temperatur, die Art der Vertheilung oder die Form des metallischen Zinks, die AciditĂ€t der FlĂŒssigkeit, die Concentration des Gemisches, die Zeitdauer der Pinwirkung, das alles sind Factoren, von welchen die Natur der entstehenden Producte abhĂ€ngt.

Das constant und unmittelbar entstehende Product ist das Hydroxylamin, erkennbar an der durch dasselbe bewirkten Reduction einer tartroalkalischen Cuprisalzlösung, wie wir bereits oben erwÀhnten (Aus-

') Nitrite redaciren CuprisalzlösuDgeo nicht.

C. r. 70 (1870), 147; siege auch Fremy: das. 61.

474 EigCDSchaften der Nitrate.

Scheidung von rothem Cuprooxyd), ferner an der Reduction von Silbemitrat (Ausscheidung von metallischem Silber), sowie an der Reaction mit dem Nessler'schen Reagens (schwarzer Niederschlag, nicht brauner, wie durch Ammoniak).

Es kann vorkommen, dass sich gar keine salpetrige SÀure bildet und dass daher Kaliumjodid -StÀrke keine Reaction giebt.

Nimmt man statt des Zinks Cadmium), so bildet sich kein Hydroxylamin, wohl aber salpetrige SĂ€ure und dann Ammoniak.

Aluminium in Gegenwart eines Alkalihydrats (vergl. Nr. 9) giebt ebenfalls kein Hydroxylamin, sondern zunÀ Nitrit, welches bald zu Ammoniak reducirt wird.

Um daher Nitrate in Gegenwart einer SĂ€ure aufzufinden, muss man entweder Cadmium anwenden und dann salpetrige SĂ€ure nachzuweisen suchen — das ist das einfachste Verfahren — , oder, wenn man Zink anwendet, das Gemisch auf Hydroxylamin prĂŒfen, wozu die oben angegebenen Reagentien dienen

Es wĂ€re eine verdienstvolle Arbeit, in RĂŒcksicht auf eine etwaige Bildung von Hydroxylamin die Wirkung von Zink und Cadmium in Gegenwart einer anderen SĂ€ure als SchwefelsĂ€ure, sowie von Eisen nĂ€her zu untersuchen.

8*. LĂ€sst man mittels einer Pipette oder eines ausgezogenen Röhrchens unter die in einem Reagircylinder befindliche Nitratlösung eine kate, concentrirte, mit SchwefelsĂ€ure stark angesĂ€uerte Lösung von Ferro Sulfat oder eine solche von Ferrochlorid treten, so entsteht allmĂ€hlich durch Diffusion an der BerĂŒhnmgsstelle beider FlĂŒssigkeiten eine schwarzbraune Zone.

Diese Erscheinung rĂŒhrt daher, dass die SalpetersĂ€ure durch das P'errosalz zu Stickoxyd reducirt wird, welches sich in dem Ueberschusse des Ferrosalzes löst (siege § 1744, Nr. 2).

Mischt man das Nitrat in Gegenwart einer SÀure mit dem Ferrosalze und erwÀrmt man, so entweicht alles entstandene StickoxydŸ).

9*. Mit einer Alkalihydratlösung und Aluminium erwÀrmt, geben die Nitrate Ammoniak*).

Durch die Einwirkung des Aluminiums auf das Alkalihydrat bĂŒdet sich Wasserstoff:

6 NaOH + 3 HgO + 4 Al NaeA109 + 3 H2;

Schonbein: Sitzgsber. d. K. Bayer. Akad. d. fVĂŒsensch., Math.-phys. Gl., 1861, 554; Wagner: Z. anal. CK 20 (1881), 335.

L. Crismer: nicht veröffentlichte, im Laboratorium von Prof. De Koninck ausgefĂŒhrte Versuche.

') Cuprochlorid kann die SalpetersĂ€ure ebenfalls zu Stickoxyd reduciren; die Reaction ist aber nicht glatt und ein Theil des Stickstoffs kann in Ammoniak ĂŒbergenĂŒhrt werden. (De Koninck: nicht veröffentlichte Versuche.)

F.Schulze: Ch. Centrbl. [2] 6 (1861), 657; nach diesem Autor wirkt Natriumamalgam ebenso wie Aluminium.

Eigenschaften der Nitrate.

dieser Wasserstoff wirkt sogleich in statu nascendi auf das Nitrat: KNOg + 8 H KOH+ 2 HO + NHg.

Um diese Reaction mit dem Maximum ihrer Empfindlichkeit hervorzurufen, erwĂ€rmt man das Gemisch in einem kleinen Destillirkolben, welchem ein kĂŒhl gehaltenes U - Rohr mit etwas Wasser vorgelegt ist (Fig. 223); sind einige Tropfen durch die Destillation ĂŒbergegangen, so prĂŒft man den Inhalt des Rohres mit Ne ssler Reagens oder mit Mercurichlorid.

Die kĂ€uflichen Hydrate des Natriums wie des Kaliums enthalten hĂ€ufig Stickstoff- Sauerstoff- Verbindungen und geben bei der Behandlung ihrer Lösungen mit Alununium Ammoniak. Man muss sich durch einen Vorversuch ĂŒberzeugen, dass das anzuwendende Reagens nicht in der bezeichneten Weise verunreinigt ist.

Wenn nöthig, kann man sich eine ausreichende Menge von reinem Natron-oder Kali -Hydrat selbst bereiten, indem man eine Lösung des Alkalisulfates kurze Zeit mit Barythydrat kocht und nach Absitzen des entstandenen Baryumsulfates die klare FlĂŒssigkeit decantirt

Bei dieser Reaction kann man das Aluminium durch Zink ersetzen; damit sie aber mit diesem Metalle scharf auftritt, ist es erforderUch, dass dasselbe mit einem anderen Metalle (am besten Eisen oder Kupfer) in BerĂŒhrung steht, welches die Bildung von Wasserstoff begĂŒnstigt.

10. Mit metallischem Eisen (durch Wasserstoff reducirtes Eisen) und mit SalzsÀure behandelt, bilden die Nitrate Ammoniumchlorid.

11. Mit concentrirter SchwefelsÀure und gewissen organischen Substanzen, namentlich den aromatischen Verbindungen (Phenol, SalicylsÀure) erwÀrmt, ergeben die Nitrate Ammoniumsulfat i).

Ebenso erhÀlt man dieses Salz, wenn man ein Nitrat mit Natriumhyposulfit und concentrirter SchwefelsÀure erwÀrmt.

12. Eine concentrirte Lösung von Stannochlorid fĂŒhrt, besonders in der WĂ€rme, den Stickstoff der Nitrate in Ammoniumchlorid ĂŒber; es bildet sich als Zwischenproduct Hydroxylamin*), bez. salzsaures Hydroxylamin:

2 HNOg + 3 SugCl + 14 HCl 6 SnCl -f 2 -f 4 PO. 13*. Die mit SchwefelsÀure oder noch besser mit SalzsÀure ange- sÀuerten Lösungen von Nitraten entfÀrben in der WÀrme Indigo.

Fig. 228.

O. V. Darareicher: Sittgiber. d. Kais. Akad. d. Wwj. (Wieo), Math.-naturw. Cl., 2. Abth., 82 (1880), 560. Nach H. Henriet (C. r. 132 (1901), 966) soll die Um Wandlung in Hydroxylamin eine vollstÀndige sein, wenn man auf die Lösung des Nitrates in SalzsÀure eine Stannolösung mit 14 gr metallischem Zinn im Liter wirken lÀsst.

476 Eigenschaften der Nitrate.

14. Sie fĂ€rben Diphenylaminsulfat blau). Diese Reaction ist ausserordentlich empfindlich); sie gelingt nur mit verdĂŒnnten Lösungen.

15*. Die Nitrate fĂ€rben Brucinsulfat lebhaft roth*). Die Farbe bleibt nicht bestehen; sie geht allmĂ€hlich in Orange, schliesslich in Schwefelgelb ĂŒber: erst diese Farbe ist bestĂ€ndig*).

16*. Verdampft man einen Tropfen einer Nitratlösung zur Trockne) und giesst auf den noch warmen RĂŒckstand 1 oder 2 Tropfen PhenolsulfosĂ€ure, so entsteht eine braunrothe FĂ€rbung, Ă€hnlich derjenigen, welche concentrirte SchwefelsĂ€ure mit einer grossen Anzahl organischer Stoffe hervorruft, diese FĂ€rbung ist daher nicht charakteristisch; giebt man aber Ammoniak im Ueberschusse hindu, so geht die Farbe in Gegenwart von Nitraten in intensives Gelb ĂŒber, welche FĂ€rbung durch die Bildung von Ammoniumpikrat, QHg ONH, veranlasst wird. Chlorate können diese Reaction offenbar nicht hervorrufen, wĂ€hrend dieselben mit den anderen Reagentien die gleichen Farbenreactionen geben wie die Nitrate (Nr. 13, 14 u. 15).

Es sind noch andere organische Substanzen zur Auffindung der Nitrate vorgeschlagen, besonders Paratoluidin Resorcin und Carbazol*).

17. Die Alkalinitrate — mit Ausnahme des Ammoniumnitrats — , fĂŒr sich erhitzt, entwickeln nach dem Schmelzen Sauerstoff und hinterlassen einen RĂŒckstand von Nitrit:

2 KNO3 2 KNO2 + Oj.

Die Reaction verlĂ€uft jedoch nicht quantitative, und namentlich dann nicht, wenn die Erhitzung entweder eine zwar nicht sehr hohe, aber lĂ€nger andauernde ist, oder umgekehrt zwar nicht sehr lange wĂ€hrt, da- fĂŒr aber schnell bis zu einer hoch ĂŒber dem Schmelzpunkt des Nitrates (NaNOg : 330<>, KNOg : 339) liegenden Temperatur fortgefĂŒhrt wird; in diesen FĂ€llen zerfĂ€llt das Nitrit weiter in Alkalioxyd, Stickstoff und Sauerstoff.

Ammoniumnitrat zerfÀllt beim Erhitzen in Stickoxydul und Wasser: NH4NO3 NgO + 2 H2O.

Die Nitrate, welche Schwermetalle enthalten, geben nitrose DĂ€mpfe und einen RĂŒckstand von Oxyd. Ebenso erhĂ€lt man nitrose DĂ€mpfe aus

') W. Hoffmann: Ann. 132 (1864), 165; E. Kopp: B. 6 a872), 2S4. Hager giesst die Nitratlösung in concentrirte SchwefelsĂ€ure, nachdem er der einen oder der anderen FlĂŒssigkeit einige Tropfen der alkoholischen Lösung (1 : 30) des Reagens zugesetzt hat: Ch. Central. [3] 16 (1885), 586.

Sie lÀsst 1:1500000 SalpetersÀure erkennen (A. Longi: Gazz. ch. ital. 13 (1883), 467; Z. anal. Ch. 23 (1884), 351).

Berthemot: /. de pharm, et de chim. 27 (1841), 560. Eine ebenfalls sehr empfindliche Reaction.

Lunge und Lwoff: Z. angew. Ch, 1894, 347.

Am besten auf Porzellan, wie bei allen Farbenreactionen.

A. Longi: 1. cit.

Bestimmung der Nitrate. 477

Alkalinitraten, wenn man sie mit trockenem Cuprisulfat erhitzt, denn es bilden sich hierbei Alkalisulfat und Cuprinitrat.

18. Die mehr oder weniger reinen Nitrate verpuffen, wenn man sie auf glĂŒhence Kohle bringt; mit Kaliumcyanid gemischt, detoniren sie durch einen Schlag oder durch WĂ€rme.

19. Mit einem Alkalihydrat oder Natronkalk und gepulverter Kohle erhitzt, geben die Nitrate Ammoniak).

— Man hat versucht 2), die Nitrate dadurch aufzufinden, dass man sie mit Kaliumferrocyanid und SalzsĂ€ure in der WĂ€rme (70) behandelt und die ĂŒberschĂŒssige SĂ€ure dann mit Natriumcarbonat neutralisirt. Man soll hierbei Nitroprussid erhalten, dessen ausserordentlich empfindliche Reaction auf schliesslich als Nachweis fĂŒr das vorhanden gewesene Nitrat dienen soll (§ 1609, Nr. 7)).

1752. Bemerkung. Alle normalen Nitrate von bestimmter Zusammensetzung sind in Wasser löslich; deshalb giebt es fĂŒr diese Art von Salzen kein Bestimmungsverfahren, welches auf directer FĂ€llung beruht Trotzdem ist die Anzahl der vorgeschlagenen Verfahren mit allen ihren Variationen sehr gross, was sich aus der Wichtigkeit des Gegenstandes erklĂ€rt.

Die wichtigsten Verfahren beruhen auf der Reduction der Salpeter- sÀure zu Stickoxyd, NO, oder auf ihrer Umwandlung in Ammoniak, NHj.

Um die bisher von uns befolgte Reihenfolge inne zu halten, wollen wir auch diese Verfahren in diejenigen durch WÀgung, durch Titrimetrie und durch Gasometrie classificiren ; rationeller wÀre es vielleicht, sie nach der Natur des erhaltenen Productes zu gruppiren, in Verfahren, bei welchen das Nitrat

3. Stickstoff in elementarem Zustande giebt (Beispiel § 1783),

4. in Ammoniak ĂŒbergenĂŒhrt wird (Beispiele §§ 1754 bis 1759),

5. anderen Reactionen unterworfen wird (Beispiel § 1762). Die Bestimmung der Nitrate ist Gegenstand einer grossen Anzahl

interessanter Arbeiten geworden, von welchen wir einen Their in der Fussnote) anfĂŒhren wollen.

H. Rose: Handb. d, anal. Ch. I, S. 809.

') Die von De Koninck aasgefĂŒhrten Versuche haben kein befriedigendes Resultat gegeben.

Siehe auch § 1785, soweit er sich auf die Bestimmung der SalpetersÀure bezieht.

R. Fresenius (Z anal. Ch. 1 (1862), 32 u. 180) und H. Rose (das. 304) haben zusammenfassende Abhandlungen der wichtigsten bekannten Verfahren ver- öffentlicht; ebenso Tiemann: B. 6 (1873), 1034; Eder: Z. anal. Ch. 16 (1877), 267; Schenke: Ch.-Z. 17 (1893), 977.

Im Handel wird der Stickstoff der Nitrate in den DĂŒngemitteln als Nitrat- Stickstoff bezeichnet

A. Durch WĂ€gung.

1753. I. Durch GewiohtsverloBt. Dieses Verfahren besteht darin, dass man das Nitrat mit einem nichtflĂŒchtigen SĂ€ureanhydrid oder einem der nachstehend angefĂŒhrten wasserfreien Salze erhitzt, welche das Nitrat zerlegen und das SalpetersĂ€ure -Anhydrid austreiben.

Man kann zu dem Zwecke KieselsÀure - Anhydrid , wasserfreies Natriumbiborat (Borax) oder Kaliumdichromat anwenden*); das letztere ist am meisten zu empfehlen.

Zur AusfĂŒhrung des Verfahrens bringt man das ganz trockne Nitrat in einen Platintiegel, bedeckt es mit der 3-bis 4 fachen Menge von ebenfalls vollkommen trockenem Dichromat, tarirt das Ganze und erhitzt es bei bedecktem Tiegel allmĂ€hlich auf dunkle Rothgluth (siege § 1751, Nr. 4). Nach dem Erkalten bringt man es auf die Waage zurĂŒck.

Dieses Verfahren ist nur fĂŒr die Alkalinitrate geeignet Die Gegenwart von wasserfreien und nicht zersetzbaren Salzen, also besonders von Chloriden und Sulfaten, beeintrĂ€chtigt die Genauigkeit des Resultates nicht; dagegen dĂŒrfen Carbonate, Jodide, saure Phosphate etc. nicht zugegen sein.

1754* II. Durch UeberfĂŒhrung in Ammomak. Der Stickstoff der Nitrate kann durch sehr verschiedene Mittel, welche wir nach einander besprechen wollen, in Anmioniak oder in ein Ammoniumsalz ĂŒbergenĂŒhrt werden.

Ist die UeberfĂŒhrung geschehen, so wird die Bestimmung des Nitrates zu einer Bestimmung des Ammoniaks, welche, da wir hier nur die WĂ€gungsverfahren berĂŒcksichtigen, gewöhnlich durch Platinchlorid geschieht (§ 396) und ihren Schluss durch WĂ€gung als Ammoniumplatinchlorid oder in manchen FĂ€llen einfacher und sicherer durch WĂ€gung des aus ihm erhaltenen Platins findet.

UeberfĂŒhrung in Ammoniak.

1755 Mittel. Durch Wasserstoff in statu nascendi, in alkalischer Lösung 2). Das abgewogene (ungefÀhr 0,5 gr) und in wenig Wasser gelöste Nitrat wird mit fein granulirtem Zink (50 gr) und ganz reinen EisenspÀnen (25 gr) in einen Rundkolben A (Fig. 224)

253; Reich: i9.-tt..Z20 (1861), Nr. 21 ;SchaffiTotsch:/V.w. 67 (1842). 266; O. Abesser und M. Maercker: Z. anal. Ch. 12 (1873), 281; E. Pfeiffer: Arch. der Pharm. [3] 13 (1878), 539; Wagner: Ch.-Z. 7 (1883), 1710.

Schulze: CA. 6Wi/r3/. a861),657 u. 833; Vernon Harcourti/.tA.Äwr. 15 (1862), 385; Wolff : Ch. Central. [2J 379; Siewert: 125 (1863), 293; Hager: Z. anal. Ch. 8 (1869), 372; Bettel: Ch. N. 45 (1882), 38; Böttcher: Landw. Vers. -St. 41 (1892), 165; G. KĂŒhn: das. 370.

Das Eisen wirkt wahrscheinlich nur durch Contact, um die Lösung des Zinks lebhafter zu gestalten.

A. Durch Wagung.

gebracht. Der Apparat ist mit einem Hahntrichter oder mit der abgebildeten Vorrichtung versehen, um aus dem Kolben B nach Belieben eine FlĂŒssigkeit nach A ĂŒberzutreiben. Der Kolben A trĂ€gt femer eine Vorrichtung, durch welche hochgerissene Tropfen so aufgefangen werden, dass sie nach A zurĂŒckfliessen

Das Entwickelungsrohr steht mit einem kleinen KĂŒhler C und durch diesen mit einer Vorlage Z>, welche nichtrauchende SalzsĂ€ure enthĂ€lt, in Verbindung.

Ist der Apparat gut schliessend zusammengestellt, so bringt man in A 50 cc Natronlauge 2) (etwa 1,2 sp. G.) und ĂŒberlĂ€sst das Ganze etwa 1 Stunde der Reaction der einzelnen Substanzen auf einander. Dann erwĂ€rmt man allmĂ€hlich zum Kochen und erhĂ€lt im Kochen, bis alles Ammoniak ĂŒberdestillirt ist, woven man sich ĂŒberzeugt indem man die Vorlage ablöst und 2 oder 3 Tropfen des Destillates in einem Reagircylinder, welcher ein empfindliches Reagens auf Ammoniak (Mercurichlorid oder Nessler's Reagens) enthĂ€lt, auffĂ€ngt Man kann dasUebergehen der letzten Theile Ammoniak beschleunigen , indem man einen schwachen Luftstrom durch den

Apparat lÀsst, wenn sich pig. 224.

die Operation ihrer Beendigung nÀhert.

Bisweilen setzt man zur Erleichterung der Destillation dem Gemische Alkohol zu; in diesem Falle kann man sich nicht mit Sicherheit des Ness 1er' sehen Reagens bedienen, um durch dasselbe die Abwesenheit jeder Spur von Ammoniak in den letzten Theilen des Destillates festzustellen).

') Solche AufsÀtze sind in verschiedenen Formen construirt und schon bei der Bestimmung des Ammoniaks beschrieben worden (§ 396a).

Natronlauge ist der sonst in gleicher Weise wirksamen Kalilauge vorzuziehen, weil Natriumsalze durch Platinchlorid nicht gefĂ€llt werden, und daher ĂŒbergerissene Tröpfchen der angewandten Lauge das Resultat nicht fehlerhaft machen, wie es bei Kalilauge der Fall sein wĂŒrde.

DeKoninck: Z. ÀÀ/. CA. 82 (1893), 188; Neuraann: CA. -Z. 17 (1893), 880.

An Stelle eines Gemisches von Eisen und Zink kann man auch Zink, welches man durch kurzes Eintauchen in eine verdĂŒnnte und saure Kupfersulfatlösung mit einem leichten KupferĂŒberzuge versehen hati), anwenden.

Auch Aluminium, welches bereits 1861 zu dem Zwecke vorgeschlagen ist 2), kann als Ersatz fĂŒr Zink dienen. Man wendet es in Form grocer SpĂ€ne oder eines dĂŒnnen Bleches an; da sich das Aluminium in Alkalihydraten schnell löst, lĂ€sst man es kalt einwirken und destillirt erst, wenn das Aluminium fast ganz gelöst ist.

Neuerdings hat man zur Reduction eine Legirung von 45 Th. Aluminium, 50 Th. Kupfer und 5 Th. Zink vorgeschlagen'), eine Legirung, welche so spröde ist, dass man sie wie Glas pulvern kann. Von dieser Legirung sollen 2 — 27 gr zur Reduction von 0,5 gr Kaliumnitrat genĂŒgen, in Gegenwart von 110 cc Wasser, 5 cc Alkohol und 40 cc Kalilauge von 1,3 sp. G., welche letztere natĂŒrlich auch durch Natronlauge ersetzt werden kann.

Reduction und Destillation nehmen etwa 1 Stunde Zeit in Anspruch. Auch Aluminium, welches durch Eintauchen in eine Mercurilösung oberflÀchlich amalgamirt ist, ist als energisches Reductionsmittel vorgeschlagen worden*).

1756. Mittel. Durch Wasserstoff in statu nascendi in

saurer Lösung). Das Verfahren datirt bereits bis zum Jahre 1838

zurĂŒck (KĂŒhl mann); unter den vielen Varianten, welche veröffentlicht

sind, scheint die einzig empfehlenswerthe die von Ulsch zu sein. Der

Verfasser beschreibt die AusfĂŒhrung in folgender Weise. Das

Nitrat (z. B. 0,4 gr KNO,) wird in 25 cc Wasser gelöst und mit

5 gr Eisen (kÀufliches durch Wasserstoff reducirtes Eisen) und

I 10 cc verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure (1,35 sp. G.) in einen Erle meyer-

; Kolben von 250 cc gebracht. Man setzt nun auf den Kolben mittels

eines Stopfens einen Aufsatz zum Auffangen hochgerissener Tropfen,

] z.B. ein Filtrirrohr (Fig. 225), welches mit Glasperlen oder -Splittern

gefĂŒllt ist, und erwĂ€rmt langsam, so dass die FlĂŒssigkeit in etwa

5 Minuten zum Kochen kommt; dann nimmt man den Brenner

fort, spĂŒlt den TropfenfĂ€nger aus und lĂ€sst nochmals 3 Minuten

lang kochen. Jetzt ist die Reaction beendet und das Ammoniak kann

durch Destillation bestimmt werden.

Schulze: 1. cit.

Devarda: Ch.-Z, 16 (1892), 1952; Stoklasa: Z, anew. Ch. 1898, 161.

J. B. Cohen und R. Ormandy: /. eh. Soe. 57 (1890), 811 ; B. 28 (1895), 1505. Siehe auch H. Wislicenus und L. Kaufmann: B. 28 (1895), 1323 u. 1983.

Martin: C. r. 97 (1853), 947; Kinnear: Ch, N. 46 (1882), 33; West- Knights: The Analyst 6 (1883), 217; Schmitt: Ch.-Z. 14 (1890), 1410; Fricke: Z. angew. Ch. 1891, 240; Ulsch: Ch. Centrbl. [4] 2 (1890), II, 926; Z. anal. Ch. 80 (1891), 175, und 81 (1892), 392.

A. Durch Wagnng. 481

Andere Autoren haben Zink statt des Eisens und SalzsÀure statt der SchwefelsÀure angewandt

Th. F. Schmitt 1) reducirt die Nitrate zu Ammoniak durch ein Gemisch von gepulvertem Eisen imd Zink in Gegenwart von EssigsĂ€ure. 25 cc der Lösung, welche 0,5 gr Nitrat enthĂ€lt, lĂ€sst man aus einer fein ausgezogenen Pipette langsam in einen Kolben von 750 cc Inhalt, welcher 10 cc Eisessig und 8 — 10 gr des Metallgemisches (1 Th. zerstossenes Eisen imd 1 Th. Zinkstaub) enthĂ€lt, fliessen, wĂ€hrend man bestĂ€ndig umschĂŒttelt. Die Masse erwĂ€rmt sich auf 60 — 70 Nach 8 — 10 Minuten bildet sich gewöhnlich ein ziemlich dichter Schaum; die Reduction ist dann beendet. Man setzt nun 200 — 300 cc Wasser und Natronlauge in massigem Ueberschusse (30 cc vom sp. G. 1,25) hindu und destillirt.

Um den Gesammt- Stickstoff) im Guano etc. zu bestimmen, behandelt man 1 gr davon in einem Kolben mit 20 cc Wasser, 5 cc Eisessig und 2 — 3 gr des Metallgemisches. Man erwĂ€rmt massig. Nach beendeter Reduction lĂ€sst man erkalten, setzt 25 cc SchwefelsĂ€ure hindu und erhitzt, bis alle organische Substanz zestört ist (siege den folgenden Paragraphen).

Man hat auch versucht, die SalpetersĂ€ure durch Elektrolyse in Ammoniak ĂŒberzufuhren, indem man die mit SalpetersĂ€ure angesĂ€uerte und mit Cuprisulfat versetzte Nitratlösung dem Strome aussetzt

Bemerkung. Da sich Hydroxylamin gegen SÀuren und andere Reagentien, namentlich die bei der Alkalimetrie angewandten Indicatoren, nicht wie Ammoniak verhÀlt, muss man seiner Bildimg vorbeugen, wenn es sich um eine quantitative Bestimmung handelt (siege § 1751, Nr. 7).

1757. Mittel. Durch das modificirte Kjeldahl'sche Verfahren. Das ursprĂŒngliche Kjeldahrsche Verfahren*) hat die Bestimmung des Stickstoffes in organischen Stoffen imd speciell in organisirten Stoffen zum Zwecke. Es besteht im Wesentlichen in der Zerstörung der stickstoffhaltigen Substanz durch SchwefelsĂ€ure, bei welcher gleichzeitig aller Stickstoff in Ammoniumsalz ĂŒbergenĂŒhrt wird.

Bei der Analyse von DĂŒngemitteln unterscheidet man Nitrat-Stickstpff (Nitrate), Ammoniak-Stickstoff (Ammoniamsalze) und organischen Stickstoff (organische stickstoffhaltige Verbindungen); unter Gesammt-Stickstoff versteht man die Summe des in diesen drei ZustĂ€nden vorhandenen Stickstoffes.

Kjeldahl: Z. anal, CA. 22 (1883), 366; Maercker: Ch.-Z. 8 (1884), 432; Petri und Lehmann: Z. physioL Ch. 8 (1884), 200; PflĂŒger und Bohland: Arch.f. d. ges. PhysioL 36 (1885), 102; Kreusler: Landw. Vers.-St 81 a884),269; Dafert: Sitzgsher. d. Niederrh. Ges. f. Nat.- u. Heilk. zu ßonnlSQ, 203; Wilfahrt: CA. Centrbl. [3] 16 (1885), 17 u. 113; Bosshard: Z. anal. Ch, 24 (1885), 199; Arnold: Arch. der Pharm. [3] 23 (1885), 177; Stebbins: /. Am, ch. Soc. 7 (1885). 108; Warington: Ch, N. 62 (1885), 162; De Koninck: R. univ. d. M. [2] 20 (1886), 240; Winton jr.: Ch. N. 66 (1892), 227; Scovell: U. S. Department of Agriculture, Division of Chemistry, Bull. Nr. 35, S. 86; B. 26 (1893), 294; u. A. m.

De Koninck -Meineke, Mineralanalyse. II. 81

Bereits der Autor des Verfahrens, und nach ihm Andere, erkannten, dass der NitratstickstofF, welcher die organischen Substanzen begleitet, mehr oder weniger vollstĂ€ndig in Ammoniak ĂŒbergenĂŒhrt wird. Diese Beobachtung fĂŒhrte schliesslich zu der genauen Ennittelung der Bedingungen, unter welchen diese Umwandlimg eine ganz vollstĂ€ndige wird

Diese Bedingungen bestehen darin, dass gleichzeitig neben aromatischen Verbindungen, welche imter dem EinflĂŒsse von SchwefelsĂ€ure leicht nitrirte Derivate geben, auch Reductionsmittel angewandt werden, welche diese Verbindungen in amidirte Derivate, welche ihrerseits Anmioniak geben, ĂŒberzufĂŒhren vermögen.

Jodlbaur verfahrt in folgender Weise: Das Nitrat, welches in einer 0,2 — 0,5 gr Kaliumnitrat Ă€quivalenten Menge abgewogen ist, wird in einem langhalsigen Kolben von harem Glase*) mit 20 cc concentrirter SchwefelsĂ€ure und 2V gr PhenolsulfonsĂ€ure*), unter Zusatz von 2 — 3 gr Zinkstaub und 5 Tropfen einer 0,04 gr Platin in 1 cc enthaltenden Lösung von Platinchlorid behandelt Dieses Gemisch wird beinahe bis zum Sieden der SĂ€ure erhitzt und diese Temperatur wird beibehalten bis zur mehr oder weniger vollstĂ€ndigen EntfĂ€rbung, was eine Anzahl von Stunden erfordert Dann hebt man den Kolben vom Feuer ab und wirft in denselben nach und nach, in kleinen Portionen, Kaliumpermanganat, bis die FlĂŒssigkeit eine grĂŒne FĂ€rbung behĂ€lt Dann lĂ€sst man erkalten, giesst in einen Destillirapparat ĂŒber und verdĂŒnnt gleichzeitig vorsichtig die FlĂŒssigkeit; schliesslich setzt man ein Alkalihydrat hindu und bestimmt das Ammoniak durch Destillation.

Statt concentrirter SchwefelsÀure allein wendet man auch eine Lösung von PhosphorsÀure -Anhydrid in SchwefelsÀure (200 gr Anhydrid auf 1 Liter) an; mit dieser Mischung geht die Oxydation des Phenols viel schneller von statten.

Es ist auch vorgeschlagen, zur Bestimmung des Stickstoffes in organischen Substanzen die SchwefelsĂ€ure durch eine Mischung von Schwefel- sĂ€ure mit Kaliumsulfat, welche man durch Behandeln von 1 Th. neutralem Sulfat mit 2 Th. SĂ€ure*) oder 9 gr Sulfat auf 10 cc reine SĂ€ure erhĂ€lt, zu ersetzen. Das in der KĂ€lte halbfeste Product verflĂŒssigt sich leicht in der WĂ€rme; diese Mischung kann jedoch nicht ohne Weiteres bei der Bestimmung der Nitrate angewandt werden).

1) von Asboth: Ch. Centrbl. [3J 17 (1886), 161; Jodlbaur: das. 433' Förster: Ch.-Z. 12 (1888), 1555 u. 18 (1889), 15 u. 229; Chenel: Bull. Soc, eh. [3] 7 (1892), 321.

') Sehr geeignet sind Kolben aus Jenaer Glas, welche man direct ĂŒber der Gasflamme erhitzen kann.

Âź) Man stellt dieses Product dar durch Auflösen von 50 gr Phenol in einer solchen Menge concentrirter SchwefelsĂ€ure, dass man 100 cc FlĂŒssigkeit erhĂ€lt.

Gunning: Nederl. Tijdschr, v. Pharm., Chem. en Toxic. 1 (1889), 35; Atterberg: Ch.-Z. 14 (1890), 509.

A. Durch WĂ€guDg. 483

Der oben angegebene Zusatz von Kaliumpermanganat unterbleibt bisweilen, besonders wenn man zur Verbrennung der PhenolsulfonsÀure die Mischung von SchwefelsÀure und PhosphorsÀure anwendet und etwas Mercurioxyd, im VerhÀltnisse von 1 gr auf 30 cc der SÀure, zusetzt.

Eine Modification des Kjeldahl-Jodlbaur'schen Verfahrens ist von O. Foerster) vorgeschlagen. Man behandelt das Nitrat mit 15 cc SchwefelsĂ€ure, welche 6 Âź/o SalicylsĂ€ure enthĂ€lt, und schĂŒttelt bis zur erfolgten Lösung lun. Dann setzt man 5 gr Natriimihyposuliit hindu, und nach beendigter Reaction etwas Quecksilber sowie 10 cc reine Schwefel- sĂ€ure. Man erhitzt bis zur Zerstörung der organischen Substanzen. Die SalicylsĂ€ure ist auch von Scovell angewandt worden.

Hat man Quecksilber oder Quecksilberoxyd angewandt, so muss man bei der Destillation des Anmioniaks Natriumsulfid im VerhÀltniss von 1,3 gr krystallisirtes Sulfid (NaS+OHO) auf 1 gr Quecksilberoxyd oder Quecksilber zusetzen; ohne diese Vorsicht kann sich ein Theil des Ammoniaks in Form einer amidirten Mercuriverbindung der Destillation entziehen. Man könnte auch das Quecksilber aus der schwefelsauren Lösung durch Zink fallen').

1758. Mittel. Nach dem modificirten Verfahren von Will-Varrentrapp). Das Will-Varrentrapp'sche Verfahren in seiner ursprĂŒnglichen Form hatte, ebenso wie das KjeldahTsche, die Bestimmung des Stickstoffes in organischen Substanzen zum Zwecke. Es besteht darin, dass die Substanz mit Natronkalk erhitzt wird; das entwickelte Ammoniak wird in SalzsĂ€ure aufgefangen und bestimmt.

Um das Verfahren auf Nitrate anzuwenden, muss man dem Natronkalk ein Reductionsmittel, Natriumhyposulfit oder eine organische Substanz oder eine Mischung beider, zusetzen. Man mischt, nach RĂŒffle, innig 6 Th. Natronkalk mit 7 Th. Hyposulfit; von dieser Mischung und dem abgewogenen Nitrate (1 — IV gr), sowie von Schwefel und Holzkohle werden gleiche Theile gemischt.

Man bringt nun 5 gr des Reagensgemisches in das geschlossene Ende eines eisernen Rohres von 56 cm LĂ€nge und 16 mm Durchmesser, darauf die mit 30 gr des Reagens gemischte Substanz, dann von Neuem -5 gr Reagens und schliesslich gekörnten, reinen Natronkalk (etwa 20 gr). Die RohrfĂŒllung hĂ€lt man durch einen Asbestpfropfen in ihrer Lage. Etwa 20 cm des eisernen Rohres mĂŒssen frei bleiben.

1) Landw. Vers.-St, 88 (1890/91), 165; siege auch SĂŒllwald: Ck.-Z. 14 a890), 1673.

Grcte: B. U (1878), 1557; RĂŒffle: /. ck. Soc. 88 (1881), 87; H.Tamm: Ch. N. 46 (1882), 159; Kiessling: CA.-Z. 6 (1882), 711; Houzeau: C. r. 100 (1885), 1445; Arnold: .18 (1885), 806; E. Boyer: C. r. 118 (1891), 503; Arnold and Wedemeyer: Z. anal. Ch. 81 (1892), 388.

Nachdem man dem Rohre eine Vorlage gegeben hat. erhitzt man es in einem Ofen von borne nach hinted. Ist das ganze Rohr rothglĂŒhend, so behĂ€lt man diese Temperatur noch 10 Minuten lang bei. Damit ist die Operation beendet

C. Arnold und K. Wedemeyer erhitzen die Substanz in einem Glasrohre von etwa 45 cm LĂ€nge mit einem Gemische von 2 Th. ent- wĂ€ssertem Natriumhyposulfit, 1 Th. krystallisirtem Hyposulfit, 1 Th. Natronkalk und 1 Th. Natriumformiat, Alles in grobkörnigem Zustande. Das an einem Ende geschlossene Rohr erhĂ€lt zunĂ€ auf eine Lange von 5 cm eine Mischung von 1 Th. Formiat mit 9 Th. Natronkalk, dann das Nitratgemisch mit so viel des Reagensgemisches, dass davon 25 cm des Rohres eingenommen werden; darauf schĂŒttet man auf eine LĂ€nge von 10 cm Natronkalk mit Formiat gemischt und setzt einen Asbestpfropfen auf. Der weitere Verlauf der Operation ist der vorher beschriebwie.

Ho uze au wendet statt Formiat Acetat an, welches er vorher mit Natriumhyposulfit in einer auf dem Wasserbade erwÀrmten Schale zusammmenschmilzt.

Boy er setzt dem Natronkalk Schwefel und Calciumoxalat zu.

Diese verschiedenen Varianten des Will-Varrentrapp*schen Verfahrens sind selbst nur Modificationen eines bereits alten Verfahrens, welches von G. Ville) stammt und anscheinend in Vergessenheit gerathen ist. Das Nitrat wird durch Ferrochlorid in einem Kolben, durch welchen man einen Strom Wasserstoff leitet, reducirt. Das entstehende Gemisch von Wasserstoff und Stickoxyd wird durch SchwefelsĂ€ure und dann durch ein rothglĂŒhendes Rohr mit Natronkalk, welches den Stickstoff in Ammoniak ĂŒberfĂŒhrt, geleitet.

Bei allen Variationen des Will-Varrentrapp*schen Verfahrens tritt wahrscheinlich eine vorĂŒbergehende Bildung von Cyanid ein, welches dann durch das Wasser der Alkalihydrate zersetzt wird (siege § 1548, Nr. 5).

1759 Mittel. Durch Stannochlorid. In einem zugeschmolzenen Rohre mit Stannochlorid auf 170Âź erhitzt, geben die Nitrate Ammoniumchlorid 2). Man hat spĂ€ter beobachtet), dass die Anwendung eines zugeschmolzenen Rohres nicht unbedingt erforderlich ist. Aber auch in dieser vereinfachten Weise ist das Verfahren nicht in die Praxis ĂŒbergegangen. Neuerdings ist es mit einer geringen Modification wieder vorgeschlagen worden).

C. r. 41 (1855), 938 u. 987. Pugh: Quart. J. ehem. Soc. 12 (1859), 35. O. von Dumreicher: Monatsh. Ch. 1 (1880), 724.

M. KrĂŒger: B. 27 (1894), 1(>33. Siehe auch H. Henriet: C. r, 182 1901). 966.

A. Darch WĂ€ng. 4g5

dass man das Nitrat in Gegenwart eines Alkalicarbonates und bei Luftabschluss mit Chromioxyd erhitzt imd die entstandene ChromsÀure bestimmt:

Um das Verfahren auf ein Alkalinitrat anzuwenden, mischt man 0,8 — 0,4 gr des letzteren mit 3 gr fein verriebenem Chromioxyd und 1 gr wasserfreiem Natriumcarbonat; man bringt die Mischung in ein Schiffchen und dieses in ein Rohr von schwer schmelzbarem Glase, durch welches man einen Strom von KohlensĂ€ure leitet.

Nachdem man 10 Minuten lang auf Rothgluth erhitzt hat, lÀst man erkalten und behandelt die gefrittete Masse mit Wasser. In der erhaltenen Lösung bestimmt man das Chromat durch Mercuronitrat (§ 524).

Bei dieser Reaction wird der Stickstoff in Form von Stickoxyd ausgetrieben.

1761. IV. Durch Beduotion su Stiokoxyd und direote WÀgoxig dieses Gases Dieses Verfahren, welches keine beMedigenden Resultate zu geben scheint 2), besteht darin, dass man das Nitrat bei Luftabschluss mit einer Ferrosalzlösung behandelt (s. § 1779) und das gebildete Stickoxyd in einem tarirten Apparate, welcher ChromsÀure enthÀlt, auffangt

1762. V. Durch Ueberffihrung in Chlorid. Ist das Nitrat nicht mit einer Verbindung, welche bei Einwirkung von SalzsĂ€ure in Chlorid ĂŒbergeht, gemischt, so kann man die Substanz wiederholt mit SalzsĂ€ure abdampfen; sehr geeignet hierzu ist auch die Anwendung gas- förmigen Chlorwasserstoffis (§ 1771). Schliesslich entfernt man jede Spur freier SĂ€ure und bestimmt das entstandene Chlorid durch Silbemitrat.

Statt Chlorwasserstoff zur Umwandlung anzuwenden, kann man diese auch durch GlĂŒhen mit Ammoniumchlorid bewerkstelligen).

— Die Eigenschaft der Nitrate, auf welcher das soeben beschriebene Verfahren beruht, kann man noch in anderer Weise benutzen, wenigstens wenn ein feuerbestĂ€ndiges Nitrat vorliegt und das entsprechende Chlorid ebenfalls feuerbestĂ€ndig ist (Salze der Alkalien und der alkalischen Erden, ausgenommen die Magnesiumsalze).

Das durchaus trockne Nitrat wird gewogen, dann wird es in Chlorid ĂŒbergenĂŒhrt und das Gewicht dieses letzteren bestimmt. Die Gruppe NO3 (61,89) wird durch ein Atom Chlor (35,37) ersetzt; es entsteht ein der Differenz (26,52) entsprechender Gewichtsverlust.

Aus der Differenz beider WĂ€gungen kann man also die Menge des in der Probe enthaltenen Nitrates berechnen*).

In beiden Formen ist das Verfahren selten anwendbar und deshalb

JouUe, citirt von Villicrs: Trait de Ch. anal., S. 63.

nicht praktisch. Besser wĂŒrde sich eine titrimetrische Bestimmung eignen (§ 1773).

1763. I. Durch Adldimetrie), nach vorhergegangener Destillation. Das Nitrat wird mit der etwa ISfachen Gewichtsmenge ver- dĂŒnnter SchwefelsĂ€ure (1 Vol. reine SĂ€ure und 2 Vol. Wasser) in einen Destillirapparat gebracht. Der KĂŒhler steht mit einer Vorlage in Verbindung, welche eine abgemessene Menge einer titrirten Lösung von Kalihydrat enthĂ€lt

Man erwĂ€rmt alhnĂ€hlich, um die SalpetersĂ€ure ĂŒberzudestilliren, ohne jedoch die Temperatur von 160Âź zu ĂŒberschreiten, damit nicht auch SchwefelsĂ€ure ĂŒbergeht; zu dem Zwecke versieht man den Destillirapparat mit einem in die FlĂŒssigkeit tauchenden Thermometer.

Die Destillation muss mehrere Stunden lang fortgesetzt werden. Ist sie beendet, so bestimmt man mit einer alkalimetrischen FlĂŒssigkeit das in der Vorlage noch enthaltene Kalihydrat.

Die AusfĂŒhrung des Verfahrens erfordert eine stĂ€ndige Ueberwachung. Man kann es vortheilhaft umĂ€ndern, indem man im luftleeren RĂ€ume destillirt ; es genĂŒgt dann ein ErwĂ€rmen im Wasserbade und man hat ein Uebergehen von SchwefelsĂ€ure nicht zu befurchten. Es ist jedoch erforderlich, dass die Vorlage aus genĂŒgend starkem Glase gefertigt ist, um nicht durch den Ă€usseren Luftdruck zertrĂŒmmert zu werden. Man kann einen Kolben fĂŒr fractionirte Destillation anwenden, in welchen man, nach EinfĂŒ der titrirten Kalilauge, das Ende des Lieb ig' sehen KĂŒhers tief eintauchen lĂ€sst; das seitliche Rohr dient zur Verbindung mit dem die Luftleere hersteUenden Apparate. Ist das Nitrat mit einem Chloride, Rromide oder Jodide gemischt, so setzt man Silbersulfat in geringem ĂŒeberschusse hindu; enthĂ€lt es reducirende Substanzen, so fĂŒgt man Kaliumdichromat hindu, um secundĂ€re Reactionen, welche zu einem falschen Resultate Veranlassung geben können, zu verhindern; die sich entwickelnde und bei Absorption durch die Kalilauge Carbonat bildende KohlensĂ€ure stört die ZurĂŒcktitrirung nicht

1764. n. Durch Acidimetrie, Schloesing's Verfahren). Dieses sehr interessante Verfahren ist in seiner AusfĂŒhrung nicht ganz einfach,

In RĂŒcksicht auf die Löslichkeit aller Nitrate machen wir auf das in § 353 angegebene acidimetrische Verfahren, welches allgemein bei einer grossen Anzahl von Salzen anwendbar ist, ganz besonders aufmerksam.

Ann. de ch. et de phys. [3] 89 (1853), 479; C. r. 87 (1853), 858; Reichardl: Z. anaL Ch. 9 (1870), 24; FrĂŒhling und Grouven: Landw. Vers.-St. 9 (1867), 14 u. 150; Wilfahrt: Z. axial. Ch. 27 (1888), 411; Wildt und Scheibe: Z. anal, Ch. 28 (1884), 151. Eine genaue Beschreibung des Apparates findet man in Fresenius: Anl. z. quant. ehem. Anal. 6. Aufl., L, S. 522.

B. Durch Titrimetrie. 487

deshalb wird es unseres Wissens jetzt nur selten angewandt; aus dem nÀmlichen Grunde beschrÀnken wir uns auf eine kurze Angabe.

Man erhitzt die Nitratlösung in einem Kolben mit Ableitungsrohr, welches an seinem Ende mit einem StĂŒck Kautschukschlauch versehen ist, zum Sieden. Sobald durch den Wasserdampf alle Luft ausgetrieben ist, druckt man den Kautschukschlauch nahe an seinem Ende mit den Fingern zusammen und taught ihn, nach ZurĂŒckziehen des Brenners, nach einander erst in eine concentrirte Lösung von Ferrochlorid und dann in SalzsĂ€ure; da durch Condensation der Wasser- dĂ€mpfe ein luftleerer Raum entstanden ist, werden diese FlĂŒssigkeiten in den Kolben gesaugt. Der SalzsĂ€ure lĂ€sst man, zum AusspĂŒlen des Rohres, etwas Wasser folgen. WĂ€hrend man nun den Kautschukschlauch zusammengedrĂŒckt hĂ€lt, erwĂ€rmt man den Kolben von Neuem, imd sobald man einen inneren Druck spĂŒrt, bringt man den Schlauch in die untere Tabulatur eines kleinen Quecksilber- Gasometers, welcher mit diesem Metalle und einer kleinen Menge Kalkmilch gefĂŒllt ist Durch die Einwirkung des Ferrochlorides wird die SalpetersĂ€ure zu Stickoxyd reducirt und dieses in dem Gasometer aufgefangen, in welchem es gleichzeitig die mitgerissene SalzsĂ€ure an die Kalkmilch abgiebt.

Ist diese erste Operation beendet, so bringt man in einem dem ersten gleichen Kolben Wasser zum Sieden und kocht, bis die Luft möglichst vollstĂ€ndig ausgetrieben ist; hierauf bringt man den Kolben mit dem Gasometer in Verbindung, dann lĂ€sst man durch eine der oben bei der EinfĂŒhrung des Ferrochlorides beschriebenen Ă€hnliche Manipulation das Stickoxyd in den Kolben treten und darauf Sauerstoff im Ueberschusse folgen. Nach etwa 20 Minuten langem, ruhigem Stehen ist alles Stickoxyd in SalpetersĂ€ure umgewandelt, welche von dem in dem Kolben enthaltenen Wasser absorbirt wird (siege § 1744, Nr. 3). Sie wird schliesslich durch eine alkalische FlĂŒssigkeit titrirt.

Schloesing giebt zu dem Zwecke Calciumsaccharat an (siege §347); man kann ebenso gut Barythydrat oder kohlensÀurefreies Kalihydrat oder selbst Ammoniak anwenden.

Eine einfachere AusfĂŒhrung ist von Wildt und Scheibe empfohlen); man könnte auch den in § 1779 angegebenen Apparat mit leichten Aenderungen anwenden.

Ein Verfahren 2), welches als eine Variante des soeben beschriebenen angesehen werden kann, besteht darin, dass man das von sauren DĂ€mpfen vollkommen freie Stickoxyd von Wasserstoffsuperoxyd, welchem man eine bekannte ĂŒberschĂŒssige Menge Alkalihydrat zugesetzt hat (siege § 1744, Nr. 5 und § 1747), absorbiren lĂ€sst und den Ueberschuss des letzteren alkalimetrisch bestimmt.

Wilfahrt: Z. d. V. f. d. RĂŒbent.-Ind, d. Deutsch. Reichs 1883, 511; Landw. Vers.- St. 20 (1883), 439.

1765* III. Dtiroh Feirosalse Dieses von Gossart und von Pelouze stammende Verfahren beruht auf der Umwandlung von Ferrosalzen in Ferrisalze durch die Einwirkung der SalpetersĂ€ure; es kann, wie alle auf demselben Principe beruhenden Verfahren, in verschiedenen Modificationen ausgefĂŒhrt werden.

In allen FĂ€llen erhĂ€lt man nur dann genaue Resultate, wenn man mit grösister Sorgfalt den Zutritt der Lft abhĂ€lt, nicht sowohl wegen der directed Einwirkung derselben auf die Ferrosalze, einer Einwirkung, welche sich so wenig und so langsam bemerkbar macht, dass man auf sie fast keine RĂŒcksicht zu nehmen braucht, als vielmehr, weil in BerĂŒhrung mit Sauerstoff und Wasser das Stickoxyd, welches sich entwickelt, sofort wieder in SalpetersĂ€ureumgewandelt wird und diese wieder eine neue Menge Ferrosalz absorbirt. Auch muss man das Stickoxyd durch andauerndes Kochen bis auf seine letzten Spuren austreiben, bevor man titrirt

Es ist gleichgĂŒltig, ob Ferrochlorid oder Ferrosulfat oder Anmionium- Ferrosulfat oder eine Lösung eines dieser Sulfate in SalzsĂ€ure angewandt wird. Pelouze wandte ein Chlorid an, welches er durch Auflösen von 2 gr Eisen in 80 bis 100 cc SalzsĂ€ure erhielt; andere Autoren geben dem Sulfat den Vorzug 2). Eder wendet Mohrsches Salz unter Zusatz von SalzsĂ€ure an; die Reaction soll sich schneller vollziehen und das Stickoxyd soll sich leichter austreiben lassen, als bei Anwendung einer schwefelsauren Lösung.

Man kann entweder das Nitrat auf eine von Ferrisalz freie Ferrosalz- lösung einwirken lassen und das entstandene Ferrisalz durch Stannochlorid*) (§ 583 flf.) bestimmen, oder es mit einer bekannten ĂŒberschĂŒssigen Menge Ferrosalz behandeln und dann den Ueberschuss desselben ß) durch Kalium - Chromat oder -Permanganat (§ 594 u. § 595) bestimmen.

Unter den zahlreichen AusfĂŒhrungsarten wollen wir zunĂ€ die folgende beschreiben, welcher wir den Vorzug geben.

Der angewandte Apparat besteht aus einem Kolben fĂŒr fractionirte Destillation von etwa 250 cc Inhalt, dessen seitliches Rohr mit einer P el ig ot- Röhre oder einer Volhard' sehen Vorlage in Verbindung steht, welche etwas SalzsĂ€ure enthĂ€lt und welcher sich ein kleines U-Rohr anschliesst, in dessen Biegung man, um ein Eintreten von Luft zu verhindern, etwas Wasser giesst Der Hals des Kolbens ist mit einem

Gossart: C. r. 24 (1847), 21; Pelouze: das. 209; R. Fresenius: Ann. 106 (1858), 217; Abel und Bloxam: Quart. J. eh. Soc. 9 (1866). 97; Rose: Z. anal. Ch. 1 (1862), 304; siege auch C. M. van Deventer: Z. physik. Ch. 31 (1899), 50.

Bailhache: C. r. 108 (1889), 1122; Bull. Soc. ch. [3] 2 (1889), 9.

Pelouze: l. cit.

B. Durch Titrimetrie. 489

doppelt durchbohrten Stopfen verschlossen; die eine Bohrung trÀgt einen Hahntrichter mit ausgezogenem Rohre, die andere em gebogenes Rohr, durch welches man einen KohlensÀurestrom zutreten lÀsst.

In den Kolben bringt man 1,5 bis 2 gr Claviersaitendraht, leitet KohlensĂ€ure durch und lĂ€sst dann durch den Hahntrichter 20 bis 30 cc rauchende SalzsĂ€ure eintreten; der Saure lĂ€sst man 2 bis 3 cc Wasser folgen und sort dafĂŒr, dass das Trichterrohr mit letzterem gefĂŒllt bleibt.

Wenn das Eisen vollkommen verschwunden ist, giesst man die mit mög- lichst wenig Wasser bereitete Nitratlösung in den Trichter; diese Lösung lĂ€sst man in den Kolben fliessen, bis sie an den ĂŒssel des Hahnes gelangt; dann spĂŒlt man den Trichter zwei-oder dreimal mit SalzsĂ€ure und sdiliesslich noch mit 5 cc Wasser nach, von welchem man nur so viel zutreten lĂ€sst, als nöthig ist, um die SĂ€ure aus der Trichterröhre zu verdeĂ€ngen.

Nun erwĂ€rmt man allmĂ€hlich, so dass erst nach einer Viertelstunde das Sieden beginnt, und behĂ€lt diese Temperatur bei, bis ein an den Ă€usseren Schenkel des U- Rohres gehaltener, angefeuchteter Streifen ozonoskopisches Papier nicht mehr geblĂ€ut wird. Erst wenn man sich hiervon ĂŒberzeugt hat, titrirt man den Kolbeninhalt mit Stannochlorid.

Ist die SalzsÀure in der Vorlage durch mitgerissenes Ferrichlorid gelb gefÀrbt, so vereinigt man sie zur Bestimmung mit dem Kolbeninhalte.

Statt das Ferrosalz im Kolben selbst durch Auflösen von metallischem Eisen zu bereiten, kann man auch Ferrosulfat oder Mohr'sches Salz anwenden, nur unter der Voraussetzung, dass dieselben vollkommen frei von Ferrisalzen sind; man löst das Salz in möglichst wenig Wasser und setzt dann rauchende SalzsÀure zu. Ist die Lösung gelb gefÀrbt, so erwÀrmt man sie imd reducirt das Ferrisalz durch die genau erforderliche Menge Stannochlorid. Die Anwendung metallischen Eisens ist vorzuziehen, besonders bei noch fehlender Uebung.

1766. Morgan und Bates*) haben dem Verfahren eine sehr praktische Form gegeben; sie benutzen eine titrirte Lösung von Ferrichlorid und eine Lösung von Stannochlorid.

In einen einfachen Kolben lĂ€sst man, wĂ€hrend ein Strom von KohlensĂ€ure, welcher genĂŒgend stark ist, um jeden Luftzutritt zu verhindern, eingeleitet wird, ein bekanntes Volumen der Ferrisalzlösung fliessen, fĂŒgt rauchende SalzsĂ€ure hindu, erwĂ€rmt und lĂ€sst aus einer BĂŒbette mit gebogenem und so lang ausgezogenem Ausflussrohre dass die Spitze in die Ausbauchung des Kolbens reicht, die Stannochlorid-Lösung genau bis zur Ă€rbung zufliessen (siege § 583). Man erhĂ€lt so das WerthverhĂ€ltniss zwischen beiden Lösungen und vomit den Titer der zweiten.

/. anal, and appL Ch. 3 (1888), 384; R. unrv. d. M. [3] 7 a889), 222. Vergl. auch das folgende Verfahren § 1769.

Man kann eine BĂŒbette von der Constrnction benutzen, welche DeKooinck fĂŒr heisse Titrationen vorgeschlagen hat (siege Fig. 146, Bd. I, S. 202).

In diese das Eisen jetzt ausschliesslich als Ferrosalz enthaltende Mischung schĂŒttet man das Nitrat, erwĂ€rmt dann bis zur vollstĂ€ndigen Austreibung des Stickoxydes und ermittelt schliesslich die Menge Stannochlorid, welche nöthig ist, um das Eisen von Neuem genau vollstĂ€ndig in Ferrosalz ĂŒberzufĂŒhren.

Diese AusfĂŒhrung des Verfahrens hat den besonderen Vorzug, dass die Ferrosalz -Lösung nach Beendigung eines Versuches unmittelbar zu einem neuen Versuche benutzt werden kann. Die Zahl der Bestimmimgen, welche man in dieser Weise auf einander folgen lassen kann, ist nur dadurch begrenzt, dass schliesslich die FlĂŒssigkeit so stark verdĂŒnnt wird, dass die Endreaction der directed Titrirung des Eisens durch Stannochlorid nicht mehr nut genĂŒgender SchĂ€rfe erkannt werden kann.

1767. Das Verfahren von Morgan und Rates kann wieder, wie folgt, abgeÀndert werden i): Statt einer titrirten Lösung von Ferrichlorid benutzt man eine beliebige Lösung von Ferrochlorid und eine titrirte Lösung von Kaliumnitrat.

Zu Beginn einer Reihe von Versuchen bringt man Ferrochlorid und SalzsÀure in den Kolben; sollte die Lösung durch etwas Ferrichlorid gefÀrbt sein, so reducirt man dieses genau durch Stannochlorid.

In diese ausschliesslich ferro salzhaltige Lösung lĂ€sst man ein bekanntes Volumen einer titrirten Lösung von Kaliumnitrat fliessen und ermittelt, wenn die Reaction beendet ist, das zur Reduction des gebĂŒdeten Ferrichlorides erforderliche Volumen von Stannochlorid-Lösung. Man er- hĂ€lt so direct den Titer der Stannochlorid-Lösung in Bezug auf Nitrat ausgedrĂŒckt.

Ist dieser erste Versuch beendet, so geht man ohne Unterbrechung zu der Bestimmung der zu analysirenden Nitrate ĂŒber. Zum Schluss der Reihe kann man den zuerst gefundenen Titer der Stannosalz-Lösung durch eine zweite Einstellung controlUren.

Die titrirte Lösung von Kaliumnitrat lÀsst sich nach der directed Methode aus reinem, gut getrocknetem Nitrat bereiten.

1768* Wie wir schon oben bemerkten, kann man, statt das durch das Nitrat gebildete Ferrisalz zu bestimmen, unter Anwendung einer bekannten Menge von Ferrosalz den Ueberschuss von letzterem zu rĂŒckt! triren.

Die Bedingungen sind bei beiden Arten der AusfĂŒhrung des Verfahrens die gleichen.

Eine bestimmte Menge Ferrosalz erhÀlt man durch folgende Mittel:

1. Auflösen einer bekannten Menge Claviersaitendraht (99,6 % Eisen) oder eines anderen blanket lusendrahtes, dessen Gehalt genau bestimmt ist, bei Luftabschluss.

') De Koninck: nicht veröffentlicht.

B. Durch Titrimetrie. 491

2. Anwendung eines bestimmten Gewichtes von Mohr'schem Salz.

3. Anwendung eines abgemessenen Volumens einer Ferrosalzlösung, deren Titer unmittelbar vor dem Gebrauche durch Kaliumpermanganat oder Kaliumchromat genau bestimmt wird.

4. Genaue Reduction eines bekannten Volumens einer titrirten Ferrisalzlosung durch Stannochlorid (siege § 583).

Zur ZurĂŒcktitrirung des Ferrosalz-Ueberschusses eignet sich, wenn eine Chloridlösung vorliegt, Permanganat weniger gut als Chromat (siege § 595); will man Permanganat anwenden, so ist daher die Verwendung einer Ferrosulfat -Lösung unter Zusatz von SchwefelsĂ€ure vorzuziehen.

17 69. IV. Duroh Capriohloiid und Stannoohlorid). Man

reducirt die stark saure und siedende Lösung von Cuprichlorid durch Stannochlorid, setzt, ohne das Kochen zu unterbrechen, das abgewogene Nitrat hindu und titrirt, nach vollstÀniger Vertreibung des Stickoxydes, das wieder entstandene Cuprichlorid durch titrirtes Stannochlorid.

Den Titer der Stannochlorid -Lösung bestimmt man in diesem Falle am rationellsten durch vergleichende Titrirung mittels reinen Kaliumnitrates (vergl. § 1767).

Wie man sieht, ist das Verfahren dem vorigen durch Ferrichlorid und Stannochlorid ganz analog; es ist aber weniger sicher (selbst wenn die Luft von der zunÀ erzeugten Cuprochlorid-Lösung, welche der Oxydation durch den Luftsauerstofif viel leichter zugÀnglich ist als die Ferrosalz-Lösung, mit grösister Sorgfalt abgehalten wird), weil die Reduction der Salpeter- sÀure durch Cuprochlorid unter gewöhnlichen UmstÀnden nicht mit Sicherheit als vollstÀndig regelmÀssig verlaufend angenommen werden kann.

1770. V. Duroh Umwandlung in Ammoniak. Dieses titrimetrische Verfahren, welches viel hĂ€ufiger angewandt wird als das entsprechende durch WĂ€gung (§§ 1754flf.), unterscheidet sich von letzterem nur durch die Art der Bestimmung des Ammoniaks. Man fangs das Ammoniak in einer mit titrirter SchwefelsĂ€ure oder SalzsĂ€ure beschickten Vorlage auf; ist alles Ammoniak ĂŒbergegangen, so titrirt man den SĂ€ureĂŒberschuss durch irgend eine alkalische FlĂŒssigkeit, gewöhnlich Ammoniak oder Kalihydrat (§ 397).

1771. VL Durch Jodometrie Dieses Verfahren basirt auf der Zersetzung der Nitrate bei Luftabschluss durch SalzsĂ€ure, welche so concentrirt sein muss, als ĂŒberhaupt möglich ist, und in diesem Concentrationsgrade durch Zuleitung gasförmiger ChlorwasserstoffsĂ€ure erhallen wird.

Die SalzsÀure kann mit Nitraten oder vielmehr mit SalpetersÀure,

De Koninck und Nihoul: Z. angew. Ch. 1880, 477; R. univ. d. M. [3] 13 (1891), 52; G. McGowan: /. ch. Soc. 69 (1891), 530. Siehe auch J. F. Pool: Nederl. Tijdsch. v. Pharm.. Chem. en Toxic. 11 (1899), 171.

Bettimmong der Nitrate.

welche sofort bei der ersten Einwirkung entsteht, in ziemlich complicirter Weise reagiren. Die Hauptreaction giebt Chlor:

6 HC1 + 2 HNO3 2 N0 + 4 HjO + 3 Cl;

gleichzeitig kann sich aber die freilich ziemlich unrestÀndige Verbindung NOCl bilden 1):

3 HCl + HNO3 NOCl + 2 HgO + O,

Dieser Verbindung verdankt das Königswasser seine gelbrothe Farbe. Unter gewissen Bedingungen, welche wir unten angeben werden, nimmt die Reaction schliesslich den der ersten Formel entsprechenden Verlauf. Das sich bildende Zwischenproduct reagirt seinerseits mit der SalzsĂ€ure, und die Endproducte sind Stickoxyd und Chlor. Auf dieser ClilurcTUWickelĂŒng beruirt das Verfahren.

Das Ctilor wird in einer Losung von Kaliumjodid aufgefangen und das in Freiheit gesetzte Jod durch eine titrirtc Lösung s Q von Nalriumhyposulfit bestinmit.

ℱ" Die Zerset/ung des Nitrates

Je durch SalzsĂ€ure gCÄchieht mit

Hilfe des in Fig. 326 abgebildeten, auch zur Bestimmung des disponiblen SaucrjtotTes in den Superoxyden dienenden Apparates (siege § 650).

. TL:r

Fig. 226.

In einen kleinen Fractionirkolben von 30 bis 50 cc Inhalt bringt man die zu analysirende Substanz mit 2 bis 3 cc Wasser fĂŒr jedes Decigramm Nitrat, welches zu bestimmen ist. Durch den Stopfen, welcher den Hals des Kolbens verschliesst, ist ein unten ausgezogenes Rohr bis nahe an die FlĂŒssigkeit eingefĂŒhrt. Das obere Ende dieses Rohres ist zweiarmig und verbindet den Kolben einerseits mit dem Apparate A, in welchem Chlorwasserstoff durch Einwirkung von SchwefelsĂ€ure auf

G. Lange und Pclet haben gezeigt, dass sich bei der Einwirkuog von SalzsÀure auf SalpetersÀure nur NOCl, und nicht gleichzeitig NOCI bildet {Z. angew. Ck. 1695, 3).

B. Durch Titrimetrie. 495

StĂŒckigen Salmiak entwickelt wird andererseits durch B mit einem nicht mit abgebildeten Apparate, welcher reine KohlensĂ€ure liefert; der Vorsicht wegen versieht man beide Apparate mit kleinen, mit Schwefel- sĂ€ure gefĂŒllten Waschvorrichtungen*).

Es ist ganz besonders wichtig, dass die angewandte KohlensĂ€ure vollkommen luftfrei ist; denn der Sauerstoff wĂŒrde auf die nitrirten gasförmigen Verbindungen einwirken und nitrose DĂ€mpfe entwickeln, welche in Folge ihrer Reaction mit Kaliumjodid Jod frei machen und daher zu falschen Resultaten Veranlassung geben wĂŒrden.

Das seitliche Rohr des Kolbens wird mit zwei hinter einander an* gebrachten Vol bardischen Vorlagen £ und /'verbunden, welche eine Lösung von Kaliumjodid enthalten.

Der Apparat ended schliesslich in einen (nicht abgebildeten) pneumatischen Quecksilber- Verschluss, ohne welchen ein Ansaugen von Luft, in Folge der grossen Löslichkeit des Chlorwasserstoffgases und der Absorption des Chlors durch das Kaliumjodid, unfehlbar eintreten muss. Ein Ansaugen von Luft muss aber unbedingt und vollstĂ€ndig verhindert werden, weil durch sie aus den oben angefĂŒhrten GrĂŒnden die Menge des in Freiheit gesetzten Jods vermehrt wĂŒrde.

Ein solcher Verschluss lĂ€sst sich sehr einfach durch ein nicht zu writes Glasrohr und einen ganz kleinen, Quecksilber enthaltenden Erlenmeyer- Kolben herstellen. Man lĂ€sst das Rohr durch einen doppelt durchbohrten Stopfen etwa 2 bis 3 mm in das Quecksilber eintauchen. Durch die andere Stopfenbohrung geht ein entsprechend gebogenes Glasrohr, mit dessen Hilfe man das austretende Gas, namentlich bei Beginn der Operation, auffangen kann, um sich, wie wir spĂ€ter sehen werden, zu ĂŒberzeugen, dass der Apparat vollkommen luftfrei ist.

Ist der Apparat zusammengestellt (das Nitrat war schon vorher in den Destillirkolben gebracht), so verdeĂ€ngt man aus ihm die Luft durch einen ziemlich starken KohlensĂ€urestrom. Nach einiger Zeit ĂŒberzeugt man sich, dass das aus dem Apparate austretende Gas nur aus KohlensĂ€ure besteht, indem man eine Probe in einem Reagircy linder auffĂ€ngt und durch

Diese Waschvorrichtungen sind nicht abgebildet.

') Um genĂŒgend reine KoblensĂ€are zu erhalten, masB man, wie Bernthsen (Z. anaL Ch. 21 (1882), 63) angegeben hat, weissen gestossenen Marmor anwenden, welchen man erst mit Wasser und mit verdĂŒnnter ausgekochter SalzsĂ€ure in luftleerem RĂ€ume erhitzt hat und dann bei Luftabschluss hat erkalten lassen. Nach Kreusler [Landw. Vers. -St. 31 (1884), 227) enthĂ€lt das so dargestellte Gas noch etwa 7,600 seines Volumens Luft. De Koninck hat jedoch gute Resultate mit ihm erhalten.

Wir wollen noch bemerken, dass bei der Bereitung der KohlensĂ€ure zu starke Salz- sĂ€ure (z. B. die rauchende SĂ€ure des Handels) nicht angewandt werden darf, weil deren DĂ€mpfe, wenn sie in den Kolben vor der vollstĂ€ndigen Austreibung der Luft durch die KohlensĂ€ure gelangen, zu falschen Resultaten Veranlassung geben wĂŒrden. In diesem Falle wĂŒrde eine weitere Waschvorrichtung unbedingt erforderlich sein.

Kalilauge absorbiren lĂ€sst: sie muss von derselben gelöst werden, ohne dass ein Gasrest zurĂŒckbleibt.

Nun lĂ€sst man Chlorwasserstoffgas bis zur vollstĂ€ndigen SĂ€ttigung des Kolbeninhalts zutreten. Hat man nicht mehr Wasser angewandt, als oben angegeben ist, so genĂŒgt die durch die Auflösung des Gases eintretende ErwĂ€nnung, um die Reaction einzuleiten. Ist das nicht der Fall, so erwĂ€rmt man ganz schwach, jedoch erst, nachdem der Kolbeninhalt in der KĂ€lte mit Chlorwasserstoff gesĂ€ttigt ist Die FlĂŒssigkeit fĂ€rbt sich intensiv gelb und es entwickeln sich Gasblasen. WĂ€hrend dieser ganzen Operation leitet man einen schwachen KohlensĂ€urestrom durch, um ein ZurĂŒcktreten von Luft zu verhindern und den Austritt des Chlors zu erleichtern.

Ist die Reaction in dem Kolben beendet, was man daran erkennt, dass sich keine BlĂ€schen mehr entwickeln und die Farbe des Nitrochlorids verschwunden ist, so schliesst man den Hahn des SalzsĂ€ure- Apparates und erwĂ€rmt, anfangs ganz schwach, spĂ€ter etwas stĂ€rker, und verstĂ€rkt den KohlensĂ€urestrom, um die Chlorreste in die Vorlage ĂŒberzutreiben; es schadet nicht, wenn hierbei der Kolbeninhalt trocken gedampft wird.

Es ist jetzt nur noch das in der Vorlage in Freiheit gesetzte Jod zu bestimmen), was am besten durch Natriumhyposulfit geschieht (vergl. § 1417).

Wie es scheint, wird die Wirkung des Chlorwasserstoffes und die Entwickelung des Chlors begĂŒnstigt, wenn man dem Nitrate Manganochlorid zusetzt).

Das Verfahren ist dadurch etwas vereinfacht worden, dass man das Nitrat mit Kaliumjodid und PhosphorsĂ€ure behandelt 5*); bei dieser Modification, welche einige besondere Vorsichtsmaassregeln erfordert und welche wohl noch genauer zu prĂŒfen ist, wird das bereits im Kolben entwickelte Jod aufgefangen und bestimmt

1772* VII. Durch Chromioxyd. Man verfahrt, wie bei der Bestinunung durch WÀgung angegeben ist, welche auf derselben Reaction beruht (§1760). In der schliesslich erhaltenen Lösung wird das Chromat jodometrisch oder durch ein anderes Titrirverfahren bestimmt

1773. VUI. Durch UeberfĂŒhrung in Chlorid. Statt das aus dem Nitrate erhaltene Chlorid (§ 1762) durch WĂ€gung zu bestinunen, kann man es auch titriren, und zwar um so besser, als durch die Versuchsbedingungen selbst ein vollkommen neutrales Chlorid erhalten wird und daher Silbernitrat mit Kaliumchromat als Indicator angewandt werden kann (§ 1444).

Ueber einige besondere Vorsichtsmaassregeln zur Erreichaog der höchsten Genauigkeit vergl. die Originalabhandlung von De Koninck und Nihoul (1. cit.)- Gooch und GrĂŒner: Sill. Am. J. [3] 44 (1892), 117. GrĂŒner: SiU. Am. J. [3] 46 (1893), 42.

B. Durch Titrimetrie. 495

1774* IX. Durch Indigo). Ausser dem jodometrischen Verfahren, welches, wenn es mit der erforderlichen Sorgfalt ausgefĂŒhrt wird, ziemlich langwierig ist, sind alle anderen ĂŒtrimetrischen Verfahren zur Bestinmiung der Nitrate wenig geeignet, wenn es sich um Bestimmung sehr geringer Mengen dieser Verbindungen, wie sie bei der Untersuchung mancher Producte und namentlich bei der Untersuchimg von Trink- wĂ€stern vorkommen, handelt. In diesem Falle wendet man gewöhnlich das Verfahren an, welches auf der UeberfĂŒhrung des Indigo in Isatin durch SalpetersĂ€ure in Gegenwart von SchwefelsĂ€ure beruht.

Die Reaction verlĂ€uft nicht ganz regelrecht; man muss daher, um befriedigende Resultate zu erhalten, unter ganz bestimmten Bedingungen imd durch Vergleich mit einer Lösung eines reinen Nitrates (Kaliumnitrat), welche annĂ€hernd die gleiche relative Menge SalpetersĂ€ure wie die zu untersuchende FlĂŒssigkeit enthĂ€lt, arbeiten.

Fresenius*) empfiehlt die AusfĂŒhrung in folgender Weise:

Man stellt zimĂ€ einen Vorversuch an. Zu dem Zwecke misst man 25 cc des zu untersuchenden Wassers in einem Kolben von etwa 200 cc Inhalt ab und fugt in einem zusammenhĂ€ngenden Strahle unter Umschwenken 50 cc reine SchwefelsĂ€ure hindu. Nun lĂ€sst man, ebenfalls so schnell wie möglich, Indigolösung (siege unten) zufliessen, bis bleibende grĂŒnliche FĂ€rbung entsteht.

Hat man bei diesem Versuche mehr als 20 cc Indigolösung nöthig, so muss man den Versuch wiederholen, nachdem man das Wasser in einem geeigneten, bestimmten VerhĂ€ltnisse verdĂŒnnt hat.

Es folgt ein zweiter Versuch: 25 cc des event. verdĂŒnnten Wassers werden mit dem gleichen Volumen Indigolösung, welches bei dem Vorversuche angewandt war, und mit dem dem Gesammtvolumen von Wasser nnd Indigolösung gleichen Volumen SchwefelsĂ€ure versetzt; nun lĂ€sst man aus der BĂŒbette Indigolösung bis zu bleibender GrĂŒnfarbung einfliessen. Der Gesammtverbrauch von Indigo wird erheblich grösser sein als bei dem Vorversuche.

Ein dritter, dismal definitive Versuch wird wie der zweite ausgefĂŒhrt, mit dem einzigen Unterschiede, dass man den abgemessenen 25 cc Wasser sogleich das nahezu gleiche (nur um Yj cc kleinere) Volumen Indigolösung wie bei dem zweiten Versuche zufĂŒgt. Man notirt nun das Gesammtvolumen der verbrauchten Indigolösung.

Man hat nun den annĂ€hernden Werth des Reagens durch einen Versuch mit reinem Nitrat zu ermitteln; hierzu wird man durch geeignete VerdĂŒnnung der vorrĂ€thigen titrirten Lösung dieses Salzes (siege unten)

Boussiugault: Ann. de eh. ft de . [S] 4S 153; Trommsdorff: Z. anal. Ch. 8 (1869), 364 und 9 (1870), 171; Goppclsroeder: das. 9 (1870), 3 tind 10 (1871), 266; Struvc: das. U (1872), 25; van Bemmelen: das. U (1872), 136; Warington:. Ch. N. 85 (1877), 45 u. 57;/. eh. Soc. 85 (1879), 578

Anl. z. quant. ehem. Anal., 6. Aufl., II., 157.

am besten eine Lösung bereiten, welche so genau wie möglich dem durch die ersten Versuche titrirten Wasser Ă€quivalent ist; diese Lösung unterwirft man genau den gleichen Versuchen wie die ersten. Wenn die Zififem annĂ€hernd ĂŒbereinstimmen, so findet man durch VerhĂ€ltnissrechnung die Menge SalpetersĂ€ure, welche in dem analysirten Wasser enthalten war; im anderen Falle bereitet man, auf Grund der erhaltenen Resultate, eine neue Lösung von Kaliumnitrat und verfahrt mit dieser in der angegebenen Weise.

Die in Vorrath zu haltende titrirte Nitratlösung stellt man auf TnjOs 0,001 gr durch Auflösen von 1,8724 gr Kalimnnitrat auf 1 Liter dar.

Die Indigolösung bereitet man durch Auflösen von Indigocarmin (Indigosulfat, IndigoschwefelsĂ€ure) in so viel Wasser, dass man von der Lösung 6 — 8 cc auf 1 mgr SalpetersĂ€ure-Anhydrid (N2O5) gebraucht.

Warington) wendet mit Recht reines Indigotin (sublimirten Indigo) an; er löst davon mittels SchwefelsÀure 2 gr auf 1 Liter.

1775. X. Durch KaliamstannostĂŒftt'). In Gegenwart eines starken Ueberschusses von SchwefelsĂ€ure scheinen Stannosalze regelrecht auf Nitrate zu reagiren.

Man hat diese Reaction'') unter Zusatz von Diphenylamin als Indicator zu Nitrat-Bestimmungen benutzt; die durch das Diphenylamin bewirkte blaue Farbe verschwindet mit Beendigung des Versuches.

Nach den Untersuchungen des Verfassers dieses Verfahrens kann das Kalium- Stannosulfat nicht durch Stannochlorid ersetzt werden; in Gegenwart von Chloriden wĂŒrde daher das Verfahren nicht anwendbar sein.

G. Durch Qasometrie.

1776. I. Durch den Witrometer*). Dieses Verfahren beruht auf der Reduclion der SalpetersĂ€ure zu Stickoxyd durch Quecksilber in Gegenwart concentrirter SchwefelsĂ€ure und auf der Messung des entstandenen Gases. Der praktischste Apparat fĂŒr diese Bestimmung ist der Nitro meter von Lunge (Fig. 227). Er besteht aus einer Gasburette*), welche mit ihrem unteren Theile durch einen widerstandsfĂ€hagen Kautschukschlauch mit einem Gleichgewichts -(Niveau-) Rohre in Verbindung steht. Am oberen Theile befindet sich ein Hahn mit verlĂ€ngerter Nuss, welche zwei Ă€ge OefFnungen hat, so dass die BĂŒbette nach

-) Marignac'sches Salz: Ann. d. mines [5] 12 (1857), 54.

W. Crum: Phil. Mag. [3] 80 (1848), 420; Frankland und Armstrong: J. ch. Soc. [2] e (1868), 77; Warington: das. 85 (1879), 375; Davis: Ch. N. 37 (1878), 45; Lunge: B. U (1878), 434; A. BariUe: Bull. Soc. ch. [3] U (1894i 434; Em. Henry: Bull. Soc. ch. [3] U (1894), 24; J. R. Pitmann: /. Soc. of ehem. Ind. 19 (1900), 982; C. H. Shepard: Ch. N. 84 (1901), 83.

ZweckmÀssig oben zu einer 50 cc fassenden Kugel erweitert.

C. Durch Gasometrie.

Belieben geschlossen oder mit der trichterförmigen oberen Erweiterung oder mit einem gebogenen Zuleitungsrohre in Verbindung gesetzt werden kann.

Die BĂŒbette ist vom Hahne aus in Cubikcentimeter getheilt.

Um mit dem Nitrometer eine Bestimmung auszufĂŒhren, giesst man in ihn zunĂ€ so viel Quecksilber, dass bei gehobenem Niveaurohre ein kleiner Theil dieses Rohres, die BĂŒbette aber ganz mit dem Metalle gefĂŒllt ist. Dann giesst man in den Trichter die sehr concentrirte Lösung des zu untersuchenden Nitrates) und dreht, nachdem man das Niveaurohr etwas gesenkt hat, den Hahn langsam auf, so dass die FlĂŒssigkeit, aber keine Luftblase in die BĂŒbette gelangt.

Man reinigt den Trichter zunĂ€ mit Y2 cc Wasser, dann zwei-bis dreimal mit concentrirter SchwefelsĂ€ure, welche vollkommen frei von Stickstoff- Sauerstoff -Verbindungen und von Ammoniak sein muss und welche man langsam und unter SchĂŒtteln des Quecksilbers, um eine fĂŒr den Apparat gerliche Erhitzung zu vermeiden, in die BĂŒbette eintreten lĂ€sst.

C H. Shepard) zieht vor, das Nitrat direct mit 95%iger SchwefelsĂ€ure zu lösen und den Trichter mit derselben SĂ€ure zu waschen. Es ist so keine ErwĂ€rung des Nitrometers zu befĂŒrchten.

Man nimmt nun die BĂŒbette aus ihrem Gestell heraus, legt sie, um die Lösung mit einer recht grossen OberflĂ€che des Quecksilbers in BerĂŒhrung zu bringen, fast horizontal um, richter sie schnell wieder auf und wiederholt dieses Manöver mehrere Male, um eine Art Mischung des Quecksilbers nut der FlĂŒssigkeit zu bewirken. Vermehrt sich das Volumen des Stickoxydes nicht mehr, so bringt man die BĂŒbette an ihren Platz zurĂŒck und ĂŒberlĂ€sst sie der Ruhe, bis sich die gebildete emulsionsartige Masse wieder geklĂ€rt hat.

Um das Gas, behufs der Ablesung seines Volumens, unter atmosphĂ€rischen Druck zu bringen, bringt man das Gleichgewichtsrohr in eine solche Höhe, dass das Quecksilber in ihm und in der BĂŒbette gleiches Niveau hat; unter diesen UmstĂ€nden steht das Stickoxyd, in Folge der in der BĂŒbette befindlichen SĂ€ure, unter einem etwas zu schwachen

Man kann auch die feste Substanz hineinbringen und in wenig Wasser lösen. a. A. 84 (1901), 83.

Fig. 227.

De Koninck-Meineke, Mineralanal>-se. II.

Drucke. Man giesst nun einige (2 — 3) Cubikcentimeter concentrirte Schwefel- sĂ€ure in den Burettentrichter und öffnet ganz wenig den Hahn: ein Theil der SĂ€ure fliesst in die BĂŒbette. Dann sent man vorsichtig das Niveaurohr, um den Rest der SĂ€ure bis auf einen Tropfen, welcher in Folge der CapillaritĂ€t im Hahn verbleibt, in die BĂŒbette eintreten zu lassen; in dieser Stellung klemmt man das Niveaurohr fest, schliesst den Hahn, wartet, bis die an den WĂ€nden haftende SĂ€ure abgeflossen ist, und liest das Volumen, welches das Stickoxyd einnimmt, ab. Bei der Berechnung berĂŒcksichtigt man Temperatur und barometrischen Druck.

De Koninck zieht diese neue Art) zu verfahren der sonst ĂŒblichen vor, welche darin besteht, den Einfluss der SĂ€uresĂ€ule bei der Berechnung zu berĂŒcksichtigen, indem man das Gleichgewichtsrohr so stellt, dass das Quecksilber um eine Ă€quivalente Menge darin höher steht als in der BĂŒbette. Sie hat imter anderen VorzĂŒgen den, dass die reine SĂ€ure die innere Burettenwand abspĂŒlt, wodurch die Ablesung erleichtert wird.

Um den Apparat fĂŒr eine neue Bestimmung wieder in Ordnung zu bringen, dreht man den Hahn so, dass die BĂŒbette mit dem Leitungsrohr commimicirt, und hebt das Niveaurohr, bis das Quecksilber an der Nuss des Hahnes steht. Hierauf bringt man durch den Trichter zweibis dreimal reine SchwefelsĂ€ure hinein, wobei man den Apparat mnschwenkt, und entfernt schliesslich die SĂ€ure wieder durch das Leitungsrohr.

Um das Gewicht des entwickelten Volumens Stickoxyd*) zu erhalten, geht man von dem Gewicht eines unter Normal-Druck (760 mm) und Normal-Temperatur (0) stehenden Cubikcentimeters des Gases (0,0013436 gr) aus und rechnet demgemÀss das abgelesene Gasvolumen auf den Normalzustand um. Zur Vermeidung dieser Umrechnung hat man Tabellen, welche das Gewicht von 1 cc Stickoxyd bei den verschiedenen innerhalb der Beobachtungsgrenzen unter gewöhnlichen UmstÀnden liegenden Temperaturen und BarometerstÀnden angeben.

Beispiel. Um den Stickstoff in kĂ€uflichem Natriumnitrat zu bestimmen, schĂŒttet man die abgewogene Probe (etwa 0,35 gr) in den Trichter des Nitrometers giesst Yg cc Wasser hindu und lĂ€sst die FlĂŒssigkeit nach erfolgter Lösung in die BĂŒbette treten; zum NachspĂŒlen und Lösen der letzten Reste des Salzes benutzt man einmal Yg cc Wasser, dann zwei-oder dreimal concentrirte SchwefelsĂ€ure (im Ganzen 15 cc).

1777. U. Dnroh das WaBserstoff-Defioit, in alkaliaoher Löaiuig).

') Sie ist unseres Wissens nirgends beschrieben worden.

Da sich das Stickoxyd in BerĂŒhrung mit concentrirter SchwefelsĂ€ure befindet, ist es trocken; man braucht also die Spannung des Wasserdampfes nicht zn berĂŒcksichtigen. Die Spannung der SchwefelsĂ€ure ist praktisch gleich Null.

'') FĂŒr die angegebene Nitratmenge muss der Nitrometer mindestens 130 cc Inhalt haben und oben fĂŒr die ersten 50 — 80 cc eine Erweiterung tragen.

F. Schulze: Z. anai. CA, 2 (1863), 305; Z. Ch. [2] 4 (1868), 294; E. Schulze: Z, anal. Ch. 6 (1867), 379.

C. Durch Gasometrie. 499

Aluminium löst sich durch Behandeln mit einer Lösung von Alkalihydrat unter Entwickelung von Wasserstoff; in Gegenwart eines Nitrates fĂŒhrt dieser Wasserstoff den Salpeterstickstoff in Ammoniak ĂŒber (§ 1751, Nr. 9).

Um das auf dieser ReacĂŒon beruhende Verfahren auszufuhren, behandelt man das Nitrat in einem geeigneten gasometrischen Apparate (Azotometer, Caldmeter od. dergl, siege Fig. 164, § 402 und Fig. 165. § 403) mit einer gewogenen Menge Aluminiumpulver und mit einer Lösung von reinem Alkalihydrat

Andererseits ermittelt man durch einen blinded Versuch das VerhÀltniss zwischen dem Aluminium und dem Wasserstoff, welcher durch dasselbe entwickelt werden kann. Dieser Versuch ist unbedingt nöthig, weil das kÀufliche Aluminium nicht ganz rein ist und das VerhÀltniss bei verschiedenen Sorten von dem theoretischen VerhÀltnisse stets abweicht

17 78. lU. Dnroh das WasserBtoff-Deflcit, in saurer Iiö). Wir haben frĂŒher (§ 1756) gezeigt, dass die Nitrate durch Behsmdeln mit Eisen und einer SĂ€ure in Ammoniumsalze ĂŒbergenĂŒhrt werden:

Die Menge des gesuchten Nitrates erhĂ€lt man durch, das Deficit von Wasserstoff, welcher bei der Reaction zwischen Eisen und Schwefel- sĂ€ure entwickelt wird, d. h. durch die Differenz zwischen dem Volumen Wasserstoff, welches man unter diesen UmstĂ€nden erhalten mĂŒsste, wenn kein Nitrat zugegen wĂ€re, und demjenigen, welches man wirklich erhĂ€lt.

Die theoretische Menge Wasserstoff kann erhalten werden entweder durch Einwirkung einer bestimmten Menge Eisen auf SchwefelsÀure im Ueberschuss, oder durch Einwirkung einer bekannten Menge SÀure auf Eisen im Ueberschuss.

Der Autor des Verfahrens giebt dem zweiten Mittel als dem leichter zu handhabenden und genaueren, den Vorzug.

Man behandelt das genau neutral Nitrat mit durch Wasserstoff reducirtem Eisen im Ueberschuss und mit einer abgemessenen Menge titrirter SchwefelsÀure in einem gasometrischen Apparate, welcher die Messung des erzeugten Wasserstoffes gestattet

Es ist vortheilhaft, gleichzeitig metallisches Kupfer anzuwenden. In BerĂŒhrung mit dem Eisen begĂŒnstigt und beschleunigt dasselbe die Reaction 2) in Folge eines elektrolytischen Vorganges; man erhĂ€lt ein geeignetes Metallgemisch, indem man auf das im Kolben befindliche Eisen eine Lösung von Cuprisulfat in dem VerhĂ€ltnisse giesst, dass auf

3 gr Eisen 10 cc einer lOoigŸ Lösung des Kupfersalzes kommen.

') Ulsch: Z. anal. Ch. 80 (1891), 182 und 81 a892), 392. Siehe auch L. van WisseTs PrĂŒfungen der Methoden von Ulsch u. A. m.: J, Landw, 48 (1900), 105.

BestimmuDg der Nitrate.

Die Resultate, welche man mit der Eisen-Kupfer-Mischung erhÀlt, sind viel genauer als die mit Eisen allein erzielten.

D. Monnier und H. Auriol) wenden Natriumamalgam an; die Aus- fĂŒhrung des Versuches soll nur Stunde in Anspruch nehmen.

1779. IV. Durch Ferroohlorid Sohloesmg'shoes Verfohren). Das Verfahren kann, wie alle analogen Verfahren, zweierlei Formen annehmen: entweder man fangs das entstandene Stickoxyd auf und berechnet

Fig. 228.

unter BerĂŒcksichtigung von Temperatur und Luftdruck sein Gewicht, oder man verfahrt durch Vergleich, d. h. man behandelt neben ein-

Arch. des Sc, phys. et nat. de Geneve [3] 81 (1894), 352.

Schloesing: Ann. de eh. et de phys. p] 40 (1853), 479; F. Schulze und Wulfert: Landw. Vers.-St. 12 (1869), 164; Reichardt: Z. anal. Ch. 9 (1870), 24; F. Jean: Bull. Soc. ch. [2] 26 (1876), 10; Wolff: Z. anal. Ch. 21 (1882), 137: Warington: /. ch. Soc. 37 (1880), 468 und 41 (1882), 435; Wagner: Ch.-Z. 8 <1884). 651; Wilfahrt: Z. anal. CA. 27 (1888), 411 ; Spiegel: Ä 28 (1890). 1361 : Scheiding: Ch.-Z. 14 (1890), 635; Schmidt: Ch.-Z., Repert,, 14 (1890), 187; Tiemann- GĂ€rtner: Die ehem. u. mifcroskop.'bakteriolog. Unter such. des Wassers (Braunschweig 1889), S. 170.

C. Durch Gasometrie. 501

ander und unter genau gleichen VerhÀltnissen das zu analysirende Nitrat und ein bekanntes Gewicht von reinem Nitrat imd eliminirt so alle der Reaction anhaftenden Fehlerquellen; eine einfache Proportion giebt dann die Menge des in dem analysirten Stoffe enthaltenen Nitrates, da die Gewichte der erhaltenen Mengen Salpetersaure bez. Nitrate offenbar in demselben VerhÀltnisse stehen, wie die erhaltenen Gasvolumina.

In beiden FĂ€llen wird der Versuch in gleicher Weise ausgefĂŒhrt, soweit er sich auf die Gewinnung des Stickoxydes bezieht.

Man hat verschiedene Arbeitsweisen und Apparate vorgeschlagen ; wir beschreiben nur die von De Koninck erprobte Anordnung-), welche sich auch unter den HĂ€nden wenig geĂŒbter Analytiker vorzĂŒglich bewĂ€hrt hat und welche der Möglichkeit des ZurĂŒcksteigens sicher vorbeugt.

Der Apparat (Fig. 228) besteht aus einem Fractionirkolben von etwa 200 bis 300 cc Inhalt , dessen seitliches Rohr senkrecht aufgebogen ist und durch Vermittelung eines StĂŒckchens Kautschukschlauch einen kleinen Trichter trĂ€gt. Der Kautschuk wird durch einen an dem Ilauptgestell angebrachten Schraubenquetschhahn zusammengedrĂŒckt

Auf den Hals des Kolbens ist ein ziemlich edges, nach unten gebogenes Ableitungsrohr aufgesetzt. Um den aufsteigenden Theil dieses Rohres ist ein Streifen Kork gelegt, welcher mit Reibung verschiebbar ist und durch einen Ring von Metalldraht gleichzeitig den Trichter hÀlt. Das Ableitungsrohr hat eine solche LÀnge, dass die Niveaudifferenz zwischen der oberen Umbiegung und dem unteren Ende etwa 80 bis 8.5 cm erreicht.

Das untere Ende ist in einer besonderen, nebenstehend in grösserem Maassstabe dargesljellten Weise hergerichtet. Es ist an das vom Kolben herabkommende Rohr ein 6 bis 7 cm langes, an beiden Seiten offense verticales Rohr von 7 bis 9 m'm Durchmesser***) angeschmolzen, dessen oberer Theil einen Korkring von etwa 10 mm Dicke trÀgt, in dessen obere FlÀche 3 bis 4 Rinnen radial eingeschnitten sind.

Diese Vorrichung taught in eine Krystallisirschale, auf deren Boden sie ruht; die kleine Schale ist mit so viel Quecksilber gefĂŒllt, dass dasselbe das vom Kolben kommende Rohr schliesst, ohne jedoch die obere Kante des Korkringes zu erreichen.

Das Ganze steht in einem WasserbehÀlter, so dass es hoch vom Wasser bedeckt ist.

Die mit Wasser gefĂŒllte graduirte Röhre, welche das Stickoxyd aufnehmen soll, wird ĂŒber das kleine verticale Rohr geschoben und ruht

') Siehe hauntsÀchlich Wilfahrt: I. cit; Kratschmer: Z. anal. Ch. 26 fl887), 608; Fresenius: Anl. z. quant. ehem. Anal., G. Aufl., II., S. 709.

Eine CombinaAon dieses Apparates mit dem Schiff*schen Azotometer ist von C. Davidson {Ch. N, 81 (1900), 97) beschrieben worden.

Es muss etwas weiter sein, als aus der Abbildung zu schliessen ist.

auf dem Korkringe; sie taught also nicht in das Quecksilber und steht durch die Rinnen in leichter Verbindung mit dem Wasser des Behalters.

Vermöge dieser Vorrichtung tritt ein in dem Kolben entwickeltes Gas durch die wenigen Millimeter Quecksilber hindurch, welche die Verbindungsstelle beider Rohre bedecken, steigt in dem verticalen RohrstĂŒcke hoch und tritt, ohne dass ein Verlust möglich ist, in die graduirte Messröhre ein; tritt umgekehrt in dem Apparat eine Druckvenninderung ein, so steigt nur das Quecksilber in das Leitungsrohr, kann aber, in Folge der Höhe desselben, nie in den Kolben gelangen, mag der Operirende noch so unaufinerksam verfahren.

Dasselbe Resultat wĂŒrde auch durch ein einfach in das Quecksilber tauchendes Leitungsrohr erreicht werden; es kann dann aber bei einer schnellen Gasentwickelung vorkommen, dass einige Gasblasen ausserhalb der Messröhre aufsteigen, oder dass, wenn man das hoch gebogene Ende der Leitungsröhre in die Oefifnung der Messröhre steckt, das in dieser enthaltene Wasser in die Leitungs röhre dringt und zu einer Absorption Veranlassung giebt.

Der oben beschriebene Apparat hat in dem De Konin ck'schen Laboratorium auch in SchĂŒlerhĂ€nden nie versagt.

Um eine Bestimmung auszufĂŒhren, bringt man in den Kolben durch den Hals 40 cc einer concentrirten Lösung von Ferrochlorid (etwa 200 gr Eisen in 1 Liter) und dann ein gleiches Volumen SalzsĂ€ure (1,1 sp. G.); mit derselben SĂ€ure fĂŒllt man das seitliche Rohr bis in die Trichter- röhre. Hat man sich ĂŒberzeugt, dass der so beschickte Apparat vollkommen dicht schliesst, so bringt man den Kolbeninhalt zum Sieden und behĂ€lt diese Siedetemperatur bei, bis die Luft vollstĂ€ndig ausgetrieben ist, was man an dem eigenthĂŒmlich knatternden GerĂ€usch, welches durch die Condensation der WasserdĂ€mpfe in dem Wasser des BehĂ€lters entsteht, und ferner auch daran erkennen kann, dass sich an der Oefifnung des Leitungsrohres, ĂŒber welche man, um sich von der Thatsache zu ĂŒberzeugen, einen kleinen mit Wasser gefĂŒllten Reagircylinder schieben kann, keine Gasblasen zeigen,

Ist das Austreiben der Luft erreicht, so stĂŒlpt man die mit Wasser gefĂŒllte, auf 100 cc graduirte Messröhre ĂŒber und hĂ€lt sie durch ein (jestell fest.

Andererseits giesst man in den Trichter am Kntwickelungskolben 10 cc einer Lösung von reinem Kaliumoder Natriumnitrat, welche eine genau bestimmte Menge (35 bis 40 gr) dieses Salzes in 1 Liter enthĂ€lt 1). Man zieht die Flamme zurĂŒck, und wenn das Quecksilber in dem Leitungsrohre anfangt, hochzusteigen — ein Zeichen, dass im Kolben eine Druckverminderung entstanden ist — , so öfi&iet man sehr

0,4 gr KaliumDitrat geben unter den Versuchsbedingnngen etwa 95 bis lOl cc Stickoxyd.

C. Durch Gasometrie. 503

vorsichtig den Quetschhahn, welcher den Trichter abschliesst, und lÀsst die Nitratlösung in den Apparat fliessen.

Sobald die FlĂŒssigkeit bis zur Trichterröhre gesunken ist, schliesst man den Quetschhahn wieder. Man reinigt den Trichter durch Zugiessen von SalzsĂ€ure (1,1 sp. G.), welche man mit der gleichen Vorsicht wie vorher, so dass jeder Zutritt von Luft vollstĂ€ndig vermieden wird, einfiiessen lĂ€sst

Nun erhitzt man den Kolbeninhalt von Neuem zum Sieden und fart die Reaction zwischen der SalpetersÀure und dem Ferrochloride imd die Austreibung des entstandenen Stickoxydes zu Ende. Man setzt das Sieden so lange fort, bis man keine Blase mehr in der Messröhre aufsteigen sieht.

Diese wird dann bei Seite geschoben und durch eine zweite ersetzt, um genau in der gleichen Weise, nach einander und ohne jeden Verzug, mit den zu analysirenden Nitraten zu verfahren, von welchen man Lösungen in der Art hergestellt hat, dass in 10 cc möglichst genau ebenso viel SalpetersĂ€ure enthalten ist, wie in der bei dem ersten Versuche angewandten Menge (0,35 bis 0,4 gr) reinen Nitrates. Die Messröhren werden der Reihe nach bei Seite gestellt. Zum ĂŒsse wird noch ein ControU versuch mit 10 cc der titrirten Lösung von reinem Kaliumoder Natriumnitrat ausgefĂŒhrt.

Mit der angegebenen Menge Ferrochlorid kann man ohne Unterbrechung 8 bis 9 Versuche, einschliesslich der als Vergleichsbasis dienenden, ausfĂŒhren. Man kann sogar eine noch grössere Anzahl ausfĂŒhren, wenn man in dem Kolben das gebildete Ferrichlorid durch eine concentrirte Lösung von Stannochlorid zu Ferrochlorid reducirt); man muss nur Sorge tragen: erstens, dass das Stannochlorid nicht vorherrscht, weil es zu der Bildung von Ammoniumsalz oder Hydroxylaminchlorhydrat Veranlassung geben kann (siege § 1751, Nr. 12); zweitens, dass Trichter und seitliches Rohr gut durch die SalzsĂ€ure gereinigt werden. Man ist in der Anzahl der Versuche nur dadurch beschrĂ€nkt, dass sich in dem Kolben die Chloride bis zu ihrem Auskrystallisiren anreichem und dadurch das Sieden unregelmĂ€ssig machen.

Zum ĂŒsse der Bestimmungen hat man noch die Volumina der erhaltenen Stickoxyde unter gleichen Bedingungen zu beobachten.

Zu dem Zwecke nimmt man eine Messröhre nach —

rig. 289.

der anderen heraus, indem man ihre Oeföiung mit

dem Daumen verschliesst, und taught sie in einen grossen, mit Wasser

gefĂŒllten Cylinder (Fig. 229). Sobald man sicher ist, dass sie alle voll-

De Koninck und Nihoul: nicht veröfFentlichte Versuche.

BestimmuDg der Nitrate.

Fi. 280.

kommen gleiche Temperatur haben, hebt man sie, mn sie nicht durch Be- rĂŒhren mit den Fingern zu erwĂ€rmen, mit einem hölzernen Halter heraus und liest das Gasvolumen ab. Man taught sie in den Cylinder so weit ein, dass das Wasser aussen und inner im gleichen Niveau ist

Zur Erleichterung der Operationen fĂŒr eine grössere Anzahl von Bestimmungen hat De Koninck einen besonderen Behalter aus Zink

construirt (Fig. 230), welcher inner lackirt ist, damit das Metall durch etwa ausfliessendes Quecksilber nicht angegriffen wird. Der eigentliche BehĂ€lter A von rechtwinkliger Form hat an der einen Seite eine VerlĂ€ngerung Bt welche es ermög- licht, die Messröhren zu fĂŒllen, ohne dass der BehĂ€lter ĂŒbertrieben grosse Dimensionen erhĂ€lt. Das Uebertragen der einzelnen Messröhren in den Glascylinder {Fig. 229), zum Ablesen der vom Stickoxyd eingenommenen Volumina, wird durch die cylindrische Vertiefung C, welche an einer Ecke des BehĂ€lters angebracht ist, vermieden. FĂŒr das Ablesen ist eine kleine Glasscheibe D eingekittet.

Der Cylinder C ist mit einem Hahn versehen, durch welchen man den Apparat leicht entleeren kann. Um bei dem bestÀndigem Wasserzuflusse, welcher zur Erhaltung der gleichen Temperatur des BehÀlterinhaltes erforderlich ist, ein Ueberlaufen zu verhindern, dient der Ablauf £.

Verfahrt man nicht durch Vergleich, so kann man einen kleineren Kolben und eine geringere Menge Ferrosalz anwenden. Bei Feststellung des Volumens des Stickoxydes sind natĂŒrlich auch Temperatur und Luftdruck zu berĂŒcksichtigen und diese Factoren in die Umrechnung auf das Gewicht, fĂŒr welche es besondere Tabellen giebt, einzufĂŒhren (vergl. S. 498). Wie wir schon oben bemerkten, ist das Vergleichsverfahren genauer als die directe Messung und auch schneller ausfĂŒhrbar, wenn man mehrere Bestinmiungen nach einander zu machen hat.

Das Verfahren durch directe Messung des Stickoxydes hat noch zwei kleine Fehlerquellen, welche darin bestehen, dass das Stickoxydgas in Wasser nicht ganz unlöslich ist und dass das in der Messröhre enthaltene Wa.sser nicht ganz frei von Sauerstoff ist, wodurch eine Absorption des Stickoxydes unter Bildung von salpetriger SÀure stattfinden kann.

Die zweite Fehlerquelle kann man unwirksam machen, indem man statt Wasser eine 1 %ige, mit wenig SalzsÀure angesÀuerte Lösung von

C. Durch Gasoxnetrie. 505

Kaliumjodid anwendet; denn dieses reducirt die salpetrige SĂ€ure sofort bei ihrer Bildung wieder zu Stickoxyd

Wahrscheinlich wĂŒrde man auch gleich genaue Resultate erzielen, wenn man dem Wasser eine kleine Menge einer alkalischen Lösung von Stannochlorid oder einer tartro - alkalischen von Ferrosalz, welche beide den Sauerstoff absorbiren wĂŒrden, zusetzte.

Kreusler beugt den genannten Uebelstanden vor, indem er einen so angeordneten Apparat anwendet, dass das Gas in einem durch kochendes Wasser gespeisten BehÀlter aufgefangen wird-).

Statt durch den Wasserdampf kann man die Luft und schliessHch das Stickoxyd auch durch KohlensĂ€ure aus dem Apparate austreiben und die Gase ĂŒber Kalilauge auffangen, welche die KohlensĂ€ure absorbirt*). In Rucksicht auf die Schwierigkeit der Darstellung reiner KohlensĂ€ure dĂŒrfte diese Modification weniger genaue Resultate ergeben; eine Erleichterung der AusfĂŒhrung des Verfahrens bietet sie nicht

1780. V. Durch Chromioxyd). Dieses Verfahren, bei welchem die Arbeitsweise die gleiche ist wie die im § 17G0 angegebene, besteht darin, dass man das erhaltene Gasgemisch (Stickoxyd und KohlensÀure) mit Kalihydrat behandelt, um die KohlensÀure zu absorbiren, und das verbleibende Stickoxyd misst.

Das Verfahren ist allenfalls als Controlle fĂŒr die entsprechenden Bestimmungen durch WĂ€gung (§ 17C0) oder durch Titrimetrie (§ 1772) zu berĂŒcksichtigen.

1781. VL Durch SalzsĂ€ure). Ebenfalls als Controlle fĂŒr das chlorometrische Verfahren (§ 1771) kann man das aus der Kaliumjodid- Lösung austretende Gas auffangen, die KohlensĂ€ure durch Kalihydrat absorbiren und den RĂŒckstand, welcher nur aus Stickoxyd besteht, messen.

Zum Auffangen des Stickoxydes kann man vortheilhaft den von Schiff angegebenen Azotometer*) benutzen.

1782 VIL Durch Ammoniumsalze. Man hat versucht"), die Nitrate durch Erhitzen mit einem Ammoniumsalz, am besten Phosphat, und Messen des entstandenen Stickoxyduls zu bestimmen. Da sich gleichzeitig Ammoniak entwickelt, muss das Gas in einem mit einer SĂ€ure beschickten Apparate aufgefangen werden.

'-') R. Berger: Ch.-Z. 19 (1895), 305.

De Koninck und Nihoul: Z. angew, Ch, 1890, 477; R, univ. d, M. [3] 13 (1891), 52. Hinsichtlich der Einzelheiten verweisen wir auf die Originalabhandlang.

B, 18 (1880), 885; Gattermann: Z. anal. Ch. 24 (1885), 57.

') Marguerite Buchanan: Pharm. /, and Trans. [3] 17 (1886 87), 938.

1783. VIII. Dtiroh Beduotion eu Stiokstoff). Das Verfahren ist so zu sagen die Anwendung des ausgezeichneten Dumas 'sehen Verfahrens zur Bestimmung des Stickstoffes in organischen Substanzen, welches fĂŒr diese Bestimmung als das sicherste und genaueste anerkannt ist, auf Nitrate.

Um es auf Nitrate, welche durch Hitze allein zersetzbar sind, anzuwenden, bringt man die Substanz mittels eines Schiffchens in eine an beiden Seiten offene Verbrennungsröhre aus schwer schmelzbarem Glase, von 40 bis 50 cm Lange, deren vordere HĂ€lfte mit metallischem Kupfer-) gefĂŒllt ist; das Ende dieser HĂ€lfte ist mit einem Ableitungsrohre versehen, welches in ein Gefass mit Quecksilber taught und ĂŒber welches eine mit Quecksilber und einer concentrirten Lösung von Kalihydrat ge- fĂŒllte Messröhre gestĂŒlpt ist. Als BehĂ€lter fĂŒr Quecksilber und Kalilauge kann auch sehr gut der oben erwĂ€hnte Schiff* sehe Azotometer dienen.

Das hintere Ende der Röhre steht mit einem Apparate in Verbindung, welcher ganz reine KohlensÀure liefert).

Ist der Apparat snisammengestellt, so verdeĂ€ngt man die Luft durch KohlensĂ€ure, dann, ohne deren Zuleitung in schwachem Strome zu unterbrechen, erhitzt man zunĂ€ das Kupfer auf Rothgluth, und dann erst das Nitrat. Die Sauerstoffverbindungen des Stickstoffes werden beim Uebertreten ĂŒber das glĂŒhence Kupfer reducirt und der Stickstoff wird in die Messröhre oder in den Azotometer durch die KohlensĂ€ure ĂŒbergetrieben; diese wird vom Kalihydrat absorbirt und es bleibt nur tler Stickstoff zurĂŒck.

Ist die Zersetzung des Nitrates beendet, so ist nur noch das Volumen des erhaltenen Gases zu bestimmen.

Es ist nicht zu empfehlen, das Gas direct ĂŒber der Kalilauge zu messen, weil die Spannung der DĂ€mpfe dieser Lösung, welche mehr oder weniger concentrirt und carbonathaltig sein kann, nicht genau bekannt'ist. Man bringt daher die Messröhre in einen mit Wasser gefĂŒllten Cylinder (Fig. 229, S. 503): die schwerere Lauge fliesst nach unten und wird in der Messröhre durch das Wasser ersetzt. Hat man einen Azotometer benutzt, so treibt man das Gas aus diesem Apparate in eine Messröhre oder eine Gasburette ĂŒber.

Ist das Nitrat in der zu untersuchenden Substanz durch Hitze allein nicht vollstÀndig zerlegbar, so muss man es in dem Schiffchen, welches

Bunsen: Ann. 72 (1849), 40; Marignac: Ann. de ck. et de phys. [3] 27 (1849), 315.

-) Die beste Form, velcfae man dem Metalle zu dem Zwecke giebt, ist die von CylinderD, welche aus spiralörmig um sich selbst aufgerolltem Kupfergewebe gebildet sind. Um dem Kupfer eine gewisse PorositÀt zu geben, oxydirt man es durch Erhitzen in Luft oder besser Sauerstoff und reducirt es dann durch Wasserstoff oder durch DÀmpfe von Methylalkohol.

lieber die Bereitung reiner Kohlensaure siege Bd. II, S. 498, Fnssnote 3.

D. Durch Colorimetric. 507

entsprechend gross zu wÀhlen ist, mit KieselsÀure, oder gepulvertem Glase, oder Borax, oder Kaliumdichromat, oder mit einem Gemische dieser Substanzen mischen. Sehr geeignet ist eine Mischung von KieselsÀure und Dichromat.

1784 IX. Duroh Ammonitimohlorid und phosphoiige SÀure. Gantter) bestimmt die Nitrate durch Behandeln mit Ammoniumchlorid, phosphoriger SÀure und SchwefelsÀure. Die phosphorige SÀure reducirt die SalpetersÀure zu salpetriger SÀure und diese reagirt mit dem Ammoniumsalz. Es bildet sich schliesslich Stickstoff, welchen man misst. Das Verfahren ist wenig praktisch.

1785. I. Durch Phenol). Zur Bestimmung der SalpetersÀure in der Luft oder in WÀstern ist vorgeschlagen, dieselben auf Phenol in schwefelsaurer Lösung (3 gr Phenol in 37 gr reiner SchwefelsÀure gelöst) einwirken und dann eine Behandlung mit Ammoniak folgen zu lassen, wodurch man Ammoniumpikrat erhÀlt.

Die gelbe, durch Bildung dieses Salzes erhaltene FÀrbung (siege § 1751, Nr. IC) wird mit den gleichen, durch Parallel versuche mit bekannten Mengen einer Kaliumnitrat-Lösung, welche z; B. in einem Liter ein Gramm des Salzes enthÀlt, erhaltenen FÀrbungen verglichen.

1786 IL Duroh Bruoin. Lunge und Lwoff) haben eine colorimetrische Bestimmung der Nitrate vorgeschlagen, welche darauf beruht, dass Brucinsulfat mit geringen Mengen von Nitraten eine erst rothe % schnell sich verĂ€ndernde, schliesslich eine bleibende schwefelgelbe FĂ€rbung (gelb mit Stich in GrĂŒnlich) hervorruft (siege § 1751, Nr. 15). Diese FĂ€rbung scheint zum Vergleiche geeignet zu sein, wĂ€hrend die zu gleichem Zwecke empfohlene Diphenylaminreaction (s. § 1751, Nr. 14) von den Verfassern als untilĂ€Dglich und unsicher erkannt worden ist.

— Wir wollen nicht unerwĂ€hnt lassen, dass noch manche andere Stoffe, wie besonders Acetophenol, Pyrogallol, GallussĂ€ure, Carbazol und JodstĂ€rke fĂŒr die colorimetrische Nitratbestimmung vorgeschlagen sind.

Bestimmung der SalpetersÀure.

1787. Die Ermittelung der Concentration der SalpetersÀure des Handels lÀsst sich durch Anwendung der allgemeinen Verfahren aus-

Siehe G. Lunge und Lwoff: Z, angew. Ch, 1884, 345. Grandval und Lajoux: C. r. 101 (1885), 62. L. cit.

'') Neuerdings ist diese FĂ€rbung auch fĂŒr eine titrimetrische Bestimmung benutzt worden; siege N. N. Kosfjamin: Ck.-Z., Repert.y 24 (1900), 218. E. Kopp: B. 6 (1872), 284.

508 BestimmuDg der SalpetersÀure.

fĂŒhren, welche wir schon bei der SalzsĂ€ure und der Schwefelsaure besprochen haben; unter Hinweis hierauf können wir uns hier auf eine kurze Wiederholung beschrĂ€nken.

A. Durch WĂ€rung:.

1788. I. Durch Bleioxyd. Man verfÀhrt wie bei der Salz- sÀure (§ 1453), nur mit dem Unterschiede, dass man nicht hoher als auf etwa 110 erhitzen darf, bevor gewogen wird, weil das Bleinitrat, ohne zersetzt zu werden, eine hohe Temperatur nicht vertrÀgt. Nach F. G. Schaffgotsch) giebt dieses Verfahren keine sicheren Resultate in Folge der Bildung eines wasserhaltigen basischen Salzes.

1789. II. Durch Ammoniak). Man verfahrt in der gleichen Weise, wie wir bei den analogen Verfahren zur Bestinunung der SalzsÀure (§ 1454) und der SchwefelsÀure (§ 1715) beschrieben haben, und wÀgt das Ammoniumnitrat.

1790. III. Durch Baryumcarbonat. Die mit diesem Reagens behandelte SÀure giebt Baryumnitrat, welches nach dem Trocknen gewogen wird (vergl. § 1455).

R Durch Titrimetrie.

1791* Durch Addimetrie Man wendet das gewöhnliche addimetrische Verfahren an, nÀmlich Titrirung mit Alkali-oder Barythydrat

— Die meisten fĂŒr die Nitrate beschriebenen titrimetrischen Verfahren können selbstverstĂ€ndlich angewandt werden; doch geschieht das in der Regel nicht, weil sie viel complicirter sind als das acidimetrische Verfahren. Indessen sollte man doch auf sie zurĂŒckgreifen, wenn SalpetersĂ€ure in einem Gemische mit anderen SĂ€uren zu bestimmen ist.

C. Duroh Densimetrie.

1792 Man wendet zur Bestimmung des specifischen Gewichtes der SĂ€ure lieber Pyknometer und ArĂ€ometer als Metallapparate (Wes t- p harsche Waage u. s. w.) an, weil die DĂ€mpfe der SalpetersĂ€ure Metallapparate angreifen wĂŒrden.

Die folgende Tabelle von Lunge und Rey*) giebt die Beziehungen zwischen dem specifischen Gewicht und der Zusammensetzung der reinen SÀuren an. Die concentrirten SÀuren enthalten fast immer Untersalpeter- sÀure, deren Einfluss auf das specifische Gewicht der SÀure von Lunge und Marchlewski) untersucht worden ist

') Pogg. Ann. 108 (1859), 67. F. G. Schaffgotsch: 1. cit.

Siehe auch Arthur B. van Gelder ĂŒber die titrimctrische Analyse der Salpetersaure (und MischsĂ€ure): J. Soc. of ehem. Ind. 19 (1900), Ö08. Z. angeu'. Ch. 1891, 165. Z. angebe. Ch, 1892, 10.

Nitrate. Scheidirngsverfahren.

5oy

Spec.

1 Hno,

.

Hno3

.

Hno,

; Spec.

Gew.

7o

Gew.

7o

Gew.

Scheidungsverfahren. Nitrat und Sulfat 1793* Die Nitrate und Sulfate beeinflussen einander bei der Bestimmung des einen neben dem andern nur in so weit, als ĂŒberhaupt fremde Salze auf die Reinheit des gefĂ€llten Baryumsulfates von Einfluss sind (siege § 1703); man bestimmt sie daher in besonderen Proben nach solchen Verfahren, welche den ĂŒbrigen UmstĂ€nden der Analyse angemessen sind.

Nitrat und Sulfit

1794. Sulfite können in Gegenwart von Nitraten nach jedem beliebigen Verfahren, am besten durch Oxydation, bestinmit werden; nur darf man eine SÀure nicht auf eine concentrirte Lösung beider Salze und noch weniger auf die Salze im festen Zustande wirken lassen. Zur Bestimmung der Nitrate kann man diejenigen Verfahren, durch welche das Gemisch sauer wird, nicht ohne Vorsicht anwenden.

Am besten fĂŒhrt man das Nitrat in alkalischer Lösung in Anunoniak ĂŒber oder man oxydirt das Sulfit vorher durch Kaliumpermanganat oder durch Wasserstoffsuperoxyd in Gegenwart eines Alkalihydrats.

Nitrat und HypoBulfit

1795. Von der Scheidung dieser Salze gilt das im vorigen Paragraphen Gesagte.

Da solche Gemische in der Praxis kaum vorkommen, ist die Frage ohne besonderes Interesse.

der SĂ€ure bei 15Âź auf Wasser von 4. bezogen und auf luftleeren Raum reducirt.

Ifl'itrat und in Wasser unlösliches Sulfid. 1796 Diese Salze können in ZĂŒndmassen (ZĂŒndhölzer) neben einander vorkommen; man bewirkt die Scheidung einfach durch Wasser oder, wenn das Nitrat basisch ist, durch EssigsĂ€ure.

H'itrat und in Wasser lösliches Sulfid.

1797. Man bewirkt die Scheidung am besten, indem man das Sulfid durch ein Metallsaiz (Cadmium-Carbonat oder -Chlorid, Silbersulfat, Mercuricyanid etc.) fÀllt.

Auch kann man das Sulfid durch Wasserstoffsuperoxyd in Gegenwart von Alkalihydrat oder Ammoniak in Sulfat ĂŒberfĂŒhren und dann, nach Zerstörung eines Ueberschusses des Reagens, das Sulfat und das Nitrat in getrennten Theilen des Gemisches bestimmen (§ 1793).

IVitrat und Chlorat oder Perchlorat.

1798 Das beste Verfahren fĂŒr die Analyse solcher Gemische besteht darin, dass man einerseits die Oxydationskraft der Substanz entweder durch Ferrosalze (§ 1532 u. § 1765) oder durch Chlorometrie bezw. Jodometrie (§ 1534 u. § 1771), und dann in einer besonderen Probe das Chlorat bez. Perchlorat durch Reduction zu Chlorid (§ 1528) bestimmt; den Gehalt an Nitrat erhĂ€lt man dann durch Rechnung.

Man kann aber auch das Nitrat direct durch UeberfĂŒhren in Ammoniak (§ 1754 u. § 1770) oder in Stickoxyd, entweder nach Schloesing*s Verfahren (§ 1764) oder im Nitrometer (§ 1776), bestimmen.

Perchlorat findet sich in den cohen Nitraten des Handels.

Nitrat und Jodat

1799. Man bestimmt das Jodat jodometrisch (§ 1539) in sehr verdĂŒnnter Lösung und das Nitrat durch UeberfĂŒhren in Ammoniak.

Die Scheidung liesse sich auch in der Weise bewirken, dass man das Jodat durch Silbersulfat fÀllt und das Nitrat im Filtrate bestimmt

Solche Gemische von Natrium-Nitrat und -Jodat kommen in dem cohen Chilisalpeter (natĂŒriches Natriumnitrat) uil in dessen Mutterlaugen vor; der Gehalt an Jodat ist jedoch sehr gering (durchschnittlich 0,1%).

1800. Sollte ausnahmsweise ein solches Gemisch in der Praxis vorkommen, so bestimmt man das Hypochlorit direct jodometrisch, wie bei der Scheidung von Hypochlorit und Chlorat (§ 1542), und das Nitrat nach einem der oben (§ 1798) fĂŒr die Bestimmung neben Chlorat bezeichneten Verfahren.

Nitrat und Jodid.

1801. Die Gegenwart von Jodid hinder die titrimetrische Be Stimmung des Nitrates durch Ferrosalze und macht die jodometrische

Scheidungsverf ahren . 511

Bestimmung (§ 1771) umstĂ€ndlich. Man wendet am besten die Verfahren durch UeberfĂŒhrung in Ammoniak oder das Schloesing'sche Verfahren an. Die Bestimmung des Jodides geschieht durch Silbemitrat in einer besonderen Probe. Kann man nur eine Probe verwenden, so bestimmt man erst das Jodid durch Silbersulfat und dann das Nitrat im Filtrate.

Nitrat und Chlorid, Bromid.

1802* Die Gegenwart von Chlorid und Bromid ist auf die Bestimmung von Nitrat ohne Einfluss und umgekehrt

Man kann, wie beim Jodide angegeben wurde, eine einzige Probe anwenden, indem man erst das Chlor und das Brom durch Silbersulfat fallt.

Kitrat und Wasser.

1803. Wird das Nitrat durch die Temperatur, bei welcher das Wasser sich ausscheidet, nicht zersetzt, wie es bei den Alkalinitraten der Fall ist, so kann das Wasser durch den Gewichtsverlust oder nach jedem anderen Verfahren bestimmt werden.

Im entgegengesetzten Falle (Bismuthinitrat, saure Nitrate u. s. w.), oder wenn das Nitrat Substanzen enthĂ€lt, welche bei höhere Temperatur zersetzend auf dasselbe einwirken und Entwicklung saurer DĂ€mpfe veranlassen, muss man auf das Verfahren durch directe WĂ€gung zurĂŒckgreifen und die DĂ€mpfe ĂŒber glĂŒhendes Kupfer leiten, um die Stickstoff- Sauerstoff -Verbindungen zu Stickstoff zu reduciren (siege § 1385).

SalpetersÀure und Metalle.

1804* Mit Ausnahme einiger titrimetrischer Verfahren, z. B. desjenigen der Bestimmung des Eisens durch Stannochlorid, ist die Gegenwart von SalpetersĂ€ure ohne Einfluss auf die Bestimmung der Metalle; ausserdem ist die SĂ€ure leicht durch Abdampfen der Lösung mit SchwefelsĂ€ure oder SalzsĂ€ure im Ueberschusse zu entfernen. In letzterem Falle wiederholt man das Abdampfen zwei-oder dreimal, indem man den RĂŒckstand jedesmal mit concentrirter SalzsĂ€ure aufnimmt, oder man benutzt einen kleinen Kolben, in welchen man einen Strom von gasförmigem Chlorwasserstoff leitet (siege § 1771).

Man kann die SalpetersĂ€ure von allen Metallen — natĂŒrlich mit Ausnahme der Alkalimetalle — auch dadurch scheiden, dass man das Metall fĂ€llt, z. B. durch Natriumcarbonat.

Andererseits ist die Gegenwart von Metallen im Allgemeinen auch ohne Einfluss auf die Bestimmung der SalpetersÀure; erforderlichen Falles fÀllt man die Metalle, wie wir soeben angegeben haben.

Eigenschaften der Nitrite.

1805* 1. Die salpetrige SĂ€ure, HNOg, ist sehr unrestĂ€ndig; gewöhnlich erhĂ€lt man sie nur in sehr verdĂŒnnter Lösung.

512 Eigenschaften der Nitrite.

Die Nitrite sind farblos; fast alle sind in Wasser leicht löslich. In hö verdĂŒnnter wĂ€ssriger Lösung gehen sie langsam, aber vollstĂ€ndig in Nitrate ĂŒber).

2*. VerdĂŒnnte SchwefelsĂ€ure zersetzt die Nitrite in Lösung; es entwickelt sich Stickoxyd und bildet sich SalpetersĂ€ure: 3 KNOg + 3H2SO4 3 KHSO + 2 NO + HO + HNO3.

Mit concentrirter SchwefelsÀure behandelt, geben die Nitrite rothbraune DÀmpfe von Stickstoffdioxyd und Stickoxyd: 2 KNO,, + 2 H2SO4 2 KHSO4 + HjO + NOj + NO.

Ein Ueberschuss der SÀure löst das Stickstoflfdioxyd (§ 1749, Nr. 3).

In Gegenwart von Quecksilber und bei Luftabschluss erhÀlt man schliesslich allen Stickstoff als Stickoxyd (Nitrometer).

3*. Setzt man zu der stark verdĂŒnnten Lösung eines Nitrites EssigsĂ€ure und destillirt dann das Gemisch, so bildet sich salpetrige SĂ€ure, welche mit dem Wasserdampfe ĂŒbergeht 2).

Diese salpetrige SÀure fÀrbt KaliumjodidstÀrke blau: 2HN02 + 2HJ=-2H30+2NO + J2.

In einer Lösung von Fuchsin in concentrirter EssigsĂ€ure aufgefangen, bewirkt sie nach einander einen Uebergang der Farbe des Products von Roth in Violett, Blau, GrĂŒn und schliesslich Gelb'.

— Zu vielen Substanzen verhĂ€lt sich die salpetrige SĂ€ure wie ein Oxydationsmittel; ebenso verhalten sich natĂŒrlich die Nitrite in Gegenwart einer SĂ€ure. Folgende Reactionen geben hierĂŒber nĂ€heren Aufschluss.

4*. Die Lösungen der salpetrigen SĂ€ure fĂ€rben KaliumjodidstĂ€rke, welche mit SchwefelsĂ€ure angesĂ€uert ist, blau*) (s. Nr. 3). Die Reaction ist auf Vi 000 000 darĂŒber empfindlich.

Wendet man zum AnsÀuern EssigsÀure an, so vermindert sich die Empfindlichkeit in hohem Grade.

5*. In Gegenwart von EssigsĂ€ure fĂŒhren die Nitrite Kaliumferrocyanid in Ferricyanid ĂŒber: KgFejCyia + 2 NaNOg + 4 CH3 COOK KeFeCyi + 2 CH3 COOK + 2 CH3 . COONa+ 2 H.O + 2 NO.

Durch Zusatz von Nitrit zu einer sehr verdĂŒnnten, fast farblosen Lösung von Kaliumferrocyanid, welche mit EssigsĂ€ure angesĂ€uert ist, erhĂ€lt man in Folge der Bildung von Ferricyanid) eine dunkelgelbe, mit einem Stiche in GrĂŒn behaftete FĂ€rbung. Die Empfindlichkeit ist Veooooo- (Unterschiedsreaction von Nitriten gegen Nitrate.)

G. Lunge: Z. angeiv. Ch. 1802, 1.

3) A. Jo risen : Z. anal. Ch. 21 (1882), 210.

Price: Quart./, ehem. Soc. (1851), 155; KĂ€mmerer: Z. anal. CA. 12 (1873), 377; C. Aeby: das. 12 (1873). 378.

SchĂ€ffer: Sill. Am.J. [2] 12 (1851). 117; Ann. 80 (1851), 357. Vergl. van Deventer: B. 26 (1893), 589; van Deventer und JĂŒrgens: das. 932.

Eigenschaften der Nitrite. 513

6*. Ferro salzen gegenĂŒber verhalten sich die Nitrite wie die Nitrate (siege § 1751, Nr. 8). Jedoch werden sie von denselben schon in essigsaurer oder gar in neutraler Lösung zersetzt. Mit neutralem Ferrosulfat oder Ferroammoniumsulfat (Mohr'schem Salz) bildet sich ein gelblich-brauner Niederschlag von basischem Ferrisulfat.

7. Indigo wird durch Nitrite in Gegenwart einer SÀure und in der WÀrme entfÀrbt

8. Die Nitrite fÀrben Diphenylaminsulfat intensiv blau (vergl. § 1751, Nr. 14).

9. Sie fÀrben, wenn sie rein, d. h. nitratfrei, sind, eine Lösimg von Brucinsulfat nicht lebhaft roth) (vergl. § 1751, Nr. 15).

10. Setzt man eine Lösung von Metadiamidobenzol oder des Chlorides dieser Base in SchwefelsÀure oder, besser, in Essig- sÀure zu einer Lösung von Nitrit, so fÀrbt sich diese intensiv gelb, auch wenn sie nur Spuren von Nitrit enthÀlt (Reaction von Griess*)).

Der Zusatz von Ammoniumacetat macht diese an und fĂŒr sich schon sehr empfindliche Reaction noch viel empfindlicher').

Chromate fÀrben sich ebenfalls durch die Griess'schenReagentien, aber die FÀrbung ist weniger glÀnzend und hervorstechend als mit Nitrit. Da die salpetrige SÀure in Gegenwart von ChromsÀure nicht bestehen kann (siege Nr. 12), so kann das Griess'sche Reagens, welches in saurer Lösung angewandt werden muss, nicht benutzt werden, um ein mit Chromat gemischtes Nitrit aufzufinden.

11*. Mit einem Alkalihydrat und Aluminium oder Zink geben die Nitrite Ammoniak, wie die Nitrate.

Die ĂŒbrigen oben angegebenen Verfahren, um Nitrate in Anunoniumverbindungen ĂŒberzufĂŒhren (§ 1751, Nr. 10 bis 12), können ebenfalls auf die Nitrite angewandt werden.

— Trotz des Oxydatiopsvermögens den eben angefĂŒhrten Reagentien gegenĂŒber wirken die Nitrite bez. die salpetrige SĂ€ure bisweilen auch reducirend:

12*. Sie entfÀrben eine saure Lösung von Permanganat: r, KNOg + KgMngOg -f 9 HjSO 7KHS0 -f Mn (SOJg -f- öHNOg + 3HgO.

Ebenso reduciren sie Chromate bez. ChromsÀure.

13. Durch Zugabe einer Lösung von Mercuronitrat entsteht in einer Nitritlösung ein Niederschlag von metallischem Quecksilber: 2 KNO, + 2KNO3 + , und Hg,(N02), + Hg. Mercurisalze geben diese Reaction nicht, da dieselbe nicht aut einer Reduction, sondern auf der UnbestÀndigkeit des Mercuronitrites beruht.

') G. Lunge und A. Lwoff: Z. angew. Ch. 1894, 346; G. Lunge: bend. 1902, 1. Manche Autoren geben die RothfĂ€rbung als Reaction sowohl fĂŒr Nitrite als fĂŒr Nitrate an, siege u. a. L. W. Winkler: Ch.-Z. 25 (1901), 586.

P. Griess: B. 11 (1878), 624; C. Preusse und Tiemann: das. 627.

De Koninck-Meineke, Mineralanalyse. II. 83

514 ' Auflindaiig von Nitriten und Nitraten in einem Gemische beider.

14. Silbernitrat ruft in den neutralen und genĂŒgend concentrirten Nitritlösungen einen mehr oder weniger krystallinischen gelblichweissen Niederschlag hervor, welcher in. kaltem Wasser ziemlich schwer löslich (1: 120), in warmed Wasser leichter löslich ist.

Der Niederschlag ist kaum vollstÀndig frei von Nitrat zu erhalten*).

15. Setzt man zu einer neutralen Nitritlösung ein Ammoniumsalz (Chlorid oder Sulfat) und erhitzt zum Kochen, so zersetzt sich das anfangs durch Doppelumsetzung entstandene Ammoniumnitrit unter Entwickelung von Stickstoff:

NHN02 2H,0 + N2. Die Harnstoff salze bewirken eine Àhnliche Zersetzung der Nitrite: CO HjSO + 2NaN02 COj + NaSO + SHO + 2N2.

16. Im geschlossenen Rohre erhitzt, werden die Nitrite zersetzt und hinterlassen einen RĂŒckstand von Oxyd oder, wenn das Oxyd nicht bestĂ€ndig ist, von Metall, wie die Nitrate.

17. Auf glĂŒhence Kohle geworfen, schmelzen die Nitrite unter Keuererscheinung; mit organischen Stoffen gemischt, namentlich mit Kaliumcyanid, detoniren sie unter dem EinflĂŒsse der Hitze mehr oder weniger stark. Diese Erscheinungen treten jedoch nur mit ver- hĂ€ltnissmĂ€ssig reinen, d. h. hochprocentigen Nitriten auf.

1806* Bemerkung. Aus der Beschreibung der Eigenschaften der Nitrite ist zu entnehmen, dass sie viel weniger bestĂ€ndig sind al> die Nitrate. — Bemerken swerth fĂŒr die Nitrite ist besonders, dass sie gegenĂŒber dem Permanganate und der ChromsĂ€ure reducirend, bei anderen Reactionen aber, namentlich auf Jodwasserstoff und Ferrosalze, auch Ferrocyanide, oxydirend wirken, und dass auf alle diese Reagentien die SalpetersĂ€ure unter gewöhnlichen Concentrations-und Temperatur- VerhĂ€ltnissen ohne Einwirkung ist.

Auffindung von Nitriten und Nitraten in einem Gemische beider.

1807 Es bietet keine Schwierigkeiten, Nitrit in einem Gemische mit Nitrat aufzufinden, denn es felt nicht an specifischen Reactionen der Nitrite: die Griess'sche Reaction, KaliumjodidstÀrke, Ferrocyanid und endlich die Destillation mit EssigsÀure 2) lassen Nitrite erkennen, wenn sie auch nur in Spuren vorkommen.

FĂŒr grössere Mengen genĂŒgen Permanganat, Mercuronitrat und selbst SchwefelsĂ€ure.

Dagegen ist das Nitrat nicht so leicht zu entdecken. Dies ist nur möglich, wenn das Nitrit vorher durch ein Mittel enttemt wird, welches

Bei diesem Versuche ist zu beachten, dass Bromide in Gegenwart eines sehr energischen Oxydationsmittels, z. B. von Kaliumdichromat, beim Destilliren mit Essig- sÀure Brom geben, und dass dieses, ebenso wie die salpetrige Saure, die KaliumjodidstÀrke blau fÀrbt.

Bestimmung der Nitrite. 515

eine, wenn auch nur theilweise, Ueberfubrung in SalpetersÀure bez. in Nitrat nicht zu bewirken vermag.

Es gelingt das ziemlich gut, indem man die mit einem reinen Ammoniumsalze (Chlorid oder Sulfat) oder mit Harnstoff und verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure gemischte Losung einige Zeit kocht: jedoch sollen sich immer Spuren von Nitrat bilden

Man erhÀlt eine vollstÀndige Zersetzung von Nitrit ohne merkliche Bildimg von Nitrat, wenn man zu der neutralen imd kalten Lösung des Nitrates Harnstoff im Ueberschuss setzt und sodann mittels eines ausgezogenen Glasrohres eine mit SchwefelsÀure versetzte Harnstoff-Lösung auf den Boden des zur Zersetzung dienenden Gefasses fliessen lÀsst.

Nach vollstĂ€niger Entfernung des Nitrites, von welcher man sich mit einigen Tropfen einer der angegebenen empfindlichen Reagentien- Lösungen ĂŒberzeugt, lĂ€sst man erkalten und sucht das Nitrat, z. B. mit Brudnsulfat oder Ferrosulfat, aufzufinden.

Es ist zu bemerken, dass — in Folge der geringen BestĂ€ndigkeit der salpetrigen SĂ€ure und ihrer bei BerĂŒhrung mit Wasser eintretenden Zersetzung unter Bildimg von SalpetersĂ€ure — eine FlĂŒssigkeit, welche salpetrige SĂ€ure enthĂ€lt, auch stets SalpetersĂ€ure enthalten wird; in diesem Falle ist die Aufsuchung von SalpetersĂ€ure zwecklos.

Man darf sowohl bei der Aufsuchung als auch bei der Bestimmung von Nitraten die von verschiedenen Autoren gemachte Beobachtung nicht ĂŒbersehen, dass Wasser, welches in BerĂŒhrung mit Luft eingedampft wird, salpetrige SĂ€ure aufnimmt, besonders wenn es eine alkalische Substanz enthĂ€lt, welche die SĂ€ure sogleich bei ihrer Bildung binder. Diese salpetrige SĂ€ure rĂŒhrt vom Stickstoff und Sauerstoff der Luft her.

Bestimmung der Nitrite.

1808. Bemerkung. Den meisten Reagentien gegenĂŒber verhalten sich die Nitrite wie die Nitrate; man kann daher die bei Bestimmung der letzteren beschriebenen Verfahren auch auf jene anwenden. Das Nitrometer -Verfahren (§ 1776) ist ganz besonders zu empfehlen.

Bei den titrimetrischen Verfahren, welche auf dem Oxydationsvermögen der Substanz beruhen,, darf man nicht ĂŒbersehen, dass die Nitrite ein Atom Sauerstoff weniger enthalten als die Nitrate, dass sie also verhĂ€ltnissmĂ€ssig weniger Chlor oder Jod geben und weniger Ferrosalz oxydiren.

Wir wollen hier die speciellen Verfahren besprechen, welche besonders dann angewandt werden, wenn die Nitrite von Nitraten begleitet sind, welcher Fall in der Praxis am hÀufigsten vorkommt

') Piccini: Gazz. eh. ital. 9 (1879), 395 u. 16 (1886), 106; Warington: Ch. N. 61 (1885), 39.

Schönbein: Ann, 124 (1862), 1; Bohlig: das. 12Ö (1863), 21; Leeds: das. 200 (1880), 287; A. Jorissen: nicht veröffentlichte Versuche.

33

1809. Man hat vorgeschlagen'), die salpetrige SÀure bez. die Nitrite zu bestimmen indem man sie in einem Fresenius-Wiirschen Apparate (§ 629) auf Harnstoff einwirken lÀsst und den Gewichtsverlust ermittelt, welcher in Folge des Entweichens der entwickelten Kohlen- sÀure und des freigemachten StickstoflEs (vergl. § 1805, Nr. 15) eintritt

Ein anderes Verfahren (Peligot) beruht auf der Bestimmung des nach der Reaction

HNOg + PbOg + HNO3 + HO in Lösung gegangenen Bleis.

Beide Verfahren geben keine befriedigenden Resultate und sind weder hinsichtlich der Einfachheit noch der Genauigkeit mit den titrimetrischen und gasometrischen Verfahren zu vergleichen.

1809 a. I. Durch Kalinrnpermanganat Man verdĂŒnnt die Lösung mit reinem Wasser, so dass sie nicht mehr als V5000 salpetrige SĂ€ure enthĂ€lt, sĂ€uert mit verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure an und lĂ€sst die Permanganatlösung bis zur dauernden Rothfarbung zufliessen.

Besser noch verfĂ€hrt man mit Resttitrirung (§ 219) oder mit umgekehrter Titration (§ 221), d. h. so, dass man die Nitritlösimg in die verdĂŒnnte, saure und auf etwa 35Âź erwĂ€rmte Permanganatlösung einfliessen lĂ€sst. Um jede Entwickelung von Stickoxyd zu vermeiden, lĂ€sst man die Nitritlösung aus einer in die Permanganatlösung tauchenden Pipette eintreten und rĂŒhrt gleichzeitig tĂŒchtig um, damit das Product und das Reagens so schnell als möglich mit einander in BerĂŒhrung kommen.

Zur Erreichung des nĂ€mlichen Zweckes kann man auch zu der Lösung des Alkalinitrits Permanganat im Ueberschuss setzen, dann mit SchwefelsĂ€ure ansĂ€uern und hierauf den Permanganat- Ueberschuss mittels Ferrosalz bestimmen; dies geschieht entweder direct mit einer titrirten Perrosalz-Lösung, oder indirect, indem man eine bekannte, in Bezug auf die zugesetzte Menge Permanganat im Ueberschuss bemessene Menge Ferrosalz zufĂŒgt und den Ueberschuss des letzteren mit Permanganat zurĂŒcktitrirt).

1809 b. IL Durch Chromate. Man schĂŒttet das zu bestimmende

Feldhaus: Z. anal, Ch. 1 (1862), 428; Lang:/./rfl*/. Ck. 86 (1862). 295; Werther: das. 303; Loewenthal: Z. anal. Ch, 8 (1864), 176.

Siehe die BemerkuDg § 1808.

Pean de Saint-Gilles: C. r, 46 (1858), 624; Lunge: B. 10 (1877), 1075; Taschenbuch fiir die Soda-, Pottascheund Ammoniak-Fabrikation (Berlin 1883), S. 114; Fcldhaus: Z, anal. Ch. 1 (1862), 426.

Bestimmung der Nitrite. 517

Nitrit in die titrirte Lösung von Kaliumchromat oder -Dichromat, mischt gut, sĂ€uert mit verdĂŒnnter SalzsĂ€ure oder SchwefelsĂ€ure an und titrirt schliesslich den Ueberschuss von Chromat durch ein Ferrosalz (§ 527) oder in anderer Weise zurĂŒck.

1809c. III. Durch Jodometrie. L. W. Winkler) bestimmt die Nitrite im Wasser, indem er dasselbe in einem enghalsigen Kolben in einer KohlensÀure -AtmosphÀre, bei vollstÀndigem Luftabschluss, mit Kaliumjodid und SalzsÀure behandelt:

2HNO2 + 2HJ 2N0 + 2H2O+ J2. Das in Freiheit gesetzte Jod wird mit Natriumhyposulfit bestimmt.

C. Durch Q-asometrie.

1810. I. Durch Ealiumferrocyanid. Man hat neuerdings vorgeschlagen), die Nitrite durch die SchÀffer'sche Reaction (§ 1805, Nr. 5) zu bestimmen, indem man das entwickelte Stickoxyd auffangt.

1810a. IL Durch ein Ferrosalz). Man operirt genau so, wie bei der Nitrat-Bestimmung nach dem Schloesing 'sehen Verfahren (§177 9), mit der AbÀnderung, dass die Ferrosalz-Lösung neutral oder nur mit etwas EssigsÀure angesÀuert ist. Als Ferrosalz kann man Ferrosulfat, Mohr'sches Salz oder eine neutral Lösung von Ferrochlorid anwenden.

1810b. IIL Durch Ammomumchlorid oder Harnstoff). Das Verfahren ist in der AusfĂŒhrung dasselbe wie das vorige. In dem Kolben (Fig. 228, S. 500) bringt man eine lOogc Lösung von Ammoniuiuchlorid zum Sieden und kocht, bis alle Luft ausgetrieben ist; hierauf wird das Nitrit zugegeben. Der freigemachte Stickstoff wird in einer graduirten Röhre aufgefangen und gemessen. Statt Ammoniumchlorid kann Hanistoff angewendet werden, jedoch macht die gleichzeitige Bildung von Kohlendioxyd das Verfahren complicirter und die Resultate weniger genau.

D. Durch Colorimetrie.

1811. Durch JodstÀrke Dieses Verfahren, welches ausschliesslich angewandt wird, wenn Spuren von Nitriten in TrinkwÀstern zu bestimmen sind, besteht darin, dass man in vollkommen gleichen Gefassen gleiche Volumina von dem zu untersuchenden und von reinem Wasser

Ch.'Z, 28 (1899). 454. FĂŒr die Einzelheiten siege die Abhandlung.

H. Pellet: Ann. de eh. anal. appl. 5 (1900), 361; Greitherr: Ck. Centrbl. [3] 18 (1887), 284; L. L. De Koiiinck: Bull, de l'Assoc. des Kleves des JoUs specials de Lt/ge [N. F.] 2 (1900), 277; Bull. Assoc. beige des chim. 13 (1899), 492.

F. Gantter: Z. anal. Ch. 84 (1895), 31; J. Guilhat: /. de pharm, et de chim. [6] 12 (1900), 9; CA.-Z, Repert., 24 (1900), 207; L. L. De Koninck: 1. cit.

-) Longi: Gazz. ch. ital. 18 (1883), 469; A. Vi vi er: C. r. 106 (1888), 138.

518 Nitrite. Scheidungsverfahren.

mit verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure, einer jodatfreien Jodidlösung (Zink-oder Cadmium- Jodid) und StĂ€rkelösung behandelt und dann dem reinen Wasser eine titrirte Nitritlösung zusetzt, bis die FlĂŒssigkeit in beiden Gefassen gleich stark blau gefĂ€rbt erscheint (ĂŒber die Methode s. § 263).

Um ein sehr genaues Resultat zu erhalten, ist es gut, einen zweiten Versuch in der Art auszufĂŒhren, dass man zuerst in das Vergleichs wasser die gleiche Menge Nitritlösung wie bei dem ersten Versuche einfliessen lĂ€sst und dann erst die Reagentien zu den beiden Wassermengen hinzusetzt. Auf diese Weise verfahrt man genau parallel und gleichzeitig.

Die Nitritlösung bereitet man aus reinem Natriumnitrit und stellt sie auf Tn2Oj 0,01 mgr.

Man kann eine titrirte Lösung von Alkalinitrit auch erhalten, indem man eine geeignete Menge von Silbern itrit, welches man leicht durch Krystallisation in reinem Zustande darstellen kann, auflöst und diese Lösung mit Kaliumchlorid oder Natriumchlorid behandelt.

BezĂŒglich der Einzelheiten sowie anderer, auf der Bildung von ge- fĂ€rbten Verbindungen basirender Verfahren verweisen wir auf Specialwerke ĂŒber die iVnalyse der WĂ€sser.

' Scheidungsverfahren . Nitrit und Nitrat

181 2. In einem Gemische von Nitrit und Nitrat bestimmt man das Nitrit direct titrimetrisch mit Permanganat (§ 1809 a) oder einem Kaliumchromate (§ 1809 b) oder gasometrisch durch Ammoniumchlorid (§ 1810b).

Zur Ermittelung des Nitratgehaltes bestimmt man den Gesammt- Stickstoff nach irgend einem Verfahren (durch UeberfĂŒhrung in Ammoniak mittels Zink oder Aluminium in Gegenwart eines Alkalihydrats, oder durch eberfĂŒhr ung in Stickoxyd mittels eines Ferrosalzes, oder mittels Quecksilber im Nitrometer), und erhĂ€lt sodann das Nitrat aus der Differenz.

Man kann auch das gesanunte Oxydationsvermögen mittels eines Ferrosalzes oder auf chlorometrischem Wege ermitteln, den auf das Nitrit entfallenden .Vntheil abziehen und aus dem Rest das Nitrat berechnen.

Sehr gut kaim man auch zuerst das Nitrit gasometrisch mittels Ferrochlorid oder -Sulfat (ij 1810 a) in neutraler oder sehr schwach saurer Lösung bestimmen, und nachher das Nitrat in derselben Probe, indem man einfach Concentrirte SalzsĂ€ure in genĂŒgender Menge zufĂŒgt).

Nitrit und Sulfat

1813. Die beiden Salzarten werden in verschiedenen Proben bestimmt, und zwar das Sulfat durch WĂ€gung mittels Baryumchlorid (die

') H. Pellet: 1. cit.; L. L. De Koninck: 1. cit.

Phosphor. Eigenschaften des Phosphors. 519

ritrimetrischen Verfahren sind nicht geeignet) und das Nitrit nach einem beliebigen Verfahren, da das Sulfat ohne Einfiuss auf seine Bestimmung ist.

Nitrit und Chlorid.

1814. In Gegenwart von Nitrit ist die titrimetrische Bestimmung des Chlorides mittels Silbemitrat und Sulfocyanid (§ 1445) nicht ohne orhergehende Zersetzung des Nitrites anwendbar; die ĂŒbrigen Verfahren können ohne Aenderung Anwendung finden. Die Nitrite könnte man durch Kochen mit Anmioniumsulfat zersetzen.

Die Gegenwart von Chlorid stört keynes der angegebenen Verfahren zur Bestimmung des Nitrites.

Salpetrige SĂ€ure und Metalle.

1815* In keinem in der Praxis vorkommenden Falle beeinflussen Metalle (der Alkalien und alkalischen Erden) die Bestimmung der salpetrigen SĂ€ure.

Zur Bestimmung der Metalle fĂŒhrt man die Nitrite in Chloride oder Sulfate ĂŒber, wobei man wie bei den Nitraten verfahrt (§ 1804).

Phosphor.

Eigenschaften des Phosphors.

1816. Man kennt den Phosphor in zwei besonders wichtigen allotropen Zustanden: den weissen, krystallinischen Phosphor und den rothen, irrthĂŒmlich auch als , amorpher** bezeichneten Phosphor). Der erstere wirkt in hohem Grade giftig, der letztere nicht.

1816 a. 1. Der weisse Phosphor ist farblos oder schwach gelb, durchscheinend, unlöslich in Wasser, sehr löslich in Schwefelkohlenstoff). Er schmilzt bei 44,3Âź C; bei Luftabschluss erhitzt, destillirt er bei einer Temperatur von 278,3Âź; in sauerstofßfreier AtmosphĂ€re lĂ€ngere Zeit bei ca. 250Âź erhitzt, geht er in rothen Phosphor ĂŒber.

2*. Der Luft ausgesetzt, oxydirt er sich schon bei gewöhnlicher Temperatur, unter Ausstossung eines weissen Rauches, unter Verbreitung

Retgers hat die krystalÜDische Structur des rothen Phosphors erkannt: Z. anorg. Ch. 3 (1893), 399; Math mann: das. 4 (1893), 308.

'-') Ueber Aufsuchung des Phosphors in VergiftungsfĂ€llen nach den Verfahren von Mitscherlich und von Dusart und Blondlot siege die Werke ĂŒber Toxikologie; ferner Hager: Pharm. Centrh. U (1870), 465.

Diese Lösung muss vorsichtig behandelt werden; last man sie verdunsten, besonders auf einer porösen Unterlage, wie Filtrirpapier, so hinterlĂ€sst sie einen RĂŒckstand, welcher sich an der Luft von selbst entzĂŒndet.

520 Eigenschaften des Phosphors.

eines schwach knoblauchartigen Geruches in Folge von Ozonbildung und unter einer eigenartigen Lichterscheinung (Phosphorescenz: bei etwa 60Âź entzĂŒndet er sich und verbrennt, wobei er PhosphorsĂ€ure- Anhydrid bildet.

Von reinem Sauerstoff wird er bei gewöhnlicher Temperatur und unter gewöhnlichem Luftdruck nicht oxydirt; auch phosphorescirt er unter diesen Umstanden nicht.

Die Gegenwart von TerpentinöldÀmpfen, von verschiedenen Kohlenwasserstoffen u. s. w. verhindert die Phosphorescenz (vergl. Nr. 4).

3*. In einen Wasserstoffentwickelungs- Apparat (Marsh 'scher Apparat. § 1185) gebracht, giebt der weisse Phosphor PhosphorwasserstoffM: das Gemisch von Wasserstoff und Phosphorwasserstoff verbrennt mit charakteristischer grĂŒner Flamme*).

Leitet man den Phosphorwasserstoff in eine Waschflasche, welche neutral Silbernitratlösung enthĂ€lt, so bildet sich ein schwarzer Niederschlag von Silberphosphid und reducirtem Silber. Ist das Silbernitrat im Ueberschuss, so wird der Phosphor vollstĂ€ndig in Phosphor- sĂ€ure ĂŒbergenĂŒhrt:

PHj, -f 8 AgNOg + 4 HjO HjPO + 8 Ag -j- 8 HNO3.

Diese Reaction kann man sehr einfach hervorrufen, indem man den Phosphor in einem Reagircylinder mit Zink und verdĂŒnnter Schwefel- sĂ€ure behandelt und in die Oeffnung einen mit Silbemitratlösung getrĂ€nkten Papierstreifen hĂ€ngt: der Streifen wird geschwĂ€rzt (Hager).

4*. Mit Wasser erhitzt, destillirt der weisse Phosphor mit den WasserdĂ€mpfen; condensirt man die DĂ€mpfe in einem durchsichtigen KĂŒhler, welcher mit der Luft in Verbindung steht, so sieht man, wenn man im Dunklen arbeitet, eine phosphorescirende Zone an der Stelle, an welcher die DĂ€mpfe sich verdichten (E. Mitscherlich*)). Die condensirte FlĂŒssigkeit enthĂ€lt KĂŒgelchen von Phosphor und ausserdem phosphorige SĂ€ure; im Marsh'schen Apparate (siege Nr. 3) entwickelt diese FlĂŒssigkeit Phosphorwasserstoff.

Manche flĂŒchtigen organischen Stoffe verhindern das Auftreten der Phosphorescenz, solche Stoffe sind Alkohol, Terpentinöl, Petroleum u. a.: ebenso wirken Anunoniak und Schwefelwasserstoff.

5*. ErwĂ€rmt man eine wĂ€ssrige FlĂŒssigkeit, welche Phosphor ent- hĂ€lt, in einem Wasserbade und leitet einen KohlensĂ€urestrom ein, so wird Phosphor mitgerissen (Dusart und Blondlot). LĂ€sst man das Gasgemisch in eine verdĂŒnnte Lösung \'on Silbemitrat treten, so bildet sich

Das Ende des Eotwickelungsrohres inuss man mit Platin umkleiden, damit die Flamme nicht durch die Alkalimetalle des Glases gefĂ€rbt wird, wodurch die Farbe des Fhosphorwasserstoffes verdeckt werden wĂŒrde.

BestimmuDg des Phosphors. 521

Silberphosphid, welches in einem Mars haschen Apparate Phosphorwasserstoff giebt (vergl. Nr. 3).

G. Oxydationsmittel), namentlich concentrirte SalpetersĂ€ure, sowie Chlor oder Brom in Gegenwart von Wasser, fuhren den Phosphor in OrthophosphorsĂ€ure ĂŒber:

+ 16 HgO + 10 Brj 4 HgPO + 20 HBr.

B. Der rothe Phosphor. 1 8 1 6 b. 1*. Der rothe (dunkel rothviolette) Phosphor ist in W a s s e r und in Schwefelkohlenstoff unlöslich. Er kann bis auf etwa 260 erhitzt werden, ohne sich zu verĂ€ndern; bei dieser Temperatur geht er in weissen Phosphor ĂŒber.

2. Er ist an der Luft bestĂ€ndig; er verbreitet weder Rauch noch Geruch noch Licht. Stark erhitzt, verbrennt er, weil er bei dieser Erhitzung seinen Zustand Ă€ndert, d. h. intermediĂ€r in weissen Phosphor ĂŒbergeht.

3. Im Marsh' sehen Apparate giebt der rothe Phosphor keinen Phosphorwasserstoff; er ist mit WasserdĂ€mpfen nicht flĂŒchtig, auch nicht in einem KohlensĂ€urestrome.

4. Energische Oxydationsmittel fĂŒhren den rothen Phosphor, wie den weissen, in OrthophosphorsĂ€ure 2) ĂŒber.

Bestimmung des Phosphors.

Duroh WĂ€gung.

1817. Dtiroh Oxydation. Man bringt den Phosphor in einen Thörner' sehen Kolben (siege § 1635) oder in einen Fractionirkolben, dessen seitliches, nach unten gebogenes Rohr mit einer kleinen, etwas rauchende SalpetersÀure enthaltenden Peligot- Röhre in Verbindung steht, und dessen Hals mit einem Stopfen verschlossen ist

Man ĂŒbergiesst den Phosphor mit SalpetersĂ€ure (1,2 sp. G.), erwĂ€rmt allmĂ€hlich zum Kochen und unterhĂ€lt dasselbe bis zu vollstĂ€niger Lösung. Die FlĂŒssigkeit giesst man in eine Schale, concentrirt sie stark durch Abdampfen, versetzt sie mit rauchender SalpetersĂ€ure (nachdem man mit ihr die eventuell im Peligot- Rohre befindliche SĂ€ure vereinigt hat) und dampft schliesslich zur Sirupsconsistenz ein.

Der Phosphor ist jetzt, in welchem Zustande er sich ursprĂŒnglich auch befunden haben mag, vollstĂ€ndig zu OrthophosphorsĂ€ure oxydirt, welche

') Es ist sehr gefÀhrlich, trocken den Phosphor mit oxydirenden Stoffen zu mischen.

Mit energischen Oxydationsmitteln, wie Kalium-Nitrat oder -Chlorat, gemischt, detonirt der rothe Phosphor durch einen Schlag oder durch Reiben (ZĂŒndhölzer).

Vergl. die Abhandlung von R. Fresenius und Luck : Methode zur Analyse des kÀuflichen rothen Phosphors, Z. anal. Ch. 11 (1872), 63.

522 Phosphor. Scheidungsverfahren.

man mittels Magnesimmnixtur (§ 1837), wenn die Substanz keine Metalle enthĂ€lt, welche milösliche Phosphate geben, im anderen Falle mittels MolybdĂ€nflĂŒssigkeit (§§ 1831 ff.) bestimmt Es können natĂŒrlich auch andere Verfahren angewandt werden, nachdem der Phosphor in PhosphorsĂ€ure ĂŒbergenĂŒhrt ist; die angegebenen sind aber die am hĂ€ufigsten benutzten.

Scheidungsverfahren. Weisser Phosphor und rother Phosphor*).

1818. Durch Schwefelkohlenstoff. Dieses Scheidungsverfahren beruht auf der Löslichkeit des weissen Phosphors in Schwefelkohlenstoff. Man wĂ€ das Gemisch in einem P'iltrirrohre mit gekochtem, wieder erkaltetem Wasser, um die darin löslichen Substanzen, namentlich die SĂ€uren des Phosphors, zu entfernen, darauf nach einander nĂŒt absolute Alkohol und mit ganz reinem Aether, um das Wasser zu verdeĂ€ngen. Die alkoholische und die Ă€therische FlĂŒssigkeit fangs man getrennt in Kolben auf. Schliesslich lĂ€sst man noch eine Auswaschung mit Schwefelkohlenstoff folgen, um den weissen Phosphor zu lösen.

Man erkennt, dass diese letztere Auswaschung vollstĂ€ndig ist, daran, dass ein Tropfen, auf einem Uhrglase verdampft, keinen im Dunklen phosphorescirenden RĂŒckstand hinterlĂ€sst.

EnthÀlt der rothe Phosphor keine fremden Beimischungen, wie Sand u. dergl., so kann man ihn wÀgen, nachdem er bei etwa 35 in einem KohlensÀurestrome getrocknet ist; andernfalls wendet man das gewöhnliche Oxydations verfahren (§ 1817) an.

Zur Bestimmung des weissen Phosphors setzt man zu der Lösung in Schwefelkohlenstoff reines Jod bis zur dauernden Violettfarbung, verjagt das Lösungsmittel durch Destilliren im Wasserbade, giesst die vorher gewonnenen WaschflĂŒssigkeiten, die alkoholische imd die Ă€therische, hindu und destillirt diese ab. Den RĂŒckstand behandelt man mit Wasser, welches das Phosphorjodid in SĂ€uren (phosphorige SĂ€ure und JodwasserstoffsĂ€ure) ĂŒberfĂŒhrt; die FlĂŒssigkeit spĂŒlt man in eine Schale ĂŒber, verdampft, behandelt mit SalpetersĂ€ure, erwĂ€rmt, bis das frei gewordene Jod vollstĂ€ndig verjagt ist, und bestimmt die so entstandene PhosphorsĂ€ure.

Phosphor und andere Substanaen.

1818. Im Allgemeinen fĂŒhrt man den Phosphor in Phosphor- sĂ€ure (§ 1817) oder in Phosphat ĂŒber und wendet die bei diesen beschriebenen Verfahren (§§ 1857 ff.) an.

Beim weissen Phosphor kann man, ebenso wie beim Schwefel (§ 1596), seine Löslicheit in Schwefelkohlenstoff benutzen.

R. Fresenius und Luck: 1. cit.; Petermann: Bull. Assoc. helge des ckim. 7 (1893/94), 275.

Eigenschaften der Phosphide. 523

1820. Die Phosphide lassen sich nach verschiedenen Typen zusammenfassen; in reinem Zustande sind sie schwer darstellbar und in analytischer Beziehung haben sie nur geringe Bedeutung. HĂ€ufig kommen kleine, selten grosse Mengen von Phosphiden in Metallen und technisch wichtigen Leginmgen (Eisenarten, Kupfer, Bronzen) vor; auf sie vorzugsweise beziehen sich die nachstehend beschriebenen Eigenschaften.

1*. Die Phosphide, welche von Wasser (z. B. Phosphide des Calciums und des Magnesiums), und diejenigen, welche von verdĂŒnnter SalzsĂ€ure oder SchwefelsĂ€ure angegriflfen werden, geben bei Einwirkung dieser Reagentien Phosphorwasserstoff, erkennbar an dem knoblauchartigen GerĂŒche, an der grĂŒnen FĂ€rbung, welche er der Wasserstoflfflamme ertheilt, und an seiner Reaction auf Silbernitrat (§ 1816, Nr. 3).

2. In einem Chlorstrome erhitzt, geben die Phosphide Metallchlorid und flĂŒchtiges Phosphorchlorid. FĂ€ngt man dieses Phosphorchlorid in Wasser auf, so bildet sich OrthophosphorsĂ€ure: PCI5 + 4H2O HgPO + 5 HCl.

3*. Mit concentrirter SalpetersÀure behandelt, geben die durch dieses Reagens angreifbaren Phosphide (das Eisenphosphid FeF ist es nicht) einerseits OrthophosphorsÀure, anderseits Producte der Einwirkung der SalpetersÀure auf das Metall (Nitrat oder Hydrat).

EnthÀlt das Phosphid Zinn, so bildet sich in SalpetersÀure un- lösliches Stanniphosphat (siege § 1828, Nr. 12).

Die Umwandlung des Phosphors in PhosphorsÀure durch Salpeter- sÀure und selbst durch Königswasser oder Bromwasser ist nicht immer voDstÀndig; namentlich bei Eisenphosphiden scheinen sich Verbindungen mit weniger Sauerstoff, als der PhosphorsÀure entspricht, und zwar besonders phosphorige SÀure zu bilden 2); vollstÀndige Oxydation zu PhosphorsÀure erreicht man indessen durch ChromsÀure oder durch Kaliumpermanganat (§ 1822).

4. Bei Luftzutritt erliitzt, oder mit einem alkalischen oxydirenden Flusse geschmolzen, geben die Phosphide OrthophosphorsÀure, bez. Orthophosphate.

Bestimmung der Phosphide.

1821. Der in den Phosphiden enthaltene Phosphor wird bestimmt, nachdem er durch Oxydation in OrthophosphorsĂ€ure oder in Orthophosphat ĂŒbergenĂŒhrt ist.

') Ueber Darstellung und Eigenschaften der Phosphide siege die Abhandlung von A. Granger: Lts actualiUs chimiqties 3 (1898), 237.

A. Tamm: Ch. N. 48 (1884), 208; Mackintosh; Transact.Anuric. Inst. 0/ Mining Engin., 1886, September; Am. ch. /. 7 (1885), 296; L. Schneider: Dingl. 268 (1887), 383; Hamilton:/. Soc. 0/ ehem. Ind. 10 (1891), JKH.

Wir haben also nur die Mittel, durch welche dieses Resultat erreicht werden kann, zu besprechen (vergl. Bestimmung der Sulfide, §§ 1643 flLi.

1822. 1*" Mittel. Auf nassem Wege. Man behandelt da? Phosphid mit reiner oder mit Brom gesĂ€ttigter SalpetersĂ€ure, oder mi: Königswasser, oder mit bromirter SalzsĂ€ure, oder mit SalzsĂ€ure oder SalpetersĂ€ure und Kaliumchlorat u. s. w. Nachdem die erste, hĂ€utig sehr heftige Einwirkung vorĂŒber ist, erwĂ€rmt man.

In der Regel hat man es mit Phosphiden zu thun, welche nur in geringer Menge den Metalllegirungen beigemischt sind; die Wahl der Lösungsmittel und die Art ihrer Anwendung richter sich nach der Natur der vorhandenen Metalle.

Die angegebenen Lösungsmittel genĂŒgen, so energisch ihre Einwirkung auch ist, doch nicht immer, um eine vollstĂ€ndige Oxydation dcd Phosphors zu erreichen; besonders bei der Analyse von Eisensorten (Roheisen, Flusseisen) beobachtet man, dass ein Theil des PhosphorN unvollstĂ€ndig, und zwar wahrscheinlich zu phosphoriger SĂ€ure oxydin wird (siege oben § 1820, Nr. 3).

Um eine vollstĂ€ndige Oxydation zu erreichen, erhitzt man, nachdem das Eisen in SalpetersĂ€ure gelöst ist, die FlĂŒssigkeit mit Chrom- sĂ€ure oder mit Kaliumpermanganat 2).

Ein anderes Mittel aber besteht darin, dass man die salpetersaure Lösung zur Trockne verdampft und den RĂŒckstand schwach glĂŒht; unter der Einwirkimg der Nitrate bei erhöhter Temperatur wird die pho>- phorige SĂ€ure weiter oxydirt). Ein Zusatz von Ammoniumnitrat gegen Ende des Eindampfens begĂŒnstigt wohl diese Oxydation, ist aber bei dem fast ausnahmslos vorhandenen grossen Ueberschusse von Nitraten nicht erforderlich.

Behandelt man eine phosphidhaltige Legirung, welche auch Zinn enthĂ€lt, mit SalpetersĂ€ure, so geht die PhosphorsĂ€ure in den Niederschlau von MetazinnsĂ€ure (vergl. § 1820, Nr. 3) ĂŒber (siege Scheidung von PhosphorsĂ€ure und Zinn, §§ 1884 ff.).

1823. Mittel. Durch Rösten. In den Phosphiden de> Eisens*), und zweifellos noch in vielen anderen, kann man den Phosphor in Orthophosphat ĂŒberfĂŒhren, indem man das Ă€usserst fein gcpulvene Product in einer Muffel mehrere Stunden lang erhitzt. Die Masse wird dann in einer SĂ€ure gelöst.

1824. Mittel. Durch trockenes Chlor 5). Erhitzt man das Phosphid in einem Chlorstrome, so wird der Phosphor in flĂŒchtige Pentachlorid umgewandelt; man fĂ€ngt dieses Product in Wasser oder

M Mcinekc: Ji. anal. Ch. 6 (iSSß), 325; Wood: Z. anal. CA. 26 a886), 4iI

') Stöckmann: Z. anal. Ch. 16 (1877), 175.

Phosphide, Scheidungsverfahren. PhosphorsÀuren. 525

in alkalischer Lösung auf und fĂŒhrt es hierdurch in SĂ€ure oder in Phosphat ĂŒber (vergl. § 1645).

Das Chlor muss absolut trocken und die Luft muss aus dem Apparate vollstĂ€ndig ausgetrieben sein; andernfalls wĂŒrden sich PhosphorsĂ€ure oder Phosphat bilden, welche nicht flĂŒchtig sind. Auch muss man dafĂŒr sorgen, dass das Rohr, in welchem die Einwirkung \or sich geht, nicht zu hoch erhitzt wird, weil das Phosphorchlorid das Silicat des Glases angreift, so dass Phosphat imd Siliciumchlorid entstehen können (Schloesing).

1825. 4'*' Mittel. Durch oxydirende Schmelzung. Das Phosphid wird mit Alkali-Carbonat und -Nitrat geschmolzen. Die Masse wird mit Wasser oder einer SĂ€ure aufgenommen.

— Bemerkung. Man darf nicht ĂŒbersehen, dass sich Arsen (Arsenid) wie Phosphor verhĂ€lt und bei Anwendung der beschriebenen Oxydationsmittel ArsensĂ€ure giebt (siege Scheidungen § 1865).

Scheidungsverfahren

1826* Im Allgemeinen bewerkstelligt man die UeberfĂŒhrung des Phosphides in PhosphorsĂ€ure oder in Phosphat, auf nassem Wege (§ 1822) oder auf trockenem Wege (§§ 1823 flf.), und wendet dann die Scheidungsverfahren fĂŒr diese Verbindungen (§§ 1857 ff.) an. Versuche, den Phosphor durch UeberfĂŒhrung in Phosphorwasserstoff zu bestimmen, haben im Allgemeinen keine befriedigenden Resultate gegeben 2).

PhosphorsÀuren.

1827 Von den drei PhosphorsĂ€uren: HPO, Orthophosphor- sĂ€ure, HjPgOy, PyrophosphorsĂ€ure, und HPO3, Metaphosphor- sĂ€ure, ist die erste die weitaus wichtigste, man kann sogar sagen, fĂŒr die Analyse die allein wichtige, um so mehr als die anderen und die ihnen entsprechenden Salze durch Erhitzen in Gegenwart einer kleinen Menge SĂ€ure oder Alkalihydrat oder auch nur von Wasser mehr oder weniger schnell in OrthophosphorsĂ€ure Verbindungen umgewandelt werden.

Wir werden jedoch ĂŒber die Pyrophosphate, welche bisweilen gebraucht werden, einige Worte sagen.

Beim Erhitzen verliert die OrthophosphorsÀure zuerst (bei 200 bis

') Siehe hierĂŒber die Verfahren zur Analyse der Eisensorten und der Phosphorbroiize in den Special weaken, sowie die Abhandlungen von Gintl, Meineke u. A. ĂŒber die Bestimmung des Phosphors im Eisen (Z amĂ€. Ck. 7 (1868), 427, 10 (1871), 280 etc.), in welchen Verfahren zur mehr oder weniger vollstĂ€ndigen Eliminimng des Eiseas angeben sind. Auf diese Eliminirung legt man jetzt keinen Werth mehr.

L. Franck (Z. anal. Ch. 37 (1898), 173) hat den Phosphor im Aluminiumphosphid durch verdĂŒnnte SchwefelsĂ€ure in Phosphamin ĂŒbergenĂŒhrt und in bromirter SalzsĂ€ure aufgefangen. Siehe auch Mackintosh: 1. cit.

526 EigenschafteD der Orthophosphate.

300Âź) Va es Wassers, dessen Elemente sie enthĂ€lt, und geht in PyrophosphorsĂ€ure ĂŒber:

2Hpo, H,0 + H,P20,;

diese wieder verliert bei noch höhere Temperatur Wasser und hinter- lÀsst MetaphosphorsÀure (im Handel als glasige PhosphorsÀure, geschmolzene PhosphorsÀure, Acidum phosphoricum glacial bezeichnet):

H4P207=:H20+2Hp03.

Die bimetallischen, nicht Ammonium enthaltenden Orthophosphate geben durch GlĂŒhen oder Schmelzen Pyrophosphate:

und die monometallischen Orthophosphate geben unter den gleichen UmstÀnden Metaphosphate:

Die Ammonium enthaltenden Orthophosphate verhalten sich begin Erhitzen wie saure Salze, d. h. so, als wenn sie statt Anmionium Wasserstoff enthielten:

Ammonium-Magnesium- Magnesium-

Orthophosphat Pyrophospbat

(NHJNaHPO NH + HgO + NaPO. Phosphorsalz Natrium-Metaphosphat

Die Pyrophosphate und die Metaphosphate unterscheiden sich von den Orthophosphaten dadurch, dass sie mit Silbernitrat weisse und nicht gelbe NiederschlĂ€ge, und dass sie mit Magnesiummixtur oder MolybdĂ€nflĂŒssigkeit nicht die den Orthophosphaten eigenthĂŒmlichen NiederschlĂ€ge geben (siege § 1828, Nr. 3 und 11), wenigstens nicht ohne ErwĂ€rmen, wodurch sie in Orthophosphate umgewandelt wĂŒrden.

Eigenschaften der Orthophosphate.

1828 Es giebt Mono-, Bi-und Tri-(metallische) Phosphate, entsprechend den Formeln MHjPO, M2HPO4 und MJPO4, in welchen M ein einwerthiges Metall bezeichnet.

1. Die Alkaliphosphate sind sÀmmtlich in Wasser löslich; die monometallischen reagiren auf Lakmus sauer, die bimetallischen verhalten sich neutral oder ganz schwach alkalisch, die trimetallischen haben ausgesprochen alkalische Reaciion.

Man kann ein bimetallisches Alkali- Orthophosphat von einem trimetallischen dadurch unterscheiden, dass man der Lösung neutrales Silbernitrat zusetzt: in beiden FÀllen bildet sich Trisilberphosphat (siege Nr. 6), aber mit bimetaliischem Phosphate wird die Mischung sauer,

Eigenfichaften der Orthophospbate. 527

wÀhrend sie mit trimetallischem neutral wird, wie folgende Formeln zeigen:

NagHPO + 3 AgNOj AgjPO + 2 NaNOg + HNOg ; NagPO, + 3 AgNO, AgjPO, + 3 NaNOg. Unter den Phosphaten der Alkalierdmetalle sind nur die monometallischen, z. B. in Wasser löslich, die ĂŒbrigen sind in Wasser unlöslich, in SĂ€uren dagegen, auch in EssigsĂ€ure, leicht löslich, wobei sie zunĂ€ in monometallische Phosphate ĂŒbergehen, z. B. : 2 CaHPO + 2 CHg . COOK + (CHj Die essigsaure Lösung scheidet beim Kochen ein Gemisch von biund trimetallischem Phosphat wieder aus, indem gleichzeitig die gebunden gewesene EssigsĂ€ure wieder frei wird:

+ (CH3 2 CaHPO + 2 CH3 COOK, und CaHCPO) + 2 {CH3 . + 4 CH., COOH.

Die Alkalierdphosphate sind, ebenso wie die Alkaliphosphate, farblos.

Die Phosphate der Metalle der anderen Gruppen sind in SĂ€uren, wenigstens in starken und genĂŒgend concentrirten SĂ€uren, löslich; einige von ihnen sind in EssigsĂ€ure unlöslich, das Stanniphosphat ist aber auch in SalpetersĂ€ure unlöslich.

2*. Ammoniak, in die durch eine SÀure bewirkte Lösung eines Alkalierdphosphates gegossen, bewirkt einen Niederschlag von trimetallischem Phosphat:

Ammoniumsulfid ruft dieselben NiederschlÀge hervor; die Reaction ist von einer Entwickelung von Schwefelwasserstoff begleitet:

Die Gegenwart von reichlichen Mengen Ammoniumeitrat verhindert die FĂ€llung von Calciumphosphat; dieses Verhalten ist analytisch von grosser Wichtigkeit.

3*. Magnesiummix'tur) ruftin den neutralen oder ammoniakalischen Lösungen von Phosphaten einen weissen, krystallinischen Niederschlag von Ammonium-Magnesium-Phosphat hervor*) (siege §415, Nr. 8 und § 1183, Nr. 10):

NaHPO + MgClg -f NH3 + 2 NaCl. Die Gegenwart von Alkali-Citrat oder -Tartrat hinder die FĂ€llung nicht. Mit einer neutralen Lösung von Silbernitrat befeuchtet, geht das Ammonium -Magnesium -Phosphat in gelbes Trisilberphosphat ĂŒber (vergl. § 1183, Nr. 10). Ebenso verhalten sich die Orthophosphate der anderen Alkalierdmetalle.

') Siehe Bd. II, Seite 173, Fttssnote 1.

Das Phosphat ist bisweilen von den Phosphaten Mgj,(PO,ij oder begleitet.

528 Eigenschaften der Orthophosphate.

Durch GlĂŒhen wird der Niederschlag in Magnesiumpyrophosphat, MggPgOy, umgewandelt; in reinem Zustande wird dieses durch Silbemitrat nicht gelb gefĂ€rbt

4. Calciumchlorid ruft in den mit Ammoniak versetzten Phosphat- lösungen einen weissen flockigen Niederschlag von Tricalciumphosphat hervor (vergl. oben Nr. 2):

2 NaHPO + 3 CaCl + 2 NHg CaglPOJ, + 4 NaCl + 2 (NHJCl. In Gegenwart einer reichlichen Menge von Ammoniumeitrat bildet sich der Niederschlag nicht.

5. Baryumchlorid giebt unter den gleichen Bedingimgen einen weissen Niederschlag von Tribaryumphosphat, wenn das Baryumchlorid im Ueberschusse vorhanden ist; im anderen Falle hat der Niederschlag eine unbestimmte Zusammensetzung

6*. Silbernitrat giebt in den neutralen Lösungen der Orthophosphate einen gelben Niederschlag von Trisilberphosphat: NajHPO + 3 AgNOg AggPO -f 2NaN03 + HNO3.

Der Niederschlag ist in SalpetersÀure und in Ammoniak leicht löslich.

Um die Reaction hervorzurufen, weim eine saure oder alkalische Lösung vorliegt, verfÀhrt man so, wie bei der analogen Reaction der Arsenite angegeben ist (§ 1182, Nr. 6).

7. Bleisalze fÀllen weisses Tribleiphosphat, unlöslich in Essig- sÀure.

8. In schwach saurer Lösung der Phosphate entsteht durch Wismuthnitrat eine FÀllung von Bismuthiphosphat (siege § 1843).

9. In neutralen oder essigsauren Phosphatlösungen giebt Ferrichlorid einen weisslichen Niederschlag von Ferriphosphat, unlöslich in EssigsÀure, löslich in starken SÀuren:

+ 4 CH3 COOK. Aus dem Gesagten geht hervor, dass der Zusatz eines Alkaliacetates zu einer Lösung von Ferriphosphat in einer starken SÀure eine FÀllung des Phosphates veranlasst.

In Gegenwart eines Alkali-Citrates oder -Tartrates entsteht dieser Niederschlag nicht.

Die Aluminiumsalze verhalten sich fast genau so wie die Ferrisalze (siege § 553, Nr. 11).

10. Uranyl-Acetat oder -Nitrat, (U02)(CH3 COO), oder ruft in einer essigsauren Phosphatlösung einen hellgelben, gelatinösen Niederschlag von Uranylphosphat hervor, welcher in EssigsÀure unlöslich ist:

') Hundesbagen: Ch.-Z. 18 (1894), 446.

Eigeoschaften der Orthophosphate. 529

In Gegenwart von Ammoniumverbindungen erhĂ€lt man einen dem Aussehen nach dem vorigen gleichenden Niederschlag, welcher ebenfalls in EssigsĂ€ure unlöslich ist; es ist Ammonium -Uranylphosphat {NH,XÜ0,)P0,.

Das AtomverhÀltniss zwischen Uran und Phosphor ist in beiden Verbindungen das gleiche.

11*. Giesst man in eine neutral oder saure Phosphatlösung eine grosse Menge MolybdĂ€nflĂŒssigkeit i) und, wenn das Reagens es nicht bereits enthĂ€lt, eine Lösung von Ammoniumnitrat, so fĂ€rbt sich die Mischung gelb, darauf entsteht, auch in der KĂ€lte, aber schneller beim ErwĂ€rmen, ein citronengelber Niederschlag von Triammonium- Phosphododekamolybdat entsprechend der Formel*)

AmjPO, 12 M0O3. 2 HNOg. H3O, oder AmgPO, 12 M0O3, 2 HCl, HjO, je nachdem er in einer salzsauren oder salpetersauren Lösung entsteht.

In der KĂ€lte scheidet er sich pulverig, in der WĂ€rme dagegen krystallinisch aus und setzt sich in diesem Falle schnell ab, so dass die FlĂŒssigkeit schon nach kurzer Zeit klar erscheint.

Das Ammoniumphosphomolybdat ist in kaltem Wasser und in sehr verdĂŒnnter SalzsĂ€ure und verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure so gut wie unlöslich; es löst sich aber merklich in einem grossen Ueberschusse der genannten SĂ€uren.

In Alkohol und in Aether ist der Niederschlag nur sehr wenig löslich. Manche Salze, namentlich Ammoniumsalze, welche sich von organischen SÀuren ableiten*), sind der vollstÀndigen Abscheidung des Phosphomolybdates hinderlich).

Das Ammoniumphosphomolybdat löst sich leicht in Alkalihydraten und in Ammoniak, sowie in einer Boraxlösung; die ammoniakalische Lösung giebt mit Magnesiummixtur den Niederschlag von Ammonium- Magnesium-Phosphat (siege Nr. 3).

Auch in einer warmen Lösung von Natrium-Sulfit oder -Hyposultit ist das Molybdat löslich und zwar mit intensiv blauer Farbe in Folge der Bildung eines MolybdÀnisalzes.

') Siehe Bd. II, Seite 173, Fussnote 2, sowie § 1832, S. 536 ff. Bei lĂ€ngerem Stehen bildet sich oft eine krystallinische gelbe Ablagerung, welche eine allotrope Modification der MolybdĂ€nsĂ€iire zu sein scheint (M. Jungck: Z. anal. Ch. 16 (1876), 290; H. ĂŒelsmann: das. 16 (1877), 52; Is. Kupfferschlaeger: Bull. Soc, ch. [2] 36 (1881), 664; Parmentier: C. r. 95 (1882), 839.

Diese wichtige Reaction wurde von Svanberg und Struve entdeckt prakt. Ch, 44 (1848), 299). Rose erkannte ihre grosse Empfindlichkeit {Pogg. Ann. 76 (1849), 26). Siehe auch H. Struve: /. prakt. Ch. 64 (1851), 288, und Sonnenschein: y. Ch. 339. Ganz besondere Beachtung verdient die interessante Abhandlung von Hundeshagen: Z. anal. Ch. 28 (1889), 141.

König: Z. anal. Ch. 10 (1871), 305; Richters: Dingl. 199 (1871), 183.

Bisweilen fĂ€rbt sich die FlĂŒssigkeit blau, in Folge der Bildung von Molyb- dĂ€nisalz durch Einfluss reducirend wirkender Körper.

De Koninck-Meineke, Mineralanalyse. II. S4

530 Eigenschaften der Orthophosphate.

Im Luftbade erhitzt, verliert der Molybdatniederschlag sein Wasser und die in ihm enthaltene flĂŒchtige SĂ€ure; massig geglĂŒht, verliert er auch das Ammoniak und geht in eine schwarz-blĂ€uliche Masse ĂŒber, welche im Wesentlichen Phosphor-MolybdĂ€nsĂ€ure- Anhydrid zu sein scheint, verschiedentlich aber auch als MolybdĂ€niphosphomolybdat bezeichnet wird (siege S. 541, Fussnote 5).

Nur die ArsensĂ€ure giebt mit MolybdĂ€nflĂŒssigkeit eine gleiche Reaction (vergl. § 1183, Nr. 15).

KieselsĂ€ure kann unter gewissen UmstĂ€nden, welche jedoch noch nicht genau ermittelt sind, mit MolybdĂ€nflĂŒssigkeit Ă€hnliche NiederschlĂ€ge oder wenigstens eine gelbe Farbe, wie die PhosphorsĂ€ure, geben*).

12. Bringt man in eine stark salpetersaure Phosphatlösung Zinn, so bildet sich weisses amorphes Stanniphosphat, welches dem Aussehen nach der MetazinnsÀure gleicht und wie diese in Salpeter- sÀure unlöslich ist 2) (siege § 1131, Nr. 3).

13*. Im geschlossenen Rohre mit einem kleinen StĂŒcke Natrium) oder Magnesium erhitzt, geben wasserfreie und trockene Phosphate Natriumoder Magnesium - Phosphid, dessen Vorhandensein man nachweist, indem man die Spitze des Rohres, welche das Product enthĂ€lt, abbricht und dieses mit Wasser behandelt. Es entwickelt sich Phosphor Wasserstoff, dessen intensive Knoblauchgenich charakteristisch ist.

14. Die PhosphorsĂ€ure fĂ€rbt die Löthrohrflamme blaugrĂŒn; einige Phosphate thun das auch direct, andere aber erst, nachdem sie mit SchwefelsĂ€ure befeuchtet sind.

Bemerkung. Wenn man das Verhalten der Orthophosphate mit demjenigen der Arsenate (§ 1183) vergleicht, so wird man zwischen beiden eine grosse Aehnlichkeit finden; die Reactionen verlaufen meist in vollkommen gleicher Weise. Ein wesentlicher Unterschied jedodi besteht in der Reaction mit Schwefelwasserstoff; femer können zur Unterscheidung noch angefĂŒhrt werden: die Reducirbarkeit der Arsenate (im Gegensatze zu der bezĂŒglichen BestĂ€ndigkeit der Phosphate), sowie — nach erfolgter Reduction — die Möglichkeit der VerflĂŒchtigung des in ihnen enthaltenen Arsens als Arsenochlorid, schliesslich die Farbenverschiedenheit der mit Silbemitrat erhĂ€ltlichen NiederschlĂ€ge, wodurch eine Identificimng — namentlich der mit Magnesiummixtur erhaltenen FĂ€llungen — möglich ist.

Vergl. W. Knop: Ch. CentrhL [2] 2 (1857), 691 u. 861, und [2J 3 (1858), 102; Habel: Vierteljahresschr.' prakt. Pharm. 74; Jenkins: Z. anaL CA. 15 (1876), 339; Atkinson: CA. A'. 35 (1877), 127 (nach Z. öwÀ/. CA. 477); E. Richters: 1. cit.

Diese Reaction ist schon sehr lange bekannt; Vauquelin (gest. 1829) und Thenard benutzten Kalium, um Caiciumphosphat in manchen Gesteinen nachzuweisen.

Eigeoscbaften der Pyrophosphate. 531

Eigenschaften der PjoDphosphate.

1829 1. Die Pyrophosphate der Alkalimetalle sind in Wasser löslich; die ĂŒbrigen sind in Wasserunlöslich, aber löslich in SĂ€uren.

la. Die meisten unlöslichen Pyrophosphate bilden mit Alkalipyrophosphaten lösliche Doppelsalze, was die Orthophosphate nicht thun.

2. Magnesiummixtur bewirkt in kalten und verdĂŒnnten Lösungen der Alkalipyrophosphate keinen Niederschlag; in der WĂ€rme oder in concentrirten Lösungen erhĂ€lt man einen weissen Niederschlag von MggPgOy.

3. Calciumchlorid bildet einen weissen, in SÀuren leicht lös- lichen Niederschlag:

4. ßaryumchlorid giebt eine Ă€hnliche Reaction.

5*. Mit Silbernitrat erhÀlt man einen weissen, kÀsigen Niederschlag:

NaP207 + 4 AgNOg + 4 NaNOg.

Dieser Niederschlag ist in SalpetersÀure und in Ammoniak löslich, wie das Silberorthophosphat, unterscheidet sich jedoch von diesem durch seine F'arbe.

G. In der KĂ€lte giebt MolybdĂ€nflĂŒssigkeit in den Lösungen der Pyrophosphate keine FĂ€llung; in der WĂ€rme entsteht aber all- mĂ€hlich Ammoniumphosphomolybdat (siege § 1828, Nr. 11), in Folge einer unter diesen UmstĂ€nden langsam erfolgenden Umwandlung der PyrophosphorsĂ€ure in OrthophosphorsĂ€ure.

7. Im geschlossenen Rohre mit Natrium oder Magnesium erhitzt, reagiren die Pyrophosphate wie die Orthophosphate (§1828, Nr. 13).

8. Mit einem Alkalicarbonate geschmolzen, werden die Pyrophosphate vollstĂ€ndig in Orthophosphate ĂŒbergenĂŒhrt

Diese UeberfĂŒhrung geschieht auch durch anhaltendes Kochen mit SalpetersĂ€ure oder mit einem Alkalihydrat.

— Anmerkung. Die Metaphosphate haben fĂŒr die Analyse keine Wichtigkeit. Es genĂŒgt hier, von ihnen zu wissen, dass sie, mit im Ueberschuss vorhandener SĂ€ure oder Alkalihydrat gekocht oder mit Alkalicarbonat geschmolzen, genau wie die Pyrophosphate in Orthophosphate umgewandelt werden.

1830* Wir werden nur die Orthophosphate besprechen; sind Pyrophosphate oder Metaphosphate zu bestimmen, so mĂŒssen sie in

Die Bestiramung der Phosphate (i. e. Orthophosphate) oder, wie man sich ge- wöhnlich auszudrĂŒcken pflegt, der PhosphorsĂ€ure (des PhosphorsĂ€ure-Anhydrids) ist Gegenstand viewer Abhandlungen; es ist nicht wohl möglich, alle anzufĂŒhren.

Orthosalze ĂŒbergenĂŒhrt werden, was entweder durch Schmelzen mit einem Alkalicarbonate oder durch genĂŒgend langes Erhitzen mit einer SĂ€ure oder mit einem Alkalihydrat geschehen kann (vergl. vorstehende Anmerkung).

A. Durch WĂ€gung.

1831 I. Buroh Ammoniammolybdat). Allgemeines. Das Verfahren beruht auf der von Svanberg und Struve entdeckten Reaction, nach welcher die mit einer MineralsĂ€ure angesĂ€uerte Lösung eines Orthophosphates, in Gegenwart von Anmioniumsalzen, mit einer MolybdĂ€nsĂ€ure- lösung (sog. MolybdĂ€nflĂŒssigkeit) oder auch mit einer wĂ€ssrigen Lösung eines Alkali- (gewöhnlich Ammonium-) Molybdates den sehr charakteristischen dtronengelben Niederschlag von Triammonium-Phosphododekamolybdat giebt (siege § 1828, Nr. 11). Sonnenschein ermittelte zuerst die Bedingungen, welche die Reaction fĂŒr die quantitative Bestimmung der PhosphorsĂ€ure geeignet machen, und begrĂŒndete damit ein Verfahren, welches fĂŒr die Analyse von ganz hervorragender praktischer Bedeutung geworden ist. Im Laufe der Jahre, mit zunehmender Erkenntniss der Constitution, der Bildungsweise und der Eigenschaften des Ammoniumphosphomolybdates sind diese Bedingungen mehrfach geĂ€ndert und zwar im Allgemeinen vereinfacht worden. Die auf das Verfahren bezĂŒgliche Litteratur ist in Folge dessen sehr mnfangreich geworden. Die in der Fussnote gegebene Aufstellung derselben darf durchaus nicht als auch nur annĂ€hernd erschöfend angesehen werden; sie macht nur auf die wichtigsten Momente in der Entwickelungsgeschichte des Verfahrens aufmerksam. Wir werden sie an geeigneten Stellen durch weitere Citate ergĂ€nzen.

Wie bereits angegeben, bildet sich das Triammonium-Phosphododekamolybdat beim Zusammentreffen der Lösung eines Orthophosphates mit einer Lösung von MolybdĂ€nsĂ€ure in Gegenwart oder auf Zusatz von SalpetersĂ€ure oder SalzsĂ€ure oder SchwefelsĂ€ure und eines Ammoniumsalzes, wenn ein solches nicht bereits in einer der genannten Lösungen in solcher Menge vorhanden ist, wie die MolekĂŒlgruppe AmgPO, 12 M0O3 verlangt.

Nach Hundeshagen*) enthĂ€lt ein MolekĂŒl der Verbindung ausser einem MolekĂŒle Wasser zwei MolekĂŒle der genannten einwerthigen SĂ€uren, an deren Stelle vermuthlich auch ein MolekĂŒl der zweiwerthigen Schwefel- sĂ€ure treten kann. Da, wie wir spĂ€ter sehen werden, die Reaction ge-

Sonnenschein: /. prakt, Ch. 58 (1851), 343; R. Fresenius; Z.anal. Ch. 8 (1864), 446; J. König: das. 10 (1871), 305; Richters: Dingl, 189 (1871-, 183, in ausfĂŒhrlichem Auszuge: Z. anal. Ch. 10 (1871), 469; StĂŒnkel, Wetzke und Wagner: das. 21 (1882), 353; Finkener: B. U (1878), 1638; Meinckc: Rep. anal. Ch. 6 (1885), 153 und CĂ€.-Z. 20 (1896), 108; Hundeshagen: Z.anal.Ch 28 (1889), 141; ggexiz. J. prakt. Ch, 79 (1860), 496.

L. cit. S. 144.

A. Durch WagUDg. 533

wohnlich mit HĂŒlfe von SalpetersĂ€ure hervorgerufen wird, wollen mc diese SĂ€ure unseen allgemeinen Betrachtungen zunĂ€ zu Grunde legen.

Die zur Bildung des Ammoniumphosphomolybdates erforderliche Menge der SÀure hÀngt von der Art der Verbindung der zu bestimmenden PhosphorsÀure und von der Art des als Reagens dienenden Molybdates*) ab. Die folgenden als Beispiele aufgestellten Reactionsformeln werden diese VerhÀltnisse am einfachsten klar machen:

+ 21 AmNOg + 2 NaNOj + 12 H,0 B. 7 HgPO + 12 AmgMoOs + 65 HNO3 7 (ArogPO, 12 M0O3.

2 HNO3) + 51 Amko + 36 HO. Eine einfache Berechnung ergiebt, dass auf 1 Gewichtstheil P2O5 erforderlich sind:

bei 1. 23,07 Gewichtstheile HNO3, ., 2. 22,19 „ „ ,

Ohne die Ausscheidung der Verbindung zu beeinflussen, kann die Menge der SĂ€ure ganz betrĂ€chtlich erhöht sein, nĂ€mlich so weit, dass auf 1 MolekĂŒl Ammoniumphosphomolybdat ungefĂ€hr weitere 54 MolekĂŒle HXO3 oder auf 1 Gewichtstheil P2O5 im Ganzen kommen

bei 1. 71,00 Gewichtstheile HNO3,

Vermehrt man die Menge der SalpetersĂ€ure ĂŒber dieses VerhĂ€ltniss hindus, so wirkt sie dissocĂŒrend auf das Phosphomolybdat imd kann die Bildung desselben in dem Grade beeintrĂ€chtigen, dass ĂŒberhaupt kein Niederschlag entsteht, sobald auf 1 MolekĂŒl des Molybdates etwa 1874 (=1900 minus 26) MolekĂŒle SalpetersĂ€ure) mehr vorhanden sind, als seine Abscheidung erfordert.

Die SalzsÀure hat ein viel stÀrkeres Dissociationsvermögen als die

') Gewöhnlich bedient man sich als Reagens einer besonders bereiteten salpetersauren Lösung von Ammoniummolybdat, der sogen. MolybdĂ€nflĂŒssigkeit (s. Bd. n, S. 173, Fussn. 2); bisweilen findet auch die wassrige Losung eines Ammoninmmolybdates, und zwar des kĂ€uflichen Salzes AiDqMoO,, iHO, Anwendung. Die Molybdate der Bxen Alkalien besitzen vor den Ammoniummolybdaten keine VorzĂŒge.

-) Hundeshagen gebrauchte bei einem analogen Versuche etwa 26 MolekĂŒle HXO3 ; das letzte war, wie es scheint, nöthig, um den Niederschlag vollkommen zur Ausscheidung zu bringen (1. cit. S. 152). Bei seinen Versuchen hat derselbe Autor aus GrrĂŒnden, welche wir spĂ€ter kennen lernen werden, mit Zusatz von Ammoniumnitrat gearbeitet; an unseen Erörterungen wird dadurch nichts geĂ€ndert.

Die 26 MolekĂŒle (siege oben) sind zur Bildung aus neutralen Salzen erforderlich (Hundeshagen: 1. cit. S. 154).

SalpetersĂ€ure; ein Ueberschuss von etwa 1000 MolekĂŒlen SalzsĂ€ure verhindert eine Abscheidung des Molybdates vollstĂ€ndig. Auch die dissodirende Wirkung der SchwefelsĂ€ure ist, wenn sie auch mit dem Salzgehalte der Lösung wechselt, grösser als die der SalpetersĂ€ure. Das ist der Grund, weshalb man bei der FĂ€llung des Molybdates gewöhnlich der SalpetersĂ€ure den Vorzug vor der SalzsĂ€ure und der SchwefelsĂ€ure giebt.

Die dissociirende Wirkung der genannten SĂ€uren wird durch einen Ueberschuss von MolybdĂ€nsĂ€ure aufgehoben. Ist man daher genöthigh, die FĂ€llung in Gegenwart von mehr SĂ€ure auszufĂŒhren, als zur Bildung des Phosphomolybdates erforderlich ist, sp muss man einen um so grösseren Ueberschuss von MolybdĂ€nsĂ€ure anwenden, je grösser der Ueberschuss von jensen SĂ€uren ist, und zwar erfordern die SalzsĂ€ure und die SchwefelsĂ€ure, in Folge hires grösseren Dissociationsvermögens, einen relativ grösseren Zusatz als die SalpetersĂ€ure.

Die dissociirende Wirkung der freien SalpetersĂ€ure wird aufgehoben, wenn auf — — — 156 MolekĂŒle derselben ein MolekĂŒl MoOg

im Ueberschusse vorhanden ist (Hundeshagen). Ein selbst sehr grosser Ueberschuss von MolybdÀnsÀure hinder die Abscheidung des Phosphomolybdates nicht.

Wie Richters) beobachtete und StĂŒnkel, Wetzke und Wagner-) experimentell bestĂ€tighten, befördert die Gegenwart von Ammoniumnitrat in hohem Grade die Abscheidung des Ammonium-Phosphomolybdates, und zwar vielleicht dadurch, dass letzteres sich bei Abwesenheit von Nitrat in einem, je nach den ĂŒbrigen UmstĂ€nden, mehr oder weniger colloiden Zustande bildet und pseudogelöst bleibt (vergl. § 63, Bemerkung), ein Zustand, welcher durch Zusatz von Salzen aufgehoben wird. Hundeshagen fand, dass sich der Niederschlag, unabhĂ€ngig von den als ĂŒberhaupt zulĂ€ssig vorhandenen Mengen SalpetersĂ€ure und von den vorhandenen Mengen MolybdĂ€nsĂ€ure, erst dann klar abscheidet, wenn die FlĂŒssigkeit etwa 0,5 Anunoniumnitrat enthĂ€lt, wĂ€hrend die FlĂŒssigkeit bei einem geringeren Gehalt an diesem Salze ein milchiges, emulsionsartiges Aussehen annimmt und auch beim ErwĂ€rmen behĂ€lt. Das Absitzen des Niederschlages erfolgt um so schneller, je grösser der Gehalt an Ammoniumnitrat wird. In der Praxis sort man dafĂŒr, dass er mindestens 5 bis 10 oder auch 15 % betrĂ€gt. Vielleicht wirkt dieser hohe Salzgehalt auch der dissociirenden Wirkung der SĂ€uren entgegen.

Die Gegenwart von Ammoniumchlorid wirkt der FĂ€llung nicht entgegen 3), wie man frĂŒher wohl annahm; ob es, wie das Ammoniumnitrat, die Ausscheidung befördert, ist unseres Wissens nicht untersucht

A. Durch WĂ€gung. 535

Dagegen erfordert die Anwesenheit von Ammoniumsulfat einen grösseren Aufwand von SalpetersÀure, bez. SchwefelsÀure, und dem entsprechend auch von MolybdÀnsÀure; nach Hundeshagen verhindern sehr grosse Sulfatmengen sogar die vollstÀndige FÀllung des Phosphomolybdates.

Organische SĂ€uren und besonders die Ammoniumsalze derselben werden von König i) als der FĂ€llung hinderlich angesehen. Neuere Untersuchungen lassen die Anwesenheit mancher dieser SĂ€uren weniger oder gar nicht bedenklich erscheinen; so fand JĂŒ ptner von Jonstorff), dass selbst erhebliche Mengen von WeinsĂ€ure ohne jeden schĂ€dlichen Einfluss auf die FĂ€llung waren. Auch Woy) erhielt in Gegenwart von Ammoniumeitrat durchaus befriedigende Resultate bei entsprechender Vermehrung des Zusatzes von SalpetersĂ€ure und von MolybdĂ€nsĂ€ure. Praktisch kommen vorzugsweise WeinsĂ€ure und Citronen- sĂ€ure bez. deren Ammoniumsalze in Betracht. Der Einfluss der Oxal- sĂ€ure ist unseres Wissens nicht bekannt. Das Studium desselben wĂ€re eines Versuches werth.

ErwĂ€rmen und UmrĂŒhren der FlĂŒssigkeit befördern in hohem Grade die Abscheidung des Phosphomolybdates (wie ĂŒberhaupt jedes krystallinischen Niederschlages).

In frĂŒhere Zeit nahm man an, dass zur vollstĂ€ndigen Ausfallung ein mindestens 12 stĂŒndiges ErwĂ€rmen auf etwa 40Âź C. erforderlich seL Seitdem man die fördernde Wirkung des Ammoniumnitrates kennen gelernt hat, weiss man, dass die FĂ€llung bei Anwesenheit reichlicher Mengen dieses Salzes sofort vollstĂ€ndig ist, wenn man die MolybdĂ€nflĂŒssigkeit zu der heissen Phosphatlösung setzt und tĂŒchtig umrĂŒhrt (StĂŒnkel,Wetzke .und Wagner). Je gĂŒnstiger die sonstigen UmstĂ€nde fĂŒr die FĂ€llung, namentlich je geringer der ĂŒber das Maass des Erforderlichen gehende Ueberschuss von SalpetersĂ€ure ist und je geringer in Folge dessen der Ueberschuss von MolybdĂ€nsĂ€ure bemessen werden kann*), um so weniger heiss kann die FĂ€llung geschehen. Neuerdings ist sogar vorgeschlagen worden), die FĂ€llung kalt vorzunehmen und die vollstĂ€ndige Abscheidung des Niederschlages durch andauerndes UmrĂŒhren zu beschleunigen. Nach HundeshagenÂź) fĂ€llt das Phosphomolybdat, wenigstens wenn man

L. cit.

Siehe dessen Buch : Fortschritte im EisenhĂŒtten - Laboratorium II. Bd. (Leipzig 1896), S. 153.

Wenn wir einen Ueberschuss von MoLybdĂ€nsĂ€ure möglichst vermieden wissen wollen, so geschieht das nicht, weil er der FĂ€llung hinderlich ist, sondern weil bei lĂ€ngerer Einwirkung von WĂ€rme höhere Temperatur auf manche der nach verschiedenen Vorschriften bereiteten salpetersauren MolybdĂ€nilĂŒssigkeiten in diesen eine Ausscheidung von MolybdĂ€nsĂ€ure eintreten und damit eine Verunreinigung des Molybdat- Niederschlages stattfinden kann.

Hanamann; CÄ.-Z 19 (1895), 553; Neumann: Z aa/. CA. 37 (1898), 307 ; F. Warsage: Bull. Assoc. beige des chim. 13 (1899), 343; A. Petermann: Bull. Stat. agric. de Gemhloux 68 (1900). 12.

L. cit. S. 148.

536 BestitnmuDg der Phosphate.

nicht sehr lange umrĂŒhrt, aus kalter Losung in Form rundlicher Kömer aus, welche sich nur schwer absetzen und Neigung haben, durch die Filterporen zu gehen, wĂ€hrend es sich aus heissen Lösungen in gut ausgebildeten Kr)'stalled (Octaeder, in der Regel rosettenformig gruppirt), welche sich schnell zu Boden setzen und leicht filtrirbar sind, ausscheidet

Zum Auswaschen des Niederschlages bedient man sich jetzt gewöhnlich einer etwa 1 Procent freie SalpetersĂ€ure enthaltenden lOprocentigen Lösung von Ammoniumnitrat (oder auch Ammoniumchlorid). In manchen FĂ€llen ist es erforderlich, den Niederschlag frei von SĂ€ure zu erhalten; man wendet dann eine kate, neutral 5-bis lOprocentige Lösung von Ammonium-Nitrat oder -Chlorid an; es ist zu beachten, dass die typischen 2 MolekĂŒle SalpetersĂ€ure, bez. SalzsĂ€ure, welche in dem Ammoniumphosphomolybdate enthalten sind, durch 2 MolekĂŒle der betreffenden Ammoniumsalze ersetzt werden*).

Auch eiskaltes Wasser (aber nicht Wasser von gewöhnlicher Zimmertemperatur) kann zum Auswaschen benutzt werden, besonders wenn man sich einer Saugpiunpe bedient.

Alkohol und Aether wirken nur in sehr geringem Maasse losend auf das Ammoniumphosphomolybdat; es mag aber dahin gestellt bleiben, ob es rÀthlich ist, es mit diesen Reagentien oder einem Gemische beider vollstÀndig auszuwaschen.

1832 AusfĂŒhrung der FĂ€llung. Die FĂ€llung wird gewöhnlich in der Art ausgefĂŒhrt, dass man zu der salpetersauren Phosphatlösung — nachdem man einen etwaigen sehr grossen SĂ€ureĂŒberschuss durch Ammoniak abgestumpft hat — so viel Anunoniumnitrat setzt, dass sie nach der FĂ€llung etwa 100 — 150 gr dieses Salzes in einem Liter enthĂ€lt, dann auf 50 — GO C. erhitzt und unter UmrĂŒhren so viel MolybdĂ€n- flĂŒssigkeit zusetzt, dass auf 0,1 gr P2O5 etwa 6 gr M0O3 kommen*). Nachdem man nochmals tĂŒchtig durchgerĂŒhrt hat, lĂ€sst man absitzen und geht dann zum Abfiltriren und zur weiteren Behandlung des Niederschlages ĂŒber.

War das Phosphat in SalzsĂ€ure oder in SchwefelsĂ€ure gelöst, so giebt man in die FlĂŒssigkeit erst Anunoniak in geringem Ueberschuss, so dass bei Anwesenheit von anderen als Alkali -Metallen soeben ein Niederschlag entsteht, und sĂ€uert mit SalpetersĂ€ure an; die FlĂŒssigkeit muss vollkommen klar sein*). Jetzt fĂ€hrt man, wie oben angegeben ist, zunĂ€ nĂŒt dem ZusĂ€tze von Ammoniumnitrat beginnend, fort.

Zur Bereitung der MolybdĂ€nflĂŒssigkeit giebt es eine grosse Anzahl

Hundeshagen: 1. cit. S. IGl.

') Theoretisch sind nur 2,47 gr erforderlich.

In Gegenwart von Mangan bleibt leicht eine TrĂŒbung dauernd bestehen; man bringt sie durch vorsichtigen Zusatz eines Reductionsmittels, etwa eines Alkalisulfites, zum Verschwinden.

A. Durch WĂ€gUDg. 537

von Vorschriften. Gewöhnlich bildet das kĂ€ufliche krystallisirte Am moniummolybdat AmQMo7 024, 4H2O das Ausgangsmateriai; es pflegt reiner zu sein als das MolybdĂ€nsĂ€ure- Anhydrid); aber auch letzteres wird öfter benutzt Wir wollen einige dieser Vorschriften anfĂŒhren.

Nach P. Wagner 2). a. 150 gr Ammoniummolybdat werden in einer Literflasche in Wasser gelöst; nach Zusatz von 400 gr Ammoniumnitrat wird die Lösung auf 1 Liter aufgefĂŒllt und in 1 Liter Salpeter- sĂ€ure (1,19 sp. G.) unter Umschwenken gegossen 8).

b. 125 gr kĂ€ufliches MolybdĂ€nsĂ€ure- Anhydrid werden in ein&DO. Literkolben mit Wasser ĂŒbergössen und durch Zusatz Von 300 cc Sprocentigen Ammoniaks in Lösung gebracht; nach Zusatz von 400 gr Ammoniumnitrat wird auf 1 Liter aufgefĂŒllt und diese FlĂŒssigkeit in 1 Liter Salpeter- sĂ€ure (1,19 sp. G.) gegossen.

In beiden FĂ€llen lĂ€sst man die FlĂŒssigkeit 24 Stunden bei 35 stehen und giesst von einem entstandenen Niederschlage ab.

FĂŒr die landwirthschaftlichen Stationen von Belgien, Holland und Luxemburg ist folgende Darstellung conventionell: 150 gr Ammoniummolybdat werden in 1 Liter Wasser gelöst und diese Lösung in 1 Liter SalpetersĂ€ure (1,2 sp. G.) gegossen.

De Koninck stellt eine viel concentrirtere ReagensfiĂŒssigkeit her, indem er 100 gr Molybdat in 660 cc Wasser löst und die Lösung in 300 cc SalpetersĂ€ure (1,2 sp. (i.) giesst

Alle diese MolybdĂ€nflĂŒssigkeiten, und auch noch weniger concentrirte als die nach Wagner 's Vorschrift bereiteten, scheiden beim ErwĂ€rmen einen grossen Theil ihrer MolybdĂ€nsĂ€ure wieder aus; es ist also die Gefahr nicht ausgeschlossen, dass das in der beschriebenen Weise gefĂ€llte Ammoniumphosphomolybdat durch MolybdĂ€nsĂ€ure verunreinigt wird. Meineke) hat stets beobachtet, dass durch IY2 stĂŒndiges ErwĂ€rmen auf 90 C. so viel MolybdĂ€nsĂ€ure gefĂ€llt wird , dass schliesslich eine FlĂŒssigkeit mit nur etwa 35 gr M0O3 im Liter resultirt, und giebt deshalb vor allen anderen der folgenden Bereitung den Vorzug: 86 gr Ammoniummolybdat werden in 175 cc Ammoniak (0,91 sp. G.) und S25 cc Wasser gelöst; die Lösung wird in 1 Liter SalpetersĂ€ure (1,2 sp. G.) gegossen; nach stĂŒndigem ErwĂ€rmen auf einem Wasserbade bei 90Âź C. wird die in nur ganz geringer Menge abgeschiedene MolybdĂ€nsĂ€ure durch Filtration entfernt Die so erhaltene FlĂŒssigkeit

. ') Das kĂ€ufliche PrĂ€parat, ein weisses oder schwach gelbliches Pulver, enthĂ€lt ca. 85 n Anhydrid und ca. 15 % Ammonium-oder Natriumnitrat oder Natriumsuifat und Feuchtigkeit (Kr auch: Die PrĂŒfung d, chemischen ReagenÜeriy 3. Aufl. (1896), S. 246).

Wenn man umgekehrt die SalpetersÀure in die Molybdatlösung giesst, so findet eine bedeutende Abscheidung von MolybdÀnsÀure statt, welche sich nicht wieder löst.

Nicht veröffentlichte, mit K. Schroeder ausgefĂŒhrte Versuche. (Meineke.)

enthĂ€lt im Liter nach vielfach ausgefĂŒhrten Analysen nahezu 35 gr M0O3 und bleibt dauernd klar.

JĂŒptner von Jonstor ff beobachtete, dass WeinsĂ€ure die Zersetzung der MolybdĂ€nflĂŒssigkeit bez. die Ausscheidung von MolybdĂ€n- sĂ€ure aus derselben beim ErwĂ€rmen hinder. Eine nach Fresenius bereitete Lösung, welche ziemlich identisch mit den oben angegebenen, nach Wagner bereiteten Lösungen ist, trĂŒbte sich, fĂŒr sich erwĂ€rmt, schon bei 30 C. und gab bei 60 einen ziemlich starken Niederschlag, blieb aber selbst bei 80 Âź vollkommen klar, nachdem ihr WeinsĂ€ure iin VerhĂ€ltnisse von 6 gr auf 100 cc zugesetzt war. Aehnliches beobachtete Woy), als er CitronensĂ€ure statt der WeinsĂ€ure benutzte. Wir werden auf die Verwendungen solcher Lösungen noch zurĂŒckkommen.

Um der Gefahr einer Verunreinigung des Ammoniumphosphomolybdates durch Ausscheidung von MolybdĂ€nsĂ€ure aus der heissen FlĂŒssigkeit vorzubeugen, hat Hanamann und spĂ€ter Neu mann kate FĂ€llung angewandt; dieses Verfahren erfordert ein langes UmrĂŒhren und lĂ€sst sich praktisch kaum anders als mit Anwendung von RĂŒhrapparaten, welche nicht immer zur VerfĂŒgung stehen, ausfĂŒhren. Wir haben bereits im vorigen Paragraphen auf diese Art der FĂ€llung hingewiesen.

Woy hĂ€lt die beschriebene, gewöhnliche FĂ€llungsweise fĂŒr unrationell und beschrĂ€nkt die Menge der anzuwendenden SalpetersĂ€ure und MolybdĂ€n- sĂ€ure auf einen das Erforderliche wenig ĂŒberschreitenden Ueberschuss. Als FĂ€llungsreagens benutzt er nicht eine nach der einen oder der anderen angegebenen Vorschrift bereitete salpetersaure MolybdĂ€nflĂŒssigkeit, sondern unmittelbar eine 3procentige oder, in Gegenwart von Citronen- sĂ€ure, eine 6procentige wĂ€ssrige Lösung von kĂ€uflichem Ammoniummolybdat (AmgMo7024, 4H2O), welche er in die heisse Phosphatlösung unter UmrĂŒhren in dĂŒnnem Strahle aus einem Scheidetrichter einfliessen lĂ€sst.

1833. EinflasB fremder, anorganischer Stoffe auf die FĂ€llmig. Grosse Mengen von Eisen beeinflussen die FĂ€llung dadurch, dass einerseits zur schnellen Abscheidung des Niederschlages eine höhere Temperatur als bei Abwesenheit von Eisen erforderlich ist, und dass andererseits, wenn nicht genĂŒgende Mengen von SalpetersĂ€ure zugegen sind, der Niederschlag Eisen mit sich resist Durch letztere Verunreinigung wird er mehr oder weniger intensiv orange gefĂ€rbt. Ist die mitgerissene Menge Eisen nicht sehr gross, so dass die hell-citronengelbe Farbe des Niederschlages kaum beeinflusst erscheint, so kann das von Woy) angegebene Verfahren, ihn in heissem Ammoniak zu lösen und durch Zusatz von SalpetersĂ€ure und MolybdĂ€n- sĂ€ure wieder hervorzurufen, ein richtiges Resultat geben; unsicher bleibt

') L. cit. S. 153. 2 L. cit. S. 470. 3) L. cit. S. 442 u. 470.

A. Durch WĂ€gung. 539

aber auch dieses Verfahren, wenn das mitgerissene Eisen den Niederschlag merklich dunkler fÀrbt i).

Nach Meineke) sollten bei der Analyse von Eisen und von Eisenerzen in 100 cc der zu fallenden FlĂŒssigkeit etwa 25 cc SalpetersĂ€ure (1,4 sp. G.) enthalten sein, wenn man auf Bildung eines eisenfreien Niederschlages rechnen will. Dem entsprechend ist eine grössere Menge MolybdĂ€nsĂ€ure, als bei Abwesenheit von Eisen, erforderlich. Die FĂ€llung bewirkt man in der Art, dass man die zu fĂ€llende FlĂŒssigkeit bis zum Sieden erhitzt, MolybdĂ€nflĂŒssigkeit in grossed Ueberschuss zusetzt, tĂŒchtig umrĂŒhrt, aber, um einer Ausscheidung von MolybdĂ€nsĂ€ure vorzubeugen, das Erhitzen nicht fortsetzt

JĂŒptner von Jonstorff) hĂ€lt ganz besonders bei der Bestimmung des Phosphors in eisenreicher Substanz die Anwendung einer G % Wein- sĂ€ure enthaltenden MolybdĂ€nflĂŒssigkeit (siege § 1832) fĂŒr vortheilhaft. Woy erhĂ€lt nach seinem Verfahren bei der FĂ€llung der PhosphorsĂ€ure aus citrathaltigen Lösungen, welche in RĂŒcksicht auf die Anwesenheit von Eisen wohl als gleichwerthig anzusehen sind, eisenhaltige Nieder- Ă€ge. Es scheint demnach, dass auch in Gegenwart dieser organischen SĂ€uren die Menge der anzuwendenden SalpetersĂ€ure grösser sein muss, als in Abwesenheit von Eisen.

Die KieselsĂ€ure bildet mit Molybdaten ein Ă€hnliches Doppelsalz wie die PhosphorsĂ€ure. Dieses fallt indessen erst nach lĂ€ngerer Zeit und namentlich nach lĂ€ngerem ErwĂ€rmen aus. In Ammoniak ist es erheblich schwerer löslich als das Phosphomolybdat. ErhĂ€lt man daher beim Behandeln des letzteren mit Ammoniak eine nicht schnell klar werdende FlĂŒssigkeit, so ist auf eine Verunreinigung durch KieselsĂ€ure zu schliessen; die Analyse lĂ€sst sich in diesem Falle nur schwer verifidren. Nach Isbert imd Stutzer*) lĂ€sst sich das Silicomolybdat von dem Phosphomolybdat durch Auswaschen des unreinen Niederschlages mit eiskaltem Wasser, in welchem genes sehr leicht löslich, dieses aber fast unlöslich ist, entfernen.

Am sichersten wird man stets verfahren, wenn man die KieselsÀure vor der FÀllung durch Eindampfen der zu untersuchenden sauren Lösung vollstÀndig abscheidet.

Erst vor wenigen Jahren ist darauf aufmerksam gemacht), dass auch die TitansĂ€ure einen schĂ€dlichen Einfluss auf die Abscheidung der PhosphorsĂ€ure hat. Einerseits hĂ€lt die TitansĂ€ure, wenn man sie durch Eindampfen der Lösung imlöslich gemacht hat, PhosphorsĂ€ure zurĂŒck, anderer-

Vielleicht wĂŒrde etwas Wein-oder CitroDensĂ€ure nĂŒtzen? Rep. anal, Ch. 6 (1886), 304. L. cit. S. 153. Z, anal. Ch. 26 (1887), 583.

J. Pattinson und H. S. Pattinson (nach Ch, CentrhL 66 (1895), II, 252): /. Soc, of ehem. Ind. 14 (1895), 443.

suits hinder schon geringe Mengen gelöster TitansÀure die vollstÀndige FÀllung des Ammoniumphosphomolybdates.

Um die unlöslich gewordene PhosphorsĂ€ure zu bestimmen, soll man den RĂŒckstand zur Vertreibung der KieselsĂ€ure mit FlusssĂ€ure behandeln, den nunmehr verbleibenden RĂŒckstand mit Natriumcarbonat schmelzen und die Schmelze mit Wasser ausziehen, wobei die TitansĂ€ure als saures Natriumtitanat angelöst bleibt, die PhosphorsĂ€ure aber vollstĂ€ndig in Lösung geht

Was den die FÀllung des Phosphomolybdates hindernden Einfluss der TitansÀure betrifft, so bedarf es noch nÀhere Untersuchung, ob er nicht durch geeignete Aenderung der FÀllungsbedingungen, namentlich der zuzusetzenden Mengen von SalpetersÀure und von MolybdÀnsÀure, zu helen ist. J. und H. S. Pattinson schlagen vor, die TitansÀure in folgender Weise zu entfernen: Sie reduciren alles in der Lösung enthaltene Ferrieisen zum Ferrozustande, setzen etwas Alaun hindu imd fallen durch Ammoniak; den Niederschlag, welcher Aluminiimiphosphat, Aluminiumhydroxyd und TitansÀure enthÀlt, schmelzen sie mit Natriumcarbonat und von der Schmelze ziehen sie mit Wasser nur Natriumphosphat aus.

Wenn sich das neuerdings von P. H. Walker vorgeschlagene Verfahren der Scheidung von Eisen und Titan (vergl. § 762a) bewÀhrt, welches darin besteht, dass aus der Sulfatlösung beider Elemente, nacli Zusatz von Wasserstoffsuperoxyd, durch Ammoniak nur das Eisen gefallt wird, lÀsst sich annehmeif, dass unter den gleichen UmstÀnden mit dem Eisen alle PhosphorsÀure gefÀllt wird, wÀhrend die TitansÀure in Lösung bleibt.

Die ArsensÀure bildet ein dem Phosphomolybdate analoges Doppelmolybdat. Sie muss also aus der zu untersuchenden Phosphat- lösung entfernt werden, was durch verschiedene Mittel geschehen kann, unter welchen wir die FÀllung durch Schwefelwasserstoff, die Reduction zu arseniger SÀure und das Austreiben in Form von Arsenochlorid er- wÀhnen wollen.

1834. Das Ammoniumphosphomolybdat lÀsst sich in verschiedener Weise zur Bestimmung der PhosphorsÀure benutzen:

1. Direct, indem man es durch Erhitzen bei geeignet hoher Temperatur in eine Verbindung von bestinunter Zusanmiensetzung ĂŒberfuhrt und diese wĂ€gt (§§ 1835 und 1835 a), oder indem das scheinbare Volumen des Niederschlages gemessen wird (§ 1836).

2. Durch Auflösen in Ammoniak und FÀllen mit Magnesiummixtur (§ 1837).

3. Durch titrimetrische Bestimmung eines seiner Bestandtheile, aus dessen Gewicht das Gewicht der zu bestimmenden PhosphorsÀure berechnet werden kann (§§ 1851 bis 1853). In Àhnlicher Weise kann man den Niederschlag zu gasometrischen (§ 1855) und auch zu colorimetrischen Verfahren (§ 1856) benutzen.

A. Durch WĂ€gQDg. 541

Wir haben uns zunÀ mit den auf directer Benutzung des Ammoniumphosphomolybdates beruhenden Verfahren zu beschÀftigen.

1835 A. Das Finkeiierohe VeifUiren Der Niederschlag wird mit einer schwach angesĂ€uerten lOprocentigen Lösung von Ammoniumniirat ausgewaschen, auf einem tarirten Asbestfilter, am besten in einem Gooch'schen Tiegel, gesanmielt, erst massig und schliesslich sehr vorsichtig bei 160 bis 180 Âź getrocknet*), bis keine von Ammoniumnitrat herrĂŒhrenden DĂ€mpfe mehr entweichen. Das Product hat die der Formel 12 MoOg entsprechende Zusammensetzung, welcher ein Gehalt von 3,78 7o entspricht, und wird gewogen.

Statt ein tarirtes Filter anzuwenden, kann man auch durch Vuf- lösen (§ 140) verfahren: Man entfernt den getrockneten Niederschlag möglichst vollstÀndig vom Filter und stellt ihn vorlÀufig bei Seite; den am Filter haften gebliebenen Rest löst man in etwas Ammoniak, fangs die Lösung in einem tarirten Tiegel od. dergl. auf und dampft sie zur Trockne; nun fugt man die bei Seite gestellte Hauptmenge des Niederschlages hindu, erhitzt das Ganze auf 180 und wÀgt.

H ebner*) hat ein Àhnliches, aber weit complicirteres Verfahren zur Bestimmung kleiner PhosphorsÀuremengen in WÀstern angewandt.

1835 a. B. Das Meineke'sohe Ver&hren). Der Niederschlag wird auf einem Papierfilter gesammelt, zunĂ€, wie beim vorigen Verfahren, mit einer schwach salpetersauren Lösung von Ammoniumnitrat und schliesslich ein-oder zweimal mit starkem Alkohol oder mit Aetheralkohol ausgewaschen, und, ohne dass er weiter getrocknet wird, in einem tarirten, möglichst weiten Porzellanoder Piatingefasse ĂŒber einem Brenner mit ausgebreiteter HeizflĂ€che, z. B. ĂŒber einem Bunsenbrenner mit Pilzaufsatz (Fig. 9, Bd. I, S. 12), allmĂ€hlich so weit erhitzt, dass beim Tageslichte ein GlĂŒhen des GefĂ€sses nicht oder nur ganz schwach bemerkbar ist Hat der ganze Niederschlag eine blĂ€ulichschwarze Farbe angenommen, so hat er eine Zusammensetzung, welche dem PhosphomolybdĂ€nsĂ€ure-Anhydrid PgOg, 24 M0O3 mit 3,945 % entspricht*), und kann gewogen Wierden.

Finkener: B. U (1878), 16B8; Z. anal. Ch. 21 (1882), 566; Hundeshagcn: 1. cit. S. 141 u. 169.

Villiers and Borg trocknen den Niederschlag, der natĂŒrlich nicht mit Ammoniamnitrat, sondern mit schwacher SalpetersĂ€ure oder mit Alkohol ausgewaschen sein muss, bei nur 100 C. (C. r. 116 (1893), 989).

Meineke: Rtp. anal. Ch. 6 (1885), 153; Ch.Z. 20 (1896), 108; Woy: Ch.-Z. 21 (1897), 441 u. 469; H. C. Sherman und H. St. John Hyde: /. Am. ch. Soc. 22 (1900), 652; A. Seyda: Ch.-Z. 25 (1901), 759.

Meineke glaubte auf Grund seiner ersten Untersuchungen die Zusammensetzung des geglĂŒhten Productes durch die Formel P,Oß, MoO-g, mit 4,0190 ausdrĂŒcken zu mĂŒssen. SpĂ€ter wiederholte Untersuchungen, welchen besonders reine Phosphatlösongen zu Grunde gelegt varden, ergaben als mittleren Gehalt 8,949 P.,0; das PhosphomolybdĂ€nsĂ€ure-Anhydrid enthĂ€lt 3,945% P,0.. De Koninck (nicht

Das erwĂ€hnte Auswaschen des Niederschlages mit Alkohol etc. hat nur den Zweck, ein sofortiges GlĂŒhen des Niederschlages, ohne ihn vorher zu trocknen, möglich zu machen; in der That hat man bei Anwendung dieses HĂŒlfsmittels ein Spritzen des noch feuchten Niederschlages nicht zu befurchten. Sieht man von seiner Anwendung ab, so muss der Niederschlag vorgetrocknet werden.

Sehr empfohlen wird), den Niederschlag in einem Go och' sehen Tiegel zu sammeln und zu glĂŒhen.

1836 C. Durch Messuiig des Tom Niederschlage eingenommenen (scheinbaren) Volumens') (siege § 74). Dieses von Eggertz im Jahre 1860 vorgeschlagene Verfahren ist in neuerer Zeit von mehreren Autoren wieder aufgenommen, um kleine Mengen von Phosphor im Stahl zu bestimmen. Nachdem sich der Niederschlag gebildet hat, spĂŒlt man ihn mit möglichst wenig FlĂŒssigkeit in eine Messröhre ĂŒber, welche aus einem weiten birnenförmigen oder cylindrischen Theile besteht, welcher unten in eine graduirte Röhre auslĂ€uft (Fig. 231). Der Raum zwischen je 2 Theilstrichen entspricht 5 Cubikmillimetem.

Man fĂŒhrt in der Regel mehrere Bestimmungen gleichzeitig aus; nachdem alle Röhren beschickt sind, stellt man sie in eine fĂŒr den besonderen Zweck construirte Centrifuge; unter dem EinflĂŒsse der Centrifugalkraft sammeln sich die Nieder- Ă€ge in dem graduirten Theile, in welchem das von jedem von ihnen eingenommene Volumen abgelesen wird.

Man erhÀlt nach diesem Verfahren befriedigende Resultate nur dann, wenn man immer unter genau gleichen Bedingungen arbeitet, weil anderen Falles das scheinbare Volumen des Niederschlages ein anderes wird. Unter den gleichen Bedingungen ermittelt man experimentell das VerhÀltniss zwischen dem von dem Niederschlage eingenommenen

verÖfTeDtlichter Versuch) beobachtete, dass beim Erhitzen des troclmen gelben Niederschlages, bis das Product blauschwarz gefĂ€rbt war, ein von Wasser nicht absorbirbares Gas auftrat, vermuthlich Stickstoff. Wenn derselbe, wie als wahrscheinlich anzunehmen, dem Ammoniak des ursprĂŒnglichen Niederschlages entstammt, mĂŒsste dieses reducirend auf MolybdĂ€nsĂ€ure gewirkt haben. Das so entstehende MolybdĂ€noxyd soll jedoch nach Meineke beim Erhitzen an der Luft wieder in MolybdĂ€nsĂ€ure umgewandelt werden. Bei einem Versuche wurde gefunden, dass Pennanganat an das blauschwarze GlĂŒproduct eine sehr geringe Menge (0,18 %) Sauerstoff abgab, was ungefĂ€hr nur Atom O entspricht.

-) Eggertz:/. prakt. Ch. 79 (1860), 496; Wedding: St. u. E. 7 (1887), 118; Ukena: das. 407; Bormann: Z. angew, Ch. 1889, 638; von Reis: St, tt. E. 9 (1889), 1025 u. 10 (1890), 1059; Götz: Z. angle. Ch. 1889, 1638; Reinhardt: Ch.-Z. 15 (1891), 410; JĂŒptner von Jonstorff: Oest. Z. f. ß.- u. H.-W. 48 (1895), 203. — Das Verfahren gehört zwar nicht zu den WĂ€gungsverfahren; wir glaubten aber doch, es an dieser Stelle einfĂŒgen zu dĂŒrfen, ohne far dasselbe eine neue Kategorie zu schaden.

A. Durch WĂ€gung. 543

RĂ€ume und seinem Gewichte, indem man den Versuch mit einer Substanz (Stahl) ausfĂŒhrt, deren Gehalt an Phosphor nach einer anderen Methode genau bestimmt worden ist

Wir erinnern bei dieser Gelegenheit an das in § 282 beschriebene specielle Verfahren, ohne, aus dem an der citirten Stelle angegebenen Grunde, nÀher darauf einzugehen.

1837. . II. Durch Magnefdummixtur). Dieses Verfahren beruht auf der umgekehrten Anwendung der zur Bestimmung des Magnesiums benutzten Reaction (siege § 416). Direct ist es nur auf solche Substanzen anwendbar, deren Lösungen durch ĂŒberschĂŒssiges Ammoniak in Gegenwart von Ammoniumsalzen nicht getrĂŒbt werden.

Das Verfahren der FĂ€llung der PhosphorsĂ€ure durch MolybdĂ€n- flĂŒssigkeit kann, wie wir bereits bemerkt haben, als Zwischenoperation fĂŒr die FĂ€llung durch Magnesiunmiixtur benutzt werden, weil der Niederschlag in Ammoniak leicht löslich ist und das gelöste Ammoniummolybdat durch Magnesiummixtur entweder nicht gefĂ€llt wird, oder die eventuell mitgefallte MolybdĂ€nsĂ€ure durch GlĂŒhen verflĂŒchtigt werden kann.

In manchen FÀllen, namentlich bei der Analyse von Calciumphosphaten, welche verhÀltnissmÀssig nur geringe Mengen Eisen und Aluminium enthalten, ist die FÀllung mittels Magnesiummixtur auch ohne vorhergegangene FÀllung mittels MolybdÀnlösung anwendbar, wenn man der zu untersuchenden Lösung Ammoniumdtrat zusetzt; in Gegenwart dieses Salzes werden Calcium-, Eisen-und Aluminiumphosphate auf Zusatz von Ammoniak nicht gefallt.

Das Verfahren besteht in FĂ€llung durch Magnesiummixtur und iVmmoniak, Sammeln des Niederschlages und UeberfĂŒhrung desselben durch GlĂŒhen in Magnesiumpyrophosphat, welches gewogen wird.

In RĂŒcksicht auf die Löslichkeit des Niederschlages bewirkt man die FĂ€llung in nicht zu verdĂŒnnter Lösung und sort dafĂŒr, dass die FlĂŒssigkeit nach der FĂ€llung — 3/o freies Ammoniak enthĂ€lt. Zum Auswaschen des Niederschlages benutzt man eine bis 3procentige AmmoniakflĂŒssigkeit, deren Verbrauch man möglichst zu beschrĂ€nken sucht; jedenfalls soll man das Auswaschen nicht lĂ€nger fortsetzen als nöthig ist, d. h. nur so lange, bis einige Tropfen der ablaufenden FlĂŒssigkeit nach AnsĂ€uern mit SalpetersĂ€ure keine Reaction mit Silbemitrat oder Baryumchlorid, je nachdem ob Chloride oder Sulfate vorherrschend waren, geben.

KĂŒbel: Z. anal. Ch. 8 (1869), 125; Kissel: das. 164; Brunner: das. U (1872), 30; Abesser, Jani und Macrcker: das. 12 (1873), 239; Rep, anal, Ch. 2 (1882), 42; Peitzsch, Rohn und P. Wagner: Z. anal. Ch. 19 (1880), 444; H. Neubauer: Z anorg. Ch. 2 (1892), 45, 4 (1893), 251 und 10 (1895), 60; F. Glaser: Z. angew. Ch. 1894, 543; Mcineke: Ch.-Z. 20 (1896), 110. F. A. Gooch und Martha Austin (Z. awr. CA. 20 (1899, 121) sind hinsichtlich der Zusammensetzung des Niederschlages zu Ă€hnlichen Resultaten wie H. Neubauer gekommen; sie scheinen jedoch dessen Arbeiten nicht zu kennen.

544 BestimroaDg der Phosphate.

Eine grosse Schwierigkeit der AusfĂŒhrung des Verfahrens liegt in der Gewinnung eines Niederschlages, welcher genau der Formel NH MgP04) entspricht.

Der Neigung des Niederschlages, Magnesiumsalze, namentlich Sulfat, mitzureissen, begegnet man dadurch, dass man zur Bereitung der Magnesiummixtur ausschliesslich das Chlorid verwendet und das Reagens tropfenweise unter bestĂ€ndigem UmrĂŒhren zusetzt.

Es ist femer nicht belanglos fĂŒr die Zusammensetzung des Niederschlages, ob man die Magnesiummixtur direct in die stark ammoniakalische Lösung eintropfen lĂ€sst (Peitzsch, Rohn und Wagner)*), oder ob man erst das in dieser etwa vorhandene Ammoniak) abstumpft, dann das Reagens und schliesslich wieder so viel Ammoniak zusetzt, als erforderlich ist, um den Niederschlag un- löslich zu machen (Abesser, Jani und Maercker)*).

Wie Neubauer) nachgewiesen hat, kann imter gewissen UmstÀnden ein Theil der PhosphorsÀure als und wieder unter anderen UmstÀnden als Trimagnesiumphosphat gefallt werden (vergl. Bestimmung des Magnesiums § 416).

Im ersten Falle erhĂ€lt man durch schwaches GlĂŒhen Metaphosphat: + 4 NH3 -f 2 H,0 ; bei stĂ€rkerem GlĂŒhen wird dann auch das Metaphosphat unter VerflĂŒchtigung von PhosphorsĂ€ure- Anhydrid zersetzt:

2 MgjPgO + P2O5. In beiden FĂ€llen ist das Resultat falsch.

Das Phosphat entsteht, wenn die FĂ€llung in Gregenwart reichlicher Mengen von Anunoniumsalzen, aber ohne dass M- nesiumsalz im Ueberschusse vorhanden ist, geschieht.

Bei der Modification von Peitzsch, Rohn und Wagner (siege oben) wird jeder Tropfen Magnesiummixtur, welcher in die stark ammoniakalische Lösung des Ammoniumphosphomolybdates fÀllt, sofort von der PhosphorsÀure des anwesenden Phosphates beansprucht; der Niederschlag bildet sich also, ohne dass ein Ueberschuss von Magnesiumsalz vorhanden ist Mit jedem Tropfen des Reagens wird aber auch die Menge der Ammomumsalze vermehrt. Es sind also die Bedingungen vorhanden, unter welchen sich bilden kann. Ist nur wenig PhosphorsÀure zu fallen, so bildet sich dieses Phosphat in nur geringer Menge, und der entstehende

Oder richtiger ausgedrĂŒckt NHMgPO, 6 HO.

L. cit.

Verwendet man den Molybdat-Niederschlag (siege § 1884, Nr. 2) zur Fillnng durch Magnesiummixtur, so geschieht das, nachdem man ihn in Ammoniak gelost hat; die Lösung enthÀlt dann stets viel freies Ammoniak. Wir haben bei unseen Erörterungen vorzugsweise diesen Fall im Auge, weil er in der Praxis besonders oft eintritt.

L. cit.

L. cit

A. Durch WĂ€guDg. 545

Fehler kann in der Regel vernachlĂ€ssigt werden. Dagegen steigt die Menge des entstehenden Phosphates unverhĂ€ltnissmĂ€ssig" stark, wenn viel PhosphorsĂ€ure zu fallen ist. Dann kann der durch starkes GlĂŒhen des Niederschlages bis zur Gewichtsconstanz , d. h. bis alles Metaphosphat unter VerflĂŒchtigung von PhosphorsĂ€ure-Anhydrid in Pyrophosphat ĂŒbergenĂŒhrt ist, entstehende Fehler sehr bedeutend werden.

Bei durchaus gleichmĂ€ssigem Arbeiten ist es wohl denkbar, dass der entstehende Fehler fĂŒr jede Phosphormenge stets der gleiche ist und dass er sich mit HĂŒlfe einer Correctionstabelle ausgleichen lĂ€sst. Eine solche Tabelle, wie sie Neubauer in derThat aufgestellt hat, wird aber immer nur einen subjective Werth haben.

Da sich das Metaphosphat erst bei sehr hoher Temperatur zersetzt, kann man auch in folgender Weise verfahren: ZunĂ€ glĂŒht man den Niederschlag massig stark ĂŒber einem gewöhnlichen Bunsenbrenner und wĂ€gt das so erhaltene Gemisch von Pyrophosphat und Metaphosphat; nun glĂŒht man sehr stark und so lange ĂŒber dem GeblĂ€se, bis das Gewicht sich nicht mehr Ă€ndert. Die Differenz zwischen beiden Gewichten ist offenbar gleich dem Gewicht des verflĂŒchtigten P2O5. Da das zuletzt erhaltene Product nur Pyrophosphat ist, so lĂ€sst sich aus seinem Gewichte die Menge des in ihm enthaltenen P2O5 berechnen, und deren Gewicht, zuzĂŒglich desjenigen des verflĂŒchtigten P2O5, giebt das gesuchte Gesammtgewicht von P2O5.

Das Trimagnesiumphosphat wird gebildet, wenn die FĂ€llung in Ciegenwart eines Ueberschusses von Magnesiumsalz stattfindet. Das ist zum Theil der Fall, wenn man nach der Modification von A besser, Jani und Maercker das vorhandene Ammoniak abstumpft. Versetzt man zu diesem Zwecke die ammoniakalische Lösung des Ammoniumphosphomolybdat- Niederschlages so lange mit SalzsĂ€ure, bis der sich wieder bildende gelbe Niederschlag nur schwierig verschwindet, so reagirt die FlĂŒssigkeit oft bereits sauer und es bedarf einer ziemlich grossen Menge der ammoniakalischen Magnesiummixtur, bis sich das Ammonium -Magnesium -Phosphat auszuscheiden beginnt. Unter diesen UmstĂ€nden ist daher die Bedingung zur Bildung des Phosphates gegeben.

Es kann aber auch, wenn man das ursprĂŒnglich in der Lösung vorhandene Ammoniak nur so weit abstumpft, dass die FlĂŒssigkeit noch deutlich alkalische Reaction zeigt, und wenn die zu fĂ€llende Menge PhosphorsĂ€ure sehr gross ist, folgender Fall eintreten: WĂ€hrend des ersten Zusatzes einer gewissen Menge der Mixtur entsteht nur langsam ein Niederschlag und zwar offenbar — in Bezug auf die sich in jedem Augenblick umsetzende Phosphat -Menge — in Gegenwart eines Ueberschusses des Reagens; within ist Bildung von möglich. Ist nun die zugegebene Menge der Mixtur verbraucht, so erfolgt die weitere Umsetzung schnell, d. h. jeder folgende Tropfen des Reagens wird sogleich

von dem noch vorhandenen Phosphat ui Anspruch genommen, alN(' ohne dass zu einer Zeit die Mixtur im Ueberschuss bleibt; within ist Gelegenheit zur Bildung von gegeben. Der Niederschlair kann also aus den drei Phosphaten:

NH4MgP(\ und MgsCPO,), bestehen. Sind nun das erste imd das letzte Phosphat zufallig in dem VerhĂ€ltnisse von gleichen MolekĂŒlen vorhanden, so erhĂ€lt man durch GlĂŒhen ein nur aus Pyrophosphat bestehende;5 Product:

Herrscht dagegen das erste Phosphat vor, so wird, bei starkem GlĂŒhen bis zur Gewichtsconstanz, P2O5 verflĂŒchtigt und das Resultat fallt zu niedrig aus; und umgekehrt wird es zu hoch, wenn das Trimagnesiumphosphat vorherrscht, weil dieses sich beim GlĂŒhen nicht verĂ€ndert (vergl. § 41G). Man wĂŒrde — wenn das Vorherrschen des Phosphates aus doppelter WĂ€gung, einmal des schwach, das andere Mal des stark bis zur Gewichtsconstanz geglĂŒhten Productes resultirt — durch eine Rechnung, wie wir oben angegeben haben, ein richtiges Resultat erhalten können, wenn nicht bei der in Rede stehenden Modification stets mehr oder weniger grosse Mengen MolybdĂ€nsĂ€ure mitgefallt wĂŒrden, welche nur durch sehr starkes GlĂŒhen verflĂŒchtigt werden; es wĂŒrde vomit der erste Factor der Berechnung, nĂ€mlich das Gewicht des schwach geglĂŒhten Niedersclilages, nicht ermittelt werden können.

Ist kein MolybdĂ€n in der zu fĂ€llenden Lösung vorhanden, so wĂŒrde die letztere Fehlerquelle in Wegfall kommen; man könnte dann die auf der doppelten WĂ€gung beruhende Berechnung ausfĂŒhren. Es ist aber erforderlich, sich davon zu ĂŒberzeugen, dass das schliessliche GlĂŒproduct kein Trimagnesiumphosphat enthĂ€lt, in wachem Falle die Analyse zu verwerfen wĂ€re. Zu dieser PrĂŒfung bedient man sich der Toi lens* sehen Reaction welche darin besteht, dass man das Product in Wasser ver- rĂŒhrt, ganz neutrales Silbernitrat zufĂŒgt und envĂ€mit: in Gegenwart von Trimagnesiumphosphat nimmt das Product eine gelbliche FĂ€rbung an.

Trotz der lrkenntniss der bezeichneten Fehlerquellen wird in der Praxis auf sie oft noch nicht die gebĂŒhrende RĂŒcksicht genommen.

Mag man die FĂ€llung in einer schwach oder stark ammoniakalischen Phosphatlösung vornehmen, stets verfahrt man so, dass man der etwa 100 cc betragenden FlĂŒssigkeit die Magnesiummixtur tropfenweise aus einer BĂŒbette oder einem Ă€hnlichen Apparate — in der Secunde 1 — - Tropfen — unter bestĂ€ndigem UmrĂŒhren zufĂŒgt. Dabei trĂ€gt man Sorge, dass man mit dem RĂŒhrstabe, welchen man praktisch mit einer Gummikappe versieht, die WĂ€nde des GefĂ€sses nicht berĂŒhrt; denn wird

A. Durch WĂ€gung. 547

das Glas durch den RĂŒhrstab leicht geritzt, so setzt sich der Niederschlag sehr fest haftend an. In agriculturchemischen Laboratorien bedient man sich besonders der mechanischen RĂŒhr-und Tröpfel- Vorrichtungen, durch welche gleichzeitig eine grosse Anzahl von FĂ€llungen ausgefĂŒhrt werden kann.

Wie schon oben bemerkt, soll der Gehalt an freiem Ammoniak etwa 2Y2 — 3% betragen. Bei schwach ammoniakalischen Lösungen (also bei dem oben erwĂ€hnten Verfahren von Abesser, Jani und Maercker) ergĂ€nzt man das fehlende Ammoniak nach der FĂ€llung. Der Niederschlag wird mit 2Y2 — 3/Qigem iVmmoniak (1 Vol. Ammoniak 0,9G sp. G. auf 3 Vol. Wasser, oder 1 Vol. ammoniak 0,92 sp. G. auf 6 Vol. Wasser) ausgewaschen.

Der Niederschlag kann geglĂŒht werden, nachdem man das Filter fĂŒr sich verascht hat, oder man kann den noch etwas feuchten Niederschlag mit dem Filter in den GlĂŒhtiegel bringen. In dem einen wie dem anderen Falle hĂ€lt das GlĂŒproduct hartĂ€ckig Kohle zurĂŒck i). Nach Neubauer gelingt es viel leichter, ein rein weisses Pyrophosphat zu erhalten, wenn man vor der FĂ€llung Ammoniumsulfat (etwa 5 gr) zu der FlĂŒssigkeit setzt. De Koninck hat fĂŒr diese Thatsachen die schon in Band I, S. 416 erwĂ€hnte ErklĂ€rung vorgeschlagen.

Hinsichtlich der Anwendung von Ammoniumnitrat sowie anderer Mittel zur Erzielung eines weissen Pyrophosphates verweisen wir auf die Bestimmung des Magnesiums durch Phosphate (§ 416).

Wenn auch der einmal gebildete Niederschlag von Ammonium- Magnesium-Phosphat durch einen Ueberschuss von Magnesiumsalzen nicht verĂ€ndert wird, so ist es doch angenehm, annĂ€hernd zu wissen, welches Volumen der Magnesiummixtur zur vollstĂ€ndigen FĂ€llung der Phosphor- sĂ€ure sicher ausreicht. Eine nach Fresenius* scher Vorschrift bereitete Mixtur (110 gr krystallisirtes Magnesiumchlorid + 140 gr Ammoniumchlorid in 1300 cc Wasser gelöst, die Lösung mit 700 cc Ammoniak [0,96 sp. G.] versetzt, die abgeklĂ€rte FlĂŒssigkeit von dem eventuell entstandenen Niederschlage [Verunreinigungen] abfiltrirt) enthĂ€lt in 1 cc die zur FĂ€llung von 18 — 19 mgr P2O5 erforderliche Menge Magnesium. Auch eine Yi normale Magnesiummixtur ist sehr empfehlenswerth.

1838. in. Durch basisches Uraniacetat (Uranylacetat) -). Die, wenn nöthig, durch Abdampfen neutralisirte Lösung wird mit Ammoniak bis zur Bildung eines bleibenden Niederschlages versetzt,

Um diesem Uebelstande zu begegnen, wird anstatt der Papierfilter hier die Anwendung der G 00 ch- Tiegel sehr empfohlen; es kann die Veraschung des Filters (mit Inhalt) mit Vortheil auch in einem Rose-Tiegel vorgenommen werden, durch dessen Deckelöffnung man zuletzt, wĂ€hrend des GlĂŒhens, kurze Zeit einen Sauerstoffstrom eintreten lĂ€sst. Auch Behandeln des GlĂŒhproductes mit starker, reiner Wasserstoffsuperoxyd -Lösung soll gute Dienste listen (?).

Leconte: C. r. 29 (1849), 55; Arendt und Knop: /. prakt. Ch. 69 (1856), 401 u. 415; Kissel: Z. anal. Ch. 8 (1869), 167.

welchen man durch EssigsĂ€ure wieder löst; nun fĂŒgt man Ammoniumacetat und dann Uraniacetat hindu und erhitzt zum Kochen.

Der gelatinöse Niederschlag wird mit einer siedend heissen, sehr verdĂŒnnten Lösung von Ammoniumnitrat durch Decantiren ausgewaschen, auf ein Filter gebracht und vorsichtig geglĂŒht, so dass eine Reduction mög- lichst vermieden wird; ist eine solche dennoch eingetreten, was man an der grĂŒnlichen Farbe des Productes erkennt, so hebt man sie durch Behandeln desselben mit SalpetersĂ€ure wieder auf. Das erhaltene Uranipyrophosphat wird gewogen.

1839 IV. Durch Ferriacetat Man setzt zu der Phosphat- lösung eine bekannte Menge eines Ferrisalzes, z. B. Ferrichlorid, basificirt mit Ammoniumcarbonat und fÀllt durch Ammoniumacetat (§ 576).

Der auf einem Filter gesammelte und mit siedendem Wasser ausgewaschene Niederschlag wird geglĂŒht und gewogen. Das Product ent- hĂ€lt die Elemente des dem angewandten Ferrichloride entsprechenden Ferrioxydes und des zu bestimmenden PhosphorsĂ€ure- Anhydrides; das Gewicht des letzteren erfĂ€hrt man aus der DĂŒferenz.

Eine zu grosse Menge Eiseiisalz ist zu vermeiden; sie ist ausreichend, wenn der Niederschlag brÀunlich ist (siege § 428).

Aus leicht erkennbaren GrĂŒnden ist es durchaus erforderlich, dass man genau weiss, wie gross das Gewicht des geglĂŒhten Niederschlages ist, welchen das zugesetzte Ferrisalz fĂŒr sich giebt. Es genĂŒgt nicht, seinen Eisengehalt titrimetrisch zu bestimmen, weil es leicht sonstige Stoffe enthalten kann, Avelche durch Acetat gefallt werden, aber auf die titrimetrische Bestimmung des Eisens ohne Einfiuss sind. Man geht daher immer sicherer, wenn man gewichtsanalytisch die Menge geglĂŒhten Niederschlages bestimmt, welche man durch eine unter den gleichen UmstĂ€nden wie bei der Analyse aus* gefĂŒhrte FĂ€llung erhĂ€lt. Bei PrĂŒfung des Ferrisalzes ist auch noch darauf zu achten, dass es zur Zeit seiner Anwendung frei von Ferrosalz ist (vergl. § 509, Nr. 9).

Im Allgemeinen wird man das Ferrisalz nicht in fester Form, sondern in gelöstem Zustande anwenden. Ueber die Bereitung solcher Lösungen vergleiche § 584. In Gegenwart von Aluminium und natĂŒrlich auch von Eisen ist das Verfahren unbrauchbar.

1840. V. Durch Magnesiuinoxyd'''). Dieses nur auf Alkaliphosphate oder auf PhosphorsĂ€ure selbst anwendbare Verfahren ist dem vorigen analog; es besteht darin, dass man die Substanz in Gegenwart von Ammoniumchlorid mit einer bekannten Menge Magnesiumoxyd abdampft, zur Zersetzung des gebildeten Magnesiumchlorides mit Mercurioxyd glĂŒht (siege § 420), den RĂŒckstand mit Wasser auszieht und das Gewicht des uinlöslich

') A. MĂŒller:/. praJkt. CK 47 (1849), 341; siege auch : J, praii. Ch. 67 (1856), 8, und Latschinow: Z. anal. Ch. 7 (1868), 213. Schulze: J. prakt. Ch. 63 (1854), 440.

A. Durch WĂ€gung. 549

bleibenden Theiles bestimmt. Das PhosphorsÀure-Anhydrid erhÀlt man aus der Differenz.

1841 VI. Duroh Bleioxyd. Die freie PhosphorsĂ€ure sowie ihre Ammonium-und Quecksilber -Verbindungen können, wenn sie von feuerbestĂ€ndigen oder reducirend wirkenden Substanzen und von anderen SĂ€uren, SalpetersĂ€ure ausgenommen, frei sind, in der Art bestimmt werden, dass man die Lösung in einem tarirten und vorher mit einer gewissen Menge Bleioxyd beschickten Gefasse erwĂ€rmt. Nachdem zur Trockne gedampft ist, glĂŒht man massig und wĂ€gt den RĂŒckstand. Die Gewichtszunahme ist gleich dem Gewichte des PhosphorsĂ€ure-Anhydrides.

1842. VII. Durch Zinn). Das Phosphat wird in SalpetersĂ€ure gelöst und mit einer bekannten Menge möglichst reinen Zinns behandelt. Auf 1 Th. P2O5 wendet man etwa 8 — 10 Th. des Metalles an.

Man verfahrt genau wie bei der Bestimmung des Zinns (§ 1135), sammelt den aus Metastanni-Hydrat und -Phosphat bestehenden Niederschlag auf einem Filter, glĂŒht und wĂ€gt.

Wenn man kein absolut reines Zinn besitzt, so bestimmt man durch einen Versuch das VerhÀltniss zwischen dem Zinn und dem Oxyde, welches es liefert. Zieht man von dem, wie oben angegeben ist, erhaltenen Gewichte das Gewicht des Zinnoxydes, welches dem angewandten Metalle entspricht, ab, so erhÀlt man das gesuchte Gewicht des PhosphorsÀure-Anhydrides.

Wahrscheinlich könnte man das Zinn durch eine titrirte Lösung von Stannichlorid ersetzen und mit Ammoniumnitrat fallen (siege § 1151).

Vergleiche hierzu auch die Arbeiten von Schulze, betreffend die Anwendung von Antimoniichlorid 2).

1843. VIII. Durch Wismuthnitrat*'). Das von Chloriden, Sulfaten und Eisensalzen freie Phosphat wird in einer möglichst beschrĂ€nkten Menge SalpetersĂ€ure gelöst; zu der Lösung setzt man eine nicht zu saure Lösung von Wismuthnitrat (68,5 gr krj'stallisirtes Wismuthnitrat in 230 cc SalpetersĂ€ure [1,2 sp. G.] und auf 1 Liter verdĂŒnnt; lcc 0,01gr P2O5). Der mit heissem Wasser ausgewaschene Niederschlag wird mit der nöthigen Vorsicht geglĂŒht und gewogen. Er entspricht der Formel BiP04.

1844 IX. Durch Quecksilber). Die von Chloriden, Aluminium und Eisen freie salpetersaure Lösung des Phosphates wird, wenn es erforderlich ist, durch Abdampfen von einem zu grossen SÀure-Ueberschusse befreit. Man setzt dann Quecksilber in massigem Ueberschusse hindu

') Keynoso: C. r. 33 (1851), 385; Ann. de eh. et de phys. [3J 34 (1852), 321; Girard: C. r. 54 (1862), 468; Rcissig: Ann. 88 (1856), 339; Janovsky: Z.anal. Ch. U (1872), 157.

Chancel: C. r. 50 (1860), 416 u. 51 (18()0), 883; Birnbaum undChojnaki: Z. anal. Ch. 9 (1870), 203; Fresenius, Neubauer und Luck: Z.anal. Ch. 10 (1871), 135; A. Adriaansz: /. prakt. Ch. 105 (1868), 320.

') H. Rose: Pogg. Ann, 218; Munroe: 4 (1871), 280.

und verdampft auf dem Wasserbade, bis keine sauren DĂ€mpfe mehr entweichen.

Der RĂŒckstand wird mit Wasser aufgenommen; er enthĂ€lt, neben dem Ueberschusse von metallischem Quecksilber, basisches Mercuronitrat und Mercurophosphat.

Rose bestimmt das Phosphat in dem Niederschlage durch GlĂŒhen mit einem Alkalicarbon ate, Aufnehmen mit Wasser und schliesslich FĂ€llen durch Magnesiummixtur (§1837), Munroe durch GlĂŒhen mit einer gewogenen Menge Cuprioxyd; es unterliegt keinem Zweifel, dass man die Bestimmung auch durch GlĂŒhen mit Bleioxyd (§ 1841) oder mit Zinkoxyd oder mit Magnesiumoxyd (§ 1840) ausfĂŒhren kann.

1845. Andere Verfahren. Als durch sein Princip interessant erwĂ€hnen wir das Verfahren von Schloesing). Es besteht darin, dass man das Phosphat mit Siliciumdioxyd in einem Kohlenoxydstrome erhitzt; das Gewicht des reducirten und verflĂŒchtigten Phosphors erhĂ€lt man durch den Gewichtsverlust; auch kann man den Phosphor von Kupfer-oder von Silbernitrat- Lösung absorbiren lassen und dann bestimmen.

Das Verfahren ist in seiner AusfĂŒhrung sehr complicit; es hat keinen Eingang gefunden.

B. Durch Titrimetrie.

1846 I. Durch Uranylsalze Die AusfĂŒhrung dieses theoretisch sehr einfachen Verfahrens erfordert viel Achtsamkeit und Uebung. Es ist nur auf Lösungen von Phosphaten der Metalle der Alkalien und alkalischen Erden anwendbar. EnthĂ€lt die zu analysirende Substanz Eisen oder Aluminium, so sind diese Metalle abzuscheiden.

Da fĂŒr diese Abscheidung kein Verfahren bekannt ist, durch welches mit den Metallen, wenigstens mit dem Aluminium, nicht auch Phosphor- sĂ€ure abgeschieden wird, und daher stets eine doppelte Bestimmung erforderlich ist, hat die Titrirung der auch bei der Analyse von natĂŒrlichen, cohen und aufgeschlossenen Calciumphosphalen die ihr frĂŒher beigelegte Bedeutung verloren.

Das Verfahren besteht darin, dass man in die essigsaure Phosphat- lösung so lange eine titrirte Lösung von Urani-Acetat oder -Nitrat fliessen lĂ€sst, bis gerade alle PhosphorsĂ€ure gefĂ€llt ist. Als Endreaction dient eine TĂŒpfelprobe mit gepulvertem Kaliumferrocyanid oder mit einer verdĂŒnnten Lösung dieses Salzes; das Uraniphosphat reagirt nicht

-) Leconte: 1. cit.; Pincus: /. prakt. Ch. 76 (1859), 104; Knop: Ch. Centrbl. [2] 1 (1856), 737 u. 769; Arendt und Knop: das. [2] 2 (1857), 177: Fresenius, Neubauer und Luck: Z. anal. Ch. 10 (1871), 133; Abesser, Jani und Maercker: das. 12 (1873), 239; Broockmann: Rep. anal. Ch. 1 tlSSl), 212: Haswell: das. 2 (1882), 251.

B. Durch Titrimctrie. 551

mit dieser Verbindung, wĂ€hrend gelöste Uranisalze durch siii intensiv braun gefĂ€rbt werden, indem sich Urani-Ferrocyanid bildet. Diese FĂ€rbung tritt also sofort auf, wenn man, nach vollstĂ€niger FĂ€llung des Phosphates, titrirtc Uranilösung noch in ganz geringem Ueberschuss in die P'lĂŒssigkeit einfliessen lĂ€sst

Bereitung der titrirten Lösung. C Neubauer löst einfach Uraniacetat in Wasser; er wendet 32,5 gr des klinorhombischen Salzes mit 2 MolekĂŒlen Krystallwasser oder 34 gr des regulĂ€ren Salzes (Octaeder) mit 3 MolekĂŒlen Krystallwasser auf 1 Liter an, bestimmt dann genau den Titer und verdĂŒnnt auf 0,005 gr.

Rheineck bedient sich des Doppelacetates von Uranyl und Natrium und löst so \iel Gramm dieses Salzes auf 1 Liter, dass der Titer dieser FlĂŒssigkeit Tpp. 0,00355 gr ist.

Die VorstÀnde der landwirthschaftlichen Versuchsstationen Deutschlands vereinbarten auf einer 1881 in Halle abgehaltenen Versammlung, dass 100 gr Uraninitrat in 2820 cc Wasser zu lösen und dieser Lösung 100 gr Ammoniumacetat zuzusetzen sind.

Nach welcher Vorschrift man auch verfahren mag, immer muss der Titer experimentell bestimmt werden, indem man entweder reines, gut krystallisirtes und nicht verwittertes Dinatriumphosphat (NaHPCJ), I2H2O) oder ein Calciumphosphat, dessen Gehalt an PhosphorsÀure- Anhydrid gewichtsanalytisch auf das Genaueste bestimmt worden ist, zu Grunde legt 2).

Das Verfahren giebt nur dann befriedigende Resultate, wenn man stets sowohl bei der Titerstellung als bei der AusfĂŒhrung unter möglichst ileichen Bedingungen arbeitet; man benutzt daher zur Titerstellung Calciumphosphat, wenn die titrirte FlĂŒssigkeit bei der Untersuchung von Kalkphosphaten Anwendung finden soll.

Statt direct zu titriren, kann man umgekehrte Titrirung (§ 221) oder auch ZurĂŒcktitrirung anwenden. Man hat dann den Vortheil, dass man die Endreaction herannahen sieht, weil die FĂ€rbung immer Ă€cher wird).

-) H. Neubauer empfiehlt als Grundlage fĂŒr vergleichende PhosphorsĂ€ure- ßestimmungen das leicht in reinstem Zustande darzustellende Trisilberphosphat; durch Behandeln des genau gewogenen, dann in verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure gelösten Salzes mit SalzsĂ€ure oder mit Natriumchlorid, Abdampfen auf dem Wasserbade und Aufnehmen des RĂŒckstandes mit Wasser kann man leicht eine genau titrirte Lösung von PhosphorsĂ€ure oder von Natriumphosphat erhalten (Z. anorg. Ch, 2 (189*2), 45). Vergl. auch Meineke: Ch.-Z. 20 (1896), 109. Nach Grandeau {Traiti ci'anal. lies mat. agr., 2. Aull (1883), S. 281) genĂŒgt auch das Ammoniumphosphat NHjHPO allen AnsprĂŒchen. Das Salz krystallirt leicht, ist wasserfrei und soll bei getrocknet werden können.

Ueber weitere Einzelheiten vergl. z. B. Fresenius: Anleitung zur quantitativen chemiscfien Analyse 6. Aufl , 1. (1875 411.

552 Bestimmang der Phospliate.

An Stelle des Ferrocyanides zur TĂŒpfelprobe hat man einen wĂ€ssrigen Cochenille-Auszug als Indicator empfohlen; er giebt mit den Uranisalzen einen grĂŒnen Lack, sobald das Phosphat vollstĂ€ndig gefallt ist}.

1847. II. Durch SĂŒbemitrat. Dieses Verfahren beruht auf der FĂ€llung der Phosphate als Trisilberphosphat durch eine im Ueberschuss bemessene Menge von Silbemitrat imd Titrirung dieses Ueberschusses durch Sulfocyanid (§ 1016). Es ist speciell fĂŒr die Phosphate der Metalle der alkalischen Erden und der Alkalien bestimmt; die Gegenwart von Eisen und besonders von Aluminium machen es unanwendbar (vergl. das vorige Verfahren).

Seine AusfĂŒ erfordert folgende Lösungen:

1. Eine titrirte Y5 normale Lösung von Silbemitrat

2. Eine titrirte Y5 normale Lösung von Alkalisulfocyanid.

3. VerdĂŒnnte, annĂ€hernd SalpetersĂ€ure.

4. VerdĂŒnnte Lösung von Kali-oder Natronhydrat, ebenfalls

Die beiden letzten FlĂŒssigkeiten mĂŒssen genau auf einander eingestellt sein; es ist aber nicht nöthig, dass man ihren Titer genau kennt; es ist erforderlich, dass sie frei von Chloriden sind.

AusfĂŒhrung des Verfahrens. Das zu bestimmende Phosphat wird in SalpetersĂ€ure gelöst; enthĂ€lt es keinen Ueberschuss an Erdalkalien im VerhĂ€ltniss zur PhosphorsĂ€ure, so setzt man Calciumnitrat hindu, damit ein solcher Ueberschuss erhalten wird.

Diese Lösung wird mit Ammoniak bis zur alkalischen Reaction versetzt und dann auf dem Wasserbade zur Trockne verdampft.

Der neutral RĂŒckstand, welchen man auf diese Weise erhĂ€lt, wird in einem abgemessenen Volumen der SĂ€ure gelöst und die Lösung in eine Maassflasche ĂŒbergespĂŒlt. Nun setzt man ein abgemessenes Volumen der Silbernitrat-Lösung hindu, und zwar im Ueberschusse im VerhĂ€ltniss zur PhosphorsĂ€ure, und schliesslich eine dem Volumen der SalpetersĂ€ure, welches zum Auflösen angewandt worden war, genau entsprechende Menge der Alkalihydrat-Lösung.

Nach dem vorstehend Gesagten ist klar, dass hierdurch die Lösung genau neutralisirt und folglich das Silberphosphat AggPO. vollstĂ€ndig gefĂ€llt wird, wĂ€hrend der Silber-L'eberschuss in Lösung bleibt. Man fĂŒllt die Maassflasche bis zur Marke mit destillirtem Wasser, schĂŒttelt um,

') Malot: Afon. sc. de QuesnevĂŒU [4] 1 (1887), 487.

-) Chancel: Cr. 49 (1859), 997; Perrot: das. 93 (1881), 495; Kratschmer und Sztankovanszky: Z. anal. Ck. 21 (1882), 523; L. Crismer: Bull. Assoc. beige deschim. 5 (1891/92), 102; J. F. White: Ch, N. 57 (1888). 165.

') Es wÀre noch nÀher zu untersuchen, ob man nicht die Neutralisation durch Calciumcarbonat oder durch die Oxyde oder Carbonate des Zinks oder Cadmium bewirken könnte; man könnte in diesem Falle drei nach einander anzuwendende Reatjentien durch ein einziges Reagens ersetzen.

B. Durch Titrimetrie. 553

filtrirt und bestimmt in einem aliquoten Theile des Filtrates das Silber durch Sulfocyanid.

A. Holleman) setzt zu der möglichst neutralen und mit Natriumacetat versetzten Lösung Silbemitrat im Ueberschuss und titrirt diesen mit Sulfocyanid zurĂŒck.

J. Clark sammelt das Silberphosphat, wĂ€ es aus, löst es in SalpetersĂ€ure und bestimmt das Silber in dieser Lösung. Bei dieser Modification hinder die Gegenwart von Chloriden die AusfĂŒhrung des Verfahrens nicht, was ein nicht zu unterschĂ€tender Vorzug ist

1848 IIL Durch Bleisalze. Die neutral oder schwach mit EssigsÀure angesÀuerte Fhosphatlösung wird mit einer titrirten Bleiacetatoder Bleinitrat-Lösimg in möglichst geringem Ueberschusse versetzt.

Nach partieller Filtration bestimmt man in e'mem aliquoten Theile des Filtrates den BleiĂŒberschuss durch eine titrirte Lösung von Kaliumchromat (§ 967).

Die Bleisalzlösungen können nach der directed Methode bereitet werden.

Das Verfahren ist nur fĂŒr Alkaliphosphate genau; bei den Phosphaten der Metalle der alkalischen Erden ist man genöthigh, mit einer schwach sauren Lösung zu arbeiten, und deshalb giebt es in diesem Falle weniger befriedigende Resultate. In Gegenwart von Eisen und Aluminium ist es — wie alle Ă€hnlichen Verfahren — ĂŒberhaupt nicht anwendbar.

1849 IV. Durch Alaun Wir erwÀhnen nur kurz die Möglichkeit, Phosphate in essigsaurer Lösung durch eine titrirte Alaunlösung zu fÀllen.

1850. V. Durch MolybdĂ€nflĂŒssigkeit, direct*). Das Princip des Verfahrens ist sehr einfach: Man lĂ€sst in die salpetersaure Phosphat- lösung eine titrirte MolybdĂ€nflĂŒssigkeit fliessen, solange noch ein Niederschlag entsteht. Man erhĂ€lt nur genaue Resultate, wenn man unter ganz bestimmten Bedingungen arbeitet, um eine latte Reaction zwischen PhosphorsĂ€ure und MolybdĂ€nsĂ€ure zu erzielen und einen Ueberschuss von Molybdat zu vermeiden, ohne die Schnelligkeit und VollstĂ€ndigkeit der FĂ€llung zu beeintrĂ€chtigen.

1851. VI. Durch MolybdĂ€nflĂŒssigkeit, indirect. Das unter geeigneten Bedingungen erhaltene Ammoniumphosphomolybdat ist eine wohl charakterisirte chemische Verbindung, an deren Zusammensetzung namentlich die Elemente des PhosphorsĂ€ure-Anhydrides, des MolybdĂ€n- sĂ€ure-Anhydrides M0O3 und des Ammoniaks in festen Proportionen theil-

') Rsc. trav. eh. des Pays-Bas 12 (1893), 1.

-) Schwarz: Dingl. 169 (1863), 294; Mohr: Z. anal. Ch. 2 (1863), 256; Mohr-ClasseDi Titrirmethode, 7. Aufl. (1896), S. 515; C. Wavelet: Schweiz. IVochemchr. f. Pharm. 31 (1893), 173.

'; Fleischer: Z. anal, Ch. 4 (1865), 19 und 6 (1867), 28.

Hundeshagen: Z, anal. Ch. 28 (1889), 165; Pemberton: Ch. N. 46 (1882), 4; Ch.-Z. 17 (1893), 318; Grcte: B. 21 (1888), 2762.

nehmen. Bestimmt man daher den einen oder den anderen dieser letzteren Bestandtheile, so kann man aus ihm die entsprechende Menge des PhosphorsÀure-Anhydrides berechnen.

1852 A. Durch Bestimmung des Ammoniaks Der Niederschlag wird zum ĂŒsse mit Wasser, welchem etwas SalpetersĂ€ure zugesetzt ist, oder auch mit reinem, eiskaltem Wasser, oder mit Alkohol ausgewaschen; dann bestimmt man in ihm das Ammoniak durch Destillation (§ 397); GNH., entsprechen 1 PgOj.

1853. B. Durch Bestimmung des MolybdÀns-), a. Durch Permanganat. Der Niederschlag wird mit einer schwach angesÀuerten Lösung von Ammoniumsulfat ausgewaschen; man löst ihn dann in Ammoniak, sÀuert stark mit SchwefelsÀure oder SalzsÀure an und reducirt die MolybdÀnsÀure durch Zink zu dem Oxyde M05O7.

Nur ganz kurze Zeit der Luft ausgesetzt, verwandelt sich dieses in M02O3, welches man durch titrirte PermanganatflĂŒssigkeit bestimmt; hatte man mit SalzsĂ€ure angesĂ€uert, so setzt man vor der Titration Manganosulfat hindu (vergl. §§ 595 f.).

Es ist darauf RĂŒcksicht zu nehmen, dass die Menge des MolybdĂ€n- sĂ€ure-Anhydrides 0,3 gr nicht ĂŒberschreitet; ist sie grösser, so verdĂŒnnt man die ammoniakalische Lösung auf ein bestimmtes Volumen und entnimmt fĂŒr den Versuch einen aliquoten Theil.

b. Durch Jodometrie. Das MolybdÀn kann auch jodometrisch bestimmt werden). Das von Gooch und Fairbanks angegebene Verfahren beruht darauf, dass

L MolybdÀnsÀure in saurer Lösung durch Jodwasserstoff reducirt wird:

2 M0O3 + 2 lij - M02O5 -f J2 -i H.O; 2. das entstandene MogOg durch Jod in alkalischer Lösung wieder zu M0O3 oxydirt wird: M02O5 + J2 + 2 KHCOg rrr 2 Mo( )3 + 2 KJ + HO + 2 CO..

Charlotte Fairbanks 5) benutzt diese Reactionen in folgender Weise: Das zuerst mit 1 0 /q iger SalpetersÀure, dann mit einer 1 7og° Lösung von Kaliumnitrat ausgewaschene Ammoniumphosphomolybdat wird in wenig Ammoniak gelöst; die 40 cc betragende Lösung wird nach Zusatz von 25 cc concentrirter SalzsÀure und so \del Kaliumjodid, dass höchstens

') Isbert und Stutzer: Z. anal. Ch. 26 (1887), 583.

-) V. d. Pfordten: /?. 15 (1882), 1925 f.; Z. anal. Ch. 28 (1884), 413; V. Reis:y?>. anal. CA. 5 (1885) , 381 ; Y.m meriorw /.anal, and appl. Ch.\ill),%.

Hundeshagen: 1. cit.

Siehe Friedheim und Euler: B. 28 (1895), 2Ö61 ; F. A. Gooch und Charlotte Fairbanks: Z. anorg. Ch. 13 (1897), 101. Die spĂ€teren Controvcrscn der Autoren ĂŒbergehen wir.

Sollte das zurĂŒckbleibende Nilrat bei der Rcaction mit SalzsĂ€ure nicht

B. Durch Titrimetrie. 555

0,5 gr des Salzes mehr, als theoretisch erforderlich, vorhanden sind, in einem geeigneten Kölbchen auf 25 cc eingedampft. Die reducirte Lösung erhĂ€lt einen Zusatz von 1 gr WeinsĂ€ure, wird in eine Literflasche ĂŒbergespĂŒlt, annĂ€hernd mit Natronhydrat neutralisirt , mit Natriumbicarbonat im Ueberschuss und dann mit einer im Ueberschuss abgemessenen titrirten Jodlösung versetzt Nach l/, — 2 stĂŒndigem Stehen ist alles MolybdĂ€n wieder zu MolybdĂ€nsĂ€ure oxydirt. Durch Titration des ĂŒberschĂŒssigen Jods mit Arsenit (§ 1421 ff.) erhĂ€lt man die Grundlagen zur Berechnung des zu bestimmenden MolybdĂ€ns.

c. Durch Bestimmung der AciditÀt. Eine acidimetrische Bestimmung i) kann darin bestehen, dass man den Molybdat-Niederschlag in im LTeberschuss bemessenem Alkalihydrat oder Ammoniak löst und den Ueberschuss, mit einem geeigneten Indicator (z. B. Phenolphtalein), durch eine titrirte SÀure (z. B. SalpetersÀure) bestimmt.

1854 Andere Verfehren. Die dreimetallischen Phosphate der Metalle der Alkalien und der alkalischen Erden haben alkalische Reaction, d.h. sie vermögen SĂ€uren zu neutralisiren, wĂ€hrend sich die zweimetallischen Phosphate Indicatoren gegenĂŒber neutral und die einmetallischen sauer verhalten. Theoretisch kann man also die dreimetallischen Phosphate alkalimetrisch, die einmetallischen acidimetrisch bestinmien Leider kennzeichnet sich die Endreaction im Allgemeinen schlecht.

Ferner kann man, nachdem man das Phosphat durch Magnesiummixtur gefĂ€llt hat, das filtrirte und — zur VerdrĂ€ngung des anhaftenden Ammoniaks, dessen Gegenwart schĂ€dlich ist — mit Alkohol ausgewaschene Ammonium-Magnesiumphosphat, in wĂ€ssriger Suspension, entweder direct oder mit RĂŒcktitration alkalimetrisch bestimmen**).

Ein altes Verfahren, welches vielleicht verdient, wieder aufgenommen zu werden, besteht darin, dass das Phosphat in essigsaurer Lösung durch ein Ferrisalz gefallt und in dem geglĂŒhten und gewogenen Niederschlage das Eisen durch Permanganat*) oder durch ein anderes Mittel (besonders Stannochlorid) titrimetrisch bestimmt wird 5).

') Thilo: 6Ä.-Z U (1887), 193; Hundeshagen: Z.anaLCh. 28 (1889), IM u. 171; Ch.-Z. 18 (1894), 504; Manby: /. anaL and appl. Ch. 0 (1892). 82; Handy: Ch. N. 66 (1892), 324; Pemberton:/. Am. ch. Soc. 15 (1893), 382; Ch. Centrbl. 65 (1894), I, 105 u. 927; u.A.ra.

Schlickum: Arch. der Pharm. [3] 5 (1874), 325; Maly: Z. anal. Ch. 15 (1876), 417; Mollenda: Z. anal. Ch, 22 (1883), 155; J. Bongartz: Arch. der Pharm, [3] 22 (1884), 1; Thomson: Z.anal. Ch. 24 (1885), 222 u. 232; A. Joly: C. r. 94 (1882), 529 und 100 (1885), 55; Hebebrand: Z. anal. Ch. 37 (1898), 217. Siehe auch R. Segalle: Z. anal. Ch. 34 (1895), 33; S. Littmann: Ch.-Z. 22 (1898), 691; Berthelot: Ann. de ch. et de phys. 25 145.

Stolba: Sitzungsher. der k. höhm. Ges. der Wiss. 1876, 5. Lief.; Z. anal. Ch. 16 (1877), 100; Hundeshagen: Ch.-Z. 18 (1894), 445 u. 490.

besteht darin, dass das Phosphat in neutraler Lösung durch Fernammoniumsulfat bestimmt wird: man setzt die titrirte Lösung dieser Verbindung so lange zu, bis ein kleiner Eisenuberschuss durch Salicyl- sĂ€ure angezeigt wird). Da die nicht alkalischen Elemente vorher entfernt werden mĂŒssen, nimmt das Verfahren viel Zeit in Anspruch; aber auch sonst scheint es wenig genau zu sein).

C. Durch Q-asometrie.

1855. Durch MolybdanfiĂŒssigkeit, indirect. Wir haben frĂŒher (§402) gesehen, dass das Ammoniak in seinen Verbindungen bestimmt werden kann, indem man den Stickstoff in Freiheit setzt und misst. Wendet man dieses Verfahren auf das Ammonium -Phosphomolybdat) an, so ist indirect eine Phosphatbestimmung gegeben.

D. Durch Colorimetrie.

1856. FĂŒr die colorimetrische SchĂ€tzung von Spuren von Phosphaten giebt es verschiedene Verfahren; sie beruhen alle auf der MolybdĂ€reaction.

Nach dem einen vergleicht man die TrĂŒbung oder fĂŒr sehr kleine Mengen die gelbe Farbe, welche das Molybdat in der Lösung des zu bestimmenden Phosphates hervorruft, mit den entstandenen TrĂŒbungen bez. FĂ€rbungen in titrirten typischen Lösungen von Natriumphosphat*), Na2HP()4,12H20.

Einem andern Verfahren liegt die intensiv blaue FĂ€rbung der Lösung, welche man durch Behandeln des Phosphomolybdates mit Natrium- Uyposulfit) oder -Sulfit erhĂ€lt, zu Grunde. Dieses Verfahren verdient nĂ€here PrĂŒfung, ebenso wie das Verfahren, welches darin besteht, dass der Molybdat -Niederschlag durch Stannochlorid in Lösung gebracht wird: auch bei diesem erhĂ€lt man durch Reduction der MolybdĂ€nsĂ€ure eine blaue Lösung.

Scheidungsverfahren. Phosphat und Fhosphid. 1857* Durch trockenes Chlor. Diese beiden Arten von Verbindungen können in manchen Eisensorten vorkommen). Um sie zu

') Spica: Gazs. eh. ÜaL 12 (1882), 117.

Arnold und Wedemeyer: Z. angew. Ch. 1892, 603.

') Dietrich: Z. anal. Ch. 5 (1866), 45.

') Galbraith: R. univ. d. M. [3] U (1890), 109; C. Lepicrrc: Bull Soc. ch. [3J 15 (1896), 1213; A. G. Woodman und L. L. Cayvan: J. Am. rh. Soc. 23 (1901), 196.

Osmond: Ihdl. Soc. ch. [2] 47 (1887), 745; Benazct: das. [3J U (1894), 1087.

') Byron W. Chee ver: Trans. Am. Inst, of Min. Eng., 1886, Octbr., und 1887.

Phosphate. Scheiduogsverfahren. 557

scheiden, erhitzt man die Substanz in einem Strome von vollkommen trockenem Chlor; der Phosphor des Phosphides wird als Chlorid verflĂŒchtigt und in einer Lösung von Alkalihydrat aufgefangen, in welcher er in Phosphat ĂŒbergeht; das ursprĂŒ vorhandene Phosphat bleibt im RĂŒckstande (vergl § 1933).

Phosphat und Nitrat.

1858 Die Gegenwart von Phosphat stört keynes der zur Bestimmung von Nitrat anzuwendenden Verfahren; man kann daher das Nitrat in dem Gemische direct bestimmen. Wenn das Phosphat in Wasser unlöslich ist (Gemisch von Bi-oder Tri-Calciumphosphat und Natriumnitrat; KunstdĂŒnger), so kann man das Phosphat vom Nitrate durch einfaches Auflösen des letzteren in Wasser scheiden.

Ebensowenig stört Nitrat die Bestimmung des Phosphates.

Im Allgemeinen bestimmt man daher jede der Verbindungen getrennt in besonderen Proben.

Phosphat und Sulfat. 1859* Man kann das Phosphat in Gegenwart von Sulfat bestimmen und ebenso umgekehrt, wenn man das Sulfat durch ein Baryumsalz in saurer Lösung fĂ€llt. Will man beide Verbindungen in einer Probe bestimmen, so kann man das Phosphat durch sulfatfreie Magnesiummixtur bestinmien, vorausgesetzt, dass dieses Verfahren ĂŒberhaupt anwendbar ist, und dann in dem Filtrate das Sulfat fallen; ist die FĂ€llimg mittels Magnesiimimixtur nicht anwendbar, so fallt man erst das Sulfat durch Baryumchlorid oder lieber Baryumnitrat, und dann in dem Filtrate das Phosphat durch MolybdĂ€nflĂŒssigkeit. Wenn das ursprĂŒngliche Gemisch nur Verbindungen der Alkalimetalle enthĂ€lt, so kann man auch, nachdem das Sulfat gefĂ€llt ist, den BaryumĂŒberschuss durch SchwefelsĂ€ure oder Ammoniumsulfat entfernen und dann das Phosphat durch Magnesiummixtur bestimmen.

Phosphat und Sulfit oder Hyposulfit.

1860. In Gegenwart von reducirend wirkenden Substanzen können Phosphate durch MolybdĂ€nflĂŒssigkeit nicht genau bestimmt werden. Wenn man das Verfahren mit MolybdĂ€nflĂŒssigkeit anwenden muss, zestört man daher erst die Sulfite und Hyposulfite entweder durch Oxydation), oder indem man sie mit einer SĂ€ure behandelt und die schweflige SĂ€ure durch Kochen austreibt.

Ebensowenig kann man, ohne diese Vorsicht anzuwenden, das Phosphat durch Silbernitrat bestimmen; wohl aber kann, wenn man nur

Wenn man Wasserstoffsuperoxyd anwenden will, so ist dieses Reagens vorher auf PhosphorsĂ€ure zu prĂŒfen; diese kommt bisweilen in Handelsproducteu vor. (L. Crismer: nicht veröffentlichte, im Laboratorium von Prof. De Koninck gemachte Beobachtung.)

mit Alkalisalzen zu thun hat, das Phosphat direct durch Magnesiummixtur gefallt werden. Die Bestimmung von Sulfit und Hyposulfit erfordert keine vorherige Abscheidung des Phosphates.

Phosphat und Sulfid. 1861 Die Scheidung kommt bei der Analyse einiger Mineralien vor. Das praktischste Verfahren besteht darin, dass man das Sulfid durch ein energisches Oxydationsmittel in Sulfat verwandelt, worauf man die Scheidung, wie oben angegeben ist, ausfĂŒhrt.

Phosphat und Fluorid.

Ein solches Gemisch kommt in den meisten natĂŒrlichen Calciumphosphaten, namentlich im Apatit, vor).

1862 I. Wenn die Substanz durch SĂ€uren vollstĂ€ndig zerlegbar ist, bestimmt man das Fluor, indem man es in Wasserstoflfeilicofluorid ĂŒberfĂŒhrt (§§ 1583 u. 1584). Das Phosphat bestimmt man in einer besonderen Probe durch MolybdĂ€nflĂŒssigkeit.

1863 II. Die Substanz wird durch Schmelzen mit Kaliumcarbonat und KieselsÀure aufgeschlossen; die geschmolzene Masse wird mit Wasser behandelt und der wÀssrige Auszug filtrirt.

Das Filtrat befreit man durch Ammoniumcarbonat von KieselsĂ€ure (vergl. § 1938) und filtrirt diese ab. Das neue Filtrat wird abgedampft, um das Ammoniak vollstĂ€ndig auszutreiben; der RĂŒckstand wird mit Wasser aufgenommen, theil weise durch SalpetersĂ€ure neutralisirt (er muss noch alkalisch bleiben) und mit Silbemitrat behandelt; man erhĂ€lt einen Niederschlag von Silberphosphat, gemischt mit Silbercarbonat Nachdem dieser Niederschlag auf einem Filter gesammelt und ausgewaschen ist, bestimmt man in ihm die PhosphorsĂ€ure ; in dem Filtrate bestimmt man, nachdem der Silber-lberschuss durch Natriumchlorid oder durch Schwefelwasserstoff entfernt worden ist, das Fluor durch Calciumchlorid (§ 1582).

Phosphat und Chlorid, Bromid oder Jodid.

1864. fliegt ein Gemisch von Alkalisalzen vor, so bestimmt niinii die Halogene direct durch Silbernitrat in saurer Lösung; das Phosph.M wird durch Magnesiummixtur entweder direct in einer besonderen Probe oder in dem vom Silber-NiederschlÀge getrennten Filtrate nach Entfernung des Silber- Leberschusses bestimmt.

Ist man genöthigh, zur Phosphatbestimmung MolybdĂ€nflĂŒssigkeit anzuwenden, so benutzt man das von den Halogenen befreite Filtrat;

Siehe R. Fresenius: Z. anal. Ch. 6 (ISG?), 404; A. C. Chapman: Ch. N. 54 (1881)), 287; H. Lasue: Bull. Soc. ch. [2] 50 (1888), 167; A. Carno C. r. 114 (1802), 750 u.

ScheiduDgs verfahren. 559

in diesem Falle ist eine Entfernung des Silber -Ueberschusses nicht erforderlich, aber wohl trotzdem empfehlenswerth.

FhosphorsÀure und Metalle der Gruppen des Arsene, Silbers und Cadnxiums.

1865. Durch Sohwefelwasserstoff. Das beste Verfahren besteht darin, dass man die Metalle durch Schwefelwasserstoff fÀllt; die PhosphorsÀure geht in das Filtrat.

In Gegenwart von Stanniverbindungen wird indessen PhosphorsĂ€ure von dem Niederschlage zurĂŒckgehalten; um sie vollstĂ€ndig zu entfernen, fĂ€llt man entweder doppelt oder man entfernt, soweit dem aus anderen GrĂŒnden Nichts entgegensteht, das Zinn mit anderen Metallen (Antimon, Blei etc.) durch ein StĂ€ngelchen Cadmium.

FhosphorsÀure und Metalle der Gruppen des Silbers, Cadmiums und Eisens.

1866. Durch Ammoniumsulfid. Mit Ausnahme des Chroms und des Aluminiums werden die Metalle als Sulfide gefĂ€llt ; zu dem Zwecke setzt man zu der sauren Lösung WeinsĂ€ure, sĂ€ttigt mit Schwefelwasserstoff und fĂŒgt, ohne die Einleitung dieses Gases zu unterbrechen, Ammoniak in kleinen Portionen bis zur deutlich alkalischen Reaction hindu; dann erwĂ€rmt man und lĂ€sst in geschlossenem GefĂ€sse absetzen.

Die PhosphorsÀure bleibt, mit Chrom und Aluminium, in Lösung und wird durch Magnesiummixtur gefallt

Der unter diesen UmstÀnden erhaltene Niederschlag ist selten ganz rein; man löst ihn daher nach dem Auswaschen in SalzsÀure und ruft ihn nach Zusatz einer sehr geringen Menge WeinsÀure durch Ammoniak wieder hervor. Aber auch mit dieser Vorsicht gelingt es kaum, ein von Aluminium, Chrom und Tartrat freies Phosphat zu erhalten; andererseits hinder das Tartrat leicht eine vollstÀndige) FÀllung. Das Verfahren ist daher nur in Abwesenheit der beiden genannten Metalle zu empfehlen; in diesem Falle unterbleibt der Zusatz von WeinsÀure vor der FÀllung der Sulfide.

Nickel, Cobalt und Zink können von der PhosphorsÀure auch geschieden werden, indem man sie aus warmer, essigsaurer Lösung durch Schwefelwasserstoff fÀllt.

FhosphorsÀure und Metalle der Gruppen des Silbers, Cadmiums, Eisens, Baryums und Kaliums.

1867. Durch MolybdanflĂŒssigkeit. Man fĂ€llt die Phosphor- sĂ€ure durch das MolybdĂ€nreagens; alle Metalle der fĂŒnf Gruppen bleiben

W. Mayer: Ann. 101 (1857), 164; F. Knapp: Z. anal Ch. 4 (1865), 151; Pribram: Vierteljahr , prakt. Pharm. 14 (1865), 184; Stadel er: Ann, 109 (1859), 306.

gelöst und gehen in das Filtrat ĂŒber. Um sie zu bestimmen, muss man auch die in der Regel in grosser Menge vorhandene MolybdĂ€nsĂ€ure aus dem Filtrat entfernen. Zu dem Zwecke setzt man zu dem in einen Kolben gegebenen Filtrat Ammoniak in geringem Ueberschusse und dann Ammoniumsulfid; man digerirt bei geschlossenem Gefasse, bis sich die gefĂ€llten Sulfide gut abgesetzt haben , filtrirt und wĂ€ den Niederschlag mit stark verdĂŒnntem Ammoniumsulfid aus. Man hat jetzt die Metalle der Gruppen des Silbers, Cadmiums und Eisens auf dem Filter.

Das braungelb gefĂ€rbte Filtrat enthĂ€lt die Metalle der Gruppen des Bar>'ums und Kaliums und, als Ammoniumsulfosalz, das MolybdĂ€n. Diese Lösung wird mit verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure oder SalzsĂ€ure angesĂ€uert, wodurch MolybdĂ€nsulfid gefallt wird. Man entfernt dieses durch Filtration und hat in dem letzten Filtrate nur noch die Metalle der Alkalien und der alkalischen Erden.

LÀstig ist bei diesem Verfahren die Abscheidung des MolybdÀn- sulfides, weshalb es fast keine Anwendung findet, wenn die Metalle im Filtrate bestimmt werden sollen,

PhosphorsÀure und Metalle der Gruppe ea Silbers.

1868. Duroh SalzsÀure. Man fallt das Silber und Quecksilber als Chloride und bestimmt die PhosphorsÀure im Filtrate.

Hat man nur mit Silber zu thun, so kann man die PhosphorsÀure direct in der zu untersuchenden ammoniakalischen Lösung durch Magnesiummixtur bestimmen; besser ist es aber, auch dieses Metall vorher zu entfernen.

FhosphorsÀure und Metalle der Gruppe des Baryums.

1869. Durch SchwefelsĂ€ure. Die Scheidung dieser Metalle von der PhosphorsĂ€ure ist sehr gut ausfĂŒhrbar durch SchwefelsĂ€ure, unter Zusatz von Alkohol, wenn Strontium und namentlich Calcium zugegen sind (§§ 480 u. 462).

FhosphorsÀure und die Metalle der Gruppen des Baryums

und des Kaliums.

1870. L Durch SĂŒbersalze 1). Man setzt zu der möglichst neutralen Nitratlösung Silbemitrat und dann Silbe rcarbonat; letzteres Reagens fĂŒgt man so lange hindu, bis nach tĂŒchtigem UmrĂŒhren das Gemisch nicht mehr sauer reagirt. Der mit dem Ueberschusse des Carbonates gemischte Niederschlag von Silberphosphat wird auf einem Filter gesammelt, ausgewaschen und, um in ihm die PhosphorsĂ€ure zu bestimmen (§ 18G8), in SalpetersĂ€ure gelöst. Die Metalle findet man mit dem Silber-Ueberschusse im Filtrate.

Scheidungsverfahren . 56 1

Man kann natĂŒrlich die PhosphorsĂ€ure in einer besonderen Probe durch MolybdĂ€nflĂŒssigkeit bestimmen.

187 IL Buroh Bleiacetat. Dieses Verfahren ist dem vorigen analog; die schwach saure Lösung wird mit Bleiacetat in geringem Ueberschusse, dann mit gefÀlltem und unter Wasser aufbewahrtem Bleicarbonat behandelt.

Der Niederschlag wird auf einem Filter gesammelt und ausgewaschen ; die Metalle bleiben mit dem Ueberschusse von Bleiacetat in Lösung. Will man die PhosphorsÀure in dem Niederschlage bestimmen, so kann das geschehen, nachdem man ihn in SalpetersÀure gelöst und aus der Lösimg das Blei durch SchwefelsÀure (§ 951) oder Schwefelwasserstoff entfernt hat.

1872. IIL Duroh Feriichlorid. Man bestimmt die Phosphor- sÀure, indem man sie in Gegenwart von Ammoniumacetat durch eine Lösung von Ferrichlorid fÀllt (§ 1839). Die Metalle findet man im Filtrate.

1873. IV. Durch Uranylsalze. Die PhosphorsĂ€ure \vird durch Uranyl-Acetat oder -Nitrat gefallt und, wenn man will, bestimmt. Die Metalle der Alkalien und der alkalischen Erden gehen mit dem Uran- ĂŒberschusse in das Filtrat.

Das Verfahren ist in RĂŒcksicht aut die Schwierigkeit der Scheidung des Urans von den anderen Metallen i) nicht empfehlenswerth.

1874. V. Durch Zinn, Man fĂ€llt die PhosphorsĂ€ure als Metastanniphosphat (§ 1842); die Metalle bleiben in Lösung. Geht die Aufgabe nur auf die Bestimmung der Metalle, wie es bei diesem Verfahren gewöhnlich der Fall ist, so braucht man natĂŒrlich keine genau abgewogene Menge Zinn anzuwenden; wichtig ist aber, dass man sich von der Reinheit des Metalles ĂŒberzeugt und fremden, in ihm enthaltenen Metallen Rechnung trĂ€gt.

1875. VI. Durch Wismuthnitrat. Man verfÀhrt, wie wir bei der Bestimmung der PhosphorsÀure durch dieses Reagens angegeben haben (§ 1843); im Filtrate sind die Metalle mit dem Ueberschusse des Wismuthsalzes enthalten, welches letztere man durch Schwefelwasserstoff abscheidet.

1876. VIL Durch Quecksilber. Die PhosphorsĂ€ure wird als Mercurophosphat gefallt (§ 1844); das mit den zu bestimmenden Metallen in das Filtrat gelangte ĂŒberschĂŒssige Quecksilber wird durch FĂ€llung oder GlĂŒhen entfernt.

FhoBphorsÀure und die Metalle der Gruppe des Kaliums.

1877. Durch FĂ€llung als Ammonium -Magnesium -Phosphat.

Man setzt zu der Lösung Ammoniumchlorid und Ammoniak im Ueber-

Siehe R.Fresenius: Anl.s. quant. chem. Anal., 6. Aufl., I. (1875), S. 408. De Koninck - Meineke, Mineralanalyse. II. 86

SchĂŒsse; enthielt die Substanz nicht schon genĂŒgende Mengen Magnesium, um die PhosphorsĂ€ure vollstĂ€ndig als Ammonium -Magnesium -Phosphat zu fallen, so fĂŒgt man noch Magnesiummixtur hindu.

Die Metalle werden in einer besonderen Probe bestimmt, indem man zunÀ so verfahrt, wie wir bei der Bestinmiung des Magnesium> durch Ammoniumphosphat angegeben haben, eventuell unter ergÀnzendem ZusÀtze dieses letzteren Salzes. Den Ueberschuss der PhosphorsÀure entfernt man dann durch ein Silber-, Bleioder Ferrisalz.

EnthĂ€lt die Substanz kein Magnesium, so kann man die PhosphorsĂ€ure und die Metalle in derselben Probe bestimmen, indem man erst mit Magnesiummixtur fallt; aber auch in diesem Falle gelangt man einfacher und schneller zum Ziele, wenn man die Bestimmungen getrennt ausfĂŒhrt.

FhosphorsÀure und Eisen, Aluminium, Calcium, Magnesium.

1878. Diese Aufgabe tritt an den in der Praxis sehr oft heran (Analyse der Eisenerze, Schlacken, der natĂŒrlichen und kĂŒnstlichen Calciumphosphate u. a. m); wir wollen sie daher speciell behandeln.

Es sind zwei FĂ€lle zu unterscheiden: entweder es herrschen Aluminium und besonders Eisen vor, wie z. B. in den Eisenerzen*/, oder ihre Mengen treten im Gegentheile sehr zurĂŒck im Vergleich zu der PhosphorsĂ€ure, wie z. B. in den natĂŒrlichen Calciumphosphaten-) (Apatit, Phosphorit u. s. w.).

1879. Man verfahrt wie bei der Scheidung von Eisen und Aluminium einerseits und Calcium und Magnesium andererseits, indem man die beiden ersteren durch ein Alkaliacetat (§ 764), oder auch einfach durch Ammoniak, oder nach einem analogen Verfahren fallt Unter diesen UmstĂ€nden geht alle PhosphorsĂ€ure in den Niederschlag ĂŒber. Besonders in Gegenwart grösserer Mengen von Magnesium thut man gut, den Niederschlag in SalzsĂ€ure wieder zu lösen, mit Ammoniak zu fallen und ihn dann erst zu glĂŒhen und zu wĂ€gen; das Product ent- hĂ€lt die Elemente von

xFe,,03 + yAl203 + zP20,.

') Vergl. Blum: Z. anal. Ch. 27 (1888), 19 u. 706; Meineke: Z. angew. Ch. 1888, 254; W. Hess: Z. angew. Ch. 1894, 679.

lieber die vollstĂ€ndige Analyse der PhosphateĂŒnger siege Fresenius: Anl. z. quant. chem, Anal. G. Aufl., II. (1887), S. 686 fF., Post und andere Specialwerke. Ueber die Bestimmung der PhosphorsĂ€ure in den Calciumphosphaten: C. Glaser: Z.anal.Ch.A (188:)), 178; Laubenheimer: das. 2Ö (1886), 416; Eug. Glaser. Z. angew. Ch. 1889, 636; Meyer: Ch.-Z. 14 (1890), 1730; die Veröffentlichungen der landwirtschaftl. Versuchsstationen u. a. m.

, Scheidungsverfabren. 563

Das Eisen wird entweder in dem geglĂŒhten Producte oder in einer besonderen Probe titrimetrisch bestimmt; die PhosphorsĂ€ure wird in einer besonderen Probe durch MolybdĂ€nfiĂŒssigkeit bestimmt und das Aluminium erhĂ€lt man durch Differenz.

Hatte man die erste F'Ă€llung mit HĂŒlfe von Acetat bewerkstelligt, so geht das eventuell vorhandene Mangan mit dem Calcium und Magnesium in das Filtrat ĂŒber. Ist die Menge des Mangans gering, so kann man es mit dem Eisen und Aluminium zusammen nach Zusatz von Bromwasser oder Wasserstoffsuperoxyd durch Ammoniak fallen. Das geglĂŒhte Product enthĂ€lt dann die weiteren Elemente von MngO, welche man wiederum in einer besonderen Probe bestimmt, so dass man auch in diesem Falle das Aluminium durch Differenz erhĂ€lt.

B. PhosphorsÀure ist im Ueberschusse in Bezug auf Aluminium und Eisen.

1880 I. Durch Ammoniumaoetat. Die FĂ€llung kann man in RĂŒcksicht darauf, dass die zu analysirende Substanz in den weitaus meisten FĂ€llen reich an Calcium ist, nicht in der Art ausfĂŒhren, dass man nach dem ZusĂ€tze des Acetates zum Kochen erhitzt, weil unter diesen UmstĂ€nden auch eine nicht unbetrĂ€chtliche FĂ€llung von Calciumphosphat stattfindet.

Man verfahrt deshalb in der Weise, dass man die kate zu analysirende Lösung mit einer geringen Menge von Ammoniak versetzt, dann sogleich mit EssigsĂ€ure ansĂ€uert und den Niederschlag, nachdem er sich gut abgesetzt hat, mit kaltem Wasser auswĂ€. Wiederholt man die FĂ€llung, nachdem man den Niederschlag wieder in SalzsĂ€ure gelöst hat, so erhĂ€lt man einen annĂ€hernd aus den wasserhaltigen Phosphaten und bestehenden Niederschlag. Man bestimmt sein Gewicht, nachdem man ihn geglĂŒht hat, und dann titrimetrisch das in dem geglĂŒhten Gemische enthaltene Eisen; durch Berechnung erhĂ€lt man das Aluminium sowie das PhosphorsĂ€ure- Anhydrid.

Die nicht gefÀllte PhosphorsÀure kann man nach einem der in §§ 1870 bis 1876 angegebenen Verfahren bestimmen; im Allgemeinen ist es aber einfacher, in einer neuen Probe die Gesammtmenge der PhosphorsÀure zu bestimmen.

Dieses Verfahren, welches frĂŒher sehr hĂ€ufig angewandt wurde, ist nicht besonders genau, einerseits weil in der kalten essigsauren FlĂŒssigkeit etwas Aluminium gelöst bleibt, andererseits weil ausser den Phosphaten auch Oxydhydrate des Eisens und des Aluminiums gefĂ€llt werden.

Will man das Acetatverfahren auch in dem vorliegenden Falle anwenden, so wird man besser thun, den Fall A herzustellen, d. h. der

86

ZU bestimmenden Lösung so viel Ferrisalz zuzusetzen, dass das Eisen der PhosphorsĂ€ure gegenĂŒber vorwiegt (vergL § 1839).

1881. II. Durch MolybdĂ€nfLÜBSigkeiti). Man faUt die PhosphorsĂ€ure durch MolybdĂ€nflĂŒssigkeit; in dem Filtrate bestinunt man Eisen und Aluminimn, indem man sie durch Ammoniak fallt Es ist anzurathen, diese FĂ€llung doppelt und in der KĂ€lte auszufĂŒhren, um eine MitfĂ€llung von Kalk und MolybdĂ€nsĂ€ure zu vermeiden.

1882. III. Durch SchwefelsÀure). Wenn die zu untersuchende Substanz kein Magnesium enthÀlt, so kann man in folgender Weise verfahren: Das Phosphat wird in einem Gemische von Salzund Salpeter- sÀure gelöst; die Lösung wird mit SchwefelsÀure im Ueberschuss und dann mit einem dem ihrigen gleichen Volumen von 95/oigem Alkohol versetzt. Hierdurch \vird das Calcium vollstÀndig als Sulfat gefÀllt.

Das alkoholische Filtrat wird zur Trockne gedampft, der RĂŒckstand mit Wasser, event. unter Zusatz von SalzsĂ€ure, aufgenommen und die wĂ€ssrige Lösung mit Ammoniak gefallt.

Der entstandene Niederschlag von und wird wie bei dem Acetatverfahren (§ 1880) behandelt.

Die Gegenwart von Magnesium macht das Verfahren in dieser Form unanwendbar, weil das Magnesiumsulfat nicht oder nur unvollstÀndig gefallt wird und daher bei der Behandlung mit Ammoniak die Bildung von Ammonium-Magnesium-Phosphat veranlasst.

Man kann das Verfahren indessen so modificiren, dass man nach Abscheidung des Calciumsulfates Eisen und Aluminium als Acetate fallt, das Filtrat ammoniakalisch macht, wodurch das vorhandene Magnesium als Ammonium-Magnesium-Phosphat gefÀllt und bestimmbar gemacht wird, und schliesslich den Rest der PhosphorsÀure durch Magnesiummixtur fÀllt.

1883 IV. Durch Ammoniumcitrat Bei diesem Verfahren handelt es sich nur um die Bestimmung der PhosphorsĂ€ure in Gegenwart der oben genannten Metalle und nicht um die Bestimmung dieser Metalle selbst. Das Verfahren ist besonders fĂŒr die Untersuchung der in der Landwirthschaft Verwendung findenden PhosphateĂŒngemittel (Calciumphosphate) bestimmt Es unterliegt wohl keinem Zweifel, dass es auch in Gegenwart anderer Metalle Anwendung finden könnte; es ist aber in diesem Sinne noch nicht geprĂŒft.

Die saure Phosphatlösung wird mit Ammoniak versetzt, bis eine schwache TrĂŒbung eintritt, dann tropfenweise mit einer 50 igen Lösung von CitronensĂ€ure vermischt, bis die Lösung wieder vollkommen klar geworden

Krug: /. anal, and appl. Ch. 5 (1891). 671.

Eug. Glaser: Z. angew. Ch. 1889, 636; Th. Meyer: CÄ.-Z. 14 (1890),

1730; Laubenheimer: Ch.-Z. 9 (1885), 1870; Holleman: CÄ.-Z. 16 (1892), 1471.

C. Glaser: Z. anal. Ch. 24 (18H5), 178; F. Glaser: Z. angew. Ch. 1884. 543.

Scheidungsverfahren. 565

ist: ist sie jetzt alkalisch, so kann man weiter verfahren, wie unten angegeben ist; ist das nicht der Fall, so wiederholt man die ZusĂ€tze von Ammoniak und CitronensĂ€ure, bis die Lösung den gewĂŒnschten Zustand angenommen hat, d. h. bis sie, bei alkalischer Reaction, vollkommen klar ist.

In die kate Lösung lĂ€sst man Magnesiummixtur tropfenweise und unter UmrĂŒhren einfliessen, dann fĂŒgt man die erforderliche Menge Ammoniak hindu: die PhosphorsĂ€ure wird hierdurch als Ammonium- Magnesium-Phosphat gefĂ€llt.

Eine nicht zu unterschĂ€tzende Fehlerquelle des Verfahrens liegt darin, dass die Anwesenheit der Citrate einerseits das Ausfallen von Calciumphosphat nicht vollstĂ€ndig verhindert, andererseits die VollstĂ€ndigkeit der FĂ€llung der PhosphorsĂ€ure durch Magnesiummixtur hinder oder wenigstens sehr verzögert Diese beiden Fehler scheinen sich in der Praxis genĂŒgend auszugleichen; der letztere lĂ€sst es aber bedenklich erscheinen, dass man, wie es vorgeschlagen ist, um einen reinen Niederschlag zu erhalten, den Niederschlag in SalzsĂ€ure löst und ihn nach Zusatz von etwas Magnesiummixtur und Citrat durch Ammoniak von Neuem hervorruft.

Die Beobachtungen von H. Neubauer ĂŒber die Zusammensetzung des entstehenden Magnesiumphosphat - Niederschlages (siege § 1837) lassen sich auf den vorliegenden, durch die Anwesenheit von Calciumsalzen complicirten Fall nicht ohne Weiteres ĂŒbertragen.

FhoaphorsÀure und Zinn.

1884. Die Scheidung von PhosphorsĂ€ure und Zinn ist von Wichtigkeit fĂŒr die Untersuchung des Metastanniphosphat-Niederschlages, welcher sich bei dem Behandeln einer phosphorhaltigen Legirung oder von Zinn in Gegenwart eines Phosphates mit SalpetersĂ€ure bildet.

1885 L Durch Kaliuniisiilfid) auf nassem Wege. Man behandelt den Niederschlag in einer Platinschale mit einer concentrirten Lösung von Kalihydrat in nicht zu grossed Ueberschusse. Dann setzt man Wasser hindu; dieses muss, wenigstens beim ErwÀrmen, eine klare Lösung geben. In die alkalische Lösung leitet man Schwefelwasserstoff bis zur SÀttigung und sÀuert nun mit EssigsÀure an; das Zinn wird als Sulfid gefÀllt, wÀhrend die PhosphorsÀure in Lösung bleibt Beide trent man durch Filiration.

Soll nur die PhosphorsĂ€ure bestimmt werden, was z. B. der Fall ist, wenn das Zinn als Scheidungsmittel dieser SĂ€ure von Metallen benutzt worden war (§ 1874), so wendet man vortheilhaft partielle Filtration an; zu dem Zwecke fĂŒhrt man die Behandlung mit Schwefelwasserstoff und die FĂ€llung durch EssigsĂ€ure in einem Maasskolben aus.

') Rcissig: Ann. 98 (1856), 339; Girard: C. r. 54 (1862), 468.

566 Phosphate. ScheiduDgsverfahren.

1885 a. II. Durch Schwefelalkalien, auf trockenem Wege.

Das Stanniphosphat wird in einem Porzellantiegel einer sulfurirenden Schmelzung unterzogen, z. B. mit der sechsfachen Menge einer Mischung aus gleichen Theilen von Schwefel und trockenem Natriumcarbonat geschmolzen. Der wÀssrige Auszug der Schmelze wird mit EssigsÀure behandelt, wie im vorigen Verfahren.

1886 IIL Durch Elektrolyse). Das Stanniphosphat wird durch concentrines Ammoniumsulfid in Lösung gebracht; diese Lösung wird verdĂŒnnt und der Elektrolyse unterworfen (§ 1154). Das Zinn wird gefallt; in der ammoniakalischen Lösung kann man die PhosphorsĂ€ure durch Magnesiummixtur bestimmen. (Sehr gutes Verfahren.)

FhosphorsÀure und Antimon.

1887. L Durch Magnesiummixtur. Man behandelt die Lösung mit Ammoniumsulfid und Ammoniak, bis das anfangs sich ausscheidende Antimonsulfid vollstÀndig wieder gelöst ist. In dieser Lösung bestimmt man die PhosphorsÀure durch Magnesiummixtur (vergl. § 1287 die Scheidung von Antimon und Arsen). Das Antimon bleibt im Filirate.

1887 a. IL Durch Elektrolyse. Das Antimon wird elektrolytisch gefallt und bestimmt (§1160); die PhosphorsÀure bleibt in der alkalischen Lösung und wird in dieser nach Zerstörung des Natriumsulfides bestimmt.

FhosphorsĂ€ure und Arsen. 1888 Durch Destillation. Arsen wird als Arsenochlorid verflĂŒchtigt bez. abdestillirt (§§ 1206 u. 1289); die PhosphorsĂ€ure bleibt im Kolben.

FhosphorsÀure und Blei.

1889. Durch SchwefelsÀure. Das Blei wird als Sulfat gefallt und bestimmt (§ 951). Der Anwendung von Alkohol steht Nichts entgegen, wenn die zu analysirende Substanz keine Metalle enthÀlt, welche in diesem Reagens unvollstÀndig lösliche Sulfate geben (vergl. §§ 1869 u. 1882).

Die PhosphorsÀure bleibt in Lösung und kann nach event. Verjagung des Alkohols durch Abdampfen bestimmt werden.

FhosphorsÀure und Kupfer.

1890. Durch Elektrolyse'). Man bestimmt das Kupfer durch Elektrolyse; die PhosphorsÀure bleibt gelöst.

1890 Bemerkungen. Die Gegenwart von PhosphorsÀure stört die titrimetrische Bestimmung des Kupfers nach irgend einem Verfahren nicht.

Classen: Quant, ehem. Analyse durch Elektrolyse, 3. Aufl. (1892), S. 102; dass. 4. Aufl. (1897), S. 195.

-) Classen: op. cit., 3. Aufl., S. 78; 4. Aufl., S. 165.

Bor. Eigenschaften der Borate. 567

Ist die Menge der PhosphorsĂ€ure im VerhĂ€ltniss zum Kupier sehr gering, so kann man sie in einem kleinen Niederschlage, welchen man auf Zusatz von Ferrisalz und Ammoniak erhĂ€lt, gewissermaassen concentriren (vergl. das analoge Verfahren der Scheidung von Kupfer und Arsenaten, § 1314). In gleicher Weise kann man natĂŒrlich auch verfahren, wenn sehr kleine Mengen PhosphorsĂ€ure von Zink oder Cadmium zu scheiden sind.

PhosphorsÀure und Chrom.

1891 Durch Magnesiommixtur. Man fĂŒhrt, wenn es nöthig ist, das Chrom in Chromat ĂŒber (§ 547 flf.) und fĂ€llt in der ammoniakalisch gemachten Lösung die PhosphorsĂ€ure durch Magnesiummixtur. Das Chrom kann im Filtrate oder in einer besonderen Probe bestimmt werden.

1891a Bemerkangen. Die Anwesenheit der PhosphorsÀure hinder die oxydimetrische Bestimmung der Chromate nicht.

Will man in RĂŒcksicht auf die Bestimmung des Chroms Chloride und Sulfate nicht in die Lösung bringen, so kann man die Magnesiummixtur aus den Nitraten des Magnesiums und Ammoniums, statt aus den betreffenden Chloriden oder Sulfaten, bereiten.

FhosphorsÀure und Eisen.

1892. Durch SĂŒektrolyse. Die Gegenwart von PhosphorsĂ€ure stört die elektrolytische FĂ€llung des Eisens durchaus nicht. Man bestimmt daher dieses Metall elektrolytisch (§§ 579 u. 580) und findet die PhosphorsĂ€ure in der von dem Metallniederschlage getrennten Lösung).

1892 Bemerkungen. Die titrimetrische Bestimmung des Eisens wird durch die Gegenwart von PhosphorsĂ€ure nicht beeintrĂ€chtigt. Wir machen an dieser Stelle noch besonders darauf aufmerksam, dass Xitroso-ß-Naphtol (siege § 582, Bestimmung des Eisens durch dieses Reagens) kein Scheidungsmittel fĂŒr PhosphorsĂ€ure und Eisen ist.

FhosphorsÀure und Calcium.

1892 b. Durch Ammoniumoxalat. Die saure Lösung wird mit so viel Ammonium acetate versetzt, dass keine starke SÀure mehr frei vorhanden ist, und darauf das Calcium mittels Ammoniumoxalat kalt irefÀllt (§§ 457 u. 464 fr.).

Die PhosphorsÀure wird in einer zweiten Probe bestimmt.

Bor.

Eigenschaften der Borate. 1893. 1. Die Borate entsprechen dem BorsÀure- Anhydride BgOg. ') Cl.issen: op. cit, 3. Aufl., S. 66; 4. Aufl., S. 148.

Wie es mehrere PhosphorsĂ€uren giebt, so giebt es auch verschiedene BorsĂ€uren, oder wenigstens ihnen entsprechende Salze; in RĂŒcksicht auf die Analyse hat man jedoch keine Veranlassung, sie von einander zu unterscheiden. Das wichtigste Borat ist der Borax (siege § 181).

Die gewöhnliche BorsÀure ist die normale SÀure H3BO3. Sie bildet schuppige, weisse, perlmutterglÀnzende Krystalle; sie ist in 26 Th. kalten Wassers von gewöhnlicher Temperatur löslich; diese Lösung ist gegen Lakmus und die Mehrzahl der Indicatoren der Alkalimetrie fast neutral. In Alkohol ist die BorsÀure löslich.

Kocht man eine wĂ€ssrige Lösung der BorsĂ€ure, so verflĂŒchtigt sich die SĂ€ure zum Theil mit den WasserdĂ€mpfen.

2. Mit concentrirter SchwefelsĂ€ure und Methylalkohol geben die Borate Bor sĂ€ur methylĂ€ther, welcher flĂŒchtig ist.

8. Die BorsÀure giebt mit Lakmus eine sehr schwach saure Reaction; ihre Alkalisalze, sogar die sauren, reagiren alkalisch (siege § 343).

Auf Methylorange wirkt BorsÀure nicht ein.

Eine durch Alkalihydrat fĂŒr Phenolphtalein genau neutralisirte Lösung von BorsĂ€ure nimmt wieder saure Reaction an, wenn man ihr Glycerin oder Mannit zusetzt i).

4*. Curcumapapier-). mit einer BorsÀurelösung getrÀnkt, wird nach dem Trocknen hell ziegelroth; die Gegenwart einer kleinen Menge von SalzsÀure in der Lösung macht die Farbe viel intensive.

Befeuchtet man dieses Papier mit einer Lösung von Natriumcarbonat, so geht die Farbe in Blauschwarz oder selbst in reines Dunkelblau ĂŒber.

Diese Erscheinungen sind ausschliesslich der BorsĂ€ure eigenthĂŒmlich. Man thut gut, die Reaction durch einen blinded Versuch zu controlliren.

Die Gegenwart von Chloraten, Chromaten, Jodiden und noch manchen anderen Verbindungen hinder mehr oder weniger vollstÀndig das Eintreten der Erscheinungen.

Da die Borate durch SÀuren zersetzt werden, giebt eine mit Salz- sÀure angesÀuerte Boratlösung die vorstehende Reaction.

5. Durch Erhitzen verliert die BorsĂ€ure Wasser und geht in das Anhydrid ĂŒber:

2 H3Bo3 3 H2O + B2O3.

Dieses schmilzt zu einer glasigen, farblosen Masse; mit Metalloxyden erhitzt, löst es diese auf und giebt mit ihnen gefÀrbte oder nicht ge, fÀrbte GlÀser. Ebenso verhalten sich die Alkaliborate, speciell der Boraxdessen Lösungskraft noch grösser ist als diejenige der BorsÀure (s. § 181).

') L. Vignon: Ann. de ch, et de phys. [5] 2 (1874), 433. -) Siehe M. Ripper: Weinbau und Weinhandel 6 (1888), 331; P. Kulisch: /. angnv. Ch. 1894, 187.

Eigenschaften der Borate. 569

6. Die von fĂ€rbenden Metallen freien Borate sind weiss. Die Alkaliborate sind in Wasser löslich; die ĂŒbrigen sind wenig löslich, aber keynes ist vollstĂ€ndig unlöslich.

7. Eine sehr concentrirte und heisse Lösung von Alkaliborat giebt bei Behandlung mit SalzsÀure einen Niederschlag von Bor- sÀure, besonders beim Erkalten:

NaBO- 4- 2 HCl + 5 HO 2 NaCl + 4 H3BO3.

8. Silbernitrat giebt einen kĂ€sigen, weissen Niederschlag von Silberborat, löslich in SalpetersĂ€ure und in Ammoniak. In einer sehr verdĂŒnnten Alkaliborat-Lösung erhĂ€lt man einen Niederschlag von Silberoxyd, indem unter diesen UmstĂ€nden das Alkaliborat durch das Wasser in BorsĂ€ure und Alkalihydrat gespalten wird.

9. Baryumchlorid bewirkt in genĂŒgend concentrirten Lösungen der Borate einen amorphen weissen Niederschlag von BaryimMnetaborat:

NaBO- + BaClg + 3 H2O 2 NaCl -f BaBjO + 2 HgBOg.

Der Niederschlag ist in Ammoniumsalzen, in SÀuren und auch in einem Ueberschusse des Reagens löslich.

10. Die BorsÀure und die Alkaliborate geben, mit Kaliumfluorid und FlusssÀure oder, was auf dasselbe hinauskommt, mit Kaliumcarbonat und FlusssÀure im Ueberschusse behandelt, Kaliumborofluorid, KBFI4 KF1, BFI3, löslich in Wasser, auch wenn diesem Alkohol zugesetzt war, aber unlöslich in absolute Alkohol und in einer concentrirten Lösung von Kaliumacetat. Diese Verbindung ist farblos.

11*. BorsĂ€ure, in eine nicht leuchtende Flamme eingefĂŒhrt, ß diese lebhaft grĂŒn, mit einem Stiche in Gelb. Dieses sehr wichtige Kennzeichen kann auf verschiedene Weise zur Anschauung gebracht werden :

a. Man bringt die BorsÀure an einem Platin drahte in die Flamme; liegt ein Borat vor, so feuchtet man dieses erst mit SchwefelsÀure an, damit BorsÀure frei wird.

b. Man befeuchtet das in einer kleinen Porzellanschale befindliche Borat (oder die BorsĂ€ure) mit concentrirter SchwefelsĂ€ure und fĂŒgt eine kleine Menge Aethyloder Methyl- Alkohol hindu. Alsbald entzĂŒndet man die FlĂŒssigkeit, welche in Folge der gelösten BorsĂ€ure oder des entstehenden Bor sĂ€ure Ă€thers mit grĂŒner Flamme brennt.

Die Gegenwart gewisser Substanzen, namentlich von Wein-oder PhosphorsÀure, verhindert diese Reaction.

c. Man verreibt das Borat oder die BorsĂ€ure mit etwa 4 Th. Kaliumbisulfat und 1 Th. Calciumfluorid); die Mischung fĂŒhrt man

Siehe H. BorutrÀger: Z, anal, Ch. 39 (1900), 92; Bidaud: C. r. 76 (1873), 489 und 86 (1878), 387; Dieulafait: Ann. de ch. et de phys. [5] 12 (1877), 318; C. r. 85 (1877), (505.

Diese Mischung von Kaliumbisulfat und Calciumfluorid wird als „Turn er 's Reagens" bezeichnet.

an einem Platindrahte in die Basis einer nicht leuchtenden Flamme; durch die Einwirkung der Hitze bildet sich gasförmiges Borfluorid: NagB/) + 14 KHSO4 + b CaFlj rzr 7 + NaSO + G CaSO + 7 H,0

Das von der Flamme mitgerissene Borfluorid fĂ€rbt diese grĂŒn, sei es durch sich selbst, sei es in Folge seiner Umwandlung in BorsĂ€ure durch den Wasserdampf.

Diese letzte Art der AusfĂŒhrung des Versuches giebt die besten Resultate.

Es ist selbstverstĂ€ndlich, dass die zu untersuchende Substanz von anderen Stoffen, welche, gleich der BorsĂ€ure, eine GrĂŒnfĂ€rbung der Flamme bewirken können, frei sein muss. Ganz besonders gehören hierher Kupfer-Verbindungen, welche durch Schwefelwasserstofif, und Baryumsalze, Welche durch SchwefelsĂ€ure leicht vorher abgeschieden werden können.

Wenn man das Alkohol -Verfahren anwendet, so muss ferner die Substanz frei von Chloriden sein, weil diese Aethylchlorid bilden, welches ebenfalls nĂŒt grĂŒner Flamme brennt).

Um Spuren von BorsĂ€ure aufzufinden, z. B. in den unverbrennlichen WeinrĂŒĂ€nden (Weinaschen), destilliren A. Villiers und Fayolle-) die Lösung, welche man durch Behandeln der Substanz mit SchwefelsĂ€ure in geringem Ueberschusse erhĂ€lt, mit reinem Methylalkohol, bis saure DĂ€mpfe auftreten; dann entflammt man den ĂŒbergegangenen Alkohol.

Die BorsÀure liefert ein charakteristisches Spectruni.

Bestimmung der Borate O-

1893 Die Reactionen der BorsÀure und ihrer Salze verlaufen im Allgemeinen nicht glatt; in Folge dessen gehört die Bestimmung dieser Verbindungen zu den schwierigsten. In vielen FÀllen beschrÀnkt man sich darauf, die BorsÀure, nachdem man ihr Vorhandensein festgestellt hat, aus der Differenz zu bestimmen; schliesslich laufen hierauf die meisten der folgenden Verfahren hindus, mit Ausnahme z. B. desjenigen, welches auf der FÀllung als Kaliumborofluorid beruht.

A. Duroh WĂ€gung. 1894. I. Als Kaliumborofluorid*). Dieses Verfahren ist nur an-

't) Bull. Soc. eh. [3] 13 (1895), 874. Siehe auch V. Leu her und J. S. C. Wells:/. Am. eh. Soe. 21 (1899), 417; H. Gilbert: Z. angew. Ch. 1893, 531.

3) Reischle: Z. anorg. Ch. 4 (1893), 111; Moissan: C. r. 116 (1893), 1087; R. Hefclmann: Pharm. Centrh. 29 (1888), 116; C. Monteraartini: Gazz. ch. ital. 28 (1898), I, 344; G. Carnielli: bend. 31 (1901), I, 544; siege auch Z. anal. Ch. 33 (1894), 370 und 39 (1900), 465 eine Zusamnaenstellung der ĂŒber diesen Gegenstand veröffentlichten Arbeiten.

Stromeyer: Ann. 100 (1856), 82; C. Thaddeeff: Z. anal. Ch. 36 (1897), 568.

A. Durch WĂ€gung. 571

wendbar, wenn die Substanz ausschliesslich Alkalimetalle, am besten Kalium, enthĂ€lt. Man behandelt die Lösung in einem PlatingefĂ€sse mit reinem Kalihydrat in solcher Menge, dass mindestens ein Atom Kalium auf ein Atom Bor kommt; dann fĂŒgt man FluorwasserstoffsĂ€ure, welche vollkommen frei von Wasserstoffsilicofluorid sein muss, im Ueberschuss hindu und verdampft auf dem Wasserbade zur Trockne. Der RĂŒckstand wird mit einer concentrirten Lösung (1 : 4) von Kaliumacetat aufgenommen, mit welcher man einige Stunden lang unter zeitweisem UmrĂŒhren digerirt

Das Kaliumborofluorid KBFl bleibt angelöst; man sammelt es auf einem tarirten Filter, wĂ€ es mit der Acetatlösung aus, bis alles Kaliumfluorid entfernt ist, woven man sich durch PrĂŒfung mit Calciumchlorid ĂŒberzeugt, entfernt das Acetat durch Auswaschen mit Alkohol, trocknet bei 100Âź und wĂ€gt.

EnthĂ€lt das Borofluorid Silicofluorid so macht sich dieses dadurch bemerkbar, dass das Product feuchtes empfindliches Lakmuspapier, welches man mit ihm in BerĂŒhrung bringt, röthet; das Silicofluorid ist sauer, wĂ€hrend das Borofluorid neutral ist.

Zur Controlle des Resultates ist anzurathen, das Product mit SchwefelsĂ€ure abzurauchen und das zurĂŒckbleibende KgSOi zu wĂ€gen.

1895. II. Durch Magnesia). Wenn die zu untersuchende Substanz frei von Metallen ist oder nur Metalle der Kaliumgruppe enthĂ€lt, so neutralisirt man, wenn nölhig, die Lösung durch SalzsĂ€ure; rĂŒhrt die / AlkalitĂ€t von Ammoniak her, so kann die Neutralisation unterbleiben. Nun fĂŒgt man Magnesium- Ammoniumchlorid in solcher Menge, dass auf 1 Th. vorhandenes BorsĂ€ure-Anhydrid mindestens 2 Th. Magnesia kommen, und Ammoniak hindu; sollte durch letzteres ein Niederschlag entstehen, so ist dieser durch Zusatz von Ammoniumchlorid zu lösen. Das Ganze dampft man in einer Platinschale unter zeitweiligem Zusatz einiger Tropfen Ammoniak zur Trockne.

Der RĂŒckstand wird geglĂŒht und mit heissem Wasser aufgenommen; das Unlösliche wird auf einem Filter gesammelt und vollstĂ€ndig ausgewaschen.

Das Filtrat dampft man nach Zusatz von Ammoniak wieder zur Trockne und behandelt den RĂŒckstand so, wie eben angegeben wurde. Man erhĂ€lt nochmals einen in Wasser unlöslichen RĂŒckstand, welchen man auf ein Filter bringt und auswĂ€.

Die Inhalte beider Filter werden vereinigt, geglĂŒht und gewogen.

Das in dieser Weise erhaltene Product ist ein Gemisch von Magnesia und Magnesiumborat. Man löst es in SalzsÀure und bestimmt in dieser Lösung das Magnesium durch Ammoniumphosphat (§ 416). Zieht man das Gewicht der Magnesia von dem Gewichte des Oxydund Borat- Gemisches ab, so erhÀlt man das Gewicht des BorsÀure-Anhydrides.

Nach neueren Untersuchungen soll das Verfahren nicht genaue Resultate geben.

1896. III. Durch Methylalkohol). Dieses Verfahren beruht auf der FlĂŒchtigkeit des BorsĂ€uremethylĂ€thers und dessen Zersetzbarkeit durch Magnesia oder Kalk.

Die angewandte Substanzmenge, welche, wenn möglich, etwa 0.1 gr B2O3 enthalten soll, wird in einem Kolben mit so viel Methylalkohol, als zu ihrer Durchfeuchtung nöthig ist, und dann mit der doppelten Gewichtsmenge reiner SchwefelsÀure behandelt; hierauf setzt man tropfenweise 10 ccm des Alkohols hindu.

Man destillirt nunmehr auf einem Wasserbade und fangs das Destillat in einem Kolben auf, welcher an den KĂŒhler angeschlossen ist und andererseits mit einem kleinen, mit etwas Ammoniumcarbonat beschickten Apparate (z.B. mit einer Peligot-Röhre oder Volhard'schen Vorlage) in Verbindung steht.

Nach der ersten Destillation giesst man 5 ccm des Alkohols in den Kolben, destillirt wiederum, und wiederholt diese Operation 6 bis 8 Mal.

Die vereinigten Destillate werden mit 10 ccm einer 10% igen Lösung von Ammoniumcarbonat versetzt.

Weiter tarirt man eine Platinschale mit gebrannter Magnesia, befeuchtet diese Magnesia mit der Lösung von Ammoniumcarbonat in der Vorlage, dampft dann in der Platinschale die allmĂ€hlich zugesetzte, den BorsĂ€uremethylĂ€ther enthaltende FlĂŒssigkeit ab, und glĂŒht uod wĂ€gt schliesslich den RĂŒckstand.

Die Gewichtzunahme giebt das Gewicht des BorsÀure- Anhydrides an.

Weil die Magnesia nur schwach alkalisch ist, könnte sich ein Theil des BorsÀureÀthers der Zersetzung entziehen; zur Vermeidung dieses Uebelstandes hat Gooch an ihrer Stelle den Kalk empfohlen.

H. Jay und Dupasquier*-) haben einen sinnreichen Apparat zur systematischen Extraction der BorsÀure durch Methylalkohol angegeben.

Lieber den Werth des Verfahrens sind die Ansichten getheilt Moissan hĂ€lt es fĂŒr genau; nach Reischle gelingt es selbst durch zwölfmalige Destillation nicht, alles Bor in Form des BorsĂ€ureĂ€thers ĂŒberzutreiben; Th, S. Gladding) erhielt befriedigende Resultate, als er die Destillation in einem Strome von Methylalkohol-Dampf ausfĂŒhrte.

1897. Andere Verfahren. Ks ist vorgeschlagen, die freie BorsÀure und die Alkaliborate zu bestimmen, indem man die Lösung

Rosenbladt: Z. aw/. CA. 26 (1887), 18 ; Gooch: Am. eh. /. 9 (1887), 23; Penfield und Sperry: SĂŒL Am. J. [:|1 84 (1887), 220; H. Moissan: C, r. Uö (189:5), 1087; G. Caruielli: 1. cit.

B. Durch Tilrimctrie. 573

durch Barythydrat fÀllt das Verfahren ist wenig praktisch, weil man unter Ausschluss der KohlensÀure-der Luft arbeiten muss.

Freie BorsĂ€ure kann bestimmt werden, indem man sie mit einer bekannten, im Ueberschusse anzuwendenden Menge Natriumcarbonat behandelt, zur Trockne verdampft und den RĂŒckstand glĂŒht; in diesem bestimmt man, nachdem er gewogen ist, die KohlensĂ€ure des ĂŒberschĂŒssig gebliebenen Natriumcarbonates. Zieht man von dem erhaltenen Gewichte des GlĂŒhrĂŒckstandes dasjenige der KohlensĂ€ure imd des Natriumoxydes, welches bekannt ist, ab, so erhĂ€lt man das Gewicht des BorsĂ€ure- Anhydrides

Reischle) endlich hat neuerdings ein Verfahren vorgeschlagen, welches auf ein Differenzverfahren hinauslĂ€uft; es besteht darin, dass man die Substanz, um das Bor auszutreiben, mit Ammoniumfiuorid erhitzt, darauf die Masse nĂŒt SchwefelsĂ€ure abdampft, den Ueberschuss von letzterer verjagt und die Sulfate wĂ€gt.

B. Durch Titrimetrie.

1897a. Vorbemerkung. Wie wir bereits (§ 1893,. Nr. 3) gesehen haben, hat die BorsĂ€ure eine nur sehr schwach saure Reaction und verleiht Lakmus eine weinrothe FĂ€rbung, welche durchaus verschieden ist von derjenigen, welche die starken SĂ€uren diesem Indicator geben, und sogar weniger lebhaft ist als die durch KohlensĂ€ure hervorgerufene. Die Alkalimetall - Borate, sogar die sauren, wie z. B. Borax, zeigen gegenĂŒber Lakmus alkalische Reaction.

Methylorange*) (Poirrier's Orange III) wird von BorsÀure nicht geröthet, welche andererseits auf TropÀolin 000 (Poirrier's Orange 11)) wie eine SÀure reagirt.

Phenolphtalein reagirt nicht deutlich mit BorsĂ€ure und Boraten); die Einwirkung ist verschieden, je nach der VerdĂŒnnung und Temperatur ').

RosolsĂ€ure ist in Anwesenheit von BorsĂ€ure gleichfalls nicht verwendbar*). Dagegen werden Resazurin und besonders Paranitrophenol von BorsĂ€ure in verdĂŒnnter Lösung nicht oder wenig verĂ€ndert

— Der BorsĂ€ure kommt hingegen eine ihr allein eigenthĂŒmliche

Dieses von Rose {Pogg. Ann. 80 (1850), 262) stammende Verfahren ist von Schaffgotsch {Pogg. Ann. 107 (1859), 427) nÀher untersucht.

R.T.Thomson: Proc.of the Philos. Soc. Glasgow 14 (1883), 73; Ch. N. 47 (1883), 135; A. Joly: C. r. 100 (1885), 103; J. Mc. Glashan: Ch. N. 58 (1888j, 175; Finot: Bull. Soc. ch. 50 (1888), 659.

H. N. Morse und W. M. Burton: Am. ch. J. 10 (1888), 154; G. A. L Roy: Bull. Soc. ind. de Rouen 21 (1893), 62.

A. Joly: 1. cit; R. T. Thomson: 1. cit.

') De Koninck: Nicht veröffentlichte Beobachtung.

"") R. T. Thomson: I. cit, S. 176.

Eigenschaft zu (vergl. § 1893, Nr. 4), nĂ€mlich diejenige, mit Glycerin und anderen mehrwerthigen Alkoholen i), ganz besonders Mannit*), und selbst Phenolen, besonders Pyrogallol, Verbindungen mit deutlich saurer Reaction zu bilden, welche sich — wenn der Alkohol in genĂŒgender Menge vorhanden ist — mit Alkalien zu bestimmten Körpern von neutraler Reaction gegenĂŒber den Indicatoren, namentlich PhenolphtaleTn, vereinigen). Die BorsĂ€ure ist hinsichtlich ihrer AciditĂ€t noch bei V20000*) empfindlich gegen Mannit.

Reine BorsÀure, in nicht zu stark concentrirter Lösung, ist auf ein Gemisch von Kaliumjodid und -Jodat ohne Einwirkung) (vergl. § 3G1); bei (iegenwart von Glycerin und namentlich Mannit) reagirt sie hingegen mit diesem Gemisch, zwar langsam aber vollstÀndig (siege § 1897e). Diese Eigenschaften der BorsÀure ermöglichen eine alkalimetrische oder acidimetrische Bestimmung derselben.

1897 L Indirect, duroh Alkalimetrie. Liegt ein bestimmte> einheitliches Borat, z. B. Borax oder gewisse natĂŒrliche Borate, vor, so kann man dessen Gehalt an BorsĂ€ure durch die einfache Bestimmung der Base ermitteln. Hierbei sind zwei FĂ€lle zu beachten:

1. Das Borat ist wasserlöslich. Nach Zusatz eines geeigneten Indicators, vorzĂŒglich Methylorange') oder Paranitrophenol*), zur Borat- lösung titrirt man mit SalzsĂ€ure oder SchwefelsĂ€ure. Dieses Verfahren ist, unter Benutzung von Lakmus, schon von Gay-Lussac-*) fĂŒr die Bestimmung des Borax angewendet worden. Augenscheinlich kann hier auch ZurĂŒcktitration Anwendung finden, indem das Borat mit SĂ€ure iin Ueberschuss behandelt und dieser Ueberschuss durch Ammoniak oder fixes Alkalihydrat bestimmt wirdÂź). Der Borax, welchen kein Autor

L, Vignon: Ann. de eh. et phys. [5] 2 (1874), 433; G. Bouchardat: bend. [5] 6 (1875), 100; D. Klein: /. .Äf;>ÄÄrw./Är/m. (1878), 173; Cr. 86 (1878), 826; BulL Soc. eh. [2] 29 (1878), 195 u. 357; A. Senier und A. J.G. Lowe: Pharm. J. and Trans. [3] 8 (1877/78), 819; W. R. Dunstan: ebcnd. [3] 13 (1882/83), 257; R. Sulzcr: Deutsch -amer, Apothek.-Z. 7 (1886), 596; C. : Areh. der Pharm. [3] 25 (1887), 250; Lambert: C. r, 108 (1889), 1016.

D. Klein: 1. cit.

Furry: Am. eh. J. 6 (1884), 341; P. Georgievic: /. prakt. Ch- [N- . 88 (1888), 118; L. C. Jones: Z. anorg. Ch. 20 (1899), 212; L. Barthe: /. rf> pharm, et de ehim. |5J 28 (1894), 163.

') A. J. Cohn {Indicators and Testpapers, New York 1899, S. 150) empfiehlt auch Resazurjn (siege § 320 a), welches jedenfalls besser ist als Lakmus.

DeKoninck: Nicht veröffentlichte Versuche. Paranitrophenol hat Methylorange gegenĂŒber den Vortheil, dass man es leicht rein im Handel beziehen kano. 1 Th. wird in 100 Tb. Alkohol (50 procentig) gelost.

Gay-Lussac: Ann. de ch. et de phys. [2] 40 (1829), 398.

A. Joly: l.cit.

B. Durch Titrimetrie. 575

fĂŒr diesen Zweck vorgeschlagen hat, scheint hier ganz besonders angezeigt 1

2. Das Borat ist wasserunlöslich. In diesem Falle muss man j

die ZurĂŒcktitration anwenden, nachdem man das Borat in einer im

Ueberschuss bemessenen, bekannten Menge SalzsÀure aufgelöst hat. ]

Dieses Verfahren ist fĂŒr die Untersuchung des Ulexits (Calcium- ]

Das Verfahren ist natĂŒrlich nur dann anwendbar, wenn das Borat 1

nicht von Carbonaten*oder anderen Substanzen begleitet ist, welche, mehr oder weniger wie eine Basis auf die SalzsĂ€ure wirkend — z. B. die dreibasischen Phosphate — , einen Theil der SĂ€ure beanspruchen wĂŒrden.

Andere Indicatoren als Methylorange oder Lakmus sind von verschiedenen Autoren vorgeschlagen 2).

Man hat fĂŒr die Bestimmung der BorsĂ€ure durch ZurĂŒcktitriren auch die Anwendung der Jodometrie vorgeschlagen).

1897 c. II. Durch unmittelbare difEbrentieUe Acidimetrie. Das Verfahren besteht in Folgendem : Die durch SalzsĂ€ure oder SchwefelsĂ€ure deutlich angesĂ€uerte Boratlösung (so weit angesĂ€uert, dass alle BorsĂ€ure frei gemacht ist), welche von anderen Metallen als denjenigen der Baryumund Kaliumgruppe frei sein muss, wird, nöthigenfalls, durch Kochen von KohlensĂ€ure befreit. Um eine VerflĂŒchtigung von BorsĂ€ure zu verhindern, wird die Operation in einem Kolben mit RĂŒckflusskĂŒhler vorgenommen. Die saure Lösung wird in zwei gleiche Theile getheilt; in dem einen bestimmt man die der starken SĂ€ure entsprechende AciditĂ€t mit HĂŒlfe von titrirter Natronlauge und Methylorange, in dem anderen die Gesammt - AciditĂ€t (starke SĂ€ure + BorsĂ€ure) nĂŒttels derselben — von Carbonat freien — Natronlauge und eines Indicators, welcher auch fĂŒr die BorsĂ€ure empfindlich ist. Hierzu hat man Lakmus*), Orcein), TropĂ€olin 000) und Blau CLB") vorgeschlagen. Phenolphtalein ist nicht geeignet.

Die Differenz zwischen den beiden Titrations - Resultaten giebt die leicht zu berechnende, der BorsÀure entsprechende AciditÀt an.

Um befriedigende Resultate zu erhalten, muss der Operirende ein genaues Auge fĂŒr den Farbenumschlag der angewendeten Indicatoren haben.

H. Gilbert: Z. angew. Ch, 1898, 532.

F. Parmentier: C. r. U3 (1891), 41; J. Wolff: C. r. 180 (1900), 1128 C. Schwarz: Pharm. Z. 82 (1887), 562; L. Barthe: 1. cit; H. N. Morse und W. M. Burton: 1. cit; A. J. Cohn: 1. cit.

L. Barthe: l. cit.

Jay und Dupasquier: Mon. sc. de QuesneuilU [4] 0 (1895), 709; C. r. 121 (1895), Bull. Soc. ch. [3] 18 (1895), 877.

F. Parmentier: 1. cit.

G. A. Le Roy: 1. cit.

") Auch Poirrier's lösliches Blau und Blau C4B genannt. R. Engel: C. r, 102 (1886), 214 u. 262; Ann. de ch. et de phys, [6] 8 (1886), 564.

Er wird daher gut thun, den Titer der acidimetrischen Lösung experimentell mit Borax oder BorsÀure zu bestimmen, welche beide rein und in Lösung haltbar zu erhalten sind.

1897 IIL Durch Aoidimetrie unter dem Biiiflusse von Qlycerin oder Mannit). Dieses im Allgemeinen und mit Recht dem vorigen vorgezogene Verfahren weicht von demselben nur hinsichtlich des Glycerinoder Mannit- Zusatzes zur AciditĂ€ts -VerstĂ€rung der BorsĂ€ure wesentlich ab. Die BorsĂ€ure reagirt unter diesen Bedingungen deutlich auf Phenolphtalein, welchem man daher als Indicator drti Vorzug giebt Die Empfindlichkeit der Endreaction ist ausreichend, wenn man fĂŒr Anwendung einer carbonatfreien Titrirlauge Sorge trĂ€gt, in welchem Falle auch die Gegenwart von Methylorange statthaft und damit auch das .\rbeiten mit nur einer Substanzprobe ermöglicht ist. Nichts hinder jedoch — und wir glauben, das ist vorzuziehen — , mit zwei gleichen Volumentheilen der Lösung (wie im vorigen Verfahren) zu arbeiten, wie nachstehend beschrieben.

Die Boratlösung wird ebenso hergestellt wie fĂŒr die immittelbare acidimetrische Bestimmung (siege § 1897c), unter Vermeidung zu grosser VerdĂŒnnung, und ebenfalls in zwei Theile getheilt, in deren einem man die AciditĂ€t unter Benutzung von Methylorange bestimmt. Der zweite Theil wird durch Zugabe eines dem fĂŒr den ersten Theil gebrauchten gleichen Volumens Alkalihydrat -Lösung neutralisirt, mit Phenolphtale'in und darauf mit Glycerin oder Mannit versetzt, deren Menge im VerhĂ€ltniss zur BorsĂ€ure um so grösser sein muss, je grösser die VerdĂŒnnung ist Auf 1,5 gr Borax, in 60 — 80 cc Wasser gelöst, fĂŒgt man 50 cc Glycerin 2) hindu; bei Anwendung von Mannit setzt man davon mehr oder weniger bis zur SĂ€ttigung zu, nĂ€mlich etwa 10 — 15 gr fĂŒr 50 cc der Boratlösung Alsdann titrirt man mit Natronlauge bis zur RosafĂ€rbung des Phenolphtaleins.

Man vergewissere sich, dass die angewandte Menge Glycerin oder Mannit ausreicht, indem man noch 10 cc des ersteren oder ein paar Gramm des letzteren hinzufĂŒgt und beobachtet, ob die AlkalitĂ€t der titrirten Lösung bestehen bleibt; im entgegengesetzten Falle fĂ€hrt man mit der Titrirung (dem Zulaufenlassen von Alkalihydrat-Lösung) fort, bis zum Auftreten einer nach wiederholter Zugabe von Glycerin oder Mannit bestĂ€ndigen FĂ€rbung.

') R.T.Thomson:/. Sac. of ehem. Ind. 12 (1893), 432; L. Barthe: l.cit; G. Jörgensen: Nord, farmaceutisk Tidskrift 1886, 213; Z. angry. Ch. 1887, 5; M. Honig und G. Spitz: Z. angew. Ch. 1888, 549; Vadam: /. de pharm, et de chim. [6] 8 (1898), 109; T. S. Gladding: /. Am. ch. Soc. 20 (1898), 288: A. Beythieu und H. Hempel: Z. /. Unters, d. NĂ€hr.- u. Gtn.-M. 2 (1899), 842: G. W. Sargent: /. Am. ch. Soc. 21 (1899), 858; L. C. Jones: Z. anorg. Ch. 20 (1899), 212; J. Wolff: C. r. 130 (1900), 1128; LĂŒhrig: Pharm. Cenirh. 42 (1901). 50.

Honig und Spitz: 1. cit.

3) L. C. Jones: Z. anorg. Ch. 21 (1899), 169.

B. Durch Titrimetric. 577

Wenn die angewandte Menge Glycerin oder Mannit von Anfang an genĂŒgend war, so ist der Farbenumschlag scharf; er vollzieht sich jedoch allmĂ€hlich und undeutlich im anderen Fall.

18976. IV. Durch Jodometrie). Das Verfahren, wegen dessen Einzelheiten wir auf die Originalarbeit verweisen, besteht in Folgendem: Die ebenso wie in den vorhergehenden Verfahren bereitete saure Lösimg wird neutralisirt, und zwar indem zunĂ€ Kaliumjodid und -Jodat und darauf — bis zum genauen Verschwinden des ausgeschiedenen Jods — Natriumhyposulfit zugetzt wird. Hierauf erfolgt die Zugabe von Mannit bis zur SĂ€ttigung, worauf die Reaction zwischen der frei gebliebenen Bor- sĂ€ure und der Jodidlösung stattfindet Nach Zusatz von titrirter Hyposulfit-Lösung im Ueberschuss und Verlauf von 40 — 60 Minuten, welche zur vollstĂ€ndigen Reaction nöthig sind, titrirt man den Hyposulfit-Ueberschuss durch eine titrirte Jodlösung.

— Ausser den vorstehenden Verfahren sind fĂŒr die titrimetrische Bestimmung der BorsĂ€ure noch Verfahren verschiedentlicher Art in Vorschlag gebracht, sie sind jedoch bis jetzt wenig geprĂŒft; wir fĂŒhren noch die folgenden an:

1897f. V. Indirect, durch Bestimmung des firei gemachten Ammoniaks). Wird Borax mit einer Lösung von Ammoniumsalz, z. B. Ammonium-Chlorid oder -Nitrat, erhitzt, so reagirt er wie die in ihm enthaltene Basis, d. h. er setzt Ammoniak in Freiheit 3):

Na2B407 + 2 NHNOg + 5 HgO 2 NaNOg + 4 H3BO3 -f- 2 NH3.

Hieraus geht hervor, dass man BorsÀure in Form von Borax (der frei von anderen Verbindungen basischer Reaction, namentlich von Carbonaten, selbst unlöslichen, sein muss) indirect bestimmen kann, indem man ihn in einem Destillations - Apparat bei Siedehitze mit einem Ammoniumsalz behandelt und das frei gewordene Ammoniak bestimmt (vergl. §§ 396 ff.).

Jedoch steht der Verallgemeinerung des Verfahrens die Schwierigkeit entgegen, die BorsĂ€ure quantitative in Borax ĂŒberzufĂŒhren. Den Autoren des Verfahrens ist dies gelungen, indem sie die nachfolgenden, von ihnen aufgefimdenen und auf Genauigkeit geprĂŒften Reactionen benutzen.

1. Die imlöslichen Borate, so z. B. die natĂŒrlichen Borate Pandermit, Ulexit etc., werden unter Bildung von Borax zersetzt, wenn man sie in leinster Suspension (erhalten durch Pulverisiren und AufschlĂ€mmen) in eine siedende Lösung von Natriumbicarbonat**), durch welche ein Strom

L. C. Jones! Z. anor. Ch. 21 (1899), 169. M. Honig und G. Spitz: Z. angew. Ch. 1896, 551.

') BoUey: Ann, 68 (1848), 112; K. Kraut: Arch. der Pharm. [2] 112 (1862), 25.

Man konnte zweifellos ebensogut neutrales Carbouat verwenden . (D e K o n i n c k.)

De Koninck-Meineke, Mineralanalyse. II. 87

von Kohlendioxyd streicht, eintrĂ€gt und darin wĂ€hrend genĂŒgend langer Zeit (ca. 1 Std.) belĂ€ssti).

2. Aus den gleichzeitig Borax, ein Alkalicarbonat und Ammoniumnitrat enthaltenden Lösungen kann das Carbonat quantitative durch Silbernitrat ausgefĂ€llt werden, wĂ€hrend das Borat in Lösung bleibt. Nur muss darauf gesehen werden, dass die FlĂŒssigkeit nicht lĂ€nger als 10 — 15 Minuten mit dem Niederschlag in BerĂŒhrung bleibt, da sich sonst Silbercarbonat auflöst. Eine schnelle Trennung erreicht man leicht durch partielle Filtration.

Betreffs der Destillation des Borax mit einem Ammoniumsalz haben die Verfasser festgestellt, dass, bei Anwendung einer dreifach grösseren Menge des letzteren als der Theorie entspricht, ein stĂŒndiges Kochen in einem Wasserdampf-Strom genĂŒgt, um die gesammte Menge gebildeten Ammoniaks ĂŒberzutreiben.

Nachstehend ein Beispiel, wie die Verfasser operirt haben, um ihr Verfahren auf die Analyse des Ulexits (Boronatrocalcit, Boraxkalk) anzuwenden:

15 gr des sehr fein pulverisirten Minerals werden wĂ€hrend einer Stunde in einer siedenden, von einem Kohlendioxydstrom durchflossenen Lösung von 10 gr Natriumbicarbonat belassen. Nach dem Erkalten und AuffĂŒllen auf 500 cc bringt man 100 cc des klaren Filtrats in einen 300 cc- Kolben, fĂŒgt 4,3 gr Ammoniumnitrat und 10Âź/oige Silbemitrat-Lösung bis zum sicheren Aufhören der FĂ€llung (ca. CO cc) hindu; unter lebhaftem UmrĂŒhren fĂŒllt man den Kolben mit Wasser bis zur Marke auf, schĂŒttelt gut durch einander und entnimmt dem Filtrat 200 cc, entsprechend 2 gr des Minerals. Diese werden in einem Destillations-Apparat mit 2 gr Anmioniimichlorid zur FĂ€llung des in Lösung gebUebenen Silbers versetzt und ohne vorherige Filtration des Silberchlorides der Destillation in einem Wasserdampf-Strom imterworfen. Das ĂŒbergetriebene Ammoniak wird in einer bekannten Menge SalzsĂ€ure aufgefangen, deren Ueberschuss mittels Ammoniak oder einer anderen acidimetrischen FlĂŒssigkeit bestinunt wird. 1 cc NormalsĂ€ure entspricht 70 mgr BorsĂ€ure- Anhydrid.

Man kann sich leicht die Vereinfachung vorstellen, deren dieses Verfahren fĂŒr die Bestimmung der BorsĂ€ure und der löslichen Borate fĂ€hig ist.

Andererseits scheint Nichts der alkalimetrischen Bestimmung des erhaltenen Borates nach Gay-Lussac (§ 1897b, Nr. 1) entgegenzustehen; nöthigenfalls fallt man zuvor das Silber durch Natriumchlorid. Die Verfasser erwÀhnen hiervon nichts.

1897 VL Durch Ealiumpermanganat Das Verfahren besteht

Die Zersetzung der Borate könnte wahrscheinlich durch vorhergehendes Schmelzen mit Soda erleichtert werden. (De Koninck.) E.F. Smith: Am. eh. J. 4 (1882), 279.

Borate. Scheidmigsverfahren. 579

darin, die von SĂ€ure — wenigstens starker SĂ€ure — freie Boratlösung durch ein im Ueberschuss abgemessenes Volumen titrirter Manganosulfat-Lösung unter Zugabe eines dem Gesammt-Flussigkeits -Volumen nahezu gleichen Volumens Alkohol zu fĂ€llen, den entstandenen Manganoborat - Niederschlag abzufiltriren und im Filtrat, nach Verjagung des Alkohols durch Abdampfen, das ĂŒberschĂŒssige Manganosulfat durch Kaliumpermanganat zu bestimmen (vergl. §§ 633 ff.).

Das Verfahren bedarf der PrĂŒfung und ist auf kleine Mengen nicht anwendbar.

1897 h. VII. Durch Barytimhydrat). Giesst man Baryumhydrat- Lösung in eine BorsĂ€ure-Lösung, so bleibt diese zuerst klar, trĂŒbt sich aber alsbald in dem Maasse, wie der Baryumhydrat-Zusatz wĂ€, bis zu einem Maximum; bei weiterem Zusatz vermindert sich die TrĂŒbung, um schliesslich ganz zu verschwinden.

Das Ende dieser Reaction markirt sich ziemlich deutlich.

Der Baryumborat-Niederschlag scheint der Formel BaBjO zu entsprechen; jedoch ist es rathsam, den Titer der Baryumhydrat-Lösung nicht nach dieser Formel zu berechnen, sondern ihn experimenteU, und zwar am besten durch Vergleichung mit reiner BorsÀure, zu ermitteln.

Dieses Verfahren, dessen Anwendung auf die Borate complicit ist, hat sich nicht eingebĂŒrgert.

Scheidungsverfahren.

1898 Die bei der Bestimmung der Borate gemachten Angaben (§§ 1894 ff.) werden genĂŒgen, um die Bestimmung des Bors in Gegenwart derjenigen Metalle und Metalloide, welche ihm bei der von uns gewĂ€hlten Eintheilung unseres Buches vorausgehen, ausfĂŒhren zu können. Wir haben nur noch einige Worte ĂŒber die Bestimmung der wichtigsten Bestandtheile, welche Begleiter des Bors zu sein pflegen, in Gegenwart dieses Elementes anzufĂŒgen. Im Allgemeinen wird die Bor- sĂ€ure, wenn nicht durch Differenz, in einer besonderen Probe bestimmt.

Borat und Phosphat.

1899* Die Substanz wird, nachdem sie von anderen Metallen als denjenigen der Alkalien, nöthigenfalls durch Schmelzen mit Alkalicarbonat, befreit ist, mit Magnesiummixtur behandelt; der Niederschlag wird in SalzsÀure gelöst und durch Ammoniak und einige Tropfen der Magnesimnmixtur wieder gefallt, imi ihm Spuren von mitgerissenen Boraten zu entziehen. In den vereinigten Filtraten kann man die BorsÀure als Magnesiumborat bestinmien (§ 1895).

Die PhosphorsÀure kann bei Anwesenheit von BorsÀure als Phosphomolybdat gefallt werden.

') H. Will: Arch. der Pharm, [3J 25 (1887), 1101.

87

Borat und Sulfat. 1900* Man fallt das Sulfat durch Barj'umchlorid in Gegenwart von SalzsÀure und bestimmt in dem Filtrate, nach Entfernung des Baryums durch SchwefelsÀure oder eih Alkalicarbonat, das Borat, wenn man nicht vorzieht, es in einer zweiten Probe zu bestimmen.

Borat und Fluorid.

1901. Man fallt die Lösung, welche nur Alkalimetalle und Calcium enthalten darf, durch Natriumcarbonat in geringem Ueberschuss und Calciumacetat (§ 1582) in erheblichem Ueberschuss, in welchem das Calciumborat löslich ist. Das Fluor wird als Calciumfluorid bestimmt.

Die geringe Menge von Calciumborat, welche von dem Fluoride und Carbonate mitgerissen wird, wird mit letzterem bei der Behandlung mit EssigsÀure gelöst (§ 1582).

Die BorsĂ€ure muss durch einen directed Versuch als Kaliumborofluorid (§ 1894) bestimmt werden, wenn man nicht, in RĂŒcksicht auf die UmstĂ€ndlichkeit des Verfahrens, die Differenzbestimmung vorzieht.

Borat und Chlorid.

1902* Das Chlorid wird in Gegenwart von Borat in der sauren Lösung, welche so verdĂŒnnt sein muss, dass die BorsĂ€ure gelöst bleibt, durch Silbemitrat bestimmt.

In dem Filtrate kann die BorsĂ€ure bestimmt werden, nachdem der SilberĂŒberschuss durch SalzsĂ€ure entfernt worden ist.

Man kann auch in besonderen Proben das Borat direct imd das Chlorid titrimetrisch durch Alkalisulfocyanid bestinunen.

BorsÀure und Alkalimetalle.

1903. Wenn die Substanz nur ein Alkalimetall enthĂ€lt (z. B. bei der PrĂŒfung des Borax), so kann man dieses bestimmen, indem man die Substanz mit SalzsĂ€ure behandelt, den SĂ€ureĂŒberschuss durch Abdampfen auf dem Wasserbade verjagt und das Chlor im RĂŒckstande bestimmt.

Unter diesen UmstĂ€nden wird das Metall vollstĂ€ndig in Chlorid ĂŒbergenĂŒhrt, welchem BorsĂ€ure beigemischt bleibt.

Noch einfacher kann man das Metall alkalimetrisch bestimmen (siege § 1897 b, Nr. 1).

BorsÀure und Magnesium.

1904. I. Durch Ammoniumphosphat. Die Gegenwart von Bor- sÀure ist der Bestimmung des Magnesiums durch FÀllung als Anamonium- Magnesium-Phosphat nicht hinderlich.

1905. II. Durch Natrimncarbonat. Man verfahrt wie bei der Scheidung von den Metallen der Baryumgruppe (siege § 1907), nur kann

man nicht Ammoniumcarbonat anwenden und dĂŒrfen Ammoniumsalze ĂŒberhaupt nicht vorhanden sein.

BorsÀure und die Metalle der Baryumgruppe.

1906. I. Durch SchwefelsÀure. Das Baryum kann leicht durch FÀllung mittels SchwefelsÀure oder Ammoniumsulfat abgeschieden werden; ebenso können Strontium xmd Calcium durch SchwefelsÀure und Alkohol als Sulfate gefallt werden.

War die FlĂŒssigkeit genĂŒgend verdĂŒnnt, so bleibt die BorsĂ€ure in Lösung.

1907. IL Durch ein Alkalicarbonat. Man fallt die drei Metalle als Carbonate durch im Ueberschuss zugesetztes Ammoniumcarbonat oder auch fixes Alkalicarbonat, oder man schmilzt die Substanz mit Natrium - Kalium - Carbonat und nimmt die Masse mit Wasser auf.

BorsÀure und Calcium 1908* Man kann das Calcium in der salzsauren Lösung der Substanz durch Ammoniumoxalat und Ammoniak föUen.

BorsÀure und andere Metalle.

1909. Alle Metalle, welche als Sulfide fallbar sind, können in dieser Form von der BorsÀure geschieden werden, sowohl in saurer als auch in alkalischer Lösung.

Die Scheidung von der Mehrzahl der Metalle lÀsst sich auch durch Alkalicarbonate, welche auf nassem oder trockenem Wege angewandt werden (§ 1907), bewerkstelligen.

Blei kann durch SchwefelsÀure gefallt werden.

Die Metalle, welche durch Elektrolyse fallbar sind, können durch dieses Mittel auch in Gegenwart von BorsĂ€ure, welche gelöst bleibt, bestimmt werden. Im Allgemeinen ist auch die Gegenwart der BorsĂ€ure einer titrimetrischen Bestimmung der Metalle, welche ĂŒberhaupt titrimetrisch bestimmt werden können, nicht hinderlich.

Capitel XVI.

Vierwerthige Metalloide.

Eigenschaften der Silicide.

1910. Ueber die Natur und Zusammensetzung der Silicide ist. wie ĂŒber die Phosphide (§ 1820), wenig bekannt. Wie diese letzteren findet man sie in manchen technisch wichtigen Legirungen und ganz speciell im Roheisen. Ferrosilicum mit 50 % oder mehr Silicium findet man im Handel.

1*. Mit SalpetersÀure und den anderen oxydirenden Lösungsmitteln behandelt, geben die Silicide, wenn hierdurch angreifbar, Kiesel- sÀure, welche sich auflöst oder in gelatinösem Zustande ausscheidet

2. Mit alkalischen Flussmitteln geschmolzen, bilden sie Alkalisilicat.

3. Fein gepulvert und an der Luft erhitzt, werden sie unter Bildung von Silicat oxydirt.

4*. In einem trockenen Chlorstrome erhitzt, werden sie zersetzt; das Silicium verbindet sich mit dem Chlor zu Siliciumchlorid, SiCl, welches bei gewöhnlicher Temperatur flĂŒssig ist, jedoch schon bei 59 C. siedet und daher von dem Gasstrome fortgefĂŒhrt wird.

Bestimmung der Silicide.

1911* Wenn das Silicium als Metallsilicid vorhanden ist, so wird es als KieselsÀure bestimmt, nachdem es oxydirt worden ist. Die Oxydation kann durch verschiedene Mittel bewirkt werden:

1912* Mittel. Auf nassem Wege. Man lÀsst auf das Silicid ein oxydirendes Lösungsmittel (SalpetersÀure, Königswasser, Salz-

Reines Silicium in elementarem Zustande findet man wohl in Sammlungen chemischer PrĂ€parate; in analytischer Hinsicht hat es wenig Wichtigkeit. Möglicherweise enthalten es auch manche Roheisensorten in ungebundenem Zustande. Ueber Zusammensetzung und Analyse des im elektrischen Ofen fabricirten Siliciums siege B. Neumann: 67/.-Z. 24 (1900), 8Ü9 u. 888.

Silicide. Eigenschaften, Bestimmang, Scheidungsverfahren. 583

sĂ€ure und Kaliumchlorat) einwirken und dampft nach beendeter Zersetzung zur Trockne. Um die entstandene KieselsĂ€ure vollstĂ€ndig unlöslich zu machen, erhitzt man den RĂŒckstand einige Zeit bei 120Âź C. (siege § 1922).

Denselben Zweck erreicht man auch, wenn man zu der Nitrat- lösung SchwefelsÀure setzt und so lange abdampft, bis dicke weisse SchwefelsÀure-Nebel auftreten).

In beiden FĂ€llen nimmt man den RĂŒckstand mit SalzsĂ€ure und Wasser auf, sammelt die KieselsĂ€ure auf einem Filter und wĂ€gt sie nach dem GlĂŒhen.

1912a. Mittel Durch oxydirendes Schmelzen. Das fein vertheilte Silicid wird in einem Platintiegel mit Soda und Salpeter oder Natriumsuperoxyd 2) geschmolzen. Die geschmolzene Masse, welche das Silicium in Form von AlkalisĂŒicat enthĂ€lt, wird wie das Product der Aufschliessung der Silicate behandelt (§ 1925).

1913. Mittel. Durch trockenes Chlor. Man erhitzt die Substanz in einem Strome von trockenem und sauerstoflffreiem Chlor 3) und fangs das Siliciumchlorid, ebenso wie das ĂŒberschĂŒssige Gas, in einer Lösung von ganz reinem Alkalihydrat auf; es bildet sich Alkalisilicat, in welchem man dann die KieselsĂ€ure bestimmt (§ 1922).

Das angewandte Chlor muss vollkommen trocken und frei von Sauerstoff sein; um es ganz von Feuchtigkeit zu befreien, leitet man es entweder ĂŒber PhosphorsĂ€ure -Anhydrid oder besser durch ein Rohr, welches mit scharf ausgeglĂŒhter Holzkohle beschickt ist, wodurch gleichzeitig Sauerstoff in Kohlenoxyd verwandelt wird. Bevor man den Gasstrom zu dem Silicide gelangen lĂ€sst, leitet man ihn einige Minuten nur durch das Kohlenrohr. Ohne diese Vorsicht könnte Silicium in nichtflĂŒchtiges Siliciumdioxyd umgewandelt werden; dasselbe wĂŒrde der Fall sein, wenn nicht vor dem Erhitzen die Luft vollstĂ€ndig aus dem Apparate vertrieben ist.

Dieses Mittel wendet man vorzugsweise an, wenn in dem Silicide Silicate, z. B. im Roheisen Schlacken enthalten sind; letztere werden von dem Chlorgase nicht angegriffen und können in dem RĂŒckstande besonders bestimmt werden (vergl. § 1933).

Scheidungsverfahren.

1914. Alle Scheidungen des Silicid-Siliciums von den Stoffen, welche neben ihm vorhanden sein können, mit Ausnahme der Silicate (vergl. den Schluss des § 1913), geschehen in der Weise, dass das Silicium durch eins der soeben bezeichneten Mittel oxydirt

Drown und Shimer: A. Ziegler: -) C. Ramorino: Mon. sc. de QusnevilU [4] 16 (1902), I, 18. R. Fresenius: Z. anal. Ch. 4 (1865), 72; De Koninck und Ghilain: R. univ. d. M. [2] 2 (1877), 340.

584 Eigenschafteo des Siliciumdioxyds oder KieselsÀure-Aiibydrids.

und das Oxydationsproduct nach den bei den Silicaten angegebenen Verfahren behandelt wird. Die Scheidung eines Silicides von einem Phosphate kann durch trockenes Chlor, wie die Scheidung von einem Silicate (§ 1933), ausgefĂŒhrt werden.

Eigenschaften des Siliciumdioxyds oder KieselsÀure-Anhydrids.

1915. 1. Das Siliciumdioxyd, als KieselsĂ€ure-Anhydrid oft kurzweg KieselsĂ€ure oder wasserfreie KieselsĂ€ure genannt — im Gegensatze zu den KieselsĂ€uren, welche als hydratische oder gelatinöse KieselsĂ€uren bezeichnet werden — tritt in verschiedenen Formen auf. Von ihnen sind nur das natĂŒrliche krystallisirte Anhydrid (Quarz) und das amorphe Anhydrid, welches man durch Trocknen und GlĂŒhen der KieselsĂ€uren erhalt, von Wichtigkeit (siege auch Nr. 4, Tridymit).

In allen seinen verschiedenen Formen ist das KieselsĂ€ure-Anhydrid farblos; es ist vor dem Löthrohre unschmelzbar, in Wasser und in den gewöhnlichen SĂ€uren unlöslich, bei den Temperaturen und UmstĂ€nden, welche im Verlaufe einer Analyse vorkommen, nicht flĂŒchtig).

2*. Mit FlusssÀure oder Ammoniumfluorid behandelt, wird das KieselsÀure- Anhydrid in gasförmiges Siliciumfluorid umgewandelt: Si02 + 4 HFi SiFl + 2 HO.

3. Chlor und gasförmiger Chlorwasserstoff sind ohne Einwirkung auf dasselbe.

4*. Eine concentrirte und siedende Lösung von Natriumcarbonat löst das amorphe KieselsĂ€ure-Anhydrid, wĂ€hrend sie das krystallinische Anhydrid (Quarz) nicht merklich angreift, wenn es nicht ausserordentlich fein gepulvert ist*). Das amorphe, lösliche Anhydrid wird durch GlĂŒhen bei hoher Temperatur in Folge seiner Umwandlung in krystallisirte KieselsĂ€ure (Tridymit) unlöslich.

5. Durch Schmelzen mit einem Alkalicarbonat giebt das Siliciumdioxyd (wie auch die hydratischen KieselsÀuren) Alkalisilicat, welches in Wasser löslich ist und durch SÀuren zersetzt wird (siege § 1916, Nr. 2).

6. Mit wenig Alkalicarbonat an einem Platindrahte erhitzt, giebt KieselsÀure-Anhydrid eine farblose, glasige Perle.

Ueber die FlĂŒchtigkeit der KieselsĂ€ure siege Gramer: Z. angew. Ch. 1882, 484; Moissan: C. r. 116 (1893), 1122; ĂŒber das Schmelzen derselben Ste.-Claire Deville: Ann. de ch. et de phys. [3] 46 (1856), 202.

Vergl. G. Lunge und C. Millberg: Z. angew. Ch. 1897, 393 u. 425.

Rammelsberg: Lettfaden f. d. qttant. ehem. Analyse 4. Aufl. (1886), 128; 5. Aufl. (1897), 281.

Eigenschaften der KieselsÀuren und der in Wasser loslichen Silicate. 585

7. Mit Borax erhÀlt man eine farblose, durchsichtige Perle; dagegen verglast Phosphorsalz das KieselsÀure-Anhydrid nicht: beim Erhitzen mit diesem Reagens bleibt es in der Masse suspendirt.

8. Mit Cobaltonitrat befeuchtet und auf hohe Temperatur erhitzt, giebt Siliciumdioxyd eine hellblaue, unschmelzbare Masse (vergl. § 553, Nr. 15).

Eigenschaften der KieselsÀuren und der in Wasser löslichen

Silicate.

1916* 1. Die einzigen in Wasser löslichen Silicate sind die Alkalisilicate; ihre Lösung hat ausgesprochen alkalische Reaction. 2*. SĂ€uren, besonders SalzsĂ€ure, zersetzen die Alkalisilicate leicht); es bildet sich farblose, gelatinöse, durchscheinende OrthokieselsĂ€ure, welche in Wasser und in SĂ€uren etwas löslich ist. Oft entsteht auf Zusatz von SĂ€ure unmittelbar kein Niederschlag, aber nach einiger Zeit gesteht die FlĂŒssigkeit zu einer gelatinösen Masse: KohlensĂ€ure bewirkt diese Zersetzung ebenfalls:

KSiO + 4 HgO + 4 COj HSiO + 4 KHCO3. 3*. Ammoniumchlorid ruft in den Lösungen der Alkalisilicate einen Niederschlag von KieselsÀure hervor, in Folge der Nichtexistenz von Ammoniumsilicaten :

I Die in dieser Weise gefÀllte KieselsÀure hat ein anderes Aussehen als die durch SÀuren gefÀllte; sie scheidet sich in Form weisser Flocken ab.

4. Ammoniumcarbonat fallt die KieselsĂ€ure ebenfalls fast vollstĂ€ndig aus einer Lösung von Alkalisilicat ; setzt man zu dem von dem KieselsĂ€ure-NiederschlĂ€ge getrennten Filtrate eine ammoniakalische Zinkhydrat-Lösung und kocht dann bis zmn Austreiben des Ammoniaks, so wird der Rest der KieselsĂ€ure in Zinksilicat ĂŒbergenĂŒhrt und als solches mit dem Ueberschusse von Zinkhydrat gefallt.

5. Wird die gelatinöse OrthokieselsĂ€ure bei massiger WĂ€rme oder ĂŒber SchwefelsĂ€ure 2) getrocknet, so geht sie in pulvrige MetakieselsĂ€ure, HgSiOg, ĂŒber:

H4Si04 H2Si08-fH20. Die MetakieselsĂ€ure verliert durch Trocknen bei 100 — llOC. Wasser und bildet eine Tri kieselsaure, HjSiOy, welche in Wasser und in SĂ€uren unlöslich ist:

Siehe L. Doveri: Ann. de eh. et de phys. [3] 21 (1847), 40. R. Meldrum: Ch. N. 78 (1898), 235.

586 Eigenschaften der in Wasser unlöslichen Silicate.

Bei einer noch höheren Temperatur verliert sie die Elemente des Wassers vollstÀndig und giebt amorphes KieselsÀure-Anhydrid.

Wenn man in dieser Weise, durch Trocknen, die gewöhnliche OrthokieselsĂ€ure in TrikieselsĂ€ure oder in Anhydrid umwandelt, so bezeichnet mah, nach einem eingefĂŒhrten Sprachgebrauche, diese Vornahme als „Unlöslichmachen der KieselsĂ€ure**.

6. Silbernitrat ruft in Silicatlösungen, welche von einem Alkalihydrat-Ueberschusse frei sind, einen gelben Niederschlag von Silbersilicat hervor, welcher in Wasser wenig oder gar nicht löslich, in Ammoniak und in SalpetersĂ€ure löslich ist. In sehr verdĂŒnnter Lösung ist der Niederschlag graubraun (basisches Silicat oder Silberoxyd; vergl. § 1893, Nr. 8).

7. Calcium-, Baryumund Magnesium-Salze geben weisse NiederschlÀge, welche in SalzsÀure löslich sind.

8. Alle Salze der schweren Metalle geben mit löslichen Silicaten NiederschlÀge, welche Gemische von KieselsÀure und Hydraten oder Oxyden sind, oder sich wie solche verhalten.

Eigenschaften der in AVasser unlöslichen Silicate.

1917* 1. Von den in Wasser unlöslichen Silicaten werden eine Anzahl durch die gewöhnlichen SÀuren zersetzt (z. B. die meisten Zeolithe), wÀhrend andere (z. B. der Orthoklas) von diesen SÀuren gar nicht oder nur wenig angegriffen werden. Eine bestimmte Grenzscheide zwischen diesen beiden Classen giebt es nicht,

2*. Die durch SĂ€uren zersetzbaren Silicate scheiden, wenn sie fein gepulvert mit SalzsĂ€ure behandelt werden, die KieselsĂ€ure in gelatinöser oder in mehr oder weniger pulvriger Form ab, je nach der Art des Silicates. Verjagt man die SĂ€ure durch Abdampfen und nimmt das eingetrocknete Product mit etwas SalzsĂ€ure und dann mit Wasser auf, so bleibt die KieselsĂ€ure angelöst zurĂŒck (§ 1916, Nr. 5).

Der Zusatz von SalzsÀure bei diesem Aufnehmen ist erforderlich, damit basische Salze, welche sich wÀhrend des Abdampfens unter der Einwirkung von Wasser gebildet haben könnten, gelöst werden.

3. Durch Behandlung mit FlusssÀure werden die Silicate zu

Fluoriden — Metallfluorid und Siliciumfluorid — umgewandelt, und

diese verbinden sich in bestimmten Proportionen zu Silicofluoriden:

Mg.SiO + 8 HFl MgSiFlß + MgFlo + 4 HjO ;

CaSi()3 + 6 HFl CaSiFlg + 3 H2O*';

K2Al2SißOi6 + 32HF1 KSiFlg + AlSigFlg + 2SiFl-f IcaC.

Wird das Product mit SchwefelsÀure behandelt, so erhÀlt man Metallsulfate, und Siliciumfluorid und Fluorwasserstoff entweichen: MgSiFJ + HgSO MgSO + SiFl + 2 HFL

HusssÀure und SchwefelsÀure können durch ein Gemisch von

BestimmuDg des KieselsÀure-Anhydrids. 587

Ammonium Fluorid und SchwefelsÀure, in welchem letztere im Ueberschusse vorhanden ist, ersetzt werden.

Auch Ammonium fluorid allein greift die Silicate an.

4*. Alle Silicate geben, wenn sie mit einem Carbonate der fixed Alkalien (5 — 6 face Menge) in einem Platintiegel geschmolzen werden, eine Masse, welche das Silicium als Alkalisilicat enthĂ€lt. Nimmt man diese Masse mit siedendem Wasser auf, so wird das Silicat gelöst, und man erhĂ€lt einen RĂŒckstand, welcher fast alle anderen Metalle als Oxyde oder als Carbonate enthĂ€lt:

Nimmt man die Masse mit einer SÀure auf und behandelt sie dann, wie in Nr. 2 angegeben ist, so erhÀlt man schliesslich KieselsÀure- Anhydrid.

5. Durch Schmelzen mit basischem Wismuthnitrat werden die Silicate durch das Wismuthoxyd, welches als Product der Zersetzung des Nitrates entsteht, in basische Silicate umgewandelt. Behandelt man die geschmolzene Masse mit concentrirter SalzsĂ€ure, so entsteht eine Lösung, welche nach Abdampfen und Aufnehmen mit derselben SĂ€ure die KieselsĂ€ure als RĂŒckstand hinterlĂ€sst. Bleioxyd, Kalk und Baryt sowie die entsprechenden Carbonate wirken in gleicher Weise.

6*. Durch Erhitzen mit einer Phosphors alz -Perle werden die Silicate zersetzt. Das entstandene KieselsĂ€ure -Anhydrid schwimmt in der Perle imd beftĂ€lt mehr oder weniger die Form des dem Versuche unterworfenen BruchstĂŒckes von Silicat (Kieselskelett).

Von Borax werden die Silicate vollstÀndig gelöst (§ 1915, Nr. 7).

Bestimmung des KieselsÀure-Anhydrids.

1918. I. Durch Auflösen der fremden Stoffe. Wenn Kiesel- sĂ€ure-Anhydrid (Quarz oder amorphes Anhydrid) nur von in Wasser oder in SĂ€uren löslichen Substanzen begleitet ist, so behandelt man die zu analysirende Substanz mit einem den VerhĂ€ltnissen angepassten Lösungsmittel (Wasser, SalzsĂ€ure oder SchwefelsĂ€ure), sammelt den RĂŒckstand auf einem Filter und wĂ€gt ihn nach dem GlĂŒhen).

Enthielt die zu analysirende Substanz Quarz, so sind beim GlĂŒhen keine weiteren Vorsichtsmaassnahmen erforderlich; kĂŒnstlich dargestelltes Anhydrid ist in Folge seiner sehr feinen Vertheilung leicht beweglich und es können schon durch die Luftbewegung, welche durch das Veraschen des Filters bewirkt wird, in Folge von VerstĂ€ubung Verluste eintreten. Man beugt dem am besten vor, wenn man den noch etwas

Bei der Analyse von Erzen und technischen Producten behandelt man oft die Substanz entweder mit Wasser, wenn ihr Hauptbestandtheil darin loslich ist (Glaubersalz, Steinsalz etc.), oder mit SalzsĂ€ure oder Königswasser (Eisenerze, Blenden etc.); den RĂŒckstand, welcher gewöhnlich aus KieselsĂ€ure und aus Silicaten besteht, bezeichnet man dann bei der Protokollirung des Analysenresultates als „un- löslichen RĂŒckstand".

feuchten Niederschlag mit dem Filter in den Tiegel bringt imd letzteres durch allmĂ€hlich gesteigerte Temperatur ganz langsam verascht; auch thut man gut, den Tiegel bedeckt zu halten: so viel Luft, ab zum Verbrennen der Filterkohle erforderlich ist, findet durch die Fuge zwischen Tiegel und Deckel stets Zutritt Femer muss das geglĂŒhte Silidumdioxyd schnell und in bedecktem Tiegel gewogen werden, weil es, wohl in Folge seiner PorositĂ€t, sehr schnell Feuchtigkeit aus der Luft anzieht

1919 U. Durch GlĂ€hen oder Veraschen. Wenn das Kiesel- sĂ€ure-Anhydrid nur mit flĂŒchtigen oder verbrennlichen Stoffen (Ammoniumsalzen, Kohle u. s. w.) gemischt ist, so kann man diese durch GlĂŒhen bei Luftzutritt — event. im Chlor-oder SalzsĂ€urestrom — entfernen und den zurĂŒckgebliebenen RĂŒckstand direct wĂ€gen.

1920 in. Durch Auftchliessen. In den wenigen FÀllen, in welchen veins der soeben bezeichneten Verfahren anwendbar ist, muss man die Substanz durch Schmelzen mit einem alkalischen Flussmittel aufschliesseD. Man verfahrt genau wie bei der Analyse eines durch SÀuren nicht zersetzbaren Silicates (§§ 1925 u. 1926).

1921. Um in Silicaten den Gehalt an KieselsĂ€ure zu bestimmen, giebt es in Wirklichkeit nur ein Verfahren: es besteht darin, dass man das Silicat durch eine SĂ€ure zersetzt, die entstandene, mehr oder weniger lösliche KieselsĂ€ure in in SĂ€uren unlösliches KieselsĂ€ure-Anhydrid ĂŒber- fĂŒhrt, dieses Anhydrid auf einem Filter sammelt, glĂŒht und wĂ€gt.

Wenn wir dennoch mehrere Verfahren unterscheiden, so beziehen sich diese doch nur auf die verschiedenen Mittel, durch welche die Zersetzung der Silicate bewirkt werden kann und deren Wahl von der Natur des zu analysirenden Silicates und von den in ihm zu bestimmenden Stoffen abhÀngig ist

Nur das letzte der in den folgenden Paragraphen beschriebenen Verfahren (§ 1929a) unterscheidet sich sowohl hinsichtlich des zur Zersetzung benutzten Apparates als auch der schliesslichen Bestimmimgsform der KieselsÀure von den anderen.

1922. L Durch SalzsĂ€ure oder SalpetersĂ€ure. Die von Salz- sĂ€ure leicht und vollstĂ€ndig angreifbaren Silicate ( Alkalisilicate , sehr basische oder stark hydratisirte Silicate) behandelt man mit dieser SĂ€ure, bis man beim UmrĂŒhren keine harten Körnchen mehr spĂŒrt; man erhĂ€lt hierdurch, je nach der Natur des Silicates, mehr oder weniger lösb'che und mehr oder weniger flockige KieselsĂ€ure.

lieber Silicat- Analyse siege W. F. Hildebrand: Prakt. Anleitunf dr Analyse der Silikatgesteine nach den Methoden der geolog. LandesanstaU der Verein. Staaten (Leipzig 1899), femer A. Granger: Re7\ gvn. de Ch. p.etappl. 92.

A. Durch WaguDg. 589

Die FlĂŒssigkeit wird auf einem Wasserbade verdampft, am besten in einer Platinschale, wenn die Substanz nicht Nitrate oder andere Stoffe (z. B. Manganate) enthĂ€lt, welche unter der Einwirkung von SalzsĂ€ure Chlor geben, welches den Apparat angreifen wĂŒrde.

Den AbdampfrĂŒckstand erhitzt man auf 120 — 130), um die Kiesel- sĂ€ure vollstĂ€ndig unlöslich zu machen, und durchfeuchtet ihn dann mit concentrirter SalzsĂ€ure, um die basischen Salze (von Aluminium, Eisen, Magnesium etc.), welche sich beim Eindampfen gebildet haben, wieder zu lösen. Schliesslich behandelt man die Masse mit warmed Wasser, wĂ€ die KieselsĂ€ure zunĂ€ mit schwach salzsaurem Wasser, wenn andere Metalle als die der Alkalien und der alkalischen Erden — besonders Eisen und AlunĂŒnium — vorhanden sind, spĂ€ter mit reinem Wasser aus, bringt alle KieselsĂ€ure auf das Filter und wĂ€gt sie, nachdem sie unter den in § 1918 angegebenen Vorsichtsmaassregeln geglĂŒht worden ist.

Es ist anzurathen, die KieselsĂ€ure, bevor man sie auf das FĂŒter bringt, nicht zu lange mit dem Wasser in BerĂŒhrung zu lassen-). FĂŒtriren und Auswaschen erleichtert man sich sehr, wenn man anfangs einigemal decantirt. Kleine Mengen der KieselsĂ€ure bleiben an der Wandung der Schale leicht haften; man muss darauf achten, dass dieselbe mit einer Federfahne oder einem Glasstabe mit Gummikappe sorgfaltig ausgerieben wird.

Es ist eine alte Beobachtung, dass mehr oder weniger grosse Mengen (0,5 — 2/q) KieselsĂ€ure in der sauren FlĂŒssigkeit gelöst bleiben. Man gewinnt sie, indem man das Filtrat zur Trockne dampft und den RĂŒckstand, wie vorher angegeben ist, behandelt 3) (siege auch § 1949).

Um sich von der Reinheit der erhaltenen KieselsĂ€ure zu ĂŒberzeugen, behandelt man sie in einem PlatingefĂ€sse mit FlusssĂ€ure oder mit Ammoniumfluorid; nach dem Abdampfen darf kein RĂŒckstand bleiben.

Nur ganz ausnahmsweise, etwa in Gegenwart von grösseren Mengen Blei, hat man Veranlassung, zur Zersetzung der Silicate SalpetersÀure statt SalzsÀure anzuwenden.

Statt die KieselsĂ€ure durch Trockendampfen der sauren FlĂŒssigkeit

Es ist, namentlich in Gegenwart grösserer Mengen von Chloriden, nicht anzurathen, erheblich stĂ€rker zn erhitzen, weil die ausgeschiedene KieselsĂ€ure die Salze unter RĂŒckbildung von Silicat zersetzen könnte, z. B.:

HSiO -J- 2 CaCl, CaSiO + 4 HCl. Man wird daher bei zu starkem Erhitzen einen von Neuem oder stÀrker auftretenden Geruch von SalzsÀure bemerken.

Nach Dudley wird die KieselsÀure bei lÀngerem Digeriren mit angesÀuertem Wasser wieder löslich; Allen P. Ford (/. anal, and appl. Ch, 7 (1893), 277) bestreitet das. Ob das Eine oder das Andere zutrifft, hÀngt wahrscheinlich von den Versuchsbedingungen ab, namentlich von dem Grade der EntwÀsserung der Kiesel- sÀure und vielleicht von der Natur der SÀure und sonst gegenwÀtiger Substanzen.

Ueber die Löslichkeit unter diesen und Àhnlichen UmstÀnden vergl. Bunsen: Ann. 61 (1847), 265; Ludwig: Z. anal. Ch. 9 (1870), 321; Meineke: Rep. anal. Ch. 7 (1887), 214; Jannasch und Heidenreich: Z. anorg. Ch. 12 (1896), 214.

unlöslich zu machen, kann man auch, und vielleicht ist das sogar besser, dieser FlĂŒssigkeit SchwefelsĂ€ure im Ueberschuss zusetzen, dann auf dem Wasserbade abdampfen und schliesslich so stark erhitzen, bis die Schwefel- sĂ€ure unter Ausstossung weisser DĂ€mpfe anfangt sich zu verflĂŒchtigen: man lĂ€sst dann erkalten und nimmt mit reinem oder durch Salzsaure angesĂ€uertem Wasser auf).

1923* II. Durch SohwefelsĂ€ure. Das zu sehr feinem Pulver zerriebene Silicat wird auf dem Boden einer Platinschale ausgebreitet und mit im Ueberschuss vorhandener, schwach verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure (2 Vol. SĂ€ure : 1 Vol. Wasser) angerĂŒhrt; man bedeckt nun die Schale nĂŒt einem Platindeckel, oder zur Noth auch mit einem Uhrglase, und erhitzt auf einem Sandbade oder auf einem Asbestteller, oder in einem Luftbade so stark, dass die SĂ€ure eben beginnt, sich zu verflĂŒchtigen. Diese Temperatur behĂ€lt man bis zur vollstĂ€ndigen Zersetzung des Silicates, welche oft 24 Stunden und selbst lĂ€nger dauert, bei.

Zum ĂŒsse dampft man zur Trockne und nimmt mit SalzsĂ€ure und Wasser auf, kurz, man verfahrt, wie im vorigen Paragraphen angegeben ist.

Dieses Verfahren findet ganz besonders bei der Analyse der Thone Anwendung. Dieselben stellen Gemische hauntsĂ€chlich von Thonsubstanz, Quarz, Feldspat und Glimmer dar. Nur die Thonsubstanz wird von der SchwefelsĂ€ure zersetzt. Der „unlösliche RĂŒckstand** enthĂ€lt daher ausser der durch die Zersetzung ausgeschiedenen KieselsĂ€ure auch die drei anderen Mineralien, hauntsĂ€chlich Quarz.

1924. III. Durch SĂ€uren in einem EinsohluBsrohre Manche unter gewöhnlichen UmstĂ€nden durch SĂ€uren gar nicht oder sehr unvollstĂ€ndig angreifbare Silicate werden durch dieselben SĂ€uren bei hoher Temperatur vollstĂ€ndig zersetzt. Eine ĂŒber dem Siedepunkte der SĂ€uren liegende Temperatur erzielt man durch Benutzung eines zugeschmolzenen Rohres (Einschlussrohr). Zu dem Zwecke schmilzt man das eine Ende einer 10 bis 12 mm weiten, dickwandigen Glasröhre zu, bringt das sehr fein geriebene Silicat und concentrirte SalzsĂ€ure (25Âź/oHCn oder schwach verdĂŒnnte SchwefelsĂ€ure (3:1) hinein, schmilzt auch das andere Ende des Rohres zu und erhitzt in einem fĂŒr diese Zwecke besonders construirten Ofen auf 200 bis 220Âź C. (siege § 39).

Nach erfolgter Zersetzung lÀsst man erkalten, öffnet das Rohr und behandelt den Inhalt in der bei den vorhergehend beschriebenen Verfahren (§§ 1922 u. 1923) angegebenen Weise.

1925. IV. Durch Au&chliessen mittels eines Alkalicarbonfttes. Das sehr fein gepulverte) Mineral wird in einem. Platin tiegel mit

Siehe L. Schneider: Oest. Z. f. B,- u. H.-W. 41 (1893), 365. ') A. Mitscherlich:/. prakt. Ck. 81 (1860), 108 u. 88 (1861), 455. ADfÀDgem gelingt eine vollstÀndige Aufschliessung oft deshalb nicht, weil sie zu wenig Werth auf sehr feine Pulverung legen.

A. Durch WĂ€guDg.

der 4-bis 8 fachen Gewichtsmenge trockenen Natriumcarbonates oder Natriumkaliumcarbonates 1) innig gemischt.

An Stelle von neutralem Natriumcarbonat kann man auch das Bicarbonat verwenden), welches gepulvert und sehr rein kÀuflich zu haben ist; die Menge des Schmelzmittels muss man dann im VerhÀltniss von 5 Th. Bicarbonat zu 3 Th. neutralem Carbonat grösser anwenden.

GleichgĂŒltig, welches Schmelzmittel man gewĂ€hlt hat, inner erhitzt man langsam und allmĂ€hlich stĂ€rker im bedeckten Tiegel, bis vollkommene Schmelzung erfolgt ist, und erhĂ€lt diese, bis jede Gasentwickelung aufgehört hat. Die zum voUstĂ€ndigenSchmelzen genĂŒgende, hohe Temperatur kann man durch verschiedene Gaslampen mehr oder weniger neuer Construction (MĂ€ste, Teclu) oder auch durch eine GeblĂ€selampe erzielen.

Das Schmelzmittel ist in um so grösseren MengenverhÀltnissen anzuwenden, je schwerer schmelzbar das aufzuschliessende Silicat ist.

Die geschmolzene Masse entfernt man aus dem Tiegel, entweder indem man diesen durch Aufstellen auf eine kate Platte schnell ab- kĂŒhlt und durch lenses DrĂŒcken den Schmelzkuchen von der Tiegelwand ablöst, oder mit Hilfe der nebenstehend (Fig. 232) abgebildeten Vorrichtung (vergl. § 68), und behandelt sie in einer Schale aus gutem Porzellan, oder besser aus Platin, mit heissem Wasser, bis sie vollkommen zerfallen ist.

Fig. 282.

NatriumkaliumcarboDat ist ein sehr inniges Gemisch von Natriumcarbonat und Kaliumcarbonat im VerhĂ€ltnisse ihrer MolekĂŒlgewichte, d. h., in abgerundeten Zahlen, von 10 Th. des ersteren auf 13 Th. des letzteren; es ist erheblich leichter schmelzbar als das Natriumcarbonat (Schmelzpunkt 1098 C). Kaliumcarbonat allein wendet man nicht an, weil es so hygroskopisch ist, dass es nach lĂ€ngerem Stehen an der Luft .zerfliesst.

-) Holthof: Z. anaL Ch. 23 (1884), 499; C. Meineke: Rep, anal, Ch. 7 (1887), 214.

Erst jetzt 1) fĂŒgt man SalzsĂ€ure in geringem Ueberschusse hindu. Kleine Theilchen, welche am Tiegel hĂ€ngen geblieben oder wĂ€hrend des Schmelzens an den Tiegeldeckel geschleudert sind, spritzt man mit schwach durch SalzsĂ€ure angesĂ€uertem Wasser in die Schale, welche die Hauptmenge enthĂ€lt.

Den Schaleninhalt dampft man auf einem Wasserbade zur Trockne, um die KieselsĂ€ure, wie bei dem ersten Verfahren (§ 1922), abzuscheiden. Was dort ĂŒber die Löslichkeit der KieselsĂ€ure und ĂŒber ihre PrĂŒfung auf Reinheit gesagt ist, gilt auch fĂŒr das in Rede stehende Verfahren 2).

In Gegenwart von Baryumsulfat und in Ă€hnlichen FĂ€llen kann es erforderlich sein, die geschmolzene Masse durch Erhitzen mit sĂ€urefreiem Wasser zum Zerfallen zu bringen, die unlöslichen Stofife, welche alles als Carbonat enthalten, abzufiltriren und mit einer heissen Lösung von Natriumcarbonat auszuwaschen, damit sich das durch das Schmelzen zersetzte, in SĂ€uren unlösliche Baryumsulfat nicht zurĂŒckbildet und der KieselsĂ€ure beigesellt. Ein Theil der KieselsĂ€ure geht in das Filtrat ĂŒber und wird durch Trockendampfen nach AnsĂ€uern mit SalzsĂ€ure abgeschieden; ein anderer Theil ist aber bei den in Wasser unlöslichen Stoffen (Thonerde, Ferrioxyd etc., Carbonate der alkalischen Erden etc.) verblieben. Diesen Theil gewinnt inan, indem man die angelösten Stoffe schliesslich mit reinem Wasser vollstĂ€ndig von Alkali-Carbonat und -Sulfat befreit, nach Veraschen des Filters mit SalzsĂ€ure behandelt und zur vollstĂ€ndigen Abscheidung der KieselsĂ€ure zur Trockne dampft.

Bemerkung. Wenn man eine Substanz durch Alkalicarbonate aufgeschlossen hat, so findet man in der FlĂŒssigkeit, welche man durch Behandeln der geschmolzenen Masse mit Wasser oder mit irgend einer einfachen SĂ€ure erhalten hat, in der Regel etwas Platin gelöst (§ 69, BAL S. 68), auf welches bei der weiteren Behandlung RĂŒcksicht genonmien werden muss und welches aus der sauren FlĂŒssigkeit durch Einleiten von Schwefelwasserstoff, am besten in der WĂ€rme, ausgeschieden werden kann.

Das Product der Aufschliessung manganhaltiger Substanzen enthĂ€ t immer Manganat, erkennbar an der grĂŒnen Farbe der Masse; man darf diese, solange sie mit dem Platintiegel in BerĂŒhrung steht, nicht mit

Setzt man die SalzsĂ€ure vor vollstĂ€ndigem Zerfallen des Schmelzknchens durch Einwirkung von reinem Wasser hindu, so kann es vorkommen, dass ausgeschiedene KieselsĂ€ure grobe StĂŒcke der Masse dicht umhĂŒllt und vor der Einwirkung der SĂ€ure schĂŒtzt. Es ist anzurathen, die in SĂ€ure angelösten Partikel durch einen breitgeschmolzenen Glasstab zu zerdrĂŒcken, und die Masse wiederholt in dieser Weise zu behandeln, bis sich keine erneute Entwickelung von KohlensĂ€ure bemerkbar macht.

Ganz besonders ist auch das in den Fussnoten zu § 1922 Bemerkte zu beachten.

A. Durch WĂ€guog. 503

SalzsĂ€ure behandeln, weil dieselbe Veranlassung zum Auftreten von Chlor geben wĂŒrde.

1926. V. Durch Auftchliessung mittels Verbindungen der alkalischen Erden. Wenn in einem Silicate die Alkalimetalle bestimmt werden sollen, ist die Anwendung von Alkalisalz-Schmelzmittehi zum AufschlĂŒsse selbstverstĂ€ndlich ausgeschlossen.

Einen Ersatz fĂŒr dieselben hat man frĂŒher in den alkalischen Erden und in manchen ihrer Verbindungen gesucht i), im Kalk und Baryt, in den Carbonaten des Calciums und Baryums, im Baryumnitrat, in den entsprechenden Chloriden u. s. w. Aber alle auf der Anwendung der genannten und Ă€hnlicher Verbindungen beruhenden Verfahren haben nicht vermocht, sich dauernden Eingang in die analytische Praxis zu erwerben. Wir beschrĂ€nken uns daher auf ihre ErwĂ€hung.

Dem gleichen Zwecke dienen die folgenden Verfahren:

1927. VI. Durch basisches Wismuthnitrat 2). Man mischt das Silicat innig mit der 10 fachen Gewichtsmenge basischen Wismuthnitrats ( Wismuthsubnitrat) und bringt das Gemisch in einen Platintiegel. Man erhitzt, allmĂ€hlich die Temperatur steigernd, zunĂ€ ĂŒber einem gewöhnlichen Brenner, bis keine nitrogen DĂ€mpfe mehr entweichen, d. h. bis zur vollstĂ€ndigen Zersetzung des Nitrates, dann ĂŒber einer intensive wirkenden I.ampe bis die Masse vollstĂ€ndig geschmolzen ist. So erhĂ€lt man sie noch 15 bis 20 Minuten und giesst das Product in eine grosse Platinschale (10 bis 12 cm Durchmesser), welche auf kaltem Wasser schwimmt; durch die schnelle AbkĂŒhung zerfallt die Masse in StĂŒcke.

Die an der Tiegelwandung haften gebliebenen Reste entfernt man, indem man den Tiegel mit SalzsĂ€ure mittlerer Concentration fĂŒllt und massig erwĂ€rmt; die Lösung giesst man in eine Schale und reinigt den Tiegel vollends durch frische SĂ€ure. Schliesslich bringt man in diese Lösung die in die Platinschale gegossene, zu StĂŒcken zerfallene Schmelze.

Die Bestimmung der KieselsĂ€ure wird dann wie nach der Aufschliessung durch Alkalicarbonate zu Ende gefĂŒhrt, mit dem einzigen Unterschiede, dass man ausschliesslich mit SalzsĂ€ure arbeitet und auch die KieselsĂ€ure mit verdĂŒnnter SalzsĂ€ure vollstĂ€ndig auswĂ€, da durch reines Wasser Wismuthoxychlorid gefallt werden wĂŒrde.

1928 VIL Durch Bleioxyd Man schmilzt das Silicat mit

M Rose-FiDkener: Handb. d. anal. Ch., IL, 655.

Man zieht das basische Nitrat dem Oxyde vor, weil es leichter rein zu haben ist, uud weil die nitrogen Gase and der Sauerstoff, welche es beim Erhitzen abgiebt, eine Reduction zu Metall, welches den Tiegel angreifen wĂŒrde, hinder.

Man acute sorgfÀltig darauf, dass die zu benutzende Lampe eine stark oxydirende Flamme giebt (s. Bd. I, § 69, S. 67,ff.).

G. Bong: Bull. Soc. ch. [2] 29 (1878), 50; vergL auch P. Jannasch: Z. anorg. Ch. 8 (1895), 364; A. Ledere: C. r. 125 (1897), 893.

De Koninck - Mcinekc, Mineralanal>-sc. II. 88

594 Bestimmung der Silicate. B. Durch Colorimetrie.

Mennige) und nimmt die Masse mit SalpetersÀure auf. Die weiteren Operationen sind dieselben wie bei den vorhergehenden Verfahren.

Das Verfahren steht dem vorigen entschieden nach.

1929. VIU. Durch BorsĂ€ure). Man mischt das Silicat mit der 5-bis 6 fachen Menge entwĂ€sserter BorsĂ€ure, erhitzt zum Schmelzen und erhĂ€lt die Masse 15 bis 20 Minuten in diesem Zustande. Das Product wird mit Wasser aufgenommen und nach Zusatz von SalzsĂ€ure und Methylalkohol zur Trockne verdampft. Die BorsĂ€ure wird hierdurch in Form von BorsĂ€uremethylĂ€ther entfernt; die Bestimmung der Kiesel- sĂ€ure ist dieselbe wie bei den vorigen Verfahren. Es gelingt durch dieses Mittel, auch Ă€usserst schwer zersetzbare Silicate aufzuschliessen, wenn man nur die Temperatur beim Schmelzen genĂŒgend hoch steigert Um so hohe Temperaturen zu erzielen, dass unter allen UmstĂ€nden vollstĂ€ndige Aufschliessung erfolgt, ist die Anwendung eines Leuchtgas- Sauerstoff-GeblĂ€ses empfohlen worden'). —

1929a IX. Durch FlUBSsĂ€ure). Zu diesem Verfahren, dessen AusfĂŒhrung nicht ganz einfach ist, hat man einen besonderen Platinapparat nöthig. Es ist nicht praktisch; wir geben es auch nur im Princip an, welches von Interesse ist.

Das Silicat wird in einer tubulirten Platinretorte mit FlusssĂ€ure und SchwefelsĂ€ure behandelt; das Siliciumfluorid wird durch einen Wasserstoflfstrom in eine Vorlage ĂŒbergetrieben, welche Ammoniak enthĂ€lt. In dieser bildet sich Ammoniumfluorid und KieselsĂ€ure (vergl. § 1581, Nr. 6); dampft man ab, so tritt nach einiger Zeit wieder Lösung ein, und setzt man nun Kaliumchlorid hindu, so erhĂ€lt man einen Niederschlag von Kaliumsilicofluorid, welches man sanmielt und wĂ€gt.

B. Duroh Colorimetrie.

1930* Beim Behandeln einer salpetersauren KieselsÀure-Lösung mit Kaliummolybdat erhÀlt man eine gelbe FÀrbung, welche zur colorinietrischen Bestimmung der in WÀstern vorhandenen Spuren Kiesel- sÀure benutzt werden kann).

Man zieht die Mennige dem Bleioxyd oder der GlÀtte aus demselben Grunde vor, ans welchem man das Wismuthnitrat dem Wismuthoxyde vorzieht, d. h. um einer Reduction zu Metall vorzubeugen.

Dieses Mittel ist schon von Hu mphry Davy(/%t7. TVanj. 1805,231; Ann. de 294) angegeben und neuerdings von P. Jannasch xmd O. Heidenreich (Z. anorg. Ch. 12 (1896), 208, siege auch B, 28 (1895), 22) wieder aufgenommen worden.

3) P. Jannasch und H. Weber: B, 82 (1899), 1670.

N. Story-Maskelyne: Proc. of the Royal Soc, 18 (1869), 147; Z, anal Ch. 9 (1870), 380.

A. J olles und F. Neurath: Z. angew. Ch. 1898, 315; R. Salvador! und G. Pellini: Gazz. ch. HaL 30 (1900), I, 191,

KieselsÀure- Anhydrid. Scheidangsverfahren. 595

Scheidungsverfahren.

KĂŒnstliches KieselsĂ€ure-Anhydrid oder KieselsĂ€ure

und Quarz.

1931* Durch Alkalioarbonat Die Scheidung beruht auf der Unlöslichkeit des Quarzes in einer heissen Lösung von Natriumcarbonat und der Löslichkeit der anderen bezeichneten Verbindungen in demselben Reagens.

Nach Ă€lteren Angaben erhitzt man das Gemisch in einer Platinschale, oder zur Noth in einer Schale aus widerstandsfĂ€higem Porzellan, mit einer heissen, ziemlich concentrirten Lösung von Natriumcarbonat zum Sieden, bis an der OberflĂ€che der FlĂŒssigkeit ein HĂ€utchen von auskrystallisirendem Carbonat sich zeigt, verdĂŒnnt dann mit heissem Wasser, filtrirt und wĂ€ mit einer etwas verdĂŒnnten heissen Carbonatlösung, möglichst durch Decantiren, aus.

Lunge und Millberg fanden jedoch, dass sehr fein vertheilter Quarz bei andauerndem Erhitzen mit einer concentrirten Lösung von Natriumcarbonat merklich angegriffen wird, dagegen unangegrififen bleibt, wenn man dieses Reagens in öiger Lösung anwendet und das zu imtersuchende Gemisch damit nicht lÀnger als Stunde erwÀrmt.

Der angelöst zurĂŒckgebliebene Quarz wird, nachdem er mit heissem, reinem Wasser vollstĂ€ndig ausgewaschen ist, geglĂŒht und gewogen.

Die in Lösung gegangene KieselsĂ€ure kann man in dem Filtrate, nachdem dasselbe angesĂ€uert ist, durch Abdampfen bestimmen (§ 1922). Hatte man das von nichtflĂŒchtigen Substanzen freie Gemisch aus Quarz und amorphem Anhydrid vorher gewogen, so erhĂ€lt man ein im Allgemeinen genaueres Resultat aus der Differenz, wenn man in einer besonderen Probe die Menge flĂŒchtiger Substanzen aus dem GlĂŒhverluste bestimmt. Wir verstehen unter flĂŒchtigen Substanzen hauntsĂ€chlich Wasser, weil dieses durch einfaches Trocknen bei 100 bis 120Âź nicht vollstĂ€ndig entfernt werden kann, selbst wenn es nicht chemisch gebunden war.

Dieses Verfahren 2) ist von grosser Wichtigkeit fĂŒr lithologische Untersuchungen und fĂŒr die Beurtheilung von feuerfesten Materialien und kommt ganz besonders zur Anwendung bei der Scheidung von

Silicaten und Quarz.

1932. Je nachdem das Silicat durch SalzsÀure oder durch SchwefelsÀure zersetzbar ist, behandelt man das zu analysirende Gemisch

G. Lunge: Z. angew, Ch. 1895, 593 u. 689; G. Lunge und Schochor- Tscherny: das. 1894, 485; W. Michaelis: Ch.-Z. 19 (1895), 1422; G. Lunge und C. Millberg: Z. angew. Ch. 1897, 393 u. 425; Meineke: Rep. anal. Ch. 7 (1887), 216; J. A. Koerner: Beitrag zur Kenntnis der ElsÀsser Tone, Inaug.- Dissert. (Strassburg 1900), S.35f.

Ein anderes — auch vom Autor fĂŒr die Trennung von Silicaten und Quarz erprobtes — Verfahren, bestehend in kurzer Behandlung der Substanz mit Oybligtr HFl auf kochendem Wasserbad, siege bei J. A. Koerner: 1. cit., S. 36 fF.

mit der einen oder der anderen SĂ€ure bis zur vollstĂ€ndigen Zersetzung des Silicates (§§ 1922 u. 1923). Der angelöst bleibende RĂŒckstand besteht aus der aus dem Silicate ausgeschiedenen KieselsĂ€ure und aus Quarz; daneben enthĂ€lt er aber auch Wasser sei es in gebundenem Zustande, sei es mechanisch anhaftend, und bisweilen auch kohlige Stoffe. Man sammelt ihn auf einem tarirten Filter, wĂ€ ihn mit Wasser aus und trocknet bei 100Âź. Einen aliquoten Theil glĂŒht man; durch WĂ€gung des Productes erfĂ€hrt man die Menge von amorphem Anhydrid und Quarz, welche in dem RĂŒckstande enthalten war; einen anderen aliquoten Theil behandelt man, wie im vorigen Paragraphen angegeben ist, mit Natrixmicarbonat, glĂŒht und wĂ€gt. Dieses Product entspricht der Menge des Quarzes. Das KieselsĂ€ure-Anhydrid des Silicates erhĂ€lt man aus der Differenz.

Will man statt eines tarirten Filters ein gewöhnliches Filter anwenden, so kann man praktisch in folgender Weise verfahren*): Man lĂ€sst den RĂŒckstand mit dem Filter, nachdem das Ganze vorlĂ€ufig getrocknet worden war, einige Stunden an der Luft stehen, bis man annehmen kann, dass der RĂŒckstand keine Luftfeuchtigkeit mehr aufnimmt. Der grösste Theil des RĂŒckstandes lĂ€sst sich nun bequem, und ohne dass eine Aenderung seines Gewichtes zu befĂŒrchten ist, aus dem I'ilter entfernen; der Rest betrĂ€gt selten mehr als 50 — CO mgr, oft kaum 30 mgr. Nachdem das Gewicht der Hauptmenge des RĂŒckstandes bestimmt ist, theilt man sie in zwei annĂ€hernd gleiche, genau gewogene Theile, von denen der eine (a) geglĂŒht, der andere (b) zur Auskochung mit Natriumcarbonat benutzt wird. Aus dem Gewichte des geglĂŒhten Theiles a lĂ€sst sich nun b wasserfrei berechnen, und da man durch GlĂŒhen und Veraschen des Filters den an diesem haften gebliebenen Theil (c) wasserfrei erhĂ€lt, ist vomit die ganze Menge wasserfreien RĂŒckstandes durch die VerhĂ€ltnisszahlen a:b: c:(a + b-|-c) in lufttrockenem wie in wasserfreiem Zustande sehr genau gegeben.

Sind in der zu analysirenden Substanz mehrere Arten von Silicaten vorhanden, von welchen ein Theil schon durch SalzsĂ€ure, ein anderer aber erst durch die energischer angreifende SchwefelsĂ€ure zersetzbar ist. so behandelt man zunĂ€ mit SalzsĂ€ure (§ 1922), Der angelöst bleibende RĂŒckstand besteht aus der KieselsĂ€ure, welche von dem durch SalzsĂ€ure zersetzbaren Silicate stanunt, ferner aus dem durcli SalzsĂ€ure nicht zersetzbaren Silicate und aus Quarz. Man behandelt ihn zunĂ€ genau so, wie vorstehend angegeben ist, durch GlĂŒhen und mit Natriumcarbonat. Von dem in letzterem Reagens unlöslichen RĂŒckstande glĂŒht man jedoch nur einen aliquoten Theil und erfahrt durch WĂ€gen des Productes einerseits die Menge von durch die SalzsĂ€ure nicht zersetztem (entwĂ€ssertem) Silicat + Quarz, andererseits

aus der Differenz die Menge des aus der ursprĂŒnglichen Substanz durch die SalzsĂ€ure abgeschiedenen KieselsĂ€ure-Anhydrids. Einen anderen aliquoten Theil des in Natriumcarbonat unlöslichen RĂŒckstandes verwendet man zur Zersetzung durch SchwefelsĂ€ure, und man erhĂ€lt nun einerseits das Anhydrid aus dem durch SchwefelsĂ€ure zersetzten Silicate, andererseits den Quarz.

Man hat also jetzt die KieselsĂ€uren der drei verschiedenen Arten der in der ursprĂŒnglichen Substanz vorhandenen Siliciumverbindungen, (leren Scheidung die Aufgabe war.

Hat man die von den Behandlungen mit SalzsÀure und mit Schwefel- sÀure stammenden Filtrate getrennt aufgefangen, so lassen sich in ihnen die zu jeder der beiden Arten von Silicaten gehörigen Metalle bestimmen.

EnthĂ€lt die zu analysirende Substanz neben dem Quarz Silicate, welche unter gewöhnlichen UmstĂ€nden weder von SalzsĂ€ure noch von SchwefelsĂ€ure zersetzt werden (z. B. die meisten Feldspate, Glimmer etc.), so behandelt man sie im Einschlussrohr mit SalzsĂ€ure oder Schwefel- sĂ€ure (§ 1924). Der Quarz wird auch unter diesen UmstĂ€nden nicht angegriffen, wĂ€hrend das Silicat zersetzt wird. Die Abscheidung der SilicatkieselsĂ€ure geschieht in der bekannten Weise. Durch Behandeln des RĂŒckstandes mit Natriumcarbonat etc. erhĂ€lt man den Quarz.

Eine einfache Ueberlegung zeigt den Weg, welchen man bei einer Analyse einzuschlagen hat, wenn die drei besprochenen Arten von Silicaten mit Quarz gemischt vorliegen.

1933* I. Duroh trockenes Chlor. Man findet beide Arten von Verbindungen zusammen in Eisensorten, besonders im Roheisen (vergl. § 1913).

Zur Scheidung des Silicidund des Silicat-Siliciums benutzt man am besten das Verfahren durch trockenes Chlor, welches wir oben in § 1913 beschrieben haben. Erhitzt man das zu untersuchende Eisen in einem Strome von absolut trockenem und von Sauerstofif freiem Chlor, so wird das Silicid-Silicium als Chlorid verflĂŒchtigt, wĂ€hrend das oxydirte Silicium im nichtfiĂŒchtigen RĂŒckstande (Silicat, Schlacke, Hammerschlag u. dergl.) bleibt und in diesem bestimmt wird*).

Das verflĂŒchtigte Silicium kann man direct bestimmen, indem man das Siliciumchlorid in Alkalilauge auffangt. Einfacher und in RĂŒcksicht darauf, dass man nur schwer ganz reines Alkalihydrat erhĂ€lt, auch sicherer verfĂ€hrt man, wenn man in einer besonderen Probe die Gesammtmenge des Siliciums, nach Behandeln mit einem ojcydirenden Lösungsmittel, und das Silicid-Silicium aus der Differenz bestimmt.

. R. Fresenius: Z. anal, Ch. 4 (1865), 72; De Koninck und Ghilain: R. univ. d, Af. [2] 2 (1877), 340.

Zu gleichem Zweck hatBonssingault {Ann. deck, et de phys. [5] 5 (1875), 171) gasförmige SalzsÀure vorgeschlagen.

1934. II. Durch ozydirende Lösungsmittel (nasser Weg). Das Verfahren beruht darauf, dass man das Eisen mit einem Reagens behandelt, welches das vorhandene Silicat nicht angreift, aber das Eisen löst und das Silicid-Silicium in KieselsĂ€ure ĂŒberfuhrt, welche schliesslich durch Natriumcarbonat in Lösung gebracht und aus dieser Lösung durch AnsĂ€uern und Abdampfen abgeschieden wird.

Als Lösungsmittel sind besonders empfohlen Chlor-, Brom-und Jodwasser, welche selbstverstĂ€ndlich vollkommen frei von SĂ€ure sein mĂŒssen, und Mercurichlorid

Im Allgemeinen ist das vorige Verfahren, wenn auch durch Herrichtung eines besonderen Apparates etwas umstÀndlicher, doch empfehlenswerther.

Silicat und Borate*

1935. I. Durch Schmelzen mit Alkalicarbonat. Man thut

am besten, Silicat und Borat in zwei getrennten Proben zu bestimmen.

Die Bestimmung der KieselsĂ€ure wird durch die BorsĂ€ure nicht beeinflusst; letztere wird zum Theil durch Abdampfen mit SalzsĂ€ure oder SchwefelsĂ€ure verflĂŒchtigt, der zurĂŒckbleibende Theil geht in das Filtrat ĂŒber.

Um die BorsĂ€ure zu bestimmen, schmilzt man eine andere Probe mit Kaliumcarbonat. Die geschmolzene Masse bringt man durcli siedendes Wasser zum Zerfallen, filtrirt das Ungelöste und wĂ€ gut aus. Aus dem Filtrate scheidet man die in Lösung gegangene Kiesel- sĂ€ure erst durch Ammoniumcarbonat und, nachdem man filtrirt hat, den Rest durch Kochen mit einer ammoniakalischen Lösung von Zinkhydrat ab (siege § 191G, Nr. 4, vergl. auch § 1938). In dem genĂŒgend eingeengten Filtrate kann man die BorsĂ€ure in Form von Kaliumborofluorid (§ 1894) oder durch Destillation u. s. w. bestimmen.

Es gelingt nicht immer, die KieselsÀure in der angegebenen Weise quantitative abzuscheiden. Der gelöst gebliebene Rest fallt dann als Kaliumsilicofluorid mit dem Kaliumborofluoride aus.

Man thut daher gut, das Verfahren in folgender Weise abzuĂ€ndern: Das Niederschlagsgenusch von KBFl und KSiFlg wird, nachdem es ausgewaschen ist, in Wasser gelöst und die Lösung in einer tarirten Platinschale aufgefangen und abgedampft. Der bei 100Âź getrocknete RĂŒckstand besteht aus den beiden Fluoriden, und sein Gewicht wird durch eine zweite WĂ€gung der Platinschale bestimmt. Er wird in der Schale selbst in Wasser gelöst und mit ammoniakalischer Zinkhydrat -Lösung behandelt. Das ausgeschiedene kieselsĂ€urehaltige Zinkoxyd wird abfiltrirt,

') Siehe A. Ledebur: Leitfaden f. EisenhĂŒtten- Laboratorien 5. Aufl. (ll>('l''. S. 106; Schneider: Oest. Z. f. B.- u. H.-W. 48 (1900), 276. Siehe Bodewig: Z. anal. Ch. 28 (1884), 143.

Scheidongsverfahren. 599

und das Filtrat wird nochmals, event. selbst zum written Male, in gleicher Weise behandelt. Die vereinigten ZinkniederschlĂ€ge werden, nach dem Veraschen der Filter, mit SalzsĂ€ure behandelt, imd durch Eindampfen vird die KieselsĂ€ure abgeschieden. Sie wird geglĂŒht und gewogen, und aus ihrem Gewichte wird die Menge des Kaliumsilicofluorides, welches mit dem Kaliumborofluoride gefallt war, berechnet. Letzteres erhĂ€lt man jetzt aus der Differenz.

193 6. II. Durch Methylalkohol). In den in SĂ€uren löslichen Verbindungen, welche Silicat und Borat enthalten, kann man beide scheiden, indem man die Substanz mit SalzsĂ€ure und Methylalkohol behandelt (§ 189G) und das Bor als BorsĂ€ure-MethylĂ€ther verflĂŒchtigt; das Silicium bleibt im nichtflĂŒchtigen RĂŒckstande.

Die in SÀuren nicht löslichen Substanzen kann man vorher durch Aufschliessen löslich machen 2).

Silicat und Phosphat.

1937* I- Durch SÀuren. Man bestimmt das Silicium nach dem gewöhnlichen Verfahren, entweder direct oder nach Aufschliessung durch ein Alkalicarbonat.

Nach Rose 8) wird etwas PhosphorsĂ€ure von der KieselsĂ€ure zurĂŒckgehalten. Man kann sie dieser entziehen, wenn man das Product mit Ammoniak behandelt. Da aber Ammoniak etwas KieselsĂ€ure löst, muss man, fĂŒr ganz genaue Bestimmungen, die ammoniakalische FlĂŒssigkeit nach Zusatz von 3 bis 4 Tropfen SalzsĂ€ure oder SalpetersĂ€ure zur Trockne dampfen, den RĂŒckstand mit Wasser aufnehmen, die durch diese Behandlung gefĂ€llte KieselsĂ€ure abfiltriren und mit der Hauptmenge vereinigen.

Wenn auch die Menge der PhosphorsĂ€ure, welche sich in der angegebenen Weise der Bestimmung entziehen kann, nicht gross ist, so verdient sie doch bei der Analyse von Thomasschlacken und anderen DĂŒngemitteln, sowie von phosphathaltigen Gesteinen BerĂŒcksichtigung.

War die KieselsĂ€ure vor der FĂ€llung der PhosphorsĂ€ure durch MolybdĂ€nflĂŒssigkeit oder Magnesiummixtur*) nicht vollstĂ€ndig abgeschieden, so kann sie zum Theil in den entstehenden Niederschlag ĂŒbergehen (s. § 1833, S. 539). Nach Isbert und Stutzer) lĂ€sst sich dieselbe dem Molybdat-Niederschlage durch Behandlung mit kaltem Wasser entziehen.

1938. U. Durch Sohmelzen mit Alkalicarbonaten Liegt

') Siehe P. Jannasch und O. Heidenreich: Z. anorg. Ch. 12 (189G), 583.

-) G. W. Sargent:/. Am. ch. Soc. 21 (1899), 858.

"") Rose-Finkener: Handb. d. anal. Ch., II. (1871), 688; W. Skey:

Siehe P. Palraans: Bull. Assoc, beige des chim. 14 (1900), 312.

Das Verfahren stammt von Berzelius.

eine von SĂ€uren nicht angreifbare Substanz zur Analyse vor, so schlies5 man sie durch Schmelzen mit einem Alkalicarbonate auf (§ 1925); die geschmolzene Masse wird, wie an angegebener Stelle beschrieben ist, aus dem Tiegel entfernt und mit heissem Wasser behandelt Nachdem, wenn nöthig, filtrirt ist, sĂ€ttigt man die FlĂŒssigkeit mit KohlensĂ€ure, fĂŒgt Anunoniumcarbonat hindu und erwĂ€rmt Der KieselsĂ€ure-Niederschlag, welcher auch Aluminium enthĂ€lt, wenn es in der zu analysirenden Substanz vorhanden ist, wird auf einem Filter gesammelt und mit einer Lösung von Ammoniumcarbonat ausgewaschen. Das neue Filtrat enthĂ€lt noch etwas KieselsĂ€ure; man entfernt diese durch Zusatz einer ammoniakalischen Lösung von Zinkhydrat und so langes Kochen, bis das Anunoniak vollstĂ€ndig verschwunden ist; das unter diesen UmstĂ€nden ausfallende Zinkhydrat resist die letzten Spuren KieselsĂ€ure nieder.

Um das Siliciiun zu bestimmen, vereinigt man alle NiederschlÀge, in welchen es vorhanden ist, behandelt sie mit SalzsÀure, dampft zur Trockne u. s. w.

Das Phosphat ist in dem letzten Filtrate enthalten).

Das Verfahren erscheint, besonders bei Anwesenheit von Aluminium, unsicher.

1938 IIL Duroh FLoBssĂ€ure oder Ammoniamflnorid. Will man nur die PhosphorsĂ€ure bestimmen, so kann man zweckmĂ€ssig zuerst die KieselsĂ€ure durch FlusssĂ€ure oder Ammoniumfluorid verflĂŒchtigen

Silicat und Sulfat

193 9. L Duroh SalflsÀore. Im Allgemeinen bestimmt man die KieselsÀure, indem man sie nach dem gewöhnlichen Verfahren unlöslich macht, nachdem man das Silicat durch SalzsÀure und, wenn nöthig, durch Aufschliessen mittels Alkalicarbonat zersetzt hat; das Sulfat geht in das Filtrat und kann in ihm nach einem Verfahren, welches den in der Substanz enthaltenen Bestandtheilen entspricht, bestimmt werden.

EnthĂ€lt die Substanz ein in Wasser und in SĂ€uren unlösliches Sulfat, besonders Baryumsulfat, so schliesst man sie mit Natrium-Kalium- Carbonat auf, behandelt die geschmolzene Masse mit heissem Wasser, trent durch FĂŒtration das entstandene Baryumcarbonat und bestimmt KieselsĂ€ure und SchwefelsĂ€ure im Filtrate (siege § 1925, S. 592).

J. F. Sleeper) hat gezeigt, dass man die Sulfate durch Barj-um-

Tricalciumphosphat wird zwar durch Schmelzen mit Alkalicarbonat nicht vollstĂ€ndig zersetzt. Trotzdem ist nicht zu befĂŒrchten, dass in dem Falle, welchen wir besprochen haben, Phosphat bei der KieselsĂ€ure bleibt, weil es sich hier um complicirte Verbindungen bandelt, in welchen die PhosphorsĂ€ure in durchaus anderer Weise gebunden ist. Ist Calciumphosphat als solches vorhanden, so kann es stets durch SalzsĂ€ure in Lösung gebracht werden.

J. M. Camp: Proc. of the Eng. Soc. of Western Pennsylvania (nach Ch. K. 82 (1900), 8).

ScheiduDgsverfahrcD. gQl

Chlorid auch in einer Lösung, welche etwas KieselsÀure gelöst enthÀlt, fallen kann, ohne dass letztere von dem Niederschlage mitgerissen wird. Derselbe Autor fand, dass sich, wenn man Baryumsulfat mit Fluss- sÀure behandelt, um KieselsÀure zu entfernen, eine geringe Menge Fluorid bildet. Um das zu vermeiden, muss man der FlusssÀure einen erheblichen Ueberschuss von SchwefelsÀure zusetzen.

1940. IL Besonderer Fall, dass Bleisulfkt sogegen ist. Wenn die Substanz ausschliesslich aus KieselsĂ€ure-Anhydrid oder durch SĂ€uren nicht angreifbaren Silicaten und Bleisulfat besteht, was bei der Analyse von Bleierzen fast regelmĂ€ssig vorkommt, so kann man auch in folgender Weise verfahren: Man glĂŒht die Substanz massig, so dass das Bleisulfat durch die vorhandene KieselsĂ€ure keine Zersetzimg erfahrt, und wĂ€gt; dann entfernt man das Bleisulfat, indem man es durch Behandeln mit warmer SalzsĂ€ure oder mit Ammoniumacetat oder mit ammoniakalischem Tartrat auflöst, oder es durch Behandeln mit Ammoniumcarbonat in Bleicarbonat umwandelt und dieses in Salpeter- sĂ€ure löst.

Der SilicatrĂŒckstand wird geglĂŒht und wieder gewogen; das Bleisulfat erhĂ€lt man aus der Differenz; aus seinem Gewichte kann man das Gewicht des SchwefelsĂ€ure-Anhydrids berechnen.

Silicat und Sulfid.

1941. L Dnroh Oxydation. Man fĂŒhrt auf nassem oder auf trockenem Wege das Sulfid in Sulfat ĂŒber und scheidet dann Silicat und Sulfat in der oben (§ 1939) angegebenen Weise. Das ist ein ganz allgemeines Verfahren. Die Oxydation des Sulfides und die Aufschliessung des Silicates lassen sich oft gleichzeitig ausfĂŒhren, indem man das Gemisch mit Alkalicarbonat und Kalium-Nitrat oder -Chlorat oder -Perchlorat, oder mit Natriumcarbonat und Natriumsuperoxyd schmilzt.

1942. IL Durch Abscheiden des Schwefels in Form von Schwefelwasserstoff. Wenn das Sulfid durch nicht oxydirende SĂ€uren vollstĂ€ndig zersetzbar ist, so kann man den Schwefel, indem man ihn in Schwefelwasserstoff ĂŒberfĂŒhrt, durch WĂ€gung (§ 1647) oder titrimetrisch (§ 1648) bestimmen. Das zersetzte oder auch nicht zersetzte Silicat bleibt zurĂŒck und man kann es in bekannter Weise bestimmen. Einfacher ist es aber, die Bestimmung in einer besonderen Probe vorzunehmen, in welchem Falle man auf die Gegenwart von Schwefel besondere RĂŒcksiclit nicht zu nehmen braucht).

Silicat oder Quarz und Fluorid.

1943. Diese Scheidung ist nicht nur fĂŒr die Analyse gewisser

lieber die Trennung von Silicaten, Hydraten und Sulfiden der Alkalimetalle siege G. Lunge und W. Lohöfer: Z. angew. Ch. 1901, 1125.

Mineralien, sondern auch fĂŒr die Werthbestimmung von fluoridhaltigen Producten, welche in der Technik Verwendung finden, wie z. B. Flussspat, Kryolith, von Wichtigkeit. Das anzuwendende Verfahren hĂ€ngt wesentlich von der Zusammensetzung des Untersuchungsgegenstandes, d. h. der Natur des Fluorides und der Siliciumverbindung (Silicat, Quarz), sowie von dem VerhĂ€ltnisse ab, in welchem Silicat oder Quarz und Fluorid in dem Producte enthalten sind.

1943 a. I. Durch Schmelzen mit einem Alkalicarbonate (Verfahren von Berzelius). Die zu untersuchende Substanz, welche sehr fein gepulvert sein muss, wird mit der etwa 4 fachen Menge Natriumcarbonat geschmolzen; die geschmolzene Masse wird mit kochendem Wasser behandelt, dann wird filtrirt und zuerst mit kochendem Wasser, zuletzt mit einer Lösung von Ammoniumcarbonat ausgewaschen. War die Aufschliessung vollstĂ€ndig, so ist in der stark alkalischen Lösung alles Fluor als Alkalifluorid enthalten; femer findet man in ihr einen mehr oder weniger bedeutenden Theil des Siliciums als Alkalisilicat, sowie event. Alkali-Borat, -Phosphat (vergl. §§ 1935 und 193) und -Aluminat. Der angelöst gebliebene RĂŒckstand enthĂ€lt den Rest des Siliciums (vermuthlich als Calcium-oder Aluminium -Silicat), Aluminiumhydroxyd, Calciumcarbonat etc.; er ist aber frei von Fluorid, Borat und Phosphat und daher bietet die Bestimmung der KieselsĂ€ure durch Behandeln mit SalzsĂ€ure keine Schwierigkeit.

Die alkalische Lösung wird, wie bei den analogen VeYfahren der Scheidung der Silicate von Boraten und Phosphaten, mit Ammoniumcarbonat und ammoniakalischer Zinkhydrat-Lösung behandelt, um die Kiesel- sĂ€ure abzuscheiden, welche man schliesslich nach Behandlung mit SalzsĂ€ure in reiner, wĂ€gbarer Form erhĂ€lt Im Filtrate von der reinen KieselsĂ€ure kann das in die alkalische Lösung ĂŒbergegangene Aluminium bestimmt werden.

In der von der KieselsĂ€ure befreiten FlĂŒssigkeit wird das Fluor nach FĂ€llung durch Calciumchlorid bestinmit (vergl. § 1582).

EnthĂ€lt die untersuchte Substanz BorsĂ€ure oder PhosphorsĂ€ure, so finden sich diese ebenfalls in der von KieselsĂ€ure befreiten FlĂŒssigkeit: fĂŒr diese weiteren Scheidungen verweisen wir auf die §§ 1863, 189S und 1901.

Wie wir bei der Beschreibung der Eigenschaften der Fluoride (§ 1581, Nr. 10) bereits bemerkt haben, werden die unlöslichen Fluoride, zu welchen auch der Flussspat und der Kryolith gehören, durch Schmelzen mit Alkalicarbonat nur in Gegenwart eines Ueberschusses von KieselsĂ€ure vollstĂ€ndig aufgeschlossen. Das vorstehend beschriebene Verfahren ist auch nur unter dieser Bedingung ausfĂŒhrbar da man stets damit rechnen muss, dass sich in der geschmolzenen Masse wenigstens ein Theil der KieselsĂ€ure in in Wasser unlöslichem Zustande befindet, eine Scheidung von Silicat und P'luorid also nicht erreicht ist. Man wird es also im Allgemeinen

Scheidungsverfahren. 603

bei der Analyse von Silicaten mit geringen Fluorgehalten, wie z. B. Granat, manchen Glimmerarten etc., anwenden können. Dagegen muss es bei Analysen von Flussspat, Kryolith und Àhnlichen Mineralien und Producten, welche wesentlich aus Fluoriden bestehen und Silicate oder Quarz nur als eine unliebsame Verunreinigung enthalten, verworfen werden, wenn in diesen FÀDen die KieselsÀure bestimmt werden soll. Ist das nicht der Fall und soll nur das Fluor bestimmt werden, so kann man sich in der Art helfen, dass man dem zu schmelzenden Gemische von Substanz und Alkalicarbonat KieselsÀure in Form sehr fein gepulverten Quarzes oder eines sauren Silicates (Glas) zusetzt.

1943 b. IL Durch Sohmelzen mit Borax. W. Hampe) bewirkt die Aufschliessung selbst sehr widerstandsfÀhiger Producte und Mineralien, welche Silicium, Fluor, Aluminium enthalten, durch Schmelzen der Substanz mit entwÀssertem Borax imd bestimmt die KieselsÀure durch Behandeln der wÀssrigen Lösung der Schmelze mit Ammoniumsalzen in der uns bereits bekannten Weise.

Ob eine Bestimmung der Fluoride bei diesem Verfahren ausfĂŒhrbar ist, erscheint mindestens zweifelhaft; auch scheint Calciumfluorid durch schmelzenden Borax nicht vollstĂ€ndig zersetzt zu werden. Die vom Autor angefĂŒhrten Beleganalysen lassen das Verfahren fĂŒr Gemische von stark igeglĂŒhtem Aluminiumoxyd mit KieselsĂ€ure und Aluminiumfluorid vortheilhaft erscheinen.

1943c. III. Durch Zersetzung mit SchwefelsĂ€ure-). Dieses weniger fĂŒr eine Gesammt- Analyse als fĂŒr die Isolirung und Bestimmung des Fluors geeignete Verfahren besteht darin, dass die Substanz zu- nĂ€ mit feinem Quarzpulver gemischt und darauf durch concentrirte SchwefelsĂ€ure bei etwa 150 zersetzt wird (siege § 1583).

Das entweichende Siliciumfluorid wird in einem tarirten, mit von Wasser durchtrĂ€nkten BimssteinstĂŒcken gefĂŒllten Rohr aufgefangen und aus der Gewichtszunahme (gemĂ€ss der Gleichung:

verbleibt das Silicium im Bimssteinrohre) das Fluor berechnet

Silicat und Chlorid.

1944* Man bestimmt die KĂŒeelsĂ€ure in einer besonderen Probe, ohne auf das Chlorid, welches ohne Einfluss ist, RĂŒcksicht zu nehmen.

Was die Bestimmung des letzteren betrifft, so sind verschiedene FÀlle zu erwÀgen:

1945. Fall. Alkalisilicat und Alkalichlorid. Man fÀllt die KieselsÀure durch KohlensÀure, Ammoniumcarbonat und ammoniakali-

R. Fresenius und E. Hintz: Z. anal. Ch. 28 (1889), 324. Ucber die Bestimmung des Siliciums im Kryolith siege ebenfalls R. Fresenius und E. Hintz: 1. cit.

sches Zinkhydrat (§ 1938); in dem mit SalpetersÀure neutralisirten oder schwach angesÀuerten Filtrate bestimmt man das Chlorid durch Silbernitrat gravimetrisch oder titrimetrisch.

1946. Fall. In Wasser unlösliches Silicat oder Quarz und lösliches Chlorid. Man behandelt die Substanz mit Wasser, sammelt den unlöslichen RĂŒckstand, um in ihm die KieselsĂ€ure zu bestimmen), und bestimmt das Chlorid im Filtrate nach irgend einem passenden Verfahren.

1947. Fall. Silicat und Chlorid sind unlöslich oder bilden eine unlösliche Verbindung. Dieser Fall liegt bei einigen Mineralien und technischen Producten (gewöhnliches Glas) vor. Um das Chlorid zu bestimmen, schmilzt man die Substanz mit Alkalicarbonat und behandelt mit Wasser. Nachdem die unlöslichen metallischen Verbindungen durch Filtration getrennt sind, verfahrt man weiter wie im ersten Falle.

Silicat und Wasser.

1948* Gewöhnlich ist die Scheidung von Silicat und Wasser hö einfach. Man erhĂ€lt das Wasser aus dem Gewichtsverluste, welchen das Silicat durch GlĂŒhen erleidet.

EnthÀlt das Silicat auch organische Substanzen, was besonders bei Thonen oft der Fall ist, oder oxydirbare Verbindungen, z. B. Ferrosilicat, oder Carbonate beigemischt, so kann das Wasser nur durch directe WÀgung bestimmt werden (siege § 1383).

Ist in dem Silicate Fluor enthalten, so entweicht beim GlĂŒhen auch Siliciumfluorid Die Bestimmung des Wassers aus dem GlĂŒhverluste wĂŒrde also ebenfalls falsch sein; ausserdem wĂŒrde man die KieselsĂ€ure zu niedrig finden, wenn man diese in der geglĂŒhten Substanz bestimmen wĂŒrde. Ludwig 8) und Sipöcz*) bestinmien das Wasser in fluorhaltigen Silicaten durch directe WĂ€gung, indem sie das Silicat mit ganz trocknem Alkalicarbonat glĂŒhen (s. § 1386). P. Jannasch wendet in der. gleichen Were und zu dem gleichen Zwecke Bleichromat, Bleioxyd oder Borax an.

KieselsÀure und Metalle, welche nicht Alkalimetalle sind. 1949. I. Durch SÀuren. Man scheidet und bestimmt gleichzeitig

Man kann natĂŒrlich auch die KieselsĂ€ure in einer besonderen Probe der ursprĂŒnglichen Substanz bestimmen; ist aber die Menge der löslichen Chloride oder anderer löslicher Substanzen betrĂ€chtlich (z. B. Steinsalz), so ist es praktischer, den unlöslichen RĂŒckstand zu benutzen.

Rose-Finkener: op. cit., II., 687.

Mineral. Mitthlgn., . v. G. Tscher mak, 5 (1875), 4. Lief., 211.

SĂŒzgsber. d. Kais. Akad. d. Wiss. (Wien), Math.-naturw. Cl., 2. Abth., 76 (1877), 51; Z. anal. Ch. 17 (1878), 207.

B, 22 (1889), 221; P. Jannasch und J. Locke: Z. anorg. Ch. 6 (1894), P. Jannasch und P. Weingarten: bend. 8 (1895), 352 und 11 (1896), 37.

ScheiduDgsverfabren. gQÖ

die KieselsĂ€ure, indem man die Substanz, entweder direct oder nach Aufschliessung durch ein Alkalicarbonat, mit SalzsĂ€ure, SalpetersĂ€ure, Königswasser oder SchwefelsĂ€ure behandelt (§§ 1922—1925). Alle Metalle sind in dem von der KieselsĂ€ure getrennten Filtrate enthalten.

Es ist zu beachten, dass sich eine geringe Menge KieselsĂ€ure ge- wöhnlich der Abscheidung entzieht und in das Filtrat ĂŒbergeht (siege § 1922); sie wird dann mit dem ersten basischen Niederschlage, d. h. im Allgemeinen mit dem Fern-und Aluminium-Hydrate, niedergerissen.

Wenn man diesen Niederschlag, nachdem er geglĂŒht und event. gewogen ist, in SalzsĂ€ure löst oder mit KaĂŒumbisulfat schmilzt und dann mit angesĂ€uertem Wasser behandelt, so bleibt die von ihm niedergerissene KieselsĂ€ure angelöst zurĂŒck; sie wird auf einem kleinen Filter gesammelt und gewogen.

Besteht der Niederschlag nur aus Eisenoxyd, abgesehen von der kleinen Menge KieselsĂ€ure, so kann man diese auch gewinnen, indem man das Gemisch in einem Strome von Chlorwasserstoff erhitzt i); die KieselsĂ€ure bleibt zurĂŒck. EnthĂ€lt der Niederschlag Aluminiumoxyd, so bleibt dieses ebenfalls mit der KieselsĂ€ure im RĂŒckstande (siege § 746).

Es ist anzurathen und oft sogar nothwendig, sich von der Reinheit der KieselsĂ€ure zu ĂŒberzeugen, indem man sie mit FlusssĂ€ure oder Ammoniumfluorid behandelt. Denn es kann vorkommen, dass die Aufschliessung in Folge zu niedriger Temperatur oder aus anderen GrĂŒnden nicht vollstĂ€ndig war. P. W. Shimer) hat beobachtet, dass manche Hochofenschlacken ein Magnesiumalimiinat enthalten, welches durch Schmelzen mit nicht in SĂ€uren löslich wird.

KieselsĂ€ure zeigt in hohem Grade Adsorptionserscheinungen, namentlich dem Aluminiumchloride und dem Ferrichloride gegenĂŒber; es ist schwer, sie von diesen beiden Salzen durch Auswaschen vollstĂ€ndig zu befreien. Um das richtige Gewicht der KieselsĂ€ure zu erhalten, muss man unreine KieselsĂ€ure glĂŒhen, das Product wĂ€gen und dann mit FlusssĂ€ure und SchwefelsĂ€ure behandeln; die KieselsĂ€ure wird als Siliciumfluorid verflĂŒchtigt, wĂ€hrend Eisen und Aluminium als Sulfate zurĂŒckbleiben und als Oxyde bestimmt werden können. Man erhĂ€lt also das Gewicht der KieselsĂ€ure aus der Dififerenz. — Beim GlĂŒhen der mit den Chloriden verunreinigten KieselsĂ€ure kann wenigstens Eisenchlorid zum Theil verflĂŒchtigt werden. Man wird daher auf dem angegebenen Wege Eisen und vielleicht Aluminium nicht genau bestimmen können.

1950. II. Durch Alkalifluoride. Sollen nur die Metalle bestimmt werden, so kann man das Silicat durch Schmelzen mit Kaliumbifluorid), KFl, HFl, oder mit einem Gemische von Natriumfluorid und Kaliumbisulfat aufschliessen.

') Siehe Boussingault: 1. cit., S. 169.

J.Am. eh. Soc. 16 (1894), ÖOI. Siehe auch Rose-Finkener: op. cit., H., 668.

'') Clarke: Stil, Am, J. [2] 45 (1868), 173; Gibbs: Z. anal. Ch. 8 (1864), 399.

Dieses Verfahren wird nur selten angewandt und bietet dem vorigen gegenĂŒber auch keine VorzĂŒge.

KieselsÀure und Metalle, einschliesslich der Alkalimetalle.

1951* I. Durch die ĂŒblichen SĂ€uren. Wenn die zu analysirende Substanz durch SĂ€uren vollstĂ€ndig zersetzbar ist, so bestimmt man die KieselsĂ€ure nach den gewöhnlichen Verfahren (§§ 1922 — 1924) und die Metalle in dem von der KieselsĂ€ure getrennten Filtrate.

1952. IL Durch Auftchliessung. Wenn die Substanz durch SÀuren nicht vollstÀndig zersetzbar ist, so macht man sie zersetzbar durch Schmelzen mit einem basischen, aber nicht alkalihaltigen Flussmittel, am besten mit Wismuthsubnitrat (§§ 1927 ff.); man verfÀhrt dann weiter, wie soeben angegeben ist.

Man muss vermeiden, das Silicat mit dem Schmelzmittel zu lange Zeit in BerĂŒhrung zu lassen und die Temperatur unnöthig hoch zu steigern, weil unter diesen UmstĂ€nden ein Verlust an Alkalisalz durch VerflĂŒchtigung eintreten konnte.

1953. III. Durch FluorwasserstofOÀÀure Man bestimmt in einer Probe die ICieselsÀure und die nicht zu den Alkalimetallen ge- hörenden Metalle durch Aufschliessen mit Alkalicarbonat.

In einer zweiten Probe bestimmt man die Alkalimetalle und, wenn man will, auch nochmals die anderen Metalle, nachdem man das Silicat durch FluorwasserstoffsĂ€ure und SchwefelsĂ€ure zersetzt und das vSilicium als Siliciumfluorid verflĂŒchtigt hat.

Die FluorwasserstoffisÀure kann in verschiedener Weise auf das stets sehr fein gepulverte Silicat angewandt werden:

1954. A. Als sogen, flĂŒssige FluorwasserstoffsĂ€ure (Fluss- sĂ€ure). Man behandelt das sehr fein gepulverte Silicat in einer Platinschale mit rauchender FlusssĂ€ure, welche man nach und nach, unter UmrĂŒhren mit einem kleinen Platinspatel oder einem Platindrahte, zusetzt. Man erwĂ€rmt massig auf dem Wasserbade und setzt nach einiger Dauer der Digestion so viel verdĂŒnnte SchwefelsĂ€ure (1 Vol. SĂ€ure : 2 Vol. Wasser) hindu, dass sie nach UeberfĂŒhrung der Metalle in Sulfate noch in einem, nicht zu grossen, Ueberschusse vorhanden ist. Nun dampft man so weit wie möglich auf dem Wasserbade ein; die hierdurch concentrirter gewordene SchwefelsĂ€ure wirkt auf die entstandenen Silicofluoride ein und zersetzt sie unter Entwickelung von Siliciumfluorid. Dann setzt man das Eindampfen bei höhere Temperatur (auf einer Asbestschale od. dergl.) fort, bis SchwefelsĂ€ure entweicht, und nimmt hierauf den RĂŒckstand mit salzsĂ€urehaltigem Wasser auf.

Man vergesse nicht, dass die concentrirte FluorwasserstoffsĂ€ure, mit der Haut in BerĂŒhrung gebracht, schwere EntzĂŒndungen hervorrufen kann.

War die Substanz vollstÀndig zersetzt, so muss sich Alles lösen, es sei denn, dass Baryum oder Strontium oder grössere Mengen Blei oder Calcium, d. h. imlösliche oder schwer lösliche Sulfate, zugegen sind.

Findet man, dass die Zersetzung nicht vollstĂ€ndig war, so lĂ€sst man die angelösten Stoffe absitzen, decantirt die klare FlĂŒssigkeit, dampft den in der Schale verbliebenen Rest zur Trockne und wiederholt die Behandlung mit FlusssĂ€ure.

Schliesslich geht man zur Bestimmung der Metalle ĂŒber.

Manche Silicate werden von FlusssĂ€ure leichter angegriffen, wenn man sie vorher schwach geglĂŒht hat.

1955. B. Als sogen, gasförmige FluorwasserstoffsĂ€ure (nasser Weg). Das soeben beschriebene Verfahren leidet an dem einzigen I 'ebelstande, dass man nicht immer reine FlusssĂ€ure im Handel haben oder sie rein aufbewahren kann. Aus diesem Grunde zieht man bisweilen vpr, sie fĂŒr den sofortigen Gebrauch selbst herzustellen). Dazu ist ein besonderer Apparat nöthig. Ein solcher (Fig. 233) besteht aus einem kleinen Becken aus Blei, dessen Rand zu einer Flansche umgebogen ist, und auf welches ein Bleideckel mit ebenfalls zu einer Flansche umgebogenem Rande aufgesetzt werden kann; durch einen dazwischen gelegten Kautschukring schliessen beide Fig. 288. Theile genĂŒgend dicht auf einander.

Auf dem Boden des Beckens breitet man grobpulvrigen, möglichst reinen Flussspat 2) aus, ĂŒbergiesst ihn mit der doppelten Gewichtsmenge concentrirter SchwefelsĂ€ure und mischt beide Reagentien, so dass ein dĂŒnner Brei entsteht.

Die zu zersetzende Substanz breitet man auf dem Boden einer kleinen Platinschale aus und befeuchtet sie mit verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure in geringem Ueberschusse; die Schale stellt man auf einer geeigneten Unterlage (z. B. auf einem Dreifusse) aus Blei oder Platin in den Bleiapparat.

Das Ganze setzt man auf ein Wasserbad, welches man bis zu beginnendem Sieden des Wassers erhitzt, und ĂŒberlĂ€sst es mehrere Stunden sich selbst.

Erachtet man die Zersetzung fĂŒr beendet, so nimmt man die Platin-

Brunner: Pogg. Ann. 44 (1838), 134; A. Liurent: Ann. de eh. et de phys. [2] 58 (1835), 428. — Es sei hier bemerkt, dass jetzt viele Fabriken ganz reine FlusssĂ€ure versenden, und zwar in Flaschen aus Ceresin, einem Material, welches sich durchaus bewĂ€hrt hat und billig ist.

Auch Kryolith, ein Doppelfluorid von Aluminium und Natrium, welches man leicht in sehr reinem Zustande erhalten kann, ist empfohlen (Luboldt: J. prakt. Ch. 76 (1859), 330); Flussspat dĂŒrfte indessen vorzuziehen sein, weil er. von der SĂ€ure leichter angegriffen wird.

schale mit einer Zange heraus und behandelt ihren Inhalt, wie vorher angegeben ist.

1956. C. Als Ammoniumfluorid. Bei diesem written Verfahren erzeugt man die FluorwasserstoffsĂ€ure in directer BerĂŒhrung mit dem Silicate. Man setzt zu der Substanz die 4 — 5 face Menge Ammoniumfluorid oder Ammoniumhydrofluorid 1), fugt einige Tropfen Wasser hindu und erwĂ€rmt schwach, wĂ€hrend man durch UmrĂŒhren mit einem Platindrahte ein möglichst inniges Gemisch herzustellen sucht Dann setzt man concentrirte SchwefelsĂ€ure hindu und erwĂ€rmt auf dem Sandbade so lange, als noch DĂ€mpfe von Fluorwasserstoff und Silidumfluorid entweichen. Wenn nöthig, wiederholt man die Operation mit neuen Mengen von Fluorid. Schliesslich dampft man zur Trockne.

Man kann auch anfangs nur mit Ammoniumfluorid behandeln und das Product mit SchwefelsÀure aufnehmen.

Der aus Sulfaten bestehende RĂŒckstand wird durch SalzsĂ€ure in Lösung gebracht, in welcher sich nun die Metalle ohne weitere Schwierigkeiten bestimmen lassen.

1957* D. Als wirklich gasförmige FluorwasserstoffsÀure (trockener Weg). Bei den beschriebenen Verfahren arbeitet man that- sÀchlich mit gelöster FluorwasserstoffsÀure. Man kann indessen auch gasförmigen Fluorwasserstoff als solchen anwenden 2).

Man breitet das Silicat auf dem Boden eines Flatinschiffchens aus und schiebt dieses in ein Platinrohr, dessen eines, umgebogenes Ende in Wasser taught. WĂ€hrend man nun Fluorwasserstoffgas ĂŒber das Schiffchen leitet, erwĂ€rmt man. Das Siliciumfluorid und sonstige flĂŒchtige Fluoride werden in dem Wasser aufgefangen, wĂ€hrend die nichtflĂŒchtigen Fluoride im Schiffchen bleiben.

Wir erwÀhnen das Verfahren nur der VollstÀndigkeit halber; die Beschaffung des besonderen, theuren Apparates lÀsst es kaum zur Anwendung kommen.

KieselsĂ€ure und Chrom. 1957 a. Man kann in Gegenwart von KieselsĂ€iu'e das Chrom titrimetrisch bestimmen (§§ 527 ff.), nachdem man es in Chromat ĂŒbergenĂŒhrt hat (§§ 547 ff".).

KieselsÀure und Eisend 1958. Eine wichtige Aufgabe, namentlich in lithologischer Hinsicht, besteht in der Bestimmung der Oxydationsstufe des Eisens in

Hermann (Rose-Finkener: op. cit., II. (1871), 699); Rammeisberg: Z. Deutsch. Gtol. Ges. 24 (1872), 69; Suida: Mineral. Mittklgn., hermtsg. r. G. Tschermak, 6 a876), 3. Lief, (nach Z. anal. Ch. 17 (1878), 212); C. Doeltcr: Z. anal. Ch. 18 (1879), 50.

Scheidnngsverfahren.

Fig. 234.

Hg. 235.

einem Silicate. Die Scheidung des Ferro-und des Ferri- Eisens bereitet keine Schwierigkeiten (§ 736), wenn die Substanz gelöst ist. Bei Silicaten bildet aber die UeberfĂŒhrung in Lösung unter Ausschluss eines jeden oxydirenden Agens oft nicht unerhebliche Schwierigkeiten.

Wenn das Silicat durch die ĂŒblichen SĂ€uren leicht zersetzbar ist, pulvert man es sehr fein und behandelt es mit Salz- sĂ€ure oder mit verdĂŒnnter Schwefel- sĂ€ure in einem Kolben, durch welchen man einen KohlensĂ€urestrom leitet (Fig. 234), oder in einer Schale, welche mit einem Trichter bedeckt ist, durch dessen Röhre man Kohlen- sĂ€ure zutreten lĂ€sst (Fig. 235).

Um Silicate, welche durch die gewöhnlichen SÀuren nicht angegriffen werden, zu zersetzen, kann man die Aufschliessung durch Alkalicarbonate nicht anwenden; am besten bewirkt man die Zersetzung im Einschlussrohr (siege § 1924).

Nachdem man das Silicat in das Einschlussrohr (Fig. 236) gebracht und dieses leicht ausgezogen hat (Fig. 237), leitet man durch eine lang ausgezogene, enge Röhre KohlensĂ€ure ein, und zwar so, dass diese dicht ĂŒber dem Boden eintritt; nach dem Herausziehen der Röhre schmilzt man die Einschlussrohr -Oefihung so schnell wie möglich ĂŒber der Lampe zu (Fig. 238). Als SĂ€ure kann man SalzsĂ€ure mit 25 % HCl (1,125 sp. G.) oder schwach verdĂŒnnte SchwefelsĂ€ure (750 H2SO4, 1,675 sp. G.) unter mehrstĂŒndigem Erhitzen auf etwa 200Âź C. anwenden).

Man hat auch ein Gemisch von SalzsĂ€ure oder SchwefelsĂ€ure nĂŒt FlusssĂ€ure vorgeschlagen. Da das-Fig. ase. selbe das Einschlussrohr angreift, darf dieses in seiner \tasse kein Eisen enthalten; zur Sicherheit fĂŒhrt man neben der Bestimmung einen blinded Versuch mit den gleichen Mengen der Reagentien in einem leeren Rohre aus. Auch muss man sich ĂŒberzeugen, dass die FlusssĂ€ure keine organischen Substanzen enthĂ€lt, d.h. also eine Permanganatlösung nicht entfĂ€rbt. Zur Umgehung der lĂ€stigen Anwendung eines Einschlussrohrs haben verschiedene Autoren ziemlich complicirte Vorrichtungen ersonnen, um den Angriff des Silicates durch das SĂ€uregemisch bei Luftabschluss in einer AtmosphĂ€re von KohlensĂ€ure stattfinden zu lassen 2).

u

Das Silicat darf keinen reducirenden Stoff -beigemischt enthalten, namentlich kein Sulfid (De Koninck: Ann. de la Soc. geologique de Belgique 10 (1883), CI, und Z anorg, Ch, 26 (1901), 123, ĂŒber den EinHuss von Pyrit; W. F. Hillebrand und H. N. Stokes: Z. anorg. Ch, 26 (1900), 326).

2) J. P. Cooke: StlL Am,J. [2] 44 (1867), 347; Willbur und Whittlesey: Ch. N. 22 (1870), 2; A. R. Leeds: Z. anal. Ch. 16 (1877). 323; Doelter: I. c'it.

De Koninck Meinekc, Mineralanalyso. II.

Eigenschaften der Silicofluoride.

Hermann hat eine Aufschliessung des Silicates durch Borax unter Luftabschluss vorgeschlagen; die Resultate sind indessen nicht befriedigend), da sich schon aus reinem Eisenoxyd und Borax theilweise Ferroborat bildet.

Eigenschaften der Silicofluoride.

1959* 1. Das Wasserstoffsilicofluorid-) und die von dieser SÀure sich ableitenden Silicofluoride sind farblos; letztere sind zumeist in Wasser löslich; sie verhalten sich gegen Lakmus und die anderen Indicatoren wie SÀuren.

2. Man kennt das Wasserstoffsilicofluorid nur als Lösung; dampft man diese ab, so entwickelt sie die Bestandtheile der SÀure, d. h. Fluorwasserstoff und Siliciumfluorid.

3*. Ammoniak, Ammoniumsulfid und Ammoniumcarbonat zersetzen das Wasserstoffsilicofluorid, sowie die anderen Silicofluoride, und fallen KieselsÀure, welche im Ueberschusse der bezeichneten Reagentien unlöslich ist:

HaSiFlg + 6 NHg + 4 HO 6 NHFl + CaSiFlg + 4NH3 + 4H2O CaFlg + 4NH4FI + SiCOH).

Bei derReaction mit dem Sulfide und demCarbonate findet gleichzeitig eine Entwickelung von Schwefelwasserstoff bez. Kohlensaure statt.

4. Die Hydrate der fixed Alkalien wirken wie Ammoniak, nur mit dem Unterschiede, dass ein Ueberschuss des Reagens Kiesel- sÀure auflösen kann, besonders in der WÀrme.

5*. Die neutralen Kaliumsalze (Chlorid, Nitrat, Acetat) rufen in den Lösungen des Wasserstoffsilicofluorides einen opalisirenden Niederschlag von Kaliumsilicofluorid hervor (siege § 304, Nr. 6).

G*. Die löslichen Baryumsalze geben in denselben Lösungen einen weiss e'n Niederschlag von Barjumsilicofluorid , BaSiFI,; (siege § 482, Nr. 10).

7. Die Calciumsalze, sowie die Strontium-und Blei-Salze fÀllen die Silicofluoride nicht.

8. Das Silbersilicofluorid ist löslich; Silbernitrat giebt daher mit Wasserstoffsilicofluorid und den von ihm Salzen keinen Niederschlag.

9. Mit concentrirter SchwefelsÀure erhitzt, werden die Silicofluoride unter Entwickelung von Fluorwasserstoff und Siliciumfluorid zersetzt:

KgSiFlß + 2 H2SO4 2 KHSO + 2 HFl + SiFl,

') Rammeisberg: 1. cit.; Suida: 1. cit.

Oft, aber unrichtig, KieselfluorwasserstoffsÀure genannt; man kann diese SÀure auch als ein Doppelfi uorid von Wasserstoff und Silicium (H,SiFlg 2 HFl 4" SiFl) ansehen.

Bestimmnng der Silicofluoride. 61 1

In Folge der Gegenwart von Fluorwasserstoff wird Glas von den DĂ€mpfen angefressen.

10. Im geschlossenen Rohre erhitzt, geben trockene Silicofluoride gasförmiges Siliciumfluorid, welches an der Luft raucht und in BerĂŒhrung mit Wasser und besonders mit Ammoniak einen gelatinösen Niederschlag von KieselsĂ€ure abscheidet.

11. Mit Borax und auch mit Phosphorsalz geben sie durchsichtige Perlen (vergl. § 1915, Nr. 7 u. § 1917, Nr. 6).

1 2 . Mit Alkalicarbonat geschmolzen , geben sie eine Masse, welche Alkali- Fluorid und -Silicat, beide in Wasser löslich, enthÀlt.

Bestimmung der Silicofluoride. A. Durch WĂ€gung. i960 Durch Kaliumchlorid. Man giesst in die Lösung Kaliumchlorid 1) in möglichst geringem Ueberschuss, dann ein dem Gemische gleiches Volumen Alkohol, und lĂ€sst einen Tag lang stehen. Das Kaliumsilicofluorid wird auf einem tarirten Filter gesammelt, mit verdĂŒnntem Alkohol ausgewaschen und nach dem Trocknen bei 100 gewogen. Es entspricht der Formel KSiFJ.

B. Durch Titrimetrie.

1961. Durch Acidimetrie Behandelt man das WasserstoflFsilicofluorid mit einem Alkalihydroxyd, so bildet sich anfangs Silicofluorid:

HgSiFlß + 2 KOH K2SiFl6 + 2 HgO ;

da aber die Silicofluoride sauer reagiren, kann die Endreaction durch Lakmus nicht angezeigt werden. Damit dieser durch Silicofluorid ge- röthete Indicator seine Farbe unter dem EinflĂŒsse des alkalischen Reagens in Blau Ă€ndert, muss das anfangs gebildete Silicofluorid zersetzt werden:

KgSiFlß + 4 KOH C KFl +

Es werden also im Ganzen sechs MolekĂŒle Alkalihydrat durch ein MolekĂŒl Wasserstoffsilicofluorid neutralisirt; fĂŒr ein MolekĂŒl Silicofluorid hat man aber nur vier MolekĂŒle Alkalihydrat nöthig.

Das Wasserstoffsilicofluorid wird, unter Anwendung von Lakmus als Indicator, unter ErwÀrmen mit einer Lösung von Kalihydrat titrirt.

C. Durch Densimetrie.

1962. Wie bei allen SÀuren, kann die Concentration einer Lösung

Das Acetat ist vielleicht noch besser geeignet, besonders fĂŒr die Bestimmung des freien Wasserstoffsilicofluorides.

Stolba:/. praJtt. Ch. 89 (1863), 129; Z. anal. Ch. 3 (1864), 298.

Q12 Silicoflaoride. Schcidungsveifahren.

von reinem Wasserstoffsilicofluorid durch das spedfische Gewicht bestimmt werden.

Scheidungsverfohren.

Wasserstoffsilicoflaorid und KieselsÀnre.

1963. Durch Kaliumchlorid. Die Lösung beider Sauren wird mit Kaliumchlorid behandelt (§ 1960); das WasserstofiEsilicofluorid wird gefallt, wÀhrend die KieselsÀure in das Filtrat geht, in welchem sie durch Abdampfen nach Zusatz von SalzsÀure bestimmt wird.

WaBBorBtoffsilicofluorid und FlnorwasserstoffBĂ€are.

1964 Durch Kaliumchlorid. Nachdem das WasserstofiEsilicofluorid durch das Kaliumsalz gefallt ist, bestimmt man in dem Filtrat c- das Fluor durch Calciumchlorid (§ 1582).

1965. Durch SĂŒbemitrat. Man bestimmt jede der beiden SĂ€uren in einet besonderen Probe nach den ĂŒblichen Verfahren, alo die QilorwasserstoflEsĂ€ure durch Silbemitrat.

WaBBerBtoffsilioofluorid und Metalle.

1965 a. Durch SchwefelsÀure. Um die Metalle in einer Substanz, welche Wasserstoffsilicofluorid enthÀlt, zu bestimmen, zersetzt man diese durch Abdampfen in Gegenwart von SchwefelsÀure, selbstverstÀndlich in einer Platinschale. Das Wasserstoffsilicofluorid wird in einer zweiten besonderen Probe bestimmt.

Kohlenstoff.

Eigenschaften des Kohlenstoffes.

1966. 1. Der Kohlenstoff kommt im krystallinischen Zustande unter zwei Formen, als Diamant und Graphit, sowie ferner in amorphem Zustande vor.

2*. Der Graphit und der amorphe Kohlenstoff sind schwarz, undurchsichtig und in Wasser wie auch in allen organischen Lösimgsmitteln, in Alkalien und den gewöhnlichen SÀuren unlöslich (siege Nr. 6 u. 7).

3. Trockenes Chlor wirkt selbst bei hoher Temperatur nicht auf Kohlenstoff" ein.

Kohlenstoff. KigenschafteD, BeBtimmung. gl 3

4. An der Luft oder, besser noch, in Sauerstoff erhitzt, verbrennt der Kohlenstoff und bildet Kohlendioxyd (KohlensÀure- Anhydrid)!):

C + 02 C0j. Zur Verbrennung des Graphites ist eine sehr hohe Temperatur erforderlich; der amorphe Kohlenstoff verbrennt um so schwerer, einer je intensiveren Hitze er vorher ausgesetzt war.

5. Mit einem leicht Sauerstofif abgebenden Stoffe (z. B. Cuprioxyd, Blei Chromat) erhitzt, wird der Kohlenstoff ebenfalls in KohlensÀure umgewandelt:

3 C + 4 PbCrO 3 CO, + 4 PbO + 2Crj08.

6. Concentrirte SchwefelsÀure oxydirt den Kohlenstoff in der WÀrme; es entstehen Kohlendioxyd, Schwefeldioxyd und Wasser:

7. Ein Gemisch von SchwefelsÀure und ChromsÀure-Anhydrid oxydirt beim Erhitzen ebenfalls den Kohlenstoff:

4 CrOa + ÖHSO + 3 C 3 COj + 2 + 6 HO.

8. Auf schmelzendes Kaliumnitrat gestreut, verbrennt der Kohlenstoff lebhaft; es entsteht Kaliumcarbonat; das Product reagirt in Folge dessen alkalisch.

Bestimmung des Kohlenstoffes. A. Durch WĂ€gung.

1967. I. Durch Isolirung. Wenn dem Kohlenstoff nur solche Stoffe beigemischt sind, welche in FlĂŒssigkeiten, die auf ihn selbst ohne Einwirkung bleiben, löslich sind, so bestimmt man ihn, indem man die Substanz mit diesen Lösungsmitteln behandelt, den angelösten Kohlenstoff auf einem tarirten Filter sammelt und nach vollstĂ€ndigem Trocknen wĂ€gt. Auf diese Weise bestimmt man z. B. den Kohlenstoff ind Schiesspulver, indem man diesem nach einander den Salpeter durch Wasser und den Schwefel durch Schwefelkohlenstoff entzieht. Wenn die den Kohlenstoff begleitenden Stoffe leicht flĂŒchtig sind (z. B. Wasser), so treibt man sie durch EnvĂ€mien aus und wĂ€gt den RĂŒckstand.

1968. II. Durch den Gtowichtsverlust. Wenn dem Kohlenstoff nur feuerbestĂ€ndige und durch GlĂŒhen an der Luft unverĂ€nderliche Stoffe beigesellt sind, so besteht das einfachste Verfahren darin, dass man die Probe röstet und den RĂŒckstand wĂ€gt.

EnthÀlt die Substanz Graphit, welcher weniger leicht verbrennbar ist als die amorphen Modificationen, so verbrennt man auch wohl in

Der KĂŒrze halber haben wir das KohlensĂ€ure- Anhydrid bisher meistens als KohlensĂ€ure bezeichnet; wir glauben diese Benennung auch noch deswegen meist weiter beibehalten zu dĂŒrfen, weil eine KohlensĂ€ure in theoretischem Sinne, also z. B. HjCOq, nicht existirt (vergl. das in § 1915 ĂŒber die Bezeichnung des KieselsĂ€ure- Anhydrids als KieselsĂ€ure Gresagte).

()14 BestimmuDg des Kohlenstoffes.

einem Sauerstoffstrome. Bei genĂŒgend langem Erhitzen, bei reichlichem Zutritt von Luft und bei genĂŒgend hoher Temperatur ist aber diee AbĂ€nderung des Verfahrens nicht durchaus nöthig, besonders wenn man durch wiederholtes UmrĂŒhren der Substanz mit einem Platindrahte den Zutritt der Luft zu unverbrannten Partikeln erleichtert.

1969. IIL Durch Umwandlung in KohlensĂ€ure. Trockener Weg Die auf einem Schiffchen von Platin oder Porzellan ausgebreitete Substanz wird mit dem Schiffchen in den hinteren Theil eines Rohres aus schwer schmelzbarem Glase (\erbrennungsrohr) von etwa 50 cm LĂ€nge, welches in einem Verbrennungsofen liegt, geschoben; der vordere Theil des Rohres ist auf 15 — 20 cm LĂ€nge mit gekörntem Cuprioxyd beschickt, welches zwischen zwei Bauschen aus Asbest oder aus spiral- förmig aufgerolltem Kupfergewebe festgehalten wird. An die vordere OeflSiung schliesst sich ein Calciumchlorid - Apparat oder eine sonstiire Vorrichtung zum ZurĂŒckhalten von Wasserdampf, welcher sich aus der Substanz entwickeln könnte, und dann ein tarirter Kali-oder Natronkalk- Apparat an (s. § 1999).

An dem entgegengesetzten Ende steht das Verbrennungsrohr mit einem Sauerstoff enthaltenden GasbehĂ€lter (sogen. Gasometer, oder auch einer Stahlflasche mit verdichtetem Gas) in Verbindung. Um den Sauerstoff zu reinigen, leitet man ihn vor dem lĂŒntritt in das Verbrennungsrohr ĂŒber Natronkalk oder durch Kalilauge und ĂŒber Calciumchlorid oder mit SchwefelsĂ€ure getrĂ€nkten Bimsstein.

Nachdem der Apparat dicht schliessend zusammengestellt ist, erhitzt man den ganzen Theil des Verbrennungsrohres, welcher das Cuprioxyd enthĂ€lt, zu dunklem RothglĂŒhen ; dann lĂ€sst man Sauerstoff in langsamem Strome zutreten und erhitzt allmĂ€hlich, von borne nach hinted %orschreitend, den Theil des Rohres, welcher das Schiffchen enthĂ€lt.

Der Kohlenstoff wird zuvor durch reinen Sauerstoff leicht zu Kohlen- sĂ€ure verbrannt. Immerhin können auch geringe Mengen von Kohlenoxyd sich bilden. Um auch diese in KohlensĂ€ure umzuwandeln, lĂ€s-t man das Gasgemisch die Schicht von glĂŒhendem Cuprioxyd passiren.

Nachdem die letzte Spur von Kohlenstoff verbrannt ist, leitet man an Stelle des Sauerstoffes wĂ€hrend kurzer Zeit einen Strom von reiner Luft durch den Apparat, nicht allein um die letzten Spuren KohlensĂ€ure in den zu ihrer Absorption bestimmten Apparat ĂŒberzutreiben, sondern ganz besonders, um aus diesem den reinen Sauerstoff, mit welchem er gefĂŒllt ist, zu entfernen und durch Luft zu ersetzen.

Nachdem der tarirte Apparat die Temperatur der Umgebung angenommen hat, bringt man ihn wieder auf die Waage. Die ermittel ic

Dieses Verfahren wurde von Dunins und Stas zur Bestimmung des Atom- t;ewichtes des Kohlenstoffes angewandt: C. r. U (1840), Inn. lU eh. H d*- phvi. [3] 1 (1841), 1; Stas: Ourns completes (18;)4)/t. I, 235.

A. Durch VVĂ€gung. 6J5

Gewichtszunahme stellt das Gewicht der KohlensÀure dar, welche durch die Verbrennung des Kohlenstoffes gebildet worden ist.

Das Cuprioxyd, welches zur eventuellen Umwandlung des Kohlenoxyds in KohlensĂ€ure angewandt wird, muss, wenigstens zum Theil, durch geschmolzenes und granulirtes Bleichromat ersetzt werden, wenn der zu bestimmende Kohlenstoff von Schwefel oder von Sulfiden, d. h. von Stoffen, welche unter den Versuchsbedingungen Schwefeldioxyd geben, begleitet ist. Denn weil diese Verbindung vom Cuprioxyd wenig oder gar nicht zurĂŒckgehalten wird, wĂŒrde sie von dem Alkalihydrat in dem tarirten Apparate absorbirt werden und das Resultat der Bestimmung mĂŒsste falsch werden; das Bleichromat dagegen hĂ€lt die schweflige SĂ€ure zurĂŒck, indem sich Bleisulfat bildet:

3 PbCrO + 3 SO2 3 PbSO + CrgOg + CrOg.

1970. IV. Duroh Umwandlung in KohlensÀure. Nasser Weg Das Verfahren besteht darin, dass man den Kohlenstoff durch ein Gemisch von SchwefelsÀure und ChromsÀure in einem Kolben verbrennt; wie bei dem vorigen Verfahren wird die erzeugte KohlensÀure in einem tarirten Apparate aufgefangen.

Das SĂ€uregemisch wird in der Art bereitet, dass man z. B. 100 gr ChromsĂ€ure- Anhydrid in 300 — 400 cc Wasser löst und in die Lösung unter UmrĂŒhren 75 cc concentrirte SchwefelsĂ€ure giesst. Die so erhaltene FlĂŒssigkeit erhitzt man, um sie sicher von jeder Spur organischer Substanz zu befreien, einige Zeit und bewahrt sie, gut gegen Staub geschĂŒtzt, zur jeweiligen Verwendung auf.

Man hat neuerdings beobachtet, dass bei diesem Verfahren fast immer ein Theil des Kohlenstoffes zu Kohlenoxyd verbrennt. Es ist deshalb erforderlich, das entweichende Gas, bevor man es in den Absorptionsapparat eintreten lĂ€sst, ĂŒber glĂŒhendes Cuprioxyd zu leiten.

Da sich die Entwickelung von KohlensĂ€ure nur schwer lißguliren lĂ€sst, zieht man zu ihrer Absorption Natronkalk der Kalilauge vor (ĂŒber die zur Absorption von KohlensĂ€ure dienenden Stoffe vergl. § 1999); namentlich zu Beginn der Verbrennung tritt die Entwickelung leicht so heftig ein, dass durch den Gasstrom Kalilauge aus dem sie enthaltenden Apparate herausgeschleudert werden kann.

Bei den zur AusfĂŒhrung des Verfahrens anzuwendenden Apparaten hat man ganz besonders darauf RĂŒcksicht zu nehmen, dass bei der nassen Verbrennung viel grössere Mengen von WasserdĂ€mpfen als bei der trockenen auftreten. Um nun nicht sehr umfangreiche Vorrichtungen zum Trocknen des entweichenden Gases anwenden zu mĂŒssen, leitet man die WasserdĂ€mpfe nach dem Austreten aus dem Zersetzungskolben durch einen energisch wirkenden KĂŒhlapparat. Diesem Theile des ganzen Apparates, in

') R. E. Rogers und W. M. Rogers: SĂŒL Am. J, [2J 5 (1848), 352 und 6 (184S). 110; Brunner: Pogg. Ann. 95 (1855), 379; Ullgren: Ann. 124 (1862), 59.

616 Bestimmung des Kohlenstoffes.

Verbindung mit dem Zersetzungskolben, eine möglichst compendiöse und handliche Form zu geben, war man vielfach bemĂŒht. Unter den in Anwendung stehenden Constructionen erwĂ€hnen wir besonders die von A. Classen) angegebene Vorrichtung, welche sich in der Regel aus den ĂŒblichen InventarstĂŒcken herstellen lĂ€sst, aber an dem Uebel- Stande leidet, dass bei ihr ein Stopfen aus Kork oder Kautschuk, also aus Stoffen, welche theilweise zu KohlensĂ€ure verbrannt werden können, wenn sie von hochgerissenen Tropfen des heissen, oxydirenden SĂ€uregemisches j._ getroffen werden, Verwendung findet Dieser Mangel ist an dem Ullgren-Finken er' sehen Apparate (Fig. 239) vermieden. Er besteht aus dem weithalsigen Zersetzungskolben A, auf dessen Hals der doppelt tubulirte Helm B aufjgeschliflfen ist. Durch den einen Tubus geht, eingeschliffen oder eingeschmolzen, das mit einem Hahne versehene, am unteren Ende aufgebogene Trichterrohr a a, durch welches man das SĂ€uregemisch in den Kolben gelangen lĂ€sst und in welches oben, am Trichter, das Rohr c durch einen Schlifif dicht eingesetzt werden kann. Fig. 289. In den anderen Tubus wird, ebenfalls durch einen Glasschliff

, das Ableitungsrohr b h dicht eingesetzt; an diesem Rohr ist, ausserhalb des Kolbens ein kleiner Liebig'scher KĂŒhler C angebracht Aus dem Rohre h gelangt das entwickelte Gas zu einer mit Cuprioxyd beschickten Verbrennungsröhre von etwa 25 cm LĂ€nge, welche in einem kleinen Verbrennungsofen oder auch einfach auf einer Asbestunterlage in einer eisernen Rinne liegt und durch ein System von 3 bis 4 Brennern mit breiter Flamme auf Rothgluth erhitzt werden kann. An sie schliesst sich ein gerĂ€umiges U-Rohr, welches mit SchwefelsĂ€ure getrĂ€nkten Bimsstein enthĂ€lt, und alsdann eine mit etwas concentrirter SchwefelsĂ€ure beschickte Volhard'sche Vorlage, durch welche dem Gasstrome ' der etwa noch vorhandene Rest von WasserdĂ€mpfen entzogen wird, welche aber ganz besonders dazu dient, die Geschwindigkeit des entwickelten Gasstromes zu beobachten und danach die Verbrennung zu reguliren. FĂŒr den Fall, dass bei sehr rancher Entwickelung Tropfen von SchwefelsĂ€ure fortgerissen werden, lĂ€sst man, um diese anzusammeln, ein leeres oder besser mit trockener Glaswolle gefĂŒlltes U - Rohr folgen. Aus diesem gelangt der Gasstrom in den tarirten Apparat, in welchem die KohlensĂ€ure absorbirt wird. Er be-

Neuerdings sind auch Apparate construirt, bei welchen der KĂŒhler innerhalb des Zersetzungskolbens liegt. Die KĂŒhung ist zwar sehr energisch, aber die Anordnung ist nicht ohne Gefahr. Denn wenn Tropfen der heissen SĂ€ure bis zum KĂŒhler hinaufspritzen und das KĂŒhlwasser plötzlich in grosser Menge in die heisse SĂ€ure sich ergiesst, ist eine heftige Explosion fast unausbleiblich. Man muss bei Anwendung dieser Apparate darauf achten, dass der Kolbeninhalt ruhig und ohne Stösse siedet.

A. Durch WĂ€guDg. 617

steht gewöhnlich aus zwei U - Röhren, von welchen jede auf ihrer ganzen LĂ€nge mit gekörntem Natronkalk und auf den Rest ihrer LĂ€nge (dem ganzen Apparate angewandt) mit Calciumchlorid gefĂŒllt ist. Das letztere Reagens hat die Bestimmung, Wasser, welches in Folge der bei der Absorption eintretenden starken Temperatursteigerung aus dem Natronkalk entweichen kann, zurĂŒckzuhalten. Zum Schutze gegen Kohlen- sĂ€ure und Feuchtigkeit der Ă€usseren Luft, welche wĂ€hrend der Aus- fĂŒhrung der Operation etwa in den Apparat gesaugt werden könnte, bildet ein Rohr mit Natronkalk und Calciumchlorid, weldies natĂŒrlich nicht tarirt wird, den Schluss des ganzen Apparates.

De Koninck empfiehlt, den Zersetzungskolben mit KĂŒhler geneigt zu legen, damit das in letzterem condensirte Wasser an den Kolben- wĂ€nden entlang langsam in das heisse SĂ€uregemisch zurĂŒckfliesst und

Fig. 240.

nicht plötzliche heftige Dampfentwickelung durch locale Ueberhitzung bewirkt. Die von ihm gegebene Anordnung des Apparates, jedoch ohne Cuprioxyd-Rohr und ohne Schutzrohr, stellt die Abbildung Fig. 240 dar. Sie bedarf nach dem (iesagten keiner weiteren ErlÀuterung.

Die AusfĂŒhrung des Versuches ist folgende. Man bringt die zu untersuchende Substanz in den auf eine Asbestunterlage gestellten Zersetzungskolben A (Fig. 239) mit der Vorsicht, dass an den WĂ€nden Nichts hĂ€ngen bleibt, stellt den Apparat dicht schliessend vollstĂ€ndig zusammen, erhitzt das Cuprioxyd-Rohr, lĂ€sst die erforderliche Menge (75 bis 100 cc) des oxydirenden SĂ€uregemisches durch aa m. den Kolben fliessen, wobei natĂŒrlich das Rohr c entfernt ist, und schliesst den Hahn von aa. Dann erwĂ€rmt man den Kolben allmĂ€hlich, entsprechend der Geschwindigkeit des entwickelten Gasstromes, welche man an der Volhard'schen Vorlage beobachtet; gegen Ende der Operation steigert man die Temperatur kurze Zeit bis zum beginnenden Sieden der FlĂŒssigkeit.

') Ein Sandbad ist Dicht zu empfehlen, weil es nicht genĂŒgend schnelle Temperaturregulirung zulĂ€sst.

BestimmuDg des Kohlenstoffes.

Nachdem die Verbrennung beendigt ist, was nach 30 bis 50 Minuten der Fall zu sein pflegt und was man leicht an dem Erkalten des Absorptionsapparates erkennt, öffnet man den Hahn von aoy setzt das Rohr c ein und bringt einerseits dieses mit einem Natronkalk- Rohre, andererseits das entgegengesetzte Ende des Apparates, also das Schuizrohr, mit einem Aspirator in Verbindung; man treibt jetzt durch den Apparat einen langsamen Strom von kohlensĂ€urefreier Luft, welcher die letzten Reste der KohlensĂ€ure in den Absorptionsapparat fĂŒhrt und diesen selbst mit Luft fĂŒllt. Schliesslich nimmt man den Absorptionapparat heraus und bringt ihn wieder auf die Waage.

Durch die Abgabe von Sauerstoff wird ChromsÀure in schwer lösliches Chromisulfat umgewandelt, welches in dem Zersetzungskolben zu Boden sink und sich dort oft sehr fest anlegt. Damit das Eintrittsrohr a a durch dieses Sak nicht verstopft wird, ist es an seinem unteren Ende aufgebogen.

B. Durch Titrimetrie.

1971 L Diirch Barythydrat. Wir werden spÀter sehen (§2001), dass man die KohlensÀure titrimetrisch durch Barythydrat bestimmen kann; es ist klar, dass das Verfahren auf die Bestimmung des Kohlenstoffes angewandt werden kann, nachdem er vollstÀndig zu KohlensÀure oxydirt worden ist.

1971a. IL Diirch ChromsÀnre. Imbert und Conipan) wollen den Kohlenstoff dadurch bestimmen, dass sie ihn mit SchwefelsÀure und ChromsÀure in bekannter Menge behandeln (s. § 1970) und den Leberschuss der ChromsÀure jodometrisch bestimmen.

C. Durch GaBometrie.

1972. Durch Umwandlung in EohlensĂ€nre Man brinut den Kohlenstoff in einen Kolben, welcher einen Hahntrichter und einen ansteigenden KĂŒhler trĂ€gt; alle StĂŒcke sind genau auf einander geschliffen, um jeden organischen Stoff zu vermeiden (vergl. § 19Tl. Fig. 239). Das Ende des KĂŒhers steht durch ein Capillarrohr mit einem gasometrischen Apparate mit OuecksilberfĂŒllung (Nitrometer) in Verbindung. Nachdem der Apparat zusammengestellt ist, macht man ihn möglichst luftfrei, indem man das Gleichgewichtsrohr des NitrometerN wiederholt sent und hebt und den Hahn, welcher sich ĂŒber dem graduirten Theile befindet, nach dem Senken des Gleichgewichtsrohres jedesmal

-) Wiborgh: i9.- u. H. Z. 46 (1887), 233; von Reis: St. u. E. 8 (188m, 257; Lunge und Marchlewski: Z. angew. Ch. 1891, 229 u. 412; W. Hempel: Gcisanal. Methoden, 2. Aufl. (1890), S. 29, u. Verhdlgn. d. Vereins z. d. Geicerb/leisses 189S, 640; E.Donath und W. Ehrenhof er: Oest. Z. f. ß.- u. I/.-U . 45 (1897), 285.

Kohlenstoff. Scheiduugs verfahren. (519

dreht, dass die durch das Senken in den graduirten Theil gedrÀngte Luft nach aussen entweichen kann.

Durch den Hahntrichter lĂ€sst man nun das in § 1 970, S. G 15 beschriebene Gemisch von SchwefelsĂ€ure und ChromsĂ€ure zu der zu untersuchenden Substanz treten und erwĂ€rmt allmĂ€hlich bis zur vollstĂ€ndigen Verbrennung. Nach dem Erkalten lĂ€sst man durch den Hahntrichter 1 — 2 cc Wasserstoffsuperoxyd zutreten; dieses ruft in BerĂŒhrung mit der ChromsĂ€ure eine Entwicklung von Sauerstoff hervor, welcher die letzten Spuren gelöst gebliebener KohlensĂ€ure aus dem Gemische austreibt.

Um alles Gas in den Nitrometer ĂŒberzufĂŒhren, bringt man durch den Trichter heisses Wasser in den Apparat, bis der Kolben, der KĂŒhler und das Capillarrohr, welches den KĂŒhler mit dem Nitrometer verbindet, gefĂŒllt sind.

Schliesslich bestimmt man das Volumen KohlensÀure, welches in dem Gasgemisch enthalten ist, durch Absorption (siege § 2002).

Scheidungsverfahren. Kohlenstoff und Sulfid.

1973 Die Gegenwart von Kohlenstoff ist ohne Einfiuss auf die Bestimmung des Sulfides, welches Verfahren man auch wĂ€hlen mag; nur muss man, wenn man oxydirendes Schmelzen anwendet, dafĂŒr sorgen, dass ein plötzliches Aufflammen vermieden wird (siege § 1644).

Will man umgekehrt den Kohlenstoff auf trockenem Wege bestimmen (§ 19G9), so muss man das Verbrennungsrohr mit Bleichromat beschicken (§ 19G9, S. 615), um das entstehende Schwefeldioxyd zurĂŒckzuhalten. Die ChromatfĂŒllung muss um so ausgedehnter sein, je höher der Gehalt an Sulfid ist.

1974. Man bestimmt den Schwefel entweder durch Oxydation unmittelbar in dem (lemische (§ 1597) oder durch Extraction mittels Schwefelkohlenstoff (§ 1596).

Um den Kohlenstoff zu bestimmen, kann man ihn nach Extraction des Schwefels auf einem tarirten Filter sammeln oder ihn verbrennen. Wenn man in letzterem Falle den nassen Weg anwendet (§1970), so kann die Bestimmung in Gegenwart des Schwefels geschehen; bei Verbrennung auf trockenem Wege ist indessen anzurathen, vorher den Schwefel, wenigstens zum grössten Theile, durch Schwefelkohlenstoff oder ein anderes Lösungsmittel zu entfernen (siege § 1973).

Kohlenstoff und Chlorid oder Bromid.

1975. Zur Bestimmung des Chlorides scheidet man es vom

Ueber die Analyse des SchiesspuWers siege die Special werke ĂŒber technische

Analyse.

620 Eigenschaften der Metallcarbide.

Kohlenstoffe durch Wasser oder verdĂŒnnte und kate SalpetersĂ€ure. Den Kohlenstoff bestimmt man im RĂŒckstande.

In Gegenwart von Chlorid, selbst von Silberchlorid, kann man den Kohlenstoff nicht durch Verbrennen mittels ChromsĂ€ure (§ 1970) bestimmen; denn alle Chloride, welcher Art sie auch sein mögen, veranlassen unter diesen UmstĂ€nden eine Entwickelung von Chlor. Freilich liesse sich das Chlor zurĂŒckhalten, indem man das Gas ĂŒber ein poröses Metall, etwa reducirtes Silber, leitet; dadurch wĂŒrde aber der Apparat complicit werden.

Kohlenstoff und andere Stoffe. 197 6. Wenn man das ĂŒber die Bestimmung des Kohlenstoffes Gesagte ĂŒberlegt, wird man leicht die Verfahren herausfinden, welche fĂŒr die Analyse von Substanzen, welche den Kohlenstoff mit anderen als den in den letzten Paragraphen genannten Stoffen gemischt enthalten, zu wĂ€hlen sind.

Eigenschaften der Metallcarbide.

1977 Die Metallcarbide sind im Allgemeinen bis jetzt noch nicht Hehr bekannt; sie kommen in Legirungen, besonders in Eisensorten (Roheisen, Stahl, Ferromangan, Ferrochrom etc.) vor. Neuerdings jedoch ist das Calciumcarbid zu grosser technischer Bedeutung gelangt Ferner er- wÀhnen wir noch das Siliciumcarbid (Carborundum).

1*. Die nicht oxydirenden SÀuren lösen die Carbide des Fisens und Mangans auf, unter Bildung von Kohlenwasserstoffen und anderen organischen Verbindungen).

Aehnlich wirkt Wasser auf einige Carbide, wie z. B. Calciumund Magnesiumcarbid ; so entstehen aus Calciumcarbid und Wasser Calciumhydrat und Acetylen:

CaCg + 2 H2O --- + CjH.

Aluminium- (auch Ber\'llium-) Carbid zersetzt das Wasser unter Bildung von Methan.

2. SalpetersÀure zersetzt und löst die Carbide des Eisens beim ErwÀrmen vollstÀndig; die Lösung ist durch organische Stoffe (SÀuren?) braun gefÀrbt.

3. In einem Sauerstoff ströme stark erhitzt, werden die Carbide oxydirt; der Kohlenstoff wird in KohlensÀure verwandelt.

4*. In einem Strome von trockenem Chlor erhitzt, verhalten sich die Carbide wie ein einfaches Gemisch; das Metall wird in Chlorid umgewandelt und, wenn dieses flĂŒchtig ist, durch das Chlor fortgefĂŒhrt (Eisen-

Hahn: Ann. 129 (1864), 57; Z. anal. Ch. 4 (1865), 209; E, Prost: BtilL Ac. roy. d. Sc. de Belgique [3] 16 (1888), 216; De Koninck: R. univ. d. M. [3] U (1890), 308.

BestimmuDg der Carbide. 621

carbid); der Kohlenstoff bleibt, beinahe vollstĂ€ndig), unangegrilOfen zurĂŒck.

5*. Die Carbide des Eisens und des Mangans werden von manchen Metallsalzen, namentlich Kupfersalzen, zersetzt; die Metalle werden gelöst und der Kohlenstoff bleibt zurĂŒck.

Bestimmung der Carbide.

1977 In Folge der nicht unbedeutenden Rolle, welche das Calciumcarbid, das einzige im Handel in grösserer Menge vorkonmiende Metallcarbid, spielt, soll nachstehend das bezĂŒglich seiner Analyse Wichtige zusammengefasst werden.

Die grosse Verschiedenheit in der Zusammensetzung der CarbidstĂŒcke, selbst von gleicher Provenienz, sowie die grosse Zersetzbarkeit des Carbides durch die Luftfeuchtigkeit bedingen die schnelle Herstellung und Inarbeitnahme einer grösseren Durchschnittsprobe zur Analyse (50—100

Die Zersetzung des Carbides erfolgt in einem GefĂ€ss nnt Gasableitungsrohr, entweder durch Zutropfenlassen von Wasser oder wĂ€ssriger concentrirter Natriumchlorid-Lösung*) zu dem Carbid, oder lieber umgekehrt durch allmĂ€hliches Eintragen des Carbides in die ZersetzungsflĂŒssigkeit*).

Da die Bewerthung des Carbides nicht nach dem Gehalt an Kohlenstoff" bezw. Carbid, sondern nach der Gasausbeute geschieht, lĂ€uft demgemĂ€ss die Analyse des Carbides gewöhnlich auf eine gasometrische Bestimmung der entwickelten Gasmenge 5) hindus. Dieselbe wird entweder direct in einem grossen Gasometer oder einer grossen in YiQ- Liter graduirten Flasche, welche mit einer zweiten Flasche zur Niveauausgleichung durch einen weiten Schlauch verbunden ist, ĂŒber einer AbsperrflĂŒssigkeit (am besten conc. Natriumchlorid-Lösung) aufgefangen und gemessen, oder in direct bestimmt, indem man das aus dem Gasrecipienten von dem eintretenden Gase verdeĂ€ngte FlĂŒssigkeitsvolumen in ein graduirtes Gefass einfliessen lĂ€sst und in letzterem misst.

R. Lorenz: Z. angew. Ch. 1893, 635.

Steht eine verschliessbare Vorrichtung zum Zerkleinern, z. B. eine KugelmĂŒhle, zur VerfĂŒgung, so werden darin ca. 100 gr StĂŒcken-Carbid gemahlen; von der soerhaltenen, ausserordentlich gut gemischten Mahlung brauchen dann nur 10 gr abgewogen zu werden, so dass bedeutend kleinere Messgefasse verwendet werden können.

Acetylen löst sich in Wasser ziemlich betrĂ€chtlich, dagegen sehr wenig in concentrirter Kochsalzlösung. FĂŒr genaue Analysen muss die SperrflĂŒssigkeit — auch selbst conc. Kochsalzlösung — vorher mit Acetylen gesĂ€ttigt werden, was durch einen Vorversuch erreicht wird. — Auch Wasserglaslösung findet statt Kochsalzlösung Anwendung.

Lunge und Cedercreutz: Z. angew, Ch, 1897, 651.

") Hierbei wird gewöhnlich die gesammte entwickelte Gasmenge als Acetylen angesprochen. FĂŒr genaue Bestimmungen mĂŒssten von den dem Acetylen beigemischten Verunreinigungen: Wasserstoff, Ammoniak, Phosphorwasserstoff und Schwefelwasserstoff, wenigstens die Mengen der drei letzten Gase bestimmt und berĂŒcksichtigt werden.

ß22 BestimmuDg des Kohlenstoffes in Metallen und Leginingen.

Bamberger), auch H.Erdmann gemeinsam mit M. von Unruh-) haben Zersetzungsapparate und Verfahren beschrieben, welche eine gewichtsanaljtische Bestimmung der Gasausbeute bezwecken. Sie verfahren analog wie fĂŒr eine gewichtsanalytische, indirect Bestimmung der Kohlen- sĂ€ure in Carbonaten durch Differenz, d. h. sie bestimmen den Ciewichtsverlust des Inhalts eines mit bekannter Menge Carbid und Natriumchlorid-Lösung gefĂŒllten, mit einem Calciumchlorid-Trockenrohr versehenen Zersetzungsapparates, nachdem durch sehr langsames Auftropfen der Kochsalzlösung auf das Carbid die Zersetzung desselben allmĂ€hlich (in 3 — 4 Stunden) bewirkt ist.

Bestimmung des Kohlenstoffes in Metallen und Legirungen, speciell der Eisensorten

1978 Diese Bestimmung hat vorzugsweise praktische Bedeutung bei der Analyse des Roheisens, Stahls und anderer Eisensorten, sowie auch der Mangan-und Nickel-Legirungen. Es wĂŒrde sich von dem Zwecke unseres Buches zu weit entfernen, wenn wir die verschiedenen in Vorschlag gebrachten und in regelmĂ€ssiger Anwendung stehenden Verfahren eingehend besprechen wollten; wir mĂŒssen uns vielmehr auf einen kurzen Abriss derjenigen Verfahren beschrĂ€nken, welche in die Praxis vorzugsweise Eingang gefunden haben. ZunĂ€ haben wir darauf hinzuweisen, dass in den Eisensorten der Kohlenstoff hauntsĂ€chlich in chemischer Bindung als Carbid-Kohlenstoff und in elementarer Form als (iraphit vorkommen kann, und dass diese beiden Modificationen oft getrennt werden mĂŒssen.

I. Bestimmung des Gesammt-Kohlenstoffes in Eisensorten.

A. Durch WĂ€gung.

1979. I. Durch unmittelbare Verbrennung. 1. Auf trockenem Wege. Es gelingt kaum, selbst wenn das Eisen sehr fein vertheilt ist, den in ihm enthaltenen Kohlenstoff durch GlĂŒhen in einem Sauerstoffstrome vollstĂ€ndig in KohlensĂ€ure umzuwandeln. Der Grund liegt darin, dass sich, verhĂ€ltnissmĂ€ssig leicht, schmelzbares Ferroferrioxyd bildet, welches noch vorhandenes metallisches Eisen umhĂŒllt und gegen den Angriff durch den Sauerstoff schĂŒtzt. Viele der hervorragendsten Chemiker (wir nennen nur H. Rose, Wöhler, Regnault) haben sich mit diesem Verfahren beschĂ€ftigt; sie sind aber auch dann nicht zum Ziele ge-

Siehe Ledebur: Verkdlgn. d. Vereins z. Beförd. d, Geverhfleisses 1893, 280; Hempel: das. S. 460. Siehe auch Z. anal, Ch. 33 (1894), 725ff.i ii. 34 (1895, 191 ff. Aus der ĂŒberaus umfangreichen Litteratur erwĂ€hnen wir gerade diese Abhandlungen, weil sie die ĂŒblichsten Verfahren kritisch besprechen.

1. Bestimmung des Gesammt-KoblenstolFes in Eisensorten. g23

kommen, als sie versuchten, das Eisen in Mischung mit Cupriox}'d, Bleichromat oder anderen Chromaten mit Kaliumchlorat, mit oder ohne ZuhĂŒlfenahme von reinem Sauerstoff, vollstĂ€ndig zu verbrennen. Zu erwĂ€hnen ist aber, dass Pettersson und Smitt) genaue Resultate erhielten, indem sie die Oxydation des Eisens durch Schmelzen mit Kaliumbisulfat bewerkstelligten, und Lorenz), indem er auf das zum Schmelzen (also auf Weissgluth) erhitzte Eisen Sauerstoff leitete.

2. Auf nassem Wege. JĂŒptner von Jonstorff hat (unseres Wissens) zuerst versucht, das ChromsĂ€ure-SchwefelsĂ€ure- Verfahren (siege § 1970) unmittelbar auf Eisen anzuwenden. Es stellte sich heraus, dass das Verfahren in seiner ursprĂŒnglichen Form zu niedrige Resultate gab. Durch Einschaltung eines Cuprioxyd-Rohres (Sarnström*), Ledebur)) gelang aber die vollstĂ€ndige UeberfĂŒhrung des Kohlenstoffes in Kohlen- sĂ€ure. Das Verfahren wird so ausgefĂŒhrt, wie wir oben (§ 1970) beschrieben haben. Nach W. Hempel*') wird der Kohlenstoff, ohne Anwendung eines Cuprioxyd-Rohres, vollstĂ€ndig in KohlensĂ€ure ĂŒbergenĂŒhrt, wenn man das Eisen in Gegenwart von Quecksilber mit dem ox}'direnden SĂ€uregemisch behandelt.

1980. IL Durch trockenes Chlor. Dieses von Wo hl er her- rĂŒhrende Verfahren besteht darin, dass man das Eisen in einem Porzellanschiflfchen; welches in ein Verbrennungsrohr eingeschoben ist, zuerst in einem Strome von trockenem Chlor erhitzt (siege § 1977, Xr. 4) und unter fortgesetzter ChlorzufĂŒhrung wieder erkalten lĂ€sst, sodann, nach dem Erkalten, das Schiffchen mit dem zurĂŒckgebliebenen Kohlenstoff vollstĂ€ndig von Chlor und Chloriden reinigt, und nun in einem neuen Verbrennungsrohre, nach dem in § 19G9 beschriebenen 'erfahren, in einem Strome von Sauerstoff erhitzt. Die entstandene Kohlen- sĂ€ure lĂ€sst man von einem Absorptionsmittel in tarirten Röhren absorbiren.

Das Verfahren ist nur mit dem Uebelstande verbunden, dass es schwer hĂ€lt, ganz reines, von Sauerstoff absolut freies Chlor darzustellen; denn es ist klar, dass durch den beigemischten Sauerstoff bereits in dem ersten Theile des Verfahrens Kohlenstoff zu KohlensĂ€ure oxydirt und der spĂ€teren Bestimmung entzogen wĂŒrde Jedoch wird das Chlor genĂŒgend gereinigt, wenn man es durch ein mit kleinstĂŒckiger, gereinigter, ganz trockener Holzkohle gefĂŒlltes und auf Rothgluth erhitztes Rohr leitet 8) (siege § 1913).

Oest. Z.f. B.' u. H.-W. 31 (1883), 592.

Jern-Kontorets Annaler (Stockholm) [N. F.] 39 (1884), 385; B.- u. H. Z. 44 (1885), 82.

'') Leitfaden EĂŒenhiitten- Laboratorien, 5. Aufl. <1900), S. H4.

L. cit.

") Ueber die Fehlerquellen des Chlor -Verfahrens vergl. Lorenz: Z, angeiv. Ch. 1893, 395.

Siehe Ledebur: op. cit., S. 69.

624 BestimmuDg des Gesammt-Kohlenstoffes in Eisensorten.

198L III. Dnroh Cnprisalze. Neutrale Cuprisalze zersetzen kohlenstoffhaltiges Eisen in der Art, dass das Eisen in Lösung geht und der Kohlenstoff (wahrscheinlich zum Theil in Form unlöslicher organischer Verbindungen) zurĂŒckbleibt. Das Cuprisalz muss absolut sĂ€urefrei sein, da sich anderenfalls flĂŒchtige Kohlenwasserstoffe bilden (vergl. 1977, Nr. 1); ist aber das Eisencarbid erst zersetzt, so ist Salz- sĂ€ure ohne Einfluss auf den ausgeschiedenen Kohlenstoff, bez. dessen Verbindungen.

An Stelle des in Lösung gehenden Eisens scheidet sich metallisches Kupfer ab. Man bringt dasselbe möglichst vollstĂ€ndig in Lösung, indem man den RĂŒckstand mit ĂŒberschĂŒssigem Cuprichlorid oder Ferrichlorid behandelt; das entstehende Cuprochlorid wird durch die imUeberschusse angewandten Alkali-Chloride und durch Zusatz von etwas Salz- sĂ€ure in Lösung gehalten.

Nach Entfernen des metallischen Kupfers, oder wenigstens des weitaus grössten Theiles desselben, sammelt man den schwarzen oder brĂ€unlichen RĂŒckstand in einem mit Asbest ausgelegten gewöhnlichen Trichter 1) und wĂ€ ihn erst mit salzsĂ€urehaltigem, dann mit reinem Wasser vollstĂ€ndig aus, um ihn alsdann auf trockenem (§ 1969) oder auf nassem Wege (§ 1970) zu verbrennen. Im ersteren Falle trocknet man ihn vorher und bringt ihn ohne Verlust, die Trichterwand mit schwach angenetzten AsbestbĂ€uschchen abreibend, in ein Schiffchen. FĂŒr die Verbrennung auf nassem Wege kann man den noch feuchten RĂŒckstand leicht in den Zersetzungskolben einfĂŒhren.

Das Verfahren wurde bereits von Berzelius*) angewandt, und zwar benutzte derselbe Cuprichlorid oder ein Gemisch von Cuprisulfat und Natriumchlorid im einfachen VerhĂ€ltniss ihrer MolekĂŒlgewichte. Reines Cuprisulfat veranlasst die Bildung von flĂŒchtigen Kohlenstoftr Verbindungen, Ă€hnlich wie SĂ€uren; man erleidet daher bei seiner Anwendung Verluste. An Stelle des Cuprichlorides oder des bezeichneten Chlorid-Sulfat-Gemisches wendet man jetzt gewöhnlich Ammonium-Cupri- Chlorid an 8).

1982. IV. Andere Verfahren, den Kohlenstoff sn isolirent. Zur Zersetzung der Eisencarbide sind auch Mercurichlorid (B o u s s in gau 1 1 n und Silberchlorid (Berzelius, Gurlt) empfohlen; da sie aber den Cuprisalzen gegenĂŒber keine VorzĂŒge bitten, sind sie kaum zu einer

Filtrirröhren sind nicht zu empfehleD, weil ibre Retniguog Schwierigkeit macht.

-') Lehrb, d. Chemie, ĂŒbers, von Wö, 3. Aufl. (1833/41), Bd. X, S. 11s (nach R. Fresenius: Anl. z. quant. ehem. Anal, 6. Aufl., II. (1887), 414).

A. S. Mc Creath: Dingl. 226 (1877), 369. Vergl. Lorenz: Z. angew, Ch. 1898, 316.

Wir machen auf die sehr vollstÀndige Zusammenstellung in Z. anal. Ch. 34 (1895), 191 ff. aufmerksam.

C. r. 88 (18()8\ 873; Ann. de ch. et de phys. [4] 19 (1870), 78; ebcnd. [5] 5 (1875), 148.

2. Bestimmuog des Graphit -KohlcnetofiTeß Ilise?) Sorten. 625

allgemeinen Anwendung gekommen. Silberchlorid soll mit grosser Sicherheit die Entstehung fluchtiger Kohlenstoffverbindungen hinder; da es aber ein fester Körper ist, wirkt es sehr langsam.

Eggertz) zersetzt das Eisencarbid durch eisgekĂŒhates Jodwasser, welches einen aus 60 7o Kohlenstoß; 16 7o und 22,5 % Wasser bestehenden, der Formel QqJ2,20H2O entsprechriiden Ruckstand hinterlassen soll. Ebenso ist eisgekĂŒhates Bromwasser vorgeschlagen worden.

WeyF) bewirkt die Zersetzung unter Einwirkung des elektrischen Stromes, indem er das zu untersuchende Eisen als Anode, ein Platinblech als Kathode und verdĂŒnnte SalzsĂ€ure als Elektroht benutzt. Das Verfahren hat sich als durchaus ungenau herausgestellt.

Femer ist versucht worden, das Eisen durch Erhitzen mit trockenem Chlorwasserstoffgas (Sainte-Claire Deville und durch Erhitzen mit trockenem Mercurichlorid (Boussingault)) zu verflĂŒrhtigen.

B. Durch Qasometrie.

1983. Von dem zu untersuchenden Eisen werden 0,1 bis 0,2 gr mit einer gesĂ€ttigten Lösung von Cuprisulfat behandelt; es ist nicht unbedingt erforderlich, dass die Zersetzung des Eisens ganz vollstĂ€ndig ist. Der kohlige RĂŒckstand, sowie das ausgeschiedene Kupfer und das unangegriffene Eisen werden durch ChromsĂ€ure und SchwefelsĂ€ure oxydirt und die entstandene KohlensĂ€ure wird, wie wir in § 1972 beschrieben haben, in einer Gasburette aufgefangen. Ihr Volumen wird durch Absorption mittels Kalilauge bestimmt. Das Verfahren kann nicht genau sein, weil Cuprisulfat zur Entwickelung von Kohlenwasserstoffen Veranlassung giebt (s. § 1981).

Parry) verbrennt den in irgend einer Welse abgeschiedenen kohligen RĂŒckstand durch Cuprioxyd in einer mittels einer Sprengeischen Luftpumpe evacuirten Verbrennungsröhre und sammelt die Kohlen- sĂ€ure in einer Messröhre ĂŒber Quecksilber.

2. BestimmHng des Graphit -Kohlenstoffes in Eisensorten.

1984 Man behandelt das Eisen mit heisser SalzsĂ€ure (1,12 sp.G.), erhĂ€lt das Gemisch einige Zeit im Sieden, sammelt den RĂŒckstand aut einem Asbestfilter und wĂ€ ihn mit Wasser, dann mit Kalilauge und schliesslich mit Alkohol und Aether aus. Man hat jetzt den ganzen Graphit-Kohlenstoff, frei von Carbid-Kohlenstoff, im RĂŒckstande, welchen man auf nassem oder auf trockenem Wege verbrennt und in Form von KohlensĂ€ure nach einem der besprochenen Verfaliren bestimmt.

') Z. anal. Ch. 2 (1863), 433 nach Ch. N. 7 (1863 , 254.

') Pogg. Ann. U4 (1861), 507; Z, anal. Ch. 1 (1862 . 112 u. 250.

L. cit.

A. A. Blair: The ehem. Anal, of Iron, 1. Ed (Philadelphia 1888\ 135.

De Koninc-Meineke, Mineralanalj'se. II. 40

3. BestimmuDg des Carbid-KohlenstofTes in Eisensorten.

Die Behandlung des RĂŒckstandes mit Kalilauge, Alkohol und Aether bezweckt, kohlenstoffhaltige Verbindungen, welche aus dem Carbide stammen, zu entfernen.

An Stelle der SalzsÀure wendet man auch, und vielleicht besser. SalpetersÀure (1,2 sp. G.) an.

3. BestimmunK des Carbid- Kohlenstoffes In Eisensorten.

Durch Colorimetrie.

1985 Behandelt man ein Eisencarbid mit SalpetersÀure, so er- hÀlt man eine braun gefÀrbte Lösung, deren Farbenton von der Menge des in ihr gelösten Kohlenstoffes abhÀngig ist.

Dieses Verhalten hat Eggertz) zu einem Verfahren der colorimetrischen Kohlenstoff-Bestimmung benutzt, welches in den Laboratorien der Stahlwerke die ausgedehnteste Anwendung gefunden hat.

Von dem zu untersuchenden Stahl behandelt man 0,1 gr in einem graduirten Reagircylinder (Eggertz'sche Röhre) mit SalpetersÀure (1,2 sp. G.) bis zur vollstÀndigen Lösung. In genau gleicher Weise

löst man die gleiche Menge eines Stahles, dessen Kohlenstoffgehalt genau bekannt ist, auf. Beide Lösungen werden so weit mit Wasser verdĂŒnnt, dass ihre FĂ€rbungen ĂŒbereinstimmen. Zum Vergleiche bedient man sich eines Gestelles fĂŒr Reagircylinder (Fig. 241), dessen RĂŒckwand durch eine Milchglasscheibe geschlossen ist (s. § 258).

Statt des Verfahrens durch VerdĂŒnnung kann man auch — und wohl besser — da.sjenige mit einer Scala anwenden. Die Scala wird erhalten, indem man von einer Reihe vcmi Stahlmustern mit bekanntem Kohlenstoffgehalt dieselbe Menge (0,1 — 0,2 gr) in SalpetersĂ€ure auflöst (siege § 259, Bd. I, S. 240).

Das Verfahren giebt nur dann gute Resultate, wenn die typischen Lösungen und die Versuchslösungen bis auf das Kleinste in gleicher Weise bereitet sind; sie sind schon dann nicht mehr mit Sicherheit vergleichbar, wenn beide Stahle nach verschiedenen Verfahren, z. B. der typische Stahl nach dem „basischen'*, der zu untersuchende Stahl nach dem „sauren" Bessemer - Verfahren dargestellt sind 2). Zur Controlle des Betriebes des gleichen technischen Verfahrens leistet das bezeichnete

Fig. 241.

') Z. anal. Ch. 2 (18G3), 434 nach Ch. N. 7 (1863), 254 flf.

') Der Grund liegt wahrscheinlich darin, dass auch der chemisch gebundene, d. h. der unter den gegebenen Bedingungen lösliche Kohlenstoff in verschiedener Modification vorhanden ist. Wir können diese technische und analytisch noch nicht geklÀrte Frage nur erwÀhnen.

Carbide. Scheidungs verfahren. g27

Untersuchungsverfahren gute Dienste). Auf Eisensorten, welche Graphit enthalten, ist es nicht anwendbar.

Neuerdings hat Peipers) vorgeschlagen und empfohlen, den Kohlenstoff durch eine Strichprobe zu bestimmen. Man setzt auf eine unglasirte Porzellanplatte eine Anzahl Striche mit verschiedenen Stiften von Stahl, deren Kohlenstoffgehalt genau bekannt ist, und zwischen je zwei dieser Striche einen Strich mit dem zu untersuchenden Eisen; dann taught man die Platte in eine Lösung von Ammonium-Cuprichlorid und vergleicht die FĂ€rbungen des zurĂŒckbleibenden Kohlenstoffes.

Scheidungsverfahren. Carbid-Kohlenstoff und araphit-Kohlen8tofÂŁ

1986 Man bestimmt in einer Probe den Gesammt- Kohlenstoff (§§ 1979—1983) und in einer zweiten Probe den Graphit (§ 1984); den Carbid - Kohlenstoff erhĂ€lt man aus der Differenz. Nach dem in § 1985 Gesagten ist es nicht angĂ€ngig, den Carbid -Kohlenstoff colorimetrisch und den Graphit -Kohlenstoff aus der Differenz zu bestimmen.

Es ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, beide Kohlenstoffarten in einer und derselben Probe zu bestimmen, indem man zunĂ€ durch ein weniger energisch als ChromsĂ€ure wirkendes Mittel, z. B. durch Permanganat in Gegenwart von SchwefelsĂ€ure), den Carbid-Kohlenstoff und in dem RĂŒckstande den Graphit - Kohlenstoff bestimmt.

Carbid und Sulfid, Phosphid oder Silicid.

1987 Diese Verbindungen kommen neben einander in den Eisensorten vor.

Man bestimmt jede von ihnen in einer besonderen Probe, ohne auf die anderen besondere RĂŒcksicht zu nehmen. Phosphor und Silicium können durch geeignete Verfahren auch sehr gut in derselben Probe — ebenso wie Schwefel und Silicium — bestimmt werden. In dem Falle, dass man Handelseisen durch ein Metallsalz zersetzt hat, bleibt auch der Schwefel in elementarem Zustande im RĂŒckstande (siege §§ 1647 a und 1648 a); zu der Verbrennung auf trockenem Wege muss man daher in diesem Falle Bleichromat benutzen (§ 1969).

Auf eine von J. Spuller (CA.-Z. 28 (1899), 476) vorgeschlagene Modi- ĂŒcation des Verfahrens machen wir aufmerksam.

') Einige Versuche gaben zum Theil befriedigende, zum Theil ungenaue Resultate. Vielleicht nimmt ein Fachgenosse diese oder Àhnliche Versuche wieder auf. (Meineke.)

Eigenschaften des Kohlenoxyds.

1988 1. Das Kohlen oxyd ist ein farbloses, geruchloses, in Wasser fast unlösliches, in Alkohol etwas lösliches Gas; es wirkt in hohem Grade giftig. Ein Liter Kohlenoxyd wiegt, unter normalen Bedingungen, 1,2582 gr.

2. Alkalihydrate, Alkalipyrogallate, Ferrosalzlösungen, Phosphor sind ohne Wirkung auf dieses Gas; es trĂŒbt weder Kalkwasser noch Barytwasser.

3*. An der Luft entzĂŒndet, verbrennt das Kohlenoxyd mit blauer Flamme; es wird in KohlensĂ€ure umgewandelt:

2C0-t O2--2CO2.

4. Mit vSauerstoff gemischt und entzĂŒndet, giebt es ebenfalls KohlensĂ€ure. Wie die Formel

2 Co O2 -- 2 Co2

2 Vol. IVol. 2 Vol. zeigt, ist das Volumen der entstandenen KohlensÀure gleich dem Volumen des angewandten Kohlenoxyds, und die totale Volumen Verminderung, die Contraction, ist halb so gross, wie das Volumen des Oxydes.

5. Wenn man Kohlenoxyd ĂŒber rothglĂŒhendes Cuprioxyd leitet, so oxydirt es sich auf Kosten des letzteren:

CO + 2 CuO CO2 + CuoO, oder CO + CuO --- CO. + Cu.

An Stelle des Cuprioxydes kann man auch Bleichrom at anwenden (vergl. § 1966, Nr. 5).

6*. Cuprochlorid- Lösungen (Cuprochlorid in SalzsÀure gelöst, ferner Ammonium-oder Ammoniak-Cuprochlorid) absorbiren in der KÀlte Kohlenoxyd; es entsteht die wenig bestÀndige Verbindung Cu2(:i2,CO,2H20).

7*. Kohlenoxyd reducirt gelöstes Palladochlorid: PdCIo + 1 loO + CO Pd + 2 HCl + CO,.

Die Reaction vollzieht sich langsam, wenn man das Kohlenoxyd im Gaszustande anwendet, dagegen schnell, wenn es in einer neutralen oder sauren Lösung von Cuprochlorid gelöst ist, obwohl dieses letztere fĂŒr sich ohne Einwirkung auf das Palladosalz ist*). Ueberschuss an Salz- sĂ€ure oder Ammonium-bez. Natriumchlorid ist der Reduction hinderlich.

8. Silbersalze in ammoniakalischer Lösung werden von Kohlenoxyd schon in der KÀlte reducirt. Das Kohlenoxyd unterscheidet sich hierdurch von reinem Wasserstoff 3).

9. Kohlenoxyd reducirt die JodsÀure in der WÀrme und zwar schon bei löOC.-*).

') Leblanc: C. r. 30 (ISjO), 483; Berthelot: L'InstĂŒut 24 (1856), lOL Cl. Winkler: Z anal. Ch. 28 (1889), 273. ') Berthelot: BulL Soc. ch. [3] 5 (1891), 569.

Ditte: Bull. Soc. ch. [2] 18 (1870), 318; C. De la Harpc und F. Reverdin: Bull. Soc. ch. [3] 1 (1SS9\

Bestimmung des Kohlenoxyds.

G29

10. Kohlenoxyd wd in der KĂ€lte von dem Farbstoffe des Blutes, dem HĂ€moglobin, absorbirt, selbst wenn dieser durch Wasser stark ver- dĂŒnnt ist Das Blut, welches Kohlenoxyd absorbirt hat, zeigt auf Zusatz eines Reductionsmittels , namentlich von farblosem Ammoniumsulfid, ein Absorptionsspectrum, welches sich von dem Spectrum eines normalen Blutes unter den gleichen UmstĂ€nden unterscheidet: Ammoniumsulfid verĂ€ndert, wie Fig. 242 zeigt, das Spectrum des normalen Blutes, dagegen nicht das Spectrum des Blutes, welches Kohlenoxvd enthĂ€lt.

B G

Eb

B C

I lim II

""""r II I — T

Eb

I Spectrum des normalen Blutes.

II Spectrum von Blut, welches Kohlenozyd

enthÀlt, vor nnd nach der Behandlung

mit Ammoniumsulfid.

III Spectrum des normalen Blutes nach Zusatz

von Ammoniumsulfid.

Die Buchstaben bezeichnen die Ilauptlinien

des Sonnenspectnims.

Flg. 242.

Bestimmung des Kohlenoxyds. A. Durch WĂ€gung.

1989. Durch Umwandlung in KohlensĂ€ure. Das abgemessene Gasvolumen wird, nachdem es eventuell durch Ueberleiten ĂŒber Natronkalk von KohlensĂ€ure befreit ist, getrocknet und durch ein Rohr mit rothtlĂŒhendem Cuprioxyd geleitet; die so entstandene KohlensĂ€ure wird in einem tarirten Apparate von Natronkalk oder Kalilauge absorbirt; die Gewichtszunahme giebt das Gewicht der KohlensĂ€ure (s. § 1999).

Um sehr kleine Mengen Kohlenoxyd, welche in einem grossen Volumen fremder Gase enthalten sind, aufzufinden und gleichzeitig zu bestimmen, lĂ€sst man das Gas in einzelnen Blasen durch Röhren mit Kalilauge oder Natronkalk treten, so dass jede Spur von KohlensĂ€ure zurĂŒckgehalten wird; dann leitet man es durch eine Winkler'sche Spirale (§1999, Fig. 248) mit einer vollkommen klaren Lösung von Barythydrat (welche klar bleiben muss, wenn alle KohlensĂ€ure absorbirt war), sodann ĂŒber rothglĂŒhendes Cuprioxyd und zuletzt wieder durch eine Spirale mit Barytwasscr.

Damit nicht KohlensÀure der Luft von dem Bar)'twasser absorbirt werden kann, versieht man die zweite Spirale mit einem mit Natronkalk beschickten Schutzrohre.

Enthielt das untersuchte Gas Kohlenoxyd, so ruft die aus ihm entstandene KohlensĂ€ure in dem letzten Barytwasser eine TrĂŒbung hervor; man kann den Niederschlag sammeln und wĂ€gen (§ 2000) oder ihn alkalimetrisch bestimmen und die seinem Gewichte entsprechende Menge Kohlenoxyd berechnen.

630 Bestimmung des Kohlenoxyds.

B. Durch Titrimetrie.

1990 L Duroh Barythydrat. Das Kohlenoxyd wird wie bei dem vorigen Verfahren in KohlensÀure umgewandelt; diese wird durch Einleiten in im Ueberschuss bemessenes Bar\'twasser und Titriren des Ueberschusses bestimmt (§ 2001).

1990 II. Durch JodsĂ€ure Das von Staub, Schwefelwasserstoff und Schwefeldioxyd befreite Gas (Luft) wird durch ein JodsĂ€ure enthaltendes U-Rohr geleitet, welches in einem Oelbade auf 150 — 200 °C erhitzt wird (vergl. § 1992 a). Das frei gemachte Jod wird in einer Kaliumjodid-Lösung aufgefangen und mit entsprechend verdĂŒnnter (Vioo' oder selbst Lösung titrirt.

C. Duroh Gasometrie.

1991* L Durch Absorption. Das abgemessene Volumen des Gases wird von eventuell beigemischtem Sauerstoff durch Kaliumpyrogallat oder durch Ferrotartrat befreit (§ 1360) und dann wieder gemessen. Das Ferrotartrat ist dem Pyrogallate vorzuziehen, weil aus letzterem in Folge der Sauerstoff -Absorption kleine Mengen von Kohlenoxyd gebildet werden können.

Dann lĂ€sst man das Kohlenoxyd durch eine Lösung von Cuprochlorid absorbiren; bestimmt man das Volumen des GasrĂŒckstandes, so erhĂ€lt man aus der Differenz das Volumen des Kohlenoxyds.

Das Cuprochlorid kann in Anmioniak, in SalzsÀure oder in Ammoniumchlorid gelöst sein, doch wird die ammoniakalische Lösung bevorzugt*).

1992 IL Durch Verbrennung oder Explosion, Man mischt das abgemessene Volumen des Gases, wenn es nicht schon eine ge- nĂŒgende Menge von Sauerstoff enthĂ€lt, mit Luft und misst das Gemisch von Neuem. Dann fĂŒllt man es* in eine Pipette oder einen Eudiometer mit eingeschmolzenen PlatindrĂ€hten ĂŒber und lĂ€sst einen elektrischen Funken durchschlagen, oder, und das ist vorzuziehen, man leitet es durch ein Capillarrohr (1 mm Weite), welches Palladium- Asbest enthĂ€lt und erhitzt ist.

Das Kohlenoxyd wird in KohlensÀure umgewandelt:

2 CO + O2 2 COg. 2 Vol. 1 Vol. 2 Vol.

Das Volumen des Kohlenoxyds ist doppelt so gross als die beobachtete Contraction.

Wenn das ursprĂŒngliche Gemisch frei von KohlensĂ€ure war, oder

L. P. Kinnicut und G. R. Sandford: /. Am, eh. Soc. 22 (19CK)), 14: A. Gautier: C. r. 126 (1898), 931.

Siehe Cl. Winkler: Lehrbuch d. techn. Gasanalyse, 3. Aufl. (Leipzig 1901) S. 8-1.

Koblenoxyd. Scheidungsverfahren. g31

wenn ihm diese vorher entzogen worden ist, so kann man auch das Volumen der durch die Verbrennung entstandenen KohlensÀure bestimmen und erhÀlt eine ControUe des ersten Resultates.

Endlich kann man auch die KohlensÀure sofort nach der Verbrennung absorbiren lassen; in diesem Falle ist das Volumen des Kohlenoxyds gleich beobachteten Volumenverminderung.

D. Duroh Colorimetrie.

1992 Kohlenoxyd wird durch JodsÀure bei 150 C. glatt zu KohlensÀure unter Abscheidung von Jod oxydirt:

5Co+2Hj03 5C02-|-J2 + H20.

M. Nicloux) benutzt diese Reaction zur Bestimmung des Kohlenoxyds, indem er das frei werdende Jod colorimetrisch bestimmt. Er leitet die zu untersuchende Luft, um sie von KohlensĂ€ure, Schwefelwasserstoff und Schwefeldioxyd zu befreien, durch Kalilauge und dann durch ein U-Rohr, welches JodsĂ€ure enthĂ€lt und in einem Oelbade auf 150 erwĂ€rmt werden kann. Das in dieser Röhre frei werdende Jod lĂ€sst er in einer unmittelbar sich anschliessenden Vorlage von Natronlauge absorbiren, sĂ€uert diese nach Beendigung der Oxydation mit SchwefelsĂ€ure an, fĂŒgt einige Centigramm Natriumnitrit, sowie Chloroform oder Schwefelkohlenstoff hindu und bestimmt das von dem einen oder dem anderen der beiden letzteren Lösungsmittel gelöste Jod colorimetrisch (siege § 1427).

Scheidungsverfahren. Kohlenozyd und Chlorwasserstoff! 1993 Die Scheidung dieser beiden Verbindungen ist leicht durch Absorption des Chlorwasserstoffes durch Kalihydrat oder ein anderes alkalisches Reagens zu bewerkstelligen.

Kohlenoxyd und Wasserstoffl

1994. Man bestimmt das Kohlenoxyd durch Absorption mittels Cuprochloridlösung (§ 1991); der Wasserstoff bleibt zurĂŒck.

Man kann auch das getrocknete Gasgemisch ĂŒber rothglĂŒhendes ("uprioxyd leiten und beide Gase bestimmen, indem man erst das entstandene Wasser (§ 1368) und dann die entstandene KohlensĂ€ure (§ 1989) in tarirten Apparaten auffĂ€ngt.

Endlich kann man Sauerstoff dazu mischen und durch das Gemisch einen elektrischen Funken schlagen lassen: man ermittelt zuerst die entstandene Contraction, bestimmt dann die KohlensÀure durch Absorption (§ 2002) und berechnet aus diesen Daten die Volumina, welche der Wasserstoff und das Kohlenoxyd einnahmen (§ 1370 und § 1992).

632 liligenscfaaften des Kohleadioxyda.

&ohlenoxyd und Saueratoffl

199 5. Das praktischste Mittel zur Bestimmung von Kohlen< oxyd und Sauerstoff in Gemischen besteht darin, dass man erst den Sauerstoff durch Absorption (§ 1360) imd dann das Kohlenoxyd ebenfalls durch Absorption, und zwar mittels Cuprochlorid, bestimmt.

Die Gegenwart von Sauerstoff stört die Bestimmung des Kohlenoxyds nach anderen Verfahren nicht.

Kohlenozyd und Stickstoffl

1995a. Kohlenoxyd wird durch Absorption eliminirt. Stickstoft bleibt zurĂŒck.

Kohtenoxyd und Ammoniak.

1996. Man bestimmt das Ammoniak nach einem beliebigen Verfahren und in r:'iner besonderen Probe das Kohlenoxyd, nachdem man das Ammoniak durch SchwefelsÀure entfernt hat. Man kann auch beide Gase zusammen von einer Lösung von Cuprochlorid in SalzsÀure absorbiren lassen.

£is;en SchÀften des Kohlendioxyds (KohlensÀure -Anhydrid, KohlensÀure

1997. 1. Die KohlensÀure ist ein farbloses und geruchloses Gas; sie hat einen schwach sauren Geschmack. Sie ist in Wasser merklich löslich; ein Volumen desselben nimmt unter den gewöhnlichen Ver- hÀltnissen von Luftdruck und Temperatur etwa das gleiche Volumen KohlensÀure auf; durch Kochen wird das gelöste Gas leicht vollstÀndig wieder ausgetrieben.

Ein Liter KohlensÀure wiegt, bei und 7G0 mm Quecksilberdruck, 1,9772 gr. Ein Cubikcontimeter wiegt also, in under Zahl, 2 mgr. Hin Cubikcentimeter Luft wiegt unter den gleichen UmstÀnden nur 1,3 mgr).

2. Die wÀssrige Lösung der KohlensÀure röthet Lakmus wie eine schwache SÀure; bei Zutritt der Luft, und noch schneller beim Er- wÀrmen, tritt die blaue Farbe des Lakmus wieder hervor. Die Kohlen- sÀure wirkt praktisch fast gar nicht 3) auf Methylorange (siege die alkalimetrischen Indicatoron, Bd. I, S. 296).

Wir wenden im bolgcnden die fast allein ĂŒbliche kurze Bezeichnung „KohlensĂ€ure" an. Vergl. das in der Fussnote zu § 1673, Nr. 1 Gesagte.

') Wir haben schon in § 1881 darauf aufmerksam gemacht, dass, wenn man in einem gewogenen Apparate 1 cc Luft durch KohlensÀure ersetzt, ein Uebergcwicht von 0,7 mgr hervorgerufen wird. Das ist eine nicht zu vernachlÀssigende Grösse.

') Leitet man eine langsamen CO-Strom in mit Methylorange gefĂ€rbtes Wasser, so verwandelt sirli ĂŒe rein gelbe Farbe in Gelbroth.

EigenschaftCD der Carbonate. g33

3*. In Kalk Wasser und in Barytwasser ruft die KohlensĂ€ure weisse NiederschlĂ€ge von Carbonaten hervor (vergl. § 1673, Nr. 3): + COg CaCOg + HO. Das Reagens muss im Ueberschusse vorhanden sein; sonst wĂŒrden sich lösliche Bicarbonate bilden:

4. Kalihydrat und Natronhydrat, in festem oder gelöstem Zustande, sowie Natronkalk i) absorbiren energisch KohlensÀure. Es entstehen zuerst Carbonate und dann Bicarbonate.

5. Die KohlensÀure wirkt weder oxydirend noch reducirend; sie entfÀrbt nicht JodstÀrke (vergl. §1673, Nr. 4) und fÀrbt nicht JodidstÀrke (ozonoskopisches Papier).

Eigenschaften der Carbonate.

1998 1. Es giebt neutral, basische und saure Carbonate. Die letzteren sind in Wasser löslich.

Unter den neutralen Carbonaten sind nur die Alkalicarbonate löslich; sie reagiren stark alkalisch, fÀrben Lakmus entschieden blau und Phenolphtale'fn roth.

Die basischen Carbonate, z. B. des Eisens und des Zinks, sind analytisch von keiner grossen Bedeutung.

Die bekannten sauren Carbonate, selbst die sauren Alkalicarbonate, sind wenig bestÀndig; sie werden schon durch Kochen ihrer Lösmig vollstÀndig zersetzt:

2 NaHCOg NaCO., + HgO + CO. ; sie blÀuen Lakmus nur schwach und röthen nicht Phenolphtale'in, wirken aber alkalisch auf Methylorange.

2. Alle Carbonate, mit Ausnahme derjenigen der Alkalimetalle und des Baryums, werden durch GlĂŒhen bei einer mehr oder weniger hohen Temperatur zersetzt:

CaCOg CaO + COg.

Mit Borax oder Kaliumdichromat oder ausgeglĂŒhter KieselsĂ€ure oder Ouarzpulver geglĂŒht, werden auch die Alkalicarbonate zersetzt:

Die schwachen Basen bilden mit der KohlensĂ€ure ĂŒberhaupt keine Salze.

3*. Die SĂ€uren, welche Lakmus röthen, zersetzen sĂ€mmtlich die (arbonale; das entstandene KohlensĂ€ure-Anhydrid entweicht mehr oder weniger stĂŒrmisch in Blasenform; man sagt deshalb, dass Carbonate mit SĂ€uren aufbrausen:

NagCOg + HCl NaCl + NaHCOg, oder NaCOg + 2 HCl 2NaCl + HO + COg.

Man versteht darunter ein trockenes, inniges Gemisch von NalriurahydraX. Calcinmoxyd.

BestimmuDg der KohleDsÀure.

Um die Natur des entwickelten Gases festzustellen, lĂ€sst man es auf Kalkw asser wirken (§ 1997, Nr. 3). Wenn die Reaction in einem Reagircylinder hervorgerufen wird, sent man in denselben einen mit dem Reagens befeuchteten Glasstab; dieser bedeckt sich mit einer Haut von Calciumcarbonat. Man kann das Kalkwasser durch Barytwasser ersetzen, darf dabei aber nicht vergessen, dass dann die TrĂŒbung auch durch Schwefeldioxyd hervorgerufen werden kann; die dieses Gases kann man verhindern, indem man der zu prĂŒfender Substanz Kaliumchromat oder -Dichromat zusetzt. Die Reaction wird sicherer und empfindlicher, wenn man die Zersetzung des Carbonates in einem kleinen Apparate bewirkt, welcher mit einem etwas Kalkwasser enthaltenden Reagircylinder oder U- Rohre (Fig. 243 u. 244) in Verbindung steht. Ist die Menge der entstandenen KohlensĂ€ure sehr gering, so erwĂ€rmt man den Apparat ein wenig, um die Kntwickelung zu befördern, oder giebt ein StĂŒckchen Zink hindu; der entstehende Wasserstoff resist dann 1 1 die KohlensĂ€ure mit ĂŒber.

Fig. 248. Baryumchlorid rufen in den Lösungen neutraler Carbonate amorphe weisse NiederschlÀge von Calcium-oder Baryum-Carbonat hervor:

NajCOg + CaClj 2 NaCl + CaCOg. In den Lösungen der sauren Carbonate entstehen durch diese Keagentien in der KÀlte keine NiederschlÀge; beim ErwÀrmen jedoch wird das saure Carbonat zersetzt (siege Nr. 1) und in Folge dessen entsteht ein Niederschlag von neutralem Carbonat.

5. Die Lösungen der Salze der Schwermetalle geben in den Lösungen der Carbonate NiederschlÀge.

Pig. 244.

Bestimmung der KohlensĂ€ure. I. In gasförmigem Zustande (Kohlendloxyd)'). A. Duroh WĂ€gung. 1999. I. Durch directe WĂ€gung. Dieses sehr alte Verfahren i.<t theoretisch ausserordentlich einfach und giebt auch, bei sorgsamer Aus- fĂŒhrung, sehr genaue Resultate. Es besteht darin, dass man das Gas

') FĂŒr den Analytiker ist hier die „flĂŒssige KohlensĂ€ure" des Handels zu subsumiren, welche nach dem Princip der gasometrischen Verfahren (§ 2002) vortheilhaft in einem von A. Lange (Ch. Itul. 23 (1000), 530) empfohlenen Apparat untersucht wird

1. In gasförmigem Zustande (Kohlendioxyd). A. Durch WÀgung. 635

durch einen larirten Apparat, welcher eine die KohlensÀure absorbirende Substanz enthÀlt, leitet und die Gewichtszunahme bestimmt.

Das Gas muss, bevor es in den Apparat tritt, von jedem fremden Stofife, welcher in ihm zurĂŒckgehalten werden könnte (Staub, Wasserdampf, Schwefeldioxyd etc.), befreit sein ; der Apparat darf bei dem Durchgange der unwirksamen Gase, welche das zu bestimmende Gas begleiten können (Sauerstoff, Stickstoff, Kohlenwasserstoffe u. a. m.). Nichts verlieren (Feuchtigkeit) und endlich mĂŒssen nach beendigter Absorption die Gase, welche die leeren Theile des Apparates ausfĂŒllen, von atmosphĂ€- richer Luft verdeĂ€ngt werden, damit bei der zweiten Tarirung die UmstĂ€nde, welche bei der ersten herrschten, wieder hergestellt werden.

Zum Absorbiren der KohlensÀure benutzt man entweder eine concentrirte Lösung von Kalihydrat (1 Th. Hydrat in 2 Th. Wasser), oder gekörnten Natronkalk, oder endlich ein Gemisch, welches durch Behandlung von Kalk mit der Àquivalenten Menge Natriumsulfat erhÀlt 2).

Fig. 245.

Fig. 246.

Fig. 247.

Die Kalilauge) hat, weil sie flĂŒssig ist, den Vorzug, dass sie die Geschwindigkeit, mit welcher das Gas in das Reagens gelangt und hier absorbirt wird, erkennen lĂ€sst; dagegen ist die AbsorptionsfĂ€higkeit eines Natronkalkes von guter QualitĂ€t viel betrĂ€chtlicher; ferner sind die Kali -Apparate complicirter und zerbrechlicher als diejenigen fĂŒr Natronkalk, auch bitten sie eine grössere OberflĂ€che als diese und können daher unter dem Einfluss der Luftfeuchtigkeit die WĂ€gung weniger sicher machen.

Die vorzugsweise angewandten Kali -Apparate sind die von Lieb ig (Fig. 245), von Geissler (Fig. 246), von De Koninck (Fig. 247), von Cl. Winkler (Fig. 248) und in neuerer Zeit der von Bender-Hobein (Fig. 249). Der vorletzte ist derselbe Spiral - Apparat, welchen wir

Statt Kalihydrat kann man auch Natronhydrat nehmen; dies hat aber die Unannehmlichkeit im Gefolge, dass das entsprechende Bicarbonat wenig lösUcU ist und leicht den Apparat an der Seite des Gaszutrittes verstopft.

'-) Ueber den relativen Werth der verschiedenen siege R. Fresenius: Z. anal. Ch. 5 (186G), 87.

'i Siehe Dumas und Stas: 1. cit.

BestimmuDg der KohlensÀure.

bei der Absorption des Schwefelwasserstoffes beschrieben haben (§ 1623, S. 412). Die anderen bestehen, Avie die Abbildungen zeigen, aus einer Reihe von Kugeln, welche theilweise mit der Kalihydrat- Lösung gefĂŒllt und so angeordnet sind, dass das Gas in einzelnen

Blasen durch den Apparat geht und möglichst lange mit der absorbirenden FlĂŒssigkeit in BerĂŒhrung bleibt. Das Zuleitungsrohr, welches bei den in Abbildung 245 und 24G dargestellten Apparaten auf der rechten, bei den drei andern auf der linken Seite liegt, ist mit einer Ausbauchung versehen , von welcher,im Falle eines ZurĂŒck-

Fig. 248.

Fig. 249.

saugens, die ganze FlĂŒssigkeit aufgenommen werden kann.

Jeder Kali -Apparat muss an der Austrittsstelle des Gases mit einem kleinen geraden oder gebogenen Rohr (vergl. Fig. 24G bez. 249) versehen sein, welches mit getrocknetem gekörntem Calciumchlorid, oder mit gekörntem Kalihydrat, oder mit grobstĂŒckigem Natronkalk und Kalihydrat oder Calciumchlorid gefĂŒllt ist, und in welchem die von dem durchgeleiteten Gase aus der Kalilauge mitgerissenen WasserdĂ€mpfe zurĂŒckgehalten werden. Es wird mit dem Apparate, welchem es angefĂŒgt ist, tarirt. FĂŒr Natronkalk benutzt man gewöhnlich einfache, leichte U -Röhren (Fig. 250) von 12 — 15 mm Weite und einer Gesammt- lĂ€nge von 20 — 30 cm; aber auch die durch Fig. 251 dargestellte Anordnung'), welche den Vorzug hat, bei soliderer Construction und gleichem Fassungsraum geringere OberflĂ€che zu haben, kann gute Dienste listen. Wenn man Natronkalk anwendet, so wird, in Folge der Absorption der KohlensĂ€ure, Wasser entwickelt:

2 NaOH + CO., NaCO., + HO.

Siehe ĂŒber die FĂŒllung der Kali-Apparate etc. P. JaDDasch: Praktischer Leitfaden der Gewichtsanalyse, S. 23; I.udw ig Gattermann: Die Praxis des or ganschen Chemikers, 2. Aiitl (iSiKli, S. 91 tV.

-'/ De Koninck: nicht vcrört'eiulichte Construction.

Fig. 2r.o.

Fig. 2.M.

1. In gasförmigem Zustande (Kohlendioxyd). B. Durch Titrimetrie. 637

Dieses Wasser muss in dem Apparate zurĂŒckgehalten werden. Man erreicht diesen Zweck sicher und vollstĂ€ndig, indem man nur drei Viertel des Rohres mit Natronkalk und das letzte, auf der dem Gaszutritt abgewandten Seite liegende Viertel mit Calciumchlorid fĂŒllt

Um eine Bestimmung auszufĂŒhren, tarirt man den gewĂ€hlten Apparat und lĂ€sst das Gas, welches durch Ueberleiten ĂŒber eine hygroskopische Substanz (siege § 1383) vorher getrocknet worden ist, möglichst langsam eintreten. Nach beendigter Absorption leitet man zum „Ausfegen** einen Strom von reiner Luft durch, d. h. von Luft, welche man von Kohlen- sĂ€ure und Feuchtigkeit, z. B. durch successives Ueberleiten ĂŒber Natronkalk und Calciumchlorid, oder einfach ĂŒber gekörates Kalihydrat, welches beide Stoffe gleichzeitig aufnimmt, befreit hat.

Wenn man die KohlensÀure in einem Gasgemische zu bestimmen hat, muss man entweder das zur Absorption in den Apparat getriebene Gas*) oder das Gas, welches unabsorbirt den Apparat verlÀsst, messen.

2000* IL Durch Barythydrat. Man lĂ€sst das Gas langsam, in einzelnen Blasen, in einen Apparat treten, welcher eine vollkommen klare Lösung von Barythydrat enthĂ€lt. Die KohlensĂ€ure ruft einen Niederschlag von Carbonat hervor, welchen man sammelt und, nachdem er ausgewaschen und schwach geglĂŒht ist, wĂ€gt (siege § 484).

Der einzige Uebelstand dieses Verfahrens besteht in der Schwierigkeit, wÀhrend des Filtrirens und Auswaschens des Niederschlages die Absorption von KohlensÀure aus der Luft zu vermeiden.

Man könnte auch die KohlensĂ€ure durch ein abgemessenes Volumen einer titrirten Barythydrat - Lösung absorbiren lassen, nach vollstĂ€ndigem Absitzen des Carbonates in einem geschlossenen GefĂ€sse mittels einer Pipette einen aliquoten Theil der klaren FlĂŒssigkeit entnehmen und in diesem den Barythydrat- Ueberschuss durch FĂ€llung mittels SchwefelsĂ€ure bestimmen (vergl. das entsprechende titrimetrische Verfahren § 2001). Auf diese Weise wĂŒrde man das Filtriren und Auswaschen des Carbonates umgehen. Dieses gewichtsanalytische Verfahren hat indessen in so fern mehr theoretische als praktische Bedeutung, als die titrimetrische Bestimmung des in Lösung gebliebenen Baryums (siege § 2001) einfacher und schneller auszufĂŒhren ist als die Bestimmung durch WĂ€gung.

B. Durch Titrimetrie. 2001. Durch Barythydrat oder Kalkhydrat 3). Man leitet

') Siehe G. J. Mulder: Z. anal. Ch. 1 (1862), 2; R. Fresenius: 1. cit.

2) R. Fresenius: Z. anal. Ch. 3 (1864), 339.

Pettenkofer: Quart. J. ehem. Soc. 10 (1857), 292; /. prakt. Ch. 82 (1861), 32 und 85 (1862), 179; Ann., Suppl. 2 (1862/63), 23; Spring und Roland: Ac. roy. d. Sc. de Belgique, Meni. in 37 (1885), 1; siege auch Fresenius: Anl. z. quant. ehem. Anal., 6. Aufl., II. (1887), 754. Mit demselben GegenstÀnde haben sich sehr viele Autoren befasst; eine vollstÀndige Quellenangabe wurde zu werden.

Ö38 Bestimmung der KohlensĂ€ure.

das Gas in ein bekanntes Volumen einer titrirten Lösung von Barythydrat oder von Kalkhydrat; nachdem sich der Carbonat- Niederschlag vollstĂ€ndig abgesetzt hat, bestimmt man den in Lösung gebliebenen Theil des Reagens. Das geschieht am besten alkalimetrisch mittels einer titrirten Lösung von SalzsĂ€ure oder von OxalsĂ€ure), welche man auf die von dem Carbonat -Niederschlage getrennte FlĂŒssigkeit oder besser auf einen aliquoten Theil der durch Absitzen vollkommen geklĂ€rten FlĂŒssigkeit einwirken lĂ€sst.

Dieses Verfahren ist besonders auf die Bestimmung der Kohlen- sĂ€ure in der atmosphĂ€rischen Luft anwendbar. Unter den verschiedenen Formen der AusfĂŒhrung der Bestimmung beschreiben wir die folgende (Pettenkofer): Man benutzt eine genau geaichte Flasche von 4 — 6 Liter Fassungsraum, welche durch eine auf die Umbiegung des Halses aufgeschliffene Glasplatte geschlossen werden kann. Nachdem sie ausgespĂŒlt und getrocknet ist, bringt man sie in den Raum, dessen AtmosphĂ€re untersucht werden soll, treibt die in ihr enthaltene Luft durch ein GeblĂ€se, dessen Ausflussspitze mit einem bis auf den Boden der Flasche reichenden Glasrohr versehen ist, aus und fĂŒllt sie hierdurch gleichzeitig mit der zu untersuchenden Luft. Nun lĂ€sst man aus einer Pipette mit lang ausgezogener Spitze 90 cc der titrirten Bar>'thydrat-Lösung schnell einfliessen, schliesst die Flasche mit der aufgeschliffenen Glasplatte, binder ĂŒber dieselbe ein KautschukblĂ€ttchen, und schĂŒttelt heftig, um die KohlensĂ€ure absorbiren zu lassen. Ist das geschehen, so lĂ€sst man abklĂ€ren und bestimmt schliesslich in zwei Proben der entnommenen klaren FlĂŒssigkeit von je 30 cc den Ueberschuss von Barythydrat. Multiplicirt man das Gewicht des gefundenen Barythydrates mit 3 und zieht das Product von dem Gewicht der gesammten angewandten Menge Barythydrat ab, so giebt die Differenz das Gewicht des gefĂ€llten Barythydrates an.

Bei der Umrechnung auf den Gehalt der analysirten Luft an KohlensĂ€ure muss man natĂŒrlich Temperatur und Luftdruck berĂŒcksichtigen, aber nicht den Wasserdampf; denn da die Luft im Augenblick der FĂŒllung der Flasche mit diesem nicht gesĂ€ttigt ist, ist er als ein Gas, d. h. als ein gasförmiger Bestandtheil der Luft, zu betrachten.

Was das Volumen der Luft, auf welches sich das gefundene Volumen der KohlensĂ€ure bezieht, anlangt, so ist dasselbe gleich dem Volumen des Flascheninhaltes abzĂŒglich der 90 cc, welche von dem Barytwasser eingenommen waren

Die soeben beschriebene Bestimmungsweise besteht in einer Resttitrirung. Man kann auch in folgender Weise verfahren: Man lÀsst die

Bei Anwendung von OxalsĂ€ure kann auch die trĂŒbe FlĂŒssigkeit verwendet werden (siege Berichtigungen und ZusĂ€tze zu Bd. I, S. XXXII).

Ueber die Vorsichtsmaassregeln, welche fĂŒr wissenschaftliche Untersuchungen anzuwenden sind, siege die auf der vorigen Seite in Fussnote 3 citirte Abhandlung von S pjT i n g und Roland und die ebenfalls dort citirte Stelle in Fresenius' Anleittin.

1. In gasförmigem Zustande (Kohlendioxyd). C. Durch Gasometrie. 639

KohlensĂ€ure von einer klaren Lösung von ßarythydrat oder Kalkhydrat absorbiren und bestimmt sie in dem gesanmielten und ausgewaschenen Carbonat- Niederschlage alkalimetrisch (§ 463). In dieser Form leidet das Verfahren an dem im vorigen Paragraphen bei dem entsprechenden Verfahren durch WĂ€gung bezeichneten Uebelstande.

C. Burch Gasometrie.

2002. Durch Absorption). FĂŒr sehr genaue Bestimmungen muss, in RĂŒcksicht auf die Löslichkeit der KohlensĂ€ure in Wasser, die Gasmessung in trocknen Apparaten (Quecksilber -Apparate oder geaichte Apparate) geschehen; fĂŒr technische Bestimmungen genĂŒgen in der Regel hydropneumatische Apparate.

Das Princip des Verfahrens ist immer dasselbe: man misst ein geeignetes Volumen des zu untersuchenden Gases ab und lÀsst die KohlensÀure durch festes und schwach angefeuchtetes Kalihydrat (Bunsen) oder durch Kalilauge (Doyere, Orsat, Winkler, Hempel) absorbiren.

Die Zahl der fĂŒr diese Bestimmung speciell oder fĂŒr die gasometrische Absorptionsbestimmung ĂŒberhaupt vorgeschlagenen Apparate ist sehr gross.

Als HĂŒlfsmittel, mit denen man ganz besonders genaue Resultate erhĂ€lt, bezeichnen wir die Apparate von Pettersson und von Pettersson und Palmquist) fĂŒr die Bestimmung von KohlensĂ€ure in der atmosphĂ€- rischen Luft, in welcher sie normal einen nur sehr geringen Bruch theil ausmacht, und ferner das sehr sinnreiche Verfahren, welches Hlasiwetz schon im Jahre 1856 zu demselben Zwecke angewandt hat).

FĂŒr die gewöhnlichen Versuche vereinigt die Winkle r-HempeTsche BĂŒbette (Fig. 191, Bd. II, S. 259) in Verbindung mit einer Gaspipette fĂŒr die Kalilauge (Fig. 192) Einfachheit der Handhabung mit ausreichender Genauigkeit.

Die Handhabung ist dieselbe, welche die Bestimmung des Sauerstoffes erfordert (§ 1360).

Man kann auch die KohlensĂ€ure in einem Gasgemische mittels des RĂŒdorff 'sehen Apparates) bestimmen; man verfahrt dabei wie bei der Bestimmung des Wasserdampfes (§ 1389), mit dem Unterschiede,

') Siehe die Specialwerke und AbhandluDgen : Regnault und Reiset: Ann. de eh. et de phys. [3] 26 (1849), 329; Doyere, Meth. d'anal. des gaz: Ann. de eh. et de phys. [3] 28 (1850), 5; Bunsen: Gasometr. Methoden-, Schloesing und Roland: Ann. de eh. et de phys. [4] 14 (1868), 5; Orsat: Note sur Vanal. industr. des gaz\ Hempel: Gasanal. Methoden 3. Aufl. (1900); Wink 1er: Lehrbuch der techn. Gasanalyse 3. Aufl. (Leipzig 1901); J. Ogier: Analyse des gaz.

Sitzgsber. d. Kais. Akad. d. Wiss. (Wien), Math.-naturw. Cl., 20 (1856), 189.

(340 Bestimmung der KohlensÀure. 2. Gelöste KohlensÀure.

dass man in der BĂŒbette des Apparates die SchwefelsĂ€ure durch eine Alkalihydrat-Lösung ersetzt.

2003. Diese Bestimmung ist nur bei der Analyse der WĂ€sser von Bedeutung; wir verweisen deshalb bezĂŒglich der Einzelheiten auf die speciellen Angaben von Bunsen) und von R. Fresenius) und be- Ă€nken uns auf die Darlegung des Principes.

A. Durch WĂ€gung.

2004. Durch FĂ€llung als Carbonat. Man lĂ€sst eine bekaniut- Menge der zu analysirenden FlĂŒssigkeit in einen Kolben flicssen, welcher reines Calcium-oder Haryum - 1 lydroxyd oder eine ammoniakalische Lösung von Calcium-oder Baryumchlorid enthĂ€lt; man verschliesst das GefĂ€ss luftdicht, sammelt nach beendeter FĂ€llung, welche namentlich mit den ammoniakalischen Lösungen einige Zeit in Anspruch nimmt, den Niederschlag und bestimmt in ihm die KohlensĂ€ure durch WĂ€gimg, am besten durch directe WĂ€gung (§ 2012).

AVenn das Wasser Carbonate enthÀlt, so erhÀlt man durch das angegebene Verfahren nicht nur die KohlensÀure, welche als solche vorhanden ist, sondern die Summe der freien und der den Carbonaten entsprechenden KohlensÀure (siege Scheidungsverfahren), oder, wie man zu sagen pflegt, die Gesammt- KohlensÀure.

B. Durch Titrimetrie.

2005. Durch Barythydrat oder KaUchydrat*). Man könnte zur Bestimmung der KohlensĂ€ure das bei der Bestinunung der gas- förmigen KohlensĂ€ure beschriebene Verfahren anwenden; man thut es deshalb nicht, weil in den kohlensĂ€urehaltigen FlĂŒssigkeiten Salze vorhanden sind, welche zu fehlerhaften Resultaten Veranlassung geben können.

C. Durch Gasometrie.

2006. Durch Entwickelung). Das Verfahren ist dem bei der

Analyse der Carbonate (§ 2010) angewandten Ă€hnlich. Ks besteht darin, dass man die KohlensĂ€ure - Lösung mit einem kleinen StĂŒckchen Eisen. Zink oder Aluminium in einen Kolben bringt, so dass dieser fast ganz gefĂŒllt wird. Der Kolben ist mit einem Hahntrichter oder einer Ă€hnlichen Vorrichtung (s. Fig. 161, Bd. I, S. 331 u. Fig. 215, Bd. II, S. 417) und einem

'-) R. Fresenius: Anl. z. qiiant. ehem. AnaJ. 6. Aufl., IL, S. 211 ff. Pettenkofer:/. prakt. Ch. 82 (1861). 32, und 85 (1862), 179. Lunge und Marchlcwski: Z. angeiv. Ch. 1801, 229 u. 412.

Bestimmimg der Carbonate. A. Durch WĂ€gung. g4l

ansteigenden KĂŒhler versehen; dieser stellt die Verbindung mit einer mit Quecksilber gefĂŒllten Gasburette (ein Nitrometer oder eine Winkler- Hemp ersehe BĂŒbette eignet sich am besten) her.

Nachdem der Apparat zusammengestellt ist, bewirkt man durch Senken des Gleichgewichtsrohres, dass LuftverdĂŒnnung eintritt, wodurch eine erhebliche Menge der KohlensĂ€ure entwickelt wird; ma diese Entwickelimg zu befördern, erwĂ€rmt man, und schliesslich lĂ€sst man durch den Hahntrichter etwas SĂ€ure hinzutreten. Diese bewirkt in BerĂŒhrung mit dem zugesetzten Metalle eine Entwickelung von Wasserstoff, welcher die letzten Spuren von KohlensĂ€ure aus der FlĂŒssigkeit mit fortreisst. Dann lĂ€sst man durch den Hahn heisses Wasser zutreten, bis Kolben und KĂŒhler damit gefĂŒllt sind, und treibt hierdurch alles Gas in die BĂŒbette ĂŒber. Man schliesst nun den Hahn der BĂŒbette, nimmt den Kolben fort und bestimmt, nachdem das Gas die Temperatur des Laboratoriums angenommen hat, die KohlensĂ€ure durch Absorption (§ 2002).

Auf diese Weise erhÀlt man die Gesammt-KohlensÀure.

Anstatt die letzten Spuren gelöster KohlensÀure durch Wasserstoff, welchen man durch Einwirkung einer SÀure auf ein Metall entwickelt, auszutreiben, kann man zu demselben Zwecke auch Sauerstoff benutzen, welchen man erhÀlt, indem man dem Kolbeninhalte ein Kaliumchromat und etwas Wasserstoflfeuperoxyd zusetzt.

Um nur die freie KohlensĂ€ure zu erhalten, kann man statt des Zusatzes von SĂ€ure und Metall unter Benutzung eines lang ausgezogenen Hahntrichters, welcher bis auf den Boden des Kolbens reicht, folgendermaasen verfahren: Nachdem man durch LuftverdĂŒnnung und Kochen den grössten Theil der KohlensĂ€ure entwickelt hat, leitet man durch den Trichter einen schwachen Luftstrom ein und entfernt durch heisses Wasser den noch zurĂŒckgebliebenen Rest der KohlensĂ€ure.

Wir bemerken noch, dass man unter der Bezeichnung „freie Kohlen- sĂ€ure** nicht allein die als solche vorhandene versteht, sondern auch die sogen, halbgebundene, welche die Bicarbonate unter der Einwirkung von WĂ€rme abgeben, wobei sie in neutral Carbonate umgewandelt werden.

Bestimmung der Carbonate. A. Durch WĂ€gung.

2007 L Durch einĂŒstches GlĂŒhen. Ist das zu untersuchende Carbonat durch Erhitzen zersetzbar und enthĂ€lt es keine flĂŒchtigen und bei hoher Temperatur verĂ€nderlichen Stoffe, so kann man in ihm die Kohlen- sĂ€ure bestimmen, indem man es glĂŒht und den unter diesen UmstĂ€nden stattfindenden Gewichtsverlust ermittelt.

2008. IL Durch* GlĂŒhen mit einem sauren Schmelzmit! Um das vorige Verfahren auch auf Alkalicarbon ate und Baryumosno'

De Koninck-Meineke, Mineralana' ysc. II.

G42

Bestimmung der Carbonate.

anwendbar zu machen, verfahrt man wie bei der Bestimmung der Nitrate durch Gewichtsverlust (§ 1753). Die fein gepulverte und gewogene Substanz wird in einem Tiegel mit entwÀssertem Borax gemischt Nachdem das Ganze tarirt ist, erhitzt man bis zum ruhigen Schmelzen. WÀgt man von Neuem, so erhÀlt man durch Differenz das Gewicht der entwickelten KohlensÀure).

2009. ill. Durch Gewichtsverlust unter der Einwirkuxig einer SĂ€ure. Das Princip des Verfahrens ist das folgende: Die gewogene, Carbonat enthaltende Substanz wird in einen Theil eines speci ellen Apparates gebracht; in einem anderen Theile des Apparates befindet sich die fĂŒr die Zersetzung des Carbonates bestimmte SĂ€ure; das Ganze wird dann tarirt.

Nun bringt man die SĂ€ure mit dem Carbonate in BerĂŒhrung; nach beendigter Reaction erwĂ€rmt man schwach, um die gelöst gebliebene KohlensĂ€ure auszutreiben, entfernt die im Apparate vorhandene Kohlen- sĂ€ure durch einen Luftstrom und bringt nach dem Erkalten wieder auf die Waage.

Die Differenz zwischen den beiden Tarirungen giebt genau das Gewicht der KohlensĂ€ure, wenn man dafĂŒr gesorgt hat, dass nichts Anderes aus dem Apparate entweichen konnte und namentlich, dass durch den Gasstrom keine Feuchtigkeit mitgerissen wurde.

Unter zahlreichen Apparaten, welche zur AusfĂŒhrung des angegebenen Verfahrens ersonnen sind, wollen wir nur zwei Arten erwĂ€hnen: bei der einen benutzt man meist ein einziges Reagens, die SchwefelsĂ€ure, sowohl zur Zersetzung*) des Carbonates, als auch zum Trocknen der KohlensĂ€ure (Apparate von Fresenius-Will, Geissler etc.); bei dem anderen (Bunsen'schen) Apparate mrd jede beliebige SĂ€ure benutzt und das Trocknen des Gases bewirkt man durch Calciumchlorid.

2010. Der Apparat von Fresenius- WĂŒl. Dieser Apparat) besteht aus zwei kleinen Kolben A und B (Fig. 252) von 50—60 cc

Persoz (C. r. 58 (1861), 239) wendet Kaliumdichromat statt des Borax an. Nach Versuchen, welche Dr. A. Leroux, vormals Assistent von Prof. De Koninck, aasgefĂŒhrt hat, gelingt es schwer, durch dieses Reagens manche Carbonate, namentlich islĂ€ndischen Doppelspat, zu zersetzen. — Siehe auch Hessert: Ann. 176 (1875), 136. H. Rose hat das Dichromat mit Erfolg bei Alkalicarbonaten angewandt. Derselbe empfiehlt auch KieselsĂ€ure {PoÂŁ-ÂŁ. Ann. 116 (1862), 131).

') Welche SĂ€ure zur Zersetzung am geeignetsten ist, wird von der Natur des Carbonates abhĂ€ngen; z. B. wird fĂŒr Alkalicarbonate am besten Schwefelsaure, fĂŒr Calcium-und Magnesium-Carbonat SalzsĂ€ure, fĂŒr Bleicarbonat SalpetersĂ€ure (ver- dĂŒnnt), etc., Anwendung finden.

Es ist derselbe Apparat, welchen wir schon in § 629 kennen gelernt haben. Des Zusammenhanges wegen wiederholen wir kurz die Beschreibung.

Fig. 252.

A. Durch WĂ€gung. 643

Inhalt, deren jeder einen doppelt durchbohrten Stopfen trÀgt; die Kolben sind durch ein zweimal rechtwinklig gebogenes Rohr verbunden, welches in A dicht unter dem Stopfen abschneidet, in B fast bis auf den Boden reicht. Durch die zweite Bohrung des Stopfens von A geht ein Rohr bis nahe auf den Boden; die zweite Bohrung des Stopfens von B trÀgt ein Ableitungsrohr, an das sich ein kleines Rohr C mit Calciumchlorid anschliesst. Die Àusseren Enden von C und des in A eintauchendin langen Rohres können durch kleine Kautschukkappen geschlossen werden. Benutzung des Apparates. Das abgewogene Carbonat wird mit so viel Wasser, als erforderlich ist, um das spÀter entstehende Sulfat zu lösen, in den Kolben A gebracht. In den Kolben B kommt concentrirte SchwefelsÀure. Nachdem der Apparat zusammengesetzt und durch die Kautschukkappen geschlossen ist, tarirt man das Ganze. Die weiteren Operationen sind dieselben wie bei der Bestimmung des disponiblen Sauerstoffes in Manganiverbindungen nach dem Verfahren von Fresenius und Will (§ 629).

Das Verfahren ist fĂŒr die Bestimmung der Carbonate des Calciums, Strontiums, Baryums und Bleis nicht empfehlenswerth; in Folge der Un- löslichkeit der Sulfate dieser Metalle kann es vorkommen, dass sich Theile von Carbonat, indem sie von einem Ueberzuge von Sulfat bedeckt werden, der Einwirkung der SĂ€ure entziehen und dass die Zersetzung unvollstĂ€ndig wird.

2010 Der Apparat von Bimsen in etwas abgeĂ€nderter Form. Wie die Abbildung (Fig. 253) zeigt, besteht dieser Apparat aus einem Kolben (60 — 80 cc) mit doppelt durchbohrtem Stopfen. Die eine Bohrung trĂ€gt einen die SĂ€ure (SalzsĂ€ure oder SalpetersĂ€ure in ziemlicher VerdĂŒnnung, so dass sie in der KĂ€lte keine sauren DĂ€mpfe ausstossen) enthaltenden Reagircylinder , die Fig. 263. andere ein Calciumchlorid-Rohr, in welchem das austretende Gas getrocknet wird. Benutzung des Apparates. Man bringt das abgewogene Carbonat mit etwas Wasser in den Kolben, setzt den Apparat zusammen, verschliesst die Endtheile mit Kautschukkappen und tarirt. Dann nimmt man die Kautschukkappen ab und schiebt ĂŒber das Ende des Trockenrohres einen 40 — 50 cm langen Kautschukschlauch (siege Fig. 252), durch welchen man schwach saugt, so dass SĂ€ure in den Kolben eintritt; wenn man die Menge der ĂŒbergetretenen SĂ€ure fĂŒr ausreichend erachtet, drĂŒckt man den Schlauch zwischen den Fingern zusammen, bis der Druck der KohlensĂ€ure die in dem Zuflussrohre enthaltene SĂ€ure zurĂŒckgedrĂŒckt hat.

Wenn ein einmaliger Zutritt von SĂ€ure nicht genĂŒgt, uiri Carbonat vollstĂ€ndig zu zersetzen, so wiederholt man die nöthigenfalls sogar zwei-oder dreimal.

Zum Schluss erwĂ€rmt man schwach und verdrangt die KohlensĂ€ure, indem man durch Saugen an dem Kautschukschlauche einen schwachen Strom von Luft, welche vorher behufs Trocknung ĂŒber Calciumchlorid geleitet war, durch den Apparat fĂŒhrt.

Nach dem Erkalten und Aufsetzen der Kautschukkappen bestimmt man durch neue WĂ€gung den Gewichtsverlust

Wenn ein Carbonat der Alkali-oder der alkalischen Erdmetalle vorlag, so kann man mit der Bestimmung der KohlensĂ€ure die Bestimmung des Metalles verbinden; man wendet zur Zersetzung eine abgemessene Menge einer titrirten SĂ€ure an und bestimmt nach beendeter Operation den SĂ€ureĂŒberschuss addimethsch Die gleiche Combination kann man bei den anderen analogen Verfahren (§§ 2012, 2015 u. 2018) treffen.

201 Die Herstellung der Apparate fĂŒr diese KohlensĂ€ure- Bestimmung kann man in der Art abĂ€ndern, dass man die SĂ€ure in einen Kolben fĂŒllt, dessen eine Stopfenbohrung das Trocknungsrohr trĂ€gt und durch dessen andere Stopfenbohrung ein oben mit einer Kappe geschlossenes Rohr geht, welches man gleitend höher oder niedriger schieben kann und an welches in halber Höhe ein Haken angeschmolzen ist, an dem ein kleiner Glasbecher mit der zu untersuchenden Substanz hĂ€ngt 2).

Nachdem der Apparat tarirt ist, sent man das Rohr so tief, dass das Carbonat mit der SĂ€ure in BerĂŒhrung kommt; nach beendigter Zersetzung hebt man es wieder, nimmt die Kappe ab und verdeĂ€ngt die KohlensĂ€ure durch Saugen.

2012. IV. Durch direote Das Carbonat wird durch eine SÀure zersetzt und die entwickelte KohlensÀure wird in einen tarirten Absorptionsapparat (siege § 1999) geleitet, dessen Gewichtszunahme die Menge der KohlensÀure angiebt.

Den fĂŒr diese Bestimmung erforderlichen Apparaten kann man sehr verschiedene Anordnungen geben. Die gebrĂ€uchlichsten sind wohl die von Classen*) und von Finkener (§ 2012a). Der von Classen vorgeschlagene Apparat, besonders mit der Modification und Vereinfachung, dass an Stelle des Liebig'schen KĂŒhers ein Thörner'scher Kolben) tritt, wodurch mehrere Verbindungen fortfallen, ist da zu empfehlen, wo die nicht ganz unbedeutende Ausgabe (ca. 40 M.) fĂŒr einen Finkener- Apparat und dessen fĂŒr minder geschickte HĂ€nde nicht allzu grosse StabilitĂ€t bedeutsam in die Waage fallen.

Statt eines Hahntrichters, welchen man im Handel mit einer ge- nĂŒgend langen und dĂŒnnen Röhre schwer bekonmit, gebraucht DeKoninck

") Mulder: Schvik. Ondcrz. 5 (1850), 417; Kolbe: Ann. US (1861), 130; Fresenius: Z. anal. Ch. 14 (1875), 174; derselbe: AnL z. quant. ehem. Ana/., 6. Aufl., I. (1875), 449; Volhard: Ann. 176 (1875), 142.

Thorner: Z. angew. Ch. 1888, 488.

A. Durch WĂ€gung.

die in Fig. 254 dargestellte Anordnung, die man aus gewöhnlich vorrĂ€thigen StĂŒcken zusammenstellen kann und die auch noch sonstige VorzĂŒge hat

Der fertige Apparat besteht aus einem Thörner'schen Kolben von 150 bis 160 cc Inhalt und einem zweiten Kolben von 50 bis höchstens 60 cc Inhalt, welcher fĂŒr die Aufnahme der zu der Zersetzung anzuwendenden SĂ€ure bestimmt ist Beide Kolben sind durch ein edges Rohr verbunden, welches in dem einen wie in dem anderen bis auf den Boden reicht, an dem oberen, horizontal gebogenen Theile aber durch einen kurzen Kautschukschlauch mit Schraubenquetschhahn unterbrochen ist.

Ausserdem trĂ€gt der kleine Kolben ein Rohr, welches ihn nĂŒt der AtmosphĂ€re in Verbindung setzt und der Thörner'sche Kolben ein Ableitungsrohr, welches die Verbindung mit weiteren Theilen des Apparates vermittelt, zu denen zunĂ€, wie wir bei der Bestimmung des Kohlenstoffes angegeben haben (Fig. 240, § 1970), ein mit SchwefelsĂ€ure-Bimsstein beschicktes U-Rohr, daran anschliessend eine Volhard-De Konin cksche Vorlage mit concentrirter SchwefelsĂ€ure und ein zweites, mit Calciumchlorid beschicktes U-Rohr gehören. Diese drei StĂŒcke, von welchen das erste zur Noth fortfallen kann, sollen die von dem Gasstrome mitgerissene Feuchtigkeit zurĂŒckhalten.

An das letzte Rohr schliesst sich der tarirte, fĂŒr die Absorption der KohlensĂ€ure bestimmte Apparat, welcher aus zwei U -Rohren mit Natronkalk besteht

BefĂŒrchtet man, dass mit der KohlensĂ€ure auch SalzsĂ€ure entweichen könnte, so gelingt es leicht, diese zurĂŒckzuhalten, wenn man ein Rohr mit Bimsstein, welcher mit wasserfreiem Cuprisulfat durchsetzt ist, einschaltet

Man empfiehlt in der Regel, dem tarirten Apparate noch ein Schutzrohr mit Calciumchlorid und Natronkalk folgen zu lassen, um, im Falle eines Ansaugens von Luft, die in dieser enthaltene KohlensÀure und Feuchtigkeit von dem tarirten Apparate fern zu halten. Nach Classen) ist diese Vorsicht nicht nöthig; sie kann aber nicht schaden und ist ohne Schwierigkeit anzuwenden.

Benutzung des Apparates. Das abgewogene Carbonat wird in den Thörn er 'sehen Kolben gebracht Damit im Halse nichts hÀngen

Fig. 64.

Noch besser kann man diesen Kolben durch einen Destillationskolben ersetzen (8. Fig. 224, Bd. n, S. 479).

Stolba: Din-l. 164 (1862), 128. Es ist anzunehmen, dass ein Quecksilbersalz, welches von einer in der KĂ€lte nicht flĂŒchtigen SĂ€ure derivirt, z. B. das Sulfat, Phosphat, Tartrat vielleicht noch sicherer wirkt; besondere Versuche hierĂŒber \\cgeia aber nicht vor.

L. cit.

bleibt, muss dieser vollstĂ€ndig trocken sein; nöthigenfalls spĂŒlt man die im Halse haften gebliebenen Theilchen mit etwas Wasser in den Kolben.

Der kleine Kolben wird zu drei Vierteln mit verdĂŒnnter SalzsĂ€ure (sp. Gew. höchstens 1,10) gefĂŒllt; bei dieser Concentration ist nicht zu befĂŒrchten, dass beim ErwĂ€rmen Chlorwasserstoflfgas entweicht; die mit den WasserdĂ€mpfen destillirende SĂ€ure wird in dem KĂŒhler bez. im Kolbenhals vollstĂ€ndig verdichtet.

Nachdem die Natronkalk-Rohre) getrennt gewogen sind, stellt man den Apparat fertig zusammen und ĂŒberzeugt sich, dass alle Theile dicht schliessen. Hierauf öffnet man kurze Zeit den Quetschhahn und lĂ€sst, durch Blasen in den Kautschukschlauch des SĂ€urekolbens, die SĂ€ure in dem Rohre, welches beide Kolben verbindet und als Heber wirkt, aufsteigen und in den andern Kolben ĂŒberfĂŒessen. Durch zeitweises Oeffnen und Schliessen des Quetschhahnes lĂ€sst man immer nur so viel SĂ€ure zutreten, als erforderlich ist, um eine regelmĂ€ssige und nicht zu schnelle KohlensĂ€ure -Entwickelung zu veranlassen.

Nachdem die Zersetzung beendigt ist, nimmt man den SĂ€urekolben ab. ersetzt ihn durch ein oder besser mehrere Natronkalk-Rohre und verbindet das entgegengesetzte Ende des Apparates mit einem Aspirator, mit dessen HĂŒlfe man einen langsamen Strom kohlensĂ€urefreier Luft zum Austreiben der KohlensĂ€ure durch den Apparat leitet. Gleichzeitig erwĂ€rmt man den Inhalt des Thörn er 'sehen Kolbens allmĂ€hlich bis zum Sieden, um die gelöste KohlensĂ€ure zu entwickeln; dabei regulirt man die Flamme depart, dass die DĂ€mpfe in der unteren HĂ€lfte des KĂŒhers verdichtet werden.

Sobald man annehmen kann, dass alle KohlensĂ€ure ĂŒbergetrieben und absorbirt ist, entfernt man die Lampe, nimmt den Aspirator ab, lĂ€sst die Natronkalk - Rohre unter einer Exsiccatorglocke erkalten und bestimmt wieder deren Gewicht.

Bei richtig geleiteter Entwickelung findet man, dass alle oder fast alle KohlensĂ€ure in dem ersten Rohre absorbirt worden ist, wenn dasselbe frisch gefĂŒllt war.

Hat man eine Reihe von Bestimmungen auszufĂŒhren, so kann man immer wieder dieselben Rohre, jedoch auch stets nur in derselben Reihenfolge, benutzen, bis das Gewicht des zweiten Rohres, in Folge der SĂ€ttigung des Natronkalkes im ersten Rohre, merklich zugenommen hat. Dann setzt man das zweite Rohr an die erste Stelle und an die zweite ein frisch gefĂŒlltes Rohr.

Statt der Natronkalk - Rohre kann man auch einen Kali -Apparat (siege § 1999) benutzen und in diesem Falle die Volhard'sche Vorlage fortlassen, da dieselbe hauntsÀchlich dazu dient, die Geschwindigkeit der KohlensÀure-Entwickelung zu zeigen.

2012 a. Diesen Ersatz der Natronkalk - Rohre durch einen Kali-

') BezĂŒglich ihrer FĂŒllung siege § 1999.

A. Darch WĂ€giiog.

Apparat sowie andere sowohl die Apparatur als auch die Wahl der Reagentien betreffende VerÀnderungen hat Finkener) vorgeschlagen.

An seinem Apparat (Fig. 255) sind sĂ€mmtliche Verbindungen durch Glasschliffe hergestellt, wodurch — bei guten Schliffen — ein vorzĂŒglich dichter Schluss erzielt wird. Femer felt eine KĂŒhung mittels Wasser; bei der fĂŒr das Gas -Ableitungsrohr gewĂ€hlten Form, Anordnung und Reagentien-FĂŒllung wirkt die Luft allein ausreichend kĂŒlend und wird jedes Uebergehen von Wasser-oder SalzsĂ€uredĂ€mpfen in den tarirten Kali-Apparat ausgeschlossen.

Das Arbeiten mit dem Finken er- Apparat erfolgt — mutatis mutandis — wie mit dem C lassen- Apparat.

Fig. 255.

Die Schliffe bei a und h, mit etwas Vaselin bestrichen, werden durch je zwei Spiralfedern schwach in einander gepresst, bei c reicht eine Feder aus, bei d ist kein Druck erforderlich. Die Spirale /aus 2 mm starkem Glasrohr gestattet der Schliffkappe d genĂŒgende Beweglichkeit.

Zwischen dem Wattestopfen g und dem Asbeststopfen h befindet sich poröses Calciumchlorid, zwischen h und dem Asbest bei c Phosphor- sĂ€ure-Anhydrid. Das Röhrchen / des tarirten Apparates ist mit Strontiumoxyd, zwischen Watte eingeschlossen, locker gefĂŒllt.

Das Glasrohr zwischen dem Trichter und dem darunter befindlichen Hahn muss so lang sein, dass eine darin enthaltene WassersĂ€ule vollstĂ€ndig ausreicht, um Luft durch den Kali-Apparat zu drĂŒcken.

Das PhosphorsĂ€ure-Anhydrid hinter dem Calciumchlorid sowie das Strontiumoxyd in dem Röhrchen / halten auch bei schnellem Durchleiten von Gasen den Wasserdampf vollstĂ€ndig zurĂŒck.

Der Wasserdampf aus dem Zersetzungs-Kölbchen wird zum aller-

') Mitthign. aus den Königl, techn. Versucksamtalten zu Berlin 7 (188S

grössten Theil in dem aufsteigenden, etwa i6 mm weiten Gas-Ableitungsrohr vor dem Calciumchlorid condensirt, wenn man zur Erhitzung des Kölbchens nur eine kleine, die FlĂŒssigkeit gerade schwach im Sieden erhaltende Flamme anwendet

2013 Statt auf nassem Wege kann man die Zersetzung des Carbonates auch auf trockenem Wege*) bewirken. Der hierzu dienende Apparat besteht aus einem 25 — 35 cm langen imd 10 — 12 mm weiten, an einem Ende ausgezogenen, aufgebogenen und vor der Lampe zugeschmolzenen Verbrennungsrohre, das an dem anderen Ende durch einen Stopfen mit einem Calciumchlorid -Rohre und dem tarirten Absorptionsapparate (ein oder zwei Natronkalk -Rohre oder ein Kali -Apparat) in Verbindung steht

In diesem Falle ist der Kali- Apparat vorzuziehen, weil man an ihm die Geschwindigkeit der KohlensÀure-Entwickelung beobachten kann und die Absorption der fast nicht mit Luft gemischten KohlensÀure leicht erfolgt

Die Leitung der Operation ist einfach. Man bringt auf den zugeschmolzenen Boden des Verbrennungsrohres einen Bausch von Asbest oder eine Lage grob gekörnten Kaliumdichromates ; darauf schĂŒttet man etwa 2 cm hoch trockenes, gepulvertes Dichromat und dann die Substanz in Mischung mit so viel Dichromat, dass von dem Gemische mindestens 10 cm der LĂ€nge des Verbrennungsrohres ausgefĂŒllt werden. Die Mischung der sehr fein gepulverten Substanz mit dem Reagens war vorher in einem Mörser aus Glas oder aus glasirtem Porzellan hergesteUt; man reinigt ihn, indem man in ihm etwas Dichromat verreibt, welches ebenfalls in das Rohr geschĂŒttet wird. Nun klopft man das Verbrennungsrohr in horizontaler Lage lease auf den Tisch, so dass sich oben ein Canal fĂŒr den Abzug der Gase bildet, und legt es derartig, dass es nach der Oeflfnung zu schwach ansteigt, in einen passenden Ofen.

Nachdem Calciumchlorid-Rohr und Kali-Apparat angeschlossen sind, erhitzt man das Verbrennungsrohr, von rĂŒckwĂ€rts her beginnend.

Nach vollstĂ€niger Zersetzung des Carbonates verbindet man den Kali-Apparat mit einem Aspirator, streift ĂŒber den aufgebogenen Theil des Verbrennungsrohres einen mit einem Schraubenquetschhahn zusammengedrĂŒckten Kautschukschlauch, bricht die Spitze des Verbrennungsrohres an einer Stelle, welche man vorher mit einem Feilenstriche versehen hatte, ab, verbindet den Kautschukschlauch mit einem Natronkalk-Rohre und saugt bei geöffnetem Quetschhahn einen langsamen Luftstrom durch den Apparat. Einige hundert Cubikcentimeter Luft ge- nĂŒgen, um die geringe Menge im Rohre verbliebener KohlensĂ€ure in den Absorptionsapparat ĂŒberzutreiben.

FĂŒr die fixed Alkalicarbonate ist das Verfahren sehr zu empfehlen.

2014. V. Durch Barythydrat. Wie bei dem vorigen Verfahren wird das Carbonat durch eine SÀure oder durch Kaliumdichromat zersetzt; die KohlensÀure lÀsst man von einer klaren Lösung von

') Persoz und Hessert: siege die Fussnote zu § 2008.

B. Durch Titrimetrie. 649

hydrat absorbiren (siege § 2000) und wÀgt das entstandene Baryumcarbonat F.A. Gooch und J. K. Phelps sammeln das Baryumcarbonat, lösen es in SalzsÀure, fallen mit SchwefelsÀure und wÀgen das Baryum- Sulfat. Sie bedienen sich eines besonderen Apparates). Nach ihnen soll das Verfahren einfacher als die directe WÀgung sein, was wohl wenig wahrscheinlich erscheint.

Das Baryt -Verfahren ist weniger empfehlenswerth als das vorige, es sei denn, dass die Menge des zu bestimmenden Carbonates sehr gering ist. Wir glauben von einer detaillirten Beschreibung absehen zu dĂŒrfen, um so mehr, als bei Anwendung von Barythydrat die titrimetrische Bestimmung vorzuziehen ist, wie wir bereits erörtert haben (§ 2000).

B. Buroh Titrimetrie.

2015. L Durch Alkalimetrie. In Gemischen von nichtfiĂŒchtigen bimetallischen Alkalicarbonaten mit neutralen Substanzen (Sulfate, Chloride etc.) bestimmt man die ersteren alkalimetrisch (directe oder Zuruck-Titrirung, §§ 334 u. 335).

Die Carbonate der alkalischen Erden können ebenfalls alkalimetrisch bestimmt werden; man darf dann aber nur die ZurĂŒcktitrirung anwenden (§ 335). Man behandelt die Substanz mit titrirter SalzsĂ€ure oder SalpetersĂ€ure in abgemessenem Ueberschusse, treibt, wenn die Lösung vollstĂ€ndig ist, die KohlensĂ€ure durch massages Kochen aus, so dass keine SĂ€ure entweicht, und titrirt schliesslich die nicht gesĂ€ttigte SĂ€ure durch eine carbonatfreie alkalische FlĂŒssigkeit

Da das Ammoniumcarbonat fast nie einer bestimmten Formel entspricht, kann man aus seiner alkalimetrischen Bestimmung keinen Schluss auf die Menge der entsprechenden KohlensÀure ziehen.

2016 IL Durch Barythydrat. Das Carbonat wird durch eine SĂ€ure oder durch Schmelzen mit Kaliumdichromat zersetzt und die KohlensĂ€ure wird in eine Vorlage (z. B. Wink 1er' sehe Spirale), welche ein abgemessenes Volumen einer titrirten Lösung von Bar3rthydrat ent- hĂ€lt, ĂŒbergetrieben; ist das vollstĂ€ndig geschehen, so bestimmt man das gelöst gebliebene Barythydrat alkalimetrisch (siege § 2001).

Man kann auch die KohlensÀure von einer nicht titrirten Barythydrat-Lösung absorbiren lassen/ das gefÀllte Baryumcarbonat auf einem Filter sammeln und dieses nach § 2014 gravimetrisch oder nach § 2015 alkalimetrisch bestimmen. Diese Form des Verfahrens ist jedoch wenig zu empfehlen (siege § 2000).

C. Durch Gasometrie'). 2017 Man kennt nur eine Methode fĂŒr die gasometrische Be-

-) Scheibler: Krit. Z. Ch, u. Pharm, 8 (1860), 721; Bestimmung des

BestimmuDg der Carbonate.

Stimmung der Carbonate): sie besteht darin, dass man diese durch eine SÀure zersetzt und das Volumen der entwickelten KohlensÀure ermittelt; diese Ermittelung aber kann auf zweierlei Weise geschehen und hieraus entstehen zwei Verfahren.

Bei dem ersten erhĂ€lt man unmittelbar das Volumen der durch die Einwirkung der SĂ€ure auf das Carbonat entwickelten KohlensĂ€ure; bei dem zweiten treibt man die KohlensĂ€ure durch ein anderes Gas (Wasserstoff oder Sauerstoff) in einen Messapparat, bestimmt das Volumen des Gasgemisches, lĂ€sst die KohlensĂ€ure durch Kalihydrat absorbiren und misst das zurĂŒckgebliebene Gas. Das Volumen der KohlensĂ€ure wird durch die Differenz gegeben (siege § 2002).

2018. I. Durch unmittelbare Messung der KohlensĂ€ure. Das Verfahren besteht, wie die anderen gleichartigen Verfahren*), darin, dass man die Substanz und das Reagens getrennt in ein GefĂ€ss bringt, welches mit einem gasometrischen Apparate (Nitrometer, Calcimeter, Hempelsche BĂŒbette etc., Fig. 256) in Verbindung steht, dass man dann das Carbonat und die SĂ€ure vereinigt und das Volumen des durch die Reaction in das MessgefĂ€ss ĂŒbergetriebenen Gases misst.

In dieser Form schliesst das Verfahren die erhebliche Fehlerquelle ein, dass die KohlensÀure in Wasser und auch in wÀsserigen Lösungen löslich ist. Um diese Fehlerquelle auszugleichen oder aufzuheben, werden verschiedene Mittel angewandt.

Man gleicht sie aus, indem man vergleichend arbeitet, d. h. indem man einerseits die zu analysirende Substanz, andererseits eine bestimmte Gewichtsmenge eines reinen Carbonates (islÀndischer Doppelspat

Fig. 256.

sauren Kalkes in der Knochenkohle (Berlin 1862); Dietrich: Z. anal. Ch. 8 (1864), 162 u. 4 (1865), 141; Rumpf: das. 6 (1867), 398; Baur: das. 28 (1884), 371; Lunge: CA. 8 (1885), 166; Sidersky: Z. anal. Ch. 236; JĂ€ger und KrĂŒss: das. 27 (1888). 721; Thörner: Z. atigeu. Ch. 1889, 643; Fuchs: Ch.-Z. 18 a889). 873; Meyer: das. 568; Pettersson: B. 28 (1890), 1402; Lunge und Marchlewski: Z. ange-.c. Ch. 1891, 229 u. 412, 1898, 395.

') Wir sehen von dem soeben veröffentlichten indirecten Verfahren von E. Riegler (Z. anal. Ch. 41 (1902), 23) ab.

Vergl. die Bestimmungen des Ammoniaks § 402, des Mangans § 652, der >Iypochlonte § 1517.

C. Durch Gasometrie. 651

oder, in Ermangelung dessen, Natriumcarbonat) mit der gleichen Menge SĂ€ure behandelt; alle UmstĂ€nde mĂŒssen bei beiden Versuchen möglichst identisch sein, namentlich muss die Menge des dem Vergleiche zu Grunde liegenden reinen Carbonates so gewĂ€hlt sein, dass aus ihm annĂ€hernd das gleiche Volumen KohlensĂ€ure entwickelt wird, wie aus dem zu bestimmenden Carbonate. Das Gewicht des aus dem letzteren erhaltenen Volumens KohlensĂ€ure erhĂ€lt man dann durch die Proportion:

V:V' p:x, in welcher V und V die bei den Versuchen gewonnenen Gasvolumina und p das Gewicht der in dem angewandten reinen Carbonate enthaltenen KohlensÀure bedeutet.

Um den aus der Löslichkeit entspringenden Fehler aufzuheben oder auf ein zu vernachlĂ€ssigendes Minimum zu reduciren, hat man, wenn man nicht vergleichend arbeiten wilP), Folgendes zu berĂŒcksichtigen:

1. In Bezug auf den Messapparat Entweder wendet man einen Quecksilber-Messapparat an oder man richter, wenn man wegen der grösseren Handlichkeit einen Wasserapparat vorzieht, den Versuch so ein, dass nicht die KohlensĂ€ure selbst in den Messapparat gelangt, sondern ein dem Volumen der KohlensĂ€ure gleiches Volumen Luft, welches aus dem Zersetzungsapparate bez. aus einem ZwischenstĂŒcke von der KohlensĂ€ure verdeĂ€ngt worden ist. Zu dem Zwecke kann man, wie bei dem Scheibler*schen Calcimeter'), das Gas in einem dĂŒnnwandigen, mög- lichst dehnbaren Gummiballe auffangen, welcher, indem er sich auflĂ€ht, die Luft aus einer Flasche, in welcher er untergebracht ist, verdeĂ€ngt; man kann auch zwischen Zersetzungsapparat und Gasburette eine verticale Glaspipette einschieben, in deren unterem Theile die KohlensĂ€ure wegen ihrer Dichte sich ansammelt, wĂ€hrend sie die Luft nach oben verdeĂ€ngt (Apparat Dietrich-FrĂŒhling).

2. In Bezug auf den Zersetzungsapparat. Man wendet ein möglichst geringes und bei allen Versuchen gleich bleibendes Volumen SÀure an und ermittelt durch Versuche mit einem reinen Carbonate das mittlere Volumen Gas, welches gelöst bleibt.

Welcher Art auch die angewandten Vorsichtsmaassregeln sein mögen, immer ist das Verfahren fĂŒr die Bestimmung sehr kleiner Mengen von Carbonaten nicht empfehlenswerth.

2019. n. Durch AoBtreiben der KohlensÀure durch ein anderes Qas und Messen des Gasgemisches vor und des Gasrestes nach der Absorption der KohlensÀure. Wir entnehmen die Beschreibung des Apparates einer Abhandlung von Lunge und Marchlewski'). Der Kolben, in welchem die Zersetzung des Carbonates bewirkt werden

') Auch daDD ist diese Vorsicht zu empfehlen.

-) Scheibler: 1. cit.; R. Fresenius: An!, z. qiiant. ehem. Anal.y 6. - l

()52 BestiminuDg der Carbonate. C. Durch Gasometrie.

soll, hat einen Fassungsraum von 30 bis 100 cc, je nach der Menge jder Substanz, mit welcher man den Versuch ausfĂŒhren will Er trait seitlich einen Hahntrichter; in seinen Hals ist ein hohler Stopfen, welcher in ein Capillarrohr auslĂ€uft, eingeschliflfen (Fig. 257).

Durch dieses Rohr steht der Kolben mit einer mit Quecksilber gefĂŒllten Gasburette, welche mit einem Zweiwegehahn versehen ist und einen Fassungsraum von mindestens 140 cc hat, in Verbindung.

Eine der Bohrungen des Zweiwegehahns vermittelt die Verbindung der BĂŒbette mit dem Kolben; durch die andere kann man die Verbindung nut einem Capillarrohre herstellen, welches zu einem Kali- Absorptionsapparate (Orsat*sches Rohr oder He mp er sehe Pipette) fĂŒhrt. Dieses Capillarrohr ist mit einem Dreiwegehahne versehen, welches die directe Verbindung der BĂŒbette mit dem Absorptionsapparat, oder, je nach BedĂŒrfhiss, der BĂŒbette oder des Absorptionsapparates mit der Ă€usseren Luft gestattet.

Das untere Ende der BĂŒbette steht mit ihrem Gleichgewichtsrohre in Verbindung. Der ofifene Schenkel des Fig. 257. Absorptionsapparates ' trĂ€gt ein kleines Natronkalk - Rohr zum Schutze der Kalilauge gegen die KohlensĂ€ure der Ă€usseren Luft

Um einen Versuch auszufĂŒhren, lĂ€sst man die Kalilauge in dem Apparate bis zum Hahn aufsteigen, indem man durch diesen die Verbindung mit der Ă€usseren Luft herstellt und durch das Natronkalk-Rohr blĂ€st. Nun bringt man die zu untersuchende Substanz und gleichzeitig etwas Aluminiumdraht (etwa 0,08 gr) in den Kolben; dann macht man den Kolben luftleer, indem man das Gleichgewichtsrohr wechselnd sent und hebt und jedesmal den Hahn so dreht, dass er abwechselnd die BĂŒbette mit dem Kolben imd mit der Ă€usseren Luft verbindet).

Man lĂ€sst nun so viel SĂ€ure in den Kolben fliessen, als zum Auflösen des Carbonates ausreicht, und erwĂ€rmt einige Minuten; dann lĂ€sst man eine kleine Menge SĂ€ure nachfliessen und erwĂ€rmt wieder 2 Minuten; so fart man zwei-oder dreimal fort, so dass der Kolben bis zu der Stelle, wo der Trichter angeschmolzen ist, gefĂŒllt wird. Nun unterbricht man das ErwĂ€rmen und wartet, bis das Aluminium aufgelöst ist; sodann lĂ€sst man aus dem Trichter heisse SĂ€ure oder heisses Wasser nachfliessen, bis die FlĂŒssigkeit das Capillarrohr, welches Kolben und BĂŒbette verbindet, erreicht oder es theilweise sogar ausfĂŒllt

Unter dem Einfluss der WĂ€rme, der Luftleere und der Wasserstoffentwickelung, welche erst, wenigstens zum grössten Theile, nach der Zersetzung des Carbonates eintritt, wird die KohlensĂ€ure vollstĂ€ndig in die BĂŒbette ĂŒbergetrieben.

Der Kautschukschlauch, welcher das Niveaurohr mit der BĂŒbette verbindet, muss genĂŒgend lang sein, um eine Niveaudifferenz des Quecksilbers von mindestens 760 mm zwischen beiden Theilen des Apparates herstellen zu können.

KoblensÀare. ScheiduDgsverfahren. g53

Man ermittelt nun genau das Volumen des Gasgemisches; dann lĂ€sst man dieses, durch geeignetes Manipuliren mit den HĂ€hnen und mit dem Gleichgewichtsrohre, in den Absorptionsapparat eintreten, in welchem die KohlensĂ€ure absorbirt wird; durch die umgekehrten Manipulationen fĂŒhrt man den GasrĂŒckstand in die BĂŒbette zurĂŒck und ermittelt dessen Volumen. Die Differenz giebt das Volumen der KohlensĂ€ure.

Die Messungen mĂŒssen natĂŒrlich unter BerĂŒcksichtigung von Temperatur und Luftdruck ausgefĂŒhrt werden, um aus dem Volumen der Kohlensaure deren Gewicht berechnen zu können.

Einen Theil der bei Anwendung des gewöhnlichen Messapparates auszufĂŒhrenden Rechnungen umgeht man bei Benutzung des Lungeschen Gasvolumeters mit Reductionsrohr); an seiner Stelle kann man auch einen Gravivolumeter anwenden, welcher das gesuchte Gewicht direct angiebt, sich sonst aber von dem Lunge* sehen Apparate nicht wesentlich unterscheidet.

— Wenn ein Zersetzungskolben, wie ihn Lunge empfohlen hat, nicht zur VerfĂŒgung steht, so kann man entweder nach Lunge' s eigenem Vorschlage 2) einen weithalsigen Kolben, welcher in einem doppelt durchbohrten Stopfen einen Hahntrichter und ein Ableitungs-Capillarrohr trĂ€gt, benutzen, oder zwei Fractionirkolben so anordnen, wie wir bei der Bestimmung des Ammoniaks beschrieben haben (§ 395, Fig 161); noch besser ist es, die fĂŒr die gasometrische Bestimmung der Nitrate be- i

KohlensÀure. Scheidungsverfahren.

KohlensÀure und neutral Gase oder Wasser damp.

2020. In einem Gasgemische, welches von sonstigen sauren Gasen frei ist, kann die KohlensĂ€ure durch WĂ€gung oder titrimetrisch bestimmt werden; bei Anwendung von gasometrischen Verfahren wird im Allgemeinen zuerst die KohlensĂ€ure entfernt imd gleichzeitig bestimmt, indem man zu ihrer Absorption das Gasgemisch mit festem Kalihydrat (Bunsen) oder mit Kalilauge (Apparate von Orsat, Hempel u. a. m.) in BerĂŒhrung bringt. Eine andere Reihenfolge wird nur durch die Gegenwart von Wasserdampf bedingt, wenn dieser bestimmt werden soll.

Wasser und KohlensÀure in einem Gemische mit neutralen Gasen j

bestimmt man am besten durch directe WĂ€gung, indem man das Gas

erst durch einen mit Calciumchlorid oder einer anderen 8) hygro- S

skopischen Substanz beschickten Apparat (§ 1388) und dann durch l

Z, angew. Ch, 1898, 395. f

Christomanos zieht die SchwefelsÀure dem Calciumchlorid vor, weil '.

dieses, nachdem es Wasser absorbirt hat, KohlensĂ€ure gelöst zurĂŒckhalttt\

Q54 KobleusÀure. Scheidungs verfahren.

einen Kali-oder Natronkalk- Apparat (§ 1999) leitet (Eiementaranalyse organischer Körper).

KohlensÀure und Schwefeldioxyd.

2021 Die Gegenwart von KohlensÀure Àndert nichts an der Bestimmung des Schwefel dioxyds auf gewichtsanalytischem oder titrimetrischem Wege (§§ 1675 ff.).

Um das Gasgemisch gasometrisch zu analysiren, bestimmt man zuerst das Schwefeldioxyd, indem man es durch ein nicht alkalisches Reagens absorbiren lÀsst) (§ 1685); erst dann bringt man die Kohlen- sÀure durch Kalihydrat zur Absorption. Wenn das Schwefeldioxyd nicht vorherrscht, kann man es auch einerseits allein durch ein geeignetes Verfahren und andererseits beide Gase zusammen durch Absorption mittels Kalihydrat bestimmen: die Differenz ergiebt dann die KohlensÀure.

KohlensÀure und Schwefelwasserstoff.

2022. Hs gilt das in § 2021 Gesagte. Bei der gasometrischen Methode bringt man zuerst den Schwefelwasserstoff zur Absorption (§ 1631).

Man kann in einem Gemische von KohlensÀure und Schwefelwasserstoff beide Gase durch directe WÀgung in einer einzigen Operation bestimmen, indem man das letztere durch Bimsstein, welcher mit ent- wÀssertem Cuprisulfat imprÀgnirt ist (§ 1622, vergl. auch Fussnote 2 auf Seite 645 zu § 2012), und dann die KohlensÀure durch Natronkalk oder Kalihydrat (§ 1999) absorbiren lÀsst.

KohlensÀure und Chlor

2023. Man bestimmt beide Gase zusammen, indem man sie durch Natron-oder Kalilauge absorbiren lĂ€sst. Das durch die Absorption entstandene zersetzt man durch ein Alkali- Arsenit (§ 1513); dann zersetzt man das Alkalicarbonat durch SchwefelsĂ€ure und treibt die entwickelte KohlensĂ€ure in einen tarirten Kali- Apparat ĂŒber.

Die in der angewandten Natron-oder Kalilauge) vorhandene Menge Carbonat muss bekannt sein; die dieser entsprechende KohlensÀure wird von der durch die Gewichtszunahme des Kali-Apparates gefundenen Menge KohlensÀure in Abzug gebracht.

Das durch die Absorption entstandene Hypochlorit kann auch durch ErwÀrmen mit einer geringen Menge Cobalti-, Nickelioder Cupri-Oxyd zersetzt werden, wobei nach Cl. Winkler die \virksamen Metalloxyde

Siebe J. Persoz: Ann. de eh. et de phys. [3] 20 (1847), 254.

') Sieber: Ch.-Z. 19 (1895), 1963. Vergl. auch Cl. Winkler: Lehrb. d. techn. Gasanalysey 3. Aufl. (1901), S. 93; derselbe schĂŒttelt einmal das Gasgemisch mit Lauge und eine zweite Probe mit conc. Ferrochlorid-Lösung in einer (von A. Lange (1. cit.) etwas modificirten) SchĂŒttelburette.

Eventuell muss auch auf den Carbonatbezw. Bicarbonat-Gehalt der Arscnit- lösung — wenn diese z. B. nach § 1423 bereitet ist — RĂŒcksicht genommen werden.

Carbonate. Scheidungsverfahren. 655

intermediĂ€r in sauerstoffreichere, labile Verbindungen ĂŒbergehen, um alsdann, neben Sauerstoff, wieder zurĂŒckgebildet zu werden, z. B.: 6 NaClO + 2 C02O3 6 NaCl + 4 C0O3 , 4Co03 2Co203 + 3 02; das unverĂ€ndert gebliebene Alkalicarbonat wird dann, wie vorher, durch Absorption der aus ihm entwickelten KohlensĂ€ure bestimmt.

Ein einfaches und — bei BerĂŒcksichtigung aller fĂŒr Gasanalysen nöthigen Factoren — auch genaues Verfahren, Chlor und KohlensĂ€ure gleichzeitig zu trennen und zu bestimmen, ist das folgende: Das in der Messröhre eines Nitrometers, Azotometers oder Ă€hnlichen Apparates befindliche Gasgemisch wird mit Quecksilber) geschĂŒttelt, bis alles Chlor absorbirt ist, woven man sich leicht ĂŒberzeugt, indem man prĂŒft, ob noch Quecksilber von dem in das Messrohr hochgesaugt wird. Die QuecksĂŒbersĂ€ule giebt das Volumen Chlor, das Gasvolumen ĂŒber dem Quecksilber dasjenige der KohlensĂ€ure 2) an.

KohlensÀure und Chlor was s e

2024. Der Chlorwasserstoff wird im Gemisch mit KohlensĂ€ure nach einem der frĂŒher angegebenen Verfahren (§§ 1461 ff.) bestimmt. Die Kohlen- sĂ€ure bestimmt man gasometrisch nach einem der folgenden Verfahren:

2025 I. Nachdem der Chlorwasserstoff durch WĂ€gung oder titrimetrisch bestimmt worden ist, ermittelt man in einer besonderen Probe l

den Gehalt an Chlorwasserstoff und KohlensÀure zusammen durch Absorption mittels Kalihydrat; die KohlensÀure ergiebt sich aus der Differenz.

2026. II. Man bestimmt nach einander erst den Chlorwasserstoff durch Absorption mittels Natriumsulfat (§ 1465 a) und dann die Kohlen- sÀure durch Absorption mittels Kalihydrat.

Carbonate. Scheidungsverfahren.

2027. Bemerkung. Im Allgemeinen bietet die Scheidung der Carbonate von den Stoffen, mit welchen sie gewöhnlich vorkommen, keinerlei Schwierigkeiten; man bestimmt die KohlensÀure und die anderen Stoffe, wenn das angewandte Verfahren es zulÀsst, in einer und derselben Probe; man kann aber auch, und das ist sogar die gewöhnliche l Art, zur Bestimmung der anderen Stoffe eine zweite Probe anwenden. !

In manchen FĂ€llen sind aber doch Vorsichtsmaassregeln erforder- i

lieh; auf diese FÀlle beziehen sich die folgenden Erörterungen. S

Statt Quecksilber — welches wegen der Bildung von Mercurochlorid im Rohr leicht schmiert, so dass die Ablesung erschwert wird — wendet man vortheilhaft ein (natĂŒrlich noch flĂŒssiges) Zinnamalgam an.

Zur Identificirung der KohlensĂ€ure und namentlich auch zur PrĂŒfxux, Luft beigemengt war, kann man das restirende Gas von Kalilauge absorbiren

2028. Man bestimmt das Carbonat nach irgend einem auf der Entwickelung der KohlensĂ€ure durch eine verdĂŒnnte SĂ€ure beruhenden Verfahren; der Kohlenstoff bleibt zurĂŒck. Ist er rein, so kann er auf einem Filter gesammelt und direct gewogen werden (§ 1967); im anderen Falle wendet man auf den, auf einem Asbestfilter gesammelten, Ruckstand eins der Bestimmungs -Verfahren durch Oxydation an (§§ 1969 fiL).

Man kann auch das Substanzgemisch so behandeln, wie bei der Bestimmung des Kohlenstoffes durch Oxydation, und erhĂ€lt dann die Summe der KohlensĂ€ure, welche vom Kohlenstoffe und dem Carbonate herrĂŒhrt; bestimmt man dann das Carbonat durch Entwickelimg der KohlensĂ€ure vermittelst einer stĂ€rkeren SĂ€ure, so erhĂ€lt man den Kohlenstoff aus der Differenz. Dieses Verfahren ist weniger empfehlenswerth.

Wenn das Carbonat ein Alkalicarbonat ist, so kann man dieses durch Wasser ausziehen und im Filtrate alkalimetrisch bestimmen; RĂŒckstand benutzt man zur Bestimmung des Kohlenstoffes.

Neutrales Carbonat und saures Carbonat. Ein derartiges Gemisch kommt nur bei den Alkalicarbonaten vor. Die Scheidung kann nach folgenden Verfahren ausgefĂŒhrt werden:

2029. I. Durch Baryumohlorid und Barythydrat. Die in der KÀlte in einer geaichten Flasche hergestellte Lösung wird mit einer Lösung von Baryumchlorid und einem abgemessenen Volumen einer titrirten Lösung von Barythydrat versetzt. Die eintretenden Reactionen sind:

Na2C08 + BaClj BaCOg + 2 NaCl, und

2 NaHCOg + BaClsj + 2 BaCO + 2 NaCl -f 2 KjO.

Einem MolekĂŒl neutralen Carbonats entspricht also ein MolekĂŒl Baryumcarbonat

; zwei MolekĂŒlen sauren Carbonats entsprechen zwei MolekĂŒle

Baryumcarbonat, von welchen eins aus dem Baryumhydrat entstanden isL

Man erwĂ€rmt, um den Niederschlag zusammenzuballen, lĂ€sst erkalten und fĂŒllt bis zur Marke auf. Nachdem sich der Niederschlag vollstĂ€ndig abgesetzt hat, entnimmt man einen aliquoten Theil der klaren FlĂŒssigkeit und bestimmt darin den Ueberschuss von Barythydrat alkalimetrisch; aus dem Ergebnisse kann man die zur FĂ€llung verbrauchte Menge und folglich das entsprechende Bicarbonat berechnen.

Den Niederschlag von Baryumcarbonat sammelt man und bestimmt seine Menge, am besten alkalimetrisch (durch ZurĂŒcktitriren) mittels einer titrirten SĂ€ure (SalzsĂ€ure) und der vorher angewandten titrirten Lösung von Barythydrat.

Zieht man von der ganzen Menge Baryumcarbonat die dem Bicarbonate

Siehe Brunner, Bestimmung des Kohlenstoffes in Kalksteinen: Dingl. 160 (1858), 377. Siehe auch in den HandbĂŒchern der technischen Analyse die Analyse der Knochenkohle.

R. Lucion und D. De Paepe: Bull. Assoc. helge des chim, 15 (1901), 23.

entsprechende Menge ab, so iÀsst sich aus dem Reste das neutral, wie oben beschrieben berechnete Carbonat berechnen).

Man könnte auch, in einer besonderen (zweiten) Probe, die der Summe beider Componenten entsprechende Alkali -Menge direct alkalimetrisch bestimmen.

2030. II. Durch Alkalimetiie mit Fhenolphtalem (oder Flavescixi) als Indioator). Man titrirt die verdĂŒnnte Lösung des zu untersuchenden Gemisches in der KĂ€lte mit SalzsĂ€ure, bis die rothe FĂ€rbung, welche durch das als Indicator angewandte Phenolphtalein hervorgerufen war, verschwunden ist 3); das neutral Carbonat ist zur HĂ€lfte in Bicarbonat, zur anderen HĂ€lfte in Natriumchlorid umgewandelt:

Jetzt setzt man die Titration fort, bis die FlĂŒssigkeit auch nach lĂ€ngerem Kochen*) farblos bleibt: es ist sowohl das ursprĂŒnglich vorhandene als auch das neu entstandene Bicarbonat in Natriumchlorid umgewandelt:

Das Doppelte der bei (1) verwandten Menge an titrirter SĂ€ure entspricht also dem in der untersuchten Substanz vorhanden gewesenen neutralen Carbonate, und die Differenz zwischen der ganzen verbrauchten Menge SĂ€ure, (1) + (2), und dem Doppelten der bei (1) verbrauchten dem vorhanden gewesenen Bicarbonate.

2030 a. lU. Gasometrisoh). Das Gemisch der Carbonate wird in einem kleinen, mit einer Gasburette verbundenen Rohre aus schwer schmelzbarem Glase erhitzt. Nur das Bicarbonat wird zersetzt:

2 NaHCOg NaCOg + COg + HgO. Die entwickelte KohlensÀure wird nach dem Erkalten gemessen.

Carbonat und Sulfit oder Hyposulfit

2031. Die Bestimmung der sulfurirten Verbindung geschieht ohne Aenderung nach den gewöhnlichen Verfahren.

FĂŒr die Bestimmung der Carbonate ist zu berĂŒcksichtigen, dass sowohl die Sulfite wie auch die Hyposulfite beim Behandeln mit SĂ€uren Schwefeldioxyd entwickeln. Diese Entwickelung, welche ein falsches Resultat veranlassen wĂŒrde, wird verhindert, indem man ein Verfahren auf nassem Wege anwendet und der zu analysirenden Substanz Kalium-

') Siehe auch Lunge: Ch. Ind. 4 (1881), 369.

Vergl. Mohr-Classen: Tiirirmethode, 7. Aufl. (1896), S. 89.

Man darf nicht zu heftig umrĂŒhren und muss am besten die Spitze der BĂŒbette tief in die Losung tauchen lassen.

Man könnte — unter HinzufĂŒgung von Methylorange — auch in der Kalte weiter titriren.

G. Lunge: Z, angew. Ch. 1897, 522.

Man darf nicht ĂŒbersehen, dass Hyposulfite in Gegenwart von durch Jod nicht direct bestimmt werden können (siege § 1666).

De Koninck-'Meineke. Mincralanalyse. II. 42

Chromat 1) oder -Permanganat 2) im Ueberschuss zusetzt; diese Verbin dĂŒngen fĂŒhren das Schwefeldioxyd im Momente seines Entstehens, wenn nicht scion vorher die Oxydation stattgefunden hatte, in SchwefelsĂ€ure ĂŒber, welche aus der FlĂŒssigkeit nicht entweichen kann.

Carbonat und Sulfid.

2032* Die Gegenwart von Carbonat stört die Bestimmung des Sulfides nicht; wohl aber kann umgekehrt die Gegenwart eines durch SÀuren zersetzbaren Sulfides die Bestimmung des Carbonates beeinflussen.

Unter UmstĂ€nden wird man daher zur Zersetzung des Carbonates nicht die gewöhnlichen Mineral sĂ€uren, sondern eine Ă€chere, das vorhandene Sulfid nicht angreifende SĂ€ure wĂ€hlen; so wendet man z. B. OxalsĂ€ure oder, besser noch, WeinsĂ€ure oder CitronensĂ€ure an; Essig- sĂ€ure und AmeisensĂ€ure eignen sich ihrer FlĂŒchtigkeit wegen in manchen FĂ€llen weniger.

Bisweilen kann man auch das mit einem Sulfide gemischte Carbonat durch ein indirectes Mittel bestimmen, wie das folgende Beispiel klar machen wird. Es seen in einem Erzgemische Bleicarbonat (Weissbleierz) und Bleisulfid (Bleiglanz) zu bestimmen. Behandelt man das Gemisch mit EssigsĂ€ure, so geht das Weissbleierz in Lösung, wĂ€hrend der Bleiglanz unverĂ€ndert bleibt; man braucht nur zu filtriren und in dem Piltrate das Blei zu bestimmen, um den Gehalt an Carbonat zu erfahren; durch Bestimmung des Bleis im RĂŒckstande erfĂ€hrt man dann den Gehalt an Sulfid.

Wir haben noch den Fall zu betrachten, dass Carbonat und Sulfid durch eine schwache SÀure angreifbar sind. Verschiedene Verfahren gestatten die Lösung der Aufgabe.

2033. L Durch ein Metallsalz. Man bestimmt in einer Probe direct das Sulfid. Die KohlensĂ€ure wird durch den Gewichtsverlust (§ 2009), oder durch directe WĂ€gung (§§ 2012 ff.), oder durch irgend ein anderes Verfahren, welches auf Entwickelung beruht, bestimmt; bevor man jedoch die SĂ€ure auf die Substanz einwirken lĂ€sst, behandelt man diese mit einer Lösung von Mercuri-Kaliumjodid, welche die Bildung von in SĂ€uren unlöslichem Mercurisulfid veranlasst. Man hat fĂŒr denselben Zweck auch Quecksilberoxyd, sowie Cuprichlorid vorgeschlagen 3).

2034. II. Durch Kaliumohromat). Die Scheidung kann so ausgefĂŒhrt werden, wie wir bei der Scheidung von Sulfiten (§ 2031)

R. Fresenius und H. Will: Nene Verfahrungsweistn z. Priifg, d. Pottasche u. Soda u. s. w. (1843), S. 24.

M. Honig und E. Zatzek: Monatsh. Ch. 4 (1883), 733.

H. Vohl: Ann. 66 (1848), 247 u. 377; A. Wolkowicz: Z, angry. Ch. 1894, 165; Chevalet: Ann. de ch. anal. appl. 4 (1899), 295.

R. Fresenius und H. Will: op. cit. S. 24 u. 52.

Scheidungsverfahren. 659

angegeben haben; man setzt zu der Substanz Kalium-Chromat oder -Pennanganat, um den Schwefelwasserstoff im Augenblicke seiner Bildung, oder, wenn es sich um ein lösliches Sulfid handelt, dieses selbst zu oxydiren.

2035. in. Durch direote WĂ€gang. KohlensĂ€ure und Schwefelwasserstoff können durch directe WĂ€gung bestimmt werden, indem man die frĂŒher in § 1622 und § 1999 beschriebenen Verfahren combinirt, d. h. indem man das Carbonatund Sulfid- Gemisch in einem Apparate mit einem Thörner' sehen Kolben (Fig. 255, § 2012) durch SalzsĂ€ure oder durch verdĂŒnnte SchwefelsĂ€ure zersetzt und die entwickelten Gase, nachdem sie getrocknet sind, z. B. erst zur Absorption des Schwefelwasserstoffes durch mit Cuprisulfat beschickte Röhren und dann zur Absorption der KohlensĂ€ure durch einen Kali- Apparat oder durch Natronkalk-Röhren leitet.

Carbonat und Fluorid.

2035a. Der am hÀufigsten vorkommende Fall ist der, dass ein Gemisch von Kalkstein mit Flussspat zu untersuchen ist; in diesem Falle kann man die Scheidimg durch EssigsÀure bewirken, welche das Carbonat auflöst, das Fluorid aber nicht angreift.

Soll die KohlensÀure durch Entwickelung bestimmt werden, so empfiehlt es sich, zur Zersetzung nicht SalzsÀure oder SchwefelsÀure, welche das Fluorid angreifen könnten, sondern WeinsÀure oder Citronen- sÀure) anzuwenden 2).

Carbonat und Cyanid.

2036. Um die Carbonate in einem solchen Gemische zu bestimmen, muss man vorher die durch SĂ€uren leicht zersetzbaren Cyanide in Silbercyanid oder Mercuricyanid umwandeln, welche von verdĂŒnnten SĂ€uren nicht angegriffen werden. Man setzt zu dem Gemische Silbernitrat oder Silbersulfat oder Mercurioxyd. Die Bestimmung des Carbonates wird dann nach einem beliebigen Verfahren ausgefĂŒhrt.

Carbonat und Chlorid, Bromid oder Jodid.

2037 Die Bestimmung der Carbonate wird durch die Anwesenheit der Halogenide nicht beeinflusst.

Um letztere in einem Gemische von Alkalisalzen zu bestimmen, welcher Fall wohl am hĂ€ufigsten vorkommt, kann man mit SalpetersĂ€ure ansĂ€uern und durch Silbernitrat fallen, oder nĂŒttels Silbersalz und Alkalisulfocyanid titrimetrisch verfahren (§ 1445).

Siehe auch W. Hcmpel und W. Schefflcr: Z, anorg. Ch, 20 (1899), 1. Wir glauben doch, dass die Entwickelung von Fluorwasserstoff durch ver- dĂŒnnte SalzsĂ€ure gar nicht zu befurchten ist.

Das folgende Verfahren ist aber vorzuziehen: Man setzt zu dem Gemische so viel chlorfreies Calciumnitrat, dass das Carbonat vollstĂ€ndig gefĂ€llt wird (ist Bicarbonat zugegen, so fĂŒhrt man dieses durch Kochen in neutrales Carbonat ĂŒber); in dem Filtrate, welches nicht anders als neutral sein kann, bestimmt man dann, das Chlorid (Bromid oder Jodid) titrimetrisch durch Silbernitrat mit Kaliumchromat als Indicator (§ 1444).

Statt des Calciumnitrates kann man auch Zink-Nitrat oder -Sulfat, aber kein Baryumsalz anwenden.

Carbonat und Q-emisohe, welche unter dem EinflĂŒsse einer SĂ€ure Chlor oder Brom abgeben.

2038 Um das Carbonat in einem solchen Gemische (z. B. Carbonat mit Hypochlorit oder mit Chlorat und Chlorid')) durch Entwickelung der KohlensÀure zu bestimmen, setzt man ihm, entweder vor der Behandlung mit der SÀure oder gleichzeitig mit der SÀure, eine neutral reducirende Substanz, wie Ferrosulfat oder Ferroammoniumsulfat (M oh rasches Salz) oder Ferrochlorid in reichlicher Menge zu, so dass Chlor oder Brom im Augenblicke ihrer Bildung wieder gebunden werden.

Man kann die Zerstörung des Hypochlorites auch schon vor der Behandlung mit SÀure durch Erhitzen) imter Zusatz von etwas Cobaltioxyd oder Nickelioxyd oder Cuprioxyd (siege § 2023) bewirken.

Mit Vortheil lĂ€sst sich, z. B. fĂŒr Chlorkalk, sowohl die Zersetzung durch SalzsĂ€ure als auch die Bestimmung der entwickelten KohlensĂ€ure direct ĂŒber Quecksilber oder besser Zinnamalgam in einem dem Nitrometer Ă€hnlichen, zweckentsprechend verĂ€nderten Apparat ausfĂŒhren; das Quecksilber binder beim SchĂŒtteln sĂ€mmtliches Chlor (vergl. § 2023).

De Koninck (Ä. untv, d. M. [3] 2 (1888), 98) hat dieses Vcrfaluren zur Bestimmung des Chlors in den salin Ischen Gruben wĂ€stern, welche aus den Kohlengruben ausgepumpt werden, empfohlen. Diese WĂ€sser sind von organischen Substanzen gefĂ€rbt, welche von dem Carbonate niedergerissen werden, so dass man ein farbloses Filtrat erhĂ€lt.

Der Chlorkalk enthÀlt neben dem Hypochlorit (Hauptbestandtheil) auch alle diese Verbindungen, jedoch in wechselnden, mehr oder weniger kleinen Mengen, Carbonat mitunter bis etwa 5 7o-

Empfehlenswerth ist die Verwendung einer unter Luftabschluss bereiteten Auflösung von Eisen in SalzsÀure (Eisen in Bszug auf die SalzsÀure im Ueberschuss angewandt).

Es gelingt, z. B. bei der KohlensĂ€urebestimmung im Chlorkalk, nicht immer, alles entwickelte Chlor an das Ferrosalz zu binden, und oft selbst dann nicht, wenn durch die zersetzende SĂ€ure nur wenig Chlor und relativ viel Kohlensaure frei gemacht wird, ein Fall, der z. B. eintreten muss, wenn der Zersetzung durch die SĂ€ure (bei Anwesenheit von Ferrosalz) eine ErwĂ€rung des Chlorkalkes mit Cobaltinttrat- Lösung vorausgegangen ist. In solchen FĂ€llen hat sich die gleichzeitige Anwesenheit von etwas Quecksilber und Ferrosalz bei der Einwirkung der SĂ€ure als sehr nĂŒtzlich erwiesen, d. h. alles Chlor wurde dann gebunden. (Westphal.)

ö) Siehe A. Sieber: Ch.-Z, 19 (1895), 1963. Es ist zu beachten, dass sich hierbei auch kleine Mengen Chlorat bilden können.

Carbonat und Superozyd.

2039* Die Gegenwart von Carbonat stört nicht die jodometrische Bestimmung des disponiblen Sauerstoffes in den Superoxyden, wohl aber die directe Bestimmung der Superoxyde des Mangans und des Bleis nach dem Fresenius-WiH'schen Verfahren. Will man dieses Verfahren anwenden, so muss man die abgewogene Substanzprobe, nachdem man sie in den Zersetzungskolben des Apparates gebracht hat, mit so weit ver- dĂŒnnter SchwefelsĂ€ure befeuchten, dass das Superoxyd nicht angegriffen wird, dann die KohlensĂ€ure durch einen Luftstrom austreiben, den Ueberschuss der SchwefelsĂ€ure durch ganz kohlensĂ€urefreies Alkalihydrat neutralisiren, und erst dann das erforderliche Oxalat zufĂŒgen und den Apparat zusammenstellen.

Dieselbe Vorsicht ist anzuwenden, wenn man das Superoxyd gasometrisch durch Wasserstoffsuperoxyd bestimmen will (§ G52).

Carbonat und Wasser.

2040* Zur directed Bestimmung der KohlensĂ€ure kann man jedes der beschriebenen Verfahren, mit Ausnahme des Gewichtsverlust -Verfahrens durch GlĂŒhen, anwenden.

Das Wasser kann man durch den Gewichtsverlust bei niedriger Temperatur oder durch directe WÀgung bestimmen. Auch kann maiv beide Bestandtheile gleichzeitig durch Erhitzen mit trockenem Kaliumdichromat (§ 2013), Auffangen des Wassers in einem tarirten Rohre (§ 1383) und Absorption der KohlensÀure in einem Kali -Apparate oder Natronkalk - Rohre bestimmen. Die Luft, welche man schliesslich durch den Apparat treibt, muss getrocknet und von KohlensÀure befreit werden.

Wenn die Substanz sonst zur Bestimmung der KohlensĂ€ure durch GlĂŒhen geeignet ist, so kann man auch den gesammten GlĂŒhverlust, Wasser + KohlensĂ€ure, in dieser Weise, und andererseits die Kohlen- sĂ€ure oder das Wasser allein bestimmen: aus der Differenz erhĂ€lt man das Wasser bez. die KohlensĂ€ure.

Ist das Carbonat leicht zersetzbar, so kann man das Wasser und den GlĂŒhverlust in einer Operation mit HĂŒlfe des beistehend abgebildeten Apparates (Fig. 258) bestimmen. Die Substanz wird in ein Schiffchen gebracht und mit diesem tarirt; dann schiebt man das Schiffchen in ein Rohr aus schwer schmelzbarem Glase, an dessen eines Ende ein tarirtes

Rohr mit Calciumchlorid an-tfg

=3'ftr,ariP gesetzt ist. Man arbeitet, wie bei

Fig. 58. der Bestimmung des Wassers

Carbonat und Hydrat.

2041. Diese Scheidung hat nur fĂŒr die Bestimmung der Alkalien und der alkalischen Erden Interesse. Die Gegenwart von Hydrat schliesst die Anwesenheit von Bicarbonat aus.

2042. L Allgemeines Verfahren. Man bestimmt einerseits die Gesammt-AlkalitĂ€t der Substanz durch eine alkalimetrische FlĂŒssigkeit, als welche man vorzugsweise SalzsĂ€ure anwendet; die Gesammtmenge der verbrauchten SĂ€ure berechnet man auf Hydrat.

Andererseits bestimmt man die KohlensĂ€ure durch Entwickelung (§§ 2009, 2012—2014, 2019).

Das (jewicht des Hydrates erhÀlt man, indem man die dem Carbonate entsprechende Menge Hydrat berechnet und diese von der Gesammtmenge Hydrat abzieht, welche aus dem alkali metrischen Versuche berechnet war.

2043* n. Durch Baryumehlorid. Dieses Verfahren ist nur auf die Alkalien anwendbar.

Man behandelt das Gemisch mit Baryumehlorid; das Carbonat, aber nicht das Hydrat, wird gefÀllt. Man kann also beide durch Filtration trennen und getrennt bestimmen.

Wenn der Gehalt an Carbonat nicht zu gering ist, kann man einfacher und doch genau das Hydrat in dem Filtrate nach partieller Filtration bestimmen und andererseits, wie bei dem vorigen Verfahren, die Gesammt-AlkalitÀt ermitteln. Das Carbonat erhÀlt man aus der Differenz.

Ist der Carbonat-Gehalt gering, so erhÀlt man genaue Resultate nur nach dem Verfahren der Entwickelung der KohlensÀure und darauf folgenden gewichtsanalytischen Bestimmung im Kali-Apparat oder Natronkalk-Rohr.

2044. III. Durch Alkalimetrie mit Fhenaoetolin oder mit Methylorange und Phenolphtalem als Indicator. Auch dieses Verfahren ist nur auf die Alkalien anwendbar. Wie wir in § 322 gesehen haben, reagirt das Phenacetolin anders auf die Hydrate, als auf die Carbonate der Alkalimetalle. Um das Hydrat und das Carbonat in einem Gemische zu bestimmen, fĂŒgt man eine Lösung dieses Indicators bis zu leichter GelbfĂ€rbung hindu; dann lĂ€sst man unter tĂŒchtigem UmrĂŒhren die titrirte SĂ€ure bis zur RosafĂ€rbung einfiiessen. Die bis jetzt verbrauchte SĂ€ure entspricht dem Hydrate.

Nach Ablesung des FlĂŒssigkeitsstandes in der BĂŒbette fĂ€hrt man mit dem Zusatz der SĂ€ure fort, bis die Farbe der FlĂŒssigkeit aus Hellroth durch Gelbroth in reines Gelb umschlĂ€gt. Das ist die Endreaction. Die nach der ersten Ablesung verbrauchte SĂ€ure entspricht dem Carbonate.

Man kann auch ein Gemisch von Methylorange und Phenolphtalein

Scheid uDgsverfahren. 663

als Indicator anwenden, um Hydrat und Carbonat titrimetrisch zu scheiden (vergl. Scheidung von Carbonat und Bicarbonat durch Phenolphtalein § 2030). Sobald alles Alkalihydrat gebunden und die HÀlfte des vorhandenen Carbonates in Bicarbonat umgewandelt ist, verschwindet die rothe, durch Phenolphtalein verursachte Farbe und die Lösung ist vom Methylorange gelb gefÀrbt i): man liest ab. FÀhrt man nun mit demSÀurezusatze fort, bis auch das Bicarbonat zersetzt ist, d. h. bis eine sehr geringe Menge freier SÀure vorhanden ist, so tritt der Farbenumschlag des Methylorange von Gelb in Nelkenroth hervor: man liest wieder ab. Durch Verdoppelung der Differenz zwischen der ersten mid zweiten Ablesung erhÀlt man die dem vorhanden gewesenen Carbonat entsprechende, und durch Abzug derselben von dem Gesammtverbrauch die dem Hydrat entsprechende SÀuremenge.

Beide Verfahren erfordern einige Uebung, um die in den verschiedenen Phasen der Bestimmung auftretenden FarbenverÀnderungen sicher zu erkennen, und liefern auch keine besonders genauen Resultate.

KohlensÀure und Metalle.

2045. Die Scheidung erfordert im Allgemeinen keine besonderen Vorsichtsmaassregeln (siege § 2027).

Wir wollen nur hervorheben, dass in denjenigen Metallcarbonaten, welche beim GlĂŒhen nicht das entsprechende Oxyd zurĂŒcklassen, die KohlensĂ€ure nicht immittelbar durch die Ermittelung des GlĂŒhverlustes bestimmt werden kann. Das ist z. B. bei dem Ferrocarbonat, welches Ferri- ĂŒxyd giebt, bei dem Manganocarbonat, aus welchem Manganomanganioxyd entsteht, und bei dem Silbercarbonat, welches durch GlĂŒhen zu Metall reducirt wird, der Fall. Durch ergĂ€nzende Bestimmungen erhĂ€lt man aber gewöhnlich Daten, welche einer Berechnung zu Grunde gelegt werden können. Bildet z. B. die zu untersuchende Substanz ein Gemisch von Ferrioxyd und Ferrocarbonat, so kann man die Ferroverbindung durch Permanganat oder Chromat bestimmen und hieraus das entsprechende l-errioxyd, welches durch GlĂŒhen aus dem Ferrosalz entstanden ist, berechnen; da aber bei der Umwandlung der Ferroverbindung in Ferrioxyd neben der Abspaltung der KohlensĂ€ure gleichzeitig eine Aufiiahme von Sauerstoff erfolgt, dessen Menge jedoch berechnet werden kann, so ist das Xjewicht der letzteren dem durch GlĂŒhen ermittelten Gewichtsverluste zuzurechnen, um das Gewicht der KohlensĂ€ure zu erhalten.

Man wird im Allgemeinen besser thun, das Methylorange erst

wenn die durch Phenolphtalein verursachte FĂ€rbung der FlĂŒssigkeit

Capitel XVII.

Allgemeine qualitative Analyse.

Vorversuche zur Aufsuchung der Metalle.

2046 Man bezeichnet mit diesem Ausdrucke diejenigen Versuche, welchen man eine Substanz unterwirft, bevor man zu ihrer systematischen Analyse ĂŒbergeht. Sie haben den Zweck, uns ĂŒber die Natur der Substanz zu unterrichten, die Anwesenheit oder Abwesenheit gewisser Elemente oder gewisser Gruppen von Elementen festzustellen, und auf Grund der erhaltenen Resultate die einfachste und zweckmĂ€ssigste Behandlungsweise fĂŒr die vollstĂ€ndige Analyse zu ermitteln. Nach ihren Ergebnissen ist man oft in der Lage, eine Reihe unnötiger Reactionen fortlassen zu können und vomit nicht allein Zeit zu gewinnen, sondern auch den Ergebnissen der Analyse eine grössere Sicherheit zu geben.

Wir wollen sie vorzugsweise vom Gesichtspunkte der Aufsuchung der Metalle in Betracht ziehen, was aber nicht hinder, dass diese selben Versuche solcher Art sein können, dass sie auch Hinweise auf die Natur der Metalloide und der verschiedenen Arten von Salzen, SĂ€uren oder Anhydriden, welche zu den Bestandtheilen der zu prĂŒfender Substanz gehören, geben. Wenn wir vorlĂ€ufig im Allgemeinen alles Das bei Seite lassen, was sich ausschliesslich auf diese letzteren Bestandtheile bezieht, so geschieht das hauntsĂ€chlich aus dem Grunde, weil Vorversuche, welche ihre Ermittelung zum Zwecke haben, mehr oder weniger mit ihrer definitive Aufsuchung zusammenfallen wĂŒrden (s. § 2065).

Diese Vorversuche muss man mit möglichst kleinen Substanzmengen vornehmen, nicht allein um mit der verfĂŒgbaren Materialmenge fĂŒr die definitive Untersuchung möglichst zu sparen, sondern auch weil sich unter dieser Bedingung viele Operationen schneller ausfĂŒhren lassen. Man muss ferner bei den Vorversuchen alle langwierigen Operationen, wie Filtrationen, Abdampfungen betrĂ€chtlicher FlĂŒssigkeitsmengen, Auswaschen und Trocknen von NiederschlĂ€gen, vermeiden.

Um aus diesen Vorversuchen pollen Nutzen zu ziehen, muss sich der Chemiker die Eigenschaften der Elemente (Metalle und Metalloide) in ihren verschiedenen Verbindungen geistig vergegenwÀrtigen; er darf auch nicht die Nebenreactionen ausser Acht lassen, welche sich

Vorversuche zur Aufsuchung der Metalle. ßß

zwischen den Bestandtheilen der zu analysirenden Substanz selbst, unter dem EinflĂŒsse der wirkenden UmstĂ€nde, welchen man die Substanz aussetzt, abwickeln können. So wird z. B. ein Gemisch von einem Nitrate und einem reducirenden Körper (Ferrosalz, Hyposulfit etc.) beim Behandeln mit concentrirter SchwefelsĂ€ure nitrose DĂ€mpfe ausstossen, welche auf die Gegenwart von Nitriten schliessen lassen könnten; ein Gemisch von Jodid und Dichromat wird schon allein unter dem EinflĂŒsse der WĂ€rme JoddĂ€mpfe geben etc.

Die Vorversuche bilden mit der PrĂŒfung auf Metalloid -Verbindungen, vom Gesichtspunkte des praktischen Unterrichtes betrachtet, zweifellos die wichtigsten Theile der ganzen Analyse; sie lassen die Findigkeit des Analytikers, seinen Scharfblick, seine Beobachtungsgabe, seine Kenntniss der Reactionen am besten erkennen und sind daher am meisten geeignet, diese Eigenschaften auszubilden.

Die Versuche, welchen man eine Substanz unterwerfen kann, Ă€ndern sich mit ihrem Aggregatzustande und mit den ĂŒssen, welche man unmittelbar aus ihren physikalischen Eigenschaften ĂŒberhaupt ziehen kann. Man kann sagen, — und das ist unseres Erachtens die einzige Regel, welche man aufstellen kann — dass man sich fĂŒr die Wahl des ersten auszufĂŒhrenden Versuches durch die physikalischen Eigenschaften der Substanz, demgemĂ€ss hĂ€ufig schon durch ihre Ă€ussere Erscheinung, sowie durch die Kenntniss ihrer Herkunft und ihrer ungefĂ€hren Natur, und fĂŒr die Wahl der spĂ€teren Versuche von den bis dahin erhaltenen Resultaten leiten lassen muss.

Gegen jede vorgefasste Ansicht soll man misstrauisch sein und als endgĂŒltig nur solche Resultate betrachten, ĂŒber deren Sicherheit kein Zweifel mehr bestehen kann.

Andererseits aber soll auch der Lernende, welcher mit Sorgfalt vorgeht, Zutrauen zu seiner Arbeit haben und nicht anstehen, die Anwesenheit oder Abwesenheit von Bestandtheilen der Substanz zu behaupten, sobald er diese An-oder Abwesenheit an sicheren Merkmalen erkannt hat.

Eine Mineralsubstanz giebt beim Erhitzen im geschlossenen Rohre l

violette DĂ€mpfe: es kann gar kein Zweifel bestehen, dass diese Substanz jf

Tod enthÀlt; aber dieses Jod kann in der Substanz entweder in freiem

oder in gebundenem Zustande sein, da sein Freiwerden das Resultat [

von Reactionen sein kann, welche unter dem EinflĂŒsse der WĂ€rme ein- i

treten (s. oben). FĂŒr sich allein gestattet dieser Versuch mit absolute f

Sicherheit die Anwesenheit von Jod zu behaupten, aber auch nicht mehr, f

denn er liefert noch keinen Aufschluss ĂŒber den Verbindungs -Zustand

des Jods in der Substanz.

Aus einer anderen Mineralsubstanz wird durch Behandeln mit einer SĂ€ure ein Gas entwickelt, welches Kalkwasser trĂŒbt: erfahrungsxrvĂ€ssi

wissen wir absolut sicher, dass die Substanz ein Carbonat entVia\\,.

666 Vorversuchc zur Aufsuchung der Metalle.

Pline dritte Substanz giebt, auf einem Platinbleche mit Soda und Salpeter geschmolzen, eine weisse Masse: das ist ein unzweifelhafter Beweis, dass sie kein Mangan enthÀlt.

Aus dem oben Gesagten geht hervor, dass die Ziffemfolge, durch welche wir bei unseen folgenden Erörterungen die wichtigsten Arten von Versuchen, welche man anstellen kann, unterschieden haben, durchaus nicht die Reihenfolge, in welcher die einzelnen Operationen nach einander vorzunehmen sind, angeben soll; sehr hĂ€ufig wird gerade das Entgegengesetzte das Richtige sein, und die Resultate der ersten ausgefĂŒhrten Versuche werden oft Veranlassung geben, ĂŒber gewisse Verfahren hinwegzugehen, welche, ohne Neues zu geben, nur zu einer Wiederholungbereits bekannter Reactionen fĂŒhren wĂŒrden.

So ist es z. B. ĂŒberflĂŒssig, die Wirkung von Anunoniumsulfid auf eine Lösung zu prĂŒfen, welche bereits mit Schwefelwasserstoff einen reichlichen schwarzen Niederschlag gegeben hat, weil Ammoniumsulfid nothwendig denselben Niederschlag geben wĂŒrde und dieser Niederschlag in Folge seiner Unlöslichkeit in einem Ueberschusse des Reagens ausserdem noch andere Reactionen verdecken könnte. Ebenso wĂŒrde ĂŒberflĂŒssig sein, eine Substanz, welche DĂ€mpfe von Ammoniak oder von Schwefeldioxyd abgiebt, mit Lakmus zu prĂŒfen.

— Hinsichtlich des Planes fĂŒr die Vorversuche ist noch zu unterscheiden, ob die zu analysirende Substanz eine FlĂŒssigkeit ist oder ob sie als fester Körper vorliegt).

Bei Gasen sind die Arbeitsweisen durchaus verschieden. Wir erachten es nicht als im Rahmen unseres Buches liegend, die qualitative Analyse auf Gasgemische auszudehnen

Vorversuche mit einer flĂŒssigen Substanz.

2047 1. Man stellt fest, ob die FlĂŒssigkeit farblos oder ge- fĂ€rbt ist, und in letzterem Falle, welche Farbe sie hat, ob diese anscheinend von einem einzigen gefĂ€rbten Körper herrĂŒhrt oder ob sie einem Gemische zuzuschreiben ist). Dieses Merkmal wird ergĂ€nzt durch die Kenntniss, ob die FlĂŒssigkeit alkalisch, neutral oder sauer reagirt (Nr. 3).

Stellt die Substanz eine trĂŒbe FlĂŒssigkeit dar, so filtrirt man und prj!t getrennt die feste Substanz und die klare FlĂŒssigkeit.

-) Wir verweisen hierĂŒber ganz besonders auf das Buch von Cl. Winklcr: Anleitung zur chemischen Untersuchung der Industrie -Gase 2Theile (Freiberg 1876 71' L, S. 117 — 156. Siehe auch Rose-F in kener: Ilandb. d. anal. Ch. Qualitative Analyse, und C. Gerhardt: Aide memoire pour l'analvse chimique (Paris 185l'.

s. lio.

Man kann es als offene Frage ansehen, ob es angezeigt ist, die Schlussfolgerungen, zu welchen die auf einen Versuch gegrĂŒndeten Feststellungen bereits Veranlassung bitten, anzugeben oder nicht. De Koninck hat sich im Allgemeinen fĂŒr Letzteres entschieden, aus verschiedenen GrĂŒnden: besonders um dem Lernenden, welcher dieses Buch benutzt, mehr Spielraum zu eigener Initiative zu geben, dann

Vorversuche mit einer flĂŒssigen Substanz. gg7

2. Man stellt fest, ob die FlĂŒssigkeit einen Geruch hat, und welchen; man kann den Geruch unter Umstanden deutlicher hervortreten lassen, wenn man die zu prĂŒfence FlĂŒssigkeit schwach erwĂ€rmt. Das Resultat, welches die PrĂŒfung des Geruches giebt, kann oft durch Reagenzpapiere controllirt werden.

3. Man prĂŒft die Reaction auf Lakmus oder auf Ă€hnliche Indicatoren: die FlĂŒssigkeit kann mehr oder weniger stark sauer oder alkalisch reagiren oder auch neutral sein. Die saure Reaction kann von SĂ€uren oder sauren Salzen, oder von solchen Salzen herrĂŒhren, welche im Sinne der chemischen Constitution neutral sind, aber saure Reaction besitzen (siege Bd. I, S. 276, Fussnote 2).

4. Man verdampft zwei oder drei Tropfen der FlĂŒssigkeit in einem Uhrglase oder in einer Schale auf dem Wasserbade zur Trockne und beobachtet, ob ein RĂŒckstand bleibt oder nicht; im bejahenden Falle merit man sich das Aussehen des RĂŒckstandes und seine ungefĂ€hre relative Menge in Bezug auf die Menge der verdampften FlĂŒssigkeit.

Je nachdem der RĂŒckstand bedeutend ist, verdampft man ein mehr oder weniger betrĂ€chtliches Volumen der FlĂŒssigkeit, um sich nut einer Menge fester Substanz zu versehen, welche fĂŒr Versuche auf trockenem Wege genĂŒgt (Nr. 5 bis 13).

WÀhrend dieser Operation, bei welcher man noch auf eventuelle VerÀnderungen der Farbe zu achten hat, kann man mit den Versuchen auf nassem Wege fortfahren (Nr. 14flf. oder 20 ff.).

5. Eine kleine Menge der festen Substanz- (des AbdampfrĂŒckstandes) wird auf dem Platinbleche (§ 184) erhitzt: man beobachtet, ob sie bei hoher Temperatur flĂŒchtig oder nichtfiĂŒchtig ist, ob sie schmelzbar it oder nicht, ob sie unter dem EinflĂŒsse der Hitze ihre Farbe verĂ€ndert und ob die Farben VerĂ€nderung nach dem Erkalten bestehen bleibt oder wieder verschwindet.

6. Den bei dem vorigen Versuche etwa verbliebenen RĂŒckstand kann man zur PrĂŒfung auf Mangan und, bis zu einem gewissem Grade, auch auf Chrom verwenden, indem man ihn auf dem Platinbleche mit Soda und einem Köchen Salpeter schmilzt (siege § 611, Nr. 21).

7. Einige Körnchen der festen Substanz fĂŒhrt man — eventuell nach Befeuchten mit SalzsĂ€ure — in der Oese eines Platindrahtes in eine nicht leuchtende Flamme (§ 167): man beobachtet, ob sich die Flamme fĂ€rbt, und merit sich, wenn das der Fall ist, die FĂ€rbung

aber auch, weil er die MÀugel von nicht durchaus erschöpfenden Angaben, welche [

der Lernende hĂ€ufig fĂŒr vollstĂ€ndig erachtet, durch Erfahrung kennen gelernt hat. f

So ist es ihm, um nur ein Beispiel herauszugreifen, wiederholt vorgekommen, dass AnfÀnger aus der Schmelzbarkeit einer Substanz in der geschlossenen Röhre den Schluss zogen, die Substanz sei ein Alkalisalz, weil in einigen, sonst duTcVikas empfehlciiswerlheu Werken nur Alkalisalze als Beispiel von Körpern, w-eXce unter diesen Bedingungen schmelzbar sind, genannt waren.

Vorversuche zur Aufsuchang der Metalle.

oder die auf einander folgenden FĂ€rbungen, welche man erhĂ€lt (siege § 168). Wird die Flamme durch ein Natriumsalz gelb gefĂ€rbt, so beobachtet man sie unter Benutzung eines tiefblauen Glases oder eines mit Indigolösung gefĂŒllten Hohlglasprismas; man darf aber diesem Versuche eine zu grosse Wichtigkeit nicht beilegen.

VerfĂŒgt man ĂŒber ein Spectroskop, so kann man es hier benutzen; dabei darf aber nicht vergessen werden, dass das Spectroskop ein Ă€usserst empfindliches Erkennungsmittel ist

Gleichzeitig stellt man die Schmelzbarkeit oder die Nichtschmelzbarkeit der Substanz unter den Bedingungen des Versuches fest

ErhĂ€lt man eine weisse unschmelzbare Masse, so befeuchtet man sie mit Cobaltonitrat und erhitzt sie im Oxydationsfeuer (siege § 183). Unter diesen UmstĂ€nden fĂ€rben sich verschiedene Oxyde oder Salze, ohne zu schmelzen, mehr oder weniger lebhaft blau oder grĂŒn. Ist die Substanz hierbei geschmolzen oder auch nur gefrittet, so hat dieser Versuch nicht die geringste Bedeutung.

8. Man prĂŒft die Substanz mit der Boraxperle im Oxydationsfeuer und dann im Reductionsfeuer (siege § 181), und zwar beobachtet man jedesmal die Perle in der Hitze und in der KĂ€lte.

9. Eine kleine Menge der Substanz bringt man auf den Boden eines geschlossenen, vollkommen reinen und vollkommen trockenen Röhrchens i); man erhitzt ĂŒber der Flamme und beobachtet, ob sich das Aussehen der Substanz Ă€ndert, ob sie verkohlt (organische Substanzen), ob sie riechende oder gefĂ€rbte Gase oder DĂ€mpfe, oder ob sie Sauerstoff oder Stickoxydul 2) entwickelt, ob sie an kalten Theilen des Röhrchens BeschlĂ€ge von festen oder flĂŒssigen Körpern giebt (§ 185).

ErhĂ€lt man farblose Tröpfchen, so lĂ€sst man dieselben von einem schmalen Streifen violetten Lakmuspapieres aufsaugen und sieht, ob sich dieses röthet (flĂŒchtige SĂ€uren) oder blĂ€ut (Ammoniak). Die Natur der Gase, welche sich entwickeln, kann ebenfalls durch befeuchtete Reagenzpapiere festgestellt werden.

10. Man kann auch die Substanz im geschlossenen Röhrchen mit ganz trockenem Natriumcarbonat, mit oder ohne Beimischung von Kaliumcyanid, erhitzen (Quecksilber, Cadmium, Arsen).

11. Man sucht einen Beschlag von Metall oder Oxyd nach dem Bunsen'schen Verfahren hervorzurufen. ErhĂ€lt man einen solchen, so unterwirft man ihn der Einwirkung geeigneter Reagentien (verdĂŒnnte SalpetersĂ€ure, Jodwasserstoff, Ammoniumsulfhydrat u. s. w.) (siege § 187

AnfÀngem kann nicht genug empfohlen werden, stets einige hergerichtete geschlossene Röhrchen, sowie gut gereinigte und trockene Reagircylinder zur augenblicklichen Benutzung bereit zu halten.

Stickoxydul — von Ammoniumnitrat herrĂŒhrend — unterhalt die Verbrennung ebenso wie Sauerstoff (siege § 1742, Nr. 2).

Vorversuche mit einer flĂŒssigen Substanz.

und die Tabelle Bd. I, S. 184). Es ist daran zu erinnern, dass ein negatives Resultat hier nicht absolut beweisend ist.

12. Man mischt eine kleine Probe der Substanz mit Alkaii-Carbonat und -Cyanid oder -Oxalat und erhitzt in der Reductionsflamme des Löthrohres auf Kohle (siege § 193). Man achtet darauf, ob man einen

Geruch nach Knoblauch (Arsen), ein reducirtes, geschmolzenes oder nicht i

geschmolzenes Metall erhÀlt und ob sich ein Oxydbeschlag bildet (siege Tabelle Bd. I, S. 184).

13. Man schmilzt eine kleine Menge der Substanz mit Alkalicarbonat am Piatindraht oder auf Kohle im Reductionsfeuer und beobachtet, ob das Product auf Silber einen schwarzen Fleck oder mit einer ' verdĂŒnnten Lösung von Natriumnitroprussid eine violette FĂ€rbung giebt (Schwefelleber : eine allgemeine Reaction s c h w e f e 1 haltiger Verbindungen).

Unterwirft man diesem Versuche eine weisse, in SÀuren unlösliche Substanz, so giebt er indirect die Anwesenheit oder Abwesenheit eines Metalles an, dessen Sulfat unlöslich ist.

— Die folgenden Versuche finden nur Anwendung, wenn die zu untersuchende Substanz sauer oder neutral ist; ist sie alkalisch, so unterwirft man sie vorher den spĂ€ter (Nr. 20 u. 21) speciell beschriebenen Versuchen.

14. Eine kleine Menge der ursprĂŒnglichen FlĂŒssigkeit (1 — 2 cc) wird in einem Reagircy linder mit einem Tropfen verdĂŒnnter SalzsĂ€ure behandelt. Ruft diese keinen Niederschlag hervor (Abwesenheit von Metallen der Silbergruppe und von grösseren Mengen Blei), so setzt man einen Tropfen Ammoniumsulfat oder verdĂŒnnte Schwefel- sĂ€ure hindu (Ba, Sr, Pb); hat man die Wirkung dieses Reagens beobachtet, so leitet man Schwefelwasserstoff ein oder setzt eine Lösung ! dieses Gases (Schwefelwasserstofifwasser) hindu, welche man stets bequem

zur Hand haben sollte). Statt des Schwefelwasserstoffes kann man auch

Thioacetate, Thiocarbonat u. s. w. anwenden (siege § 1348).

Entsteht durch diese Reagentien kein Niederschlag (Abwesenheit der Metalle der Gruppen des Cadmiums und Arsens) 5), oder entsteht ein gelber (Cd, As, Sn) oder orangefarbiger (Sb) Niederschlag*), so setzt man Ammoniak und einige Tropfen Ammoniumsulfid hindu und beob- i

achtet, ob der Niederschlag verschwindet (As, Sb, Sn), ob er, wenn er j

FĂŒhrt man den Versuch auf Kohle aus, so kann man ihn mit dem vorigen verbinden.

') Eine kleine Flasche (200 — 300 cc) wird mit ausgekochtem, wieder erkaltetem und darauf mit HS gesĂ€ttigtem Wasser gefĂŒllt, sodann mit einem guten Korkoder Kautschuk- Stopfen verschlossen, und mit dem Hals nach unten im Dunkeln aufbewahrt; so hĂ€lt sich die Lösung ziemlich lange unverĂ€ndert.

Man dense daran,* dass Schwefelwasserstoff die Arsenate nur sehr langsam fÀllt. ThioessigsÀure bewirkt sofortige FÀllung derselben beim ErwÀrmen.

Man dense auch an die sulfobasischen Mercurisalze (§ 979, Nr. 3) und an das Bleichlorosulfid (§ 948, Nr. 3).

670 Vorversuche zur AuffinduDg der Metalle.

bleibt, seine gelbe Farbe behĂ€lt (Cd), oder ob ein neuer Niederschlag entsteht (Metalle der Eisengruppe, Phosphate der alkalischen Erden). Das Aussehen dieses letzteren merit man sich, um daraus die entsprechenden ĂŒsse zu ziehen.

15. Man lĂ€sst in einen Theil der ursprĂŒnglichen FlĂŒssigkeit eine Alkalihydrat-Lösung eintropfen, bis das Reagens in merklichem Ueberschusse vorhanden ist, und beobachtet, ob ein Niederschlag entsteht, wie dieser gefĂ€rbt ist, und ob er in dem Reagens löslich ist oder nicht.

Femer beobachtet man, ob sich hierbei Anunoniak entwickelt, nachdem man nöthigenfalls das Gemisch erwÀrmt oder gar in einem kleinen Destillirapparat erhitzt hat (siege § 386, Nr. 2).

Dieselbe Probe kann alsdann zur PrĂŒfung auf Nitrite, Nitrate, Hyposulfite und Sulfocyanide benutzt werden. Zu dem Zwecke kocht man die FlĂŒssigkeit, wenn sie Ammoniumverbindungen enthĂ€lt, mit im Ueberschuss zugesetzter Alkalihydrat -Lösung bis zur vollstĂ€ndigen Austreibung des Ammoniaks; dann setzt man einen Streifen Aluminium hindu und beobachtet, ob sich von Neuem AmmoniakdĂ€mpfe entwickeln. Ist die Substanz frei von Ammonium verbin dĂŒngen, so kann man direct mit Aluminium prĂŒfen.

PrĂŒft man den RĂŒckstand nach event. Filtration mit Natriumnitroprussid, so wird er die Reaction der Alkalisulfide geben, wenn die ursprĂŒngliche FlĂŒssigkeit Hyposulfit oder Sulfocyanid enthielt. Sind schwere Metalle anwesend, so wird das gebildete Alkalisulfid natĂŒrlich mit denselben reagiren und Metallsulfide bilden. In diesem Falle wird Nitroprussid keine Reaction geben können. Es ist aber daran zu erinnern, dass die ursprĂŒngliche FlĂŒssigkeit, wenn sie neutral oder sauer war, keine Sulfide, und wenn sie sauer war, auch wohl kein Hyposulfit enthalten konnte.

16. Zu einem neuen Theile der ursprĂŒnglichen Lösung setzt man nach und nach Ammoniak und beobachtet, wie bei dem vorigen Versuche, ob sich ein weisser oder gefĂ€rbter Niederschlag bildet, und ob er in einem Ueberschusse von Ammoniak, eventuell erst nach Zusatz von Ammoniumchlorid, löslich ist oder nicht. Man beobachtet femer. ob die FlĂŒssigkeit gefĂ€rbt wird oder nicht, ob sie sich an der Luft trĂŒbt oder nicht (Fe im Ferrozustande, Mn).

ErhĂ€lt man durch Ammoniak keinen bleibenden Niederschlag, so kann man der ammoniakalischen Lösung einige Tropfen Ammoniumphosphat zufĂŒgen.

17. Ein kleines Volumen der ursprĂŒnglichen FlĂŒssigkeit behandelt man mit einer Lösung von Natriumcarbonat bis zur alkalischen Reaction; man beobachtet, ob sich ein Niederschlag bildet oder nicht,

Vorversuche mit einer flĂŒssigen Substanz. g71

wie er aussieht u. s. w. Man darf bei dieser Reaction nicht den Einfluss ĂŒbersehen, welchen Ammoniumsalze auf das in Folge des angewandten Reagens gebildete Umsetzungs-Product haben können.

18. Man lĂ€sst in eine kleine, nöthigenfalls durch zwei bis drei Tropfen verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure angesĂ€uerte Menge der Lösung einen Tropfen einer verdĂŒnnten Lösung von Kaliumpermanganat (1:1000) fallen, und beobachtet, ob dieser entfĂ€rbt wird.

Im zweifelhaften Falle reagirt man vergleichend auf ein gleiches Volumen Wasser, welches mit SchwefelsÀure angesÀuert ist.

Wird das Permanganat nicht zersetzt, so ist die zu analysirende Substanz frei von metallischen, reducirend wirkenden Stoffen, wie Stannosalze, Ferrosalze u. s. w., und auch frei von dem Permanganat gegenĂŒber reducirend wirkenden Metalloidverbingungen : Jodide, Sulfite, Nitrite u. s. w.

Ein gleicher Versuch kann mit blauer JodstÀrke gemacht werden; diese wird nicht nur von den das Permanganat reducirenden Substanzen, sondern auch von Chlor und Brom, wenn dieselben in freiem Zustand und im Ueberschuss vorhanden sind, entfÀrbt werden.

19. Ein Parallelversuch mit einem Jodid und StĂ€rke (siege §2088) kann ebenfalls wichtige Fingerzeige geben. Ferri-und Antimonii-Verbindungen u. s. w., Chromate, Nitrite, Chlor u. s. w., d. h. ĂŒberhaupt alle auf Jodwasserstoff oxydirend wirkenden Stoffe, fĂ€rben, wie das Jod selbst, das Reagens blau.

Besondere Vorversuche fĂŒr alkalische FlĂŒssigkeiten.

2048* 20. Man behandelt 1 bis 2 cc der Lösung mit Salz- sÀure, welche man tropfenweise bis zur eben eingetretenen sauren Reaction zusetzt, und beobachtet, ob sich ein Niederschlag bildet, und wenn das der Fall ist, ob er weiss oder gefÀrbt ist, ob er in einem Ueberschusse der SÀure löslich ist oder nicht, zuerst in der KÀlte, dann in der WÀrme.

Gleichzeitig beobachtet man, ob eine Gasentwickelung stattfindet (siege Nr. 25), ob sich ein besonderer Geruch oder eine VerÀnderung der Farbe bemerkbar macht.

Giebt SalzsÀure einen bleibenden Niederschlag, so setzt man einige Tropfen SalpetersÀure (um Königswasser zu bilden), oder Brom, oder Kaliumchlorat, oder auch ein Gemisch von Kaliumbromid und Natriumbromat hindu, und erwÀrmt, um festzustellen, ob der Niederschlag unter diesen UmstÀnden löslich ist oder nicht.

Dieser Auflösungsversuch mit oxydirenden Reagentien hat nur dann einen Zweck, wenn der durch SalzsÀure hervorgerufene Niederschlag gefÀrbt ist und wenn bei seinem Entstehen Schwefelwasserstoff entwickelt wurde (Schwefel, Sulfide der Arsengruppe oder Mercurisulfid).

21. Wenn bei dem vorigen Versuche schliesslich ein \in\ös-

672 Vorvcreuchc zur Auffindung der Metalle.

lieber RĂŒckstand bleibt und dieser Chlorsilber zu sein scheint, so wiederholt man den Versuch, aber mit Ersetzung der SalzsĂ€ure durch SalpetersĂ€ure.

— Nachdem diese Versuche ausgefĂŒhrt sind, behandelt man eine fĂŒr die spĂ€teren Versuche ausreichende Menge der ursprĂŒnglichen FlĂŒssigkeit mit derjenigen der zu den Versuchen benutzten Sauren (SalzsĂ€ure, Königswasser, SalpetersĂ€ure), welche keinen oder den geringsten bleibenden Niederschlag gegeben hatte.

Bleibt beim Behandeln mit SĂ€ure kein unlöslicher RĂŒckstand, so verfahrt man weiter, als wĂ€re die FlĂŒssigkeit sauer gewesen.

Bleibt dagegen beim Behandeln mit SĂ€ure ein unlöslicher RĂŒckstand, so trent man ihn durch Filtration; man hat dann einerseits das Filtrat, saure FlĂŒssigkeit, andererseits den RĂŒckstand, feste Substanz, welche man getrennt untersucht (s. § 2051).

Auf die in dieser Weise erhaltene saure FlĂŒssigkeit kann man (nachdem man sich durch einen Versuch auf dem Platinbleche ĂŒberzeugt hat, dass sie, wenn die ursprĂŒngliche FlĂŒssigkeit ammoniakalisch war, nichtflĂŒchtige Stoffe enthĂ€lt) die Versuche Nr. 14 bis 17 anwenden und auch Nr. 18 und 19, wenn zum AnsĂ€uern nur SalzsĂ€ure benutzt war.

Die Versuche durch alkalische Reagentien (Alkalihydrat, Ammoniak, Natriumcarbonat) haben hier natĂŒrlich nicht mehr die Wichtigkeit wie bei sauren Lösungen. Diese Thatsache ist zu beachten.

Vorversuche mit einer festen Substanz.

2049 22. Ist die zu analysirende Substanz ein fester Körper, so hat man zunĂ€ ihre physikalischen Eigenschaften aufmerksam zu prĂŒfen. Besteht sie aus grossen oder kleinen StĂŒcken, aus grobem oder feinem Pulver? Ist sie gefĂ€rbt oder nicht, krystallinisch oder amorph? Sieht sie wie ein einheitlicher Körper aus (homogene Substanz) oder besteht sie aus Körpern verschiedener Art (heterogene Substanz)? Dieser letzte Punkt ist von besonderer Wichtigkeit, und zur Entscheidung der Frage reicht das unbewafi&iete Auge oft nicht aus, sondern man muss zur Lupe oder, wo möglich, zum Mikroskope mit schwacher Vergrösserung greifen.

Ist die Substanz sichtbar heterogen, so muss man suchen, Theilchen jedes einzelnen erkennbaren Bestandtheiles zu isoliren, um deren Natur zu bestimmen, sei es sogleich, oder, wenn ihr Aussehen nicht genĂŒgende Anhaltspunkte zur Beurtheilung bietet, nach der allgemeinen Analyse.

Die mechanische Trennung der Bestandtheile einer heterogenen Substanz ist besonders deshalb von Wichtigkeit, weil die allgemeine Analyse nicht oder nur in sehr seltenen FĂ€llen darĂŒber Aufschiuss giebt, in welcher Weise die durch sie nachweisbaren Elemente oder Verbindungen unter sich gruppirt sind. So kann man durch die Analyse

Vorversuchc mit einer festen Substanz. 673

eines Gemisches von Kupfervitriol und Kochsalz wohl das Vorhandensein von Sulfat, Chlorid, Cuprisalz und Natriumsalz erkennen, ob aber das Sulfat Cuprisulfat oder Natriumsulfat ist, ob das Chlor an das Kupfer oder das Natrium gebunden ist, darĂŒber giebt uns die qualitative Analyse als solche keinen genĂŒgenden Aufschluss ; aber bei einer Durchmusterung des Stoffes mit unbewaffiietem oder bewaffiietem Auge wird man blaue Partikel finden, welche Sulfatreaction geben, und weisse wĂŒrfelformige Theile, welche durch eine Analyse als Chloride zu erkennen sind; jetzt kann man behaupten, dass die zu analysirende Substanz Cuprisulfat und Natriumchlorid enthĂ€lt und nicht etwa Cuprichlorid, welches grĂŒn ist, und Natriumsulfat, dessen Krystalle nicht dem regulĂ€ren Systeme angehören.

Die mechanische Trennung der einzelnen homogenen Körper in einem heterogenen Gemische lĂ€sst sich zuweilen in verschiedener Weise ausfĂŒhren, z. B. durch Anwendung des Magneten, durch Ă€mmen in einem Wasserstrom, durch Suspendiren in FlĂŒssigkeiten mit verschiedenen Dichten u.s.w. (vergl. § 289).

Ist diese Untersuchung beendet, so pulvert man die Substanz mög- lichst fein, sowohl um ihr Auflösen zu erleichtem, als auch um sie vollstÀndig homogen zu machen (siege § 20).

Dann untenvirft man sie, wenn man es fĂŒr nĂŒtzlich erachtet, den Versuchen auf trockenem Wege Nr. 5 bis 13, welchen man auch noch die folgenden, auf den AbdampfungsrĂŒckstand einer Lösung nicht gut anwendbaren Versuche anreihen kann.

23. Die Substanz wird im offenen Röhrchen erhitzt (§ 186): sie verĂ€ndert ihr Aussehen oder thut es nicht; sie verbrennt oder verbrennt nicht; sie kann gasförmige Producte geben, welche an ihrem Ge- rĂŒche, an ihrer Farbe und an ihrer Wirkung auf Reagenzpapiere (blues Lakmuspapier und ozonoskopisches Papier), von welchem man angefeuchtete Streifen in die obere Oeflfnung des Röhrchens legt, erkennbar sind; sie kann auch gasförmige Producte geben, welche sich an den kalten Theilen des Röhrchens verdichten: diese Producte können ganz anderer Art sein, als die beim Erhitzen im geschlossenen Rohre erhaltenen, weil bei ihrer Bildung der Sauerstoff der Luft mitwirkte (SOg, AsOg).

24. Man prĂŒft die Substanz mit der Phosphorsalzperle im oxydirenden und im reducirenden Feuer und beobachtet dabei, ob sie sich vollstĂ€ndig löst oder in der Perle einen weissen, nicht verglasbaren RĂŒckstand (Kieselskelett) hinteriĂ€sst; natĂŒrlich darf man auch die Farbe, welche die Perle annimmt, nicht ĂŒbersehen.

Dieser Versuch kann denjenigen mit der Boraxperle (Nr. 8) unnöthig machen.

Löslichkeitsprobe.

2050 Feste Substanzen mĂŒssen auch auf ihre Löslichkeit geprĂŒft werden. Diese Versuche haben in erster Linie den

De Koninck - Meineke, Mineralanalyse. II.

g74 Vorversuche zur AafEachuDg der Metalle.

das geeignetste Verfahren zu ermitteln, durch welches die Substanz fĂŒr die allgemeine Analyse in Lösung ĂŒberzufĂŒhren ist; sie haben jedoch auch noch eine weiter greifende Bedeutung, besonders indem man die durch sie erhaltenen Resultate mit denjenigen anderer Versuche vergleicht. So ist z. B. eine in Wasser lösliche Substanz, in welcher man die Gegenwart von Silber erkennt, frei von Chloriden, Cyaniden, Phosphaten etc., wenn die wĂ€ssrige Lösung neutral ist; femer ist eine in verdĂŒnnter SalzsĂ€ure leicht lösliche Substanz, in welcher man durch einen spĂ€teren Versuch die Anwesenheit von Sulfat erkennt, frei von Bar}'um und Strontium, und sie ist auch frei von betrĂ€chtlichen Mengen von Calcium und Blei, wenn das Sulfat in entsprechender Menge vorhanden ist.

25. Einen kleinen Theil der Substanz (0,05 bis 0,1 gr) behandelt man in einem Reagircylinder mit der 20 — 2 5 fachen Gewichtsmenge kalten Wassers; ist nach kurzer Zeit nicht völlige Lösung erfolgt, so erwĂ€rmt man; wird auch jetzt nicht vollstĂ€ndige Lösung erreicht, so setzt man die gleiche Menge Wasser wie das erste Mal hindu, imd erwĂ€rmt von Neuem.

Man erkennt so, ob die Substanz in Wasser leicht oder schwer, vollstÀndig oder unvollstÀndig löslich ist, oder ob sie unlöslich erscheint. Man beobachtet bei diesem Versuche gleichzeitig, ob sich ihr Aussehen Àndert.

Bleibt ein angelöster RĂŒckstand, so decantirt man einen Theil der FlĂŒssigkeit durch ein kleines Filter, fĂ€ngt das Filtrat in einem Uhrglase auf und dampft auf dem Wasserbade zur Trockne: man erfĂ€hrt so, ob sich Etwas gelöst hat und in welcher ungefĂ€hren Menge.

Bevor man zu diesem Abdampfen ĂŒbergeht, ist es nĂŒtzlich, mit violettem Lakmusoder Resazurinpapier zu prĂŒfen, ob die FlĂŒssigkeit sauer, neutral oder alkalisch reagirt (siege § 2069).

Die im Reagircylinder mit dem in Wasser unlöslichen RĂŒckstande verbliebene FlĂŒssigkeit versetzt man mit einigen Tropfen SalzsĂ€ure und erwĂ€rmt nach BedĂŒrfhiss. Man erkennt durch diesen Versuch, ob die zu analysirende Substanz durch die verdĂŒnnte SĂ€ure gelöst wird, ob sie dabei unter Aufbrausen ein Gas entwickelt, etc. Man beobachtet, falls sich ein Gas entwickelt, ob dasselbe KaliumjodidstĂ€rke-Papier blĂ€ut

Die Ermittelung der Natur der gasförmigen Producte, welche sich beim Behandeln der zu analysirenden Substanz nut einer nicht oxydirenden SĂ€ure (SalzsĂ€ure oder SchwefelsĂ€ure) entwickeln, ist in RĂŒcksicht auf die Aufsuchung der Metalloid - Verbindungen von Wichtigkeit. Folgende Methode und folgender kleiner Apparat sind vortheilhaft anwendbar.

Der Apparat (Fig. 259) besteht aus zwei Reagircylindem A und C, welche durch Entwickelungsröhren und das Rohr von etwa 10 cm LÀnge und 10 mm Weite, mit einander verbunden sind.

Das Rohr B enthÀlt einen Streifen StÀrkepapier, auf welchen man

Vorversuche mit einer festen Substanz.

Fig. 259.

je einen Tropfen einer Lösung von Cadmiumjodid und einer solchen von JodsÀure oder von Kaliumbijodat bez. von einem Gemische von Kaliumjodat und OxalsÀure (Mohr) gesetzt hat.

Der Cyiinder C enthÀlt etwas klares Kalkwasser. Die Entwickelungs- röhren, welche in die Cyiinder A und C eintauchen, sind unten fein ausgezogen.

Man bringt die zu prĂŒfence Substanz in A, taught nun den Ă€usseren Schenkel der doppelt gebogenen Röhre, mit welcher dieser Cyiinder ausser der Ableitungsröhre versehen ist, in einen written Reagircylinder Z? oder in irgend ein anderes GefĂ€ss, welches die SĂ€ure, mit welcher man

die Substanz behandeln will, ent- hĂ€lt, und saugt langsam an dem Kautschukschlauche, welchen der Cyiinder C trĂ€gt Auf diese Weise lĂ€sst man die SĂ€ure von D auf die Substanz in A ĂŒbertreten. Bald darauf saugt man nochmals langsam und bewirkt dadurch, dass das entwickelte Gas aus A durch B nach C gelangt Man kann schliesslich A gelinde erwĂ€rmen, um die Entwickelung des in A gelösten Gases zu begĂŒnstigen. Es können verschiedene Erscheinungen auftreten. Schwefelwasserstoff fĂ€rbt das Cadmiumjodid gelb imd den Tropfen JodsĂ€ure blau, in Folge des Freiwerdens von Jod und der Einwirkung desselben auf die StĂ€rke. Ist Schwefelwasserstoff im ĂŒeberschuss, so verschwindet die blaue Farbe. Chlor, Brom und nitrose DĂ€mpfe fĂ€rben den Jodidtropfen blau und lassen den anderen unverĂ€ndert. Schwefeldioxyd wirkt nur auf die JodsĂ€ure und giebt, wenn nicht im Ueberschuss angewandt, JodstĂ€rke, wie Schwefelwasserstoff.

KohlensĂ€ure bewirkt eine TrĂŒbung des Kalkwassers — welches die anderen Gase klar lassen — , ohne auf die jodhaltigen Reagentien einzuwirken.

— Es sei bemerkt, dass sich Schwefelwasserstoff nicht gleichzeitig mit Schwefeldioxyd, Chlor, Brom oder nitrogen DĂ€mpfen entwickeln kann. 26. Wenn die bei dem vorigen Versuche angewandten Mengen von Wasser und verdĂŒnnter SalzsĂ€ure nicht genĂŒgen, um die zu analysirende Substanz vollstĂ€ndig aufzulösen, so behandelt man einen frischen Theil derselben mit sehr concentrirter SalzsĂ€ure bei massig erhöhter Temperatur (60 — 70Âź C). Es bietet sich jetzt wieder Gelegenheit, die Einwirkung etwa entstehender gasförmiger Producte auf das ozonoskopische Papier zu beobachten.

Wenn auch die concentrirte SalzsÀure die Substanz nicht voWsVÀxvS

()76 Vorversuche zur Aolsuchung der Metalle.

aufzulösen vermag, so setzt man etwas SalpetersÀure hindu, um Königswasser) zu bilden, und erwÀrmt von Neuem.

Hat die Substanz unter dem EinflĂŒsse der concentrirten SĂ€ure ihr Aussehen verĂ€ndert, ohne vollstĂ€ndig gelöst zu werden, so setzt man Wasser hindu und beobachtet, ob der RĂŒckstand, welcher von in concentrirten SĂ€uren wenig löslichen Verbindungen (wie z. B. BaCl,) her- rĂŒhren kann, in Lösung geht.

Es ist zu beachten, dass der Zusatz von Wasser gewisse FĂ€llungen hervorrufen kann, sei es durch chemische Wirkung (Bildung von basischen Salzen, wie SbOCl und BiOCl), sei es durch einfache VerdĂŒnnung der SĂ€ure (AgCl, PbSO u. a.)

Auch auf die FarbenverĂ€nderungen ist Acht zu geben, welche durch WĂ€rme und VerdĂŒnnung (Ferri-, Cobalto-, Cuprisalze) oder durch die chemische Wirkung der SĂ€ure (Chromate, Permanganate etc.) entstehen können.

27- Wenn weder Wasser, noch SalzsĂ€ure, noch Königswasser die zu analysirende Substanz vollstĂ€ndig zu lösen vermögen, so lĂ€sst man auf eine neue Portion derselben SalpetersĂ€ure mittlerer Concentration. zuerst in der KĂ€lte, dann in der WĂ€rme, einwirken; man prĂŒft, wenn jetzt wieder ein unlöslicher RĂŒckstand bleibt, ob dieser aus Nitraten besteht: diese wĂŒrden auf Zusatz von Wasser in Lösung gehen.

— Wenn durch das eine oder das andere der angewandten Lösungsmittel eine vollstĂ€ndige Lösung erreicht wird, so behandelt man einen angemessenen Theil der zu analysirenden Substanz mit demjenigen Lösungsmittel und unter denjenigen Bedingungen, welche die besten Resultate lieferten, und unterwirft diese Lösung Versuchen auf nassem Wege.

— Wenn Wasser und SĂ€uren nur eine theilweise Lösung bewirken, so ist weiter zu ĂŒberlegen, ob eine mehr oder weniger betrĂ€chtliche Menge der Substanz mit dem am gĂŒnstigsten wirkenden Lösungsmittel zu behandeln ist, um einerseits auf nassem Wege den gelösten Theil, andererseits auf trockenem Wege den angelösten Theil zu untersuchen; in diesem Falle sammelt man den letzteren auf einem Filter, wĂ€ ihn gut aus und trocknet ihn in einem Luftbade.

— Gewinnt man den Eindruck, dass die zu analysirende Substanz von Wasser und von SĂ€uren gar nicht oder nur so wenig angegriffen wird, dass die BerĂŒcksichtigung der geringen Löslichkeit nicht vortheilhaft erscheint, so beschrĂ€nkt man die Vorversuche auf die oben angegebenen Versuche auf trockenem Wege.

AnfÀDger pflegen geneigt zu sein, das Königswasser als das energischste Lösungsmittel in allen FÀllen zu betrachten. Die Anwendung dieses Reagens, sowie von concentrirter SalpetersÀure, hat nur dann einen Zweck, wenn die Substanz oxydationsfÀbig ist, d. h. der Einwirkung von Sauerstoff oder von Chlor zugÀnglich ist (Metalle, Sulfide, Arsenide, Mercurooder Cupro -Verbindungen ctc.i- In allen anderen FÀllen giebt der Angriff schwer löslicher Substanzen durch rauchende SalzsÀure oder durch SalpetersÀure mittlerer Concentration (1,2 bis 1,3 ipec. G.) viel bessere Resultate.

Aufsuchung der Metalle in einer alkalischen FlĂŒssigkeit. 677

Aufsuchung der Metalle in einer alkalischen FlĂŒssigkeit.

2051 Je nach den Resultaten, welche die Vorversuche, namentlich die unter Nr. 20 und 21 bezeichneten, gegeben haben, setzt man zu einem geeigneten Volumen der ursprĂŒnglichen FlĂŒssigkeit' SalzsĂ€ure oder SalpetersĂ€ure im Ueberschuss, so dass man eine saure FlĂŒssigkeit erhĂ€lt

Ist diese klar, also frei von einem unlöslichen Niederschlage, so wendet man eine der fĂŒr die Analyse saurer FlĂŒssigkeiten beschriebenen Methoden an (§§ 1342—1358).

Wenn dagegen die SĂ€uren einen im Ueberschusse des Reagens unlöslichen Niederschlag hervorgerufen haben, so sondert man diesen durch Filtration ab. Man erhĂ€lt so einerseits eine saure FlĂŒssigkeit, das Filtrat, welches man nach einer der angegebenen Methoden untersucht, andererseits den in den SĂ€uren unlöslichen RĂŒckstand, einen festen Körper, welchen man, nach Auswaschen und Trocknen, den weiter unten beschriebenen besonderen Versuchen unterwirft

Es ist gut, oder selbst nothwendig, durch einige Vorversuche die Natur des unlöslichen RĂŒckstandes ungefĂ€hr zu bestimmen, um das beste Mittel zu seiner Aufschliessung anwenden zu können. Die wichtigsten dieser Vorversuche sind folgende:

Versuch an der Phosphorsalzperle, um KieselsÀure zu finden.

Versuch auf Kohle oder einem mit Soda getrÀnkten HolzstÀchen, um berverbindungen zu finden.

Die Silberverbindungen, deren eigenartiges Aussehen schon charakteristisch ist, können auch durch ihre Schmelzbarkeit und ihre Löslichkeit in KaUumcyanid identifidrt werden; das Silber kann aus der Cyanid- lösung durch Schwefelwasserstoff oder durch ein Alkalisulfid als Silbersulfid gefÀllt werden.

Im vorliegenden Falle kann der RĂŒckstand auch Bleisulfat sein; man erkennt dieses Salz an seiner Löslichkeit in ammoniakalischem Ammoniumtartrat und daran, dass es schwarz wird, wenn man es mit Ammoniumsulfid befeuchtet Auch kann man es einer Behandlung nach dem Bunsen'schen Verfahren unterwerfen.

') Wenn die Vorversuche die Gegenwart von Salfosalzen oder von Alkali - Sulfiden in der Lösung haben erkennen Ikssen, so ist zu bemerken, dass diese, wenn nicht Cyanide vorbanden sind, frei von Metallen der Gruppen des Silbers, des Cadmiums (Quecksilber ausgenommen) und des Eisens (Chrom und Aluminium ausgenommen) sind. Selbst in Gegenwart von Cyaniden können manche von diesen Metallen, namentlich Silber, Blei und Cadminm nicht gleichzeitig mit Salfosalzen oder Alkalisulfiden vorhanden sein. In diesem Falle thut man gut, die ursprĂŒngliche Lösung nicht mit einem oxydirenden Lösungsmittel zu behandeln; man sĂ€uert vielmehr massig mit SalzsĂ€ure an, sammelt den entstandenen Niederschlag und prĂŒft ilia nach einer der in § 1226 flf. beschriebenen Methoden, stets die Möglichkeit Wesenheit von Mercurisulfid berĂŒcksichtigend.

g78 Aufsuchung der Metalle in einer festen Substanz.

Aufsuchung der Metalle in einer festen Substanz.

2052. Die Vorversuche (§ 2050, Nr. 25 ff.) haben uns Aufschluss gegeben, ob die zu analysirende Substanz in Wasser oder in SÀuren löslich ist, oder ob sie der Einwirkung dieser Reagentien mehr oder weniger vollstÀndig widersteht.

Im ersteren Falle bietet die Analyse keine neuen Besonderheiten; man behandelt eine angemessene Menge der Substanz (0,5 bis 2 gr, je nach der, bekannten oder vermutheten, Einfachheit oder Complicirtheit ihrer Zusammensetzung) mit demjenigen Lösungsmittel, welches man als am gĂŒnstigsten wirkend erkannt hat, und wendet auf die Lösung, welche sauer, neutral oder alkalisch sein kann, wenn man Wasser als Lösungsmittel benutzt hatte, wĂ€hrend sie im anderen Falle sauer sein wird, die frĂŒher (§§ 1342 — 1358) beschriebenen Methoden an.

Ist die zu analysirende Substanz in Wasser und in den ĂŒblichen SĂ€uren unlöslich, so muss man auf sie die unten beschriebenen Lösungsverfahren anwenden, indem man sich fĂŒr die Wahl des Verfahrens die Ergebnisse der Vorversuche zu Nutzen macht.

Wenn endlich die Substanz theilweise löslich ist, so kann man so verfahren, als wĂ€re sie ganz unlöslich, oder man kann sie auch zuerst mit den ĂŒblichen Lösungsmitteln behandeln, den unlöslichen Theil durch Filtration absondern und dann einerseits diesen, nachdem er ausgewaschen und getrocknet ist, andererseits die Lösung analysiren.

Gewöhnlich giebt man der letzteren Behandlungsweise den "rzug, wenigstens wenn der lösliche Antheil der Substanz betrĂ€chtlich ist. Sie bietet den Vortheil, dass man eine complicirte Analyse durch zwei oder drei einfachere ersetzen kann. Nur muss man sich hĂŒten, aus der Thatsache, dass man gewisse Stoffe in der wĂ€ssrigen Lösung oder im angelösten RĂŒckstande findet, den Schluss zu ziehen, dass diese Stoffe in gleicher Weise schon in dem ursprĂŒnglichen Stoffe vertheilt waren; denn das Wasser kann auf gewisse Substanzen nicht allein chemisch einwirken, sondern es kann auch Reactionen zwischen den verschiedenen, ursprĂŒnglich in festem Zustande gemischten Stoffen herbeifĂŒhren. Behandelt man z. B. neutrales Mercuronitrat oder Wismuthnitrat mit viel Wasser, so entsteht ein basisches, in Wasser unlösliches Nitrat; eine Mischung von Kaliumchromat, Baryumchlorid und Natriumsulfat, alles lösliche Salze, kann in trockenem Zustande existiren, aber bei BerĂŒhrung mit Wasser vollziehen sich, nachdem sich zuerst von jedem einzelnen Bestandtheil Etwas gelöst hat, vielerlei Reactionen, welche sich mit den Mengen der verschiedenen Salze Ă€ndern können und deren Resultat die Bildung von Baryumsulfat, einer in SĂ€uren unlöslichen Verbindung, und von Baryumchromat, welches in SĂ€uren löslich, in Wasser aber unlöslich ist, sein kann.

Nachdem wir dieses vorausgeschickt haben, können wir die Aus- fĂŒhrung der Methode beschreiben.

Aufsnchnng der Metalle in einer festen Substanz. g79

2053. Die fein zerriebene Probe wird in einem Becherglase oder in einer Kochflasche mit der 30-bis 50 fachen Gewichtsmenge Wasser Übergossen; man erhitzt dann zum Kochen, lĂ€sst das Ungelöste kurze Zeit sich absetzen und giesst die klare oder trĂŒbe FlĂŒssigkeit, welche ĂŒber dem RĂŒckstande steht, durch ein Filter. Den RĂŒckstand behandelt man zum zweiten Male in gleicher Weise mit etwas weniger Wasser imd spĂŒlt ihn auf das Filter. Beide Filtrate vereinigt man in einem Gefass und stellt sie fĂŒr weitere Versuche bei Seite; den RĂŒckstand wĂ€ man vollstĂ€ndig mit Wasser aus.

Dies vollstÀndige Auswaschen ist unumgÀnglich nöthig, wenn man aus der Methode alle Vortheile ziehen will, welche sie bitten kann.

Das in Wasser Ungelöste wird entweder sogleich oder nach dem Trocknen vom Filter entfernt und mit der SĂ€ure behandelt, welche man nach den Ergebnissen der Vorversuche fĂŒr die geeignetste erachtet i). Ist die Einwirkung des Lösungsmittels beendet, so sammelt man den unlöslichen RĂŒckstand auf einem Filter und wĂ€ ihn anfangs mit angesĂ€uertem, spĂ€ter mit reinem Wasser aus; um die Lösung nicht unnöthig zu verdĂŒnnen, fangs man die ersten Theile des Filtrats und die WaschwĂ€sser getrennt auf.

Der unlösliche RĂŒckstand wird ebenfalls vollstĂ€ndig ausgewaschen und dann getrocknet.

2054. Man kann also bis jetzt erhalten haben:

1. Eine FlĂŒssigkeit, welche sauer, neutral oder alkalisch sein kann und den durch Wasser aus der zu analysirenden Substanz ausziehbaren Theil enthĂ€lt.

2. Eine saure FlĂŒssigkeit, welche den in Wasser unlöslichen, aber in SĂ€uren löslichen Theil der zu analysirenden Substanz enthĂ€lt.

3. Einen festen RĂŒckstand, aus den in Wasser und in den ĂŒblichen SĂ€uren unlöslichen Substanzen bestehend.

Dieser RĂŒckstand muss weiteren Vorversuchen unterworfen werden, um seine Natur kennen zu lernen; es ist das durchaus erforderlich fĂŒr I

die Wahl des Aufschliessungsverfahrens und, wenn man ein Aufschliessen

durch Alkalicarbonate fĂŒr nöthig erkennt, auch fĂŒr die Entscheidung, ob

diese Operation in einem PlatingefÀsse vorgenommen werden darf. i

Die am weitesten verbreiteten unlöslichen oder schwer löslichen Substanzen sind Quarz, Silicate, Sulfate des Baryums, Strontiums, i

(Calciums und Bleis und die Halogenverbindungen des Silbers. Wir haben oben (§ 2051) gesehen, wie man die meisten dieser Stoffe er-kennen

kann.

Die Sulfate entdeckt man durch einen Versuch mit Alkalicarbonat im Reductionsfeuer (Schwefelleber), welcher durch PrĂŒfung der

Bis hierher kann die Methode offenbar auch auf solche Substanzen Anwendung finden, welche nach dem Behandeln mit Wasser nur einen in Sauten vollstĂ€ndig löslichen RĂŒckstand hinterlassen.

680 AufsachuDg der Metalle in einer Legirung.

Flammenfarbung nach Bunsen (Baryum, Strontium, Calcium) ergÀnzt wird (siege §§ lG9ff.).

Den bereits genannten Stoflfefi kann man noch einige Oxyde (Stannioxyd, Chromioxyd, Chromite, Titaneisen, Aluminiumoxyd) und Kohlenstoff hinzufĂŒgen; auch einige complexe natĂŒrliche Sulfide und Schwefel sind nur schwierig vollstĂ€ndig in Lösung zu bringen. Farbe, Glanz, ein Versuch im offenen Rohre oder mit der Borax-oder Phosphorsalzperle werden im Allgemeinen leicht erkennen lassen, mit welchen von diesen Stoffen man zu thun hat.

Aufsuchung der Metalle in einer Legirung.

2055. Unter den festen Substanzen, welche dem Analytiker zur PrĂŒfung vorkommen, bilden die Legirungen eine ganz besonders interessante und wichtige Ciasse, deren Besprechung fĂŒr sich, nach dem Vorgang von H. Rose und anderen Meistern der Analyse, wohl berechtigt ist.

Unter Legirungen verstehen wir sowohl Legirungen im eigentlichen Sinne, welche mehrere Metalle in grösseren Mengen enthalten, als auch die unreinen Metalle, in welchen ein Element vor den ĂŒbrigen vorherrscht.

Die Legirungen zeichnen sich durch Metallglanz, gewöhnlich in Verbindung mit einer gewissen Dehnbarkeit, aus; man kann sie, ausser mit gewissen Sulfiden, kaum venvechseln. Diese erkennt man ohne Schwierigkeit an ihrem Verhalten im offenen Rohre (§ 1612, Nr. 6) imd an der Bildung von Schwefelleber (das. Nr. 9); im Allgemeinen sind sie zerreiblich.

Weil wir das Arsen als Metall betrachtet haben, reihen wir auch die Arsenide in die Kategorie der Legirungen, obwohl sie durch ihre physikalischen Eigenschaften den Sulfiden nĂ€her stehen. Alles, was wir ĂŒber die Legirungen sagen werden, ist auf die Arsenide anwendbar.

Ausser dem Magnesium, welches man bisweilen (neuerdings öfters als Aluminium -Magnesium [„Magnalium"] und Kupfer -Magnesium) in Legirungen findet, begegnet man in diesen nur Metallen der Gruppen des Arsens, Silbers, Cadmiums und Eisens.

Quecksilber kann selbstverstĂ€ndlich in Legirungen, welche bei hoher Temperatur geschmolzen worden sind, nicht vorkommen. EnthĂ€lt eine Legirung Quecksilber (namentlich in grösseren Mengen), so hat sie den Namen „Amalgam". Ein Amalgam kann bei gewöhnlicher Temperatur weich, halbflĂŒssig oder selbst flĂŒssig sein; beim Erhitzen im geschlossenen Rohre giebt es Quecksilber ab.

Die Legirungen, welche grössere Mengen von Eisen enthalten, pflegen mehr oder weniger magnetisch zu sein. Wie wir wissen, besitzt auch das Nickel diese Eigenschaft, wenn auch in geringerem Grade.

Die Legirungen, welche Kupfer enthalten, haben bisweilen eine an dieses Metall erinnernde Farbe (Bronze, Messing).

Bevor man zur Analyse ĂŒbergeht, muss man die Probe, besonders

Aufsuchung der Metalle in einer Legirung. Ql

falls die Legirung in SĂ€uren nicht sehr leicht löslich ist, entweder im Mörser zerkleinem, wenn sie zerreiblich ist, oder sie feilen; ist das Product zu weich, als dass man in dieser Weise das gewĂŒnschte Ziel erreichen könnte, so begnĂŒgt man sich damit, es durch Schlagen oder Walzen auszuplĂ€tten.

Die Vorversuche haben sich zunÀ in erster Linie auf die Lös- lichkeit in SÀuren zu beziehen.

Da Zinn, Cadmium, Magnesium und die Metalle der Gruppe des Eisens die einzigen unter den in Rede stehenden Metallen sind, welche in SalzsÀure löslich sind, so lösen sich auch fast nur die aus ihnen allein hergestellten Legirungen völlig in dieser SÀure i).

Massig verdĂŒnnte und warme SalpetersĂ€ure greift alle Metalle, ausser Gold und Platin, an; sie löst die ĂŒbrigen Metalle auf, ausgenommen Zinn und Antimon, welche sie in unlösliche Hydroxyde ĂŒberfuhrt; diese letzteren reissen leicht merkliche Mengen anderer Metalle mit sich imd können Arsen) ganz zurĂŒckhalten. In Gegenwart von WeinsĂ€ure löst sich das Antimon vollstĂ€ndig. Platin, nut einer verhĂ€ltnissmĂ€ssig grossen Menge von Silber und vielleicht auch von anderen Metallen legit, ist in SalpetersĂ€ure löslich; umgekehrt kann aber ein hoher Gehalt an Gold oder an Platin die Auflösung der mit einem dieser beiden legirten Metalle hinder.

Königswasser löst alle Metalle, deren Chloride löslich sind; es entziehen sich daher der Auflösung durch dieses SĂ€uregemisch das Silber und bis zu einem gewissen Grade das Blei; jedoch werden auch diese Metalle angegriifen und in Chloride umgewandelt. Quecksilber wird als Mercurichlorid gelöst. Ist der Silbergehalt einer Legirung sehr gross und ist die Legirung nicht sehr fein zerkleinert, so bildet sich an der OberflĂ€che Silberchlorid, welches unzersetzte Theile der Legirung um- hĂŒllen und sie vor weiterem Angriife durch das SĂ€uregemisch schĂŒtzen kann. Andererseits kann, wenn der Silbergehalt sehr klein ist, dieses Metall in Lösung gehen, da sein Chlorid in concentrirten SĂ€uren und in manchen Salzlösungen, namentlich in Goldchlorid, löslich ist.

Ein Versuch im geschlossenen Rohre kann ĂŒber die Schmelzbarkeit einer Legirung Aufschluss geben; eine leicht schmelzbare Legirung enthĂ€lt nothwendig ein oder mehrere Metalle, welche selbst leicht schmelzbar sind; es ist aber bekannt, dass eine Legirung leichter schmelzbar sein kann, als jedes einzelne Metall fĂŒr sich (Legirungen von Wood, Darcet etc.).

Durch denselben Versuch lÀsst sich auch, wie wir oben gesehen haben, das Quecksilber auffinden.

Ein aus Blei, Zinn und Quecksilber bestehendes Amalgam löste sich unter alleiniger ZurĂŒcklassung von Quecksilber. (De Koninck: nicht veröffentlichte Beobachtung.)

Sie halten auch Phosphor zurĂŒck; an dieser Stelle besprechen wir abet Metalle. Ueber Metalloide, welche in Legirungen vorkommen, siege § 2X.

632 Aufsuchung der Metalle in einer Legining.

Wenn man stark erhitzt, so können bei diesem Versuche auch Arsen und Cadmium verflĂŒchtigt werden. Man kann sie leicht durch das Aussehen der wieder condensirten Metalle und mittels Jod unterscheiden.

Ein Versuch auf Kohle giebt gewöhnlich sehr nĂŒtzliche Fingerzeige ĂŒber die Natur der vorhandenen Metalle (s. Tabelle Bd. I, S. 184); nachdem man die Legirung fĂŒr sich oder mit einer geringen Menge eines Flussmittels erhitzt hat, kann man sie mit einem Gemische von Schwefel und Kaliumjodid nach Angabe von von Kob-ell prĂŒfen (s. § 928, Nr. IG und § 948, Nr. 20). Diese Versuche, an welche man, besonders bei zerreibbaren Legirungen, einen Versuch im offenen Rohre anschliessen kann, lassen namentlich die Gegenwart von Arsen erkennen.

Nachdem man die Legirung mit SalpetersĂ€ure behandelt und einen etwa verbliebenen unlöslichen RĂŒckstand abfiltrirt hat, prĂŒft man nach dem Bunsen' sehen Verfahren (s. Tabelle Bd. I, S. 184) einerseits diesen RĂŒckstand, andererseits das Product, welches durch Abdampfen des salpetersauren Filtrates erhalten wird.

In diesem RĂŒckstande kann man, wenn man genĂŒgende Uebung besitzt, Zinn durch die Kupferperle auffinden (s. § 896, Nr. 18 und § 1132, Nr. 20).

Kupfer, Nickel, Cobalt, Eisen und Mangan erkennt man in der salpetersauren Lösung leicht entweder auf nassem oder auf trockenem Wege. Die Farbe der FlĂŒssigkeit und ein Versuch mit Ammoniak können wichtige Fingerzeige geben. Mangan, Nickel und Cobalt geben mit Alkalihydraten NiederschlĂ€ge, welche auf Zusatz von Bromwasser schwarz werden ; Wismuthhydroxyd wird durch Stannochlorid und Alkalihydrat schwarz (vergl. § 928, Nr. 13).

2056. SystemaÜBohe Analyse. Nach einer Methode löst man die Legirung in Königswasser, sucht Silber und Blei in einem etwa verbliebenen RĂŒckstande und analysirt dann die Lösung nach den ge- wöhnlichen Methoden, welche einerseits nach Maassgabe der durch die Vorversuche erhaltenen Resultate, andererseits durch Abwesenheit der Alkalimetalle und der Metalle der Baryumgruppe vereinfacht werden können.

— Im Allgemeinen verdient folgende Art zu arbeiten den Vorzug:

Die gut zerkleinerte Legirung wird, zuerst in der KĂ€lte, dann, nach BedĂŒrfniss, in der WĂ€rme, mit SalpetersĂ€ure behandelt, bis sie vollstĂ€ndig zerlegt erscheint.

Ein RĂŒckstand kann die Metalle der Arsengruppe enthalten, und zwar Gold und Platin als Metalle, Zinn, Antimon und Arsen als Hydroxyde. Er kann, wie wir oben gesehen haben, geringe Mengen anderer Metalle mitgerissen haben.

Man sammelt diesen RĂŒckstand auf einem Filter, wĂ€ ihn vollstĂ€ndig aus und behandelt ihn mit rauchender SalzsĂ€ure; nach einiger Zeit der Einwirkung setzt man ziemlich viel Wasser zu, wenn nicht

VerfabreD, um ud lösliche Substanzen in Lösung ĂŒberznfĂŒbren. gg3

die SĂ€ure allein schon die Hydroxyde gelöst hat; jetzt kann immer noch ein RĂŒckstand von Gold und Platin bleiben, dagegen sind Zinn, Antimon und Arsen in Lösung gegangen und werden m dieser Lösung aufgesucht.

Das salpetersaure Filtrat wird mit SchwefelsĂ€ure in geringem Ueberschusse versetzt und bis zum Austreiben der SalpetersĂ€ure abgedampft; beim Aufnehmen mit wenig Wasser bleibt Bleisulfat als RĂŒckstand.

Das schwefelsaure Filtrat wird mit etwas SalzsÀure versetzt: Silber wird durch dieselbe aufgefunden und entfernt.

Die Aufsuchung der ĂŒbrigen Metalle (Magnesium, die Metalle der Eisengruppe, Cadmium, Kupfer, Wismuth und Quecksilber, möglicherweise auch Arsen und Platin) in dem letzten Filtrate geschieht nach den bekannten Methoden, welche man jedoch wiederum, je nach den Resultaten der Vorversuche, vereinfachen kann.

— Wir fĂŒhren schliesslich noch die Methode der schwefelnden Schmelzung an, welche besonders gut auf solche Legirungen angewandt wird, welche eine erhebliche Menge von Metallen der Arsengruppe enthalten. Die Methode besteht darin, dass man die möglichst fein zerkleinerte Legirung in einem Porzellantiegel mit einem schwefelndem Flusse schmilzt (siege § 2061). Beim Aufnehmen der geschmolzenen Masse in Wasser erhĂ€lt man eine FlĂŒssigkeit, in welcher man die Metalle der Arsengruppe aufzusuchen hat, und einen RĂŒckstand, welcher die ĂŒbrigen Metalle als Sulfide (Blei, Kupfer, Eisen etc.) oder als Oxyde (Chrom, Aluminium, Magnesium) enthĂ€lt.

Verfahren, um in Wasser und in den ĂŒblichen SĂ€uren unlösliche Substanzen in Lösung ĂŒberzufuhren.

Aufschliessen durch Alkaliearbonate'). i

2057. Die sehr fein gepulverte Substanz wird im Platintiegel, j

wie bei der Analyse der Silicate angegeben ist (§ 1925), geschmolzen.

Das Verfahren ist besonders auf Siliciumverbindungen und auf !

unlösliche Sulfate anwendbar; der einzige Unterschied in der Behandlung dieser beiden Arten von Verbindungen besteht darin, dass bei den

Sulfaten die geschmolzene Masse in reinem Wasser aufgenommen wird, '

wĂ€hrend man sie bei den Silicaten direct mit verdĂŒnnter SalzsĂ€ure behandeln kann.

Bei den Silicaten erhĂ€lt man, nach der bekannten weiteren Behandlung, einerseits die KieselsĂ€ure als unlöslichen RĂŒckstand, andererseits eine saure Lösung, welche die Metalle enthĂ€lt.

Bei den Sulfaten liefert die Behandlung mit Wasser ein Filtrat, welches Alkalisulfat sowie den Ueberschuss des Schmelzmittels enthÀlt,

Dieses so wichtige Verfahren verdanken wir dem bedeutenden Chemiker Tobern B er gm au (1735 — 1784).

gg4 Verfahren, um in Wasser und in den ĂŒblichen SĂ€uren

und einen aus Carbonaten (Ba, Sr, Ca) oder Oxyd (Pb) bestehenden RĂŒckstand, welcher sich nach vollstĂ€ndigem Auswaschen leicht in ver- dĂŒnnter SalzsĂ€ure oder SalpetersĂ€ure löst.

Auch Silbersalze lassen sich durch Schmelzen mit Alkalicarbonaten zerlegen; in diesem Falle muss man aber einen Porzellantiegel anwenden. Man schmilzt bei möglichst niedriger Temperatur. Die Producte sind einerseits reducirtes Silber, andererseits die Halogenverbindungen der Alkalimetalle (siege auch § 1441).

Enthalten die durch Alkalicarbonate aufzuschliessenden Substanzen Sulfide oder andere oxydirbare Stoffe, so muss man dem Flussmittel eine gewisse Menge Kalium - Nitrat oder -Chlorat oder -Perchlorat, je nach der Menge der zu oxydirenden Substanz (höchstens g), zusetzen. Eine sonstige AbÀnderung des Verfahrens ist nicht nöthig.

— In Ermangelung eines Platintiegels, dessen Preis ziemlich hoch ist und welcher sich in unerfahrenen HĂ€nden leicht abnutzt, kann man bei gewöhnlichen qualitativen Versuchen auch Tiegel aus reinem Nickel verwenden. Solche Tiegel dĂŒrfen natĂŒrlich nicht mit sauren FlĂŒssigkeiten in BerĂŒhrung kommen; man muss also bei ihrer Benutzung die Schmelze ausschliesslich durch Wasser entfernen. Auch muss man ein unnöthig hohes Erhitzen vermeiden, weil das Metall mit der Zeit brĂŒchig wird).

Es bedarf kaum der ErwÀhung, dass das Aufschliessen durch Alkalicarbonate nicht anwendbar ist, wenn Alkalimetalle selbst aufgesucht werden sollen. In diesem Falle muss man zu einem der folgenden Verfahren, d. h. zu einer Aufschliessung durch alkalische Erden oder durch Metalloxyde oder (auf nassem Wege) durch FlusssÀure, die Zuflucht nehmen.

AufsohlieBsen duroh Oxyde des Caloiums, des Baryams, des Bleis oder duroh basisches Wismuthnitrat oder BorsÀure*.

2058* Diese Verfahren werden ausschliesslich angewandt, um Silicate, in welchen Kalium oder Natrium aufgesucht werden sollen, durch SĂ€uren angreifbar zu machen. Sie sind bereits frĂŒher beschrieben worden (§§ 1926—1929).

Am besten eignet sich das basische Wismuthnitrat zur Anwendung.

Aufschliessen durch FlusssÀure. 2059. Auch dieses Verfahren, welches man in der Regel nur zur Aufsuchung der Alkalimetalle, unter UmstÀnden aber auch zur Auf-

De KoniDck hat diese Erfahrung in seinem Laboratorium gemacht, als er einen Nickeltiegel absichtlich ohne jede weitere Vorsicht anwenden Hess. Die Erfahrung muss noch bestĂ€tigen, ob sich Nickelgefasse stets so verhalten, oder ob im angefĂŒhrten Fall ein nicht erkannter besonderer Umstand mitwirkte.

H. Davy: Phil. Trans. 1805 und Ann. de eh. 60 (1806), 294; P. Jannasch und O. Heidenreich: Z. anorg. Ch. 12 (1896), 208; P. Jannasch: bend. 22:).

unlösliche Substanzen in Losung SberzufĂŒhren. gg5

suchung des Titans anwendet, ist in seinen Varianten bereits beschrieben (§§ 1953—1957).

Ozydirende SohmelBung.

2060 Manche Chromverbindungen, besonders das geglĂŒhte Chromoxyd und das in der Natur vorkommende Mineral „Chromeisenstein" (Chromit), sind in SĂ€uren fast unlöslich. Man macht sie löslich, indem man das Chrom auf trockenem Wege in Chromat ĂŒberfĂŒhrt (siege § 549).

Auch auf Sulfide, speciell die natĂŒrlichen Sulfosalze (Fahlerz, Bournonit etc.), welche Metalle der Arsengruppe enthalten, ist die oxydirende Schmelzung anwendbar (siege § 1644).

Schwefelnde ScbmelBung.

2061* Man versteht unter dieser Bezeichnung ein Aufschliessen, welches ausschliesslich auf Substanzen, welche Zinn, Antimon oder Arsen enthalten, angewandt wird und welches bezweckt, diese Elemente in wasserlösliche Sulfosalze ĂŒberzufuhren (siege § 1238).

Um dieses Resultat zu erhalten, muss man die Substanz mit einem Fiussmittel schmelzen, welches ein Alkalisulfid und Schwefel im Ueberschuss enthĂ€lt, oder welches, was auf dasselbe hinauskommt, fĂ€hig ist, diese Stoffe unter dem EinflĂŒsse der Hitze zu liefern.

Die Eigenschaften der Sulfide des Kaliums und Natriums machen diese Verbindungen zu einer directed Anwendung nicht geeignet; man ersetzt sie vielmehr durch ein Gemisch gleicher Theile von vollkommen trockenem Alkalicarbonat und von Schwefel, oder durch gut getrocknetes Natriumhyposulfit i).

Die Schmelzung muss in einem Porzellantiegel 2) mit aufgelegtem Deckel geschehen. Die geschmolzene Masse wird nach dem Erkalten in Wasser aufgenommen, welches die Sulfosalze der Metalle der Arsengruppe löst und als RĂŒckstand die in Alkalisulfiden unlöslichen Metallsulfide hinterlĂ€sst. Beide trent man durch Filtration.

EnthĂ€lt die der schwefehiden Schmelzung unterworfene Substanz Eisen, so ist das Filtrat in der Regel intensiv grĂŒn gefĂ€rbt in Folge kleiner, in Lösung gegangener Mengen von Eisensulfid (§ 569, Nr. 4). Man fĂ€llt diese, indem man der FlĂŒssigkeit Ammoniumchlorid im Ueberschuss zusetzt, wodurch die fixed Alkalisulfide in Ammoniumsulfid, in welchem das Eisensulfid viel weniger löslich ist, ĂŒbergenĂŒhrt werden; nach lĂ€ngerem Absitzen in massiger WĂ€rme erhĂ€lt man vollstĂ€ndige FĂ€llimg des Eisens, was man daran erkennt, dass die Lösung rein gelb wird.

Die Alkalisulfide greifen Porzellan bei der hier nothigen, verhÀltnissmassig niedrigen Temperatur nicht an.

QSQ Verfahren, um in Wasser und in den ĂŒblichen SĂ€uren

AufschllesBen durch Kaliumbisulfat.

2062. Manche in SĂ€uren schwer oder gar nicht löslichen Oxyde (z. B. Chromeisenstein) können durch Schmelzen mit Kaliumbisulfat in Sulfate ĂŒbergenĂŒhrt werden. Ebenso werden TitansĂ€ure und Titanale durch diese Behandlung löslich gemacht (siege § 562, Nr. 3).

Die zu analysirende , sehr fein zerriebene Substanz wrd nut der zehnbis zwölffachen Gewichtsmenge des angegebenen Reagens gemischt; die Mischung wird in einen Platintiegel gebracht und zum Schmelzen erhitzt, bis saure DĂ€mpfe zu entweichen beginnen. In diesem Zustande erhĂ€lt man die Schmelze wĂ€hrend lĂ€ngerer oder kĂŒrzerer Zeit, je nachdem die Substanz der Einwirkung des Reagens zugĂ€nglich ist; dann lĂ€sst man erkalten und löst das Product, nachdem man es möglichst vollkommen aus dem Tiegel entfernt hat, in reinem oder mit SalzsĂ€ure angesĂ€uertem Wasser. Sehr zweckmĂ€ssig ist hier die Anwendung des in § 68 beschriebenen Verfahrens, besonders fĂŒr titanhaltige Substanzen, deren Schmelze kate Behandlung erfordert

Aufschliessen durch gasförmiges Chlor.

2063* Dieses Verfahren wird angewandt, um Sulfide, Phosphide, Arsenide etc., welche der Einwirkung von SalpetersĂ€ure oder von Königswasser mehr oder weniger widerstehen, in Lösung ĂŒberzufĂŒhren. Es wĂŒrde wohl hĂ€ufiger benutzt werden, wenn nicht UmstĂ€ndlichkeiten und Gefahr mit dem öfteren Arbeiten mit Chlor in einem Laboratorium, welches dafĂŒr nicht besonders eingerichtet ist, verbunden wĂ€ren.

Um nach dem Verfahren zu arbeiten, bringt man die zu analysirende Substanz in eine Kugelröhre von schwer schmelzbarem Glase (Fig. 260),

deren eines, grades Ende mit einem Apparate,

welcher trockenes Chlorgas liefert in Verbindung

steht, und deren anderes, in einem rechten 11

Winkel umgebogenes Ende zu einer Vorlage pjg jg

fĂŒhrt, welche Wasser, oder reine oder mit

WeinsÀure versetzte SalzsÀure, oder ein Alkalihydrat enthÀlt. (Diese

Anordnung kann auch durch die folgende ersetzt werden: Die Substanz

wird auf dem Boden eines Porzellanschififchens c (Fig. 261) ausgebreitet

und dieses wird in ein Rohr ad geschoben, dessen enger ausgezogenes

und im Winkel gebogenes Ende mit einer Vorlage d in Verbindung steht)

Ist der Apparat zusammengestellt und hat man sich ĂŒberzeugt, dass er tadellos schliesst, so lĂ€sst man Chlor eintreten, zuerst bei ge-

Die praktischste AnorduuDg fĂŒr die Bereitung von Chlor besteht in cincin Kipp 'sehen Apparate, welcher mit BraunsteinstĂŒcken oder ChlorkalkwĂŒrfeln und SalzsĂ€ure beschickt und in ein Wasserbad eingesetzt ist. Die gewöhnlichen, aus dickem Glase construirten Apparate eignen sich fĂŒr diesen Grebrauch nicht, weil sie unfehlbar springer. Siehe De Koninck: Z. anal. Ch. 17 (1878), 181, und Dittmar: Quantitative chemical Analysis (Glasgow 1887), S. 137.

unlo&lice Substanzen in Lösimg ĂŒberzufĂŒhren. 67

wohnlicher Temperatur, bis sich der Apparat mit dem Gase gefĂŒllt hat; dann erwĂ€rmt man allmĂ€hlich auf 300 — 370 selten höher. Schwefelchlorid und die leicht flĂŒchtigen Metallchloride werden in die Vorlage getrieben, wĂ€hrend die schwerer flĂŒchtigen Chloride in der Kugel oder in

Fig. sei.

dem Schiffchen zurĂŒckbleiben; man löst sie (AgCl ausgenommen) in heissem Wasser und vereinigt diese Lösung mit derjenigen in der Vorlage, wenn man nicht etwa aus der Trennung der Chloride in zwei Gruppen Nutzen ziehen will.

Unter (Siedepunkt des Quecksilbers) sind die Chloride folgender Kiemente flĂŒchtig:

Schwefel, Selen, Tellur, Arsen, Antimon, Zinn, Quecksilber, Vanadium, MolybdÀn, Wolfram, Titan, Phosphor, Bor und Silicium. Die Chloride des

Bleis, Kupfers, Silbers, Mangans, Nickels und Cobalts sind verhÀltnissmÀssig feuerbestÀndig). Die Chloride des

Eisens und Zinks können bei dunkler Rothgluth vollstĂ€ndig verflĂŒchtigt werden.

Bismuthichlorid wird bei 360 — 370 vollstĂ€ndig vom Chlorstrome mitgenommen*) (s. die Anwendung auf die Scheidung der verschiedenen Metalle).

Aufschliessen durch dampfförmiges Brom%

2064. Das Verfahren hat mit dem vorigen grosse Aehnlichkeit, ist aber in so fem leichter anwendbar, als bei ihm ein besonderer Apparat zum Entwickeln des als Aufschliessungsmittel dienenden Reagens, in diesem Falle Bromdampf, nicht erforderlich ist.

Als TrÀger des Broms wendet man sog. Bromstangen (nach Frank) an. Die Masse der Stangen besteht aus Kieseiguhr, welche mit

Rammelsberg: Leitf. f. d. quant. ehem. Analyse, 4. Aufl. (1886), S. 98. 2) A. Vogel: Z. anal, CK 18 (1874), 61. Alb. Brand: Z. anal. Ch. 26 (1887), 222.

ggS Aufsucbaog der freien Metalloide, der SĂ€uren, der Anhydride

Gips zusammengefrittet ist; durch Eintauchen in flĂŒssiges Brom werden dieselben mit Brom getrĂ€nkt.

Der ganze Apparat hat mit dem in Fig. 261 abgebildeten Aehnlichkeit. Man schiebt die in einem Porzellanschiffchen befindliche Substanz in das Rohr bis nahe an die rechtwinklige Umbiegung, welche zur Vorlage fuhrt, beschickt den ĂŒbrigen Theil des Rohres mit einer Anzahl Bromstangen und schliesst das weite, offene Ende des Rohres nnt einem Stopfen. Durch leichtes ErwĂ€rmen wird Brom aus den Bromstangen verdampft; erhitzt man nun auch die zu analysirende Substanz, so wird diese durch die BromdĂ€mpfe in analoger Weise wie durch Chlorgas zersetzt.

Aufsuchung

der freien Metalloide, der SĂ€uren, der Anhydride

und der verschiedenen Arten von Salzen

Einleitung.

2065. Es können fĂŒr uns hier nur diejenigen freien Metalloide in Betracht kommen, welche an sich von genĂŒgender Wichtigkeit sind und femer entweder in festem Zustande (Jod, Schwefel, Phosphor, Kohlenstofif), oder in wesentlicher Menge in Wasser gelöst (Chlor, Brom, Jod) vorkommen können.

Was die verschiedenen Arten von Salzen betrifil, so werden vĂ€i nur diejenigen berĂŒcksichtigen, deren Eigenschaften im vorliegenden Werke beschrieben sind.

Alit den Salzen stehen naturgemÀss in Beziehung die entsprechenden SÀuren, welche, im Grunde genommen, Wasserstoff-Salze sind, und deren Anhydride.

FĂŒr die Aufsuchung der Metalloide und der Arten der Salze besitzen wir kein methodisches Verfahren, keinen regelmĂ€ssigen systematischen Gang, wie fĂŒr die Aufsuchung der Metalle. Die mehr oder weniger einfachen Verfahren, welche in dieser Hinsicht von verschiedenen Autoren vorgeschlagen sind 2), können nur annĂ€hernde Resultate liefern, oder sie verlassen das allgemeine Problem und fassen nur die Ermittelung der Natur eines isolirten Salzes ins Auge: ein wenig wichtiger Fall, welchen jeder Analytiker mit einiger Erfahrung durch vorlĂ€ufige Versuche, welche sich auf Aussehen und physikalische Eigenschaften (Farbe, Löslich-

Die Analytiker, welche, wenigstens rn praxt\ AnhĂ€nger der dualistischeo Theorie geblieben sind, betrachten die Salze als Verbindungen, welche aus einem Metalioxyd (Basis) und einem SĂ€ure- Anhydrid (kurzweg „SĂ€ure**) bestehen. Sie ncDncn daher „Aufsuchung der Basen", was wir „Aufsuchung der Metalle" geEtannt haben, und wĂŒrden dem gegenwĂ€rtigen Capitel die Ueberschrift „Aufsuchung der SĂ€uren" gegeben haben.

Siehe z. B. R. Abegg und W. Herz: Z. anorg, Ch. 28 (1900), 236 u. 26 (1900), 405; W. Fresenius: Z. anal. Ch. 80 (1900), 566.

uod der verschiedenen Arten von Salzen. gg9

keit etc.) des Productes beziehen, im Allgemeinen schneller mid leichter lösen wird, als indem er sich an eine bestimmte Methode binder.

Es ist hier nicht der Ort, alle GrĂŒnde fĂŒr die angefĂŒhrte Thatsache zu eröstern; wir wollen jedoch bemerken, dass man fĂŒr die Metalloide die zu lösend Aufgabe nicht in derselben Weise stellt, wie fĂŒr die Metalle. Bei diesen forscht man im Princip zunĂ€ danach, welche Metalle ĂŒberhaupt in der zu analysirenden Substanz enthalten sind, ohne RĂŒcksicht auf die Verbindungsstufe, in welcher sie sich befinden; erst nach dieser ersten Ermittelung untersucht man — wenn man glaubt, darauf Werth legen zu mĂŒssen — weiter, ob in der Substanz z. B. Eisen in elementarem Zustande oder als Ferro-oder als Fernverbindung vorhanden ist. Dieser Gang ist rationell, er fĂŒhrt vom Einfachen zum Verwickelten.

Bei den Metalloiden dagegen sucht man gleich auf einmal sowohl die Anwesenheit eines Elementes als auch seine Verbindungsform zu ermitteln; man sucht z. B. nicht zuerst nur zu erforschen, ob eine Substanz ĂŒberhaupt Chlor enthĂ€lt, um erst spĂ€ter festzusteUen, ob das Chlor in freiem Zustande oder gebunden, z. B. als Chlorid, Hypochlorit, Chlorat etc., vorhanden ist, sondern man betrachtet vielmehr jede der Gruppen, welchen diese verschiedenen Salzarten angehören, als einen besonderen Bestandtheil, welchen man direct aufsucht.

Innerhalb gewisser Grenzen und mit Ausschluss einiger Gase könnte man die bei den Metallen benutzte Methode wohl auch auf die Metalloide anwenden.

Wir werden weiter unten (§ 2103) ein Verfahren der systematischen Aufsuchung) der Metalloide angeben, welches als Uebungsaufgabe seit einer Reihe von Jahren im Laboratorium des Prof. De Koninck eingefĂŒhrt ist und in einzelnen Ausnahmefallen vielleicht nĂŒtzlich sein dĂŒrfte. FĂŒr die stĂ€ndige Praxis möchten wir aber die Methode nicht empfehlen, weil ihre Anwendung die Arbeit mehr verwickeln als vereinfachen wĂŒrde.

2066. Bei der uns beschĂ€ftigenden Untersuchung verfĂ€hrt man wie bei den Vorversuchen (siege § 2048), d. h. man nimmt planĂ€ssig auf einander folgende Versuche vor, wobei man sich fĂŒr die Wahl des ersten Versuches auf vorlĂ€ufig erworbene Kenntnisse bezĂŒglich der Substanz, und fĂŒr die Wahl eines jeden folgenden Versuches auf die durch die vorhergehenden Versuche ermittelten Resultate stĂŒtzt.

Zu den vorlĂ€ufig erworbenen Kenntnissen zĂ€hlen zunĂ€ diejenigen Resultate, welche durch die oben erwĂ€hnten Vorversuche sowie bei der Aufsuchung der Metalle, welche stets in erster Linie ausgefĂŒhrt werden muss, erhalten wurden.

Diese Resultate gestatten immer, von vorn herein auf die Abwesenheit mancher Arten von Salzen oder mancher Metalloide zu schliessen; so ist z. B. die Gegenwart von Mercuro Verbindungen mit der Gegen-

Diese Methode wurde in ihrem Princip zuerst (Januar 1881) von dem verstorbenen Assistenten des Prof. De Koninck, H. Slanghen, angewandt.

De Koninck -Meineke, Mineralanalyse. IT.

690 AufsuchuDg der freien Metalloide, der SĂ€uren, der Anhydride

wart von freiem Chlor, Brom oder Jod unvertrĂ€glich; die Gegenwart von Silber in einer Substanz, welche in SĂ€uren löslich ist oder mit Wasser eine neutral Lösung giebt, schliesst die Anwesenheit von Chloriden aus; Stannosalze und Ferrosalze, wenigstens in saurer Lösung, mĂŒssen von Hypochloriten, Chloraten, Chromaten, Stannosalze auch noch von Arsenaten frei sein; Permanganate können nicht neben Ferrosalzen, imd ebensowenig neben Sulfiten, Nitriten etc. vorhanden sein; Ferrisalze in saurer Lösung schliessen Jodide, Sulfite und andere reducirend wirkende Stoffe aus.

Schwefel, Phosphor und Kohlenstoff in elementarem Zustande, Quarz, Carbonate, Phosphate, Sulfide etc. findet man in der Regel bei der Aufsuchung der Metalle und besonders bei den Versuchen auf Löslichkeit

Auch Metalloide, Salzarten und ganz besonders SÀuren können unter bestimmten Bedingungen einander ausschliessen, so dass man aus der Anwesenheit der einen auf die Abwesenheit der anderen schliessen kann. So schliessen Chlor, Brom und Jod in freiem Zustande die Anwesenheit von Sulfiden, Sulfiten etc. aus.

In Gegenwart einer SĂ€ure können Jodide oder Ferrocyanide nicht neben Nitriten, Jodide nicht neben Jodaten oder Ferricyaniden, Jodate nicht neben löslichen Sulfiden, und diese nicht neben Sulfiten existiren); Chlor, Brom und Jod in freiem Zustande schliessen Hyposulfite aus, etc. etc.; oder, allgemein ausgedrĂŒckt: oxydirende Körper schliessen alle diejenigen Substanzen aus, durch welche sie, unter den gegebenen UmstĂ€nden, reducirt werden können, und umgekehrt: Reductionsmittel kann man nicht in einem Stoffe finden, durch dessen Bestandtheile sie unter den gegebenen UmstĂ€nden oxydirt werden können.

Alles das ist freilich so klar, dass man uns bei diesen Erörterungen unnöthine Weitschweifigkeit vorwerfen könnte; dennoch glaubten wir sie nicht vermeiden zu können, weil, nach langen Erfahrungen, AnfĂ€nger diese Wahrheiten nur zu oft unberĂŒcksichtigt lassen.

Dem Gesagten wollen wir noch hinzufĂŒgen, dass sich in der ge- wöhnlichen Laboratoriumspraxis die Aufsuchung der Metalloide und ihrer VerbindungszustĂ€nde in den meisten FĂ€llen auf die Aufsuchung einiger SĂ€uren oder einiger Salzarten beschrĂ€nkt, deren Existenz man nach der Herkunft der zu analysirenden Substanz fast immer voraussetzen kann. Unter diesen UmstĂ€nden wĂŒrde eine allgemeine Methode, wenn es eine solche geben wĂŒrde, weniger schnell zum Ziele fĂŒhren, als eine directe Aufsuchung jeder in Betracht kommenden SĂ€ure in einer besonderen Probe.

Was wir in der Plinleitung zu den Vorversuchen fĂŒr die Aufsuchung der Metalle gesagt haben (§ 2040), findet auch auf die Aufsuchung der metalloidischen Bestandtheile Anwendung; es ist nicht nöthig, hier noch mals darauf zurĂŒckzukommen.

') In Wirklichkeit sind es die entsprechenden SÀuren, deren Existenz unter diesen UmstÀnden ausgeschlossen ist, z. B. Jodwasserstoff neben salpetriger SÀure etc.

und der verschiedenen Arten von Salzen. 691

Tabelle fOr die Aufsuchung der Metalloide und Salzarten.

Aufzusuchende Substanz

Chlor, frei . . . Brom, „ . . . .

Jod, ,

Schwefel, frei . . Phosphor, „ Kohlenstoff, „ . . Chlorid Bromid

Jodid

Hypochlorit . . . Chlorat Bromat

Jodat

Cyanid

Ferrocyanid Ferricyanid . .

Sulfocyanid . . . Fluorid Schwefelwasserstoff Sulfid, löslich . . PolysulĂŒd, löslich Sulfid, unlöslich Hyposulfit . .

Sulfit

Sulfat

Nitrit

Nitrat

Phosphid Phosphat

Borat

Silicid

Quarz

Silicat

Silicoflnorid . . .

Carbid

Carbonat Antimoniat . . . Arsenit Arsenat Chromat Manganat Permanganat . .

Oxyd

Hydrat

Wasser

Bezeichnung der zu analysirenden Substanz

D I E

V&#x27;

692 Aufsachung der freien Metalloide, der SĂ€uren, der Anhydride etc.

2067* Die Aufisuchung der Metalloide und Salzarten kann man sich erleichtern, indem man sich eine Tabelle nach umstehendem Muster (S. 691) entwirft: in der ersten Spalte finden sich alle aufzusuchenden Substanzen aufgefĂŒhrt, die anderen (eine fĂŒr jede zu analysirende Substanz) dienen dazu, die Resultate der Versuche kurz durch irgend eine Bezeichnung anzugeben 1). Ein Blick auf die Tabelle genĂŒgt, um sich in jeder Phase der Analyse Rechenschaft zu geben, ob noch Fragen oflFen stehen und wie weit die Analyse fortgeschritten ist, und ermöglicht auch, das beste Verfahren zur Erreichung des gewĂŒnschten Zieles auszuwĂ€hlen, ohne eine Vergesslichkeit befĂŒrchten zu mĂŒssen.

Anwendung allgemeiner Reagentien.

2068 Um die Metalloide imd die SĂ€uren oder Salzarten, auf deren Gegenwart oder Abwesenheit man nicht mit Sicherheit aus frĂŒheren Ermittelungen schliessen kann, aufzusuchen, muss man, wie wir bereits bemerkten, die zu prĂŒfence Substanz neuen planĂ€ssigen Versuchen unterwerfen, wobei man bereits erhaltenen Resultaten stets Rechnung trĂ€gt

FĂŒr diese Versuche wird man vorzugsweise zunĂ€ solche Reagentien anwenden, welche man als „allgemeine" bezeichnen kann und durch welche man, da sie Reactionen nur mit einer gewissen grösseren Anzahl von Salzen hervorrufen, sogleich die etwaige Abwesenheit einer ganzen Gruppe von Salzen feststellen und so die zu lösend Aufgabe vereinfachen kann.

Unter diesen „allgemeinen" Reagentien sind folgende die wichtigsten').

2069. Lakmus. Die PrĂŒfung der zu analysirenden Substanz mittels dieses Reagens ist bereits bei den Vorversuchen geschehen (§ 2047, Nr. 3 u. § 2050, Nr. 25).

Die aus dem Resultate dieses Versuches in Hinsicht auf die Aufsuchung der Salzarten zu ziehenden ĂŒsse sind wichtig, vorausgesetzt, wohl verstanden, dass die Substanz in Wasser löslich ist. ErhĂ€lt man keine alkalische Reaction, so ist damit die Abwesenheit von Carbonaten der Alkalimetalle, von Hydraten, Sulfiden und Cyaniden der Alkaliund der Alkalierdmetalle erwiesen; AciditĂ€t verbunden mit Geruchlosigkeit schliesst Chlor, Brom und Jod in freiem Zustande, Sulfide und

Man kann etwa folgende Bezeichnungen anwenden: 4- Gegenwart festgestellt; ! -f" dasselbe in grosser Menge; Sp. dass. in Spuren; 0 Abwesenheit festgestellt; ? zweifelhaft, Richtigstellung erforderlich.

Die folgenden Besprechungen der Anwendung allgemeiner Reagentien gehen von der Voraussetzung aus, dass die Substanzen, auf welche man sie einwirken list, frei von solchen Metallen sind, welche durch ihren Verbindungszustand die Wirkung dieser Reagentien beeintrĂ€chtigen könnten ; als solche sind z. B. zu bezeichnen Ferrioder Cupri-Salze fĂŒr den Versuch mit Jodstarke, Mercuriverbindungen fĂŒr den Versuch mit Silbernitrat etc. Wir werden spĂ€ter sehen, wie man, entsprechend der 'ur der zu analysirenden Substanz, solche Metalle, welche schaden können, entfernt.

Anwendung allgemeiner Reagentien. 693

Schwefelwasserstoff, Sulfite, Hyposulfite, Nitrite in merklicher Menge, neutral Carbonate, Silicate etc., aber nicht KieselsÀure aus.

Lakmus, wie die meisten vegetabilischen Farbstoffe, wird durch Chlor und namentlich durch Hypochlorite entfÀrbt.

2070. Fhenolphtalein (§ 317) kann, sogar mit Vortheil, an die Stelle des Lakmus treten, imi die AlkalinitÀt einer Substanz festzustellen; aber es gestattet keine Unterscheidung zwischen einem neutralen und einem sauren Stoffe.

Man wendet dieses Reagens in der Art an, dass man einen Tropfen einer 2 — Sprocentigen Lösung in schwachem Alkohol entweder zu der durch reines Wasser erhaltenen Lösung oder direct zu der festen, auf einer Unterlage von Porzellan etwas ausgebreiteten Substanz zusetzt und beobachtet, ob eine carminrothe FĂ€rbung entsteht oder nicht. In dieser Weise angewandt, ist vielleicht das Fhenolphtalein noch empfindlicher als das Lakmus.

2071* Man kann auch andere Reagentien der gleichen Art, z. B. Methylorange, anwenden. Der Unterschied der Einwirkung auf verschiedene Indicatoren (siege ĂŒber Indicatoren §§ 315 — 326) kann bisweilen AufklĂ€rung ĂŒber die Natur der untersuchten Substanz geben; so reagiren z. B. Bicarbonate nicht alkalisch mit Fhenolphtalein, wohl aber mit Methylorange, wĂ€hrend neutral Alkalicarbonate mit beiden Reagentien alkalisch reagiren.

2072. Concentrirte SchwefelsĂ€ure. LĂ€sst man diese SĂ€ure auf die ursprĂŒngliche, trockene oder wenigstens feste Substanz, welche man eventuell durch Abdampfen einer Losung erhalten hat, einwirken, so kann man die Existenz von Derivaten flĂŒchtiger oder gasförmiger SĂ€uren, namentlich von Halogeniden: Chloriden, Bromiden, Jodiden und Fluoriden, feststellen. Die Fluoride sind ganz besonders an der Entwickelung von Fluorwasserstoff, welcher Glas angreift, oder von Siliciumfluorid, wenn die Substanz kieselsĂ€urehaltig ist (§ 1581, Nr. 6), erkennbar; in Gegenwart von Bor bildet sich Borfluorid, und es ist in diesem Falle die Aufsuchung des Fluors schwierig. Nitrite geben direct, Nitrate nach Hinzu- fĂŒgung von KupferfeilspĂ€nen, nitrose DĂ€mpfe; Chlorate liefern UeberchlorsĂ€ure und Chlortetroxyd (UnterchlorsĂ€ure)

Man darf nicht ĂŒbersehen, dass die verschiedenen SĂ€uren, welche durch die Einwirkung der SchwefelsĂ€ure auf ein Salzgemisch gleichzeitig entstehen können, mit einander in Reaction treten können: ein Gemisch von Chloriden mit Chloraten, Chromaten, Superoxyden etc. giebt Chlor; ein Nitrat, mit Sulfiten oder Jodiden gemischt, kann direct nitrose DĂ€mpfe -geben, wie ein Nitrit, etc.

2073* KaliumbiBOlfiEkt kann die SchwefelsÀure bei solchen An-

lan beachte die Gefahr, welche das Arbeiten mit betrachtUcKti von Chlorat mit sich bringt (§ 1522, Nr. 3, Fassnote). .

594 AafsnchuDg der freien Metalloide, der SĂ€uren, der Anhydride etc.

Wendungen des Reagens, welche gleichzeitig höhere Temperatur erfordern, ersetzen.

2074 Wir haben ferner Reagentien, welche durch FĂ€llung wirken; in erster Linie:

2075* SĂŒbemitrat. Dieses Reagens fallt in sĂ€urefreier Lösung Chlor, Brom und Jod in freiem Zustande, ferner alle Salzarten mit alleiniger Ausnahme der Permanganate, Fluoride, Silicofluoride, Chlorate, Perchlorate, Nitrate, Nitrite und Sulfate. Bei den zwei letzten darf jedoch die Lösung nicht zu concentrirt sein.

Liegt eine neutral oder alkalische, aber kein freies Ammoniak) enthaltende Lösung yor, so fĂŒhrt man den Versuch mit dem Silbersalze in folgender Weise aus 2): ZunĂ€ giesst man einen Tropfen der Lösung der zu prĂŒfender Substanz in im Ueberschuss vorhandene Silbemitrat-Lösung; entsteht bei diesem Vorversuche nicht die geringste TrĂŒbung 8) — was nur bei einer neutralen, aber nicht bei einer alkalischen FlĂŒssigkeit möglich ist, da alle alkalischen Stoffe Silbersalze fallen — , so ist man berechtigt, auf die Abwesenheit aller Salzarten, nĂŒt Ausnahme der oben ausdrĂŒcklich angefĂŒhrten, zu schliessen. WĂŒrde man umgekehrt verfahren, so könnte in Folge der Anwesenheit mancher Salze, von welchen ein Ueberschuss auf Silbersalze lösend wirkt, ein Niederschlag ausbleiben: solche Salze sind die Cyanide, die Sulfite und die Hyposulfite.

Entsteht ein Niederschlag, so giesst man die nicht zu concentrirte (höchstens öprocentige) Lösung des Reagens in kleinen Portionen nach und nach, unter jedesmaligem UmrĂŒhren, in einen neuen und ausreichenden Theil der zu analysirenden FlĂŒssigkeit, bis sich der Niederschlag nicht weiter vermehrt. Man merit sich das Aussehen des Silbersalz-Niederschlages bezw. der auf einander folgenden Nieder- Ă€ge; denn in einem Gemische verschiedener, durch Silbemitrat fallbarer Salze beginnt die FĂ€llung einiger von ihnen erst, oder bleibt \'ielmehr erst dann bestehen, wenn die anderen vollstĂ€ndig oder beinahe vollstĂ€ndig gefallt sind, und oft entsteht zu Beginn ĂŒberhaupt kein Niederschlag. So ruft in einem Gemische von Jodid, Chlorid und Chromat Silbemitrat zunĂ€ einen gelben Niederschlag von Silberjodid darauf wird der Niederschlag durch Entstehung von Silberchlorid weiss und schliesslich in Folge der Bildung von Silberchromat mehr oder weniger roth.

Das Aufeinanderfolgen verschieden gefÀrbter NiederschlÀge lÀsst sich am besten beobachten, wenn man den Versuch in einem hohen und

') Wenn nöthig, entfernt man das Ammoniak durch Abdampfen entweder direct oder nach unvollstÀniger Neutralisation durch SalpetersÀure.

Man arbeite unter Abschluss gegen DÀmpfe von Schwefelwasserstoff und von Ammoniumsulfid, welche beide in der AtmosphÀre der analytischen Laboratorien nur zu oft vorhanden sind.

8) Siehe H. Trcy: Z. anaL Ch. 33 (1894), 533.

AnwenduDg allgemeiner Reagentien. g9Ö

engen ReagircyĂŒnder vornimmt, nach jedem ZusĂ€tze des Silbersalzes tĂŒchtig umschĂŒttelt, abwartet, bis sich der Niederschlag abgesetzt hat, und jeden neuen Zusatz des Reagens langsam auf die OberflĂ€che der geklĂ€rten FlĂŒssigkeit gelangen lĂ€sst.

Die meisten Silbersalz -NiederschlĂ€ge sind weiss, das Bromid ist gelblich, das Jodid, Phosphat, Silicat und Arsenit sind mehr oder weniger gelb, das Ferricyanid ist braun, das Sulfid schwarz, das Oxyd graubraim, das Arsenat chocoladenbraun, das Chromat roth und das Manganat dunkelgrĂŒn.

Ist der Niederschlag entstanden, so prĂŒft man, ob und in wie weit er in verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure löslich ist; einen in dieser SĂ€ure unlöslichen RĂŒckstand prĂŒft man auf seine Löslichkeit in Ammoniak (siege §§ 2076 u. 2093).

Zu dem Zwecke sammelt man ihn auf einem Filter, wĂ€ ihn vollstĂ€ndig aus, spĂŒlt ihn in einen ReagircyĂŒnder ĂŒber und behandelt ihn darin bei gewöhnlicher Temperatur mit in geringem Ueberschusse bemessenem Ammoniak mittlerer Concentration. Nach einer Digestion von einigen Minuten beobachtet man, ob der Niederschlag vollstĂ€ndig verschwunden ist oder nicht, und in letzterem Falle, ob er sich wesentlich verĂ€ndert hat, besonders hinsichtlich seiner Farbe.

— Ist der Niederschlag in Ammoniak vollstĂ€ndig löslich, so sĂ€uert man die ammoniakalische Lösung schwach mit SalpetersĂ€ure an und beobachtet, ob durch diese Behandlung wieder ein bleibender Niederschlag entsteht. Ist das der Fall, so bleibt weiter festzustellen, ob die von diesem Niederschlage getrennte saure FlĂŒssigkeit noch Silbersalz enthĂ€lt. Giesst man einen Tropfen SalzsĂ€ure hindu, so erfahrt man wohl sofort, wie es in dieser Beziehung mit der FlĂŒssigkeit steht, man kennt aber nicht die Natur des Salzes. Man kann diesen Versuch mit einem kleinen Theile der FlĂŒssigkeit als Vorversuch ausfĂŒhren; in jedem Falle macht man aber den Versuch durch Ueberschichtung (siege § 158, Bd. I, S. 153) mit sehr verdĂŒnntem Ammoniak, um an der BerĂŒhrungszone beider FlĂŒssigkeiten, in Folge der sehr genau sich vollziehenden Neutralisation, die WiederfĂ€llung der gelösten Silbersalze mit ihren EigenthĂŒmlichkeiten, besonders ihren mehr oder weniger charakteristischen Farben, zu erhalten.

— Wenn der ursprĂŒngliche Silbersalz-Niederschlag einen in Ammoniak unlöslichen RĂŒckstand hinterlĂ€sst, so filtrirt man imd ermittelt dann, ob das ammoniakalische Filtrat Silbersalze enthĂ€lt Zu diesem Zwecke schichtet man die ammoniakalische Lösung in einem ReagircyĂŒnder ĂŒber verdĂŒnnte SalpetersĂ€ure und beobachtet die BerĂŒhrungsschicht, oder man verdampft einige Tropfen der FlĂŒssigkeit auf einem Uhrglase.

Wenn dieser Versuch ein positives Resultat giebt, d. h. wenn er die Anwesenheit gelöster Silbersalze anzeigt, so sĂ€uert man die ganze ammoniakalische FlĂŒssigkeit mit SalpetersĂ€ure an und fart d'dX im vorigen Falle fort.

596 Aufsuchung der freien Metalloide, der SĂ€uren, der Anhydride etc.

— Wenn die mit Silbemitrat zu prĂŒfence FlĂŒssigkeit sauer ist, so fĂŒgt man ihr direct einige Tropfen des Reagens zu, fart, wenn ein Niederschlag entsteht, mit dem Zusatz bis zu einem merklichen Ueberschusse fort und filtrirt sodann.

Den ausgewaschenen Niederschlag behandelt man mit Anunoniak, zur PrĂŒfung auf seine gĂ€nzliche oder theilweise Löslichkeit.

Andererseits ĂŒberschichtet man das Filtrat in einem Reagircylinder mit sehr verdĂŒnntem Ammoniak; wenn man nicht sofort an der Be- rĂŒhrungsschicht beider FlĂŒssigkeiten einen Niederschlag entstehen sieht, so wartet man, bevor man sich ein Urtheil bildet, einige Minuten, um dem Ammoniak Zeit zu geben, in die FlĂŒssigkeit zu diffundiren, und umgekehrt

— Mag die ursprĂŒngliche FlĂŒssigkeit sauer oder neutral oder alkalisch gewesen sein, stets behandelt man einen Theil des Filtrates vom ersten SUbersalz-Niederschlage mit schwefliger SĂ€ure oder mit Ferrosulfat in Gegenwart einer SĂ€ure; ein unter diesen UmstĂ€nden entstehender weisser Niederschlag wĂŒrde durch Reduction von Chlorat zu Chlorid veranlasst sein und also ersteres erkennen lassen).

— Wenn die zu analysirende Substanz ein fester, weisser oder schwach gefĂ€rbter Körper ist, so kann man, als Vorversuch, eine kleine Menge von ihr mit einer neutralen Lösung von SĂŒbernitrat behandeln; die löslichen, und selbst manche unlöslichen Salze, z. B. die Phosphate und Arsenate der alkalischen Erden, fĂ€rben sich in Folge der Bildung der entsprechenden Silbersalze. War die angewandte Menge der Substanz nicht gar zu gering, so kann man bisweilen feststellen, dass Substanzen, welche identisch zu sein scheinen, in Wirklichkeit doch verschieden sind, und. man kann auch nach der Farbe der Silberverbindungen, deren Entstehung sie veranlassen, ihre Natur beurtheilen.

Dieses Resultat wird sicherer erreicht, wenn man, statt die Silbernitrat-Lösung zu der zu analysirenden Substanz zu bringen, eine mit dem Reagens befeuchtete Glasplatte mit der Substanz bestreut: legt man die Platte zunÀ auf eine schwarze Unterlage, so erkennt man die weissen oder hell gefÀrbten NiederschlÀge; ersetzt man dann die schwarze Lnterlage durch eine weisse, so kann man die Entstehung deutlich gefÀrbter Silbersalze beobachten.

— Statt des Silbernitrates kann man auch das Silbersulfat anwenden; man benutzt eine kalt gesĂ€ttigte Lösung desselben.

2076. Hinsichtlich des Versuches mit Silber salz kann man die löslichen Metalloide und ihre Salze, einschliesslich der Derivate von MetallsĂ€uren, in vier wohl geschiedene Gruppen iheilen, je nachdem sie einen Niederschlag geben oder nicht, und dieser Niederschlag in verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure oder in Ammoniak löslich ist.

') Das Chlorat kann in der zu analysirenden Substanz bereits vorhanden gewesen oder durch die Einwirkung des Silbersalzes auf freies Chlor oder Hypochlorit erst eut&tanden sein.

Anwendung allgemeiner Reagentien. gQT

Gruppe. Es entsteht in genĂŒgend verdĂŒnnter, keine freie SĂ€ure enthaltender Lösung kein Niederschlag: Fluoride, Silicofluoride, Chlorate, Perchlorate, Sulfate, Nitrate, Nitrite, Permanganate.

Gruppe. Es entsteht ein in verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure und in Ammoniak löslicher Niederschlag: Hydrate, Cyanate, Hyposulöte, Sulfite i), Phosphate, Borate, Silicate, Carbonate, Arsenite, Arsenate, Chromate, Manganate.

Gruppe. Es entsteht ein in verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure unlöslicher, aber in Ammoniak löslicher Niederschlag: Chlor, Brom, Jod, Chloride, Bromide, Hypochlorite, Hypobromite, Bromate, Jodate, Cyanide, Ferricyanide, Sulfocyanide.

Gruppe. Es entsteht ein in verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure und in Ammoniak unlöslicher Niederschlag: Jod, Jodide, Ferrocyanide, Sulfide.

— Chlor und die Hypochlorite verhalten sich wie ein Gemisch von Chlorid und Chlorat (s. Fussnote auf voriger Seite); Brom und Jod geben gemischte NiederschlĂ€ge von Bronud und Bromat, Jodid und Jodat. Der durch Jod hervorgerufene Niederschlag ist daher zum Theil in Ammoniak löslich (Jodat), zum Theil darin unlöslich (Jodid); aus diesem Grunde steht Jod in zwei Gruppen. Die Hyposulfite verhalten sich wie ein Gemisch von Sulfid und Sulfat, wenn sie auch zunĂ€ einen unrestĂ€ndigen Niederschlag von Silberhyposulfit bewirken, und Sulfite geben reducirtes Silber und SchwefelsĂ€ure, welche von einer Zersetzung des zuerst entstehenden Silbersulfites herrĂŒhrt.

2077* Meronronitrat kann man gelöst leider nicht in neutralem Zustande erhalten (§ 980, Nr. 2); um es aufzulösen, muss man vielmehr mit SalpetersÀure stark angesÀuertes Wasser benutzen, und diese SÀure hinder in vielen FÀllen die Benutzung des Reagens. Auch sonst ist es in seiner Anwendbarkeit viel beschrÀnkter als das Silbernitrat.

Mit den einfachen normalen Cyaniden, ausgenommen Mercuricyanid, mit den Nitriten, sowie auch mit den Jodiden im Ueberschuss giebt Mercuronitrat einen Niederschlag von reducirtem Quecksilber; ausser diesen speciellen Reactionen verhÀlt sich das Reagens fast so wie Silbernitrat in Gegenwart einer SÀure, nur sind die NiederschlÀge, welche es bildet, in SÀuren weniger leicht löslich als die entsprechenden Silbersalz- NiederschlÀge; auch verschwinden sie nicht durch Ammoniak. Kurz, das Reagens hat nur geringen allgemeinen Werth.

2078 Bleinitrat oder neutrales Bleiaoetat. In neutralen und alkalischen Lösungen bewirken diese beiden Reagentien, welche man fast

Betreffs der Sulfite und besonders der Hyposulfite handelt es sich um einen unmittelbaren, d. h. durch directe Umsetzung entstandenen Niederschlag und nicht um Silbersulfid oder reducirtes Silber, welche durch Zersetzung dieses Niederschlag entstehen können. Bei diesen Salzen muss man also wohl bemerken, dass sie saurer oder ammoniakalischer Lösung durch Silbemitrat nicht gefallt werden.

g98 Aufsuchung der freien Metalloide, der SĂ€uren, der Anhydride etc.

ohne Unterschied anwenden kann, FĂ€llungen mit fast allen Salzarten. Mit Ausnahme des Sulfides und des Carbonates sind alle diese Nieder- Ă€ge in Alkalihydraten löslich, die meisten sind auch in SalpetersĂ€ure, selbst sehr verdĂŒnnter, löslich; einige von ihnen sind in EssigsĂ€ure un- löslich (z. B. Phosphat, Chromat). Will man von dieser letzteren Eigenschaft Nutzen ziehen, so wendet man rationeller das Acetat, nicht das Nitrat an.

2079. Baryum- Chlorid oder -Nitrat. Diese Salze sind fĂŒr uns nĂ€ dem Silbemitrat die wichtigsten Reagentien. Sie geben mit einer grossen Anzahl von Salzarten NiederschlĂ€ge, wenn die Lösung sĂ€urefrei ist; mit Ausnahme des Chromates und des Manganates sind alle diese NiederschlĂ€ge weiss. Alle, mit alleiniger Ausnahme des Sulfates*), sind in SĂ€uren löslich.

Hat man eine sĂ€urefreie Lösung zu analysiren, so giesst man in dieselbe Baryum-Chloridoder -Nitrat-Lösung, und wenn man eine FĂ€llung erhalten hat, setzt man verdĂŒnnte SalzsĂ€ure oder verdĂŒnnte Salpeter- sĂ€ure hindu 2). Ein weisser, amorpher, nicht flockiger und nicht gelatinöser RĂŒckstand ist Baryumsulfat.

Hat die Behandlung mit der SĂ€ure eine Entwickelung von Kohlen- sĂ€ure (Anwesenheit von Alkalicarbonat) bewirkt, so verjagt man dieses Gas durch Kochen. Die von einem etwaigen SulfatrĂŒckstande getrennte Lösung wird mit Ammoniak neutralisirt. Ein entstehender Niederschlag zeigt die Gegenwart von Phosphat etc. an 8). Sulfit wird ebenfalls durch diese Behandlung entfernt; man erkennt es an der Entwickelung von schwefliger SĂ€ure.

Will man die Baryumreagentien aui eine saure Lösung einwirken lassen, so beobachtet man zunĂ€, ob sich, in Gegenwart der SĂ€ure, ein Niederschlag (Sulfat) bildet; ist das der Fall, so setzt man das Reagens im Ueberschuss hindu, filtrirt, giebt zur FlĂŒssigkeit verdĂŒnotes Ammoniak und beobachtet, ob jetzt durch die Neutralisation eine TrĂŒbung entsteht (Jodat, Fluorid, Phosphat, Arsenat etc.) (siege § 2093).

2080. Perriohlorid reagirt in verschiedener Weise mit Salzen: durch FĂ€llung (Sulfide, Ferrocyanide, Phosphate), durch FĂ€rbung (Sulfocyanide, Sulfite und Hyposulfite 1*Âź Phase) oder durch Oxydation (Jodide, Sulfite und Hyposulfite 2'Âź Phase, Sulfide).

Baryumjodat ist in verdĂŒnnter SalzsĂ€ure sehr schwer loslich.

Man darf nicht vergessen, dass diese SÀuren, in starker Concentration angewandt, die Abscheidung eines Niederschlages von Baryumchlorid oder von Baryumnitrat bewirken können.

Vorausgesetzt, wohl verstanden, dass man nur mit Salzen von Alkalimetallen oder wenigstens durch Ammoniak nicht fÀllbaren Metallhydraten zu thun hat (siege Fussnote zu § 2068).

Man wendet eine Lösung an, welche möglichst keine Spur einer freien SÀure noch eines basischen Salzes enthÀlt; am besten bereitet man die Losung durch Auflosen von wasserfreiem (sublimirtem) Ferrichlorid in Wasser.

AnwenduDg allgemeiner Reagentien. g99

Bei den Reactionen der beiden ersten Kategorien darf die Lösung keine freie SĂ€ure enthalten, ausser bei den Ferrocyaniden und den Sulfocyaniden, bei welchen die freie SĂ€ure nicht schadet; bei den Oxydationsreactionen, d. h, bei denjenigen, durch welche das Ferrichlorid in eine Verbindung ĂŒbergenĂŒhrt wird, ist hingegen freie SĂ€ure meistens erforderlich und in keinem Falle schĂ€dlich.

Der Versuch mit Ferrichlorid wird einfach so ausgefĂŒhrt, dass man das Reagens nach und nach in die, gleichgĂŒltig wie beschaffene, Lösung der zu analysirenden Substanz giesst; man beobachtet die auftretenden Erscheinungen.

Ist die ursprĂŒngliche Lösung nicht sauer, so setzt man nach und nach verdĂŒnnte SalzsĂ€ure hindu, bis ein weiterer Zusatz das Aussehen des Gemisches nicht Ă€ndert, und berĂŒcksichtigt die möglicherweise auftretenden Erscheinungen. Dann giesst man in die angesĂ€uerte FlĂŒssigkeit einen oder zwei Tropfen einer frisch bereiteten, von Ferrocyanid ganz freien 1) Lösung von Kaliumferricyanid. Statt nach einander Ferrichlorid und Ferricyanid anzuwenden, um sich zu ĂŒberzeugen, dass die dem Versuche unterworfene Lösung keine die Ferrisalze reducirenden Substanzen enthĂ€lt, kann man auch, wenn es sich nur hierum handelt, direct eine gemischte Lösung anwenden).

Es ist noch darauf aufmerksam zu machen, dass Ferrichlorid in Verbindung mit Ferrosulfat zur Erkennung der normalen Cyanide dienen kann (§ 1548, Nr. 11).

208 Eine andere Kategorie von allgemeinen Reagentien umfasst diejenigen, welche dazu dienen sollen, festzustellen, ob die der Analyse unterworfenen Substanzen oxydirbar, d. h. Reductionsmittel sind, wie z. B. die Sulfite, oder ob die Substanzen reducirbar, d. h. Oxydationsmittel sind, wie z. B. die Chlorate, oder endlich ob die Substanzen in dieser Hinsicht indifferent sind, wie z. B. die Fluoride, Sulfate und Silicate.

2082 Das Ferri-Ferrioyaziid gehört zu der Gruppe von Reagentien, durch welche man Reductionsmittel erkennen kann (siege § 2093). Es ist sogar das beste dieser Gruppe, weil es leicht zu bereiten ist, durch FÀrbung wirkt und ein Ueberschuss ein Erkennen der Reaction nicht stört; andere Reagentien werden dagegen durch Reductionsmittel ent- fÀrbt, und unter diesen UmstÀnden bietet die Auffindung einer sehr kleinen Menge eines Reductionsmittels Schwierigkeiten.

Die anderen Reagentien dieser Gruppe sind das Kaliumpermanganat, die JodstÀrke und das Mohr'sche Papier.

2083 Kaliumpermanganat wird mehr oder weniger leicht redudrt, je nachdem man es in Gegenwart eines Alkalihydrates oder einer SÀure einwirken lÀsst; auch Concentration und Temperatur der

Siehe Fussnote zu § 569, Nr. 15 (Bd. I, S. 444). Von der von Ferrocyanid ĂŒberzeugt man sich durch einen Versuch mit Ferrichlorid. Siehe Fussnote zu § 1132, Nr. 12 (Bd. II, S. 144).

700 AofsuchuDg der freien Metalloide, der Sauren, der Anhydride etc.

Lösung, welcher man es zusetzt, sind von Einfluss. Chloride sind z. B. in Abwesenheit einer freien SĂ€ure ohne Einwirkung auf das Reagens und in Gegenwart freier SchwefelsĂ€ure reduciren sie das Permanganat nur bei einer Temperatur, welche um so höher sein muss, je verdĂŒnnter die Lösung ist

Im Allgemeinen lĂ€sst man das Permanganat auf verdĂŒnnte, kate und durch SchwefelsĂ€ure deutlich angesĂ€uerte Lösungen reagiren.

Um durch Permanganat eine Spur eines Reductionsmittels nachzuweisen, verfahrt man vergleichend: man bringt in zwei gleiche Reagircylinder gleiche Mengen von Wasser, welche mit SchwefelsÀure stark angesÀuert und durch gleich grosse Spuren von Permanganat rosa gefÀrbt sind, und giesst dann in den einen Cylinder die Lösung der zu untersuchenden Substanz und in den anderen ein gleiches Volumen Wasser; man kann dann leicht sehen, ob die zu analysirende Substanz eine Reduction bewirkt.

2084* Jodstarke (Jodwasser und StÀrkelösung) wird in Gegenwart einer SÀure von den meisten Salzen, welche Permanganat reduciren, entfÀrbt; die Bromide, Jodide, Ferrocyanide und Nitrite und ebenso die Arsenite thun es aber nicht, wenigstens nicht unter diesen Bedingungen. In Gegenwart von Natriumbicarbonat wirkt die JodstÀrke energischer. Ferner wird die JodstÀrke auch durch sehr energisch wirkende Oxydationsmittel entfÀrbt, ganz besonders von Chlor imd Brom in Gegenwart von Wasser, welche das Jod in JodsÀure verwandeln.

Nöthigenfalls verfÀhrt man auch hier vergleichend, wie bei Benutzimg von Permanganat. ErwÀrung darf nicht stattfinden.

2085. Das Mohr'sche Papier), welchem wir diesen Namen gegeben haben, lun eine weitschweifige Umschreibung zu vermeiden, ist Papier, welches mit Kaliumjodat, OxalsÀure und StÀrkelösung imprÀgnirt ist. Die von Mohr angegebene Mischung von Jodat und OxalsÀure wird vortheilhaft durch Kaliumbijodat ersetzt.

Unter dem Einfluss eines jeden Reductionsmittels wird ein Theil des Jodates zu Jodid reducirt; dann reagiren Jodwasserstoff und Jodsaure auf einander und das hieraus resultirende Jod giebt mit der StÀrke eine intensive BlaufÀrbung:

Um einen Versuch mit dem Mohr'schen Papiere auszufuhren, genĂŒgt es, auf ein StĂŒck desselben einen Tropfen der zu prĂŒfender Lösung zu geben. Bei PrĂŒfung eines Gases wendet man das Papier befeuchtet an.

Ebenso wie das Ferri-Ferricyanid hat das Mohr'sche Papier vor den beiden anderen Reagentien den Vorzug, dass die Reaction auf einer FĂ€rbung beruht; ein Ueberschuss des Reagens schadet in diesem Falle nicht.

Anwendung allgemeiner Reagentien. 701

2086. Das Permanganat, das Ferri-Ferricyanid, die Jodstarke und das Mohr 'sehe Papier, welche wir soeben als Reagentien zum Nachweise der Reductionsfahigkeit gewisser SÀuren bezeichnet haben, wirken nicht gleichmÀssig energisch. Alle Reductionsmittel, welche das Ferri- FerricyÀnid reduciren, wirken auch auf das Permanganat; aber einige Salzarten, welche Ferrisalze nicht reduciren, namentlich Bromide und Nitrite, entfÀrben es. Eine von metallischen Reductionsmitteln freie Mineralsubstanz, welche Permanganat entfÀrbt, aber mit Ferri-Ferricyanid keine blaue FÀrbung giebt, biuss also mindestens ein Salz dieser Kategorie enthalten (siege Fussnote 4 zu § 2093). Manche Verbindungen, welche z.B. Permanganat reduciren, sind auf JodstÀrke ohne Wirkung; solche Verbindungen sind die Jodide, Bromide, Ferrocyanide, Nitrite.

2087* Mehrere Reagentien lassen die Gegenwart von oxydirenden Stoffen erkennen; wir wollen von ihnen anfuhren: die JodidstÀrke- lösung, das Diphenylaminsulfat und die Indigolösung.

2088. Bie Jodidstarkelösunny ein Gemisch von StÀrkelösung und von jodat freiem Jodid i), wird in Lösung oder, einfacher, in Form eines Reagenzpapieres (ozonoskopisches Papier) angewandt

Die JodidstÀrke wird blau gefÀrbt von Chlor, Brom und Jod in freiem Zustande, ebenso von Stickstoffdioxyd (UntersalpetersÀure); in Gegenwart von etwas SÀure wird sie von den Hypochloriten, Hypobromiten, Bromaten, Jodaten, Ferricyaniden, Nitriten, Arsenaten, Antimoniaten, Chromaten, Manganaten und Permanganaten gefÀrbt.

Die Chlorate wirken auf JodidstĂ€rke nur, wenn man die Lösung der zu prĂŒfender Substanz vorher mit etwas SalzsĂ€ure erwĂ€rmt hat.

Hat man eine neutral oder alkalische Lösung zu analysiren, so prĂŒft man sie zuerst so, wie sie ist; dann sĂ€uert man sie durch Schwefel- sĂ€ure an; erhĂ€lt man unter diesen Bedingungen keine sichtbare Reaction, so prĂŒft man von Neuem nach Zusatz einer Spur von schwefliger SĂ€ure oder, wenn diese nicht zur Hand ist, einer Spur von Alkalisulfit oder auch Hyposulfit.

Den Versuch fĂŒhrt man entweder in der Weise aus, dass man einen Tropfen der FlĂŒssigkeit auf das Reagenzpapier giebt, oder indem man in einem Reagircylinder die Lösung und das flĂŒssige Reagens ĂŒber einander schichtet; man umgeht so die UebelstĂ€nde, welche die Gegenwart eines Ueberschusses des wirkenden Stoffes, z. B. Chlor, bei dem Versuche veranlassen kann.

Bei Gasen muss man, wie immer, das Reagens in Form von Papier, welches mit destĂŒlirtem Wasser befeuchtet ist, anwenden.

Cadmium-oder Zink-Jodid sind dem leichter verÀDderlichen und nicht immer ganz rein zu erhaltenden Kaliumjodid vorzuziehen. Man muss einen Ueberschuts von Jodid vermeiden; das Reagens (Lösung oder Papier) muss eine schöne blaue Farbe annebmeD, wenn man es mit eioer Spur von Chlor, Brom oder nitrosem Gase behandelt.

702 Aufsuchung der freien Metalloide, der Sauren, der Anhydride etc.

2089 Diphenylaminsul&t in schwach verdĂŒnnter, reiner Schwefel- sĂ€ure gelöst (1 : 10 000 der SĂ€ure, mit der HĂ€lfte hires Volumens Wasser verdĂŒnnt) ist ein ganz ausserordentlich scharfes Reagens fĂŒr alle oxydirenden Verbindungen, von Ferrisalzen und Ferricyaniden an bis zu Chlor, Brom, Nitriten, Nitraten, Hypochloriten, Chloraten und anderen Sauerstoflfsalzen der Halogene, ebenso auch auf Superoxyde und Metallsauren 2).

Man wendet es am besten durch Ueberschichtung an: man bringt 1 oder 2 cc des Reagens auf den Boden emes Reagircy linders und lĂ€sst dann auf die OberflĂ€che vorsichtig die zu prĂŒfence Lösung fliessen; die Contactzone nimmt schnell eine indigoblaue Farbe an, wenn nur die geringsten Spuren einer oxydirenden Substanz vorhanden sind.

2090. Indigo oder vielmehr IndigotiiisulfosÀarey auch Indigosulfat genannt, wird von Chlor, Brom und den Hypochloriten schnell entfÀrbt; die Nitrite und Nitrate entfÀrben es beim ErwÀrmen in Gegenwart von SchwefelsÀure oder SalzsÀure; dasselbe gilt von allen Verbindungen, welche bei Einwirkung der letzteren SÀure Chlor entwickeln (Chlorate, Chromate, Permanganate).

Die Chlorate entfÀrben Indigo schon in der KÀlte, wenn man etwas schweflige SÀure zusetzt (§ 1522, Nr. 3). Wie bei anderen ge- fÀrbten Reagentien muss man vergleichend verfahren (§ 2083), wenn man sehr kleine Mengen wirksamer Stoffe auffinden will.

2091 Die drei soeben von uns als zum Nachweis der Oxydationsfahigkeit mancher Substanzen geeignet angefĂŒhrten Reagentien Ă€ussern nicht gleiche Energie; einige SĂ€uren oder Salze reagiren nur mit dem einen, nicht aber mit den anderen. So zersetzt SalpetersĂ€ure unter den Versuchs-Bedingungen nicht die JodwasserstoffsĂ€ure und fĂ€rbt also nicht JodidstĂ€rke; sie reagirt mehr oder weniger schwierig mit Indigo; aber sie wird mit grosser SchĂ€rfe durch Diphenylamin aufgefunden. Fast dasselbe gilt von den Chloraten.

2092. Die Versuche auf trockenem Wege, welche wichtig genug sind, um auch bei Gelegenheit der allgemeinen Aufsuchung der Metalloidverbindungen in Erinnerung gebracht zu werden, sind sehr gering an Zahl. In dem Abschnitte ĂŒber Vorversuche war bereits die Rede von ihnen. Wir erinnern an die allgemeine Aufsuchung des Schwefels durch HerbeifĂŒhrung der Bildung von Schwefelleber (§ 1594, Nr. 11) und an die der Siliciumverbindungen durch Phosphorsalz (§ 1917, Xr. G);

Im Handel erhĂ€lt man schwer eine SchwefelsĂ€ure, welche sich mit Diphenylamin nicht im Geringsten fĂ€rbt; aber die schwache FĂ€rbung, welche die als „rein" verkaufte SĂ€ure giebt, stört die ĂŒbliche Benutzung des Reagens nicht.

Zum Ueberflusse kann man auch die kĂ€ufliche SĂ€ure durch andauerndes Kochen reinigen, nachdem man sie auf einen Gehalt von 60 Âź/q (sp. G. 1,5; etwa 10 Vol. reine SĂ€ure und 12 Vol. Wasser) verdĂŒnnt hat.

Anwendung allgemeiner Reagentien. 703

man kann ihnen noch die Aufsuchung der Phosphate durch Magnesium (§ 1828, Nr. 13) anreihen.

2093. Die nachstehende Tabelle, welche die Metalloide und die verschiedenen Metalioidverbindungen, die in Wasser löslich sind, nach der Wirkung ihrer Lösungen auf Ferri-Ferricyanid, Jodidstarke, Silbernitrat und Bar}'umsalze gruppirt, macht die Ermittelung der Natur einer einfachen Substanz, hinsichtlich der in ihr enthaltenen Metalloide bez. SĂ€uregruppen, leicht und soll als eine UnterstĂŒtzung bei der Analyse complicirter Stoffe dienen. Um sie noch brauchbarer zu machen, haben wir hinter jeder Substanz einige ihrer besonders charakteristischen Eigen SchĂ€ften in KĂŒrze angegeben.

Reducirende Stoffe,

Ferri-Ferricyanid fÀrbend. L FÀllbar durch AgNO, in neutraler Lösung.

A. FĂ€llbar durch .BaClg in neutraler oder ammoniakalischer

Lösung.

1. Sulfit I SĂ€uren entwickeln /SOj ; roth FĂ€rbung durch Natrium-

1 nitroprussid, Zinksulfat und Kaliumferrocyanid.

2. Hyposulfit) ... SÀuren entwickeln SO, und fÀllen Schwefel; violette

, FĂ€rbung mit Fe,Clß in neutraler Lösung.

B. Nicht fÀllbar durch BaClg.

3. Jodid I lcr Silbemiederschlag ist gelb, unlöslich in NHg ; Chlor

und salpetrige SĂ€ure machen Jod frei.

4. Ferro Cyanid -) . . ' Blauer Niederschlag durch Ferrichlorid allein; braun-

I violetter Niederschlag durch Cuprisalze.

5. Sulfid lcr Silberniederschlag ist schwarz, unlöslich in NH ;

violette FĂ€rbung durch Natriumnitroprussid.

6. Polysulfid Dieselben Eigenschaften wie die vorigen, normalen

I Sulfide; ihre Lösung ist gelb oder braun; FÀllung von ! Schwefel durch SÀuren.

8. Nitrit i Giebt mit SÀuren röthliche DÀmpfe ; blÀut ozonoskopisches

Papier; Griess'sche Reaction.

n. Nicht fÀllbar durch AgNO. A. FÀllbar durch BaCU in neutraler oder ammoniakalischer

Lösung.

Es giebt keine in diese Kategorie einzureihenden Salze.

Durch BaCI, nur in concentrirter Lösung FÀlluug. 1

Ferri-Ferricyanid wird durch Ferrocyanid blau gefÀrbt, wie alle Ferrisalze, .:

ohne dass Reduction eintritt; das Ferrocyanid ist daher in Wirklichkeit iu

auf das hier angewandte Reagens kein Reductionsmittel.

704 AnfsuchuDg der freien Metalloide, der SĂ€uren, der Anhydride etc.

B. Nicht fÀllbar durch BaClg. . . I Siehe Nr. 8.

Indifferente Stoffe.

weder Fem-Ferric5raid noch JodidstÀrke fUrbend. L FÀllbar durch AgNO, in neutraler Lösung.

A. FĂ€llbar durch BaClj in neutraler oder ammoniakalischer

Lösung.

Sofortiger gelber Niederschlag durch H,S ; rother Niederschlag von Co,0 durch CuSO und einen Ueberschuss eines Alkalibydrates.

Gelber Niederschlag durch MolybdÀnlosung; weisser krystallinischer Niederschlag durch Magnesiummixtur.

Mit Turner' s Reagens erhitzt, fĂ€rbt es die Flamme grĂŒn; die mit SalzsĂ€ure angesĂ€uerte Losung fĂ€rbt Curcumapapier roth.

Giebt mit SÀuren gelatinöse, mehr oder weniger losliche I KieselsÀure; mit Ammoniumchlorid flockiger, weisser I Niederschlag.

14. Carbonat 1 Bewirkt mit SĂ€uren Aufbrausen; neutral wird es durch

I CaCI, gefÀllt, sauer (Bicarbonat) wird es in der KÀlte I durch CaClj nicht gefÀllt.

R. Nicht fĂ€llbar durch ßaClj.

10. Hydrat ler Silbemiederschlag ist grau; brauner Niederschlag

durch das Reagens von Dobbin - De Koninck; auf Zusatz von BaCl, FĂ€llung durch CO,.

Silbemiederschlag weiss, loslich in AmHCO,; mit CrO, und H,SO erhitzt, bildet es Chromylchlorid.

Silberoiederschlag gelblich, unlöslich in AmHCO, ; giebt mit Chlorwasser Brom, welches in Chloroform löslich ist.

Mit wasserfreiem NaSjO, in geschlossener Röhre behandelt, giebt es Sulfocyanid ; ein Ferro - Ferrisalz -f- KOH, dann HCl, geben Berliner Blau.

Sulfocyanid* . . . Blutrothe FÀrbung mit Ferrisalzen in .saurer Lösung;

weisser Niederschlag mit CuSO + SO,. Borat) Siehe Nr. 12.

Die FĂ€rbung durch Ferricyanid ist wenig intensiv; sie erscheint unregelmĂ€ssig und rĂŒhrt nicht von einer Reduction, sondern von einer mehr oder weniger tiefeifenden Zersetzung des Reagens her.

Die Nitrite werden durch AgNOg nur in kalter und concentrirter Lösung gefÀllt.

Die mit bezeichneten Stoffe sind, obwohl unter die Groppe der indifferenten oder selbst oxydirenden Stoffe eingereiht, gegenĂŒber dem Permanganate in saurer Lösung Reductionsmittel.

") Die Arsenite und Borate werden durch BaCl nicht regelmÀssig gefÀllt.

AnwenduDg allgemeiner ReageDtien.

n. laicht fSJlbar durch AgNOs-

A. FĂ€llbar durch BaCIg in neutraler oder ammoniakalischer

Lösung.

22. Fluorid Griebt mit H,SO behandelt HFl, welcher Glas angreift;

mit + SiO, entsteht SiFl, ein Gas, welches mit NHOH KieselsÀure abscheidet.

23. Sulfat ; Jc Baryumniederschlag ist in SĂ€uren, selbst in ziemlich

I concentrirten, unlöslich ; im Reductionsfeuer mit NaCO erhÀlt man Schwefelleber.

Giebt mit NHOH gelatinöse KieselsÀure; wird durch Kaliumsalze gefallt.

B. Nicht fÀllbar durch BaCL

I Giebt, mit Aluminium -f- K.OH behandelt, NH3; mit FeSO in Gegenwart von H,SO entsteht braunschwarze FĂ€rbung. Griess'sches Reagens ist ohne Einwirkung.

2G. Chromat 1 Gelbe Lösung; Reaction

neutral.

Oxydiren De Stoffe,

die JodidstÀrke fÀrbend.

L FÀllbar durch AglO in neutraler Lösung.

A. FĂ€llbar durch BaClj in neutraler oder ammoniakalischer

Lösung.

Silbemiederschlag roth;

Baryumniederschlag blass-gelb

; mit HCl+HO, intensiv

blaue FĂ€rbung, welche sich

zugesetztem Aether mittheilt.

Intensiv grĂŒne Lösung, deren Farbe durch SĂ€uren in Roth ĂŒbergeht, in Folge der Bildung von Permanganat.

Mit H,S in Gegenwart einer SÀure, besonders WeinsÀure, orangerother Niederschlag; Bunsen*scher Versuch.

Silbemiederschlag chocoladebraun ; durch MolybdĂ€n flĂŒssigkeit beim ErwĂ€rmen gelber Niederschlag ; durch Mnguesiummixtur weisser krystallinischer Niederschlag.

Giebt bei Einwirkung irgend eines sauren Reductionsmittels, in kleiner Menge angewandt, Jod.

Orangefarbene Lösung; Reaction sauer.

B. Nicht fÀllbar durch BaCIg.

. . Charakteristischer Gemch; Farbe gelblichgrĂŒn; entfĂ€rbt sofort Indigo.

Die za dieser Kategorie gehörenden Verbindungen werden auch in schwach saurer Lösung von Baryumchlorid gefÀllt.

Die Lösung von Silicofluoriden darf nicht ammoniakalisch gemacht werden, da Ammoniak diese Salze, welche sauer reagiren, zersetzt.

De Koninck-Meineke, Alineialanalysc. IT.

706 Aufsuchung der freien Metalloide, der SĂ€uren, der Anhydride etc.

Charakteristischer Geruch; Farbe braunroth; wird dr wÀsserigen Lösung durch Chloroform, welches durch Brom gelb oder braun gefÀrbt wird, entzogen.

Charakteristischer Geruch ; Losung, je nach Concentration, gelb bis braunroth ; das Jod wird ihr durch Chloroform, unter Rosa-oder ViolettfÀrbung desselben, entzogen; giebt mit StÀrke eine blaue FÀrbung.

Charakteristischer Geruch; giebt mit Bleiund Mangano- Lösungen braunschwarze NiederschlÀge von Superoxyd.

Giebt bei Einwirkung von SÀuren Brom; verhÀlt sich im Allgemeinen wie Hypochlorit.

Giebt bei Einwirkung jeder in kleiner Menge angewandten sauren reducirenden Substanz Brom; entfÀrbt Indigo.

LöÀUtig intensiv grĂŒnlichgelb; wird durch Ferrosalze blau gefĂ€llt; Silberniederscblag braun, in NH loslich.

U. Nicht fÀllbar durch AgNO.

A. FĂ€llbar durch BaClg in neutraler oder ammoniakalischer

Lösung.

Es giebt keine in diese Kategorie einzureihenden Salze.

B. Nicht fÀllbar durch BaClg.

Lösung hat intensiv rothviolette Farbe, die unter dem EinflĂŒsse eines Alkalihydrates und eines schwachen Reductionsmittels in GrĂŒn ĂŒbergeht; durch jede saure reducirende Substanz verschwindet die Farbe.

Die mit einem Silbersalze versetzte Lösung giebt auf Zusatz von SO, Silberchlorid; entfÀrbt Indigo auf Zusatz von wenig SO,.

Siehe Nr. 9.

Verfahren beim Aufsuchen der Metalloide.

2094. Die beim Aufsuchen der Metalloide anzuwendenden Verfahren wechseln mehr oder weniger mit der Natur und den physikalischen Eigenschaften der zu analysirenden Substanz.

Wir ĂŒbergehen die Analyse von Gasgemischen (siege § 2046 am ĂŒsse) und befassen uns nur mit flĂŒssigen und festen Substanzen.

Eine flĂŒssige Substanz (im Allgemeinen eine wĂ€ssrige Lösung) kann Lakmus gegenĂŒber neutral, sauer oder alkalisch sein.

NeutralitÀt, AciditÀt oder AlkalitÀt bilden wichtige Eigenschaften, da sie die Gegenwart oder Abwesenheit gewisser Verbindungen anzeigen

Jod fÀrbt die StÀrkelösung, ohne auf das gleichzeitig vorhandene Jodid zu wirken; in Bezug auf das aogewandte Reagens ist es also kein eigentliches Oxydationsmittel.

Verfahren beim Aufsuchen der Metalloide. 707

und die Wahl der anzuwendenden Verfahren beeinflussen. Es ist daher angebracht, jeden dieser FĂ€lle fĂŒr sich zu betrachten.

Ist die zu prĂŒfence Substanz fest, so sind — in Bezug auf ihre Wasserlöslichkeit — folgende FĂ€lle zu unterscheiden:

1. sie ist vollstÀndig und leicht in kaltem Wasser löslich) (das Lösungsmittel in der 50-bis 100 fachen Gewichtsmenge der Substanz angewandt);

2. sie ist theil weise in Wasser löslich;

3. sie ist in Wasser unlöslich.

Im ersten Falle bewirkt man die Lösung vollstĂ€ndig, worauf man hinsichtlich der Analyse wie mit einer flĂŒssigen Substanz zu verfahren hat.

Im zweiten Falle behandelt man die Substanz nut kaltem Wasser und wĂ€ den RĂŒckstand vollstĂ€ndig aus; man erhĂ€lt so eine Lösung (flĂŒssige Substanz) und einen RĂŒckstand (unlösliche Substanz).

Den written Fall werden wir fĂŒr sich behandeln.

Nach dem Gesagten haben wir also vier Kategorien von Stoffen zu betrachten:

1. gegen Lakmus neutral FlĂŒssigkeiten,

4. feste, in Wasser unlösliche Substanzen.

Alle anderen FĂ€lle lassen sich, wie wir soeben gesehen haben, durch eine einfache Behandlung mit Wasser auf die vorstehenden zurĂŒckfĂŒhren.

Lösung oder in Wasser lösliche Substanz, gegen Lakmus neutral.

2095. In Wasser ganz lösliche Substanzen, oder Lösungen, welche neutral, d. h. auf Lakmus ohne Einwirkung sind, sind frei von Chlor, Brom und Jod in freiem Zustande (welche ausserdem schon bei den Vorversuchen hĂ€tten erkannt werden mĂŒssen); sie sind auch frei von Schwefel, Phosphor, Kohlenstoff in elementarem Zustande, ĂŒberhaupt frei von jedem unlöslichen Bestandtheile.

Eine solche Substanz kann auch keine Hypochlorite und Hypobromite, einfachen Cyanide (ausgenommen Mercuricyanid), Sulfide, Phosphate und Arsenate (ausgenommen die zweimetallischen Phosphate und Arsenate) der Alkalimetalle), femer keine Carbonate, Silicate, Hydrate, Oxyde und Manganate enthalten. Sie enthÀlt auch keine Silicofluoride, da diese saure Reaction besitzen.

Die gestellte Aufgabe ist also, wie man sieht, sehr vereinfacht.

Eine BehandluDg mit heissem Wasser könnte die Natur der vorhandenen Salze Àndern; namentlich könnten Hypochlorite in Chlorate und Chloride umgewandelt werden.

Die Arsenate und die anderen Derivate von MetallsÀuren und auch manche Phosphate werden oft bereits beim Aufsuchen der Metalle erkannt worden sein.

708 Aufsuchung der freien Metalloide, der SĂ€uren, der Anhydride etc.

Die Kenntniss der Metalle, welche in der Substanz enthalten sind, bringt eine weitere Vereinfachung mit sich, wenigstens wenn andere als Alkalimetalle zugegen sind (siege § 2066).

Ein Versuch mit Silbernitrat (§ 2075) wird gewöhnlich der erste sein, zu welchem man greift; gut ausgefĂŒhrt, wird er sehr wichtige Fingerzeige geben.

Ruft dieses Reagens keinen Niederschlag hervor, so kann die Substanz nur Fluorid, Chlorat, Sulfat, Nitrit i) oder Nitrat enthalten.

Ein Zusatz von schwefliger SÀure wird dann die Gegenwart oder Abwesenheit von Chlorat erkennen lassen (§ 1522, Nr. 6).

EnthÀlt die Substanz Baryumsalze, in welchem Falle sie von Fluorid und Sulfat frei ist, so kann schweflige SÀure nicht direct angewandt werden; man muss vielmehr erst das Baryum durch ein neutrales Alkalisulfat entfernen, oder eine besondere Probe in Arbeit nehmen und in dieser vor dem ZusÀtze des Silbersalzes das Chlorat durch Zink und SchwefelsÀure reduciren, wodurch gleichzeitig das Baryum gefallt wird.

Fehlt Baryum, so hat man in einer neuen Probe aufzusuchen: 1) die Fluoride, durch concentrirte SchwefelsĂ€ure, wenn man direct die festive Substanz behandeln will, oder durch Calciumsalze, wenn man die Reaction in der Lösung vornehmen muss; 2) die Sulfate, durch Bar}'umchlorid oder Baryumnitrat in Gegenwart von SalzsĂ€ure, oder durch Schwefelleber-Bildung; 3) die Nitrate und Nitrite durch irgend ein Verfahren, welches man in RĂŒcksicht auf die vorhandenen Metalle und auf etwa vorhandenes Chlorat als das geeignetste erachtet.

Wenn Silbernitrat einen Niederschlag bewirkt, so setzt man das Reagens in geringem Ueberschuss hindu, schĂŒttelt tĂŒchtig durch und filtrirt

In dem Fil trĂ€te sucht man Chlorat auf; man kann in demselben auch Fluorid und Sulfat aufsuchen; gewöhnlich kommt man aber schneller zum Ziele, wenn man fĂŒr die Aufsuchung des Fluorids eine neue Substanzprobe nimmt, und das Sulfat erst bei der allgemeinen Behandlung mit Baryumsalz aufsucht Ebenso wendet man eine neue Probe fĂŒr die Nitrate und Nitrite an, welche man aber auch in dem Filtrate aufsuchen kann, wenn man zur FĂ€llung statt des Silbemitrates Silbersulfat benutzt.

Der Silbersalz-Niederschlag, dessen Farbe schon Fingerzeige gegeben haben kann, wird vollstĂ€ndig ausgewaschen und dann mit verdĂŒnnter SalpetersĂ€ure digerirt; eine event. VerĂ€nderung der Farbe wird notirt; bleibt ein RĂŒckstand, so trent man ihn durch Filtration und ermittelt dann durch genaue Neutralisation des Filtrates (§ 2075), ob die SĂ€ure Silbersalze gelöst hat.

Den RĂŒckstand behandelt man mit Ammoniak im Ueberschusse, welches in der Regel mindestens einen Theil auflösen wird. Ein jetzt noch verbleibender RĂŒckstand kann nur noch von Jodid oder Ferro-

Silbernitrat ruft in neutralen, nicht zu verdĂŒnnten, kalten Nitrit-Lösungen einen gelblich weissen Niederschlag hervor (vergl. § 1805, Nr. 14).

Verfahren beim Aufsuchen der Metalloide. 709

Cyanid herrĂŒhren, da in einer neutralen, in Wasser löslichen Substanz Sulfide nicht vorhanden sein können.

Ein Versuch mit Baryum-Chlorid oder -Nitrat (§ 2079) wird sich in der Regel an denjenigen mit Silbernitrat anschliessen. Hat man gefunden, dass das Reagens in der neutralen Lösung einen Niederschlag hervorruft, so ermittelt man weiter, ob dieser Niederschlag beim Behandeln mit SalzsĂ€ure oder SalpetersĂ€ure einen RĂŒckstand von Sulfat hinterlĂ€sst.

Wenn die Anzeichen, welche frĂŒhere Versuche gegeben haben, einen Versuch erst mit Ferrichlorid allein (§ 2080) und dann mit Ferrichlorid undKalium-Ferricyanid(§2080, S. direct mitFerri- Ferricyanid (§ 2082) nicht unnĂŒtz erscheinen lassen, so benutzt man zu diesen Versuchen eine neue Substanzprobe; selbst wenn Ferri-Ferricyanid die Gegenwart eines reducirenden Stoffes hat erkennen lassen, muss man doch durch ozonoskopisches Papier (§ 2088) oder durch Diphenylaminsulfat (§ 2089) oder in anderer Weise nach oxydirenden Bestandtheilen suchen; denn in neutraler Lösung können viele von oxydirenden SĂ€uren derivirende Salze neben reducirenden Substanzen bestehen.

Combination und ĂŒberlegendes Studium der Resultate der vorstehend angegebenen Versuche werden fast vollkommen die Aufgabe der Ermittelung der verschiedenen Salzarten, welche in der der Analyse imterworfenen Substanz enthalten sind, lösen lassen; jedenfalls kann die Anzahl der nicht ermittelten Salzarten nur sehr gering sein. Kann man die Gegenwart solcher Salze noch annehmen, so mĂŒssen speciell auf sie gerichtete Versuche, bei welchen die Natur der ermittelten BestandtheĂŒe in Rechnung gezogen werden muss, ausgefĂŒhrt werden.

Gerade in diesem Falle wird die Tabelle, von welcher wir in § 2067 das Schema gegeben haben, grosse Dienste listen. Selten wird eine neutral und in Wasser lösliche Substanz, bei Abwesenheit organischer Stoffe, Metalle enthalten, deren Gegenwart bei der Aufsuchung metalloidischer Verbindungen störend sein könnte. Im Allgemeinen wird man sie leicht entfernen können, indem man die Lösung in der WĂ€rme nĂŒt Natriumcarbonat bis zur deutlichen alkalischen Reaction behandelt und dann filtrirt.

Sollte Quecksilber als Cyanid vorhanden sein, so ist es durch Behandeln des Filtrats mit Schwefelwasserstoff zu entfernen.

Lfösung oder in Wasser lösliche Substanz, gegen Liakmus sauer. 2096 Eine saure Lösung oder eine saure in Wasser lösliche Substanz kann weder ein Hydrat noch ein Hypobromit, noch irgend ein Sulfid, noch ein Hyposulfit, noch ein Nitrit, noch ein Silicat, noch ein neutrales Carbonat, noch endlich ein Manganat oder ein Antitnoiit enthalten; denn entweder haben diese BestandtheĂŒe alkalisch "5;jeaie\!\oTv

710 Aufsuchung der freien Metalloide, der SĂ€uren, der Anhydride etc.

oder sie können in saurer Lösung nicht bestehen. Wohl aber können in einer sauren Lösung vorhanden sein: geringe Mengen Schwefelwasserstoff, leicht am GerĂŒche erkennbar, Spuren von salpetriger SĂ€ure, etwas lösliche KieselsĂ€ure (welche jedoch bei der Aufsuchung der Metalle bereits gefunden worden sein muss), und schliesslich KohlensĂ€ure, welche an ihrer bekannten Weise, sich zu entwickeln (kĂŒnstliche und naturliche MineralwĂ€sser), oder durch ihre Wirkung auf Kalkwasser erkennbar ist. RĂŒhrt die AciditĂ€t ausschliesslich von KohlensĂ€ure her, was man daran erkennt, dass das geröthete Lakmuspapier beim Trocknen wieder seine blaue Farbe annimmt, so wird die Lösimg durch Kochen oder Abdampfen neutral oder selbst alkalisch. Wie jede lösliche oder in Lösung befindliche Substanz, ist auch eine solche saure Substanz frei von Schwefel, Phosphor und Kohlenstoff in elementarem Zustande.

Die Gegenwart oder Abwesenheit von Phosphat wird gewöhnlich schon bei der Aufsuchung der Metalle festgestellt; sonst aber kann die PrĂŒfung darauf durch MolybdĂ€nflĂŒssigkeit geschehen, und zwar direct in der ursprĂŒnglichen Lösung, wenn die Substanz frei von Arsen ist, im anderen Falle indirect, nach Ausfallung des Arsens durch Schwefelwasserstoff, in der vom Niederschlage abfiltrirten FlĂŒssigkeit.

EnthĂ€lt die Substanz Chlor oder Brom in freiem Zustande oder irgend einen anderen energisch oxydirenden Bestandtheil, was bezĂŒglich der beiden ersten nur der Fall sein kann, wenn die Substanz als Lösung vorliegt, so ist sie als frei von reducirenden Verbindungen anzusehen, und umgekehrt; hierdurch werden die zu beantwortenden Fragen wesentlich vereinfacht. Freies Jod schliesst ebenfalls die Anwesenheit der meisten reducirenden Stoffe aus.

Man wird deshalb im Allgemeinen gut thun, zuerst einen Versuch in dieser Richtung auszufĂŒhren, wenn nicht etwa frĂŒhere Versuche (Vorversuche beim Aufsuchen der Metalle) seine Entbehrlichkeit dargethan haben.

Man kann z. B. schnell einen Versuch mit Permanganat oder, wenn dieser Versuch Zweifel hinterlĂ€sst, mit Ferri-Ferricyanid oder mit JodstĂ€rke oder mit Mohr'schem Papier ausfĂŒhren.

Findet man keinen reducirenden Stoff, so nimmt man seine Zuflucht zu ozonoskopischem Papier oder zu einem anderen Reagens auf oxydirende Stoffe.

— Ein Versuch mit Silbemitrat (§ 2075) und ein anderer mit einem der bekannten Baryumsalze (§ 2079), beide Versuche gefolgt von einer PrĂŒfung des Verhaltens der von einem etwaigen Niederschlage durch Filtriren getrennten FlĂŒssigkeit bei Neutralisation, geben auch hier werthvolle Fingerzeige.

Es versteht sich von selbst, dass, wenn die saure FlĂŒssigkeit durch Ammoniak fallbare Bestandtheile enthĂ€lt, der letzte Theil der vorstehend angegebenen Versuche nicht direct ausgefĂŒhrt werden kann.

— Bei sauren FlĂŒssigkeiten ist es öfter als bei neutralen erforderlich,

Verfahren beim Aufsuchen der Metalloide. 711

fĂŒr gewisse Versuche die Metalle durch geeignete Reagentien zu entfernen. Gewöhnlich wĂ€hlt man dazu Natriumcarbonat; man darf aber nicht vergessen, dass dieses Reagens bei seiner Einwirkung auf eine saure FlĂŒssigkeit eine FĂ€llung von Fluoriden und namentlich von Phosphaten veranlassen kann, denn beide werden von der SĂ€ure in Lösung gehalten und bisweilen, selbst durch einen Ueberschuss des Reagens, nicht zersetzt.

Die, wenn nöthig, gelöste Substanz wird mit Natriumcarbonat bis zur deutlichen alkalischen Reaction versetzt, und das Gemisch wird erwÀrmt. EnhÀlt die Substanz Ammoniumsalze, so setzt man das ErwÀrmen, nöthigenfalls unter öfterem ZusÀtze des Reagens, fort, bis das Ammoniak entfernt ist und die alkalische Reaction bestehen bleibt.

Im Filtrate findet man, gemischt mit dem Carbonat-Ueberschusse, die Alkalisalze aller SĂ€uren, welche die Substanz ursprĂŒnglich enthalten hatte, mit Ausnahme vielleicht von PhosphorsĂ€ure und ArsensĂ€ure, welche man in der salpetersauren Lösung des Niederschlages aufsuchen kann, und von Fluor, welches man stets besser in der ursprĂŒnglichen Substanz aufsucht.

Lösung oder in Wasser lösliche Substanz, gegen Lakmus alkalisch.

2097* Die Untersuchung einer solchen Substanz oder einer solchen Lösung bietet praktisch in der Regel keine erheblichen Complicationen; alkalische Gemische sind vielmehr fast immer sehr einfacher Natur. Theoretisch scheint freilich die Analyse eines solchen Gemisches, be sonders in RĂŒcksicht auf die metalloidischen Verbindungen, die verwickeltste zu sein, welche vorkommen kann; denn in Gegenwart eines Alkalihydrates schliesst fast keine Salzart eine andere aus, nur die am energischsten wirkenden und wenig bestĂ€ndigen Oxydationsmittel, wie Hypochlorite, Manganate und Permanganate, können nicht neben energisch wirkenden Reductionsmitteln, wie z. B. Jodiden und Alkalisulfiden, bestehen.

Die AlkalitĂ€t einer Substanz, wenn sie nicht von Anmioniak her- rĂŒhrt, was man leicht am GerĂŒche erkennt, zeigt die Gegenwart von Hydraten, von einfachen Cyaniden oder von Sulfiden der Alkalimetalle oder Alkalierdmetalle, von den entsprechenden Sulfosalzen, von Carbonaten, Silicaten oder Boraten der Alkalimetalle, von Antimoniaten oder Arseniten, oder von dreimetallischen Alkali -Arsenaten oder -Phosphaten an.

Die unlöslichen Metalloide und freien Halogene sind ausgeschlossen, ebenso die Silicofluoride und alle freien Anhydride oder SĂ€uren, ausgenommen die sehr schwachen, auf Lakmus nicht oder nur sehr schwach sauer reagirenden SĂ€uren, wie Schwefelwasserstoff (siege § 1608, Nr. 2) und Cyanwasserstoff (siege § 1548, Nr. 1), welche man Ge- rĂŒche erkennt, und vielleicht auch BorsĂ€ure (siege § 189B, r.

712 Aufsuchung der freien Metalloide, der Sauren, der Anhydride etc.

Diese drei SÀuren können indessen in freiem Zustande neben Ammoniak oder einem Alkalihydrate nicht bestehen*

Die Vorversuche, besonders derjenige mit SalzsĂ€ure (§ 2048, Nr. 20), und die Operationen, welche beim Aufsuchen der Metalle ausgefĂŒhrt wurden, werden bereits im Allgemeinen gezeigt haben, von welcher Verbindung die AlkalitĂ€t herrĂŒhrt. Die Sulfide, die Cyanide mit alkalischer Reaction und die Carbonate werden sich zu erkennen gegeben haben entweder durch frei gewordenen Schwefelwasserstoff bez. Cyanwasserstoff, oder durch Aufbrausen von entweichender KohlensĂ€ure und deren eventuelle Einwirkung auf Kalkwasser.

Die Phosphate imd SĂŒicate werden gewöhnlich ebenfalls bei der Aufsuchung der Metalle entdeckt worden sein; ĂŒbrigens bietet ihre Feststellung keine Schwierigkeit.

Ammoniak, Ammonium - Carbonat und -Sulfid verschwinden beim Eindampfen ihrer Lösung. RĂŒhrt die AlkalitĂ€t, wenigstens theilweise, von diesen Verbindimgen her, so dampft man auf dem Wasserbade bis zum Aufhören der Entwickelimg ammoniakalischer DĂ€mpfe ein; erforderlichen Falles ninunt man den durch eine erste Eindampfung erhaltenen RĂŒckstand mit Wasser auf und wiederholt die Operation. Das schliessliche Product behandelt man mit heissem Wasser.

Ist die nach dieser Behandlung erhaltene FlĂŒssigkeit neutral oder selbst, was vorkommen kann, schwach sauer, so ist die Aufgabe auf den Fall eines neutralen, löslichen Stoffes (§ 2095) oder auf den eines Ă€hnlichen Stoffes und einer unlöslichen Substanz (§ 2098) zurĂŒckgefĂŒhrt, je nachdem der AbdampfungsrĂŒckstand vollstĂ€ndig im Wasser gelöst ist oder nicht.

Ist der AbdampfungsrĂŒckstand alkalisch, so behandelt man ihn mit Wasser, bis er völlig verschwunden ist; ein eventueller unlöslicher RĂŒckstand wird fĂŒr sich behandelt.

Mit der Gegenwart von Anmioniak ist das Vorhandensein von Hypochlorit oder Hypobromit unvereinbar (§ 1508, Nr. 3).

Liegt eine lösliche alkalische Substanz oder eine solche in Lösung zur Analyse vor, so theilt man die aufzusuchenden Salzarten in zwei Gruppen, indem man die FlĂŒssigkeit mit Baryumnitrat in leichtem Ueberschusse behandelt und dann filtrirt.

TrÀgt an der AlkalitÀt der analysirten Substanz irgend ein anderer Umstand als die Gegenwart von Ammoniak, eines Hydrates, Cyanides oder Sulfides die Schuld, so wird das Filtrat neutral sein. Ist es alkalisch, so ist mindestens eine der angegebenen Verbindungen vorhanden. War Ammoniak nicht vorhanden oder ist es entfernt worden, so erkennt man ein Hydrat durch Mercurichlorid (gelber Niederschlag, Oxyd), und zwar entweder direct, wenn die Substanz frei von Sulfid ist, oder nach Zerstönmg des Sulfides durch Wasserstoffsuperoxyd; in Gegenwart eines Cyanides muss man das Mercurisalz in grösserer Menge an-

Verfahren beim Aufsuchen der Metalloide. 713

wenden, als erforderlich ist, um das Cyan in Mercuricyanid ĂŒberzufĂŒhren (umgekehrte FĂ€llung zu empfehlen).

In den meisten FĂ€llen werden die Resultate der PrĂŒfungen mit Silbemitrat, ozonoskopischem Papier und Ferri-Ferricyanid oder Mohrschem Papier, zusammen mit den frĂŒher erhaltenen Anzeichen ausreichen, um Salze, welche in dem barytischen Filtrate vorhanden sein können, zu erkennen, oder sie werden wenigstens den Weg genĂŒgend klar weisen, um durch specielle Reactionen diejenigen Salze aufzufinden, deren Gegenwart oder Abwesenheit bisher nicht sicher erwiesen werden konnte.

Der gut ausgewaschene Baryumsalz-Niederschlag kann folgende Salzarten enthalten): Fluoride, Bromate(?), Jodate, Hyposulfite(.'), Sulfite, Sulfate, Phosphate, Borate (?), Silicate, Carbonate, Antimoniate, Arsenite(?), Arsenate, Chromate und Manganate.

Unter diesen Salzarten wird die Mehrzahl schon bei der Aufsuchung der Metalle erkannt worden sein; das gilt besonders, wie bereits gesagt ist, von den Phosphaten, Silicaten, Carbonaten und den Salzen mit metallischen SĂ€ureradicalen; die Fluoride, Sulfate und Borate werden, wie gewöhnlich, am besten in der ursprĂŒnglichen Substanz aufgesucht.

Um die ĂŒbrigen der bezeichneten Salze aufzusuchen, kann man den Niederschlag mit einer kochenden Lösung von Natriumsulfat behandeln, filtriren und das neutral und baryumsalzfreie Filtrat directed Versuchen unterwerfen.

In der Praxis wird man Sulfite oder Hyposultite neben Bromaten oder Jodaten nicht antreflfen.

Feste, in Wasser nicht oder sehr wenig lösliche Substanz).

2098* Eine feste und unlösliche Substanz kann kein Chlor oder Brom in elementarem Zustande enthalten. Da alle Hypochlorite, Chlorate imd Permanganate, ebenso die Bicarbonate, welche in fester Form existiren können (Bicarbonate der Alkalimetalle), in Wasser löslich sind, so können uns diese Salzarten im vorliegenden Falle nicht begegnen. Dasselbe gilt von den Nitraten und Nitriten mit seltenen Ausnahmen (z. B. basische Nitrate, Wismuthsubnitrat, Kaliumoder Ammonium- Cobalti- Nitrit) und den Polysulfiden, da die einzigen uns bekannten Polysulfide im eigentlichen Sinne Polysulfide der Alkali-und Alkalierdmetalle sind.

Es ist hier von grossed Nutzen, zu wissen, welche Metalle in der zu

Diejenigen, hinter deren Namen ein ? steht, geben massig leicht lösliche BaryumVerbindtingen ; sie können daher, wenn sie in sehr kleinen Mengen vorhanden sind, der Fallang entgehen.

Unter „sehr wenig löslich" in Wasser verstehen wir diejenigen Stoffe, welche man durch ein sorgfĂ€ltiges Auswaschen nicht leicht einem Gemische entzieben kann; hierher gehören u. a. Jod, Calciumhydroxyd , und bis zu einem Grade auch Calciumsulfat und die Alkaliantimoniate.

714 Aufsuchung der freien Metalloide, der Sauren, der Anhydride etc.

analysirenden Substanz vorhanden sind; denn ausser den unlöslichen oder schwer löslichen freien Metalloiden (Jod, Schwefel, Phosphor, Kohlenstoflf) wird man in der Substanz nur KieselsĂ€ure, Oxyde, Hydrate und solche Derivate von SĂ€uren antreffen, welche mit den vorhandenen Metallen, wenigstens als basische Verbindungen, unlösliche Salze bilden können. Salze, welche sich von MetallsĂ€uren ableiten, Chromate, Arsenate u.s.w., deren Metalle in der Substanz nicht erkannt worden sind, sind natĂŒrlich ausgeschlossen.

In unreinen Metallen oder Legirungen, oder in Gemischen, welche dieselben enthalten, können Phosphide, Silicide und Carbide vorkonunen (siege § 2100).

In einer Substanz, in welcher man bei Aufsuchung der Metalle z. B. nur Calcium gefunden hat, können ausser den oben erwÀhnten freien Metalloiden kaum andere Verbindungen vorhanden sein als Fluorid, Sulfat, Phosphat, Borat, KieselsÀure (frei oder gebunden), Carbonat und Hydrat; MetallsÀuren sind ausgeschlossen, da deren charakteristische Elemente fehlen.

Da das Sulfat und das Hydrat des Calciums in Wasser etwas lös- lich sind, ebenso wie freies Jod, so können diese nur vorhanden sein, wenn die unlösliche Substanz das Product der Behandlung einer theilweise löslichen Substanz mit Wasser ist.

Jod, Schwefel, Phosphor und Kohlenstoflf in elementarem Zustande sind leicht an ihren physikalischen Eigenschaften und an der Art, wie sie sich beim Erhitzen im geschlossenen Rohre oder bei Luftzutritt verhalten, zu erkennen; sie werden schon bei den Vor versuchen oder wenigstens bei der Aufsuchung der Metalle gefunden sein. Gleichzeitig werden auch die Verbindungen des Schwefels im Allgemeinen, die Phosphate, die KieselsÀure und ihre Verbindungen, die Carbonate entdeckt worden sein.

Man sieht nach dem Gesagten, wie die Aufgabe in der Praxis durch die vor der speciellen Aufsuchung der Metalloidverbindungen erworbenen Kenntnisse beschrÀnkt wird.

2099. Es ist nicht möglich, jeden der zahllosen FĂ€lle, welche durch die BerĂŒcksichtigung und Verwerthung dieser erworbenen Kenntnisse eintreten können, speciell zu besprechen; wir mĂŒssen die Aufgabe in ihrer Allgemeinheit auffassen und behandeln und uns darauf be- Ă€nken, ihre Lösung in grossen ZĂŒgen anzugeben, es dem Analytiker ĂŒberlassend, die Einzelheiten so zu regeln, wie es die Bedingungen jedes einzelnen vorliegenden Falles erfordern.

Um die Salze, um deren Aufsuchung es sich handelt, in die fĂŒr Versuche auf nassem Wege geeignetste Form, nĂ€mlich in Alkalisalze, ĂŒberzufĂŒhren, behandelt man die sehr fein gepulverte Substanz zunĂ€ mit der etwa doppelten Gewichtsmenge Natriumoder Kalium-

Verfahren beim Aufsuchen der Metalloide. 715

Carbonat), in etwas Wasser gelöst, und kocht einige Minuten, wobei man das verdampfende Wasser immer ersetzt.

Da unlösliche Substanzen weder Hypochlorite noch Nitrite enthalten können, hat man im Allgemeinen die Wirkung der WĂ€rme nicht zu fĂŒrchten, was bei löslichen Substanzen der Fall sein könnte. Hat man Grund zu vermuthen, dass die WĂ€rme, trotz der Gegenwart von Alkalicarbonat, eine gegenseitige Zersetzung zwischen vorhandenen reducirenden und oxydirenden Bestandtheilen herbeifĂŒhren könnte, so digerirt man lĂ€ngere Zeit bei gewöhnlicher Temperatur.

Wenn die Behandlung mit Alkalicarbonat eine Entwickelung von Ammoniak veranlasst, welches von einer Amidverbindung oder von Ammonium -Magnesium -Phosphat oder -Arsenat herrĂŒhren könnte (denn ausser diesen beiden können in einer unlöslichen Substanz eigentliche Ammoniumsalze kaum vorhanden sein), so setzt man das Kochen, wenn möglich, so lange fort, bis die Entwickelung aufgehört hat.

Man filtrirt nun, wĂ€ den RĂŒckstand mit Wasser aus und trocknet ihn.

Das Filtrat, welches durch den Carbonat-Ueberschuss alkalisch geworden ist, dient zur Aufsuchung derjenigen SÀuren, welche nach dem, was man von der Substanz weiss, möglicherweise in ihr anzutreffen sind.

Es ist zu berĂŒcksichtigen, dass die Sulfide des Arsens, und bis zu einem gewissen Grade auch diejenigen des Antimons, namentlich das Antimoniisulfid, durch die alkalischen Lösungen unter Bildung der entsprechenden Sauerstoffund Schwefelsalze, z. B. Arsenit und Sulfo- Arsenit, gelöst und dass in Gegenwart mancher Metalloxyde, wie z. B. derjenigen von Kupfer, Wismuth und Blei, die Sulfosalze durch Au.s- tausch des Schwefels in Sauerstofisalze ĂŒbergenĂŒhrt sein können, z. B. Nag AsSg + 3 CuO 3 CuS + Nag AsOg.

Ausgenommen den Fall, dass man es mit einem Silbersalze enthaltenden Gemische zu thun hat, kann der RĂŒckstand von der Behandlung mit Alkalicarbonat fast nur noch Calciumfluorid, Metallsulfide, Baryumsulfat, welches etwas Strontiumsulfat zurĂŒckhalten könnte (siege § 507), Phosphate, Borate (?), Quarz, Silicate, Carbonate, Oxyde und Hydrate enthalten. Man schmilzt diesen RĂŒckstand — wenn kein Grund dagegen spricht, in einem Tiegel aus Platin — mit Alkalicarbonat, welchem man, falls man die Anwesenheit von Sulfiden oder von Cyanverbindungen voraussetzen kann, etwas Kaliumnitrat zusetzt. Die geschmolzene Masse wird mit Wasser aufgenommen und ein unlöslicher RĂŒckstand, welcher aus Carbonaten, Oxyden oder reducirten Metallen besteht, wird durch Filtration entfernt.

Im Filtrate sucht man die Salzarten auf, welche darin

M Auf wasserfreien Zustand berechnet.

716 Aufsuchung der freien Metalloide, der SĂ€uren, der Anhydride etc.

sein können und deren Anwesenheit oder Abwesenheit frĂŒher nicht festgestellt werden konnte, oder deren Feststellung in der ursprĂŒnglichen Substanz durch einen spedellen Versuch keinen besonderen Nutzen hat, was im Allgemeinen bei den Fluoriden imd Boraten der Fall sein wird

Es ist daran zu erinnern, dass Arsen, Antimon, Chrom und Mangan, welche in dem der Schmelzung unterworfenen RĂŒckstande als Sulfide oder Oxyde etc. enthalten sein konnten, jetzt in die entsprechenden Salze umgewandelt worden sind.

Carbonate mĂŒssen natĂŒrlich direct in der ursprĂŒnglichen Substanz aufgesucht werden.

Findet man in dem Schmelzproducte Sulfate, so ist durch specielie Versuche zu ermitteln, in welcher Form oder in welchen Formen der Schwefel in der ursprĂŒnglichen Substanz vorhanden war.

Ist die analysirte Substanz silberhaltig, so können in dem durch die Natriumcarbonat-Lösung nicht angegriffenen und angelösten Producte Verbindungen des Silbers mit Halogenen oder mit Cyan vorkommen.

Chlor, Brom und Jod finden sich in dem Producte der Schmelzung mit Alkalicarbonat; Cyanverbindimgen mĂŒssen durch specielie Versuche aufgesucht werden, zuerst mit wasserfreiem Natriumhyposulfit (§ 1548, Nr. 13) als allgemeine Reaction, dann eventuell mit speciellen Reagentien fĂŒr jede Art von Cyanverbindungen.

Besonderer Fall einer Lrung.

2100* Nachdem wir den Fall einer Legirung) bei der Aufsuchung der Metalle (§ 2055) fĂŒr sich behandelt haben, wollen wir das an dortiger Stelle Gesagte durch eine Besprechung ĂŒber die Aufsuchung von Metalloiden in einer Legirung ergĂ€nzen.

Metalloide können naturgemÀss nicht in betrÀchtlichem Maasse an der Zusammensetzung einer Legirung Theil nehmen, ohne dass diese ihren metallischen Charakter verliert. In bemerkenswerther Menge kann man von ihnen finden: Schwefel, Phosphor, Silicium, Kohlenstoff. Letzterer konunt nur im Rohnickel und in den Eisensorten des Handels, besonders im Roheisen und Flusseisen bez. Stahl vor; unter Roheisen verstehen wir hier sowohl das gewöhnliche Gusseisen als auch die an Mangan etc. reichen Sorten (z. B. Ferromangan, Ferrochrom).

In den Eisensorten kann auch etwas Stickstoff*) vorkonunen; Sauerstoff trifft man besonders im Kupfer als Cuprooxyd, dem Metalle beigemischt oder in ihm gelöst). ,

') LegiruDg im streDgen Sinne des Wortes oder unreines Metall (s. § 2055).

Ueber seine Aufsuchung und Bestimmung siege Fresenius: AnL z, quant. ehem. Anal., 6. Aufl., Bd. 11, S. 431.

") Ueber Bestimmung des Sauerstoffes im Kupfer siege hauntsÀchlich Hampe: Z. B.; H,' u. Sal.-U: 22 (1874), 205. Spuren von Sauerstoff findet man auch in den Eisensorten: A. Bender: Di'nl. 205 (1872), 531; Ledebur: St. u. E. 2 (1882), 193.

Verfahren beim Aufsuchen der Metalloide. 717

Ausserdem kommt Chlor als Chlorid im Magnesium des Handels und in besonders unreinem Zink vor.

Die Aufsuchung der Metalloide in einer Legirung beschrÀnkt sich denmach auf eine geringe Zahl.

2101 Wenn die Legirung oder das Metall in SalzsĂ€ure oder verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure löslich ist, so entwickelt sich unter Einwirkung dieser SĂ€uren aus dem Schwefel Schwefelwasserstoff, welcher leicht zu erkennen ist.

Der Phosphor wird unter den gleichen Umstanden in Phosphorwasserstoff, welcher entweicht, ĂŒbergenĂŒhrt; ebenso können Arsen, Antimon, Kohlenstoff und Silicium die in Betracht kommenden Wasserstoffverbindungen geben.

Man sucht Schwefel und Phosphor in derselben Probe auf, indem man die gasförmigen Producte in bromirter SalpetersĂ€ure auffangt; nach beendeter Absorption verjagt man den Ueberschuss an Brom und SalpetersĂ€ure durch Abdampfen und untersucht den RĂŒckstand auf SchwefelsĂ€ure und PhosphorsĂ€ure.

Die salzsaure oder schwefelsaure Lösung des Metalles dampft man zur Trockne oder bis zum Entweichen von SchwefelsĂ€uredĂ€mpfen ab (§§ 1922 u. 1923) und nimmt den RĂŒckstand, nachdem man ihn mit SalzsĂ€ure durchfeuchtet hat, mit Wasser auf; das aus der Legirung stammende Silicium bleibt als KieselsĂ€ure imgelöst

Auch der Kohlenstoff bleibt als unlöslicher RĂŒckstand zurĂŒck, sofern er in der Legirung als Graphit enthalten war; er ist in diesem Falle an seiner Farbe und an seiner Verbrennbarkeit zu erkennen.

Ein mehr oder weniger grosser Theil des Kohlenstoffes pflegt, namentlich im Eisen, als Carbid vorhanden zu sein; man erkennt dies leicht an dem unangenehmen GerĂŒche der Gase (Kohlenwasserstoffe), welche aus der Legirung beim Uebergiessen mit verdĂŒnnter SalzsĂ€ure oder SchwefelsĂ€ure entwickelt werden 2). Etwas umstĂ€ndlicher ist die Aufsuchung mit HĂŒlfe von Reagentien, welche, wie z. B. Cupri- Ammonium-Chlorid), das Carbid zerlegen: der Kohlenstoff bleibt alsdann so gut wie vollstĂ€ndig zurĂŒck (vermuthlich in Form eines Kohlenwasserstoffes); absolute Alkohol oder Aether wirken auf diesen RĂŒckstand lösend und werden durch ihn braun gefĂ€rbt.

2102* Ein anderes Verfahren, welches in allen FÀllen anwendbar ist, besteht darin, dass man die Legirung mit einem stark oxydirend wirkenden Lösungsmittel behandelt, welches Schwefel imd Phosphor in

Die Bildung von Silicininwasserstofr unter diesen UmstÀnden ist jedoch nicht sicher nachgewiesen; vielleicht bildet sich, in sehr geringer Menge, Siliciumoxyd ?

') Dieser Geruch kann auch zum Theil durch Schwefelbez. Phosphor-und event. Arsenwasserstoif bedingt sein.

Man findet den Kohlenstoff nur an solche Metalle gebunden, welche auf Cuprisalze zersetzend wirken.

718 Allgemeine Aufsuchung der Metalloide

SchwefelsĂ€ure und PhosphorsĂ€ure ĂŒberfĂŒhrt; man sucht dann diese SĂ€uren in der Lösung auf. Am hĂ€ufigsten wendet man als Lösungsmittel SalpetersĂ€ure mittlerer Concentration oder auch wohl Kaliumchlorat und SalzsĂ€ure an.

Bleibt beim Behandehi mit SalpetersĂ€ure ein unlöslicher RĂŒckstand, aus Stannioder Antimonii-Hydrat bestehend, so muss man in ihm den Phosphor suchen, indem man z. B. so verfĂ€hrt, wie bei der Scheidung der PhosphorsĂ€ure von Zinn durch Kaliumsulfid angegeben ist (§ 1885).

Das Silicium erhÀlt man auch bei diesem Verfahren als KieselsÀure nach Abdampfen der Lösung.

Allgemeine Aufsuchung der Metalloide ohne RĂŒcksicht auf ihren Verbindungszustand %

2103. Liegt ein fester Stoff vor, so schmilzt man ihn direct mit Soda und Salpeter; hat man eine Lösung zu analysiren, so macht man dieselbe, wenn sie es nicht schon ist, durch ein Alkalihydrat alkalisch, dampft zur Trockne) imd schmilzt den RĂŒckstand.

Die geschmolzene Masse wird nut heissem Wasser aufgenonmien; erhĂ€lt man eine von Manganat grĂŒne Lösung, so zerlegt man dieses durch einen Tropfen Alkohol; dann filtrirt man, um die unlöslichen, metallischen Stoffe abzuscheiden.

Das Filtrat enthÀlt das Chlor, Brom, Jod imd Fluor als Chlorid, Bromid, Jodid 8) und Pluorid, Schwefel, Phosphor, Bor, Silicium und Kohlenstoff als Salze der höchsten, bestÀndigen Oxydationsstufe, nÀmlich als Sulfat, Orthophosphat, Borat, Silicat und Carbonat

Der Stickstoff der Ammoniumverbindimgen und der Cyanide entweicht; dagegen kann sich der Stickstoff, welcher in dem ursprĂŒnglichen Stoffe als Nitrit oder als Nitrat vorhanden war, in diesen VerbindungszustĂ€nden theilweise im Filtrate wieder finden; da aber die angewandten Reagentien bereits Nitratstickstoff enthielten, muss man den Stickstoff in einer besonderen Probe aufsuchen. Dasselbe gilt vom Kohlenstoff.

Arsen und Chrom befinden sich ebenfalls im Filtrate als Arsenat und Chromat; endlich kann das Filtrat auch noch etwas Antimon, Blei und Aluminimn enthalten.

Man leitet in die FlĂŒssigkeit KohlensĂ€ure bis zur SĂ€ttigung; dadurch fallen Antimon, Blei und Almninium als Carbonate oder Hydroxyde aus, ebenso das Silicium als KieselsĂ€ure. Man filtrirt und vergewissert sich, wenn es nöthig ist, der Anwesenheit von KieselsĂ€ure, indem man den Niederschlag mit SalzsĂ€ure behandelt, die Lösung zur Trockne dampft und den RĂŒckstand mit SalzsĂ€ure aufnimmt; die KieselsĂ€ure zeigt sich als unlöslicher RĂŒckstand.

Siehe Fussnote 1 zu § 2065.

Man sorge nöthigeDfalls fĂŒr die Erhaltung der AlkalltĂ€t, falls sie etwa, in Folge der Anwesenheit von Ammoniumsalzen, beim Abdampfen verschwinden sollte. Eine geringe Menge Jod könnte auch als Jodat vorhanden sein.

ohne RĂŒcksicht auf ihren Verbindungsznstand. 719

Das Filtrat wird mit SalpetersĂ€ure angesĂ€uert, welche, in Folge der gewöhnlich stattfindenden Bildung von Nitrit sowie unter der Einwirkung etwa vorhandenen Chromates und Arsenates, Jod in Freiheit setzen kann, welches die FlĂŒssigkeit gelb oder braun fĂ€rbt oder auch einen Niederschlag giebt; Spuren von Jod stellt man nöthigenfalls durch AusschĂŒtteln mit Chloroform fest.

ErhÀlt man nicht direct Jod, so setzt man einen Tropfen einer Lösung von Alkalinitrit hindu; erst wenn sich jetzt kein Jod zeigt, ist man sicher, dass dieses Element wirklich nicht vorhanden ist.

Ist Jodid vorhanden, so zersetzt man dieses vollstĂ€ndig durch reines Nitrit; das freie Jod wird dann durch wiederholtes AusschĂŒtteln mit Chloroform, welches ganz frei von SalzsĂ€ure sein muss, und durch Filtration durch em angefeuchtetes Filter, welches nur die wĂ€sserige FlĂŒssigkeit durchlaufen lĂ€sst, entfernt; das Filtrat wird durch Silbernitrat in möglichst geringem Ueberschuss gefĂ€llt.

Der Niederschlag, welcher sich bildet, kann Chlorid und Bromid des Silbers enthalten, sowie auch Jodid und Jodat wenn das Jod durch Nitrit und Chloroform nicht vollstÀndig entfernt worden war. Man sucht das Chlor und das Brom durch die bekannten Mittel auf, nöthigenfalls nach Reduction durch Cadmium (§ 1441).

Aus dem Filtrat e entfernt man den SilberĂŒberschuss durch FĂ€llung mit Natriumchlorid; dann behandelt man es mit Calciumchlorid und Ammoniak. Diese Reagentien fĂ€llen das Fluorid, Phosphat imd Arsenat, welche die Lösung enthalten kann; ausserdem kann der Niederschlag Calciumsulfat und Chromihydrat einschliessen, letzteres in Folge der Reduction von Chromat durch Jodid oder Nitrit.

Der Calciumsalz-Niederschlag wird auf einem Filter gesammelt und mit verdĂŒnnter EssigsĂ€ure behandelt, welche Phosphat und Arsenat des Calciums und Chromihydrat auflöst; in dem RĂŒckstande sucht man das Fluor durch SchwefelsĂ€ure auf) (§ 1581, Nr. 5 u. 6).

Das Phosphat wird in der essigsauren Lösung nach Entfernung des Arsens durch Schwefelwasserstoff entdeckt.

Das vom Calcium-Niederschlage getrennte Filtrat wird mit einem Tropfen Baryumchlorid, um die Gegenwart oder Abwesenheit von Schwefel festzustellen, und dann mit Ammoniumcarbonat behandelt, welches die in Lösung gebliebenen Calciimiund Baryum-Salze fallt.

Das von den gefĂ€llten Carbonaten getrennte Filtrat wird zur Trockne gedampft; der RĂŒckstand wird geglĂŒht, um die Ammoniumsalze zu entfernen; in dem GlĂŒhrĂŒckstande sucht man das Bor*) auf.

HerrĂŒhrend von der Einwirkong freien Jodes auf Silbernitrat.

Bei kleinen Mengen Fluor ist es besser, die ursprĂŒngliche Substanz, unter Beimischung von KieselsĂ€ure, zur PrĂŒfung zu verwenden (siege § 1581, Nr. 6).

Man wird es, wie das Fluor, besser in einer besonderen Probe aufsuchen; man kann sich dazu des Turn er 'sehen Reagens bedienen.

720 Allgemeine Anfsuchung der Metalloide.

Es bleibt jetzt nur noch die PrĂŒfung auf Kohlenstoff und Stickstoff ĂŒbrig.

Kohlenstoft in elementarem Zustande erkennt man an seiner Un- löslichkeit in SÀuren, an seiner Farbe und an seiner Verbrennbarkeit.

In der Form von Carbonat ist er leicht an der Entwickelung von KohlensĂ€ure-Anhydrid unter dem EinflĂŒsse von SĂ€uren zu erkennen.

Befindet sich der Kohlenstoff in der Form einer Cyanverbindung, so bildet die Substanz beim Schmelzen mit wasserfreiem Natriumhyposulfit leicht zu entdeckendes Sulfocyanid (§ 1548, Nr. 13).

Was den Stickstoff betrifft, so bleiben nur Nitrite und Nitrate aufzusuchen, da auf Cyan bereits geprĂŒft worden ist und das Ammoniak von uns als metallische Verbindung („hypothetisches Ammonium**) behandelt wird.

Man fĂŒgt zu der ursprĂŒnglichen Substanz ein Alkalihydrat; findet nicht schon unter dem EinflĂŒsse des Alkalihydrates allein eine Ammoniak-Entwickelung statt, so setzt man etwas Aluminium hindu und beobachtet, ob sich jetzt Ammoniak bildet (§ 1751, Nr. 9 u. § 1805, Xr. 11); enthĂ€lt die Substanz ammoniakalische Verbindungen, so erhitzt man mit Alkalihydrat im Ueberschusse bis zur vollstĂ€ndigen Entfernung des Ammoniaks und setzt nun erst Aluminium hindu (§ 2047, Nr. 15).

In dem Vorhergehenden war weder vom Wasserstoff noch vom Sauerstoff die Rede. Wie wir frĂŒher bereits sagten (§§ 1364 u. 1371), kommt es nur selten vor, dass man diese Elemente direct aufzusuchen oder zu bestimmen hat; ihre Gegenwart lĂ€sst sich aus den Beobachtungen, welche im Verlaufe der Aufsuchung der anderen Elemente gemacht wurden, ableiten. Nur die Aufsuchung des Wassers hat einige Wichtigkeit; wie diese geschieht, ist bekannt (§§ 1374 u. 1375).